Anlagephilosophie

Meine Anlagephilosophie ist von der Überzeugung geprägt, dass die Zukunft prinzipiell offen und unvorhersagbar ist.

Sollte ich Recht haben, ist es doch erstaunlich, dass eine ganze Industrie davon leben kann, das natürliche Bedürfnis der Menschen nach Zukunftsprognosen zu befriedigen.

Dabei sind die Ergebnisse der allermeisten Prognosen niederschmetternd, wenn man sich die Ergebnisse im Nachhinein mal anschauen würde. Nur ist scheinbar niemand ernsthaft an einer Überprüfung interessiert.

Wer überprüft wirklich am Ende des Jahres, was die Auguren zum Jahresanfang publikumswirksam verkündet haben ? Wer liest was sogenannte „Zukunftsforscher“ vor 20 Jahren über das aktuelle Jahr geschrieben haben ? Wer schaut, was die “Aktiengurus“ und Research-Abteilungen für Kursziele für das alte Jahr ausgeben haben ? Und hat jemand schon einmal die Frage gestellt, ob die Wachstumsprognosen fünf anmassend „Wirtschaftsweise“ titulierter Volkswirtschaftler wirklich langfristig eine Treffergenauigkeit haben, die vom reinen Zufall abweicht ?

Wie passen diese katastrophalen Ergebnisse nahezu aller „Weisen“ bei der Vorhersage der Zukunft mit dem ungebrochenen Interesse an derartigen Aussagen zusammen ? Scheinbar ist es so, dass die Menschen gar nicht wissen wollen, das ihnen nur etwas vorgegaukelt wird. Denn wir alle lesen doch am Jahresende erneut und interessiert, was die Auguren für nächstes Jahr zu sagen haben, auch ich. Es scheint also eher um Unterhaltung zu gehen und alte genetisch vererbte Reflexe in uns zu befriedigen. Es scheint uns ein Bedürfnis zu sein, uns in einer prinzipiell unvorhersehbaren Welt mit dem behaglichen Gefühl der Planbarkeit zu umgeben.

Dabei ist es ja sogar noch schlimmer, wir können nicht nur die Zukunft nicht vorhersehen, wir Menschen neigen in der modernen Welt sogar dazu diese eher falsch als richtig vorherzusagen, weil wir der jüngeren Erfahrung zu viel Aufmerksamkeit schenken. Hier schlägt offensichtlich unsere genetische Ausstattung zu, die dafür konstruiert wurde in der Savanne zu überleben und nicht komplexe Zusammenhänge einer vernetzten Welt zu begreifen. Wenn wir in der Savanne beim Jagen zweimal an einer Wasserstelle vorbei gekommen sind, die von Löwen belagert wurde, dann hat sich in unserem Gehirn die Gleichung Wasserstelle = Löwen eingebrannt. Und für die Savanne war das auch ein guter, überlebenswichtiger Reflex, denn die Wahrscheinlichkeit dort wieder Löwen zu begegnen war wirklich sehr hoch.

Wenn wir aber an der Börse zweimal Geld verloren haben, weil die Börse immer weiter abgestürzt ist, dann ist damit keineswegs die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Börse auch in Zukunft abstürzen wird. Im Gegenteil, eine Gegenbewegung ist sogar viel wahrscheinlicher geworden. In der Sprache der Behavioral Finance ist das der „Recency Bias“ (die Tendenz von uns Menschen die nahe Vergangenheit gedanklich fortzuschreiben) der in den Depots der normalen Anleger hässliche Spuren hinterlässt. Denn der Recency Bias trägt dazu bei, dass am Höhepunkt gekauft und am Tiefpunkt verkauft wird.

Nun haben auch einige Wirtschaftswissenschaftler erkannt, dass die zukünftigen Kurse der Börse prinzipiell nicht vorhersagbar sind und daraus flugs postuliert, dass jegliches aktives Handeln an den Börsen Unfug sei und man sich nur ergeben den Pirouetten von Mr. Market ausliefern kann. Auch Trader die seit 10 oder mehr Jahren konsequent jedes Jahr den Markt schlagen, werden mit einer Handbewegung als Zufall abgetan. Nichts könnte falscher sein als diese Schlussfolgerung !

Denn beides ist wahr :
-> Die Zukunft und insbesondere die zukünftigen Kurse sind bei funktionierenden Märkten prinzipiell nicht vorhersagbar.
-> Und trotzdem kann man konsistent den Markt schlagen und in jeder Marktphase Geld verdienen !

Wie passt das zusammen werden Sie fragen ?

Nun, da sind wir genau bei meiner Investmentphilosophie. Man kann zwar die Zukunft nicht vorhersagen, man kann aber die Gegenwart und das Verhalten der Marktteilnehmer in ihr sehr genau analysieren. Und kann aus dieser Analyse Schlüsse ziehen, die es einem erlauben Wetten einzugehen, die mit einem sehr positiven Chance / Risiko Verhältnis ausgestattet sind. Und wenn man es konsistent schafft nur solche Wetten einzugehen, wird man am Ende des Jahres Geld verdient und den Markt geschlagen haben – selbst wenn zwischendurch auch mal eine Wette nicht aufgeht. Erfolg kommt also nicht, weil man die Zukunft kennt, sondern weil man das Verhalten der Marktteilnehmer in der Gegenwart genau begreift und daraus wertvolle Schlüsse für die Zukunft zieht.

Denn Mr. Market ist nicht rational, sondern wird von den Ängsten und der Gier der Marktteilnehmer getrieben. Und funktioniert dabei eher wie ein Gummiband. Wenn er zu weit in eine Richtung gedehnt wird, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück schnappen. Wer erkennt, wann der Markt in eine Richtung überdehnt ist, hat damit grosse Chancen richtig gutes Geld zu verdienen – auch ohne die Zukunft zu kennen.

Neben dieser Markttechnik gibt es auch noch grundlegende fundamentale Faktoren und Treiber in der Weltwirtschaft, die man sehr wohl in der Gegenwart erkennen kann und aus ihnen sinnvolle Schlüsse für die Zukunft ziehen. Fundamentale Treiber ändern sich nicht alle paar Tage und in so fern kann es sich schon lohnen, diese im Sinne “The Trend is your friend” zu verfolgen.

Bei meinen Investments versuche ich aus derartigen Trends und Übertreibungen des Marktes Kapital zu schlagen. Mit diesem Blog möchte ich Sie gerne auf diese Reise durch die Finanzmärkte mitnehmen.

Um Erfolg an den Finanzmärkten und um den täglichen Seelenzustand von Mr. Market – darum geht es in diesem Blog.

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen !