Historische Jahreswechsel



Das an der Börse traditionell starke Jahresende und der Jahreswechsel 2020/2021 liegt vor uns.

Abstrakte Statistiken sind das Eine, eine konkrete Reise zu den vergangenen Jahreswechseln und ihren US Präsidenten dann doch das Andere.

Vielleicht kommt die Botschaft so auch per Video besser herüber, schauen wir doch mal, was uns fast 3 Jahrzehnte an Jahreswechseln so zu sagen haben:

Ihr Hari

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137. Jahresende 2019 und die Glaskugel für 2020



Hallo zusammen,

1. Reflektion 2018

in meiner Glaskugel am Ende des letzten Jahres habe ich folgende Prognose getroffen:

Herausgekommen ist folgendes - bitte beachten dies ist nur ein Szenario:
- wir bekommen mit Jahresanfang eine Rally in die Widerstandszone des Keils. Warum? Weil die Lage nach fast 20%$ Korrektur sowie der Zeitpunkt (Jahresanfang) reif für eine Rally ist. Vor Erreichen des SMA 200 vertrocknet der Kaufhunger und führt zu einer Korrektur zum Doppelboden. Diese Rally wird von den Investoren mit Handbremse mitgenommen, da ihr noch nicht zu trauen ist. Ich glaube, nach einem solchen Drawdown ist der Markt für ein V-Reversal und einem Durchziehen durch die Widerstände nicht bereit.
- von Frühjahr bis Sommer bekommen wir unsere "richtige Rally", die maximal mitgenommen werden wird - der Bruch des Keils führt zu höherem Kaufvolumen
- dann die Sommerpause mit einer kleinen Korrektur
- dann die Jahresendrally - die Käuferschar wird maximal unsicher in das Jahr 2020 gelassen: wir gehen am Top aus 2018 in den Jahreswechsel.

In der Summe führt das zu folgendem langfristigen Szenario: eine 3. Konsolidierungsbox, die sich von der Länge her in etwa den anderen beiden in den Vorjahren ähneln würde. Diese 3. Konsolidierungsbox kann zu einem langfristigen Top auswachsen oder der Beginn eines weiteren Laufs zu neuen Höhen...

Ich muss gestehen und mich loben, es ist erschreckend gut getroffen worden. Ich hatte das Börsenjahr volatiler erwartet. Der aktuelle Kurs ist leicht über dem von mir eingezeichneten Jahresendkurs. Wir haben ja noch etwas Zeit: Das Jahresende ist ja noch nicht da 🙂

Einzig, die von mir erwartete Konsolidierung in Q1/Q2 auf den Doppelboden ist nicht gekommen. Dies war, würde der ein oder andere sagen, meine Achillisferse dieses Jahr. Ich bin zu spät in meinen Artikeln tendentiell bullisher für den Markt geworden.

Warum war das so:
Wir hatten mit der Situation in 2018/12 einen Einbruch, der in aller Glieder steckte (siehe auch oben in meiner Prognose). Ich hatte erwartet, dass die ersten zarten Pfläntzchen einer Erholung für Gewinnmitnahmen genutzt werden. Dass die Asset Allocation (extrem Cash) so verheerende Ausmaße und Folgen haben würde, hätte ich nicht gedacht.

Jedoch: ich würde es genauso wieder machen. Ich war natürlich in 2018/12 mit Start der Rally im Markt. Nicht voll investiert, aber ausreichend. Ich habe natürlich in allen 3 Konsolidierungen (Juni, August, Oktober) nachgekauft. Ich hätte natürlich eine bessere Jahresperformance haben können, wenn ich in 2018/12 mit voller Hand investiert hätte. Das entsprach aber nicht meiner damaligen Strategie und entspricht auch heute nicht.

2. Meine Performance

In der Summe bin ich mit meinem Jahr sehr zufrieden. Ich bin deutlich über meinem selbst gesteckten Plan. Natürlich aufgrund der konservativeren Strategie bin ich hinter dem amerikanischen Markt, jedoch deutlich im 2-stelligen Plus.

3. Mein Weg zum Ritter und die Beteiligung in Mr. Market
Ich habe letztes Jahr diesen Artikel geschrieben. Darin habe ich angekündigt, in Twitter und Mr. Market mich deutlich weniger zu beteiligen. Ich brauchte Abstand, um meine Strategie zu verfestigen und auf eigenen Füßen zu stehen.

Dieser Zustand besteht heute noch. Ich gehe DEUTLICH weniger auf Twitter und beteilige mich leider fast überhaupt nicht mehr in Diskussionen auf Mr. Market. Dies tut mir für die Teilnehmer dieses Blogs leid, da ich mit Sicherheit in einigen Diskussionen einen (wertvollen) Beitrag leisten könnte. Jedoch bitte ich um Entschuldigung, dass sich mein Leben in einer Phase befindet, in der ich mit meiner zur Verfügung stehenden Zeit sehr gut haushalten muss.

Als leitender Angestellter eines Konzerns mit Personalverantwortung, Eherpartner und Vater von 2 Kindern ist die Zeit persé immer knapp. Wenn man dann auch noch meint, sich intensiv um seinen Körper kümmern zu müssen (Tennis), ist sie noch knapper.

Jedoch als kleiner Wehmutstropfen für die Rheinländer eine Info: ich werde versuchen, mit (oder ohne) Stockpix nach Karneval einen Stammtisch zu organisieren.

Twitter traure ich einzig aus dem Grunde nach, dass ich leider meine geliebte Asset Allocation nicht mehr regelmäßig finde und bekomme. Bislang habe ich noch keine Quelle ausfindig gemacht, wo ich nach Erscheinen der BofAML meine geliebten Charts finden kann (leider hat Urban Carmel auch mehr oder weniger seinen Blog Fat-Pitch aufgegeben, da er ein politisches Amt anstrebt). Dies ist mehr oder weniger der einzige Grund, regelmäßig auf Twitter zu schauen.

Wer also für mich einen Tipp hat, auf welcher Webseite ich die BofAML Informationen bekommen kann, bitte her damit!

4. Das Feeback-Thema
Das ist ein Thema, das ich jedes Jahr anreiße und mich mittlerweile daran gewöhnt habe. Hari hat mich und alle anderen Kolumnisten zu Beginn gewarnt: "Man schreibt gegen eine Wand an!" Trotzdem wollte und konnte ich es nicht wahrhaben.

Ich schreibe doch zu einem Thema, sage klipp und klar meine Meinung zur aktuellen Marktlage. Da muss es doch jemanden geben, der die Lage anders sieht. Kann mein Artikel nicht zu einer Diskussion anregen? Mit Sicherheit gibt es einige, die meinen Gedanken nicht folgen können. Wieso gibt es keine großen Rückfragen (ja, ok. Die ein oder andere gab es, das gebe ich zu)?

Das frustrierte mich zu Beginn meiner Kolumnistenzeit und frustriert immer noch. Jedoch ist der Schmerz geringer geworden. Der Gewinn aus der Schreiberei überwiegt: ich schreibe meine Gedanken strukturiert zum Marktgeschehen für mich und für andere auf. Indem ich hier im Blog dies aufschreibe, mache ich mir deutlich mehr Gedanken darüber, als wenn ich dies allein für mich auf Papier machen würde.

5. Die Glaskugel
Dieses Jahr kommt kein Chart, sondern nur eine Beschreibung meiner Erwartung.

Meine Thesen zum weiteren Marktgeschehen:
- Der Markt wird mittel- und langfristig weiter nach oben treiben. Der weltweite, wirtschaftliche Wieder-Aufschwung wird die weltweiten Märkte unterstützen

- Das mittelfristig Point and Figure Kursziel von 3.600 Punkten wird in 2020 erreicht. Jedoch glaube ich nicht, dass das langfristige Kursziel von 4.000 Punkten erreicht wird.

- Zum Jahresende wird uns der Markt maximal unsicher, wie er es immer liebt, in das nächste Jahr verabschieden. Wir werden ein Fadeout sehen, das eine Rally wie auch eine weitere Konsolidierung im Anschluss realistisch erscheinen lassen.

- Wir werden eine Unterperformance des US-Marktes zu anderen größeren Märkten sehen. Zu sehr ist der Rest der Welt in den letzten Jahren hinterher gelaufen. Sinnvolle Kandidaten sind hier aus meinen Augen Emerging Markets (insbes. China), UK und Euroraum.

- Der Dollar wird seine Dominanz etwas verlieren. Wir sollten hier auf Rohstoffe im Allgemeinen wie auch Gold im Speziellen ein Auge haben.

6. Schlusswort
Ich wünsche all meinen Lesern, den Kolumnisten und insbesondere Hari eine geruhsame Weihnachtszeit. Es hat mir viel Spaß gemacht, meine Kolumne in 2019 zu schreiben und freue mich auf ein spannendes Börsenjahr 2020.

Euer

Hullahuppi

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Rise?



Guten Morgen!

Ich hatte es gestern schon im Forum, das Video zur Marktlage, mit der Frage ob der Markt sich aus dem Loch befreien kann? Rise?

Was wir gestern gesehen haben, war ein Balancieren am Abgrund, bevor der Markt sich davon lösen konnte und der S&P500 dann doch marginal im Plus geschlossen hat:

Schaut man auf die Marktinternas, kann man unzählige Gründe finden, warum das irrelevant und eher ärmlich war, die Marktbreite gleich ganz vorneweg. Trotzdem hat das eine Chance generiert, denn wir dürfen nicht vergessen, dass die alten Regeln wie ein Boden mit einem marginalen Undercut - hier vom Tief im Oktober - auszusehen hat, sich im Zeitalter der Algos verändert haben.

Ich erinnere an meinen Artikel -> Es ist so verflucht artifiziell! <- von damals kurz nach dem Brexit. Bitte lesen Sie den noch einmal, denn vieles was ich damals gesagt habe, trifft auch auf gestern und die aktuelle Lage zu.

Die wirkliche Frage ist also, ob in dieser Woche das "Follow Through" kommt, wenn sich heute ein "Turnaround Tuesday" entwickeln sollte, werden wir schnell erleben, wie plötzlich Marktbreite und Volumen anziehen. Wenn!

Womit wir auch wieder an der Stelle sind, die ich auch wie eine Gebetsmühle wiederholen muss und ich auch damals im Artikel nach dem Brexit für die Trader unter uns betont habe. Damals schrieb ich:

Opportunistisch rein und Trailing Stop!

.....

Das ist die wichtige Botschaft, die ich immer wieder habe. Die Prognose, das Grübeln ob der Markt wieder zu den Hochs steigt oder vorher weg kippt, hat nur äussert begrenzten Wert.

Wichtig aber ist, die Chance opportunistisch zu ergreifen. Und dann gilt halt: "Schaun mer mal dann sehn mer scho".

Auch jetzt werden wir mehr "Sicherheit" erst viel höher haben und dann kann es sein, dass der Markt schon wieder nach unten schwingt, denn die übergeordnete Lage ist weiter höchst fragwürdig.

Wer also solche potentiellen Rebounds mitnehmen will, muss die Momente nutzen, in denen sich wie gestern ein Undercut gebildet hat, den man nach unten als Absicherung nutzen kann und dann schaut man mal opportunistisch nach oben.

Erneut, kein Mensch weiss, ob das nicht doch nur ein jämmerliches "Bouncelein" war, das wird erst der heutige Tag zeigen. Aber selbst wenn das Verh#ltnis zwei zu eins zuungusten einer Rebound ist, hat man im negativen Fall zwei Trades mit geringem Verlust weil der Stop sehr nahe ist. Und im positiven Fall einen Trade, der potentiell bis zum Jahresende trägt und große Gewinne verspricht.

Das gilt aber nur für Trader, die reagibel und opportunistisch Chancen mitnehmen wollen. Anleger mit längerem Zeithorizont nehmen einfach diese Kerze zur Kenntnis und stellen fest, dass das was werden könnte, es aber noch viel zu früh ist, mehr als einen Konjunktiv daran zu kleben:

Und mittelfristige Anleger machen sich bitte bewusst, dass alles worüber wir hier als Konkunktiv reden, vielleicht bestenfalls nur eine 3-wöchige Erholungsphase bis zum Jahreswechsel ist. Aus den genannten Gründen ist das Risiko nun hoch, dass wir in 2019 eine 2008er und 2016er Replik bekommen und der Jahresanfang eher unerfreulich wird, wenn die Bremsen des Window-Dressing ab Januar gelöst werden:

Das ist die Lage, wie sie sich mir darstellt. Was haben wir an konkreten Entwicklungen an diesem Morgen?

Das Geschehen in Frankreich um die Gelbwesten zeigt, wie malade dieses Land ist. Allerdings sollten wir nicht glauben, dass die Problematik hier in Deutschland prinzipiell besser ist, sie wird nur durch die geringe Arbeitslosigkeit überdeckt.

Aber auch hier ist es so, dass die, die sich in "normalen" Jobs abrackern, damit gerade mal bestenfalls ihren Lebensunterhalt bestreiten können, der Aufbau von Alterskapital oder selbst eine Wohnung in einer Grossstadt sind aber unerreichbar. Auch hier werden in der nächsten Krise Massen bemerken, dass sie zu den Verlierern gehören, während andere in Saus und Braus auf Staatskosten leben.

Ein normaler Polizist im Streifendienst, kann beispielsweise mit dem Gehalt in München seiner Familie kein Dach über dem Kopf mehr verschaffen, während andere mit 8 Kindern und 2 Frauen feixend zu Hause sitzen und sich nichtstuend vom System finanzieren lassen.

Das große Problem ist doch aber wieder, dass die falschen Schlußfolgerungen gezogen werden. Wie in Frankreich, wird man den Hass auf "die Reichen" und "die Eliten" kanalisieren, zu denen per Definitionem faktisch alle Mitglieder hier im Blog gehören, denn wer hier mitliest und sich für die Kapitalmärkte interessiert, ist per Definitionem eine "Elite" aus Sicht dieser Abgehängten.

Der wahre Grund der zunehmenden Armut der arbeitenden Klasse liegt aber gerade im System, das ihnen vermeintlich zu Hilfe eilt. Es ist das Sozialsystem verbunden mit der Geldpolitik der EZB, das der wirkliche Armutstreiber ist. Der Beitrag der Geldpolitik ist hier oft besprochen worden, die steigenden Mieten und Immobilienpreise basieren wesentlich darauf, hier soll nun das Sozialsystem aber im Fokus sein.

Und diese Kritik ist kein Argument gegen ein gut aufgebautes, effizientes Sozialsystem, ich führe hier keine libertäre Argumentation - im Gegenteil, es zeigt nur wie ineffizient das aktuelle geworden ist. Schauen wir doch mal wie aufgebläht es in Deutschland und in Frankreich nach Hollande ist, die große Mehrheit des Haushalts geht dafür drauf und trotzdem - nein gerade deswegen - entsteht faktische Armut bei arbeitenden Menschen, denn wer sich an seinem boomenden Wohnort trotz Arbeit keine Wohnung mehr leisten kann, ist faktisch arm.

Noch nie waren die Summen die in die Sozialsysteme gepumpt wurden so hoch und noch nie war die Wirkung so gering. Und das liegt eben daran, dass das System aus dem Ruder gelaufen ist und zu viele Orchideenthemen, Symbioten und Blutegel finanziert. Wir kennen alle die Beispiele von denen, díe auf Kosten des Systems gut leben, während die arbeitenden Armen Abgaben zahlen und selber auf keinen grünen Zweig kommen.

Die neuen Armen sind die arbeitenden Armen und auch bei uns wird das früher oder später zu Eruptionen führen.

Man müsste das System von politischem Eingriff befreien um seine Fehlallokation zu beheben, denn es ist mehr als genug Geld da und wird mehr als genug Geld umverteilt, nur verliert das System im Gestrüp immer mehr die Fähigkeit, diesen Sozialausgleich wirklich gerecht zu erbringen.

Eine weitere Erhöhung der Abgabenlast ist keine Lösung, auch nicht bei den "Reichen", das wird nur mehr Armut für alle bedeuten, weil dann die Geschäftstätigkeit leidet. Wenn es eine echte Steuerlücke gibt, dann bei den multinationalen Konzernen wie Amazon und bei den wenigen Superreichen, die keine lokale Bindung mehr besitzen. Aber da, gerade bei Amazon und Co, erweist sich die gleiche Politik als unfähig, die kein Zögern dabei hat denen in die Tasche zu greifen, die nicht weglaufen können.

Ein Anfang für mehr "Gerechtigkeit" wäre, die Milliarden die in diverse NGOs und politische Glaubensprojekte fliessen zu beenden, da hat sich eine wuchernde Schicht an politischen Symbionten gebildet, die genau von dem Polizisten und seiner Familie finanziert werden, der sich keine Wohnung in München mehr leisten kann.

Ich bin aber sicher, im Falle des Falles werden die Symbionten die Ersten und Lautesten sein, um auf "die Reichen" als Ursache zu zeigen, womit dann alle mit Einkommen leicht über dem Durchschnitt gemeint sind. Frei nach dem bewährten Motto "Haltet den Dieb", man kennt das ja.

Insofern ist Frankreich in meinen Augen kein Grund sich arrogant darüber zu erheben. Frankreich hat unter Hollande sozialistische Politik erlebt und hat die was verbessert? Nein, die hat alles noch schlimmer gemacht. Wir sehen unsere Zukunft vor Augen, auch unsere Gesellschaft wird ganz langsam von einem gefrässigen Umverteilungssystem erdrosselt, das sich gerade der eigenen Grundlagen beraubt.

Es ist Zeit für einen Neuanfang, an marginalen Stellschrauben ist hier nichts mehr zu ändern. Ich wäre sehr für einen Ansatz wie beim Grundeinkommen, verbunden mit einer "Maschinensteuer" die Wertschöpfung besteuert statt menschliche Arbeit. Aber nur unter einer Bedingung, die aber nie eintreten wird. Das dann nämlich der ganze Sozialapparat, mit allen Ämtern und kleinen Fürsten die Anträge genehmigen ersatzlos gestrichen wird, inklusive Arbeitslosen- und Rentenversicherung, die braucht es dann auch nicht mehr und die 100.000 Mitarbeiter der BfA auch nicht. Das wird aber nie passieren, eher wird Merkel noch zur Konservativen. 😉

So werden wir wohl irgendwann auch Bilder wie in Frankreich haben und ein Regierung die sich "Gerechtigkeit" auf die Fahnen schreibt, wird ein schon überdrehtes Systems durch eine weitere Drehung endgültig zerstören und was danach kommt, ist nicht schön. Nein, ich bin da nicht optimisisch, das hat genau mit der Infantilisierung zu tun die ich beklage und die sich in der völkischen Fraktion der AfD ebenso gruselig ausbreitet, wie sie in den meisten Parteien und besonders auf der Linken schon vorhanden ist, wo auch etatistisches Denken vorherrscht und der Glaube an einen bemutternden Staat viele Anhänger hat. So als ob Politiker und Ämter jemals die besseren Verteiler von Geld gewesen wären, als eine freie, soziale Marktwirtschaft.

Was das Drama um den Brexit angeht, tritt es nun in eine Phase, in der die Zeit zunehmend abgelaufen ist. Im Bereich Clearing existieren nun erste Bereiche, wo die Verantwortlichen Entscheidungen treffen müssen, weil sie wegen Fristen keine Zeit mehr haben zu warten: -> Global Finance needs to make Brexit Decision *NOW* <-.

Es wird dringend Zeit, das in UK mal "die Erwachsenen" übernehmen, falls da welche sind. Man kann May viele taktische Fehler vorhalten, aber die Grundrichtung ist in Ordnung. Sie hat sich an das Urteil des Volkes in der Abstimmung gehalten und gegen alle Widerstände eine Vereinbarung zusammengebracht, die Zeit erkauft. Diese Vereinbarung ist nicht schön, aber real und besser als das Chaos.

Wer da an der Seitenlinie nun seinen politischen Wunschvorstellungen fröhnt und nicht das Wohl des Landes im Auge hat, dem fehlt in meinen Augen das, was jeder Spitzenpolitiker haben sollte: Verantwortungsbewusstsein.

So weit für heute.

Als Hinweis noch zum Schluß: Der Stream wird heute voraussichtlich zweigeteilt. Ich eröffne ihn normal, setze ihn aber ab 16 Uhr auf Hold und nehmen ihn dann nach 20 Uhr bis zum Handelsende wieder auf.

Bis später!

Ihr Hari

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Zeit zu Röhren!



Guten Morgen!

Heute ist ein wichtiger Tag. Durch die gestrige Schwäche wurde die potentielle iSKS im SPX perfekt ausgeformt und nun gilt für die Bullen: Zeit zu Röhren oder für immer zu Schweigen!

Außerdem ist heute (Turnaround-) Tuesday und es ist Mitte November, nächste Woche ist Thanksgiving und danach sind es noch 4 Wochen bis Weihnachten, es wird also Zeit!

Es erscheint nun immer unwahrscheinlicher, dass sich an den beiden Hauptsorgen Handel und Zinsen und den sich daraus ergebenen Sekundärsorgen wie den Emerging Markets, bis zum Jahresende noch etwas Substantielles ändert. Die Chance ist da, aber sicher nicht heute oder morgen.

Insofern muss der Markt nun etwas viel Wichtigeres zeigen, nämlich dass er nicht nur aufgrund exogener Trigger nach oben "poppen" kann, das ist leicht, sondern dass er aufgrund innerer Stärke nach oben schieben kann!

Ich billige dem, was nun im Rest der Woche passiert, also wie im Wochenausblick geschrieben hohe Bedeutung zu. Wenn man noch an ein starkes Jahresende glauben soll, hat der Markt nun die ideale Ausgangslage und die Algos sehen diese iSKS mit Sicherheit auch.

Sollte diese Woche die Kraft dafür aber fehlen, werde ich deutlich bärischer werden. Diverse "Snapper" zum Jahresende sind dann immer noch drin, eine richtige Rally die uns wieder zu den Hochs führt, beginne ich dann aber adacta zu legen. Und damit verschlechtert sich dann auch der Ausblick auf Anfang 2019, so wie ich das beschrieben habe.

Denn wir folgen dem Markt und ein schwacher Jahresabschluss war oft der Vorbote eines Einbruches im Folgejahr - ich habe Ihnen schon im -> Wochenausblick KW42 Mitte Oktober <- anhand 2007 und 2015 gezeigt, was wir zum Jahresende nicht sehen wollen und warum:

Das ist das Kernthema des Tages und der Restwoche. Und bevor wir hier eine Seite sehen können, die sich klar durchsetzt, verbieten sich auch signifikante Engagements in eine Richtung.

Ein paar opportunistische Trades gehen aber immer, heute zum Beispiel könnte ein Long-Trade mit Initialstops unter den gestrigen Tiefs vielleicht Spaß machen, aber mit größerem Kapitaleinsatz sollten wir besser abwarten, wofür sich der Markt entscheidet.

Die initialen Daten des Tages deuten darauf hin, dass die Bullen den "Call for Action" erhören werden. Im E-Mini Futures des SPX haben wir Stand 09:00 MEZ nun eine kleine iSKS im Rahmen der Chance auf eine große iSKS:

Der DAX hat eine matschige Chartstruktur, dafür zeigt aber auch der MDAX dieses iSKS Muster recht deutlich und steht heute deutlich im Plus:

Was sicher hilft und ein gutes Zeichen ist, ist dass zwei der Aktien die ich gestern in -> den Qualitätsreversals <- besprochen habe, nach Zahlen Stärke zeigen, weil alles Schlechte wohl schon im Kurs war.

Bei Vodafone (VOD) reicht eine -> Bestätitigung der Dividende <- um einen erheblichen "Pop" von aktuell 6% auszulösen:

Bei Bayer (BAYN) werden -> eigentlich stabile Zahlen <- natürlich weiter von der Monsanto-Klagewelle überschattet. Aber der Markt dreht nach anfänglichem Zögern mit 2% ins Plus:

In beiden Fällen kann man in den Pop keine Wende hinein interpretieren, wenn überhaupt dann bei VOD eher als bei BAYN, aber es könnte eben eine werden, wenn das in den Folgetagen bestätigt würde.

Die wichtige Botschaft beider Aktien ist aber, dass so viel schlechte Nachrichten im Kurs sind, dass eine gute Nachricht den schnell nach oben bringen dürfte.

Und auch der breite Markt hat nun durchaus diese Chance, er ist dabei eine Unmenge an Makro-Sorgen zu verarbeiten, weswegen ich sicher bin, dass jetzt ein Satz von Jerome Powell reichen würde, um eine massive Rally zu zünden.

Nur ob dieser Satz kommt, ist eben sehr fraglich und statt darauf zu spekulieren, sollten wir wie oben beschrieben uns mehr nach der inneren Stärke oder Schwäche des Marktes richten und deshalb ist diese Woche so wichtig und insbesondere das was heute passiert.

Ich wünsche uns einen erfolgreichen Tag! Wie schon angekündigt, wird der Stream heute zweigeteilt sein, ich beginne normal, mache eine lange Pause von ca 16-20 Uhr und führe ihn dann zum Handelsschluss weiter.

Morgen und Übermorgen, Mittwoch und Donnerstag, kommen übrigens zwei Grundlagenartikel zur Investmentstrategie. Ich werde Ihnen eine stark vereinfache Version meiner Positionsgrößenstrategie als "Muster" und "Vorlage" anbieten, damit Sie überhaupt mal einen Einstieg schaffen. Und am Donnerstag wird unser "Pasolini" seine persönliche Strategie mit uns teilen. Freuen Sie sich darauf!

Ihr Hari

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Wenn der Gnom nicht wäre

Der Ferienmodus mit geringerer Aktivität im Blog ist vorbei, nun stehen uns die 4 aktivsten Börsenmonate des Jahres bevor und dann steht schon 2018 vor der Tür.

Mein Gott, ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als "2001 Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick noch ferne Zukunft war und ich mit grossen Augen im Kino sass. Was bin ich doch ein alter Knacker geworden.

Dass eine weitere Korrekturphase im Zeitraum September/Oktober nicht unwahrscheinlich erscheint und das Jahr trotzdem ein gutes Börsenjahr werden dürfte, habe ich Ihnen schon in -> Vom Fischen gehen <- geschrieben.

Wenn wir aber die kommenden Tage dieser Woche gerade in den eurobasierten Indizes von DAX & Co. anschauen, sind die Chancen gar nicht so schlecht, dass hier nun eine Chance nach oben besteht:

Rund um die EZB am Donnerstag und Draghis Pressekonferenz, sollte sich nämlich allerlei Erwartung entfalten, dass Draghi den Anstieg des Euros deckelt und das sollte DAX & Co. helfen. Auch die Kerze letzter Woche als "Hammer" deutet in diese Richtung.

Leider wird das Bild heute durch den Gnom aus Korea etwas verzerrt, es macht aber Sinn davon auszugehen, dass diese Sorge ebenso verfliegt wie die Fälle vorher. Sicher, wenn es wirklich zum Krieg auf der koreanischen Halbinsel kommt, ist alles anders und alle normalen Szenarien hinfällig. Dass es aber dazu kommt, ist wohl weiter nur ein Restrisiko, auf das zu setzen keinen Sinn macht.

Wenn der Gnom nicht wäre, wäre es heute also einfacher und wir hätten wohl im Grünen eröffnet. Aber das kann ja noch werden. Solange die oben eingezeichnete Unterstützung hält, kann man im DAX nach oben schauen. Darunter zieht man die Reissleine - eine recht klare Ausgangslage.

Gold macht übrigens das, was ich hier schon Ende Juli in -> Erwachen der Edelmetalle <- auf den Radar genommen habe. Auch dabei hilft der Gnom aktuell mit, wie das Edelmetall aber den Ausbruch über 1.300 USD mit einem Retest bestätigt hat, ist schon eindrucksvoll:

So weit so kurz an diesem Montag im September 2017. Einem September der bekanntermassen keinen besonders guten Ruf als Börsenmonat hat. Das muss uns aber nicht schrecken, erfolgreiche Anleger nehmen ebenso wie erfolgreiche Bergsteiger oder Kletterer den Markt/Berg immer Schritt für Schritt und Zug um Zug. Das Spintisieren über den Horizont überlassen wir denen, die gerne eine Klippe herunter stürzen, weil sie als "Hans guck in die Luft" nicht auf ihre Füsse achten.

Ihr Hari

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Weniger aber Länger II



Er hat geliefert. Wie (fast) immer.

Das Hauptthema, das dem Markt wohl gefällt, ist die Ausdehnung der Käufe auf Anleihen mit nur einem Jahr Restlaufzeit und mit Rendite unter dem Einlagenzins von -0,4%. Ich sehe darin eher Zeichen eines Problems, dass der EZB nämlich die Anleihen im alten Programm ausgehen und das Programm immer noch nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Dass in Zukunft auch solche Anleihen gekauft werden dürfen, könnte auch zu einer noch steileren Renditestrukturkurve am Rentenmarkt führen.

Insbesondere sollte man sich klar machen, dass die EZB mit den Ankauf von Negativ rentierenden Anleihen einen unmittelbaren Buchverlust bei sich generiert. Aber was interessieren Buchverluste, wenn man Geld im Computer per Knopfdruck schöpfen kann? Die Frage ist doch aber, warum sie diesen Schritt gehen muss und die Antwort habe ich oben gegeben. Ist das Ausweis eines Erfolges?

Für den Markt zählt auf jeden Fall wohl vor allem, dass die Phase des billigen Geldes weitergeht. Letztlich ist von den Marktteilnehmern eine Entscheidung zu treffen, ob die Ausdehnung der Laufzeit und die Erweiterung der Bedingungen wichtiger ist, als die Probleme die in der Verringerung auf 60 Milliarden EUR Ausdruck finden. Etwas, was man letztlich auch als Einstieg ins Tapering werten könnte, auch wenn Draghi das vehement verneint hat.

Der Markt hat diese Entscheidung klar getroffen und zwar genau in der Richtung der Stimmung, die er sowieso hatte: Massiv nach oben!

Womit wir bei der wichtigsten Frage sind: Ist dem nun zu trauen?

Ich bin ganz offen, heute und hier tue ich mich damit ganz schwer. Denn meine in zwei Jahrzehnten geübten Instinkte sagen mir, dem nun nicht uneingeschränkt zu vertrauen, das könnte ein finales Hurrah im Sinne "Fait Accompli" sein.

Ein Blick auf das Chart des DAX Stand 16:00 Uhr offenbart aber etwas, was auch ein Fortsetzungsdreieck sein könnte:

Und meine Instinkte beruhen ja auch noch auf der alten Welt der Käufe von Menschen. Von Menschen hätte es aber wohl auch gestern im späten Handel, nicht diesen massiven Druck auf die Kurse nach oben gegeben.

Auch wenn es mir schwer fällt, stellt sich mein Kopf hier also gegen meinen Instinkt. Sicher, ganz kurzfristig kann es nach diesem Hurrah auch wieder eine kleine Konsolidierung geben. Die Ingredienzien sind nun aber da, dass die Kaufprogramme einfach weiter machen können und zwar bis zum Jahresende und darüber hinaus.

In diese Richtung zwinge ich mich nun zu agieren, obwohl ich da wirklich "Bauchschmerzen" habe. Meine Bauchschmerzen halte ich dadurch im Griff, dass ich nun mal wieder mit Stops agiere und zwar recht engen. So kann ich Kopf und Bauch zusammen bringen.

Aber erneut, das ist nun kein einfacher Moment. Sie müssen diese Entscheidung auch für sich treffen. Dass der Markt zum Jahresende bullisch zu werten ist, daran gibt es keinen Zweifel. Aber sollten hier und jetzt nicht mal Gewinnmitnahmen nach der EZB einsetzen? In der Theorie ja, das wäre der normale Pfad der Vergangenheit. Aber halten das auch die Algos für nötig? Und was interessiert die die Vergangenheit?

Übrigens, ein Schlaglicht auf das ganze Geschehen und die Aura der Allwissenden, die die Notenbanken verbreiten, wirft für mich immer ein Blick auf das, was die volkswirtschaftlichen Stäbe produzieren.

Nun hat der volkswirtschaftliche Stab der EZB die Prognosen der Inflation angepasst: -> Stab hebt Inflationsprognose leicht an <-

Schon für 2017 ist das eigentlich das Papier nicht wert, auf dem es steht, denn gehen wir doch mal ein Jahr zurück und fragen uns, wer Brexit und Trunp auf der Rechnung hatte, wobei gerade Letzterer die Inflationserwartungen ja nun offensichtlich deutlich beeinflusst.

Aber nein, das hindert diese Raketenwissenschaftler nicht, eine Prognose für 2019 abzugeben - 2019! Eigentlich könnte man ja nun lachen, weil das gehört ins Absurditätenkabinett der volkswirtschaftlichen Hybris. Wäre da auch nur ein Fitzelchen davon ernsthaft belastbar, könnten die mit dieser Fähigkeit die Zukunft zu überblicken, alle an der Börse zu Multi-Milliardären werden. Aber genau genommen muss man weinen, weil wissen wir, wie viele sehr hoch bezahlte Fachleute an dieser Prognose werkeln, die ich mit meiner ganzen "Arroganz" nun mit einer Handbewegung als unseriöse Zahlenspielerei einfach vom Tisch wische?

Die exakte Zahl der Mitarbeiter an diesem Thema kenne ich nicht, aber zumindest wissen wir jetzt, warum 2.900 Arbeitsplätze im -> festungsartig ausgebauten EZB Tower <- in Frankfurt sind. Ich habe gestern über Machtprojektion gesprochen, das ist eindeutig eine.

Ach! möchte man da sagen, im öffentlichen Dienst bei der EZB müsste man sein. Mitten in einem erlauchten Kreis, der die Zukunft vorher sagen kann! Was sind wir doch für armseelige Wichte dagegen. 😀

Aber genug des triefenden Sarkasmus. Was fällt mir in aller Kürze sonst noch direkt nach Handelsstart der Wallstreet auf? Denn gleich muss ich weg, meine Pflichten als Alleinerziehender rufen.

Erstens, Gold hält sich in Anbetracht von über einem Plus beim Dollar erstaunlich stabil. Die Chance auf eine Bodenbildung hier bleibt bestehen.

Zweitens, auch die US Märkte halten sich in Anbetracht des starken Dollars erstaunlich stabil.

Drittens, will ich nur eine Aktie schnell erwähnen - Cameco (CCJ) scheint die 200-Tage-Linie nicht zu interessieren. Was ein Rebound.

Was sagt mir das Geschehen also als wahrscheinlichstes Szenario?

Dass wir doch nun ein kleine Konsolidierung bekommen, aber die nur schwach und eher seitwärts. Und dann geht es wohl weiter hoch. Das scheint der Pfad zu sein, soweit man das nach einer halben Stunde Wallstreet sagen kann. Wir wissen ja, das grosse Geld setzt seinen Fuss gerne erst ab Handelsmitte in den Markt. Etwas Unsicherheit bleibt also.

Machen Sie es gut!

Ihr Hari
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Der DAX am Jahresende 2014: Ein schwieriges Jahr ist (fast) überstanden

Ein Gastkommentar von Tokay

Das Börsenjahr 2014 neigt sich dem Ende zu und so mancher „Normalanleger“ dürfte froh darüber sein, denn es war insgesamt ein schwieriges Anlagejahr, was nicht zuletzt den exogenen Schocks geschuldet ist(vor allem Krim/Ostukraine, Syrien/Irak). Gingen die Kurse einmal nach oben oder nach unten, so machten sie bald auf dem Absatz kehrt und tendierten wieder in die jeweilige Gegenrichtung. Ein günstiges Szenario für Range-Trader, aber ein ungünstiges Szenario für Trendfolger. Die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ fällt einem da ein.

Das Jahresende stimmt nun aber etwas versöhnlicher. Wir haben hier die günstige Konstellation Wintersaison plus expansive Geldpolitik. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass eine solche Konstellation sich in den allermeisten Fällen positiv ausgewirkt hat, und dies zeigt sich erneut in diesem Jahr. „Don't fight the Year-End Rally“ könnte man dazu sagen. Denn seit Ende Oktober kennt der DAX praktisch nur noch eine Richtung: Nach oben. Die Banken haben am Jahresende 2013 im Durchschnitt einen DAX von etwas über 10.000 Punkten für Ende 2014 prognostiziert, und noch ist das Jahr ja nicht ganz vorbei. Aber komplett daneben scheinen sie diesmal nicht gelegen zu haben.

Das nahende Jahresende ist auch ein guter Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen, wie denn so die allgemeine Lage ist, und dafür bieten sich drei Betrachtungsebenen an: Die sehr langfristige, die etwas längerfristige und die mittel- bis kurzfristigere. Die ganz kurzfristige Betrachtung lassen wir hier außen vor, da sich dieser Artikel nicht explizit an Day Trader wendet.

Zuerst die sehr langfristige Betrachtung. Schauen wir uns dazu das folgende Chart an, es zeigt die DAX-Wochendaten seit Oktober 1959:

Diagramm 1

Der DAX ist seither im Jahresdurchschnitt um etwa 6 ½ Prozent angestiegen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Jahresgewinne um etwa zwei bis drei Prozent langfristig ansteigen – zumindest war das in der Vergangenheit so – wenn wir davon ausgehen, dass die Preise im Durchschnitt um etwa zwei Prozent ansteigen, wenn wir ferner von einer Dividendenrendite zwischen zwei und drei Prozent ausgehen, dann liegen wir ungefähr im Bereich dessen, was erwartet werden kann. Man kann sich natürlich mit Recht fragen, ob diese Prämissen längerfristig haltbar sind, aber das würde den Rahmen der heutigen Betrachtung sprengen.

Der exponentielle Trend gibt die genannte Entwicklung wieder und schreibt ihn fort. Vergleichen wir damit die tatsächliche Entwicklung des DAX, so erkennen wir, dass zahlreiche längerfristigen Bewegungen vom Gleichgewicht weg- und auch wieder hingeführt haben. Die mit Pfeilen markierten Bewegungen haben zum Gleichgewicht hingeführt. So die Stagnation in den sechziger Jahren, so die Hausse in der längsten Zeit der achtziger Jahre, so die scharfen Rückgänge wie auch die Anstiege seit Anfang 2000.

Gegenwärtig bewegen wir uns etwas vom Gleichgewicht nach oben weg, was aber im Moment nicht besorgniserregend ist. Denn solche Bewegungen können durchaus länger andauern und vor allem, das Ende einer solchen Aufwärtsbewegung geht oftmals einher mit einer allgemeinen Aktieneuphorie. Die haben wir zurzeit nicht. Viele Vermögensbesitzer sind, was Aktien anlangt, völlig unterinvestiert. Das Kapital liegt auf Sparkonten oder steckt in Immobilien. Schlussfolgerung also: Die jetzige Entwicklung dürfte langfristig gesehen wahrscheinlich noch geraume Zeit weitergehen.

Kommen wir zur etwas längerfristigen Entwicklung, auch hierzu haben wir ein Chart:

Diagramm 2

Wir erkennen, dass die seit Herbst 2011 andauernde Aufwärtsbewegung ABC im Juli 2014 gebrochen wurde. Seither gab es eine volatile Korrekturbewegung EF. Diese Bewegung wurde in diesem November(mehr dazu später) bei Punkt F gebrochen. Die Korrektur kann damit als abgeschlossen betrachtet werden, dies umso mehr, als die Einflussfaktoren Wintersaison und monetäre Expansion sich günstig auf den Markt auswirken.

Schaut man weiter Richtung 2015, dann ist eine Bewegung im Intervall zwischen 8750 und 11750 DAX-Punkten auszumachen. Das vergangene Jahr mit seinen zahlreichen exogenen Schocks hat gezeigt, wie schwer die tatsächliche Entwicklung vorherzusehen ist, nämlich praktisch gar nicht. Relativ an wahrscheinlichsten erscheint eine Bewegung hin zum oberen Rand des genannten Bereichs. Das hieße: Weiterhin positive Entwicklung zumindest in den kommenden Monaten. Man wird abwarten müssen, wie die in Aussicht stehenden Maßnahmen der EZB bezüglich der Staatsanleihekäufe sich auswirken werden. Diese Maßnahmen stimulieren den Aktienmarkt per se zweifelsohne, aber die Frage ist natürlich schon, ob dies auf Dauer so sein wird oder die Wirkung dieser Maßnahmen nicht irgendwann abstumpft. Professor Sinn sagte vergangene Woche in einem Interview zur EZB-Politik sinngemäß, die EZB dürfe nicht nur Schmerzmittel verabreichen, auch die notwendigen Operationen müssten von Seiten der Staaten des Eurosystems angegangen werden.

Kommen wir abschließend zur mittel- bzw. kürzerfristigen Betrachtung:

Diagramm 3

Hier genügen eigentlich zwei Linien, um die Lage zu charakterisieren:

Der Abwärtstrend ABC wurde am 21. November unter sehr hohem Volumen gebrochen. Zugleich hat der DAX die 200-Tage-Linie unter hoher Dynamik nach oben durchschnitten. Der 21. November markiert damit die Wasserscheide zwischen Korrektur und Wiederaufnahme des Bullenmarktes.

Zugleich wurde gestern Abend die 10.000er Marke nach oben durchbrochen(Punkt D). Wir werden in den kommenden Handelstagen sehen, ob das Durchbrechen dieser Marke Bestand hat oder der DAX erst einmal eine kleine Pause einlegt. In „Hari Live“ werden wir dies in großer Ausführlichkeit verfolgen können.

Tokay

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Sektor Rotation und „Window-Dressing“ zum Jahresende

Ein Jahr nähert sich dem Ende, das in den grossen Indizes eigentlich nur eine Richtung kannte - nach oben.

Damit dürfte dieses Jahr auch ein Effekt besonders intensiv werden, den es eigentlich jedes Jahr zum Jahresende gibt. Der aber dann besonders stark ausfällt, wenn besonders viele institutionelle Marktteilnehmer in ihrer Performance hinter dem Markt hinterher hinken. So wie dieses Jahr.

Und dabei handelt es sich um das sogenannte "Window-Dressing", in dem zum Jahresende gerne noch die Gewinner des Jahres ins Depot aufgenommen werden und die Verlierer rausgeschmissen werden. Dahinter steht die Tatsache, dass die Fonds zum Jahresende vor ihre Anleger treten und diese einen kritischen Blick wagen, was das Fondmanagement denn da so in den Depots hat. Und wer sowieso schon dem Markt hinterher hinkt, will dann nicht auch noch sichtbar machen, dass er das ganze Jahr auf die "Gurken des Jahres" gesetzt hatte.

Das kann durchaus den Unterschied zwischen abgezogenem Anlegergeld und erhaltenem Vertrauen darstellen. Und kann sogar manchmal den Job kosten. Darüber hinaus kann man ja durch additive Käufe auch noch den Kurs von Positionen stützen, die schon im grossen Umfang im Depot sind. Und deshalb ist "Window-Dressing" zum Quartalsende, vor allem aber zum Jahresende, ein starker Faktor.

Besonders in den USA wird dieser Effekt heuer noch durch eine steuerliche Thematik verschärft. Wenn Verluste zum Jahresende realisiert werden, können Sie mit Gewinnen in anderen Anlagen steuerlich verrechnet werden. Und Gewinne gibt es dieses Jahr genug und damit auch den Druck, die wenigen Verlustpositionen vor dem Jahresende noch aufzulösen. Was wiederum finalen Druck auf die Aktien macht, die sowieso im Jahr schon schlecht gelaufen sind.

In Summe werden diese beiden Effekte mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass die Titel und Sektoren, die schon das ganze Jahr gelaufen sind, auch zum Jahresende weiter laufen. Und die Titel und Sektoren, die schon das ganze Jahr geschwächelt haben, zum Jahresende noch einmal final verkauft werden.

Das Dümmste, was Sie nun als Anleger also machen können, ist nun - Anfang Dezember - die schwächelnden Sektoren zu kaufen und sich dann in drei Wochen zu wundern, dass diese erneut ein paar Prozent tiefer stehen. Und dann zu verkaufen, nur um dann zum Jahresanfang hinterher zu schauen, wie die Sektoren plötzlich anspringen.

Das Potential zur Sektorrotation ist nun massiv da. Aber nicht jetzt Anfang Dezember. Sondern Ende Dezember - zum Jahreswechsel. Im Januar werden sich bestimmt viele neue Chancen auftun und der Markt die neuen Favoriten für 2014 aussortieren. Und dabei werden auch einige Überraschungen sein.

Aber der Zeitpunkt darauf zu wetten ist nicht heute. Denn "zu früh" ist am Markt nur eine euphemistische Umschreibung von "falsch".

Ihr Hari

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Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt

Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft: -> The new abnormal <-

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen ! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

Ich kann auch ein anderes hypothetisches Beispiel bemühen. Nehmen wir an, Sie als ein fähiger Astronom wissen heute, dass in 5 Jahren von jetzt ein riesiger Asteroid die Erde treffen wird. Von totaler Vernichtung des Lebens ausserhalb der Ozeane, bis zumindest kontinentalem Genozid ist alles drin. Und Sie wissen, dass Sie es nicht ändern können. Macht es dann Sinn, sich heute schon unter der Erde zu verkriechen ? Sich vielleicht einen Monat vorher ihre Familie zu schnappen und an den relativ sichersten Ort der Welt zu gehen und dort Vorräte anzulegen, mag ja noch Sinn machen. Aber heute ? Man muss sich sogar fragen, will man so ein Wissen überhaupt haben ? Denn es verhindert vielleicht noch 5 glücklich gelebte Jahre ?

Der Punkt ist: unsere Leben findet im Hier und Jetzt statt. Die Zukunft ist die Zukunft und unbestimmt. Es macht natürlich Sinn, über die Zukunft nachzudenken. Und es macht auch Sinn, sich im vernünftigen Rahmen auf die Zukunft vorzubereiten. Es ist aber unsinnig und völlig kontraproduktiv, das eigene Handeln im Hier und Jetzt ausschliesslich von Ängsten um eine mögliche, aber nicht sichere, Zukunft bestimmen und beherrschen zu lassen.

Und so ist es auch bei der Geldanlage. Man mag über die aktuelle Notenbankpolitik denken was man will. Und wer dabei nicht zumindest ein flaues Gefühl der Unsicherheit im Magen hat, der hat mit Verlaub keinen Verstand – die Notenbanker haben dieses flaue Gefühl doch auch, auch wenn sie darüber nicht reden. Alle mit Verstand wissen, dass wir uns in einem historisch einmaligen Experiment befinden und der Einsatz immens hoch ist.

Und trotzdem, das Geld im Depot wird im Hier und Jetzt verdient. Und im Hier und Jetzt steigt dieser Markt. Im Hier und Jetzt, haben wir einen offensichtlichen, gewaltigen Bullenmarkt. Sich permanent emotional dagegen zu stellen, macht das Leben zur Hölle, frustriert und generiert am Ende nur rote Zahlen im Depot.

Und es gibt auch einen Weg, wie man die objektive, rationale Skepsis und das Handeln mit dem Trend, wieder in Einklang bringen kann. Und das ist, das hier im Blog immer wieder beschriebene Denken in konkreten Setups und Handeln mit "Reissleine", also mit - zumindest gedanklichen - Stops.

Denn das Denken in definierten Setups, mit definierten Exit-Marken, befreit von der Angst, wenn man es konsequent betreibt. Bevor man die Position überhaupt eingeht, überlegt man sich, wie viel man maximal in diesem Trade riskieren – also verlieren - will und schreibt den Betrag gedanklich ab.

Die „Trauerarbeit“ um den Verlust findet also schon vorher statt, zu dem Zeitpunkt wo man den Trade eingeht. Hat man das geschafft, kann man von da an nur noch gewinnen. Und das befreit emotional enorm und ermöglicht Ihnen Trends mitzugehen, die Sie nie anfassen würden, wenn Sie eine Entscheidung für etwas treffen müssten, woran Sie gar nicht glauben. Mit einem Setup aber, stellen Sie emotional nur einen Zeh ins Wasser und Ihr Stop definiert, wie schnell der Zeh wieder draussen ist. Und Sie wissen ja, starke Trends dauern oft länger, als wir uns alle vorstellen können. Wenn ein Trend mit Macht begonnen hat, kann man oft immer noch mit gutem Gewissen aufspringen, die letzten 5 Jahre an den Märkten sind auch dafür erneut Beleg.

Mit dieser Denkstruktur wäre man schon 2009 Long eingestiegen und wäre immer noch - oder mit einer Pause 2011 wieder - dabei, statt dem Markt zu misstrauen und klüger als der Markt sein zu wollen. Aber im Herzen könnte man immer noch ein Skeptiker sein, der den Tag der Abrechnung kommen sieht. Bis dieser Tag aber kommt, hat man gut verdient. Und wenn der Tag der Abrechnung kommt, kegeln einen die Stops raus und es ist dann immer noch früh genug, die Bärenkrallen in das Fleisch all der auf der Party zu spät angekommenen und nun panischen Kühe zu schlagen – die ehedem mal röhrende Bullen waren.

Für unser konkretes Handeln an den Märkten ist also wichtig:

(1) Gewinne werden im Hier und Jetzt mit dem Markt erzielt und nicht gegen ihn.

(2) Zukunftserwartungen, Vorsicht und ein Blick auf mögliche Entwicklungen sind wichtige Fähigkeiten um sich rechtzeitig einzustellen, aufmerksam zu bleiben und wenn nötig schnell „die Kurve“ zu kriegen.

(3) Eine mögliche Zukunft darf aber nicht unser Handeln im Hier und Jetzt überlagern und verzerren. Die Zukunft ist nicht gewiss, wir bilden uns nur manchmal ein, sie wäre es.

(4) Vorsicht und Handeln sind verschiedenen Dinge. Vorsicht kann zu Handeln führen, wenn die gefürchteten Bedingungen eintreten. Wer aber nur auf Verdacht handelt, holt sich in der Regel eine blutige Nase.

(5) Wir sollten unsere Energie auf die Dinge konzentrieren, die wir selber beeinflussen können. Die aber besonders gut machen. Was wir nicht beeinflussen können, müssen wir dagegen hinnehmen und uns anpassen.

Lamentieren Sie also gerne über einen überzogenen Markt und "verrückt" gewordene Notenbanker so viel Sie wollen, alles kein Problem - das kann sogar der Seele gut tun, mal den Frust abzulassen. Aber handeln Sie an den Märkten nicht danach !

Real ist nur das, was der Markt wirklich tut und nicht das, was Sie gerne hätten, das er tut. Und dieser Markt steigt. Und zwar so lange, bis er nicht mehr steigt. Und diesen Moment des Trend-Wechsels kann man auch erkennen, wenn man mit klaren, gut durchdachten Marken operiert, die einem das Ende des Bullenmarkets indizieren.

Der Preis dafür ? Das man vielleicht ein paar Prozent von den Höchstständen wieder abgegeben wird, wenn die Stops dann Triggern und "Exit" signalisieren. Aber was sind schon 10%, wenn man vorher zum Beispiel im DAX den Weg von 3589 am 09.03.2009 bis zu 9254 gestern mitgegangen ist ? Übrigens, zum Mitschreiben, das waren 158% Anstieg vom Tief am 09.03.2009 ! Hat es sich also wirklich gelohnt, den Markt jahrelang zu bekämpfen ?

Übrigens wirkt dieser Mechanismus in beide Richtungen. Denn irgendwann wird die grosse Korrektur ohne jeden Zweifel einsetzen. Vielleicht heute, vielleicht erst 2015. Und es wird über Wochen und Monate nervenzehrend nach unten gehen. Und genau die gleichen Menschen, die nun jahrelang gegen den Markt gekämpft haben, werden dann viel zu früh schon wieder einsteigen, weil jetzt ist der Markt für sie ja vermeintlich "billig genug". Ist er aber erneut nicht und es geht auch in der Abwärtsbewegung oft weiter runter als man erwartet. Erneut kämpfen die gleichen Menschen dann gegen den Markt, weil sie erneut klüger sein wollen, als alle anderen Marktteilnehmer zusammen. Das pflegt das eigene Ego, machen Sie sich aber klar, dass das Ego an den Börsen unser grösster Feind ist und unglaublich viele Verluste in Depots auf dem Gewissen hat.

Merken Sie sich also unbedingt für den nächsten Börsenzyklus, dass Sie dem Markt folgen und sich dabei mit guter Entfernung absichern. Die Absicherung darf nicht zu nahe sein und dient nur der "Katastrophen-Prävention". Und das Sie am Ende einiges von den letzten Gewinnen wieder abgeben, liegt dabei im System. Und trotzdem funktioniert es und ist einfacher und profitabler, als gegen den Markt zu kämpfen.

Ob Sie auf diesen aktuellen und langsam alternden Trend noch aufspringen wollen, können Sie nur selber entscheiden. Klar ist, es kann durchaus noch eine Zeit lang so weiter gehen. Klar ist aber auch, eine deutliche Korrektur ist nun langsam mal fällig.

Ihr Hari

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Gastkommentar – DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

Ein Gastartikel von Tokay

DAX-Betrachtung: Weihnachts-Geld in Sicht ?

In diesen Tagen mehren sich wieder einmal die Spekulationen über eine bevorstehende sogenannte „Jahresendrallye“. Für und gegen eine solche Jahresendrallye werden allerlei Argumente ins Feld geführt. Dabei reden die einen von saisonal auftretenden Mustern, andere führen die mickrigen Geld- und Kapitalmarktzinsen ins Feld, und wieder andere warnen vor einem jähen Ende der bereits seit dem Sommer andauernden Rally an den Aktienmärkten. Und ja, die Eurokrise – die gibt es ja auch noch. Da stellt sich für uns die Frage: Was ist dran an solchen Mutmaßungen, gibt es saisonale Muster und wie verlässlich sind sie?

Anhand der seit Ende 1959 vorliegenden DAX-Kurse zum Monatsende haben wir einmal

  • als „Jahresendrally“-Zeitraum die Monate November bis Dezember definiert;
  • diesen Zeitraum mit den restlichen Monaten Januar bis Oktober und außerdem mit dem Gesamtjahr verglichen;
  • und nachfolgend die Entwicklung der beiden letzteren Zeiträume auf einen Zwei-Monats-Zeitraum umgerechnet – die Jahresendrallye hat für eine vermutete Outperformance ja nur zwei Monate zur Verfügung, also wäre es ein bisschen unfair, zwei Monate mit zehn bzw. zwölf Monaten zu vergleichen.

Es zeigt sich, dass die Zwei-Monats-Performance November bis Dezember mit 2,42 Prozent deutlich höher ausfällt als die umgerechneten Performancewerte für Januar bis Oktober bzw. für das Gesamtjahr, die beide unter 1 Prozent liegen. So positiv das Abschneiden der Jahresendrally sich darstellt, so variabel ist es allerdings auch. In den vergangenen 52 Jahren hat die Jahresendrallye in 28 Fällen besser abgeschnitten als der Vergleichszeitraum, aber 24 mal schlechter. In 30 Jahren legten die Kurse zum Jahresende zu, aber in 22 Jahren waren Verluste zu verzeichnen. Wasser auf die Mühlen derer, die sagen, dass sich Aktienkurse nicht vorhersagen lassen.

Extreme Entwicklungen gab es etwa 1973, als vor allem der rapide Anstieg der Ölpreise am Schluss des Jahres negative Wirkungen an den Börsen zeitigte. Sehr deutlich ging es hingegen am Jahresende 1982 nach oben, als die Gewinnerwartungen der Unternehmen rapide anstiegen. Ebenso geschah dies Ende 1989 im Rahmen der Euphorie, die mit dem Fall der Mauer entstand und ebenso Ende 1999, als der New-Economy-Boom, was man damals natürlich noch nicht wusste, in den letzten Zügen lag. 2000 hingegen war dieser Boom vorbei und 2002 steckte die deutsche Wirtschaft in einer schweren Rezession – in beiden Fällen konnte von einer Jahresendrallye keine Rede sein. Diese Entwicklungen sind nachfolgend deutlich zu sehen:

Insgesamt also sehen die Jahresendrallye-Perspektiven etwas wackelig aus – Es kann gut laufen, es kann aber immer auch irgend etwas dazwischen kommen. Dennoch meine ich: Es ist etwas dran an der Jahresendrally! Und warum? Nun, da könnte man sinngemäß mit Otto Rehhagel sagen: „Die Wahrheit liegt in den Daten“.

Denn es zeigt sich, dass die Datenverteilung der Jahresendrally-Performances vergleichsweise stabil ist – die Vergleichszeiträume sind viel wackeliger. Damit ist aber die Wahrscheinlichkeit, eine deutlich positives Ergebnis zu erzielen, zum Jahresende hin viel höher als sonst im Jahr. Sicherheiten, das wissen wir, gibt es natürlich auch hier keine. Aber Wahrscheinlichkeiten. Und die sprechen eindeutig für die Jahresendrally. Lassen wir Bilder sprechen:

Das sollte man sich wirklich einmal genau anschauen. Bei der Aussicht, ohne Verlust davonzukommen, sind sich die Wahrscheinlichkeiten der Jahresendrallye und der Vergleichszeiträume noch ähnlich: ungefähr 62 Prozent bei der Jahresendrally , 59 Prozent beim Rest. Gewaltige Unterschiede tun sich indes auf, wenn man etwa nach der Chance auf 6 Prozent Wertzuwachs fragt: Hier schlägt die Jahresendrally den Restzeitraum mit 32,2 zu 10,4 Prozent. Eintrittswahrscheinlichkeit.

Kaum geringer sind die Unterschiede bei der Chance auf einen Wertzuwachs von zehn Prozent in zwei Monaten: Im Jahresdurchschnitt – sprich im Normalfall - hat man eine Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 1,3 Prozent, einen solchen Wertzuwachs zu erzielen, jedenfalls, wenn man die letzten 52 Jahre zugrunde legt – das kam praktisch nicht vor. Nicht so bei der Jahresendrally: Hier steigt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Wertzuwachs auf 16,4 Prozent und ist damit über 15 Punkte höher, und ist in der Tat, wie wir gesehen haben, auch schon vorgekommen. Kleiner Wermutstropfen: Das Risiko, einen Verlust von mehr als fünf Prozent zu erleiden, ist in diesem Zeitraum höher – 17 zu 7 etwa. Kam leider auch vor. No risk, no fun sozusagen. Aber trotzdem: Wir haben für die Jahresendrallye eine höhere langjährige Renditeerwartung, und außerdem günstigere Risikoeigenschaften.

Dann nichts wie investieren – oder? Vorsicht: Wir haben uns gerade eben die Marktdaten der vergangenen 52 Jahre angeschaut. Aus denen aber Rückschlüsse für das Jahresende 2012 zu ziehen – nun, das ist vielleicht doch ein bisschen heikel. Noch mal zum Fußball: Auch wenn man vom Feeling her ein gutes Gefühl hat – eine Garantie hat man keine. Wer's probieren mag - Viel Erfolg beim Investieren!

Tokay

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