Die Marktlage Ende Februar

Kommende Woche mit den bayrischen Faschingsferien, ist auch dieser Blog im Ferienmodus, es gibt dann im freien Bereich keinen Artikel.

Daher will ich heute auch mal einen groben Blick auf die Marktlage werfen, mein letzter Kommentar dazu hier im freien Bereich ist ja hier in -> Das endlose Zögern und die Unsicherheit <- auch schon wieder 3 Wochen her.

Seitdem hat der Leitindex S&P500 auch die 200-Tage-Linie genommen und klopft nun an die Verlaufshochs des letzten Oktobers und Novembers an. Hinter uns liegt seit dem 26.12.18 eine brutale Stärkephase ohne grössere Pausen, die sich Weihnachten kaum jemand hätte vorstellen können.

Erneut wurde damit das bewahrheitet, was ich Ihnen vor mehr als einem Monat in -> Der neue, alte Markt - Alles wie immer? <- geschrieben habe:

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegungen laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

....

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Auch vor einem Monat wäre es also richtig gewesen, dem Trend weiter zu folgen, hier ist der heutige Stand:

Ein Geruch von 2017 liegt nun in der Luft, als es auch beständig nur nach oben ging und man über Monate auf ein Retracement wartete, das dann nie kam.

Dieses Mal haben wir aber eine andere Grundlage, man sieht im Chart sehr gut, dass die Bewegung unter die 2.600er Zone, die Anfang Dezember begann, eine "Anomalie" war.

Denn eigentlich war der Markt am 03.12.18 mit dem G20 Treffen bereit, einen Boden zu finden und in das traditionell starke Jahresende zu wechseln. Was dann ab dem 04.12. kam, waren aber brutale Abgaben des großen Geldes, die auf zwei Faktoren beruhten, die sich gegenseitig bedingen:

Einerseits machten Rezessionsängste die Runde, die aber unsubstantiiert waren. Ich erinnere als ein Beispiel nur an das ganze Gerede um die invertierte Zinskurve, das ich schon letzten Sommer kritisch kommentiert habe. In einem reflexiven Markt reicht es aber, dass die einen verkaufen, damit auch andere verkaufen und sich die Karawane in Bewegung setzt.

Andererseits machte die FED mehrere kommunikative Fehler, von denen Jerome Powell in der FED-Sitzung vor Weihnachten den Allergrößten gemacht hat und damit die obigen Ängste erst richtig befeuert hat. Powell wurde vom Markt schwer bestraft und schon wenige Tage danach merkte man, wie die FED versuchte zurückzurudern.

Mittlerweile sind die unmittelbaren Rezessions-Ängste wieder vom Tisch, das Geraune von einer Rezession in der Zukunft gibt es immer und hat als Geraune ohne harte Daten, keinen gesteigerten Wert. Und die FED hat sich 180 Grad gedreht und ist nun so taubenhaft, wie man nur sein kann. Natürlich ist das in die Zukunft hinein ein Problem, weil nun Mittel schon verschenkt wurden, aber es hat eben diese Rally befeuert.

Was wir oben im Chart vor uns sehen, ist also kein 2017, es ist die Korrektur einer Anomalie, einer Fehlbewertung des Marktes, die zu einem guten Stück mit der Richtungsänderung der FED zu tun hat. Ein schönes Sprichwort zum Vorlaufindikator Aktienmarkt sagt ja:

The stock market hat predicted 9 of the past 5 recessions

Das war also wieder so ein Fall, der Vorlaufindikator des Marktes ist höchst sensibel und ahnt Ungemach immer lange *vor* den ökonomischen Daten, was aber das Risiko in sich birgt, dass nicht jeder Warnung dann auch wirklich ein Problem folgt. Trotzdem lohnt es sich den Markt ernster zu nehmen als ökonomische Daten, denn es gab keine Rezession, die der Markt nicht als Erster gerochen hat, nur sind leider auch ein paar Fehlsignale dabei, wie im Dezember.

Nun sind wir also eigentlich nur da, wo wir auch ohne diesen verrückten Dezember und Januar hätten sein müssen, streichen Sie den Bereich unter der grünen Unterstützung einfach gedanklich weg. 😉

Stand heute haben wir also einen sehr starken Markt, der nun aber klar überkauft ist und im Bereich ca 2.800 im S&P500 in eine erneute Widerstandszone läuft.

Von hier ein Rücksetzer in den kommenden 2 Wochen, wäre also alles andere als ein Wunder, der Markt ist aber so stark, dass man davon ausgehen kann, das die Unterstützung um 2.600 mit Präferenz auch bei einem Retracement halten wird.

Gleichzeitig zeigen andere Märkte, die ja teilweise das ganze Jahr 2018 im Bärenmarkt waren, nun auch klare Lebenszeichen, schauen Sie zum Beispiel mal auf die Struktur die sich im MDAX aufbaut, das sieht auch nicht so schlecht aus:

Summa Summarum ist die Lage geprägt von:

  • einem sehr starken Markt, dem mittelfristig noch Einiges zuzutrauen ist. Starke Märkte sterben nicht so schnell, wie wir oft erlebt haben.
  • kurzfristig einer überkauften Marktlage, so dass ein markantes, scharfes Retracement nun jederzeit um die Ecke kommen kann.
  • den Handelsgesprächen als dem großen Katalysator - ein Sell-the-News Effekt nach Abschluss einer eigentlich positiven Einigung, wäre kein Wunder, nachdem der Markt nun wochenlang in Hoffnung hochgeschoben ist.
  • einer starken Unterstützung im S&P500 bei ca. 2.600, die wenn sie überhaupt erreicht wird, mit Präferenz halten sollte.
  • anderen Weltmärkten in Europa und den Emerging Markets, die seit Anfang 2018 im Bärenmarkt waren und nun erhebliches Aufholpotential besitzen.
  • diversen abstrakten Risiken wie Brexit, den "Mueller Tapes", der Kreditsituation in China usw, die immer als gute Argumente der Bären dienen, aber der Regel "it doesn´t matter until it matters" unterliegen.

Wir sollten also kurzfristig etwas mehr Vorsicht an den Tag legen und auch mal mit einem scharfen Retracement rechnen, können aber mittelfristig für 2019 weiter positiv sein.

Und gibt es einen Faktor, der das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte und uns in eine noch schlimmere Korrektur als im Dezember drücken? Ja zwei sogar!

Einerseits eine von Italien ausgehende Zerstörung der Eurozone. Ich rechne damit nicht in naher Zukunft, vorher wird die EZB noch "everything and the kitchen sink" auf das Problem werfen und auch Dinge wie noch tiefere Negativzinsen angehen. Und erst dann irgendwann in der Zukunft, ist die Eurozone wohl "reif", weil die Spannungen dann unerträglich werden.

Darauf jetzt zu wetten, wäre also wohl ein Verlustgeschäft, denn -> zu früh ist am Markt nur ein anderes Wort für falsch <-

Andererseits ein Scheitern der Handelsgespräche. Wenn diese Gespräche in Vorwürfen und einem Handelskrieg zwischen US und China enden sollten, dann wird das Gebäude kippen, davon bin ich überzeugt und dann sehen wir die Tiefs vom Dezember wieder.

Nur wie wahrscheinlich ist das? Xi wie Trump haben nun ein Incentive sich zu einigen und insbesondere Trump will in gut 18 Monaten wiedergewählt werden und kann daher keine Rezession gebrauchen, die seine Wähler im "Rostgürtel" besonders hart treffen würde.

Also, die Lage ist mal wieder schwierig aber nicht hoffnungslos. 😉 Dem -> Optimismus sollte mittelfristig weiter eine Chance gegeben werden <-, auch wenn kurzfristig nun erhöhte Vorsicht sinnvoll ist.

Und wenn doch eines der großen Desaster wie oben eintritt, dann sollte man *dann* darauf zügig und konsequent reagieren und nicht versuchen im Vorfeld auf etwas zu wetten, dessen Eintreffen völlig im Ungewissen ist.

Ich wünsche gute Entscheidungen und schöne Faschingsferien!

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Börsenjahr 2019 – Dem Optimismus eine Chance!

Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019, wünsche ich auch an dieser Stelle allen freien Lesern!

Seit dem letzten Artikel am 17.12. ist viel passiert und wir haben in der Community dazu auch viel besprochen. Die Grundlage eines schlechten Jahresanfangs wie beschrieben, wurde durch eine katastrophale Kommunikation des FED Chefs Powell in der Woche vor Weihnachten zerstört.

Denn die Grundlage der Vergleiche zu 2008 und 2016 war ja, dass im alten Jahr die Kurse noch zusammengehalten werden, um die Performance nicht zu versauen, dann aber im neuen Jahr das große Geld "abzuladen" beginnt.

Was aber passiert ist, ist in Folge der FED am 19.12. ein Zusammenbruch des Marktes, der mit einem Ausverkauf am Freitag vor Weihnachten und genau am Heiligabend, historische Ausmaße angenommen hatte. Je nachdem wie man rechnet, war das der schlechteste Dezember seit der großen Depression der 30er Jahre, in deren Folge dann auch Adolf Hitler an die Macht gespült wurde - oder es waren sogar die schlimmsten Börsenweihnachten überhaupt!

Damit war die Grundlage eines im alten Jahr zusammengehaltenen Marktes gar nicht da, womit uns schon vor Weihnachten klar war, dass kurzfristig eher ein Rebound anstehen würde und so ist es dann ja auch gekommen:

Klar ist nun, dass wir hier eine Situation vor uns haben, die nach einem klassischen Test der Einbruchszone bei 2.600 nachgerade schreit, der dann abgewiesen wird und zu neuen Tiefs führt. Das ist das Model das die Bären haben dürften und es ist nicht von der Hand zu weisen.

Klar ist aber auch, dass in den US alle Binnendaten eigentlich immer noch eher positiv sind. So passen solche extrem guten Arbeitsmarktdaten wie letzten Freitag, einfach nicht mit einer Rezession vor der Tür zusammen - überhaupt nicht!

Und klar ist daher auch, dass der US Markt mit seiner Korrektur der Realität schon deutlich voraus gelaufen ist. Und das weil der Markt zu zwei Themen eine negative Erwartungen entwickelt hat. Erstens zur FED, das hatte Powell Anfang Oktober ausgelöst und Mitte Weihnachten eskaliert. Zweitens zum Handelskrieg mit China, der das ganze Jahr schon seine Schleifspuren hinterlässt, siehe Apple.

Objektiv deutet in den US weiter wenig auf eine Rezession hin und *trotzdem* hat der S&P500 20% abgegeben und die stärkste Korrektur seit 2008 generiert. Und das alles nur aus Angst, dass es schlechter werden *könnte*, aus reinem Konjunktiv heraus!

Das ist nicht ungewöhnlich, der Aktienmarkt hat immer schon 9 der letzten 5 Rezessionen vorher gesagt, man sollte sich das aber klarmachen. Und genau deshalb, ist eine positive Überraschung hier wahrscheinlicher, als es die historische Erfahrung nach so massiven Einbrüchen impliziert. Man darf das bullische Szenario nicht vom Tisch wischen.

Ich will hier im freien Bereich die taktische Diskussion um das was die kommenden Woche ansteht und wie sich das auf die Kurse auswirkt, gar nicht führen. Wie das Jahr wird, weiss sowieso niemand und man kann bestenfalls die Entwicklung der kommenden Wochen richtig einschätzen. Und wenn wir das wieder wie so oft hinbekommen, ist das das Maximum was möglich ist. Man fliegt eben auf Sicht, aber gute Sicht kann schon einen Vorteil verschaffen.

Ich will hier stattdessen das ganz große Bild betrachten, wie es sich für langfristigen Investoren darstellt. Viele Anleger haben ja in den letzten Jahren immer gesagt, dass sie dann bei der nächsten Korrektur endlich einsteigen würden.

Ich habe mich darüber immer lustig gemacht, weil die Erfahrung sagt, dass die die in den letzten Jahren immer gezögert haben, es in der Korrektur erst recht nicht können, weil dann die Nachrichtenlage so negativ ist. Dann wird wieder gezögert und am Ende passiert das Gleiche wie 2009 oder 2013 oder 2016, man wartet auf den "ganz großen Crash", der aber dummerweise statistisch nur alle paar Jahrzehnte mal kommt, der letzte liegt jetzt 10 Jahre zurück.

Schauen wir doch mal, wo wir in 2019 nun stehen:

  • Kann diese Korrektur sich ausweiten, der S&P500 bis zur 2016er Ausbruchzone fallen und damit 30-40% korrigieren? Eindeutig ja!
  • Kann der DAX wieder vierstellig werden? Eindeutig ja!
  • Kann eine Einigung zwischen US und China scheitern und ein heißer Handelskrieg entstehen? Eindeutig ja!
  • Kann Italien zu einem Bruch der Eurozone führen? Eindeutig ja!
  • Kann die Konjunktur in Deutschland als Folge einer Mischung von gesellschaftlicher Larmoyanz und Selbstverstümmelung endgültig in eine Rezession abkippen? Eindeutig ja!
  • Können die Probleme mit Krediten in den Emerging Markets sich zu einer neuen Kreditkrise ausweiten? Eindeutig ja!

Und so weiter, ich könnte mit anderen Themen weitermachen. Das alleine sagt uns aber gar nichts, denn diese Aussagen hätte ich auch vor 2 Jahren am Anfang von 2017 mehr oder weniger so machen können und Sie wissen ja, wie gnadenlos die Börsen in 2017 hoch geschoben haben.

Entscheidend ist nicht, dass diese Risiken existieren, entscheidend ist wie wahrscheinlich sie sind und wie viel davon schon im Markt eingebacken ist!

Weiterlesen ...Börsenjahr 2019 – Dem Optimismus eine Chance!