Hari Live Stream 16.06.21

Die Ruhe vor Jerome? ZH2

Ganz langsam beginnnt nun ein "langer Tag", der in Sachen Stream bis 22 Uhr MEZ andauern wird. Denn später um 20 Uhr bzw 20.30 Uhr mit Jerome Powells Pressekonferenz kommt die FED und die könnte dieses Mal durchaus Katalysator für Bewegung sein.

Katalysator, weil inhaltlich muss man wohl nichts befürchten und Jerome Powell wird länglich das Wort "transitory" in Sachen Inflation benutzen. Aber was der Markt zum Quartalsende daraus macht, das ist die Frage!

Schauen sie mal heute die Futures, ein Strich seitwärts, jegliche Volatilität ist verschwunden, so als ob alle den Atem anhalten:

Ich werde auch ganz langsam beginnen, bis 18 Uhr nur wenige Posts, dann mache ich eine Pause zum Abendessen und ab 20 Uhr wird es dann ziemlich sicher bewegter werden, selbst wenn die FED inhaltlich nichts Neues sagt, wovon ich wie gesagt ausgehe.

Aktien des Tages ZH3

Sunrun (RUN)

Wende im Gange?

Centene (CNC)

Ein belastendes Gerichtsverfahren nähert sich dem Ende:

So richtig bedeutend wird es aber im Monthly:

Enphase Energy (ENPH)

Ähnlich wie RUN, auch ENPH mit Chance auf Bodenbildung und Wende:

Maxar Technologies (MAXR)

Bei kleineren Aktien wie der Raumfahrtaktie MAXR reicht ein -> Goldman Buy Rating <- um 14% Plus zu generieren:

Asana (ASAN)

Wer oder was ist Asana? Ein IPO aus letztem Herbst mit Software zur Verwaltung von Teamprojekten.

Ich tue mich bei so ERP-Lösungen immer schwer zu sehen, was da das Besondere ist, weil ich Software für solche Aufgaben schon so oft gesehen habe.

Aber irgendetwas scheint Asana zu haben, sonst sähe das Chart nicht so aus:

Siemens Energy (ENR)

Bei ENR wird der -> vorgestern hier <- avisierte Doppelboden immer wahrscheinlicher:

Der VIX vor der FED ZH5

Der Volatilitäts-Index VIX ist vor der FED auf Ruhe-Niveaus, die seit Covid nicht mehr erreicht wurden. Historisch ist es aber durchschnittlich, das war schon viel tiefer:

FED um 20 Uhr MEZ

Genau -> hier <- unter dem folgenden Link, dürfte um 20 Uhr das Statement aufrufbar sein.

Ich habe die Daten des letzten Meetings nach dem Namensschema für den heutigen Tag ersetzt:
https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20210616a.htm

Typischerweise dauert es ein paar Sekunden Serverlaufzeit über den Atlantik und während wir warten, reagieren die Algos an der Wallstreet schon auf die Worte.

Wir müssen aber darauf nicht zu viel geben, wie zuletzt auch bei den Arbeitsmarktdaten zu sehen ist die unmittelbare Reaktion oft falsch, weil das nur "First-Level-Thinking" darstellt. Eine intelligentere Interpretation führt danach oft zu ganz anderen Schlußfolgerungen.

Heute wird vermutlich auch Powells Pressekonferenz wichtiger werden als ein Statement, in dem kaum Neues stehen dürfte. Sie wissen schon, "transitory" und so. 😛

Ich melde mich dann kurz nach 20 Uhr wieder, ein paar wilde Swings erscheinen heute denkbar, je nachdem welche Worte dann ab 20:30 Uhr fallen.

Eine passende Beschreibung der Ausgangslage hat auch -> JDP hier <-

Market action should be mixed until the Fed announcement, and then we will dance around as the news is digested. The market has a general inclination to react favorably to the Fed, and Jerome Powell has become quite adept at giving market participants what they want, but there is some risk that the wrong word or tone of voice will cause a market reaction.

Bis denne

Zuversichtliche Signale aus Genf

Die Nachrichten aus Genf machen etwas Zuversicht. Ich reagiere damit nicht auf das was zum Inhalt gesagt wurde, wir wissen sowieso nicht was hinter den Kulissen gesprochen wurde und Pressekonferenzen bringen da auch nicht weiter.

Aber es sind die kleinen Signale davor, währendessen und danach, die von einem respektvollen, konzentrierten Termin ohne Illusionen künden.

Was für ein Kontrast zu anderen Terminen mit Putin, dieses Mal hat er nicht den "Lümmel von der letzten Bank" gegeben und das ist auch ganz körperlich gemeint, wer Putin schon öfter beobachtet hat weiss, wie gerne er in einem Sessel "fläzt" wenn es ihm zu gut geht oder er gelangweilt ist. Pünktlich war er auch, gezwungenermassen, weil die abgesprochene Choreographie keine Chance für Macho-Spielchen bot.

Natürlich sieht Putin sich gerne als Vertreter einer "Supermacht" und wenn ihn das glücklich macht, kann ihm ein kluger Gesprächspartner dieses öffentliche Bonbon auch geben, wichtig ist es schon alleine, weil dieser "Respekt" seine innenpolitische Macht absichert, denn schwach darf er da nicht erscheinen.

Es war einfach grobe Dummheit von Obama das Wort von der "Regionalmacht" in abschätziger Art und Weise auszusprechen, es ist abseits der Atomraketen zwar zweifelsfrei wahr, Russland "wetteifert" an Italiens Wirtschaftsleistung heranzukommen und sein kultureller Einfluß geht von alten russischen Gebieten abgesehen außerhalb der eigenen Grenzen gegen Null, aber Russland hat halt Massen an Atomraketen und eine überdimensionierte Armee und das würde selbst Obervolta zu einem Faktor in der Weltpolitik machen, am ansonsten lächerlichen Nordkorea ja auch zu bewundern.

Klar sichtbar war auf jeden Fall das Bewusstsein, es bei Bidens Administration nun wieder mit "Profis" zu tun zu haben, die wohl gewählten Worte künden davon, dass dieser Termin in mehrfacher Hinsicht auf beiden Seiten ernst genommen wurde. Obamas Arroganz konnte Putin nicht ertragen, Trump dürfte er eher verachtet haben, seit Bush Junior dürfte der alte Kampfpilot und Familienmann Biden auf der charakterlichen Seite noch relativ am Besten auf Putin wirken.

Für uns sind das gute Nachrichten, eine distanzierte, aber respektvolle und vor allem kontrollierte Beziehung ist viel besser für alle, als "The Donalds" Torheiten, den Putin im stillen Kämmerlein kaum für voll genommen haben dürfte. Bei Biden ist es anders herum, "man kennt sich" und das ist gut so.

Ich habe Bidens Pressekonferenz noch nicht gesehen, gehe aber davon aus, dass Putins kommunizierter Respekt zurückgegeben wird, Biden ist nicht der Typ der permanent bellt wie Trump, was ihn weltpolitisch ernstzunehmender macht, wenn er knurrt.

Aus Sicht der US besteht ein hohes Interesse daran, dass Russland seinen eigenen, autonomen Weg geht, statt zu stark in den Einfluß Pekings zu geraten. Und hinter der Fassade der Bruderschaft weiss Putin natürlich auch, dass er neben Peking keinen gleichberechtigten Status bekommen kann - die imperiale Geste Chinas wird ja immer lauter und die -> asiatische Grenze zwischen beiden Ländern ist lang und voller potentieller Konflikte <-.

Ich denke dass genau das der Subtext dieses Meetings war, natürlich äußerst genau von Peking beobachtet. Wie fixiert das Lager von Xi nun schon auf das "große weltpolitische Ringen" ist zeigt -> diese "Karikatur" <-, die im völlig vom Staat kontrollierten chinesisch-medialen Umfeld nie ohne den Segen der Staatsführung erscheinen und positiv kommentiert werden würde.

Man fühlt sich so stark sich Häme herausnehmen zu können, das ist hier der Subtext und der verheisst nichts Gutes für die Welt.

Fazit:

Das Treffen macht aufgrund seiner Professionalität und des dahinter stehenden Subtextes im Sinne distanzierten Respektes ohne Illusionen verhaltene Hoffnung, dass die Situation sich stabilisieren kann, weil man Interessen sinnvoll absteckt.

Für Russland und Putin steht nun im Raum, wie man sich gegenüber China positioniert. Sicher würde Putin Russland gerne als dritte, unabhängige Macht darstellen, die sich mit Niemandem gemein macht, das erscheint aber aufgrund der russischen Schwäche abseits des Militärischen auf Dauer unrealistisch.

Wenn die Hitze steigt wird der Tag kommen, an dem Russland Farbe bekennen muss - bis dahin wohnen wir einem geopolitischen Strategiespiel bei. Ein Strategiespiel dass sich grundlegend ändern würde, wenn der geopolitisch schlafende Riese Westeuropa erwachen würde, das sehe ich aber überhaupt nicht im nächsten Jahrzehnt, dazu fehlt es inbesondere in Deutschland der politischen Kaste an allem, schon alleine am geopolitischen Bewusstsein, das Putin ohne jeden Zweifel hat und Biden und Xi ebenso.

Upps! ZH2

-> Most officials now expect to raise rates by the end of 2023, rather than hold them near zero <-

Das wollte man nicht hören, da ist die Tapering-Diskussion, die ich für diesen Sommer auf dem Radar hatte. Und die Reaktion ist auch klar:

Allerdings kann es gut sein, dass auch hier und heute die Erstreaktion falsch sein wird, erst der Schreck und dann die Relativierung von Powell wäre der typische Ablauf, der die Kurse dann drehen lässt.

Man kann auch argumentieren, dass eine Erwartung mal in 2023 vielleicht die Zinsen zu erhöhen nun wirklich keine Überraschung ist und kein Problem. Ich würde diese Nachricht jetzt auf jeden Fall nicht zum Anlaß nehmen gleich alles zu verkaufen. Mal sehen was Powell so redet.

Voller Retest bei den Bonds ZH3

Voller Retest bei den Bonds *jetzt* - alle Augen auf Powell.

Man kann schon jetzt sagen, dass mein Riecher zutreffend war, der heute Abend mehr als ein erneutes "Null-Event" im Radar sah. Da gibt es jetzt einiges zu diskutieren und einzupreisen:

EURUSD Doppeltop? ZH4

Während die EZB jeglichen Gedanken an Zinserhöhungen weit von sich weist und die Geldpolitik lieber als Ersatzregierung im Sinne "Green-Bonds" und "Diversity" sieht, wird bei der FED über höhere Zinsen zumindest zart nachgedacht.

Schon alleine das reicht natürlich aus, das Gewicht der Weltwährungen zu verändern, ein Dollar mit höheren Zinserwartungen ist ein stärkerer Dollar und damit fällt EURUSD.

Da von der EZB hier keinerlei Gegenwehr zu erwarten ist, sind die Chancen nun gut, dass sich die neutrale Lage in Richtung eines Doppeltops aufgelöst hat und EURUSD mittelfristig wieder nach unten zeigt:

Well into the Future! ZH1 ZH3

Powell hat sich an den typischen Ablauf gehalten und das Thema herunter geredet, meine Erwartung oben in "Upps" formuliert war:

Allerdings kann es gut sein, dass auch hier und heute die Erstreaktion falsch sein wird, erst der Schreck und dann die Relativierung von Powell wäre der typische Ablauf, der die Kurse dann drehen lässt.

Powell hat Sätze gesagt wie:

“The dots are not a great forecaster of future rate moves ... it’s because it’s so highly uncertain. There is no great forecaster -- dots to be taken with a big grain of salt,”

oder

"Lift-off is well into the future. We’re very far from maximum employment, for example, it’s a consideration for the future.”

Und so weiter und so weiter. Und so sieht das dann Intraday aus:

Ich kann damit meinen Stream schliessen, das wars dann für heute wohl eher. Das Ergebnis betrachte ich als eher positiv für den Markt.

Warum?

Nun ja, weil das mit Erwartungen so eine Sache ist. Wenn man etwas am Horizont befürchtet, wird es groß und gefährlich und irritiert.

Wenn es dann benannt wird wie aktuell (vielleicht ab 2023), gleichzeitig aber noch weit weg ist und selbst das relativiert wird, wird die dunkle Wolke der Erwartungen berechenbar und löst sich auf.

Die nächsten Tage sind weiter wackelig, etwas Schwäche wäre historisch völlig normal und erwartet, wir haben diese Woche OpEx und nächste Woche das Quartalsende mit Rebalancing der Institutionellen.

Für den Juli-Beginn kann man in meinen Augen nun aber optimistischer sein als vor der FED, weil das Thema "Tapering" wurde nach meiner Vermutung heute eher abgeräumt, als verschärft.

Rechnen wir also noch mit einigen Tagen Gezappel und haben dann die kleine Chance im Auge, die sich zum Beginn des 3. Quartals gerne im Juli zeigt.

Das ist mein Fazit des heutigen Tages, SPX 4.400 ist im positiven Fall im Laufe des Juli durchaus vorstellbar. Nicht sicher, aber als "best case" zumindest realistisch vorstellbar und das ist doch auch schon was, in einem bärischen Markt würde ich das nicht sagen:

Und wir haben bisher keine wirklich bärischen Signale in Folge der FED, eher einen Markt der Stabilität signalisiert und resilient auf die Headlines um Zinserhöhungen reagiert hat.

Machen sie es gut, bis Morgen!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Was der Scheibenwischer mit Gaps zu tun hat



Wichtige Grundlagen-Erklärungen müssen nicht immer lang sein, manchmal reichen auch wenige Absätze, um Legenden zu enttarnen. Und das will ich heute zum Schließen von Gaps - dem berühmten "Gapfill" - tun.

Denn da gibt es eine urbane Legende, die immer wieder nacherzählt wird, als ob es da einen geheimen Mechanimus gäbe.

Und das ist die Geschichte davon, dass Gaps etwas "Besonderes" seien und (nahezu) immer geschlossen werden.

Und wissen Sie was? Die Geschichte ist wahr und falsch zugleich, denn eigentlich sind Gaps nichts besonderes, sie sind aber ein Symptom dessen, was ich den "Scheibenwischer" nenne und ein zentraler Mechanismus des Marktes ist.

Zunächst einmal, müssen wir definieren was ein "Gap" ist, es ist eine Kurslücke, die typischerweise durch die Pausen zwischen zwei Handelstagen entsteht, manchmal bei einer unerwarteten Nachricht, aber auch mitten im Handel passieren kann.

Und wenn das passiert, sagt die Daumenregel, dass diese Gaps wieder geschlossen werden und es für Trader Sinn macht, diese Gaps daher in den Fokus zu nehmen.

Was ist da dran?

Zunächst einmal, ist ein Gap eine Marktformation wie andere auch. Unterstützungen oder Widerstände sind solche Formationen, wie auch Trendkanäle und ähnliches.

Alle diese Formationen werden von technischen Tradern als Ankerpunkte genutzt, um Positionen aufzulösen oder zu eröffnen. So auch die Grenzen eines Gaps und insbesondere wenn der Trader an die Legende glaubt, nach der Gaps ein geheimnisvolles Eigenleben haben, wird er zum Beispiel einen Short auf der unteren Begrenzung des Gaps schließen bzw. einen Long auf der oberen Begrenzung schließen.

Kurz gesagt, wer davon ausgeht, dass Gaps immer geschlossen werden, benutzt deren Grenzen als Trigger zum Traden.

Das ist also eine Art selbsterfüllende Prophezeihung, wie wir sie oft im Markt erleben, Strukturen an die geglaubt wird, bilden sich auch im Marktverhalten ab, weil der Glaube zu Handlungen führt.

Insofern ist tatsächlich etwas dran, sobald der Markt in die Nähe eines Gaps kommt, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass dieses auch geschlossen wird. Ganz analog dazu, dass wenn der Markt in die Nähe einer Unterstützung kommt, eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit existiert, dass diese auch getestet wird. Und auch analog dazu, dass in der Nähe runder Marken diese mit erhöhter Wahrscheinlichkeit angelaufen werden.

Wir sehen an diesen Beispielen, Gaps sind einfach Marktstrukturen, die von Marktteilnehmer zielgerichtet als Referenzpunkte genutzt (targeted) werden. Und deswegen werden sie besonders oft getroffen.

Wenn die Kurse aber gar nicht mehr in die Nähe des Gaps kommen, besteht dann ein Mechanismus, nachdem dieses Gap noch geschlossen wird?

Die Antwort ist nein, kein Mechanismus, aber es passiert in der Regel trotzdem. Und das liegt an der natürlichen Volatilität des Marktes, die von uns Menschen in der Regel unterschätzt wird.

Denn der Markt agiert wie ein "Scheibenwischer", er schwankt hin und her, auch wenn er einen Trend in eine Richtung besitzt. Dann gibt es ja aber auch immer wieder eingebettete 10% und 20% Korrekturen und manchmal wie bei Lehman sogar eine 60-70% Korrektur.

Und natürlich wird damit praktisch jedes Gap irgendwann mal wieder geschlossen. Nur hat das *rein gar nichts* damit zu tun, dass es ein Gap ist, denn:

Jeder Punkt auf einem Chart wird weitüberwiegend vom Markt früher oder später noch einmal angelaufen!

Das genau ist der "Scheibenwischer" des Marktes, ein Gap muss also schon sehr alt sein und 70% oder mehr unter den Kursen, dass man fast sicher davon ausgehen kann, dass es nicht mehr geschlossen wird.

Aber erneut, nicht das Gap ist relevant, *jeder Punkt" wird sehr wahrscheinlich noch einmal angelaufen, wenn man sich beliebig Zeit lässt.

Es gibt keine spezielle "Logik des Gaps", von den oben beschriebenen reflexiven Mechanismen abgesehen, in denen Trader die Grenzen gezielt ins Ziel nehmen.

Wir können also vereinfachend folgende Regeln festhalten:

  1. Wenn wir nahe an einem Kurspunkt sind und wir uns unbegrenzte Restzeit lassen, wird dieser Punkt vom Markt zu 99,9% wieder angelaufen.
  2. Wenn wir räumlich weiter von einem Kurspunkt weggehen, steigen auch bei unbegrenzter Restzeit die Fälle, in denen der Punkt nicht mehr angelaufen wird. Das sind Fälle, in denen der Trend markant weiter nach oben marschiert ist und nie mehr zurückgeschaut hat.
  3. Wenn wir die Restzeit verringern, steigen auch bei großer räumlicher Nähe die Fälle, in denen der Punkt nicht mehr angelaufen wird. Das sind Fälle einer stark direktionalen Bewegung im Zeitfenster ohne Richtungsänderung.

Etwas vereinfachend gesagt, wird ein Punkt (auch ein Gap) also fast immer noch einmal vom Markt angelaufen. Die Wahrscheinlichkeit sinkt aber mit größerem Abstand vom Punkt und sie sinkt auch mit verringerter Restzeit, um diesen Punkt wieder zu erreichen.

Aber selbst wenn man große Abstände zulässt, wird bei unbegrenzter Zeit die große Mehrheit aller Punkte wieder angelaufen. Dafür sorgen schon diese Lehman-Events mit 70% Fallhöhe.

Sie sehen, der "Scheibenwischer" des Marktes ist stark und intensiv, eine besondere Logik für Gaps gibt es aber nicht. Es ist eher anders herum, Gaps sind leicht sichtbare Punkte im Chart, deswegen wird gerne auf diese fokussiert.

Statt also eine Gapfill-Logik zu propagieren, die so eine Illusion ist, sollten wir eine viel wichtigere Erkenntnis mitnehmen:

Wir unterschätzen in der Regel den "Scheibenwischer" des Marktes, selbst wenn das ein trendender Markt ist, der tendentiell in eine Richtung läuft.

Ich habe Ihnen hier mal ein Chart der bekannten Thermo Fisher Scientific (TMO) mitgebracht, um meine Worte zu visualisieren.

TMO ist besonders geeignet für dauerhaft offene Gaps, weil die Aktie ja einen deutlichen Aufwärtstrend hat. Bei einer seitwärts schwankenden Aktie, oder einem Zykliker wie Micron (MU), hätte man dagegen fast gar keine Chance auf offen bleibende Gaps, hier ist diese Chance wenigstens vorhanden.

Aber selbst bei TMO sehen wir, wie drei Korrekturen (als lila Boxen) wie ein "Scheibenwischer" die potentiellen Gaps der Vergangenheit auslöschen und alle Kurspunkte noch einmal anlaufen.

Es bleibt nur eine Zone mit dem Potential, dass die Kurse da nicht mehr hinkommen - eine theoretische, größere Korrektur der Zukunft, würde aber auch hier den "Scheibenwischer" machen.

Fazit:

Es gibt kein spezielles Geheimnis von Gaps, Gaps sind einfach Strukturen im Markt, die gerne von Tradern als Referenz genutzt werden.

Es liegt auch nicht an Gaps, dass diese angelaufen werden, die haben außer beim obigen Punkt keine besondere "Anziehungskraft", es werden ganz grundsätzlich viel mehr Kurspunkte der Vergangenheit wieder angelaufen, als wir uns so einfach vorstellen.

Wir unterschätzen also generell den "Scheibenwischer" des Marktes.

Eine sinnvolle Schlußfolgerung daraus ist neben einer speziellen Gap-Strategie, also auch die Erkenntnis, dass zu enge Stops nur zu einem zuverlässigen Abwurf mit geringem Verlust sorgen.

Etwas vereinfach gesagt, setze man einen Stop in die Nähe des Kurses und gebe dem Kurs genügend Zeit und der Stop wird zuverlässig mit Verlust gezogen werden, selbst wenn der Markt am Ende weiter nach oben läuft.

Das ist ein wichtiger Grund, warum ich mit Stops im System nur sehr selektiv umgehe, das ist aber ein anderes Thema und wurde hier schon behandelt.

Eine weitere sinnvolles Schlußfolgerung aus obiger Erkenntnis, könnte für aggressive Trader zum Beispiel sein, im Trend mit Präferenz die Rücksetzer, die "Retests" zu kaufen und nicht die Ausbrüche.

Denn diese Rücksetzer kommen in der Regel, weil der Markt eben ein Scheibenwischer ist und fast jeder Punkt noch einmal angelaufen wird. Man muss nur die Disziplin und Geduld haben, sich nicht in FOMO treiben zu lassen und auf die Rücksetzer zu warten, die in mehr Fällen kommen werden, als dem Gegenteil.

Ein besonderes Geheimnis der Gaps gibt es also nicht. Aus dem Marktverhalten um Gaps herum, lernen wir aber etwas Wichtiges:

Unterschätze niemals die Macht der Volatilität! Respektiere den Scheibenwischer und stelle Dich immer auf Hin und Her ein, selbst wenn der Markt sich im Trend befindet!

Ihr Hari

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Wochenausblick KW21 2019



Eine verrückte, "unlogische", sich volatil anfühlende Börsenwoche liegt hinter uns. Der Montag brachte einen markanten Einbruch, der eigentlich alle Ingredienzien für weitere Schwäche in sich trug und einen "gelben Alarm" meinerseits erzwang.

Auch die Nachrichten passten dazu, der Handelskrieg zwischen US und China ist da, faktisch mit neuen Zöllen und sprachlicher Rhetorik - noch am Freitag hatte China die Tonlage öffentlich deutlich erhöht und Durchhalteparolen verbreitet, statt innenpolitisch das Thema totzuschweigen.

Das scheint auch nötig, denn wenn man auf die Märkte als Indikator schaut, ist ganz klar, wen die unter Druck sehen und wen nicht.

Ich habe hier die Korrelation zwischen dem SPY und den chinesischen Festlandsaktien im EFT ASHR dargestellt und die drei Phasen unterteilt.

In Phase 1 schwärte dieser Disput das ganze Jahr 2018 vor sich hin, bis es Anfang Dezember 2018 am Rande des G20 zum Waffenstillstand und dem Beginn eines echten Einigungsversuches kam.

In Phase 2 schritt die Einigung voran und wenn man den Verlautbarungen glauben wollte, stand man kurz vor einer Einigung

In Phase 3 sind die Verhandlungen Anfang Mai überraschend eingebrochen und nun graben sich beide Seiten in ihre Schützengräben ein.

Wenn man nun auf das Chart schaut, sieht man schnell, dass die chinesischen Märkte eigentlich immer viel stärker unter Druck waren, außer in der Phase, wo eine Einigung nahe schien - da holten sie den Rückstand wieder auf.

Schön ist auch zu sehen, wie der Markt die Wendepunkte im Verhandlungspoker immer schon vorher antizipiert hat, der Markt hört halt gerne schon das Gras wachsen, was sich ja auch im netten Bonmot wiederfindet, dass der Markt "9 der letzten 5 Rezessionen vorhergesagt hat". 😉

Das Urteil des Marktes ist also eindeutig, China spürt die Hitze viel mehr als die US und sollte daher ein hohes Einigungsinteresse haben.

Und klar ist auch, dass bei weiterem Fortschreiten des nun begonnenen Stellungskrieges, wir in 1-3 Monaten auch in den ökonomischen Daten den "Fallout" dieser Handelskrieges sehen werden und die Sorgen um eine weltweite Rezession werden wieder laut werden.

Was aber machte der Markt in der letzten Woche? Er drehte trotz des katastrophalen Montags doch im Sinne einer 5% Korrektur, konnte aber auch ein "V" nicht vollenden und lies uns dann am Freitag zwischen Baum und Borke zurück.

Falsch war mein Optimismus von letztem Wochenende im Saldo also nicht, auch wenn der Montag dunkle Regenwolken brachte, war der Rest der Woche dann doch ganz ansprechend.

"Ja was denn nun?", fragt da der verwirrte Anleger. Vor allem, warum interessiert den Markt der Handelskonflikt plötzlich nicht mehr? Dabei ist doch der Ernstfall nun eingetreten und das Risiko im Nahen Osten schwirrt auch noch durch die Gegend!

Ich habe darauf dieses Mal keine fundamentale Antwort, auch so etwas gibt es. Mein Eindruck ist, dass wir hier wieder die Dominanz der Maschinen erleben, es wurde mit den Marktteilnehmern gespielt und immer wenn die Mehrheit sich in eine Richtung orientierte, ging es in die Gegenrichtung, ohne dass das eine echte Logik hatte.

Kluge und erfahrene Anleger, werden in so diffusen Situationen, die es immer wieder geben kann, nicht hektisch und versuchen nicht zu raten, sondern halten sich eher zurück, nehmen eine neutrale Haltung ein und lassen sich das Chaos alleine aussortieren.

Und genau das werde ich uns heute empfehlen, weswegen dieser Ausblick eher kurz werden wird.

Ein Blick auf den Verlauf des S&P500 der letzten drei Wochen zeigt den Charakter schnell, es kann immer noch gut sein, dass der Abwärtstrend Mitte letzter Woche schon gebrochen wurde, trotz des Montags und trotz der Verschärfung der Lage:

Im Bild der Tageskerzen des SPY sehen wir, dass genau bei der 5% Korrektur und Unterstützung dann die Wende kam und nun dürfen wir alle rätseln, ob es das schon war mit der Korrektur - trotz des Handelskriegs?

Die Volatilität im VIX hat sich letzte Woche weiter zurück gebildet, obwohl sich die Woche wetterwendisch angefühlt hat:

Nur der DAX hat sich wie erwartet verhalten, letzte Woche habe ich genau zu dem nun kommenden Chart kommentiert:

Der DAX hat noch ein wenig Luft nach unten, vielleicht wird das ja gleich am Wochenanfang abgefackelt. Dann sollte diese gezeigte Zone aber für eine Gegenbewegung gut sein:

Genau so ist es gekommen, der DAX hat aufgesetzt und ist dann mit relativer Stärke zum SPX nach oben gelaufen. Der DAX erscheint weiter aussichtsreich:

Fear & Greed ist wieder im negativen Bereich und deutet eher darauf hin, dass es doch mit einer 5% Korrektur bewendet bleiben wird, zumindest in den westlichen Märkten, nicht in China:

Kommende Woche hat dann auch noch recht wenige, echte Katalysatoren. Es stehen jede Menge Notenbanker vor den Mikrofonen und auch die "Minutes" der geldpolitischen Treffen von EZB und FED stehen an, aber Überraschungen sind da nicht zu erwarten. Und die sonstigen Wirtschaftsdaten sind von durchschnittlichem Umfang, ohne besondere Höhepunkte.

Gegen Ende der Woche wird es dann recht ruhig werden, weil die US mit dem "Memorial Day" am Montag 27.05. einen Börsenfeiertag haben und viele verfrüht ins lange Wochenende entschwinden werden.

Damit kann und wird der Markt sich mit der Frage beschäftigen, ob die Korrektur mit 5% schon beendet ist oder nicht. Und ich habe dazu ganz ehrlich keine echte Meinung.

So recht traue ich dem Geschehen nicht, der Markt ignoriert mir im Moment zu viel, was eigentlich ernst zu nehmen wäre.

Gleichzeitig ist es aber objektiv immer noch ein starker Markt, der keinen Knacks hat, was wir ja auch an der Price-Action der starken Momentum-Werte sehen können, die wir ja immer wieder besprechen und die sich in der Korrektur sehr stark verhalten haben.

Auch wenn wir uns anschauen, wie groß die Skepsis schon wieder ist - siehe nicht nur Fear & Greed oben, sondern -> hier bei Thomas Callum auch der Short Intereset in Prozent (blau) im Verhältnis zum SPX (weiss) <-, dann ist das kein Markt, der von weiterer Schwäche "überrascht" würde, was das Downside doch arg begrenzt:

Wenn ich beides zusammen nehme, die Risiken und die große Skepsis des Marktes, dann gibt es keinen Grund für mich, meine schon gefundene Sommerhaltung zu verlassen, die man als eine gemässigte Longposition beschreiben könnte. Je nach "Wetterlage" ist das dann mal 50% und mal 70% Exposure, aber nicht viel mehr und nicht viel weniger.

Der Markt ist positiv, hat aber derzeit kein ideales Chance/Risiko-Verhältnis, so ungefähr könnte man meine Lagesicht beschreiben.

Und weil das so klar ist, lasse ich es auch mit diesem Statement hier bewenden. Was am morgigen Montag passiert, weiss nur der Wind.

Nach 2 bösen Überraschungen am Sonntag Abend hintereinander, geht der Markt wohl nun vom dritten Event dieser Art aus, die Schwäche am Freitag deutet in diese Richtung. Ich glaube aber, dass solche Überlegungen sinnlos sind, was morgen passiert hat nichts damit zu tun, was die beiden letzten Montage war - stochastisch gesehen, sind die Ereignisse unabhängig voneinander.

Gehen wir also gelassen und abwartend in diese Woche. Es ist immer noch ein starker Markt, der aber in meinen Augen nun nicht gerade den optimalen Zeitpunkt hat, um mit allem zu pressen, was man hat.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Wochenausblick KW20 2019



Heute liebe Mitglieder am Sonntag Abend, machen wir den Wochenausblick mal ein wenig anders.

Letztes Wochenende hat Donald Trump mit seinem Tweet am Sonntag Abend ja alles auf den Kopf gestellt und es entstand die schwächste Woche und stärkste Korrektur des Jahres 2019.

Nun stehen wir vor der Frage, ob diese 4,2% Korrektur im S&P500 schon ausreicht die sich als Differenz zwischen dem Hochpunkt am 01.05. und dem Tiefpunkt am letzten Freitag 10.05 ergibt.

Ich hatte Ihnen ja eine 5% Korrektur ab Mai über den Sommer hinweg angekündigt, wenn diese aber gleich am Anfang kommt, warum nicht?

Am Freitag wurden wir Zeuge einer Fortsetzung der Verhandlungen, haben aber gleichzeitig den Eindruck bekommen, dass das weniger konkrete, neue Verhandlungspfade, sondern mehr ein "Offenlassen" bis auf Weiteres ist - eine Art Patt-Situation. Trump signalisiert stark, dass er sich mit den laufenden Zöllen wohl fühlt, der Markt hat damit die Chance, sich mit dem Status Quo zu arrangieren.

Kurzfristig kann der Markt die neue Lage nun also einpreisen, mittelfristig wird er aber mit Argusaugen auf die Wirtschaftsdaten schauen, die sich in Folge der neuen Zölle entwickeln. Wenn sich hier wieder eine Abschwächung der Weltwirtschaft zeigt, wird der Markt erneut negativ reagieren.

Denn ein offenes Handelsgeplänkel ist weitgehend in den Kursen, eine weltweite Rezession definitiv nicht!

Ich gehe mit Ihnen daher heute durch eine große Menge Charts und danach versuchen wir mal gemeinsam ein Fazit zu ziehen, ob kommende Woche die Bullen den Dip schon wieder kaufen können, oder der Markt nun eher erst richtig nach unten in Bewegung kommt.

Bevor wir das tun sei aber noch gesagt, dass die kommende Woche an Wirtschaftsdaten eher überdurchschnittlich ist, wir haben jede Menge FED-Mitglieder vor den Mikrofonen und unter anderem am Díenstag den ZEW, am Mittwoch früh wichtige Daten aus China und die US Einzelhandelsumsätze, am Donnerstag den US Philly Fed Index und am Freitag EU-Verbraucherpreise sowie allgemein eine OpEx.

Kommende Woche beginnt die Quartalssaison zunehmend abzuflauen, wir haben aber noch einige interessante Quartalszahlen wie folgt:

Montag: Rosneft, Bridgestone, E.ON, Hochtief, Prysmian

Dienstag: Allianz, Merck KGaA, Vodafone (VOD), Nissan, Agilent (A), Innogy, Deutsche Wohnen, Ralph Lauren (RL), ThyssenKrupp, Amdocs (DOX), Scout24, Cyberark (CYBR), Lanxess, Stroer, K+S, Evotec

Mittwoch: Tencent, Alibaba (BABA), Cisco (CSCO), Lafarge Holcim (LHN), RWE, UbiSoft (UBIP), United Internet, Drillisch, Tui

Donnerstag: Walmart (WMT), IQIYI (IQ), NVidia (NVDA), Baidu (BIDU), Applied Materials (AMAT), National Grid (NG), Generali, Pinterest (PINS), Bouygues (BOUY), Burberry (BURBY), Aegon (AEGN), RTL Group, Südzucker, Wienerberger, KWS Saat, Patrizia Immobilien

Freitag: Deere (DE), Richemont (CFR), Gazprom, Porsche, Sage (SGE), DrReddys Lab (RDY), Dürr,

Nun aber zur Lage und den Charts:

Die letzte Woche brachte im SPX die ganze Woche Abwärtsdruck, Trumps Tweet und der plötzlich Bruch in den vermeintlich gut laufenden Handelsgesprächen, hat also seinen Tribut gefordert.

Wir sehen in Lila auch die Trendlinie, unter der es abwärts ging, diese wurde am Freitag Abend aber nach oben gebrochen:

Der S&P500 im Daily zeigt, dass die 5% Korrektur und die 2.800er Unterstützungszone fast erreicht wurde. Wenn es hier drehen sollte, wäre das durchaus logisch:

Ich betone aber noch einmal, dass selbst wenn hier die Obergenze als Linie gezeichnet ist, es sich nach unten um eine Unterstützungszone um 2.800 im SPX handelt, die 200-Tage-Linie bei derzeit ca. 2.780 gehört noch dazu.

Der Russell2000 der kleinen Aktien hat die 200-Tage-Linie *nicht* verloren und zweimal verteidigt. Das Setup nach oben ist immer noch vorhanden und hier lässt sich ein Long-Setup nach unten hervorragend absichern:

Der DAX hat noch ein wenig Luft nach unten, vielleicht wird das ja gleich am Wochenanfang abgefackelt. Dann sollte diese gezeigte Zone aber für eine Gegenbewegung gut sein:

Der deutsche Markt aus Sicht der US Anleger in Form des ETFs EWG hat die 200-Tage-Linie verteidigt, steht vor einem "Golden Cross" des 50er durch den 200er SMA und hat das Reversal am Freitag unter erhöhtem Volumen vollzogen.

Das ist ein gutes Omen für den DAX, denn ohne institutionelle US-Zuflüsse, bleibt der DAX ein schlaffer Sack:

Die Emerging Markets inklusive China, hier im ETF EEM, leiden wenig überraschend weit stärker unter dem Konflikt und Trumps Drohungen. Hier wird nun schon um die 200-Tage-Linie gekämpft:

Fear & Greed hat den überkauften Zustand völlig abgebaut:

Sentix hat ->hier <- eine Übersicht, wie stark die Stimmung gefallen ist. Das betrifft nur deutsche Anleger, ist aber bezeichnend und konträr, also bullisch, zu lesen:

Die Volatilität in Form des US VIX hatte ihren Höhepunkt letzten Donnerstag und hat damit den Spike vielleicht schon hinter sich:

Gold sendet in Dollar überhaupt keine Krisensignale und mäandriert in einem zulaufenden Keil abwärts:

Die 10-jährigen US T-Bonds in Form des ETFs IEF haben unter mässigen Volumen nicht einmal das Niveau von Ende März erreicht. Im Dezember letzten Jahres, sah das noch anders aus.

Von Umschichtungen des großen Geldes von Aktien in Bonds kann also überhaupt keine Rede sein:

Und die US High Yield (Junk) Bonds in Form des ETFs JNK haben nur geordnet konsolidiert und senden auch keine Krisensignale:

So ... und was schließen wir daraus?

Völlig klar ist, dass das Thema Handel weiter alles bestimmen wird, außer im Nahen Osten bricht ein Krieg aus.

Jederzeit kann also ein völliges Scheitern der Verhandlungen einen schmerzhaften Abgabeprozess in Gang setzen, der dann durchaus für 10+% gut ist, da sollten wir uns keiner Illusion hingeben.

Jederzeit kann aber eine positive Wende auch den Markt stark nach oben katapultieren.

Wenn wir diese unberechenbaren Variaten mal beiseite lassen, zeigen die Charts oben in meinen Augen eine sehr gute Ausgangslage, mit der man sehr schön operieren kann.

Wir haben nämlich diverse Indizes, die auf oder nahe wichtigen Widerstandszonen notieren, gleichzeitig ist das Sentiment nicht mehr überkauft und die besagte 5% Korrektur ist fast vollendet.

Das ist eine Ausgangslage, in der man nach oben etwas wagen kann und gleichzeitig eng und sinnvoll nach unten absichern, weil die Unterstützungszonen bzw, die Tiefs von Freitag sinnvolle Marker generieren.

Das ist wieder so ein spannender Moment, wo Rally und Korrektur nah beinander liegen und die richtige Aufstellung eine Menge Chancen generiert.

Das ist in meinen Augen auch eine Situation, bei der man nicht unbedingt lange abwarten muss, wohin sich die Dinge entwickeln, sondern sich für eine Seite entscheiden kann und die Gegenseite sinnvoll und eng absichern - und dann entscheidet das Schicksal. Wer also daran glaubt, dass der Bullenmarkt weiter geht, weiss was zu tun ist.

Wenn Sie mich fragen, hat die Aufwärtsbewegung kommende Woche tatsächlich die besseren Karten, so es keine neuen Nachrichten gibt. Die obigen Charts sprechen eher diese Sprache mit mir.

Aber es wird nicht einfach werden, gerade weil viele so wie oben denken werden. Rechnen wir also mit einigen Swings sowie fiesen "Abfischern" nach unten, auch die 200-Tage-Linie bei ca. 2780 kann noch ins Spiel kommen, ohne dass sich bei dann 6% Korrektur das generelle Bild dadurch ändern würde.

Was jeweils im Sinne Risikomanagement eine "gehaltene Unterstützung" bedeutet, will also gut und im Zweifel mit etwas mehr Luft zum Atmen definiert sein. Auch hier gibt die Strategie vor, wie eng wir agieren, im Wissen dass enge Stops auch mehr Fehltrigger generieren.

Ich persönlich bleibe aus Investmentsicht in meiner Pi-mal-Daumen 70% Long Aufstellung, habe aber kommende Woche vor, im obigen Sinne auf der Trading-Seite mal mehr zu wagen als die letzten Wochen.

Mit dem Blick auf Chancen und positiv aktiviert, gehe ich also in diese spannende Woche. Und die Absicherung nach unten ist glasklar und hart, was die Sache gelassen angehen lässt.

Passend dazu möchte ich mit einem Zitat aus -> diesem Artikel <- schließen:

Der Optimist hingegen weiß, dass er gegen den Strom schwimmt. Er benötigt gute Gründe für Optimismus und eine innere Robustheit, um im Ringen mit dem Zeitgeist nicht weggerissen zu werden. Das ist nicht immer leicht. Aber zugleich macht es glücklicher und zufriedener. Wahrscheinlich gibt es in unseren Zeiten kaum etwas Aufmüpfigeres, als optimistisch zu sein. Optimisten leben in einer schöneren Welt – nicht, weil sie Hässlichkeit ausblenden, sondern weil sie im Jetzt den Beginn einer womöglich besseren Zukunft sehen und sich dafür einsetzen und darauf freuen können. Genießen Sie diese Freude und entdecken Sie, wie schön es ist, im Gegenwind nach oben zu steigen.

Ich bitte dieses Zitat aber nicht nur auf die kommende Woche zu beziehen, denn ich wiederhole, dass wenn der Handelskonflikt nun in einem Patt endet, in dem man sich mit gegenseitigen Zöllen überzieht, das früher oder später zu schlechteren Wirtschaftsdaten und fallenden Kursen sorgen wird. Erneut, freier Handel ist immens wichtig!

Die Frage ist aber, wie wir an die Zukunft heran gehen, ob das Glas halbvoll oder halbleer für uns ist. Die Menschen, die es halbvoll sehen, sind damit erfolgreicher und sind in der Regel auch die, die die Welt voran bringen.

Sinnvoll auf schlechte Nachrichten vorbereiten, sollten sich aber auch Optimisten, damit sie keine Traumtänzer, sondern auch Realisten sind. Denn:

Wir hoffen auf das Beste und bereiten uns auf das Schlimmste vor!

Ich wünsche uns allen viel Erfolg!

Ihr Hari

PS: Damit das nicht missverstanden wird, ich spreche oben über die kommende Woche, also den kürzeren Zeithorizont (Hourly und Daily). Im mittleren Zeithorizont (Weekly) hat eine Seitwärtsrange zwischen Hochs und 200-Tage-Linie über den Sommer immer noch gute Chancen und ist unverändert mein präferiertes Szenario, bevor es dann zum Jahresende wieder hoch gehen kann und das starke Jahr 2019 vielleicht stark abschließt. Zu diesem mittelfristigen Szenario passt meine derzeitige "70% Aufstellung".

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Wochenausblick KW14 2019


Letzten Sonntag habe ich Ihnen im Ausblick zur KW13 den Ausbruch und das Reversal der KW12 als Anomalie angeboten, das vielleicht weniger Bedeutung hat, als man am Freitag vor 9 Tagen dachte.

Drei Szenarien hatte ich Ihnen dann angeboten, von denen sich die Replik des 04.12.18 schnell als unpassend verabschiedete.

Am Ende ist es irgendetwas zwischen den beiden anderen Szenarien geworden, wir haben eine Seitwärtsbewegung mit leicht positivem Ton erlebt und so das sensationell gute 1. Quartal 2019 abgeschlossen:

Wir sehen anhand der lila Linie, dass sich meine Interpretation als Konsolidierungs-Bewegung des vorangegangenen Anstiegs - mit eingebetteten "Algo-Spielereien" Donnerstag und Freitag letzte Woche - sogar in der letzten Wochen fortgesetzt und insofern bestätigt hat.

Die Botschaft dieses Charts lautet, dass der Markt konsolidiert hat und sich sich nun eher nach oben weg bewegt, etwas was auch durchaus das Daily präferiert:

Wir sehen, dass die Hochs von Oktober/November 2018 nun ihre Funktion als Widerstand verloren haben. Der erste Abpraller am 04.03. war perfekt, nun hat die Schaukelbewegung um diesen Widerstand aber die Struktur verschmiert.

Trotzdem deutet im Zweifel auch dieses Chart eher nach oben, Sie sehen das erhöhte Aufwärtsvolumen der letzten Woche und Sie sehen das "Goldene Kreuz", das sich gerade aus der von unten durch die 200-Tage-Linie kreuzenden 50-Tage-Linie ergibt.

Dieses Signal hat eine statistische Qualität ähnlich wie die "Inverted Yield Curve", nur hier auf der bullischen Seite. Auch die Vielzahl der Möglichkeiten ist ähnlich, ein "Golden Cross" ist nicht fest definiert und beschreibt nur allgemein einen kürzer laufenden gleitenden Durchschnitt, der von unten nach oben durch einen längerlaufenden gleitenden Durchschnitt zieht.

Im konkreten Fall haben wir das auf Tagesebene bei 50er und 200er SMA, etwas was das letzte Mal im April 2016 passierte und die massive Rally einleitete, die im Frühjahr 2016 begann.

Davor gab es im Dezember 2015 ein kurzes Fehlsignal, aber davor hatte auch das "Golden Cross" von Januar 2012 und Oktober 2010 hohe Aussagekraft:

Also kein so schlechtes Signal, oder? Auf jeden Fall kein bärisches. In der Vergangenheit folgten auf das Signal statistisch überwiegend starke Phasen.

Ich nehme das wie die Inverted Yield Curve aber nur interessiert zur Kenntnis, warne aber davor, diesen Einzelsignalen zu viel Bedeutung zuzumessen. Erst in der Vielzahl mehrerer Signale, entsteht ein belastbares Bild des Marktes.

Wenn wir die Lage für Investoren eher positiv einschätzen, kommen uns aber auch andere Signale zu Hilfe.

Wir können Statistiken zu Rate ziehen die untersuchen, was auf so ein starkes 1. Quartals folgte und diese Statistiken haben einen klar positiven Bias für den Rest des Jahres. Hier die Statistik von LPL Research, die das zeigt:

Wir können uns aber auch noch einmal an die Fund Manager Asset Allocation von März erinnern, die ich -> hier von Urban Carmel übernommen habe <-:

Wir sehen, dass die Fund-Manager - und damit eine Facette des großen Geldes - Ende Februar/Anfang März klar unterinvestiert waren.

In Summe hat dieses Bild eine klare Tendenz, die mittelfristig optimistisch in den weiteren Jahresverlauf schauen lässt. Risiken gibt es natürlich immer und keine Statistik kann uns vor der Ausnahme bewahren, wie uns ja die Woche vor Weihnachten 2018 und der Heiligabend selber bewiesen haben, die/der noch nie historisch so schwach war.

Trotzdem macht es für rationale Anleger Sinn, dem statistisch wahrscheinlicheren Pfad zu folgen und dann sollten man die Crash-Propheten weiter ignorieren, was den weiteren Verlauf 2019 angeht. Irgendwann werden sie alle mal Recht bekommen, ohne den Zeitfaktor zu kennen, sind alle diese "Prognosen" aber nichts weiter als *Opium für das Volk*. Vor allem sind es aber geldwerte Klicks und generieren Abonnenten für die Propheten selber und insofern ist diese Masche hoch erfolgreich, nur die Depots der Anleger füllt sie nicht.

Die kommende Woche wird sehr intensiv, was Wirtschaftsdaten angeht.

Wir haben in der Nacht zu Montag wichtige Einkaufsmanagerindizes aus China und den wichtigen Tankan Index aus Japan.

Am Montag über Tag folgen Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland, UK und US, garniert mit Einzelhandelsumsätzen in den US und Verbraucherpreisen in der EU.

Der Dienstag bringt einen Zinsentscheid der australischen Notenbank, weitere Einkaufsmanagerindizes und den Auftragseingang für langlebige Güter in den US.

Der Mittwoch geht weiter mit diversen Einkaufsmanagerindizes, hat aber auch die ADP Arbeitsmarktdaten und wie immer die Rohöldaten aus Cushing.

Am Donnerstag veröffentlicht die EZB den Bericht des letzten EZB-Rates, ansonsten ist der Tag eher ruhig.

Dafür kommen am Freitag die großen US Arbeitsmarktdaten.

Hinzu kommt das Brexit-Chaos, das scheinbar an den Börsen nun langsam doch zu Reaktionen führt und die weitere schwärenden Handelsgespräche zwischen US und China, die in den US weitergehen.

Man kann die Ausgangslage für die kommende Woche nun positiv werten oder neutral als Seitwärts-Schaukelbewegung, wie ich das noch präferiere. Der Quartalsanfang am Montag ist traditionell stark, dann sehen wir weiter.

Von meiner Seite wird die Woche arbeitstechnisch normal, am Mittwoch Abend treffe ich mich nach längerer Zeit mit Tichy, um zu besprechen, ob und wenn ja wie ich dort vielleicht mal wieder einen Artikel schreibe. Wir werden sehen, ich bin dafür offen, wenn der Rahmen durch eine stärkere Hinwendung zu Wirtschafts- und Finanzthemen wieder passen sollte, es treibt mich aber auch nichts aktiv dazu. Mal sehen mit welchem Vorschlag er kommt.

Ansonsten ist beim DAX die Parallelität zum Februar noch im Rennen, so schlecht sieht der nicht aus.

Der MDAX testet den Ausbruch und sieht neutral bis eher positiv aus:

China bleibt weiter in Lauerstellung, die Hoffnung auf eine positive Auflösung der Handelsgespräche besteht fort:

Gold etabliert hier im besten Fall eine Schaukelbewegung unter der bedeutenden, mehrjährigen Ausbruchszone, oder im schlimmsten Fall war es das schon wieder:

Und die Volatilität - hier anhand des VIX - verbleibt im mittleren Normalbereich, ohne in irgendeine Richtung extrem zu sein:

Summa Summarum gibt es also keine große Änderung. Die Chance, die die Schwäche vom 22.03. bildete, konnten die Bären wie vermutet erneut nicht ergreifen.

Der Markt bleibt tendentiell positiv, aber nicht ohne Risiken. Es wäre vermessen vom 2. Quartal eine Entwicklung wie im 1. Quartal zu erwarten, ein Rücksetzer irgendwann in den Frühlings- und Sommermonaten wäre nur logisch, bevor dann das normale starke Jahresende ansteht. Und da das letztes Jahr gänzlich untypisch ausgefallen ist, wird es dieses Jahr wohl kommen.

Mittelfristig agierende Anlager - wie vermutlich die Mehrheit hier - bleiben also dabei, sichern weiter nach unten ab, führen die Absicherungen aber so weit, dass man wirklich nur bei einer Charakteränderung abgeworfen wird.

Alles keine Neuigkeiten also, einfach erst einmal weitermachen im 2. Quartal!

Ihr Hari

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Hari Live Stream 07.02.19



15:35 MEZ

Schlechte Wachstumsdaten aus Europa um 11 Uhr - die die ganze europäische Malaise wieder sichtbar machen - sind der Katalysator für Marktschwäche.

Da der US Markt sowieso korrekturreif ist, könnte das heute die überfällige Konsolidierung auslösen:

Wir sollten aber nicht zu schnell jetzt bärisch werden, dieser Markt ist stark und starke Märkte sterben nicht so schnell.

Wir hatten am 03.01. und 22.01. jeweils auch markant schwache Tage, die dann aber sofort vom nächsten Schub abgelöst wurden. Fall es heute also zu einem negativen Trendtag kommt - was durchaus in den Karten ist - bräuchte es morgen eine Bestätigung um ernsthaft einen Richtungswechsel anzunehmen.

Wie schon seit Wochen kommuniziert, sieht mein präferiertes Szenario jetzt einen Retest der 2.600er Zone von oben vor, der aber erfolgreich abgewiesen wird.

15:48 MEZ

Twitter (TWTR) -> enttäuscht mit seinen Zahlen schwer <- und wird 10% abverkauft:

Ich bin wie Sie wissen wenig überrascht, es ist nur Bestätigung dessen, was ich schon mehrfach zu Jack Dorseys verfehlter Geschäftsstrategie gesagt habe.

Twitters Asset ist die eines professionellen Nachrichtendienstes und als solcher generiert es auch echten Mehrwert. Dorsays Versuch mit eingeblendeter Werbung erfolgreich zu sein, läuft dem zuwider und funktioniert nicht. Die ignoriert man entweder oder drückt sie wie ich konsequent weg.

Aber mit Dorsay wird es wohl nie einen professionellen (und daher für aktiv postende kostenpflichtigen) Dienst geben. Dabei würde ich dafür zahlen und Donald Trump sicher auch. 😉 Dann noch eine Gebührentabelle nach Reichweite und fertig ist das Geschäftsmodell.

Das Beste was Twitter nun passieren könnte, wäre eine Übernahme, Dorsays Abgang und dann Leute an der Spitze, die eine bessere Geschäftspolitik verfolgen.

16:00 MEZ

Gar nicht schön ist auch, was Kellogg (K) nach -> schwachen Zahlen <- produziert.

Zur Aktie hatte ich mich vor Monaten auch schon skeptisch geäussert, nun sieht das so aus und sagt eher "Finger weg":

16:35 MEZ

Na lange haben die Bullen ja nicht gebraucht, um den Gapfill in Gang zu setzen. Wie ich schon sagte, so ein starker Markt dreht nicht so einfach.

Trotzdem ist die Gefahr bzw die Wahrscheinlichkeit für das avisierte Retracement hinab zur 2.600er Zone sehr hoch. Abwarten.

16:50 MEZ

Sie haben vielleicht bemerkt, dass ich seit dem letzten Einschlag 2016 nichts mehr zu Wirecard (WDI) schreibe und ich auch jetzt das Geschehen nicht kommentiere.

Dahinter ist eine Philosophie und das will ich nun kurz erläutern.

Man kann es auf den kurzen Nenner bringen: Wirecard ist mir seit 2016 suspekt und das ist *keine* Wertung des Unternehmens, sondern Folge der damit verbundenen Unsicherheit, die ich mir im Depot nicht antun will.

Ich sage ausdrücklich, ich habe keine Ahnung ob an den Vorwürfen was dran ist oder nicht. Ich würde diese weder pauschal abtun, noch einfach so ernst nehmen.

Der Punkt ist ganz simpel, eine Aktie die ein derart undurchsichtiges Geschäftsmodell hat, das solche Einbrüche nach Attacken von Short Sellern überhaupt möglich macht, gehört nicht in mein Investmentdepot. Und auch als Trade ist sie ungeeignet, wenn man mit 20% Overnight-Gaps rechnen muss.

Der Punkt ist doch - und den Schuh muss sich Wirecard anziehen - wäre das Geschäftsmodell durchsichtiger und nicht so verschachtelt, würde der Markt so Attacken doch gähnend abtun, weil er sich seiner Sache sicher ist. Und verschachtelte Firmenkonstrukte habe ich noch nie gemocht, diese haben meistens ein Grund, der selten mit Transparenz zu tun hat.

Wirecard ist so angreifbar, weil sie so verschachtelt und undurchsichtig sind. Und das Management hat seit 2016 nichts daran geändert. Das sagt nichts über die Wahrheit der Vorwürfe aus, aber muss ich mir das im Depot antun? Meine Antwort ist klar: Nein.

Und sich an der Spekulation zu beteiligen und Position zu beziehen, ist da sowieso Unsinn, wir sind alle nur kleine Goldfische im Haifischbecken.

"Wo Rauch ist, da ist auch Feuer" heisst es als Bauernregel. Vielleicht ist Wirecard die Ausnahme wo der Rauch ohne Feuer ist. Kann gut sein. Ich habe aber keine Lust es mit meinem Geld heraus zu finden und das Aktienuniversum ist groß genug - auch ohne Wirecard.

Das ist meine Denkstruktur.

17:05 MEZ

Übrigens, passend zu obigen Worten hier die meistgelesenen Nachrichten bei Finanznachrichten.de

Fast überall nur Wirecard, jeder sabbelt was dazu. Praktisch jeder Kleinanleger ist nun also gerade hoch aktiviert und hofft auf ein "Schnäppchen".

Ich frage Sie, macht es wirklich Sinn sich daran zu beteiligen? Warum sollten wir einen Edge haben? Schauen wir doch besser dahin, wo diese Massen gerade *nicht* hinschauen.

17:14 MEZ

Rallyversuch abgewürgt, negativer Trendtag recht wahrscheinlich. Auf den Nenner kann man das heute bringen:

17:22 MEZ

Der Markt korrigiert, da macht doch ein Blick auf den Volatilitätsindex VIX mal wieder Sinn.

Der ist auf dem tiefsten Stand seit Oktober letzten Jahres, hat aber die Tiefs vom letzten Sommer oder 2017 noch nicht erreicht.

Trotzdem nicht die schlechtesten Zeiten, um sich Volatilität ins Depot zu legen. Auch wer sich nun mit einem simplen Optionsschein für Kleinanleger absichert, kauft damit Volatilität, da die implizite Volatilität in diese Scheinen hochtaxiert wird, wenn die Kurse fallen und der VIX steigt.

17:28 MEZ

Was für eine Saubande, das Thema -> Datenschutz ist auf den Smartphones völlig aus dem Ruder gelaufen <-

Ich bin mal gespannt, ob Apple da jetzt genau so hart draufhaut, wie sie es zuletzt bei Google und Facebook getan haben. Das war eine Machtdemonstration, bei Facebook lagen die Prozesse teilweise lahm: -> Apple sperrt Facebook <-

17:58 MEZ

So liebe Mitglieder, jetzt heisst es einfach abwarten, ob das wieder ein Eintagesgewitter ist, oder wir den Beginn der lange überfälligen Korrektur vor uns haben, die uns dann wohl bis zur 2.600er Zone führen wird - danach sieht man weiter.

Larry Kudlow hat den Bären gerade Futter gegeben, als er von -> noch offenen Fragen und Dissenz <- bei den China-Verhandlungen sprach.

Beachten wir unbedingt, die dürfen nicht scheitern. Wenn die scheitern und mit Vorwürfen und gegenseitigen Drohungen enden, dann kippt der Markt richtig weg, dann sind auch die Tiefs vom 24.12. nicht mehr sicher.

Aber da sind wir noch nicht und der Einigungsdruck ist hoch. Warten wir also geduldig ab. Der SPY riecht weiter nach einem negativen Trendtag. Wenn da jetzt nicht schnell eine Wende kommt, dann wird das wohl so werden:

ich schaue heute Abend sicher noch mal ins Forum. Ansonsten wünsche ich einen schönen Abend!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Wochenausblick KW43


In Anbetracht der Lage und einer potentiell bedeutenden Woche, kommt die Wochenvorschau schon am Sonntag Nachmittag.

Am morgigen Montag früh kommt dann kein Morgenbericht, der neue "Sekunden-Zahlen-Review" kommt dann aber am Montag im Laufe des Tages.

Ereignis der Woche

Das Ereignis der Woche dürfte die EZB-Sitzung am Donnerstag sein. Denn Mario Draghi sitzt zumindest vordergründig zwischen Baum und Borke und es wird spannend, wie er sich da heraus windet.

Denn die neue italienische Regierung ignoriert offen den Stabilitätspakt und sagt mehr oder weniger wortwörtlich, dass sie den berühmten "Fliegenschiss" interessiert, was Brüssel dazu zu sagen hat.

Gleichzeitig schiebt die italienische Regierung nach, dass der Euro aber nicht verlassen wird - welche Überraschung. 😉 Hinter dem ganzen Gejammer ist völlig klar, dass der Euro für Italien im Saldo ein klarer Gewinn ist - im Gegensatz zu Deutschland - und Italien ohne den Euro in eine Staatsinsolvenz laufen würde.

Was die italienische Regierung will ist ganz klar, im Euro bleiben und den endgültig zur neuen Lira, einer Weichwährung machen, in der man beliebig Schulden machen kann, die idealerweise andere Länder dann mittragen müssen. Ein klarer Fall von "Moral Hazard", der eben in den Genen des fehlkonstruierten Euros begründet liegt.

Draghi kann dem nicht nachgeben, wenn die EZB nicht jede Glaubwürdigkeit verlieren und den Euro auf eine Talfahrt schicken will, die dann auch der EZB wohl nicht recht wäre. Draghi kann aber auch nicht hart durchgreifen, weil Italien für den Euro defintiv "too big to fail" ist.

Eigentlich gibt es für das Dilemma keine Lösung, wenn man offen und ehrlich mit der Problematik umgeht. Und trotzdem bin ich recht sicher, dass Draghi am Donnerstag eine "italienische Lösung" finden wird.

Die wird wie in Italiens Politik üblich, aus harten Worten bestehen, die für die Galerie der Medien die Form des Stabilitätspaktes wahrt und die italienische Regierung in die Schranken weist. Objektiv wird er aber geldpolitische Maßnahmen andeuten, die außerhalb der Märkte sowieso niemand versteht, die faktisch Italiens Defizit weiter finanzieren und den Märkten signalisieren, dass sie sich keine Sorgen machen müssen.

Wortgeklingel, hinter der Fassade aber ein "weiter so", das ist meine zutiefst zynische Prognose, hier habe ich eine. 😉

Auch das Chart der Renditen der 10-jährigen italienischen Anleihen stützt diese Erwartung:

Wir sehen Draghis "Whatever it takes" in 2012, wir sehen aber auch, wie der Markt schon seit Ende 2016 ein zunehmendes Problem in Italien einzupreisen beginnt. Und zwischen einer neuen Eurokrise und uns, steht eben nur die EZB mit ihrer Glaubwürdigkeit.

Wir sehen aber auch, dass charttechnisch die Aufwärtsbewegung nach der Mittelkonsolidierung in 2017 ihren "Measured Move" schon erreicht hat und für eine neue Konsolidierung reif ist.

Und genau das, könnte - wenn meine Vermutung oben richtig sein sollte - am Donnerstag Mario Draghi wieder mit seinen "betörenden Lippen" einleiten. Die Chance dafür ist auf jeden Fall da und im Zweifel macht es Sinn darauf zu setzen, dass Draghi den Markt beruhigt und nicht ihn weiter verunsichert.

Man muss das - wie ich - nicht mögen und man muss - wie ich - Draghis Selbstgefälligkeit nicht mögen, mit der er die alte Geldpolitik der Bundesbank beerdigt hat. Aber man muss Draghi trotzdem professionelle Hochachtung für seine Fähigkeit zukommen lassen, mit den richtigen Worten die Märkte dahin zu bringen, wo er will - betörende Lippen eben.

Wenn ich aber falsch liege, wenn Draghi am Donnerstag die Märkte verunsichert, dann ist das in der sowieso wackeligen Lage mit dem *Knall* eines gespannten Gummibandes gleichzusetzen. Dann gehen die Renditen nach oben raus und wir bekommen an den Märkten wohl ein echtes Problem.

Von den Wahrscheinlichkeiten her macht es aber Sinn auf Draghis Fähigkeiten zu setzen und das würde dann am Donnerstag sicher auch dem ausgebombten DAX gut tun.

Weiter unten werden wir sehen, dass der Donnerstag auch was die Quartalszahlen angeht, der absolute Höhepunkt ist. Donnerstag ist also vielleicht *der* Tag der Woche, mit dem Potential den Märkten einen entscheidenden Stoß zu geben.

Thema der Woche

Das Thema der Woche dürfte die nun heisslaufende Quartalssaison sein, wir haben die aktivste Woche dieses Quartals vor uns. Dienstag bis Donnerstag werden beeindruckend, mit dem Höhepunkt am Donnerstag. Hier sind die hier bei uns bekannten und besprochen Namen.

Wie immer ist die Liste nicht 100% verlässlich, weil es immer kurzfristige Verschiebungen gibt. Oft ist die genaue Uhrzeit noch unklar, ich schreibe diese Namen dann hier in "vorbörslich", was sich aber ändern kann. Ich veröffentliche im Stream des Vortages immer noch ein Update zum Folgetag, in dem ich alles noch einmal geprüft habe:

Montag vor US Handelsstart: China Mobile, EssilorLuxotica (ESLX), Halliburton (HAL), Hasbro (HAS), Michelin (MICP), Kimberly-Clark (KMB), Philips, Ryanair (RYA)

Montag nach US Handelsschluss: Cadence Design (CDNS), Hexcel (HXL), TD Ameritrade (AMTD)

Dienstag vor US Handelsstart: 3M (MMM), Anglo American, Atos (ATOS), Biogen (BIIB), Caterpillar (CAT), Corning (GLW), Harley-Davidson (HOG), Lockheed Martin (LMT), Logitech (LOGN), Mc Donalds (MCD), NextEra Energy (NEE), Pentair (PNR), PulteGroup (PHM), Reckitt Benckiser (RB), Renault, (RENA), Saab, Safran (SAF), Sartorius (SATG), United Technologies (UTX), Verizon (VZ), Vinci (SGEF), Whitbread (WTB)

Dienstag nach US Handelsschluss: Chubb (CB), Edwards Lifesciences (EW), Illumina (ILMN), iRobot (IRBT), Juniper (JNPR), Texas Instruments (TXN), Valmont Industries (VMI)

Mittwoch vor US Handelsstart: AT&T (T), Air Liquide (AIRP), Alexion (ALXN), Amphenol (APH), Barclays (BARC), Boeing (BA), Boston Scientific (BSX), Capgemini (CAPP), Check Point Software (CHKP), Dassault Systems (DAST), Deutsche Bank, DTE Energy (DTE), DWS (DWSG), Freeport McMoran (FCX), General Dynamics (GD), Heineken, Iberdrola, Illinois Tool Works (ITW), Ingersoll-Rand (IR), Klöckner (KC0100), KWS Saat, LG Display (LPL), Nasdaq Inc (NDAQ), Northrop Grumman (NOC), Novozymes (NVZMY), Peugeot, STMicro (STM), Teledyne Technologies (TDY), Telenor, Thermo Fisher Scientific (TMO), UPS (UPS), Vale (VALE)

Mittwoch nach US Handelsschluss: AMD (AMD), Agnico Eagle Mines (AEM), Allegiant (ALGT), Baidu (BIDU), Barrick Gold (ABX), Citrix Systems (CTXS), F5 Networks (FFIV), Ford Motor (F), Goldcorp (GG), Microsoft (MSFT), Morningstar (MORN), New Gold (NGD), Sangamo Therapeutics (SGMO), Service Now (NOW), Visa (V), Xilinx (XLNX)

Donnerstag vor US Handelsstart: ABB (ABBN), Ambev (ABEV), American Electric Power (AEP), Anheuser Busch (BUD), Baker Hughes (BHGE), Bristol-Myers Squibb (BMY), Celgene (CELG), Cemex (CX), CME Group (CME), Canon, Conoco Philips (COP), Covestro (1COV), Daimler, Equinor (EQNR), Eurosfins Scientific (EUFI), General Electric (GE), Flex (FLEX), Galapagos (GLPG), Hershey (HSY), International Paper (IP), Kion, Krones, L3 Tech (LLL), Lloyds Banking (LLOY), Merck&Co (MRK), MTU Aero Engines (MTU), Newmont Mining (NEM), Oaktree (OAK), Orange, Puma, Raytheon (RTN), Saint Gobain (SGOB), Schneider Electric (SCHN), Sherwin-Williams (SHW), Shire (SHPG), Sika (SIKA), Siltronic, Southern Copper (SCCO), Sulzer (SUN), Teck Resources (TECK), Twitter (TWTR), UBS Group (UBSG), Under Armour (UA), Union Pacific (UNP), Valeo, Valero Energy (VLO), Wacker Chemie (WCHG), Waste Management (WM), Worldpay (WP), Xerox (XRX)

Donnerstag nach US Handelsschluss: AK Steel (AKS), Alphabet (GOOGL), Amazon (AMZN), Biomarin Pharmaceuticals (BMRN), Cerner (CERN), Chipotle Mexican Grill (CMG), Cypress (CY), Expedia (EXPE), First Solar (FSLR), Flowserve (FLS), Fortive (FTV), Gilead (GILD), Intel (INTC), Pacific Biosciences (PACB), ResMed (RMD), Snap (SNAP), Verisign (VRSN), Western Digital (WDC), Wynn Resorts (WYNN), Yamana Gold (AUY)

Freitag vor US Handelsstart:American Airlines (AAL), BASF, Charter Communication (CHTR), Colgate Palmolive (CL), ENI,Fujitsu, Gemalto (GTO), Glencore, Lafarge Holcim (LHN), Linde, Philips66 (PSX), Moodys (MCO), Ricoh, Rockwell Collins (COL), Royal Bank of Scotland (RBS), Total, Ventas (VTR), Weyerhaeuser (WY)

Chance und Risiko der Woche

Letzte Woche habe ich Ihnen mit folgenden Worten den "Moment der Wahrheit" prophezeit, der uns noch bevorsteht:

Ich glaube dass uns der Moment der Wahrheit noch bevorsteht - vielleicht sogar in dieser Woche noch, im Zweifel aber erst Ende Oktober. Und das ist der Moment, wenn der Markt den Trend erneut testet...

...

Einen scharfen Einbruch kann es immer mal geben, wie geschehen. Daran schliesst sich fast sicher eine Gegenbewegung an. Es kann sein, dass diese nun begonnen hat.

Wie stark diese Gegenbewegung aber ist, wird ultimativ im zweiten Anlauf auf die Tiefs getestet und diese zweite Bärenattacke ist auch recht wahrscheinlich.

Das ist dann der Moment, in dem große Chancen und große Risiken bestehen und wir recht gnadenlos sein müssen.

Das ist immer noch die Lage, der Rebound ist wie angekündigt letzte Woche gekommen - sehr eindrucksvoll am Dienstag - und auch der Einbruch ist wieder wie angekündigt gekommen, am Donnerstag letzte Woche. Und ich habe Ihnen in den letzten Tagen ausführlich und in wiederholten Artikeln die Lage beschrieben und kann nun nicht mehr tun, als das zu wiederholen, weil es immer noch wahr ist.

Ich kopiere beispielhaft hier die Kernaussage des Artikels -> Trübe Stromschnellen <- herein:

Vor uns liegen wohl trübe Stromschnellen im Markt, ich habe gestern im Forum schon deutlich gesagt, dass wir selbst für den Fall, dass der erneute Retest der Tiefs erfolgreich ausgeht, besser in Analogie zum Februar davon ausgehen, dass nach dem ersten schnell Test der Tiefs letzten Donnerstag, der zweite Test weit langwieriger und zappeliger ablaufen wird.

Und ich habe Ihnen verschiedene Szenarien gezeigt und hier auch eine besonders fiese Projektion, mit der der Markt wohl Bullen wie Bären in den Wahnsinn treiben würde:

Das ist aber nur eine - besonders fiese - Variante unter vielen, die Ihnen nur visualisieren soll, womit wir nun alles rechnen müssen.

Gleichzeitig habe ich aber keinen Zweifel daran gelassen, dass für mich praktisch alle Parameter in den US darauf hindeuten, dass wir hier eine zum Jahresende kaufbare Korrektur vor uns haben, wo auch immer diese dann dreht.

Ich bin also mittelfristig weiter bullisch, bin aber kurzfristig für die kommende Woche nicht in der Lage, den weiteren Verlauf genau zu antizipieren - zu viel Gischt in den Stromschnellen eben.

Ich habe aber trotzdem eine persönliche Erwartung - nennen wir es nicht eine Prognose, denn das ist es nicht, es ist eher ein Bauchgefühl. Und das sagt, dass wir am Anfang der kommende Woche noch Schwäche sehen, der Donnerstag aber einen Katalysator nach oben bringen könnte.

Klar ist aber auch, dass diese mittelfristig bullische Aussage sich an den US orientiert. Wenn die Weltwirtschaft in der aktuell wackeligen Lage nun noch eine Krise in China (unwahrscheinlich) oder eine neue Eurokrise (wahrscheinlicher siehe oben) oben auf die bestehenden Unwuchten darauf bekommt, dann haben wir ein echtes Problem und dann kann man für nichts mehr garantieren, dann ist nichts mehr sicher.

Trotzdem, es lohnt sich statistisch, im Zweifel auf die Bullen zu setzen. Die haben zwar nun ein paar Treffer bekommen, sind aber keineswegs ausgenockt. Vergessen dürfen wir dabei auch nicht, dass die Aktienrückkaufprogramme der großen Firmen, nach Bekanntgabe der Quartalszahlen nun mit Macht wieder losgehen.

Und abgesehen davon bin ich sicher, dass schon ein paar Zeilen von Jerome Powell ausreichen würden, in denen er seine etwas zu falkenhaften Worte von vor 2 Wochen wieder einholt und wir sehen eine Rally die sich gewaschen hat!

Mit dieser Unsicherheit in den nächsten Tagen müssen wir nun einfach leben, ich kann die uns nicht nehmen, ich habe keine Glaskugel. Ich will aber erneut betonen, dass in den allgemeinen Pessimismus nun noch einzustimmen, statistisch keine gute Idee ist. Wir müssen auf das Beste hoffen und uns auf das Schlimmste vorbereiten. Das ist in einem immer noch eher nach oben strebenden Markt die richtige Schwerpunktsetzung!

Die beste Art damit umzugehen, ist sich auf die wesentliche Eventualitäten vorzubereiten und sich einen Plan zurecht zu legen. Und die bestehen ebenso aus so fiesen Szenarien wie oben, wie auch aus der immer noch vorhandenen und gar nicht kleinen Chance, dass der Markt plötzlich zur Rally ansetzt.

Klare Handlungspläne an klaren Marken, sind noch das Beste was ein Anleger für so eine Unsicherheit ins Auge fassen kann. Denken Sie aber auch an die Möglichkeit von Fakeouts, auch das ist ja in der "fiesen Projektion" zu sehen. So schnell man draußen ist, so schnell muss man auch bereit sein, wieder einzusteigen.

Oder man muss wahlweise sagen, dass man im schlimmsten Fall 20% Minus einfach akzeptiert und aussitzt, dann kann man auch ganz entspannt und ohne Handlungen dabei bleiben. Das ist auch legitim, man sollte sich dann aber auch sicher sein, dass man das im Falle des Falles wirklich durchhält.

Also: Alles ist gesagt und wurde letzte Woche gesagt. Nehmen wir die Unsicherheit an und suchen wir die Chancen in ihr. Atmen wir die Unsicherheit ein und akzeptieren sie, dann verströmt sie wirkungslos in uns.

