Soll ich als Anfänger in Aktien investieren?

In Deutschland kommen wieder mehr Anleger neu an die Börse, getrieben von Negativzinsen und der Alternativlosigkeit gegenüber anderen Anlageformen, hervorgerufen durch die Geldschwemme der Notenbanken.

Aber auch die Verheissung des "schnellen Geldes" zieht wieder mehr Menschen an und wenn es wie bei den Cryptos mit der Legende verknüpft wird, dass man ja einfach "nur" halten muss, entfaltet es zuverlässig seine Wirkung in den Köpfen. Im Schlafwagen zum Reichtum - Hach! 😛

Diese Entwicklung ist einerseits zu begrüssen, jeder Aktionär ist ein Bürger mehr, der die Vermögensbildung in die eigenen Hände nimmt und sich vom betreuten Staatsdenken verabschiedet.

Andererseits sehe ich aber auch all die typischen Fehler die garantiert und zuverlässig gemacht werden, ich sehe die vielfältigen Vertreter des medialen Finanzkomplexes die mit diesen Fehlern ihren Profit machen und ich sehe die vielen "Anlegerkarrieren", die schon früh mit einem Fazit im Sinne "Börse ist Mist" scheitern werden.

Ich sehe aber auch keinen Weg das substantiell zu ändern, denn bestimmte Erfahrungen muss man einfach selber machen. Jemand der neu in das Thema einsteigt, gibt eben bis auf seltene Ausnahmen kein Geld aus um zum Beispiel der Mr-Market Community beizutreten und grundlegend in sein Wissen zu investieren, man hat in dieser Phase noch völlig falsche Prioritäten. Erst wenn man sich ein paar Mal eine blutige Nase geholt hat und trotzdem nicht aufgeben und dabeibleiben will, dann wird man offen dafür, dass Qualität eben einen Preis hat.

Außerdem hat man als Anfänger gar keine Maßstäbe um dummes Zeug von substantieller Information zu unterscheiden und insofern die guten Quellen zu identifizieren, beim Thema Finanzmarkt ist das besonders schwierig, weil die "Weisheiten" die eingängig sind und dem Anfänger "wie Honig runtergehen" typischerweise falsch sind und auf die falsche Fährte locken.

Erschwert wird das Ganze dann auch noch dadurch, dass die Qualität der größeren Medien zum Thema auch oft unterirdisch ist, ein Schlipsträger der ein Chart zeigt ist alleine dadurch eben noch kein Fachmann. Auch in vermeintlichen "Finanzmedien" schreiben zu oft Redakteure die schlicht "keine Ahnung" haben und beten einfach gewichtig die Allgemeinplätze nach, die sie sich wieder bei anderen angelesen haben, ohne diese je in Frage zu stellen und daher echtes, eigenes Wissen aufzubauen.

Zu bemerken wäre der Unsinn aber nur, wenn man wirklich selber aktiv und dauerhaft erfolgreich wäre, das ist aber leider nur ein Bruchteil derer, die mit Schreiben über die Märkte ihr mediales Geld verdienen und gilt natürlich auch nicht für Anfänger, womit sich der Kreis schliesst. So wird gerade in Deutschland weiter allerlei Unsinn zum Thema Börse verbreitet und unvermeidlich werden sich viele der Neueinsteiger zum Thema eine blutige Nase holen und sich wieder abwenden.

Ich kann diesen ewigen Zyklus nicht wirklich ändern, will aber hier und heute im freien Bereich wenigstens einen kleinen, positiven Beitrag mit ein paar gut gemeinten Ratschlägen an Neueinsteiger leisten. Vielleicht wird es ja von dem Einen oder Anderen doch gelesen und ernst genommen, dann war es den Aufwand wert und verhindert unnötige Schmerzen.

Die folgenden Ratschläge richten sich also ausdrücklich an völlig Unerfahrene zum Thema Aktien und sind auch bewusst so ohne jegliche Fachbegriffe formuliert:

(1) Der Umgang mit Kursschwankungen will gelernt sein!

Der psychologische Umgang mit Kursschwankungen ist keineswegs leicht und will gelernt sein, weil wir Menschen uns dabei selber im Wege stehen. Glauben sie als Einsteiger nicht, dass das bei ihnen anders wäre!

Der beste Weg für Einsteiger ist daher kontinuierlich über breit diversifizierte Anlagevehikel wie einen kostengünstigen ETF anzusparen und sich möglichst wenig um die Schwankungen zu kümmern.

Kontrollieren sie also nicht jeden Tag den Kursstand, es wird sie nur zur Fehlhandlungen verleiten. Lassen sie sich auch nicht von Dritten anfixen, die mit schnellen Gewinnen prahlen!

Machen sie sich stattdessen immer wieder klar, dass gute Aktien langfristig steigen, wenn man ihnen genügend Zeit gibt und ausreichend Qualität im Depot hat.

Geduld und Qualität sind die beiden Dinge die sie in den Vordergrund stellen müssen, diese aber bitte nicht mit Starrsinn und Tunnelblick verwechseln, denn Geduld hat ihre Grenzen und Qualität muss sich immer wieder neu beweisen!

(2) Es gibt keine "heissen Anlagetipps".

An jeder Ecke des medialen Finanzmarktes werden ihnen "heisse Anlagetipps" angeboten, um sie zum Klick oder Abschluss von Abos/Verträgen etc zu verleiten. Aber auch Freunde und Bekannte spielen manchmal ungewollt diese Rolle, die haben mit Glück Erfolg in einer Anlage und schon wird damit gebrüstet und andere auch angefixt. Machen sie sich klar, dass das so gar nicht funktionieren kann.

Nehmen wir an im normalen Leben gibt ihnen jemand einen Tipp, dass ein bestimmter Laden irgendwo ein besonderes Sonderangebot hat - das kann dann als Tipp durchaus funktionieren. Denn solange das Angebot noch da ist wenn sie in den Laden gehen, war der Tipp hilfreich und sie bekommen das Sonderangebot zum gleichen, attraktiven Preis wie ihr Freund.

An den Märkten (Reflexivität) ist das aber gar nicht möglich, denn die Erkenntnis dass etwas günstig ist, verändert praktisch in Sekundenschnelle den Preis nach oben, weil der Preis eben in jeder Sekunde dynamisch zwischen Angebot und Nachfrage gebildet wird. Alle die, die ihnen nun den "Tipp" geben, sind also schon vor ihnen eingestiegen und die haben den "Tipp" dann wieder von anderen erhalten die noch früher eingestiegen sind.

Wenn so ein "Tipp" dann sie als völlige Anfänger erreicht, haben diesen "Tipp" alle anderen im Markt schon gesehen und die Kurse sind schon längst gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit dass sie am Ende den schwarzen Peter bekommen und als Letzte(r) kaufen, bevor die Kurse wieder fallen, ist viel zu hoch.

Das gilt ausdrücklich auch für Anlagetipps die in den bekannten Anlegerpostillen verbreitet werden, glauben sie bloss nicht dass sie da "Geheimnisse" lesen werden, die der Markt nicht schon längst in den Kursen verarbeitet hat. Für gute Anlageideen sind solche Postillen eher die "Resteverwertung", gute Chancen verbreiten sich unter den Profis schnell von alleine und brauchen keine mediale Aufbereitung.

Es ist sehr wohl möglich als "früher Vogel" den Wurm zu fangen, das geht aber nicht als Letzter in der medialen Nahrungskette und nicht ohne zeitlichen Aufwand, den viele gar nicht leisten können oder wollen. Machen sie sich da keine Illusionen!

(3) Man will Geld mit ihnen verdienen!

Das gilt eigentlich nicht nur für den Finanzmarkt sondern generell, wenn einem jemand "kostenlos" Informationen anbietet, sollte man im Sinne "Cui Bono" immer fragen, warum die Person das tut - reiner Altruismus ist es höchst selten.

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Schöner Bericht, dazu meinen Artikel lesen:

https://www.mr-market.de/wahre-finanzielle-freiheit-2/

Vor ihm liegt noch die Erkenntnis, dass ab 50 auch mit der Gesundheit nicht mehr alles so einfach rund läuft.

Vergessen wir nicht das Leben zu geniessen, wir sind nur einmal jung!

https://www.welt.de/vermischtes/plus231592695/Frugalist-Noelting-Ploetzlich-endete-der-Traum-von-der-Rente-mit-40.html

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Intel und der Zeithorizont des Marktes

Bei Intel können wir nun den Zeithorizont des Marktes bewundern, den ich schon oft als um die 12 Monate beschrieben habe. Erwartungen bis zu 24 Monate spielen noch ein abnehmende Rolle, danach haben Erwartungen kaum mehr Auswirkungen auf aktuelle Kurse.

Man kann mit diesem Zeithorizont auch die stabilen "von links unten nach rechts oben" Kurse bestimmter Aktien begründen, die ich zuletzt wieder hier thematisiert habe: -> Von Links unten nach Rechts oben <-.

Denn wenn der Markt doch so klug ist und in die Zukunft schaut, müsste ihm doch klar sein, dass beispielsweise eine Danaher Jahr um Jahr weiter wachsen wird. Warum hat der Markt dem Unternehmen dann nicht schon vor Jahren den heutigen Wert zugebilligt? Warum steigt das Chart permanent, so dass der Markt immer wieder neu von den guten Zahlen "überrascht" ist? Das ist eine berechtigte Frage!

Die Antwort ist wichtig, denn Sie hat mit einer Art "blindem Fleck" des Marktes zu tun. Einem "blinden Fleck" aus dem wir als Investoren einen Vorteil ziehen können. Und ein "Blinder Fleck" der dazu führt, dass die Strategie "Beständiges Wachstum" zu kaufen, in meinen Augen langfristig alle anderen Strategien schlägt.

Denn wenn der Markt in die Zukunft schaut, ist ja die Frage "wie weit schaut er"? Die Antwort hängt natürlich vom Anleger ab. So kauft ein SwingTrader heute, weil er die Aktie vielleicht in 2 Wochen höher erwartet. Und ein mittelfristiger "Investor" kauft heute, weil er die Aktie in einem Jahr höher erwartet. Aber kauft jemand, weil er die Aktie in 10 Jahren höher erwartet?

Ich behaupte kaum jemand, diese Zukunft ist einfach zu weit weg, um dazu sinnvoll eine Meinung zu haben. Eigentlich ist ein Jahr von jetzt ein sinnvoller Zeitraum der Erwartung, der ja auch durch das Management mit seinen Forecasts immer abgedeckt wird. Bis zu einem Jahr, kann man also mit einiger Bodenhaftung in die Zukunft einer Aktie schauen, danach wird es immer wildere Spekulation.

Und der Markt diskontiert diese Zukunft ja, was heisst, dass er Erwartungen an eine Zukunft in drei oder fünf Jahren sehr stark diskontiert. Was in anderen Worten bedeutet, dass diese kaum mehr in den Kurs einfliessen. Und genau da haben wir den "blinden Fleck". Heisst konkret:

Die Erwartungen die in den Kursen stecken, reichen in der Regel nicht über 1 Jahr, maximal 2 Jahre hinaus. Weiter schaut der Markt mit seinen Erwartungen nicht, bzw die ferne Zukunft ist zu diskontiert.

Und deshalb entsteht ein Chart wie bei Danaher (hier bewusst linear dargestellt), weil der Markt jedes Jahr wieder "überrascht" ist, dass es doch so beständig weiter geht und seine Erwartungen daher weiter hoch schiebt:

Und genau daraus entsteht ein Edge für Investoren, wenn diese sich darauf konzentrieren, Aktien zu selektieren, die ein beständiges, solides Wachstum liefern. Aktien die ein Geschäftsmodell haben, bei denen Wachstum keine einmalige Aufwallung, sondern ein integraler, in die Unternehmens-DNA eingewobener Zustand ist.

Und diesen Zeithorizont kann man nun auch aktuell bei Intel (INTC) bewundern. Denn mit Pat Gelsinger ist endlich wieder ein "IT-Guy" an der Spitze, der versteht dass ein Technologie-Unternehmen mehr als "Financial Engineering" ist.

Gelsinger trifft entlang der Linien die man von ihm erwarten konnte derzeit eine Reihe von strategischen Grundsatzentscheidungen, die alle nach dem Muster -> Mehr Entwicklung, mehr Produktion, mehr Investitionen - weniger Aktienrückkäufe und sonstiges Financial Engineering <- laufen.

Langfristig ist das sehr zu begrüssen, es beinhaltet die Chance Intel wieder zu der Macht zu machen, die jahrelang durch innere Erosion angekratzt wurde.

Und es positioniert Intel damit auch perfekt entlang der Linien des geopolitischen Ringens zwischen den US und China, das dazu führen wird, dass Chipproduktion bewusst aus Taiwan und Südkorea heraus auch wieder in die westliche Welt verlagert werden wird - Intel ist mit seinen Fabriken dafür in einer Pole-Position.

Aber kurz- und mittelfristig mit Horizont auf die nächsten 2 Jahre bedeutet das nur mehr Kosten, mehr Investitionen und schlechtere Bilanzen und Gewinne. Und das wird der Markt nur bedingt mögen und bei jedem Quartalsbericht daran erinnern werden.

Sicher gibt es auch Investoren, die über den Zeitraum hinaus schauen, aber die Menge des kurz- und mittelfristig orientierten Geldes ist so hoch, dass man davon ausgehen muss, dass Intel kurstechnisch nun eher seitwärts schaukeln wird. Für Investoren mit langem Horizont ist jede Schwäche dann aber potentiell ein Kauf:

Machen sie sich unbedingt klar, dass Kurse aus Erwartungen entstehen, wie ich das unter anderem hier ausführlich erklärt habe: -> Der Markt und die Erwartungen <-.

Machen sie sich aber auch klar, dass diese Erwartungen nur einen begrenzten Zeitraum in die Zukunft schauen, eben das genannte Jahr, vielleicht noch 2 Jahre, dann ist es aber vorbei. Bei Intel werden wir das in den kommenden Monaten wohl beobachten können, die Früchte aus Gelsingers Strategieänderungen sind noch zu weit weg, um den Kurs schnell positiv bewegen zu können. Und trotzdem wird jetzt eine Basis für die Gewinne der Jahre 2024 und folgende gelegt.

Ihr Michael Schulte (Hari)

Wie sich Spekulation reimt

Erinnern Sie sich noch an den großen 3D-Druck-Hype, der 2013/2014 bei 3D Systems (DDD) so ein Chart hervorgerufen hat?

In Anlehnung an den Roman "Der kleine Hobbit" von J.R.R. Tolkien, der ursprünglich "Hin und wieder zurück" (There and back again) hiess, nenne ich das etwas ironisch-spöttisch die Reise vom Auenland zum Einsamen Berg und wieder zurück. 😛

Es war ein wunderbares Beispiel für das Wirken der Spekulation das John Kenneth Galbraith vor rund 25 Jahren in seinem berühmten Kurzwerk -> Eine kurze Geschichte der Spekulation <- aufgeschrieben hat.

Diese Wirken hat sich in hunderten Jahren nicht geändert und wird sich nicht ändern, weil es auf den Mechanismen von Angst und Gier beruht, die fest in unsere Gene "eingemendelt" sind, weil sie evolutionär in der ungeschützten Wildbahn einen Überlebensvorteil verschafft haben - dummerweise an Börsen aber jede Menge Schaden anrichten.

Im Nachhinein ist man dann natürlich klüger und wenn man dann bei Galbraith zum Beispiel über die Tulpen liest, für die in den 1630er Jahren pro einzelner (Zucht-)Ziebel bis zu 10.000 Gulden geboten wurden - dem Preis der damals teuersten Häuser entsprechend, während das Durchschnittseinkommen des Jahres in den Niederlanden bei wenigen hundert Gulden lag - dann tut man das gerne mit einem Winken ab, frei nach dem Motto "wie konnte man nur so doof sein" und denkt voller Hybris, dass man selber ja klüger sei.

Aber das ist falsch, denn die Menschen die damals 1.000 Gulden pro Zwiebel ausgegeben haben, waren nicht doof, wenn sie als Trader dachten und die hinterher für 2.000 losbekamen. Sie waren aber doof, wenn sie glaubten dass das gute Investments seien und sie nur lange genug halten müssten, um später noch reicher zu werden.

Ganz typisch bei so Spekulationen ist übrigens auch, dass es "Gläubige" braucht, Menschen die davon überzeugt sind, dass ein neues Zeitalter begonnen hat, die Vergangenheit nicht mehr zählt und es dieses Mal wirklich anders ist! Dann werden so Einsame Berge besonders hoch und eindrucksvoll, weil der Glaube sie länger stabilisiert, als die Skeptiker sich vorstellen können. Na, erinnert sie das an irgendwas in der Gegenwart? 😛

"This time is different" ist eben einer der gefährlichsten Sätze der Finanzgeschichte. Wer den sagt, hat seine Hand schon unter der Guillotine, weiss es nur noch nicht.

Ich garantiere ihnen, auch in der Gegenwart passiert das permanent und es gibt immer den letzten "Dummen", den "Bagholder" im Amerikanischen, der am Hochpunkt kauft mit der Absicht zu halten, weil er meint, damit nun das neue Weltunternehmen im Depot zu haben, Reichtum sozusagen unvermeidlich. 😛

Ein Beispiel gefällig? Schauen sie hier, Virgin Galactic (SPCE) - Hin und wieder zurück".

Ein Unternehmen übrigens, bei dem das Risiko leicht zu sehen war. Raumfahrt ist ein wenig ein Steckenpferd des Blogs und von mir, ich erinnere an alte Artikel schon seit 2012 wie -> Der neue Wettlauf ins All - Elon Musk, der Mann, der mit Visionen nicht zum Arzt muss <-

Es war hier recht klar sichtbar, dass bei Virgin Galactic viel Hype, aber vergleichweise wenig technologische und wirtschaftliche Substanz vorhanden war. Das kann sich vielleicht in der Zukunft noch ändern, aber Anfang des Jahres bestand der Kurs zu mindestens 90% aus purer Spekulation ohne Basis, auch weil er von Leuten via Robinhood und Co. hochgejazzt wurde, für die "Stonks only go up" und die das Ganze als Spiel verstanden haben und verstehen.

Jetzt sehe ich vor meinem geistigen Auge manche Leser heftig nicken und innerlich zu sicher selber sagen: "Nur gut dass ich meine ´Seitwärts-Dümpel-Aktie´ der ´Doppelter-Hosenträger-AG´ im Depot habe und ´Buy and Hold´ damit mache." 😉

Falsch, ganz falsch. Denn diese Aktie dümpelt das ganze letzte Jahrzehnt vor sich hin, zeigt in Krisen besonders gerne Schwäche und wenn man dann wenigstens durch die Dividende ins Plus kommt, muss man schon dankbar sein.

Falsch aber auch, weil es auch solche Berge der Aktie-X gibt:

Ich habe übrigens bei allen Charts dieses Mal bewusst die lineare Skalierung benutzt, um die wahre Höhe der Bewegung im Depot in ihrer ganzen Brutalität zu visualisieren.

Was hier wie ein Gebirge im Jahre 2000 aussah, entpuppte sich im Nachhinein als kleinste Hügel im Auenland:

Tja, die hätten sie dann doch gerne langfristig im Depot gehalten nicht wahr? Und ich böser Mensch habe sogar -> Im Januar 2013 laut und deutlich hier darüber geschrieben <- und ich bin nun sogar so sadistisch, ihnen den Zeitpunkt oben im Chart mit einem lila Pfeil zu markieren. 😛

Denn es ist sehr wohl möglich Wachstum und Solidität miteinander im Depot zu verbinden, man braucht keine SPCE und kann trotzdem 2013 AMZN kaufen. Diesen Typus Aktien habe ich hier immer wieder beschrieben, zuletzt in -> Von Links unten nach Rechts oben <-.

Was man dafür tun muss, diskutieren und trainieren wir intensiv in der Community und könnte Bücher füllen statt nur einen Artikel. Hier nur so viel:

Erstens braucht es die Fähigkeit und Bereitschaft Trends zu folgen, die uns der Markt selber vorgibt - den Kursen zu *Folgen* statt zu *Raten*.

Zweitens braucht es die Fähigkeit Veränderungen positiv anzunehmen, Umbrüche auch als Chance zu betrachten und die Zukunft also positiv zu sehen und auf Neues zu setzen, statt sich am Vergehenden festzukrallen.

Drittens braucht es die Fähigkeit Geschäftsmodelle in ihrer Substanz erkennen und einordnen zu können.

Damals im Jahr 2000 war keineswegs klar, dass Jeff Bezos Bücherbude die heutige Amazon werden würde. Aber es war das Potential schon zu sehen, ich selber bin seit 2.000 Amazon Kunde, irgendetwas muss mich also damals davon überzeugt haben, da ein Buch zu bestellen.

Bei Virgin Galactic habe ich mich dagegen noch nicht für einen Flug angemeldet. 😛 Ich kann mir das übrigens thereotisch durchaus irgendwann vorstellen, aber dafür müssten die erst mal viel, viel mehr liefern - etwas was Amazon im Jahr 2.000 schon tat!

Und als die Kurse von Amazon 2002 dann doch wieder zu laufen begannen und Amazon eben *nicht* im Auenland verweilte, da musste man als Anleger "nur noch" 2 und 2 zusammenzählen.

Im Jahr 2000 war Amazon eine Internet-Hype-Aktie wie andere auch, bei der man nicht der "Bagholder" sein durfte und einfach mit Risikomanagement auf die Seite treten musste.

Aber danach wurde es Bezos Machtmaschine, die Dampfwalze des E-Commerce und das war sehr wohl zu sehen und das auch schon lange vor 2013 - die Kurse haben es schon lange vorher gezeigt!

Und falls bei SPCE nun die Kurse beständig zu laufen beginnen, weil es doch gelingt mit echten Raumfahrzeugen einen touristischen Regelbetrieb aufnehmen - was ich für die Zukunft gar nicht ausschliesse, aber noch ein sehr weiter Weg ist - dann wird man auch das in den Kursen und einem beständigen Trend sehen - bisher war es aber eben nur viel spekulative Hoffnung.

Wenn sie jetzt wissen wollen, wie sie das Eine vom Anderen unterscheiden und was es an Potentialwerten der Gegenwart mit Substanz gibt, dann stossen Sie doch zur Community hinzu.

Die "Seitwärts-Dümpel-Aktie" der "Doppelter-Hosenträger-AG" besprechen wir auch manchmal, aber warum sollten wir auf solche "Gurken" viel Zeit verwenden?

Mit dem Wachstum wächst beständig auch das Depot. Da ist unser Blick darauf gerichtet und das ist genau richtig so.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wahre finanzielle Freiheit

Der folgende Artikel besteht aus Teil-Bausteinen diverser tiefergehender Artikel, die ich über Jahre zum Thema "finanzielle Freiheit" im Premium-Bereich geschrieben habe.

Er soll im freien Bereich einen Eindruck davon vermitteln, wie ich zum Thema "finanzielle Freiheit" denke und was ich von den extremeren Varianten des "Frugalismus" halte, frei nach dem Motto: "Ich spare mich reich wie Dagobert Duck!". Ja, ja ich weiss schon, Frugalismus ist ein weites Feld, es gibt vernünftige Formen und Gedanken darin und er unterscheidet sich fliessend vom reinen Minimalismus und ist nicht so lustfeindlich wie bei Dagobert, es geht um bewusste Sparsamkeit, die durchaus Konsum erlaubt, aber ein wenig Zuspitzung muss zum Einstieg mal sein. 😉

Finanzielle Freiheit oder auch finanzielle Unabhängigkeit, ist zu einem Thema geworden, das viele jüngere Menschen beschäftigt. Die Älteren haben es entweder erreicht, das Ziel aufgegeben oder träumen süsse Träume vom Lotto-Gewinn, wer aber noch 30 oder mehr Jahre Arbeitsleben vor sich hat, der kann dieses Ziel noch ohne die Hoffnung auf eine einzelne Riesensumme beeinflussen.

Vor Jahren hat Morgan Housel hier mal eine interessante Charakterisierung von finanzieller Freiheit ausgebreitet:
-> The Spectrum of Financial Dependence and Independence <-

Wie bei allen so Kategorisierungen kann man sich lange darüber streiten, ob das sinnvoll ist - in der Regel ein wenig schon, aber vollständig nein. Wenn ich versuche mich selber einzusortieren bin ich sicherlich irgendwo in den zweistelligen Leveln, wo genau überlasse ich ihrer Phantasie und ist auch hier irrelevant.

Ich fühle mich aber kompetent genug, zum Thema auch ein paar "weise" Worte loszuwerden, die jüngeren Lesern vielleicht helfen.

Da ich mich mit 59 nun der 60er Marke im Alter nähere und seit den 50ern auch die diversen "Zipperlein" losgegangen sind, ist mir etwas bewusst, das von jungen Leuten bei der etwas naiven Vorstellung von der "großen Freiheit in der Rente" gerne übersehen wird.

Eigentlich fühle ich mich zwar im Kern gesund, Faktum ist aber, ich habe mit meinen 59 schon das was alle haben, "Morbus Alter" - die finale "Krankheit", die bisher immer mit dem Tode endet und sich bei jedem in den 50ern an den individuell schwächsten Stellen zu zeigen beginnt.

Es ist *völlig normal* und auch bei mir der Fall, dass in den 50ern die kleinen und grossen Zipperlein losgehen, in den 60ern viele schon schwerwiegende Erkrankungen haben (jeder hat seine schwache Stelle) und wer in den 70ern nicht in seinem Radius zunehmend begrenzt ist, ist eher die Ausnahme und hat das große Los gezogen. Gerade in den letzten Monaten habe ich mitten in Covid zwei! schwierigere Augen-Operationen machen müssen, die letztlich auch mit dem Altwerden zu tun haben - es gibt Schöneres.

Zu glauben man schuftet bis 49 und dann mit 50 beginnt das "schöne Leben", ist medizinischer Unfug und im besten Fall eine genetische Lotterie, bei der man Glück haben muss und ist nicht planbar. Abgesehen davon ist es auch ein merkwürdiges Bild auf "Arbeit", die als etwas Schlechtes betrachtet, dann später durch das "Himmelreich" der "finanziellen Freiheit" abgelöst werden soll.

So funktioniert das aber nicht immer, wie unzählige unglückliche Rentner beweisen, die mit Verlust ihres Berufes auch ihre Mitte verloren haben und dann auch innerlich zu Altern beginnen. Glücklich wird eher, wer früh eine Berufung findet und die will man dann im Alter auch nicht ablegen wie eine Unterhose.

Was ich Ihnen sagen will ist, dass Sie in jungen Jahren zwar vorsorgen sollten und auch auf unsinniges Geld rauswerfen verzichten sollten, aber dabei nicht vergessen dürfen, ihr Leben zu geniessen, denn die 20er, 30er und 40er kommen nie wieder und ich verspreche ihnen, sie werden sie vermissen! Geniessen sie ihr junges Leben!

Dass man Ende der 50er die Endlichkeit zunehmend spürt ist also mehr oder weniger normal, jeder hat schwache Stellen, die dann als Erstes den Dienst verweigern. Herzinfarkte in den 50ern sind auch keine Seltenheit, da bleibt ich wohl (Fingers crossed) verschont nach allem was ich den medizinischen Daten von mir entnehmen kann.

Darauf aufbauend will ich ihnen nun zwei "Weisheiten" mitgeben, zumindest das was ich dafür halte. 😉

Sparsamkeit alleine ist nicht die Lösung, Bodenhaftung genügt!

Es gibt eine anschwellende Flut an "Ratgebern", die den typischerweise jungen Lesern ein Zerrbild vermitteln, dass "finanzielle Freiheit" alleine oder zumindest primär durch Sparsamkeit erreichbar wäre.

Und ich sage ganz deutlich: das ist Unfug! Und wenn es rechnerisch funktioniert, dann nur um den Preis, dass man Jahrzehnte des Lebens für ein vermeintlich späteres "Himmelreich" weggibt. Ein "Himmelreich" das viel zu oft dann doch aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, wie ich oben ja erklärt habe.

Und wenn überhaupt dann auch nur um den Preis, dass man egozentrisch nur für sich selber Verantwortung übernimmt, denn jedes Kind "kostet" auf dem Weg in seine Selbstständigkeit eine sechsstellige Summe, die man sich nach dem reinen "Sparsamkeits-Zerrbild" gar nicht leisten kann. Wer nicht nur für sich, sondern für andere da sein will und Glück und Leben schenken will, kommt mit reiner Sparsamkeit in unserer Welt nicht weit.

Aber wollen wir deswegen nun keinen Kindern mehr ein Leben schenken und keine Familien mehr gründen? Was wäre das denn für eine egoistische Welt? Wer das denkt weiss nicht, wie viel vom Leben er damit verpasst. Und hat auch keine Ahnung, was er gerade im Alter bitter vermissen wird.

Abgesehen davon, es gibt viele Dinge die man nur in jungen Jahren macht und wenn man sie da nicht wagt, macht man sie nimmermehr. Man kann nicht alles einfach verschieben, jede Phase des Lebens hat ihre speziellen Dinge und Erlebnisse, die nur in ihr einen Platz haben.

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Die Lage zu Beginn des 2. Quartal

Schon länger habe ich im freien Bereich die große Marktlage nicht mehr eingeordnet, zuletzt hatte ich vor 3 Monaten in -> wo wir am Jahresanfang stehen <- unter anderem den typischen, saisonalen Ablauf beschrieben, der nach einem starken 4. Quartal gerne eine Fortsetzung der Stärke im Januar kennt und dann zunehmende Korrektur-Gefahr ab Ende Januar in den Februar hinein in sich birgt. Im Anschluß daran, bin ich aber von einem starken 2. Quartal und prinzipiell positiven Börsenjahr ausgegangen, dass nach einer Sommerpause zum Ende noch einmal neue Stärke findet.

Auf diesem Kurs sind wir immer noch, 2021 war bisher ein "normales" Börsenjahr, das bisher dem typischen saisonalen Ablauf entsprach, den man -> hier bei Equity Clock <- für den Leitindex S&P500 sehr schön bewundern kann.

Es gibt deshalb derzeit wenig Grund, warum der Verlauf nicht weiter in der historischen Norm bleiben sollte. Diese beinhaltet eine Fortsetzung der nun sichtbaren Stärke bis in den Mai hinein, dann einen Sommer in dem nicht viel zu holen ist und es vielleicht auch zu einer Korrektur kommt und dann einen starken Jahresabschluss.

Im Weekly des S&P500 würde das ungefähr so einen Ablauf implizieren wie in lila eingezeichnet, wobei ich betonen will dass das keine konkrete Prognose ist - Prognosen sind Unfug - sondern nur einen typischen Ablauf grob skizzieren soll, der auch dieses Jahr durchaus zum Tragen kommen könnte, wenn keine völlig neuen Entwicklungen auf den Plan treten wie vor einem guten Jahr Covid:

Positive Treiber die so ein Bild unterstützen gibt es genug, das ganze Jahr wird weltweit von einem Nach-Covid-Boom geprägt sein, den man auch an Knappheiten merken wird und heute auch schon merkt, zum Beispiel im Semiconductor-Sektor oder bei Containern in der Schifffahrt.

Auch wenn es sich für uns hier in Deutschland nicht so anfühlt als wäre ein Licht am Ende des Covid-Tunnels zu sehen, ist das aber Realität weil uns spätestens ab 3. Quartal eine Schwemme hochwirksamer Impfstoffe bevorsteht, die die Pandemie in einen beherrschten Normalzustand überführen werden. Auch vor Mutationen hat der Markt nur wenig Angst, weil mit den MRNA-Impfstoffen nun eine mächtige Waffe existiert, die man recht schnell inkrementell anpassen kann und wird. Und regelmässig ein- oder zweimal im Jahr Impfen werden wir uns sowieso über Jahre - außer wir gehören zu den Impfgegnern.

Dass sich die Lage bei uns aktuell noch so dramatisch anfühlt, ist zu einem guten Teil den Fehlern der Politik geschuldet, die nicht viel aus dem letzten Jahr gelernt zu haben scheint. In Ländern die weiter als wir durchgeimpft sind wie UK, US oder Israel verliert die Pandemie aber schon langsam ihren Schrecken und das wird auch in Europa passieren, nur ärgerlicherweise später.

Der Nach-Covid-Boom kommt also, auch hier, teilweise läuft er auch schon. Er ist aber natürlich auch schon teilweise in den Kursen, weil die Börse solchen Entwicklungen ja vorläuft. Allerdings nur teilweise in den Kursen, da ist noch Potential, denn die Wirtschaft neigt dazu in beide Richtungen zu überschwingen, wenn eine Depression besonders tief ist, schwingt der Boom danach gerne besonders hoch.

Genau genommen müssen uns die Indizes aber gar nicht so interessieren, weil wenn wir auf einzelne Sektoren heruntergehen, wir teilweise noch interessantere Ausgangslagen vorfinden.

So dürfte es eine Konstante der nächsten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte sein, dass das geopolitische Ringen zwischen den US und China so richtig heiß läuft. Nein nicht mit Russland, Russland ist wirtschaftlich eher irrelevant und definiert seinen Einfluß im Wesentlichen über Atomraketen und Rohstoffe. Rußland wird sich entscheiden müssen, ob es sich als großer Unterstützer - um nicht zu sagen "Satellit" - in das Lager Chinas einreiht, für eine globale Führungsrolle fehlt es in diesem Ringen abgesehen von militärischem Drohpotential an allem.

Viele Länder werden sich in diesem Konflikt positionieren müssen und die Gräben werden insbesondere im IT-Bereich tiefer, weil die IT-Systeme strategischen Wert haben und sich gegenseitig abschotten werden, was sich dann auch auf Chips und ihre Fertiger auswirken wird.

Es wird also wichtig sein genau hinzuschauen was man im Depot hat, so sind Firmen wie Apple mit hohem Umsatzanteil in China weit stärker diesem Konflikt exponiert als beispielsweise eine Intel, die gerade vom Trend profitieren wird, dass die US und Europa wieder eigene Fertigungskapazitäten aufbauen wollen, um sich vom unter chinesischem Druck stehenden Taiwan und TSM unabhängiger zu machen.

Eine Konstante kann man in diesem geostrategischen Ringen aber als fast sicher betrachten, so sicher wie in einer prinzipiell unberechenbaren Welt etwas sicher sein kann. Und das ist die Tatsache, dass alle Firmen die die militärischen und elektronischen Hilfsmittel für eine weltweite Machtprojektion herstellen, weiter nicht unter Auftragsmangel leiden werden.

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Das Wort zu Ostern

Kommt von mir jetzt eine Predigt zu Ostern? Eigentlich nein, aber vielleicht ein wenig. 😉

Aber ich will diese Feiertage doch nutzen, um ihnen in aller Kürze etwas sehr Grundsätzliches und Wichtiges zu den Märkten zu vermitteln, das Schnittmengen in weite Teile unseres (gesellschaftlichen) Lebens hinein hat.

Zunächst einmal will ich bestimmte Typologien auflisten, die wir alle mehr oder weniger kennen oder schon erlebt haben:

  • Kennen sie Menschen, die immer so übertriebene Sorge vor zukünftigen Bedrohungen haben, dass sie aus Angst davor permanent das Leben selber vergessen und sich jeden Tag mehr vor dem Morgen sorgen, statt sich des Lebens zu freuen? Menschen die gedanklich oder real sich immer gerne in die Scheinsicherheit eines "Bunkers" zurückziehen möchten und "100%ige Sicherheit" suchen, etwas was es sowieso nie gibt? Und nein, das ist kein Bezug zur berechtigten Vorsicht bei realen Bedrohungen wie Covid, es geht um einen strukturkonservativen Typus der immer etwas braucht um sich zu sorgen und Neues grundsätzlich nur als Bedrohung empfindet. Ich kenne den Typus aus eigenem Erleben im privaten Umfeld genau. Diese Menschen haben so viel Angst vor dem ungewissen Morgen, dass sie was ihr Leben angeht, sozusagen "Selbstmord aus Angst vor dem Tod" begehen. Denn am Ende landen wir sowieso alle in der Holzkiste, egal ob wir uns vorher permanent gesorgt haben, oder bei aller berechtigten Umsicht doch nicht vergessen haben das Leben auch zu geniessen und in vollen Zügen zu leben!
  • Kennen sie den Typus "Fachbeauftragten", der in seinem Beruf nach "Perfektion" strebt, sich in Details verliert und dabei die Regeln und Maßnahmen so verdetailliert und verkompliziert, dass sie am Ende kontraproduktiv werden und mehr Schaden als Nutzen produzieren? Ich kenne diesen Typus vom Datenschutz - man schaue nur was bei den Cookies nun für ein Irrsinn passiert - und ich kenne ihn auch von der Finanzregulierung ala Mifid-II, als ob die Papierberge die da produziert werden, irgendjemandem etwas nützen würden. Die sorgen nur dafür, dass Menschen die dringend eine Beratung bräuchten, keine mehr bekommen. Und freie, selbstbestimmte Menschen, die wissen was sie tun, gegängelt und behindert werden.
  • Kennen sie den Typus "Gesetzesmacher", sei es im Bundestag oder in Ministerien wie im Finanzministerium, der im bemühten Versuch der Illusion der "Einzelfallgerechtigkeit" nachzujagen, in Wirklichkeit dadurch immer wieder neue Bürokratiemonster voller struktureller Ungerechtigkeit erschafft? Ich kenne diesen Typus ganz genau, er begegnet mir gerade als Unternehmer und Steuerzahler immer wieder in Form von "Machwerken", die schon alleine deshalb verfassungswidrig sein müssten, weil sie selbst ein gebildeter und verständiger Bürger nicht mehr ohne Hilfe verstehen kann.
  • Kennen sie den vor allem an sich selbst denkenden Typus "save my ass", der in schwierigen Ausgangslagen die kein einfaches Richtig oder Falsch kennen, statt zu führen gerne den Weg geht, der ihn am wenigsten angreifbar macht? Mir begegnet der Typus nun permanent, sei es in der Politik in der Pandemie zu bewundern, oder auch in Vorstandsetagen, in denen Entscheidungen nur noch dann getroffen werden, wenn sie vorher durch diverse Rechtsgutachten bestätigt wurden. Nur wozu braucht man dann noch Management, wenn sowieso die Rechtsabteilungen bestimmen? Diese Angst vor Angreifbarkeit wird dann auch noch positiv "Compliance" genannt, dabei geht es hier vor allem darum, sich selber aus der Schußlinie zu bringen. In der Politik ist das die Variante der "Führung via Umfrage".
  • Kennen sie den mit moralischem Impetus aufgeladenen Typus, der Nebensächlichkeiten mit -> First Level Thinking <- gerne zur Hauptsache aufbläst und dann mit Tunnelblick diese in den Mittelpunkt seines Universums stellt? Ich kenne den zunehmend gut, bei Identitären aller Lager und selbsternannten "Social Warriors" mit viel Zeit ist der aktuell stark vertreten. Früher hätte man diesen Typus auch "Blockwart" und später in den 60er/70ern "Spießer" genannt, denn das gleichbleibende Muster ist eine selbstverliebte Aufplusterung über vermeintlich sozial inadäquates Verhalten anderer, das den eigenen beschränkten Horizont zum Universum erklärt und anderen keine andere Weltsicht mehr zugesteht. Ich schreibe hier übrigens immer wieder vom "Typus", also generisches Maskulinum. Natürlich können aber auch Frauen solche "Typen" sein. Typ*innen, Blockwart*innen und Spießer*innen also. Entschuldigung dass ich diese diskriminiert habe. 😛

Ich könnte locker weitermachen, aber ich denke der Punkt ist gemacht. Was ist diesem Typus gemein? Wo ist der gemeinsame Nenner?

Der Typus denkt zu eng, zu perfekt und schwarz/weiss, er hat kein ausreichendes Gefühl für die vielen Grauwerte des Lebens und seine Dynamik und Wandelbarkeit, die zu Sekundär- und Tertiäreffekten führen und eine gute Absicht ganz schnell zu etwas "Bösem" machen können. Denn jedem Risiko steht auch eine Chance gegenüber und vermeintlich "perfekte" Regelungen sind auch ineffziente Regelungen, wie uns eindeutig die 80/20 Regel aufzeigt, die auch -> Pareto-Prinzip <- genannt wird. Und der Fehler von heute ist die Erkenntnis von morgen, genau so lernen übrigens unsere Kinder auch.

Wer aber über der Sorge vor Fehlern das Führen, Gestalten und Leben vergisst, wird seiner (Führungs-)Aufgabe nicht gerecht und wer einzelne Fragen des Verhaltens zur moralischen Monstranz aufbläst, wäre vielleicht besser Pfarrer (Entschuldigung Pfarrer*in 😛 ) geworden, da gehört der Absolutheits- und Wahrheits-Anspruch zur Job-Description.

Letztlich spielt hier auch das schmerzhafte Fehlen einer pragmatischen Fehlerkultur eine Rolle, denn eine SpaceX ist beispielsweise deshalb an den ganzen trägen staatlichen und halbstaatlichen Raumfahrt-Elefanten wie der ESA vorbeigezogen, weil sie via Prototyping Fehler zulassen und aus diesen schnell lernen, während die anderen diese so stark zu vermeiden versuchen, dass jeder Fortschritt zum Stillstand kommt und die Zeit wie in Bernstein eingefangen zu sein scheint.

Und welche Länder sind jetzt beim Impfen schneller und besser unterwegs als wir? Die Länder die nicht alles überkomplizieren und bürokratisieren, sondern zupackend und pragmatisch nach dem 80/20 Prinzip agieren, nicht die perfekte "Einzelfallgerechtigkeit" im Blick und nicht voller Sorge vor "Einzelklagen", sondern primär die Optimierung des Gesamtwohls aller im Visier.

Erfolgreiche Unternehmer sind diese oben beschriebenen Typologien eher nicht, es sei an der Stelle auch daran erinnert, dass ein Vorstandsposten in einem Unternehmen niemanden deswegen sofort zum Unternehmer macht. Unternehmer zu sein ist erst einmal eine Geisteshaltung und nicht an die Einkommenshöhe und den Dienstwagen gekoppelt. Viele Vorstände sind erst einmal gut bezahlte Angestellte, außer sie sind eben signifikant am Unternehmen beteiligt und daher besonders an dessen langfristigem Gelingen interessiert.

Um als Unternehmer erfolgreich zu sein, muss man pragmatisch denken, zielgerichtet denken, das Pareto-Prinzip im Auge behalten, die Zukunft als Chance begreifen und sich den Problemen offen stellen, statt diese so stark zu vermeiden versuchen, dass am Ende nur noch Stillstand und Bürokratie übrig bleibt.

Als Unternehmer muss man also lernen, mit der prinzipiellen Wandelbarkeit und Bewegtheit unseres Universums und unseres eigenen Lebens umzugehen und darf sich nie zu sehr an etwas festkrallen, wenn die Welt sich im Wandel befindet.

Und genau das sind auch Grundeigenschaften, die man für Erfolg an den Märkten braucht! Was aber nicht bedeutet dass man dafür Unternehmer sein muss, aber man muss sich eben in einer Welt voller Wunder und Überraschungen wohlfühlen und dieser nicht die eigenen Wertmaßstäbe aufzwingen wollen!

Erfolgreiche Anleger sind positiv der Zukunft zugewandt und geistig flexibel, weil uns der Markt immer wieder überraschen kann und wird! Denn das was wir "Markt" nennen, ist ein Abbild der wirtschaftlichen Entwicklung des Planeten und daher genauso wandelbar wie die Weltgeschichte.

Und weil dieser Typus in Deutschland leider eher unterdurchschnittlich vorhanden ist, die "Blockwarte", "Spießer" und "Moralapostel" mit ihrem Absolutheitsanspruch dafür aber zu oft vorkommen, ist auch die Börsenkultur bei uns so schwach!

Wer das unstillbare Bedürfnis hat, seine vermeintliche moralische Überlegenheit mit einem Schild am Gartenzaun oder Auto anderen aufzudrängen, wird kaum mit einem Markt klarkommen, den das alles gar nicht interessiert. Diese Menschen lieben dann tendentiell planwirtschaftliches, dirigistisches Denken, weil sie nur da ihre identitätsstiftenden Überzeugungen unterbringen und anderen aufzwingen können.

Fanatische Sicherheitssucher haben an den Börsen auch keine Chance und können nur scheitern, die Vertreter "absoluter Wahrheiten" auch, denn der Markt ist immer im Wandel und bleibt nie stehen. Der Markt ist ein selbstreferentielles, soziales System - -> reflexiv <- eben.

Erfolgreich kann an den Märkten sein, wer die prinzipielle Unbestimmtheit der Zukunft als Chance begreift und annimmt und sich mit Entscheidungen zufrieden gibt, die "gut genug" sind, statt überall noch einen sinnlosen Goldrand aufzuprägen.

Denken sie selber unternehmerisch oder sind einfach geistig flexibel? Sind sie offen für Neues, interessiert an Wissenschaft und Fortschritt und positiv gespannt auf das was Morgen passiert? Lieben sie freie Entscheidungen freier Menschen? Dann haben sie eine wichtige Voraussetzung für Erfolg am Markt. Worauf warten sie dann also noch?

Wenn das jetzt Predigt genug war, dann wünsche ich ihnen schöne Feiertage! 😀

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wussten sie eigentlich ….. ?

Vor fast 10 Jahren im Sommer 2011 - in der sich entwickelnden Eurokrise - habe ich hier auf Mr-Market die ersten Artikel geschrieben, noch nicht ahnend wie sich das entwickeln wird.

Einer der ersten Artikel war zum Beispiel dieser hier, der schon etwas tat was sie hier danach noch oft erlebt haben: Uns Anlegern den Spiegel vorzuhalten:

-> Über Investoren und Trader <-

In diesen fast 10 Jahren sind selbst im freien Bereich hunderte Artikel erschienen, für den Inhalt im Premium-Bereich können sie darauf locker einen Faktor von 10x und mehr anwenden. In Summe sind es nun - ich habe gerade im System nachgeschaut - genau 4.698 Artikel die bisher hier auf Mr-Market veröffentlicht wurden. Uff. 😀

Da liegt es in der Natur der Sache, dass selbst bei sehr interessierten Lesern, die auch mal die Suchfunktion benutzen, ein großer Teil der Inhalte unentdeckt bleibt. Verstärkt wird das durch die Tendenz des Internets sowieso nur in der Aktualität zu leben und Artikel die nicht sofort gelesen werden, verschwinden dann zu schnell im digitalen Nirwana.

Besonders im Bereich Börse ist das aber tragisch, denn es gibt wichtige Grundprinzipien, die man einfach "intus" haben muss, sonst kann man aus den täglichen Schwankungen auch keinen Honig ziehen.

Und dafür reicht es auch nicht mal einen Artikel zu lesen, wie bei allen Professionen ist es eine Mischung von theoretischem Wissen und echter Erfahrung, die erst im Laufe der Zeit echtes Können entstehen lässt.

Wie das funktioniert habe ich vor einem Jahr mal im folgenden Artikel thematisiert und ihnen dabei auch gezeigt, was Mitglieder dazu gesagt haben:

-> Vom Wissenserwerb im Zeitalter des Herumklickens <-

Deshalb will ich mit diesem Beitrag mal erneut einige Artikel in Erinnerung rufen, die schon vor Jahren im freien Bereich erschienen sind und heute ebensoviel Wert haben wie früher, die also zeitlose Themen beackern.

Denn wussten sie eigentlich, dass ich schon 2013 davor gewarnt habe, den Untergangspropheten besondere Aufmerksamkeit zu schenken? Heute sind die immer noch da, verdienen ihr Geld weiter mit den Ängsten der Anleger, nur dass die Märkte sich seitdem verdoppelt oder verdreifacht haben. Wie der Artikel schon damals sagte:

Der Gewinn wird hier und heute gemacht. Und das Glück kann auch im hier und heute gefunden werden !

-> Von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten <-

Wussten sie eigentlich, dass ich schon 2014 die "deutsche Anlegerseele" erklärt habe und dabei auch aufgezeigt habe was das mit Tesla zu tun hat? Und heute könnte ich ganz aktuell hinzufügen, was das mit der scheiternden, weil überkomplexen und bürokratischen Impfkampagne zu tun hat, weil es die gleichen Ursachen sind, die dazu beitragen. Lesen sie mal:

Der Markt erfordert Pragmatismus, Anpassungsfähigkeit, geistige Flexibilität und die Demut, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Das ist verflucht schwer, für einen Menschen mit fest gefügten Überzeugungen. Und auch für jemandem, der den Dingen auf den Grund gehen will. Die Vorstellung, dass in komplex-dynamischen, selbstbezüglichen Systemen gar kein fester Grund ist, sondern nur die Dynamik der Systemtheorie, löst bei vielen eher Schaudern aus.

-> Börsenkultur und Finanzblogs – Ist die „deutsche Seele“ inkompatibel zur Börse ? <-

Wussten sie eigentlich, dass ich schon 2015 die übertriebenen Erwartungen thematisiert habe, die auf Gold als Anlagegut gerichtet werden und die letztlich nur mit einem fehlgeleiteten Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger zu tun haben? Lesen sie mal:

Gehen Sie also nicht immer wieder all den Seiten auf den Leim, die Sie mit Crash-Szenarien zum Kauf der Edelmetalle treiben wollen. Machen Sie sich klar, wie stark Ihr Sicherheitsbedürfnis ist.

Legen Sie sich eine angemessene Menge Edelmetalle zur Diversifizierung physisch ins Depot und dann vergessen Sie das Thema und leben Sie mit positiven Gedanken!

Und konzentrieren Sie sich auf die Themen, bei denen man wirklich Rendite und Vermögensaufbau erreichen kann und nicht nur das Kapital erhalten.

-> Gold ein Jahr später – die Monstranz der Sicherheit <-

Wussten sie eigentlich, dass ich schon 2016 nachdrücklich versucht habe die fehlgeleiteten Menschen zu erreichen, die Aktien für "zu riskant" halten und ihr sauer verdientes Geld entweder in Konstrukte wie Riester oder in wirklich riskante Anlageformen wie "Mittelstandsanleihen" und Ähnliches stecken?

Es dürfte damals kaum etwas genützt haben, aber wenn ich nur einen Anleger mit dem Artikel abgeholt habe, war es das wert. Und auch heute suchen wieder viele nach "sicheren" Anlagemöglichkeiten und letztlich müsste man ihnen leicht abgewandelt den folgenden Artikel erneut schreiben.

Auch der gute Herr Scholz sollte den mal lesen, damit sein Geld nicht mehr auf dem Konto versauert, vielleicht würde durch mehr Kompetenz dann auch seine Politik als Finanzminister besser. Lesen sie mal:

Machen wir uns nichts vor, je nach Charakter der nächsten Krise, kann selbst Bargeld entwerten (Währungsreform, Inflation), Gold kann verboten werden und der Besitz unter Strafe gestellt. Immobilien können unverkäuflich sein oder zerstört werden und Staaten können Pleite gehen. Wenn es ganz schlimm kommt, zählt nur der eigene Brunnen und das eigene "Rübenbeet". Ist auch alles schon mal da gewesen...

Also ich bitte Sie, keine Geldanlage ist wirklich uneingeschränkt und zu 100% sicher. Punkt!

Warum werfen Sie das dann aber nur Aktien als "Teufelszeug" vor? Die oben genannten Unternehmen sind bestimmt "sicherer", als so manches, was da derzeit noch so an Geldanlagen vertrieben wird! Haben Sie eine Ahnung, wie lange viele dieser Unternehmen schon erfolgreich am Markt sind? Welche Krisen die schon überstanden haben?

-> Aktien sind Teufelszeug und die Börse ist eine Zockerbude! <-

Wussten sie eigentlich, dass Mr-Market sich aber auch intensiv mit Markttechniken und Trading befasst und ich daher wie hier in 2017 auch immer wieder bemüht bin grundlegende Techniken zu erklären und dabei Sinnvolles von Sinnlosem zu trennen?

Lesen sie mal, was ich zu mit tausend Indikatoren vollgepackten Charts zu sagen habe:

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