Der Euro und der Grexit: Der Kern des Problems

Die Medien sind voll mit Analysen und Meinungen zum möglichen Grexit und auch in den internationalen Foren werden sich die "Haare gerauft" und gegenseitige Vorwürfe erhoben.

Ich könnte jetzt Seiten um Seiten zum Thema schreiben, wie wir das im Premium Bereich schon in den letzten Wochen getan habe, um das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Oder ich mache es kurz und klar, um in all dem argumentativen Durcheinander mal wieder den Blick auf den Kern des Problems zu lenken.

Denn der Kern des Problems ist nicht griechische "Faulheit" oder deutsche "Sturheit", es ist ein Euro, der so wie aktuell konstruiert, gar nicht funktionieren kann.

Denn ein einheitlicher Währungsraum kann nur funktionieren, wenn dem Währungsraum auch eine einheitliche Wirtschafts- und Fiskalgesetzgebung zugrunde liegt. Und dann auch noch eine zumindest ähnliche Rechts- und Wirtschafts-Kultur im Währungsraum existiert.

Das war bei Gründung des Euros eigentlich klar, nur wurde es politisch versäumt, die guten ersten Jahre zu nutzen, um diese Strukturen nachzuholen und als Euroraum rechtlich und wirtschaftlich zusammen zu wachsen. Das waren die Jahre, in denen gerade die Südländer massiv von den fallenden Risikoaufschlägen profitierten, die wiederum die Folge davon waren, dass eben auch Stabilitätsanker wie Deutschland nun den Währungsraum bildeten.

So wie der Währungsraum des Euros aber heute konstruiert ist, unverändert als Flickenteppich ohne einheitliche Wirtschaftskultur, Wirtschaftspolitik und Fiskalpolitik, kann er nicht dauerhaft bestehen. Entweder er wächst schnell eng zusammen, oder er fällt auseinander. Punkt.

Es gibt historisch keine Währungsunion, die je mit derart fehlenden Grundlagen funktioniert hat. Aber einige Beispiele, die genau deswegen gescheitert sind.

Und Griechenland hat durchaus Recht, mit diesem „Reform“-Programm kann es nicht leben. Das liegt aber nicht am Programm, sondern am Euro. Griechenland kann mit seiner mangelnden Wettbewerbsfähigkeit und seinen ineffizienten öffentlichen Strukturen in keinem Programm gleich welcher Art im Euro leben und auch nicht ganz ohne Reformprogramm. Egal was man nun macht, wenn Griechenland in diesem Euro bleibt, werden wir in ein paar Jahren und viele verbrannte Milliarden später, wieder vor dem gleichen Problem stehen. Denn Griechenland gehört nicht in den Euro und hat nie hinein gehört.

Ein Land wie Griechenland braucht den Wechselkursmechanismus und damit verbunden die Abwertung der Währung, wie die Luft zum Atmen. Ohne die Abwertung, wird Griechenland in ein paar Jahren wieder vor den gleichen Problemen stehen, ganz egal was nun passiert.

Und umgedreht braucht Deutschland die Aufwertung wie die Luft zum Atmen, um dauerhaft zukunftsfähig zu bleiben. Mit einer dauerhaft schwachen Währung wird Deutschland langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Das süsse Gift der schnellen, leichten Gewinne, das sich nun aktuell scheinbar positiv auswirkt und Stärke vorspiegelt, wirkt erst in ein paar Jahren, dafür aber um so stärker.

Der Euro versucht in eine Währung zu pressen, was nicht zusammen gehört. Griechenland und Deutschland können nicht in einer gemeinsamen Währung sein, wenn es nicht eine einheitliche Regierung und gemeinsame Kultur gibt. Das ist die grosse Lebenslüge des Euros. Er ist eine fatale Fehlkonstruktion, die den Spaltpilz an Europa legt, aber kaum einer in der Politik traut sich, es zu sagen und daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen.

Schaut man ganz rational auf das gesamte Bild, ergeben sich nach meiner Überzeugung nur drei Alternativen:

(1) Der Euroraum wächst nun schnell in einen einheitlichen Rechts- und Wirtschaftsraum mit einheitlicher Gesetzgebung und Regierung zusammen und schafft damit endlich die Voraussetzungen dafür, dass der Euro überhaupt funktionieren kann.

Das ist leider völlig unrealistisch. Die deutsche Gesellschaft wäre dazu wohl noch am ehesten bereit. Aber gerade die südeuropäischen Gesellschaften wie in Griechenland, wären nie bereit, ihre Souveränität an einen Bundesstaat abzugeben. Nie im Leben. Das gilt auch für Frankreich.

(2) Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die stärksten Länder wie Deutschland austreten.

Obwohl es theoretisch wohl die beste Lösung wäre und tatsächlich zu einer Art Nord- und Süd-Euro führen würde, der dann besser funktionieren kann, ist es leider auch unrealistisch. Denn es gibt ein Land, das nicht aus dem Euro austreten kann, weil er sonst am Ende wäre. Und das ist Deutschland. An dem Tag, an dem Deutschland aus dem Euro austritt, bricht ein Finanz-Tsunami in der Welt los, gegen den alles was wir bisher erlebt haben, ein Kindergeburtstag wäre. Und das, weil der "Rest-Euro" jede Glaubwürdigkeit verliert und ihn keiner mehr haben will.

Man kann es auch mit einer Metapher beschreiben: Einem Körper kann man Finger und sogar eine Hand und einen Fuss abschneiden und er kann immer noch leben. Aber das Herz und die Lunge kann nicht entfernt werden.

(3) Womit nach zwei unrealistischen Möglichkeiten, nur eine Dritte bleibt: Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die schwächsten Länder, angefangen mit Griechenland, austreten.

Die Variante (3) ist die einzige, die realistisch denkbar ist. Dabei hat auch sie erhebliche Risiken auf der politischen Seite. Nein, es ist keine "schöne" Variante, aber die einzige die realistisch ist. Denn damit werden in der öffentlichen Wahrnehmung schwache Volkswirtschaften einfach "zurück gelassen" und das wird zu Radikalisierung führen und am Ende auch dem Zusammenhalt in der EU massiv schaden.

Aber dieser Schaden der gegenseitigen Vorwürfe und des Auflebens alter nationaler Ressentiments, ist ja schon längst eingetreten und eine Lösung ohne Schmerzen gibt es leider nicht mehr. Das hat uns die Politik der 90er Jahre mit der Einführung des fehlkonstruierten Euros eingebrockt, der Europa spaltet und nicht eint.

Zu glauben, man könne den Euro - so wie er aktuell ist - zusammen halten und trotzdem souveräne Länder bleiben, ist aber völlig illusorisch und wer das verfolgt, betreibt nach meiner festen Überzeugung Konkursverschleppung.

Dieser Euro hätte so nie gegründet werden dürfen. Da er nun aber mal in der Welt ist, bleibt nur der Weg des Gesundschrumpfens auf einen Kreis von Ländern, die sich kulturell, rechtlich und wirtschaftlich so nahe sind, dass sie einen gemeinsamen Währungsraum bilden können.

Je länger diese Grundsatzdiskussion aufgeschoben wird, desto schlimmer werden die Schmerzen und die Scherkräfte in der Eurozone werden. Und desto schlimmer werden die Folgen für die Einheit Europas sein. Wer Frieden und Freundschaft in Europa erhalten will, muss diese Diskussion nun führen.

Die Mathematik lässt sich halt nicht betrügen und nicht mit medialer Rabulistik beruhigen. Und auf den ausgleichenden Wechselkursmechanismus, kann man zwischen Volkswirtschaften nur dann verzichten, wenn die Volkswirtschaften sich sehr ähnlich sind oder es eine gemeinsame Regierung gibt, die demokratisch legitimiert einen Lastenausgleich organisiert, so wie das bei der deutschen Wiedervereinigung passiert ist. Punkt.

Ihr Hari

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