Hari Live Stream 09.06.21

Organisatorische Erinnerung

Da sich in der letzten Zeit bei der Verlängerung wieder mühsame Friktionen mehren, möchte ich noch einmal ausdrücklich an meinen folgenden Artikel erinnern:

-> Verwaltung ist mühsam <-

Ich empfehle wirklich sich die wenigen Minuten zu nehmen und das noch einmal anzuschauen, es ist ganz einfach für alle, um den Verwaltungsaufwand niedrig zu halten.

Wichtig für den Fall des Falles dass sie die Verlängerung einfach vergessen sollten, ist auch was in Punkt 5 steht.

Wenn sie mit mir offen und ehrlich umgehen, werden sie bei mir auf großes Wohlwollen stossen, jeder übersieht mal was und ich bin kein Bürokrat, sondern sie sind mir wichtig.

Das Gegenteil passiert aber, wenn jemand meint er sei sehr schlau und könne mit Stories oder durch Zahlungen ins Blaue mich zu Handlungen verleiten - dann passiert das genaue Gegenteil, ich werde hart und grundsätzlich.

Die 200€ weniger, die sie als treues Mitglied für alle weiteren Jahre zahlen, sind ein *Rabatt* dafür, dass sie eben treu und ohne Friktionen dauerhaft dabeibleiben. Dieser Rabatt ist eine Motivation sich auf Mr-Market einzulassen und dauerhaft Teil der Community zu werden - denn das ist mein Interesse, nicht schnelles Geld.

Gerne dürfen sie bei der Mitgliedschaft auch rein und rausspringen, wochenlang überlegen, rumzappeln und dann doch weitermachen wollen - das ist alles OK, dann aber eben zu den regulären 490€ - genau dafür ist der Rabatt ja da oder eben nicht.

Also, etwas zu Vergessen ist gar kein Problem, das passiert mir auch ab und zu. Niemand braucht deswegen argumentative Klimmzüge oder eine Kotau machen, die Lösung ist ganz einfach, sich sofort und zeitnah nach Entdecken bei mir per E-Mail melden, 2 nette, ehrliche Zeilen zu schreiben und wir werden das Problem mit guter Wahrscheinlichkeit lösen, wenn es nicht jedesmal passiert.

Dass sie überhaupt in die Situation kommen können die Verlängerung zu vergessen, beruht darauf, dass ich keine automatischen Verlängerungen und Abbuchungen machen will und werde.

Das wäre nämlich viel schlimmer, da sind dann zwar die zufrieden, die dabei bleiben wollen, dafür werden die Diskussionen umso nerviger mit denen, die eigentlich aufhören wollen. Und ich will hier niemanden mitschleppen, der nicht dabei sein will.

Also, nutzen sie die von mir verschickte Erinnerung um die Verlängerung zeitnah vorzunehmen, dafür ist die Erinnerung da. Wenn sie es trotzdem vergessen und das kein Dauerzustand jedes Jahr wird, regeln wir das sobald sie es bemerken, aber nur wenn sie dann zeitnah und offen reagieren, so wie ich auch mit ihnen umgehe.

Vielen Dank!

Und täglich grüsst das Schaukeltier ZH2

Ich könnte und müsste mich heute wiederholen, schauen sie doch selber, es ändert sich rein nichts an der Lage:

In den Indizes passiert weiter nichts, die kleinen Aktien haben dagegen einen positiven Ton, ohne wirklich überzeugend zu sein.

Wenn man bedenkt, dass wir uns noch in den beiden statistisch eher positiven Wochen des Juni befinden, senkt das nicht das Risiko dass wir zum Ende des Quartals noch eine Abgabenphase erleben.

Davor liegt aber erst einmal die FED kommenden Mittwoch und da nun auch Yellen -> von höheren Zinsen redet <-, wissen sie auch was den Markt zu guten Teilen etwas dämpft, da will man doch erst einmal abwarten, wie sich Powell dazu nächste Woche positioniert.

Insofern haben wir eine potentiell mal wieder wichtige FED-Sitzung vor uns, bis dahin könnte es aber durchaus so wie beim Murmeltier weitergehen.

Überkauft, aber nicht extrem

Schöne Übersicht -> von Bespoke hier <- zu den Aktien des DOW und damit ein wenig zur taktischen Marktlage bei den klassischen Industrie-Aktien:

Wir sehen dass viele Aktien überkauft sind, auch ein Grund warum es da gerade nur schaukelt und nicht richtig voran geht. Aber dieser Zustand ist nur von mässigem Charakter und gilt nicht für alle Aktien.

In Summe ein ebenso diffuses Bild wie die aktuellen Kursbewegungen, das Eine hat durchaus auch ein wenig mit dem Anderen zu tun. Der Markt markiert gerade weder einen klaren Boden noch ein klares Hoch, es ist "irgendwas dazwischen", ein Schaukeltier eben. 😉

Was wirklich wichtig ist

Ich habe überlegt darüber wieder einen Artikel zu schreiben, es aber gelassen weil es hoffnungslos ist. Denn während wir uns politisch mit allerlei Manierismen, Schwurbeleien, kleinen Betrügereien und völlig unwichtigen Moralschlachten befassen, finden die wirklich zentralen Dinge still und leise unterhalb der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit statt.

Denn was kann es für uns als Staatsbürger Wichtigeres geben, als die Frage ob wir überhaupt noch einen Staat und eine Verfassung haben oder ob wir den schon nach Brüssel entsorgt haben? Entsorgt in ein Konstrukt, das zwar gerne Staat sein würde, dem es dazu aber an allem fehlt, einer Verfassung sowieso.

Denn was sich hinter dem sperrigen -> Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland <- verbirgt, für das sich so richtig niemand interessieren will, weil Twitterschlachten um Spiegelstrich und Gendergedöns ja viel wichtiger sind, verbirgt sich die für uns absolut zentrale Frage, ob wir überhaupt noch ein souveränes Staatswesen sind, in dem die Bürger direkt ihre Legislative und mittelbar darüber ihre Exekutive und Jurisdiktion wählen.

Dieser Satz bringt den für unser Staatswesen zentralen Machtkampf auf den Punkt:

Nach Ansicht der EU-Kommission stellt das Karlsruher Urteil einen „gefährlichen Präzedenzfall für das Unionsrecht“ dar. Wenn es Schule mache, bestehe die Gefahr, dass das Bundesverfassungsgericht anderen Urteilen des EuGH in Deutschland die Rechtswirkung aberkenne.

Es geht um die Kernfrage, die große Machtfrage, ob letztgültiges Recht für uns als Bürger in Karlsruhe oder in Brüssel gesprochen wird und wenn es in Brüssel gesprochen würde, müsste man folgerichtig als Bürger fragen, warum wir dann nicht nach dem urdemokratischen Prinzip von "ein Mensch eine Stimme" darüber abstimmen können und was denn überhaupt die Verfassung ist, auf deren Grundlage dieser "Staat EU" agiert?

Es ist die Frage ob sich Deutschland endgültig als Nationalstaat abschafft, eine Frage die ich zum Beispiel hier schon vor Jahren immer wieder thematisiert habe:

2018 ganz grundsätzlich den Zusammenhang erklärend, unabhängig vom speziellen Thema Euro: -> Europas strukturelles Problem <-

Ich empfehle diesen Artikel noch einmal zu lesen, er ist topaktuell und es ist eigentlich "Staatsbürgerpflicht" sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn es geht zentral um unser Gemeinwesen und seine Verfasstheit.

Und hier viel früher zum speziellen Thema der Eurokrise, die genutzt wurde um die Schranken der Verfassung zu überwinden:

2012: -> Das Ende Deutschlands wie wir es kennen <-

2013: -> Ja, aber – oder wie man sich selber abschafft <-

Und weil ich das alles schon gesagt habe, brauche ich es auch nicht zu wiederholen. Ich erinnere nur daran, dass unsere Zukunft bei solchen zentralen, abstrakten Fragestellungen geschrieben wird und nicht beim Gelaber bei Maischberger oder Will. Maischberger und Will, das ist "Opium für das Volk" oder "Brot und Spiele".

Ich glaube auch den Ausgang des Ganzen zu kennen, ich bin da ganz pessimistisch was den Bestand dieser Verfassung Deutschlands angeht, die wird faktisch mehr und mehr ausgehöhlt, ohne den Souverän ernsthaft zu fragen.

Und ich betone erneut, dass ich mich über einen echten europäischen Bundestaat sehr freuen würde, aber einen echten Bundesstaat, mit echter Demokratie, einer Stimme für jeden Bürger egal aus welchem Land, zentralen Institutionen im Bereich Aussenpolitik, Verteidigung, Wirtschaft, aber ansonsten allergrößter Freiheit der Bundesstaaten bei allem anderen. Ein wenig so, wie die US nach der Gründung mal waren und heute immer noch mehr sind, als dieses vermurkste Brüsseler Konstrukt.

Ein echter Bundesstaat mit einer echten Verfassung, die die Bürger Europas sich gegeben haben. Und dann hat auch ein Europäischer Gerichtshof als letztgültige Instanz seine volle Berechtigung und meine volle Unterstützung.

Das wäre aber ein anderes Deutschland als wir heute haben und in einer Demokratie sollte das der Souverän entscheiden. Im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen gibt die repräsentative Demokratie den Repräsentanten nicht das Recht den Staat abzuschaffen, ohne dafür den Souverän explizit zu fragen. Um das durchzusetzen, bräuchte es aber Verfassungsorgane, die sich nicht selber kastrieren wollen.

Was wir da beim Verfassungsgericht erleben, ist nach meinem Eindruck das letzte Rückzugsgefecht, weil die Unterstützung aus Berlin dafür völlig fehlt.

Und genau das ist ein echtes Problem. Denn ich bin gerne Europas Bürger, aber eines echten, demokratischen Bundesstaates.

Biotech (BNTX) und der rationale Markt ZH3

Das Chart von Biontech ist ein schönes Beispiel, wie der Markt rational abwägt und Risiken wie Chancen einzupreisen versucht. Das 2022er Forward P/E das diesem Chart als Erwartung zugrunde liegt, beträgt nur 7!

Das bedeutet, wenn all die guten Nachrichten sich auch so realisieren würden, wenn BNTX und MRNA weiter die uneingeschränkten Platzhirsche beim Impfen bleiben und auch die Milliardenverträge sich realisieren, die nun schon mit EU und Co. geschlossen wurden, dann ist BNTX auf dem aktuellen Niveau *völlig unterbewertet*!

Denn wenn so ein Umsatz- und Gewinn-Niveau dauerhaft wäre, wenn der Markt da Dauerhaftigkeit erwarten würde, dann würde er BNTX jetzt ein 2022er P/E von 20 und mehr zubilligen, was bedeutet dass der Kurs um 300% höher stehen würde. Schluck. 😛

Das tut der Markt aber nicht, weil er sieht die Risiken und was alles schief gehen kann. Und deswegen versucht er zu diskontieren.

Da die Bewegung aber in so kurzer Zeit so massiv ist und es wenig Maßstäbe gibt sich zu orientieren, tut sich der Markt damit sehr schwer - wer will es ihm verdenken?

Klar ist aber, das sollten wir nicht unterschätzen, dass wenn sich die ganzen guten Nachrichten realisieren und BNTX in eine dominante Stellung hineinwächsen würde, dann wären die aktuellen Kurse "viel zu billig".

Wir wissen es nur nicht, weil vielleicht geht ja was schief und morgen kommt die Nachricht, dass die Impfungen 2 Jahre danach schlimme Nebenwirkungen erzeugen. Oder vielleicht kommt Curevac plötzlich doch in die Puschen und hat eine viel bessere Imfpung.

Und dann wäre BNTX heute viel zu teuer - that´s life. Faktum ist aber, dass der Markt diese extrem unsichere Lage sehr gut und rational navigiert!

Aktien des Tages ZH3

Biomarin Pharmaceuticals (BMRN)

Canopy Growth (CGC)

Was robbt denn da? Es ist eindeutig zu früh da schon viel hinein zu interpretieren, aber auf den Radar im Sinne Watchlist kann man diese Entwicklung am SMA200 mal nehmen:

Trip Advisor (TRIP)

Eine Boom bei Reisen absehbar und so ein Chart? Hmmm. Hmmm. 😉

Die Risiken sind, dass es mit dem Boom nichts wird, weil eine Mutante alles wieder abwürgt. Oder eben unternehmensinterne Probleme. Aber interessant finde ich das schon:

Merck KGaA (MRK)

Die deutsche Merck, potentiell als Folge der Vetriebspartnerschaft mit Biogen (BIIB):

Expedia (EXPE) ZH4

Nochmal zurück zum Thema Reise, dieses Mal im Weekly. Auf Kompression folgt was? .... Na wir werden sehen. 😉

Was machen eigentlich die Goldminen? ZH4

Die Frage ist schnell beantwortet, eine kleine Pause, aber (bisher) keine Richtungsänderung:

Murmeltier mit Schluckaufgefahr ZH3

Was macht der breite Markt? Na sie wissen schon, Murmeltier, Schwurbeltier, Schaukeltier - suchen sie es sich aus, aber das ist keines neuen Chart des Tagesverlaufes würdig.

Aber der Blick auf das Daily mit seiner langsamen Starre, man könnte auch sagen mit dem *Sprungbrett* kurz vor den Notenbanken, sieht schon nicht ungefährlich aus. So ein Sprungbrett hatten wir vor Kurzem schon einmal und zwar Ende April:

Damit sage ich keine Richtung voraus, eigentlich ist das eher ein Ausbruchssetup nach oben, aber hier kann nun jederzeit Volatilität einsetzen, die dann nicht überraschend wäre. Es braucht nur den Katalysator.

Insofern seien wir nun ein wenig vorsichtiger bzw aufmerksamer, wir verlassen die Phase der Lethargie und nähern uns einem Punkt, an dem es ganz plötzlich wieder volatil und dynamisch werden könnte!

Den zweiten Sonderartikel haben sie heute schon -> hier zu SPACs <- bekommen, wir lesen uns morgen ganz regulär zum Stream wieder.

Machen sie es gut!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Hari Live Stream 22.04.21

Der wahre Skandal

Bevor ich heute zum Markt komme, muss ich doch ein paar Worte zu einem Thema loswerden, das mich mal wieder fassungslos macht und wie im Brennglas die Zerrüttung und Verluderung des Rechtsstaats aufzeigt.

Es ist ein grundsätzliches Thema, weswegen es natürlich in den Medien wenig angesprochen wird, mit direkten, vordergründigen Themen kann man schneller Klicks erreichen.

Und es hat mit dem nun beschlossenen Infektionsschutzgesetz zu tun. Wenn sie aber denken ich reihe mich jetzt in die ein, die sich gerne über Details ereifern, dann irren sie, das passt auch nicht zu mir.

Ich halte das Gesetz für verfehlt, aber verfehlte Gesetze gibt es viele. Ich halte die Inzidenz als alleinigen Maßstab für Unsinn, weil man damit das Land auch bei einer Schnupfen-Epidemie zusperren könnte, aber irgendwelche Grenzen braucht es. Ich verstehe die Diskussion um Zentralisierung, halte es aber nicht für verboten bei Epidemien eine stärkere Zentralsteuerung zu etablieren, der Föderalismus mit seinem Klein-Klein hat nicht nur Vorteile, wie wir ja in den letzten Monaten auch in vielen Bereichen erlebt haben.

Ich bin also inhaltlich gegen das Gesetz, das ist aber nichts was ich Skandal nennen würde oder worüber ich mich ereifern oder hier schreiben würde. Das ist politisches Business-as-Usual.

Der Skandal liegt viel grundsätzlicher, denn das Gesetz ist offensichtlich *verfassungswidrig* oder zumindest äusserst fragwürdig. Und das wissen auch -> die Ministerpräsidenten <-, die in Sonntagsreden von "Rechtsstaat" salbadern.

Bouffier nennt es "verfassungsrechtlich problematisch", Hasselhoff einen "Tiefpunkt in der föderalen Kultur" und Schwesig "voller schwerer Konstruktionsfehler" und ich könnte die Liste fortsetzen.

Alle wissen also, das Gesetz ist *Mist*. Und auch wenn der Bundesrat formal nicht zustimmen muss, könnte er es über den Vermittlungsausschuss doch aufhalten.

Tun diese Ministerpräsidenten aber nicht. Und Bouffier sagt einen Satz, der jedem Geschichts- oder Jura-Professor die Kaffeetasse aus der Hand fallen lassen dürfte:

„Das ist verfassungsrechtlich problematisch. Trotzdem müssen wir ja handeln“

Peng. Lassen sie das mal wirken.

Streichen sie sich diesen Satz fett an und hängen ihn über das Bett, er geht in die Geschichte als einer der dümmsten politischen Sätze dieser Republik ein und ist Ausdruck einer Verluderung des Rechtsstaats, die von ihren politischen Vertretern ausgeht.

Wir haben da also eine heilige Verfassung, die die Grundlage aller staatlichen Gesetzgebung und allen staatlichen Handelns sein muss. Wir erkennen auch, dass ein neues Gesetz diese Verfassung wahlweise bricht oder biegt ........ und machen es trotzdem!. Strafrechtlich nennt man das *Vorsatz*.

Und warum? Aus welchem zwingenden Grund?

Weil wie bei Independence Day Aliens gerade die Republik erobern und ein übergesetzlicher Notstand existiert? Weil die Menschen gerade reihenweise umkippen und die Straßen mit Leichen gefüllt sind?

Sie wissen wie ernst ich das Virus nehme, ich verdrehe nur die Augen bei dem ganzen Geschwurbel was es dazu gibt. Aber wir haben aktuell keine andere Situation als vor 3, 6 oder 9 Monaten. Nein wir stehen sogar besser da, eine Schwemme an Impfstoffen steht vor der Tür und das Ende der Pandemie ist greifbar.

Und da *müssen* wir jetzt verfassungswidrige Gesetze beschliessen? Weiss Bouffier eigentlich was er da redet?

Weiss Bouffier dass Notstandsgesetze schon immer von Diktatoren benutzt wurden, um eine Machtergreifung zu inszenieren oder einen Staatsstreich durchzuführen? Das ist hier kein Staatsstreich, das will ich nicht implizieren, aber was ist das "wir müssen handeln" für ein saudummes Argument?

Was ist das für eine Verfassung, die man mal eben beiseite wischt, weil Herr Bouffier der Meinung ist es bestehe ein Handlungszwang? Wenn das möglich ist, können wir die Verfassung gleich einstampfen und uns die Gelder für die Robenträger in Karlsruhe sparen.

Erneut, es geht mir nicht um das Gesetz. Es geht mir um den Geist derer, die einen Verfassungsbruch mit einem eingebildeten Notstand begründen. Jeder Historiker oder Jurist muss da Ausschlag oder wahlweise Angstschweiss bekommen und es stellt sich ernsthaft die Frage, ob Herr Bouffier mit dieser Denkhaltung nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden müsste. Denn über die setzt er sich gerade wissentlich hinweg.

*Wir müssen handeln*. Lassen sie sich diesen Satz als Begründung für eine bewusste - also vorsätzliche - Dehnung der Verfassung mal auf der Zunge zergehen und überlegen sie, was das bedeutet - auch in anderen Fällen. Und überlegen sie welchen Boden dieses Gedankengut bereitet!

Das Land und die Demokratie verfault von innen her, das ist mein hartes Fazit wenn ich das erlebe. Irgendwie fühlt man sich im Angesicht solcher Torheit nur noch sehr müde.

Noch immer offen ZH2

Der SPX hat gestern in einer wunderbaren Rally die Gefahrenzone wieder verlassen und sich über die Abwärtstrendlinie der bisherigen Woche geschoben. Auch sind gestern die Momentum-Werte wieder angesprungen, vielleicht war das mit der Korrektur also schon wieder.

Entschieden ist das Ding aber noch nicht, dürfte es aber bald werden, ein Blick auf den Future zeigt das schnell.

Entweder löst sich der SPX nun nach oben, dann ist die Korrektur vorbei. Oder fällt wieder unter die Trendlinie, dann dürfte ein erneuter Test der Unterstützung anstehen und wenn solche Unterstützungen mehrfach getestet werden, werden sie "weichgeklopft", das Risiko eines Bruchs steigt dann also und sinkt nicht.

Wenn sie mich fragen und ich raten müsste: Ich halte die Auflösung nach oben für etwas wahrscheinlicher.

Nichts neues von der EZB

Wie erwartet gab es -> nichts Neues von der EZB <-. Die EZB steuert nun zunehmend in ein Dilemma herein, dass ich vor einer der nächsten Sitzungen mal näher beleuten werde, aber noch reichen die dünnen Worte Lagardes, weil die Fliehkräfte noch nicht stark genug gestiegen sind.

Das wird sich absehbar ändern, wirklich spannend ist aber auch das nicht, weil wir wissen wie unter Druck immer der einzige Ausweg aussehen wird: "Kicking the can down the road", vom Gleichen also eine Schippe drauflegen, die Geldpolitik steckt in einer selbstgewählten Falle ohne Umkehrmöglichkeit.

Den Euro hat Lagarde heute ein wenig runtergeredet, im Weekly ist es aber schon seit Monaten schwer ein echte Struktrur oder einen Trend zu identifizieren. EURUSD eiert herum und verdient derzeit nicht unsere Aufmerksamkeit:

Aktien des Tages

Die Trennung von Quartalszahlen- und Aktien des Tages hat sich nicht bewährt, ich handele das nun zusammen ab, die Liste wird dadurch heute länger.

Danaher (DHR) ZH3

Wie immer eine -> feste Bank <- - q.e.d.

Nestle (NESN) ZH4

NESN -> sehr überzeugend <-, die Aktie ist im Weekly nun am Deckel angekommen:

SAP (SAP) ZH3

Fehlendes Wachstum war das, was SAP hat abstürzen lassen. Nun ist doch -> Wachstum in der Cloud da <- und konsequenterweise schliesst sich das Down-Gap nun schnell.

Der Markt hat es aber recht eindeutig schon vor den Zahlen gewusst, anders ist diese Bewegung nicht zu erklären, die nun bestätigt wird. SAP ist also sozusagen "nicht ganz dicht". 😉

AT&T (T) ZH4

WTF? AT&T kann scheinbar doch auch -> positiv überraschen <-, kaum zu glauben nach unzähligen Enttäuschungen bei Zahlen.

Noch aber befindet sich die Aktie in der großen Seitwärts-Schaukel-Zone, erst mal abwarten ob nun Kraft für einen Ausbruch nach oben da ist:

Blackstone (BX) ZH3

Wie ich im Video schon sagte, profitieren Asset-Manager besonders von dem aktuellen Environment, das ihnen "Windfall-Profits" gewährt. Dass BX trotz der schon hohen Erwartungen -> nochmal einen Drauflegen <- kann, ist schon sehr bemerkenswert. Wir erleben derzeit "Goldilock" für diese Aktien und ihre Aktionäre:

Freeport McMoran (FCX) ZH4

-> Sell the News Effekt <- bei FCX.

Diese Schaukeln kann jetzt eine ausgedehnte Konsolidierung vor dem nächsten Schub, aber auch eine Topbildung sein. Wir sollten uns das von Preisen zeigen lassen, statt es vorher erraten zu wollen:

Pool (POOL) ZH3 ZH4

Das Frühjahr ist auf der Nordhalbkugel da, der Sommer in Reichweite. POOL hat die Rally des letzten Jahres etwas konsolidiert, aber die Grundtreiber es sich zu Hause gemütlich zu machen bleiben bestehen, zumal viele Schwimmbäder immer noch zu sind.

Heute hatte POOL -> klasse Zahlen <- und so sieht das dann aus:

Biontech (BNTX) ZH3

Heute ist nichts besonderes passiert, aber trotzdem will ich das "To the Moon" Chart von BNTX noch einmal in Erinnerung rufen:

Gerade auch aufgrund der Probleme anderer Anbieter reden wir hier mittlerweile über Milliarden Dosen, die wirtschaftlich 50/50 zwischen Pfizer (PFE) und BNTX aufgeteilt werden. Das ist sensationell und das Chart bildet das nur ab.

Es gibt aber eben auch ein ganz anderes Thema dahinter, das ich hier schon mehrfach thematisiert habe, so auch direkt am Jahresanfang am 04.01.21 in -> Ausgelutscht und Aufgeladen <-. Ich zitiere:

Nun aber, haben die Aktien genügend korrigiert und wurden auf Niveaus zurückgeworfen, die schon im Juli erreicht waren.

Damit halte ich die Aktien - auch vom Chart her - wieder für interessant. Denn der Vorsprung bei den Impfungen wurde im Kurs wieder abgegeben, es sind nun aber auch Chancen da, dass die Firmen aus ihrem Vorsprung in der MRNA-Technik noch viel, viel mehr machen als nur das Covid-Vakzin.

Für ein "Zukunfts-Depot" mit mittelfristigem Horizont kann man die Aktien also wieder in den Blick nehmen, als Trade auf ein Ende der Korrektur auch:

Damals war BNTX bei 86USD, nun nach einer mehr als Verdoppelung würde ich das aber immer noch sagen!

Ein einzelnes Unternehmen wie BNTX mag in Probleme laufen, von der Technik werden wir aber wohl noch viel hören und auch andere durchschlagende Impfungen erleben. Der Sektor der MRNA-Spezialisten gehört über Covid hinaus ins Depot, ideal über ein Basket.

Enphase Energy (ENPH) ZH3

Chance auf eine Ende der Korrektur?

Qualtrics (XM) ZH3

Der Schub kommt nach Zahlen, der Punkt hier ist aber ein anderer. Erst gestern habe ich zu -> Lemonade (LMND) <- das Prinzip dieser opportunistischen "Weit genug" Trades beschrieben, wenn die Aktien auf sauberen Unterstützungen sitzen. Übrigens LMND könnte funktionieren, den Stop kann man jetzt schon in den neutralen Bereich ziehen, das aber nur am Rande.

Ich habe da erklärt, dass der Vorteil dieser Setups nicht darauf beruht, dass diese Setups besonders oft erfolgreich sind, sondern darauf dass *wenn* sie erfolgreich sind, diese besonders hohe Gewinne generieren können - eine asymetrische Ausgangslage also.

Bei XM haben wir durch die Zahlen nun so einen Fall. Ich wäre da in die Zahlen hinein nicht eingestiegen, aber man hat eben schon gesehen, wie die Aktie langsam das Abwärtsmomentum verlor und die Chance auf einen Boden wuchs, der vor den Zahlen schon zu sehen war.

Wir hatten da auch schon steigendes Volumen *vor* den Zahlen, da waren also schon einige Signale die einen Zock hätten begründen können. Ich selber mache so etwas eher nicht wg des immensen Gap-Risikos nach Zahlen, ich setze lieber auf Ausbrüche im "normalen" Handel.

Aber jetzt haben wir hier halt mal den positiven Fall und der Punkt ist erneut nicht, dass man so einen Fall erzwingen kann, sondern dass ein so ein Fall viele kleinere Fails locker kompensiert und trotzdem noch einen positiven Saldo hat:

Es gibt viele Wege nach Rom im Trading und viele Ansätze. Auch wenn einzelne "Pros" mit bestimmten, spezialisierten Strategien sehr erfolgreich sind und viele sich mühen das "nachzuhandeln", ist es keineswegs so, dass das die einzigen Methoden sind.

Letztlich ist Trading immer ein statistischer Langstreckenlauf, bei dem schon kleine Unterschiede im Handling über die Zeit große Unterschiede machen können. Und auch so Strategien die auf einzelne "Big Shots" zielen, können durchaus Sinn machen, wichtig ist vor allem dass man sich damit wohlfühlt und sich einen Edge erarbeitet hat.

Und egal welche Strategie sie wählen, es gilt immer die Verluste zu begrenzen. Sie dürfen ganz viel machen und sie dürfen auch viele kleine "Fails" haben. Aber sie dürfen *nie* große Fails haben. Das ist der entscheidende Punkt den sie unterbinden müssen, sonst haben sie keine Chance.

Solar-Boden TAN ZH3

Über die Chance - nicht Gewissheit, Chance - dass wir im Clean Energy Sektor langsam einen Boden ausbilden spreche ich ja schon ein paar Wochen.

Nun haben wir auch im Solar ETF TAN einen dreifachen Boden, der aktuell mit dem 200er SMA korreliert und wir haben erneut einen Schub davon weg.

Es ist immer noch offen ob das jetzt die Wende ist, noch kann es im Muster seitwärts weitergehen. Aber die Chance ist da und nach unten ist das sehr klar begrenzt und abzusichern:

Biotech-Boden XBI ZH3

Bei Biotech sehen wir eine ähnliche Ausgangslage, auch hier steht ein Boden im Sinne "weit genug" im Raum, der aber noch nicht wirklich vollendet ist:

Finito ZH2

So liebe Mitglieder, das wars für diese Woche, die uns eine Korrektur brachte, die potentiell gesund ist und die Stärke vielleicht bis in den Mai hinein erhält. Ein weitergehender, pausenloser Anstieg wäre viel gefährlicher und schwieriger gewesen, da der SPX ja seit Ende März ohne Pause gestiegen ist.

Es scheint auch so zu sein wie eingangs schon präferiert, dass der Markt von der Trendlinie nach oben weg läuft, die kleine Korrektur ist vermutlich Geschichte:

Mein rechtes Auge kratzt wieder etwas - ja da war doch noch was 😉 - man vergisst schnell, aber ich wurde eben erst vor 2 Wochen da operiert. Diese Woche war aber zu 90% schon normal im Blog, insofern kann ich nun wirklich selbstzufrieden feststellen, dass ich auch diese zweite und größere OP durch Einsatz der Ferien ohne relevante Disruption über die Bühne gebracht habe.

Meine Frau ist nun auch geimpft - mit AZN. Sie hatte den typischen Verlauf, einen Tag starke Grippesymptome, dann war es vorbei. Ich bekomme meine Biontech-Zweitimpfung in 2 Wochen, dann ist das Thema erst einmal für mich abgeschlossen, bevor dann irgendwann im Winter die Auffrischung anstehen dürfte.

An unserer Umsicht ändert das natürlich nichts, zumal hier im Landkreis immer mehr Kinder betroffen sind, aber die Hoffnung auf Urlaub im August ist weiter da. Gebucht haben wir schon, es soll an den Atlantik gehen, mal schauen ob es klappt.

Ich hätte persönlich gar nichts dagegen, wenn man auch im kommenden Winter mit Mundschutz in Läden und S-Bahnen nicht komisch angeschaut wird, in Asien ist das schon lange üblich und es hat uns einen Winter ohne Infektionskrankheiten beschert, das ist auch ein Wert.

Ich meine nicht Mundschutz überall, auf keinen Fall, man will ja Menschen sehen und mit ihnen reden, das gehört zum sozialen Leben dazu. Aber selektiv, wenn ich zb in der S-Bahn mit Fremden einem hohen Virenrisiko ausgesetzt bin, habe ich keinerlei Nachteil vom Mundschutz, man schaut sowieso aneinander vorbei, warum also nicht die Vorteile mitnehmen? Auch das ist eine Form des Pareto-Prinzips, wenn ich mit wenigen Handgriffen in 20% der Zeit dann 80% des Infektionsrisikos mit allem Dreck von Rhino- bis Noro- und Rota-Viren verringern kann, warum dann nicht? Wie meine untere Gesichtshälfte aussieht, muss in der S-Bahn keiner wissen und Handhygiene ist sowieso nur eine Frage der Selbstdiziplin.

Wie auch immer, kommende Woche läuft im Blog ganz normal und ist so dick mit Quartalszahlen gespickt, dass wir wohl kaum zu etwas Anderem kommen werden, als diese Berichte zu verfolgen. Ach ja, die FED ist am Mittwoch auch noch, für Unterhaltung ist also gesorgt.

Wir lesen uns am Sonntag zum Wochenausblick hier wieder, bis dahin wünsche ich ein schönes Wochenende!

Und falls sie es nicht gesehen haben, meine Frau hat -> hier <- auch etwas zum Thema Frauen und Börse beigetragen.

Ich werde wohl mal meinen stechenden Feldherrenblick im Bild ändern müssen, wer will mit so jemandem schon diskutieren. Dabei, meine Diva kann es bestätigen, bin ich eigentlich ein ganz braver und lieber Kerl mit Humor. Ja wirklich, kein Scherz! 😛

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Sensation im Prorogue-State

Letzte Sonntag bin ich von einer Wanderung zurückgekehrt. Wider Erwarten hatte es an unserer Hütte überhaupt kein Netz gegeben, obwohl sie gar nicht dermaßen abgelegen war. Nur auf den Gipfeln konnte man regelmäßig zumindest Mails checken, dort war der Empfang Spitze. Na gut, keine so große Überraschung in den Bergen, könnte man sagen, aber ich war dieses Jahr irgendwie nicht darauf gefaßt. Der Effekt war erst komisch, dann herrlich. Eine Woche ohne Brexit! Dadurch fiel mir erst auf, wie obsessiv ich die Nachrichten im Alltag verfolge. Ja, es war auch eine Woche ohne Finanznachrichten, klar. Nach meiner Rückkehr habe ich aber zunächst die Brexit-News und dann erst Hari Live aufgearbeitet, wie ich gestehen muß.

Nur daß Bercow zurückgetreten sei, der Parlamentssprecher, war unterwegs zu mir durchgedrungen. Doch der wollte ja eigentlich schon längst zurückgetreten sein, also war das gar keine dramatische Neuigkeit. Er hatte seine Amtszeit ja ungeplant fortgesetzt, weil er den Fehdehandschuh der Regierung aufgenommen hatte, die das Unterhaus immer mehr missachtete. Und nun sagt er im Oktober bye-bye.

Ansonsten war noch ein Detail bemerkenswert: Ein schottisches Gericht hat die Suspension des Unterhauses durch die Regierung als verfassungswidrig eingestuft – anders als Gerichte in Wales und in England. Die Sache ging in Berufung, heute verkündete der Oberste Gerichtshof sein Urteil. Ist die Suspension rechtens (engl.: prorogation, to prorogue)? Oder hat Johnson die Queen über die Motive getäuscht und damit die Exekutivmacht missbraucht? Er hat behauptet, die Suspension diene nur, wie auch sonst am Ende einer Parlaments-Session (einem parlamentarischen Geschäftsjahr o.ä.) üblich, der Vorbereitung auf die neue Queen’s Speech. Die Gegenseite argumentiert, die Verlängerung der üblichen Suspensionszeit um eine Woche deute darauf hin, der eigentliche Zweck sei, das Parlament mundtot zu machen.

Nicht, dass diese Entwicklung einen spielentscheidenden Einfluss auf die Brexit-Schmierenkomödie hätte. Für den Fall einer Niederlage vor Gericht hatte die Regierung schon mit dem Gedanken geliebäugelt, einfach eine neue Suspension zu verhängen. Die eigentliche Bedeutung des Urteils ist auf der verfassungspraktischen Ebene des Vereinigten Königreiches zu sehen. Dessen weitgehend ungeschriebene Verfassung ist ja eine Mischung aus Gesetzen, Konventionen und Traditionen. Mit der eigentümlichen Besonderheit, dass es letztlich das Parlament selbst ist, das den Gesetzesanteil der Verfassung nach Belieben umändern kann. Und darin liegt ein riesiger Unterschied zu in den meisten anderen konstitutionellen Staaten, wo das Verfassungsgericht oberste Autorität hat. Die britische Verfassung bindet das Parlament und die Regierung natürlich auch durch die Konventionen. Aber die, so zeigt die jüngste Geschichte, sind dehnbar. Nicht nur Boris Johnson, sondern auch John Bercow hat bei Gelegenheit konventionell „unorthodoxe“ Entscheidungspfade gewählt. Mit dem aktuellen Verfahren stand also weniger der Brexit selbst im Rampenlicht, sondern die weitreichende konstitutionelle Frage, welche Autorität sich das höchste Gericht selbst über die Exekutive gibt.

Nun ist das Urteil vor wenigen Minuten gefallen, und es ist eine Sensation. Die Suspension war nicht rechtens. Die Frage ist nun, ob Boris Johnson diese neuerliche, massive Niederlage wegstecken und bis zu den sicher bald anstehenden Wahlen durchhalten kann. In den Meinungsumfragen stehen die Tories ja weiterhin erstaunlich gut da, ein Sieg aus eigener Kraft wäre nicht unplausibel. Wir werden sehen, was das für den Brexit bedeutet.

Die wichtigere Botschaft ist: Die britische Verfassung ist stabiler als gedacht. Die vielen Schwachstellen waren ja allmählich nicht länger durch altertümelnde Folklore zu überdecken. Doch nun hat das oberste Gericht gezeigt, daß auch in Großbritannien die Judikative in letzter Instanz einen unabhängigen Pfeiler des Rechtstaats darstellt. Eine Tatsache, deren Bedeutung über den Ausgang des Brexit-Theaters vermutlich weit hinausgeht.

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Vom Neuland und seinen Bewohnern – Gedanken eines „Digital Prehistoric“

Es gibt ja Menschen, für die ist das Internet Neuland. Gerade in der hohen Politik scheinen sich einige zu tummeln.

Ich gehöre da nicht dazu. Ich besass schon 1980, vor der PC und C64 Zeit, einen mühsam zusammen gesparten und nach der Schule erarbeiteten TRS80-L2 Clone mit 16KByte und damals Z80 Mikroprozessor, besser als der damals einzige Rechner (ein Wang 8kb), in meinem 1.500 Kinder großen Schulzentrum, in dem ich dann mein Abitur gemacht habe. Mensch, ich war stolz wie Oskar darauf!

Nach dem Wehrdienst, begann ich ein Informatik-Studium, das ich 1987 als Diplom-Informatiker abschloss. Danach führte mich der erste Berufsschritt zu IBM Research & Development, wo ich an einem Großrechner-Betriebssystem nahe des Kernels programmierte, bevor es dann bei mir mehr und mehr in Richtung Management und Personalführung ging.

Aber trotzdem bin ich parallel und privat eine Art "Technik-Geek" geblieben, der auch heute immer weiss was technisch geht und das Internet von seinen Anfängen bis heute aktiv begleitet hat. Auch dieser Blog wird von vorne bis hinten von mir betrieben und administriert, einen IT-Dienstleister brauche ich nicht dafür.

Ich erzähle Ihnen das in der Einleitung um Ihnen zu sagen, dass wenn andere junge Leute sich heute "Digital Native" nennen, ich dann sozusagen "Digital Prehistoric" bin - ich war von Anfang an dabei und habe schon über Steve Jobs im -> amerikanischen *Byte* Magazin <- gelesen, als der wirklich noch mit Wozniak und Wayne in der Garage werkelte und es noch keine einzige deutsche Computerzeitschrift für Privatleute gab. Selbst die "c´t" aus dem Heise-Verlag, wurde erst 1983 gegründet.

Niemand sollte also glauben, dass das Internet für mich Neuland ist. Wirklich nicht. Und auch nicht die neuen Medien und ihre Wirkungen.

Und jetzt werden Sie erstaunt sein, ich bin was die sozialen Netze und die Anonymität angeht, näher dran am "Neuland-Bewohner" Wolfgang Schäuble, als an manch lustigem und angestrengt hippen "Social-Media-Helden".

Keine Sorge, ich will das ja jetzt erklären. 😀

Denn natürlich zeigt Wolfgang Schäuble eher wenig Schimmer von "Neuland", wenn er -> eine Klarnamenpflicht im Internet fordert <-, das ist alles eher lustig.

Denn wenn ich in Herrn Schäubles Adressbuch wäre, so dass er meine Mails liest, würde ich ihm gleich mal eine Mail mit dem Klarnamen "Papst Franziskus" schicken, da würde er aber gucken - nichts leichter als das. 😉

Soviel also zu Klarnamen im Web, das würde nur gehen, wenn man sich zum Webzugang immer mit eindeutigen Identifikationsmerkmalen wie Personalausweis oder Iris-Scan anmelden müsste und das kann niemand wollen, das wäre eine Art totalitärer Staat,

Auch die Studien, ob Klarnamen etwas bei der Diskussionskultur bringen, überraschen mich mit ihrem negativen Ergebnis nicht, weil ich auch mit Klarnamen eben problemlos als was auch immer auftreten kann, wenn ich nur will - "Hari Seldon" wäre doch auch ganz nett, wenn ich hier nicht schon die Verbindung zu meinem echten Namen hergestellt hätte. Aber da fallen mir bestimmt noch andere Science Fiction Figuren der 60er und 70er Jahre ein. Solange man aber immer noch hinter einer Fassade agiert, ändert sich am Sozialverhalten eben nichts.

Der verfehlte Lösungsansatz, spricht aber nicht gegen das prinzipielle Anliegen, das Wolfgang Schäuble damit verbindet und da hat er durchaus einen Punkt!

Denn die Ablehnung, die reflexartig aus der Ecke der Social-Media-Fraktion kommt, ist am eigentlichen Problem vorbei. Mit Zensur und Überwachungsstaat hat der Gedanke erst einmal gar nichts zu tun, viel mehr damit, wie man soziale Prinzipien die im normalen Zusammenleben gelten, auch auf das Web übertragen kann. Natürlich könnten verfehlte Lösungen zur Zensur genutzt werden, das gilt allerdings heute für alle Bereiche, in denen Daten bewegt werden.

Denn es erscheint als naheliegender Zusammenhang, dass die völlige Anonymität des Internets erst zu dieser Boshaftigkeit, zum Verlust jeder Kinderstube führt, die man im Web so oft finden kann.

Die gleichen Menschen, die da mal schnell üble Beschimpfungen und perfide Unterstellungen verbreiten, gehen nämlich zu ihrer Tür heraus und grüssen den Nachbarn, den sie eigentlich gar nicht mögen, sehr freundlich und halten ein Schwätzchen mit ihm.

Und wenn der alte weisse Mann von gegenüber, auf der Strasse mit seinem Rollator umkippt, dann laufen diese Menschen heran und helfen ihm auf. Ganz freundlich und sozial. Dann aber setzen sie sich an ihren Rechner und schreiben Dinge über andere, die von vorne bis hinten justiziabel sind und im Sinne von Ehrenhaftigkeit eine moralische Sauerei sowieso. Dann wird diesem alten weissen Mann mehr oder weniger deutlich gewünscht "zu verrecken", weil er vielleicht eine politische Meinung hat, die nicht gefällt.

Es sind die gleichen Menschen die beides tun und der Unterschied hat neben fehlender Kinderstube auch damit zu tun, dass wir im normalen Leben unser Gesicht zeigen. Als soziale Wesen wissen wir ganz genau, dass wenn wir andere abschätzig behandeln oder sie ungerechtfertigt attackieren, das im normalen Leben auf uns zurückfallen kann und wird. Und deswegen sehen wir uns vor und nehmen soziale Rücksicht.

Im Web dagegen, sind diese Menschen völlig anonym, sie haben von ihren Boshaftigkeiten nichts zu befürchten und deshalb lassen sie die Sau raus und ihre Maske fallen - sie zeigen sozusagen den nackten Charakter und der ist bei einigen scheinbar wenig erbaulich.

Dieser Zusammenhang zur Anonymität ist offensichtlich für jeden, der nicht die Augen völlig vor dem menschlichen Sozialverhalten verschliessen will.

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Auf einen Klotz ein grober Keil



Guten Morgen!

Das Treffen Trump-Kim scheint ein für beide Seiten positives Ende gefunden zu haben. Sie können die sich entwickelnden Nachrichten selber verfolgen, das muss ich nicht nacherzählen.

Es ist zu betonen, dass es gar keinen Zweifel geben kann, dass Trump - gerade weil er sich so als Pubertist aufführt wie er sich aufführt - hier die Dinge in Bewegung gebracht hat. Sicher gehören zum Tanzen immer zwei, aber Kim war auch schon zu Obamas Zeiten da. Das Eis der politischen Starre hat Trump gebrochen und ich bin mal gespannt, wie die Hypermoralisten-Fraktion im Spiegel und sonstwo nun die Kurve bekommen wird. Achja und was Obama dazu zu sagen hat, würde mich auch interessieren.

Der Vorgang bestätigt für mich die alte Redensart "Auf einen Klotz ein grober Keil" und wunderbar kann man das an dem Detail festmachen, wie in einer Pause die beiden wie zwei große Jungs gemeinsam zu Trump Limousine "The Beast" gegangen sind und Trump diese dem sehr interessierten Kim gezeigt hat. Können Sie sich das mit Obama vorstellen?

Eben, da liegt der Unterschied. Die einen verhalten sich wie normale Jungs und zeigen sich ihr Spielzeug, die anderen schweben in den Sphären von "universellen Werten" und finden sich ganz toll dabei. In dieser etwas flapsigen Gegenüberstellung liegt viel Wahrheit, um das Dilemma der Globalisten zu beschreiben und erlebbar zu machen, warum diese die Bodenhaftung und ihre Wähler verloren haben. "Boys with Toys" ist da viel ehrlicher und so kann man auch Deals machen.

Nun gut, wir werden erst sehen, wie viel Substanz im Dokument ist, der Vorgang der Annäherung an sich ist aber ein klarer Erfolg für Trump und wer ihm dafür nicht die Ehre erweist, weil nicht sein kann was nicht sein darf, zeigt damit nur die eigene ideologische Verbohrung. Wenn man versucht objektiv an die Sache heran zu gehen, kann man nämlich sehr wohl Trumps Charakter kritisch sehen und trotzdem auch die Chancen würdigen, die genau darin liegen.

Trump mischt die eingefahrenen Beschörungs-Formeln der alten "Elite" auf, das bringt Risiken, aber eben auch Chancen. Die Chancen erleben wir gerade, die Risiken sind - und da sollte sich keiner einer Illusion hingeben - dass eine Eskalation und erneute Beschimpfungen ebenso schnell möglich ist, wie nun diese Friede-Freude-Eierkuchen Bilder.

Denn beide reden von "Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel, ob beide das Gleiche meinen ist aber fragwürdig und noch zu beweisen. Und ob das unter Pomp unterzeichnete Dokument mehr als leere Formeln enthält, ist ebenso offen.

Der Vorgang passt aber ganz hervorragend zur deutschen Innenpolitik, denn was da nun im Konflikt Seehofer-Merkel passiert, ist im Kleinen der gleiche Konflikt: -> Seehofer will keinen halben Plan mit faulen Kompromissen <-.

Was will Seehofer eigentlich? Er will Asylanten an den Grenzen abweisen, die entweder schon in einem anderen europäischen Land einen Asylantrag gestellt haben oder schon in Deutschland einen gestellt haben und abgewiesen wurden. Nur diese, nicht alle Asylbewerber, nur diese!

Das erscheint so logisch und vernünftig, dass es gar keine andere Lösung geben kann. Sonst kann weiter jeder Straftäter den Deutschland unter Mühen schon abgeschoben hat, mit dem simplen Wort "Asyl" wieder ins Land und wieder einen neuen Asylprozess anstossen. Absurd, aber die aktuelle Realität.

Merkel aber will das nicht, wie schon 2015 und argumentiert offen damit, dass sie dass europäisches Recht dem deutschen vorgehen lassen will. Wie bitte? Kann mal bitte jemand den Verfassungsschutz holen?

Erstens ist das verfassungsrechtlich falsch, die Verfassungskommentare und die Rechtsprechung von EuGH und BVG sehen ein Nebeneinander der beiden Rechtssysteme und keine generelle Über- oder Unterordnung.

Zweitens ist das demokratierechtlich skandalös, denn die "Gesetze" in Brüssel werden von bestenfalls fragwürdig demokratisch legitimierten Kommissaren auf den Weg gebracht und sind nicht vom deutschen Verfassungssouverän legitimiert.

Wir sind nun also innenpolitisch am Kern angekommen. Merkel hat offengelegt, dass sie die Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland - die zum Thema Asyl in den 90ern sogar eine Grundgesetzänderung beschlossen hat - durch eine übergeordnete europäische Rechtsordnung ablösen will. Das haben wir zwar schon immer gewusst, jetzt ist es aber ausgesprochen.

Und ich kann mich nicht erinnern, dass der Verfassungs-Souverän, das Volk, diesem Vorgang einer Ablösung des deutschen Verfassungsstaates durch die EU zugestimmt hat.

Worum es hier also im Mantel des Themas Grenzen geht, ist *der* zentrale Konflikt um die Zukunft Deutschlands und Europas, der schon lange schwärt. Es ist schade, dass das durch die Überlagerung mit dem Treffen Trump-Kim noch nicht ausreichend heraus gearbeitet ist und die Mehrzahl der Deutschen die Brisanz mal wieder nicht begreift.

Taktisch gesehen, kann die CSU hier nicht zurückweichen, sonst ist sie im Herbst fällig. Damit kommt wieder ein Szenario auf die Agenda, denn Merkel könnte eine ausscheidende CSU durch die Grünen ersetzen, die sicher voller Begeisterung dabei wären und jetzt ja schon so etwas wie Merkels Beiboot in dieser Sache sind.

Ich bin gespannt wie das weitergeht, weder Merkel noch Seehofer können hier vernünftigerweise zurück weichen, ohne ihr Gesicht völlig zu verlieren.

Was bedeutet das für die Märkte?

Nun dieser innerdeutsche Konflikt erst einmal gar nichts, solange er nicht zu einem Koalitionsbruch und damit Unsicherheit führt.

Der Erfolg in Singapur ist natürlich latent positiv, aber das nur verhalten, weil wie ich geschrieben habe, eine optimistische Erwartung eher der Konsens war und damit schon in den Kursen war.

Insofern geht es an den Märkten ohne große Bewegung weiter im Text. Die Bullen haben ein wenig Futter bekommen, mehr ist da aber aus Sicht der Märkte nicht passiert, so bedeutend die Dinge aus geopolitischer oder deutscher innenpolitischer Sicht auch sind.

Was Europas Börsen sehr hilft, ist dagegen dass schon gestern der italienische Finanzminister Giovanni Tria sich für den Euro ausgesprochen hat und sich damit zur Stabilität bekannt hat. Damit kann der Markt Ängste um ein schnelles Zerbrechen der Eurozone adacta legen und man sieht den Effekt sehr schön im italienischen MIB40:

Trotz der guten Nachrichten aus Italien, sieht der Eurostoxx 50 für mich aber immer noch schwach aus, seine Struktur impliziert eher diesen Verlauf, als das Gegenteil:

Einen einordnenden Blick will ich auch noch auf eine Einzelaktie werfen, unser "Tibesti" hat zuletzt mehrfach den neuen DAX-Wert Covestro erwähnt, den ich vom Geschäft her auch interessant finde und der auf meiner Watchlist gelandet ist.

Wenn wir auf das langfristige Chart schauen, dann sehen wir die gute Chance, dass ein neues Trendtief hinter uns liegt. Es gibt aber auch das durch die fallende Trendlinie symbolisierte Risiko, dass die Aktie noch einmal nach unten wegknickt:

Ich werde und würde hier noch einen Moment abwarten. Wenn die Aktie aus dem Dreieck nach oben wegzieht und damit die fallende Trendlinie negiert, ist sie ein Kauf. Ein Brösel, Brösel Szenario über die Klippe bleibt aber noch denkbar und solange das nicht negiert ist, bleibe ich abwartend.

Mit Tageskerzen sieht das Geschehen so aus, Chance und Risiko liegen hier nahe beinander und ich sehe insbesondere mit diesen Volumenspikes keinen Grund, sich da jetzt schon festzulegen und heute den Helden zu spielen:

So weit an diesem bewegten Morgen, bis später!

Ihr Hari

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Verfassungsrechtlicher Borkenkäfer



Heute ist in Deutschland wirklich der Tag der parlamentarischen Schande und ich betrachte es als meine Pflicht als gesetzestreuer und die Verfassung wertschätzender Bürger, das so deutlich zu benennen.

Dabei geht es nicht um die inhaltliche Entscheidung für die Gleichstellung aller Lebenspartnerschaften zweier Menschen, egal welcher sexuellen Orientierung. Wenn es nach mir gehen würde, wäre das Thema schon lange abgeräumt, weil wenn zwei Menschen sich lieben und für sich gegenseitig formale Verantwortung übernehmen, warum soll den Staat dann interessieren, mit welcher sexuellen Orientierung die das tun?

Ich würde aber auch das Thema Kinder dann völlig seperat abhandeln, denn diese sind unsere Zukunft und es ist die Pflicht des Staates Kinder zu fördern und Eltern zu schützen, die dafür erhebliche Belastungen auf sich nehmen. Gleichstellung aller von Liebe getriebenen formalen Lebenspartnerschaften und davon völlig unabhängig Förderung von Kindern und der Eltern die sie aufziehen, das wäre für mich persönlich eine saubere Sache die meine volle Unterstützung hätte.

Aber darum geht es hier nicht, es geht um die unerträgliche Art und Weise, wie heute bei ganz zentralen Themen der Gesellschaft, wie eben Ehe und Meinungsfreiheit (Netzdurchdringungsgesetz), im Stile einer Bananenrepublik Hopplahopp mal eben das Grundgesetz gebogen wurde und diese zentralen Themen im Schnelldurchgang durch das Abnick-Parlament gepeitscht wurden, das diesen Namen in der Grossen Koalition scheinbar nicht mehr verdient.

Beim Thema Ehe halten namhafte Verfassungsrechtler das Gesetz für verfassungswidrig, das Innenministerium auch und das Justizministerium auch, bis Maas vor zwei Jahren aus wohl taktischen Gründen im Justiminsterium eine Kehrtwende vollzog. Sagen wir es also mal zurückhaltend: Das Gesetz ist verfasssungsrechtlich fragwürdig und man hat den gleichgeschlechtlichen Paaren, die sich nun freuen, mit dem Hopplahopp eher keinen Gefallen getan, denn nun hängt das grosse Fragezeichen der Verfassung erst einmal darüber.

Noch schlimmer ist aber das Maassche Zensurgesetz, das nicht nur die UNO nicht für mit der Meinungsfreiheit vereinbar hält, sondern in der Bundestagsanhörung 7 von 10 Experten als klar verfassungswidrig bezeichnet haben.

Durchgepeitscht und still und leise im Windschatten der Ehediskussion abgewickelt wird es trotzdem. Das darf man ja wohl mal "eine Schande" nennen, damit man nicht das Wort vom "Putsch" benutzen muss. 😉

Die beiden Artikel -> hier <- und -> hier <- bringen meine Argumentation oben auf den Punkt. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen, die strukturelle Richtung, in die sich unser Staatswesen entwickelt, ist erschreckend. Es ist eine Verfaulung der Institutionen von innen, von aussen sieht alles ja noch fein und sauber aus, hinter der Fassade wirkt aber schon der Borkenkäfer und zermalmt das Fundament.

Der deutsche Michel wird es aber wohl erst dann bemerken und ernst nehmen, wenn ihm persönlich Ungemach bevorsteht, was bedeutet wenn die nächste Rezession mit stark ansteigender Arbeitslosigkeit durch das Land läuft. Bei dem Ausblick auf die Umwälzungen durch Digitalisierung und den Umbruch in der Autoindustrie, befürchte ich, dass man darauf keine 5 Jahre mehr warten muss.

Womit wir bei der Frage sind, ob der Borkenkäfer auch schon am Bullenmarkt nagt. Das wäre aber in meinen Augen verfrüht, die Signale der Verluderung sind im politischen System viel deutlicher.

Im DAX haben wir heute das von mir erwartete Seitwärtsgeschiebe, wenn Sie auf den aktuellen Verlauf schauen und das mit dem vergleichen, was ich heute früh gezeichnet habe, sehen Sie grosse Ähnlichkeiten, wobei es schon etwas tiefer gegangen ist, weil die schwächere Eröffnung der Wallstreet den DAX tiefer zog:

Wir sehen aber auch, wie viel stabiler der SP500 als der DAX ist, auf Letzterem liegt klarer Verkaufsdruck. Das hat natürlich auch mit Dollar und Euro zu tun, denn ein schwacher Dollar hilft den US Exporteuren und ein starker Euro bremst insbesondere DAX und MDAX. Es ist aber nicht alleine damit zu erklären, wir sehen hier wieder, dass der DAX eben nur der Schwanz ist und die US Anleger mit ihm als Erstes wedeln bzw diesen abstossen.

Am Ende bleibt aber wie erwartet auch am heutigen Freitag Nachmittag die eine grosse Frage im Raum, ob wir gerade die Vorboten einer grösseren Korrektur erleben, die dann Anfang Juli durch den Markt läuft. Im SP500 ist ja mit gerade mal einem guten Prozent Minus gegenüber den Allzeithochs noch gar nichts passiert. Im DAX haben wir schon ein Minus von mehr als 4%, da sind wir also mitten drin in der Korrektur.

Ich kann Ihnen aber leider auch heute nichts anderes sagen, als am Anfang der Woche. Die Chance für so eine Korrektur ist nicht mehr nur 30%, aber auch nicht mehr als 50%, es ist unmöglich zu antizipieren, wie das Anfang Juli weiterläuft.

Das Einzige was ich klar sagen ist, dass *das hier* die lange erwartete Korrekturchance ist. Sprich wenn diese nun schnell wieder dreht und im DAX mit knapp 5% Minus endet, dann wars das wohl und sollte man nicht noch auf eine "Weitere" warten.

Nehmen wir also mal an, es ging im Juli nun weiter runter. Im Forum war heute die Bitte, auch für den SP500 mal Korrekturziele zu benennen, das will ich gerne tun, hier ist die gesamte Aufwärtsbewegung des SP500 seit 2015:

Einen vollen Retest des Ausbruches sehe ich nicht mehr, den hatten wir nämlich schon und zwar zur Wahl Trumps letzten November.

Im "schlimmsten" Fall, traue ich den Bären den Fall (3), also einen Retest der Schiebezone vom Jahreswechsel bei ca. 2.250 noch einmal zu. Das wären dann 8% Minus und würde sauber in den Umfang einer gesunden Korrektur passen.

Im "besten" Fall (1) ist bei der blauen Trendlinie schon bei ca. 2.400 Schluss, was bedeutet viel tiefer als aktuell geht es nicht mehr. Und dann haben wir diverse Zwischenszenarien wie bei (2), die bis in den Bereich der März/April Konsolidierung zurück laufen werden.

Ansonsten macht es in meinen Augen keinen Sinn, heute noch viel auf den Markt zu starren. Die Kombination von geringem Volumen vor dem langen Wochenende und letzten Anpassungen zum Quartalsende, macht alles was nun noch passiert eher zu unbedeutendem Hin und Her und wir tun uns keinen Gefallen, dem noch viel Gewicht beizumessen.

Fakt ist, dass in DAX und NASDAQ schon eine mässige Korrektur begonnen hat, während der SP500 bisher kaum zuckte. Fakt ist, dass Anfang Juli ein deutliches Fenster für eine Fortsetzung dieser Korrekt besteht, mehr als 50% - und das ist schon viel für eine Korrekturerwartung - würde ich dem als Wahrscheinlichkeit aber immer noch nicht geben.

Fakt ist auch, dass wir immer noch in einem massiven Bullenmarkt sind und die erste ernst zu nehmende Korrektur seit Monaten, deswegen kein Grund sein sollte, gleich Panik zu schieben.

So weit für heute. Einen Blick auf eine Aktie will ich aber doch noch richten, weil er so lehrreich ist. Cara Therapeutics (CARA) schmiert heute wegen schlechter Studienergebnisse und einem Downgrade ab und gibt alle Gewinne der letzten Tage ab:

Das ist eben das inhärente Risiko bei all diesen Aktien, deren Hoffnung von wenigen Medikamenten abhängt. Prinzipiell ist das nicht vorher zu sehen und auch das Chart kann einem diese Botschaft nicht übermitteln. Selbst Stops können da nicht helfen, wenn das über Nacht bekannt wird und man am Morgen schon viel tiefer eröffnet.

Aber die Markttechnik hat hier sehr wohl den Korrektur/Pausen-Bedarf indiziert. Nicht diesen Absturz, den kann niemand ohne Glaskugel erkennen, aber eben ein Retracement. Und zwar schon am Dienstag und Mittwoch, die Kerzen waren ebenso wie das Volumen Warnsignale.

Das Fazit ist also erneut, dass man solche Aktien - so verlockend das oft aussieht wenn der Trade klappt - nur mit kleinen Positionsgrössen handeln darf, damit einen so etwas wie heute nicht ernsthaft gefährdet. Wenn man das tut und damit Gelassenheit hat - wenn man also solche Events gleich gedanklich mit einberechnet - kann man diese Aktien wieder handeln, denn so oft passiert so etwas wie heute gar nicht aus dem Nichts, man darf eben nur nicht zu viel in einer Aktie riskieren.

Der Traum vom einen grossen Trade, mit dem man "reich" wird, ist eben sowieso nur ein Traum für kleine Jungen. Die Realität für grosse Jungs, mit der man Erfolg haben kann, besteht aus der Wiederholung von vielen, vielen kleineren Gewinnen, bei denen man sich im Einzelfall nie zu sehr exponiert - die Masse und Replizierung machts!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Ich versuche jetzt mich zu erholen und gesund zu werden.

Ihr Hari

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Zum ESM Entscheid des BVG: Ja, aber – oder wie man sich selber abschafft.

10:30 Uhr

Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hat in Sachen der einstweiligen Anordnung wie von Mr. Market erwartet mit "Ja, aber" geurteilt. Damit kann der ESM in Kraft treten. In der Urteilsbegründung hat der Vorsitzende Vosskuhle zum Ausdruck gegeben, dass beim ESM für sich voraussichtlich kein Verfassungsverstoss vorliegt, was das Verfahren in der Hauptsache im wesentlichen präjudiziert.

Ich kann mich dazu ein paar persönlicher, wertender Worte nicht enthalten. Betrachten Sie die folgenden Zeilen also als meine höchst subjektive Meinung.

Wie Sie als regelmässige Leser wissen, habe ich dieses Ergebnis schon vor Wochen vorher gesagt, weil in meinen Augen das BVG mittlerweile zu stark durch Politik und damit politische Erwägungen durchsetzt ist. Der ehemalige Ministerpräsident Müller ist dafür ein gutes Beispiel, als herausragender Jurist ist er - zumindest mir - nicht aufgefallen. Wenn Sie sich nicht erinnern, können Sie in meinem Artikel vom -> 09. Juli <- das heutige Ergebnis schon vor 2 Monaten nachlesen.

Nach der Bundesbank hat sich für mich damit die zweite bedeutende Institution der alten Bundesrepublik Deutschland aus dem Kreis der ernst zu nehmenden Faktoren verabschiedet. Denn das Problem hier ist kein juristisches, sondern hat mit der grundsätzlichen Positionierung zu tun, die sich das BVG als Verfassungshüter gibt. Es steht dem BVG frei, seine Rolle eng auszulegen und nur die Gesetze auf den Wortlaut zu prüfen. Oder sie weit auszulegen und den Gesamtzusammenhang einer komplexen Entwicklung auf die Verfassung zu würdigen. Es geht also um die Frage, ob nur über die Bäume oder auch über den Wald verhandelt wird.

Die Verfassung macht hierzu keine eindeutigen Vorgaben und gibt dem BVG durchaus den Rahmen, sich auch zum Wald ein Urteil zu machen. Denn auch wenn einzelne Gesetze verfassungsgemäss sind, kann das Zusammenspiel mehrerer Gesetze in Summe gegen die Verfassung verstossen. Die Kraft das Thema so grundsätzlich anzugehen, hat dieses BVG, mit diesen Mitgliedern, offensichtlich nicht (mehr) und hat sich dafür entschieden nur die Bäume zu betrachten. Frühere Senate des BVG waren da nach meiner Erinnerung selbstbewusster. Und damit hat sich das BVG als entscheidende Institution, die über den Geiste unserer Verfassung wacht, nach meiner persönlichen Ansicht defecto selber abgeschafft. Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang mal Jörg Krämer, den Chefvolkswirt der Commerzbank zu -> zitieren <-: "Wir bekommen eine Haftungsunion, die den Charakter der Währungsunion ändern wird - hin zu einer italienisch geprägten Währungsunion. Sie wird Parallelen aufweisen zum Italien der siebziger und achtziger Jahre." Das nenne ich einen Wald. Wer da über die Bäume verhandelt und nicht den Wald im Blick hat, versagt in meinen Augen vor der historischen Verantwortung.

Denn in Wirklichkeit geht es hier um den Wald. Mit dem was im Rahmen der Eurokrise passiert, haben wir es mit einer klassischen Aushöhlung unseres Staates von innen zu tun. Es sind viele kleine Schritte, die in Summe einen systemverändernden Charakter haben. Jeder einzelne Schritt, egal ob EFSF, ESM, die Rechtlosigkeit der Bundesbank in der EZB trotz 27% Anteil oder andere Massnahmen, können für sich begründet werden und sind mit einigem Wohlwollen auch verfassungsrechtlich zu rechtfertigen. Der Wald aber, das Zusammenspiel dieser Massnahmen, zum Beispiel mit einer EZB die nun unkontrolliert die Druckerpresse anwirft und damit defacto Lasten auf Deutschland verteilt, hat die Grenzen der Verfassung für mich persönlich schon lange überschritten. Wer das noch nicht sieht, dem empfehle ich beispielhaft -> diesen <- Artikel zur EZB.

Ich kann daher nur an meinen Artikel vom 29.06.12 erinnern, der mit dem Titel: -> Das Ende Deutschlands wie wir es kennen <- die Konsequenzen der Entwicklung schon thematisierte. Heute sehen wir einen weiteren Baustein auf diesem Weg, der nun unumkehrbar sein dürfte.

Es fehlt den Institutionen unseres Staates offensichtlich die Kraft oder auch die Kompetenz zu erkennen, dass die Massnahmen, die die Politik schon ergriffen hat, in Summe einen anderen Staat bedeuten, als den den die Verfassungsväter gegründet haben. Und es ist nach meiner Meinung offensichtlich, dass Artikel 20 des Grundgesetzes - nach dem alle Macht vom Volke ausgeht - in dieser entscheidenden Frage nicht mehr wirksam ist. Denn die absehbare Summe der Veränderungen, hat für mich einen verfassungsändernden Charakter und würde in meinen Augen eine Volksabstimmung bzw eine verfassungsgebende Versammlung als Legitimierung zwingend nötig machen. Ich bin ganz sicher, nicht anders hätten die Verfassungsväter das gesehen.

Mein persönliches Fazit lautet daher: Die Bundesrepublik Deutschland nähert sich ihrem Ende. Was danach kommt muss keineswegs schlechter sein und ich habe keine Angst vor einem gemeinsamen Europa, wenn es wirklich demokratischen Prinzipien folgt. Aber für mich ist nach dem BVG Entscheid nun auch klar, dass das deutsche Volk erst dann dazu gefragt werden wird, wenn der Prozess unumkehrbar ist. Dem Souverän obliegt dann die "Ehre" abzunicken, was sowieso schon nicht mehr realistisch änderbar ist. Mit dem Geist von Artikel 20 des Grundgesetzes hat das für mich nichts mehr zu tun. Und das das BVG nicht die Kraft hat, diesen entscheidenden Sachverhalt in Anbetracht des Rubicons ESM zu thematisieren, empfinde ich als endgültigen Sargnagel dieser Republik. Aber wer bin ich, dem BVG zu erklären, was seine Rolle ist ?

Was bedeutet das für die Märkte ? Kurze Feierstunde, dann dürfte sich der Blick auf die FED morgen richten. Denn dieses Ergebnis hatte der Markt im wesentlichen vorher schon eingepreist. Morgen ist das Risiko einer Enttäuschung oder "sell the news" Reaktion weit höher als heute.

Ich wünsche uns allen viel Glück in diesem neuen Staat der sich nun entwickelt, wie immer er ausgestaltet sein wird. Bundesbank und Bundesverfassungsgericht - und damit die Bundesrepublik Deutschland - haben aber mit dem heutigen Tag den Rubicon überschritten. Was danach kommt, wird Teil der Geschichtsbücher sein.

Ihr Hari

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Das Dilemma des Bundesverfassungsgerichts und warum es die Politik verschuldet hat.

Am morgigen Dienstag verhandelt das BVG über diverse Eingaben gegen den Fiskalpakt und den ESM. Dieses ist aber noch nicht die Verhandlung in der Hauptsache, hier geht es nur um die Frage, ob eine Ausfertigung des Gesetzes bis zur Verhandlung in der Hauptsache ausgesetzt werden muss. Eine Entscheidung wird basierend auf der Verhandlung dann wohl in den kommenden Tagen folgen, ein genauer Termin ist nicht bekannt.

Diese Entscheidung hat gewaltige Implikationen, denn letztlich entscheidet das BVG damit über sich selber, über seine zukünftige Relevanz und die Zukunft unseres Verfassungsstaates.

Dabei steckt das BVG nun in einem gewaltigen Dilemma, aus dem ich persönlich keinen einfachen Ausweg sehe.

Auf der einen Seite ist selbst Laien klar, dass der ESM und der Fiskalpakt in der beschlossenen Form nicht so einfach schulterzuckend durchgewunken werden kann. Zu eindeutig ist es, dass für den deutschen Souverän entscheidende Fragen - wie zb das Budgetrecht - im Umfang von hunderten Milliarden an eine internationale Organisation abgetreten würden, ohne Mitspracherecht des deutschen Souveräns. Das dieser Sachverhalt für unsere bestehende Verfassung zumindest grenzwertig ist, ist völlig klar. Wobei die Verfassung gegen solche Änderungen ja prinzipiell nichts hat, sie müsste dann aber geändert werden und das ist bisher nicht passiert.

Auf der anderen Seite dürften dem BVG die Konsequenzen eines vorläufigen Stops von Fiskalpakt und ESM auch klar sein. Nach einem Stop dürfte das Chaos an den Märkten ausbrechen. Der Markt würde sofort den Zerfall der Eurozone einpreisen. Die Anleihenrenditen der Peripherie würden wohl durch die Decke gehen und Geld würde massiv nach Deutschland fliessen, um sich für den Wechsel in eine zukünftige D-Mark zu positionieren. Das, was man bisher als Horrorszenarien zum ungeordneten Zusammenbruch des Euros formuliert hat, dürfte sich teilweise nach so einer Entscheidung schon in Bewegung setzen. Und Deutschland stünde weltweit als Sündenbock da, mit dramatischen politischen Konsequenzen, die uns erheblich schaden könnten.

Dieses Dilemma ist richtig übel und die morgige Entscheidung daher von historischer Bedeutung ! Und da Teile der Politik das begreifen, versuchen sie auf das BVG Druck auszuüben. Dass das BVG in der Falle steckt, entnehme ich auch den Gerüchten, dass schon Szenarien in die Richtung "Zustimmung unter Vorbehalt" diskutiert worden sein sollen. Das BVG kann nach meiner Einschätzung in der Sache eigentlich nicht ohne Einschränkungen zustimmen, kann aber aus Sicht des Gemeinwohls auch nicht einfach ablehnen.

Wenn man so will, wird das BVG durch die normative Kraft des Faktischen gerade in seiner Entscheidungsfreiheit beschnitten.

Und so wird das BVG nach meiner Erwartung mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer Lösung suchen, die einerseits ESM und Fiskalpakt sofort handlungsfähig macht und wird gleichzeitig an Stellen seinen "mahnenden Finger" erheben, wo die Konsequenzen nicht so dramatisch sind.

Damit dürften die Märkte dann leben können und die europäische Politik auch. Ich selber wäre aber enttäuscht, denn ich wünsche mir jetzt die Zäsur - auch um den Preis von Chaos an den Märkten. Denn ich bin überzeugt, wenn wir auf dem eingeschlagenen Weg weitermachen, wird das Chaos am Ende nur viel grösser. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung und die ist völlig konträr zu der Sicht unserer Polit-"Elite" in Berlin.

Wrklich schuldig an diesem fatalen Dilemma ist aber für mich unsere Politik, und zwar parteiübergreifend von Kohl über Schröder bis Merkel. Unser Bundespräsident hat vor kurzem angemahnt, Frau Merkel möge Ihre Politik besser erklären. So recht er in der Sache hat, so geht es in diesem Fall für mich doch am Kern des Problems vorbei. Denn entscheidend zu erklären ist nicht nur die technokratische Politik ala ESM und Fiskalpakt, das interessiert sowieso nur eine Minderheit.

Zu erklären wäre vor allem das strategische Ziel, das die Politik verfolgt !

Und das unausgesprochene Ziel, dass unsere Politik in meinen Augen seit Kohl verfolgt, ist Deutschland in einem europäischen Staatenbund/Bundesstaat aufgehen zu lassen. Wenn ich damit richtig liege, wäre das Ziel unserer Polit-Elite von CDU bis SPD also letztlich, die bestehende Verfassung irgendwann zu ersetzen. Stimmen, die das einen "kalten Staatsstreich" nennen, sind also vielleicht nicht völlig überdreht, sondern haben in meinen Augen durchaus einen wahren Kern, auch wenn sie übertrieben sind, weil die Politik tatsächlich nur in "guter Absicht" agiert und sich die Politik auf diesem Wege bisher auf einen zumindest vermuteten Grundkonsens der Bevölkerung stützen konnte.

Jetzt habe ich persönlich ja gar nichts gegen das Ziel und grosse Teile der Bevölkerung wahrscheinlich auch nicht. Trotzdem ist es für mich ein Skandal, dass diese entscheidende Frage unseres Staatswesens der Bevölkerung noch nie ernsthaft zur Entscheidung vorgelegt wurde ! Die Vermutung liegt nahe, dass die Politik nicht zu unrecht davon ausgeht, das eine derart klar gestellte Frage negativ beantwortet würde.

Wenn sich aber eine "Polit-Elite" anmasst, selber besser zu wissen was für das Volk gut ist, kann man einen solchen Staat nach meinem Verständnis nicht mehr uneingeschränkt Demokratie nennen !

Und es ist im übrigen für mich auch nicht "demokratisch", den Weg solange zu beschreiten, bis er nicht mehr umkehrbar ist und dann am Ende, wenn das Kind unumkehrbar längst im Brunnen liegt, eine Volksabstimmung als Fassade durchzuführen. Demokratisch wäre es, dem Volk die Entscheidung im Vorfeld zu überlassen, in welchem Staat es in Zukunft leben will !

Und nur durch dieses Versäumnis steht das BVG nun vor einem schwer lösbaren Dilemma. Wäre diese Frage schon vom Souverän beantwortet worden, hätte es die Klagen gegen ESM und Fiskalpakt wohl nie gegeben. Die Politik hat in den letzten 20 Jahren letztlich an der Ablösung unserer Verfassung durch einen übergeordneten europäischen Staatenbund/Bundesstaat gearbeitet. Und da solche Entwicklungen nie nur an einem Beschluss hängen, hat sie den Zeitpunkt verpasst, an dem der Souverän schon längst hätte gefragt werden müssen, ob er diesen Weg überhaupt beschreiten will und wie weit er gehen will. Dieses Versäumnis hat nach meiner Einschätzung letztlich eine Verfassungskrise herbeigeführt und das BVG nun in ein kaum lösbares Dilemma gebracht.

Was wir daher nun zwingend brauchen sind keine Diskussionen um technokratische Lösungsszenarien, sondern eine Volksabstimmung über den weiteren Weg des deutschen Staatswesens in einem Europa der Zukunft !

Erst diese Volksabstimmung, würde technokratische Lösungen in die beschlossene Richtung wieder demokratisch legitimieren und damit denen überlassen, die es dann angeht: den Fachleuten und dem kleinen Kreis der interessierten Öffentlichkeit.

So weit meine Meinung zum Thema. Wie wird jetzt der Markt darüber denken ?

Ich halte die Situation am morgigen Dienstag und den folgenden Tagen bis zur Bekanntgabe der Entscheidung für höchst riskant. Denn was ich aus der Kommunikation an der Wallstreet entnehme, ist die Bedeutung und die potentiellen Konsequenzen dieser Entscheidung noch nicht wirklich durchgedrungen. Was auch kein Wunder ist, ein Verfassungsgericht mit derartiger Macht einfach der Regierung in den Arm fallen zu können, ist in der angelsächsischen Welt eher unbekannt. Und was man selber nicht kennt, schätzt man halt oft auch falsch ein. Bei uns ist es auch nur entstanden, weil die Verfassungsväter um jeden Preis einen neuen Hitler verhindern wollten.

Zwar wird es am morgigen Dienstag wohl voraussichtlich noch keine Entscheidung geben, aber schon der Verlauf der Verhandlung dürfte sehr kritisch verfolgt werden. Und irgenwann, an einem der Tage danach, wird dann das Urteil über uns und den Markt kommen.

Auch wenn ich wie oben geschrieben mit höherer Wahrscheinlichkeit von einem "Kompromiss-Entscheid" ausgehe, mit dem der Markt gut leben kann, dürfte ein harter Stop, oder sogar eine Forderung wie ich sie oben aufstelle - die Legitimierung der Politik überhaupt erst herzustellen - zu erheblichen Marktturbulenzen führen.

Ein Stop des Fiskalpaktes und des ESM ist auf jeden Fall nicht eingepreist, darüber sollte sich keiner einer Illusion hingeben. Insofern warne ich vor zu grosser Gelassenheit vor den kommenden Tagen. Wie gesagt, ich rechne nicht mit so einer Entscheidung, wahrscheinlich ist etwas anderes. Wenn Sie aber kommt, hat sie das Potential für erhebliche Verwerfungen an den Märkten zu sorgen, stellen Sie sich also besser entsprechend auf !

Ich wünsche uns allen gute Entscheidungen in diesem historischen Moment !

Ihr Hari

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