Wenn der Gnom nicht wäre

Der Ferienmodus mit geringerer Aktivität im Blog ist vorbei, nun stehen uns die 4 aktivsten Börsenmonate des Jahres bevor und dann steht schon 2018 vor der Tür.

Mein Gott, ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als "2001 Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick noch ferne Zukunft war und ich mit grossen Augen im Kino sass. Was bin ich doch ein alter Knacker geworden.

Dass eine weitere Korrekturphase im Zeitraum September/Oktober nicht unwahrscheinlich erscheint und das Jahr trotzdem ein gutes Börsenjahr werden dürfte, habe ich Ihnen schon in -> Vom Fischen gehen <- geschrieben.

Wenn wir aber die kommenden Tage dieser Woche gerade in den eurobasierten Indizes von DAX & Co. anschauen, sind die Chancen gar nicht so schlecht, dass hier nun eine Chance nach oben besteht:

Rund um die EZB am Donnerstag und Draghis Pressekonferenz, sollte sich nämlich allerlei Erwartung entfalten, dass Draghi den Anstieg des Euros deckelt und das sollte DAX & Co. helfen. Auch die Kerze letzter Woche als "Hammer" deutet in diese Richtung.

Leider wird das Bild heute durch den Gnom aus Korea etwas verzerrt, es macht aber Sinn davon auszugehen, dass diese Sorge ebenso verfliegt wie die Fälle vorher. Sicher, wenn es wirklich zum Krieg auf der koreanischen Halbinsel kommt, ist alles anders und alle normalen Szenarien hinfällig. Dass es aber dazu kommt, ist wohl weiter nur ein Restrisiko, auf das zu setzen keinen Sinn macht.

Wenn der Gnom nicht wäre, wäre es heute also einfacher und wir hätten wohl im Grünen eröffnet. Aber das kann ja noch werden. Solange die oben eingezeichnete Unterstützung hält, kann man im DAX nach oben schauen. Darunter zieht man die Reissleine - eine recht klare Ausgangslage.

Gold macht übrigens das, was ich hier schon Ende Juli in -> Erwachen der Edelmetalle <- auf den Radar genommen habe. Auch dabei hilft der Gnom aktuell mit, wie das Edelmetall aber den Ausbruch über 1.300 USD mit einem Retest bestätigt hat, ist schon eindrucksvoll:

So weit so kurz an diesem Montag im September 2017. Einem September der bekanntermassen keinen besonders guten Ruf als Börsenmonat hat. Das muss uns aber nicht schrecken, erfolgreiche Anleger nehmen ebenso wie erfolgreiche Bergsteiger oder Kletterer den Markt/Berg immer Schritt für Schritt und Zug um Zug. Das Spintisieren über den Horizont überlassen wir denen, die gerne eine Klippe herunter stürzen, weil sie als "Hans guck in die Luft" nicht auf ihre Füsse achten.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der DAX am Jahresende 2014: Ein schwieriges Jahr ist (fast) überstanden

Ein Gastkommentar von Tokay

Das Börsenjahr 2014 neigt sich dem Ende zu und so mancher „Normalanleger“ dürfte froh darüber sein, denn es war insgesamt ein schwieriges Anlagejahr, was nicht zuletzt den exogenen Schocks geschuldet ist(vor allem Krim/Ostukraine, Syrien/Irak). Gingen die Kurse einmal nach oben oder nach unten, so machten sie bald auf dem Absatz kehrt und tendierten wieder in die jeweilige Gegenrichtung. Ein günstiges Szenario für Range-Trader, aber ein ungünstiges Szenario für Trendfolger. Die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ fällt einem da ein.

Das Jahresende stimmt nun aber etwas versöhnlicher. Wir haben hier die günstige Konstellation Wintersaison plus expansive Geldpolitik. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass eine solche Konstellation sich in den allermeisten Fällen positiv ausgewirkt hat, und dies zeigt sich erneut in diesem Jahr. „Don't fight the Year-End Rally“ könnte man dazu sagen. Denn seit Ende Oktober kennt der DAX praktisch nur noch eine Richtung: Nach oben. Die Banken haben am Jahresende 2013 im Durchschnitt einen DAX von etwas über 10.000 Punkten für Ende 2014 prognostiziert, und noch ist das Jahr ja nicht ganz vorbei. Aber komplett daneben scheinen sie diesmal nicht gelegen zu haben.

Das nahende Jahresende ist auch ein guter Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen, wie denn so die allgemeine Lage ist, und dafür bieten sich drei Betrachtungsebenen an: Die sehr langfristige, die etwas längerfristige und die mittel- bis kurzfristigere. Die ganz kurzfristige Betrachtung lassen wir hier außen vor, da sich dieser Artikel nicht explizit an Day Trader wendet.

