Zehn interessante Setups zum Monatsbeginn – 04.03.13

Heute, vor Start des Handels an der Wallstreet, möchte ich mal einen ungewöhnlichen Artikel zu interessanten Setups "wagen".

Keine Marktanalyse, keine Chartsicht auf einzelne Aktien, keine Betrachtungen zu finanzpolitischen Themen.

Nein, ich möchte einfach Ideen generieren. Ich liefere Ihnen eine kleine Auswahl von zehn aktuellen Setups, die ich im Moment interessant finde. Und zwar ohne grosse Erklärung.

Viele dieser Setups wurden hier schon in Live-Tips oder im Forum erwähnt, für aufmerksame Leser sollten also keine all zu grossen Überraschungen dabei sein. Aber so gebündelt haben Sie derartige Ideen sicher noch nicht an einem Platz gehabt.

Und für neue Leser des Blogs sei noch der Disclaimer erlaubt: Nicht alle der Setups werden sich im positiven Sinne entwickeln. Darum geht es aber auch gar nicht, denn die Setups sind keine Prognosen. Es sind einfach Situationen, die in meinen Augen aktuell ein positives Chance-Risiko-Verhältnis beinhalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger !

Keines dieser Setups sollte man ohne entsprechende Absicherung eingehen, denn niemand hat eine Glaskugel, auch ich nicht ! Und wenn sich 60% dieser Ideen in der erwarteten Richtung entwickeln, wäre das schon ein sehr positives Ergebnis ! Wenn Sie es dann noch schaffen, bei den 60% die Gewinne laufen zu lassen und bei den 40% die Verluste konsequent zu begrenzen, dürften sich in Summe schöne Gewinne einstellen. Dieses Risikomanagement und die Disziplin bei der Umsetzung der Strategie sind das Erfolgs-Geheimnis beim Trading. Die Zukunft erraten zu wollen ist dagegen sinnlos und bindet nur unnötig Energie.

So - und nach der Vorrede geht es nun los:

(1)
Long Euro, Short Yen und britisches Pfund. Also Long EURJPY, EURGBP. Das monetary Easing (Gelddrucken) der Notenbanken in Japan und GB ist wesentlich aggressiver, als das der EZB. Und eine Änderung dieser Divergenz ist nicht absehbar. Verbunden mit strukturellen Problemen in GB und Japan und einem Staat der defacto "Pleite" ist wenn die Notenbank nicht druckt, birgt das das Potential einer langfristigen relativen Schwächung der Währungen. Gleichzeitig ist der Euro durch die Wahl in Italien erfreulich zurück gekommen. Langfristiger "Global-Makro" Trade.

(2)
Long Veolia (WKN 501451) - Schöner Aufwärtstrend seit November, klare Umkehrformation, Aktie nimmt Momentum auf. Turnaround Wette. Mittelfristiger Trade.

(3)
Long Hewlett-Packard (WKN 851301) - Langfristwette, kurzfristig Korrektur denkbar. Aktie mit grossem Potential bei Zerschlagung des Konglomerats. Auch potentielle 3D Phantasie, im Druckerbereich ist HP nach wie vor eine Macht und eine Übernahme eines 3D Druck Spezialisten würde massive Skaleneffekte frei setzen.

(4)
Long Intel (WKN 855681) - Langfristwette, Aktie auf "Value"-Niveau. Jede Menge gedämpfte Erwartungen eingepreist. Wenig Downside.

(5)
Short - Beiersdorf (WKN 520000) - Berechtigte positive Erwartungen scheinen weitgehend eingepreist. Aktie scheint zu weit gelaufen. Kurzfristiges Potential nach oben noch vielleicht 10%. Unbedingt Quartalszahlen morgen am 05.03. abwarten, dann mögliche Positionierung. Die Analysten überbieten sich derzeit mit rosigen Prognosen, ein gutes Zeichen für einen Top. Ein Short wäre hier aber kein kurzfristiger Trade, sondern eine langfristige Wette. Als kurzfristiger Trade völlig ungeeignet ! Interessant scheint auch eine gegenläufige Wettte: Long Henkel, Short Beiersdorf in identischem Volumen. Also eine Wette auf eine Überperformance von Henkel gegenüber Beiersdorf.

(6)
Noch eine gegenläufige Wette im Sinne eines "Straddles" : Short Siemens (WKN 723610) und Long ABB oder GE ! Siemens hat strukturelle Probleme und einen scheinbar -> überforderten CEO <- Und einen dominierenden AR Vorsitzenden, der sich schon bei ThyssenKrupp derzeit nicht mit -> "Ruhm bekleckert" <- und dort genügend Probleme hat. ABB und GE sind dagegen deutlich besser in Fahrt und sollten gegenüber Siemens weiter Boden gut machen.

(7)
Long Indonesien (ETF WKN DBX0EU). Momentum-Trade auf Basis des aktuellen Ausbruchs. Auch andere "Tigerstaaten" wie Malaysia sehen aktuell interessant aus.

(8)
Long Wacker Chemie (WCH888). Die Wende bei Polysilizium scheint keine Eintagesfliege zu sein. Abgesehen davon bietet Wacker ein stabiles Geschäftsmodell. Die aktuelle Schwäche ist überfällig und bietet vielleicht eine schöne Einstiegsgelegenheit. In der Zone 60-62€ erste Teil-Position aufbauen. Bei weiter gehender Schwäche Position erweitern und bis zur Zielgrösse ausbauen. Stop unter dem Tief 31.01.13.

(9)
Long Gold in USD XAUUSD. Sehr kurzfristiger Trade, Wette auf bullischen Doppelboden 21.02.13 und 01.03.13. Stop entsprechend sehr eng unter dem Tief vom 21.02.13 Ausgang völlig unklar - 50/50 - aber Potential nach oben weit höher als Risiko zum Stop. Für längerfristige Wetten unbedingt beachten, dass das Tief vom 16.05.12 bestimmt temporär unterschritten wird, falls der XAUUSD Kurs noch einmal in diese Nähe kommen sollte. Die Massen an Stops unter diesem Tief werden sich die Algos nicht entgehen lassen. Lassen Sie sich dort nicht abfischen !

(10)
Long Biotech. Langfrist Trade. Entweder über die US ETFs IBB und XBI oder über einzelne Titel in Europa wie Qiagen (WKN 901626). IBB ist mit Momentum zu neuen Hochs ausgebrochen. Hier etabliert sich möglicherweise ein neuer Bullenmarkt mit langfristigem Potential für viele, viele Jahre !

Ich wünsche viel Erfolg !

Ihr Hari

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Marktupdate – 02.08.12 – FED & EZB: ausser Reden nichts gewesen

16:00 Uhr

Wie treffend meine zuletzt mehrfach geäusserte Sicht auf die bullische Struktur des Marktes war, können wir heute wieder beobachten.

Wir standen mit DAX 6800 und S&P 500 1380 eigentlich nicht mehr sehr weit von den Jahreshöchstständen entfernt und hatten eine tagelange Rally hinter uns.

Und dann enttäuschen die Notenbanken auch noch übertriebene Erwartungen. FED mit QE3 - Fehlanzeige. Erneute Zinssenkung EZB - Fehlanzeige. Konkrete Massnahmen der EZB ausser Absichtserklärungen - Fehlanzeige. Immerhin hat Draghi nun konkrete Aktionen in den nächsten Wochen angekündigt und damit bleibt die Hoffnung am Leben. Aber trotzdem, normalerweise hätte diese Summe an Enttäuschungen reichen müssen, um den Markt massiv nach unten zu schicken.

Und was macht Mr. Market ? Er gibt bei den Enttäuschungen gestern und heute früh kaum ab. Dann spricht Draghi von konkreten Aktionen in den nächsten Wochen und der DAX Future steigt - Pling - sofort bis 6850 ! Erst als der Markt während der Pressekonferenz realisiert, das Draghi heute mehr als Ankündigungen noch nicht zu bieten hat, lässt das den DAX Future in einer Korrektur temporär bis 6604 abstürzen. Aber jetzt um 16 Uhr kommen die Kaufprogramme wieder und kaufen den Rücksetzer und 6700 sind schon wieder in Schlagweite.

Ich kann es nur deutlich sagen: wenn die Bären auch die heutige Enttäuschung nicht nutzen können um den Markt abzuschiessen, wenn wir uns im weiteren Handelsverlauf wieder über 6700 im DAX hoch robben, dann ist damit der Beweis erbracht, dass von den Bären aktuell keine Gefahr droht.

Aber noch haben die Bären ja ein paar Stunden Zeit das Blatt doch noch zu wenden. Eine bessere Definition für einen starken Markt gibt es auf jeden Fall nicht und ich kann nur dazu raten, das dann zu respektieren und sich dieser Dampfwalze nicht mit einem bärischen Bias entgegen zu stellen.

Insofern werde ich ganz aufmerksam den weiteren Verlauf des heutigen Tages abwarten, denn der sagt uns eine Menge darüber, wie die innere Konstitution des Marktes wirklich ist und wieviel Saft diese Rally noch hat. Damit die Bären meinen Respekt erwerben, müssen sie nun die "Nach-Draghi" Tiefs erneut durchschlagen und den DAX auch nachhaltig unter 6600 tauchen. Dann bin ich bereit die Bären wieder ernst zu nehmen.

Wie lange diese bullische Phase noch andauert kann Ihnen niemand sagen, vielleicht ist sie ja schon heute Abend vorbei. Aber was ich hier sehe, hat für mich eher den Charakter über ein kurzes Sommerwunder hinaus zu gehen und bis in den Herbst Wirkung zu zeigen. Denn wenn man es genau betrachtet, hat Draghi durchaus geliefert. Wer halbwegs kompetent die Mehrheitsmechanismen in der EZB verfolgt, konnte doch nicht ernsthaft erwarten, dass heute schon ein konkreter Beschluss erfolgt. Im Kern hat Draghi aber massive Staatsanleihenkäufe - also die europäische Version des Quantitative Easing - in den Raum gestellt. Ein Staat der also unter den ESM schlüpft, wird durch die Geschütze der EZB damit defacto vom Markt abgeschirmt.

Das ist schon eine sehr wesentlich und starke Aussage, die über das eigentliche Mandat der EZB hinaus geht. Insofern hat Draghi geliefert und ich vermute, der Markt wird das im Laufe des heutigen Handels auch so sehen. Um so wichtiger wird damit das Bundesverfassungsgericht am 12.09.12 werden, den Termin können Sie sich schon heute markieren, denn er wird für grosse Nervosität an den Märkten sorgen.

Und was den sich abzeichnenden Grexit angeht, wird der den Markt gar nicht interessieren, wenn die EZB mit klarer und aggressiver Sprache "alle notwendigen Massnahmen" garantiert und der ESM aktiv ist. Der Markt interessiert sich doch gar nicht für Griechenland und sorgt sich auch nicht darum. Was ist schon Griechenland für die Welt - eigentlich völlig irrelevant.

Der Markt sorgt sich um die Folgeeffekte eines Grexit in den grossen Volkswirtschaften der Eurozone wie Italien und Spanien. Wenn die EZB den Markt aber durch aggressive Sprache überzeugt, dass es sich nicht lohnt gegen die schweren Waffen der EZB auf eine Eskalation der Krise zu setzen, dann wird es schlicht keine Eskalation geben. Vertrauen ist halt das entscheidende Gut an den Finanzmärkten. Dann wird die Finanzwelt den sowieso unvermeidlichen Grexit nur noch mit einem desinteressierten Schulterzucken zur Kenntnis nehmen und letztlich wird es den Euro stärken.

Auffällig ist auch erneut die immense Stärke der grossen, defensiven Bluechips, hier fliesst eindeutig institutionelles Geld zu und diese Titel geben einfach kein bischen ihrer bisherigen Gewinne ab. Bei den kleinen und mittelgrossen Aktien ist das Bild lange nicht so positiv, was man auch leicht an der deutlichen Divergenz zwischen S&P500 und Russell2000 Index (RUT) erkennen kann.

Fazit: Wenn der heutige Tag bis Handelsschluss stark bleiben sollte und wir uns von den Tiefstständen nach Draghis Pressekonferenz weiter entfernen, sind ein DAX über 7000 und ein S&P500 über 1400 für mich durchaus wahrscheinlich geworden. Erst wenn wir unter DAX 6600 schliessen, wird sich mein Blick auch wieder nach unten richten. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an meine im 2. Quartal mehrfach getätigte "Weissagung" einer Sommerrally, die sich vor einem Monat auch viele hier nicht so richtig vorstellen konnten. Es ist und bleibt halt einfach so, dass der Weg den sich die wenigsten vorstellen können, an der Börse mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eintritt. Für Laien mag sich das komisch anhören, denkt man darüber nach wird es aber ganz logisch. Denn auf dem Weg den alle schon erwarten, sind alle auch positioniert und dieses Geld ist damit schon ausgegeben und in den Kursen verarbeitet.

Was ist heute sonst noch auffällig ?

Veolia (WKN 501451) wird heute mit zeitweise Minus 10% geschlachtet. Meine Warnung vom 05.07.12 war also offensichtlich gerechtfertigt. Auslöser waren die Zahlen, die ich aber gar nicht als so schlecht empfand, immerhin war Veolia wieder zu einem Quartalsgewinn in der Lage. Insofern bin ich mir nicht völlig darüber im Klaren, was zu diesem massiven Absturz heute geführt hat. Mit Sicherheit hatte der Markt bessere Zahlen erwartet. Ich habe aber schon seit dem 05.07.12 den Eindruck, dass es hier von Seiten der Politik Probleme gibt, die zu einer Verschlechterung der Stimmung im Sektor führen. Denn die Märkte in denen sich Veolia bewegt sind in hohem Masse politisch beeinflusst, bei einem sozialistischen Präsidenten erst recht. Wer aufgrund französischer Sprachkenntnisse mehr zum Geschehen bei Veolia beitragen kann, ist mit einem Kommentar herzlich willkommen.

Itron (WKN 888379) schiesst nach ausgezeichneten Zahlen um 10% nach oben.

Die Goldminen (ETF GDX) zeigen in Anbetracht des Goldpreise mit über 1% Plus um 16 Uhr Stärke und Überperformance. Wie übrigens Gold und Silber diese Enttäuschungen bisher auch ausgezeichnet verarbeitet haben. Sollte Gold heute trotz der Enttäuschung über 1600 USD schliessen, wäre das ein starkes Signal.

US National Gas (ETF UNG) setzt zu einer scharfen technischen Korrektur nach Test der 200-Tage-Linie an, weil die Lagerbestände überraschend hoch sind. Wenn der Aufwärtstrend dabei nicht gebrochen wird, könnte das eine Kaufgelegenheit sein. Dabei muss man auch ein wenig aufs Klima schauen, die Hitzewelle hat in den US diesen Sommer den Gasverbrauch in die Höhe getrieben und zur Wende bei US National Gas beigetragen. Sollte diese Hitzewelle nun auslaufen, dürfte der Kurs weiter korrigieren.

Ich wünsche viel Erfolg !

Ihr Hari

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Marktupdate – 05.07.12 – Dinge die man nicht übersehen sollte

17:00 Uhr

Hier ein paar Themen und Aktien, die mir am heutigen Tag auffallen und die man nicht übersehen sollte:

(1) Apple (WKN 865985)

Apple ist erneut sehr stark und liegt aktuell 1,7% im Plus, während der breite Markt im Minus steht. Der Chart von Apple spricht eine deutliche Sprache. Derartige Konsolidierungsformationen haben eine deutliche höhere Wahrscheinlichkeit nach oben auszubrechen, als nach unten.

(2) Leoni (WKN 540888)

Leoni testet gerade die 200-Tage-Linie von oben. Sollte dieser Test erfolgreich sein, sind 34,6€ das nächste Kursziel.

(3) Veolia (WKN 501451)

Bei Veolia trübt sich das Sentiment nach derartigen Analystenkommentaren wie -> hier <- von der UBS nun ein. Politischer Einfluss von Seiten der Sozialisten scheint eine Rolle zu spielen. Vorsicht ist geboten und ein erneuter Taucher unter 9€ möglich. Die Analysten schlagen gerade auf den ganzen Sektor ein, auch Kursziele von Suez Environment (WKN A0Q418) wurden gesenkt.

