Hari´s Märkte am Abend – 11.04.12 – Nokia bricht ein, ThyssenKrupp leidet

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet erholten sich die Märkte heute etwas von den gestrigen, schweren Einschlägen. Der S&P500 konnte zeitweise den 50er Moving Average bei 1371 zurück erobern und der DAX stieg bis über 6700, bevor er zum Handelsschluss etwas zurück fiel.

War es das schon mit der Korrektur ? Kann sein, aber ehrlich gesagt, ich bin noch nicht überzeugt. Die heutige Stärke war nach der überverkauften Markttechnik wenig überraschend und ist nach Art und Umfang noch nicht ausreichend, um zwingend ein Ende der Abwärtsbewegung auszurufen. Im S&P 500 ist auch eigentlich noch ein technisches Ziel bei 1351 abzuarbeiten, falls das noch passiert, würde es den DAX sicher unter 6600 drücken. Auf der anderen Seite kann man das heutige Marktverhalten auch als "Bullenflagge" interpretieren, die dann Morgen nach oben aufgelöst würde.

Im Ergebnis hatten wir heute weder genug Stärke um dieser besondere Bedeutung beizumessen, noch weitere Schwäche, die einen fortgesetzten Absturz indizieren würde. Wir hatten heute eine Beruhigung, das alleine ist schon latent positiv, mehr aber auch nicht.

Insofern bleibe ich verhalten, habe gestern selektiv hier und da ein bisschen zugekauft, halte aber den wesentlichen Teil meines Pulvers noch trocken und war heute eher inaktiv. Mehr gibt es heute auch nicht zum Markt zu sagen, abwarten und Tee trinken ist das Gebot der Stunde.

Ein ganz übles Kapitel des heutigen Tages schrieb Nokia (WKN 870737). Überraschend gab Nokia bekannt, dass im 1. Quartal die Margenziele für die Smartphones verfehlt werden. Man könnte das flapsig übersetzen als: "Nokia bekommt in dem Markt kein Bein mehr auf die Erde". Der Markt reagierte entsprechend und strafte Nokia mit einem Minus von bis zu 18% ab. AUA !

Als ob das nicht genügen würde, kam heute noch eine Katastrophen-Nachricht hinzu, die gut ins traurige Bild passt. Nokia hat scheinbar den US Marktstart seines Lumia 900 Smartphones vergeigt. Das letzten Sonntag in den USA eingeführte Gerät hat wohl einen Softwarefehler und kann laut Nokia die Datenverbindung verlieren. „Um den 16. April“ soll es eine Software geben, die den Fehler behebt, gleichzeitig zahlt Nokia 100 USD Entschädigung, womit das Gerät wohl zum Zuschussmodell wird.

Schlimmer gehts nimmer, kann man da nur sagen und so kann man sich einen Ruf auch nachhaltig ruinieren. Bei so einem entscheidenden Anlauf im wichtigsten Markt einen derartig grundlegenden Fehler zu produzieren, zeugt für mich von schweren Verwerfungen in der Organisation und ruiniert den Ruf der Marke. 15% Minus bei Handelsschluss sind da in Anbetracht der heutigen Nachrichten noch harmlos.

Das sieht in meinen Augen nun ganz finster aus bei Nokia und das einzig Positive, das mir nun zu dem Titel einfällt ist, dass nun wohl alle die Nokia verkaufen wollen, endgültig draussen sind. Insofern könnte nun kurzfristig eine technische Gegenbewegung möglich sein. Ich werde aber nicht versuchen diese zu spielen und bin froh, dass ich beim Unterschreiten der 4€ Linie durch meinen Stop schon vor Wochen aus dem Titel gekommen bin.

Denn diese Nachricht wirft in meinen Augen nun weit tiefergehende Fragen nach der prinzipiellen Profitabilität von Nokia auf. Und damit steht mittelfristig auch die Überlebensfähigkeit im Markt im Raum. Denn im Massengeschäft der Emerging Markets, in denen Nokia immer noch grosse Volumina mit einfachen Handys absetzt, ist der Preisdruck auf die Margen ja nun auch nicht gerade klein.

Nokia steht nun auf der einen Seite neben einer Marke "Apple", die eine Macht darstellt und auf absehbare Zeit den Markt dominieren sollte. Und auf der anderen Seite steht der aggressive Technologie-Riese Samsung, der alle wesentlichen Technologien im Haus hat und praktisch nichts zukaufen muss, was einen hohen Spielraum bei aggressiven Preiskämpfen gewährt. Wo da Nokia zur Spitze durchstossen will, ist derzeit schwer vorstellbar.

Circa ein Jahr ist es nun her, dass Stephen Elop den Schwenk hin zu Microsoft bekannt gab. Diesen Zeitablauf vor Augen, sind die bisherigen Ergebnisse in meinen Augen wenig überzeugend, denn wenn man so einen gewaltigen Schritt bekannt gibt, sollte man dann auch bald liefern können. Sicher, derzeit ist Nokia nicht mehr viel mehr wert, als alleine das Patentportfolio ausmachen dürfte. Insofern sichert das den Kurs nach unten ab. Aber ob das in Anbetracht der immer weiter schwindenden Kraft der Marke "Nokia" alleine ein Grund für eine Investition ist, wage ich nun zu bezweifeln.

Lange bin auch ich ja davon ausgegangen, dass Nokia wieder auferstehen kann. Und vor einem halben Jahr, vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft 2011, habe ich die Lage bei Nokia auch als weit hoffnungsvoller eingeschätzt. Da hatte Nokia auch eine Chance und ein Erfolg im Weihnachtsgeschäft hätte den Ruf wieder stabilisieren können. Da hätte man liefern müssen und als dem Markt klar wurde, dass Nokia das nicht ausreichend hinbekommt, begann auch die Reise abwärts vom Bereich um 5€, die nun mit fast 3€ einen traurigen Tiefpunkt erreicht.

Der heutige Tag, den ich als Offenbarungseid empfinde, erzeugt da bei mir nun ein tiefgehendes Fragezeichen und ich sehe nun wenig Grund, rein auf Verdacht und Hoffnung Kapital in Nokia zu binden. Eigentlich sind die Lumia ja schöne Geräte, aber eigentlich reicht halt nicht, sie müssen auch funktionieren und technologisch etwas zu bieten haben. Die Geschwindigkeit des Duos Microsoft/Nokia lässt also offensichtlich deutlich zu wünschen übrig, wie man so gegen Apple und Samsung bestehen will, bleibt für mich im Dunkeln. Und wie ich über den Erfolg der "Metro" Strategie bei Microsoft denke, habe ich ja -> hier <- deutlich gemacht.

Ich werde mir das "Spektakel" um Microsoft und Nokia auf jeden Fall weiter nur von der Seitenlinie anschauen. Sollten die beiden doch noch ihre Hausaufgaben zusammen bekommen und langsam wieder Marktanteile gewinnen, ist noch genug Zeit auf den Zug aufzuspringen. Das so eine Bewegung über Jahre geht, kann man ja gerade gut bei Apple beobachten.

Stark waren heute die Stahlwerte rund um Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (WKN KC0100), die heute nicht nur von den guten Alcoa-Zahlen profitierten, sondern ja auch technisch mehr als ausgebombt sind. Vor diesem Hintergrund ist der Anstieg heute aber auch nicht mehr als eine kleine Gegenbewegung, auch wenn die Stahlkonjunktur in Deutschland wieder anzuziehen scheint. Der Preisdruck aus China liegt aber wie Blei auf diesen Werten. Sollte sich der Häusermarkt in China weiter abschwächen, dürfte uns dieser Preisdruck auch noch länger erhalten bleiben.

Für Stahlkocher wie ThyssenKrupp (WKN 750000), die zusätzlich zur schwierigen Marktlage noch mit selbst verursachten operativen Problemen und Verlusten kämpfen, sind das keine guten Nachrichten. Da fühle ich mich in einer finanziell soliden Aktie wie Salzgitter wesentlich wohler. Und wer es etwas internationaler mag, kann zum Marktführer Arcelormittal (WKN A0M6U2) greifen. Arcelormittal hat übrigens seine Erzminen nicht verkauft und baut diese im Moment weiter aus. Damit ist Arcelormittal von den grossen Erzförderern rund um Vale oder Rio Tinto weitgehend unabhängig und hängt mit seiner Marge nicht derart eingequetscht zwischen "Baum und Borke" wie ThyssenKrupp.

In dem Zusammenhang erinnere ich an meinen kritischen Artikel -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- zu den Fehlgriffen der Verantwortlichen bei ThyssenKrupp. Der Verkauf der eigenen Erzminen von 2001 ist dabei für mich auch so eine strategische Fehlleistung der "grossen Restrukturierer", mit der ein derartiges Traditionsunternehmen überhaupt erst den wilden Preisschwankungen bei Erz ausgesetzt wurde.

