Der ewige Markt und seine Strukturen

Ja, auch Videos gibt es im Premium-Bereich, ca. eines pro Woche.

Heute haben sie im freien Bereich die Gelegenheit, mal in Eines hineinzuschauen, das ich im Oktober letzten Jahres erstellt habe und in dem ich sie locker durch 70 Jahre Börse und ihre Stukturen führe.

Denn das Erstaunliche ist, wie wiederholbar doch vieles ist und wie vergleichsweise leicht man das erkennen kann, wenn man sich mal mit etwas Abstand vom täglichen Geplapper und der "Börsenpornographie" löst, die täglich die Sinne der Anleger vernebelt.

Ich habe allerdings lange überlegt, ob ich das im freien Bereich überhaupt veröffentliche, weil es dafür nicht gemacht ist. Die Mitglieder der Community kennen mich, da kann ich gleich einfach losreden, für die Leser des freien Bereiches gilt das natürlich nicht und eigentlich hätte ich dafür eine Einleitung machen müssen.

So benutze ich im Video auch ein paar Begrifflichkeiten, mit denen außerhalb der Community nicht jeder etwas anfangen kann und es braucht daher wahrscheinlich Zeit, bis sie in das Thema kommen und verstehen was ich ihnen da zeige. Wenn sie sich an das Video wagen, dann geben sie dem Video also mal bitte mindestens 10 Minuten Zeit, bis es seinen Fluß entwickeln kann oder lassen es lieber gleich sein. Für Klicksüchtige mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne ist Mr-Market sowieso nichts.

Außerdem hatte ich letzten Herbst einen ziemlichen Husten und musste während des Redens permanent Bonbons lutschen um den Husten im Griff zu behalten, was man durch den offenen Mund neben dem Mikrofon natürlich zwangsläufig schmatzend hört. 😛

Also kein ideales Video, aber authentisch und in freier Rede ohne Skript. Und daher denke ich, dass es für sie Sinn macht die Zeit mal zu investieren und das Marktgeschehen von 70 Jahren auf sich im Kontext wirken zu lassen. Ich denke sie werden etwas mitnehmen und es wird ihnen vielleicht helfen in Zukunft gelassener zu werden. Denn es gilt:

Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten

Sie kennen diese Weisheit sicher und diese gilt auch für uns Anleger. Jedesmal wenn irgendetwas passiert, kommen schnelle mediale Superlative und sogenannte "Experten" bekommen Schnappatmung und penetrieren die Anleger mit Aufgeregtheiten.

Besonders beliebt sind dann auch Statements, dass das ja nun alles so völlig anders als früher sei, lächerliches Seemannsgarn für Unbedarfte. Sicher verändert sich der Markt permanent, aber es gibt eben auch viele strukturelle Prinzipien, die einfach bleiben und sich nicht ändern und das gilt insbesondere für das Marktverhalten im großen Bild.

Man kann das auch anhand der martktechnischen Lehren sehr schön sehen, denn egal ob 1900 Richard Wyckoff, 1920 Jesse Livermore, 1950 Nicolas Darvas, 1960 William O´Neill, 1990 David Ryan oder ca. 2000 zum Beispiel der immer noch aktive Mark Minervini, alle haben ähnliche Ansätze und eine ähnliche Herangehensweise an den Markt, auch wenn sie für die Strukturen dann andere Worte benutzen.

Bei allen Unterschieden im Detail, bei aller unterschiedlichen Terminologie, die sich im Laufe von 100 Jahren halt verändert hat, haben doch alle den Markt sehr ähnlich verstanden, haben auf ganz ähnliche Techniken gesetzt und waren damit erfolgreich. Wie man die Struktur dann nennt, ist eben nebensächlich, solange die Substanz identisch ist.

So sehr kann sich der Markt in 100 Jahren also gar nicht verändert haben, wenn zum Beispiel die Techniken von Wyckoff unter anderen Namen auch 100 Jahre später noch Erfolg bringen können.

Folgen sie mir also auf eine Reise durch 70 Jahre Geschichte, mit ihren Krisen und immer wiederkehrenden Marktstrukturen.

Vielleicht erkennen sie dann auch, welchen Wert Gelassenheit in Krisen hat, wie sauber man oft den Boden von Krisen erkennen kann, wenn man sich nicht verrückt machen lässt und dass der Markt immer noch wie vor 70 Jahren nach dem Motto "2 Schritte vor, 1 Schritt zurück" nach oben schwingt.

Und in dem wir diese Vergangenheit verstehen, werden wir als Anleger ruhiger und souveräner, denn so viel hat sich beim Marktverhalten zwischen 1950 und 2020 eben gar nicht geändert, egal was "Experten" so alles reden, wenn der Tag lang und der Wunsch nach medialer Aufmerksamkeit hoch ist.

Ihr Hari

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Salzgitter und die ineffiziente Preisfindung des Marktes

Der folgenden Beitrag erschien schon Montag 17.11.14 15:05 in Hari Live

Dass der Markt lange nicht so effizient ist, wie sich einige einbilden, sondern dass er vielmehr immer wieder voller erstaunlicher Ineffizienzen und Übertreibungen ist, kann man wie im Brennglas mal wieder bei Salzgitter bewundern.

Sie wissen schon, Salzgitter der Stahlkonzern, über dessen Management ich vor gut einem Jahr den Stab gebrochen habe und dessen Kurs sich seitdem auch katastrophal entwickelt hat - auch im Vergleich zu anderen Unternehmen des Sektors.

Salzgitter 17.11.14

Nun schauen Sie mal im Chart, wie der Kurs ab September nur eine Richtung abwärts bis fast 20€ kannte, obwohl es eigentlich keine grossen neuen Nachrichten gab, die das rechtfertigten - die Lage war einfach stabil "bescheiden" und alle Fakten waren bekannt.

Und dann meldet Salzgitter einen Minigewinn nach einem Sparprogramm, das ebenso wie der Mini-Gewinn eigentlich keine grosse Überraschung ist. Und der Kurs braucht einen ganzen Tag um das zu verarbeiten. Und dann fängt er an zu steigen und hört nicht mehr auf zu steigen, genau wie er vorher nicht mehr aufhörte zu fallen.

Die Firma Salzgitter im September ist aber exakt die gleiche wie im Oktober und wie nun auch im November. Und auch die Erwartungen an die Zukunft haben keinen Anlass, sich in den drei Monaten gross zu unterscheiden. Und das Sparprogramm wurde schon lange vorher beschlossen und ist keine Überraschung.

Ist diese Bewegung dann "effizient" und der Lage angemessen? Ich habe meine Zweifel. Und das Problem ist weniger der aktuelle Anstieg als die Frage, ob der Rückgang ab September nicht völlig übertrieben und nur dem Herdentrieb geschuldet war.

Übrigens hat das Chart noch eine Botschaft. Es zeigt wie eine komplexe Bodenbildung aussieht - mit jeder Menge sinnlosem Hin und Her. Wer nun also bei Asset-Klassen wie Gold auf Reversals wettet, sollte sich solche Strukturen vor Augen führen, das könnte durchaus das Schicksal bis zum Jahresende sein.

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Gold und Silber Marktupdate – Ausbruch und Bodenbildung

Es wird Zeit für ein aktuelles Marktupdate zu Gold und Silber.

Das Gold - hier als XAUUSD mit Tageskerzen dargestellt - wieder über 1300 USD steht, dürfte wohl kaum jemand übersehen haben. Das Preis-Verhalten (Price-Action) bei Gold hat sich auch drastisch verbessert, die negativen Einschläge über Nacht bleiben aus. Sicheres Indiz dafür, dass das "Big Money" nun die Seiten gewechselt hat.

Gold 14.02.14

Auch die Goldminen scheinen eine klare Bodenbildung zu vollziehen und bieten derzeit attraktive Chancen.

Trotzdem ist bei Gold immer noch Vorsicht geboten, denn der mittelfristige Abwärtstrend existiert weiter und erst ein Anstieg über das 38er Fibonacci Retracement bei 1415 USD, das bei Gold näherungsweise mit dem Hoch vom 28.08.14 bei 1433 USD korreliert, würde auch im mittelfristigen Bild den Abwärtstrend bei Gold brechen.

Bis dahin macht es Sinn, dem neuen Trend aufwärts zu folgen, aber erst auf obigen Niveaus hat sich Gold wirklich frei geschwommen. Und ein temporäres Retracement herab zur Ausbruchszone oberhalb 1270 USD, sollte nun auch jeder als eine Möglichkeit auf dem Radar haben. Aber es ist nur eine Möglichkeit, im Sektor hat sich so viel Energie aufgestaut, dass diese nun auch zu einem schnellen Lauf nach oben führen könnte.

Die nach meiner Erfahrung beste Art damit umzugehen, ist einfach ruhig nach oben mitzugehen und für den Fall des Falles - der am Markt immer eintreten kann - nicht zu enge Stops zu setzen, die einen gegen ein Desaster schützen. Zwei mögliche Stopniveaus als reine "Desaster-Protection" habe ich eingezeichnet.

Weniger beobachtet, in meinen Augen aber noch spannender, ist die Lage bei Silber, hier auch in der Form XAGUSD mit Tageskerzen dargestellt:

Silber 14.02.14

Sie sehen, dass Silber gerade einen bedeutenden Ausbruch aus einer monatelangen Bodenbildung vollzieht. Und diese Bodenbildung hat als I-Tüpfelchen auch noch eine eindrucksvolle Umkehrformation.

Und Silber hat eine Historie darin, nach langer Konsolidierung mit Macht auszubrechen, wenn der Knoten endlich mal gelöst wird. Als Musterbeispiel habe ich Ihnen das Geschehen von letztem August im Chart markiert.

Insofern bietet sich bei Silber nun eine interessante Trading-Chance. Auch hier sind Stops natürlich zwingend, denn sicher ist am Markt gar nichts. Mögliche Niveaus habe ich eingezeichnet und sollte man je nach Risikoneigung und Zeithorizont wählen.

Ähnlich wie bei Gold gilt aber auch bei Silber, dass der übergeordnete Abwärtstrend unverändert intakt ist und insofern gibt es keinen Grund für verfrühte Euphorie und Blütenträume, weder bei Gold noch bei Silber. Wir haben hier einfach ein auf der kurzfristigen Ebene interessantes Setup. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihr Hari

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