Gold Crash – wie tief geht der Absturz ?

Wie von mir erwartet und verschiedentlich vorhergesagt, hat Gold nach dem durch Euro-Panik getriebenen Anstieg bis 1900 USD zur scharfen Korrektur angesetzt. Erstaunlich daran ist nur, wie viele nun wieder "überrascht" über Zeitpunkt und Schärfe der Korrektur sind. Mit Übertreibungen ist es scheinbar jedes Mal das Gleiche. Schon wird nach Begründungen gesucht und die immer gleichen Verschwörungstheorien über Manipulationen des Goldpreises verbreitet, ebenso wie Gerüchte grosse Marktteilnehmer würden Gold ala Herbst 2008 verkaufen müssen um Margin-Calls zu decken.

Dabei ist die Wahrheit wahrscheinlich viel einfacher und braucht keine wilden Theorien, wie ein Blick auf den Tageschart von Gold in US Dollar schnell offenbart. Denn Gold war schlicht in einem parabolischen Top und war viel zu weit nach oben vom 200er gleitenden Durchschnitt entfernt. Eine derartige Überdehnung führt nahezu immer zu einer "Mean Reversion". Dabei ist nicht das ob, sondern nur das wann wirklich fraglich. Kein Gummiband kann unendlich gedehnt werden. Und dieser Absturz ging nach den Marktdaten eindeutig von "Big Money" aus, dass nun halt endlich den Stöpsel gezogen hat. Im übrigen hat sich diese Wende schon lange durch diverse Signale und ein klares Doppeltop angekündigt. Gold hatte Anfang September die Chance nach oben auszubrechen und hat statt dessen trotz optimaler Nachrichtenlage aus Europa das Doppletop gebildet. Ab diesem Moment musste jeder aufmerksame Beobachter vorsichtig werden.

Wie wichtig dabei der 200er Moving Average in unserer von automatischen Programmen (Algos) bestimmten Börsenwelt geworden ist, kann man auch im Chart wunderschön bewundern. Der Gold Preis hat heute am frühen Morgen des 26.09. einen gewaltigen Swing hingelegt (die lange Fahne unten an der Kerze) und hat Intraday knapp oberhalb des 200er Moving Average gedreht. Und schon springen die ersten Privatleute wieder in den Markt und versuchen nach dem Motto "buy the dip" Gold zu kaufen.

Ich kann davor nur in vielerlei Hinsicht warnen ! Denn das ist zwar grundsätzlich nicht falsch, aber wahrscheinlich deutlich zu früh ! Da ein solcher Blogeintrag nur beschränkten Raum bietet, will ich mich im Folgenden nur auf den Chart konzentrieren.

Nach allen Erfahrungen ist ein derartig ausgeprägter Top und Trendbruch nie mit einem oder zwei Tagen erledigt. Denn ganz typisch ist bei der Hälfte des Absturzes eine Gegenbewegung, die den Kurs wieder bis kurz unter die Ausbruchszone (hier 1700 USD) führt. Es besteht also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das auch bei Gold passiert. Möglicherweise ist diese Bewegung schon im Gange, denn zwischen den knapp über 1530 USD die Gold heute früh im Tiefpunkt erreicht hat und den rund 1620 USD am heutigen Abend, hat Gold Intraday schon wieder ca. 6% aufgeholt !

Diese kleine Rally mitten im Absturz wird dann typischerweise von den Marktteilnehmern gekauft, die sich emotional im "Denial"-Modus befinden und die mittelfristigen Konsequenzen des Absturzes auf ihre bullische Sicht noch leugen. In der Regel endet aber eine solche Gegenrally mit einem Blutbad, dessen Fallhöhe typischerweise in der Grössenordnung des ersten Teiles des Absturzes liegt.

Jeder stärker die Überdehnung aber nach oben war, desto grösser wird auch eine mögliche Überdehnung nach unten sein. Die Regeln von Aktion und Reaktion gelten auch an den Börsen ! Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Gold auch bald den 200er gleitenden Durchschnitt durchschlägt und in die Unterstützungszone eintaucht, die durch diverse Hochs und Tiefs aus Ende 2010 und Anfang 2011 bestimmt ist.

In dieser Zone, irgendwo zwischen 1300 und 1500, wird Gold wohl seinen Boden finden und alle schwachen Hände heraus geschüttelt haben. Dann kann Gold erneut zu einem langfristigen Anstieg ansetzen. Denn die fundamentalen Treiber die für Gold sprechen, sind auf Jahre unverändert und werden sich nach meiner Ansicht eher verschärfen als abschwächen. Die strukturelle Überschuldung der westlichen Welt und daraus resultierend der fragwürdige Werterhalt aller Papierwährungen, lässt sich halt nicht so einfach durch einen "Bailout" lösen.

Für starke Hände mit Geduld, freier Liquidität und starken Nerven, bieten sich daher nach meiner Ansicht bald aussergewöhnliche Chancen !

Crash und Panik an den Rohstoffmärkten

Ein Bounce, wie von mir gestern Abend für heute oder Freitag als gut möglich erachtet, sieht wirklich anders aus. Eine Mischung aus Enttäuschung über die FED, Ratingabstufungen bei Banken und vor allem grosse Ängste vor einem Konjunkturabriss in den Emerging Markets und insbesondere China, haben die Märkte in einen Sturzflug versetzt, dessen brachiale Dynamik ich so nicht erwartet hatte.

Über 3% Minus im S&P500 sind schon übel, aber besonders schlimm wurden nahezu alle Rohstoffe getroffen. Der rohstoffreiche russische Aktienmarkt fiel heute 10% ! Silber -10% ! Öl -6% ! Goldminen, Kupferminen ganz egal – alles was mit Rohstoff zu tun hat, wurde heute brutal abverkauft. Ehrlich gesagt, kann ich heute Abend mitten im Gefechtslärm der Märkte ausser diffusen Ängsten auch noch keine Gründe erkennen, warum gerade heute die Rohstoffe so abgestürzt sind. Denn diese Faktoren gibt es ja nun schon seit Wochen und sind nichts Neues.

Eine mögliche Erklärung und ganz typisch für Mr. Market ist, dass nun schlicht die Zeit dafür reif ist. Denn bei jeder grösseren Baisse werden am Ende auch die bisherigen sicheren Häfen zerlegt. Und die Rohstofftitel hatten sich bisher ganz passabel gehalten. Die Baisse scheint nun also in die entscheidende Phase zu treten, die typischerweise noch einmal von massiven Verlusten geprägt ist.

Kurzfristig sind wir nun aber technisch so nach unten überdehnt, dass Morgen Freitag oder nächste Woche durchaus noch die eine oder andere Gegenbewegung kommen kann, zumal das Window-Dressing zum Quartalsende sicher stützen wird. Ausserdem gab es heute wenigstens den Lichtblick, dass wir die 1120 im S&P500 verteidigt haben. Aber für Oktober sind nun Zielkurse von 1000 im S&P500 und 4500 im DAX im Visier. Schon faszinierend, wenn man sich vor Augen hält, wo wir vor 2 Monaten noch standen.

Wer so klug war sein Pulver trocken zu halten, kann sich nun zunehmend die Hände reiben. Denn wenn diese Phase durch die Märkte gelaufen ist, werden wir bei vielen Titeln wieder Niveaus erreicht haben, die höchst attraktive Einstiegskurse darstellen. Auch wenn es sich heute Abend verrückt anhört, es wird auch wieder die Sonne scheinen. Das gilt insbesondere für die Rohstofftitel, denn die grundlegenden Treiber bleiben intakt. Es kann gut sein, dass wir nach einem schwierigen Oktober deswegen noch eine mächtige Jahresendrally erleben, so fern sich das heute auch anhören mag.

Und vielleicht lernen unsere europäischen Politiker ja auch irgendwann, dass man Griechenland in die Insolvenz schicken und gleichzeitig die Reihen der verbleibenden Euro-Mitglieder kompromisslos schliessen muss. Dann sehen wir auch schnell wieder eine Stabilisierung der Euro-Zone. Jeder Mediziner weiss schliesslich auch, dass man infiziertes Fleisch heraus schneiden muss, wenn man vermeiden will das der ganze Körper infiziert wird.

Bis die Politik zu dieser Erkenntnis kommt und der EFSF endlich steht, haben wir aber wohl noch turbulente Wochen vor uns. Sollte zum Quartalsende noch ein kleiner Bounce kommen, ist das möglicherweise der letzte Exit vor dem Tunnel. Mal schauen wo wir auf der anderen Seite des Tunnels dann im Oktober rauskommen.

Noch ein Wort zum Gold. Sollte Gold jetzt endlich korrigieren, würde ich mich darüber freuen. Bei 1400-1500 USD liegen starke Unterstützungen und spätestens da ist Gold dann wieder ein hoch attraktiver Kauf. Denn die Probleme der Staaten mit ihren Schulden werden uns auf Jahr begleiten und letztlich gibt es neben dem kompletten Zusammenbruch des Weltfinanzsystems nur eine Lösung für die Schulden: diese durch Drucken von Geld weg zu inflationieren - so wie die USA das auch nach dem zweiten Weltkrieg schon gemacht haben. Das ist ein ideales Umfeld für Gold auf Jahre. Sollten die schwachen Hände Gold jetzt panisch verlassen, ist das wahrscheinlich eine grosse Chance.

Auf jeden Fall wünsche ich uns allen einen goldenen Herbst und insbesondere Oktober … zumindest beim Wetter haben wir da ja auch Chancen …

Fed Entscheidung – Bernanke und die Hoffnung

Eines muss man dem FED Chef Ben Bernanke lassen, er weiss was er den Märkten sagen muss. Hätte die FED heute nichts getan, wären die Märkte wohl in den nächsten Tagen richtig abgestürzt, weil sie das als Handlungsunfähigkeit und Zerstrittenheit der FED ausgelegt hätten.
Hätte er aber sein Pulver heute mit einem vollen QE3 verschossen, wäre die Gefahr riesig gewesen, dass die Märkte nach einer kurzen Freudenrally im Oktober auch abstürzen. Denn den sicherlich weiter schwächelnden US Wirtschaftsdaten, hätte dann eine FED gegenüber gestanden, die aus Sicht der Märkte ohne weitere Optionen wäre. Ein sehr gefährliches Szenario, dass Bernanke unbedingt vermeiden musste.

Mit der Operation Twist, der Senkung langfristiger Zinsen und einer Neubalancierung der Zinskurve, hat Bernanke dagegen zwei Dinge erreicht. Er hat die Entschlossenheit der FED signalisiert einzugreifen. Und hat gleichzeitig die Hoffnung offen gelassen, dass die FED mit einem erneuten POMO Programm (Permanent Open Market Operations) mit Macht in den Markt eingreift, wenn es nötig ist. Die Bären werden sich also auch in nächsten Monaten nie zu sicher sein können, weil permanent die finanzielle Atombombe QE3 über ihren Köpfen schweben wird. Das alleine wird die US Indizes stabilisieren. Hoffnung - bzw Furcht aus Sicht der Bären - ist eben eine starke Waffe.

Schön auch anzusehen, wie die Märkte durch gezielte Informationen zum Thema Twist schon vorher auf das Ergebnis vorbereitet wurden. Die Theorie, dass Big Money die Ergebnisse der FED immer schon vorher kennt, wurde erneut bestätigt. Das die Operation Twist das wirkliche Problem der amerikanischen Wirtschaft in Form von fehlender Nachfrage (und nicht zu hoher Zinsen) gar nicht angeht, ist dabei nebensächlich. Der Eindruck der Handlungsfähigkeit der FED ist eben wichtiger, als die eigentliche Wirkung, Wirtschaft ist eben zu einem guten Stück Psychologie.

Die deutliche Schwäche heute nach der Entscheidung, die zum Börsenschluss dann noch zu einem richtigen kleinen Selloff führte, sollte man also in meine Augen trotz einem Minus von 3% im S&P500 nicht überbewerten. Zumal der Markt eine Tendenz hat, dass die erste Bewegung nach so einer Entscheidung zunächst in die falsche Richtung geht. Vielmehr sehe ich jetzt ab Morgen Donnerstag eine kleine, kurzfristige Long-Chance bis zum Quartalsende. Denn das „Window-Dressing“ der Fonds wird zum Ende des dritten Quartals wieder stark sein und das erhöht die Chance für eine Rally Ende September. Morgen 22.09.11 dürfte aber zunächst sehr schwach eröffnen, im Verlauf des Tages besteht dann aber die Chance auf einen Turnaround, der dann möglicherweise den Auftakt des Window-Dressings darstellt.

Diesem Szenario könnte natürlich vor allem wieder Europa und Griechenland in die Suppe spucken. Allerdings sehe ich kurzfristig keine Katalysatoren, die die Lage an der Euro-Peripherie kurzfristig ändern sollten – eine Pirouette des Bunga, Bunga Regierungschefs natürlich ausgenommen. Das Thema Griechenland wird möglicherweise bis Mitte Oktober am Kochen gehalten, bis endlich der EFSF scharf geschaltet ist und Europa endlich Griechenland Pleite gehen lassen könnte, ohne gleich das Bankensystem in Frankreich zum Einsturz zu bringen. Dann, Mitte Oktober, wird es wohl wieder richtig spannend um den Euro.

Ich sehe also heute Abend nach der FED Entscheidung eine kleine 60:40 Chance auf eine nette Rally bis zum Monatsende, so verrückt sich das nach 3% Minus auch anhören mag. Invalidiert würde dieses Szenario, wenn nicht spätestens am Freitag dieser Woche der Markt merklich nach oben dreht oder der S&P500 schon vorher den Bereich um 1140 von oben durchschlägt und damit aus der Flaggenformation nach unten ausbricht. Letzteres wäre ein ganz übles Zeichen, was Kursziele im Bereich 1020-1050 und beim DAX bei 4500-4800 auslösen würde.

Lassen wir uns überraschen. Wer diese Long-Chance spielen mag, sollte das nur mit guten Stops machen. Denn sicher ist nichts, ausser dass Mr. Market garantiert eine Pirouette auf Lager hat, an die wir nicht gedacht haben .....

Schneider Electric FR0000121972 – Zukunftsmarkt Gebäudemanagement

In der Kategorie „Anlageideen“ stelle ich in loser Folge interessante internationale Aktien vor, die über den Kreis der in Deutschland bekannten, üblichen Standardwerte hinaus gehen. Diese Aktien genügen in meinen Augen alle den folgenden Kriterien:
- Sie haben ein stabiles, zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, das für dauerhafte Erträge gut ist
- Sie sind aktuell an der Börse fundamental attraktiv bewertet
- Sie sind entweder schon in meinen Depots oder befinden sich in meinen Watchlists, um möglicherweise in der Zukunft aufgenommen zu werden

Ich betone ausdrücklich, dass mit der Vorstellung der Aktien keine konkrete Kaufempfehlung verbunden ist. Oft befinden sich die vorgestellten Aktien noch in unklaren technischen Situationen und sollten einfach nur weiter beobachtet werden. Ausserdem werde ich hier die wesentlichen Faktoren bei der Bewertung der Aktien nur oberflächlich anreissen können. Der interessierte Leser sollte vor einer Entscheidung daher unbedingt tiefer in die Aktien einsteigen und sich ein eigenes Bild machen ob die Aktie vom Risikoprofil her ins eigene Depot gehört. Alle Titel sind aber für mich persönlich und im Rahmen meiner eigenen Strategie attraktive Bestandteile eines diversifizierten Depots und ich hoffe die Leser auf diese Art und Weise auf interessante Ideen zu bringen, die über das Übliche hinaus gehen.

Heute möchte ich Ihnen die französische Schneider Electric – ISIN FR0000121972 – vorstellen. Das Unternehmen ist in Deutschland erstaunlich wenig bekannt, obwohl es mit einer Marktkapitalisierung von 11 Milliarden €, 120.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast 20 Milliarden € durchaus zu den grossen Konzernen gehört. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Paris und ist in fast 200 Ländern weltweit vertreten, darunter natürlich auch mit diversen Konzerngesellschaften in Deutschland. Schneider Electric hat eine lange Historie, die bis zu ersten Anfängen als Stahlwerk im Jahr 1836 zurück geht.

Heute bewegt sich das Unternehmen primär im Bereich der Energieverteilung und der Automation, wobei Schneider Electric zunehmend einen Schwerpunkt im intelligenten Gebäudemanagement ausbildet. Bedingt durch steigende Energiepreise, dem zunehmenden regulatorischen Zwang zu energiesparenden Gebäuden und den Bedürfnisses des 21. Jahrhunderts an eine automatisierte Gebäudetechnik, bewegt sich Schneider Electric hier in einem wachstumsstarken Zukunftsmarkt, der wohl auf Jahrzehnte mit hohen Steigerungsraten aufwarten wird. Dabei hat Schneider Electric schon heute weltweit den Status eines der Marktführer erreicht und ist daher für die kommenden Entwicklungen im Bereich Energieeffizienz bestens gerüstet.

Fundamental kann man Schneider Electric aktuell bei einem Kurs von um die 41€ zu einem 2011er KGV von ca. 10, einer Eigenkapitalrendite von ca. 13% und einer Dividendenrendite von 4.3% erwerben. In Anbetracht der zukünftigen Potentiale eine in meinen Augen attraktive Bewertung.

Charttechnisch befindet sich die Aktie, wie der gesamte Markt, in einem etablierten Abwärtstrend der noch nicht durchbrochen wurde. Insofern gilt es bei Schneider Electric derzeit abzuwarten, ob dem Kurs die Trendwende gelingt. Allerdings könnten mehrere Faktoren ein Indiz dafür sein, dass diese Trendwende bald kommen könnte. Denn der Kurs sitzt auf einer starken Unterstützung um die 40€ und ist gerade auf Wochensicht von der 200er Linie des "modified exponential moving Average (MEMA)" wieder abgeprallt.

Wichtig ist auch zu verstehen, dass der Absturz der Aktie nicht mit individuellen Problemen des Unternehmens zu tun hatte, sondern einfach eine Folge der Marktschwäche war. Durch die wachsende Zahl passiver Indexinvestments, hier auf den CAC 40, den französischen Aktienindex der 40 grössten Unternehmen, wurde Schneider Electric einfach mit den Banken und Versicherungen des CAC mit herunter gezogen. Das eröffnet erhebliche Potentiale wenn der Wind sich drehen sollte.

Sollte allerdings bedingt durch die Euro-Krise der Gesamtmarkt weiter abtauchen, wird sich dem Schneider Electric auch nicht entziehen können. Ein Bruch der 40er Zone nach unten würde sicher temporär wesentlich tiefere Kurse nach sich ziehen.

Wallstreet braucht dringend ein gutes 4. Quartal

Die US Märkte haben heute erstaunliche Stärke bewiesen, der S&P500 hat am Ende mit 1204 weniger als ein Prozent im Minus geschlossen.

Dabei waren heute alle Inkredenzien für einen wirklich üblen Tag da. Eine sehr starke Vorwoche und ein Verfallstag am Freitag, der die Kurse wg Kurspflege über die Massen nach oben geschoben hatte. All das musste heute abgearbeitet werden und hätte locker für 2% Minus oder mehr reichen können.

Die Stärke am Schluss zeigt aber, dass sich niemand vor der FED traut sich Short zu positionieren. Selbst Tim Knight, der Perma-Bär von Slope of Hope hat das erste mal solange ich mich erinnern kann alle Short Positionen glatt gestellt !

Verstehen kann ich es. Denn wir haben nun die besondere Situation, dass alle drei Parteien die in den USA signifikanten Einfluss auf die Börsenkurse nehmen können wirklich dringend ein gutes 4. Quartal brauchen.

Die Regierung braucht es, weil sie wiedergewählt werden will und in den USA Renten und Wohlstand der Bürger eng mit dem Aktienmarkt verknüpft sind. Die FED braucht es, weil es ihr Auftrag ist und Bernankes Reputation und sein Platz in den Geschichtsbüchern auf dem Spiel steht. Und die Wallstreet braucht es, weil die Boni in Gefahr sind, denn ein schwieriges Jahr 2011 hat viele Hedgefonds und Institutionelle bisher unter Wasser gedrückt.

Wer stellt sich schon gerne freiwillig vor die Dampfwalze, die von diesen gleichartigen Interessen ausgeht ? Nur Griechenland und die EU kann da noch in die Suppe spucken, verständlich dass die drei Parteien auf alle erdenkliche Art und Weise versuchen den Druck auf Europa zu erhöhen um die Geldschleusen zu öffnen.

SAP – meine grösste Fehleinschätzung. Oder warum man „Experten“ nicht immer trauen sollte.

Es war Anfang der 90er Jahre, ich berichtete zu dieser Zeit als Assistent an den damaligen deutschen IBM Research & Development Chef und hatte so durch meinen Chef die seltene Gelegenheit, ein denkwürdiges Treffen zwischen IBM und SAP aus nächster Nähe mitzubekommen. Die damals immer noch markbeherrschende IBM traf sich mit einer kleinen, aufstrebenden Softwareschmiede namens SAP, die seit 1988 an der Börse notierte und in Person von Hasso Plattner einen charismatischen Anführer hatte.

Es war zu diesem Zeitpunkt sichtbar, dass SAP mit R/3 einen Treffer gelandet hatte und die IBM hatte grosses Interesse, ihre Systeme und Datenbanken als Plattform für R/3 zu etablieren. Aus diesem Grund setze sich auch Topmanagement der US Division ins Flugzeug, um an diesem Meeting teilzunehmen.

Und da waren sie nun in einem Raum, die IBM Herren über zehntausende Mitarbeiter und Milliarden an Umsatz und dieser Herr Plattner, dessen SAP zu diesem Zeitpunkt noch einen Umsatz im dreistelligen Millionen-Umfang hatte. Hier traf also David auf Goliath.

Was dann aber geschah war, dass die Rollen völlig vertauscht wurden. Hasso Plattner bot in der ihm eigenen Art eine extrem selbstbewusste Vorstellung und setzte klar die Bedingungen, die IBM Herren wurden von ihm in die Rolle eines Bittstellers gedrückt. Dieses Meeting zeigte ganz klar, wer in diesem Moment Koch und wer Kellner war.

Mit meinem heutigen Wissen und meiner Erfahrung wäre ganz klar gewesen, was ich nach diesem nachhaltigen Eindruck gemacht hätte. Ich wäre am nächsten Tag mit allem Ersparten an die Börse gegangen und hätte SAP gekauft. So eine Gelegenheit, an der man die Chance hat ein Unternehmen zu erkennen, das vor Kraft kaum laufen kann – und dieses noch dazu, bevor es die breite Masse an der Börse bemerkt – so eine Gelegenheit, hat man nicht so oft im Leben.

Und was tat ich ? Ich war ja Experte für Software. Ich rümpfte die Nase über die vermeintliche Selbstüberschätzung dieser SAP. Einzig und alleine, weil ich einen rein technischen Blick auf deren Software hatte, die in meinen Augen vom Design her nichts Besonderes war. Ich war viel zu jung und unerfahren, um das zu erkennen worum es wirklich geht – um Geschäftspotentiale und nicht um Software-Design.

Auch Windows 3.1 ist ja nicht deshalb erfolgreich geworden, weil es eine technologisch besonders ansprechende Implementierung war. Ein gutes Stück spielte bei meiner Fehleinschätzung auch mein Dünkel eine Rolle, sich als Betriebssystem-Experte im Vergleich zu diesen Anwendungs-Programmierern der SAP wie ein Kampfpilot vorzukommen, der herablassend auf eine Cessna unter sich blickt. Völlig ungerechtfertigter Dünkel zwar, wie ich heute weiss, aber nicht unüblich für sogenannte „Experten“ mit ihren fachlichen Scheuklappen.

Ich kaufte also keine SAP, sondern irgendwelche Softwareaktien die technologisch tolle Software machten. Wer am Ende mehr Geld an der Börse verdient hat, hat das Schicksal dann ja eindeutig bewiesen. Ich brauchte ein paar Jahre und jede Menge Erfahrung mit geschäftlicher Verantwortung im Management, bis ich meinen Fehler erkennen konnte. Nur leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon eine mehrfache Verdoppelung des Kurses der SAP verpasst.

Und was lernen wir aus dieser Anekdote ? Dass sogenannte „Experten“ alles andere als verlässliche Ratgeber bei der Frage sind, ob eine Firma mit ihren Produkten in der Zukunft Erfolg haben wird und ob sie viel Geld verdienen wird. „Experten“ sind zu oft zu stark spezialisiert, als dass sie den Wald vor lauter Bäumen noch sehen könnten. Und sie unterliegen zu oft einem Experten- oder Standes-Dünkel, der in keinster Weise gerechtfertigt ist, sobald sie ihr kleines, beschränktes Wissensgebiet verlassen.

Heute könnte mir dieser Fehler nicht mehr passieren, heute interessiere ich mich aber auch nicht mehr für einzelne Bäume, sondern habe immer den Wald im Auge.

Ausblick: Eine entscheidende Woche

Vor uns liegt eine entscheidende Woche, die das Potential hat, den Ton des Marktes bis zum Jahresende zu bestimmen. Entscheidend ist die Woche wegen des FED Meetings am 20./21.09., das von den Märkten zwischen Hoffen und Bangen erwartet wird. Und dieses mal wird es keine weitere Verschiebung geben, dieses Mal muss und wird Ben Bernanke seine Karten aufdecken und Mr. Market wird bewerten, ob es ein Bluff oder ein Full-House ist.

Schauen wir uns vor einem Fazit doch mal die positiven und negativen Aspekte an:

Positives:

  • Der Markt war letzte Woche konsistent stark, mit Leadership in den richtigen Branchen. In den US bei Semiconductors und Transports, im DAX bei der Finanzwelt und der Autoindustrie. Genau die Branchen die vorne liegen müssen, wenn wir uns aus dieser Baisse heraus arbeiten wollen.
  • Alle US Indizes haben erneute, kurzfristige Kaufsignale generiert.
  • Der DAX ist zum ersten Mal seit Beginn des Absturzes vor fast 2 Monaten wieder stärker als die US Indizes gelaufen und hat endlich die grosse relative Schwäche hinter sich gelassen.
  • Die Marktbreite der Rally letzte Woche war in allen Indizes sehr gut.
  • Das Marktsentiment ist immer noch aussergewöhnlich negativ. Viele sind der Rally sehr skeptisch gegenüber und halten diese für eine Bullenfalle. Das spricht dafür, dass viele noch an der Seitenlinie stehen und hoffen wieder bessere Kurse zu sehen. Ein klassisch bullishes Setup.
  • Wallstreet hat die Schätzungen für die Unternehmensergebnisse so weit nach unten geschoben, dass der Markt eigentlich problemlos darüber springen sollte. Wallstreet tut alles - wirklich alles und mehr – für ein gutes 4. Quartal. Denn in dem extrem schwierigen Markt des Jahres 2011 sind auch viele Hedgefonds und Institutionelle unter Wasser und brauchen wirklich dringend einen guten Jahresabschluss. Es ist gefährlich, sich diesem uniformen Wunsch von Big-Money in den Weg zu stellen. Auch 2008 kam der richtige Absturz aus ähnlichen Gründen erst nach dem Jahreswechsel.
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FED diese Woche nichts liefern wird. Ich denke da kommt was und der Markt wird aus obigen Gründen alles versuchen das positiv zu interpretieren. Der Markt will jetzt hoch.

Negatives:

  • Die Probleme in der EU und in der US Konjunktur die zu diesem Absturz beigetragen haben sind unverändert intakt und werden sich kurzfristig nicht ändern. Ohne eine Auflösung der Ängste um Griechenland oder den Zerfall des Euros, haben die europäischen Märkte keine Chance auf eine nachhaltige Erholung. Die einzige schnelle Lösung wäre, das sowieso Unvermeidliche endlich geschehen zu lassen und Griechenland in die Insolvenz gehen zu lassen. Aber selbst wenn die Politik dazu bereit wäre, wird das nicht vor Oktober passieren, da erst dann der EFSF aktiv und bereit ist.
  • Die Wirtschaftsdaten in den US sind mies und bleiben mies. Bisher waren die Marktteilnehmer bereit dem auch Positives abzugewinnen, weil es die FED vermeintlich zum Handeln veranlasst. Das hat die US Märkte stabilisiert. Nach der FED werden schlechte Daten nur noch schlecht interpretiert werden, mit aller Konsequenz.
  • Die Emerging Markets haben letzte Woche schlecht ausgesehen. Auch die Industriemetalle waren sehr durchwachsen. Kein gutes Zeichen für die Weltkonjunktur.
  • Der EUR/USD sieht so aus, als ob er einbrechen würde und die Reise Richtung 1,20 antritt. Dem würde sich eine Wallstreet nicht entziehen können und die anderen Börsen nach unten mitreissen.
  • Die Rally vor der FED hat nun schon statt gefunden. Das Risiko einer „Sell the News“ Reaktion ist stark gestiegen, auch wenn der Markt versuchen wird das Positive darin zu finden.
  • Das Headline Risiko war wohl noch nie so hoch wie derzeit. Jede politische Schlagzeile aus den US oder Europa hat das Potential den Markt in wilde Bewegungen zu versetzen. Unsicherheit ist die Mutter aller Volatilität. Und Unsicherheit haben wir mehr als genug.

Fazit:

Wir stehen an einer Wegscheide, die uns im S&P500 bis 1020 abstürzen, aber auch die 1300 wieder erreichen lassen kann. Im DAX würde das wohl 4500-4800 bzw 6300-6500 bedeuten.

Ich sehe aber im Moment absolut keinen Hinweis, in welche Richtung das ausschlagen wird. Diskussionen um vermeintliche Unterbewertungen von Unternehmen sind dabei ebenso wenig hilfreich wie im Sommer 2008. Sollte eine Währungskrise kommen, sind auch alle Buchwerte massiven Abschlägen ausgesetzt, von KGVs und Auftragsbeständen ganz zu schweigen. Wer glaubt nur aufgrund vermeintlicher Unterbewertung nun Aktien kaufen zu müssen, fischt in meinen Augen im Trüben und wäre gut beraten, damit zu warten bis sich nach der FED und dem Ausblick der Unternehmen im Rahmen der Q3 Ergebnisse ein klarer Trend gebildet hat. Technisch war vor einer Woche noch ein schöner Long-Setup vor der FED möglich, die Rally der letzten Woche hat den aber zunichte gemacht.

Sicher ist nur, dass es ein Markt für kurzfristige Trader bleibt, bei dem jeder der einen Horizont von mehr als 48 Stunden hat immer wieder in wilden Swings Geld verliert. Für den normalen Anleger kann es also in meinen Augen nur ein Ziel geben: Kapitalerhalt und Vorsicht. Bis sich wieder ruhigeres Fahrwasser eingestellt hat und eine klare Richtung erkennbar ist.

Erinnern wir uns doch an den Dezember 2010, selten habe ich so eine ruhige und entspannte Börsenphase erlebt. Ist gar nicht so lange her, fühlt sich aber an, als ob es letztes Jahrtausend war.

In diesem Sinne wünsche ich allen die richtigen Entscheidungen !

Über Investoren und Trader

In Deutschland wird der Begriff "Trader" gerne mit einem leichten Anflug von Abscheu benutzt, es scheint nicht politisch korrekt zu sein, sich als solcher zu erkennen zu geben, obwohl es ja nur die englische Form von Händler ist. Und obwohl es für einen Händler - oder Kaufmann - ja durchaus so etwas wie eine Kaufmanns-Ehre gibt.

Auffällig ist auch, wie nahezu jeder Normalanleger der sich für Aktien interessiert, sich in der Öffentlichkeit nach dem Motto: “Ich bin Investor, aber kein Trader” positioniert.

Viele unterliegen dabei in meinen Augen einem Missverständnis. Das kommt daher, dass sie durch Medien und Politik immer mit dem polemischen Gedanken bombardiert werden: Trader sind schlecht, Investoren sind gut. Jeder will ein Investor und wie Warren Buffet sein, Trader dagegen sind böse "Zocker".

Klären wir doch also mal was ein Investor wie Warren Buffet so wirklich macht:

1. Er analysiert die Bücher des Ziel-Unternehmens bis ins allerletzte Detail
2. Er redet selber mit dem Management und verschafft sich einen persönlichen Eindruck
3. Er analysiert detailliert den Wettbewerb und den Markt und redet mit Mitbewerbern oder Branchenspezialisten
4. Er berechnet den inneren Wert des Unternehmens nach einer der diversen Methoden wie zb DCF

Jeden dieser Schritte macht ein Investor und mehr. Jeden dieser Schritte beherrscht ein Warren Buffet zur Perfektion. Und zum Schluss:

5. Ihm ist es völlig egal ob der Kurs kurzfristig etwas hoch oder runter geht. Er kennt den inneren Wert und verkauft erst dann, wenn er diesen Wert gemehrt hat und dafür den Preis bekommt, den er erwartet. Und wenn das Jahre dauert.

Das ist ein Investor.

Und jetzt frage ich alle, die aufgrund von Berichten in Magazinen und nach maximal einer Stunde Überlegung Aktien kaufen weil sie sie für "billig" halten - und sich dabei als "Value-Investoren" fühlen: Sind Sie wirklich Investoren ? Wenn ja, warum sorgen Sie sich über eine momentane Börsenpanik ? Sie kennen doch den wahren Wert Ihres gekauften Unternehmens. Oder ?

Nachdem ich uns so den Spiegel vorgehalten habe, sage ich Ihnen was die meisten von uns sind: Anleger, die sich wie Trader verhalten. Denn Trader bedeutet keineswegs nur Day-Trader. Es gibt unzählige Methoden und viele Stile, bei denen Aktien auch über Monate gehalten werden.

Der Trader unterscheidet sich aber vom Investor dadurch, dass er die Schritte oben nicht oder nur oberflächlich macht. Und er unterscheidet sich dadurch, dass ihn sehr interessiert wie sich der Kurs entwickelt, weil er in einem überschaubaren Rahmen von Tagen, Wochen, Monaten mit Gewinn verkaufen will. Und um das zu erreichen setzt er Techniken (Charts, Sentimentanalysen etc) ein, mit denen er sich einen Vorsprung vor den anderen Marktteilnehmern holen will.

Aber jemand der eine Aktie nach ein oder zwei Empfehlungen in Medien einfach an der Börse kauft und sich dann schon am nächsten Tag um den Kurs sorgt und von “Verlusten” redet, ist definitiv kein Investor, sondern eher ein Trader. Und dieser jemand tut gut daran sich nichts vorzumachen, sondern sich schnellstens die Tools und Techniken anzueignen, die es braucht um an den Märkten zu überleben. Warren Buffet weiss das natürlich, er kann aber jahrelang warten bis sich seine Investition auszahlt. Können Sie das auch ?

In den hektischen und volatilen Märkten dieser Zeit ist es sowieso erste Bürgerpflicht flexibel zu sein. Was ist also schlimm daran sich wie ein Trader zu verhalten ? Ich sage nur: Willkommen im Team !

Der Erfolg kommt nicht durch das richtige Etikett das man darauf klebt, sondern nur dadurch, dass man seine Sache gut macht. Und dazu ist es sehr wichtig zu verstehen, was die eigene Sache überhaupt ist. Denn nur dann kann man die richtigen Techniken einsetzen.