Zuerst die sehr langfristige Betrachtung. Schauen wir uns dazu das folgende Chart an, es zeigt die DAX-Wochendaten seit Oktober 1959:

Diagramm 1

Der DAX ist seither im Jahresdurchschnitt um etwa 6 ½ Prozent angestiegen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Jahresgewinne um etwa zwei bis drei Prozent langfristig ansteigen – zumindest war das in der Vergangenheit so – wenn wir davon ausgehen, dass die Preise im Durchschnitt um etwa zwei Prozent ansteigen, wenn wir ferner von einer Dividendenrendite zwischen zwei und drei Prozent ausgehen, dann liegen wir ungefähr im Bereich dessen, was erwartet werden kann. Man kann sich natürlich mit Recht fragen, ob diese Prämissen längerfristig haltbar sind, aber das würde den Rahmen der heutigen Betrachtung sprengen.

Der exponentielle Trend gibt die genannte Entwicklung wieder und schreibt ihn fort. Vergleichen wir damit die tatsächliche Entwicklung des DAX, so erkennen wir, dass zahlreiche längerfristigen Bewegungen vom Gleichgewicht weg- und auch wieder hingeführt haben. Die mit Pfeilen markierten Bewegungen haben zum Gleichgewicht hingeführt. So die Stagnation in den sechziger Jahren, so die Hausse in der längsten Zeit der achtziger Jahre, so die scharfen Rückgänge wie auch die Anstiege seit Anfang 2000.

Gegenwärtig bewegen wir uns etwas vom Gleichgewicht nach oben weg, was aber im Moment nicht besorgniserregend ist. Denn solche Bewegungen können durchaus länger andauern und vor allem, das Ende einer solchen Aufwärtsbewegung geht oftmals einher mit einer allgemeinen Aktieneuphorie. Die haben wir zurzeit nicht. Viele Vermögensbesitzer sind, was Aktien anlangt, völlig unterinvestiert. Das Kapital liegt auf Sparkonten oder steckt in Immobilien. Schlussfolgerung also: Die jetzige Entwicklung dürfte langfristig gesehen wahrscheinlich noch geraume Zeit weitergehen.

Kommen wir zur etwas längerfristigen Entwicklung, auch hierzu haben wir ein Chart:

Diagramm 2

Wir erkennen, dass die seit Herbst 2011 andauernde Aufwärtsbewegung ABC im Juli 2014 gebrochen wurde. Seither gab es eine volatile Korrekturbewegung EF. Diese Bewegung wurde in diesem November(mehr dazu später) bei Punkt F gebrochen. Die Korrektur kann damit als abgeschlossen betrachtet werden, dies umso mehr, als die Einflussfaktoren Wintersaison und monetäre Expansion sich günstig auf den Markt auswirken.

Schaut man weiter Richtung 2015, dann ist eine Bewegung im Intervall zwischen 8750 und 11750 DAX-Punkten auszumachen. Das vergangene Jahr mit seinen zahlreichen exogenen Schocks hat gezeigt, wie schwer die tatsächliche Entwicklung vorherzusehen ist, nämlich praktisch gar nicht. Relativ an wahrscheinlichsten erscheint eine Bewegung hin zum oberen Rand des genannten Bereichs. Das hieße: Weiterhin positive Entwicklung zumindest in den kommenden Monaten. Man wird abwarten müssen, wie die in Aussicht stehenden Maßnahmen der EZB bezüglich der Staatsanleihekäufe sich auswirken werden. Diese Maßnahmen stimulieren den Aktienmarkt per se zweifelsohne, aber die Frage ist natürlich schon, ob dies auf Dauer so sein wird oder die Wirkung dieser Maßnahmen nicht irgendwann abstumpft. Professor Sinn sagte vergangene Woche in einem Interview zur EZB-Politik sinngemäß, die EZB dürfe nicht nur Schmerzmittel verabreichen, auch die notwendigen Operationen müssten von Seiten der Staaten des Eurosystems angegangen werden.

Kommen wir abschließend zur mittel- bzw. kürzerfristigen Betrachtung:

Diagramm 3

Hier genügen eigentlich zwei Linien, um die Lage zu charakterisieren:

Der Abwärtstrend ABC wurde am 21. November unter sehr hohem Volumen gebrochen. Zugleich hat der DAX die 200-Tage-Linie unter hoher Dynamik nach oben durchschnitten. Der 21. November markiert damit die Wasserscheide zwischen Korrektur und Wiederaufnahme des Bullenmarktes.

Zugleich wurde gestern Abend die 10.000er Marke nach oben durchbrochen(Punkt D). Wir werden in den kommenden Handelstagen sehen, ob das Durchbrechen dieser Marke Bestand hat oder der DAX erst einmal eine kleine Pause einlegt. In „Hari Live“ werden wir dies in großer Ausführlichkeit verfolgen können.

Tokay

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Sektor Rotation und „Window-Dressing“ zum Jahresende

Ein Jahr nähert sich dem Ende, das in den grossen Indizes eigentlich nur eine Richtung kannte - nach oben.

Damit dürfte dieses Jahr auch ein Effekt besonders intensiv werden, den es eigentlich jedes Jahr zum Jahresende gibt. Der aber dann besonders stark ausfällt, wenn besonders viele institutionelle Marktteilnehmer in ihrer Performance hinter dem Markt hinterher hinken. So wie dieses Jahr.

Und dabei handelt es sich um das sogenannte "Window-Dressing", in dem zum Jahresende gerne noch die Gewinner des Jahres ins Depot aufgenommen werden und die Verlierer rausgeschmissen werden. Dahinter steht die Tatsache, dass die Fonds zum Jahresende vor ihre Anleger treten und diese einen kritischen Blick wagen, was das Fondmanagement denn da so in den Depots hat. Und wer sowieso schon dem Markt hinterher hinkt, will dann nicht auch noch sichtbar machen, dass er das ganze Jahr auf die "Gurken des Jahres" gesetzt hatte.

Das kann durchaus den Unterschied zwischen abgezogenem Anlegergeld und erhaltenem Vertrauen darstellen. Und kann sogar manchmal den Job kosten. Darüber hinaus kann man ja durch additive Käufe auch noch den Kurs von Positionen stützen, die schon im grossen Umfang im Depot sind. Und deshalb ist "Window-Dressing" zum Quartalsende, vor allem aber zum Jahresende, ein starker Faktor.

Besonders in den USA wird dieser Effekt heuer noch durch eine steuerliche Thematik verschärft. Wenn Verluste zum Jahresende realisiert werden, können Sie mit Gewinnen in anderen Anlagen steuerlich verrechnet werden. Und Gewinne gibt es dieses Jahr genug und damit auch den Druck, die wenigen Verlustpositionen vor dem Jahresende noch aufzulösen. Was wiederum finalen Druck auf die Aktien macht, die sowieso im Jahr schon schlecht gelaufen sind.

In Summe werden diese beiden Effekte mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass die Titel und Sektoren, die schon das ganze Jahr gelaufen sind, auch zum Jahresende weiter laufen. Und die Titel und Sektoren, die schon das ganze Jahr geschwächelt haben, zum Jahresende noch einmal final verkauft werden.

Das Dümmste, was Sie nun als Anleger also machen können, ist nun - Anfang Dezember - die schwächelnden Sektoren zu kaufen und sich dann in drei Wochen zu wundern, dass diese erneut ein paar Prozent tiefer stehen. Und dann zu verkaufen, nur um dann zum Jahresanfang hinterher zu schauen, wie die Sektoren plötzlich anspringen.

Das Potential zur Sektorrotation ist nun massiv da. Aber nicht jetzt Anfang Dezember. Sondern Ende Dezember - zum Jahreswechsel. Im Januar werden sich bestimmt viele neue Chancen auftun und der Markt die neuen Favoriten für 2014 aussortieren. Und dabei werden auch einige Überraschungen sein.

Aber der Zeitpunkt darauf zu wetten ist nicht heute. Denn "zu früh" ist am Markt nur eine euphemistische Umschreibung von "falsch".

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt

Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft: -> The new abnormal <-

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen ! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

Ich kann auch ein anderes hypothetisches Beispiel bemühen. Nehmen wir an, Sie als ein fähiger Astronom wissen heute, dass in 5 Jahren von jetzt ein riesiger Asteroid die Erde treffen wird. Von totaler Vernichtung des Lebens ausserhalb der Ozeane, bis zumindest kontinentalem Genozid ist alles drin. Und Sie wissen, dass Sie es nicht ändern können. Macht es dann Sinn, sich heute schon unter der Erde zu verkriechen ? Sich vielleicht einen Monat vorher ihre Familie zu schnappen und an den relativ sichersten Ort der Welt zu gehen und dort Vorräte anzulegen, mag ja noch Sinn machen. Aber heute ? Man muss sich sogar fragen, will man so ein Wissen überhaupt haben ? Denn es verhindert vielleicht noch 5 glücklich gelebte Jahre ?

Der Punkt ist: unsere Leben findet im Hier und Jetzt statt. Die Zukunft ist die Zukunft und unbestimmt. Es macht natürlich Sinn, über die Zukunft nachzudenken. Und es macht auch Sinn, sich im vernünftigen Rahmen auf die Zukunft vorzubereiten. Es ist aber unsinnig und völlig kontraproduktiv, das eigene Handeln im Hier und Jetzt ausschliesslich von Ängsten um eine mögliche, aber nicht sichere, Zukunft bestimmen und beherrschen zu lassen.

Und so ist es auch bei der Geldanlage. Man mag über die aktuelle Notenbankpolitik denken was man will. Und wer dabei nicht zumindest ein flaues Gefühl der Unsicherheit im Magen hat, der hat mit Verlaub keinen Verstand – die Notenbanker haben dieses flaue Gefühl doch auch, auch wenn sie darüber nicht reden. Alle mit Verstand wissen, dass wir uns in einem historisch einmaligen Experiment befinden und der Einsatz immens hoch ist.

Und trotzdem, das Geld im Depot wird im Hier und Jetzt verdient. Und im Hier und Jetzt steigt dieser Markt. Im Hier und Jetzt, haben wir einen offensichtlichen, gewaltigen Bullenmarkt. Sich permanent emotional dagegen zu stellen, macht das Leben zur Hölle, frustriert und generiert am Ende nur rote Zahlen im Depot.

Und es gibt auch einen Weg, wie man die objektive, rationale Skepsis und das Handeln mit dem Trend, wieder in Einklang bringen kann. Und das ist, das hier im Blog immer wieder beschriebene Denken in konkreten Setups und Handeln mit "Reissleine", also mit - zumindest gedanklichen - Stops.

Denn das Denken in definierten Setups, mit definierten Exit-Marken, befreit von der Angst, wenn man es konsequent betreibt. Bevor man die Position überhaupt eingeht, überlegt man sich, wie viel man maximal in diesem Trade riskieren – also verlieren - will und schreibt den Betrag gedanklich ab.

Die „Trauerarbeit“ um den Verlust findet also schon vorher statt, zu dem Zeitpunkt wo man den Trade eingeht. Hat man das geschafft, kann man von da an nur noch gewinnen. Und das befreit emotional enorm und ermöglicht Ihnen Trends mitzugehen, die Sie nie anfassen würden, wenn Sie eine Entscheidung für etwas treffen müssten, woran Sie gar nicht glauben. Mit einem Setup aber, stellen Sie emotional nur einen Zeh ins Wasser und Ihr Stop definiert, wie schnell der Zeh wieder draussen ist. Und Sie wissen ja, starke Trends dauern oft länger, als wir uns alle vorstellen können. Wenn ein Trend mit Macht begonnen hat, kann man oft immer noch mit gutem Gewissen aufspringen, die letzten 5 Jahre an den Märkten sind auch dafür erneut Beleg.

Mit dieser Denkstruktur wäre man schon 2009 Long eingestiegen und wäre immer noch - oder mit einer Pause 2011 wieder - dabei, statt dem Markt zu misstrauen und klüger als der Markt sein zu wollen. Aber im Herzen könnte man immer noch ein Skeptiker sein, der den Tag der Abrechnung kommen sieht. Bis dieser Tag aber kommt, hat man gut verdient. Und wenn der Tag der Abrechnung kommt, kegeln einen die Stops raus und es ist dann immer noch früh genug, die Bärenkrallen in das Fleisch all der auf der Party zu spät angekommenen und nun panischen Kühe zu schlagen – die ehedem mal röhrende Bullen waren.

Für unser konkretes Handeln an den Märkten ist also wichtig:

(1) Gewinne werden im Hier und Jetzt mit dem Markt erzielt und nicht gegen ihn.

(2) Zukunftserwartungen, Vorsicht und ein Blick auf mögliche Entwicklungen sind wichtige Fähigkeiten um sich rechtzeitig einzustellen, aufmerksam zu bleiben und wenn nötig schnell „die Kurve“ zu kriegen.

(3) Eine mögliche Zukunft darf aber nicht unser Handeln im Hier und Jetzt überlagern und verzerren. Die Zukunft ist nicht gewiss, wir bilden uns nur manchmal ein, sie wäre es.

(4) Vorsicht und Handeln sind verschiedenen Dinge. Vorsicht kann zu Handeln führen, wenn die gefürchteten Bedingungen eintreten. Wer aber nur auf Verdacht handelt, holt sich in der Regel eine blutige Nase.

(5) Wir sollten unsere Energie auf die Dinge konzentrieren, die wir selber beeinflussen können. Die aber besonders gut machen. Was wir nicht beeinflussen können, müssen wir dagegen hinnehmen und uns anpassen.

Lamentieren Sie also gerne über einen überzogenen Markt und "verrückt" gewordene Notenbanker so viel Sie wollen, alles kein Problem - das kann sogar der Seele gut tun, mal den Frust abzulassen. Aber handeln Sie an den Märkten nicht danach !