Ich habe dazu mal -> hier <- die Pressemitteilung von 2001 heraus gekramt, mit der der Verkauf der brasilianischen Erzminen des Thyssenkrupp Konzerns an Vale bekannt gegeben wurde. Heute liest sich das für mich wie ein Auszug aus dem Kuriositätenkabinett, ich zitiere Ekkehard Schulz: "Diese Transaktion ist ein Schritt zur Wertschaffung für ThyssenKrupp Stahl und den gesamten ThyssenKrupp Konzern. Sie ist ein weiterer Baustein in unserer Strategie des wertorientierten Managements".

Bravo, kann ich da nur sarkastisch sagen, das prozyklische Timing ist aller Ehren wert - Verkauf der Erzminen auf dem Tiefpunkt, bevor dann eine langjährige Hausse bei den Roherzen einsetzte, die Rio Tinto, Vale und Co. in ungeahnte Höhen katapultierte und den Wert der verkauften Minen vervielfachte. Und der Neubau der beiden Stahlwerke in Amerika, die nun solche Probleme machen, wurde ja auch prozyklisch mitten im Höhepunkt der Stahlkonjunktur beschlossen. Wenn es einen Preis für das schlechteste Timing gäbe, die Herren Cromme und Schulz hätten in meinen Augen gute Chancen auf eine Nominierung. Es wäre ja eigentlich lustig, wenn nicht durch diese Fehlgriffe die Gefahr bestünde, dass Deutschland seinen einzigen Stahlkonzern von Weltruf mit 150 jähriger Geschichte verliert.

Und auch wenn Herr Cromme in der Pressemitteilung nicht erwähnt wird, er bildete laut -> ThyssenKrupp Homepage <- bis September 2001 mit Ekkehard Schulz eine Doppelspitze bei ThyssenKrupp, bevor er dann in den Vorsitz des Aufsichtsrates wechselte. Es ist schon erstaunlich, wie er es geschafft hat, dass von solchen Entscheidungen nichts an ihm persönlich hängen geblieben ist und er so zu einer der mächtigsten Personen der deutschen Wirtschaft aufsteigen konnte. Eines muss man Herrn Cromme lassen, ein Händchen für Machtpolitik hat er mit Sicherheit.

Zum Abschluss noch ein exzellenter, kurzer Artikel, der so gut und treffend ist, dass ich Ihnen die Lektüre wärmstens ans Herz legen möchte ! Es dauert nur 2 Minuten und hält uns als Anleger den Spiegel vor. -> There is a difference between knowing and doing <-

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 05.03.12 – China und die Rohstoffe – Rio Tinto und Arch Coal

22 Uhr - Handelsschluss

Da lag der Elfmeter für die Bären, wie ich ja im Marktupdate heute Mittag -> hier <- schon geschrieben hatte. Nur verwandeln konnten die Bären erneut nicht, überzeugende Bären sehen wirklich anders aus.

Ich kann nur an meine Marktanalyse von Freitag erinnern, für mich sieht das so aus, als ob die innere Spannung des Marktes weiter zunimmt und sich bald mit einer starken Bewegung nach oben oder unten entladen wird.

Die Richtung des Ausschlags ist weiter unklar, zum Marktsentiment hatte ich Sie ja schon letzte Woche zweimal auf die letzte Cognitrend Studie hingewiesen. Für diese Sicht gab es heute eine weitere Bestätigung. Der von mir geschätze Börsendienst der "Bespoke Investment Group" hat bei einer regelmässigen Umfrage unter seinen Lesern - die eher den Marktprofis zuzuordnen sind - erneut eine Mehrheit mit bärischen Erwartungen identifiziert. Siehe -> hier <-.

Das ist nicht verwunderlich, denn es gehört wirklich nicht viel Phantasie dazu, sich nach 2,5 Monaten unaufhörlichem Anstieg nun eine grössere Korrektur vorzustellen. Deshalb ist die Korrektur auch im Moment nicht die Contrarian-Sicht, sondern entspricht eher dem Mainstream. Und wie ich hier ja immer hier predige, liebt es Mr. Market geradezu, genau den Weg der Mehrheit nicht zu gehen, sondern den Weg einzuschlagen, auf dem die wenigsten positioniert sind. Und deshalb kam die Korrektur bisher noch nicht und es bestehen durchaus Chancen, dass das länger so bleibt, als viele an der Seitenlinie aushalten können.

Warten wir einfach weiter ab, in welche Richtung der Pendel ausschlägt, schenken aber den Bullen weiterhin etwas mehr Vertrauen, denn die Bären haben ihren Mangel an Durchschlagskraft heute erneut unter Beweis gestellt.

Unabhängig von dem Verlauf der Indizes, gab es heute aber erhebliche Schwäche bei den Rohstoffaktien. Wesentlichen Einfluss hatten dabei nicht nur wenig überzeugende US Wirtschaftdaten, sondern vor allem auch die Meldung, dass in China für 2012 "nur" noch ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent erwartet wird - dies wäre das geringste Wirtschaftswachstum in China seit 1990. China braucht hohe Wachstumraten, um den sozialen Zusammenhalt überhaupt sicher stellen zu können.

Dabei sind die Zahlen aus China gar nicht so überraschend, immerhin hat die Zentralregierung ja zuletzt deutlich auf die Bremse getreten. Die Reaktion Mr. Marktes ist daher nach meiner Ansicht heute auch primär seiner aktuell skeptischen Stimmungslage geschuldet. Was Rohstoffe angeht, hat er gerade wieder seine manisch depressive Phase. Denn an anderen Tagen hätte Mr. Market nach solchen Aussagen durchaus auch eine Rally hingelegt, weil er das so interpretiert hätte, dass weitere monetäre Stimuli seitens der chinesischen Regierung nun wahrscheinlich sind - und genug Geld ist dafür in China ja vorhanden - zumindest solange man US Staatsanleihen noch werthaltig verkaufen kann. 😉

Diese Fragezeichen um die Weltkonjunktur haben aber heute bei vielen Rohstoffwerten bittere Spuren hinterlassen. Schon vor Wochen, Anfang Februar, haben die Rohstoffwerte zu bröseln begonnen, und nahmen heute nach unten Fahrt auf. Eine derartige Trendbeschleunigung findet oft gegen Ende starker Trends statt. Darauf folgen dann typischerweise noch ein paar Tage in Richtung des Trends mit abnehmender Intensität und dann setzt die Gegenbewegung ein.

Exemplarisch kann man die aktuelle Situation bei Rohstoffaktien am Chart des Rohstoffgiganten Rio Tinto (WKN 852147) nachvollziehen, den ich Ihnen heute in Britischen Pfund mitgebracht habe.

Sie sehen im Chart, dass wir bis zu einer gedachten Trendlinie noch etwa 5% nach unten haben, der Trend läuft bei ca. 3250 Pence. Sollte Rio Tinto noch einmal kurzfristig 5% nachgeben, würden wir auf dem Trend aufsitzen und genau dann würden auch die Oszillatoren wie zb der RSI wohl noch stärkere Kaufsignale senden, als sie das heute schon tun.

Wenn Sie jetzt noch davon überzeugt sind, dass die Liquiditätsflut der Notenbanken früher oder später ihren Weg in die Rohstoffmärkte findet - und ich bin dieser Ansicht - liegen bei Werten wie Rio Tinto, die ihr Geschäft primär mit Industriemetallen wie zB Kupfer betreiben, möglicherweise bald attraktive Kaufkurse vor uns.

Weitere interessante Aktien im Bereich Industriemetalle könnten sein: BHP Billiton (WKN 908101), Anglo American (WKN A0MUKL), Freeport McMoran (WKN 896476) oder Teck Resources (WKN 858265). Die brasilianische Vale (WKN 897998) mag ich persönlich nicht so sehr, weil mir da der Staatseinfluss zu hoch ist (genau deshalb wird sie auch vom Markt so niedrig bewertet) und bei der ansonsten interessanten XStrata (WKN 552834) machen mir die aktuellen Diskussionen um eine Fusion mit Glencore (WKN A1JAGV) eine Investition im Moment zu unberechenbar.

In diesem Zusammenhang noch ein paar warnende Zeilen zu den US Kohlewerten, insbesondere die Arch Coal (WKN 908011) wurde hier ja schon mehrfach besprochen. Ich warne davor, hier einfach billige Kurse perse als Kaufgelegenheiten zu betrachten. Denn entgegen meiner bisherigen Erwartung haben die meisten Kohlewerte - auch Arch Coal - das Tief von letztem Oktober nun doch nach unten durchbrochen. Damit wurde das, was auch ich bisher als multiplen Boden interpretiert hatte, nun negiert. Und damit haben wir rein vom Chart her noch einiges an Fallhöhe. Ich habe gelernt derartige Bewegungen für die kurzfristige Sicht zu respektieren, auch wenn mir meine fundamentale Sicht etwas anderes nahelegt und ich den Kohlesektor mittelfristig für einen guten Kandidaten für einen Rebound halte. Nur der Marktführer Peabody Energy (WKN 675266) hält sich noch knapp über den Oktober-Tiefs, was die Hoffnung am Leben hält.

Noch einmal zum Verständnis. Der US Kohlesektor leidet unter Überkapazitäten, die neben schwacher Konjunktur unter anderem von chinesischen Produzenten ausgehen, aber auch Folge des massiven Preisdruckes durch billiges US Gas (US Shale-Gas) sind. Denn Kohle und Gas streiten um die selben Abnehmer in Kraftwerken, Industrie etc. und das könnte zu einer Substitution von Kohle durch Gas führen, zumindest befürchtet das der Markt. Deshalb ist der Kurs des Shale-Gas Pioniers Chesapeake Energy (WKN 885725) auch für Kohle wichtig und die sind heute auch wieder schwach. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Tief der Kohlepreise noch länger weitergeht als man denkt und Mr. Market signalisiert mit seiner Kursentwicklung im Moment genau das !

Ich bin zwar nach wie vor fest überzeugt, dass wir es hier mit einem Schweinezyklus zu tun haben, der auch absehbar wieder zu weit höheren Preisen führt. Und wenn Sie sich an letzten Oktober nach meiner Besprechung von Arch Coal hier erinnern - wonach eine Arch Coal mal eben 40% gewonnen hat - wissen Sie wie schnell das gehen kann. Aber dieser Anstieg wurde halt Ende Oktober bei ca. 20 USD beendet und seit dem sagt die Kursentwicklung bei den Kohleaktien nur, dass die Luft nachhaltig raus ist. Aufgrund des Wissens um den schnellen Anstieg bei einer Wende, bin ich bei den US Kohleaktien zwar immer auf der Suche nach dem Wendepunkt. Aber die Zeit bis dahin könnte möglicherweise noch lang und schmerzhaft werden.

US Kohleaktien drängen sich mir im Moment daher nicht zwingend auf. Wäre der multiple Boden bestätigt worden, würde ich das heute anders sehen, dann würden wir aber bei den Kursen heute schon längst wieder nach oben laufen. Aber wir sind im Chart bei den meisten Titeln durchgefallen und das erhöht nun das Risiko in ein fallendes Messer zu greifen. Ich selber bin nur noch bei Arch Coal mit einer Basisposition investiert und bleibe das auch im Sinne "Buy and Hold", bis der Schweinezyklus nach oben dreht, was schon Morgen, in einem Monat aber auch erst in einem Jahr passieren kann. Dann - aber erst dann - lege ich bei den Kohlewerten nach. Das ich als Folge dieser Strategie die ersten paar Prozent Anstieg verpasse, nehme ich in Kauf und ist ein Preis den ich zu zahlen bereit bin.

Würde ich jetzt unbedingt in den Sektor einsteigen wollen, würde ich die Entwicklung am morgigen Dienstag abwarten, um zu schauen wie der Markt nach dem heutigen Abverkauf reagiert. Hält der Marktführer Peabody Energy das Tief von Oktober und dreht wieder nach oben, kann man einen Einstieg vielleicht tatsächlich wagen. Fällt aber auch Peabody durch, würde ich erst einmal mit noch deutlich tieferen Kursen im Sektor rechnen.

Und damit meine obigen Warnungen keine Missverständnisse erzeugen, ich sehe nach wie vor grosse Chancen in den US Kohletiteln und habe Ihnen deshalb -> hier <- noch eine sehr bullishe Studie von "Seeking Alpha" mitgebracht, die ich vom Timing abgesehen inhaltlich sehr teile ! Aber bei allen Chancen, muss halt auch das Timing sitzen.

Auch für die US Kohleaktien kommt wieder die richtige Zeit, da bin ich sicher. Wenn diese Zeit aber nicht heute ist, muss man es auch nicht erzwingen wollen, es gibt nach meiner Ansicht aktuell genug andere, profitable Setups im Markt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend, bis Morgen in alter Frische,
Ihr Hari