Wie die Endemann-Ebbe alle Boote senkt



Aus der Reihe "selbstgemachter Bockmist" habe ich heute eine kleine Erzählung für Sie, die aber trotzdem eine wichtige Botschaft enthält. Diese knüpft inhaltlich an den Artikel -> Du wirst Angst haben! <- an und würzt dessen Botschaft mit ein paar netten Anekdoten und Erlebnissen aus meinem Börsenleben.

Denn man kann am Markt eine Sache sehr richtig sehen und trotzdem das Falsche tun, oder in anderen Worten:
Zu früh ist auch nur ein anderes Wort für Falsch

Wir schreiben das Jahr 2000 und die Internet-Blase feiert an den Börsen fröhliche Urstände. Und mitten drin bin ich, der Ihnen bekannte "Hari", der damals schon Firmenchef eines grösseren Software-Unternehmens war.

Insofern war ich ja "Brancheninsider" und ich erinnere mich noch genau, wie ich mich damals immer wieder über den Wahn von Endemann!! lustig gemacht habe. Das war für mich offensichtlich eine nette Fassade mit ganz viel heisser Luft dahinter und ich weiss nicht mehr, wie oft und wie sarkastisch ich meine Gesprächspartner vor diesen "Geschäftsmodellen" gewarnt habe.

Hier noch ein paar Links zum Thema "Endemann!! geh Du voran" und "Endemann!! kauft Google". Das sollten Sie noch einmal lesen, es ist einfach zu schön. 😉

-> Ende für Endemann <-

-> Endemann Quartalsberichtlein <-

-> Fast hätte Endemann Google gekauft <-

Mir war also damals ziemlich klar, dass wir es hier und bei vielen anderen hochgejazzten Geschäftsmodellen, mit einer massiven Übertreibung zu tun hatten und ich habe meine Finger damit nicht verbrannt.

Gleichzeitig war ich ja schon seit Ende der 80er Jahre, seit über 10 Jahren aktiv im Markt unterwegs, wenn auch leider alles als Autodidakt - einen Online-Mentor wie diesen "Hari" hatte ich nicht. Und vor allem, ich hatte einen anstrengenden Job, war in den Jahren damals auf dem steilen Karrierepfad und hatte daher gerade mal die berühmte Stunde am Tag für Börse Zeit, die ja auch für viele von Ihnen nun das Thema ist.

Insofern war ich im Jahr 2000 für einen Privatanleger schon etwas erfahren und gleichzeitig Branchenexperte, der die Blase rund um Endemann!! und ähnliche Buden eindeutig sehen konnte. Da konnte doch nicht mehr viel schief gehen, oder?

Doch konnte es. 😉 Denn seit dem Ende der 80er Jahre - ich bin mehr oder weniger mit dem -> Schwarzen Montag 1987 <- zur Börse gekommen - gab es bis 2000 praktisch keinen einzigen harten Einbruch. Der einzige nennenswerte Event mit dem LTCM Crash 1998 wurde schnell wieder gekauft.

Nicht unähnlich wie es vielen heute gehen wird, die auch erst seit knapp 10 Jahren im Markt sind, hatte ich zwar von Baissen und Crashs gehört, aber nie selber eine erlebt und insofern konnte ich mir die Härte der Dinge auch nicht vorstellen. Nun, ich wurde ab 2000 aufgeklärt, wenn man so will, wurde ich da anlagetechnisch vom Jüngling zum Mann. 😉

Denn ich hatte als Branchenexperte nicht nur gesehen, was für ein aufgeblasener Luftballon Endemann und Co. waren, ich kannte auch viele grosse Softwarefirmen und war davon überzeugt, dass die in gar keiner Blase waren und erst am Anfang einer Erfolgsgeschichte.

Wie gesagt, hatte ich damals aber noch nicht viel Zeit für Börse und konnte daher auch nicht sinnvoll technisch geprägt handeln, sondern hatte Aktien primär nach fundamentaler Überzeugung im Depot, verknüpft mit ein bischen rudimentärem Risikomanagement auf der Ebene des Gesamtdepots - deshalb hatte ich ja 2000 auch schon allerlei verkauft.

So hatte ich damals Namen wie SAP, Adobe, Oracle, Microsoft und Co. im Depot und war von deren Substanz und Zukunftschancen überzeugt. Auf gut Deutsch, diese Aktien wollte ich nicht verkaufen!

Gleichzeitig war mir 2000 aber "mulmig", mein Instinkt war also schon da und ich habe wenigstens viele andere Sachen verkauft und so meine Risiken reduziert. Aber diese Software-Bluechips habe ich gehalten und ich kam ja aus der Branche, kannte deren Geschäfte, was sollte mir also passieren?

Wie schmerzhaft so ein Absturz sein kann, konnte ich mir nicht vorstellen, ich hatte ja noch nie einen wirklich erlebt. Tja ..... 😀

Ich hatte eben noch nicht das Wissen und die Erfahrung, die ich heute habe und wenn mir damals ein "Hari" einen Artikel wie -> Du wirst Angst haben! <- geschrieben hätte, wäre ich sicher konsistenter und disziplinierter auch bei diesen Werten raus gegangen. Aber hätte, wäre, Fahrradkette, ich war von meiner fundamentalen Sicht fest überzeugt. 😉

Bei Adobe beispielsweise ist es so wie unten gelaufen, ich weiss es noch wie gestern, weil ich mich so geärgert habe, vor allem weil es bald nach dem Ausstieg dann wieder hoch ging. 😉

Ich kann Ihnen nicht mehr den präzisen Aus- und Einstieg sagen, dazu müsste ich lange in alten Unterlagen forschen, aber ich weiss noch, dass ich erst bei mehr als 50% Minus raus bin und dann 2003 etwas tiefer wieder rein:

Das sieht ja nun nicht so schlimm aus, ist aber eine optische Täuschung wegen der logarithmischen Darstellung. Die echte, gefühlte Fallhöhe im Depot bringt die lineare Darstellung besser herüber, das war einfach *brutal*!

Beim Ausstieg hatte ich also bei Adobe, diesem Bluechip, schon über 50% von den Höchstständen verloren! Einfach weil ich fundamental so überzeugt war und mich damit lange gegen den Markt gestellt hatte. Heute würde mir das nicht mehr passieren, heute würde ich nicht mehr alleine wegen fundamentaler Erwägungen halten, sondern ganz hart mein Risikomanagement fahren.

Und das Perfide daran war ja, ich hatte ja trotzdem fundamental völlig Recht!

Ich war kein verblendeter Endemann-Jünger und ich hatte völlig Recht in meiner Einschätzung der Substanz und der Zukunftsentwicklung von Adobe. Ich hatte völlig recht und lag trotzdem falsch.

Denn mehr als 50% Verlust waren einfach zu viel und auch wenn man fundamental recht hat, zu früh ist eben nur ein anderes Wort für falsch.

Als es dann in 2003 wieder hoch ging, war ich schon klug genug solche Aktien wieder einzusammeln, im Saldo habe ich mich im Crash 2000-2002 auch gut geschlagen und sogar daraus einen kleineren Vorteil generiert, weil im Mittel tiefer wieder eingestiegen als ausgestiegen.

Aber wirklich richtig gut nach meinen heutigen Massstäben habe ich das nicht gemacht. Mir hat damals einfach diese Erfahrung gefehlt. Dank dieser Erfahrung und der Schlüsse die ich daraus gezogen habe, konnte ich dann 2008/2009 richtig profitieren. Ab März 2009 war ich praktisch mit dem Tief - ich weiss noch der DAX war noch knapp unter 3.800 als ich massiv eingestiegen bin - dann voll dabei und habe 2009/2010 richtig Gewinn "gescheffelt".

Aber 2000-2002 war trotz meiner fast idealen Voraussetzungen trotzdem noch "Lehrzeit" für mich, obwohl ich schon weit mehr als 10 Jahre im Markt und keineswegs unerfahren war.

Was lernen wir daraus? Ein Menge:

Erstens, senkt die Ebbe alle Boote - auch die Guten. Der Unterschied ist nur, die guten Boote steigen in der nächsten Flut wieder, die Endemanns saufen dagegen ab. Wir sollten also nie glauben, mit fundamentalen Argumenten stur Kurs halten zu können. Wie bei Adobe geht es - selbst wenn man am Ende Recht behält - stärker und tiefer runter, als man aushalten kann. Lieber also gleich frühzeitig ein sauberes Risikomanagement!

Zweitens, man kann am Markt fast alles richtig sehen und auch die richtigen Aktien haben und trotzdem Geld verlieren, weil einen das Affenhirn im falschen Moment überwältigt. Um das zu vermeiden, braucht es im Vorfeld eine klare, eindeutige Strategie, auf die man sich verpflichtet!

Drittens, ist zu früh nur ein anderes Wort für falsch. Auch für die besten Aktien, braucht man einen sinnvollen Einstiegspunkt und auch die beste Aktie, kann sich halbieren - jede Aktie kann das!

Viertens, geht erfolgreicher Börsenhandel nur über Erfahrung. Ich kann mit meinen Texten diesen Erfahrungs-Prozess beschleunigen und unterstützen, aber nicht ersetzen. Lassen Sie sich also Zeit und erwarten Sie nicht zu viel von sich. Die Börse lässt sich zu nichts zwingen und ein guter, erfolgreicher Trader/Anleger ist nicht jemand, der keine Fehler macht, sondern einer, der daraus lernt und das kostet Zeit!

So .... und wenn Sie sich diese Worte nun wirklich merken, dann haben Sie die Chance aufgrund der 20€ pro Monat die Sie hier bei Mr-Market lassen, dem nächsten 2.000er Event aus dem Weg zu gehen und gleich mit meiner 2008/2009er Performance zu beginnen. Was wäre ich im Nachhinein froh gewesen, mir hätte diese Wahrheit mal im Jahr 2000 jemand mit Macht ins Bewusstsein gepresst! 😉

Nun wissen Sie übrigens auch, warum ich so prägnant über diese Dinge schreiben kann: weil ich sie selber erlebt und durchlitten habe! Das ist der Unterschied zwischen einem Theoretiker und Praktiker, gerade im Trading ist der himmelweit!

Ihr Hari

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Vom Internet, von Wissenserwerb, Mr-Market und dem Prinzip des Buches



Dieses ist ein wichtiger Artikel, in dem es um die Grundprinzipien geht, warum Mr-Market so ist, wie es ist. Für alle Mitglieder - aber vor allem für neue Mitglieder - fast eine Pflichtlektüre!

Ich bin Jahrgang 1962 und daher noch in einer Zeit vor Computern und Internet aufgewachsen. Mit 18 war ich 1980 einer der ersten in Deutschland, die einen der ersten Heimcomputer besassen, mühsam erspart über Arbeiten bei einem Antiquitätenhandel, für den ich alte Möbel abgebeizt und oberflächlich "restauriert" habe. Wobei man sich darunter nichts Hochtrabendes vorstellen muss, es ging schlicht darum, die manchmal hundert Jahre alten Möbel von Generationen alter Farbe zu befreien und das ursprüngliche Holz hervor zu holen, sowie dieses durch Schleifen etwas aufzuarbeiten.

Der Vorgang hatte etwas Faszinierendes, weil dieses "Entblättern" wie eine Zeitmaschine in die Vergangenheit war. Man wusste nie, welche Farbe nun als Nächstes zum Vorschein kommen würde und vor allem hatte man das Gefühl noch die Menschen der 50er Jahre, der Nazizeit, der Weimarer Republik und des Kaiserreiches zu sehen, die diese Farbschichten aufgetragen hatten. Oft habe ich, während ich diese eher "langweiligen" Arbeiten machte, über deren Schicksal sinniert.

Der Computer, den ich mir so erarbeitet hatte, war ein -> Video Genie I <-, baugleich zu einem Tandy TRS-80 Level II, mit 16 KiloByte Speicher und einem Kasetten-Laufwerk (nicht Disketten) als Speichermedium, so eines, das man ansonsten damals zum Abspielen von Musik verwendet hat. Das war damals sensationell und ich weiss noch, dass meine Schule (Schulzentrum mit 1.500 Schülern) nur einen einzigen Computer hatte, einen "Wang" der weniger Speicher (8 KB) hatte und langsamer war als meiner. Stolz hatte einen Namen. 😉

Es dauerte von da fast 10 Jahre, bis sich professionelle Vorläufer des Internets wie -> Compuserve <- durchgesetzt hatten, in denen es dann erste gut besuchte Foren und Wissens-Datenbanken gab. Dann kam in den 90er Jahren das Internet mit Macht und löste diese proprietären Strukturen ab.

Ich erzähle das so ausführlich, weil ich damit in einer Zeit gross geworden bin, in der Wissenserwerb nur auf drei Arten möglich war:

Entweder man hörte einem Menschen zu, der erklärte. Dem Lehrer, dem Professor, dem Trainer, den Eltern oder dem erfahrenen Freund. Oder man las ein Buch oder las regelmässig ein Magazin.

Insbesondere wenn man ein Buch las, passierte dabei immer wieder etwas Erstaunliches. Sicher, man hatte sich das Buch gekauft, weil einen das Thema interessierte. Aber im Laufe des langen Buches, wurden eben auch immer wieder Themen angesprochen, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie nicht wusste!

Das Lesen im Buch, sorgte also für einen Wissenstransfer, der über das reine "ich will konkret XYZ verstehen" hinaus ging. Es vermittelte konzeptionelles Zusammenhangswissen.

Ganz ähnlich im Magazin. Man mochte bestimmte Artikelserien oder Kolumnen eben und deshalb las man sie. Und so nahm man immer wieder Wissen auf, nach dem man vorher nicht einmal fragen konnte. Und im Laufe der Zeit, etablierten sich durch die Wiederholung Denkstrukturen und die wahrgenommen Welt vergrössterte sich erheblich und zum eigenen Vorteil.

Wenn Sie heute den Eindruck haben sollten, dass ich über breites und fundiertes Wissen verfüge, nicht nur über die Märkte und Wirtschaft, sondern auch darüber hinaus, dann liegt das genau daran:

Ich war nie ein Spezialist mit Scheuklappen, der sich damit zufrieden gegeben hat, ein kleines Fachgebiet zu beherrschen. Mich hat immer die grosse unbekannte Weite zwischen den Wissensinseln interessiert, das Zusammenhangswissen eben, das so entscheidend ist, ob man eine Sache wirklich innerlich "begriffen" hat, oder nur auswendig gelernte Formeln "nachplappert", ohne deren Substanz wirklich zu erfassen.

Und dieses Wissen, haben mir neben eigenem Nachdenken und Beobachten, vor allem Menschen, Bücher und Magazine vermittelt. Auch später im Leben das Internet, aber eben nicht nur. Und damit sind wir endlich beim Punkt, den ich hier machen will.

Bewusst plakativ und zugespitzt gesagt: Das Internet macht doof.

Ich weiss, das ist bewusst übertrieben und gilt natürlich nur bei ausschliesslicher Nutzung und nur wenn man es nicht nutzt, um die vielen tiefgehenden Quellen anzusteuern, die das Internet ja auch bietet, sondern man nur von Schlagzeile zu Schlagzeile, von Aufreger zu Aufreger hüpft, wie das leider eine Mehrheit tut.

Also genau genommen macht nicht das Internet doof, das ist ein geniales Medium, sondern eine oberflächliche, rein reizgesteuerte Nutzung macht doof. Eine Nutzung, die aber im Klicki-Klacki-Internet gefördert wird.

Und diese Aussage kommt ja, wie sie oben sehen, bestimmt nicht von einem Technik-Verächter. Das Problem ist aber die Häppchen-Struktur und Reizüberflutung des Internets, in der man sich jede Frage gezielt beantworten lassen kann, das aber in der Regel nur oberflächlich.

Das ist ja für sich toll und ich nutze das auch wie ein Lexikon. Was aber, wenn Menschen nur noch auf diesem Wege sich Informationen beschaffen? Dann wird es fatal.

Denn wir Menschen neigen dazu, nur zu lesen, was wir sowieso gut finden und von dem wir wissen, dass wir dem zustimmen können. Und wenn man dann etwas wissen will, wird die kurze Wikipedia Erklärung angeschaut und man glaubt, nun wüsste man etwas, weil man ein paar Zeilen nachplappern kann. Wir suhlen uns also zu sehr im eigenen Saft, wenn wir nicht die Energie aufbringen, bewusst darüber hinaus in die unbekannten Weiten zu greifen.

Was aber in dieser Welt der freien Selektion der Informationen des Internets massiv fehlt, ist die unsichtbare Hand des Lehrers, des Buches, des Magazins, die einen an der Hand nimmt und einem auch die Dinge nahebringt, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass man danach fragen sollte!

Aber selbst wenn sie da ist, muss man sich darauf ja auch einlassen wollen und viele wollen das leider nicht mehr. Zu ihrem eigenen Schaden!

Ich möchte nicht wissen, wie viele potentielle Mitglieder davon abgeschreckt werden, dass hier "so viel Text" steht. Und genau das ist das Problem! Als ob die Welt so wäre, dass komplexe Probleme in 5 Sätzen abzuhandeln wären! Genau diese Erwartungen und Denkstrukturen sind das, was ich "das Internet macht doof" nenne.

Und so wissen viele junge Menschen, die nur noch mit dieser Art der Wissensvermittlung aufwachsen sind und nur gewohnt sind, sich gezielt "Häppchen" zusammen zu suchen, furchtbar viel, aber am Ende in Wirklichkeit gar nichts! Diese Menschen sind sozusagen voller Wissen und "doof" zugleich. Und wissen das noch nicht einmal.

Wie sollen sie denn auch, denn was total fehlt, ist das Zusammenhangswissen, das erst erlaubt, die Häppchen des Internets so einzusortieren, dass sie sich in ein sinnvolles Ganzes einfügen und so zu wirklich mehr fundiertem Wissen führen!

Damit kommen wir zu Mr-Market und seiner episodischen Struktur.

Denn wer an den Märkten erfolgreich sein will, muss ein Gefühl für diese entwickeln. Nehmen wir mal wieder das Wetter als Beispiel.

Sie alle kennen doch die oft die erstaunliche Prognosekraft von "Bauernregeln" und kennen auch immer wieder die Berichte alter, privater Wetterbeobachter, die im Keller jahrzehntelange Aufzeichnungen des Lokalwetters abgelegt haben und daraus erstaunlich präzise Vorhersagen schöpfen.

Wie machen die das? Eben nicht, in dem sie mal in der Wikipedia etwas zum Wetter nachlesen und nun denken, sie wüssten etwas. Sondern durch Beobachten, Beobachten, Beobachten. Und Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung.

Und so entsteht im Laufe der Zeit ein Zusammenhangs- und Erfahrungs-Wissen. Der Bauer hat es sozusagen schon in den "Knochen", wie das Wetter werden wird, einfach weil er ganz intensiv die Muster wieder erkennt.

Genau das passiert vielen von Ihnen auch hier bei Mr-Market, wenn Sie über lange Zeit meinen Beobachtungen des Marktes folgen. Viele der -> Testimonials der Leser <- adressieren genau diesen Effekt. Ich bin ganz sicher, viele treue Leser wissen instinktiv schon am Sonntag, was ich am Montag zum Markt schreiben werde. Machen sich aber gar nicht bewusst, dass genau das einen erheblichen und bedeutenden Wissenstransfer darstellt, der sozusagen unbemerkt stattgefunden hat. Einfach nur, weil man sich darauf eingelassen hat, zu folgen.

Denn wenn man sich noch an die Zeit vorher erinnern kann, war das oft nicht so. Man war damals noch hin- und hergerissen, las die klassischen Börsen-Berichte der Medien, die das Eine und das Andere sagten und am Ende nichts.

Was im Positiven diesen Leser passiert ist, ist dass sie über die Wiederholung und die tägliche Begleitung, ihre Denkstrukturen an das Auf- und Ab des Marktes angepasst haben. Und das geht nur, in dem man immer - jeden lieben Tag - liest. Und in dem man sich darauf einlässt, auch die Dinge zu lesen, für die man sich im ersten Moment nicht interessiert.

Das gilt übrigens auch für Mitglieder, die eher langfristiger Anlegen wollen. Auch in langfristiger Perspektive, ist es wichtig ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo der Markt steht. Und da es nicht praktikabel ist, dass ich nur einmal im Monat einen Artikel schreibe und da Wissenstransfer so auch nicht funktioniert - er braucht die Wiederholung - können auch diese Mitglieder davon profitieren mitzulesen.

Dieses zumal viele Techniken und Muster - nehmen wir nur mal die berühmte Schulter-Kopf-Formation SKS - sich auf der langfristigen Ebene genau so wieder finden, wie auf der kurzfristigen, nur der Massstab der Charts ist ein anderer, zum Beispiel Wochenkerzen versus Stundenkerzen. Sie können also auf der kurz- und mittelfristigen Zeitebene Techniken lernen und verstehen, die sie dann im Rahmen ihrer Strategie auf der langfristigen Ebene einsetzen.

Es ist dann aber eminent wichtig, gedanklich zwischen "verstehen" und "handeln" zu trennen. Also den Zeithorizont im Auge zu haben. Wer langfristig anlegen will, darf sich nicht von kurzfristig erwähnten Opportunitäten oder dem Hin- und Her des Marktes zu Handlungen verleiten lassen.

Die Fähigkeit und die Abstraktion, die Bewegungen des Marktes und das Geschehen in der Welt immer aufzunehmen und trotzdem in den Handlungen ruhig und bewusst zu agieren, müssen Sie sowieso erwerben, sonst werden Sie immer von den Märkten hin und her geworfen, ob mit oder ohne Mr-Market, ist dabei völlig egal. Die einzige Lösung wäre dann, sich völlig von den Medien frei zu machen und nur noch einmal im Monat zu schauen, was in der Welt passiert ist. Aber wer will und kann das schon?

Fazit:

Mr-Market hat mehr als genug Struktur und Ordnung, man muss sich aber darauf einlassen wollen. Mr-Market ist bewusst eher eine lange Magazin-Serie, an die man sich gewöhnt und der man konsequent jeden Tag und jede Woche folgt. So versuche ich hier das Wissen "nebenbei" zu vermitteln. Und weil das so ist, ist Mr-Market so episodisch. Ganz bewusst so episodisch.

Und genau deshalb ist es auch richtig, dass alle, die nicht mehr in der Lage oder Willens sind, längere Texte aufzunehmen oder ein Buch zu lesen, auch hier gar nicht erst Mitglied werden, es würde sowieso nichts bringen.

Bauen wir also unser Zusammenhangswissen auf. Und das bekommen wir nur, wenn wir uns in unserem Leben auch auf die Dinge einlassen, von denen wir gar nicht wissen, dass diese uns interessieren könnten!

Und wenn Sie einen Zugang zum Markt entwickeln wollen, dann helfen Ihnen auch keine einzelnen Artikel. Dann hilft Ihnen nur das Wiederkehrende, das ich Ihnen hier biete und das Denkstrukturen über den Markt im Laufe der Zeit verändert und so "en passant", ohne dass Sie es richtig merken, auch Wissen vermittelt. Wie beim Wetter, auch das kann man nur dann im Vorfeld erahnen, wenn man es vorher lange, lange intensiv beobachtet hat.

Mr-Market ist also ganz bewusst und gewollt so episodisch, wie der Blog ist. Es ist immer noch Ihre freie Entscheidung, ob Sie sich darauf einlassen wollen. Wenn nicht, müssen Sie sich aber auch nicht wundern, wenn Sie nicht das mitnehmen können, was Sie sich vielleicht davon erhoffen.

Ihr Hari

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NEIN ! Ich schreibe keinen Auftragsartikel, kein Advertorial und keine Schleichwerbung !

Sie werden jetzt als treue Mr-Market Leser denken, was dieser folgende Artikel in einem Finanzblog soll. Und Recht haben Sie ! Trotzdem muss ich diesen Artikel hier leider schreiben.

Denn ich erhalte nun permanent und in der Frequenz steigend, Anfragen von Marketing- oder SEO-Agenturen, die meinen Blog "entdeckt" haben wollen und von mir wollen, dass ich für Ihre Kunden Artikel schreibe und auf deren Seiten verlinke. "Advertorial" nennt man das neudeutsch im Kostenlos-Internet, das glaubt mit Search-Engine-Optimization (SEO) irgendwelche Werte zu schaffen.

Nur .... wenn ich dann zurück schreibe, dass das deren Kunden gerne selber machen können, dass diese Artikel dann hier im Blog aber von mir als "Sponsored Content" oder "Payed Content" klar als Werbung gekennzeichnet werden, dann höre ich in der Mehrzahl nichts mehr. Scheinbar passt das nicht zu den Interessen der Auftraggeber. Früher hat man so etwas übrigens als "Schleichwerbung" bezeichnet, wenn Werbung nicht als solche gekennzeichnet wurde, sondern einfach als vermeintlicher Text des Blogs (oder Magazins oder der TV Sendung) unter die Leser (bzw Zuschauer) gebracht wurde.

Im kostenlosen Web verludern scheinbar die Sitten, die früher mal guten Journalismus ausgezeichnet haben. Diese (für mich) Unsitte frisst sich leider auch durch einige unabhängige Blogs. Achten Sie mal selber darauf, wo Ihnen alles "Artikel" begegnen, die aus der Redaktion zu stammen scheinen, bei genauem Hinsehen aber vor allem die Dienste eines Unternehmens in den Vordergrund stellen, das dann mit einem Link im "Artikel" auftaucht. Wenn Ihnen so etwas begegnet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Autor dafür Geld bekommen hat. Was ja erst einmal nicht schlimm wäre. An Werbung ist überhaupt nichts Anrüchiges und dass werbende Artikel geschrieben werden, ist auch völlig in Ordnung. Den entscheidenden Unterschied macht die Kennzeichnung, denn ungekennzeichnete "Schleichwerbung", hat für mich persönlich ein Geschmäckle.

Besonders absurd wird das Ganze dann für mich, wenn man sieht, was in der "SEO-Web-Kultur" dann als "angemessene Aufwandsentschädigung" betrachtet wird. Bei einer Seite wie Mr-Market, werden dann dafür zweistellige oder kleine dreistellige Euro-Summen angeboten, für die ich dann schreiben soll, um einem Unternehmen eine Werbeplattform durch die Hintertür zur Verfügung zu stellen oder indirekt einen Link zu kaufen und in Content zu verstecken.

Mit Verlaub, wer sich für diese Summen prostituiert, ist in meinen Augen selber schuld! Alle Autoren sollten bedenken, dass es hier um Ihre wichtigste Leistung, ihr geistiges Eigentum geht und das hat einen Wert! Wenn man natürlich die eigene Leistung durch Annahme solcher Angebote selber entwertet, muss man sich nicht wundern, wenn man als Autor und freier Journalist im Web von seinen Texten nur schwer leben kann. Genau diese Entwicklung schadet gutem, freien Journalismus und wer bei dieser Reise ins Wertlose mitmacht, sägt genau an dem Ast, auf dem er sitzt bzw von dem er leben will.

Und im Übrigen, auch wenn Google selber nun auch in diese Richtung agiert und ungekennzeichnete Advertorials zunehmend kritisch sieht, sei hier klar gesagt: es interessiert mich überhaupt nicht, wie Google darüber denkt! Zufällig sind wir hier mal einer Meinung, das ist aber auch alles.

Nein, mir geht es um etwas viel Wichtigeres: Guter Content hat seinen Wert und wer den nicht akzeptieren will, soll sich seinen Input und seinen Werbeplatz bitte woanders holen. Mr-Market ist dafür nicht die Plattform!

An alle seriösen Unternehmen und Agenturen, die solche vertreten, sei aber durchaus einladend gesagt:

Ich freue mich über Unternehmen, die hier auf Mr-Market mit Artikeln werbend auftreten wollen und sich damit Zugang zu einer hoch qualifizierten Community und Leserschaft verschaffen wollen. So wie das mit ING Diba und IG zwei namhafte Banken stilvoll und inhaltlich interessant, im letzten Jahr getan haben. Wir vereinbaren dafür einen fairen Gegenwert, der der Qualität der Plattform angemessen ist und kennzeichnen diese Texte klar als Sponsored Content und nennen die Autoren. So wie es sich nach dem journalistischen Ethos gehört. Fertig.

Und wenn ich Ihr Unternehmen oder Ihre Produkte selber schätze, bin ich sogar bereit, selber dafür explizit einen "Auftrags-Artikel" zu schreiben. Denn wenn ich selber zu den Produkten stehe, dann - und nur dann - bin ich auch bereit, dass der Welt mitzuteilen. Aber auch in diesem Fall, würde ich klar und offen kennzeichnen, dass ich für so einen Artikel eine Aufwandsentschädigung entgegen genommen habe. Und wenn wir über die Aufwandsentschädigung reden, reden wir über einen fairen Gegenwert für den zeitlichen Aufwand eines Experten und nicht über die inakzeptable "Klickzahlen-Arithmetik" des "Kostenlos-Internets". Wenn Ihnen meine Zeit das aber nicht wert ist, ist es doch kein Problem - Sie suchen sich einfach jemand anderen, der für Sie schreibt. Dabei viel Erfolg.

Das nur zur Klarstellung. Der Sinn dieses Artikels ist daher auch primär, dass ich die diversen Anfragen in Zukunft mit einem einfachen Link auf diese hoffentlich deutlichen Worte beantworten kann. Das wird 90% Prozent der Anfragen von alleine erledigen.

Und mit den vielleicht 10 Prozent, den qualitativ hochwertigen Auftraggeber und Agenturen, die die Welt wie ich oben sehen und nach Blogs suchen, die wirklich kompromisslos Qualität in den Vordergrund stellen und sich nicht einfach "kaufen" lassen ..... Mit den Agenturen und Unternehmen, die verstehen, dass genau das die Blogs sind, die besonders hohe Reputation geniessen und Multiplikationseffekte auslösen ..... Mit diesen Auftraggebern und Agenturen, könnte eine Kontaktaufnahme frei nach "Casablanca" der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein ... oder besser gesagt der Beginn einer für alle attraktiven Geschäftsbeziehung. 🙂

Ihr Hari

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Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ?

Wir sorgen uns zu Recht um 10% Gewinn oder Verlust. Wir reden vom "Crash" und verfallen in Panik, wenn der DAX mal wieder auf 5000 Punkte fällt. Im grossen, langfristigen Bild der Märkte ist das aber alles nur Rauschen. Und es ergibt sich eine höchst interessante Perspektive, mit langfristig sehr bullischen Implikationen, wenn man sich mal die Mühe macht, das ganz grosse Bild zu betrachten.

Und deshalb habe ich mir die Daten des Dow Jones Index seit 1896 besorgt. Ja, Sie lesen richtig, seit nun fast 117 Jahren in der Vergangenheit ! Die Quelle ist dabei die St. Louis FED gewesen, Sie können die Daten selber -> hier <- nachvollziehen.

In normalen Charttools bekommt man dergleichen historische Darstellungen in der Regel nicht, da ist irgendwann in den 80ern oder 90ern Schluss, weswegen ich auch Excel bemühen musste. Und natürlich arbeite ich hier mit einer logarithmischen Achse, um die prozentualen Steigerungen richtig darzustellen. Immer wieder sieht man auch bei so Langfristcharts lineare Achsen, die völlig blödsinnige Darstellungen produzieren, so als ob Börse überhaupt erst in den 80er Jahren los gegangen wäre und es vorher nur um die Nulllinie schwankte.

Und nun schauen Sie mit mir auf dieses Langfristchart des Dow Jones Index seit 1896:

Dow Historisch

Was wir sehen ist höchst beeindruckend. Es gab drei übergeordnete säkulare Bullenmärkte, der Erste endete mit dem 1929er Crash, der Zweite endete Mitte der 60er Jahre und der Dritte mit der Internet-Blase im Jahr 2000. Dazwischen lagen drei säkulare Bärenmärkte und ja, wir sind aktuell immer noch in einem säkularen Bärenmarkt bzw. zumindest in einer 10 Jahre andauernden Konsolidierung.

Jetzt darf man bei so einem langfristigen Bild natürlich auch die Inflation nicht übersehen, es ist mir mit meinen begrenzten Mitteln aber nicht möglich, diese hier korrekt einzuarbeiten. Würde man es aber tun, würde man die säkularen Bärenmärkte weit deutlicher als hier, als Bärenmärkte erkennen, denn die Menschen haben in diesen Phasen nach Inflation effektiv Geld verloren. Das ist auch für die Phase seit 2000 richtig, obwohl rein von den nominellen Zahlen her, schon wieder neue Höchststände erreicht wurden. Und die Steigung der säkularen Bullenmärkte wäre dann optisch nicht so hoch, wie es hier aussieht. An der prinzipiellen Abfolge der Marktphasen ändert das aber nichts. Und auch nicht daran, dass die säkularen Bärenmärkte irgendwann nach 15 Jahre vorbei waren.

Auch falls Sie denken, da sei ja zum Beispiel in den 70ern an den Börsen fast gar nichts passiert, lassen Sie sich nicht durch die logarithmische Skalierung täuschen. Objektiv schwankte der Dow in den 70ern zwischen 500 und 1000, also immer noch um 50% ! Sie sehen ja auch, wie im langfristigen Massstab die grossen Korrekturen im letzten Jahrzehnt aussehen - es sind in dieser Darstellung eher Petitessen und nur Konsolidierungen auf hohem Niveau. Angefühlt hat sich 2008 für uns aber anders. Und wer objektiv 50% des eingesetzten Kapitals verliert, hat die Hälfte seines Vermögens verloren, was keine Petitesse ist.

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten. Damit das passiert, braucht es aber Katalysatoren, die die Produktivität der Weltwirtschaft massiv anschieben und damit höhere Bewertungen rechtfertigen. In den 90er Jahren war das der Siegeszug der Computer und des Internets, verbunden mit der Friedensdividende aus dem Fall des eisernen Vorhangs.

Was könnte es in Zukunft sein ? Die Ergebnisse einer Biotechnologie vielleicht, die das Leben massiv verlängert, die Intelligenz der Menschen steigert und so die ganze Welt umkrempelt ?

Ich weiss es nicht. Und im grossen Bild können wir vorher auch problemlos noch einmal um 40% korrigieren. Für uns sehr schmerzhaft, im grossen Bild aber einfach nur ein paar weitere Jahre im säkularen Bärenmarkt seit 2000.

Der grosse neue Bullenmarkt kommt also noch. Und wahrscheinlich dauert es weniger als 10 Jahre, bis es wieder so weit ist. Das sagt uns dieses Chart. Vielleicht hat er auch schon mit dem Ausbruch zu neuen Hochs begonnen. Oder er beginnt vielleicht 2016, nach einem erneuten bösartigen Taucher um 40%, in dem die Verzerrungen durch die Notenbanken abgebaut werden.

Lassen Sie uns diesen säkularen Bullenmarkt aber nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über das Klein-Klein des Momentes sorgen. Und wenn wir zu Recht sagen, dass die aktuellen Kurse durch den Einfluss der Notenbanken zu weit gelaufen sind. Kurzfristig sind sie das wohl. Langfristig stehen uns die grossen Kursgewinne erst noch bevor.

Ihr Hari

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