Amputationsschmerz – Europa in der Sackgasse

Der folgende Artikel erschien schon gestern, Montag 13.07.15 08:30 Uhr in Hari Live, als das Ergebnis des Gipfels noch nicht fest stand

Guten Morgen!

Was schreibt man an so einem historischen Tag, an dem zum Zeitpunkt dieser Worte, immer noch kein weisser Rauch aus Brüssel aufgestiegen ist?

Sie wissen, wie ich zum Thema stehe. Wer nun immer noch nicht sieht, wie der -> fehlkonstruierte Euro <- Europa zerstört, dem kann ich nicht mehr helfen.

Denn was jetzt in Brüssel passiert, ist das Ergebnis eines Patts zwischen zwei unvereinbaren Grundpositionen, für die Frankreich und Deutschland stehen. Grundpositionen, die sich in 20 Jahren nicht geändert haben. Es geht nur vordergründig um Griechenland, in Wirklichkeit geht es darum, was das für eine Eurozone ist. Die auf Regeln und Stabilität ausgelegte Eurozone als Nachfolger der D-Mark. Oder die weiche und unter dem Primat politischer Wünsche stehende Eurozone Frankreichs, als Nachfolger des Franc.

Da sich beide Positionen unlösbar gegenüber stehen und auch keiner nachgeben kann - Frankreich schon alleine nicht aus Angst, als nächstes in den Fokus der Märkte zu geraten - wird nun ein Kompromiss auf Kosten Griechenlands geschmiedet, in dem Griechenland dem Wunsch Frankreichs entsprechend im Euro bleibt und die Bedingungen dafür aber so hart sind, dass es die deutsche Seite zufrieden stellt.

Dieser "Kompromiss" ist in der Zwangsjacke des Euros der kleinste gemeinsame Nenner zwischen beiden Positionen. Und gleichzeitig - und das ist das Fatale - kann er nicht über den Tag hinaus tragen.

Glaubt jemand ernsthaft, dass dieses Griechenland mit dieser sozialistisch/populistischen Regierung und einer Haltung der Bevölkerung, die Schuldige immer woanders sucht, einen Massnahmenkatalog umsetzt und dafür Mehrheiten gewinnt, der weit über alles hinaus geht, was bürgerliche Vorgängerregierungen getan haben? Unfug!

Damit stehen wir bald wieder an der gleichen Stelle und gewonnen ist Nichts. Nur das ganz viel Vertrauen und Zusammenhalt in Europa kaputt gegangen ist. Und das Blame-Game ist ja schon im vollen Gange und alter Hass gegen Deutschland bricht wieder auf.

Dabei ist es objektiv Frankreich und die Kommission, die mit ihrer kompromisslosen Haltung den einzigen sauberen Weg geschlossen haben und zu diesem Patt geführt haben. Griechenland hätte aus dem Euro gemusst und ganz wohlwollend, ausserhalb von der EU massiv gestützt werden müssen. Billiger wäre es dadurch nicht geworden, aber es wäre die sauberere Lösung gewesen - die Lösung die Hoffnung für die Zukunft macht. Auf die frechen Forderungen Tsipras einzugehen. hätte die Eurozone dagegen erst recht zerstört. Das war nie eine Option.

Mehr will ich dazu heute früh gar nicht schreiben, die Dinge sind ja noch im Fluss. Klar geworden sind aber endgültig zwei Dinge:

1. Der Euro ist in seiner Fehlkonstruktion der Totengräber Europas Einigkeit und bringt die Völker gegeneinander auf.
2. Der Ansatz in ein anderes demokratisches Land hinein zu regieren, ist absurd und kann nicht funktionieren.

Es gibt zwei Wege, wie Europa sich retten kann.

Der Erste wäre eine schnelle Integration zum föderalen Bundesstaat. Das ist irreal und scheitert vor allem an Frankreich. Daran sieht man auch, wie viel vom Europa-Gerede aus Paris zu halten ist. Frankreich, das sich immer noch als "Grande Nation" begreift, wird als Letztes bereit sein, seine Staatlichkeit aufzugeben. Der Weg ist unrealistisch.

Der zweite Weg ist, dass der Euro sich gesund schrumpft auf die Staaten, die unter dem gemeinsamen Korsett auch leben können, weil sie sich kulturell am nächsten sind. Der Weg der Gesundschrumpfung durch Austritt der Schwachen wird gerade entschieden. Wenn Griechenland nun nicht geht, wird nie irgend ein Land den Euro freiwillig verlassen, denn gerade die schwachen Länder profitieren am meisten und nicht Deutschland, wie immer unter Verdrehung der Tatsachen behauptet wird.

Wenn aber der Weg der Schrumpfung durch Austritt der Schwächsten nicht geht, bleibt nur der freiwillige Austritt Deutschlands. Das ist aber auch unrealistisch und wird keine Mehrheiten finden bzw erst dann, wenn die Krise wirklich schwer und für alle merkbar wird.

Im Moment geht es aber den Deutschen oberflächlich zu gut und die D-Mark ist so lange her, dass viele jüngere Menschen sich etwas anderes als den Euro gar nicht vorstellen können. Und die Herde hat hohe Beharrungskräfte, sie wird in Unsicherheit immer wählen, was sie kennt.

Bei der Einführung des Euros waren 60% der Deutschen gegen den Euro und für der Erhalt der eigenen Währung. Darüber sind die europatrunkenen Parteien ausnahmslos einfach hinweg gegangen. Hinweg gegangen auch über all die unzähligen warnenden Worte qualifizierter Ökonomen und Geldpolitiker. Heute gäbe es wohl eine 60:40 Mehrheit für den Euro, weil die Mehrheit sich etwas anderes nicht vorstellen kann und das Problem auch gar nicht versteht und nicht erkennt.

Abgesehen davon, wäre an dem Tag, an dem Deutschland aus dem Euro ausscheidet - und mit dem Euro wahrscheinlich einige andere Länder wie die Niederlande - der Euro am Ende, weil ihm der Anker fehlt. Auch das ist realistisch kein gangbarer Weg. Der einzige Weg, in dem der Überdruck hätte geordnet entweichen können, das Überdruckventil sozusagen, wurde aber gerade von Frankreich zugestellt.

Die Situation ist übel und ohne heftigen Amputationsschmerz nicht mehr zu lösen. Alles was jetzt passiert, ist wieder nur teuer Zeit zu erkaufen, ohne Chance auf Besserung oder Lösung. In jeder Krise liegt auch Chance, alleine mir fehlt die Wahrnehmung, dass die Beteiligten - insbesondere die Brüsseler Truppen um Juncker, Schulz und Co. - überhaupt das Problem begriffen und/oder wahrhaben wollen. Und diese Selbsterkenntnis, steht am Anfang jeder Chance auf Besserung.

So schnell geht es, wenn Radikale zu zündeln beginnen und dabei auf Verlogenheit und mühsam kaschierte Gegensätze treffen, die sie frei legen.

An dem Problem, das wir nun haben, hat Griechenland auf jeden Fall keine Schuld. Die griechischen Demagogen, sind in ihrer Verantwortungslosigkeit nur der Katalysator, der den Schleier all der Verlogenheiten frei legt und den Blick auf die im Kern bestehenden Widersprüche des Euros und Europas lenkt.

Am Ende gewinnt halt die Mathematik, die kann man weder betrügen, noch politisch umschiffen. 1+1 ist immer noch 2. Und 19-1 ist 18 und nicht Null.

Ach Europa!

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Auslaufende Katalysatoren – das 2. Quartal im Blick

Der folgende Artikel erschien zum Wochenstart am Montag 23.03.15 09:05 in Hari Live

Wir treten nun in eine gefährliche Marktphase ein, die von auslaufenden Katalysatoren und der Frage "was kommt danach" geprägt sein wird. Bitte übersetzen Sie "gefährlich" aber nicht in "muss fallen", denn so ist das nicht zu verstehen.

Es ist vielmehr eine Phase, in der die Treiber, die uns nun das ganze 1. Quartal begleitet haben, langsam mal für eine Pause gut sind. Und sich der Markt daher fragen muss, wie er die "Zukunft danach" bewertet, denn wir wissen, der Markt ist nichts weiter als die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer.

Der anstehende Quartalswechsel wird dazu beitragen, dass der Markt eine veränderte Sicht auf die Zukunft entwickeln könnte. Eigentlich ist das wie der Jahreswechsel nur ein ganz normaler Tag, aber in unseren Köpfen schliessen wir mit so Tagen die Vergangenheit ab und schauen aufs Neue gespannt nach vorne in die Zukunft.

Wesentlicher Treiber des ersten Quartals waren natürlich die Notenbanken, die von den drei grossen Währungen Dollar, Euro und Yen durchweg alle massiv stimulierend für die Asset-Preise agieren. Und dass insbesondere der sensationelle Anstieg des DAX in hohem Masse mit den Notenbanken und deren Effekt auf die Währungen zu tun hat, ist ja offensichtlich.

Schauen wir ins 2. Quartal, ist aber schwer vorstellbar, wo von Seiten der Notenbanken nun noch additive, positive Katalyasatoren herkommen sollen. Die EZB ist maximal stimulierend, die BoJ sowieso und die FED weicht ihren Zinserhöhungspfad weiter auf und bleibt auch unterstützend. Mehr geht eigentlich nicht bzw ist schwer vorstellbar. Und das Wissen um die Stimulierung der Notenbanken, ist nun in den Kursen eingearbeitet.

Einen so positiven Impakt, wie es ab Mitte Januar das EZB QE ausgelöst hat, wird es im 2. Quartal also von den Notenbanken wohl kaum geben können. Das heisst nicht, dass deswegen die Welt zusammen bricht, das QE der EZB läuft und wird stützen. Aber niemand sollte erwarten, dass wieder so leichtes Geld auf der Long-Seite zu verdienen ist, wie nach der QE Ankündigung der EZB, wo alle Signale in die Richtung nach oben wiesen.

Gleichzeitig beginnt Mitte April die Quartalssaison in den US und der Markt wird sehr kritisch und vorsichtig sein, was den Effekt des starken Dollars angeht, der im 1. Quartal für die US Unternehmen sehr deutlich spürbar sein sollte. Schwäche Anfang April in Erwartung unbefriedigender Zahlen in den US, wäre also kein bisschen überraschend. Und dass der DAX mal eine Verschnaufpause braucht, ist ja wohl selbsterklärend.

Mein grundsätzliches Bild für die kommenden 4 Wochen sieht daher vom Grundsatz her so aus, dass in dieser Woche noch nicht so furchtbar viel passieren wird und der S&P500 die Hochs um die 2120 testen könnte. Auch der DAX könnte die Hochs erneut testen und vielleicht übersteigen.

Die ersten zwei April Wochen scheinen mir aber anfällig zu sein und die Hochs könnten also zu einem temporären Doppeltop werden. Und weiter als bis Mitte April hinein, fühle ich mich im Moment nicht in der Lage, irgend etwas zu antizipieren.

Schauen wir uns das mal im Leitindex S&P500 an, zunächst im langfristigen Chart mit Wochenkerzen:

S&P500 23.03.15

Wir sehen einen etablierten und bestehenden Trend und kein Signal, das diesen in Frage stellt. Wir sehen aber auch, dass die Steigung langsam nachlässt und können die 50-Wochen-Linie (die fast mit der 200-Tage-Linie korreliert) als wichtige Wetterscheide identifizieren, die den Trend trägt.

Was wiederum bedeutet, dass die Zone um die runde 2000er Marke nun in den kommenden Wochen sehr, sehr wichtig wird, die ich mit einem roten, flachen Kreis markiert habe. Wenn die fällt, haben wir wohl einen Trendbruch und das sollte daher auch die Zone sein, in der unser Risikomanagement greifen muss!

Im kurzfristigeren Blick auf die Stundenkerzen, sehen wir die schöne Wendestruktur mit Measured Move 2120 und es spricht viel dafür, dass diese Marke erreicht wird - möglicherweise gegen Ende der Woche, nachdem Anfang der Woche leichte Schwäche ansteht:

S&P500 23.03.15 2

Wenn der Measured Move erreicht ist, stellt sich die wichtige "Doppeltop oder Trendfortsetzung" Frage und wie oben angedeutet, kann ich mir in den April hinein eine Doppeltopstruktur gut vorstellen, deren wichtiger Test dann - siehe oben - um die 2000 im S&P500 ansteht.

Fazit:

Anfang dieser Woche wäre leichte Schwäche kein Wunder. Typisch wäre aber auch, dass zum Quartalsende hin noch einmal ein Anlauf zu den Hochs folgt.

In den April hinein, ist insbesondere Anfang April Vorsicht ratsam, die Quartalssaison in den US wird sehr kritisch beäugt werden und die Notenbanken werden als Taktgeber etwas in den Hintergrund treten.

Über den April hinaus, bin ich nicht in der Lage sinnvolle Dinge zu antizipieren, zu viele Bälle sind in der Luft und das Thema Griechenland ist ja immer noch in der Schwebe und kann nicht ewig so weitergehen. Dass das Land aus dem Euro raus muss, ist offensichtlich, auch wenn es die Politik gegen jede wirtschaftliche Vernunft nicht wahr haben will. Was nun läuft, ist das "Schwarze Peter" Spiel, denn wenn Syriza einen Euro-Exit als Partei überleben will, brauchen sie Schuldige, auf die sie innenpolitisch zeigen können.

Ich bin zwar überzeugt, dass ein Grexit dem Markt letztlich nicht schaden wird und den Euro sogar stärken, aber in der wilden Phase des Austritts, wird es so viele Schuldzuweisungen und Chaos geben, dass der Unsicherheit hassende Markt selbstverständlich davon nicht völlig unbeeindruckt bleiben wird.

Was uns als sinnvolle Strategie bleibt, ist also weiter die "alte Leier" der Trendfolge, jeweils auf den zum eigenen Anlagehorizont passenden Zeitebenen. Beim DAX sollte man sicher nach unten härter begrenzen als im S&P500, einfach weil die Überdehnung nach oben viel grösser ist. Denn wir wissen ja, dass die Bewegung eines Pendels immer damit zu tun hat, wie stark es vorher in die Gegenrichtung ging.

Was Wirtschaftsdaten angeht, haben wir diese Woche allerlei und auch jede Menge Reden von Notenbank-Mitglieder. Insbesondere die FED Mitglieder sind ja nach einer Sitzung medial sehr aktiv, wenn die Schweigephase endlich vorbei ist und man sich wieder medial produzieren kann. 😉

Es gibt die kommende Woche aber keinen dominanten und massiv antizipierten Termin, wie letzte Woche mit der FED. Insofern wird es besonders spannend aber auch unsicher, denn der Markt hat weniger Leitplanken zur Orientierung.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Der Euro und der Grexit: Der Kern des Problems

Die Medien sind voll mit Analysen und Meinungen zum möglichen Grexit und auch in den internationalen Foren werden sich die "Haare gerauft" und gegenseitige Vorwürfe erhoben.

Ich könnte jetzt Seiten um Seiten zum Thema schreiben, wie wir das im Premium Bereich schon in den letzten Wochen getan habe, um das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Oder ich mache es kurz und klar, um in all dem argumentativen Durcheinander mal wieder den Blick auf den Kern des Problems zu lenken.

Denn der Kern des Problems ist nicht griechische "Faulheit" oder deutsche "Sturheit", es ist ein Euro, der so wie aktuell konstruiert, gar nicht funktionieren kann.

Denn ein einheitlicher Währungsraum kann nur funktionieren, wenn dem Währungsraum auch eine einheitliche Wirtschafts- und Fiskalgesetzgebung zugrunde liegt. Und dann auch noch eine zumindest ähnliche Rechts- und Wirtschafts-Kultur im Währungsraum existiert.

Das war bei Gründung des Euros eigentlich klar, nur wurde es politisch versäumt, die guten ersten Jahre zu nutzen, um diese Strukturen nachzuholen und als Euroraum rechtlich und wirtschaftlich zusammen zu wachsen. Das waren die Jahre, in denen gerade die Südländer massiv von den fallenden Risikoaufschlägen profitierten, die wiederum die Folge davon waren, dass eben auch Stabilitätsanker wie Deutschland nun den Währungsraum bildeten.

So wie der Währungsraum des Euros aber heute konstruiert ist, unverändert als Flickenteppich ohne einheitliche Wirtschaftskultur, Wirtschaftspolitik und Fiskalpolitik, kann er nicht dauerhaft bestehen. Entweder er wächst schnell eng zusammen, oder er fällt auseinander. Punkt.

Es gibt historisch keine Währungsunion, die je mit derart fehlenden Grundlagen funktioniert hat. Aber einige Beispiele, die genau deswegen gescheitert sind.

Und Griechenland hat durchaus Recht, mit diesem „Reform“-Programm kann es nicht leben. Das liegt aber nicht am Programm, sondern am Euro. Griechenland kann mit seiner mangelnden Wettbewerbsfähigkeit und seinen ineffizienten öffentlichen Strukturen in keinem Programm gleich welcher Art im Euro leben und auch nicht ganz ohne Reformprogramm. Egal was man nun macht, wenn Griechenland in diesem Euro bleibt, werden wir in ein paar Jahren und viele verbrannte Milliarden später, wieder vor dem gleichen Problem stehen. Denn Griechenland gehört nicht in den Euro und hat nie hinein gehört.

Ein Land wie Griechenland braucht den Wechselkursmechanismus und damit verbunden die Abwertung der Währung, wie die Luft zum Atmen. Ohne die Abwertung, wird Griechenland in ein paar Jahren wieder vor den gleichen Problemen stehen, ganz egal was nun passiert.

Und umgedreht braucht Deutschland die Aufwertung wie die Luft zum Atmen, um dauerhaft zukunftsfähig zu bleiben. Mit einer dauerhaft schwachen Währung wird Deutschland langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Das süsse Gift der schnellen, leichten Gewinne, das sich nun aktuell scheinbar positiv auswirkt und Stärke vorspiegelt, wirkt erst in ein paar Jahren, dafür aber um so stärker.

Der Euro versucht in eine Währung zu pressen, was nicht zusammen gehört. Griechenland und Deutschland können nicht in einer gemeinsamen Währung sein, wenn es nicht eine einheitliche Regierung und gemeinsame Kultur gibt. Das ist die grosse Lebenslüge des Euros. Er ist eine fatale Fehlkonstruktion, die den Spaltpilz an Europa legt, aber kaum einer in der Politik traut sich, es zu sagen und daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen.

Schaut man ganz rational auf das gesamte Bild, ergeben sich nach meiner Überzeugung nur drei Alternativen:

(1) Der Euroraum wächst nun schnell in einen einheitlichen Rechts- und Wirtschaftsraum mit einheitlicher Gesetzgebung und Regierung zusammen und schafft damit endlich die Voraussetzungen dafür, dass der Euro überhaupt funktionieren kann.

Das ist leider völlig unrealistisch. Die deutsche Gesellschaft wäre dazu wohl noch am ehesten bereit. Aber gerade die südeuropäischen Gesellschaften wie in Griechenland, wären nie bereit, ihre Souveränität an einen Bundesstaat abzugeben. Nie im Leben. Das gilt auch für Frankreich.

(2) Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die stärksten Länder wie Deutschland austreten.

Obwohl es theoretisch wohl die beste Lösung wäre und tatsächlich zu einer Art Nord- und Süd-Euro führen würde, der dann besser funktionieren kann, ist es leider auch unrealistisch. Denn es gibt ein Land, das nicht aus dem Euro austreten kann, weil er sonst am Ende wäre. Und das ist Deutschland. An dem Tag, an dem Deutschland aus dem Euro austritt, bricht ein Finanz-Tsunami in der Welt los, gegen den alles was wir bisher erlebt haben, ein Kindergeburtstag wäre. Und das, weil der "Rest-Euro" jede Glaubwürdigkeit verliert und ihn keiner mehr haben will.

Man kann es auch mit einer Metapher beschreiben: Einem Körper kann man Finger und sogar eine Hand und einen Fuss abschneiden und er kann immer noch leben. Aber das Herz und die Lunge kann nicht entfernt werden.

(3) Womit nach zwei unrealistischen Möglichkeiten, nur eine Dritte bleibt: Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die schwächsten Länder, angefangen mit Griechenland, austreten.

Die Variante (3) ist die einzige, die realistisch denkbar ist. Dabei hat auch sie erhebliche Risiken auf der politischen Seite. Nein, es ist keine "schöne" Variante, aber die einzige die realistisch ist. Denn damit werden in der öffentlichen Wahrnehmung schwache Volkswirtschaften einfach "zurück gelassen" und das wird zu Radikalisierung führen und am Ende auch dem Zusammenhalt in der EU massiv schaden.

Aber dieser Schaden der gegenseitigen Vorwürfe und des Auflebens alter nationaler Ressentiments, ist ja schon längst eingetreten und eine Lösung ohne Schmerzen gibt es leider nicht mehr. Das hat uns die Politik der 90er Jahre mit der Einführung des fehlkonstruierten Euros eingebrockt, der Europa spaltet und nicht eint.

Zu glauben, man könne den Euro - so wie er aktuell ist - zusammen halten und trotzdem souveräne Länder bleiben, ist aber völlig illusorisch und wer das verfolgt, betreibt nach meiner festen Überzeugung Konkursverschleppung.

Dieser Euro hätte so nie gegründet werden dürfen. Da er nun aber mal in der Welt ist, bleibt nur der Weg des Gesundschrumpfens auf einen Kreis von Ländern, die sich kulturell, rechtlich und wirtschaftlich so nahe sind, dass sie einen gemeinsamen Währungsraum bilden können.

Je länger diese Grundsatzdiskussion aufgeschoben wird, desto schlimmer werden die Schmerzen und die Scherkräfte in der Eurozone werden. Und desto schlimmer werden die Folgen für die Einheit Europas sein. Wer Frieden und Freundschaft in Europa erhalten will, muss diese Diskussion nun führen.

Die Mathematik lässt sich halt nicht betrügen und nicht mit medialer Rabulistik beruhigen. Und auf den ausgleichenden Wechselkursmechanismus, kann man zwischen Volkswirtschaften nur dann verzichten, wenn die Volkswirtschaften sich sehr ähnlich sind oder es eine gemeinsame Regierung gibt, die demokratisch legitimiert einen Lastenausgleich organisiert, so wie das bei der deutschen Wiedervereinigung passiert ist. Punkt.

Ihr Hari

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Marktupdate – 23.08.12 – Zur Grosswetterlage rund um DAX und S&P500

09:30 Uhr

Guten Morgen, heute möchte ich einen etwass grösseren Bogen spannen und die Grosswetterlage an der Börse betrachten.

Schauen wir zunächst mal auf den Tages-Chart des Leitindex S&P 500 seit dem bedeutenden Tief Anfang Oktober 2011, als der Index am späten Abend bei ca. 1080 brutal nach oben drehte :

Wir sehen im Chart mehrere Dinge:

  1. Der momentane Anstieg verläuft entlang einer sehr steilen Trendlinie und es ist unrealistisch anzunehmen, dass diese Steigung dauerhaft gehalten werden kann.
  2. Ein Rückfall zur längerfristigen Trendlinie dürfte also früher oder später eintreten. Ich rechne schon bald damit.
  3. Der Index hat ein neues Jahreshoch bei 1426 generiert und dort gedreht, das theoretische Risiko eines Doppeltops besteht also.
  4. Allerdings dreht ein Index nach einem derartigen Anstieg nicht einfach auf dem Fuss, sondern läuft sich oben über längere Zeit "fest", wie im März zu beobachten. Es bleibt also genug Zeit um entweder die Topbildung zu erkennen oder zu sehen, wie der Index nach oben ausbricht.

Schaut man über den Chart hinaus auf die Grosswetterlage, sind alle Inkredenzien noch aktiv, die zu dieser Rally seit Anfang Juli beigetragen haben. Bitte beachten Sie:

  • Die Notenbanken treten massiv aufs Gaspedal. Ein QE der FED wird wahrscheinlicher und die EZB denkt laut über Zinsgrenzen und Anleihenkäufe nach. Das IST ein Gamechanger, niemand sollte den Fehler machen das zu unterschätzen !
  • Das Sentiment ist nach wie vor verhalten und indiziert keinen Top im Markt.
  • Die Nachrichtenlage rund um den Euro ist von Gewöhnung geprägt, der "Grexit" dürfte bestenfalls noch kurz verunsichern.
  • Frisches Geld drückt in den Markt, das aufgrund der finanziellen Repression keine andere Anlagemöglichkeit mehr sieht. Die massive Überperformance der defensiven Bluechips spricht dafür eine deutliche Sprache !

Schauen wir uns nun den S&P 500 doch auch einmal im langfristigen Wochenchart seit 2009 an:

Und da sehen wir ganz eindeutig, der Aufwärtstrend ist intakt ! Und solange ein Trend intakt ist, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass er fortgeführt wird, als das er einbricht.

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Edelmetalle. Wie im Artikel vorgestern antizipiert, haben diese Gestern einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht, nach dem das FOMC Sitzungsprotokoll ein kommendes QE nahe legte. Die Edelmetallmärkte sind gute Notenbank-Indikatoren und diese sagen ganz klar: die Geldschwemme der Notenbanken geht weiter. Das sind positive Aussichten für die breiten Aktienindizes !

Schauen Sie in dem Zusammenhang nun noch einmal auf den Chart von Silber. Wem da nicht das Wasser im Mund zusammen läuft, dem ist nicht mehr zu helfen. 😉

Aber: beachten Sie unbedingt, dass Silber nun an der 200-Tage-Linie liegt und technisch massiv überdehnt ist. Eine kurzfristige Korrektur bei den Edelmetallen ist nun also höchst wahrscheinlich. Dieser Chart sagt mir aber auch: Die wirklich grossen Gewinne kommen noch und zwar nach der Korrektur !

Fazit:

Der mittelfristige Weg des Marktes scheint weiter nach oben zu zeigen ! Nach wie vor ist das Sentiment eher verhalten, was diese Sicht unterstützt !

Lesen Sie in diesem Zusammenhang noch einmal dringend die neue Analyse von Cognitrend von gestern -> hier <- die an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig lässt !

Kurzfristig ist ohne Frage eine teilweise Überdehnung eingetreten und eine schärfere Korrektur kann nun jederzeit um die Ecke kommen. Aber man sollte in meinen Augen nicht den Fehler machen, sich als Bär gegen den Trend zu stellen, wenn die Notenbanken aus allen Rohren schiessen - sonst könnte man schmerzhafte Bekanntschaft mit einer Dampfwalze machen. 😉

Natürlich kann am Ende alles anders kommen und eine überraschende Wendung alles verändern. Das ist aber immer so ! Würde man sich nach diesem Risiko richten, dürfte man gar nicht an der Börse sein. Für dieses Risiko gibt es aber Stops und mit der unteren Begrenzung der 2-wöchigen Konsolidierung auch ganz hervorragende !

Mit dem Trend laufen, sich aber nach unten absichern, so lautet die bewährte Regel für Erfolg an den Märkten.

Insofern sind auch all die berechtigen Argumente zu den strukturellen Problemen der Eurozone momentan nebensächlich. Ein Trend ist ein Trend bis er bricht. Und ob man am Ende recht hatte, zählt an der Börse gar nicht. Es zählt alleine die Zahl die in ihrem Depot steht. Und nur wenn diese Morgen grösser ist, hatten Sie wirklich recht !

Ich persönlich setze mittelfristig auf neue Höchststände und werde nicht gegen die Notenbanken kämpfen, sondern von ihnen profitieren. Und ich reduziere meine Edelmetallpositionen nun leicht, werde aber in der Korrektur massiv nachlegen ! Und meine Stops sichern mich so gut ab, dass ich diese Trades ganz beruhigt laufen lassen kann.

In diesem Sinne viel Erfolg.

Ihr Hari

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Marktupdate – 13.08.12 – DAX trotz „Grexit“ bald mit neuen Höchstständen ?

12:00 Uhr

Der Montag beginnt wie die letzte Woche endete - mit einem Markt der knapp unter DAX 7000 konsolidiert. Diese Seitwärtskonsolidierung ist ganz typisch für starke Bullenmärkte.

Aus den historischen Daten vergleichbarer Situationen ergibt sich eine gute statistische Wahrscheinlichkeit, dass die Konsolidierung den Boden für eine weitere, starke Bewegung nach oben bereitet, die den DAX und den S&P500 dann zu neuen Jahreshöchstständen und darüber hinaus führen sollte. Technisch hatten wir letzte Woche einen Ausbruch aus einem grossen zulaufenden Dreieck, das sich seit April im S&P500 gebildet hat und nun nach dem Ausbruch rein rechnerisch ein Kursziel von über 1540 ergibt ! Auch das spricht für steigende Kurse und neue Jahreshöchststände.

Die schon bekannten Faktoren der Hoffnung auf die Notenbanken und die relative Ruhe des Sommers, sollten auch diese Woche unverändert erhalten bleiben und den Markt weiter stützen.

Spannend wird sicher spätestens ab September das Thema Griechenland. Der "Grexit" ist nach meiner Ansicht nahezu sicher und wird diesen Herbst wohl definitiv stattfinden. Während aber die Medien noch die bekannten Weltuntergangsszenarien malen, halte ich das Thema mittlerweile für einen latent positiven Faktor für die Börsen. Dafür sind mehrere Gründe ausschlaggebend:

(1)

Banken und Versicherungen hatten mehr als genug Zeit sich vorzubereiten oder um es mit einem Sprichwort zu sagen: "Was uns umbringt, sind nicht die Dinge vor denen wir uns sorgen, es sind die Dinge die wir nicht auf der Rechnung haben !"

(2)

Ein guter Teil der Katastrophenrhetorik der vergangenen Monate und Jahre von Banken und Staaten zum "Grexit" war auch bewusste Überspitzung, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Die Banken brauchten diese Lyrik der "Alternativlosigkeit", um die Politik dazu zu bringen in ihrem Sinne die "Scheckbücher" zu öffnen. Letztlich ist der Finanzsektor mit Steuergeldern gestützt und gerettet worden. Ohne Weltuntergangslyrik wäre das wohl kaum möglich gewesen. Die Regierungen brauchten die gleiche Lyrik dann aber um ihre nationalen Parlamente zu disziplinieren. So haben beide Seiten ins gleiche Horn getrötet und so für Disziplinierung der Öffentlichkeit gesorgt.

Sicher wäre ein ungeordneter "Grexit" vor einem Jahr ein Problem für das Finanzsystem gewesen, insofern sind die Sorgen ja nicht ohne Fundierung und es war sinnvoll, sich von Seiten der Politik Zeit zu kaufen, auch wenn es viel Steuergeld verbrannte. Aber es ist eben nur das ziemlich irrelevante Griechenland über das wir hier reden, die (Finanz-)Welt wäre daran nicht zugrunde gegangen. Entscheidend war und ist nicht Griechenland, sondern die Frage, ob es Kaskadeneffekte und Ansteckungen in die grossen Länder der Eurozone wie Spanien und Italien hinein geben wird. Dieses Thema dürfte aber nun aufgrund des klaren Commitments der EZB, verbunden mit dem (vorbehaltlich des BVG) im September verfügbaren ESM weitgehend vom Tisch sein.

(3)

Sobald der "Grexit" vollzogen ist und die Welt doch nicht untergegangen ist, dürfte das die Börsen in Euroland weiter befeuern, da dem Markt doch eine Last von den Schulter genommen wurde. Die Beherrschbarkeit des "Grexit" dürfte auch psychologisch zu einer etwas entspannteren Sicht auf mögliche ähnliche Szenarien in Ländern wie Portugal führen und den Markt entlasten.

(4)

Das Zudrehen des Geldhahns dürfte einen positiven, disziplinierenden Effekt auf die andere "PIGS" haben, damit dürfte klar sein, dass es keinen Freifahrtschein zu den europäischen Töpfen gibt. Dieser disziplinierende Effekt wird die Regierungen in ihren Bemühungen stützen, weil damit in der Bevölkerung der PIGS höhere Akzeptanz für die harten Schnitte existieren dürfte.

(5)

Letztlich signalisiert der Markt mit seinem aktuell bullischen Verhalten auch eindeutig, das er keine Angst vor einem "Grexit" mehr hat. Denn es wäre naiv anzunehmen, dass die Vielzahl der professionellen Marktteilnehmer signifikant dümmer als wir ist und nicht ebenso den "Grexit" für diesen Herbst fest erwartet. Nein, der Markt steigt im Lichte dieser klaren Erwartung, das ist ein eindeutiges Signal.

Summa Summarum mache ich mir um den "Grexit" keine grossen Sorgen mehr, obwohl mir bewusst ist, dass es die Börsen trotzdem kurzfristig durchschütteln dürfte. Denn kurzfristige Unsicherheit ist an der Börse immer ein Faktor, der die Kurse bewegt. Diese Korrektur sollte dann aber eher mittelfristige Kaufgelegenheit sein.

Auch das BVG macht mir im September keine zu grossen Sorgen, ich halte die Mitglieder für weitgehend loyal zur "Pro-Euro" Linie der Bundesregierung stehend. Deshalb wird das BVG den ESM nach meiner Erwartung wohl einerseits durchwinken, andererseits aber eine "nun ist es gut" Haltung einnehmen und der Politik aufgeben, nun endlich eine verfassungsrechtliche Legitimierung ihrer Politik in Form einer Volksabstimmung zu erreichen. Die aktuellen Aussagen der Politik lassen dabei tief in diese Richtung blicken, denn ich halte es für realitätsfremd anzunehmen, dass es zwischen den vielen politiknahen Verfassungsrichtern und der Regierung keine "Vorab-Kommunikation" über die Richtung geben würde, die der Regierung frühzeitig indiziert, wie sich das Urteil entwickelt.

Bedenken Sie aber, dass meine positive Sicht nach wie vor nur auf die kommenden Wochen des August begrenzt ist und ich definitiv keine Prognose über den weiteren Verlauf des Jahres ab September wage. Das obwohl mir mein Instinkt (Bauch) eher eine für alle überraschende massive Rally zum Jahresende nahe legt, denn genau die hat niemand auf der Rechnung und ich "wittere" derzeit die psychologische Zeitenwende im Markt. Aber das ist wie gesagt nur Instinkt und ich handele nicht nach meinem Bauch.

Wenn der Markt im Herbst wieder zusammen brechen sollte, dann wird es also nach meiner Ansicht bestimmt nicht wegen Griechenland sein, sondern eher wegen eines Themas, das wir heute noch nicht kennen bzw nicht ernst genug nehmen. Ob der "Fiscal Cliff" der US dafür das Potential hat, vermag ich im Moment noch nicht abschliessend einzuschätzen, unterschätzt ist das Thema aber von den Märkten definitiv nicht !

Soweit zum Thema "Grexit", schauen wir mal, was uns sonst noch so bevor steht:

  • Statistisch ist diese Woche des August eine positive Woche.
  • Wir haben POMO Buy Operationen am Montag, Dienstag und Donnerstag und eine Sell-Operation am Mittwoch. In Summe sollte das den Markt stützen.
  • Wir haben weiterhin niedriges Volumen und relative Ruhe im Markt.
  • Die Sentimentindikatoren indizieren weiterhin erhebliche Skepsis und sind weit von Ständen entfernt, die eine unmittelbare Top-Bildung implizieren würden.

In Summe also nicht viel Neues, was eine "Follow the Trend" Taktik wohl weiterhin zur sinnvollsten Vorgehensweise macht.

Ich bin daher weiterhin "Long and Strong" im Markt, setze auf Jahreshöchststände noch im August und habe meine Stops im DAX nun auf knapp unter 6700 nachgezogen, im S&P500 auf knapp unter 1360.

Ich wünsche Ihnne diese Woche viel Erfolg und ein gutes Händchen !

Ihr Hari

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Marktupdate – 18.06.12 – Der DAX nach der Wahl in Griechenland

9:00 Uhr

Griechenland hat gewählt und die alten "Eliten" in Form der Nea Demokratia und Pasok werden wohl erneut die Regierung stellen. Vordergründig sorgt das für Entspannung und Erleichterung, wie man am DAX Future über 6300 leicht erkennen kann.

Ob das aber für Europa wirklich eine gute Nachricht ist, wird sich erst zeigen müssen, ich gestehe ich habe massive Zweifel. Denn man kann gegen die radikale Linke sagen was man will, sie war wenigstens ehrlich was die eigenen Absichten angeht. Und ihre Wähler haben mit der Stimme für Syriza nicht nur Bauernfänger-Parolen gewählt, sondern eben auch mit der alten Polit-Aristokratie abgerechnet. Und Letzteres ist genau das was Griechenland wirklich braucht, weit mehr als Hilfsgelder: einen Schlussstrich unter Korruption und Selbstbedienungsmentalität der "Eliten" dieses Landes.

Insofern befürchte ich, wir werden in den nächsten Wochen und Monaten noch mehr vom gleichen Gewürge in Europa erleben. Denn ich kann nicht sehen, wie die Vertreter der alten "Nomenklatura" einen Neuanfang der staatlichen Institutionen hinbekommen sollen. Und ohne diesen institutionellen Neuanfang bin ich sicher, dass Griechenland weder seine Versprechungen einhalten wird, noch sonstwie eine positive Entwicklung nehmen kann. Denn in Griechenland stinkt der Fisch vor allem vom Kopf !

Was den DAX angeht, gehe ich davon aus, dass Mr. Market in seiner Weisheit das genau so sieht. Zunächst ist er erleichert, dass der Grexit kurzfristig ausbleibt. Das reicht für ein paar Prozent nach oben, es würde mich aber überraschen, wenn es den DAX heute in Folge über 6400 heben kann.

Ich gehe davon aus, dass der Markt nach einem kurzen Freudenhüpfer also schon in wenigen Stunden die FED ins Augenmerk nimmt und die Frage ob Bernanke am Mittwoch liefert oder nicht, dürfte den Handel bestimmen, nicht aber Griechenland. Insofern wäre ich vorsichtig, diesen Freudenhüpfer heute früh mit Begeisterung zu kaufen. Die Chance auf ein verlässlicheres Bild haben wir wohl erst ab Donnerstag.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag !

Ihr Hari

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„Greife nicht ins fallende Messer“: Der DAX am Vorabend von Richtungsentscheidungen

Ein Gastartikel von Tokay

Update aus aktuellem Anlaß zu Börsenregeln reloaded III

Wir nähern uns einer entscheidenden Woche und nehmen daher noch einmal den DAX in Augenschein. Wir erinnern uns: Die Aufwärtsentwicklung seit Jahresanfang (Strecke AB) wurde Ende März gebrochen. Der seither bestehende Abwärtstrend (Strecke BEF) bleibt weiterhin intakt.

Die Abwärtstrendlinien BEF bzw..DF wurden zu Anfang Juni unterschritten. Somit wurde die 200-Tage-Linie unterschritten sowie der kurzfristige Abwärtstrend bestätigt; die Hochpunkte der Abwärtsbewegung wurden immer kleiner. Auch der Pufferbereich der 200-Tage-Linie wurde unterschritten, was ebenfalls negativ zu werten war, doch wurde diese wieder überschritten(Bewegung GH). Die Bären konnten somit vorerst noch nicht weiter ins Lager der Bullen eindringen. Freitag Abend wurde mit dem DAX-Schlusskurs von 6229,41 sogar die Abwärtstrendlinie BEF touchiert.

Möglicherweise kommt es nächste Woche zu einer monetär induzierten Überschreitung dieser Abwärtstrendlinie, wenn sich die heutige Entwicklung fortsetzt. Die Notenbanken der Welt scheinen entschlossen, das „fallende Messer“ nicht Realität werden zu lassen. Am wahrscheinlichsten aus heutiger Sicht ist es, dass diese Erholung sich verflüchtigt und eine Rückkehr in den Bärenmarktmodus entlang des Bereichs 6000 bis 6100 erfolgt. Es müssten Anschlusskäufe stattfinden, die den DAX in den Bereich 6400 bis 6500(etwa auf der Höhe der Strecke CE) tragen, um eine Trendumkehr bzw. sogar eine Sommerrally zu bewirken, die allerdings nach jetzigem Stand recht unerwartet käme, was dafür spräche. Eine ebenfalls geringere Wahrscheinlichkeit hat das Unterschreiten des kurzfristigen Tiefs von 5950, doch könnte hierdurch eine Bewegung Richtung 5500 Punkte ausgelöst werden. Dies könnte dann passieren, wenn sich aus den „Grexit“-Szenarien etwa aufgrund einer Regierungsübernahme in Griechenland durch die Syriza-Partei eine Eigendynamik entwickelt.

Tokay

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Aktuelles Update zu: Börsenregeln reloaded III – Never Catch A Falling Knife !

Ein Gastartikel von Tokay

Aktuelles Update zu: Börsenregeln reloaded III - Never Catch A Falling Knife !

Nachdem wir uns nun einer entscheidenden Phase nähern, hier eine neue Trendanalyse. Ich habe das Diagramm etwas vergrößert, um für die Einschätzung der nächsten Tage und Wochen etwas Raum zu lassen. Die Entwicklung des DAX der vergangenen Wochen und Monate wurde durch folgende Merkmale bestimmt:

  • Wir haben nach wie vor einen insgesamt rückläufigen gleitenden 200-Tage Durchschnitt(gelbe Linie). Für eine Baisse wäre es, wie wir gesehen haben, eher typisch, wenn ein langfristig positiver Trend durch einen kurzfristig sehr negativen Trend gebrochen würde.
  • Vom 24. November 2011 bis zum 16. März 2012 hatten wir einen positiven Trend.(Strecke AB) Dieser positive Trend wurde anschließend gebrochen.
  • In der Folge hatten wir einen negativen Trend(Strecke BCD). Dieser negative Trend wurde nach dem 27. April verstärkt(Strecke CE), da die anschließenden Topps immer schwächer ausfielen. In der vergangenen Woche fiel auf, dass der Anstieg vom Dienstag nicht bestätigt wurde. Es kam damit zur Ausbildung eines weiteren abgeschwächten Topps im kurzfristig negativen Trend.

Punkt E ist der Schnittpunkt zwischen dem linearisierten 200-Tage-Durchschnitt und dem zuletzt beobachteten kurzfristigen Trend. Dieser Schnittpunkt spielt eine kritische Rolle. Wird er unterschritten, steigt die Wahrscheinlichkeit einer beschleunigten Abwärtsdynamik deutlich und wir hätten damit im März das Ende einer Bärenmarktrallye erlebt. Dies ist deswegen so, weil zum einen das Unterschreiten des 200-Tage-Durchschnitts schon per se ein starkes Signal darstellt. Zum zweiten würde ein solches Ereignis, sofern es innerhalb der nächsten zwei Wochen passierte, die Abwärtsdynamik des Kurzfristtrends bestätigen.

Positiv wäre zu sehen, wenn die kurzfristig negativen Trends BCD bzw. CE gebrochen werden könnten. Dazwischen bewegt man sich im analytischen Niemandsland, in dem man nur schwer beurteilen kann, wohin die Reise geht. Es ist aber klar, dass ein Verlassen dieses Bereichs in die eine oder andere Richtung ein starkes Signal wäre. Eine Maßnahme, die ein solches Signal auslösen könnte, wäre aus heutiger Sicht naheliegenderweise das griechische Ausscheiden aus dem Euro(„Grexit“). Es ist aber auch denkbar, dass etwa eine Maßnahme der EZB stabilisierende Wirkungen auf die Märkte auslösen könnte.

Tokay

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