Fünf Fragen, fünf Antworten


So liebe Mitglieder, natürlich habe ich den Thread -> Wozu soll ich schreiben <- aus dem Juli nicht vergessen.

Dort wurden Themen gesammelt denen ich mich mal widmen soll und Sie können auch gerne weiter dort anfügen. Ich sehe das alles und werde auch das Meiste irgendwann im Verlauf des Herbstes adressieren.

Heute will ich damit beginnen, dass ich mir fünf Fragen aus dem Thread heraus greife, auf die ich keine Antwort in Form eines Artikels habe, weil ich sie kürzer behandeln will oder muss.

(1)

Weil mir scheint dass ich da immer noch diverse blinde Flecken habe, würde mich so eine Art Lehrer Bömmel-Artikel rund um Charttechnik, Chart-Analyse interessieren. Du siehst nach den vielen Jahren einem Chart natürlich sofort an was los ist, aber mir und vielleicht einigen anderen geht das noch ab. Und in den bisherigen Artikeln finde ich das nicht...

Also zum nachher drüberkucken nochmal in einer Zeile zum besser finden:

Charttechnik, Chart-Analyse

Die Antwort darauf habe ich schon im Thread selber direkt gegeben. Das ist als Frage leider zu allgemein und unspezifisch, um darauf konkret reagieren zu können.

Die Charttechnik ist ein riesiges Feld über das Bücher geschrieben wurden, ich kann also in einem Artikel oder Video jeweils einen Aspekt heraus arbeiten, aber nicht mehr.

Grundsätzlich gilt auch - und das ist eigentlich die Antwort - dass man das "einem Chart ansehen was los ist" nur durch permanente Übung, also permanentes Ansehen erlangt, diesen Fleiß kann kein theoretischer Artikel ersetzen. Das Erkennen von Chartmustern ist nichts Theoretisches, sondern etwas das man wie Schwimmen durch Üben erlernen muss. Die Wiederholung machts!

Grundprinzipien wie Charts zu lesen sind, als Beschreibung des Spielfeldes der Gegenwart und nicht als Zukunftsweissagungen, habe ich schon oft thematisiert. Einzelne Techniken habe ich auch thematisiert.

Ein Beispiel für ein paar grundsätzliche Worte, schon im Jahr 2012 gesprochen, findet sich zum Beispiel hier: -> Vom Elend der Charttechnik und der Börsenkultur <-.

Wer also zu einer bestimmten Technik meine Meinung will, sehr gerne. Wer eine bestimmte Formation oder bestimmte Begrifflichkeiten erklärt haben will, sehr gerne. Wer Grundprinzipien erklärt haben will, sehr gerne. Aber benennt Euren Wunsch konkret.

(2)

Mich würde es interessieren, wie Dein Portfolio jenseits der Aktien aussieht? Insbesondere Anleihen: wie hoch ist Deine Quote? was denkst Du generell zu Anleihen als Depotbeimischung, was in der momentanen Situation? Investierst Du auch Rohstoffe, P2P kredite etc.?

Anleihen? Ja gehören zwingend dazu. Aufgrund der Notenbankpolitik aber seit Jahren fast nicht mehr, nur ein paar US Anleihen via ETFs gibt es noch - ich habe Anfang diesen Jahres darüber geschrieben, dass die wieder interessant werden könnten.

Rohstoffe direkt? Nein

P2P Kredite? Nein

Crowdinvesting? Nein

Zu diesem ganzen Komplex der "kleinen Crowd-Investments" habe ich 2015 mal was geschrieben: -> Selbstüberschätzung, Crowdinvesting und Mittelstandsanleihen <-

Wenn man mein "Portfolio" als "mein Vermögen" bezeichnet, ruht das auf den folgenden fünf wesentlichen Säulen:

(1) Selbstbewohnte Immobilie. Wer die Bodenpreise im Fünf-Seen-Land kennt - hier bei uns aktuell 800€/qm - weiss, dass das ein sehr relevanter Posten ist. 😉

(2) Aktien und (in Maßen) ETFs, die Themen die ich hier bespreche. Also direktes Produktivvermögen. Anleihen wie gesagt derzeit kaum.

(3) Direktinvestionen. Ein paar geschlossene Fonds, aber wenige, denn die meisten dienen mehr den Emittenten denn den Anlegern. Vor allem Direktinvestments in außerbörsliche Unternehmen, aber nur wenn ich die Inhaber/Gründer persönlich kenne und zu ihnen einen Zugang habe. Außerhalb der Börse keine Investments ohne das Management zu kennen.

(4) Notgeld. Also direkt physikalisch zugreifbare "Geldmittel" in Form von Gold und Devisen, die bei der Bank im Schließfach/Tresor liegen.

(5) Klassische Rentenversicherungen und ähnliche Anlagen die auch Otto Normalverbraucher hat - breit gestreut, von der gesetzlichen Rente bis zu direkten Verträgen.

(3)

Was würdest du anlagetechnisch machen, wenn du nochmal 30 wärst und wüsstest die nächste Krise kommt bestimmt

Na ich weiss das ja nie mit Bestimmtheit. Wenn man es mit Sicherheit wüsste, weil man eine Zeitmaschine hat, ist die Antwort ja logisch:

Erst alles Shorten mit maximalem Hebel und dann genau am Tag des Tiefs den Hebel umlegen und alles Kaufen mit maximalem Hebel. 😉

Ich weiss, ich weiss, das hast Du nicht gemeint. Aber der Normalfall ist eben, dass man es nicht sicher weiss, bestenfalls ahnt.

Und dann würde ich mich so verhalten wollen, wie ich das hier beschreibe. Ich bleibe drin, lege mir aber ein Ausstiegskriterium zurecht - wie zum Beispiel einen gleitenden Durchschnitt - das ich dann gnadenlos diszipliniert beachte.

Und dann geniesse ich die Panik der anderen und steige tiefer wieder ein.

Als junger Mensch mit 30 ist vor allem wichtig dabei zu bleiben. Wenn man es dann noch schafft, einem großen Einbruch teilweise aus dem Weg zu gehen, ist das das Sahnehäubchen und der Renditeturbo.

Mehr braucht es nicht für Erfolg, es braucht keine Geheimwissenschaft. Das zu tun ist aber schwer genug!

(4)

Glaubst du man muss überdurchschnittlich intelligent sein um den Markt schlagen zu können?

Definitiv nein. Man muss überdurchschnittlich diszipliniert, fleissig und konzentriert sein. Man muss ein überdurchschnittliches Maß an eigenem Reflektionsvermögen besitzen, weil man sich selbst der größte Feind ist.

Das korreliert durchaus mit Intelligenz, aber nicht mit besonders herausragender Intelligenz. Wer zu kompliziert denkt, steht sich am Markt eher im Weg.

(5)

Noch eine Idee: wie wählst du die Aktien für dein Investmentdepot aus und vor allem: wieso hältst du genau diese? Klar, du willst Wachstumsunternehmen und es gibt dazu ja auch viele Artikel schon. Meine Frage geht eher in die Richtung: warum genau diese Aktien und nicht 10 andere? Wie schaffst du es dich auf eine kleine Anzahl zu beschränken und wirklich nur diese als Investment zu halten?

Gerade für mich als noch nicht so erfahrenes Mitglied hier auf Mr-Market ist die Anzahl der guten Unternehmen etwas unübersichtlich und ich hab viel zu viele Aktien in der Watchlist und auch im Depot (Einsicht ist ja der erste Schritt schon mal 😉 ). Hast du Tipps wie ich oder auch andere sich hier auf eine bestimmte Auswahl einfach beschränken können ohne die Sorge zu haben „die falschen“ ausgewählt zu haben?

Die Antwort ist ebenso kurz wie knackig: in dem man die beschriebene "Sorge" in sich abstellt. In dem man diese unproduktive Emotion in den Griff bekommt.

Es gibt immer mehr interessante Opportunitäten, als man selber im Depot haben kann. Es gibt immer Gras auf der anderen Seite des Zaunes, das grüner als das eigene erscheint.

Die "Sorge zu verpassen" ist dabei das eigentliche Problem. Ich habe diese nicht, ich habe das bei mir abgestellt. Wenn ich genug habe, mit dem ich zufrieden bin, bin ich zufrieden. Das gilt auch für mein Depot. Das hat eine bestimmte Größe und wenn die zufriedenstellend gefüllt ist, gräme ich mich nicht mehr darum, dass da vielleicht "noch anderes" sein könnte.

Es gibt dafür auch ein schönes Beispiel, die Optionsthematik. Weil nun einige über Jens Rabe zu mir gekommen sind, gibt es hier nun auch einige, die mit Optionen agieren. Was ja auch völlig in Ordnung ist.

Dann bekomme ich immer mal wieder die Frage, warum ich denn für bestimmte Aufgabenstellungen nicht Optionen nehmen. Und meine Antwort ist immer gleich und ich weiss auch, dass sie oft auf Unverständnis stösst. Denn die Antwort ist eine Gegenfrage: "Warum sollte ich? Meine Strategie funktioniert doch."

Ich habe nicht gegen Optionen, diese sind einfach ein Handwerkszeug um Strategien umzusetzen. Wie bei allem macht es aber keinen Sinn auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen, lieber sollte man eine Technik und Strategie beherrschen, als alles machen zu wollen. Und auch Optionen sind nicht der heilige Gral der Geldanlage und haben je nach Anwendungsfall ihre Nachteile und Vorteile gegenüber anderen Techniken.

Ich habe diese Reflex der Angst nicht, dass ich auf der anderen Seite des Zauns etwas verpassen könnte. Ich verwende meine Zeit lieber dafür, das was ich gut kann noch besser, also "sehr gut" zu können.

Das heisst ja nicht, dass ich nicht mal meinen Horizont erweitere und mal was Neues zulasse. Das dann aber nicht angstgetrieben, sondern ganz bewusst, sich für eine Technik interessierend. Und am Ende dieses Lernprozesse nehme ich diese Technik dann entweder in meinen Instrumentenkasten auf, oder lege sie wieder beiseite.

Also, ich habe diese Angst zu verpassen nicht. Weder bei Techniken, noch bei einzelnen Aktien. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu "abgezockt" bin und zu viel gesehen habe. Vor allem liegt es aber wohl daran, dass ich mir dieser Angst meines Affenhirns bewusst gewesen bin und mich darüber erhoben habe.

Um es also für Dich konkret zu machen, erstelle Dir eine Liste der Kriterien die für Dich wichtig sind, damit eine Aktie in Deinem Depot ist. Dann wähle die 10 oder 20 Aktien aus, die diesen Kriterien am besten entsprechen. Und dann sei zufrieden damit und stelle diese Liste nur einmal im Jahr in Frage. So einfach und so schwer.

Ihr Hari

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Perlen Reloaded – Fibonacci Bullshit und bunte Linien



Der Blog existiert nun seit Ende 2011 und es wurden darin Unmengen Grundlagen-Artikel geschrieben. Bis Ende 2015 hatten wir ja auch das alte Blogformat, in dem pro Woche alles in ein grosses File geschrieben wurde und dadurch schlechter zu finden war.

Ich habe zwar in einer grossen Fleissarbeit Referenzfiles erstellt, die man unter -> Wissenswertes für Neueinsteiger <- in einem Archiv finden kann und eine Sektion -> Grundlagen <- des neuen Einzelartikelformats seit November 2015. Beides werden aber nur sporadisch besucht, auch viele neue Mitglieder, werfen da wohl keinen Blick herein. Dabei gibt es auch in den alten Artikeln jede Menge auch heute Lesenswertes und Grundsätzliches. Ich erwecke deshalb in der lockeren Reihe "Perlen Reloaded", jeweils einen alten Artikel wieder zum Leben.

Hier ist der vierte Artikel dieser Reihe, eine sehr deutliche Erklärung warum Markttechnik funktioniert und gleichzeitige Abrechnung mit beliebigen, bunten Linien in Charts.

Ich habe den alten Artikel an ein paar Stellen ergänzt, um den Unterschied zwischen dem Chart selber und zusätzlichen Linien deutlicher zu machen. Die Aussage wurde dadurch aber nicht verändert, nur noch besser heraus gearbeitet.

Übrigens, das 2013er Chart zu Gold offenbarte sich dann schnell als der "Bullshit", den ich es schon damals genannt habe. An Deutlichkeit hat es mir noch nie gemangelt, wenn ich Unfug vor mir sehe.

Ihr Hari

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Montag 02.12.13 21:50 - Fibonacci Bullshit

Ich bin bei meinem Scan der diversen Nachrichten und Medien gerade über einen Blogbeitrag gestolpert, den ich Ihnen als unrühmliches Beispiel für den kompletten "Bullshit" zeigen will, der oft mit Charttechnik veranstaltet wird.

-> Fibonacci support a long term buying opportunity for gold <-

Da verbindet also einer zwei Punkte von 1988 und 2008 im Chart und zieht daraus "bedeutende" Schlussfolgerungen für die Gegenwart. Das der Goldpreis schon längst bei 1180 USD war und sich für diese Linie den berühmten "Dreck" interessiert hat, wird natürlich bei Seite gelassen. Wenn man ein vermeintliche Story bauen will, muss man sich die Wirklichkeit halt zurecht biegen.

Wenn man so etwas sieht, muss man sich nicht wundern, wenn Charttechnik manchmal den Ruf von "Hokuspokus" hat. Das ist wirklich Hokuspokus.

Rufen Sie sich also immer wieder in Erinnerung, warum Charttechnik funktioniert. Die Kurse selber interessieren sich nämlich gar nicht für all diese von uns gezeichneten, zusätzlichen Linien und Marken. Die Menschen aber, die gleichzeitig in Summe den Markt machen, die interessieren sich dafür. Und so entsteht die Reflexivität des Marktes, der sich eine eigene Wirklichkeit schafft, weil viele auf das Gleiche schauen, danach handeln und so eine Konsens-Realität entsteht.

Ich habe schon oft erklärt, dass ein Chart, das für niemanden Relevanz hat, auch als Analysetool wertlos ist und keine Rückschlüsse erlaubt. Mein Beispiel ist dabei immer das Chart der Allianz in mongolischem Tukrig. Durch die obskure Währung, entstehen Chartstrukturen, die keine Aussagekraft haben, obwohl sie in der Vergangenheit ja real da waren. Erst die Rückkopplung zwischen Betrachtern und Handelnden, schafft aber die Wirklichkeit der Zukunft und damit die Aussagekraft.

Das ist auch die Geschichte hinter den Fibonacci Retracements. Sie sind in Mode und deswegen ziehen sie die Kurse an, weil Marktteilnehmer genau da covern etc. Früher waren Elliot Wellen in Mode - die ja von der dahinter stehenden mathematischen Logik mit den Fibonacci Retracements verwandt sind. Nun sind diese aus der Mode und generieren - was für ein Zufall - auch keinen echten Edge mehr.

Glauben Sie also nicht jeder bunten Linie, die irgend jemand in ein Chart zieht. Und es ist auch nicht so, dass Charts mit vielen gezeichneten Linien analytisch "besser" sind, eher ist das Gegenteil der Fall. Die Marktstrukturen die wir zusätzlich in Charts einfügen werden umso bedeutender und aussagekräftiger ....

... je näher sie in der Gegenwart sind
... je mehr sie am Haupthandelsplatz von grossem Volumen getragen werden
... je mehr Marktteilnehmer diese auch beobachten

Die Relevanz von zusätzlichen Linien in Charts ist also ein riesen Thema. Im Gegensatz zu den Kerzen des Charts selber. Die haben immer Relevanz, weil sie ja die real vorhandene Nachfrage/Angebots-Situation abbilden. Zusätzliche Linien und Muster aber die wir hinzu zeichnen, sind mit Vorsicht zu geniessen und dienen primär der Visualisierung von Strukturen, haben aber keinen Wert an sich.

Anders ist es dagegen bei Marktauswertungen, die einfach nur Statistik über den Markt liefern, wie zB "Buying on Weakness", "Bull/Bear Index" und ähnliches. Solche Daten können sehr wohl einen Einblick in Marktstrukturen geben. Aber hinzu gezeichnete Linien in Charts, haben vor allem dann eine Relevanz, wenn Sie für viele Marktteilnehmer eine Relevanz haben.

Unterschätzen Sie nie die Selbstbezüglichkeit der Märkte - auch Reflexivität genannt. Die Wirklichkeit die wir erleben, ist keine objektive Konstante, sondern von uns selber zu einem guten Stück gemacht. Denn wir sind ja der Markt !

Sie können das an einem ganz einfachen Beispiel, auch schnell selber nachvollziehen. Stellen Sie sich vor, nun würden viel mehr Marktteilnehmer an Trendfolge glauben und statt sich gegen den Markt zu stellen, konsequent den Trends folgen. Was wäre die Folge ? Ganz einfach, die Trends würden noch länger laufen und noch höher steigen bzw tiefer fallen. Und das Reversal wäre noch brutaler, weil dann am Ende alle gleichzeitig aussteigen wollen.

Genau das passiert übrigens gerade mit den Algos, von denen viele Trendfolger sind. Trends dauern deshalb noch länger. Das ist die Reflexivität des Marktes, wir schaffen uns durch unsere Beobachtungen und das daraus resultierende Handeln unsere eigene Wirklichkeit. Und wenn alle daran glauben, dass Gaps immer exakt auf der Begrenzung geschlossen werden und dann drehen, wird auch genau das passieren. Eben weil dann genau da, alle verkaufen, bzw kaufen.

Wer sich am Markt einen Edge erarbeiten will, muss also zunächst verstehen, wie die Herde denkt. Und dann daraus seine individuellen Schlüsse ziehen, die oft "mit der Herde zu laufen" bedeuten. Irgendwo eine Linie zu ziehen und irgendwelche Punkte zu verbinden, die niemanden sonst interessieren, ist dagegen von zweifelhaftem Wert.

Ihr Hari

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Die Logik der Markttechnik

Die folgenden Worte habe ich schon oft gesagt. Und es ist doch immer wieder nötig. Denn wenn etwas den "normalen" Anleger typischerweise auszeichnet, ist es der Glaube Markttechnik sei "Hokuspokus" und fundamentale Betrachtungen würden ihn zum Erfolg führen. Warum nur, schafft es kaum jemand dieser Anleger mit Aktien erfolgreich zu sein?

Denn die reale Welt ist genau anders herum, Markttechnik verschafft dem normalen Anleger überhaupt eine Chance - keine Sicherheit, eine Chance - während es ihm in der Regel an Zeit und Kompetenz fehlt, mit fundamentalen Argumenten einen Mehrwert zu dem zu schaffen, was der Markt sowieso schon in die Kurse gepackt hat.

Das liegt nicht daran, dass fundamentale Analysen nicht funktionieren würden, es liegt an den unterschätzten Anforderungen, die an diese zu stellen sind um einen Mehrwert zu schaffen. Im Artikel -> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <- habe ich das vor Jahren ausführlich dargestellt.

Das grosse Missverständnis aller, die Markttechnik für "Hokuspokus" halten ist, dass sie *Weisssagungen* mit *Wahrscheinlichkeiten* verwechseln und *Prognosen* mit *Szenarien*. Vor ein paar Wochen gab es dazu einen (für mich) eher peinlichen Artikel eines Professors -> in der FAZ <-, der so von den üblichen Missverständnissen strotzt, dass er mir nur zeigt, wo ich meinen Sohn besser nicht studieren lassen sollte. Ich will ich mich hier aber nicht an anderen abarbeiten, dafür ist mein Leben zu kurz, sondern das nur als prägnantes Beispiel für die typischen, zweidimensionalen Denkstrukturen verstanden wissen und ansonsten nicht weiter darauf eingehen.

Aber auf den Kern der Markttechnik will ich Sie hier aufmerksam machen. Einen Kern, den ich an dem Chart des SP500 festmachen will, das ich Ihnen letzte Woche in -> Mal Hinschauen! <- gezeigt habe. Dieses Chart sah so aus:

Und nun, nach der Wahl in Frankreich, spricht viel dafür, dass es eintreten könnte. Konnte man also das Ergebnis aus der Vergangenheit herleiten?

Quatsch, was ein Blödsinn. Aus der Vergangenheit lässt sich die Zukunft nicht sicher herleiten. Es hätte ebensogut auf Melenchon vs LePen heraus laufen können und dann wäre das Chart hier weggeknickt! Seriöse Markttechniker unterliegen nicht der -> Prognosiritis <-, das bleibt den medialen "Gurus" überlassen und all den Anlage-Schafen, die diesen "Gurus" hinterher rennen wollen.

Wenn es keine Prognose war, ist es denn dann Zufall, dass es hier nun nach oben geht? Nein, ist es auch nicht.

Denn Markttechnik ist eben nicht nur bunte Muster, sie ist richtig interpretiert ein Abbild der Kräfte im reflexiven Markt. Und Dinge wie Unterstützung und Widerstände haben ganz reale Grundlagen im Kampf zwischen Angebot und Nachfrage, die in der Psychologie der Marktteilnehmer begründet sind. Es ist eben mehr als ein Muster, es ist mehr mit einem komplexen Strömungsbild eines wilden Flusses an Stromschnellen vergleichbar. Dieses Strömungsbild ist auch nur eine Momentaufnahme, es lässt dem kundigen Auge aber wichtige Schlüsse auf die Strömungsstruktur des ganzen Flusses zu. Und damit kann man auch mit Wahrscheinlichkeiten Modelle entwickeln, wohin es ein Boot treiben würde.

Wir hatten im Markt sehr eindeutig seit Anfang März eine langwierige Konsolidierung, in der die bis dahin überkaufte Markttechnik abgebaut wurde. Während Anfang März die Chance auf weitere Anstiege also eher gering war und man mit einer Korrektur rechnen musste, ist nun das Korrekturrisiko gesunken und die Chance auf eine neue Anstiegsphase ist gestiegen. Gestiegen, das Wort ist wichtig, nicht sicher.

Dabei haben wir es also nur mit Wahrscheinlichkeiten und Szenarien zu tun. Das Chart oben, hat uns also ein realistisches Szenario gezeigt, das sich nun in den Wahrscheinlichkeiten nach vorne schob. Damit wusste immer noch niemand, wie die Wahl in Frankreich ausgehen würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese zu einer Auflösung nach oben führen würde, war aber gestiegen, weil einige negative Sorgen nun schon verarbeitet wurden und das war in der flaggenartigen Konsolidierung sichtbar.

Genau das ist, was gute Markttechnik leisten kann. Sie arbeitet die Pfade der Wahrscheinlichkeiten und Strömungen des Marktes etwas heraus und verbessert damit das Chance/Risiko Verhältnis der Entscheidungen. Um es etwas simplizistisch darzustellen, erhöht sie die Chance die "richtige" Entscheidung zu treffen von 50% (Zufall) auf 55-60%. Aber 40-45% treten im Einzelfall eben auch fast jedes zweite Mal ein, trotzdem generiert die Statistik einen Vorteil, wenn man markttechnische Erwägungen berücksichtigt.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger liefert die Markttechnik. Wer solche Charts für Prognosen hält, argumentiert mit Verlaub am Thema vorbei. Und wer die Märkte nicht als soziale, selbstreferentielle Systeme begreifen kann - das was man die -> Reflexivität <- nennt - redet als Blinder über Farben.

Selbstreferentielle, soziale, chaotische Systeme - und der Aktienmarkt gehört dazu - haben sehr wohl dynamische, wiederkehrende Muster. Nur lassen sich diese nicht mit zweidimensionaler Logik fassen. Es gibt mit der Systemtheorie einen eigenen Wissenszweig, der sich genau damit befasst. Leider ist die sehr mechanistisch denkende VWL davon noch nicht ausreichend befruchtet, der "Prognosekraft" der "Wirtschaftsweisen" würde es wohl gut tun. 😉

Wer sich für diese spannenden und wichtigen Themen der Systemtheorie interessiert, die viel mit dem Aktienmarkt und der Markttechnik zu tun haben, findet hier in der Wikipedia zu -> komplexen adaptiven Systemen <- ein paar Begriffe, um bei der Recherche weiter zu verzweigen.

Wir haben also die Wahl. Wir können auf diesen kleinen Edge, den uns die Markttechnik gewähren kann verzichten, oder wir können diesen zu unserem Wohl nutzen, wohl wissend, dass damit nie Sicherheiten verbunden sind.

Welche Entscheidung wir hier bei Mr-Market treffen, dürfte klar sein. Es ist der pragmatische Weg, nach dem alles gut ist was hilft und funktioniert. 😉

Um den Punkt wieder mit einer Metapher zu machen, ein guter, erfahrener Markttechniker ist wie ein alter Bauer, der morgens aus seiner Kate heraus tritt, schnuppert, das Gras anfasst, um sich schaut und dann ein erstaunlich gutes Szenario für den weiteren Wetterverlauf des Tages hat.

Nur eine in ein paar Stunden eintreffende Gewitterfront, die noch hinter den Bergen verborgen nicht sichtbar ist, kann auch der Bauer nicht antizipieren. Wie denn auch, darum geht es doch auch gar nicht. Trotzdem verschafft dieser von Mustern geprägte Wetter-Instinkt dem Bauern einen Vorteil, den er zum Wohl seiner Familie und seiner Arbeit nutzen gelernt hat.

Ihr Hari

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Best Dressed Liste 2016 / 2017



Schon letzten Sommer hat unser Mitglied "Pasolini" den Mut gehabt, sich in -> Eine passive Investmentstrategie für Anleger mit wenig Zeit <- mit einem eigenen Beitrag vorzuwagen und heute legt er dankenswerterweise nach.

Ich möchte das zum Anlass nehmen, dieses Engagement nicht nur besonders zu loben, sondern auch alle daran zu erinnern, dass es zwischen einer regelmässigen Kolumne und dem Schreiben nur im Forum, bei ausführlicheren Beiträgen eben auch den Mittelweg und die Chance gibt, seine Gedanken wie hier Pasolini als einzelnen Artikel zu veröffentlichen. Bestimmte grundsätzliche Dinge, gehen im schnellebigen Forum eben zu schnell unter, denken Sie also auch an diese Möglichkeit und kontaktieren Sie mich dann per Mail, wenn Sie etwas haben, das eines Artikels wert ist.

Nochmals Danke an Pasolini und nun überlasse ich ihm das Wort:

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In diesem Beitrag geht es nicht um Mode und Models und auch nicht um eine Liste der bestangezogenen Männer und Frauen des vergangenen Jahres. Vielmehr hat mich die Best Dressed List von Peter L. Brandt auf die Idee gebracht, eine eigene Liste gelungener und nachvollziehbarer Trades der letzten 12 Monate anzulegen. Nun wäre es vermessen, mich in Bezug auf Expertise mit Peter Brand zu vergleichen, daher beginnt meine Liste ganz einfach mit nur 4 Trades.

Auch wenn Charttechnik als eine subjektive Disziplin wahrgenommen wird, gibt es Übereinstimmungen über die Form einiger grundlegender Chartmuster, ohne die eine Formationsanalyse nicht möglich wäre.

Die entscheidende Frage ist also, welchen Kriterien ein Chart genügen muss, um sich für die Liste zu qualifizieren. In Anlehnung an das KISS–Prinzip werden die Anforderungen auf 3 wesentliche Punkte reduziert:

  • Eine klar erkenn- und bestimmbare Formation, die sich über mindestens 12 Wochen (in Einzelfällen mindestens 8 Wochen) entwickelt,
  • Ein deutlicher Ausbruch aus der Struktur, der sich direkt fortsetzt. Wird der erste Ausbruchsversuch abgewiesen, kommt ein möglicher Zweitausbruch ins Spiel,
  • Ein neuer Trend, der in Ausbruchsrichtung verläuft und einen Preisfortschritt von mindestens 10 – 20 % im Verlaufe weniger Tage oder Wochen erzielt.

Am Anfang meiner Liste stehen 4 Werte, die im Laufe der letzten 6 Monate eine Konsolidierung durchlaufen, dabei eine typische und häufig anzutreffende Formation ausgebildet und in der Folge einen neuen Aufwärtstrend begonnen haben.

Die ersten beiden Plätze nehmen Fielmann (FIE) und Kimberly-Clark (KMB) ein. Beides sind Konsumwerte, die ihre Langstreckentauglichkeit über Jahrzehnte unter Beweis gestellt haben. Und beide legen nach stärkeren Anstiegen (leicht zu erkennen am zunehmenden Abstand zur Mean Reversion Linie im Langfristchart) gerne eine Korrektur von 15 – 20 % aufs Parkett. Mit diesem Vorwissen kommen sie auf die Beobachtungsliste, sobald die Korrektur 15 % erreicht hat. Die Analyse der sich anschließenden Bodenbildungsphase führt dann zur Wahl eines geeigneten Einstiegszeitpunktes.

Bodenformation
FIE bildet über 9 ½ Wochen einen Boden aus, bei KMB sind es 12 Wochen. Ob man dieses Mus-ter als flachen oder sich rundenden Boden beschreibt, dürfte unerheblich sein, wichtig ist allein, es überhaupt als Bodenformation zu erkennen.

Einstiegsmöglichkeiten

  1. Der Einstieg auf Grundlage der Formationstechnik erfolgt bei FIE am 28.12.2016 (grüner Pfeil), bei KMB ist es der 24.1.2017 (ebenfalls grüner Pfeil).
  2. Ein Einstieg auf Grund des MACD Crossovers unterhalb der Nulllinie würde bei beiden Werten zu einem verfrühten Einstieg in der Anfangsphase der Bodenbildung führen (rote Pfeile) und wäre zudem ein Verstoß gegen die Anforderungen an die zeitliche Ausdehnung der Formation.
    So kann auch die Analyse ungeeigneter Signale zu einem Erkenntnisgewinn führen, indem sie fehlgeleitete Annahmen, Empfehlungen oder Vorgaben widerlegt.
  3. Ein Einstieg nach der Methodik des -> Candlestickforums <- ergibt sich bei einem Candlestick-Umkehrsignal und einem Schlusskurs über dem 8er EMA (das ist die T–Line [T = Trigger]). Bei FIE taucht dieses Signal am Nikolaustag auf (blauer Pfeil), bei KMB gibt es kein eindeutiges Signal dieser Art.
    Auch dieser Einstieg verstößt gegen die Anforderungen an den zeitlichen Rahmen der Formation, kann aber von versierten Tradern auf der Suche nach dem optimalen Einstiegszeitpunkt gewählt werden. Für den Fall, dass es schief geht, ist vorher ein Plan für den Ausstieg zu entwickeln.
    N.B. In diesem Falle geht es gut, denn im Chart von FIE ist sehr schön zu erkennen, wie sich der Kurs an den 8er EMA anschmiegt und zuerst unterhalb, nach dem Candlestick-Einstiegssignal dann oberhalb dieser Linie verläuft. Könnte aus dem Lehrbuch des Candlestickforums sein.

Ausstiegsmöglichkeiten

  1. Nach der Methodik des Candlestickforums erfolgt der Ausstieg bei einem oberen Umkehrsignal und einem Schlusskurs unterhalb des 8er EMA.
  2. Eine zweite Möglichkeit der Signalgebung bietet die bereits an anderer Stelle erwähnte 7-Wochen-Regel. Sie verwendet den MA 10 oder den MA 50 als Signalgeber für den Ausstieg. Ihr liegt die Beobachtung zu Grunde, dass viele Kurse eine Tendenz entwickeln, entweder dem MA 10 oder dem MA 50 zu folgen. Dazu beobachtet man, ob der Kurs nach dem Einstiegssignal in der Lage ist, sich 7 Wochen lang oberhalb des MA 10 zu halten.
    Schafft er das, wird der MA 10 zum Signalgeber für den Ausstieg. Dabei ist ein einmaliges Abtauchen unter dem MA zu ignorieren [“porosity”], erst ein Schlusskurs am folgenden Tage unter der Intraday Low des Vortages gibt das Signal zum Ausstieg. Schafft der Kurs es nicht, sich nach dem Einstieg über dem MA 10 zu halten, sondern fällt auf den MA 50 zurück, wird diese Linie fortan zum Signalgeber bei Anwendung der 7-Wochen-Regel.
  3. Natürlich kann man auf der Grundlage eigener Beobachtungen auch andere Signalgeber für den Ausstieg verwenden, z.B. den EMA 20, muss dann aber auch regelbasiert handeln.

Exkurs
Sowohl FIE als auch KMB eignen sich auch als Langfristinvestments (die man bei den beschriebenen Korrekturen aufstockt), denn sie haben bei den größten Abstürzen der letzten zwanzig Jahre nur etwa halb so stark korrigiert wie der Gesamtmarkt und auch ihr altes Hoch in weniger als der halben Zeit wieder erreicht. KMB zählt zudem zu den Dividendenaristokraten und hat 42 Jahre in Folge seine Dividende erhöht. Und das könnte auch längere Zeit noch so weitergehen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Produkte des Unternehmens in absehbarer Zeit durch eine App oder eine cloudbasierte Lösung ersetzt werden können.

Der dritte Wert auf meiner Liste ist Patrizia Immobilien (P1Z). Hier hat der Markt auf den Wechsel des Geschäftsmodells mit einem Kursrückgang von fast 50 % reagiert. Allerdings befindet sich der Wert bei langfristiger Betrachtung immer noch im Aufwärtstrend. Und da sich Patrizia durch das neue Geschäftsmodell von einem kleinen Immobilienunternehmen in einen der Marktführer für Immobilien-Asset-Management verwandelt, bestehen gute Chancen auf eine Fortführung des Aufwärtstrends.

Was bei FIE und KMB über Bodenbildung und Einstiegssignale gesagt wurde, gilt auch hier. Die besondere Herausforderung bei diesem Chart besteht darin, die “richtige” Ausdehnung der Bodenformation zu finden.

Wählt man die tiefer liegende Linie, steigt man zu früh ein (erster grüner Pfeil) und muss 6 ⅟₂ Wochen auf den Zweitausbruch warten. Das kann man vermeiden, indem man sich an die 12-Wochen–Vorgabe hält. Und tatsächlich lässt sich der zweite Ausbruch 13 Wochen Zeit.

Wählt man die höher liegende Linie, steigt man formationstechnisch “richtig”, aber etwas spät ein (dritter grüner Pfeil). Auf Grund des starken Volumenschubes am Vortag (Pocket Pivot) besteht auch hier eine gute Einstiegsgelegenheit (mittlerer grüner Pfeil).

Die beste Einstiegsmöglichkeit nach der Candlestick-Methode bietet sich mit der Ausbildung des Morning Star Signals und des Schlusskurses oberhalb des 8er EMA am 8.2. (blauer Pfeil).

Für den Ausstieg kann man eine der o.g. Möglichkeiten wählen; wenn man der Entfaltung des neuen Geschäftsmodells eine Chance einräumen will, gib man dem Kurs mehr Raum und setzt auf längerfristige gleitende Durchschnitte oder Trendlinien.

Bei dem vierten Wert handelt es sich um Jenoptik (JEN), einen auf verschiedenen Feldern tätigen Technologiekonzern, der Mitglied des TecDAX ist.

Der Aktienkurs des Unternehmens schraubt sich seit Jahren in einer steten Abfolge der vier Stufen des Aktienmarktes: Accumulation – Markup – Distribution – Markdown (Capitulation) in die Höhe.

Im zweiten der beiden folgenden Charts habe ich das für den Zeitraum 2012 – 2014 exemplarisch demonstriert. Dieses Muster setzt sich in den beiden folgenden Jahren in komprimierter Form fort.

Zwischen September 2016 und Mitte Januar 2017 bildet JEN eine mustergültige Boden-formation aus, die den drei zuvor gezeigten Mustern in nichts nachsteht.

Das klassische Einstiegssignal erfolgt beim Ausbruch aus der Formation am 20.1.2017 (rechter grüner Pfeil). Auf Grund des starken ersten Volumenschubes am Vortag kann auch hier ein Einstieg in Betracht gezogen werden (linker grüner Pfeil).

Pasolini

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Mehr kurze Antworten



Im Artikel -> Was würde Sie interessieren <- hatte ich nach Themen gefragt, die Sie interessieren bzw bei denen Sie sich von mir einen ausführlichen Beitrag wünschen.

Mittlerweile sind einige dazu gekommen. Ich nutze diesen Artikel erneut, um einige Fragen gebündelt zu beantworten. Längere Themen nehme ich mir dann bis Weihnachten Zug um Zug vor.

Dark Pools

Ich weiss kaum etwas über Dark Pools, z.B. Umsätze im Vergleich zu Börsenumsätzen, eventuelle Beeinflussung von Börsenkursen, usw.

Ich bin eher ein Gegner, weil ich es für unzulässig halte, dass grosse Transaktionen vor den Augen anderer verborgen werden können.

Ich habe da eine sehr harte Sicht die sagt: Alles an zentrale Börsen und die wiederum sind zu verpflichten, jedem den gleichen Marktzugang zu gewähren.

Hier ein Artikel von mir in der Wirtschaftswoche von 2013: -> Das Kreuz mit den Dark Pools <-

Hier ein Kommentar von mir von 2014 mit diversen Links: -> Dark Pools und schädliche Marktfragmentierung <-

Hier ein Artikel der Welt von 2015: -> Die dunkle Nebenwelt der Aktienmärkte <-

Ich hatte dazu 2014 auch ein Interview bei Plusminus, leider ist es aus der Mediathek der ARD verschwunden. Hier ist aber der Ablauf als "Drehbuch"-> Plusminus zu Dark Pools <-

Und hier ein Forum zu dieser (meiner) Plusminus Sendung: -> Börsenforum <-

REITs

Ich weiß jetzt nicht, ob das überhaupt einen Artikel Wert ist und ich habe bisher erst oberflächlich etwas zu dem Thema gelesen, aber mich würde ein Artikel zum Thema Upgrade der REITs von einer Industry Group zu einem Sektor interessieren.

Ich kann dazu nichts Intelligentes beitragen, weil ich mich für REITs nie sehr interessiert habe. Das ist keine negative Aussage dazu, sondern die schlichte Folge davon, dass man sich nicht für alles interessieren kann. Hier müssen also andere in der Community übernehmen.

Währungsabsicherung

Ich bin in US Werte investiert und daher auf der Suche nach einer einfachen Möglichkeit mich gegenüber Währungsschwankungen abzusichern. Ein Fremdwährungskonto habe ich nicht. Die Währung möchte ich auch nicht direkt kaufen.

Konkret: Ich gehe im Beispiel davon aus, dass der USD gegenüber dem EUR steigen wird. Wie könnte hier eine langfristige (mehr als 1 Jahr) Absicherung (über ein KO Produkt) aussehen bzw. was sollte man beachten.

Meine Frage: Währungsabsicherung (mit Knockouts)

Die Frage wirft selber viele offene Fragen auf und bedarf einiger Grundlagen. Kurz, sie ist so nicht zu beantworten. Sagen wir es mal so:

Ich nutze für so etwas keine Derivate und weiss nicht mal, wie Knockouts funktionieren. (Ja ich weiss es schon, es hat mich praktisch aber nie interessiert)

Ich bin zu Währungsthemen am Devisenmarkt (FX) unterwegs und handele die Währungspaare direkt. Vielleicht solltest Du mal erklären, warum Du "die Währung nicht direkt kaufen" willst, dafür dann aber genau das Gleiche im Mantel eines Derivates, an dem noch andere mitverdienen?

Ìch sehe bei den Derivaten vor allem Nachteile und Kosten, für die es keinen Grund gibt, wenn man zum Beispiel EURUSD direkt long/short gehen kann - einen brauchbaren Broker voraus gesetzt, aber der ist so oder so muss.

Übrigens, warum willst Du Dich überhaupt absichern, wenn der USD zum EUR steigen wird? Das ist doch eine coole Sache für einen Euro-Anleger. Kaufe eine in USD notierende Aktie und kassiere den Währungsgewinn im Kurs ein.

Absicherung als Euro-Anleger macht Sinn, wenn man US Aktien hat und der Euro zum Dollar steigt. Denn dann fallen nominal die Eurokurse der US-Aktien. Dazu muss man dann den Dollar zum Euro "verkaufen", also am Euroanstieg mitverdienen, um das auszugleichen.

Um eine Währungsbewegung "auszugleichen", muss man also technisch gesehen immer an der Bewegung mitverdienen.

Wenn überhaupt als Derivat, würde ich dafür einen "Plain-Vanilla" Optionsschein, also einen EURUSD Call - nehmen, so einfach und standardisiert wie möglich. Dazu multiplizierst Du den Wert des Optionssscheins mit dem Omega und Du bekommst Pi-mal-Daumen die Summe, die Du damit absicherst.

Je komplexer ein Derivat, desto mehr verdienen in der Regel die Finanz-Mathematiker des Emittenten am Anleger. Denn in Komplexität lässt sich Marge verstecken.

Überblick Charttechnik

Ich fände eine Zusammenfassung über die Charttechnik und dortige Strukturen interessant.
Also wann wird eine Marke zum Widerstand oder zur Unterstützung, welche "Kerzenarten" gibt es und was sagen diese aus, was sagt das in letzter Zeit viel geschriebene "V" aus, wie spielt das Volumen da hinein.
Natürlich suche ich mir Erklärungen dazu auch auf anderen Webseiten zusammen, aber ein Artikel im "Hari-Style" hätte natürlich etwas 🙂
Wenn ich einen Chart bei dir sehe macht das alles Sinn, wenn ich dann selber bei "meiner" Aktie das versuche, bin ich mir nicht sicher ob alles richtig gesetzt ist.

Verstehe ich, wäre aber ein Buch und kein Artikel. Und ein Buch über Charttechnik und Muster, will ich nicht schreiben, das haben andere schon getan.

Frage nach einem einzelnen, konkreten Szenario. Zum Beispiel: "Wie entsteht ein Widerstand und/oder eine Unterstützung. Ist das nur eine Linie im Chart, oder ist da mehr dahinter?

Dann wird die Antwort immer noch ein Artikel sein, die kann ich dann aber in akzeptabler Zeit geben. Die Gesamtübersicht nicht.

Stop-Limits geheim?

Sind eigentlich meine Stop-Limits, bzw. Take-Profit-Limits geheim?

Es ist mir bestimmt nicht zum ersten mal passiert, dass ein Underlaying meinen Stop-Kurs um 1,5 Punkte gerissen hat und danach sofort wieder gestiegen ist. Das ist natürlich sehr ärgerlich, weil der Sinn des Stop-Kurses - Wieder zu einem besseren Preis einzusteigen - dann natürlich nicht mehr funktioniert.

Kann es sein, dass die Broker, die ja sämtliche Limits kennen, kurzfristig die Kurse über/unter eine Marke drücken um die armen Kleinspekulanten aus dem Markt zu schießen.

Ich werde das Gefühl einfach nicht los, dass ich beobachtet werde. Am liebsten würde ich gar keine Limits eingeben, um nicht transparent zu sein. Natürlich mach ich das nicht, ich bin ja nicht lebensmüde.

Nein sind sie nicht. Und ja, Marktteilnehmer mit besserem Marktzugang, können davon profitieren und Dir sozusagen "in die Karten schauen".

Was das konkret heisst, hängt aber vom Einzelfall ab. Zunächst einmal ist Dir vielleicht nicht einmal klar, wo diese überhaupt stehen. Denn dass Du ein Stop-Loss-Limit eingibst, heisst noch lange nicht, dass es an die Börse geht, vielleicht hält es auch der Broker in seinem System und macht automatisch eine normale Börsenorder daraus, wenn das Limit erreicht ist.

Der Möglichkeiten sind viele. Immer aber, können die, die die Limits abwickeln, diese auch sehen.

Wenn nun eine Grossbank mit eigener Direktbank hundertausende Kunden hat, die in ihren Systemen handeln, sind die Daten derer Markthandlungen, ihrer Absicherung und ihrer Kaufaufträge, mit Sicherheit Gold wert, um damit im Sinne "Frontrunning" im Eigenhandel Geld zu machen, bzw diese Daten in die eigenen Algorithmen einzupflegen. Wer will das überprüfen?

Auch wenn ein Market-Maker die Kurse stellt, legst Du Deine Hände unter den Prellbock, wenn Du dem ein Limit gibst. Der kann dann nämlich entscheiden, wann er Deine Order abwickelt und aus der Entscheidung eine kleine Zusatzmarge generieren. Dabei geht es ja oft nur um wenige Sekunden, die mal schnell ein Prozent mehr oder weniger ausmachen.

Es gibt also zum Thema "Stops abfischen" tausend Möglichkeiten und tausend Varianten. Einige sind illegal, andere halblegal, wieder andere legal. Das kann man hier alles nicht betrachten.

Klar ist aber:

(1) Der einzelne Stop des Kleinanlegers interessiert eher nicht. Die Statistik über die Stops der Kleinanleger als Masse, aber sehr wohl viele grosse Markteilnehmer!
(2) Der sicherste Stop ist der, den man selber im Kopf hat und ausführt, wenn man die Zeit und Präsenz dazu hat.
(3) Der zweitsicherste Stop ist der, den der seriöse Broker ohne Eigenhandel (wie IB oder Saxo) in seinen eigenen Systemen hält und für den Kunden als normale Order an der Börse ausführt, sobald der Stop gerissen ist.
(4) Der unsicherste Stop ist der, der an öffentliche Stellen wie die Börse geht. Den kann prinzipiell jeder sehen, dem die Börse kostenpflichtig Zugang zu den Daten gibt. Ob und zu welchem Preis das passiert, lasse ich offen, weil ich es schlicht nicht weiss. Aber der Vorteil ist so immens, dass ich nach Lebenserfahrung davon ausgehen muss, dass er "monetarisiert" wird.

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 06.09.15 – 12.09.15

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Hari Live - Archiv 06.09.15 - 12.09.15

Freitag 11.09.15 17:00 - Gespannte Ruhe

So liebe Mitglieder, lassen wir es heute mal ohne viele weitere Worte gut sein. Eine gespannte Ruhe liegt über den Märkten, wie ich das heute früh schon antizipiert habe. Und die Märkte machen nicht den Eindruck. als ob sich das heute noch gross ändern wird.

Nächste Woche steht dann völlig unter dem Zeichen des Wartens auf die FED, in der FuW findet sich heute ein guter, lesenswerter Kommentar zur Grosswetterlage: -> Gefährliche Entscheidung <-

Auch wenn Sie diesen Kommentar lesen, springt geradezu ins Auge, dass eine Doppelstrategie vielleicht der Königsweg ist. Also das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen und am Ende ein klein wenig Peitsche und ganz viel Zuckerbrot zu verteilen. Ich bin gespannt, ob mein Bauchgefühl hier zutreffen wird. Mehr als ein Bauchgefühl ist es aber nicht.

Der S&P500 hat nun auch ein beeindruckendes Dreieck ausgebildet, das auf klarste Art und Weise signalisiert:
"Da passiert bald was. Und zwar etwas ganz Massives!"

S&P500 11.09.15

Und wenn man sich diese Struktur so anschaut muss man sagen, eher zunächst nach unten, als nach oben. Aber eben wohl noch nicht heute und alles Weitere, müssen wir dann nächste Woche Tag für Tag demütig hinnehmen. Das grosse Bild habe ich ja erst heute früh wieder ausführlich gezeichnet.

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Hari Live – Archiv 14.09.14 – 20.09.14

Premium gross

Hari Live - Archiv 14.09.14 - 20.09.14

Freitag 19.09.14 17:20 - S&P500 und Wochenabschluss

So liebe Mitglieder, am Ende einer Woche, die mir und hoffentlich auch Ihnen schöne Gewinne gebracht hat, noch ein Blick auf den S&P500:

S&P500 19.09.14

Dessen Ausbruch sieht bisher valide aus. Nach dem auch an der Wallstreet die OPEX ausgelaufen ist, kann man wie heute beim DAX von leichten Gewinnmitnahmen zum Wochenende ausgehen, die den S&P500 vielleicht wieder auf 2010 drücken.

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Die Dividende – überschätzt, overhyped, missverstanden – und trotzdem wichtig !

Schaut man auf das Meinungsbild vieler normaler Anleger, wie es in Äusserungen in Blogs, Foren und Medienkommentaren der Finanzpresse zu finden ist, kann man ein immer wiederkehrendes Meinungs-Muster finden, von dem natürlich viele in der Finanzindustrie gut leben und dieses Muster daher medial hegen und pflegen.

Den unerfahrenen Anleger erkennt man unter anderem an dem folgenden Erfolgsmantra :

1. Fundamentaldaten sind das alleine Entscheidende und dafür „analysiert“ man brav öffentliche Bilanz-Daten wie KGV und KBV. Markt- und Chart-Technik ist dagegen Kokolores und unseriös, hart an der Grenze zur Kaffeesatzleserei.

2. Eine „Value-Strategie“ - oder zumindest das, was diese Anleger sich darunter vorstellen - ist die alleine selig machende Methode, weil Warren Buffett macht es ja auch so.

3. „Gefallene Engel“ – ehemals erfolgreiche und nun abgestürzte Bluechips – sind die Aktien, die die heftigsten Kaufreflexe auslösen. Weil da muss ja „Value“ darin liegen.

4. Erste Verlustpositionen werden zu „Investitionen“, die man in weiter fallende Kurse hinein aufstockt. Schön, das man diese „Value-Anlagen“ noch billiger bekommt.

5. Und …. gute Aktien müssen Dividenden zahlen. Und Aktien mit hoher Dividende muss man unbedingt haben.

Erfahrene Anleger werden jetzt schmunzeln. 😉 Aber zu den ersten vier grossen Missverständnissen, will ich heute gar nichts schreiben. Die Mitglieder dieses Blogs kennen diese Themen sowieso und auch im freien Bereich, habe ich einige der Aspekte – Stichwort „Honigfalle“ - schon adressiert.

Aber heute will ich mich mal dem 5. Punkt zuwenden, den vermeintlich so wichtigen Dividenden.

Um das Fazit vorweg zu nehmen:

Dividenden werden vielfach missverstanden und in ihrer Bedeutung gnadenlos überschätzt. Aber trotzdem generiert eine Anlage in dividendenstarke Aktien am Ende für den durchschnittlichen Anleger gute Resulte. Allerdings aus ganz anderen Gründen, als in der Regel geglaubt wird. Es wird bei Dividenden sozusagen oft das Richtige, aus den falschen Gründen getan.

Um das zu verstehen, muss ich Stück für Stück mit Ihnen durch das durchgehen, was Dividenden sind – und was eben nicht. Ich versuche einfach ganz rational die Fakten aufzulisten, aus denen Sie Ihre Schlüsse ziehen können.

(1)
Dividenden sind keine Zinsen und kein Zinsersatz. Dividenden sind ausgeschüttete Unternehmensgewinne, die auf der Ebene des Unternehmens schon mit (im deutschen Fall) Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer versteuert wurden – um dann bei Ausschüttung auf Ebene des Anlegers noch einmal mit Abgeltungssteuer versteuert zu werden.

(2)
Eine Dividendenausschüttung verschafft dem Anleger perse keinen Vorteil gegenüber der Situation, in der der Cash im Unternehmen verbleibt und nicht ausgeschüttet wird. Denn genau in der Höhe der Ausschüttung, verringert sich sofort an der Börse der Kurs, der den Börsenwert darstellt. Ist doch auch klar, wenn ein Unternehmen zb 100 Millionen € an versteuertem Gewinn ausschüttet, haben die Anleger nach Abgeltungssteuer 73,625 Millionen € mehr auf dem Konto. Das Unternehmen ist aber 100 Millionen weniger an der Börse wert. Die Differenz von 26,375% ist die Steuer auf Anlegerebene. In Summe auf den ersten Blick keine besonders attraktive Transaktion für den Anleger.

(3)
Nimmt man an, dass der durchschnittliche Anleger mit seinen eigenen Anlagen im Mittel eine Rendite von x % per annum erzielt – hier nehmen wir mal beispielhaft 5% p.a. an – ist eine Ausschüttung als Dividende also nur dann von unmittelbarem Vorteil für den Anleger, wenn das Unternehmen weniger als 5% Rendite auf das im Unternehmen eingesetzte Kapital erzielt. Genau genommen ist die Hürde sogar noch geringer, weil ja die Steuerbelastung der Ausschüttung, die im Unternehmen notwendige Vergleichs-Rendite auf unter 4% drückt.

Ich wiederhole also, weil es so wichtig ist: nur wenn das Unternehmen mit dem in ihm verbleibenden Kapital eine geringere Rendite erzielt, als es der Anleger mit seiner sonstigen Geldanlage selber kann, ist die Ausschüttung für den Anleger unmittelbar wirtschaftlich ein Vorteil. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Unternehmen so „in Geld schwimmen“, dass zu befürchten ist, dass das Management dieses freie Kapital für irgendwelche überteuerten Übernahmen verjubelt. Dann ist eine Ausschüttung an den Anleger bestimmt besser, als das Kapital im Unternehmen zu verschwenden.

(4)
Umgedreht aber, wenn ein Unternehmen extrem wächst und daher sehr hohe Kapitalrenditen erzielt, aber auch hohe Kredite benötigt, um sein Wachstum zu finanzieren, wäre eine Ausschüttung völliger Blödsinn. Wozu soll der Anleger auch Kapital aus dem Unternehmen nehmen wollen, dass im Unternehmen mit 20% und mehr „verzinst“ wird ?

Genau deswegen zahlen stark wachsende Unternehmen mit grossen Kurssteigerungen eher selten Dividenden. Dividenden kommen dann auf das Tablett, wenn die Unternehmen nicht mehr genügend sinnvolle Ideen für ihr überschiessendes Kapital haben. Es sind also eher die alten, träge werdenden Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Nehmen Sie Apple als Beispiel. Bis vor kurzem wuchs das Unternehmen und wuchs und wuchs. Und nie wurde eine Dividende gezahlt. Dafür hat sich der Kurs vervielfacht. Nun zahlt Apple eine Dividende, weil ihm scheinbar die Ideen ausgehen, was mit dem Kapital zu machen ist. Und nun frage ich Sie, welche Apple hat Ihrem Depot besser getan – die vor drei Jahren oder die Apple heute ?

(5)
Übrigens hat gerade der von den Dividenden-Jägern so geliebte Warren Buffett und sein Partner Charlie Munger bis zuletzt abgelehnt, trotz riesiger Liquiditäts-Berge bei Berkshire Hathaway Dividenden an die Anleger auszuschütten. Weil die beiden zu Recht argumentieren, dass sie mit dem Kapital bessere Renditen erzielen als die Anleger. Wenn Sie des englischen mächtig sind, lesen Sie zum Beispiel hier:
-> Why Buffet doesnt pay dividends <-

Oder lesen Sie einfach mal die alten Shareholders Letter von Buffett, die er jedes Jahr heraus gibt. Insbesondere den von diesem Jahr, in dem er das Thema explizit anspricht. Wie passt das mit dem in Deutschland vorhandenen Zerrbild vom „Dividendenliebhaber“ Buffett zusammen ? Buffett nimmt Dividenden ohne jede Frage gerne entgegen, bevor die Unternehmen damit „Kokolores“ anstellen. Das stimmt. Buffett kennt aber natürlich viel besser als wir alle, den im Gegensatz zur Dividende wirklich wichtigen Parameter – den „Cashflow“ – dazu aber unten mehr.

(6)
Gerne liest man dann immer wieder, dass ja fast die Hälfte der DAX Performance aus Dividenden stammt und das dieses der Beweis für die Bedeutung der Ausschüttungen sei. Mit Verlaub, was für eine Bauernfängerei und Verdrehung von Ursache und Wirkung ! Erstens einmal ist der DAX als Performance-Index sowieso eine Sondersituation, weil er Dividenden inkludiert. Andere Indizes wie der S&P500 führen diese nicht im Kursverlauf, ausgeschüttet bekommen die Anleger sie aber trotzdem.

Eher beweist der hohe Anteil an Dividenden am Kursverlauf des DAX also, wie wenig die Unternehmen über die Zeit ihren Wert steigern konnten oder mit anderen Worten, wie unbefriedigend sich der DAX entwickelt hat. Rechnen Sie mal auf den S&P500 noch die Dividenden drauf und erstellen Sie einen Performance-Index. Dann vergleichen Sie den neu konstruierten "S&P500 Performance Index" mit dem DAX in den letzten 10 Jahre - da werden sie aber über das Chart staunen ! Das ist aber gar nicht der wichtige Punkt.

Wichtig ist, dass wenn die DAX Unternehmen diese zb 3% pa nicht ausgeschüttet hätten, diese ja in den Unternehmen verblieben wären und „gearbeitet“ hätten. Und damit sind wir wieder bei der internen Rendite auf das eingesetzte Kapital, die bei vielen guten Unternehmen im DAX hervorragend ist. Am Ende würde der DAX also ohne Ausschüttungen wahrscheinlich viel, viel höher stehen als aktuell, eben weil die Unternehmen weit höhere Gewinne hätten und mit dem freien Kapital sinnvolle Investitionen getätigt hätten.

Einen DAX mit und ohne Dividende einfach so zu vergleichen, ist also ziemliche Bauernfängerei. Dann wäre das Management aller DAX Unternehmen völlig inkompetent, sinnvolle Renditen auf das Eigenkapital zu erzielen. Denn der Vergleich von DAX mit und ohne Dividenden unterstellt damit implizit, dass das ausgeschüttete Kapital unverzinst und ohne Rendite tot in den Unternehmen liegen würde.

So weit zunächst. Ich könnte noch mit einer Reihe von Aspekten weiter machen, das Thema ist noch viel umfangreicher. Und natürlich habe ich oben auch vieles stark vereinfacht, zum Beispiel die Rendite-Thematik. Würde ich es aber nicht tun, würde das hier eher ein Buch als ein Blogbeitrag. Deshalb höre ich nun mit den obigen „Appetizern“ auf, damit der Artikel nicht zu lang wird.

In Summe habe ich Ihnen dargestellt, warum Dividenden keineswegs perse wünschenswert sind und oft eher Ausdruck von wenig wachsenden Unternehmen sind, denen die Liquidität „zu den Ohren heraus kommt“. Das sind aber nicht gerade zwingend die Unternehmen, die ein Depot wirklich voran bringen – wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Die Telekomindustrie sollte diesen negativen Zusammenhang ja im letzten Jahrzehnt ausreichend bewiesen haben. Nirgendwo waren die Dividenden höher und was hat es den Anlegern gebracht ? Und ein DAX ohne Auschüttungen, hätte den Anlegern dagegen in Summe vielleicht weit höhere Depotstände erzeugt, als einer mit.

Und trotzdem kann eine Dividendenstrategie für normale Anleger brauchbare Ergebnisse erzielen. Und das liegt an einem „Seiteneffekt“ der Dividenden von dem, was wirklich wichtig bei der Unternehmensanalyse ist. Es liegt an der wichtigen Eigenschaft eines „guten“ Unternehmens, hinter der auch Warren Buffett immer hinter her ist. Und das ist ein starker, positiver Cashflow.

Ich kann den Begriff Cashflow hier jetzt nicht tiefer erläutern, das sprengt den Rahmen. Etwas pauschal und „populär“ formuliert, ist es die Fähigkeit des Unternehmens permanent hohe Einnahmen (Cash) zu generieren, die dann durch das Unternehmen fliessen (Flow) und dort arbeiten können. Ein hoher Cashflow ist also Zeichen eines Unternehmens mit starker Marktstellung, die zu permanenten hohen Einnahmen führt.

Solche Unternehmen sind tatsächlich „Buffett-Unternehmen“ und das zu Recht. Und zwar völlig unabhängig davon, ob diese Dividenden ausschütten oder nicht.

Aber umgedreht wird ein Schuh daraus. Um überhaupt Dividenden dauerhaft aussschütten zu können, brauchen die Unternehmen einen hohen Cashflow. Nur „gute“ Unternehmen mit hohem Cashflow können also überhaupt Dividenden ausschütten. Wobei die „guten“ Unternehmen wie eben Berkshire Hathaway mit immensem Cashflow, immer noch besser damit fahren, das Kapital im Unternehmen arbeiten zu lassen, statt es auszuschütten.

Mit einer Dividenden-Strategie selektiert der Anleger also indirekt die Unternehmen, die sich das überhaupt leisten können. Und die haben einen hohen Cashflow. Dabei sollte man weniger auf die Dividendenhöhe, als auf Dauerhaftigkeit und Verlässlichkeit der Dividende Wert legen. Denn von Unternehmen, die mehr ausschütten, als sie Cash generieren, sollte man sowieso die Finger lassen. Wenn unbedarfte Anleger von einer "Sonderdividende" hören und dann sofort zur Börse rennen um diese "mitzunehmen", offenbaren die Anleger damit nur, dass sie die Dividende nicht als das verstanden haben, was sie ist und diese mit einer Zinszahlung gleichsetzen. Diesen Irrglauben konsequent weiter gedacht, wäre es dann ja das Tollste, wenn sich Apple jetzt hypothetisch selber auflöst, alle Patente, alle Produktions- und Entwicklungsstätten an Samsung, Google und Co. verkauft und dann eine gigantische "Sonderdividende" ausschüttet. Die Dividende ist dann ja toll, nur leider der Kurs danach Null und am Ende hat der Anleger eher Depot-Wert verloren, als gewonnen. Wer Sonderdividenden hinterher jagt, hat das offensichtlich nicht verstanden.

Und nur aufgrund dieses Seiteneffektes des Cashflows, erzielen Dividenden-Strategien gute Ergebnisse, weil sie Unternehmen eines bestimmten Typus selektieren. Denn den wirklich wichtigen Cashflow zu berechnen und zu verstehen, überfordert die Fähigkeiten der allermeisten Anleger und erfordert auch sich wirklich im Detail im Unternehmen zu bewegen, wie das ein Buffet tut. Insofern ist die Dividende eine sinnvolle Annäherung an das, was wirklich wichtig ist. Genau genommen liebt Buffett deshalb Dividenden auch nicht, er liebt Cashflow über alles ! Man erkennt Unternehmen mit starkem Cashflow aber eben auch an einer guten, dauerhaften Dividende. So herum wird ein Schuh daraus !

Bleibt noch die Frage offen, warum so viele gute Unternehmen dann Dividenden ausschütten. Die Antwort ist ganz einfach: weil es die Anleger wollen, nicht weil es zwingend sinnvoll ist. Und "die Anleger" sind dabei gar nicht mal nur die privaten Anleger, sondern gerade auch die grossen institutionellen Adressen, um die bemühen sich die Aktienunternehmen nämlich besonders, die wollen sie alle als Aktionäre haben.

Nun verstehen die institutionellen Anleger die obigen Zusammenhänge natürlich sehr gut. Warum wollen sie dann trotzdem unbedingt Dividenden ? Auch ganz einfach, weil die in der Regel nicht das eigene Geld, sondern das Geld Dritter verwalten. Hier agieren Angestellte - nicht Inhaber - im Namen ihrer Auftraggeber. Es handelt sich ja um Family Offices, Stiftungen usw - you name it. Und die alle, die Anleger die den Institutionellen das Geld in die Fonds legen, wollen regelmässige Einnahmen sehen. Zum Beispiel weil sie davon leben. Und deshalb machen es sich auch die Fonds einfach und selektieren Unternehmen mit Dividendenzahlung, worauf sich auch die Unternehmen anpassen und Dividenden ausschütten, um genau diese Anleger bei Stange zu halten. Es handelt sich also um eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.

Nur jemand mit dem Rückrat und der Reputation von Warren Buffett kann sich diesem Druck entziehen, er ist ja auch nicht wirklich Angestellter von Berkshire Hathaway, sondern eher Hauptaktionär. Und deshalb zahlt Berkshire keine Dividende. Und viele institutionelle Fonds haben deshalb den Großmeister der Wertsteigerung nicht in ihren Depots, weil ihre Vorschriften ihnen vorgeben, nur in Dividendentitel zu investieren. Selbst schuld, kann ich da nur sagen. 😉

Fassen wir also zusammen:

Eine Dividendenstrategie ist keineswegs die „Königsklasse“ der Geldanlage. Es ist eher die Durchschnittsklasse. Denn ausgezahlte Dividenden sind für den Anleger immer noch besser, als wenn das Management das Kapital für Sinnloses verpulvert oder sich selbst mit Boni in den Rachen schiebt. Sie sind aber schlechter und verhindern eher Rendite im Anleger-Depot, bei Unternehmen, die tatsächlich mit ihren Investitionen eine höhere Rendite als der Anleger erzielen. Wie Buffetts Berkshire Hathaway. Ganz abgesehen davon, dass im Unternehmen verbleibende Gewinne, einer temporären Steuerstundung beim Anleger gleich kommen. Und Steuern wollen wir doch alle sparen, oder ? 😉

Aber zumindest kann man mit einer Dividendenstrategie nicht so schnell komplett daneben liegen. Und auch das ist ein Wert. Und deshalb macht eine Dividendenstrategie für normale Anleger Sinn. Überschätzt und „overhyped“ ist sie aber vor allem in Deutschland trotzdem. Die Dividende vermittelt halt emotional vermeintliche Sicherheit und das verschafft ihr Popularität. Und Sicherheit suchen deutsche Anleger besonders intensiv, obwohl die Börse eher der falsche Ort ist, um mit diesem Kriterium auf Suche zu gehen. 😉

Mit meinem eigenen Geld agiere ich selber entlang der oben beschriebenen Linien. In Sektoren und bei Aktien, die ich intensiv verfolge und auch gut kenne, ist die Frage ob eine Aktie Dividende ausschüttet oder nicht, völlig irrelevant. Und wenn überhaupt, ist das bei zu hohen Ausschüttungen eher Anlass, meine Augenbraue kritisch zu heben und mich zu fragen, warum dem Management eigentlich keine sinnvolleren Investitionsmöglichkeiten einfallen, als alles an den Anleger auszukehren. Bei Aktien und Sektoren aber, wo mir die Kompetenz und das tiefere Verständnis vom Geschäftsmodell fehlt - wie zum Beispiel wenn ich in den Emerging Markets oder in Asien, also in anderen Kulturkreisen, unterwegs bin - greife ich gerne zur Dividende als Vorselektionskriterium. Denn das sind dann wenigstens Unternehmen, die sich eine Dividende "leisten können". Und damit bleibt man in der Regel von den allergrössten "Gurken" verschont.

Ich hoffe, ich konnte etwas Erhellendes zu Ihrem Marktverständnis beitragen.

Ihr Hari.

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Politische Börsen haben kurze Beine

Heute nur ein ganz kurzer Hinweis:

Politische Börsen haben kurze Beine. Das ist so und wir haben aktuell durch Syrien eine politische Börse.

Während dieser Phasen der Verwirrung und Abhängigkeit von exogenen Nachrichten, werden die normalen Marktmechanismen temporär ausser Kraft gesetzt und durch andere Faktoren überlegt.

So aktuell die in solchen Phasen ganz typische Flucht in den Yen, Öl und Gold.

Ich warne davor, in solchen Phasen zu viel auf Charttechnik und Markttechnik zu geben und sich mit präzisen Marken auf die Kommastelle zu beschäftigen. Die falsche Nachricht im falschen Moment überrollt jede Trendlinie und jeden Widerstand.

Typisch ist aber auch, dass der Markt - nachdem die Unsicherheit des exogenen Events abflaut - wieder zu seinen alten Trends zurück kehrt. Insofern können nun profitable Trades genau an den Stellen entstehen, wo die alten Trends durch Syrien stark in die Gegenrichtung überlagert werden.

Wann der Markt wieder zu seinen alten Mustern zurück kehrt, kann Ihnen niemand sagen. Niemand weiss, ob aus einem begrenzten Militärschlag ein neues "Vietnam" wird, oder ob es bei einem begrenzten Konflikt bleibt. Aber es macht schon heute Sinn, sich die Trades zurecht zu legen, die man dann eingeht, wenn die Erleichterungsrally kommt.

Im Premium-Bereich habe ich heute genau zu diesem Thema eine längere Abhandlung geschrieben.

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