Jahresanfang 2019 – historische Parallelen?

Der Markt konnte sich bisher selbst zu einer schwächlichen Jahresend-Rally nicht mehr aufraffen, was für diese Jahreszeit schon extrem ungewöhnlich ist.

Bis vor 2 Wochen war die Welt noch halbwegs in Ordnung und das Modell einer begrenzten Korrektur mit traditionell starkem Jahresende, bei der Mehrheit zurecht dominant. Erst der massive Absturz am Dienstag vor 2 Wochen, hat diese positive Interpretation negiert und die Stimmung allgemein massiv nach unten gedrückt.

In dieser nun laufenden KW51 besteht durchaus eine Chance auf Stärke, weil die FED am Mittwoch als Katalysator existiert und die Stimmung allgemein sehr negativ geworden ist. Wenn ein überverkaufter Marktzustand auf die FED trifft, schafft das in einem normalen Markt in der Regel eine positive Mischung.

Aber ist das noch ein "normaler" Markt? Und selbst wenn der S&P500 diese Woche doch noch zur Jahresende-Rally antritt und dem großen Einbruch noch einmal im letzten Moment von der Schippe springt, dürfte er zum Jahresende bestenfalls in der Range von 2.820 bis 2.600 bleiben, neue Hochs und ein Ende der Korrektur, sind für 2018 wohl eher vom Tisch.

Selbst aber wenn der Index nun noch einmal 10% korrigiert und in den Bereich von 2.400 eintritt, was nun sehr gut denkbär wäre, wäre der langfristige Aufwärtstrend noch intakt und das Geschehen müsste als üble, aber notwendige Bereinigung eines zu guten Jahres 2017 gewertet werden:

Wir alle würden gerne wissen, wie das in 2019 weiter geht, nur leider hat niemand eine Glaskugel, gerade die nicht, die am lautesten mit Prognosen um sich werfen.

Für 2018, waren die DAX-Prognosen der Analysten der Banken mal wieder völlig falsch, wie schon für 2017, warum bitte, soll man da für 2019 auch nur eine Sekunde darüber nachdenken?

Schauen Sie -> hier sind die Prognosen für 2018 <- , kein Einziger der "Prognostiker" hat auch nur ansatzweise den aktuellen DAX-Stand auf dem Radar gehabt, alle waren zu optmistisch. Und -> hier in 2017 <- waren alle zu pessimistisch, der DAX Stand Ende 2017 war 12.918.

Würde man eine Horde Affen mit Dartpfeilen auf ein Ziel mit Markierungen zwischen 10.000 und 15.000 werfen lassen, wäre die Trefferquote wahrscheinlich deutlich höher. 😛

Wir sehen was diese "Prognosen" sind, Fortschreibungen der Gegenwart, die kein Profi ernst nimmt. Diese werden nach meinem Eindruck geschrieben, um Otto Normalanlegers fatales Bedürfnis nach Führung zu befriedigen und sich als Bank ins Gespräch zu bringen. Auch außerhalb der Banken hatte kaum jemand diese massive Schwäche im Herbst auf dem Radar, auch ich in diesem Ausmass nicht. Aber ich behaupte auch nicht den Schlussstand des Folgejahres prognostizieren zu können, da liegt der Unterschied.

Aber, wir sind nicht völlig blind. Denn wenn man seine Zeit nicht mit solchen Prognosen vergeudet, sondern nach Mustern in der Marktmechanik sucht, wird man gerade um den Jahreswechsel fündig. Da gibt es viele Muster die immer wiederkehren, das "Window-Dressing" zum Jahresende ist dabei einer der bekanntesten Faktoren. Und von diesen Mustern kann man einiges ableiten.

2018 ist dabei besonders spannend, weil wir - wenn nicht noch ein Weihnachtswunder passiert - weit ab von den Höchstständen schliessen werden und die Jahresendrally bestenfalls schwach war und schlimmstenfalls ganz fehlte.

Was bedeutet das für den Jahresanfang?

Oft nichts Gutes. Bis zum Jahresende werden die Börsen oft noch zusammengehalten, weil sich die großen Markt-Elefanten ihre Jahresperformance - an der auch Boni hängen - nicht völlig versauen lassen wollen. Am Anfang des neuen Jahres, kann dann nach schwachen Jahren aber das Großreinemachen losgehen und Hedge-Funds werden liquidiert, die nicht performt haben.

Während nach starken Jahren der Jahresanfang also gerne Stärke bringt, weil jeder im Sinne "neues Spiel neues Glück" sich wieder einkaufen will, wird es nach schwachen Vorjahren und einem schwachen Jahresabschluss gerne gefährlich.

Sie wollen einen Beleg dafür? Nun schauen Sie auf die letzten 12 Jahre, da hatten wir fast immer ein starkes Jahresende und dann einen brauchbaren Start ins neue Jahr. Aber es gab zwei Jahre mit schwachem Jahresabschluss, als die Jahresendrally faktisch ausgefallen ist - wie möglicherweise 2018, noch hat das Jahr ja 2 Wochen um was gut zu machen.

Und das waren 2007 und 2015 und hier ist, was danach passierte:

Ich denke das ist eindrucksvoll und eindrücklich.

Gerade wenn jetzt mit der FED doch noch späte Stärke kommt, hätten wir eine Replik dieser Vorjahre, eine schwache Jahresendrally mit Risiko, dass es zum Jahresanfang richtig zu rappeln beginnt.

Und für dieses "Rappeln" gibt es auch objektive Gründe, es dürfte in diesem schwierigen Jahr einige institutionelle Anleger, insbesondere Hedge-Fonds, "erwischt" haben, die dann in 2019 abgewickelt werden und das ist selten gut für einen Markt.

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Die Steigung

Das Jahr 2018 macht da weiter, wo das Jahr 2017 aufgehört hat. Der Anstieg insbesondere der US Indizes ist gnadenlos, immer wieder ergeben sich neue Themen, die die Märkte weiter befeuern. War es gestern noch die US Steuerreform, ist es nun auch das US Infrastruktur-Programm, das auf die Agenda der Trump-Administration kommt.

Daraus ist ein massives Momentum im Markt entstanden, das man wunderbar im Leitindex SP500 mit dieser immer steiler werdenden Steigung darstellen kann:

Ich denke man erkennt sehr schön, wie die Steigung von einer dauerhaft tragfähigen Neigung in 2017, in 2018 nun auf eine Steilheit gewechselt ist, die der Markt nicht dauerhaft durchhalten kann.

Würde man diese Steigung auf das Jahresende hochrechnen, würde sich der SP500 vervielfachen, was natürlich kompletter Unfug ist.

Nun kann ich mir aber gleich vorstellen, wie einigen von Ihnen nun der "Finger juckt" sich dagegen zu stellen und auf fallende Kurse zu wetten.

Ich kann nur davor warnen. Denn derartiges Momentum hat die Tendenz immer viel weiter zu laufen, als wir uns vorstellen können und der Markt muss gar nichts. Mit diesem Momentum kann der problemlos erst einmal ein paar Wochen weiter steigen und die 3.000 erreichen, bevor er ernsthaft zu zucken beginnt.

Zu früh ist am Markt eben auch nur ein anderes Wort für *falsch*, denn die Verluste wären für Shorties auf dem Weg nach oben dann brutal.

Alles was dem klugen Anleger bleibt, ist demütig dem Markt zu folgen und dieses Momentum zu akzeptieren, statt es zu bekämpfen. Also mitzunehmen, was man sich bei geordnetem Risikomanagement zutraut.

Gleichzeitig muss dieser kluge Anleger sich aber bewusst machen, dass eine scharfe Korrektur von 20% in 2018 mit dieser steilen Bewegung eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher geworden ist, die Risiken steigen also deutlich.

Bei allem demütigen Mitgehen, muss man sich also immer wieder die Ausstiegspunkte zurecht legen und sozusagen schon den Fallschirm aufgeschnallt haben, damit man dann nur noch die Reissleine ziehen muss.

Ich weiss, das ist emotional keine besonders schöne Situation, sich zu zwingen dabei zu bleiben und gleichzeitig dabei auf den Zehenspitzen zu stehen. Viel lieber würde man sich entspannt zurücklehnen und einfach den Anstieg geniessen.

Aber wir haben keine Wahl. Wenn wir vom Momentum etwas mitnehmen wollen und trotzdem bei einer scharfen Korrektur nicht alles wieder verlieren wollen, müssen wir beides tun, so schwer es auch ist.

Übrigens, die US Indizes haben nun das Jahr 1995 als das mit dem längsten Anstieg ohne 5% Korrektur abgelöst. Wir sind also eindeutig in historischen Gewässern.

Ihr Hari

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Diamantenfieber oder das Geheimnis des Marktes

Am 17.06.16 - also vor einem guten Monat - habe ich vor dem Brexit, für die Mitglieder im Premium-Bereich den folgenden Artikel unter dem Titel "Diamantenfieber" geschrieben.

Nun werden Sie sich denken: "Warum soll ich denn einen über einen Monat alten Artikel lesen? Nichts ist so alt, wie eine alte Zeitung!"

Sie müssen natürlich gar nichts, Sie sind ja freiwillig hier. Sie dürfen nun also gerne wieder wegklicken.

Ich kann Ihnen nur sagen, es hat natürlich einen Grund, warum Sie den alten Artikel lesen sollten. Denn es vermittelt eine wichtige Wahrheit zum Markt.

Die Wahrheit, dass man keine wilden Spekulationen und Prognosen braucht, um am Markt erfolgreich zu sein und auch kein Herumraten, ob der Brexit oder irgend ein anderes Ereignis, nun so oder so ausgehen wird.

All diese -> Prognosiritis <-, verstellt uns nur den Blick auf das Wesentliche.

Denn das Wesentliche findet in den Märkten jeden Tag vor unserer Nase im "Hier und Jetzt" statt. Alleine das genau zu beobachten und aus dem Marktverhalten rationale Schlüsse zu ziehen, verschafft uns mehr Vorteil, als drei wilde Prognosen oder Spekulationen gleichzeitig.

Und wenn Sie den folgenden Artikel von vor dem Brexit lesen, werden Sie verstehen was ich meine:

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Analogien – von S&P500 und Co. und von 1998 bis 2015

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 30.10.15 10:00 in Hari Live, ist aber nach wie vor aktuell

Der Markt steigt und steigt und da haben Analogien wieder Konjunktur.

Auch ich habe ja am 01. September, im Artikel -> Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015 <- Analogien bemüht, um uns ein Gefühl dafür zu vermitteln, was uns vielleicht bevor steht.

Wenn Sie den Artikel vom 01.09. noch einmal lesen, erinnern Sie sich, dass ich der 1998er Analogie - was den reinen Kursverlauf angeht, die Zeit war damals eine andere - die höchste Wahrscheinlichkeit eingeräumt hatte.

So ist es dann auch auf den Punkt gekommen, die 1998er Analogie war das exakte Vorbild für das, was in den folgenden 2 Monaten abgelaufen ist - inklusive der Tatsache, dass Anfang Oktober das zweite Tief markiert wurde:

Ich zitiere noch einmal aus dem Artikel:

Aber es gibt noch eine, zunehmend vergessene Parallele, die mir noch einen Tick besser gefällt. Und das ist 1998, woran sich noch 2 Jahre harte Rally anschlossen, bevor dann im Jahr 2.000 eine echte Blase platzte:

Diese Struktur eines Doppelbodens passt sehr gut zu einem Ablauf, in dem die Indizes nun noch bin zu den genannten Widerstandszonen laufen, dann im Zuge einer Erwartung der Zinserhöhung der FED in die FED Sitzung hinein fallen und nach dem die Kuh endlich vom Eis ist und klar wird, dass nach der ersten pro-forma Erhöhung sowieso nichts nachkommt, dann zum Jahresende hin wieder in den Rallymodus gehen.

Alles Spekulation? Stimmt, das betone ich ja immer. Aber es spricht viel dafür, dass die 2011er und 1998er Analogie näher an den Realitäten der Gegenwart ist, als die extremen Crash- und Rebound-Szenarien, die man von den grossen "Crashpropheten und Gesundbetern" nun mal wieder lesen kann.

Für die Anleger bedeutet das, nicht zu schnell das ganze Pulver zu verschiessen und sich auf weitere, wilde Volatilität einzurichten - aber Schwäche trotzdem Zug um Zug zu nutzen, um langfristige Posititionen wieder aufzubauen, die aufmerksame Markt-Beobachter Anfang August abgebaut haben.

Sic! Wer diesem Muster folgte, hat nun zwei hoch erfolgreiche Monate hinter sich.

Sind deswegen Analogien nun die Art und Weise, mit denen wir immer an die Märkte heran gehen sollten? Gott bewahre Nein!

Auch in obigem Artikel hatte ich dazu geschrieben:

Am Ende ist es aber alleine die Price-Action die für uns Relevanz haben sollte. Wir dürfen uns deshalb auch nicht in obige Vorlagen verbeissen, vielleicht hat 2015 sein ganz eigenes Muster, das noch nicht geschrieben ist.

Aber eine grobe Orientierung können die alten Verläufe schon geben und solche Szenarien erlauben uns, das reale Geschehen dann auch schneller einzuordnen. Und das ist eine Menge wert, nur verheiraten und verlieben dürfen wir uns in diese Analogien eben nicht. Es sind gedankliche Krücken, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

So ist es und wir dürfen uns auf keinen Fall in so Analogien verlieben. Wir haben eben 2015 und nicht 1998! Solange wir sie aber nur benutzen, um uns Möglichkeiten und Muster prägnant vor Augen zu führen, haben sie Wert und schärfen unseren Blick.

Das voraus geschickt, fällt doch derzeit auf, dass wir in den Medien wieder jede Menge Analogien lesen. Auffällig dabei ist aber, dass es von Chartechnikern scheinbar überwiegend bärische Analogien sind, die uns zeigen, warum vermeintlich der Markt nun zusammen brechen "muss".

Vielleicht gibt es ja irgendwo auch eine bullische, ich habe aber zuletzt *nur* bärische Analogien gesehen und diese vermehrt. Das sollte uns etwas sagen. Es sagt uns nämlich, dass sehr viele dieser Rally misstrauen und sie bekämpfen und das ist gut und stabilisiert die Rally.

Und weil das so ist, will ich nun hier mal eine bullische Analogie dagegen halten. Es ist wieder die von 1998, denn bisher hat sich der Markt ja perfekt an diesen Ablaufplan gehalten, warum soll er es also nicht auch weiter tun?

Ich will aber erneut voraus schicken, damit es kein Missverständnis gibt: Ich denke keineswegs rein bullisch! Ich halte die bärischen Szenarien durchaus für legitim und werde sehr kritisch beobachten, ob der Markt im November nun eine Art "rechte Schulter" einer grösseren Topbildung formt. Gut vorstellen kann ich mir das.

Ich zeige hier nur deshalb eine rein bullische Analogie, um mal den Kontrapunkt zu den permanenten Katastrophenszenarien zu machen und zu beweisen, dass auch bullische Analogien sehr logisch und eingängig sein können. Wäre es anders herum, würde der Markt nun euphorisch sein, würde ich hier wohl eine bärische Analogie als Kontrapunkt zeigen.

Der Punkt ist immer wieder, dass wir opportunistisch dem Markt folgen sollen! Insofern sind solche Analogien interessant und manchmal auf hilfreich um Muster zu erkennen. Unser Handeln leiten wir aber *alleine* aus der Price-Action ab.

Nun aber zu der 1998er Analogie. Hier haben wir den aktuellen, markanten Doppelboden der letzten Wochen mit dem zweiten Tief Anfang Oktober:

S&P500 30.10.15 1

Und nun gehen wir in 1998 zurück und schauen auch da auf den Doppelboden mit sehr vergleichbarer Struktur. Auch 1998 stand die Korrektur am Ende einer mehrjährigen Anstiegsphase, so dass man auch 1998 sich ernsthaft fragen musste, ob dieser Markt nicht gerade eine Topbildung vollzieht.

Dass es noch 2 Jahre weiter hoch gehen würde, konnte man sich auch da kaum vorstellen:

S&P500 30.10.15 2

Hier ist aber nun, wie es weiter gegangen ist. 1999 und 2000 folgten mit weiterer Rally und erst 2000 erreichte der Markt ein echtes Euphorie-Hoch:

S&P500 30.10.15 3

Im ganz grossen Bild, gibt es also keinen Grund, warum wir hier nicht gerade eine Wiederholung des blauen Kästchens von 1998 sehen sollten. Die Analogie ist klar vorhanden:

S&P500 30.10.15 4

So ...

Das sollten wir einfach im Hinterkopf behalten, wenn wir wieder bärische Szenarien um die Ohren gehauen bekommen. Diese Bären wissen es auch nicht. Je stärker diese bärischen Szenarien aber propagiert werden, desto stärker wird dadurch deutlich, wie stark die "Wall of Worry" noch ist. Und ein Markt der bekämpft wird, beliebt gerne weiter zu steigen.

Sicher, ich habe auch aufgestellte Nackenhaare, wenn ich mir klar mache, worauf diese Rally beruht. Erst heute sehen wir ja wieder, was hier substantiell dahinter ist. Es ist Stimulus, Stimulus, Stimulus. Die Drogenbeauftragen sind immer noch am Werk.

Es gruselt mich, wenn ich mir vorstelle was passieren wird, wenn dieses Kartenhaus mal zusammen kracht. Und ja, ich glaube nicht daran, dass das eine dauerhaft tragfähige Finanzpolitik ist. Sie kennen meine Haltung dazu.

Aber all das darf uns nicht in Angststarre versetzen, weil selbst wenn der grosse 2000er Crash wieder kommt, spricht im Moment doch nichts Zwingendes dagegen, dass dazwischen nicht noch ein 1999 liegen könnte.

Sicher, eine kurzfristige Korrektur bzw Konsolidierung, ist nach diesem Anstieg nun für Anfang November hoch wahrscheinlich und überfällig. Mehr als das, ist aber derzeit nicht zu erkennen, zumindest gibt es dafür im Moment keine klaren Signale.

Deshalb will ich Ihnen mit dieser Analogie mitgeben:

Bleiben Sie opportunistisch und folgen Sie dem Markt! Schieben Sie Ihre Stops mit und wenn dieser Markt weiter hoch schiebt, sind sie weiter dabei. Und wenn er dreht, lassen Sie sich raus kegeln.

So "einfach". Und wenn Sie das so konsequent tun, brauchen Sie auch nicht über bärische Analogien zu grübeln. Dann können Sie die Schultern zucken und "schaun mer mal" sagen. Und so kann man gut schlafen, egal was kommt.

Ihr Hari

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S&P500 und DAX und der Turnaround Tuesday

Der DAX hat vorgestern am Dienstag, seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht und dann eine markante Rally hingelegt, die erst ab Dienstag aus einer überverkauften Markttechnik und später dann ab Mittwoch Nachmittag aus neuer Hoffnung um eine Lösung des griechischen Dramas entstand. Zumindest scheint es so.

Bei so massiven Bewegungen ist es immer das Gleiche. *Nachdem* diese durchgelaufen sind, haben es immer alle vorher gewusst. 😉 Das ist das beliebte mediale Spiel, das dort besonders intensiv gespielt wird, wo man von hohen Klickzahlen lebt, weil nur so die Werbung auf der Seite genügend Einnahmen bringt.

Nun war es ja aber tatsächlich so, dass einige wenige erfahrene Marktbeobachter, diesen Rebound am Dienstag wirklich antizipieren konnten, weil der Markt dafür halt reif war. Das Problem dabei ist immer, man kann zwar eine Wahrscheinlichkeit im Vorfeld identifizieren, aber der exakte Zeitpunkt liegt im Dunkeln, denn ein überdehnter Markt kann auch temporär noch mehr überdehnt werden. Erst hinterher kennt man dann den exakten Zeitpunkt der Wende.

Ein Aspekt, der in Deutschland dabei aber immer wieder auf erstaunliche Art und Weise unterschlagen wird, ist der massive Einfluss der Wallstreet und der US Investoren. Denn es ist ein Faktum, dass die Mehrheit der deutschen DAX Aktien in der Hand ausländischer Investoren ist und unter denen wiederum die institutionellen US Investoren dominant sind. Und deshalb wird auch das Volumen im DAX nicht von deutschen Anlegern dominiert, sondern eben von US Investoren und die sehen schon alleine aus Währungssicht den DAX ganz anders als wir.

Wer also verstehen will, was beim DAX passiert und dabei den bedeutendsten Faktor unterschlägt - die Sicht der US Investoren - handelt nicht wirklich auf belastbarem Boden. Demgegenüber sind beliebte Spekulationen um Dinge, wie beispielsweise die Positionierung der Stillhalter an der Eurex schon Wochen vor dem Verfallstermin, für mich eher irrelevant. Diese Dinge sind zwar ein Faktor unter vielen, aber im Vergleich zur Positionierung der US Investoren eben nebensächlich.

Die wirklich spannende Frage ist doch also: war dieser Rebound von Dienstag aus Sicht der US Investoren schon im Vorfeld zu sehen? Und die Antwort ist klar und deutlich: Oh Ja!

Ich stellte hier weiter unten meinen Live-Post aus Hari Live von Dienstag 09.06.15 08:40 ein, den ich "Turnaround Tuesday?" genannt hatte. Zu dem Zeitpunkt war der DAX noch vor dem Tiefpunkt und war kurz davor, massiv unter die 11.000er Marke zu tauchen.

Sie sehen daran, der S&P500 hat einfach nur exakt getan, was zu erwarten war, einfach weil es seit Jahren den dominanten "Buy the Dip" Trade darstellt. Und wir hier im Premium-Bereich haben es tatsächlich vorher antizipiert.

Und vor allem, das "US Big Money" hat es sich schon am Tag vorher für kundige Augen sichtbar zurecht gelegt. Wer wissen will, was es mit dem "Buying on Weakness" und "Selling on Strength" Konzept auf sich hat, muss Mitglied werden. 😉

Und nun frage ich Sie: Warum hat der DAX am Dienstag tatsächlich gedreht? Ist der DAX nun der Hund oder nicht doch eher nur der Schwanz des Hundes, der immer etwas wackelig mit seiner Rute wedelt?

Die Antwort ist:

Der DAX ist der Schwanz des Hundes. Und es gibt keine simplen zweidimensionalen Kausalbeziehungen! Die Märkte sind miteinander verwoben und das gilt ganz besonders für DAX und S&P500.

Und noch etwas ist eine Wahrheit, die leider zu oft einfach ignoriert wird:

Wer sich nicht ausführlich mit der Sicht der US Investoren beschäftigt, kann die Bewegungen des DAX nicht vollständig verstehen.

Ihr Hari

Und hier nun mein Post in Hari Live von Dienstag 09.06.15 08:40 MEZ

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Guten Morgen!

Der DAX ist durch fühlbaren Käuferstreik langsam bis zur 11.000er Marke gebröselt, dazu zeige ich Ihnen nachher noch ein interessantes Chart.

"Käuferstreik" heisst, dass es nicht wirklich massiven Abwärtsdruck gab. Aber das Fehlen von Käufern und der steigende Euro, haben den DAX langsam abwärts bröseln lassen.

Heute kommt aber vielleicht der Tag der Markttechnik. Denn nach Tagen - wenn nicht Wochen - der Indifferenz, sehe ich im S&P500 für den heutigen Tag mal wieder ein interessantes taktisches Setup. Und das ist der alt bekannte "Turnaround Tuesday".

Der grosse Vorteil des heutigen Tages ist, dass es kaum Wirtschaftsdaten gibt und auch aus der Richtung Griechenland erst einmal keine grundlegende Veränderung zu erwarten ist. Der Markt kann heute also in sich schwingen.

Und der S&P500 hat nun wieder einen überverkauften Zustand erreicht und ist an der unteren Begrenzung der Range angekommen:

S&P500 09.06.15

Man kann solche Strukturen vielfältig zeichnen, zwei Varianten habe ich oben eingezeichnet. Aber die Kernaussage bleibt gleich: Es hat sich in den letzten Jahren immer gelohnt, die untere Begrenzung des Trends zu kaufen. Und deshalb macht es Sinn, auch jetzt eher auf eine Fortsetzung dieser Struktur zu setzen, als auf einen Bruch dieser Übung, die so lange so erfolgreich war.

Sollte aber hier nun *keine* Gegenbewegung kommen und der S&P500 einfach weiter fallen, hätte auch das grosse Bedeutung. Denn es würde uns signalisieren, dass dieser Markt nun ein Anderer geworden ist. Was bedeutet, dass man mit einer echten, grossen Topbildung und dem Ende des jahreslangen Aufwärtstrends im S&P500 rechnen müsste.

Das ist nun also ein wichtiger Moment. Und dass das grosse Geld die Wahrscheinlichkeiten ganz genau so sieht wie ich, können wir daran erkennen, dass wir gestern - mitten im negativen Closing - mal wieder einen markanten Buying on Weakness Print (BoW) im SPY hatten. Was für eine Überraschung.... 😉

Der typische Ablauf des heutigen Tages wäre dann also, dass sich ab 15:30 Uhr erst einmal frühe Schwäche anschliesst, die den S&P500 noch etwas drückt - im Maximum sollten vielleicht 206x nach unten noch drin sein. Dann aber - eine Stunde nach Handelsschluss, gegen 16.30 Uhr MEZ - steigen die Kaufprogramme ein, die sich schon gestern Abend sichtbar im BoW auf die Lauer gelegt haben. Und erzeugen in dem Szenario dann ein markantes Reversal - den "Turnaround Tuesday" eben.

Es ist dieser Ablauf, der seit 2012 so oft und so profitabel, immer wieder funktioniert hat. Für den heutigen Dienstag, hat sich der Markt dieses Setup wieder wunderbar zurecht gelegt.

Und wenn uns heute keine geopolitische Nachricht herein spuckt, die das Spiel völlig verändert, haben wir heute die Chance anhand des Verhaltens des US Marktes zu studieren, ob dieser Bulle immer noch intakt ist und noch nach den bewährten Mustern tickt.

Oder ob er in der Transition in einen neuen, negativeren Zustand ist, was uns zwingend wesentlich skeptischer und vorsichtiger machen sollte.

Ihr Hari

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DAX-Betrachtung: Eine Baisse ist nicht in Sicht

DAX-Betrachtung: Eine Baisse ist nicht in Sicht

Ein Gastkommentar von Tokay

Am Freitag wurden die neusten Daten des Ifo-Instituts veröffentlicht. Demnach scheint die deutsche Konjunktur ihren Zenit überschritten zu haben. Also eigentlich keine gute Nachricht für den deutschen Aktienmarkt? Stimmt, eigentlich ist das keine gute Nachricht. Aber so schlecht auch wieder nicht. Denn ein rückläufiger Ifo-Index spricht nicht gerade für eine Überhitzung der Konjunktur, und damit auch nicht für eine euphorische Stimmung, in welcher, wie ja die alte Börsenweisheit sagt, eine Hausse stirbt.

DAX 03.01.2011 bis heute

Betrachten wir den DAX seit Anfang 2011. Im Spätherbst 2011 startete die Erholungsrallye auf dem Höhepunkt der Eurokrise(Bankenkrise sollte man wohl besser sagen). Diese Rallye folgt dem Pfad ABC und sie läuft noch immer ganz beharrlich den Punkt F an, der ungefähr in der Höhe von 10.500 Punkten liegt. Der DAX hat in den vergangenen Monaten eine von Unsicherheit geprägte Entwicklung durchgemacht, nachhaltig beeinträchtigt wurde er in seinem Aufwärtstrend aber nicht. Nicht durch die Ukraine, nicht durch Putin, nicht durch China, eigentlich gar nicht. Gut, er konsolidiert nun seit einigen Monaten. Er befindet sich weiter im oberen Bereich seiner Möglichkeiten; eben das beschränkt die Möglichkeiten seiner Aufwärtsentwicklung. Doch nach wie vor ist die expansive Geldpolitik der EZB der alles dominierende Faktor, so dass Mutmaßungen über die technische Verfassung des Marktes vor diesem Hintergrund ziemlich müßig sind. Diese spielt nicht wirklich eine Rolle für die längerfristige Entwicklung; sie spiegelt eher die Erwartungen, die gehegt werden.

Schauen wir uns einmal an, wie sich in den letzten etwa fünfzehn Jahren die Entwicklung des DAX und die Geldpolitik zueinander verhalten haben:

DAX und Geldpolitik 1999-2014

Auf der linken Ordinate sehen wir die Differenz zwischen dem Zins für zehnjährige Bundesanleihen und dem Leitzins der EZB als Maßstab für die Geldpolitik und auf der rechten Ordinate den Verlauf des DAX. Man erkennt, dass eine Baisse am Aktienmarkt immer dann eingeläutet wurde, wenn die EZB den Abstand zwischen langfristigem Zins und Geldmarktzins verkürzte und über die Erhöhung des Leitzinses eine Inversion der Zinssätze bzw. eine Verkürzung der Zinsdifferenz bewirkte. Nur dann ging es mit dem DAX nachhaltig bergab. Das war 2001, 2007 und ansatzweise 2011 der Fall. Denn eine Zinsinversion ist ein probates Mittel, um Inflationserwartungen einzudämmen. Aber eben auch eines, um die Konjunktur abzuwürgen, und damit auch den Aktienmarkt, welcher der Konjunktur voraus läuft.

Wie ist die Situation heute? Der kurzfristige Zins ist heute nahe Null, der Zins für 10-jährige Bundesanleihen liegt unter 1 ½ Prozent. Eine Erhöhung des Leitzinses auf der nächsten EZB-Sitzung steht nicht zur Debatte. Ganz im Gegenteil ist es Konsens, dass der Leitzins eher noch aufgrund der sehr verhaltenen wirtschaftlichen Entwicklung in Südeuropa weiter reduziert wird, ja, sogar von einem Strafzins für Sichteinlagen der Großbanken beim EZB-System ist die Rede und ebenso von Anleihekäufen. Man mag über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen denken wie man will, doch eines ist klar, eine Zinsinversion liegt in weiter Ferne, und damit auch eine Baisse am deutschen Aktienmarkt.

Eine dynamische Aufwärtsentwicklung indes ist auch nicht zu sehen, dazu fehlen einfach im Moment die Impulse. Eines ist auffällig: Trotz der rekordtiefen kurzfristigen Zinsen regen sich nicht einmal im Ansatz irgendwelche Inflationserwartungen. Das wäre in den achtziger oder neunziger Jahren in einem solchen Umfeld sehr rasch der Fall gewesen. Warum ist es diesmal nicht der Fall? Das liegt gemäß dem amerikanischen Ökonomen Richard Koo in der sogenannten „Bilanzrezession(balance sheet recession)“ begründet. Diese hat dazu geführt, dass die Unternehmen, anstatt ihre Gewinne neu zu investieren, diese dazu benutzen, ihre Schulden abzubauen. Dies verbessert ihre Finanzierungsstruktur, aber es beeinträchtigt die Nachfrage, so dass auch keine Inflationserwartungen entstehen. Auch führt die Tiefzinssituation dazu, dass der Privatsektor umschuldet, sprich alte, höher verzinste Kredite durch neue, tiefer verzinste Kredite ersetzt. Auch zeigt sich, dass der jetzige Eurozins für Deutschland viel zu tief und für den Süden viel zu hoch ist. Die deutsche Binnenkonjunktur läuft ausgezeichnet, eben auch wegen der tiefen Zinsen. Daran ändern auch die heutigen Ifo-Zahlen nichts. Doch der Süden bräuchte gemäß der Taylor-Regel(einer geldpolitischen Regel, die auf den Ökonomen John Taylor zurückgeht) einen noch tieferen Zins. Vor allem aber bräuchte er neben Strukturreformen eine sehr expansive Finanzpolitik, um die Nachfrage zu ersetzen, die aufgrund des Deleveraging des Privatsektors weggefallen ist. Das ist aber nicht so und es bestätigt die These vieler Ökonomen, dass der Euro kein optimaler Währungsraum sei.

Kommen wir abschließend zu einem weiteren Einflussfaktor für den deutschen Aktienmarkt, nämlich den amerikanischen Aktienmarkt und schauen uns hier die Entwicklung des NASDAQ Composite seit Anfang 2009 an:

Nasdaq Composite 01.04.2009 bis heute

Der seit 2009 laufende Aufwärtstrend wurde im Prinzip bislang nicht ernsthaft beeinträchtigt. Es gab zwar eine Rotation vom High-Tech-Bereich hin zu eher defensiven Titeln, aber per saldo blieb der Trend weiter aufwärts gerichtet( →Linie ABCF). Die Beschleunigung des Aufwärtstrends CD wurde im Frühjahr gebrochen, aber in der weiteren Folge ebenso die Konsolidierungslinie EF, und so steuert der Nasdaq wohl doch den Punkt D bei 4.750 Punkten an. Solange der 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 4.000 Punkten nicht nachhaltig verletzt wird, droht keine Gefahr. Der NASDAQ ist allerdings dieser Grenzlinie zuletzt deutlich näher gekommen. Auch ist in den Vereinigten Staaten die Geldpolitik nach wie vor expansiv. Das Fed wird wohl kaum zur Geldmengenrestriktion übergehen, ohne sich vorher davon überzeugt zu haben, dass diese die Konjunkturentwicklung nicht nachhaltig beeinträchtigt. Zwar ist der US-Markt höher bewertet, doch spiegelt diese höhere Bewertung die besseren Wachstumsperspektive der amerikanischen Wirtschaft wider. Auch in den USA ist eine Baisse erst einmal nicht in Sicht.

Was bedeutet das konkret, wenn keine Baisse, aber auch keine neue Hausse in Sicht ist? Es legt eine selektive, mehr taktisch geprägte Verhaltensweise nahe, „Selling on Strength“ ebenso wie “Buying on Weakness“. Und es legt eine gezielte Aktienauswahl nahe. Im Forenboard von „Mr-Market“ findet man stets eine gute Auswahl von überlegt ausgesuchten Titeln vor. Ich kann den Lesern nur empfehlen, dieses Forum einmal zu besuchen und sich einige dieser Titel in Ruhe näher anzuschauen.

Tokay

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S&P500 & NASDAQ – Turnaround Tuesday sieht anders aus !

Hier im freien Bereich ein kurzes Statement zur Marktlage vor Handelseröffnung in Deutschland.

Das gestern ein Bounce anstehen würde, nachdem der S&P500 nahe der wichtigen Unterstützung bei 1840 USD notierte und der DAX nahe der Unterstützung um 9400 lag, war sonnenklar und haben wir hier auf Mr-Market auch erwartet.

Wie immer, sagt uns aber Umfang und Momentum einer Gegenbewegung - viel mehr als der Absturz davor - etwas darüber aus, wie der wirkliche Zustand des Marktes ist.

Und was wir gestern in DAX, S&P500, NASDAQ oder den individuellen Momentum-Titeln gesehen haben, war sehr dürftig und wenig überzeugend.

Schauen Sie zum Beispiel auf das Stundenchart des S&P500. Ich habe Ihnen da mal in blauen Kästchen markiert, wie eine wirkliche Gegenbewegung aussieht. Und dann vergleichen Sie die schlappe und wenig überzeugende Performance des gestrigen Tages mal damit.

S&P500 09.04.14

Oder schauen Sie auf den NASDAQ Composite im gleichen Massstab. Sieht so ein wirklicher Turnaround Tuesday nach diesem massiven Absturz aus ? Da hätte eigentlich gestern mehr gehen müssen ! Wenn man dieses Chartbild sieht, springt einen sofort der Gedanke eines "Dead Cat Bounce" an.

NASDAQ 09.04.14

Die Price-Action ist also bisher weiter dürftig und auch sonstige Daten aus den US sprechen dafür, dass der Markt dem Braten (noch) nicht traut und das "Big Money" sich noch nicht wieder comitten will.

Allerdings ist das nur eine Momentaufnahme. Denn heute Abend kommt als grosser Katalysator das FOMC Sitzungsprotokoll. Der Markt hat heute also noch Zeit, den echten Bounce nachzuholen, der er gestern nicht hinbekommen hat.

Und eigentlich rechne ich auch damit, dass es heute noch etwas weiter hoch geht und die Bullen noch einen ernsthaften Anlauf zu einer Rally machen. Der DAX hat heute durchaus das Potential, mit dem Kopf noch einmal von unten an die 9600 zu klopfen.

Klar ist aber auch, dass es für die Bullen nun enger wird. Denn ein Markt, der im Angesicht einer massiven technischen Überdehnung nach unten keine Rally hinlegen kann, muss irgendwann unter seinem eigenen Gewicht weiter fallen.

Insofern sollten die Bullen spätestens die FOMC Minutes heute Abend besser für die Rally nutzen, zu der ihnen gestern die Kraft fehlte. Wenn diese Rally heute nicht kommt, ist äusserste Vorsicht angesagt ! Wenn sie kommt, kann man sich wieder an der oberen Begrenzung der Range im S&P500 orientieren.

Und wie gehen wir als Anleger damit um ? Ganz einfach, in dem wir gelassen, aber aufmerksam sind. In dem wir Stops definieren, die sich unter den wichtigen Unterstützungen unter 1840 im S&P500 und unter 9360-9420 im DAX positionieren. Mit etwas Abstand, damit wir nicht blöd abgefischt werden, aber ohne geht nicht. Denn wenn der Markt durch diese Zonen durchfällt, dürfte eine schnelle Bewegung nach unten folgen. Und wenn nicht, tun uns unsere Stops nicht weh und wir sind nach oben dabei. Und wenn wir diese Absicherung haben, dann warten wir einfach ab, wie diese Sache ausgeht. Vorhersehen können wir es sowieso nicht und deshalb ist für Prognosen aufgewendete Energie sowieso vergeudet.

Hohe Aufmerksamkeit ist nun auf jeden Fall gefragt. Denn dieser Markt befindet sich an einer kritischen Wegscheide. Eine 10-20% Korrektur ist in 2014 überfällig und auch gesund, um danach den Bullenmarkt trotzdem fortsetzen zu können. Und das Risiko ist real da, dass diese Korrektur nun nicht mehr weit entfernt ist. Ein Risiko ist aber noch keine Gewissheit. Also: drin bleiben, gelassen abwarten - aber unbedingt absichern !

So weit so kurz an diesem Mittwoch Morgen vor Handelseröffnung in Deutschland. Hier im freien Bereich, werde ich mich frühestens wieder nächste Woche zum breiten Markt äussern. Im Premium-Bereich verfolgen wir den Markt aber intensiv mit ca. 10-15 Kommentaren und Artikeln jeden Tag und in der Community diskutieren wir die Situation aus vielen Aspekten. Stossen Sie dazu, wenn Sie eine tägliche Aktualität und Kompetenz zum Thema Börse finden wollen, die man im deutschsprachigen Raum in dieser Form nur selten findet.

Ihr Hari

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Markt am Scheideweg – Rebound oder Einbruch ? Fragen sie den Wahrsager !

Wissen Sie, warum gute Wahrsager so erfolgreich sind ? Weil diese zwei Regeln verinnerlicht haben:

Erstens sind gute Wahrsager sehr emphatisch und können schnell aufnehmen, wo ihre Kunden der Schuh drückt und wie diese "ticken". Und dann liefern Wahrsager punktgenau die Zukunftsprognosen, von denen sie wissen, dass ihre Kunden diese gerne hören werden.

Damit ist erst einmal die Zufriedenheit des Kunden gesichert, denn dieser fühlt sich gut und in seinen Ansichten bestätigt. Und da der Kunde mag, was der Wahrsager sagt, wird er diesen auch verteidigen, wenn andere die Weissagungen in Frage stellen.

Da dem Wahrsager aber bewusst ist, dass er die Zukunft ebenso gut vorhersagen kann, wie eine Kuh die Quantenphysik erklären, liefert er klugerweise auch gleich eine böse Macht, die Schuld ist, wenn es dann doch nicht so kommt. Es war dann nämlich nicht die eigene inhaltsleere Prophezeiung, sondern ein "böser" exogener Einfluss, auf den der weise Wahrsager ja keinen Einfluss hat. Sonst wäre es aber garantiert so gekommen ! Ganz bestimmt ! 😉

Je stärker der Kunde aber glauben will, desto stärker wird er auch diese Ausrede annehmen und wenn es nicht so kommt, in dem Fall den Wahrsager sogar verteidigen. Und wenn es zufällig so kommt, hatte der Wahrsager natürlich recht und ist ein Held. Ein Win-Win also für den Wahrsager, aber nur, weil der Kunde nicht merkt, wie er sich seine eigene Wirklichkeit erschafft.

Zweitens wissen Wahrsager um die Vergesslichkeit der Menschen. Und sie wissen, dass alleine schon der Zufall dafür sorgen wird, dass sie irgendwann mal Recht behalten werden. Es kommt nur darauf an dafür zu sorgen, dass die falschen Prophezeiungen vergessen oder (siehe oben) entschuldigt werden, dafür aber die zufällig richtigen Weissagungen, um so stärker als eigene Weisheit ausgeschlachtet werden können und den eigenen Ruhm mehren.

Was das mit Börse zu tun hat, werden Sie fragen ? Das ist doch leicht zu erkennen. Die Märkte setzen zur ersten scharfen Korrektur seit langer, langer Zeit an und schon sind sie überall wieder da - die Crash-Propheten und sonstigen Börsenwahrsager, die natürlich alle ganz genau wissen, wie es mit dieser Korrektur weiter gehen wird. 😉

Ich kann Ihnen nur über mich klar und deutlich sagen: ich habe keine Ahnung, was die Zukunft bringt. Und ich kann Ihnen nicht sagen, ob die Korrektur schon vorbei ist, oder sich nun erst so richtig auswächst. Beides ist möglich. Da die Mehrzahl der Marktteilnehmer nun aber so darauf konditioniert ist, jeden Dip zu kaufen, könnte es sich lohnen, sich mal mit der gegenteiligen Wirklichkeit auseinander zu setzen.

Dafür kann ich Ihnen aber Wahrscheinlichkeiten und Muster nennen, auf die wir im Markt achten müssen. So dass wir *falls* eine Bewegung einsetzt, deren Bedeutung und wahrscheinliches Ziel antizipieren können. Das tue ich im Premium-Bereich. Und so wissen wir immer noch nicht, was die Zukunft bringt, wissen aber wenigstens, wie wir auf die Realitäten im "Hier und Jetzt" zu reagieren haben. Und das ist doch eine ganze Menge.

Und ich kann Sie darüber hinaus an drei grundlegende Wahrheiten erinnern. Und das will ich hier nun tun:

(1)

Kein Bullenmarkt stirbt mal "einfach so". Er stirbt eher in langen, aufreibenden Kämpfen zwischen Bullen und Bären. Kämpfe, die sich typischerweise in Form einer ausgedehnten Topbildung mit immer neuen gescheiterten Anläufen zeigen und die man auch "Distribution" nennt.

Insofern ist es nach dem Einbruch von letzter Woche eher wahrscheinlich, dass nun bald eine Gegenbewegung nach oben kommt. Irgend einen Anlass wird der Markt dafür schon finden, wenn er will. 😉 Zum Beispiel bietet die FED Sitzung vom Mittwoch doch eine schöne Gelegenheit, vorher einen "Buy the Rumor" Trade zu starten. Die Frage ist also eher, wie weit geht diese Gegenbewegung. Denn wenn die Kraft des Marktes nicht mehr ausreicht um zu neuen Hochs zu laufen, ist das ein Warnsignal. Natürlich erst recht, wenn diese Gegenbewegung ganz ausbleibt.

(2)

Wir hatten das ganze Jahr 2013 keine ernst zu nehmende Korrektur von 10 oder 20% in den grossen Indizes. Das ist ungewöhnlich und unwirklich. Die Indizes haben sich weit von ihren 200-Tage-Durchschnitten entfernt, beim DAX liegt dieser zum Beispiel aktuell bei ca. 8600.

Völlig normal wäre es daher, wenn so eine Korrektur nun mal käme. Es gibt keinen Grund, daraus gleich Horror-Szenarien zu konstruieren, sondern das wäre das Normalste von der Welt. Irreal und anormal ist eher, dass wir diese Korrektur so lange nicht hatten.

(3)

Das grundlegende Environment bleibt weiter positiv für Aktien. Alle grossen Notenbanken drücken mehr oder weniger auf das monetäre Gaspedal und das bleibt nicht ohne Wirkung, denn "Liquidity rules"! Jetzt kann man ohne Frage diskutieren, ob hier nicht das Rad überdreht wird, mit potentiell katastrophalen Konsequenzen in der Zukunft für unser Währungssystem. Faktum ist aber auch, dass der Patient immer noch auf die Droge "leichtes Geld" reagiert und solange diese "Medizin" die Kurse treibt, sind wir noch nicht am Ende der monetären Expansion angekommen.

So weit drei ganz einfache, grundlegende Überlegungen, die es nach meiner Ansicht wert sind, nicht vergessen zu werden.

Bleiben Sie also ruhig. Es gibt aktuell Grund zur Vorsicht und niemand sollte in so einer wackeligen Marktlage alles - und dann noch ohne Absicherung - auf eine Richtung setzen. Ganz besonders dann nicht, wenn man zu spät zur Party dazu gekommen ist.

Aber umgedreht gibt es auch keinen Grund für Panik und vorschnellen Aktivismus. Ich hoffe Sie haben eine Strategie bei dem, was sie an den Börsen tun. Wenn ja, bleiben Sie dabei und folgen dem Markt. Wenn nein, schaffen Sie sich schleunigst eine Systematik und Strategie für Ihre Geldanlage an !

Ihr Hari

PS:

Ich möchte die freien Leser bei dieser Gelegenheit noch einmal an die Änderungen bei der Preisstruktur für Neuanmeldungen zum 01.02.14 erinnern:
-> Veränderte Preisstruktur für Neumitglieder <- !

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Starker Dollar, schwacher Euro – Gold mit Blick zur 1000 USD Marke

Wie erwartet, haben die gestrigen FOMC Minutes - die Protokolle der letzten FED Sitzung von Ende Oktober - als Katalysator gewirkt und Bewegungen in Gang gesetzt, die das Potential haben, über den Tag hinaus Trends zu begründen.

Während in den breiten Indizes das Urteil noch aussteht und es gut vorstellbar ist, dass die Märkte auch die erneuten Sorgen um ein Tapering verdauen und Anfang Dezember noch einmal zur Jahresendrally antreten, ist die Lage bei der Weltleitwährung Dollar, sowie damit in Korrelation stehenden Assets wie Gold und Öl, viel klarer.

Der Dollar scheint eine Phase neuer Stärke einzuläuten, die man in diversen Charts schon vorher antizipieren konnte und wir haben diese Entwicklung im Premium-Bereich auch schon gestern vorweg genommen. Zum Beispiel im Verhältnis Euro zu Dollar sieht man schön, wie der Euro aus einer deutlich sichtbaren Bärenflagge nun nach unten weggebrochen ist:

EURUSD 21.11.13

Diese Bewegung hat das Potential, den Ton der Märkte bis zum Jahresende zu bestimmen. Das ist ja auch kein Wunder, während die FED über ein Tapering - also eine Rückführung des Stimulus - zumindest nachdenkt, hat die EZB eine Verschärfung der geldpolitischen Massnahmen im Blick, wie zum Beispiel Negativzinsen. Ich sehe die Disparität zwischen einer EZB mit geldpolitischem Nachholbedarf und einer FED, die zumindest über eine Abbremsung diskutiert, eher nicht kurzfristig verschwinden. Weswegen eine Short-Position auf EURUSD, über den Tag hinaus Chancen beinhalten könnte. Gleiches gilt für eine Shortposition auf JPYUSD, also den japanischen Yen versus den Dollar.

Wichtiges passierte in Folge der FOMC Minutes gestern auch bei Gold. Auch diese Entwicklung haben wir schon gestern im Premium-Bereich vorweg genommen, denn die anämische Schwäche von Gold war offensichtlich. Und auch gestern gab es wieder einen -> Trading Halt an der Comex <-, weil eine zu grosse Position auf einen Schlag abgeladen wurde. Die Versuche grosser Marktteilnehmer, den Kurs nach unten zu pressen, dauern also eindeutig an.

In dem Gold gestern das Tief vom 15.10. bei 1251 USD hinter sich gelassen hat, weist die Tendenz nun unzweideutig nach unten. Eine Chance besteht noch, dass das bedeutende Tief vom 28.06. bei 1180 USD hält, allerdings muss man mehr und mehr den Eindruck bekommen, dass Gold noch "unfinished Business" nach unten hat.

Gold 21.11.13

So lange der spekulative Druck an der Comex von grossen Marktteilnehmern erhalten bleibt, sind alle Gegenbewegungen im Sinne Trendfolge zu verkaufen, der übergeordnete Abwärtstrend ist voll intakt. Und genau hier kommt die runde Marke 1000 USD ins Spiel. Es wird zunehmend wahrscheinlich, dass der Markt diese Marke einfach sehen will, die wahrscheinlich auch für die Shorties dann Katalysator wäre zu covern, und den aggressiven Druck auf den Goldpreis einzustellen.

Ich kann auch an dieser Stelle wieder nur gebetsmühlenartig wiederholen: was Sie persönlich glauben oder für fundamental richtig halten, ist ohne Belang für den Markt. Vergessen Sie das nie ! Alles was zählt sind die Kurse die aufgerufen werden, nur die bewegen Ihr Depot.

Vielleicht haben die Gold-Bugs sogar Recht und irgendwann - wenn die Gross-Banken anfangen, die aufgestaute Liquidität in die Realwirtschaft als Kredite auszugeben - wird nicht nur die Asset-Inflation (die schon da ist), sondern auch die Inflation der Warenkörbe massiv anziehen. Die Renditen am Anleihenmarkt werden dann trotz Interventionen der Notenbanken weiter steigen. Als Folge können die Staaten ihre aufgeblasenen Schuldenberge nicht mehr bedienen und der grosse Knall mit dem grossen Reset des Währungssystems kommt, mit Goldpreisen oberhalb 3000 USD - falls ein freie Kursstellung bei Gold dann überhaupt noch zugelassen wird, denn auch den Verbot des privaten Besitzes von Gold hatten wir historisch schon.

Vielleicht ist das irgendwann mal so. Vielleicht auch nicht. Aber Gold kann trotzdem vorher noch unter 1000 USD fallen. Es wäre sogar typisch für den fiesen Mr. Market, genau das zu tun und alle noch abzuschütteln, bevor die grosse Rally kommt. Denken Sie also unbedingt an das "Hier und Jetzt", nur das ist real, nicht die Spekulationen, Wünsche und Prognosen. Und im "Hier und Jetzt" zeigt der Trend bei Gold unzweideutig nach unten. Und das sollte man im Depot respektieren. Der Rest sind feuchte Träume.

Ihr Hari

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Vom Affengehirn am Beispiel Tesla Motors – Wie die Angst unsere Chancen auffrisst

Ein für Mr-Market Leser grossartiges Börsenjahr geht langsam in die Schlussrunde. Grossartig war dieses Jahr, weil wir hier eine ganze Reihe richtig massiver Gewinnsträhnen frühzeitig erkannt haben, lange bevor breite Anlegerschichten auch auf den Zug aufgesprungen sind.

Wer hatte denn schon im Frühjahr den weltweiten Solarsektor so auf der Rechnung und konnte damals einen Branchen-ETF wie den TAN buchstabieren ? Seitdem ist der Sektor in einen massiven Rallymodus eingetreten und hat denen grosse Gewinne generiert, die von Anfang an dabei waren. Und der Sektor steht nach meiner Ansicht immer noch eher am Anfang eines weltweiten neuen Booms, als am Ende - auch wenn jetzt eine Korrektur mal überfällig ist. Wer hatte denn schon im Frühjahr den europäischen Telekomsektor auf der Rechnung, der nun auch massiv zum Leben erwacht ist und den Anlegern dicke zweistellige Gewinne generiert. Wer wusste denn am Anfang des Jahres etwas mit Aktien wie iRobot anzufangen ? Ich könnte lange so weiter machen. Und auch ein paar "Gurken" wie K+S waren dabei, die aber im Vergleich kaum mehr ins Gewicht fallen, zumal wir die Verluste dort konsequent begrenzt haben und nicht in die Falle gegangen sind, die neue Welt der Kali-Preise zu negieren und uns schön zu reden, wie die, die sich gedanklich nicht schnell genug von einer überholten Bewertungslogik lösen können.

Und trotzdem bin ich sicher, dass einige der Leser mit ihren Depots nicht zufrieden sind und dem Markt hinterher hinken, möglicherweise überhaupt mit der Nulllinie kämpfen. Wie kann das sein, wenn so grosse Gewinnkracher mit teilweise dreistelligen Prozentgewinnen dabei waren, von denen jeder locker fünf negative Anlagen kompensieren könnte, wenn man Verluste konsequent begrenzt ?

Die Antwort auf diese Frage ist wie immer individuell und hat vor allem mit uns selbst zu tun. Ich glaube aber, ich kenne zumindest einen Teil der Antwort, denn diese hat mit unserem "Affengehirn" zu tun, das uns bei der Geldanlage eher im Wege steht, als hilfreich zu sein. Mit dem prägnanten Begriff "Affengehirn" meine ich dabei keinen medizinischen Fachbegriff, sondern die evolutionären und damit auch emotionalen Reflexe, die der Menschheit beim Überleben in der Savanne dienlich waren, aber nicht für reflexive Märkte der Gegenwart geeignet sind. Mit der exponentiellen Entwicklung der Wissensgesellschaft, kommt aber die biologische Evolution zeitlich einfach nicht mehr mit, wir gehen sozusagen als biologischer Urmensch in die komplexe Zukunft.

Und dieses Affengehirn leitet uns an der Börse oft in die falschen Geldanlagen, weil es uns in den falschen Momenten Ängste vermittelt, während es uns in den ebenso falschen Momenten wohl und sicher fühlen lässt.

Und wo könnte ich das Problem deutlicher machen, als bei unserem grössen "Kracher" in diesem Jahr: Tesla Motors (WKN: A1CX3T). Sie wissen ja, wir waren am Thema schon seit Frühjahr 2012 intensiv dran. Und so sassen wir sozusagen in der ersten Reihe, als der Kurs dann im April diesen Jahres abzuheben begann.

Werfen wir einen Blick zurück auf den 30.04. und meinen Artikel -> Tesla Motors, eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-.

In diesem Artikel war das folgende Chart enthalten:

Tesla 29.04.13

Und nun sage ich uns auf den Kopf zu, was viele von uns zu diesem Zeitpunkt gedacht haben und warum viele damals wohl nicht eingestiegen sind. Nicht eingestiegen, obwohl ich in dem Artikel nun wirklich eine Lobeshymne auf Elon Musk und Tesla losgelassen habe.

Die Gründe dürften sein, dass denen der Kurs schon zu weit weggelaufen war. Zu so einem Zeitpunkt noch bei einem wackeligen "Startup" einsteigen, über das viele schreiben, dass es den Sprung zum Autobauer sowieso nicht schaffen kann ? Und dann noch angeführt von einem "Verrückten" mit "Visionen", bei denen man laut Altbundeskanzler Schmidt lieber zum Arzt gehen sollte ? Nein - die Angst war zu gross, hier in Verluste zu laufen. Viele hatten Verlustaversion im Anblick eines Kurses, der gerade in den Himmel schoss. Und haben sich nicht getraut auch noch einzusteigen. Und wer doch drin war, hat schnell wieder Angst bekommen, die kleinen Gewinne abzugeben und hat diese lieber gesichert.

Soweit so gut. Und nun kann ich uns das Chart von Tesla Motors Stand heute nicht ersparen:

Tesla 28.10.13

Sie sehen nun den Zeitpunkt, an dem die Verlustaversion kam. Es war der dümmste Zeitpunkt, den man sich nur vorstellen kann. Denn mein Artikel erschien exakt genau vor dem grossen Schub, an dem der breite Markt in das Thema eingestiegen ist, wunderbar am Volumen zu erkennen. Seit dem hat sich der Kurs fast vervierfacht - wenn man am 29.04.13 eingestiegen wäre. Wir hatten also alle einen Elfmeter auf dem Punkt liegen, bei dem der Torwart sozusagen nicht im Tor stand. Und viele haben sich trotzdem nicht getraut zu schiessen. Wenn Sie dazu gehörten, stellen Sie sich unbedingt die Frage warum !

Fairerweise muss man feststellen, das es fast unmöglich ist, solche Bewegungen vollständig mitzugehen und dann auf dem Hochpunkt auszusteigen. Auch ich bin im Nachhinein zu früh ausgestiegen, weil mir die Bewertung nun zu phantastisch wurde. Aber ich war immerhin von Anfang an dabei und habe dicke dreistellige Prozentgewinne mitgenommen und das hätten Sie auch können !

Um Ihnen zu helfen das Problem unseres "Affengehirns" zu verstehen, sollten wir uns daher mal die Gegenseite betrachten. Ich will Sie nicht weiter mit Charts beladen, aber stellen Sie sich einfach nur die allseits "geliebte" Commerzbank vor. Da war die emotionale Haltung ganz anders. Der Chart sah grauselig aus. Es ging runter und runter. Aber das war ja vermeintlich eine stabile Grossbank, die in der Vergangenheit mehr Wert war. Da war ja die Bundesregierung auch drin und der Chart war so weit gefallen, die "musste" ja wieder steigen. In der Commerzbank haben viele die Verluste leicht ertragen und diese als Kaufgelegenheiten betrachtet. Und das Web war voll von sogenannten "Analysen", in den Autoren versuchten eine Bankbilanz zu bewerten, die selbst Bilanz-Profis nicht bewerten können. Aber immerhin sind die Profis so qualifiziert zu wissen, was sie nicht wissen.

Finden Sie nicht auch ? Es ist doch eigentlich absurd, sich bei Verlusten in der Commerzbank wohl zu fühlen und aber vor einem Einstieg bei Tesla zu fürchten. Aber genau so funktioniert unser Affengehirn - "Angst fressen Chancen auf". Und wer sich das nicht bewusst macht, hat letztlich keine Chance am Markt.

Fassen wir also zusammen:

Uns Menschen fällt es typischerweise leichter, eine Verlustposition einfach zu halten und den Verlusten zuzusehen, als in eine potentiell gewinnträchtige Position einzusteigen, die mit Risiken versehen ist. Das ist so, weil die Verlustposition eine Vergangenheit der Stärke hat, an der man sich emotional wärmen kann. Die "muss" ja wieder steigen sozusagen, weil sie vorher höher stand. Anders dagegen bei dem "Hot Stock" mit neuem Geschäftsmodell. Da hier die Vergleichsdaten der Vergangenheit fehlen, erscheint uns das weit riskanter.

Auslöser dieser massiven Fehleinschätzung ist tatsächlich unser "Affengehirn", das den Erfahrungen der nahen Vergangenheit eine höhere Bedeutung einräumt. So lässt sich das Minus bei einer Aktie leicht ertragen, die man für "substantiell" hält und dabei orientiert man sich an vergangenen Werten. Etwas Neues dagegen wird zunächst mit Misstrauen betrachtet, wir bleiben instinktiv lieber beim Bewährten.

Das sind reflexartige Mechanismen in unseren Köpfen, die wir auf der bewussten Ebene gar nicht wahrnehmen. Sie bestimmen aber massiv unser Handeln. Und für die Wildnis da draussen in der Savanne, ist die Aversion vor neuen, unbekannten Risiken auch ein hervorragender Reflex, der unser Überleben sichert. Einen Pilz den man nicht kennt, sollte man auch nicht einfach in den Mund stecken. Nur funktioniert Börse eben anders, Börse bewertet Potentiale der Zukunft. Vielleicht wird aus diesem Giftpilz ja später eine tolle Medizin, darüber machen sich die Märkte Gedanken. Und deshalb ist der Giftpilz als Anlage vielleicht durchaus interessant. Diese evolutionären Reflexe stehen uns als Anleger massiv im Weg.

Deshalb ist es auch so wichtig, sich mit Stops und Absicherung zu beschäftigen. Denn natürlich liegen in so "Hot Stocks" wie Tesla auch massive Risiken. Was hoch steigt, kann auch tief fallen und ein Kursverlauf wie oben ist ja nicht garantiert, hinterher ist man immer klüger. Aber die Chancen sind so immens, das man diese ergreifen sollte. Aber eben nicht blind, sondern gut überlegt und abgesichert.

Richtig wäre es also eher gewesen, die grosse Chance bei Tesla zu ergreifen. Gleichzeitig einen Stop zu setzen der einiges nach unten entfernt ist und nur zur Absicherung eines Desasters dient. Man geht in so einer Denkstruktur also bewusst ein vielleicht 10% Verlustrisiko ein. Und tut das, um die weit grössere Chance überhaupt zu eröffnen. Wir nennen das hier ein "Setup" und besprechen diese intensiv im Premium-Bereich.

Umgedreht, bei einem gefallenen Engel ala Commerzbank, darf es für Anleger überhaupt keinen Spielraum für Verlusttoleranz geben. Solange der Kurs nach unten geht, geht er nach unten und man hat in der Aktie nichts verloren. Und dass das Unternehmen mal in der Vergangenheit weit höher bewertet war, hat ebenso wenig Relevanz wie die Tatsache, dass es Tesla vor 10 Jahren noch gar nicht auf dem Kurszettel gab.

Vergangenheit zählt nicht an der Börse, nur die Erwartungen an die Zukunft. Die Mechanismen unseres Affengehirns leiten uns aber genau in die falsche Richtung. Sie leiten das warme Gefühl von "Sicherheit" aus Erfahrungen der Vergangenheit ab. Und lassen uns daher bei Verlusten in einer Commerzbank-Position sicherer fühlen, als bei einem Einstieg in eine Zukunftshoffnung wie Tesla Motors. Was für ein Treppenwitz eigentlich, da es doch leicht ist, mit Stops einen Kursverlust zu begrenzen. Auch die Telekom war mal bei 100 EUR und niemand wurde gezwungen, den Weg bis 10 EUR mitzugehen. Und viele haben es trotzdem getan, weil "die ist doch voller Substanz, die muss doch wieder steigen". 😉 So etwas sind üble "Wohlfühlreflexe", die unsere Taschen als Anleger aber leer machen.

Mein Rat also:

Achten Sie auf Ihre Gefühle bei der Geldanlage, denn darin zeigt sich unser Affengehirn. Wenn Sie sich in einer Position "wohl fühlen" und auch bei ersten Verlusten ganz entspannt da sitzen, sollten Sie eigentlich aufspringen und sich selber eine Schlag auf den Hinterkopf geben. Denn wahrscheinlich denkt der nicht richtig. Verlustpositionen in denen man sich "wohl fühlt", sind oft sehr gefährlich für unser Depot.

Umgedreht, wenn ein Kurs signifikant zu steigen beginnt und Sie trauen sich nicht einzusteigen, brauchen Sie unbedingt den Tritt in den Allerwertesten um zumindest mal genau hinzuschauen. Denn gerade weil Sie sich nicht trauen, werden sich auch viele andere nicht trauen. Denn warum sollen die anderen Marktteilnehmer denn anders fühlen als Sie ? Man nennt das die "Wall of Worry" und die sorgt dafür, dass Kurse weiter steigen - und nicht fallen. Diese Kurse fallen erst, wenn auch der Letzte eingestiegen ist. In dem Sie sich diesen inneren Tritt schon frühzeitig geben, sind Sie bei den "Letzten" nicht dabei, vielmehr verkaufen Sie irgendwann Ihre Aktien den "Letzten" mit Gewinn.

Und nutzen Sie die Möglichkeit, mit Absicherung zu agieren. Mit einer klug gesetzten Absicherung definieren Sie im Vorfeld selber, wie viel Verlust Sie bereit sind theoretisch einzusetzen, um die Chance zu ergreifen. Dieser potentielle Verlust ist also wie eine Investition zu sehen, um die Chance überhaupt zu eröffnen. Verwechseln Sie aber eine gut entfernte Absicherung um ein Desaster zu verhindern, nicht mit dem fehlgeleiteten Versuch, erste Gewinne gleich zu sichern. Letzteres funktioniert nicht und führt nur dazu, dass Sie im falschen Moment ausgestoppt werden. Nicht jeder Stop ist sinnvoll, manche sind kontraproduktiv.

Lassen Sie unbedingt in so Situationen Ihre Gefühle Revue passieren. Dann werden Sie selber merken, wie unsere Ängste die echten Chancen auffressen. Und uns gleichzeitig dort eine Sicherheit vorgaukeln, wo das Kurs-Desaster gerade erst begonnen hat. Genau deshalb ist es so schwierig das zu tun, was theoretisch ganz leicht eine gute Depotperformance sichert: Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen !

Merke: Die Börse ist nicht die Savanne ! 😉

Ihr Hari

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