Grundlagen rund um Aktien: Der Börsenwert



Ich nehmen wie angekündigt die offenen Fragen aus dem -> Thread zu Sonderthemen-Wünschen <- wieder auf und beantworte diese.

Ich hätte auch noch eine Frage zu den Basics. Was bedeutet denn der Börsenwert für das Unternehmen selbst? Sind hohe Kurse nur für die Aktionäre toll oder haben die Unternehmen davon auch einen direkten Nutzen z.B. bessere Möglichkeiten durch den Verkauf der eigenen Anteile zur Finanzierung von Investitionen?

Der Börsenwert eines Unternehmens ist die Anzahl der ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs. Theoretisch also das, was jemand "auf den Tisch" legen müsste, um das Unternehmen heute komplett zu kaufen. Das funktioniert aber nur theoretisch, denn praktisch würde der Kurs ja steigen wenn jemand versuchen würde, alle Aktien aufzukaufen.

Durch die Veränderung dieses Börsenwertes, fliesst dem Unternehmen zunächst einmal kein Geld zu oder ab. Ein Unternehmen nimmt nur dann Geld ein, wenn neue Aktien beim Börsengang oder einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden - wenn also eine Aktie (ein Anteil am Unternehmen) gegen Bargeld getauscht wird.

Wenn aber der Anleger A vom Anleger B an der Börse zu einem höheren Kurs kauft, hat das keine direkten Auswirkungen auf das Unternehmen, nur der Eintrag im Aktienbuch ändert sich, weil sich die Gesellschafterstruktur ändert.

Es ist deshalb auch nicht ganz richtig, wenn gerne gesagt wird, man würde durch Kauf einer Aktie an der Börse einem Unternehmen bei der Finanzierung helfen. Das stimmt nur für den ersten Aktionär, der die Aktie bei Börsengang oder Kapitalerhöhung erworben hat. Alle weiteren Aktionäre tauschen mit diesem ersten Aktionär nur den Platz, ohne dass dem Unternehmen dadurch etwas zu- oder abfliesst.

Trotzdem hat ein höherer Aktienkurs indirekt positive Effekte für das Unternehmen bzw sein Umfeld und nicht nur für den Anleger, der sich über Kursgewinne freut.

Erstens für das Management, das in der Regel an Aktienoptionen verdient und das nicht zu knapp. Die freuen sich also am Meisten und haben daher auch ein Incentive, den Akienkurs "kreativ" nach oben zu treiben. Sicher ist das Management nicht synonym für "das Unternehmen", da die Manager aber das Unternehmen steuern ist eine Trennung auch nicht möglich.

Zweitens können die eigenen Aktien im M&A Geschäft in Form eines Aktientauschs vom Unternehmen als "Währung" eingesetzt werden. Das ist eine recht elegante Möglichkeit bei freundlichen Übernahmen, wenn beide Seiten sich auf eine Tauschquote einigen. Das grössere Unternehmen übernimmt das Kleinere dann komplett gegen Abgabe eines Teils der eigenen Aktien.

Ob so Übernahmen immer sinnvoll und den Unternehmenswert steigernd sind, ist eine andere Frage, auch hier ist es oft das Eigeninteresse des Managements, das den Ausschlag gibt. Denn mit einem grösseren Unternehmen ist mehr "Ruhm" und in der Regel auch mehr Gehalt verbunden. Bei der gescheiterten Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange hatten wir zuletzt so einen Fall, wo die Vermutung für mich nahelag, dass hier auch Eigeninteresse des CEOs eine Rolle gespielt haben könnte.

Drittens können Unternehmen tatsächlich auch eigene Aktien (wie Anleger) halten, das ist zum Beispiel das Ergebnis von Aktienrückkaufprogrammen. Wenn diese Aktien im Kurs steigen, kann man damit theoretisch wie ein Anleger Gewinne realisieren. In der Praxis wird das aber kaum genutzt, weil dadurch wieder die Kurse fallen, was dem für das Management wichtigeren Kriterium des "Erstens" komplett zuwider läuft.

Viertens wird gerne die Fremdfinanzierung angeführt und ja, ein erfolgreiches Unternehmen bekommt leichter und billiger Kredit und kann so besser wachsen. Der Börsenkurs ist hier aber eher Folge des Erfolgs und nicht Ursache der Kreditwürdigkeit. Kredite werden eben nach Unternehmenskennzahlen vergeben und insofern ist der Börsenkurs hier nur Symptom und kein Vorteil für das Unternehmen.

Fazit:

Das Unternehmen selber profitiert nur marginal von höheren Kursen, bestenfalls indirekt. Eher ist es anders herum, ein hoher Börsenkurs ist Folge und Symptom eines gut laufenden Unternehmens.

Hauptprofiteur eines höheren Aktienkurses ist abseits des Anlegers das Management, das damit:

  1. höhere Gehälter begründen kann
  2. seinen Job behält weil die Aktionäre happy sind
  3. über Optionen happig mitverdienen kann
  4. bei einem grösseren Unternehmen auch jede Menge öffentlichen Ruhm einheimsen kann. Zur Kanzlerin ins Privatissimum kommt man halt nur, wenn man der bedeutende Herr Prof. Dr. Winterkorn und Co. ist und sich mit der Aura der Macht umgeben kann.

Ihr Hari

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Zögern



Guten Morgen!

Heute fällt es mir schwer, Ihnen Neues und Intelligentes zum Tag zu schreiben. Ich habe mich daher erst einmal -> dem freien Bereich zugewandt <- und einigen Lesern vielleicht den "Kopf zurecht gerückt", denn ich lese nun allerlei geschwurbelte Börsenkommunikation, in der entweder geraunt wird, dass sich das ja alles nun wieder drehen kann (ja kann es, und nun?) oder den Anlegern geraten, wird abzuwarten, bis alles klar ist (was ein Blödsinn, wenn alles klar ist, ist die Bewegung am Ende).

Für mich ist immer wieder erstaunlich, wie Menschen und gerade auch selber ernannte Börsenexperten, immer wieder nicht in der Lage sind, einfach nur das wahr zu nehmen, was vor ihren Augen gerade passiert - also dem Markt im "Hier und Jetzt" zu folgen.

Immer muss man sich dagegen stellen und will klüger als der Markt sein - auf den Gedanken, dass hier nur die Eitelkeit des Egos am Werk ist, kommt man aber nicht.

Sie wissen dass ich weiss, dass diese Bewegung problemlos wieder zusammen fallen kann, wenn Trump nun etwas Falsches sagt oder die Richtung ändert. Aber wie wahrscheinlich ist das und lohnt es sich, darauf nun zu wetten?

Das ist die Frage. Meine Antwort kennen Sie. Wir leben im Hier und Jetzt und nicht in der Zukunft, die wir uns wünschen oder fürchten.

Passend zum Thema auch: -> Die Ent-Trumpung von Trump <-

Es fällt mir deshalb schwer, Ihnen heute Neues zu schreiben, weil der Markt mir zu Zögern erscheint. Der Verfallstag am Freitag kommt auch langsam in den Fokus.

Wir haben gestern gesehen, wie sich die Mean Reversion in vielen Sektoren in Bewegung setzte, gleichzeitig kam sie aber auch an vielen Stellen schnell zum Erliegen und die alten (neuen) Kräfte der "World of Donald" brachen wieder durch - auch heute früh.

Der Markt ist also in einem Zustand des Zögerns, in dem er sich fragt, ob die Gegenbewegung nun doch kommt, oder es gleich weiter hoch geht.

Schauen wir auf den S&P500, dann sehen wir, dass im Index dieses Zögern schon seit Donnerstag letzter Woche besteht und sich nun vielleicht nach oben auflöst:

sp500-16-11-16

Aus dieser Sicht zögert da nichts, da legt sich der Markt dagegen gerade den Ausbruch aus der Range zurecht.

Aber was nützt uns das, ausser wir sind im Index selber engagiert? Denn die Spreizung zwischen den Sektoren ist immens und im Richtigen oder Falschen zu sein, macht den grossen Unterschied dieser Tage, der Index kaschiert das alles nur.

Auch das Sentiment, dürfte wieder massiv ins Bullische hinein angezogen haben. Ich bin auf Morgen gespannt, wenn die neuen AAII Daten kommen, gehe aber fest von einer massiven Verschiebung zum Bullischen aus.

In Summe ist dieser Markt nun nach wie vor anfällig für eine Korrektur, die kleine "Mean Reversion" gestern, hat eigentlich noch nicht gereicht.

Gleichzeitig ist der Druck in Richtung der "World of Donald" aber offensichtlich massiv und dazu passt das ganze Zögern und Abwarten, über das ich mich ganz oben mokiert habe. Wenn der deutsche "Max Mustermann" wieder anfängt, die Bewegung des Marktes zu bekämpfen, dann kann es fast nur weiter hoch gehen. 😉

Was ist also mein Rat heute? Weitermachen. So einfach.

Alles von mir in den letzten Tagen Gesagte, behält Gültigkeit. Eine gesunde Menge Cash ist nötig und nützlich um reagibel zu sein. Aber für mich spricht viel dafür, dass die Anlagewelt der "World of Donald" über den Tag hinaus Bestand haben wird - temporäre Korrektur hin oder her. Wir passen uns also besser weiter an, wenn wir die Zeitenwende zu unserem Vorteil nutzen wollen.

Übrigens, wer sich wundert, warum Bayer so schwach ist, das dürfte die -> Pflichtwandelanleihe <- sein, denn auch wenn das formal eine "Anleihe" ist, ist es wegen der Wandlung faktisch eine Kapitalerhöhung, die die Altaktionäre verwässert.

Was ich aber nicht verstehe ist, warum der Markt darauf so negativ reagiert, so als ob das eine Überraschung sei. Sicher, die Details waren nicht bekannt, aber dass die Übernahme von Monsanto mit einer Kapitalerhöhung und Verwässerung einher gehen würde, war doch klar und sollte in den Kursen sein. Manchmal rätsele halt auch ich über die Motivation von Mr. Market, vielleicht bin ich im Laufe des Tages klüger.

Zum Thema Kapitalerhöhung übrigens, für die, die es noch nicht gelesen haben: -> Wat is en Kapitalerhöhung? <-

Bei Leoni übrigens, wird das Reversal-Setup erneut exakt an der Nackenlinie abgewiesen, weil Leoni heute -> enttäuschende Zahlen <- liefert. Da fragt man sich doch, wie es der Markt immer schafft, genau an diesen Stellen eine Wende hinzulegen. Die Antwort ist ebenso einfach wie wichtig, weil diese Muster eben der Markt *sind*. Wir bekommen damit Einblick in sein Inneres, in das Ringen zwischen Angebot und Nachfrage.

Ansonsten sehe ich heute wenig, was einer Erwähnung bedarf, der Markt zögert. Das ist doch aber auch mal schön, Bewegung und Aufregung, hatten wir die letzten Tage genug, oder?

Ihr Hari

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Wat is en ….. Kapitalerhöhung?



In der beliebten Reihe mit Lehrer Bömmel, stellen wir uns heute mal die Frage: Wat is en ... Kapitalerhöhung?

Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: En Kapitalerhöhung, dat is ene jroße schwarze Firma, die hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Stammkapital. Und dat andere Loch, dat krieje mer später. 😉

Ernsthaft, gestern hat Rheinmetall eine -> Kapitalerhöhung beschlossen <- um das Stammkapital um 10% zu erhöhen. Und der Kurs fällt aktuell zum Handelsstart um 6%.

Ich habe gestern im Forum schon kurz angedeutet, was das bedeutet. Im Nachhinein habe ich mich aber gefragt, warum eigentlich noch nie jemand von den Mitgliedern mal gefragt hat, was eine Kapitalerhöhung eigentlich bedeutet und vor allem warum da die Kurse fast immer fallen? Ich bin nämlich recht sicher, viele wissen das nicht oder haben ein Halbwissen und könnten die Frage gar nicht kompetent beantworten. Was auch keine Schande ist, Kapitalerhöhungen sind ein komplexes Thema.

Kapitalerhöhungen kommen an den Börsen aber immer wieder vor und es ist wichtig zu verstehen, was diese bedeuten. Deshalb habe ich beschlossen, hier und heute am konkreten Fall Rheinmetall, mal wieder Lehrer Bömmel aus der Feuerzangenbowle zu bemühen. 😉

Nun will ich voraus schicken, dass ich natürlich stark vereinfachen werde, ich bin mir der ganzen Komplexität voll bewusst. Aber ich will hier auch keinen Theoriekurs zu allen Varianten und Schmakazien von Kapitalerhöhungen abhalten, sondern mich vor allem darauf konzentrieren mit einfachen Worten zu erklären, warum der Markt darauf reagiert, wie er reagiert.

Nun aber los....

Was ist also eine Kapitalerhöhung?

Dazu muss man erst einmal verstehen, wie der Gewinnanteil berechnet wird, den man vom nachsteuerlichen Gewinn des Unternehmens ausgeschüttet bekommt - zum Beispiel als Dividende.

Denn als Gesellschafter eines Unternehmens, will man ja am Gewinn teilhaben, egal ob es sich um eine GmbH oder AG handelt. Gewinn kann eine jährliche Ausschüttung sein oder auch der Verkaufsgewinn viele Jahre später. Aber immer ist es der Gewinn, der einen sein Kapital in einem Unternehmen binden lässt. Warum sollte man ohne Gewinn sich auch an einem Unternehmen beteiligen?

Dieser Gewinn wird von der Gesamtsumme anteilig berechnet, je nachdem wie viel einem von dem Unternehmen anteilig gehört. Nun fluktiert der Kurs einer Aktiengesellschaft ja aber täglich, der Kurs kann es als Massstab also nicht sein.

Was den eigenen Anteil am Unternehmen bestimmt, ist der Anteil am Stammkapital des Unternehmens, der über den Nennwert der Aktie errechnet wird.

Machen wir es einfach anhand einer GmbH. Die hat mindestens 25.000€ Stammkapital, die ein Gründer einzahlen muss. Das ist das Stammkapital und wenn man das theoretisch als Gedankenspiel in eine Aktiengesellschaft umwandelt und 1.000 Aktien ausgibt, hat jede Aktie dann einen Nennwert von 25€. Macht wieder 25.000€ Stammkapital, gestückelt in 1.000 Aktien.

Nun kann es ja sein, dass diese GmbH in Wirklichkeit schon eine Million wert ist, weil vielleicht ein Mitbewerber ein Übernahmeangebot in dieser Höhe gemacht hat. Das Stammkapital, das die Gewinnverwendung bestimmt, ist aber immer noch 25.000€, der Nennwert einer einzelnen "Aktie" ist immer noch 25€, der "Kurs" aber 1.000€, weil so über 1.000 ausgegebene Aktien die Million zusammen kommt, die schon geboten wurde und daher den Marktwert des Unternehmens markiert.

Nun stellen wir uns vor, dieser Gründer, der da für 25.000€ Grund(Stamm)-Kapital eine GmbH aufgebaut hat, ist ein sehr netter Mensch. Obwohl er weiss, dass ein Mitbewerber schon 1 Million für das Unternehmen bietet, erlaubt er einem Freund den Einstieg in das Unternehmen zu gleichen Teilen.

Dazu muss eine Kapitalerhöhung um weitere 25.000€ Stammkapital durchgeführt werden, die alleine der Freund "befüllt". Am Ende hat die GmbH dann also 50.000€ Stammkapital und Gründer wie Freund, halten je 50% am Stammkapital. Sollten also mal Gewinne anfallen, die ausgeschüttet werden, sind die 50/50 zu teilen.

Wer jetzt aufgepasst hat, dem ist schon klar, dass dieser Gründer wirklich ein *sehr* netter Mensch war. Denn obwohl das Unternehmen schon eine Million wert ist, gibt er die Hälfte des Unternehmens für nur 25.000€ ab.

Vorher gehörte dem Gründer also 100% an einem Unternehmen, das eine Million wert ist. Nun gehört dem Gründer 50% an einem Unternehmen, das 1.025.000€ wert ist. Die 25.000€ muss man ja oben drauf rechnen, die fliessen dem Unternehmen ja zu. Trotzdem ein sehr schlechtes Geschäft. Das nennt man die "Verwässerung" der Altgesellschafter, hier in einer ganz extremen Form.

Der Punkt des Beispiels ist, theoretisch ist eine Kapitalerhöhung ein Nullsummenspiel für die Altgesellschafter, weil dem Unternehmen ja ein fairer Gegenwert für die neuen Geschäftsanteile zufliesst. Das aber nur, wenn die neuen Gesellschafter den vollen Wert des Unternehmens bezahlen. Und der Wert bemisst sich bei Aktien am Börsenwert.

Nun ist auch das kein völliges Nullsummenspiel, weil die Neugesellschafter ja wiederum selber Anteil an Ihrem eigenen, neuen Stammkapital haben und dieses nicht nur den Altgesellschafter zufliesst. Im Beispiel würde es also nicht reichen, dass der Freund 500.000€ in die GmbH einbringt, nein er müsste 1.000.000€ einbringen. Dann hätten beide Gesellschafter nach Kapitalerhöhung 50% an einem Unternehmen, das 1+1=2 Millionen wert ist. Für beide wäre das also neutral, für den Gründer der schon vorher Unternehmensanteile im Wert einer Million hatte ebenso, wie für den Freund, der eine Million einzahlt und Unternehmensanteile im Wert einer Million dafür erhält.

Aber lassen wir diesen Effekt mal beiseite, der fällt bei prozentual kleineren Kapitalerhöhungen auch nicht so ins Gewicht. Wir machen es uns daher ganz einfach:

Wenn eine Firma wie Rheinmetall ihr Stammkapital um 10% erhöht und angenommen die Neugesellschafter zahlen den vollen Marktpreis des Unternehmens für ihre Anteile, ohne Abschlag, dann sollte es doch keinen Grund für einen Kursverlust an der Börse geben, oder?

Denn die Altgesellschafter haben dann für den prozentualen Verlust an Unternehmensanteilen, über das frische Kapital ja einen fairen Gegenwert bekommen. Warum fällt der Kurs nach Kapitalerhöhungen also trotzdem so oft?

Die Antwort liegt in einer zeitlichen Disparität zwischen Ankündigung der Kapitalerhöhung und der Bekanntgabe, wofür das Kapital verwendet wird. Und liegt daran, dass Unternehmen ja mit Kapital arbeiten.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise mit dem 5-fachen des Buchwertes am Markt bewertet wird und man führt dem nun reinen Cash zu, ist dieser Cash ja nicht 5x Cash wert, sondern nur Cash, also nur Buchwert. Erst wenn der Cash produktiv und investiv sinnvoll verwendet wird, bekommt er das gleiche Multiple, wie es auch das Unternehmen hat.

In anderen Worten, zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung weiss der Markt ja nicht, ob das Management damit vielleicht nicht Schulden abbezahlt oder es für Boni vergeudet. Und das rechtfertigt einen Sicherheitsabschlag.

Nehmen wir aber mal theoretisch an, zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung wäre bekannt, dass Rheinmetall das frische Kapital zum Kauf einen Mitbewerbers verwenden wird, der ein identisches Multiple wie Rheinmetall hat, zum Marktpreis gekauft wird und eine sinnvolle Erweiterung des Geschäftes von Rheinmetall darstellt. Nehmen wir also mal an, der Markt wüsste zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung, dass für die 10% Kapitalerhöhung auch das Geschäft (Umsatz, Gewinn, Zukunftschancen) von Rheinmetall linear um 11% erhöht wird.

Dann - genau dann - gäbe es keinen Grund für einen Kursabschlag mehr und es fände wahrscheinlich auch keiner statt! Denn die alten Aktionäre hätten ja nichts verloren.

Genau das weiss der Markt nun aber nicht und bei so Kapitalerhöhungen eben höchst selten. Und deshalb gibt es fast immer einen Abschlag.

An der Höhe des Abschlages kann man also erkennen, wie der Markt über die Fähigkeiten des Managements denkt, mit dem Geld etwas Sinnvolles anzustellen.

Als Daumenregeln kann man sagen: Wenn ein Unternehmen das Stammkapital in einer Kapitalerhöhung unter Auschluss der Altgesellschafter um 10% erhöht ...

.... und der Kurs um 10% fällt, geht der Markt davon aus, dass das Unternehmen das frische Kapital für nicht-produktive Ausgaben "vergeuden" wird.
.... und der Kurs um mehr als 10% fällt, betrachtet der Markt die Kapitalerhöhung als Panikmassnahme eines Unternehmens, dem es so schlecht geht, dass es dringend neues Kapital braucht.
.... und der Kurs um 5% fällt, ist sich der Markt noch nicht sicher aber doch voller Hoffnung, dass das Kapital für einen sinnvollen Zukauf oder Investitionen genutzt wird.
.... und der Kurs gar nicht fällt, ist sich der Markt der profitablen Verwendung der Kapitalerhöhung ganz sicher.
.... und der Kurs sogar steigt, erwartet der Markt einen konkreten, hoch profitablen Deal.

Konkret bei Rheinmetall, haben wir nun im frühen Handel eine Minus 6% Reaktion.

Finanzprobleme sind mir nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass Rheinmetall intensiv nach Zukäufen im Rüstungssegment sucht, um eine kritische Grösse zu erreichen und dann den Autozulieferer-Teil abzustossen oder an die Börse zu bringen. Beim -> Verkauf der Airbus Elektroniksparte <- ist Rheinmetall im Rennen. Und am Ende will Rheinmetall zu einem reinen Rüstungskonzern werden. Das ist zumindest die (mir) bekannte Strategie.

Vor dem Hintergrund, betrachte ich die Kapitalerhöhung als Zeichen, dass ein Kaufkandidat nun in Reichweite ist. Und da schon einige Insider im Markt wissen werden, worum es da geht, kann man auch die extrem positive Kursentwicklung von Rheinmetall der letzten Zeit als Indiz werten, dass es ein eher sinnvoller Deal wird.

Insofern sind die Chancen nicht schlecht, dass dieser aktuelle Abschlag durch die Kapitalerhöhung dann wieder aufgeholt wird, wenn bekannt wird, worum es hier geht. Nur zu teuer darf Rheinmetall nicht einkaufen, das ist das Risiko.

So .... ich hoffe ich konnte ein paar Mechanismen verdeutlichen und bei einigen von Ihnen vielleicht einen kleinen "Aha-Effekt" auslösen. Es bleibt aber ein komplexes Thema, das ich oben sehr vereinfacht habe, um es sinnvoll erklären zu können. Bitte sehen Sie mir diese Unschärfen nach, falls Sie sich auch im Thema auskennen. Ich lade Sie dann aber ein, es besser zu erklären.

Ihr Hari

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Alibaba und IPOs – Sinn oder Unsinn für Anleger?

Der folgende Beitrag erschien am 15.09.14 09:45 in Hari Live und wurde für den freien Bereich leicht angepasst, um den Kontext verständlich zu halten

Im Zusammenhang mit einem Kommentar zu Charly Mungers Interview in Sachen Buffett und Berkshire Hathaway, habe ich daran erinnert, dass sich die Wissenden gegenüber den Ahnungslosen dadurch auszeichnen, dass sie wissen, was sie *nicht* wissen. Dieser wichtige Punkt passt in meinen Augen sehr gut zum Thema Alibaba und Börsengängen generell.

Sie haben bisher hier auf Mr-Market nichts zum Börsengang von Alibaba gelesen. Ein Börsengang, der übrigens weniger ein Börsengang, als eine Kapitalerhöhung ist, denn Alibaba ist mit seinem Businessportal alibaba.com schon -> 2007 in Hongkong an die Börse gegangen <- und wurde aber -> 2012 wieder delisted <-. Formal war das natürlich eine andere rechtliche Einheit, dahinter stand aber auch damals Jack Ma und die Internet Plattform Alibaba. Von dieser Geschichte liest man aber nun nichts mehr, warum wohl? Die Antwort erscheint mir persönlich klar: rein - raus - wieder rein ist nicht wirklich vertrauenerweckend. 😉

Aber darüber will ich hier gar nicht schreiben, ich will eigentlich zu Alibaba gar nichts sagen. Ich will Ihnen aber erklären, warum Sie dazu hier auf Mr-Market nichts lesen und auch nicht zu anderen IPOs.

Der Grund ist ganz einfach, weil ich grundsätzlich *NIE* an IPOs teilnehme, sondern immer abwarte, was der Markt daraus macht, nachdem Lockup-Periode und Kurspflege durch die Investmentbanken ausgelaufen sind und sich erstmalig unbeeinflusste Kurse ergeben.

Wenn ich die drei wichtigsten Eigenschaften aufschreiben müsste, die man braucht um konsistent am Markt erfolgreich zu sein, wäre eine der drei Eigenschaften ganz eindeutig der Satz:

-> Man muss gnadenlos rational sein und nur dort agieren, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann, der die eigenen Chancen zumindest zu einem 51 zu 49 Verhältnis führt. Wo man diesen Vorteil rational nicht sehen kann, bleibt man konsequent und ohne Reue fern.

Und es gibt wohl kaum einen Moment bei Aktien, an dem man ein schlechteres Chance/Risiko Verhältnis hat, als bei einem IPO - und zwar egal bei welchem. Warum wird auch schnell klar, wenn man sich mal überlegt, wer sich da mit welcher Motivation gegenüber steht.

Einen IPO, verbunden mit der Last der öffentlichen Berichtspflichten, machen Altgesellschafter nur, wenn sie auf diese Art und Weise zu guten Konditionen aussteigen können und/oder sich Cash ins Unternehmen holen können, auf jeden Fall zu besseren Konditionen, als sie ohne IPO selber erzielen könnten.

Da das Unternehmen aber noch nicht öffentlich ist, wissen genau genommen nur die Altgesellschafter sicher, was im Unternehmen wirklich los ist und was es wert ist. Und ab welcher Schwelle ein IPO ein Premium erzeugen würde, das diesen aufwendigen Weg lohnend macht.

Neben den Altgesellschaftern stehen dann noch die Investmentbanken, die den IPO begleiten und befeuern. Diese kommen gerade dann an das Mandat, wenn sie den Altgesellschaftern versprechen können, dass sie den IPO zuverlässig durchbringen und einen besonders hohen Emissions-Preis erzielen können. Und die Investmentbanken sind auch oft so incentiviert, diesen hohen Preis zu erzielen.

Wir haben also auf der einen Seite zwei starke Kräfte, die genau wissen was im Unternehmen los ist und ein massives, wirtschaftliches Interesse haben, den Preis hoch zu treiben. Er darf zwar nicht so hoch gehen, dass gleich eine massiver Einbruch droht, das würde an der Reputation der Investmentbanken nagen, aber er darf und soll schon 10 oder 20 oder mehr Prozent über dem liegen, was die "Wissenden" dem Unternehmen eigentlich zubilligen, sonst würde man ja keinen IPO machen. Und um trotz eines überhöhten Emissionspreises dann den folgenden Einbruch zu verhindern, gibt es eben Lockup-Perioden und vor allem die Kurspflege der Investmentbanken, weswegen sich ernst zu nehmende Marktpreise erst dann entwickeln können, wenn beide ausgelaufen sind.

Und auf der anderen Seite haben wir die Schafe - Entschuldigung ich meinte natürlich die Investoren 😉 - die zur Tränke geführt werden müssen, aber gar nicht die Daten und Mittel haben, um zuverlässig den Wert des Unternehmens einzuschätzen, wie die auf der anderen Seite des Deals.

Und um die Investoren zur Tränke zu führen, wird natürlich massiv beworben, gute Stimmung gemacht usw. Und eben Themen wie 2007-2012 dezent unter dem Tisch deponiert. "Roadshow" nennt man das, in der die potentiellen Investoren vom Einstieg überzeugt werden sollen, man kann das also mit einer gewissen Logik auch eine "Verkaufsveranstaltung" nennen. 😉 Sicher, wer in den Roadshows sitzt, bekommt sicher tieferen Einblick und die institutionellen Investoren haben ganze Teams, die sich in die Zahlen zum IPO vergraben können. Aber trotzdem bleibt auch da immer noch eine Restunsicherheit, den man kann nur analysieren, was einem von den Altgesellschaftern auch gesagt und gezeigt wird.

Damit ist doch offensichtlich und klar, dass bei so einem Setup - so einem Ungleichgewicht zwischen den Wissenden im Unternehmen und denen, die ihnen ihr Kapital geben sollen - kein 50/50 Chancengleichgewicht existieren kann. Nein, so ein IPO ist strukturell immer eher ein 40/60 Szenario zu Gunsten der Altgesellschafter.

Das heisst nicht, dass nicht auch mal IPOs für die Anleger gut ausgehen können. Auch 40% treffen oft ein. Und es gibt auch IPOs, bei denen es den Altgesellschaftern nicht auf einen schnell Cash-Out, sondern wirklich auf langfristige Aktionäre ankommt und die deswegen auch beim Emissionspreis sehr fair und realistisch sind.

Aber der entscheidende Punkt ist der, den ich oben gemacht habe: es ist sonnenklar, dass wir als kleine Anleger hier keinen Edge haben können! Und deshalb halte ich mich von IPOs generell fern und warte ab, bis Mr. Market Monate später ein unbeeinflusstes Urteil fällt. Und habe keine Reue, wenn dann auch mal ein IPO gut läuft und ich etwas "verpasst" habe.

Denn erneut: Man ist dann erfolgreich, wenn man gnadenlos rational ist und nur dort agiert, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann! Bei IPOs aber kann das strukturell gar nicht der Fall sein.

Ihr Hari

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ThyssenKrupp (WKN: 75000) springt mit neuer Erholungsphantasie an

Mitglieder im Premium-Bereich wissen, dass ich seit der Kapitalerhöhung im alten Jahr, die Aktie von ThyssenKrupp (WKN: 750000) für einen möglichen Rebound im Auge habe.
Aber auch im freien Bereich habe ich das zuletzt im Oktober unter dem Titel -> Das Interregnum vor dem Neuanfang <- thematisiert.
Machen Sie sich mal den Spass und vergleichen das Chart, das ich Ihnen im Oktober gezeigt habe, mit dem späteren Ablauf. 😉

Warum schien mir ein Rebound denkbar ? Ganz einfach, weil die Nachrichtenlage nicht schlechter sein könnte und niemand mehr einen Pfifferling auf das Unternehmen gab. Gleichzeitig aber kamen unter dem Druck der Umstände die strukturellen Änderungen in Gang, die viel zu lange haben auf sich warten lassen.

So ist mit Cevian nun ein kompetenter Finanzinvestor engagiert, der massiv auf eine Bereinigung der ganzen Altlasten drängen wird. Weiter wurde durch die Kapitalerhöhung nicht nur dringend notwendige Frischluft bei der Kapitalausstattung verschafft, sondern es wurde auch die Sperrminorität der Krupp-Stiftung gebrochen, die nach meiner Ansicht deutlichen Anteil am Niedergang des Unternehmens hatte. Und zuletzt wurde durch den Abgang von Gerhard Cromme als Aufsichtsratchef der Vorstand gestärkt, Cromme als erwarteter Nachfolger von Berthold Beitz, hatte einfach eine zu starke Stellung im Machtgefüge.

Mit der vollzogenen Kapitalerhöhung kulminierten alle diese Entwicklungen, während gleichzeitig der Kurs nicht mehr deutlich unter 17€ fallen wollte. Erfahrene Börsianer wissen genau was es bedeutet, wenn ein Kurs im Lichte schlechter Nachrichten nicht mehr fallen will. Die Wahrscheinlichkeit einer Wende ist dann deutlich erhöht, weil alle möglichen Katastrophen schon eingepreist sind.

Heute nun schiesst ThyssenKrupp um über 3% nach oben. Unter anderem, weil eine unscheinbare Nachricht über den Ticker geht. ThyssenKrupp hat die bisher eigenständigen Anlagenbauunternehmen des Konzerns -> unter dem Dach von ThyssenKrupp Industrial Solutions zusammengeführt <-. Aber auch die Aussagen von Konzernchef Hiesinger, der -> den Betriebsgewinn mittelfristig verdoppeln <- will, haben sicher massiv geholfen.

Der Markt reagiert nach meiner Einschätzung deshalb darauf so begeistert, weil dadurch die Zerschlagungsphantasie befeuert wird. Denn ThyssenKrupp hat einen grossen Vorteil gegenüber beispielsweise einer Salzgitter. ThyssenKrupp hat einige "Perlen" im Bereich Anlagenbau als Einzelteile in seinem Konzernverbund, die unter Wert gehandelt werden, weil sie durch das Elend des Stahls in ihrem Wert überdeckt werden. Ich vermute, dass diese Sicht auf die "Perlen", auch den Finanzinvestor Cevian zum Einstieg motiviert hat.

Mit der heutigen Aktion kommt Phantasie in die Aktie, die Phantasie einer Abspaltung, ja selbst eines Börsengangs der Anlagenbauer. Und all das treibt den Kurs und wird ihn mit guter Wahrscheinlichkeit weiter treiben. Diesen Freitag findet dann in Bochum die Hauptversammlung statt. Und wenn dort die richtigen Worte gefunden werden und sich ein Lösung der existenziellen Probleme andeutet, hat die Aktie noch einiges Potential nach oben.

Man sieht am Geschehen wunderschön, wie sinnlos es ist, sich über Nachrichten zu sorgen, die der Markt schon lange kennt. Und wie wertlos das ganze prozyklische Gerede um die Probleme von ThyssenKrupp war, das zuletzt immer wieder das Internet füllte. Welchen Wert hat es auch, wenn der hunderste Schreiber noch einmal nacherzählt, was der Markt schon längst weiss ? Vor 1 Jahr waren die Probleme um die Werke in Amerika noch kursrelevante Nachrichten. Nun ist das alles schon verarbeitet.

Und um das zu erkennen, hätte man einfach nur auf das Chart schauen müssen, denn das zeigt bei ThyssenKrupp schon seit Monaten ganz rational und unemotional einen neuen Aufwärtstrend. Und zeigte zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung, wie hier neues Kapital in die Aktie floss. Und solange das Tief im Zuge der Kapitalerhöhung bei 16,575€ nun nicht mehr unterschritten wird - das damit auch einen logischen Stop markiert - ist der Trend intakt. So einfach ist Börse manchmal. 🙂

ThyssenKrupp 13.01.14

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ThyssenKrupp – das Interregnum vor dem Neuanfang

Treue Leser wissen, wie kritisch ich ThyssenKrupp (WKN: 750000) lange gesehen habe.

Artikel vom Februar 2012 wie -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- oder vom Juli diesen Jahres wie -> Thyssenkrupp und das Problem Berthold Beitz <- legen davon Zeugnis ab.

Lange war die Aktie daher auf meiner "Igitt"-Liste und ausschlaggebend waren dafür für mich drei Faktoren:

  • Eine Krupp-Stiftung mit Berthold Beitz an der Spitze, die einerseits mit Sonderrechten im Aufsichtsrat die ThyssenKrupp AG de facto kontrollierte, andererseits aber zum Bremsklotz geworden war. Unter anderem weil sie - nach dem was man lesen konnte - mangels Finanzkraft scheinbar nicht in der Lage war, eine zwingend notwendige Kapitalerhöhung mitzugehen.
  • Ein Aufsichtsratsvorsitzender in Person von Gerhard Cromme, der alle Fehlentscheidungen bei ThyssenKrupp des letzten Jahrzehntes aus seiner herausgehobenen Rolle heraus mit zu verantworten hatte. Cromme ist ein Manager, den ich persönlich zwar für einen hervorragenden "Strippenzieher" halte, ansonsten aber für eher ungeeignet halte, ein Industrieunternehmen mit Kreativität, Offenheit und Tatendrang nach vorne zu führen. Zumindest sind mir persönlich derartig positive Entwicklungen in seinem "segensreichen Wirken" der Vergangenheit nicht aufgefallen - übrigens auch nicht bei Siemens, wo er noch Aufsichtsratsvorsitzender ist. Soweit meine ebenso bescheidene, wie persönliche Meinung zu Herrn Cromme.
  • Eine Unternehmenskultur, die natürlich massgeblich von den beiden obigen, herausgehobenen Herren mitgeprägt wurde und nach meinem persönlichen Eindruck von Hierarchiedenken, ja Seilschaften und Kaderdenken und teilweise auch Grossmannssucht geprägt war. Diese Unternehmenskultur hat nach meiner Überzeugung daran mitgewirkt, dass es ThyssenKrupp geschafft hat, exakt zum Höhepunkt der Stahlkonjunktur diese gigantischen Investitionen in Amerika anzustossen, die nun wie ein Klotz am Bein des Unternehmens hängen und das Kapital aufzehren. Ein 5-jähriges Kind ohne jedes Verständnis der Zyklizität der Stahlindustrie, hätte keinen schlechteren Zeitpunkt für die Investition finden können und ein Würfel hätte wahrscheinlich rein statistisch einen besseren Zeitpunkt gefunden.

    Auf jeden Fall sprechen Jagdpachten und Luxusreisen eine beredte Sprache dieser Unternehmenskultur. Und wenn Sie meinen, das ich mir das einbilde, schauen Sie noch einmal beispielhaft in -> diesen <- Artikel der Welt von März diesen Jahres hinein, in dem sogar der neue Konzernchef Hiesinger mit einer ähnlichen Charakterisierung zitiert wird.

All das ist nun aber vergangen und Geschichte. Berthold Beitz ist von uns gegangen. Und bei all den Fehlern, an denen letztlich auch er in hohem Alter bei ThyssenKrupp beteiligt war, sind diese doch nur Petitessen im Angesicht eines erfüllten und ereignisreichen Lebens, das man mit Respekt betrachten sollte. Und Gerhard Cromme ist zurück getreten und beschränkt sein Wirken nun auf Siemens.

Damit hat Konzernchef Heinrich Hiesinger nun die Fäden in der Hand und von seiner zupackenden Art erhoffe ich nun Änderungen bei der Unternehmenskultur von ThyssenKrupp. Erfreulich ist auch, das es bisher nicht zu einem Notverkauf der amerikanischen Stahlwerke "um jeden Preis" gekommen ist. Denn wie ich schon mehrfach schrieb, wäre der Zeitpunkt in meinen Augen ebenso prozyklisch und unglücklich, wie der Zeitpunkt der Investition. Denn es ist gut möglich, dass der Boden des Stahlzyklus nun erreicht ist oder sogar schon hinter uns liegt.

Und zu guter Letzt hat ThyssenKrupp mit Cevian nun einen schwedischen Finanzinvestor an Bord, der einen guten Ruf in der Branche besitzt und ähnlich Deals schon erfolgreich durchzog. Auch das wird die Position von ThyssenKrupp stärken.

Damit hat Heinrich Hiesinger nun die Chance, mit einer grossen Kapitalerhöhung die Abhängigkeit von der Krupp-Stiftung zu durchschlagen und damit auch genügend Luft zu gewinnen, um keinen Notverkauf um jeden Preis bei den Stahlwerken durchführen zu müssen. Das wäre auch die Grundlage, dass man ThyssenKrupp an der Börse wieder aus der Sicht des Wertes der Einzelteile betrachten kann.

Wenn jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden, erleben wir vielleicht also gerade ein Interregnum, an das sich ein erfolgreicher Neuanfang bei ThyssenKrupp anschliesst. Ich würde es diesem Traditionskonzern wünschen.

Und weil das so ist, ist die Aktie nun auch nicht mehr auf meiner "Igitt"-Liste. Im Gegenteil, ich fange an, mich für einen Einstieg zu interessieren.

Wenn wir auf das Chart mit Tageskerzen schauen, sehen wir auch, dass die Aktie schon seit April einen neuen Aufwärtstrend begonnen hat. Sollte der Kurs nun - vielleicht im Zuge einer allgemeinen Marktkorrektur - zur Trendlinie und damit auch zur 200-Tage-Linie zurück kommen, könnte das ein interessanter Einstiegspunkt werden:

ThyssenKrupp 07.10.13

Im Moment aber neige ich noch dazu abzuwarten, zu wahrscheinlich markiert das Hoch vom 25.09. ein temporäres Hoch im neuen Trend. Und soooo eilig muss man es bei ThyssenKrupp nun auch nicht haben, eine Kapitalerhöhung dürfte den Kurs noch einmal nach unten zerren.

Die Zeit aber, in der ich die ThyssenKrupp Aktie konsequent geschnitten habe, ist nun definitiv vorbei.

Glückauf ThyssenKrupp !

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