Hari´s Märkte am Abend – 25.04.12 – Apple hebt die Stimmung – FED bleibt gelassen

22 Uhr - Handelsschluss

An Apple (WKN 865985) sieht man heute mal, was eine einzelne Aktie für eine Auswirkung haben kann. Sicher spielten auch andere Effekte eine Rolle, aber die grandiosen Zahlen von Apple, verbunden mit 10% Plus im heutigen Handel haben ganz klar weltweit die Börsenstimmung gehoben und so erste Käufer motiviert in den Markt zu gehen. Und dann passiert, was heute passiert ist, die ersten Käufe ziehen weitere nach sich und so entsteht ein positiver Trendtag wie heute.

Die FED hat dagegen keine Überraschung geliefert. Und da der Markt genau das auch erwartet hatte, gab es auch kaum Reaktion auf die Beschlüsse. Die Rede von Ben Bernanke ab 20.15 Uhr sorgte dann noch für etwas Volatilität, weil jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird und zu Reaktionen führt. Ausserdem gibt es mittlerweile Algos, die direkt auf die Worte einer Rede traden, was solche Reden noch gefährlicher macht. Algos die schriftliche Nachrichten direkt nach Keywörtern durchsuchen und darauf traden gibt es schon länger. Um das eine mit dem anderen zu verbinden, braucht es nur Software die eine Rede live "mitschreibt" - auch das ist nichts Neues, zum Beispiel für Diktatsoftware. So hängen nun nicht mehr nur Menschen, sondern auch Computer-Algorithmen an den Lippen des FED Chairmans - welch schöne neue Welt. 😉 Aber am Ende lief auch die Rede ohne Überraschungen ab.

Trotz des heutigen starken Tages, hat sich an meiner Erwartung an den DAX wenig geändert. Ich denke die volatile Schaukelphase (Aprilbörse) geht weiter. Viel besser sieht es mal wieder in den US Indizes aus. Die heutige Stärke hat eine Reihe bärischer Formationen negiert und es könnte nun gut sein, dass wir nachhaltig in die alte Range zurück kehren und die in den US Indizes milde Korrektur schon wieder erledigt ist.

Um Verwirrung mit den unterschiedlichen Zeithorizonten zu vermeiden, habe ich im folgenden meine aktuelle Erwartung an den DAX noch einmal kompakt und übersichtlich zusammen gefasst, die ich ja in diversen Artikeln schon ausführlicher thematisiert hatte. Meine persönliche Erwartung an die Börsenentwicklung ist Stand 25.04.12 Abend:

(1) Sehr kurzfristig für die nächsten Tage: eher optimistisch wg des überverkauften Zustands des Marktes.

(2) Kurzfristig für die nächsten Wochen: eher vorsichtig bzw. skeptisch, die schwierige “Aprilbörse” geht wohl weiter, mindestens bis zum 06.05.

(3) Mittelfristig zum Jahresende: eher optimistisch, weil ich denke die Notenbanken werden drucken und drucken und den Markt stützen solange es geht.

(4) Langfristig mit Horizont 3 Jahre: eher pessimistisch, ich befürchte wir werden noch “den grossen Knall” und “Reset” des Währungssystems erleben. Erst wenn das Thema aus dem Weg geräumt ist, kann es wieder richtig aufwärts gehen.

(5) Sehr langfristig für die nächsten 10 Jahre und darüber hinaus: sehr optimistisch, die Welt steht an der Schwelle neuer Innovationen, die den nächsten säkularen Bullenmarkt begründen werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Erwartungen nicht in Stein gemeisselt sind, sondern sich durch eine sich um mich herum verändernde Welt auch ändern - je kürzer der Zeithorizont, desto öfter und schneller. Die sehr kurzfristige Sicht ändert sich jeden Tag, wie soll es auch anders sein. Obige Erwartungen sind also eine reine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger.

Damit zu einzelnen Aktien bzw. Themen:

Auffällig war heute die Stärke des europäischen Bankensektors. Einen überzeugenden Anlass konnte ich nicht feststellen. Die ganz brauchbaren Zahlen der Credit Suisse (WKN 876800), die die grosse Presse im scheinbaren Bedürfnis für alles einen "Grund" zu finden anführte, dürften für die Profis kein Anlass gewesen sein, ihre Sicht auf PIGS-Banken zu ändern - zumal die anfänglichen Gewinne der Credit Suisse schnell wieder abgegeben waren. Und ein Zusammenhang zu Apple ist bei aller Phantasie sowieso Unfug. Insofern gehe ich bei den Banken von einer rein technischen Erholung nach dem wochenlangen Absturz aus, der man nicht all zu viel Bedeutung beimessen muss.

Auch das Gerede, dass die mässigen Zahlen von Siemens (WKN 723610) ein Indiz für eine kommende Rezession seien, halte ich für verfehlt. Siemans hat dürftige Zahlen, weil es bei einigen Grossprojekten wie der Windkraft in der Nordsee "hakt". Mit Konjunktur hat das für mich wenig zu tun, eher mit eigenen Fehlern bei Siemens. Wie es um die deutsche Maschinenbaukonjunktur aussieht, kann man da in meinen Augen eher beispielhaft an Dürr (WKN 5565209) sehen, der Auftragseingang im ersten Quartal stieg um über 20%. Wobei man von "der" Konjunktur sowieso nicht mehr reden kann. Denn wer primär seine Kunden im Süden Europas hat, der hat natürlich ein Problem, da ist die Rezession schon längst da. Wer aber wie die meisten deutschen Maschinenbauer und Industriewerte seine Kunden weltweit und insbesondere in China oder USA hat, dürfte in der Regel keine Probleme mit seinen Auftragseingängen haben.

Die -> hier <- Mitte Februar ausführlich besprochene Corning (WKN 850808) lieferte heute vorbörslich "überraschend" solide Zahlen, die ein Ende des Abwärtstrends bei den Glaspreisen nahelegen und ist 7% im Plus ! Ich habe zu meiner langfristig positiven Sicht auf die Aktie und das Geschäftsfeld nichts hinzufügen. Wenn der Titel für Sie neu ist, lesen Sie bitte den verlinkten Artikel vom 21.02.12 noch einmal.

Auf dem Chart sieht man sehr schön das zulaufende Dreieck mit der zunehmenden Kompression. Sollte der Aktie demnächst ein Ausbruch nach oben gelingen, wäre die folgende Expansion für mich ein klarer Kauf mit einigem Potential.


Source: Finviz.com

Einen grossen Satz nach oben machte heute das Agrardünger-Segment. Mosaic (WKN A1JFWK) lieferte einen positiven Ausblick und der Kurs zog um 5% an. Auch K+S (WKN KSAG88) wurde davon natürlich positiv beeinflusst und ist auch 4% im Plus. Ich bin bei beiden Aktien auf der Long-Seite investiert und sehe das ganze Segment als mittel- und langfristig sehr aussichtsreich an. Sicher unterliegt die Nachfrage saisonalen Schwankungen, aber an dem prinzipiell steigenden Bedarf für Dünger zur intensiven Bewirtschaftung der begrenzten Ackerflächen der Welt, führt in meinen Augen kein Weg vorbei. Die aktuelle Situation erlaubt diese attraktiven Aktien nun zu niedrigen Kursen einzusammeln - für mich persönlich eine Gelegenheit zur langfristigen Investition, die ich nicht verpassen werde.

Im Bereich Agrar möchte ich auch noch einmal Ihren Blick auf den hier schon besprochenen Traktorenhersteller Agco (WKN 888282) richten, der gerade ein schönes Reversal hinlegt und auch den 200er Moving Average zurück erobert hat. Die fundamentale Bewertung ist in meinen Augen sowieso attraktiv.


Source: Finviz.com

Bei Veolia (WKN 501451) , die ich als Aktie nach wie vor attraktiv finde, muss man nun genau auf die Frankreich-Wahl achten. Das gesamte Geschäftsfeld ist sehr staatsnah und wäre massiv durch Regulierung betroffen. Gerade die Wasserversorgung, die ja nun wirklich zur Grundversorgung gehört, ist ein beliebtes Ziel staatsdirigistischer Anwandlungen. Aber auch die Abfallwirtschaft könnte unter Dirigismus leiden. Ob Hollande in diesen Bereichen dann wirklich aktiv wird und "Sozialpolitik" über Preisvorgaben betreibt ist unklar, aber für uns als Aktionäre auch nicht relevant. Denn der Kurs würde schon lange vorher betroffen sein, wenn der Markt auch nur vermutet, dass dergleichen auf die Agenda kommt. Insofern könnte ein Sieg von Hollande den Kurs von Veolia möglicherweise belasten. An meiner grundlegend positiven Sicht auf den Turnaround ändert das nichts, man sollte das aber nicht aus dem Auge verlieren. Denn ohne ein positives politisches Umfeld hat ein öffentliches Versorgungsunternehmen wie Veolia keine Chance, ganz egal wie gut man intern eine Restrukturierung gestaltet.

Sehr stark waren heute die Gold-Minenwerte die im Mittel um mehr als 2% stiegen, wie man dem GDX oder HUI entnehmen konnte. Und Gold zuckte wie ein nervöses Pferd hin und her. Die gestern besprochene Expansion ist scheinbar nicht mehr weit entfernt - fasten your seatbelts !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Deutsche Bank – zerschlagt sie endlich !

Heute erlaube ich mir aus gegebenem Anlass einen persönlichen Kommentar zum Umbau bei der Deutsche Bank (WKN 514000).

Kaum waren die Meldungen über die neue Mangement-Struktur draussen, da hatte die einschlägige Presse natürlich nicht besseres zu tun, als das Bild vom "bösen Gierbanker" Anshu Jain zu malen, der die Herrschaft an sich reisst.

Für mich sind das demagogische Zerrbilder für die Volksseele, die auf dem Rücken von einem Menschen ausgetragen werden, der sich mangels deutscher Sprache nicht angemessen verteidigen kann. Bestimmte Teile der Presse haben mit so etwas ja aber scheinbar Erfahrung, wie man an einigen sehr persönlichen Kampagnen der Vergangenheit nach meiner Ansicht nachvollziehen kann.

Wenn man das so liest, könnte man fast meinen, deutschsprachige Manager ala Ackermann, Börsig und Co. seien ja perse weit weniger "gierig" und ihnen ginge es ja nur um das Gemeinwohl, während der "böse" Herr Jain uns ja wie Graf Dracula nur aussaugen will. Das ich nicht lache, das sind für mich Zerrbilder, sonst nichts !

Die neuen Herren Jain und Fitschen machen nichts anderes, als was auch jeder Minister gleich welcher Partei von links bis rechts macht, wenn er Chef eines Ministeriums wird. Sie bringen Vertraute auf die Schaltstellen der Organisation. Solange man es dabei nicht im Sinne einer "Säuberung" übertreibt und alter Kompetenz ihren Raum lässt auch wenn sie einen eigenen Kopf hat, macht das für Organisationen auch durchaus Sinn. Denn die Leistungskraft der Organisation als Ganzes steigt dadurch, Sand im Getriebe durch Machtkämpfe in der zweiten Reihe kann man im weltweiten Wettbewerb nicht gebrauchen.

Aber ein Korn Wahrheit ist nach meinem Einddruck an dem Gerede vom "Putsch" vielleicht ja doch dran, wie so oft haben Gerüchte einen wahren Kern. Denn die Investmentbanker haben scheinbar noch mehr Macht im Konzern bekommen, eine Macht die ihnen nach meiner Ansicht übrigens primär die Herren Ackermann und Vorgänger gewährt haben, in dem sie zuliessen, dass sich dort Aktienanteile in Form von Boni im (vermutlich) zweistelligen Prozent-Bereich des Stammkapitals der Deutschen Bank ansammelten.

Den Investmentbankern "gehört" die Deutsche Bank im wahrsten Sinne des Wortes. Und deswegen sollte sie sowieso besser in "Londoner Bank" umbenannt werden. 😉 Nicht wegen der paar Posten die Jain nun vergibt, sondern weil die Investmentbanker durch für mich völlig überzogene Boni mächtige Aktionäre wurden !

Und an der Stelle werde ich dann doch wütend, wenn ich mir anschaue, dass der Staat - und damit wir Steuerzahler - eine defacto Ausfallgarantie für die Deutsche Bank aussprechen, die die Herren der Deutschen Bank aber nichts kostet. Denn die Deutsche Bank ist bei dieser Grösse einfach "too big to fail". Was bedeutet, dass wir alle - Sie und Ich - das Risiko des grossen, gehebelten Rades mittragen, dass die Truppen um Jain drehen und weiter drehen werden.

Und damit es da kein Missverständnis gibt, ich habe nichts gegen das grosse Rad und halte die Investmentbanker als "böse Buben" wie oben beschrieben für ein Zerrbild, mit dem man die unwissende Volksseele aus höchst eigensüchtigen Motiven knetet. Investmentbanken machen einen wichtigen Job, an dem zunächst einmal nichts auszusetzen ist, solange Risiko und Haftung an der richtigen Stelle liegen.

Ich habe aber massiv etwas dagegen, dass ich ungewollt für die Fehler der Investmentbank mithafte. Herr Jain und seine Truppen hätten bestimmt auch etwas dagegen für die Millionen an Darlehen deutscher Bürger mit dem persönlichen Vermögen zu haften, ohne darauf Einfluss zu haben.

DAS finde ich auf gut Deutsch eine "Sauerei" und ich verstehe nicht, warum die Politik das zulässt.

Und die bisherigen "Lösungen" der Politik sind für mich unzureichend und nicht mehr als ein Nasenwasser. Die vermeintlich so "hohen" neuen Eigenkapitalanforderungen an die Banken sind beim Profil der Deutschen Bank nach wie vor viel zu gering und können einen katastrophalen Zusammenbruch nicht verhindern, da das im Investmentbanking gedrehte Rad viel zu gross ist. Deutschland sollte sich da ein Beispiel an der Schweiz nehmen, die ihre UBS und Credit Suisse weit stärker an die Kandarre nimmt.

Die einzige, in meinen Augen wirklich funktionierende Lösung wird aber politisch gar nicht diskutiert und es ist mir ein Rätsel warum das nicht passiert. Die Deutsche Bank gehört für mich im Sinne des Amtseides aller deutschen Verantwortlichen "zum Wohle des deutschen Volkes" zerschlagen ! Und zwar in eine Investmentbank die frei agieren darf und eine "Geschäftsbank", die nur für die Kontenführung und Kreditvergabe zuständig ist. Ein Trennbankensystem eben !

Dann endlich könnte man die Investmentbank im Falle des Falles auch leichter abwickeln und müsste keinen Bankrun in ganz Deutschland befürchten. Dann endlich wäre auch die implizite Staatsgarantie durch uns Steuerzahler vom Tisch.

Natürlich werden sich gerade die Investmentbanker massiv dagegen wehren und wie Ackermann permanent von den Vorteilen einer integrierten Gesamtbank reden. Diesen Vorteil haben aber nur die Aktionäre und Bonusempfänger der Bank.

Richtig ist natürlich, dass es diese Investmentbank auf eigenen Füssen weit schwerer hätte, weil sie eben nicht mehr wie heute die Einlagen von "Oma Büllerbeck" in der Filiale als Grundlage nutzen könnte, um an den Märkten das grosse Rad zu drehen.

Aber wäre nicht genau das wünschenswert ? Was hat es noch mit dem Gedanken einer Bank zu tun, dass Spareinlagen braver Bürger ungewollt und ungefragt das indirekte Treibmittel für grosse Spekulation sind ? Eine reine Investmentbank hätte nur noch das Kapital der Anleger zur Verfügung, die es auch bewusst für die Geschäfte der Investmentbank einsetzen wollen. Das ist fair und sauber und da kann und sollte sich der Staat dann auch raus halten. Und wenn diese Investmentbank riesige Gewinne macht, seien Sie den handelnden Personen zu gönnen. Und bei Verlusten haften die, die dafür zuständig sind - die Aktionäre und nicht wir Steuerzahler !

Also zerschlagt endlich den Koloss Deutsche Bank ! Warum meine Damen und Herren Politiker, trauen Sie sich da nicht ran ?