(4) Goldminen ETF GDX

Die Konsolidierung im GDX sieht für mich sehr konstruktiv aus und hat das Potential eines Tests der 200-Tage-Line bei ca. 50 USD.

(5) US Natural Gas ETF UNG

US Gas hat das Hoch vom Mai überwunden und steuert nun scheinbar auf die 200-Tage-Linie zu.

(6) Europäische Banken

Wir haben nach der EZB Zinssenkung gerade deutliche Schwäche im europäischen Bankensektor, der ETF iShares Eurostoxx Banks (WKN 628930) ist 3% im Minus, während der breite Markt schon wieder nach oben dreht. Eine Entwicklung die ich nicht so richtig einordnen kann, aber die man im Auge behalten muss. Möglicherweise wird die Euro-Schwäche von der chinesischen Zinssenkung überlagert, die ein positives Signal für die Exportfirmen war.

(7) iRobot (WKN A0F5CC)

iRobot (unter anderem Staubsauger-Roboter "Roomba", aber auch zb Minenräumroboter) scheint nach dem gigantischen Gap aufgrund Verzögerungen bei Aufträgen durch das US Government nun wieder Fahrt aufzunehmen. Das operative Geschäft läuft nach den mir vorliegenden Informationen unverändert gut. Eine Aktie die in meinen Augen einen Blick wert ist !

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Hari´s Märkte am Abend – 08.06.12 – DAX sucht Richtung, Mr-Market mit Live-Tips

22 Uhr - Handelsschluss

Am frühen Morgen war ich heute mit DAX-Shorts im Markt, weil ich davon ausging, dass wir heute unter 6000 schauen würden. Zunächst entwickelte sich der Markt auch wie erwartet, die Short waren gut im Plus. Dann kamen aber immer mehr Gerüchte und Nachrichten die nahelegten, dass Spanien doch unter den Rettungsschirm schlüpfen wird.

Das stabilisierte dann die Indizes, da damit die grösste Angst vor Bankpleiten erst einmal abflaute. Während die Banken am frühen Morgen noch massiv im Minus waren, konnte der Sektor sein Minus dann im weiteren Handelsverlauf reduzieren. Trotzdem wirkte die Enttäuschung über Bernanke noch deutlich nach, konjunktursensible Titel kamen den ganzen Tage nicht so richtig in die Gänge. Meine Shorts wurden durch Stops dann mit minimalen Gewinnen vom Tisch genommen, die Zeit danach war der Markt eher richtungslos und ohne Überzeugung unterwegs.

Bemerkenswert fand ich heute den französischen Umweltdienstleister Veolia (WKN 501451), der nach einem sehr positiven Kommentar von Barcleys im schwachen Markt deutlich im Plus war. Diese Stärke war aber auch schon die letzten Tage zu bemerken, es scheint so, als ob die Kurse um 9€ die letzten Freitag aufgerufen wurden, eine hervorragende Kaufgelegenheit waren. Das ich Veolia gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt bin, dürfte nach diversen Artikeln ja bekannt sein.

Darüber hinaus war es eher ein ruhiger Tag, an dem sich Mr. Market nicht so richtig entscheiden konnte. Auch Gold und die Goldminen robbten sich wieder etwas hoch, hier bin ich aber noch nicht überzeugt, ob nicht noch ein weiterer Schwall nach unten kommt, mein Chart von gestern mit dem "Stern" für den GDX gilt unverändert. Ich lasse mich natürlich auch gerne vom Gegenteil überzeugen, da ich weiter Long im Sektor bin und eher davon ausgehe, dass wir den Boden schon gesehen haben.

Für das grosse Bild im DAX will ich daher nur noch einmal das Tageschart zeigen. Sie sehen schnell, dass wir immer noch voll im Abwärtstrend sind und die Aussagen von gestern unverändert weiter gelten. Ich sehe eine Chance Anfang nächster Woche weiter zu steigen und die 200 Tage Linie erneut zu testen. Je näher wir den Griechenland-Wahlen kommen, desto eher rechne ich aber wieder mit Gewinnmitnahmen der Marktteilnehmer aus reiner Vorsicht. Die grossen Trends müssen wohl noch bis nach den Wahlen warten, wenn nicht seitens der Politik und Notenbanken doch noch Bedeutendes in der kommenden Woche passiert.

Ich möchte daher die Gelegenheit des ruhigen Tages nutzen, Ihnen anhand des aktuellen Charts des S&P500 ein wichtiges Konzept der technischen Analyse nahe zu bringen: die Divergenz. Ich habe diesen Begriff schon öfters genutzt und ich bin sicher, viele der weniger erfahrenen Leser wissen damit nicht so richtig etwas anzufangen. Ich werde im Folgenden aber auch nicht das ganze Konzept erklären, das übersteigt einen solchen Blogeintrag und haben andere schon so gut gemacht, dass ich es nicht besser könnte. Ich möchte Ihnen aber einfach einen konkreten Anstoss geben, dazu selber zu lesen und zu forschen, denn das Konzept hat hohe Bedeutung !

Der Anstoss soll mein "Geheimnis" sein, warum ich Anfang der Woche sozusagen "auf den Punkt" bullisch wurde, nachdem ich Wochen vorher ja immer zu einer bärischen Sicht neigte. Dafür war natürlich nicht nur ein Kriterium ausschlaggebend, wie ich schon mehrfach schrieb, brauche ich mehrere unterschiedliche Signale in die gleiche Richtung um ein profitables Setup zu identifizieren - und ausserdem brauche ich ja auch noch Futter für weitere Artikel. 😉

Aber ein wichtiges Signal für eine Wende am Markt, war schon Ende letzter Woche eine deutliche Divergenz zwischen der relativen Stärke (RSI) und dem Kursverlauf des S&P500.

Schauen Sie mal auf den Tages-Chart des S&P500:

Sie sehen, dass der Kurs des S&P500 Ende letzter Woche ein neues Tief produzierte und unter den 200er Moving Average fiel. Gleichzeitig produzierte der RSI aber ein höheres Tief ! Das nennt man eine "bullische Divergenz" und ist ein bedeutendes Signal, weil es bedeutet umgangssprachlich, dass der Markt unter der Oberfläche mehr Stärke aufbaut, als an der Oberfläche im Kurs zu sehen ist. Die präzise Definition des RSI können Sie leicht an anderer Stelle nachlesen.

"Divergenz" im Zusammenhang der technischen Analyse bedeutet also, dass man Indikatoren hat, die den Schluss nahe legen, dass "unter der Decke" anderes im Gange ist, als sich an der Oberfläche des Marktes dem schnellen Blick zeigt.

So eine Divergenz ist keine Garantie, sie kann durch andere Faktoren überlagert oder ausser Kraft gesetzt werden. Sie ist aber ein bedeutender Hinweis. Wenn dazu dann wie letzte Woche extrem negatives Sentiment, abnehmende Marktbreite bei den Aktien die neue Tiefs produzieren, Buying on Weekness Signale im Moneyflow, usw. usw. kommen, produziert das eine gute Wahrscheinlichkeit (keine Garantie) für eine Trendwende. Im DAX war diese Divergenz so nicht da, aber im Zweifel setzt der Leitindex S&P500 die entscheidenden Signale für das grosse Bild der Märkte.

Übrigens, wenn Sie auf den Chart schauen, sehen Sie vielleicht auch die deutlich bärische Divergenz der beiden grossen Hochs im März und April. Der RSI war im April schon weit tiefer, als er hätte sein dürfen, das indizierte den weiteren Absturz. Falls Sie das Konzept noch nicht kannten, hoffe ich, dass Sie nun genügend beeindruckt von der Vorhersagekraft sind, um sich damit weiter zu beschäftigen.

Erfolg an den Börsen ist einfach ein Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten einer prinzipiell unbestimmten Zukunft - ohne den kleinsten Hauch einer Garantie. Jeder der etwas anderes behauptet und im Zusammenhang mit Mr. Market von "Sicherheit" schwafelt, steht unter dem dringenden Verdacht, nur an Ihr Geld zu wollen.

Aber das war Anfang der Woche eindeutig ein richtig profitables Setup mit gutem Chance/Risiko Verhältnis und deshalb wurde ich optimistisch. Was an Nachrichten in den Medien stand, war für diese Erwartung völlig irrelevant, hätte ich mich daran gehalten, hätte ich bis über beide Ohren in Shorts stecken müssen und wäre übel rasiert worden. 😉

Nächste Woche dürfte dann an den Börsen eine Übergangswoche hin zu den wichtigen Wahlen in Frankreich und Griechenland sein. Der Markt dürfte besonders aufmerksam auf die Umfragen starren und ein Wechsel zwischen Hoffen und Bangen ist somit fast garantiert. Erholen wir uns daher nun, wir werden nächste Woche wohl Kraft brauchen.

Zum Abschluss erneut ein Hinweis in eigener Sache:

Wenn Sie rechts oben in den Blog schauen, ist Ihnen vielleicht schon die Rubrik "Hari´s Live Tips" aufgefallen. 😉

In Zukunft gilt: wenn mir am Handelstag etwas besonderes auffällt, das ich für bemerkenswert halte, werde ich Top-aktuell und Live dort einen kurzen Hinweis einstellen, oft auch mit Link !

Erwarten Sie aber bitte nicht, dass ich hier das normale Börsengeschehen kommentiere, welches sie auch selber in jedem normalen Börsentool und auf den bekannten Nachrichtenseiten nachvollziehen können. Was ich hier verlinke, soll Mehrwert abseits des Offensichtlichen darstellen. Die bisherigen Tips sind daher auch nur Testeinträge, erst ab nächster Woche geht es richtig los und mehr als 5-10 Tips pro Tag werden es sicher nicht, eher weniger. Ich hoffe, für Sie wird Mr-Market dadurch noch spannender und aktueller und ich hoffe auch, Sie freuen sich über diese neue Funktionalität. 🙂

Übrigens, sobald ich dafür die technischen Grundlagen habe, werden diese (und andere neue) Funktionalitäten nur noch für aktive und damit registrierte Leser sichtbar sein. Ich will damit den Community-Gedanken fördern und den Lesern einen Vorteil verschaffen, die sich hier auch selber einbringen oder zumindest registrieren. Der bisherige Inhalt des Blogs mit seinen Artikeln und Kommentaren bleibt bis auf weiteres für jedermann sichtbar.

Ab nächste Woche geht es los, ich bin gespannt, wie sich das entwickelt !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Hari´s Märkte am Abend – 06.06.12 – Es grünt so grün ….

22 Uhr - Handelsschluss

Meine Wende hin zu einer positiveren Marktsicht gestern und vorgestern, war auf den Punkt ein Treffer. Selbst die fehlende Zinssenkung der EZB konnte den Markt heute nur kurz verunsichern, es fehlt zwar noch an der richtigen Überzeugung, aber das muss nicht schlecht sein und kann noch kommen. Wie schon die letzten Tage antizipiert, will Mr. Market nun kurzfristig hoch und zumindest ein Test der 200 Tage Linie von unten bei ca. 6200 sollte nun im DAX drin sein, wenn uns nicht wieder irgendwelche politischen Nachrichten mitten im Flug absschiessen. Möglicherweise kommt dieser Test schon am morgigen Donnerstag.

Auch die Performance des S&P500 sah sehr gut aus, erneut schoben die Kurse ruhig hoch, auch das "Beige Book" um 20 Uhr sorgte nur für kurze Verunsicherung, bevor der Index dann im späten Handel noch einmal richtig Fahrt aufnahm, um auf Höchststand zu schliessen.

Das Potential mir den Tag zu verderben, hatten dann aber Berichte aus dem politischen Raum, wie -> dieser <- hier zu Obama und Cameron. Ich empfinde es als bodenlose Frechheit, wie sich die beiden Herren aus für mich höchst eigensüchtigen Motiven bemühen, Deutschland den Arm umzudrehen. Insbesondere dem guten Cameron steht es ja frei, als "solidarisches" EU Mitglied die spanischen Banken mit britischen Steuermitteln zu stützen. Aber für Solidarität hat der Herr ja keinen Cent, dafür aber um so mehr Chuzpe diese medial von anderen zu fordern. Ich empfinde das als dreist und abstossend, tut mir leid für diese harten Worte.

Aber auch die spanische Regierung hat für mich die Grenze des Erträglichen überschritten, wenn sie einerseits unbedingt Hilfen für die Banken will - die ihr ja auch niemand verwehren will und die schon längst bereit stehen - sich aber andererseits nicht den gleichen Bedingungen der Rettungsschirme wie das Nachbarland Portugal unterwerfen will, weil sie dafür zu stolz ist. Seit neuestem diktieren die Schuldner also den Rettern die Bedingungen - o Tempora, o Mores ! Mir wird da ganz schlecht, was die Zukunft Europas angeht, "Gemeinschaft" und "Solidarität" fühlen sich eigentlich anders an.

Ich hoffe nur, dass unsere Regierung hier hart bleibt, habe aber allergrösste Bedenken ob das wirklich der Fall ist. Auf jeden Fall ist Deutschland mal wieder der Bösewicht, das kennen wir geschichtlich ja zu Genüge, dieses mal aber wirklich ohne Schuld. Solange man um jeden Preis den Euro retten will und die anderen das wissen, wird man halt immer erpressbarer. Das würde sich erst ändern, wenn man den anderen klarstellt, dass man auch ohne Euro kann. Ein einschneidender Schritt, den ich der vorsichtigen Frau Merkel leider nicht zutraue. Den passenden Kommentar dazu können Sie -> hier <- lesen.

Morgen und am Freitag gibt es dann eine ganze Reihe von Wirtschaftsdaten, die das Potential haben den Markt zu bewegen. Allerdings sagt die Erfahrung, dass wenn der Markt an so Wendepunkten beschlossen hat die Richtung zu ändern, die guten Nachrichten dann hinterher kommen, unter anderem weil einfach positiv interpretiert wird, was vielleicht vor Wochen davor zum Absturz geführt hätte. Denn nicht die Fakten bewegen die Kurse, sondern die Interpretation derselben, gemessen an der Erwartung, was ein bedeutender Unterschied ist !

Bei aller Freude und allen Signalen für eine (zumindest kurzfristige) Wende, bitte ich aber nicht zu vergessen, dass wir uns in einem etablierten Abwärtstrend befinden, der auch durch eine Bewegung bis 6200 nicht ausser Kraft gesetzt würde ! Je nachdem wie man eine Trendlinie beim DAX zieht und wann der Markt versucht diese zu schneiden, kommt man auf einen Abwärtstrend dessen obere Begrenzung irgendwo zwischen 6200 und 6400 verläuft. Erst wenn wir die 200 Tage Linie hinter uns gelassen haben und den Abwärtstrend mit Schlusskurs gebrochen haben, kann man mit gutem Gewissen anfangen von einer nachhaltigen Trendwende zu reden !

Schauen Sie bitte genau auf den folgenden Tages-Chart des DAX, in dem ich einen möglichen Trendkanal eingezeichnet habe.

An der Stelle des Fragezeichens bei etwas über 6200, dort wo der DAX einerseits die 200-Tage-Linie testet und sich andererseits wieder der oberen Trendbegrenzung nähert, findet eine ganz wichtige Entscheidung statt. Aber erst ungefähr dort bei über 6400, wo der grüne Stern eingezeichnet ist und man das Zwischenhoch vom 29.05. hinter sich gelassen hat, hat man Anlass ernsthaft davon auszugehen, dass der aktuelle Bounce mehr als eine Bärenfalle ist ! Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Insofern warne ich davor, unvorsichtig zu werden. Ich geniesse den Anstieg und hoffe, Sie sind mit mir zusammen eingestiegen, aber meine Stops führe ich auch mit und bin auch schnell wieder draussen, wenn wir erneut drehen. Denn zu einem Bärenmarkt gehören auch Bärenmarkt-Rallys - und ob das, was wir gerade erleben, mehr als eine Bullenfalle ist, werden erst die kommenden Tage zeigen.

Auch bei den Einzelaktien grünte es heute ganz erheblich in den Depots. Alleine die sechs gestern hier im Blog genannten Titel brachten folgende Performance mit den Schlusskursen:

  • Rheinmetall (WKN 703000) +7,0%
  • Leoni (WKN 540888) +5,5%
  • Continental (WKN 543900) +4,5%
  • Broadcom (WKN 913684) +4,5%
  • Cisco (WKN 878841) +3,5%
  • Apple (WKN 865985) +1,5%

Es gab schon schlechtere Tage als heute. 😉

Erwähnenswert sind aber auch eine ganze Reihe anderer, hier schon mehrfach besprochene Titel wie zb Veolia (WKN 501451) mit 6% Plus, Klöckner (WKN KC0100) mit 6,5% Plus oder auch Anglo American (WKN A0MUKL) mit 7% Plus. Diese Bewegungen sind Signal, dass der Markt bei diesen Aktien wohl nach unten übertrieben hat und sich diese Erkenntnis heute Bahn bricht.

Bemerkenswert ist für mich auch erneut die Performance des Edelmetallsektors. Nicht nur dass Gold (XAUUSD) heute zeitweise 1640 USD erreichte, auch Silber (XAGUSD) sprang heute mit bis zu 4% massiv an. Mir drängt sich im Moment das Gefühl auf, als ob sich im Edelmetallsektor etwas Bedeutendes zusammen braut.

Eher eine Bestätigung dieser Sicht war für mich auch, wie der Sektor dann um 20 Uhr die Enttäuschung des "Beige Book" aufnahm, denn im "Beige Book" wurde ein positives Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA gemalt und insofern nahm das Spekulationen um weitere fiskalische Massnahmen der FED erst einmal etwas die Grundlage. Gold fiel in Folge auch Richtung 1620 USD zurück, konnte aber wie der GDX am Ende doch im Plus schliessen, ein positives Signal der Überzeugung der Marktteilnehmer. Trotzdem wäre es nun nur normal und gesund, wenn bei den Goldminen ein paar Tage der Konsolidierung und leichter Gewinnmitnahmen einsetzen würden.

So weit so gut für heute, ich wiederhole, geniessen Sie den Flug, aber werden Sie nicht unvorsichtig ! Und ich gönne mir jetzt einen guten Wein als Belohnung und versuche den Ärger über die politischen Erpresser um uns herum runter zu spülen. 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 04.05.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Die Arbeitsmarktdaten waren heute schwach, aber eigentlich nur so schwach wie erwartet. Trotzdem war der Markt nicht in der Lage, daraus einen Bounce zu generieren, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist. Denn damit hat sich der Charakter des Marktes geändert, in den Wochen davor hätte das Setup immer für einen Bounce gereicht und das war auch eigentlich das wahrscheinlichere Szenario. Nicht aber heute. Der darauf folgende Abgabedruck arbeitete - wieder einmal - genau die gestern gezeigte Schulter-Kopf-Schulter Formation bis zum Ziel bei S&P500 1372 ab, schloss noch ein Gap knapp darunter, dann lief der Abgabedruck aus. Negativ ist aber auch zu sehen, dass der US Markt im späten Handel nicht zur einer kleinen Gegenbewegung in der Lage war, dass lässt Raum für weitere Schwäche am Montag.

Im DAX war das heute zwangsläufig mal wieder ein Schlachtfest und die klassischen deutschen Aktien aus Automobilsektor oder Industrie wurden hart getroffen. Volkswagen, BMW, Daimer alles ca. 4% im Minus. Rheinmetall sogar 6%. Und das alles ohne Nachricht. Denn das sind einfach genau die Aktien, die von institutionellem Geld an der Wallstreet gehalten werden. Und diese werden als Erstes verkauft, wenn der "Heimatindex" fällt. Man kennt das langsam schon, der DAX ist ein Hebelpapier für ausländische Anleger und kein konservativer Index. Und ein Index deutscher Anleger schon gar nicht. Nur weil man das weiss, fühlt es sich nicht besser an, trotzdem sollte man den Zusammenhang begreifen. Wer konservativ anlegen will, darf nicht nur im DAX sein !

In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen nachdrücklich, -> diesen <- aktuellen Artikel zu lesen, der auf einer Studie von Ernst & Young beruht. Er bestätigt genau das mit aktuellen Zahlen, was ich Ihnen hier ja immer wieder wie oben predige. Dabei muss man noch berücksichtigen, dass die in der Studie genannten 54% ausländischer Aktionäre das reale Bild noch schönen. Denn in den 42% deutscher Aktionäre sind ja die ganzen Grosspakete wie der Quandts bei BMW enthalten. Im Sinne der Aktionärsstruktur ist das ja auch richtig so. Nur stehen diese Pakete im Handel doch gar nicht zur Verfügung, die sind quasi "aus dem Markt" genommen. Würde man das Handelsvolumen im Xetra betrachten und die Frage beantworten, wieviel des täglichen Handelsvolumen von ausländischen Aktionären stammt, schätze ich den Wert eher auf 60-70% !

Wenn man das verstanden hat, kann man sich im DAX viele Überlegungen "warum" sich ein Aktie aus Sicht der Unternehmensnachrichten bewegt einfach sparen. Denn die Gründe für Bewegungen sind oft auch einfach in der Situation der institutionellen, ausländischen Aktionäre begründet. Und wenn die mal wieder ihre Margin-Calls haben, wird halt alles rausgehauen, Unternehmensnachrichten in einem "fernen Land" interessieren da keinen. Es ist schlicht immer wieder das gleiche Spiel und ich finde es erstaunlich, dass dann in der Presse trotzdem nach lokalen "Gründen" geforscht wird, die in der Realität gar nicht marktbewegend sein können.

Wie geht es nun nächste Woche weiter ?

Nun, da ich nach wie vor für das 2. Quartal an die volatile Range 6400-7100 im DAX glaube, sind Kurse unter 6600 für mich prinzipiell eher wieder Kaufkurse. Aber vielleicht nicht gleich Montag, denn die Schwäche heute im späten Handel lässt Böses ahnen.

Hoffnungsvoll über den sehr kurzfristigen Blick hinaus, stimmt mich in dem Zusammenhang, dass heute die europäischen Banken zu den stärksten Titeln gehörten, die auch ab Mitte Februar als erste fielen und mit ihrer Schwäche eine Signal für die Einschläge waren, die in den Indizes dann erst Wochen später kamen.

Was ist denn seit Mitte Februar alles passiert ? Listen wir doch mal auf:

1) Wir haben die Euro-Krise rund um Spanien in den Kursen der Banken verarbeitet. Ob vollständig weiss niemand, aber zumindest teilweise.

2) Wir haben die Sorge um eine abstürzende Konjunktur in China in den Kursen der Rohstofftitel verarbeitet. Alle aktuellen Daten aus China stützen nun die These der weichen Landung.

3) Wir haben die Sorge um die Wahlen in Frankreich und Griechenland in den Kursen verarbeitet. Ab Dienstag kommender Woche dürfte der Markt da nach vorne schauen.

4) Wir haben die Verweigerung der FED für unmittelbare weitere Stimuli verarbeitet.

5) Und zuletzt, jetzt, verarbeiten wir durchwachsene Wirtschaftsdaten aus den USA, in Form einer schon lange fälligen Korrektur in den US Indizes.

Aus dieser Liste kann man sehr wohl schliessen, dass wir ab kommender Woche durchaus Chancen auf wieder besseres Börsenwetter haben. Das ist natürlich keine Sicherheit, auch ein Zusammenbruch der Märkte ist bei der aktuellen Schwäche nicht ausgeschlossen. Aber ich rede hier ja über Wahrscheinlichkeiten. Und wenn alle euphorisch sind und nur noch über DAX 8000 reden, ist das Risiko eines Absturzes wesentlich höher, als wenn sich alles so mies anfühlt wie derzeit, und all die Sorgen und Ängste die ich oben aufgelistet habe, zumindest teilweise schon eingepreist sind.

Ich würde diesen Gedankengang bei meinen Überlegungen berücksichtigen. Das ist ausdrücklich keine Aufforderung auf reinen Verdacht nun Risiken nach oben einzugehen. Aber das ist der Hinweis, sich den klaren Blick nicht durch die gerade allgemein schlechte Stimmung verstellen zu lassen. Denn wenn man sich mit der Emotion der Massen mittreiben lässt, wird man die Chancen nicht sehen können, die bestimmt früher oder später kommen. Ich habe sehr selektiv bei ein paar wenigen Titeln heute Abend wieder zugegriffen.

Zu einzelnen Aktien will ich heute nicht viel sagen, macht ja auch keinen Sinn, wenn einfach nur alles im Gleichschritt abstürzt.

Wacker Chemie (WKN WCH888) lieferte Zahlen und Ausblick im Rahmen der Erwartungen. Nach einem kurzen positiven Hüpfer bis 65€ setzen dann aber massive Verkäufe ein, die den Kurs wieder bis 60€ drückten. Meine Erklärung dafür ist, dass das heisse Geld, das sich in Erwartung eines riesigen Sprungs vor den Zahlen positioniert hatte, danach schnell wieder enttäuscht abgesprungen ist, weil sich keine sofortige Rally anschloss. Für die Kursentwicklung der nächsten Wochen muss das aber nicht negativ sein. Ich habe meine bei 60,8€ eingegangene Long-Position heute nicht verkauft und warte erst einmal ab, welche Richtung der Kurs einschlägt, wenn sich die Volatilität nach den heutigen Zahlen verzogen hat. Mein Stop liegt bei 56€, etwas unter dem Tief vom 24.04.12.

Dramatisch weiter abgestürzt ist heute Nokia (WKN 870737) mit einem Minus von fast 10%. Ich weiss nicht so recht was der Auslöser war, möglicherweise die unbestimmten Meldungen zur Tablet-Strategie, die bei mir gleich den Gedanken ausgelöst haben: "die sollen erst einmal ihre Hausaufgaben im Brot und Butter Geschäft auf die Reihe bekommen und das finanzielle Ausbluten stoppen, bevor sie eine weitere Baustelle aufmachen". Wie auch immer, wie hier schon mehrfach und deutlich kommuniziert, gilt für mich bei Nokia weiterhin "Finger weg !".

Ein Lichtblick war dagegen Veolia (WKN 501451), die ganz brauchbare Zahlen lieferten, die vom Markt zunächst mit einem Plus von 4% honoriert wurden, bevor die allgemeine Marktschwäche die Gewinne wieder wegnahm. Veolia könnte - wie französische Aktien überhaupt - nächste Woche durchaus gut laufen, denn wenn die Wahl in Frankreich vorbei ist, führt das dazu, dass der Markt nach vorne schaut, statt auf die Wahl zu starren. Nur für den theoretischen Fall, dass der mutmassliche neue Präsident Hollande bei der Wasserversorgung sozialistisch/dirigistische Anwandlungen haben sollte, müsste man sich bei Veolia wohl auf schwere Einschläge einstellen. Aber derartige Gesetzesvorhaben werden wohl eher nicht in der Woche direkt nach der Wahl in Gang gesetzt.

Bei Gold (XAUUSD) wurde meine gestrige Aussage bestätigt, dass man das noch nicht überbewerten sollte, weil die Entscheidung schlicht noch nicht gefallen ist. Gold und die Minen stabilisierten sich heute etwas und hier gilt es für mich einfach abzuwarten.

Zum Abschluss habe ich für Sie etwas zum Lesen. Es ist ein langer Artikel des bekannten und sehr erfolgreichen Hedge-Fund Managers David Eichhorn von Greenlight Capital. Ich empfehle das in Ruhe einmal komplett zu lesen, es beschreibt die Makro-Sicht aus seiner Warte, in meinen Augen sehr vernünftige und richtige Ansichten. Er benutzt dazu das Bild der "Simpsons" um die durchschnittliche amerikanische Familie zu beschreiben. Wenn Sie die Simpsons nicht kennen, werden Sie ein paar Namen mal "googeln" müssen um alles zu verstehen.

Manchmal würde man sich wünschen, unsere Wirtschafts- und Finanz-Ministerien auf beiden Seiten des Atlantiks würden von solchen intelligenten Leute geführt. Aber das kann ja gar nicht sein, das sind ja alles nur "böse Zocker", die an allem Schuld sind und vor denen uns Notenbanken und Politik schützen müssen. 😉

Lesen Sie -> hier <-. Zwei Zitate als "Appetizer":

(1) "For the super wealthy, zero rates supported by a Bernanke put on the bond market encourage outsized income through leveraged speculation. For everyone else, zero rates reduce the standard of living because greater food and energy costs soak up income"

(2) "But, the Fed is filled with academics who thoughtlessly rely on econometric models that reflexively indicate that repeated Jelly Donut orgies are the best way to get a sugar rush into the economy." 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 25.04.12 – Apple hebt die Stimmung – FED bleibt gelassen

22 Uhr - Handelsschluss

An Apple (WKN 865985) sieht man heute mal, was eine einzelne Aktie für eine Auswirkung haben kann. Sicher spielten auch andere Effekte eine Rolle, aber die grandiosen Zahlen von Apple, verbunden mit 10% Plus im heutigen Handel haben ganz klar weltweit die Börsenstimmung gehoben und so erste Käufer motiviert in den Markt zu gehen. Und dann passiert, was heute passiert ist, die ersten Käufe ziehen weitere nach sich und so entsteht ein positiver Trendtag wie heute.

Die FED hat dagegen keine Überraschung geliefert. Und da der Markt genau das auch erwartet hatte, gab es auch kaum Reaktion auf die Beschlüsse. Die Rede von Ben Bernanke ab 20.15 Uhr sorgte dann noch für etwas Volatilität, weil jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird und zu Reaktionen führt. Ausserdem gibt es mittlerweile Algos, die direkt auf die Worte einer Rede traden, was solche Reden noch gefährlicher macht. Algos die schriftliche Nachrichten direkt nach Keywörtern durchsuchen und darauf traden gibt es schon länger. Um das eine mit dem anderen zu verbinden, braucht es nur Software die eine Rede live "mitschreibt" - auch das ist nichts Neues, zum Beispiel für Diktatsoftware. So hängen nun nicht mehr nur Menschen, sondern auch Computer-Algorithmen an den Lippen des FED Chairmans - welch schöne neue Welt. 😉 Aber am Ende lief auch die Rede ohne Überraschungen ab.

Trotz des heutigen starken Tages, hat sich an meiner Erwartung an den DAX wenig geändert. Ich denke die volatile Schaukelphase (Aprilbörse) geht weiter. Viel besser sieht es mal wieder in den US Indizes aus. Die heutige Stärke hat eine Reihe bärischer Formationen negiert und es könnte nun gut sein, dass wir nachhaltig in die alte Range zurück kehren und die in den US Indizes milde Korrektur schon wieder erledigt ist.

Um Verwirrung mit den unterschiedlichen Zeithorizonten zu vermeiden, habe ich im folgenden meine aktuelle Erwartung an den DAX noch einmal kompakt und übersichtlich zusammen gefasst, die ich ja in diversen Artikeln schon ausführlicher thematisiert hatte. Meine persönliche Erwartung an die Börsenentwicklung ist Stand 25.04.12 Abend:

(1) Sehr kurzfristig für die nächsten Tage: eher optimistisch wg des überverkauften Zustands des Marktes.

(2) Kurzfristig für die nächsten Wochen: eher vorsichtig bzw. skeptisch, die schwierige “Aprilbörse” geht wohl weiter, mindestens bis zum 06.05.

(3) Mittelfristig zum Jahresende: eher optimistisch, weil ich denke die Notenbanken werden drucken und drucken und den Markt stützen solange es geht.

(4) Langfristig mit Horizont 3 Jahre: eher pessimistisch, ich befürchte wir werden noch “den grossen Knall” und “Reset” des Währungssystems erleben. Erst wenn das Thema aus dem Weg geräumt ist, kann es wieder richtig aufwärts gehen.

(5) Sehr langfristig für die nächsten 10 Jahre und darüber hinaus: sehr optimistisch, die Welt steht an der Schwelle neuer Innovationen, die den nächsten säkularen Bullenmarkt begründen werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Erwartungen nicht in Stein gemeisselt sind, sondern sich durch eine sich um mich herum verändernde Welt auch ändern - je kürzer der Zeithorizont, desto öfter und schneller. Die sehr kurzfristige Sicht ändert sich jeden Tag, wie soll es auch anders sein. Obige Erwartungen sind also eine reine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger.

Damit zu einzelnen Aktien bzw. Themen:

Auffällig war heute die Stärke des europäischen Bankensektors. Einen überzeugenden Anlass konnte ich nicht feststellen. Die ganz brauchbaren Zahlen der Credit Suisse (WKN 876800), die die grosse Presse im scheinbaren Bedürfnis für alles einen "Grund" zu finden anführte, dürften für die Profis kein Anlass gewesen sein, ihre Sicht auf PIGS-Banken zu ändern - zumal die anfänglichen Gewinne der Credit Suisse schnell wieder abgegeben waren. Und ein Zusammenhang zu Apple ist bei aller Phantasie sowieso Unfug. Insofern gehe ich bei den Banken von einer rein technischen Erholung nach dem wochenlangen Absturz aus, der man nicht all zu viel Bedeutung beimessen muss.

Auch das Gerede, dass die mässigen Zahlen von Siemens (WKN 723610) ein Indiz für eine kommende Rezession seien, halte ich für verfehlt. Siemans hat dürftige Zahlen, weil es bei einigen Grossprojekten wie der Windkraft in der Nordsee "hakt". Mit Konjunktur hat das für mich wenig zu tun, eher mit eigenen Fehlern bei Siemens. Wie es um die deutsche Maschinenbaukonjunktur aussieht, kann man da in meinen Augen eher beispielhaft an Dürr (WKN 5565209) sehen, der Auftragseingang im ersten Quartal stieg um über 20%. Wobei man von "der" Konjunktur sowieso nicht mehr reden kann. Denn wer primär seine Kunden im Süden Europas hat, der hat natürlich ein Problem, da ist die Rezession schon längst da. Wer aber wie die meisten deutschen Maschinenbauer und Industriewerte seine Kunden weltweit und insbesondere in China oder USA hat, dürfte in der Regel keine Probleme mit seinen Auftragseingängen haben.

Die -> hier <- Mitte Februar ausführlich besprochene Corning (WKN 850808) lieferte heute vorbörslich "überraschend" solide Zahlen, die ein Ende des Abwärtstrends bei den Glaspreisen nahelegen und ist 7% im Plus ! Ich habe zu meiner langfristig positiven Sicht auf die Aktie und das Geschäftsfeld nichts hinzufügen. Wenn der Titel für Sie neu ist, lesen Sie bitte den verlinkten Artikel vom 21.02.12 noch einmal.

Auf dem Chart sieht man sehr schön das zulaufende Dreieck mit der zunehmenden Kompression. Sollte der Aktie demnächst ein Ausbruch nach oben gelingen, wäre die folgende Expansion für mich ein klarer Kauf mit einigem Potential.


Source: Finviz.com

Einen grossen Satz nach oben machte heute das Agrardünger-Segment. Mosaic (WKN A1JFWK) lieferte einen positiven Ausblick und der Kurs zog um 5% an. Auch K+S (WKN KSAG88) wurde davon natürlich positiv beeinflusst und ist auch 4% im Plus. Ich bin bei beiden Aktien auf der Long-Seite investiert und sehe das ganze Segment als mittel- und langfristig sehr aussichtsreich an. Sicher unterliegt die Nachfrage saisonalen Schwankungen, aber an dem prinzipiell steigenden Bedarf für Dünger zur intensiven Bewirtschaftung der begrenzten Ackerflächen der Welt, führt in meinen Augen kein Weg vorbei. Die aktuelle Situation erlaubt diese attraktiven Aktien nun zu niedrigen Kursen einzusammeln - für mich persönlich eine Gelegenheit zur langfristigen Investition, die ich nicht verpassen werde.

Im Bereich Agrar möchte ich auch noch einmal Ihren Blick auf den hier schon besprochenen Traktorenhersteller Agco (WKN 888282) richten, der gerade ein schönes Reversal hinlegt und auch den 200er Moving Average zurück erobert hat. Die fundamentale Bewertung ist in meinen Augen sowieso attraktiv.


Source: Finviz.com

Bei Veolia (WKN 501451) , die ich als Aktie nach wie vor attraktiv finde, muss man nun genau auf die Frankreich-Wahl achten. Das gesamte Geschäftsfeld ist sehr staatsnah und wäre massiv durch Regulierung betroffen. Gerade die Wasserversorgung, die ja nun wirklich zur Grundversorgung gehört, ist ein beliebtes Ziel staatsdirigistischer Anwandlungen. Aber auch die Abfallwirtschaft könnte unter Dirigismus leiden. Ob Hollande in diesen Bereichen dann wirklich aktiv wird und "Sozialpolitik" über Preisvorgaben betreibt ist unklar, aber für uns als Aktionäre auch nicht relevant. Denn der Kurs würde schon lange vorher betroffen sein, wenn der Markt auch nur vermutet, dass dergleichen auf die Agenda kommt. Insofern könnte ein Sieg von Hollande den Kurs von Veolia möglicherweise belasten. An meiner grundlegend positiven Sicht auf den Turnaround ändert das nichts, man sollte das aber nicht aus dem Auge verlieren. Denn ohne ein positives politisches Umfeld hat ein öffentliches Versorgungsunternehmen wie Veolia keine Chance, ganz egal wie gut man intern eine Restrukturierung gestaltet.

Sehr stark waren heute die Gold-Minenwerte die im Mittel um mehr als 2% stiegen, wie man dem GDX oder HUI entnehmen konnte. Und Gold zuckte wie ein nervöses Pferd hin und her. Die gestern besprochene Expansion ist scheinbar nicht mehr weit entfernt - fasten your seatbelts !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 23.03.12 – Wochenabschluss – In der Hand der Algos

21 Uhr - Handelsschluss

Was für ein verrückter Tag. Wer am heutigen Tag als "normaler" Anleger versuchte zu verstehen was da los war, konnte nur verzweifeln und konnte nur Geld verlieren. Denn heute war der Markt rein von der Technik getrieben und völlig in der Hand der Algos. Ermöglicht wurde das heute auch durch das geringe Volumen, ideales Jagdrevier für die Algos um den Markt nach ihren Wünschen zu bewegen.

Es ging schon am frühen Morgen los. In der ersten Handelsstunde taten die normalen Anleger das, was in diesem Moment logisch war, nach der Korrektur kauften Sie den Markt über 7000. Und was machten die Institutionellen mit ihren Algos ? Sie verkauften die Bewegung brutal und drückten den Markt herunter bis 6920, verbreiteten bei den normalen Anleger Angst und Schrecken und trieben diese aus ihren Positionen. Nachdem das gelungen war, ging es wieder hoch und wir schwangen uns bei DAX 6960 ein, da wo wir schon gestern gewesen waren. Im Grunde war also gar nichts passiert, nur das die Algos mal eben die Bullen rasiert und danach die Ängstlichen aus dem Markt heraus geschüttelt hatten. Und damit jede Menge Profit gemacht hatten - alles ohne relevante Nachrichten.

Und dann kam die Wallstreet. Und von dem Moment an verlor der DAX wieder jedes Eigenleben und war nur noch das Abbild dessen, was im S&P500 passierte. Der hatte aber noch ein technisches Target aus einer H&S Formation bei 1386 zu schliessen, was er auch punktgenau tat, nur um danach wieder hoch zu laufen. Danach ergab sich eine bullishe Cup&Handle Formation mit Target 1402, was auch den Gap-Fill der gestrigen Handelseröffnung darstellen würde. Ganz geschafft haben wir es nicht mehr, aber mit 1397 schlossen wir nahe dran. Und im DAX schlossen wir nur knapp unter der 7000er Marke und stiegen als Folge des S&P500 im DAX Future dann etwas über 7000 hinaus.

Unglaublich, wie der Markt diese Marken abarbeitet ? Nein, genau das ist die Art wie die Algos programmiert sind. Die technischen Muster werden also durch die Computer verstärkt. Wir haben eine Art selbsterfüllende Prophezeihung klassischer Muster wie Head&Shoulder oder Cup&Handle durch das Handeln der Algos, denen ja eigentlich Emotionen egal sind - schöne neue Welt 😉 Diese Berechenbarkeit ist für uns als (immer noch) intelligentere Menschen eine grosse Chance, allerdings haben diese Muster nur im alles dominierenden Index, dem S&P500, wirklich durchschlagende Wirkung. Ein Muster im DAX steht immer in der Gefahr durch die Entwicklungen an der Wallstreet überrollt zu werden und ist daher nach meiner Erfahrung weit unzuverlässiger zu traden, als die Muster im S&P500.

Und wie ist es mir heute ergangen ? Ich wurde von der Heftigkeit des Abverkaufs heute früh ab 10 Uhr auch überrascht, einen erneuten Taucher unter 7000 hatte ich durchaus auf der Rechnung, nicht aber 6920 im DAX. Dann hatte ich um den Mittag herum ein Phase, wo ich mit dem DAX auch nichts so richtig anfangen konnte und mir sehr unschlüssig war. Ich kenne aber Regel 2 von unten gut und beachte diese und insofern habe ich dann einfach abgewartet. Erst mit dem Beginn der Wallstreet begann das dann alles wieder Sinn zu machen, und das Bild entstand, das ich Ihnen oben geschildert habe und das mich dann auch gut durch den Tag gebracht hat.

Was lernen wir grundsätzlich aus diesem Tag ?

1. Handele wenn Du es vermeiden kannst, nie in der ersten Handelsstunde. Das ist die Zeit der privaten Anleger die hektisch - im Glauben etwas zu verpassen - ihren Emotionen folgen. Die "Big Boys" mit ihren grossen Kanonen steigen erst danach in den Markt ein und machen sich einen profitablen Spass daraus, die Privaten ins Messer laufen zu lassen. Das gilt für DAX wie für S&P500.

2. Wenn Du merkst, dass Du unschlüssig bist und keine klare Richtung erkennst, steh lieber mal auf und mach einen Spaziergang oder leg die Hände unter den Hintern. Versuche aber nie, ins Unklare hinein zu agieren und zu raten - das macht Dich garantiert nur ärmer.

3. Unterschätze niemals die Macht der dunklen Seite ähhh... der Algos - Entschuldigung 😉 Da diese von Menschen programmiert sind, traden diese genau die klassischen Chartmuster und zwar vor allem in den grossen US Indizes.

Und was sagt uns das zur nächsten Woche und zum grossen Bild ?

Für mich spricht einiges dafür, das mein Bild der Quartalsendrally voll intakt ist und "Big Money" sich gestern und heute uns "dumme" Privatanleger so richtig zurecht gelegt hat, um in den Markt einzusteigen und nächste Woche abzusahnen. Es gibt dafür auch ein weiteres Indiz, wir hatten gestern einen gewaltigen "Buying on Weakness" Tag im SPY (ETF des S&P500) - zu besichtigen -> hier <-.

Das bedeutet etwas vereinfacht: Obwohl der SPY gestern deutlich im Minus lag, war das Volumen der Orders bei denen der SPY stieg grösser, als das Volumen der Orders bei denen der SPY fiel. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass "Big Money" in die Abgaben der kleinen Privaten hinein akkumuliert, denn "Big Money" hat einfach die grösseren Geschütze, sprich grössere Einzelorders. Ich habe diese Daten gestern erst am späten Abend gesehen und sie konnten daher nicht mehr in die gestrigen Märkte am Abend einfliessen. Der Indikator ist nicht perfekt und läuft einer Entwicklung auch mal ein paar Tage voraus. Ein derart grosser Wert kommt aber sehr selten vor und ist daher ein deutliches Indiz für die Theorie der Quartalsendrally.

Für mich gibt es also keinen Grund, von der bisherigen Erwartung abzuweichen. Ich rechne weiter eher mit Stärke zum Quartalsende, die sich bin in den Anfang April hinein fortsetzt. Und in diese Stärke hinein will ich bestimmte, gut gelaufene Sektoren mal ernsthaft abbauen und Gewinne mitnehmen.

Wie immer kann alles auch anders kommen, aber das sind die Signale die mir der Markt heute Abend sendet und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, diesen Signalen konsequent zu folgen. Solange bis andere Signale kommen. 😉

Auch die Einzelaktien wurden heute naturgemäss hin und her geworfen, insofern gibt es nicht viel Neues zu sagen. Viele der in den vergangenen Tagen genannten Werte, waren auch heute bei denen, die selbst bei DAX 6920 noch im Plus waren und relative Stärke zeigten. Ich habe es an meinem Depot gesehen, dass sich im Gegensatz zum Index selbst heute Mittag nicht ins Minus bewegte.

Sie erinnern sich vielleicht in Sachen Veolia (WKN 501451) an meine -> hier <- geäusserte Vermutung, dass sich mit den Wechseln im Management nun der CEO Antoine Frérot endgültig gegen seinen Vorgänger durchgesetzt hat und nun das grosse Aufräumen im Management beginnt ? Leider konnte oder wollte keiner der französisch sprechenden Leser mir zu dieser These direktes Feedback aus der französischen Wirtschafts-Presse liefern - schade ! Nun sehe ich einen Bericht der Börsenzeitung unter der Überschrift -> Veolia CEO Frerot verbannt Gefolgsleute seines Vorgängers <-. Ich scheine also mit meiner Vermutung genau auf den Punkt richtig gelegen zu haben.

Diese Bestätigung ist für mich sehr bedeutend. Denn das erklärt auch das bisherige, langsame Fortschreiten der Restrukturierung mit Widerständen des alten Managements. Diese Entwicklung ist für den Kurs der Veolia Aktie in meinen Augen eine sehr gute Nachricht, denn nun kann mit zügigen Erfolgen und grösserer Geschwindigkeit bei der Restrukturierung gerechnet rechnen. Ich denke, dass der starke Anstieg der letzten Tage genau durch diese Sicht des Marktes ausgelöst wurde, wir befinden uns mangels französischer Originalquellen hier halt etwas im Blindflug. Der Markt hat das also wohl schon eingepreist, was wir nun endlich begreifen. Veolia ist damit für mich weiterhin ein klarer Kauf mit einem Kursziel von 17,5€ bis Jahresende, das wären gut 40% über dem aktuellen Kurs.

Und eine Entwicklung sollte heute noch erwähnt werden. Gold hatte gestern ein "Swing Low", das heute bestätigt wurde. Sprich es kann sehr gut sein, das wir nun einen Boden im Edelmetallsektor haben. Der Chart des Goldpreises macht das sehr deutlich ! Zur endgültigen Bestätigung sollte Gold am Montag über 1670 USD steigen. Gelingt das am Montag nicht, stände das Signal heute im Zweifel.

Auch die Minen sprangen heute deutlich an. Und das Sentiment für Gold hat sich erheblich eingetrübt und viele haben die Edelmetalle nicht mehr so richtig auf dem Radar. Alles Faktoren, die dafür sprechen, dass wir nun einen kurzfristigen Boden haben oder nicht mehr weit davon entfernt sind. Ich bin im Sektor nun gut investiert und wenn sich dieser Boden nächste Woche bestätigen sollte, werde ich dieser Bewegung auch folgen - sprich der Edelmetallsektor wird von mir Ende März/ Anfang April dann nicht abgebaut, der Nachholbedarf ist einfach zu gross.

Da wir am Sonntag auch auf Sommerzeit umstellen, gelten ab nächster Woche wieder die normalen Handelszeiten für die Wallstreet - Eröffnung um 15.30 Uhr und Schlussglocke um 22 Uhr. Hari´s Märkte am Abend werden entsprechend dann wieder ab 22Uhr erscheinen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari