1 Prolog


“... Ich hoffe, dass ich mich zukünftig auch aktiv einbringen kann, auch wenn mir momentan nicht klar ist, was ich als blutiger Anfänger zu einer erfahrenen Community beitragen kann. Schauen wir mal.”

Das waren die Worte, mit denen ich im Juli 2015 meine Vorstellung im Forum abgeschlossen hatte. Und nun bin ich hier, um eine Kolumne zu schreiben. Hätte mir das damals jemand gesagt, dann hätte ich ihn wohl mit ungläubigem Lachen bedacht - so kann man sich täuschen... 😉

Da unser aller Ziel wohl ist, unser Geld an der Börse zu mehren, möchte ich mit einer Frage starten, auf die es viele Antworten gibt und je nachdem wen man fragt, werden diese Antworten völlig unterschiedlich ausfallen:

Was sind wichtige Zutaten für den Erfolg an der Börse?

Ich würde darauf antworten:

  1. Ein Plan, eine gute Strategie.
    Nicht, weil ich eine solche bereits besitze, sondern weil ich immer wieder über diesen Punkt gestolpert bin. Zum einen, weil sich bei mir das Fehlen eines guten Planes immer wieder bemerkbar macht. Zum anderen, weil Hari in diesem Punkt im positiven Sinne sehr redundant ist.
  2. Sich selbst zu kennen, zu wissen, wer man ist und was man kann - und was nicht.

Weder das eine noch das andere hatte ich auf dem Schirm, als ich vor wenigen Jahren meine Börsenkarriere begann. Dass die Frage wer ich bin, wie ich bin, wie ich mich verhalte und Entscheidungen treffe massiv Einfluss auf mein Handeln an der Börse hat, ist eigentlich offensichtlich. Dennoch muss man diese Erkenntnis erst mal haben - mich hat sie durchaus überrascht. 😉

Da ich Ihnen mit dieser Kolumne hoffentlich für einige Zeit erhalten bleibe stellt sich die berechtigte Frage:

Wer bin ich eigentlich?

Ich bin 35 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier energiegeladener Jungs (2 und 5). Aufgewachsen bin ich in Nordrhein-Westfalen, seit Zivildienst und Studium im Schwabenland sesshaft und dort beruflich inzwischen als Anwendungsentwickler tätig. Privat genieße ich die Zeit mit meiner Familie, betreibe Geocaching und bin immer für ein gutes Buch zu haben, wenn denn die Zeit dafür bleibt.

Bezogen auf die Märkte bin ich ein Anfänger, beschäftige mich überhaupt erst seit 2014 mit dem Thema und bin seit Mitte 2015 als calvin Mitglied hier bei Mr. Market. Daher war ich zum Glück nur gut ein Jahr ganz auf mich allein gestellt an der Börse unterwegs. Ich habe in der Schule nicht an einem Börsenspiel teilgenommen, habe keinen wirtschaftlichen Hintergrund, habe weder die Dotcom-Blase noch die Finanzkrise an der Börse erlebt, war aber auch leider nicht ab 2009 dabei. Zum Glück hinterlässt die Mitgliedschaft bei Mr. Market ihre Spuren, aber dennoch bin ich börsentechnisch nach wie vor ziemlich grün hinter den Ohren.

Vermutlich haben Sie jetzt höchstens ein sehr schwammiges Bild davon wer da schreibt, aber vielleicht gibt dieser grobe Rahmen einen ersten Eindruck. Ich hoffe, dass ich dieses Bild mit der Zeit schärfer zeichnen und weiter mit Leben füllen kann.

Warum schreibe ich hier als Börsenanfänger auf Mr. Market?

Zuallererst weil Hari mir die Möglichkeit dazu gegeben hat - ganz herzlichen Dank dafür!

Ansonsten - gute Frage. Es ist schon eher beängstigend genau das zu tun. Ich tendiere dazu mich zu fragen, was andere über mich, über das was ich sage und tue wohl denken.

Ist es dann nicht gewagt, eine Kolumne in diesem Blog zu schreiben? Hier lesen sehr viele Mitglieder mit und melden sich im Forum zu Wort, die so viel mehr in dem Bereich können und erlebt haben, als dass bei mir der Fall ist. Wenn ich mir überlege, dass zur Community professionelle Trader, Vermögensverwalter, Manager, Algotrader - insgesamt einfach zahlreiche sehr erfahrene Anleger gehören, was kann ich dann überhaupt beitragen?

Um was geht es?

Das Gute ist, ich muss kein Wissen vermitteln - einen schlechten Abklatsch von Hari braucht wirklich niemand. Vielmehr möchte ich Sie am Leben eines ganz normalen Anlegers teilhaben lassen.

Es geht im weitesten Sinn um einen Erfahrungsbericht direkt aus erster Hand:

  • Wie ist es, wenn man sich ahnungslos und ohne Vorkenntnisse in den Markt begibt?
  • Wie fühlt es sich an, wenn man tatsächlich das erste Mal sein eigenes Geld riskiert, während man es vorher immer nur für einen (mit der Zeit leider immer kleineren) festen Zins angelegt hatte?
  • In welche Fallen kann man tappen?
  • Warum fällt es mir so schwer, gute (im Sinne von Geld vermehrende) Entscheidungen zu treffen?
  • Wie fühlen sich schlechte Entscheidungen an? Und warum waren sie schlecht?
  • Warum stehe ich mir so oft selbst im Weg?
  • Warum ist es eigentlich gar nicht so einfach, Haris Erkenntnisse, Erklärungen etc. in die Praxis umzusetzen?

Hari schreibt regelmäßig darüber, wie wichtig es ist, eine Strategie zu haben. Aber wie sieht das in der Praxis aus:

  • Wie komme ich zu einer Strategie?
  • Wie kann sie aussehen?
  • Was kann, was muss vielleicht sogar Bestandteil davon sein?
  • Was bringt mir eine Strategie überhaupt?
  • Gibt es da Rezepte?
  • Was muss eine Strategie mitbringen, damit sie zu mir bzw. ich zu ihr passe?

Ich werde im Laufe der Zeit versuchen, diese Fragen aus meiner Sicht zu beantworten und zu beschreiben, wie mein Weg bisher aussah und was ich so alles versucht habe.

Was hat das mit Ihnen zu tun?

Wer sich dafür interessiert, darf mir gerne auf diesem Weg über die Schulter schauen, über manchen meiner Fehler schmunzeln, sich vielleicht in der ein oder anderen Situation wiedererkennen, seine eigenen Erfahrungen im Forum teilen, …

Zugegebenermaßen: Völlig selbstlos ist mein Schreiben hier natürlich nicht. Denn es zwingt mich, Klarheit in meine Gedanken zu bringen. Ob es sich dabei dann um die Analyse von Trades, Hinterfragen meines Verhaltens und der Ursachen für mein Handeln oder dem Entwickeln einer eigenen Strategie handelt spielt letztendlich keine Rolle.

Meine Hoffnung ist, dass meine Beiträge nicht nur mir selbst, sondern vielleicht auch dem ein oder anderen helfen, der selbst noch relativ am Anfang seiner Börsenkarriere steht.

Getreu dem Motto “Kluge Leute lernen aus den Fehlern anderer, der Durchschnitt aus eigenen Fehlern, der Dumme noch nicht einmal das” wäre es doch schön, wenn Sie aus meinen Fehlern bzw. wir untereinander durch den Austausch im Forum lernen könnten, um dem Markt nicht mehr zu schenken als notwendig und ihm gleichzeitig ein etwas größeres Stück abzuringen als es uns sonst vielleicht möglich gewesen wäre.

Ihr calvin

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Investieren ist so einfach, aber ….

Der folgende Grundlagenartikel ist leicht abgwandelt im Januar diesen Jahres im Premium-Bereich erschienen. Er richtet sich an alle, die erst damit beginnen, ihren Weg am Markt zu suchen oder die bisher nie so richtig auf einen grünen Zweig gekommen sind. Denn er adressiert ein Grundproblem vieler Anleger.

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"Investieren" ist die Tätigkeit, mit der fast jeder anzufangen versucht, der mit dem Markt zum ersten Mal in Kontakt kommt.

Man könnte etwas spitz fragen: Woran erkennt man den totalen Anfänger, der noch viele, viele Fehler vor sich hat?

Die Antwort ist: "Er kann das Wort Buffett schon buchstabieren, ist von Value-Investing fasziniert und fängt an Buchwerte zu vergleichen, um selber "Perlen" zu entdecken. Und wenn er ein KBV von 0,5 findet, dann wird er ganz nervös." 😉

Ja, ich weiss, das ist ein wenig böse, aber mit dem berühmten Schuss Wahrheit. Die längere Erklärung, warum dieses Denken Anfänger auszeichnet und warum es eher der falsche Ansatz ist, steht in einem Artikel von 2014, den Sie kennen sollten:
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und vom Zerrbild des Value-Investing <-

Man soll ja aber nicht nur erklären wie es nicht geht, sondern auch zeigen wie es geht. Und das will ich heute und in einem zweiten Folgeartikel beispielhaft tun. Und Ihnen dann im Folgeartikel den Aufbau eines sehr einfachen Investitionsdepot liefern.

Vorher müssen wir aber noch einmal ins Theoretische. Denn zunächst einmal möchte ich betonen, was auch in obigem Artikel sehr nachdrücklich geschrieben wurde:

Für (fast) jeden von uns ist es wichtig, ein ruhiges Basisdepot zu haben, mit dem wir mit begrenzten Risiken, einfach mit dem Markt mitlaufen!

Das gilt auch für Trader, auch denen tut diese ruhige Basis in der Regel gut und mit dieser Basis ist es auch nicht das Ziel "den Markt zu schlagen", sondern einfach nur mit beherrschbaren Risiken mit dem Markt mitzulaufen - zu investieren eben. Denn das ist schon mehr, als viele schaffen, die sich für klüger als der Markt halten und genau deshalb am Ende schlechter abschneiden.

Denn es gibt zwei Arten den Markt schlagen zu wollen.

Die eine Methode ist die Methode der Markttechnik. Das ist die Methode, die wir hier auf Mr-Market präferieren. Der Kern dieser Methode ist, dass wir den Markt genau beobachten und so seine grossen Schwingungen mitnehmen bzw die Täler vermeiden.

Diese Methode ist schwierig genug und der Markt ist ein harter Gegner. Aber sie ist auch für normale Anleger realistisch umsetzbar und wir haben als kleine Anleger da keinen unaufholbaren Nachteil gegenüber den Profis.

Die andere Methode, mit der man den Markt schlagen kann, ist die Fundamentale. Bei der Methode, muss es das Ziel sein, zu einer Aktie sozusagen "klüger zu sein" als der Markt. Heisst konkret, dass man die Zukunftsaussichten, die Risiken, die Geschäftserwartungen usw des Unternehmens besser einschätzen kann, als das, was schon in den Kursen enthalten ist.

Genau das ist die Grundlage davon, am Markt "unentdeckte Perlen" zu entdecken. Genau das ist die Grundlage von "Value-Investing" und vielen anderen Arten, nach fundamentalen Gesichtspunkten Aktien zu selektieren.

Das Dumme ist, diese Methode ist für uns als Individuen *noch viel schwieriger* als die Methoden der Markttechnik. Denn das was die Kurse ausmacht, ist ja schon das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses, an dem alle Marktteilnehmer mitgewirkt haben. Und die sind nicht doof, denn das sind auch Sie und ich und dann noch all die Profis dazu, die weit bessere Informationsquellen als wir haben.

Beschreiben wir das fundamentale Wissen um eine Aktie mal mit Schulnoten. Sagen wir, dass die Qualität dessen, was der Markt an öffentlichem Wissen über eine Aktie besitzt, einer Schulnote 3 entsprechen würde.

Wenn das so ist, hat der normale Anleger, der einen oder zwei mediale Artikel zu so einer Aktie liest und daraus seine fundamentale Entscheidung ableitet, die Schulnote 5. Der weiss bestenfalls Bruchstücke und definitiv viel weniger als der Markt. Er bildet sich aber gerne ein, wie unglaublich klug er ist. 😉

Nun nehmen wir an, dieser Mensch ist fleissig, er begnügt sich also nicht mit dem Artikel und forscht selber. Er liest vieles über die Aktie, studiert den Geschäftsbericht und saugt Informationen auf. Je nach dem wie gut und intensiv er das macht, erreicht er Schulnote 4 und nähert sich bei viel Fleiss der Note 3 an, weil er nun auch weiss, was der Markt schon in den Kurs der Aktie eingearbeitet hatte.

Das erfordert schon sehr, sehr viel Fleiss und ist für normale Anleger mit Beruf, nur für sehr wenige Werte gleichzeitig möglich. Nur schlagen kann der Anleger den Markt damit immer noch nicht. Aber wenigstens mit dessen Wissen gleich ziehen, das ist ja schon was.

Erst wenn besonderes Wissen oder Einsicht hinzu kommt, das/die die Mehrheit nicht besitzt, dann hat der Anleger die Chance die Note 2 zu erreichen und damit "klüger" als der Markt zu sein. Und dieses "Besondere" sind zum Beispiel besondere fundamentale Branchenkenntnisse, also Wissen, dass nur jemand hat, der auch in der Branche unterwegs ist.

Das kann zum Beispiel jemand sein, der in genau der Branche arbeitet und daher tiefere Einsichten hat oder jemand der sich seit vielen Jahren mit der Thematik befasst hat, die das Geschäftsmodell der Aktie bestimmt. Solche Menschen haben überhaupt erst die Chance, einen echten Mehrwert bei fundamentaler Betrachtung zu erzielen - die anderen eher nicht.

Und um da hin zu kommen, erfordert es Fleiss, Wissen, Erfahrung, Fleiss, Wissen, Erfahrung. Nichts was man "mal eben" am Nachmittag im Internet macht.

Genau das - dieser "Note 2 Zustand" - ist auch der Zustand, den gute (Value-)Investoren zu erreichen suchen. Sie haben sich dann so tief im Unternehmen eingegraben und sein Umfeld so intensiv abgeklopft, dass sie tatsächlich für diesen einen Wert etwas "klüger" als der Markt sind. Sie wissen mehr und können die Zukunft besser einschätzen.

Was glauben Sie wohl, was Buffetts Leute gemacht haben, bevor sie aktuell diesen -> eher kleinen Mittelständler <- gekauft haben. Sie haben über Wochen und Monate gegraben, intensiv mit dem Management gesprochen, abgewogen und den Markt sondiert. Und dann - dann! - haben sie zugeschlagen, nicht nur weil ein oder zwei Finanzkennzahlen gut aussehen.

Da der Markt aber schon ein hohes Mass an Wissen über die börsennotierten Unternehmen vereint, besteht der Preis für so eine Strategie, neben hoher Qualifikation aus enorm viel Zeit und Energie, die man einsetzen muss. Das ist etwas das der normale Anleger im Normalfall gar nicht aufbringen kann, zumal auch oft die Grundlagen fehlen. Denn ein Geschäftsmodell korrekt einzuschätzen ist ja nichts, das man einfach so kann, das ist das Ergebnis von viel Erfahrung. Wie ich mich da trotz all meiner massiven Erfahrung realistisch selber einschätze, habe ich im oben verlinkten Artikel deutlich gemacht, das sollte Warnung für jeden sein, der weiss was Demut ist.

Aber, es geht durchaus diesen Zustand zu erreichen. Der fundamentale Pfad sich einen Edge zu erarbeiten, funktioniert durchaus, ich will hier nicht Value-Investing schlecht reden, im Gegenteil. Aber es hat eben einen hohen zeitlichen und intellektuellen Preis.

Absurderweise ist aber genau das die Methode, in der fast jeder Aktien-Anfänger in grenzenloser Selbstüberschätzung versucht, seine ersten Schritte am Markt zu machen. Das sind dann die, die ich oben mit "kann das Wort Buffett schon bustabieren" etwas sarkastisch beschrieben habe. Ich habe da eine Aktie "entdeckt" - dieser Satz sagt schon alles und ist der zuverlässige Vorbote grosser Enttäuschungen. 😉

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Wenn Unsicherheit Sicherheit schafft



Guten Morgen!

Ein strahlender Tag bricht hier in Oberbayern nach den tagelangen Regenfällen an. Und auch der US Markt präsentiert sich fröhlich und gut gelaunt.

Wir wissen ja, dass der Markt von den Erwartungen bewegt wird und nur von den Erwartungen. Natürlich auch von Themen wie Fundamentaldaten, die wirken aber indirekt über die Erwartungen. Heisst wenn Ereignisse oder Daten den Erwartungen entsprechen, gibt es keine Veränderung. Wenn Daten aber die Erwartungen verändern - wie letzten Freitag die US Arbeitsmarktdaten - dann wirkt sich das massiv auf den Markt aus.

Es sind aber eben - um präzise zu sein - nicht die Daten, die die Kurse verändert haben, sondern die Anpassung der Erwartungen der Marktteilnehmer, die aber natürlich durch die Daten initiiert wurde. Jedwedes Ereignis in der realen Welt muss also an den bestehenden Erwartungen des Marktes gespiegelt werden und erst wenn sich daraus ein Delta ergibt, setzen sich die Kurse in Bewegung.

Deshalb ist auch die Regel so logisch, nach der der Markt Unsicherheit hasst. Denn Unsicherheit bedeutet, dass die Erwartungen schwammig und im Nebel sein müssen, frei nach dem Motto "nichts genaues weiss man nicht". Und selbstverständlich muss man so eine Unsicherheit in den Kursen diskontieren. Will sagen, eine unsichere Zukunft ist weniger wert als das gleiche Zukunftsmodell, nur mit sicherem Ausgang. Das ist völlig klar und völlig logisch und deswegen bedeutet Sicherheit und ein belastbarer Ausblick für den Markt ein Premium, das höhere Kurse erlaubt, als grosse Unsicherheit.

An dieser Nahtstelle der Erwartungen, ist seit Freitag nun Erstaunliches passiert. Bisher war der Markt unsicher, wie scharf die FED eigentlich ist. Wahrscheinlichkeiten von 30 oder 40% wurden für eine Zinserhöhung im Juni (nächste Woche) herum gereicht. Das ist recht grosse Unsicherheit über den kurzfristigen Verlauf, weil es sich mehr und mehr dem Wurf einer Münze annähert und Unsicherheit bedeutet: siehe oben. 🙂

Dann kamen die US Arbeitsmarktdaten, die auf den ersten Blick verunsichernd, weil völlig überraschend waren. Auf den zweiten Blick haben sie diese Unsicherheit um den Juni aber aufgelöst und die Zinserhöhung fast völlig ausgepreist. Und das wirkt positiv, siehe oben. 🙂

Einzig die Frage, ob Janet Yellen gestern wieder den alten Zustand herstellt und die Juni-Erhöhung auf der Agenda hält, war noch offen. Und genau diese Flanke hat Yellen gestern geschlossen.

Denn Yellen hat sich zwar alle Optionen für den Sommer offen gehalten und betont, dass eine Erhöhung auf der Agenda bleibt, gleichzeitig aber so unkonkret gesprochen, das man nun den Juni tatsächlich abhaken kann.

Damit ist die FED Sitzung kommende Woche nun fast schon zum Non-Event geworden und die sich mit Blick auf den 15.06. aufbauende Antizipation hat sich in Luft aufgelöst. Nun hat der Markt relativ hohe Klarheit.

Erstens, es kommt maximal noch genau eine Zinserhöhung vor der US Wahl und die kommt im Juli oder September.

Zweitens, diese kommt aber nur, wenn die Arbeitsmarktdaten von letzten Freitag eine Anomalie waren.

Drittens, wenn in 2016 überhaupt eine zweite Erhöhung kommt, dann bestenfalls wieder bei der Dezember-Sitzung nach der Wahl.

Damit hat der Markt einen klaren Fahrplan, auf den er sich einstellen kann. Und Klarheit liebt der Markt eben.

Und deswegen hat der S&P500 nun entgegen meiner bisherigen Erwartung gute Chancen, schon vor der FED nach oben zu neuen Hochs zu laufen.

Nicht weil meine Einschätzung auf Basis des alten Lagebildes falsch war, sondern weil sich nun die Erwartungen massiv geändert haben und damit die FED Sitzung kommende Woche ihre grosse Bedeutung verloren hat. Wenn man so will, hat Yellens gestrige Rede zusammen mit den Arbeitsmarktdaten von Freitag, die FED Sitzung vorweg genommen. Alles was verbleibt ist ein kleines Restrisiko des "es kann doch anders kommen", das aber immer und bei jeder Frage existiert und deswegen niemanden in Unruhe setzen muss.

Wenn man so will, hat Unsicherhiet hier also Sicherheit geschaffen und der Transmissionsriemen dabei, waren wir immer die Erwartungen.

Genau so funktioniert der Markt und dieses Verständnis müssen Sie im wahrsten Sinne des Wortes in sich aufsaugen, wenn Sie lernen wollen den Markt zu antizipieren.

Die grosse Unsicherheit die bleibt, ist damit die Frage des Brexit, zu der ich mich ja gestern in -> was der Brexit für uns bedeutet <- deutlich geäussert habe.

Wie gross diese Unsicherheit ist, kann man auch an dem -> Fat Finger <- sehen, der heute früh den Euro zum Pfund hat einbrechen lassen.

Weil das so ist und Unsicherheit dämpft, ist die Chance auf eine Rally nach der Abstimmung ganz real vorhanden. Ganz besonders natürlich, wenn diese im Sinne der EU ausfällt und den Status Quo nicht antastet.

Der DAX wurde die letzten Tage durch die Rally im Euro natürlich gedämpft, hat sich aber immer noch brauchbar gehalten und vor allem die Struktur eines positiven Trends seit Februar am Leben gehalten.

DAX 07.06.16

Mit dem Abflauen der Unsicherheit, die von der FED ausgeht, sehe ich nun ein Fenster von ein paar Tagen, in denen auch der DAX Chance zur Stärke hat, bevor dann die Fragezeichen um den Brexit die europäischen Aktienmärkte wohl wieder in der Stasis halten.

Im grösseren Bild, hat der DAX übrigens bisher den Bruch der Abwärtstrendlinie bestätigt und auch das ist kein schlechtes Zeichen. Die kurzfristigen Signale im DAX drehen auf Grün.

Ich bin übrigens recht sicher, dass die relative Schwäche des DAX genau daher rührt, dass sich das grosse, institutionale Geld aus den US vor der "Brexit-Abstimmung" nicht in Europa exponieren will. Sie müssen dabei bedenken, dass bedingt durch die Sprache, der Diskussions-Stand den US Anlegern viel näher ist, als uns Deutschen oder Franzosen. Wir bekommen die Entwicklungen vor Ort nur entfernt und durch die Medien gefiltert mit, die US Institutionellen, nehmen via Financial Times beispielsweise direkt am Geschehen teil.

Aus diesem Grund erscheint mir auch eine starke Rally der europäischen Aktien so wahrscheinlich, wenn der Brexit abgelehnt werden sollte. Denn dann entsteht in den US wieder grünes Licht für eine längerfristige Anlage in Europa und insbesondere bei britischen Aktien.

Der heutige Handelstag ist an sonstigen Wirtschaftsdaten und Ereignissen sehr leicht, was dem Markt Zeit und Raum gibt, sich mal ruhig mit sich selber zu beschäftigen.

Zum Abschluss noch kurze und klare Worte von Peter Brandt, wie man an Trades heran gehen sollte: -> Simple Trade Management <-.

Das ist, was ich Ihnen auch immer sage. Es kommt nicht darauf an, ob der einzelne Trade funktioniert hat oder nicht. Wenn man eine 60/40 Trefferquote hat, werden 40% halt nicht funktionieren, das ist schon vorher klar.

Es kommt darauf an, dass wir bevor wir den Trade eingegangen sind, im Rahmen unserer Strategie alles richtig gemacht haben. Ein Trade, der in diesem Sinne richtig war, ist auch dann noch richtig, wenn er am Ende zu den 40% gehört.

Um das entscheiden zu können, müssen wir aber überhaupt erst einmal eine Strategie haben. 😉

Wer Erfolg an den Märkten haben will, muss also den Prozess in den Mittelpunkt stellen, die Güte der Entscheidungen und Handlungen gespiegelt an dem, was man sich vorgenommen hat.

Das Ergebnis des einzelnen Trades ist dagegen zweitrangig, das kommt von alleine und wenn man einen guten Prozess (eine gute Strategie) hat, wird das Ergebnis über die Zeit von alleine positiv.

Anfänger erkennt man leicht daran, dass sie sich über die Verluste in einem einzelnen Trade ärgern und immer die Dollar-Zeichen dabei im Blick haben. Profis erkennt man daran, dass sie darüber nur die Schultern zucken und schon am nächsten Trade sind. Mund abwischen, weiter machen.

Worüber Profis sich ärgern ist, wenn sie im Nachhinein feststellen, dass sie beim Eingehen des Trades etwas übersehen oder "verschlampt" haben, das sie hätten zu diesem Zeitpunkt wissen müssen und können. Das - und nur das - ist berechtiger Grund für Ärger und Anlass sich zu verbessern.

Der Prozess steht also im Mittelpunkt, nicht das Ergebnis des einzelnen Trades - das kommt von ganz alleine.

So weit an diesem sonnigen Morgen, gehen wir für ein paar Tage also eher auf Chancen-Suche, als uns ängstlich zu vergraben. Das passt doch zum herrlichen Wetter. 😀

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die Pralinenschachtel und warum Sie sich fokussieren sollten!

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 30.10.15 16:40 in Hari Live und wurde für die Verständlichkeit im freien Bereich leicht überarbeitet

"Stockbee", einer der Links in meinem "Interessanten Blogs", macht hier einen sehr wichtigen Punkt: -> Narrow your focus! <-

Für jeden der aktiv am Markt unterwegs ist, egal ob Trader oder doch eher normaler Anleger, gilt:

Konzentrieren Sie sich auf wenige Dinge, die Sie sehr gut beherrschen lernen. Und verzetteln Sie sich nicht!

Machen Sie sich bitte klar, dass ein Blog wie Mr-Market, bewusst die ganze Bandbreite an Themen abdeckt. Das liegt erstens daran, dass ich Börse für Sie erlebbar machen will. Zweitens aber auch, dass Sie als Leser ja die ganze Bandbreite darstellen. Vom Anfänger bis zum Profi, vom Feierabend-Anleger bis zum Fondsmanager, vom langfristigem Investor bis zum Daytrader, haben wir alle Typologien hier in der Community versammelt.

Für Sie alle, mit all Ihren völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Zielen, liefern die Kolumnisten und ich Ihnen hier auf Mr-Market ein breites Angebot an Wissen und Ideen, aus dem Sie für Ihr konkretes Handeln am Markt, aber das für sich heraus picken und umsetzen müssen, das wirklich zu Ihnen passt! Diese Aufgabe kann ich Ihnen nicht abnehmen.

Das heisst nicht, dass Sie nicht alles lesen und aufnehmen sollten. Doch das sollen Sie hier, das macht Sinn, um den Markt in der ganzen Breite zu erleben und Wissen aufzubauen. Zwischen Wahrnehmung und Handlung, ist aber noch ein wichtiger Unterschied!

Es ist gut, viel wahr zu nehmen und offenen Auges durch die Welt zu gehen. Neue Dinge und Techniken kann man auch nur entdecken, wenn man nicht mit Scheuklappen, Bias und massiver Wahrnehmungs-Selektion durch das Leben geht.

Die Kunst bei aller Aufnahmebereitschaft ist aber, sich beim Handeln selber zu konzentrieren, sonst bekommt man am Ende gar nichts mehr "gebacken".

Betrachten Sie die Inhalte pro Tag im Premium-Bereich also wie eine Pralinenschachtel, es macht Spass sie anzusehen. Und jede Praline für sich schmeckt ja lecker, aber würde man versuchen alle gleichzeitig zu essen, bekäme man garantiert Bauchweh. Anschauen kann man alles, wenn es ans Essen geht, liegt aber in der Selektion der Genuss!

Und bitte glauben Sie auch nicht, dass ich all das auch immer selber aktiv handele, was ich hier an Themen und Ideen liefere. Das ginge doch gar nicht. Ich lasse Sie an Vielem teilhaben, das ich im Laufe eines Börsen-Tages wahrnehme. Und würze das mit Erklärungen und Hintergrundinformationen. Und genau diese Kombination der Aktualität mit der Vermittlung von Wissen und Kontext, macht das Besondere von Mr-Market aus, das man woanders in dieser Form nicht oder höchst selten findet.

Etwas zu sehen, ist aber wie oben schon gesagt nur die erste Stufe einer sinnvollen Selektion. Um es zu handeln, sollte es eben auch zu der eigenen Strategie, den Rahmenbedingungen und den eigenen Fähigkeiten passen! Und dabei fällt dann vieles durch den Rost, was für sich alleine gesehen, sehr wohl eine schöne "Praline" sein könnte.

Konkret habe ich selber doch eine ruhige Investmentstrategie, die ich hier schon oft beschrieben habe. Die ziehe ich einfach "stur" durch.

Und dann trade ich auch bestimmte Gelegenheiten opportunistisch, wobei das bei mir - wie ich ja zuletzt ausführlich beschrieben habe - durch den Zeitaufwand für diesen Blog gegenüber früher etwas weniger geworden ist. Es macht halt einen Unterschied, ob man einen "heissen" Trade in Ruhe beobachten und "babysitten" kann, oder ob man dazwischen immer wieder längere Phasen hat, in denen man konzentriert schreibt.

Und dabei müssen Sie ja noch berücksichtigen, dass ich als extreme "Informations-Verarbeitungs-Maschine", in dieser Intensität wohl eher eine Ausnahme bin. Meinen etwas ungewöhnlichen Weg, habe ich ja ausführlich vor über 3 Jahren hier beschrieben. In einem sehr persönlichen Artikel, den eigentlich jeder mal gelesen haben sollte. Auch wenn ich heute, nach der langen Zeit und dem Aufbau des Blogs, ein paar Dinge leicht anders schreiben würde, ist das immer noch lesenswert und auf mich im Wesentlichen zutreffend:
-> Der Trader, das unbekannte Wesen <-

Selektion ist also Trumpf, auch für Sie. Und Disziplin und bewusstes Handeln ist Trumpf, auch für Sie!

Stellen Sie sich mal bewusst die Frage, was Sie am Markt besonders gut können. Bei welcher Technik, glauben Sie die notwendigen Handlungen zu beherrschen, welche Methodik liegt Ihnen und Ihrer Psychologie?

Wenn Sie diese Frage überhaupt beantworten können, sollten Sie genau in diese Techniken mehr hinein investieren. Dort liegt dann vielleicht Ihr Anlage-Glück begraben.

Und wenn Sie diese Frage noch gar nicht beantworten können, müssen Sie erst einmal für sich eine Antwort finden. Dafür biete ich Ihnen ja hier immer wieder eine komplette Auswahl an "Pralinen", heute auch wieder von langfristigen Erwägungen bis Daytrading.

Um aber heraus zu finden, was zu Ihnen passt, muss man sich damit beschäftigen und es auch ausprobieren. Die Besonderheit des Börsenhandels ist ja, dass unsere Psychologie mindestens 50% des Erfolges ausmacht.

Und so gibt es viele Techniken, die sich zwar theoretisch sehr attraktiv anhören, erst wenn man sie ausprobiert, kann man aber bemerken, dass man psychologisch damit gar nicht klar kommt.

Aus diesem Grunde, halte ich auch von „Papertrading“ wenig, es fehlt völlig der Einfluss der Emotionen, der erst dann zum Tragen kommt, wenn es um etwas geht. Es gibt eben Dinge, die kann man nur wirklich lernen, in dem man eigene Erfahrungen macht. Aktiver Handel an den Märkten, gehört für mich ganz klar dazu.

Also: Fokussieren Sie sich! Beantworten Sie die Frage nach *ihrer* Strategie. Und laufen Sie nicht jeder der Ideen hinterher, die irgendwo generiert werden. Wenn Sie das noch tun, stehen Sie noch ganz am Anfang. Generieren Sie statt dessen eigene Ideen, die zu Ihrer Strategie passen!

Und in dem Sie diese Ideen dann mit anderen hier im Forum der Community teilen, helfen Sie sich selber am meisten. Denn erst in dem man etwas für andere aufschreibt, wird man gezwungen, es so richtig zu durchdenken und abzuklopfen. Wer schreibt bleibt. 😉

Erneut, das ist hier eine Pralinenschachtel. Und ein Mentoring. Ihr Job ist, aus der Breite der Möglichkeiten und Techniken, wenige Dinge auszuwählen und in denen mit meiner Hilfe und der Hilfe der Community richtig gut zu werden! Und das nennt man Strategie. Ich habe eine. Und Sie?

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***