Real ist nur das, was der Markt wirklich tut und nicht das, was Sie gerne hätten, das er tut. Und dieser Markt steigt. Und zwar so lange, bis er nicht mehr steigt. Und diesen Moment des Trend-Wechsels kann man auch erkennen, wenn man mit klaren, gut durchdachten Marken operiert, die einem das Ende des Bullenmarkets indizieren.

Der Preis dafür ? Das man vielleicht ein paar Prozent von den Höchstständen wieder abgegeben wird, wenn die Stops dann Triggern und "Exit" signalisieren. Aber was sind schon 10%, wenn man vorher zum Beispiel im DAX den Weg von 3589 am 09.03.2009 bis zu 9254 gestern mitgegangen ist ? Übrigens, zum Mitschreiben, das waren 158% Anstieg vom Tief am 09.03.2009 ! Hat es sich also wirklich gelohnt, den Markt jahrelang zu bekämpfen ?

Übrigens wirkt dieser Mechanismus in beide Richtungen. Denn irgendwann wird die grosse Korrektur ohne jeden Zweifel einsetzen. Vielleicht heute, vielleicht erst 2015. Und es wird über Wochen und Monate nervenzehrend nach unten gehen. Und genau die gleichen Menschen, die nun jahrelang gegen den Markt gekämpft haben, werden dann viel zu früh schon wieder einsteigen, weil jetzt ist der Markt für sie ja vermeintlich "billig genug". Ist er aber erneut nicht und es geht auch in der Abwärtsbewegung oft weiter runter als man erwartet. Erneut kämpfen die gleichen Menschen dann gegen den Markt, weil sie erneut klüger sein wollen, als alle anderen Marktteilnehmer zusammen. Das pflegt das eigene Ego, machen Sie sich aber klar, dass das Ego an den Börsen unser grösster Feind ist und unglaublich viele Verluste in Depots auf dem Gewissen hat.

Merken Sie sich also unbedingt für den nächsten Börsenzyklus, dass Sie dem Markt folgen und sich dabei mit guter Entfernung absichern. Die Absicherung darf nicht zu nahe sein und dient nur der "Katastrophen-Prävention". Und das Sie am Ende einiges von den letzten Gewinnen wieder abgeben, liegt dabei im System. Und trotzdem funktioniert es und ist einfacher und profitabler, als gegen den Markt zu kämpfen.

Ob Sie auf diesen aktuellen und langsam alternden Trend noch aufspringen wollen, können Sie nur selber entscheiden. Klar ist, es kann durchaus noch eine Zeit lang so weiter gehen. Klar ist aber auch, eine deutliche Korrektur ist nun langsam mal fällig.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Gastkommentar – DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

Ein Gastartikel von Tokay

DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

In diesen Tagen mehren sich wieder einmal die Spekulationen über eine bevorstehende sogenannte „Jahresendrallye“. Für und gegen eine solche Jahresendrallye werden allerlei Argumente ins Feld geführt. Dabei reden die einen von saisonal auftretenden Mustern, andere führen die mickrigen Geld- und Kapitalmarktzinsen ins Feld, und wieder andere warnen vor einem jähen Ende der bereits seit dem Sommer andauernden Rally an den Aktienmärkten. Und ja, die Eurokrise – die gibt es ja auch noch. Da stellt sich für uns die Frage: Was ist dran an solchen Mutmaßungen, gibt es saisonale Muster und wie verlässlich sind sie?

Anhand der seit Ende 1959 vorliegenden DAX-Kurse zum Monatsende haben wir einmal

  • als „Jahresendrally“-Zeitraum die Monate November bis Dezember definiert;
  • diesen Zeitraum mit den restlichen Monaten Januar bis Oktober und außerdem mit dem Gesamtjahr verglichen;
  • und nachfolgend die Entwicklung der beiden letzteren Zeiträume auf einen Zwei-Monats-Zeitraum umgerechnet – die Jahresendrallye hat für eine vermutete Outperformance ja nur zwei Monate zur Verfügung, also wäre es ein bisschen unfair, zwei Monate mit zehn bzw. zwölf Monaten zu vergleichen.

Es zeigt sich, dass die Zwei-Monats-Performance November bis Dezember mit 2,42 Prozent deutlich höher ausfällt als die umgerechneten Performancewerte für Januar bis Oktober bzw. für das Gesamtjahr, die beide unter 1 Prozent liegen. So positiv das Abschneiden der Jahresendrally sich darstellt, so variabel ist es allerdings auch. In den vergangenen 52 Jahren hat die Jahresendrallye in 28 Fällen besser abgeschnitten als der Vergleichszeitraum, aber 24 mal schlechter. In 30 Jahren legten die Kurse zum Jahresende zu, aber in 22 Jahren waren Verluste zu verzeichnen. Wasser auf die Mühlen derer, die sagen, dass sich Aktienkurse nicht vorhersagen lassen.

Extreme Entwicklungen gab es etwa 1973, als vor allem der rapide Anstieg der Ölpreise am Schluss des Jahres negative Wirkungen an den Börsen zeitigte. Sehr deutlich ging es hingegen am Jahresende 1982 nach oben, als die Gewinnerwartungen der Unternehmen rapide anstiegen. Ebenso geschah dies Ende 1989 im Rahmen der Euphorie, die mit dem Fall der Mauer entstand und ebenso Ende 1999, als der New-Economy-Boom, was man damals natürlich noch nicht wusste, in den letzten Zügen lag. 2000 hingegen war dieser Boom vorbei und 2002 steckte die deutsche Wirtschaft in einer schweren Rezession – in beiden Fällen konnte von einer Jahresendrallye keine Rede sein. Diese Entwicklungen sind nachfolgend deutlich zu sehen:

Insgesamt also sehen die Jahresendrallye-Perspektiven etwas wackelig aus – Es kann gut laufen, es kann aber immer auch irgend etwas dazwischen kommen. Dennoch meine ich: Es ist etwas dran an der Jahresendrally! Und warum? Nun, da könnte man sinngemäß mit Otto Rehhagel sagen: „Die Wahrheit liegt in den Daten“.

Denn es zeigt sich, dass die Datenverteilung der Jahresendrally-Performances vergleichsweise stabil ist – die Vergleichszeiträume sind viel wackeliger. Damit ist aber die Wahrscheinlichkeit, eine deutlich positives Ergebnis zu erzielen, zum Jahresende hin viel höher als sonst im Jahr. Sicherheiten, das wissen wir, gibt es natürlich auch hier keine. Aber Wahrscheinlichkeiten. Und die sprechen eindeutig für die Jahresendrally. Lassen wir Bilder sprechen:

Das sollte man sich wirklich einmal genau anschauen. Bei der Aussicht, ohne Verlust davonzukommen, sind sich die Wahrscheinlichkeiten der Jahresendrallye und der Vergleichszeiträume noch ähnlich: ungefähr 62 Prozent bei der Jahresendrally , 59 Prozent beim Rest. Gewaltige Unterschiede tun sich indes auf, wenn man etwa nach der Chance auf 6 Prozent Wertzuwachs fragt: Hier schlägt die Jahresendrally den Restzeitraum mit 32,2 zu 10,4 Prozent. Eintrittswahrscheinlichkeit.

Kaum geringer sind die Unterschiede bei der Chance auf einen Wertzuwachs von zehn Prozent in zwei Monaten: Im Jahresdurchschnitt – sprich im Normalfall - hat man eine Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 1,3 Prozent, einen solchen Wertzuwachs zu erzielen, jedenfalls, wenn man die letzten 52 Jahre zugrunde legt – das kam praktisch nicht vor. Nicht so bei der Jahresendrally: Hier steigt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Wertzuwachs auf 16,4 Prozent und ist damit über 15 Punkte höher, und ist in der Tat, wie wir gesehen haben, auch schon vorgekommen. Kleiner Wermutstropfen: Das Risiko, einen Verlust von mehr als fünf Prozent zu erleiden, ist in diesem Zeitraum höher – 17 zu 7 etwa. Kam leider auch vor. No risk, no fun sozusagen. Aber trotzdem: Wir haben für die Jahresendrallye eine höhere langjährige Renditeerwartung, und außerdem günstigere Risikoeigenschaften.

Dann nichts wie investieren – oder? Vorsicht: Wir haben uns gerade eben die Marktdaten der vergangenen 52 Jahre angeschaut. Aus denen aber Rückschlüsse für das Jahresende 2012 zu ziehen – nun, das ist vielleicht doch ein bisschen heikel. Noch mal zum Fußball: Auch wenn man vom Feeling her ein gutes Gefühl hat – eine Garantie hat man keine. Wer's probieren mag - Viel Erfolg beim Investieren!

Tokay

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Kurzkommentar zur Lage in DAX und S&P500 – 19.10.12 – Von Ahnungen und Hedges

16:00 Uhr

Endlich ist die Lage für mich klarer. Zur Erklärung worum es hier geht, verweise ich auf meinen gestrigen Artikel, der meine Vorsicht hinsichtlich der kurzfristigen Entwicklung thematisierte.

Wie bitte, werden Sie fragen, es ist doch nun erst recht unklar, ob der Aufwärtstrend erhalten bleibt ? Warum klarer ?

Das stimmt, das ist aber nicht der Punkt. Wie die Zukunft wird, weiss ich sowieso nicht. Diese Unklarheit ist immer da. Es geht doch nur um die Frage wie ich mich in der Gegenwart aufstelle. Und da ist die Lage für mich nun klarer. Warum, werden Sie fragen ? Ganz einfach:

Weil die von mir erahnte und "gerochene" Korrektur nun eindeutig eingesetzt hat. Ich weiss zwar immer noch nicht wie tief sie geht. Ich weiss aber nun, dass der Verlauf der Korrektur mir alles Notwendige sagen wird.

Denn schüttelt der Markt diese Abwärtsbewegung sofort wieder ab und steigt erneut, dann ist das für mich voraussichtlich das "Grün" Signal für weitere Kursgewinne und einen weiteren Aufwärtsschub. Dann stelle ich meine Hedges sofort glatt. Und fällt der Markt nun weiter, dann um so besser. Dann geniesse ich den Effekt der Hedges und freue mich meine Favoriten später günstiger zukaufen zu können.

Denn von einem guten Jahresausklang bin ich nach wir vor überzeugt. Die Frage ist für mich eher, wie tief wir vorher in den Indizes runter müssen, bevor der Schub zum Jahresende einsetzen kann. Und diese Frage beantwortet mir nun der Markt, ich muss "nur" den Swing-Low der jetzigen Korrekturbewegung erwischen um meine Hedges aufzulösen und nachzukaufen. Vielleicht nächste Woche, vielleicht auch schon heute in einer Stunde. Wer weiss. 🙂

Wenn Sie mich fragen was ich für das wahrscheinlichste Szenario halte, dann ist es immer noch nahe an meinem Gedanken-Szenario von letztem Sonntag - dem -> Weg des maximalen Schmerzes <-. Ich rechne nun eher mit ein paar Tagen Korrektur bis in die nächste Woche hinein, die durchaus das Potential haben Schmerzen zu verursachen. Wobei ich einen Taucher unter DAX 7000 zwar für möglich, aber nicht für zwingend halte. Dafür ist der Kaufdruck wohl zu hoch. Auch ein tagelanges Rumeiern um 7300 kann ich mir gut vorstellen.

Und selbst das wir heute schon wieder nach oben drehen ist möglich und soll mir recht sein. Denn nun geniesse ich den Vorteil der daraus entsteht, das ich schon vorher eine Strategie für das aktuelle Szenario hatte. Und danach, wenn diese Korrektur durchgelaufen ist, ist der Markt möglicherweise reif, um zur richtigen Liquiditätsrally zum Jahresende anzusetzen.

Auch hier werde ich wieder genau auf Gold (XAUUSD) und EURUSD zu schauen. Wenn Sie genau geschaut haben, haben Sie sicher bemerkt, dass Gold mit seiner Wende nach unten der Bewegung des Aktienmarktes schon wieder vorgelaufen ist. Es spricht viel dafür, dass auch der SwingLow als erstes wieder bei Gold kommt.

Warten wir es ab und lassen wir uns überraschen. Denn nur eines ist sicher, letzteres wird Mr. Market immer wieder schaffen ! 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *

Marktupdate – 14.10.12 – DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes

14:30

Am heutigen Sonntag Nachmittag möchte ich ein paar Gedanken über die kommende Börsenphase mit Ihnen teilen.

Das der Markt sich derzeit in einem Patt zwischen Bullen und Bären befindet, haben wir hier ausreichend thematisiert und ist offensichtlich.

Das nach Auflösung eines derartigen Patts sich meistens eine dynamische, volatile Bewegung anschliesst, ist statistisch wahrscheinlich und bei regelmässigen Lesern von Mr-Market.de bekannt.

Nur wie wird es konkret weiter gehen ? Das ist wohl die 100-Millionen-Dollar Frage.

Sehr kurzfristig, sollten wir dabei zwei Faktoren nicht übersehen:

Erstens hatten wir am Freitag einen signifikanten "Buying on Weekness" Tag für den SPY (=S&P500). Und übrigens auch einen für den íShares MSCI Brazil. Diese Indikatoren sind nicht perfekt als Voraussage, liefern aber statistisch doch ganz gute Ergebnisse, wann Big Money seinen Fuss in den Markt stellt. Möglicherweise spielt bei Big Money auch ein Rolle, dass wir am Montag und Dienstag in Summe zusammen ca. 10 Milliarden POMO Buy Operations der FED im Markt haben. Die Chance auf einen erneuten Bounce ist definitiv da.

Es könnte also gut sein, dass wir Anfang dieser Woche noch einmal ein oder zwei starke Tage erleben. Zur Vorsicht gemahnt dabei aber der gewaltige "Selling on Strength" Print bei Apple am Freitag. Damit drückt Big Money ganz klar aus, dass die Schwäche von Apple vielleicht noch nicht vorbei ist. Und mit Schwäche bei Apple, kann der NASDAQ nicht stark sein.

Die generellen Faktoren, die zum Jahresende für höhere Kurse sprechen sind weiter aktiv, ebenso wie die Verunsicherung, die bis Anfang November von der Präsidentschaftswahl in den USA ausgehen wird. In Summe bleibt uns also nichts weiter als abzuwarten und uns eine Strategie für die verschiedenen Szenarien zurecht zu legen.

In solchen Situationen hat es sich für mich bewährt, mir den "Weg des maximalen Schmerzes" zu vergegenwärtigen.

Also die Marktbewegungen, mit denen die wenigsten rechnen und die das Maximum an Marktteilnehmern auf dem falschen Fuss erwischen würden. Denn gerade weil niemand so positioniert ist, haben diese Bewegungen die fiese Eigenschaft besonders gerne einzutreffen. Vielleicht erinnern Sie sich ja auch noch, dass ich im Juli einen starken Anstieg im 3. Quartal als Weg des maximalen Schmerzes skizziert hatte, eben weil sich das damals nahezu niemand vorstellen konnte. Wir wissen ja nun, was passiert ist. 😉

Hier ist also, was ich dem fiesen und hinterhältigen Mr. Market durchaus zutraue. Stellen Sie sich vor:

.... wir würden Anfang dieser Woche dynamisch hoch laufen und im DAX wieder an 7400 knabbern, so dass alle Bullen denken das war es jetzt mit der Korrektur und die Bären ihre Shorts schliessen um dem Markt hinterher zu hechten. Dann, gegen Ende der Woche kippt der Markt ohne neue Höchststände zu erreichen. Der DAX fällt in 2-3 blutigen Tagen bis knapp unter 7000, der S&P500 unter 1400.

Das Heulen und Zähneklappern würde gross sein. Die Bullen wären in neuen, gerade eingegangen Positionen gefangen und sofort unter Wasser. Das schlimmste was einem passieren kann. Die Bären würde sich die Haare raufen, dass sie kurz bevor der Markt dann wirklich fällt, aufgegeben und ihre Shorts glatt gestellt haben. Und die Medien würden von Analysen überquellen, dass das nun definitiv eine Topbildung sei und Kursziele irgendwo zwischen 6400 und 6700 ausrufen.

Die Bären würde in diesem Moment also bei ihren Shorts nachlegen und die Bullen würden anfangen die Verluste zu realisieren und auszusteigen.

In dem Moment, in dem sich alle sicher sind, dass wir das Top des Jahres 2012 schon gesehen haben und es nun nach unten geht - In dem Moment wo der DAX unter 7000 schaut, in ca. 1-2 Wochen also - beginnt der Markt dann nach oben zu drehen. 🙂 Er steigt dynamisch, erreicht neue Jahres-Höchststände und schiebt und schiebt gnadenlos weiter bis zum Jahresende, das wir mit historischen Höchstständen bei 8500 im DAX und 1600 im S&P500 erreichen.

So würde es Mr. Market schaffen alle - Bullen wie Bären - abzuwerfen und zu zwingen in der entscheidenden Phase den Kursen verzweifelt hinterher zu hechten, was genau die Dynamik der dann folgenden Aufwärtsbewegung begründet.

Nettes Szenario oder ? Und definitiv aktuell der Weg des maximalen Schmerzes.

Für neue Leser muss ich nun den Disclaimer einfügen: das ist keine Prognose meinerseits ! Im Gegenteil, exakt genau so wird es wohl kaum kommen. Und trotzdem macht es jede Menge Sinn, sich dieses Szenario in einer gedanklichen Übung mal ernsthaft zu vergegenwärtigen.

Denn das Szenario macht uns die Volatilität bewusst, die möglicherweise vor uns liegt. Und es erlaubt uns, uns innerlich darauf vorzubereiten. Denn es ist einer der bekanntesten Fehler von Anlegern, dass sie gerade nach längeren Phasen der Bewegung in eine Richtung, die Fähigkeit von Mr. Market zu wilden Swings (die Volatilität) massiv unterschätzen.

Denken Sie also mal intensiv über das Szenario nach und wie Sie mit Ihrem Depot damit umgehen würden. Wenn Sie dafür - für den Weg des maximalen Schmerzes - eine sinnvolle Strategie haben, dann können Sie die Entwicklung der börslichen Herbststürme ziemlich gelassen beobachten.

Denn dann wissen Sie: Sie werden nicht in Panik verfallen, wie so viele andere ! Sie werden sich von Mr. Market nicht emotional hin und her werfen lassen ! Und Sie werden nicht genau im falschen, emotionalen Moment auf den Kauf- bzw Verkaufsknopf drücken ! Denn Sie haben eine Strategie, der Sie gelassen folgen werden.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *