Präsidentschaftswahl in den USA: Gibt es Auswirkungen auf den Aktienmarkt ?

Auch von den regelmässigen Beiträgen unserer mittlerweile -> 5 Kolumnisten <-, gibt es wie Sie wissen, ab und zu Auszüge im freien Bereich zu lesen.

Heute ist mal wieder "Tokay" an der Reihe, mit einer Betrachtung zu den Auswirkungen der US Präsidentschaftswahl auf den Aktienmarkt, die vor ein paar Tagen im Premium-Bereich erschienen ist.

Ich wünsche gute Erkenntnisse. Ihr Hari

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Kinder Morgan und Deutsche Post – Bullenmarkt oder Bärenmarkt?

Die breiten Indizes von S&P500 bis DAX, haben nun zum bisher besten Rebound-Versuch des Jahres angesetzt. Drei Tage hintereinander, ist der S&P500 nun gestiegen und auch der DAX hat mit der 9.300er Marke, einen ersten wichtigen Widerstand zurück erobert.

Natürlich kommen dann - das ist wie beim Murmeltier, das täglich grüsst - gleich die "grossen" Prognostiker aus ihren Ecken, die dann die "grossen Wende" ausrufen und wieder "Kaufkurse" schreien, wie sie das ja schon am Anfang des Jahres so treffend und punktgenau getan haben. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Oder andere, die Permabären, sind sich so etwas von sicher, dass es es immer weiter runter gehen *muss*, dass sie diesen ersten ernst zu nehmenden Rebound des Jahres, nun schon wieder Shorten, weil das "Endspiel" ja zwangsläufig begonnen hat und wir sowieso schon bald vor einer Währungsreform stehen.

Das kann alles sein und ich schliesse nichts aus, es hilft uns aber herzlich wenig. Und wer sich zu stark und verbohrt mit einer vermeintlich "sicheren" Zukunft verheiratet, hat nur eines garantiert: dass er im Markt keinen Erfolg haben kann. Denn der Markt ist immer in Bewegung und per Definitionem wetterwendisch.

Eine besonders absurde Form des Drangs etwas statisch zu definieren, was in Realität immmer in Bewegung ist, ist dabei der Versuch, einen Bullen- oder Bärenmarkt über absolute Prozentzahlen zu definieren.

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Alibaba und IPOs – Sinn oder Unsinn für Anleger?

Der folgende Beitrag erschien am 15.09.14 09:45 in Hari Live und wurde für den freien Bereich leicht angepasst, um den Kontext verständlich zu halten

Im Zusammenhang mit einem Kommentar zu Charly Mungers Interview in Sachen Buffett und Berkshire Hathaway, habe ich daran erinnert, dass sich die Wissenden gegenüber den Ahnungslosen dadurch auszeichnen, dass sie wissen, was sie *nicht* wissen. Dieser wichtige Punkt passt in meinen Augen sehr gut zum Thema Alibaba und Börsengängen generell.

Sie haben bisher hier auf Mr-Market nichts zum Börsengang von Alibaba gelesen. Ein Börsengang, der übrigens weniger ein Börsengang, als eine Kapitalerhöhung ist, denn Alibaba ist mit seinem Businessportal alibaba.com schon -> 2007 in Hongkong an die Börse gegangen <- und wurde aber -> 2012 wieder delisted <-. Formal war das natürlich eine andere rechtliche Einheit, dahinter stand aber auch damals Jack Ma und die Internet Plattform Alibaba. Von dieser Geschichte liest man aber nun nichts mehr, warum wohl? Die Antwort erscheint mir persönlich klar: rein - raus - wieder rein ist nicht wirklich vertrauenerweckend. 😉

Aber darüber will ich hier gar nicht schreiben, ich will eigentlich zu Alibaba gar nichts sagen. Ich will Ihnen aber erklären, warum Sie dazu hier auf Mr-Market nichts lesen und auch nicht zu anderen IPOs.

Der Grund ist ganz einfach, weil ich grundsätzlich *NIE* an IPOs teilnehme, sondern immer abwarte, was der Markt daraus macht, nachdem Lockup-Periode und Kurspflege durch die Investmentbanken ausgelaufen sind und sich erstmalig unbeeinflusste Kurse ergeben.

Wenn ich die drei wichtigsten Eigenschaften aufschreiben müsste, die man braucht um konsistent am Markt erfolgreich zu sein, wäre eine der drei Eigenschaften ganz eindeutig der Satz:

-> Man muss gnadenlos rational sein und nur dort agieren, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann, der die eigenen Chancen zumindest zu einem 51 zu 49 Verhältnis führt. Wo man diesen Vorteil rational nicht sehen kann, bleibt man konsequent und ohne Reue fern.

Und es gibt wohl kaum einen Moment bei Aktien, an dem man ein schlechteres Chance/Risiko Verhältnis hat, als bei einem IPO - und zwar egal bei welchem. Warum wird auch schnell klar, wenn man sich mal überlegt, wer sich da mit welcher Motivation gegenüber steht.

Einen IPO, verbunden mit der Last der öffentlichen Berichtspflichten, machen Altgesellschafter nur, wenn sie auf diese Art und Weise zu guten Konditionen aussteigen können und/oder sich Cash ins Unternehmen holen können, auf jeden Fall zu besseren Konditionen, als sie ohne IPO selber erzielen könnten.

Da das Unternehmen aber noch nicht öffentlich ist, wissen genau genommen nur die Altgesellschafter sicher, was im Unternehmen wirklich los ist und was es wert ist. Und ab welcher Schwelle ein IPO ein Premium erzeugen würde, das diesen aufwendigen Weg lohnend macht.

Neben den Altgesellschaftern stehen dann noch die Investmentbanken, die den IPO begleiten und befeuern. Diese kommen gerade dann an das Mandat, wenn sie den Altgesellschaftern versprechen können, dass sie den IPO zuverlässig durchbringen und einen besonders hohen Emissions-Preis erzielen können. Und die Investmentbanken sind auch oft so incentiviert, diesen hohen Preis zu erzielen.

Wir haben also auf der einen Seite zwei starke Kräfte, die genau wissen was im Unternehmen los ist und ein massives, wirtschaftliches Interesse haben, den Preis hoch zu treiben. Er darf zwar nicht so hoch gehen, dass gleich eine massiver Einbruch droht, das würde an der Reputation der Investmentbanken nagen, aber er darf und soll schon 10 oder 20 oder mehr Prozent über dem liegen, was die "Wissenden" dem Unternehmen eigentlich zubilligen, sonst würde man ja keinen IPO machen. Und um trotz eines überhöhten Emissionspreises dann den folgenden Einbruch zu verhindern, gibt es eben Lockup-Perioden und vor allem die Kurspflege der Investmentbanken, weswegen sich ernst zu nehmende Marktpreise erst dann entwickeln können, wenn beide ausgelaufen sind.

Und auf der anderen Seite haben wir die Schafe - Entschuldigung ich meinte natürlich die Investoren 😉 - die zur Tränke geführt werden müssen, aber gar nicht die Daten und Mittel haben, um zuverlässig den Wert des Unternehmens einzuschätzen, wie die auf der anderen Seite des Deals.

Und um die Investoren zur Tränke zu führen, wird natürlich massiv beworben, gute Stimmung gemacht usw. Und eben Themen wie 2007-2012 dezent unter dem Tisch deponiert. "Roadshow" nennt man das, in der die potentiellen Investoren vom Einstieg überzeugt werden sollen, man kann das also mit einer gewissen Logik auch eine "Verkaufsveranstaltung" nennen. 😉 Sicher, wer in den Roadshows sitzt, bekommt sicher tieferen Einblick und die institutionellen Investoren haben ganze Teams, die sich in die Zahlen zum IPO vergraben können. Aber trotzdem bleibt auch da immer noch eine Restunsicherheit, den man kann nur analysieren, was einem von den Altgesellschaftern auch gesagt und gezeigt wird.

Damit ist doch offensichtlich und klar, dass bei so einem Setup - so einem Ungleichgewicht zwischen den Wissenden im Unternehmen und denen, die ihnen ihr Kapital geben sollen - kein 50/50 Chancengleichgewicht existieren kann. Nein, so ein IPO ist strukturell immer eher ein 40/60 Szenario zu Gunsten der Altgesellschafter.

Das heisst nicht, dass nicht auch mal IPOs für die Anleger gut ausgehen können. Auch 40% treffen oft ein. Und es gibt auch IPOs, bei denen es den Altgesellschaftern nicht auf einen schnell Cash-Out, sondern wirklich auf langfristige Aktionäre ankommt und die deswegen auch beim Emissionspreis sehr fair und realistisch sind.

Aber der entscheidende Punkt ist der, den ich oben gemacht habe: es ist sonnenklar, dass wir als kleine Anleger hier keinen Edge haben können! Und deshalb halte ich mich von IPOs generell fern und warte ab, bis Mr. Market Monate später ein unbeeinflusstes Urteil fällt. Und habe keine Reue, wenn dann auch mal ein IPO gut läuft und ich etwas "verpasst" habe.

Denn erneut: Man ist dann erfolgreich, wenn man gnadenlos rational ist und nur dort agiert, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann! Bei IPOs aber kann das strukturell gar nicht der Fall sein.

Ihr Hari

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Ist Börse für Sie Entertainment ? Oder wollen Sie doch lieber Geld verdienen ?

Ich kenne Sie. Ja, genau Sie !

Sie sind doch dieser Anleger, für den Börse furchtbar unterhaltend ist. Denn in jedem Artikel, den man in den Medien aufschnappen kann, liegt ja auch die Chance für schnelle Gewinne - die potentielle Kursrakete eben. Das ist ein bischen wie bei der Schatzsuche, oder wie Warren Buffett manchmal sagt: man fühlt sich wie ein Kind im Süsswarenladen.

Und so lesen Sie diesen schönen Artikel in dem bekannten Anlegermagazin. Da ist eine Aktie, die gefällt Ihnen einfach emotional. Zum Beispiel weil sie Produkte herstellt, die Sie mögen oder weil Sie zu den "nachhaltigen" Aktien gehört und man sich einfach als guter Mensch dabei fühlen kann, in diese Aktie zu investieren.

Und dann werden in diesem Artikel ausschliesslich allerlei Argumente für diese Aktie aufgelistet. Natürlich im Konjunktiv mit "könnte", "würde" und "sollte", aber was ist schon der Konjunktiv - den kann man doch überlesen. 🙂

Und auch ein kurzer Blick auf Bewertungsparameter, lässt die Aktie auf den ersten Blick als fair bewertet erscheinen. Besonders attraktiv scheint die Aktie zu sein, weil sie furchtbar am Boden liegt und so eine "gute", "solide" Aktie, die muss doch einfach steigen. Oder ?

Das ist alles sehr unterhaltend und vor allem lässt es in Ihnen emotional etwas anklingen. Sie mögen diese Aktie einfach und Sie mögen den Gedanken, diese im Depot zu haben. Sie sehen schon die grossen Gewinne vor sich, die Sie dann auch noch mit "nachhaltig" gutem Gewissen einstreichen können. Das Ganze ist ein richtiges "Wohlfühl-Investment".

Und deshalb muss es jetzt schnell gehen. Sie müssen nun schnell kaufen, bevor es die anderen tun. Schliesslich habe Sie ja diesen Trüffel entdeckt. Nur Sie ! Das es in einem Magazin steht, das auch hunderttausend andere Leser lesen und einige auch vorab bekommen haben - geschenkt. Das ist Ihr Schatz ! Mein Schatz !! 😉

Und siehe da, die Aktie ist heute schon 1% im Plus ! Verflixt, die Gelegenheit läuft Ihnen weg ! Nun aber schnell rein, bevor die grosse Rally losgeht .....

So werden Sie Aktionär dieser Aktie. Und fühlen sich genau einen Tag gut dabei und wurden toll unterhalten. Genau einen Tag. Was danach kommt, ist eine ganz andere Geschichte. Am Ende werden Sie aber nicht reich geworden sein und die Aktie wird Sie enttäuscht haben. Sie sehen, ich kenne Sie. 😉

Was Sie aber nicht getan haben, sind all die Dinge, die nicht unterhaltend wären, sondern bittere Fleissarbeit und Zeitaufwand bedeuten würden.

  • Sie haben nicht nach all den negativen Argumenten gesucht, die es zu jeder Aktie gibt und die im Artikel ausgelassen wurden, um eine schön unterhaltende, konsistente Story zu produzieren.
  • Sie haben sich nicht mit der Branche als Ganzes beschäftigt und auch nicht Mitbewerber ins Auge genommen.
  • Sie haben sich nicht das Chart auf verschiedenen Zeitebene betrachtet und damit die Timing-Frage gestellt, ob unabhängig von dem prinzipiellen "Mögen" der Aktie, nun der richtige Zeitpunkt zum Einstieg ist.
  • Sie haben sich nicht bemüht, die Risiken zu bewerten und sich auch nicht schon vor dem Einstieg die Frage beantwortet, ab wann Sie denn die Reissleine ziehen würden.
  • Sie haben noch nicht einmal ernsthaft die Möglichkeit erwogen, dass es ja doch anders kommen könnte, als im Artikel hoffnungsvoll dargestellt.
  • Sie haben nicht in Fleissarbeit alle in der nahen Zukunft liegenden Termine identifiziert, die unmittelbaren Einfluss auf die Kursentwicklung nehmen werden.
  • Sie haben nicht diese oberflächlichen Parameter wie KGV und KBV hinterfragt und sich darum bemüht zu verstehen, welchen Trackrecord das Management des Unternehmens eigentlich hat.
  • Sie haben auch nicht geschaut, ob das Management nun selber als Insider Aktien gekauft oder verkauft hat und vor allem wann das Management dieses getan hat.

Ich könnte noch lange weiter machen, aber jetzt ist es gut.

Nein, Sie haben sich einfach unterhalten lassen, wurden von dem Artikel emotional positiv berührt und haben dem Zwang nachgegeben, hier schnell einsteigen zu müssen - ohne dafür einen echten Plan über den Moment hinaus zu haben. Ich sagte ja, ich kenne Sie. 🙂

Nach dieser Vorrede dürfte Ihnen klar sein, dass aus so einer Geldanlage nur mit grossem Glück etwas werden kann und in der Vergangenheit ist bei Ihnen aus diesen Anlagen auch höchst selten etwas geworden. Aber diese neue Aktie, die wird es reissen, davon sind Sie überzeugt. Dieses mal wird alles anders.....

Wirklich ?

Alles anders wird erst, wenn Sie anfangen zu verstehen, dass Börsenerfolg nichts mit Entertainment zu tun hat. Es ist harte Arbeit, erfordert Intellekt, Zeit und viel Disziplin. Man muss immer wieder diszipliniert Dinge tun, die keineswegs "Fun" sind, sondern Knochenarbeit am Detail. Wäre es anders, könnten es ja alle.

Dabei sagt niemand, dass Börse nicht "auch" unterhaltend sein darf. Doch das ist sie, Börse ist auch unterhaltend - sehr sogar. Dabei liegt aber die Betonung auf dem Wörtchen "auch". Erst die Arbeit und dann das Vergnügen, lautet das Motto !

Wenn Sie weiter wie eine Biene summend und naschend von Blüte zu Blüte fliegen wollen, ohne sich mal ernsthaft zu setzen und nachzudenken, dann tun Sie das, wenn es Sie glücklich macht. Dann ist aber der Premium-Bereich von Mr-Market für Sie der falsche Ort.

Wenn Ihnen aber der Gewinn im Depot wichtger als das Entertainment ist und Sie bereit sind, dafür auch Zeit und Energie aufzuwenden, dann suchen Sie sich einen Ort, an dem die Substanz im Vordergrund steht und nicht der mediale Schein.

Sagen Sie mir aber hinterher nie, ich hätte Ihnen etwas anderes als "Blut, Schweiss und Tränen" versprochen. 😉

Denn Börsenerfolg ist das Ergebnis von viel gedanklichem Schweiss, jeder Menge Disziplin und der Beschäftigung mit der eigenen Psychologie. Alles andere ist Entertainment. Entertainment ist toll, es füllt aber nicht das Depot.

Ihr Hari

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DAX-Betrachtung: Bleibt alles anders

DAX-Betrachtung: Bleibt alles anders

Ein Gastkommentar von Tokay

Der seit der Doppelkrise vom Sommer 2011(Eurokrise, Fiscal Cliff in den USA) laufende Bullenmarkt besteht weiterhin fort. Naturgemäß wird nun vermehrt die Frage gestellt, wie lange die Sache noch gut gehen könne. Einerseits steht das Thema „DAX 10000“ einmal mehr auf der Agenda, auf der anderen Seite machen diverse Crash-Szenarien die Runde, was dann mit der Höhe der Börsenkredite oder den Aktivitäten der einschlägigen Gurus(George Soros, Warren Buffett) begründet wird.

Schauen wir uns dazu das nachfolgende Langfristchart an. Der Bullenmarkt wird nach wie vor durch zwei große Linien geprägt:

  • einmal durch die Linie DE, die die obere Begrenzung des seit 2009 gültigen Aufwärtstrends markiert;
  • dann durch die Linie ABC, die die untere Begrenzung des seit 2011 gültigen Aufwärtstrends bezeichnet;
  • relevant ist außerdem die „innere Linie“(fein gestrichelt), die ein Maximum an Hoch- und Tiefpunkten seit 2009 miteinander verbindet und daher den mittleren Trend seit 2009 am besten wiedergibt.

DAX 21.02.14

Wir erkennen, dass der DAX momentan ziemlich deutlich nach oben gelaufen ist, ohne dass man aber von einem „überhitzten“ Zustand sprechen kann. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der DAX setzt seinen Anstieg entlang der oberen langfristigen Begrenzungslinie DE fort mit dem Ziel 10700 Punkte oder er sinkt weiter ab bis zur Untergrenze des 2011er Trends, der ABC-Linie. Diese liegt derzeit bei ca. 9100 Punkten.

Bei letzterer wiederum gibt es zwei Alternativen: Anstieg entlang der Linie ABC(Ziel wären auch hier wieder die 10700 Punkte) oder weiteres Absinken bis zur „inneren Linie“, welche derzeit bei ca. 8750 Punkten markiert. Bis hierhin könnten die Kurse fallen, ohne dass man von einem Ende des Bullenmarktes sprechen müsste. Wird diese Grenze allerdings unterschritten, wird es kritisch. Wichtig jedoch ist vor allem, dass Rückgänge vom heutigen Niveau aus vorerst nur als Korrekturen zu betrachten sind.

Tritt keine dieser Möglichkeiten ein, sollten die Kurse weiter nach oben laufen. Die gezeigten Linien hätten dann bis spät ins Jahr 2014 hinein Bestand, sollten sie nicht vorher invalide werden. Erst bei Punkt F bzw. bei 10500 Punkten, würde eine Entscheidung darüber fallen, ob die Kurse weiter entlang der ABC-Linie steigen oder ob sie sich dann endgültig Richtung „innere Linie“ oder Richtung untere Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrends zurückentwickeln. Jedoch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Die Kursanstiege seit 2011, das wissen wir, beruhen vor allem auf der expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Der Markt agiert nicht gegen die Notenbank. Da die Unternehmensgewinne weniger stark gestiegen sind, sind vor allem die Bewertungen der Unternehmen gestiegen. Das war auch möglich aufgrund deren verbesserter Perspektiven. Somit müsste es zu weiteren Kursanstiegen kommen, sofern die oben genannten Gründe auch in diesem Jahr überwiegend fortbestehen.

Da Zinsen und Gewinne sich nicht sehr stark ändern dürften, gibt es wenig Anhaltspunkte für eine massive Überbewertung, um das mindeste zu sagen. Auch liegen die Bewertungen kaum über denen früherer Jahre, so dass wenig Anlass für eine „Mean Reversion“ besteht. Unter Druck dürften die Kurse allerdings dann kommen, wenn das Fed früher oder entschiedener als erwartet zu einer Politik der Zinserhöhungen überginge oder wenn die Gewinndynamik der Unternehmen entschieden nachließe. Dann kämen nicht nur die Kurse an den US-Börsen unter Druck, sondern auch bei uns. Aber solange die Rahmenbedingungen so bleiben wie bislang, sollten die Kurse weiterhin ansteigen. Der Markt antizipiert im Moment noch dieses positive Szenario. Wir wissen allerdings, wie schnell sich die Meinung des Marktes ändern kann.

Tokay

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Warum das Denken in Strukturen und Setups, für den Börsenerfolg so wichtig ist !

Bedingt durch viele neue Leser, muss ich auch unbedingt noch einmal das Prinzip der "Setups" in den Vordergrund rücken. Es wurde hier dazu schon viel geschrieben und im Premium-Bereich sind individuelle Setups jeden Tag Thema der Community.

Eigentlich sind Setups ja eine Trivialität. Denn es ist nur ein Name für den Umstand, dass man bei einer Position im Markt einen Plan hat, das man also weiss, wohin man will, warum man eingestiegen ist und wann man die Reissleine zieht.

Eigentlich trivial. Wir alle aber wissen, wie wenig trivial das ist, denn wie oft haben wir schon nicht so agiert ? Im Gegenteil, ich behaupte, bei der Mehrzahl der privaten Anleger sind genau diese Basics nicht vorhanden.

Eine Anlage am Aktienmarkt sieht da eher so aus, dass man irgend einen Artikel liest, der einem total gefällt. Typischerweise ist das dann ein Artikel, der den sowieso schon bei einem vorhandenen Bias bestätigt, sonst würde der Artikel nicht so gefallen.

Nun fühlt man sich "überzeugt", wenn man böse sein will, wurde man nun "gläubig". Von dem Moment an, verspürt man den Drang einzusteigen, weil wenn sich der Kurs sowieso in diese Richtung bewegen "muss", denn dann könnte man ja was verpassen, wenn man jetzt nicht schnell ist ....

Also kauft man kurz danach. Man atmet durch und fühlt sich einen Tag wie "Warren Buffet". Alles ist gut, das war ja "Value". Und dann beginnt das Drama ..... 😉

Sie werden lachen, das ist aber zu oft die Realität. Engagements im Markt werden eingegangen ohne Plan, ohne objektiven Anlass es gerade jetzt zu tun, ohne klare Zielvorstellung, ohne Exit-Szenario.

In dem Sie sich zwingen, alle Ihre Handlungen nur noch nach dem Prinzip "Setup" durchzuführen, erzeugen Sie für sich selber ein Korsett, das Sie zu rationalem und kontrolliertem Handeln zwingt.

Zwingen Sie sich also zu den folgenden Schritten:

(1) Begründung im Chart !

Wenn Sie eine Position eingehen, sollten Sie anhand des Charts begründen können, warum Sie es gerade jetzt tun. Das Chart bildet die gesamte Historie ab, das gesamte Wissen aller Marktteilnehmer um diese Aktie. Wenn Sie Ihren Einstieg also nicht anhand des Charts begründen können, woran denn dann ? Sind Sie der einzige auf der Welt mit einer Glaskugel oder bilden sich das ein ?

Und betrügen Sie sich nicht selber mit vermeintlich fundamentalen Parametern. Diese sind ja bekannt und auch im Kurs. Sie sind nicht der einzige, der diese Parameter sieht und weil diese sind wie sie sind, ist der Kurs da wo er ist. Und auch die Erwartung, die Sie an die Zukunft haben, haben Sie - ausser wenn Sie echter Insider sind - nicht als Einziger im Markt. Sie haben das doch in einem Artikel gelesen oder ? Also ist das schon im Kurs.

Zwingen Sie sich also dazu, Ihren Einstieg im Chart begründen zu können. Und den Beweis können Sie dann am Besten antreten, wenn Sie das aufschreiben und ideal anderen erklären können, so wie viele Leser und ich das hier in der Mr-Market Community machen. Denn der Zwang aufzuschreiben, fokussiert die Gedanken. Es war schon immer so, wenn man gezwungen ist anderen zu erklären, merkt man schnell, wo die Schwächen der eigenen Argumentation sind.

Und da wir hier alle dicke Gewinne im Depot haben wollen, sollten wir ein Eigeninteresse daran haben, unsere Schwächen aufzudecken. Unser Ego sollten wir woanders pflegen, nicht aber an der Börse.

(2) Ziel und Ausstieg !

Wer einen Gipfel erreichen will, muss wissen in welche Richtung der Weg geht und auf welcher Höhe der Gipfel liegt. Und er muss auch den Ab- bzw Ausstieg kennen. Insbesondere wenn auf dem Weg zum Gipfel ein überraschendes Unwetter aufkommt, sollte man nicht stur weiter aufwärts steigen, sondern wissen, wie man schnell wieder ins Tal kommt.

Und so müssen Sie bei jeder neuen Position unbedingt wissen, wann Sie die Gewinne mitnehmen wollen und wann Sie die Not-Reissleine ziehen. Das nicht vorher zu definieren - und aufzuschreiben - ist grob fahrlässig. Und an der Börse gleichbedeutend mit dem Hang zum Masochismus.

(3) Execution !

Der schönste Plan nützt aber nichts, wenn Sie sich nicht daran halten ! Verfolgen Sie also Ihre Positionen und halten Sie sich an Ihre Parameter. Und da man dann am diszipliniertesten einem Plan folgt, wenn er einem vor Augen steht, sollten Sie Ihren Plan unbedingt aufschreiben.

(4) Nachbearbeitung

Das Schöne daran seine Setups zu dokumentieren ist, dass man hinterher noch einmal schauen kann, was man richtig und falsch gemacht hat. Und daraus lernen kann. Denn Lernen ist ein iterativer Prozess und welchen besseren Input wollen Sie dazu finden, als die Dokumentation Ihrer eigenen Erfolge und Misserfolge ? Nur wer aus Fehlern lernt, kann sich weiter entwickeln. Wer sich dem verweigert, ist dazu verdammt, die gleichen Qualen immer wieder zu erleiden. Wir hier auf Mr-Market, sollten dazu eigentlich zu intelligent sein.

Genau das also, diese vier Schritte, sind ein "Setup". Sie haben eine Situation im Markt identifiziert, die Ihnen potentiell profitabel erscheint. Sie definieren Ziel, Exit und Zeithorizont und dann legen Sie diszipliniert los und ziehen den Plan durch. Eigentlich trivial oder ? Warum tun es dann so viele nicht ? 😉

Und dieses Prinzip ist universell und gilt für kurzfristige Intraday-Trades, ebenso wie für langjährige Investments. Wenn es eine langfristige Position ist, kontrollieren Sie die Situation halt nicht jede Stunde, sondern vielleicht einmal die Woche. Und haben wesentlich weiter definierte Exit-Punkte. Das Prinzip ist aber das Gleiche.

Ich kann es nur immer wie eine Gebetsmühle wiederholen: sich selber in so ein Korsett zu zwingen, ist immens wichtig für Ihren Erfolg. Sie drängen damit nämlich das "Affengehirn" zurück, das Teil von uns allen ist. Ich habe es schon oft gesagt, ich kenne keinen - ich wiederhole keinen! - Trader oder Anleger, der langfristigen Erfolg ohne einen systematischen Ansatz erreichen konnte. Bauchentscheidungen erzeugen Glückstreffer, aber keinen dauerhaften Erfolg !

Und dieses Prinzip versuche ich Ihnen hier im Blog daher immer wieder nahe zu bringen. Und ich freue mich sehr über die Erfolge, die viele Mitglieder der Community mittlerweile erzielen, nachdem sie sich von Adhoc Entscheidungen aus dem Bauch heraus verabschiedet haben und einen systematischeren Ansatz verfolgen.

Ihr Hari

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Bernanke reloaded ? – S&P500 on stairway to heaven ?

Déjà-vu ! Da sind wir also wieder, wo wir seit November 2012 dank Ben Bernanke schon so oft waren. Denn es läuft immer gleich:

Der Markt steigt und ist auf Höchstständen. Dann kommt etwas Sorge hinein, dass es dieses mal "der" ultimative Top sein könnte. Auslöser für die Sorge kann alles mögliche sein, das ist letztlich egal. Denn das Ergebnis ist auch immer klar, um an ein Bonmot aus dem Fussball anzuknüpfen:

"Börse ist ein einfaches Spiel, tausende kluge Leute wetten auf die Kurse, und am Ende gewinnt immer die FED." 😉

Wir haben diese V-förmigen Wende durch Einfluss der FED jetzt seit dem November 2012 - als Bernanke seinen Stimulus auf 85 Milliarden pro Monat hochdrehte - geschlagene 5 mal immer identisch erlebt. Langsam sind wir alle wie pawlowsche Hunde darauf progammiert. Eine V-förmige Wende, wie es sie in den prähistorischen "Vor-Fed-Zeiten", also sozusagen in der Steinzeit der Börsen, höchst selten gegeben hat.

Schauen Sie doch einfach mal auf das Chart des weltweiten Leitindex S&P500 mit Tageskerzen:

S&P500 20.09.13

Beeindruckend dieser Trend oder ? Mit perfekter Zyklizität kommen diese V-Wenden, weswegen nun wahrscheinlich alle, inklusive Joe Sixpack und Max Müller, genau auf das identische Muster wetten werden. Was 5 mal klappt, wird doch auch 6 mal klappen, oder ? Und die Wahrheit ist: ja, die Wahrscheinlichkeit dafür ist ziemlich gross.

Und jetzt berücksichtigen Sie bitte, dass genau dieser Bernanke gerade hat verlauten lassen, dass sich die FED noch nicht traut, einen Abbau des Stimulus zu beginnen, weil die ökonomischen Daten noch zu schlecht seien.

Hallo ? Hatte Börse nicht früher - Sie wissen schon, in der Börsen-Steinzeit - genau mal was mit ökonomischen Daten zu tun ? Warum steigen die Börsen und steigen, wenn die ökonomische Entwicklung nach Ansicht der Notenbanken nicht ausreichend ist ? Wie passt dieses Chart mit der wirtschaftlichen Realität auch in den USA zusammen ?

Die Antwort ist offensichtlich: gar nicht. Das ist ein Markt auf Steroiden. Steroide, die vom Dealer "Notenbank" ausgegeben werden. Und alle fragen sich: kann das ewig so weiter gehen ?

Nein, natürlich nicht. Mit jedem weiteren Schub wird das böse Ende nur härter. Stellen Sie sich nun mal vor, die FED würde den Stimulus nun wegnehmen. Dann würden Sie aber einen Luftballon platzen hören ! Die Reaktionen auf vage Andeutungen eines Tapering waren ja schon ein Vorgeschmack und dieses Chart zeigt auch klar, was dann der S&P500 machen würde: zurück auf Los ! Was wohl kaum wirklich schlimm wäre, die 1350 von November 2012 spiegeln viel eher die wirtschaftliche Realität wieder und sind immer noch historisch gesehen "gute" Kurse.

Nur was nützt uns dieses Wissen ? Gar nichts, denn bis es so weit ist, kann der Markt noch 5 weitere solcher V-förmigen Rebounds vollziehen und bei 2000 stehen. Und bis dahin können noch Jahre vergehen. Es nützt einfach nichts zu wissen, dass es "irgendwann" mal ein böses Ende nimmt. Will man in der Gegenwart Geld verdienen, muss man mit dem Trend gehen, solange er existiert. Und der Trend ist offensichtlich - bis er irgendwann überraschend bricht. Vielleicht ist dieser Tag schon bald, vielleicht auch erst 2015 - wir wissen es nicht.

Übrigens habe ich bewusst die beiden blauen Kreise eingezeichnet. Sehen Sie die perfekte Parallelität der Bewegungen aus dem April Boden und aus dem August Boden heraus ? Selbst die kleinen Korrekturzonen sind identisch.

Was wir da sehen ist eine klassische 1-2-3-4-5 Bewegung im Aufwärtstrend, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass wir gerade in Konsolidierung 4 sind und uns der finale Schub dieses Zyklus noch bevor steht, bevor dann eine Korrektur einsetzt. Aber das nur am Rande.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob diese Entwicklung sich durch die/den neuen FED Chef ändern würde, habe ich einen vielleicht überraschenden Gedanken für Sie:

Wer hat den gesagt, dass Bernanke gehen will ? Er selber nie und ich bin sicher, er will bleiben und seine Strategie zu Ende bringen und so in die Geschichtsbücher der grössten Notenbankchefs aller Zeiten eingehen. Nein, es war Obama der einen anderen Kandidaten wollte. Und es war Obama, der die Andeutungen zum Ende der Amtszeit von Bernanke machte.

Dieser andere Kandidat mit Namen Larry Summers wurde Obama nun aber aus der Hand geschlagen. Und was bringt es Obama nun, Bernanke gegen Janet Yellen auszutauschen, die nicht nur eine identische Strategie wie Bernanke verfolgen dürfte, sondern mit der - nach dem was man hört - Obama ebenso wenig klar zu kommen scheint, wie mit Bernanke und vielen anderen Persönlichkeiten.

Vor diesem Hintergrund habe ich mit grosser Aufmerksamkeit die gestrige Bemerkung unseres weisen Freundes Warren Buffet gelesen, der bekanntermaßen einen exzellenten Draht zu Mr. Obama hat: -> Buffet says Bernanke should stay <-.

Mit so etwas wagt sich der gute Warren nur dann öffentlich heraus, wenn die Frage tatsächlich auf der Agenda steht, so viel ist klar. Erstaunlich, dass es noch niemand auf dem Radar zu haben scheint, dass Bernanke vielleicht eine weitere Amtszeit bekommt. Mit Buffets Äusserung hat das für mich eine gute Wahrscheinlichkeit bekommen. Und den überraschenden Verzicht auf jedes Tapering gestern, kann man auch als Bewerbungsschreiben interpretieren, wenn man will.

Und was würde der Markt machen, wenn er hört, dass der gute Helikopter Ben bleibt ? Er würde es lieben, weil der Markt liebt Beständigkeit, zumal wenn diese Beständigkeit immer neue leckere Würstchen zum Fressen gibt. Womit wir bei Phase 5 der aktuellen Aufwärtsbewegung wären und der Kreis sich schliesst.

Schauen wir also mal, ob der alte, weise und gut vernetzte Mann mal wieder was hat läuten hören und der ewige Ben uns vielleicht erhalten bleibt. Und ob der Markt auf einer ewigen Leiter bis in den Himmel klettert.

In diesem Sinne wünsche ich weiter viel Spass dabei, gegen die FED zu wetten, wir sehen uns dann in der Suppenküche ! 😯

Ihr Hari

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Verwobene Schicksale: Kleinfeld zu Linde ? Reitzle zu Siemens ? Cromme ?

Vielleicht liegt es daran, dass ich selber mal Chef eines - wenn auch nur mittelgrossen - Unternehmens war. Vielleicht liegt es daran, dass mir bewusst ist, welchen Unterschied eine einzelne Person an der richtigen Stelle machen kann.

Aber was auch immer der Grund ist, ich schaue bei meinen langfristigen Investments ganz genau auf das Topmanagement in Vorstand und Aufsichtsrat. Genau genommen ist das neben dem Geschäftsmodell sogar mein Hauptkriterium, nachdem ich die für mich "guten" von den "schlechten" Unternehmen trenne, wenn ich über ein längeres Investment abseits von reiner Markttechnik nachdenke.

Um so ärgerlicher finde ich es immer wieder - und auch das wissen Sie aus diversen Wutreden hier im Blog - wenn den Anlegern das sture Starren auf so zweifelhafte Indikatoren wie Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als "Value Investing" verkauft wird. Ich erinnere insbesondere an den Artikel -> Vom Irrsinn des IFRS oder warum der Buchwert kaum Aussagekraft mehr hat <- den Sie unbedingt mal lesen sollten, falls Sie das noch nicht getan haben.

Und richtig sauer werde ich, wenn dann immer wieder der ehrenwerte Warren Buffet als Testimonial für diese intellektuell äusserst dürftige Indikatorenlogik vereinnahmt wird, obwohl der sich gar nicht dagegen wehren kann. Der Verdacht, dass hier Menschen etwas verkauft werden soll ist für mich naheliegend.

Denn eines ist klar, wer sich mit Buffet beschäftigt hat weiss, welche immense Bedeutung er immer dem Management beigemessen hat. Es ist nicht übertrieben zu sagen, Buffet hat bei all seinen grossen Investments eigentlich immer eine persönliche Beziehung und persönliche Eindrücke vom Management aufgebaut. Und nur wenn er zutiefst von deren Fähigkeiten überzeugt war, setzte er seine Gelder in Gang. Es gibt wohl nur wenige Investoren, die dem Management so hohe Bedeutung zumessen wie Buffet.

Womit wir auch für unsere Investments bei dem zentralen Thema Management sind. Und nun wissen Sie ja, dass es da in Form der Linde (WKN 648300) ein Unternehmen gibt, dass ich hinsichtlich seines Geschäftsmodells für eine Perle halte und dem noch einiges zuzutrauen ist. Zu verdanken ist diese tolle Entwicklung unter anderem dem CEO Wolfgang Reitzle. Ich möchte zu ihm einfach aus einem ein Jahr alten Artikel hier auf Mr-Market.de zitieren:

"Seit 2003 verantwortet Wolfgang Reitzle das Geschäft als CEO. Er ist der lebende Beweis, dass man kein Fachmann sein muss, um als Top-Manager Erfolg zu haben. Denn als Reitzle von Jaguar, Aston Martin & Co. 2002 zu Linde kam, wusste er von Industriegasen vermutlich auch nicht sehr viel mehr als ich jetzt – nämlich fast nichts. Was er aber danach aus Linde gemacht hat, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab. Und “nebenher” hat er seit 2009 als Aufsichtsratchef massgeblichen Anteil daran, dass das Desaster rund um Schaeffler und Continental geräuschlos bereinigt wurde. Einer der heissesten Jobs die Deutschland damals zu vergeben hatte. Bravo kann ich da nur sagen !"

Und wir wissen, dass es in Form von Siemens (WKN 723610) da ein Unternehmen gibt, dass man als Urgestein der deutschen Unternehmen bezeichnen kann, fast ein Synonym für Deutschland. Und diese Siemens schwankt jetzt seit Jahrzehnten zwischen schweren Krise - wie zuletzt in der Korruptionsaffäre - und einer eher grauen Realität, in der es gerade mal so einigermassen läuft. Nur eine Phase des Aufbruchs, eine Phase in der Siemens von Erfolg zu Erfolg eilt wie nun Linde seit Jahren, so eine Phase hat es bei Siemens schon sehr, sehr lange nicht mehr gegeben.

Und auch die Börse sieht das natürlich so, vergleichen Sie mal die Kurse von Siemens und Linde in den letzten 10 Jahren. Und dann fragen Sie sich, was - oder genauer gesagt wer - da den Unterschied macht. Oder will jemand ernsthaft behaupten, die Mitarbeiter bei Siemens seien perse dümmer oder weniger engagiert als bei Linde ? Wohl kaum, das sind sie bestimmt nicht ! Auch wenn das Geschäftsmodell unterschiedlich ist, ist der Vergleich trotzdem frappierend und beides sind klassische Industrieunternehmen. Und auch gegenüber den direkten Mitbewerbern General Electric und ABB sieht Siemens für mich nicht mehr überzeugend aus.

Und dann haben wir da noch Klaus Kleinfeld und den Aluminium Konzern Alcoa (WKN 850206), um das Triumvirat der verwobenen Schicksale zu vollenden. Klaus Kleinfeld hat sich in den USA nun grosse Reputation erworben, denn unter ihm kommt Alcoa besser durch die Krise als viele der Mitbewerber. Und Klaus Kleinfeld ist nach meiner persönlichen Einschätzung wohl nur aus einem Grund bei Alcoa, weil er damals als Siemens Chef von Gerhard Cromme heraus gedrängt wurde, obwohl Kleinfeld mit der Korruptionsaffäre nichts zu tun hatte und ihm auch bis heute nie jemand etwas Konkretes vorwerfen konnte. Lesen Sie auch -> hier <- einen alten Artikel aus der Zeit bevor Kleinfeld zu Alcoa wechselte. In meinen Augen war Klaus Kleinfeld der beste Siemens CEO, den das Unternehmen seit langem hatte und vieles was sein Nachfolger Löscher als Erfolg verbuchen konnte, basierte auf grundlegenden Entscheidungen, die noch Kleinfeld veranlasst hatte.

Irgendwie sind diese drei Schicksale also miteinander verwoben. Und um den Kreis zu schliessen, seien die lange wabernden Gerüchte erwähnt, nach denen Reitzle 2007 auf dem Höhepunkt der Krise Chef bei Siemens werden sollte. An solchen Gerüchten ist oft etwas dran, denn wenn es Unsinn ist, könnte es auch sofort hart dementiert werden. Es ist also zu vermuten, dass es damals Sondierungsgespräche gegeben hatte. Lesen Sie -> hier <-. Reitzle sagte ab, warum überlasse ich Ihrer Phantasie.

Nun wird der heute 64-jährige Reitzle im Frühjahr 2014 als Linde CEO abtreten. Nach dem was man liest, wäre er wohl auf den Chefposten im Aufsichtsrat gewechselt, alleine die "Abkühlphase" des Corporate Governance Kodex verhindert das, ein Kodex an dem der "Meister" sauberer -> Governance <-, Gerhard Cromme, in der Vergangenheit als Chef der Kommission massgeblich mitgewirkt hat.

Womit sich zwei wichtige Fragen stellen: erstens wer folgt Wolfgang Reitzle nach und zweitens wo engagiert sich Reitzle in der Zukunft ?

Vielleicht ahnen Sie jetzt worauf ich hinaus will. Deutschland sollte ein Interesse daran haben, seine besten Manager an der Spitze seiner Topunternehmen zu haben. Und ein Klaus Kleinfeld als Nachfolger von Wolfgang Reitzle bei Linde wäre in meinen Augen eine Idealbesetzung. Ob der in Amerika angekommene - und von seinem jugendlichen Drang her dort auch viel besser hinpassende - Kleinfeld das will, weiss ich nicht. Aber ein Ortswechsel wäre vielleicht gar nicht mal nötig, denn Linde hat durch die Lincare Übernahme ja nun auch in den US ein dickes Standbein und verdient abgesehen davon auch massiv am "Shale Gas" Boom mit.

Und Reitzle ? Nun ich bin mir ziemlich sicher - ohne das ich das belegen kann - dass ihn der Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens reizen würde, wenn ihm das angedient würde. Denn wen würde das nicht reizen ? Mit Reitzle würde bei Siemens auch frischer Wind wehen und die Chance bestehen, einen neuen, dynamischen "Kleinfeld" an die Spitze des Unternehmens zu bekommen.

Nur steht dem ein Mann im Weg, Gerhard Cromme. Verwobene Schicksale - wissen Sie jetzt was ich meine ? Nach seinem Abgang bei Thyssenkrupp dürfte Gerhard Cromme in meinen Augen nur schwer von Siemens zu lösen sein, zumal der aktuelle Siemens CEO Peter Löscher ihm ja wohl seinen Posten verdankt. Ich vermute so ist auch die Nachricht zu werten, dass Wolfgang Reitzle nun Verwaltungsratpräsident beim schweizer Zementhersteller Holcim wird - sehen Sie -> hier <-.

Einer unserer besten Manager Verwaltungsrat in Zement ? Nichts gegen Zement, aber ich finde Wolfgang Reitzle kann an anderer Stelle von grösserer Bedeutung für unsere industrielle Basis sein. Ich finde es zutiefst schade, um nicht zu sagen traurig, dass wir unsere besten Manager nicht auf die wirklich wichtigen Rollen hieven können.

Und welchen Unterschied ein gutes oder schlechtes Management macht, kann man nicht nur am Chart von Linde, sondern auch an dem 10-Jahres-Chart von Siemens und Thyssenkrupp bewundern. Und ich frage erneut: sind die Mitarbeiter in diesen Unternehmen unfähiger oder weniger engagiert ? Wohl kaum.

So bleibt mir nur, ein bisschen zu träumen. Kleinfeld zu Linde, Reitzle zu Siemens und Cromme weg .... das wäre für mich ein Paket, das ich lieben würde. Und dann könnte ich auch der Siemens Aktie mal wieder näher treten, was im Moment für mich kein Thema ist.

It´s the management stupid ! 😉

Ihr Hari

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Zur Marktkapitalisierung – warum ich Pennystocks nicht anfasse

Anmerkung: Dieser Artikel zu Pennystocks und Marktkapitalisierung erschien schon vor einem guten Jahr am 13.03.2012. Er ist aber sehr grundsätzlicher Natur und es dürften ihn viele nicht gesehen haben. Daher erlaube ich mir, ihn nach einem Jahr erneut hochzuschieben, in der Hoffnung er möge mehr Leser finden.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick geben, wie und warum das Kriterium der Marktkapitalisierung in meine Entscheidungen einfliesst.

Zunächst einmal muss ich dabei auf ein Grundgesetz der Börsen-Anlage hinweisen. Im Lichte einer prinzipiell unbestimmten Zukunft, stehen wir mit unseren Entscheidungen immer im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern um zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Denn wenn alle anderen einen wichtigen Sachverhalt schon begriffen haben, wir aber als einzige noch nicht, dann sind die anderen alle schon positioniert und uns bleibt nichts übrig als hinterher zu rennen, was dann mit Verlusten endet.
Umgedreht, wenn wir wie ein Insider Zukunfts-Wissen haben, das die anderen noch nicht besitzen, haben wir einen entscheidenden Vorteil (Edge), den wir leicht zu hohen Gewinnen umformen können.

Bei jeder kurz- und mittelfristigen Anlage ist also die Frage wichtig, ob wir tatsächlich "mehr" wissen oder die Zukunft besser einschätzen können, als die anderen Marktteilnehmer. Wenn wir diese Frage nicht beantworten können, sollten wir uns keiner Illusion hingeben - wir können dann auch einmal Zufallstreffer landen, über die Zeit werden wir aber nicht in der Lage sein den Markt zu schlagen und wären dann mit einem Index-ETF wahrscheinlich besser beraten.

Und wenn sich ein derartiger Informationsvorsprung jetzt als fast unmöglich anhört, er ist es nicht. Er hat aber immer mit Fleiss und Informationsverarbeitung zu tun. Und es gibt unzählige Wege sich so einen Vorteil zu verschaffen. So schafft es der rein technische Trader zum Beispiel, in dem er sich auf wenige Titel beschränkt und bei diesen spezialisiert. Nach einiger Zeit kennt er die typischen Bewegungen und Muster des Titels so gut, dass alleine das einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern darstellt. Und ein Warren Buffet hat sich in seine Investitionen immer im Vorfeld so hinein gewühlt, dass er das Unternehmen manchmal besser als das Management selber verstand.

Ein ganz entscheidender Faktor in diesem Spiel ist dabei die Informationsversorgung. Wie kann ich denn zum Beispiel glauben, ich hätte bei einer chinesischen Aktie einen Vorteil gegenüber Millionen anderen Marktteilnehmern, wenn ich die Sprache nicht spreche und daher die Mehrzahl der Medienberichte gar nicht mitbekomme, von kulturellem Unverständnis ganz zu schweigen. Und dann erscheint einmal im Jahr in einer Anlegerpostille ein Jubelbericht zu der Aktie und nun bilde ich mir in meiner Selbstüberschätzung ein, ich hätte deswegen einen Vorteil ?

Nein, damit ist man eher die Sau die sich freiwillig zur Schlachtbank bewegt. Er vor kurzem berichtete die Wirtschaftswoche von aktuellen Ermittlungen (endlich!) der Münchener Staatsanwaltschaft gegen einen Ring von Aktien-Pushern, dabei wird laut Presse auch gegen einen ehemaligen Redakteur von Focus-Money ermittelt, der dort in der Vergangenheit viele "heisse" Aktientips zum besten gegeben hat.

Informationsversorgung ist also ein ganz entscheidendes Kriterium für Erfolg an den Märkten. Und das gilt sogar für den rein technisch agierenden Daytrader, denn auch der muss wissen um wieviel Uhr seine Aktie die Bilanzpressekonferenz macht und wie die Markterwartungen sind. Und wer über Wochen oder Monate Aktien halten will, kommt um ein grundlegendes Wissen um die "Mechanismen" des Geschäftes der Aktie nicht herum.

Und genau hier, bei der Informationsversorgung, kommt unter anderem die Marktkapitalisierung ins Spiel. Dabei gibt es mehrere Parameter die es zu beachten gilt:

Sprache: nur wenn man die Sprache spricht in der das Unternehmen die Informationen heraus gibt, hat man die Chance an ungefilterte Informationen zu gelangen. Bei mir sind das Deutsch und Englisch die ich fliessend spreche und verstehe. Das schränkt meine ideale Zone auf den deutsch und englischsprachigen Raum ein.

Kulturelle Nähe: um eine Nachricht einschätzen zu können, muss man auch den kulturellen Kontext verstehen, da wichtige Schlussfolgerungen oft zwischen den Zeilen gezogen werden. Hier ist mir die "westliche Welt" nahe, darüber hinaus fehlt es mir an ausreichender Kompetenz aus eigener Erfahrung.

Darüber hinaus kann auch räumliche Nähe zur Aktie von Vorteil sein. Wenn ich von grossen Investitionsplänen eines Konzerns in Brasilien lese, kann ich mangels kultureller Nähe dazu nur die Schultern zucken. Wird diese Investition aber hier in Bayern geplant, weiss ich genau wie stark mit Gegenwehr von Bürgerbewegungen etc. zu rechnen ist und wie die lokale Situation wirklich aussieht. Das verschafft mir einen Vorteil gegenüber anderen Anlegern in der Welt.

Grösse: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr andere Marktteilnehmer beschäftigen sich damit. Und desto mehr Informationen gibt es auch. Gleichzeitig steigt der Druck und die Überwachung des Managements sich an die Regeln zu halten, während in kleinen, wenig beachteten Unternehmen viel mehr mit Informationen gespielt werden kann. Umgedreht wird es bei ganz grossen Unternehmen natürlich immer schwieriger sich einen Vorteil zu verschaffen, denn wenn 500 kluge Leute zum Beispiel die Commerzbank analysieren, was berechtigt mich dann zu der Annahme, dass ich da etwas neues erkennen kann ? Aber nur ein grösseres Unternehmen liefert so viele Informationen, dass ich damit als Aussenstehender "arbeiten" kann. Insofern macht eine Anlage nur Sinn, wenn genügend Informationen aus erster Hand verfügbar sind.

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv ! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien ? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Dieses alles verstehend, habe ich mir daher ein paar Regeln zur Marktkapitalisierung und zum Aktienuniversum gegeben, in dem ich überhaupt aktiv bin. Ich habe dabei meine Aktienwelt in 4 Kategorien eingeteilt, wobei die unten genannten Grenzen nicht als harte Grenzen zu verstehen sind, sondern als Grössenordnungen, die ich bei meinen Entscheidungen mit pragmatischem Augenmass berücksichtige.

Kategorie A: Aktien aus dem deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz): Mindestens 100 Millionen MarketCap - ab 500 Millionen keine Bedenken mehr.

Kategorie B: Aktien aus dem angelsächsischen Sprachraum (USA, Grossbritannien, Kanada, Australien etc): Mindestens 500 Millionen MarketCap - ab 1 Milliarde keine Bedenken mehr.

Kategorie C: Europäisches Ausland (Frankreich, Spanien, Italien etc.): Nur die Aktien aus den Top-Indizes, also Frankreich zb CAC. Bei allen anderen ist mangels Übersetzung ins englische oder deutsche die Sprache eine so hohe Hürde, dass ich Hintergrundinformationen nicht richtig mitbekommen kann.

Kategorie D: Alle anderen Märkte (China, Indien, Brasilien etc.): Grundsätzlich keine Einzelaktien, mangels kultureller und sprachlicher Nähe. Nur ganze Märkte in Form von voll replizierenden ETFs.

Mit dieser Kategorisierung habe ich für meine Anlagestrategie guter Erfahrungen gemacht und sie bewahrt mich auch davor bestimmten vermeintlich "heissen" Aktien hinterher zu laufen, die gerade mal wieder gepusht werden.

Die für meine Anlagestrategie idealen Unternehmen sind dabei die mittelgrossen, mit einer Marktkapitalisierung im unteren einstelligen Milliardenbereich. Die sind gross genug um professionell zu agieren und von einigen anderen beobachtet zu werden. Und klein genug um noch einen Wissensvorsprung gegenüber dem breiten Markt haben zu können, inklusive der Chance von den Grosskonzernen aufgekauft zu werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Erklärung ein paar gute Hinweise gebe und wünsche Ihnen weiter viel Erfolg im harten Wettbewerb um Informationen an den Börsen.

Ihr Hari

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Vom Irrsinn des IFRS – oder warum der Buchwert alleine kaum Aussagekraft mehr hat.

Heute möchte ich mit Ihnen mal wieder ein grundsätzliches Thema besprechen. Und zwar in Form eines persönlichen und höchst subjektiven Kommentars zum Thema IFRS.

Ausgelöst durch einen der zahllosen Artikel, in denen dem privaten Anleger mal wieder das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) als einfaches Mittel angedient wurde um "Value-Aktien" nach Graham und Buffet zu finden, habe ich mich dazu despektierlich geäussert und den Versuch so ein Thema auf das KBV zu reduzieren als "Plattheit" gebranntmarkt.

In diesem Artikel möchte ich genauer erläutern was ich damit meine. Und warum Sie sich nach meiner Erfahrung keinen Gefallen damit tun, Ihre Anlageentscheidungen alleine nach solchen trivialen Kennziffern zu treffen. Wenn mir die Welt so stark vereinfacht dargeboten wird, ist für mich eher sofort die Frage, "warum" man mir das so darlegt und welche Interessen die Beteiligten haben könnten.

Noch vor 15 Jahren, war die Welt der Bilanzierung in Ordnung. In Deutschland galt das HGB, das die Tendenz hatte, in den Bilanzen stille Reserven - also eine Sicherheitsmarge - aufzubauen. Kaufte man damals ein anderes Unternehmen oder Rechte oder oder, wurde der Aufwand als "Kosten" verbucht oder aktiviert und das Wirtschaftsgut langsam abgeschrieben. Irgendwann war das Wirtschaftsgut in der Bilanz bei Null angekommen, hatte aber immer noch einen realen Gegenwert. Manchmal war dieser Gegenwert sogar gestiegen.

Diese stillen Reserven schlummerten unerkannt in den Bilanzen und wurden erst dann gehoben, wenn das Wirtschaftsgut zum Beispiel verkauft wurde, wenn es also durch einen Preis einen "Wert" bekam. Das war auch im Wesentlichen die Bilanz-Welt, in der Benjamin Graham (der diesem Blog seinen Namen gab und dessen Schüler Warren Buffet war) seine berühmte "Value-Strategie" entwickelte, wie in seinem Buch "The intelligent Investor" ausgeführt. Sicher waren die Bilanzierungsregeln auch damals in den USA anders als das HGB, aber auch in den US war die Bilanzierung damals viel mehr vom Sicherheitsgedanken geprägt als heute.

Dann begann aber der Siegeszug der IFRS (International Financial Reporting Standards). Eigentlich ein richtiger Gedanke, die Rechnungslegungsvorschriften weltweit zu vereinfachen und damit vergleichbar zu machen. Ich zitiere mal einen Satz aus dem WiWo Artikel zum "grossen Bilanz Bluff", den ich Ihnen unten verlinkt habe: "Die 15-köpfige Gruppe ist privat organisiert. Sponsoren der Gruppe sind nahezu alle wichtigen internationalen Konzerne, Banken und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Europäische Union winkt deren Beschlüsse regelmäßig durch und gibt sie weiter in die Hauptstädte von Berlin bis Rom, wo sie in nationales Recht umgewandelt werden."

Meine Lebenserfahrung gebietet anzunehmen, dass es die Interessen der genannten Spieler sind, die indirekt Einfluss auf die Bilanzierungsregeln nehmen. Und das selbst, wenn man den 15 Personen individuelle Untadeligkeit und das Bemühen um Unabhängigkeit attestiert, was ich hiermit gerne annehme. Denn jeder Mensch ist durch sein Arbeitsumfeld geprägt, auch wenn er sich persönlich um Unabhängigkeit bemüht. Lässt man Bilanzstandards von den genannten Gruppen erarbeiten, wird man andere bekommen, als wenn das Standardisierungsgremium zum Beispiel aus den Finanzchefs von Mittelständlern besteht. Bezeichnend für die deutsche Politik ist übrigens, dass sie dieses so entscheidende Thema aus meiner Sicht mal wieder völlig verschlafen hat.

Und die Interessen der grossen Spieler sind für mich naheliegend. Indem man stille Reserven hebt, in dem man die Bilanzen aufbläht, erzeugt man höhere Kurse an Börsen (= mehr Boni) weil die Kennziffern wie zB KBV besser aussehen, erhöht man das Volumen der Mandate, erzeugt neue Beratungsfelder für Banken und Wirtschaftsprüfer und gibt dem Management Spielraum, sich die Bilanz nach Gusto zu bauen. Es entspricht meiner Lebenserfahrung anzunehmen, dass diese Interessen auch in die Entscheidungsprozesse einfliessen.

Das Schlüsselprinzip das seit IFRS dabei eingesetzt wird und das es vorher nicht gab, ist dabei das "Fair Value Measurement“. Theoretisch ein richtiger Gedanke, statt das stille Reserven wie oben in den Bilanzen schlummern und diese defensiv aufgebaut sind, sollen alle Bilanzpositionen mit ihrem aktuellen "fairen Wert" bewertet werden. Das Problem ist nur, wer legt denn fest wenn es keinen echten Marktwert gibt, was die Regel ist ? Wer hat die Kompetenz zu entscheiden, ob eine Investition zB in eine innovative Technologie diesen oder jenen "fairen" Wert hat ? Womit wir beim massiven Spielraum sind der nun entstanden ist und der die modernen Bilanzen eher zu einem Pudding macht, den man verzweifelt versucht an die Wand zu nageln.

Es übersteigt den Umfang eines solchen Artikels, hier auf alle Aspekte einzugehen. Ich will Ihnen mit diesen Worten auch nur ein Problembewusstsein schaffen. Und dazu braucht es Beispiele.

Nehmen wir also mal beispielhaft Daimler und die Brennstoffzelle. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Daimler in das Thema schon mehr als 1 Milliarde Entwicklungskosten hinein gesteckt haben soll. Ich weiss nicht ob das stimmt und ich will vorausschicken, das ich keinerlei Ahnung habe wie Daimler das Thema bilanziert. Und ich will mit den folgenden Worten auch keine Behauptungen über die Bilanz bei Daimler aufstellen. Ich will Ihnen nur an einem Beispiel das jeder kennt ("Daimler" und "Brennstoffzelle") klar machen, was IFRS potentiell bedeutet.

Daimler hat also massive Investitionen in die Brennstoffzelle gesteckt, um in der Zukunft damit Geschäft zu machen. In der alten Welt des HGB wäre das ganz einfach gewesen. All die Investitionen in die Brennstoffzelle, all die Millionen an Entwicklerstunden, die gekauften Maschinen, Patente und Rechte, wären Kosten bzw aktivierbare Wirtschaftsgüter gewesen. Wirtschaftsgüter wie zb eine Testanlage wären bis auf Null abgeschrieben worden. Bilanziell wären also all diese Aktivitäten irgendwann nichts mehr "wert" gewesen, bis dann der Moment eintritt, an dem man mit der Brennstoffzelle Umsatz macht, Kunden gewinnt etc. So einfach, so defensiv, so konservativ.

Heute, im IFRS, darf man aber Entwicklungsaufwand aktivieren. Und muss den Wert dieser "virtuellen Wirtschaftsgüter" nicht zwingend auf Null abschreiben. Nein, man muss für die Bilanz bestimmen, was der "Fair Value" dieser Aktiva ist. Und bläht die Bilanz entsprechend auf, was bedeutet das KBV sieht optisch attraktiver aus. Nur wer entscheidet was die Investitionen in die Brennstoffzelle Wert sind ? Nach welchen Kriterien ?

Viel schlimmer, kann das überhaupt jemand kompetent entscheiden ? Ich behaupte ganz frech: NEIN ! Denn die entscheidende Frage wird sein, ob sich die Brennstoffzelle am Markt gegen die alternativen Antriebsformen durchsetzen kann. Und das hängt von unzähligen, auch politischen, Parametern ab und kann niemand vorher sehen. Und deshalb kann auch niemand seriös den "Fair Value" bestimmen.

Im Endeffekt masst sich IFRS damit ganz arrogant an, via Bilanz die Zukunft vorher sehen zu können. Klar, theoretisch soll es der aktuelle "Fair Value" der Gegenwart sein, nur ist der nicht zu bestimmen ohne Annahmen zur Zukunft zu machen. Das ist in meinen Augen die traurige Realität. Und Realität ist für mich auch, dass sich damit das Management der Konzerne nach meiner Erfahrung mehr oder weniger selber in die Bilanzen schreiben kann, was es will. Oder glauben Sie ein durchschnittlicher Wirtschaftsprüfer kann eine ernsthafte Diskussion mit dem Entwicklungsvorstand bestehen, welchen aktuellen Wert frische Innovationen in einem innovativen Spezialthema haben ? Sicher haben die Wirtschaftsprüfer "Krücken" zur Bewertung in ihrer Methodik, es sind und bleiben aber Krücken und am Ende entscheidet das Management.

Das ist nur ein Beispiel. Und um es noch einmal zu erwähnen, ich weiss nicht wie Daimler das real bilanziert, das ist nur ein theoretisches Gedankenszenario um einen Punkt klar zu machen. Und es ist auch keine Problematik von Daimler, sondern vor diesen Fragen stehen mit IFRS alle Unternehmen mit signifikanten Entwicklungsaufwendungen, egal aus welcher Branche. Aber von dieser Art "Bewertungen" nach "Fair Value" werden die Bilanzen der Konzerne seit IFRS bestimmt. Und es ist beileibe nicht nur das Thema aktivierter Entwicklungsleistungen um das es hier geht, weitere Stichworte sind der Goodwill bei Firmenkäufen, die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen usw. usw..

Warum wohl weist Microsoft plötzlich, von einer Sekunde auf die andere einen Quartalsverlust aus und schreibt 6 Milliarden auf eine Akquisition ab ? Womit die Bilanz um diese 6 Milliarden verkürzt wird. Hat sich die Welt in dieser Sekunde so verändert ? War die Bilanz vor 3 Monaten also richtig ? Lesen Sie -> hier <-. Und warum wundern sich Redakteure, das der Markt dabei nicht mal zuckt ? Ganz einfach, weil die Redakteure den (Un)Sinn des IFRS nicht verstehen und noch denken, Bilanzen hätten Aussagekraft. Big Money weiss es aber und zuckt deshalb nicht einmal über die Abschreibung. Die Profis im Markt wissen : "sowieso Bullshit" und kümmern sich um die bedeutenden Dinge.

Am schlimmsten sind in diesem Zusammenhang übrigens nicht die Bilanzen von IT Unternehmen, sondern die von Banken. Da hier fast keine "realen" Güter dahinter stehen, bestehen die Bilanzen aus Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen. Natürlich alles "Fair Value". 😉 Erfahrene Bilanzspezialisten, die bei einem Industrieunternehmen durchaus noch sinnvolle Schlüsse aus der Bilanz ziehen können, streichen bei Bankbilanzen die Segel. Denn die wissen, das sie *nicht* wissen, eben gerade weil sie kompetent sind. Um so absurder wird es dann, wenn man im Web von Laien "fundamentale Analysen" zu Banken anhand der klassischen Bilanzkennziffern liest. Da kann man in meinen Augen auch gleich wie im Mittelalter das Gekröse eines Frosches untersuchen, das läst ähnlich kompetente Rückschlüsse zu. 😉 Bank-Bilanzen sind einfach eine "Black-Box", die selbst für Insider extrem schwer zu durchdringen sind.

Faktum ist, dass man aufgrund dieser durch IFRS aufgeblähten Unternehmensbilanzen die Kennziffern wie KBV gar nicht mehr mit der Vergangenheit vergleichen kann. Wer Ihnen also erzählt, dass das KBV des DAX im historischen Massstab billig sei, ist nicht ernst zu nehmen. Die Bilanzen sind nicht vergleichbar und keiner kann Ihnen genau sagen, wie aufgebläht sie nun im Vergleich zu den 90er Jahren sind.

Und dann lächeln Sie Personen von Magazinen an und und implizieren, dass Sie ja nur das KBV und die Dividende anschauen müssen, um sich wie Graham und Buffet zu fühlen. Wenn Geldanlage so einfach wäre, wären wir alle Multimillionäre. Komisch nur, dass wir es nicht sind. 😉

Sage ich damit, dass eine Kennziffer wie das KBV gar keine Aussagekraft mehr hat ? Nein, wenn man das Geschäft des Unternehmens versteht, wenn man die Substanz der wesentlichen Bilanzpositionen einschätzen kann und wenn man weiss, wie "aggressiv" das Management bilanziert, dann hat eine Bilanzanalyse immer noch gute Aussagekraft. Das ist das was ein Buffet macht und mehr. Machen Sie das ? Können Sie das ? Wenn nein, lassen Sie sich nicht von den grossen Vereinfachungen blenden.

So weit meine hoffentlich deutliche und zugegeben spitzzüngige Rede zum Thema. Wie gesagt, ich wollte damit nicht in die Details der Bilanzierung einsteigen, sondern Ihnen nur eine sehr grundsätzliche Problematik klar machen.

Im Folgenden habe ich daher für Sie noch zwei Links um das Thema zu vertiefen. Gerade den ersten Link "Der grosse Bilanz Bluff" möchte ich Ihnen dringend zum intensiven Studium empfehlen. Danach sind Sie hoffentlich kuriert und können nur noch bitter lachen, wenn Ihnen einer mal wieder etwas vom KBV als entscheidendem Kriterium erzählt und dafür dann noch der arme Warren Buffet ungefragt als Testimonial benutzt wird.

-> Der grosse Bilanz Bluff <-

-> DAX Pensionen teure Versprechen <-

Ich hoffe ich konnte Ihren Horizont ein wenig erweitern. Und ich bedauere, dass ich Ihnen keine "einfachen" Lösungen anbieten kann. Das muss ich anderen überlassen.

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *