Brösel, Brösel, Brösel ….. Boom!



Heute versuche ich mal eine wichtige Wahrheit kompakt zu vermitteln und bediene mich dabei eines längeren Artikels, den ich vor einem Jahr im Premium-Berech geschrieben habe - dort dann ausführlicher mit mehr Beispielen und Herleitungen.

Die Frage die dieser Artikel beantwortet ist recht einfach. Sie lautet:
Wann wird es bei einer Aktie, einem ETF oder einem Index gefährlich?

Und das ist immens wichtig zu verstehen, weil wir es in unseren Denkstrukturen nämlich instinktiv falsch machen. Unser "Affenhirn" lässt uns bei Höchstständen Angst haben, weil die vermeintliche Fallhöhe ja so hoch sei. Und lässt uns nach vielen, bröselnden Abgabetagen - dann wenn das Gummiband schon gespannt ist - eher die Chancen sehen, weil das Asset ja schon "so billig geworden" sei.

Diese Chancen sind auch theoretisch da, es besteht aber eben das Risiko, dass das Gummiband reisst und das ist dann das *Boom* am Ende des Bröseln. Weswegen wir solche Rebounds auch erst dann spielen sollten, wenn die Kurse scbon wieder steigen und nicht im Vorfeld blind darauf wetten.

Schon oft aber habe ich den Mitgliedern erklärt und immer wieder gezeigt, dass ein Markt oder eine Aktie die langsam und schwach abwärts bröselt, erhebliche Risiken eines großen Einbruches generiert, Risiken die dagegen bei Höchstständen schlicht nicht vorhanden sind.

Dabei garantiert ein Bröseln keineswegs den folgenden Absturz. Es schafft aber die Voraussetzung dafür, dass die Gefahr eines solchen Absturzes real und relevant wird!

Ich will Ihnen das kurz anhand des Charts des "Black Monday" von 1987 zeigen, das das Gesagte eindrucksvoll unterstreicht. Mit diesem "Black Monday" bin ich damals mit ca. 25 Jahren an die Börse gekommen, nun sind es bald 35 Jahre, die ich mich an der Börse tummele.

Denn auch vor dem Black Monday ging ein markantes Bröseln voraus und wenn im Nachhinein der Black Monday so dargestellt wird, also ob der zweistellige Einbruch aus "heiterem Himmel" und unvorhersehbar kam, dann ist das einfach kompletter Quatsch.

Für Techniker war der wichtige Bruch der Unterstützung am 14. und 15.10.1987 - vor nun 33 Jahren - leicht zu sehen, der ein massives Warnsignal generierte. Und das abstrakte Risiko des Bröselns in dieser Phase, hat das Risiko auch schon indiziert und das ist dann halt so ein Fall, in dem das Gummiband dann mal gerissen ist:

Ich könnte nun hierzu viele weitere Beispiele bringen, schauen sie zum Beispiel mal auf das Chart von General Electric (GE) von 2017 bis 2019 und beantworten sich die Frage, wann das Bröseln klar sichtbar wurde und was dann folgte.

Hier im freien Bereich will ich es bei der Kernaussage belassen. Nehmen sie meine Worte ernst oder lassen sie es bleiben, ihre Wahl und ihre Konsequenzen, die daraus erwachsen.

Merken wir uns:

Ein Asset auf frischem Allzeithoch ist eher nicht bzw kaum gefährlich. Nichts bricht auf Index-Ebene einfach aus dem Nichts über Nacht markant ein, ohne dass irgend jemand etwas ahnt oder weiss. Es mag diese Fälle geben, das ist dann aber der Fall wo uns ala Majestix der "Himmel auf den Kopf fällt" und der ist so selten, dass er als Restrisiko einfach akzeptiert werden muss. Bei Einzelaktien gibt es so etwas eher, ist aber auch eine seltene Ausnahme.

Gerade in den starken Fällen, hat der gemeine Anleger aber aufgrund des psychologischen Ankereffektes Höhenangst und verbaut sich damit die Chance, wirklich starke Aktien im Depot zu haben.

Eine Aktie, die aber schon Schwäche zeigt und beständig abwärts bröselt, die *ist* gefährlich. Natürlich kann das trotzdem einfach eine normale Korrektur sein und irgendwann in eine Bodenbildung übergehen, die dann dreht. Das wird auch in der Mehrzahl der Fälle so ablaufen.

Gerade in den schwachen Fällen, bekommt der gemeine Anleger aber aufgrund des psychologischen Ankereffektes Gier, weil die Aktie vermeintlich "so billig" aussieht und riskiert damit, in einen echten Absturz zu geraten.

Denn wenn etwas so beständig bröselt wie 1987, dann ist das abstrakte Risiko deutlich, dass der Aktie oder dem Index ein markanter Einbruch noch bevorsteht - der Beispiele gibt es tausendfach. Erneut, das garantiert nicht *dass* es passiert, es erhöht aber massiv das Risiko. Wenn sie alkoholisiert Auto fahren, garantiert das auch keinen Unfall, es erhöht aber das Risiko erheblich.

Auch das ist übrigens ein Grund, warum wir nicht in fallende Messer greifen sollten, egal wie "billig" sich etwa anfühlt. Erst wenn die Kurse schon steigen oder eine belastbare Bodenbildung existiert, das Bröseln also aufgehört hat, erst dann wird eine Aktie für kluge Anleger wieder für eine Rebound-Spekulation interessant. Erst dann!

Man könnte diese Weisheit auch anders formulieren:

Stärke gebiert Stärke und Schwäche gebiert Schwäche.

Wer starke Aktien kauft, die beständig nach oben klettern, hat eine weit höhere Chance die kommenden Monate ins Plus zu laufen, als jemand der eine "Gurke" kauft, die beständig abwärts bröselt.

Sie können das auch in der aktuellen Rally seit dem Covid-Tief im März sehen. Schon im April war Tech stark und ist losgelaufen, die Charts waren schnell wieder auf Allzeithochs. Öl und Fluggesellschaften dagegen waren schwach und sind es immer noch. Wer ist also besser gefahren? Natürlich wer Stärke gekauft hat!

Sicher gibt es auch die Ausnahmen, aber die bestätigen die Regel. Trends dauern eben länger als wir oft glauben und sollten daher unser Freund sein. Ignore at your own risk!

Haben sie also keine Angst vor starken Aktien, die korrigieren auch mal, kommen dann aber in der Regel wieder.
Fürchten sie sich dagegen vor schwachen Aktien, die beständig bröseln! Die sind wirklich gefährlich!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Es ist seit Anbeginn der Menschheit bis zur nächsten Krise so, dass die Bürokratie langsam alles zuwuchert und die Menschen dem noch applaudieren, ohne das Ganze zu sehen.

Bürokratie schafft sich so erst die Komplexität, die ihre Existenz rechtfertigt.

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Was ist eine Wall of Worry?

Ich weiss nicht ob sie den folgenden Witz kennen:

Sohn fragt aus der Schule kommend: "Papa, Papa, was ist ein Vakuum?"
Papa sagt: "Moment mal Sohn, ich habs im Kopf, aber ich komm nicht drauf!"

😀

In diesem Sinne könnte ich sie nun fragen: "Was ist eine Wall of Worry?"
Und die Antwort wäre konkret vor ihrer Nase, nicht im Vakuum der üblichen Ratereien und Spekulationen. 😛

Hier ist das vor ihrer Nase:

Denn eine "Wall of Worry", ist im Deutschen die "Wand der Angst" oder auch eine "Mauer der Sorgen".

Und wissen sie was, wenn so eine Wall of Worry im Markt exitiert, dann steigen die Kurse gerade weil so viele Sorgen da sind.

Für Anfänger, oder Anleger die immer welche bleiben, hört sich das merkwürdig an, wenn große Risiken existieren, dann muss man doch von fallenden Kursen ausgehen. Oder etwa nicht?

Eben *nicht*. Wenn sie zum Beispiel meinen Artikel -> Der Markt und die Erwartungen <- gelesen haben, dann ist ihnen klar, dass immer das Delta der Erwartungen entscheidend ist.

Wenn also im Markt schon große Sorgen sind und alle die diese Sorgen haben schon verkauft oder abgesichert haben, dann müssen gar nicht die Sorgen verschwinden damit die Kurse steigen, dann reicht es dass die Sorgen ein klein wenig geringer werden und der Markt steigt.

Und genau das passiert gerade im US-Markt, der Sorgen sind viele, das Virus, die Präsidenten-Wahl, die Sorgen vor Unruhen danach und so weiter und so fort.

Diese Sorgen wurden aber in der Korrektur des September verarbeitet und nur wenn diese Sorgen nun neue Aspekte bekommen, die diese verschärfen, wäre das wieder kursrelevant.

Tja und dann haben wir da noch den zweiten entscheidenden Faktor eines Marktes, den ich ihnen im April in -> Warum steigen (und fallen) Kurse eigentlich? <- nahegebracht habe.

Und das ist der Liquiditäts- und damit Anlage-Druck, der in hohem Maße von der Geldpolitik der Notenbanken und den diversen Stimuluspaketen befeuert wird. Und wo die Nachfrage groß und das Angebot knapp ist, da steigen die Preise, etwas was man auch im Immobilienmarkt schon lange sehen kann.

Weswegen es immer so lustig ist, wenn über den Warenkorb gesagt wird, er würde keine Inflation anzeigen. Doch die ist da, aber nicht im Warenkorb, sondern in den Assetmärkten und das hat mit den Notenbanken zu tun. Wenn also ein junger Familienvater keine bezahlbaren Häuser für seine kleine Familie mehr findet, darf er sich neben anderen Faktoren wie Regulierung (Dämmung, fehlende Grundstücke etc) und Bevölkerungswachstum durch Migration vor allem bei den Notenbanken bedanken.

Statt dessen glaubt dieser Familienvater aber wahrscheinlich das kenntnisfreie -> Enteignungs-Gebrabbel <- linker Ideologen. Für die Notenbanken und die Unterstützer dieser Geldpolitik ist das aber ein Segen, die freut der ablenkende "Haltet den Dieb Effekt" natürlich.

Aber zurück zur Börse, denn Immobilien sind ein anderes Thema. Der Punkt ist, zwei Faktoren treiben aktuell die Märkte, die Liquidität und die "Wall of Worry".

Und deshalb hat die September-Korrektur nur den erwarteten flachen Verlauf genommen und wir im Premium-Bereich haben den Umschwung Ende September auch erkannt.

Und nun läuft der Markt die "Wall of Worry" hoch, frei nach dem ewigen Motto des Marktes:

Zwei Schritte vor, einer zurück.

Was morgen passiert wissen wir immer noch nicht. Auch nicht was nach der US Wahl passiert. Wir wissen aber dass die Geldpolitik so aggressiv bleibt und eine faktische MMT (Modern Monetary Theory) etabliert wird und wir wissen, dass es immer genügend Grund gibt sich Sorgen zu machen - von Euphorie keine Spur.

Und das ist doch schon mal was. Wer ein Investor sein will und in einem "2x vor 1x zurück" Markt immer permanent zögert, wird eben nie auf einen grünen Zweig kommen.

Sorgen gibt es immer, die Märkte können trotzdem die "Wall of Worry" steigen. Das wollte ich heute noch einmal wiederholen.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Free Reloaded!

Seit 2011 schreibe ich in diesem Blog und auch wenn 9von10 Artikeln seit 2013 nur im Premium-Bereich erscheinen, haben sich auch im freien Bereich mittlerweile "Massen" angesammelt, von denen viele Grundlagen behandeln und daher nur langsam oder gar nicht altern.

In der Zeit der Klickeritis und des "Schnell, Schnell" nehmen sich aber zu wenige mal die Zeit Texte zu beachten, die älter als 3 Tage sind. Das ist bedauerlich und will ich mit dem kurzen Beitrag mal wieder verbessern.

Mal ganz konkret gefragt, haben Sie schon einmal oben im Menü die Maus über "Freier Bereich" geführt und geschaut wie das folgende Menü aufklappt? Und dann vielleicht mal geschaut was so in einem Jahrgang im freien Bereich alleine alles geschrieben wurde?

Und haben sie insbesondere mal auf die Kategorie "Wissenswerte und Grundlagen" geklickt und -> diese Liste gefunden? <-. Ich zähle alleine in diese Unterkategorie 250 Artikel im freien Bereich, die überwiegend noch aktuell sind.

Fünf davon will ich nun wieder in ihr Bewusstsein holen und vielleicht findet sich für sie da ja noch viel mehr:

(1) Finanztransaktionsteuer

Schon 2013 und 2014 habe ich erklärt, warum eine "Fianztransaktionssteuer" nur auf Aktien grober Unfug ist.
6-7 Jahre später im Jahr 2020 will unser glorreicher Finanzminister diese nach seinem unermesslichen Ratschluß immer noch einführen. Aber macht gleichzeitig keine Zuckung, um endlich mal Kapitalbildung in Arbeitnehmerhand zu unterstützen:

-> Finanztransaktionssteuer nur auf Aktien ist grober Unfug! <-

(2) Konzentration auf starke Sektoren

2015 habe ich beschrieben wie wichtig es ist, uns als Investoren auf Sektoren zu konzentrieren, denen "der Wind in die Segel bläst". Der typische Anfänger dagegen bildet sich ein klüger als der Markt zu sein, setzt auf die gefallenen Engel und glaubt ernsthaft deren "Qualität" als Einziger erkennen zu können.

"Contrarian" nennt sich diese Abart der naiven Hybris dann gerne, echte Contrarians wissen aber, dass zu früh auch nur ein anderes Wort für falsch ist. Eine Wette gegen den Markt macht eben nur dann Sinn, wenn ihre Zeit gekommen ist und erfordert exaktes Timing, das nicht gerade zu den Fähigkeiten von Anfängern gehört.

Dieses Frühjahr im Lehman-Absturz waren diese Reflexe auch bei den hohen Dividenden-Renditen der Ölwerte zu beobachten. Die "müssen" doch wieder steigen. Leider muss der Markt gar nichts. Und was ist nun daraus geworden? Und was aus den "teuren" Techwerten? Aber ab morgen wird alles anders, natürlich. 😛
Eine beliebte Rechtfertigung ist dann auch gerne: "Ich bin ein langfristiger Anleger". Stimmt, habe ich auch oft von Telekom-Anlegern ab 2000 gehört. 😛

Spaß beiseite, schauen Sie nun mal, welche Sektoren ich seit 2015 bevorzugt habe und welche ich links liegen gelassen habe. Und dann schauen sie mal, wie die sich in den letzten 5 Jahren entwickelt haben. Im Saldo war das eine gute Wahl und eine einfache Wahl, man muss nur erkennen, wo der transformatorische Wind des Wandels in die Segel bläst. Und das kann man auch heute.

-> Mit dem Wind im Rücken zum Markterfolg segeln <-

(3) Du wirst Angst haben

Passend dazu habe ich 2017 beschrieben, wie jeder früher oder später in die Krise läuft, in der pure Angst um das groß gewordene Depot aufsteigt. Nur wer sich dessen schon vorher bewusst ist und Techniken entwickelt damit umzugehen, wird das ohne große Schrammen überstehen. Wer diese Angst dagegen leugnet im Sinne "ich doch nicht", wird zuverlässig scheitern. Die Straßen der Börsen sind gepflastert mit derart gescheiterten Anlegerkarrieren.

Yoda hat es schon Luke gesagt und der wollte es auch nicht glauben:

-> Doch, Du wirst Angst haben! <-

(4) Was ist ein gleitender Durchschnitt?

Aus 2018 ist hier eine sehr ausführliche Erklärung für alle die wissen wollen, was ein gleitender Durchschnitt ist und was das bedeutet:

-> Was ist ein gleitender Durchschnitt? <-

(5) Unsere Mustererkennung und ihre Auswirkungen

Aus 2019 hier ein Artikel zur menschlichen Musterkennung, mit Schnittmengen zum politischen Diskurs der Gegenwart:

-> Der Messerträger, die Glatze und das Gesicht des Chinesen <-

So.. falls sie noch mehr davon wollen und sie diese Artikel schon kennen, dann denken sie an die Änderungen zum 01.10.2020, die ich vor Wochen -> hier <- im zweiten Teil des Artikels erläutert habe.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Der Paradigma-Wechsel oder warum auch ein „Burggraben“ wertlos werden kann

Diesen Artikel habe ich im Premium-Bereich vor einem Jahr, im September 2019 geschrieben. Er ist aber unverändert gültig, nein noch viel mehr, die Covid-Krise hat die Wahrheit so richtig offenbar gemacht.

Damals vor einem Jahr, zum Jubiläum von Windows 1995, wurde ich daran erinnert, wie idiotisch - es gibt kein anderes Wort dafür - die IBM in den 90ern mit ihren riesigen Chancen umgegangen ist:

Erinnern wir uns, IBM beherrschte noch in den frühen 80er Jahren die Computerwelt mit seinen Großrechnern. Ich erinnere mich an Wirtschaftsmagazine mit Covern, die fragten, ob IBM bald die ganze Welt beherrschen würde.

Gleichzeitig gab ein "kleines Würstchen" namens Steve Jobs damals zum Besten, dass IBM "arrogant und kurzsichtig" sei und bald "gedemütigt" würde. Wahre, prophetische Worte, die aber 10 Jahre brauchten, bis das Ergebnis so richtig durchschlagend zu sehen war.

Wir alle kennen die Geschichte, wie IBM Anfang der 80er Jahre eben genau "arrogant und kurzsichtig" das "Bröselgeschäft" mit den kleinen Computern so unbekannten Firmen wie Intel und Microsoft überlassen hat, ja sogar denen geholfen, auf die Beine zu kommen.

Aber große, zu erfolgreiche Organisationen machen eben solche Fehler, das ist aber kein Grund für das, was dann 10 Jahre später wieder in Sachen Windows passiert ist und das soll hier Thema sein. Und auch, was das generell für uns bedeutet.

Denn zu dieser Zeit war IBM 1994 in seiner schwersten Krise und nicht weit vom Exitus entfernt, den Lou Gerstner mit einer radikalen Kehrtwendung abwenden konnte. Gleichzeitig war der Stern von Microsoft schon steigend und mit Windows 3.0 bzw 3.1 gab es eine Klick-Oberfläche für DOS, die sich zunehmender Beliebtheit erfreute, technisch gesehen aber ein ziemliches Stückwerk war.

IBM sollte seinen Fehler von Anfang der 80er also nun grundlegend verstanden haben und hatte eine gewaltige Chance vor sich. Denn DOS und damit auch Windows 3.x waren noch antiquierte 16-Bit Betriebssysteme, die mit ihrem mickerigen Adressraum zukünftig nur noch "Mickey-Maus-Computer" unterstützen konnten.

Wer sich nun also mit einem 32-Bit Betriebssystem für die neue Gattung der x86 Personal Computer durchsetzen konnte und die Marktführerschaft erringen, dem war diese Dominanz nicht mehr zu nehmen. Und IBM hatte alle Voraussetzungen und die riesige Chance, damit die Scharte von Anfang der 80er Jahre wieder auszuwetzen.

Denn innerhalb IBMs gab es viele gute 32-Bit Betriebssysteme und so viel Knowhow zur Betriebssystem-Entwicklung, wie mit Abstand in keiner anderen Firma des Planeten. Ich selber war damals als Abteilungsleiter an der Entwicklung des Großrechner-Betriebsystems MVS beteiligt und hatte einige Kontakte zur OS/2 Fraktion.

Genau, OS/2 - denn damit hatte IBM schon das perfekte 32-Bit PC-Betriebssystem, das spätestens mit OS/2 3.0 genannt "Warp" ein rundum gelungenes Produkt und technisch um Welten besser, als das erst später erscheinende, noch voller technischer Krücken steckende Windows 95 war.

Schon 1996 war es aber mit OS/2 faktisch zu Ende, Windows 1995 dominierte alles und IBM stellte seine Versuche ein, damit Marktanteile zu gewinnen. Sie können an andere Stelle die vielen Fehler nachlesen, die da gemacht wurden und die sich im Nachgang teilweise als absurd darstellen.

So konnte sich IBM zum Beispiel nie dafür entscheiden, das Betriebssystem wirklich für die Massen, also auch für Spieler und Kids anzubieten, weil die "Blauhemden-Manager" dazu schlicht keinen Zugang hatten. Die Folge war, dass wichtige Unterstützung für populäre Anwendungen der Zeit fehlte, die teilweise noch auf 16-Bit fussten.

Sie können diese vielen Details des Durcheinanders und der teilweise lächerlichen Fehlentscheidungen woanders nachlesen, die -> Wikipedia hat hier <- eine ganz brauchbare Zusammenfassung dafür:

... Eines der größten Probleme war, dass IBM nun versuchen musste, das Betriebssystem selber zu vermarkten. Als ein typisches Großunternehmen vermarktete IBM seine Produkte zu einem großen Teil an andere Unternehmen und wusste so im B2B-Bereich zu bestehen. IBM hatte jedoch keinerlei Erfahrung damit, Produkte an Endanwender zu verkaufen, und beging dadurch zahlreiche große Fehler ....

... Mit OS/2 Warp versuchte sich IBM an einer neuen Marketingkampagne. Schon zuvor nutzte das Unternehmen intern Begriffe aus dem Star-Trek-Universum als Codenamen und so wollte IBM das Betriebssystem mithilfe von Darstellern aus der Serie offiziell veröffentlichen. Jedoch vergaß das Unternehmen dabei, sich die notwendigen Rechte von Paramount Pictures zu sichern. Paramount drohte mit einer Klage und so musste IBM die geplante Werbekampagne fallen lassen....

... Als IBM bemerkte, dass erste Entwickler Spiele für das Betriebssystem entwickelten und diese eine große Resonanz entwickelten, fasste das Unternehmen den Beschluss, Warp für jugendliche Computerfreaks zu bewerben. Damit stand IBM jedoch im Konflikt zu den bisherigen Kunden des Betriebssystems, die größtenteils Unternehmen waren und ganz andere Anforderungen an das Betriebssystem stellten. Dazu kamen die vor allem in den USA ausgestrahlten und von allen Seiten stark kritisierten Werbevideos, die die Stärken des Betriebssystems überhaupt nicht darstellten, dazu zählte etwa ein Werbevideo, das Nonnen in einem tschechischen Kloster zeigt ...

Ich habe das frustrierende Chaos damals hautnah erlebt, weil ich damals Kontakt zum damaligen OS/2 Chef Richard Seibt hatte, an dem das Scheitern wirklich nicht gelegen hat, sondern an den übergeordneten Strukturen.

Warum ich Ihnen das hier aber erzähle ist, weil die ganzen Fehlentscheidungen in meinen Augen gar nicht ursächlich für das Scheitern waren. Diese Fehlentscheidungen waren nur Symptome des wahren Metaproblems und wenn es diese Fehlentscheidungen nicht gegeben hätte, wären andere gemacht worden.

Das Metaproblem war schlicht, dass IBM von seiner Organisation, seiner Kultur und seinen Menschen her, unfähig war, diese neue Welt zu verstehen, die sich da entwickelte.

Überall sassen ergraute Manager, fraglos immens fähig, wenn es darum ging, Firmen eine perfekte und "state-of-the-art" Infrastruktur hinzustellen, die aber völlig blind dafür waren, wie sie von der kleinen wuseligen Welt der PCs und ganz neuen Marketing-Methoden überrannt wurden.

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Die neualte Wahrheit über den Markt

Mit den Erregungszyklen der neuen (a)sozialen Medien und der zunehmenden Klicksucht der Etablierten, ist die mediale Landschaft noch kurzatmiger geworden, als sie sowieso schon immer war.

Das gilt insbesondere auch für Börsenmedien und viele Menschen haben sich wie Lemminge vom "Allerneuesten" abhängig gemacht, etwas was einen Tag alt ist, ist da schon fast prähistorisch und keinen Gedanken mehr wert.

Diese Entwicklung hat viele negative Auswirkungen in die Gesellschaft hinein, die hier nun aber nicht Thema sein sollen und über die ich teilweise schon an andere Stelle geschrieben habe.

Diese Sucht nach "neuen Aufregern" macht aber gerade im Finanzmarkt den Scharlatanen das Leben leicht, die die natürliche Angst und Gier der Anleger bedienen und sich so Klicks und Umsätze verschaffen.

Immer wieder will ich sie dagegen ein wenig "immunisieren", was mir hier im nur lose gelesenen freien Bereich aber höchstens ansatzweise gelingen kann.

Aber immerhin ansatzweise und dem Einen oder Anderen wird vielleicht doch klar, wie sehr er sich über die Jahre hat in falsche Denkstrukturen locken lassen. Und deswegen will ich ihnen nun mit einem 4 Jahre alten Artikel von 2016 zeigen, dass bestimmte Wahrheiten eben nicht altern und viele gut daran tun würden, sich diese in Erinnerung zu rufen, statt dem nächsten Marktschreier hinterher zu rennen.

Die Originalversion findet sich -> hier <-, war vom 05.07.2016 und seitdem ich diese Zeilen geschrieben habe, ist der S&P500 von damals rund 2.100 auf rund 3.400 gestiegen, oder 62% oder rund 15% pro Jahr - ohne Dividenden, die noch einmal ca. 2% jährlich hinzufügen.

Und jetzt lesen sie mal die folgende Liste aus 2016 und fragen sich, welchen Wert für ihre Geldanlage die aktuellen Aufreger und ihre lauten Verkünder haben. Aber heute ist alles anders, schon klar. 😛

Dabei will ich ausdrücklich betonen, was ich auch 2016 betont habe, dass ich mich über die Risiken ja nicht lustig mache. Nein, ich nehme jedes einzelne Risiko verflucht ernst und teilweise schlafe ich deswegen schlecht, sonst hätte ich es nicht hingeschrieben. Und einige der Punkte von 2016 sind sogar eingetreten, siehe Trump.

Heute könnte man ein paar der Risiken von 2016 streichen, dafür sind andere hinzugekommen, im Saldo könnte man auch heute so eine Liste erzeugen.

Entscheidend ist aber: Welche Relevanz hatte das für ihre Geldanlage? Haben sie davon profitiert sich davor zu fürchten? Eben. 😛

Der Markt ist eben weder die Ökonomie, noch die Politik und hat seine eigenen Gesetze. Und wir tun gut daran, diese zu kennen und uns nicht von all denen ins Bockshorn jagen zu lassen, die ihr mediales Geld mit unseren Emotionen verdienen.

Und vor allem, man könnte problemlos eine ebensolche positive Liste erstellen, die sich dann vor allem mit Innovation, Fortschritt und einer sich im Saldo verbessernden Welt befasst. Die verschafft aber nicht so leichte Klicks wie Crash-Weissagungen und deswegen gibt es sie medial auch kaum.

Nun aber zurück ins Jahr 2016:

Ich habe so einen ähnlichen Artikel schon einmal geschrieben, aber doppelt genäht hält besser. 😉

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage: [Anmerkung: von Juli 2016]

  • Die Flüchtlingskrise wird wieder anschwellen und zu einer veritablen Staatskrise mit Unruhen führen. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Der Brexit wird andere Länder dazu animieren auszutreten, wenn man sieht, dass die Briten vom Austritt profitieren. Check!
  • Der "Club Med" wird die EU zunehmend dominieren und sie zu einer Transferunion machen. Check!
  • Deutschland wird durch die weiche Währung langsam seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Check!
  • Amerika hat sich als unfähig heraus gestellt, mit seiner Dominanz die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Check!
  • Trump wird Präsident. Check!
  • Die Krise in der Ukraine ist kein bisschen gelöst. Check!
  • Der IS ist kein bisschen besiegt. Check!
  • Im chinesischen Meer kann jederzeit ein offener Konflikt auftreten. Check!
  • Deutschlands Wohlstand ist auf Sand gebaut, die Altersarmut weiter Bevölkerungsteile kommt. Check!
  • Die Notenbanken der Welt überheben sich gerade. Check!
  • Der "Race to the Bottom" der Währungen wird nicht gut ausgehen. Check!
  • Das Finanzsystem ist kein bisschen stabiler als 2008, die Beteiligten haben nichts oder zu wenig gelernt. Check!
  • Die aktuellen Verzerrungen der Preisfindung an den Märkten, basieren primär auf zu starken dirigistischen Eingriffen von Staaten und Notenbanken im Sinne "Planwirtschaft Light". Check!
  • Mit dem nächsten Finanzcrash, wird nicht nur von Radikalen das Gesellschaftssystem in Frage gestellt werden. Check!
  • Und an allem wird für die medialen Lautsprecher sowieso nur "der Kapitalismus" schuld sein - was immer das ist. Check! 😉
  • Die Märkte sind nach Jahren des Bullenmarktes für eine Korrektur überreif. Check!
  • Die Anleihenmärkte befinden sich in einer gigantischen, von den Notenbanken und Staaten aufgepumpten Blase. Check!
  • Wenn dieser Markt abwärts zu rollen beginnt, wird es sehr schnell, sehr übel werden, weil der Margin Call sich durch das System frisst. Check!
  • Die Dominanz der trendfolgenden Algorithmen, wird den nächsten Crash noch schneller, tiefer und brutaler machen, als alle vorher. Check!

Habe ich etwas vergessen? Bestimmt! Da fällt Ihnen doch mit Sicherheit noch ein wichtiger Punkt ein. Oder?

Ach ja, ich habe noch Einen mit einem Augenzwinkern: 😉

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Erwartet und überraschend

Was letzten Donnerstag mit dem Einbruch der weit gelaufenen Techwerte am Markt geschehen ist und sich schon am Tag vorher mit starken Abgaben bei AAPL, TSLA und CRM ankündigte, dürfte wohl mal wieder die besterwartete Entladung seit langer Zeit gewesen sein.

Denn es war offensichtlich, dass die Techwerte bei aller berechtigten Begeisterung über deren Zukunftsaussichten, etwas zu weit vorausgelaufen waren. Eine spekulative Komponente war also vorhanden, auch wenn die Bewegungen im Kern Substanz haben.

Ich habe das letzte Woche auch hier im freien Bereich mit den Worten beschrieben:

Nur ob da nun etwas zu viel übertriebene Spekulations-Sahne oben auf den Kursen ist, das ist eine sehr berechtigte Frage, ich gehe auch eher davon aus, eine Korrektur erscheint fällig.

Es war aber auch immer klar, dass der genau Zeitpunkt der Entladung nicht im Vorfeld zu antizipieren sein würde, so eine Entladung kommt schnell, hart und plötzlich und ohne echten Auslöser - wie ein Blitz aus einem gewittrigen Himmel.

Man kann den genauen Zeitpunkt des Blitzes nicht vorhersehen, man kann ab den Marktzustand erkennen, der Blitze wahrscheinlich macht, so wie eine schwül-drückende Wetterlage im Sommer.

Und genau das war im Vorfeld zu sehen und insofern ist rein gar nichts an dieser Entladung bisher überraschend.

Ein Markt wird dann gefährlich, wenn er nicht tut, was er eigentlich sollte. Dieser Markt hat aber gerade genau das gemacht was er sollte, weswegen man diese Entladung bisher gelassen sehen kann und auf Basis der bisher vorhandenen Signale davon ausgehen, dass es nach dem Gewitter weiter im Bullenmarkt geht.

Hier sehen wir das Geschehen beispielhaft bei Apple, das schon am Mittwoch startete und am Freitag schon einen markanten "Hammer" generiert hat, die Aktie wurde wieder aggressiv gekauft:

Und im S&P500 wurde nun gerade das langfristige Ausbruchsniveau über die Februar-Hochs von oben getestet, auch das bisher ein normaler Vorgang:

Trotz dieser völlig erwartbaren, absehbaren Situation, die ich im Premium-Bereich seit 2 Wochen mehrfach und deutlich beschrieben habe, werden aber immer wieder Anleger davon auf dem falschen Fuß erwischt. So ungefähr wie jedes Jahr auch die ersten Schneeflocken immer "ganz überraschend" kommen. 😉

Das hat viel mit unserer eigenen Psyche zu tun, mit dem was wir hier im Blog liebevoll-sarkastisch "Affenhirn" nennen und die Folge davon sind dann Ärger, Reue, Unruhe etc.

Wer sich so vom Markt treiben lässt, dem nützt es dann auch nichts vorher x-mal gelesen zu haben, dass eine 10% Korrektur nun wahrscheinlich und gesund sei, wenn die geliebte Apple oder was auch immer um 10% korrigiert, schalten sich in den Hirnen die Angst & Flucht-Reflexe ein, die wenn nicht kontrolliert, garantiert zu Fehlentscheidungen führen.

Damit komme ich zu einer Erhöhung der Einstiegshürde bei Mr-Market und zu dem, was ihnen im Premium-Bereich geboten wird. Denn dort erhalten sie unter anderem eine tägliche Begleitung und Einordnung des Marktgeschehens, wenn sie so wollen, wird das "Affenhirn" von mir "an die Leine genommen" und ihm Ruhe und Gelassenheit zugesprochen. Viele profitieren sehr davon und die Community wächst zunehmend schneller.

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Gnadenlos

Die Sommerferien im Blog sind vorbei, der Normalmodus ist soeben mit einem umfangreichen Wochenausblick im Premium-Bereich wieder losgegangen.

Ich habe mich gefreut, dass einige Neueinsteiger mein Angebot angenommen haben, den August zum Einlesen zu nutzen, damit sie nun "bereit" für ein hoch spannendes und profitables Jahresende sind.

Denn die kommenden 4 Monate werden extrem bewegt und anstrengend werden, das normale Jahresende, kombiniert mit einer richtungsweisen US-Wahl und den Besonderheiten der Pandemie, werden für jede Menge Bewegung und Spannung an den Märkten und darüber hinaus sorgen.

Es wird in Zukunft auch ein paar Änderungen geben, die die Einstiegshürde für Neueinsteiger in den Premium-Bereich bewusst erhöhen, da ich gar kein Interesse an einer zu schnell steigenden Mitgliederzahl habe, um die Qualität der Community weiter hoch zu halten. Darüber schreibe ich dann voraussichtlich in einer Woche. Wer den August jetzt schon genutzt hat, hat es also richtig gemacht.

Der US Markt war im August gnadenlos und schmolz wie ein Strich langsam nach oben:

Das ist ein Umstand, den man für einen August nicht unbedingt erwarten kann, der aber in Wahljahren nicht völlig untypisch ist. In solchen Jahren gibt es öfter einen starken August, dafür aber einen temporären Einbruch im September/Oktober vor der Wahl.

-> Hier bei Equity.Clock <- können Sie den typischen statistischen Verlauf von Wahljahren im Vergleich sehen:

Nun ist 2020 fraglos kein normales Wahljahr, die Effekte des Virus und der beispiellose Stimulus überlagern alles, aber zumindest ist ein starker August in Wahljahren eben nicht ungewöhnlich.

Mit dieser besonderen Lage, mit diesem gnadenlosen Strich nach oben, kann man auf drei Arten versuchen umzugehen.

Erstens könnte man sich auf "Bewertungsfragen" stürzen und leicht argumentieren, dass viele Aktien in diesem Markt ja "überbewertet" seien.

Sie wissen was ich davon halte, da bleibt nur Augenverdrehen und wer so versuchen will den Markt zu timen, kann das gerne tun, aber ohne meinen Segen.

Denn eine "Bewertung" ist immer etwas Relatives und was bei einem Leitzins von 5% vielleicht im Vergleich zu Anleihen hoch bewertet ist, ist es bei absehbar 5 Jahren mit Nullzins eben nicht. Das zu vergleichen sind Äpfel und Birnen.

Ich habe das in unzähligen Artikeln thematisiert, so zuletzt auch in -> Warum steigen und fallen Kurse eigentlich <-. Die Bewertung von Aktien ist Ausdruck der *Zukunfts-Erwartungen* des Marktes und die können zu jedem Zeitpunkt zu optimistisch, aber auch zu pessimistisch sein - auch heute. Und erst hinterher ist man klüger.

Zweitens kann man taktisch an den Markt herangehen und dann sieht man die lange, pausenlose Aufwärtsbewegung, sieht aber auch Saisonalitäten wie im Chart oben und erkennt den Bullenmarkt, erwartet aber auch bald eine Konsolidierung.

Das ist eine legitime Herangehensweise, die durchaus Sinn macht. Man bleibt also dabei, wird nun aber ein wenig vorsichtiger und erwartet kurzfristig auch mal eine Konsolidierung oder Entladung.

Und dann gibt es Drittens noch eine ganz andere, langfristige Sichtweise, die sich mit den Liquiditätsströmen und dem historisch einmaligen Vorgehen der Notenbanken befasst.

Denn was wir hier erleben, wird zunehmend zu einer verdeckten Implementierung einer Form von "Modern Monetary Theory (MMT)", kurz gesagt alle Schleusen wurden geöffnet, werden auf Jahre - wenn überhaupt je wieder - nicht geschlossen und treiben die Preise aller Anlagegüter massiv.

Wenn das so ist, dann sind wir noch lange nicht in der Phase angekommen, in der jeder versteht, dass der einzige Schutz gegen Entwertung die Flucht in echte, fungible Sachwerte ist. Dann steigen Aktien oder Gold noch lange weiter, weil der Druck unter dem Kessel immer höher wird und wenn der nur einen engen Ausgang hat, dann pfeift der Kessel eben!

Und Vergleichsbewertungen zu den Zeiten einer normalen Geldpolitik sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind!

Sie erkennen leicht an meinen Worten, dass ich kurzfristig auf ein paar Wochen durchaus mit Zweitens sympathisieren kann, langfristig aber von einer sich beschleunigenden "Katastrophen-Hausse" wie in Drittens ausgehe.

Sicher kommt dann irgendwann das dicke Ende, aber vorher steigt der Druck im Kessel massiv und mit ihm die Kurse. Und wer aus Angst vor dem dicken Ende dann nicht dabei ist, wird einen doppelten, fatalen Fehler machen. Denn irgendwann wird auch der Letzte verstehen, dass die Orte zum Schutz von Vermögen immer begrenzter werden, bis dann der Kipppunkt erreicht ist, hinter dem es sowieso keinerlei Sicherheiten mehr gibt, auch nicht Gold, weil auch das konfisziert und verboten werden kann.

Lange Rede kurzer Sinn, dieser starke Markt spricht für weitere Stärke, auch wenn kurzfristig eine Verschnaufpause/Entladung kein Wunder wäre. Bewertungsfragen sind aber in einer Katastrophenhausse völlig irrelevant und nach dem *großen Reset* - wann immer der kommt, aber sicher nicht heute oder morgen - gehen sowieso alle Bewertungsfragen auf "LOS" zurück.

Ich will ihnen das was passiert anhand eines reinen US ETFs zeigen, dem Kursverlauf des ARK Innovation ETF (ARKK), dessen -> Holdings sie hier finden <-.

DIe Covid-Krise hat viele Entwicklungen, die noch Jahre langsam gelaufen wären, nun immens vorgezogen und beschleunigt. Und der Markt spiegelt das wieder, für den Sicherheit mit Zukunftspotential gleichbedeutend geworden ist.

Innovation geht immer, Zukunft gibt Sicherheit im Umbruch, nicht vergangene Meriten vergehender Industrien.

Natürlich ist bei diesem Chart auch ein Stück spekulative Übertreibung dabei, aber eben nicht nur, der wahre Kern ist vorhanden:

Machen Sie sich klar, dass diese hier fraglos vorhandene Spekulation und Übertreibung eher das Sahnehäubchen ist und nicht der Kern der Sache.

Denn wenn sie durch die Holdings des ARKK gehen, dann finden sie viele richtig starke, zukunftsträchtige Geschäftsmodelle, die *völlig zurecht* nun stark hochgekauft werden und rein gar nichts mit den Luftblasen des Jahres 2000 zu tun haben. Nur ob da nun etwas zu viel übertriebene Spekulations-Sahne oben auf den Kursen ist, das ist eine sehr berechtigte Frage, ich gehe auch eher davon aus, eine Korrektur erscheint fällig.

Der Markt preist also eine neue Wirklichkeit ein, eine Zukunft nach Covid mit Notenbanken, die nie mehr vom Gaspedal gehen.

Die FED hat nun sogar einen Nullzins für 5 Jahre angekündigt:
-> Fed Seen Holding Rates at Zero for Five Years in New Policy <-

Der Zins kehrt also nicht mehr wieder, wie ich schon vor Jahren angekündigt habe und ohne ihn bleibt nur ein Weg für Anlagekapital, die Flucht in fungibles Produktivvermögen. Genau das passiert gerade und es gibt keine Indikation dafür, dass es gerade jetzt enden muss.

Ich wünsche einen guten Start in den September!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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