Hinweis der Woche

7 Wochen sind nun schon wieder vergangen, seit ich am 03.09. aus den Ferien gekommen bin. Wahnsinn wie die Zeit vergeht!

Die nun beginnende Woche ist die Letzte dieser Präsenzphase, die Woche darauf bin ich dann während der bayrischen Herbstferien für eine Woche wieder im "Ferienmodus". Bis auf ganz neue Mitglieder sollten nun alle wissen was das bedeutet - ich bin präsent, es gibt aber keine regelmässigen Morgen- und Wallstreet-Artikel, sondern ab und zu mal eine Meldung "irgendwann" nach Lust und Laune meinerseits.

Eine Übersicht über diese "Ferienmodus-Phasen" und die wesentlichen Notenbank-Termine finden Sie bis zum Jahresende hier:

Chart/Grafik der Woche

Die Grafik der Woche ist zwecks Einordnung des Geschehens ein Blick auf den langfristigen Verlauf des VIX, des US Volatilitäts-Index:

Wir sehen dass die aktuelle Korrektur von der Volatilität und Unsicherheit her noch nicht mit dem Februar zu vergleichen ist. Das spüren wir ja auch, es ist noch recht viel Zuversicht im Markt. Vielleicht braucht es wirklich noch einen Absacker, um auch das zu zerstören.

Trotzdem sieht man aber auch, dass die Unruhe schon groß genug ist, um das zu einer echten, relevanten Korrektur zu machen. Von der Seite spricht nichts dagegen, dass diese auch bald zu Ende ist - wir haben "genug" korrigiert, um die Überdehnung des Marktes zurückzusetzen.

Index der Woche

Letzte Woche war Gold der Index der Woche, dieses Mal sind es die Goldminen in Form des Sektor-ETFs GDX:

Das ist schon eine schöne Wendestruktur, *aber* ich warne davor, hier zu blind nun "die große Wende" auszurufen.

Das Chart sagt eindeutig, dass das erst einmal der Retest des großen Einbruchs von unten ist, nicht mehr. Und wenn wir mal gedanklich weiterspinnen, könnte der Zeitpunkt zu dem der GDX die alte Unterstützung - nun Widerstand - um die 21USD erreicht, in 1-2 Wochen auch der genau der Zeitpunkt sein, zu dem der breite Markt die Korrektur beendet und wieder nach oben dreht.

Ich will damit sagen, das Risiko dass der GDX bei 21USD wieder nach unten dreht ist hoch und sollte man nicht ignorieren. So richtig vertrauenswürdig wird die Bewegung erst wieder darüber.

Bis dahin ist es ein schöner Trade, der aktuell auch einen netten Hedge gegen den breiten Markt darstellt, aber noch nicht mehr. Behalten wir also die Perspektive!

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

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Wallstreet Stream 07.03.18



15:25 MEZ

BTFD - ganz zuverlässig wird das Gap-Down im besten BTFD-Sinne wieder gekauft. Im DAX sieht das so aus:

Ich es damit schon wieder vorbei? Ja und Nein. Kurzfristig vielleicht, kurzfristig ist nicht viel passiert. Ein Mensch geht und wird durch jemand anderen ersetzt. Who cares?

Mittelfristig ist es aber langsam träufelndes Gift, wenn die US Administration nun einen klar protektionistischen Kurs fährt. Wie bei langsam träufelndem Gift merkt man aber eine zeitlang nichts davon, bis die Symptome nicht mehr zu übersehen sind.

Man muss nun abwarten wer der Nachfolger wird und ob sich dieser anbahnende Handelskonflikt ausweitet. Wenn nein, ist alles wie gehabt, ein paar Zölle auf Stahl und Aluminum lassen die Welt nicht untergehen. Wenn ja, wenn sich das ausweitet, wird der Markt auf eine abschüssige Bahn geraten.

Das Anlage-Umfeld für dieses Jahr ist mit gestern nicht besser geworden. Wie viel schlechter, ist noch nicht zu sagen und fragen sich alle anderen auch.

15:45 MEZ

Ich weiss das ist fies, das ist eine Form von "I told you so!". Aber ich hatte Western Digital (WDC) die letzten Tagen jeden Tag im Stream und das hat sich wirklich deutlich angebahnt:

16:08 MEZ

Auch Twitter (TWTR) zieht heute weiter, aber mit neuen Setups tue ich mich heute schwer:

Vielleicht passiert ja bei IONIS Pharmaceuticals (IONS) bald mal was, wie der Kurs sich da bewegt, ist wie das Klopfen gegen einen Deckel, den es bald wegbläst:

16:45 MEZ

Unser Dauerbrenner Danaher (DHR) wurde schon im Forum erwähnt. Auf die kann man sich wie ein Uhrwerk verlassen:

-> Update on Performance <-

17:05 MEZ

Ganz interessant finde ich übrigens einen Blick auf den VIX. Wir sehen, dass der immer noch doppelt so hoch ist wie im Januar, obwohl die Price-Action sich so sehr gar nicht unterscheidet.

Man kann das im Nachhinein als Beweis anführen, dass der VIX durch den "Short-Vola" Trade manipuliert war und die Volatilität gar nicht mehr angemessen abgebildet hat. Jetzt sind wir wieder näher an der Realität, nachdem dieser Trade allen um die Ohren geflogen ist:

17:32 MEZ

Übrigens, als Beispiel für Muster- und Volumenanalyse hier ein sehr inhaltsreiches Chartbild bei KWS Saat mit klar bärischem Zungenschlag.

Wir sehen die Topformation und sehen den (in blau) Beginn der Unterstützungszone. Wir sehen auch die klare Distribution in der Volumensignatur unten.

Dort in der Unterstützungszone könnte KWS langsam wieder zum Kauf werden, tendentiell unter dem blauen Balken, der nur den Beginn dieser Zone markiert. Hier aktuell ist KWS kein Kauf und hat weiteres Downside:

17:40 MEZ

Ganz spannend auch das Volumenbild bei RWE, die ja wieder zum Leben erwacht sind. Wir sehen dass die Volumensignatur den Rebound eher bestätigt, bis auf einen Balken wird eher Akkumulation signalisiert.

Wie sehen aber auch, warum es der Kurs genau hier vielleicht schwer hat weiter zu steigen. Überwindet er aber diese Zone, ist der Weg bis ca. 19,5€ frei:

17:46 MEZ

Ich mache heute mal minimal früher Schluss als normal. Irgendwie habe ich heute keinen Zugang zum Markt und das Geschehen im SPY ist zwar klassisch BTFD, aber lässt mich trotzdem indifferent zurück:

Ich kann mir Schwäche am Abend heute vorstellen, aber wir werden sehen, solche Ahnungen werden gerne von den Algos ins Gegenteil gekehrt.

Auf jeden Fall ist das heute kein Markt, in dem ich Lust habe mich stark zu exponieren.

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Rohstoff-ETFs – Free Lunch Reloaded?



Vor einem guten Jahr habe ich die "Free Lunch" Diskussion hier mit Ihnen geführt und das Shorten von Volatilitäts-ETFs zur einer sinnvollen Annäherung an so einen "sicheren Gewinn" erklärt, so weit das überhaupt möglich ist.

Der Artikel -> Free Lunch Update <- von letztem April zeigte worum es ging und verweist auch auf einen entsprechenden Forenthread.

Und was war dieser Trade seitdem auch erfolgreich gewesen, es ging durchweg nur abwärts und auf der Short-Seite liess sich damit immer wieder ein gutes Zubrot verdienen:

Von 500 auf 10, coole Sache wer da Short war. Für Mitglieder die neu ins Thema stossen, die Volatilität selber ist zwar in diesem Zeitraum auch gefallen, aber nicht ansatzweise in diesem Masse.

Der Hintergrund hier ist, dass diese Volatilitäts-Vehikel alle inhärenten, massiven Zeitwertverlust haben, was sie für den eigentlichen Sinn, der Wette auf steigende Volatilität, völlig unbrauchbar und zum sicheren Vermögensgrab macht. Und bei einem gehebelten ETF wie oben dem UVXY, potenziert sich das Problem und das Ergebnis sehen wir oben, ein (fast) sicherer Gewinn, wenn man Short geht und ein (fast) sicherer Verlust, wenn man auf die Dinger reinfällt.

Es sei noch gesagt, dass wenn ich hier nun vom UVXY spreche, das als Beispiel und prominenter Vertreter dieser Gattung zu verstehen ist, der besonders stark mit der Zeit verliert. Sie können den UVXY auch durch ein anderes, ähnliches Produkt ersetzen. Im -> Forenthread <- zum oben verlinkten alten Artikel, gab es dazu auch andere Alternativen.

Übrigens wird gerade weil der Kurs im Mittel immer nur fällt, der Kurs dieser ETFs oft mit einem "Reverse-Split" wieder "gepimpt", ich gehe davon aus, dass das hier beim UVXY bald wieder fällig ist. Wir sehen auf jeden Fall, dass auch Volatilitätsereignisse wie der Brexit, den Trend nicht brechen können. Wer also lange genug wartet und im Trade verbleiben kann, wird fast sicher auf der Short-Seite Geld verdienen.

Genau dieser Umstand hat die Wetten auf fallende Volatilität zuletzt so beliebt gemacht und einige vermuten, dass die massiv gefallene Volatilität auch mit diesem Trade zu tun hat. Gleichzeitig ist dieser Trade aber nun extrem überfüllt und ich frage mich langsam, wer eigentlich noch die verleihbaren UVXY Bestandteile (und vergleichbare ETFs) im Depot hat, mit denen man dieses Ding noch shorten kann? Und vor allem, wer ist ausser ein paar unerfahrenen Privatanlegern überhaupt so doof, so etwas Long im Depot zu haben? Denn -> ohne Wertpapierleihe kein seriöser Short <-!

Genau hier liegt auch das Problem dieses Trades, es gibt nämlich keine Garantie, dass man ihn langfristig durchhalten kann, denn man wird möglicherweise im unpassendsten Moment aus dem Short heraus gedrückt, weil nicht mehr genug zur Leihe vorhanden ist. Und auch wenn der UVXY im Mittel fällt, kann er kurzfristig bei einem Volatilitätsereignis um Faktoren steigen und wer dann mit signifikantem Geld Short ist, wird diesen Schmerz hart spüren.

Eine echter "free Lunch" ist der Trade also nur, wenn man erstens nur mit wenig Geld drin ist, das man verschmerzen kann und bei dem man jeden Squeeze aussitzen kann und wenn man zweitens das Glück hat, nie heraus gezwungen zu werden.

Unser Paco hat im -> Forenthread <- zum oben verlinkten alten Artikel in Post 3 das wunderbar zusammen gefasst, so dass ich es hier exemplarisch kopieren will:

Ich habe mich mit VXX, dem ungehebeltem Pendant des UVXY, beschäftigt. Der fällt langfristig auch beständig und hat schon diverse Reverse Splits hinter sich, so dass heute der anfängliche Wert des ETFs in die Tausende geht laut Chart. Der Reverse Split kommt typischerweise, wenn der Wert unter 10 USD fällt.

Das es kein echtes Free Lunch ist, haben wir ja damals schon besprochen. Man hat beim Shorten ja das Risiko, dass der Kurs sprunghaft steigen kann, und damit der Wert der Short-Positition auch schnell mal ins Negative rutschen kann, wenn sich der Kurs verdoppelt, was bei UVXY auf Grund des Hebels schneller gehen kann, als man denkt. Bis sich der Kurs wieder erholt, auch wenn er das irgendwann ganz sicher tun wird, kann einige Zeit vergehen, und das muss man dann aussitzen können. Markttiming ist hier also auch von Vorteil.

Weiterhin generiert der Short auf UVXY (wie alle Shorts) ja nicht dauerhaft hohe Gewinne. Der maximale Gewinn eines Short, während man ihn hält, kann ja nicht grösser sein, als der Kurs zum Zeitpunkt der Eröffnung der Short-Position. Beim langfristig stetig fallendem UVXY macht man anfangs (im Durchschnitt) schnelle Gewinne, aber mit der Zeit wächst der Gewinn immer weniger, da der Kurs des UVXY sich ja tangential an die Null annähert. Für dauerhafte Gewinne, müsste man periodisch die Short-Position auflösen und die Gewinne reinvestieren in dem man mit ihre Hilfe eine grössere Short-Position eröffnet. Da hat man dabei aber jedes Mal das Risiko, dass die neue Short-Position in einem vom Markttiming her ungünstigem Moment eröffnet wird.

Den Effekt kann man schön am ETF XIV veranschaulichen, der einem "Short auf VXX mit täglicher Anpassung der Short-Position" entspricht. Wenn der VXX heute +3% macht, dann macht der XIV -3%, und so geht das jeden Tag. Der einzige Unterschied in der Kursentwicklung sind die Kosten, die im XIV schon enthalten sind, bei einer manuellen Anpassung einer short-VXX Position aber ungeachtet des VXX Kurses anfallen. Wenn der VXX also stetig fällt, dann müsste der XIV ja stetig steigen. Tut er letztendlich auch, hat aber mittendrin auch heftige Rücksetzer von bis zu 90%, autsch! Ist also einem Free Lunch sehr ähnlich, der Preis ist die extreme Volatilität, die man dabei aushalten muss.

Aber trotzdem, gegenüber einer reinen 50-50 Wette, ist der Short Trade auf die Volatilität fast ein "free Lunch", also ein sicherer Gewinn. Und das nicht weil die Volatilität immer fällt, sondern weil die inneren Kosten des Konstrukts es im Mittel eben nach unten zwingen.

Hier wirkt also der Zeitfaktor für uns und nicht gegen uns wie bei den diversen Optionsscheinen und Co. und das macht solche Short-Trades durchaus erwägenswert, wenn man weiss was man tut und Zugang zu professionellen Brokern hat.

Wo sonst gibt es auch Derivate, bei denen die Zeit für uns arbeitet?

Mit diesem überfüllten Trade wäre ich nun aber aktuell vorsichtig und würde den nun erst *nach* einem sehr harten Volatilitätsereignis wieder in Erwägung ziehen, was gleichbedeutend mit einer echten Korrektur ist.

Aber es gibt Alternativen und die sollen heute Thema sein. Nicht ganz so perfekt, weil der Zeitwertverlust nicht so hoch ist, aber doch mit einem interessanten Edge, wenn man diese shortet.

Und das sind ETFs auf Commodities, auf Rohstoffe. Die müssen sich nämlich auch mit der -> Contango bzw Backwardation <- Problematik auseinander setzen, die alle Futures auf Rohstoffe besitzen, denn die Futures mit festen Endterminen müssen eben "gerollt" werden, wenn man diese Futures auf dauerlaufende Konstrukte wie einen ETF oder ein Zertifikat übersetzen will.

Und dieses "Rollen", das einem Tausch der Futures auf den nächsten entspricht, generiert eben in der Regel "Rollverluste", weil bestimmte Rohstoffe in der Regel im "Contango" sind, sprich die neuen Futures höher notieren, als die alten. Und gerade bei Öl und auch Gas überwiegt die Contango-Situation klar das Gegenteil, es gibt also fast immer "Rollverluste".

Mehr will ich dazu nicht schreiben, das Thema der Rollverluste ist ein Eigenes und vielleicht mal ein Thema für Lehrer Bömmel, falls es gewünscht wird. Hier für diesen Artikel genügt es also zu wissen, dass ETFs auf Öl und Gas in der Regel massive Rollverluste mitschleppen. Ebenso wie der UVXY immer viel schlechter als der VIX läuft, laufen diese ETFs also langfristig auch deutlich schlechter als der Rohstoff selber.

Ein weiterer Free Lunch also, der abseits der Volatilität auch funktioniert? Shorten wir nun Öl und Gas via ETFs?

Schauen wir mal auf die Charts:

Beeindruckt? Das Ding funktioniert also!

Es funktioniert aber nicht so schnell und zuverlässig wie das Thema Volatilität, weil diese Rohstoff-ETFs zwar schon unter der Last der inneren Kosten langfristig nur verlieren können, aber eben kurz und mittelfristig durchaus mit dem Rohstoff selber schwingen, auch nach oben.

Und die Schere geht nicht gleichmässig auf, sondern immer nur in Phasen, in denen die Contango-Situation besonders intensiv ist. Man brauch also Geduld und die Kosten des Haltens der Position dürfen daher nicht hoch sein.

Man kann diesen Short-Trade also definitiv nicht zum "Free Lunch" erklären, aber er generiert einen dicken, fetten, langfristigen Edge, wenn man sowieso diese Rohstoffe shorten wollte.

Alternativ kann man über eine Art "Straddle" nachdenken, also Long Rohstoff und Short ETF. Man muss dabei die Kosten im Auge behalten, aber das Ding könnte aussichtsreich sein.

Was lernen wir daraus?

Erstens, nur Unerfahrene oder Masochisten "investieren" auf der Long-Seite in Volatilität oder Rohstoffe über solche ETFs oder Zertifikate.

Zweitens, das Problem bei all diesen Konstrukturen ist das Gleiche: Zeitwertverluste. Mal mehr, mal weniger, aber immer Zeitwertverluste die langfristig den Wert nach unten drücken.

Drittens, wenn man für einen Rohstoff bärisch eingestellt ist, ist ein Short auf so einen ETF die Methode der Wahl. Man setzt damit nicht nur auf die Richtung der Wahl, sondern bekommt einen dicken Bonus frei Haus geliefert.

Ich hoffe, das war erhellend. Und alleine wenn ich Sie mit diesem Beitrag von einem Kauf von Rohstoffen über so ETFs oder Zertifikate abgehalten habe, wird das Ihre Mitgliedschaft locker einspielen. Denn Sie würden garantiert nur verlieren.

Warnend will ich noch sagen, weil hier auch immer wieder ganz neue Mitglieder sind:

Wenn Sie nicht alles oben verstanden haben, ist das keine Schande. Da sind viele Fachbegriffe dabei, die man nicht gleich am Anfang versteht und auch nicht verstehen muss. Ausserdem basiert das alles auf einem Grundverständnis des Handels von US ETFs, das zum Beispiel -> hier <- und -> hier <- erklärt wurde. Lassen Sie dann aber bitte zur eigenen Sicherheit die Finger vom Thema, bis Sie wirklich alles verstanden haben. Denn auch hier gibt es Risiken.

Aber es gibt wenigstens einen klaren Edge, der die Wahrscheinlichkeiten zu unseren Gunsten verändert und das ist mehr, als so mancher normaler Trade bietet.

Keine "Free Lunch", aber doch ein schmackhafter Lunch. 😉

Ihr Hari

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Die Quants und ihre Macht



Wir sehen erneut, wie wenig Sinn es in dem neuen Environment macht, eine Korrektur antizipieren zu wollen. Erneut wird jegliche Schwäche gekauft und der SP500 notiert bei 2.390. Der markante Einbruch von Mittwoch letzte Woche ist damit Geschichte und wurde wieder von einem "V"-Reversal abgelöst, etwas was es früher eher selten gegeben hätte, denn so ein massiver Einbruch bleibt höchst selten ohne psychologische Wirkung auf die menschlichen Markteilnehmer.

Wir haben aber nicht mehr "früher", sondern wir haben "jetzt", das Zeitalter der Maschinen und das Wall Street Journal hat dazu heute einen grundlegenden Artikel -> The Quants run Wallstreet now <- veröffentlicht, den ich auch via Twitter verlinkt habe und der so vielleicht auch ohne Abo lesbar ist. Für mich ist das immer schwer zu identifizieren, da ich natürlich ein Abo beim WSJ habe und für Mitglieder, die sich täglich mit den Märkten befassen ist das eher Pflichtlektüre, wie auch dieser erhellende Artikel.

Hier ein paar Zitate:

On many trading floors, quants are gaining respect, clout and money as investment firms scramble to hire mathematicians and scientists. Traditional trading strategies, such as sifting through balance sheets and talking to companies’ customers, are falling down the pecking order.

That day (when Quants become king) has arrived. In just one sign of their power, quantitative hedge funds are now responsible for 27% of all U.S. stock trades by investors, up from 14% in 2013, according to the Tabb Group, a research and consulting firm in New York. Quants have almost caught up to individual investors, which outnumber quants and collectively have 29% of all stock-trading volume.

Müssen wir davor Angst haben? Nein, denn auch für die Quants gilt die Reflexivität und ihr Erfolg, wird ihr grösster Feind sein:

More competition could hurt returns and give a false sense of security about the market’s stability. In 2007, what became known as the “quant meltdown” was caused largely by the similarity of strategies among quants, who simultaneously rushed to sell, causing losses at other firms and more selling.

Aber bis dahin müssen wir uns in einem Environment einrichten, in dem Volatilität und Emotionen immer mehr verschwinden und die alten Regeln zur Massenpsychologie zunehmend nicht mehr gelten. Wie befinden uns mitten in dieser Übergangsphase und Sie erleben ja Live auch bei mir diesen Prozess der Umstellung, wenn ich Ihnen wie heute morgen schreibe, was ich nach alten Logiken denken würde (hier Vorsicht, Korrektur ante Portas) und was ich dann im Wissen um die neuen Mechanismen tue (hier dabei bleiben). Und immer wieder haben wir in den letzten Monaten erlebt, wie dieses ruhige "dabei bleiben" die richtige Wahl war, bis es irgendwann katastrophal scheitern wird, aber dieser Tag ist nicht zu antizipieren.

In diesem Zusammenhang, sind übrigens auch die sehr ehrlichen Worte lesenswert, die der bekannte Investor John Hussman -> hier in seinem neuen Report <- findet. Auch er tut sich eminent schwer in diesem sich wandelnden Markt, woran wir wieder sehen, wie wichtig es ist nicht stehen zu bleiben und sich nicht in vermeintliche " alte Wahrheiten" zu verbeissen, sondern immer schön opportunistisch zu bleiben - was funktioniert ist gut, was nicht funktioniert schlecht. Punkt!

Kommen wir zum Markt abseits der Indizes. EURUSD macht weiter im Text Richtung 1,15. Dieser mehrfach thematisierte Trade ist ein Volltreffer und abseits von Trades war es wichtig das zu sehen, weil es entsprechende Währungsabsicherungs-Geschäfte für grössere, in US Dollar exponierte Depots ermöglichte:

Die Volatilität ist in Form des VIX wieder auf dem Rückgang zu den Tiefs, interessant würde es nur, wenn das Gap nicht gefüllt würde und damit sozusagen ein "Island-Reversal" entstehen würde. Dafür müsste nun aber bald der letzte Mittwoch eine Fortsetzung bekommen, bisher ist davon nichts zu sehen:

Und der -> "Free Lunch" <- UVXY zeigt weiter einen bemerkenswerten Trend, aus dem man nach unten fast sichere Gewinne ziehen konnte:

Aber eben nur "fast" sicher, denn wenn dieser Trade mal irgendwann scheitert, weil die Vola zu steigen beginnt, wird er absolut katastrophal scheitern für alle, die hier die Vola aggressiv shorten. Aber dieser Tag ist nicht heute.

Ansonsten zuckt es heute merkbar bei Acacia Communications (ACIA), wenn sich das mal wirklich nach oben lösen kann, wird es wohl eine sehr aggressive Bewegung werden:

Gleiches gilt, weil der Sektor Optical Networks betroffen ist, dann natürlich auch für Oclaro (OCLR) und Applied Optoelectronics (AAOI), wobei Letztere als charttechnisches Gegenmodell zu ACIA einen formidablen Ausbruch generieren:

Bemerkenswert finde ich, dass trotz eines weiter über 50 USD steigenden Ölpreises, der Sektor ETF XLE im Minus notiert. Was lange wie eine bullische Flagge aussah, bei der man nur auf das Triggern warten musste, muss man nun in Frage stellen:

Wer immer noch an das Infrastruktur-Thema in den US glaubt, kann seinen Blick nun auch auf Blackstone (BX) richten, die heute massiv nach einer Meldung steigen, dass ein neuer grosser -> 40 Milliarden Infrastruktur Fonds <- aufgelegt wird:

Ja und dass Lockheed Martin (LMT) heute um 2% nach oben springt und der ganze Sektor stark ist, sollte nach dem Saudi-Deal Trumps nun wahrlich niemanden verwundern.

Viel wichtiger war die ganze, bullische Situation des Sektors zu erkennen und das haben wir ja schon vor Jahren. Vom Investitions-Gesichtspunkt, war das ein ganz massiver Volltreffer.

So weit für heute, bis Morgen!

Ihr Hari

PS:

Wir lesen ja heute -> wieder hier <- wie massiv George Soros gegen den SP500 wettet und bekommen erneut die Legende präsentiert, wie schlimm das ja alles wäre. Letzten August habe ich bei weit höheren Shorts von Soros (damals eine Milliarde) den folgenden Artikel im freien Bereich geschrieben. Lesen und geniessen Sie und dann lachen Sie in Zukunft jedes Mal wieder über den Mist, mit dem arme Anleger in den Medien in Angst und Schrecken versetzt werden: -> Worauf George Soros wirklich wettet <-

Selbst wenn jetzt die Korrektur kommen sollte, ist es immer noch Mist, denn wegen dieser Absicherungsgeschäfte kommt sie garantiert nicht.

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