Wo wir am Jahresanfang stehen

Im Premium Bereich ist schon seit einer Woche wieder Betrieb und wir haben schon viel besprochen und Einiges in der sehr bewegten und profitablen KW1 mitnehmen können.

Hier im freien Bereich will ich ihnen - sozusagen aus der Umlaufbahn - einen summarischen Überblick geben wo wir aktuell am Freitag 08.01.21 stehen - mit wenigen, klaren Sätzen.

Erstens, der US-Senat ist marginal wieder in demokratischer Hand, die Vize-Präsidentin kann mit ihrer Stimme nun das Zünglein an der Waage zu Gunsten der Demokraten sein.

Das erleichtert Biden das Regieren ungemein, ohne dass es dem linken Flügel der Demokraten zu viel Einfluß gibt, denn mit nur einer "halben Stimme" Mehrheit bekommt man immer noch keine kontroversen Themen durch.

Für Big Tech wie Facebook (FB) oder Amazon (AMZN) erhöht das Risiken von Regulierung und Zerschlagung, für die breite Ökonomie erhöht es aber die Chancen eines massiven Stimulus, der nun schneller und höher kommen wird, als vorher möglich.

Der Markt nimmt das schon vorweg, seit Mittwoch "feiert" er erneut in den Sektoren, die schon am 09.11.20 mit der Nachricht zum Impfstoff aus der Corona-Baisse erweckt wurden.

Der Russell2000, der Index der kleinren US Aktien, vollzieht eine massive Rally, die Hoffnung auf die Konjunktur ausdrückt:

Zweitens gehe ich davon aus, dass Trump nach dem Geschehen von Mittwoch nun politisch zum "Outlaw" wird und sein Einfluß auf die republikanische Partei damit geringer.

Trump konnte mit seinen Brüchen ziviler Normen bisher durchkommen, weil er in der Regel nur Einzelpersonen so angegriffen hat. Das nahm man zwar mit Abscheu zur Kenntnis, war aber nicht ausreichend selbst betroffen.

Mit diesen Bildern dieser Chaoten im Kapitol, angefeuert vom eigenen Präsidenten, wird er aber auf ewig verbunden bleiben und dabei hat er sich nun nicht mit Einzelpersonen, sondern mit den amerikanischen Mythen, mit der Selbstidentität des Landes angelegt und die ist wirkmächtig.

Viele brave Bürger werden sich abwenden, was ihm dann bleibt ist eine kleinere, aber radikalere Truppe gläubiger Jünger. Das bleibt gefährlich und auch mit Einfluss, aber der Zenit ist überschritten und das Momentum hat einen Knacks. Die heutige halbgare "Concession" zeigt, dass er den Fehler nun bemerkt hat.

Dass er seine Position selbst so geschwächt hat, ist eine schöne Pirouette der Geschichte und im Sinne von Faust "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft".

Denn Trump hätte aus der Executive heraus diese Wahl locker gewinnen können, der Gegner war schwach und in der Krise schlägt immer die Stunde der Anführer, wenn sie denn welche sind. Aber er hat - getrieben von seinen eigenen Geistern - alles dafür getan, den Gegner stark zu machen, dessen Anhänger zu Einen und selber Angriffspunkte zu bieten. Der größte "Loser" heisst also "Donald", er hat eine Wahl vergeigt, die für ihn wie ein Elfmeter war, den man nur noch eintüten musste.

Aber auch nach der Wahl hätte er noch mit Grandezza abtreten können, sein Ego befriedigen und am Image des "Comeback-Kids" basteln und so ein politischer Faktor bis 2024 bleiben. Das hat er nun wohl alles mit eigener Kraft beschädigt, seine politische Zukunft ist unklar und zweifelhaft.

Für den Markt ist das aber schon lange nicht mehr relevant, der schaut seit der Wahl nach vorne und was er sieht gefällt ihm, weil der dritte Punkt zum Tragen kommt:

Drittens garantiert das "dynamische Duo" von Yellen als Finanzministerin und Powell als FED-Chef weiter einen voll aufgedrehten Liquiditäts-Feuerwehrschlauch der FED.

Mit den Demokraten und dem Wechsel im Senat werden auch "Helicopter-Money" Konzepte im Sinne der MMT wahrscheinlicher, wovon wieder Aktien, aber auch Gold relativ profitieren werden.

Dieser Bullenmarkt ist also keineswegs zwingend vorbei und selbst wenn die jedes Jahr neu schnatternden Crash-Propheten wie eine gesprungene Schallplatte irgendwann mal recht bekommen, kann der Markt in den Jahren bis dahin noch massiv steigen und jeder der das nicht mitnimmt, sich in den Fuß beissen.

Oder anders gesagt, nachdem man 80% Gewinn mitgenommen hat, akzeptiert man dann gerne die 10-20% Verlust vom Hoch, bis man erkennen kann, dass die Party nun vorbei ist. Das ist der Weg. 😉

Falls jemand nicht weiss was los ist, hier ist noch einmal die Geldmenge M1 der USA seit den 90er Jahren. Das Chart ist logarithmisch, linear sähe es noch mehr nach einem Start einer Falcon 9 von SpaceX aus. 😛

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Ein historisches Anlagejahr

Ein historisches Jahr und Anlagejahr liegt in den letzten Zügen.

Wenn sie jetzt hier einen Jahresrückblick erwarten, sind sie schief gewickelt, denn ich finde kaum etwas langweiliger als Jahresrückblicke.

Die Zukunft ist weit spannender, die neuen Dinge die man noch beeinflussen oder zumindest erleben kann. Und auch die echte Vergangenheit ist interessant, weil wir aus ihr lernen können.

Aber das noch einmal durchzunudeln, was man gerade erst erlebt hat und noch im Kopf präsent ist? Eher nicht, es gibt Sinnvolleres mit der begrenzten Zeit zu tun, die einem zur Verfügung steht.

Trotzdem - und das ist etwas ganz anderes, als sich Jahresrückblicke anzuschauen - macht es Sinn aus dem Erlebten des Jahres 2020 zu lernen und insofern zu reflektieren, was das (Anlage-) Jahr so besonders gemacht hat.

Da fällt mir zum Beispiel die Tatsache ein, dass wir in 2020 den *schnellsten und härtesten Rebound der Börsengeschichte* nach einem Crash erlebt haben!

Hier von -> Advisor Perspektives <- sehen wir nur den Zeitraum seit 2009, aber auch darüber hinaus war die Härte des Rebounds historisch ohne Beispiel:

Dieses Jahr war es also sehr "leicht", hohe Gewinne zu erzielen. Man musste "nur" Ende Februar hart reagieren und sein Depot sichern und ab April dann auf die Covid-Gewinner setzen.

Wer dann auch noch am 09.11.20 - dem Tag der Erfolgsmeldung zur Impfung - sofort erkannt hat, dass der Markt nun über Covid hinausschaut und die Zeit der Nachzügler anbricht, wird sich in diesem Jahr über hohe zweistellige Prozentgewinne im Depot freuen können!

Letztlich hat sich die Pandemie aus Sicht der Börsen als Treibsatz der Veränderung herausgestellt, Entwicklungen die schon langsam liefen, wurden beschleunigt und um Jahre vorgezogen. Neben dem historisch einmaligen Stimulus, ist das auch einer der Gründe für die Stärke des Marktes.

Die Börsen sind kein 100%iges Abbild der breiten Wirtschaft, an den Börsen befinden sich überdurchschnittlich viele technologisch starke oder anderweitig resiliente Unternehmen mit Zukunftspotential, die von Covid profitieren konnten.

Was ja auch logisch ist, letztlich ist die Börsennotierung ein positiver Filter für Unternehmen, tendentiell wird an die Börse gebracht, was Chance hat bei Anlegern Geld einzusammeln und das sind eher weniger die sowieso schon lahmen oder fußkranken Unternehmen.

Ausnahmen bestätigen dabei die Regel, manchmal kommt Schwäche ja auch erst im Laufe des Börsenlebens einer Firma und auch Fälle wie Wirecard beweisen das letztlich. Denn Wirecard ist wohl eher ein Betrugsfall, hat aber gerade bis zu dessen Aufdeckung davon gelebt, den Eindruck technologischer Führerschaft und Wachstums zu erzeugen.

Hinzu kommt dann noch der historisch einmalige Stimulus von Notenbanken und Staaten, schauen sie nur als Beispiel, wie sich die Geldmenge M1 in den US ab März diesen Jahres entwickelt hat - die ist fast explodiert. Und die Inflation, die die Notenbanken in den Warenkörben suchen, ist natürlich längst da - in den Asset-Märkten!

Übrigens, das Chart ist logarithmisch, linear sieht es noch verrückter aus - die Modern Monetary Theory (MMT) wird schon faktisch umgesetzt.

Und dann waren in 2020 solche Charts von Covid-Profiteuren wie hier von Docusign (DOCU) keine Seltenheit und alles was man tun musste, war im Frühjahr das Spiel zu erkennen das gespielt wurde und aufzusatteln.

2020 war also ein verrücktes und denkwürdiges Anlagejahr, aber auch ein extrem Profitables, wenn man dem Spiel auf dem Platz folgte, statt den Markt zu bekämpfen.

Und wie es weitergeht?

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Q4 2020er Mitglieder-Verlängerungs-Kommentare

Dieses ist eine Zusammenstellung freiwilliger Kommentare, die mich alleine im 4. Quartals 2020 zusammen mit einer Verlängerung von den Mitgliedern erreicht haben.

Die meisten Mitglieder wickeln die Verlängerung via Formular einfach ab und äussern sich wenn im Forum und das ist auch richtig so. Eine einstelliger Prozentsatz der Mitglieder hat aber das Bedürfnis, bei der Verlängerung noch ein paar persönliche Worte anzuhängen, worüber ich mich immer sehr freue und ausdrücklich danke.

Die Kommentare sind völlig anonymisiert, persönliche Statements wurden gelöscht, ebenso wie alles, was Rückschluß auf Userid, Person oder Wohnort erlauben würde. Ansonsten sind sie völlig unverändert, einfach mit Cut/Paste kopiert.

Ich denke man sieht den Kommentaren schnell an, wie breit und freundlich die Community ist. Ich freue mich darüber:

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Danke Hari, für die Begleitung dieses Jahr. Ich habe wie immer viel über „Börse“ gelernt, aber auch politisch / gesellschaftlich bringst du es „knackig“ immer auf den Punkt, dass mich oft emotional berührt.

Lieber "Hari",
vielen Dank für Deine fachkundige und sehr engagierte Begleitung durch dieses bestimmt denkwürdige Börsenjahr 2020. Ich wünsche Dir und Deiner Familie für's neue Jahr vor allem .....

Vielen Dank für Ihre großartigen Markt- und Aktienanalysen!!!!
Viele Grüße

Danke für das weiterhin überragende Angebot, schöne Weihnachtstage und eine guten Rutsch in das neue Jahr!

Lieber Herr Schulte / Hari,
vielen Dank für Mr. Market und Ihren Einsatz!!!
In der Zeit meiner Mitgliedschaft habe ich mehr gelernt als in all den Jahren zuvor, in denen ich an der Börse tätig bin.
Ganz zu Schweigen von den unzähligen ...mir fällt es wie Schuppen von den Augen... Momenten 🙂
Vielen Dank und weiterhin alles gute für Sie und Ihre Familie

Danke für die ganze Arbeit die Du in dein (Lebens)Werk hier investierst! Ich konnte in meinem ersten Jahr unglaublich viel dazu lernen!!!

Vielen Dank für das tolle Angebot im abgelaufenen Jahr und den hingebungsvollen Einsatz. Ich habe wieder viel lernen und erfahren dürfen. Der Mitgliedsbeitrag ist gut angelegtes Geld. Ich freue mich auf ein weiteres Jahr mit Mr.Market. Ein frohes Fest und ein gesundes neues Jahr wünscht

Auch dieses Jahr wieder ein großen Dank für diesen tollen Dienst und die darum aufgebaute Community 🙂

Weiter so Hari. Tolles Produkt zu echt fairem Preis. Für mich als Börsenneuling (seid 2017 an der Börse) ungemein lehrreich. 😀

Vielen Dank für die tolle Arbeit, Hari!
Einfach ganz großes Tennis - Du bist ein toller Begleiter! Traden kann ich allein, aber Deine ruhige Art und Deine Einschätzungen gepaart mit der intelligenten Community sind unschlagbar. Weiter so!

Herzlichen Dank für dieses Jahr und Ihre ruhige Art durch den Nebel des Boersengeschehens zu führen. Dieses Jahr habe ich wieder viel gelernt. Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie.

mit großer Überzeugung verlängere ich. auch in diesem aufregenden Börsenjahr bin ich so gut wie nie unter Stress bzw. Druck gekommen. eindeutig die Folge meiner Mitgliedschaft.
woran ich bevorzugt noch arbeiten muss. 1) nicht nur dem Markt zu folgen, sondern die geistige Flexibilität aufzubringen, dies *schnell* zu tun, also noch weniger zu zögern. denn die wichtigen Phasen an der Börse verlaufen heutzutage sehr dynamisch. 2) FOMO noch besser vermeiden. zu einem sinnvollen Zeitpunkt entscheiden, ob man mit dabei ist. bekanntlich kann man nicht auf allen Hochzeiten tanzen. und das impliziert, wenn man nicht dabei ist und dann der Kurs sehr schön steigt, zu akzeptieren, dass man nicht dabei ist. 3) ich muss noch verinnerlichen, die Zeitebene zu wechseln, bevor ich mir ein Urteil bilde und entscheide. sehr schön, wie Du das immer wieder im Lifestream zeigst. das ist generell ein sehr gute Methode von Dir, Deine grundlegenden Börseneinsichten am konkreten aktuellen Beispiel zu demonstrieren und zu erläutern.
es bleibt mir, vielen Dank zu sagen. und vor allem. persönlich und der Familie alles Gute zu wünschen.

unfassbar wie die Zeit vergeht, das ist nun das sechste Jahr. Ich musste dreimal nachzählen, um es zu glauben. Ich danke Dir ganz herzlich für all das, was Du hier für uns alle leistest und freue mich auf das nächste Jahr hier in der Community. Alles Gute für

Lieber Hari, wieder neigt sich ein von Mr.Market begleitetes Jahr zur Neige. Für mich war es ein sehr profitables Jahr. Dies habe ich zu einem großen Teil diesem Blog zu verdanken. Es ist tatsächlich ein stetiger Prozess des Lernens und des sich Weiterentwickelns und desto länger ich als Leser dabei bin, desto mehr profitiere ich. Herzlichen Dank dafür.

Hallo Hari,
wieder ist ein Jahr rum. Vielen herzlichen Dank für Deine Arbeit. Sie bringt mich weiterhin gut weiter. Insbesondere schätze ich Deine Art wie Du uns diverse Quellen komprimiert und auf den Punkt gebracht zusammenfasst. Das hat schon "Briefing"-Qualität.
Ein dickes Weiter So !!! von mir und bis demnächst,

Immer wieder gerne fülle ich dieses Formular aus. Eine, wenn nicht gar die beste finanzielle Entscheidung in meinem Wirtschaftsleben!
Vielen Dank Hari für Deinen unermütlichen Einsatz versus die Finanzpornographie!

Lieber Hari,
ich bin nun schon seit mehreren Jahren treuer (stiller) Leser und wirklich dankbar über deinen Beitrag. Dank dir sehe ich vielen Dinge sehr differenziert und aus einem anderen Blickwinkel.

Vielen Dank für ihre tolle Arbeit!
Ich freue mich immer jeden Tag ihre Artikel zu lesen.
Machen Sie bitte weiter So und bleiben Sie Gesund in diesen schwierigen Zeiten.
Viele Grüße

Lieber Hari,
vielen Dank für deine extrem gute, aktuelle und lehrreiche Begleitung an den Finanzmärkten! Die Mitgliedschaft bei Mr. Market bereitet mir eine große Freude.
Viele Grüsse

Hallo Hari,
herzlichen Dank für Deine Guidance und die vielen oft amüsanten und auf den Punkt gebrachten Artikel in den letzten 12 Monaten.
Ich freue mich auf ein weiteres Mitgliedsjahr!
Mit den besten Wünschen für Dich und Deine Familie sowie einem Gruß aus

Vielen Dank für Ihre guten Dienste. Pflichtlektüre für mich.

An dieser Stelle nochmals Danke für die außergewöhnlich informativen und lehrreichen Informationen.
Weiterhin Alles Gute.

Lieber Hari,
herzlichen Dank für die schwierige Führung in diesem außergewöhnlichen Jahr, für deine Ideen und Anpassungen.
Ich bin nach wie vor ein treuer Gefährte und bleibe auch aus Überzeugung weiter stolzes Mitglied dieser Community.
Dir und deiner Familie wünsche ich alles Gute, beste Gesundheit und Frieden.

Lieber Hari, sehr gerne verlängere ich meine Mitgliedschaft. Ihre Artikel, die Kolumnen sowie die Beiträge der anderen Mitglieder im Forum machen mich besser. Auch die Themen, die nur indirekt oder gar nichts mit der Börse zu tun haben, erweitern meinen Horizont. Neben Ihrer überragenden Kompetenz und Lebenserfahrung kommen im Forum auch die Skills der übrigen Mitglieder zum Tragen. Ich bin zwar selber kein aktiver Schreiber, lese aber fast jeden Beitrag. Weiter so ... Viele Grüße

Danke für die tollen Beiträge in diesem schwierigen Jahr und viele Grüße!

Hallo Hari,
vielen, vielen Dank an Dich und die Kolumnisten für die beste Börsen-Community!
MfG,

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich zum wiederholten mal für die absolut wertvolle "Begleitung" im manchmal sehr schwierigen Marktumfeld recht herzlich bedanken. Außerdem vielen Dank für die "Hilfe zur Selbsthilfe" - wobei ich leider zugeben muss, dass ich noch sehr viel lernen muss - aber ich habe von Dir (und von anderen) auch schon sehr viel gelernt. Darüber hinaus vielen herzlichen Dank für die von Dir gelebte Diskussionskultur. Obwohl ich auch schon xx Jahre alt bin, muss ich zugeben, dass ich bzgl. Diskussionskultur sehr viel dazu gelernt habe - auch für den privaten Bereich. Nochmals vielen herzlichen Dank für alles ....
Last but not least wünsche ich Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute - lasst es Euch gut gehen, passt auf Euch auf und bleibt vor allem gesund.

Vielen Dank für ein weiteres spannendes Jahr bei Mr.Market! Ich bin ganz begeistert und lese täglich Deinen Stream und die Artikel!

Auch in diesem Jahr wieder: vielen Dank für die stets gute Begleitung, sowohl an den Finanzmärkten als auch darüber hinaus!
Viele Grüße und bleib gesund!

Hallo Hari,
vielen Dank für Deinen Blog. Er ist eigentlich ein Intensiv-Fernkurs für die Börse. Erst durch Deine Artikel habe ich ein wirkliches Grundverständnis für die Zusammenhänge entwickelt und gelernt, gute und schlechte Aktien zu unterscheiden.
Und die Foren-Beiträge sind das "Salz in der Suppe". Nicht nur Markttechnik, sondern auch technische Hintergrundinformationen, z.B. zum Elektroauto, und vor allem auch fundierte Aussagen zu Corona.
Hoffentlich führst Du diesen Blog noch recht lange.
Viele Grüße aus

Hallo Hari,
danke für Ihre kontinuierlichen Erklärungen, Darstellungen und Meinungen in Hari Live und im Blog. Meine Aktivität im Blog ist lesend. Ich freue mich ein weiteres Jahr Mitglied zu sein. Viele Grüsse,

Sehr geehrter Herr Schulte, lieber Hari,
ich bin aufgrund meines Alters .... und meiner "Fachfremdheit" nur stiller Mitleser - und will das auch bleiben.
Bei dieser Gelegenheit will ich Ihnen aber mal sagen, dass ich Ihre Beiträge sehr schätze, auch diejenigen außerhalb des Börsengeschehens, auch die vielen guten Beiträge der Community; selbt die Reiseberichte von xxxxx haben mich bereichert.
Ihnen für all das ein herzliches Dankeschön!

Servus Hari,
Du, Mr. Market und die Community sind einzigartig und ich bin froh, dass ich den Weg hierher vor 3 Jahren eher zufällig entdeckt habe. Ich wünsche Dir vor allem Gesundheit und Glück. Davon kann man nicht genug haben.
Viele Grüße aus

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Was bedeutet eine Kapitalerhöhung?

Wesentlicher Bestandteil von Mr-Market ist, dass ich Finanz- und Börsenthemen erkläre. Und zwar (hoffentlich) so konkret und mit Praxisbezug, dass man davon wirklich etwas mitnehmen kann.

Weswegen wir heute doch "Lehrer Bömmel" mal fragen können: Wat is en ... Kapitalerhöhung?

"Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: En Kapitalerhöhung, dat is ene jroße schwarze Firma, die hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Stammkapital. Und dat andere Loch, dat krieje mer später." 😉

Ernsthaft, um sich der Logik einer Kapitalerhöhung zu nähern, muss man erst einmal verstehen, wie der Gewinnanteil berechnet wird, den man als nichtwissender Anleger vom nachsteuerlichen Gewinn des Unternehmens ausgeschüttet bekommt - zum Beispiel als Dividende.

Denn als Gesellschafter eines Unternehmens, will man ja am Gewinn teilhaben, egal ob es sich um eine GmbH oder AG handelt. Gewinn kann eine jährliche Ausschüttung sein oder auch der Verkaufsgewinn viele Jahre später. Aber immer ist es der Gewinn, der einen sein Kapital in einem Unternehmen binden lässt. Warum sollte man ohne Gewinn sich auch an einem Unternehmen beteiligen?

Dieser Gewinn wird von der Gesamtsumme anteilig berechnet, je nachdem wie viel einem von dem Unternehmen anteilig gehört. Nun fluktiert der Kurs einer Aktiengesellschaft ja aber täglich, der Kurs kann es als Massstab also nicht sein.

Was den eigenen Anteil am Unternehmen bestimmt, ist vielmehr der Anteil am Stammkapital des Unternehmens, der über den Nennwert der Aktie errechnet wird. Das Stammkapital ist beim Start eines Unternehmens vereinfacht gesagt das, was die Gesellschafter bei Gründung eingezahlt haben.

Nehmen wir als einfaches und konkretes Beispiel eine ganz kleine AG. In die hat in unserem Fall ein Gründer bei Gründung 100.000€ eingezahlt. Das ist das Stammkapital (und am Start auch das Eigenkapital) und wenn man dazu theoretisch 1.000 Aktien ausgibt, hat jede Aktie dann einen Nennwert von 100€. Macht wieder 100.000€ Stammkapital, gestückelt in 1.000 Aktien.

Nun kann es ja sein, dass diese AG in Wirklichkeit schon bald eine Million wert ist, weil vielleicht ein Mitbewerber ein Übernahmeangebot in dieser Höhe gemacht hat. Das Stammkapital, das die Gewinnverwendung bestimmt, ist aber immer noch 100.000€, der Nennwert einer einzelnen "Aktie" ist immer noch 100€, der "Kurs" aber 1.000€, weil so über 1.000 ausgegebene Aktien die Million zusammen kommt, die schon geboten wurde und daher den Marktwert des Unternehmens markiert.

Nun stellen wir uns vor, dieser Gründer, der da für 100.000€ Grund(Stamm)-Kapital eine AG aufgebaut hat, ist ein sehr netter Mensch. Obwohl er weiss, dass ein Mitbewerber schon 1 Million für das Unternehmen bietet, erlaubt er einem Freund den Einstieg in das Unternehmen zu gleichen Teilen.

Dazu muss eine Kapitalerhöhung um weitere 100.000€ Stammkapital durchgeführt werden, die alleine der Freund "befüllt". Am Ende hat die GmbH dann also 200.000€ Stammkapital und Gründer wie Freund, halten je 50% am Stammkapital. Sollten also mal Gewinne anfallen, die ausgeschüttet werden, sind diese 50/50 zu teilen.

Wer jetzt aufgepasst hat, dem ist schon klar, dass dieser Gründer wirklich ein *sehr* netter Mensch war. Denn obwohl das Unternehmen schon eine Million wert ist, gibt er die Hälfte des Unternehmens für nur 100.000€ ab.

Vorher gehörte dem Gründer also 100% an einem Unternehmen, das eine Million wert ist. Nun gehört dem Gründer 50% an einem Unternehmen, das 1.100.000€ wert ist. Die 100.000€ der Kapitalerhöhung muss man ja oben darauf rechnen, die fliessen dem Unternehmen ja als Cash zu. Trotzdem ist das für den Gründer ein sehr schlechtes Geschäft. Das nennt übrigens man die "Verwässerung" der Altgesellschafter, hier in einer ganz extremen Form.

Der Punkt des Beispiels ist, theoretisch ist eine Kapitalerhöhung ein Nullsummenspiel für die Altgesellschafter, weil dem Unternehmen ja ein fairer Gegenwert für die neuen Geschäftsanteile zufliesst. Das aber nur, wenn die neuen Gesellschafter den vollen Wert des Unternehmens bezahlen. Und der Wert bemisst sich bei Aktien am Börsenwert.

Nun ist auch das kein völliges Nullsummenspiel, weil die Neugesellschafter ja wiederum selber Anteil an Ihrem eigenen, neuen Stammkapital haben und dieses nicht nur den Altgesellschaftern zufliesst. Im Beispiel würde es also nicht reichen, dass der Freund 500.000€ in die GmbH einbringt, nein er müsste 1.000.000€ einbringen. Dann hätten beide Gesellschafter nach Kapitalerhöhung 50% an einem Unternehmen, das 1 Million + 1 Million Cash = 2 Millionen wert ist. Für beide wäre das dann also neutral, für den Gründer der schon vorher Unternehmensanteile im Wert einer Million hatte ebenso, wie für den Freund, der eine Million einzahlt und Unternehmensanteile im Wert einer Million dafür erhält.

Aber lassen wir diesen Effekt mal beiseite, der fällt bei prozentual kleineren Kapitalerhöhungen auch nicht so ins Gewicht. Wir machen es uns daher ganz einfach:

Wenn eine Firma ihr Stammkapital um 10% erhöht und angenommen die Neugesellschafter zahlen den vollen Marktpreis des Unternehmens für ihre Anteile, ohne Abschlag, dann sollte es doch keinen Grund für einen Kursverlust an der Börse geben, oder?

Denn die Altgesellschafter haben dann für den prozentualen Verlust an Unternehmensanteilen, über das frische Kapital ja einen fairen Gegenwert bekommen. Warum fällt der Kurs nach Kapitalerhöhungen dann trotzdem so oft?

Die Antwort liegt in einer zeitlichen Disparität zwischen Ankündigung der Kapitalerhöhung und der Bekanntgabe, wofür das Kapital verwendet wird. Und liegt daran, dass Unternehmen ja mit Kapital arbeiten.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise mit dem 5-fachen des Buchwertes am Markt bewertet wird und man führt dem nun reinen Cash zu, ist dieser Cash ja nicht 5x Cash wert, sondern nur Cash, also nur Buchwert. Erst wenn der Cash produktiv und sinnvoll investiert verwendet wird, bekommt er das gleiche Multiple, wie es auch das Unternehmen hat.

In anderen Worten, zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung weiss der Markt ja nicht, ob das Management damit vielleicht nicht Schulden abbezahlt oder es für Boni vergeudet. Und das rechtfertigt einen Sicherheitsabschlag.

Nehmen wir aber mal theoretisch an, zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung wäre bekannt, dass das Unternehmen das frische Kapital zum Kauf einen Mitbewerbers verwenden wird, der ein identisches Multiple hat, zum Marktpreis gekauft wird und eine sinnvolle Erweiterung des Geschäftes darstellt. Nehmen wir also mal an, der Markt wüsste zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung, dass für die 10% Kapitalerhöhung auch das Geschäft (Umsatz, Gewinn, Zukunftschancen) linear um 10% erhöht wird.

Dann - genau dann - gäbe es keinen Grund für einen Kursabschlag mehr und es fände wahrscheinlich auch keiner statt! Denn die alten Aktionäre hätten ja nichts verloren.

Genau das weiss der Markt nun aber nicht und ist bei so Kapitalerhöhungen eben höchst selten. Und deshalb gibt es sehr oft danach einen Abschlag.

An der Höhe des Abschlages kann man also erkennen, wie der Markt über die Fähigkeiten des Managements denkt, mit dem Geld etwas Sinnvolles anzustellen.

Als sehr grobe Daumenregel kann man sagen: Wenn ein Unternehmen das Stammkapital in einer Kapitalerhöhung unter Auschluss der Altgesellschafter um 10% erhöht ...

  • .... und der Kurs fällt, geht der Markt davon aus, dass das Unternehmen das frische Kapital zumindest teilweise für nicht-produktive Ausgaben "vergeuden" wird.
  • .... und der Kurs gar nicht fällt, ist sich der Markt der profitablen Verwendung der Kapitalerhöhung recht sicher.
  • .... und der Kurs sogar steigt, erwartet der Markt einen konkreten, hoch profitablen Deal oder die Kapitalerhöhung löst ein vorher vorhandenes, konkretes Problem.

So .... ich hoffe ich konnte ein paar Mechanismen verdeutlichen und bei einigen von Ihnen vielleicht einen kleinen "Aha-Effekt" auslösen. Es bleibt aber ein komplexes Thema, das ich oben sehr vereinfacht habe, um es sinnvoll erklären zu können.

Bitte sehen sie mir daher diverse Unschärfen nach, falls Sie sich auch im Thema auskennen. Ich habe diese Unschärfen zugelassen, um das Thema nicht zu überkomplizieren. Ich lade Sie dann aber ein, es besser zu erklären. 😉

Ihr Hari

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Gelassenheit und der Anleger-Kodex



Dieses Anlagejahr 2020 ist ein ganz Besonderes. Es bietet Gelegenheit für immense Gewinne und das relativ einfach, man musste "nur" im April auf die Covid Gewinner setzen und hatte dann seitdem teilweise Ver-x-facher im Depot.

Und nun hat der Markt schon seit bald 3 Wochen die nächste Chance gestartet, die Zeit der Nachholeffekte ist da, der Markt schaut dank der Impfungen über Covid hinweg und es war Zeit auch mal den verprügelten Sektoren näherzutreten, die seit dem 09.11.20 zu einer Nachhol-Rally angetreten sind.

Ganz typisch ist aber - und das war auch dieses Jahr zu "bewundern" - dass diese Wenden auf alle die zu langsam reagieren und zu lange zögern, dann mehr und mehr Druck machen. FOMO nennt man diesen Druck auch, die "Fear Of Missing Out", die Angst zu Verpassen, die Anleger dann erfasst die gerne im richtigen Moment zögern und sich dann im falschen Moment als Letzter doch zum Einstieg überreden lassen.

Die schlechte Nachricht ist, es gibt für uns Anleger keinen einfachen Schalter den man umlegen könnte um das abzustellen, da diese Verhaltensweisen fest mit unseren eingefahrenen Denkstrukturen verwoben sind.

Es ist nämlich viel Wahrheit darin, dass man zum nachhaltigen Anlageerfolg "anders denken" lernen muss, als man das als Mensch intuitiv tut, denn der Markt ist reflexiv und unter der scheinbaren Klarheit konkreter Kursbewegungen voller Untiefen mit Fallen und Ungeheuern.

Ein wesentlicher Teil des Markterfolges ist also die Gedankenstrukturen bei der Geldanlage umzustellen, etwas das dauert, viel Übung braucht, nicht theoretisch gelernt werden kann und mit kompetenter Unterstützung einfacher ist, als ohne.

Jetzt wollen sie sicher kompakt wissen, was diese Gedankenstrukturen sind und was die konkreten Prinzipien, Grundregeln und Philosophien rund um den erfolgreichen Handel an Märkten. Das ist aber unmöglich in einen Artikel zu packen, Teile davon vermittele ich ihnen aber schon seit Jahren im freien Bereich.

Man kann aber auch anders herangehen, und Grundprinzipien erst einmal prägnant formulieren und "an die Wand pinnen", um diese sich dann erst später im Detail zu erarbeiten und konkret erlebbar zu machen.

Ein zentraler Teil der für Trader wichtig ist, aber auch für Investoren Bedeutung hat, ist das was man eine "konsequente Gelassenheit" nennen könnte.

Die Fähigkeit also, bei aller Aufmerksamkeit sich doch ruhig an die eigenen Regeln zu halten und sich *nicht* vom Markt, von Angst und Gier treiben zu lassen, sondern einem Weg zu folgen, den man vorher als individuelle Strategie festgelegt hat. Den Weg muss man aber auch erst einmal haben - was aber einen anderen Problemkreis darstellt, der hier und heute nicht Thema sein soll.

Für alle die sich nun zu schnell bestätigt fühlen, will ich aber zumindest deutlich sagen, dass störrisches Festhalten, sich die Verluste schönreden und "Hopium" atmen *keine* Strategie ist!

Wenn man aber ruhig seinen wohl überlegten strategischen Weg beschreitet und sich auch daran hält, gibt es hinterher auch keinen Grund sich zu grämen und zu ärgern, man zuckt dann schlicht die Schultern und akzeptiert, was immer das Schicksal parat hatte.

Wer sich aber im Nachgang grämt und ärgert, weil der Markt nicht macht was er sollte, beweist damit *eindeutig* dass er noch einen völlig falschen Marktzugang hat - der Markt lässt sich sowieso zu nichts zwingen. Man könnte auch kürzer sagen:

Reue ist das Zeichen fehlender Strategie, das klare Zeichen bei der Entscheidung getrieben worden zu sein.

Oder in anderen Worten: "Man kann am Markt alles richtig machen und trotzdem falsch liegen". Ziel muss sein, "alles richtig zu machen" - nicht aber, immer richtig zu liegen, denn das schafft man sowieso nicht.

Wir sollten uns also auf den Prozess der Entscheidungsfindung konzentrieren (alles richtig machen) und nicht auf das Ergebnis (richtig liegen), denn das Ergebnis kommt von ganz alleine. Jeder unerfahrene Anleger macht es genau anders herum, der denkt voller Gier oder Angst primär über das Ergebnis in Form von Gewinn und Verlust nach, nicht aber über den Weg der Entscheidungsfindung - und das ist grundfalsch!

Eine Sache so als kontinuierlichen, disziplinierten Prozeß betrachten zu können, ist aber das Ergebnis von viel Reflektion, Übung und Arbeit an den eigenen Emotionen. Das kann man auch nicht in einem Lehrbuch lesen und dann hat es man es "intus", sondern das muss man sich hart erarbeiten.

Gerade aber diese Gelassenheit, die den Markt zu sich kommen lässt, statt ihm hinter her zu laufen, ist nach meiner festen Überzeugung ganz wichtige Grundlage für Erfolg an den Märkten. Ohne diese, wird man vom Markt getrieben und gehetzt wie ein wildes Tier bei der Treibjagd, wir aber müssen Jäger sein und nicht Gejagte.

Ich habe mir daher vor Jahren im Premium-Bereich mal erlaubt, den "Jedi Kodex" umzuwandeln und daraus so etwas wie einen Anleger Kodex zu machen. Vielleicht sollten Sie mal darüber nachdenken.

Die folgenden fünf Sätze vermitteln ihnen ein Gefühl für das, was ich oben "konsequente Gelassenheit" genannt habe. Das ist aber nur der Anfang, der wirkliche Weg ist die Arbeit daran und an vielen anderen wichtigen Grundprinzipien.

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Es gibt kein impulsives Handeln, nur definierte Setups und Strategien.

Es gibt keine Sicherheiten am Markt, nur Wahrscheinlichkeiten und Opportunitäten.

Es gibt keine Angst vor dem Verlust, nur den ruhigen Schutz des eigenen Kapitals.

Es gibt keine verpassten Gewinne, nur die Harmonie der guten Gelegenheit.

Es gibt keinen Druck zum Handeln, nur Demut, Gelassenheit und Konsequenz.

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In diesem Sinne: Möge der Markt mit Ihnen sein! 😉

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Beständiger Wandel

Am Montag vor fast 2 Wochen, am 09.11.20, hat der Markt etwas getan, was er sonst äusserst selten tut, denn es heisst völlig zurecht "zum Einstieg wird nicht geklingelt".

Aber keine Regel ohne bestätigende Ausnahme und diese Ausnahme war wohl am 09.11. und kam mit der Nachricht von der Covid-Impfung von Biontech (BNTX) / Pfizer (PFE), der ja bald danach auch die Erfolgs-Nachricht von Moderna (MRNA) folgte. Was in Summe sehr wahrscheinlich macht, dass wir im Laufe des Jahres 2021 eine Impfung haben und Covid dann im Laufe des Jahres langsam und stetig weniger wichtig für die Unternehmen wird.

Gleich an diesem Montag 09.11. habe ich die grundlegende Bedeutung erkannt und die Community deutlich darauf hingewiesen, dass dieser Tag wahrscheinlich aus Sicht der Börse den "Anfang vom Ende von Covid" bedeutet. Und dass nun endlich die Zeit gekommen ist, auch wieder einen Blick auf die schwer von der Pandemie getroffenen Sektoren wie Öl, Reise, Vergnügungsparks, Luftfahrt etc zu werfen.

Dass wir da gleich am ersten Tag so sicher waren liegt am Verständnis, wodurch Kurse bewegt werden. Wie ich hier vielfach erklärt haben, werden Kurse eben durch -> Erwartungen <- bewegt, die sich in die Zukunft richten und dabei einen Zeitraum von ca. 6 - 12 Monaten, also bis zu ca. einem Jahr im engen Fokus haben.

Die Kurse von heute zeigen also, was der Markt von einer Aktie in ca. 6-12 Monaten erwartet, nicht was die Realität des Unternehmens heute in der Gegenwart ist. Dieser Unterschied ist zentral und wer den nicht versteht, wird auch nie die Bewegungen des Markes verstehen können.

Natürlich steht den Unternehmen nun objektiv ein anstrengender Covid-Winter bevor und die oben genannten Sektoren werden in den kommenden Monaten weiter schwer getroffen sein. Mit den Kursen bepreist der Markt aber, was er nächsten Sommer/Herbst 2021 erwartet und da hat die berechtigte Aussicht auf Impfungen natürlich einen ganz wesentlichen Effekt.

Seit diesem 09.11. hat eine erneute Sektoren-Rotation an den Märkten stattgefunden, die weit gelaufenen Covid-Gewinner im NASDAQ sind in Korrektur-Bewegungen gewechselt, Sektoren und Aktien dagegen, die schwer unter Covid leiden, sind zum Leben erwacht.

Schauen sie nur als Beispiel mal auf Hexcel (HXL), einen Spezialisten für Verbundwerkstoffe (Composite-Material) im Flugzeugbau, wie die Aktie nun zu fliegen begonnen hat. Das Unternehmen ist natürlich stark von Boeing (BA) und Airbus (AIR) abhängig und natürlich hat sich aktuell in diesen Wochen in den Auftragsbüchern rein gar nichts an der Baisse geändert.

Die Aussicht aber auf ein Ende der Pandemie, der Blick auf 2021 lässt die Kurse schon heute massiv steigen. It´s the expectation stupid!

Umgedreht sieht die Geschichte aber bei den Impfaktien aus, wer glaubt die Nachricht dass die Impfungen kommen, sei nun der Katalysator für weitere Gewinne, hat auch den Mechanismus des Marktes nicht verstanden.

Die Erwartungen waren schon in den Kursen, jetzt wird sich der Fokus darauf richten, dass wahrscheinlich nur die ersten 2-3 Anbíeter im Rennen das große Geld machen können und alle anderen zu großen Teilen auf den Investitionen sitzenbleiben.

Schauen sie im Weekly wie Biontech (BNTX) und Moderna (MRNA) auf die Nachricht reagiert haben und wann die Aktien gestiegen sind - im Vorfeld! Das Thema ist überwiegend "gegessen", "it´s the expectation stupid!

Diese Erkenntnis, dass eine Impfung in 2021 kommt, hat aber natürlich Auswirkungen auf den ganzen Markt. Und deswegen ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, ab dem man die zurückgebliebenen Sektoren auch wieder eines Blickes würdigen darf - nicht im April diesen Jahres.

Wer sich im Frühjahr Öl-Aktien wie Shell ins Depot gelegt hat, weil diese ja "so billig" seien, hat sich nur nervige Verluste ins Depot geholt, während mit den "stay at home" Tech-Aktien absehbar viele Verdoppler möglich waren.

Ob Öl-Aktien noch ein langfristiges Investment sind, ist äusserst fraglich - ich halte solche Aktien seit vielen Jahren nicht mehr als Investment - aber zumindest als Trade ist jetzt mit der erneuten Rotation die Zeit gekommen auch mal wieder in die zurück gebliebenen Sektoren zu schauen - aber eben nicht im letzten Frühjahr.

Damit will ich auch hier im freien Bereich schon wieder schliessen. Die Kunst für mittel- und langfristige Anleger ist jetzt, von einer reinen Fokussierung auf die Covid-Gewinner wegzukommen und eine balanciertere Aufstellung zu finden.

Viele der Techaktien werden fraglos weiter zu den langfristigen Gewinnern gehören, weil die dahinterliegenden Trends zwar von Covid beschleunigt wurden, aber viel grundlegender sind. Und nicht jeder der verprügelten Sektoren wird schnell wieder zu alten Tagen zurückkehren, weil Covid auch Dinge dauerhaft verändern wird - so zum Beispiel den Anstieg von verteilter Heimarbeit und von Videokonferenzen.

Niemand sollte nun also seine Depots 180 Grad auf den Kopf stellen, wer Wachstum und dauerhaft steigende Kurse im Depot will, muss weiter vor allem auf den NASDAQ schauen.

Aber nicht jeder Covid-Gewinner wird seine Gewinne in die Zeit danach retten können, die Hersteller von Masken sollten dafür ein sehr einfaches Beispiel sein. Wer jetzt also den erneuten Wandel, die erneute Rotation der Märkte nicht sehen kann und will, wird den gleichen Fehler wie im Frühjahr erneut machen.

Beständig ist am Markt eben nur der Wandel und es sind und bleiben die Erwartungen, die Kurse bestimmen! Die Gegenwart ist dagegen "kalter Kaffee". 😉

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Vor und nach der Hochzeit

Die Auszählungen laufen noch, aber seit Mittwoch Mittag wird immer wahrscheinlicher, dass die Waage am Ende zu Gunsten Bidens ausschlagen wird.

Zeit auch im freien Bereich mal ein paar Gedanken zum Markt und der Wahl zu teilen, in der Community besprechen wir das natürlich täglich in Tiefe und Breite.

Da wir es beim Geschehen aber immer noch mit einem "Moving Target" zu tun haben, also einer Situation die sich dynamisch entwickelt, will ich mich hier im freien Bereich vor allem auf das Verständnis konzentrieren, warum der Markt überhaupt bestimmte, markante Bewegungen zeigt. Dazu wird medial nämlich viel Unsinn verbreitet und die Frage wer Präsident wird, war dafür in den letzten Tagen nur indirekt entscheidend.

Zunächst einmal haben wir letzte Woche die "Angst in der Nacht vor der Hochzeit" erlebt. Es ist ganz oft so, dass der Markt vor wichtigen Wegscheiden etwas zu stark in die Gegenrichtung ausschlägt. Auch vor 4 Jahren gab es zunächst einen Ausverkauf als Trumps überraschender Sieg bekannt wurde, dann aber begannen die Käufe die dann 15 Monate lange bis in den Januar 2018 hinein praktisch nicht aufgehört haben.

Auch bei technischen Konsolidierungs-Formationen - zum Beispiel sogenannten "bullischen Flaggen" - sieht man am Ende gerne einen Fakeout nach unten, bevor die Kurse dann mit Macht doch nach oben drehen.

Etwas Ähnliches haben wir letzte Woche gesehen und die Schärfe der Abgaben war letzte Woche auch für mich überraschend. Denn ich bin schon vor 2 Wochen mit Präferenz von einer Erleichterungs-Rally nach der Wahl ausgegangen, die scharfen Abgaben letzte Woche waren da irritierend, haben mich aber von der bullischen Erwartung nicht abgebracht, weil diese das Setup für Stärke danach nur verbessert haben:

Jetzt sehen wir, dass es letzte Woche wirklich nur ein "Fakeout" war, die bekannte "Angst vor der Hochzeit", also vor einem wichtigen Ereignis. Und wenn wir nun in bestimmten Sektoren eine massive Rally erleben, dann hat das genau auch damit zu tun, dass die schon eingepreiste Angst sich nun auflösen kann - eine klassische Erleichterungsreaktion.

Denn es war klar zu sehen und wurde im Rahmen meiner Artikel im Premium-Bereich ausführlich thematisiert, dass der Markt schon längst viele Sorgen in die Preise eingebacken hatte. Wenn sie meinen Artikel -> Der Markt und die Erwartungen <- im freien Bereich gelesen haben dann wissen sie, dass die Kurse sich aufgrund veränderter Erwartungen bewegen und nicht aufgrund des Inhalts von Nachrichten!

Nachrichten verändern zwar die Erwartungen, wenn aber die Erwartung vorher katastrophal schlecht war, wird eine marginal schlechte Nachricht dann trotzdem zu einer positiven Anpassungsreaktion führen.

Wenn also alle eine "Blaue Welle", einen durchschlagenden Erfolg der Demokraten erwarten, mit dem beide Häuser - auch der Senat - in die Hände der Demokraten fallen und die dann "durchregieren" könnten, dann stellen sich die Marktteilnehmer auch auf die damit verbundene und zu erwartende Regulierung zum Beispiel für Big Tech ein, die auch auf Zerschlagungen herauslaufen kann. Und so wurden diese Aktien in der Vorwoche ebenso abverkauft, wie alle Aktien die besonders unter wieder erhöhten Steuersätzen leiden würden.

Wenn diese Erwartung sich dann aber durch die ersten Ergebnisse nicht bestätigt und widerlegt wird, wenn klar wird, dass die US weiter ein "Split Government", einen "Gridlock" haben, dann können diese Sorgen ausgepreist werden und führen zu massiv steigenden Kursen - neben anderen Faktoren natürlich, der Markt ist immer die Überlagerung vieler Einflussfaktoren.

So zum Beispiel bei den Schwergewichten des NASDAQ wie hier bei Facebook (FB):

So auch zum Beispiel bei "Big Pharma", die bei einer demokratischen "blauen Welle" auch dem Risiko scharfer Regulierung bei den Medikamentenpreisen ausgesetzt waren. Und so kommen dann Charts wie bei Abbvie (ABBV) zustande.

Der Markt hatte seit dem Sommer mit steigenden Umfragen für Biden regulatorische Risiken eingepreist und von dieser Sorge wurde er nun mit einem Schlag befreit:

Wenn sie genau hinhören dann bemerken sie auch, dass es dabei gar nicht primär um die Frage Biden oder Trump geht. Der Markt hat kein Problem mit der Person Biden, er hatte ein Problem mit grundlegenden Eingriffen in Steuergesetze und in die Preisfindung im Gesundheitssektor.

Unabhängig vom Wahlausgang gab es ja aber auch große Sorgen vor gesellschaftlichen Unruhen nach der Wahl, auch das war in den Kursen, zum Beispiel der kleineren Unternehmen, die darunter leiden würden.

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Bidens Aktien richtig verstanden

Die US Wahl rückt näher, eine gute Woche, dann wird es ernst.

Zum Wahlausgang will ich mich nicht an der Raterei beteiligen, nur darauf hinweisen, dass die Erfahrung von 2016 den Wählern und Demoskopen noch in den Knochen steckt. Wenn sie wieder einen Fehler machen, dann wahrscheinlich eher einen Neuen, als den gleichen Fehler noch einmal. Überraschend sind eben eher die Dinge mit denen niemand rechnet und nicht, was man nach einer Vorerfahrung schon auf dem Radar hat.

Zeitgleich mit der näher kommenden Wahl, schwellen nun aber auch die Artikel zu Bidens möglicher Wahl deutlich an, die im Sinne "diese Aktien müssen sie kaufen wenn Biden Präsident wird", die Favoriten der möglichen neuen Präsidentschaft thematisieren.

Das macht ja auch Sinn, nur kommt es teilweise zu spät und vor allem verkennen diese Artikel gerne, dass der Markt das ja auch alles schon längst weiss.

Mal konkret, am 15. Juli habe ich der Comunity mit dem Artikel -> Bidens Aktien <- einen ersten Überblick gegeben.

Selbstverständlich hat der Artikel unter anderem auch die absehbare Präferenz der Demokraten für "Clean Energy" und damit für Aktien wie NextEra Energy (NEE), Enphase Energy (ENPH) oder die Solarwerte generell thematisiert.

Und selbstverständlich war da auch klar, dass die Ölwerte eher "Trump Werte" sind, das zu wissen erfordert wirklich keine Raketenwissenschaft, sondern war und ist offensichtlich.

Diese Erkenntnis im Juli, hat uns ermöglicht zum Beispiel im Clean Energy Sektor an solchen Bewegungen teilzuhaben, wie híer bei den Sektor-ETFs iShares Clean Energy (ICLN) und Invesco Solar (TAN).

Ich habe mir erlaubt, den 15.07. mal zu markieren:

Sie sehen, was danach passiert ist und sie sehen, wie massiv das Volumen angeschwollen ist. Große Adressen haben sich also danach in den Sektor eingekauft.

Und damit kommen wir zum Kern dessen, was ich ihnen hier und heute vermitteln will. Denn warum ist das wohl so? Warum haben sich die großen Adressen dann eingekauft?

Eben weil die nicht dümmer als wir sind. Weil der Markt auch weiss, was wir wissen. Weil die Erkenntnis, dass Clean Energy ein Biden Sektor ist, auch im Juli jeder haben konnte.

Und jetzt frage ich sie noch einmal: Was glauben sie welchen Wert es hat, wenn jetzt ein paar Tage vor der Wahl Artikel auf die "grandiose" Idee kommen, ihren Lesern diesen Sektor als Biden-Sektor zu empfehlen?

Der Punkt ist, das hat der Markt schon zu guten Teilen verarbeitet, der Kuchen ist also schon zumindest teilweise aufgegessen.

Ich sage bewusst *teilweise*, weil ja noch erhebliche Unsicherheit über der Wahl liegt und der Markt also auch noch nicht voll auf diese Aktien setzen kann.

Wenn Biden also klar gewinnen sollte, kann es gut sein, dass dieser Sektor dann noch einmal einen deutlichen Freudensprung macht, weil die letzten Nachzügler die das erkennen, die Aktien dann als Letzte in der Nahrungskette auch noch kaufen.

Dann spätestens aber dürfte der Sektor erst einmal reif zumindest für eine Konsolidierung sein, weil eben jeder der sich einkaufen will, das schon getan hat - die Mehrheit schon vorher, wie die Charts klar sagen.

Kurse steigen eben, wenn -> die Nachfrage überwiegt <- und wenn alle schon gekauft haben, die kaufen wollten, geht die Nachfrage zurück.

Das bedeutet nicht, dass der Sektor dann wieder ernsthaft fallen muss. Viele Faktoren wirken auf die Kurse und eine allgemeine Rally nach der Wahl hebt alle Boote, auch diese Sektoren. Es heisst nur, dass ein guter Teil der Chancen schon verfrühstückt wurde.

Man muss jetzt auch unbedingt den Zeithorizont auseinanderhalten. Denn es spricht viel dafür, dass der Clean Energy Sektor auch langfristig eine gute Performance hinlegen wird, egal wer die Wahl gewinnt. Und wenn später die richtige Gesetzgebung von der neuen Administration kommt, dann kann der Sektor durchaus nach einer Pause weiter steigen, weil diese Gesetzgebung ist dann ja wieder eine Neuigkeit. Das ist eben eine mittel- und langfristige Zukunft, die noch nicht geschrieben ist.

Ich speche hier aber über das kurzfristige Geschehen um die Wahl und da hat der Sektor nun kein besonders gutes Chance/Risiko-Verhältnis mehr. Denn die Erwartung eines Biden-Sieges ist vermutlich zu guten Teilen in den Kursen und reicht vielleicht noch für einen finalen Freudenschub vor einer Konsolidierungsphase. Ein Trump-Sieg dagegen würde wohl einigen Druck auf den Sektor machen.

Der Markt weiss eben mehr als wir oder zumindest genau so viel - auf keinen Fall aber weniger! Wer 7 Tage vor der Wahl glaubt mit der Erkenntnis dass Solar ein "Biden-Sektor" ist noch einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu haben, glaubt auch ernsthaft dass der Rest des Marktes nur aus Dummbeuteln besteht, die 2 und 2 nicht zusammenzählen können.

Merke:

Die richtige Erkenntnis zu spät zu haben, ist am reflexiven Markt leider oft nur eine andere Formulierung für "falsch". Der Markt als die gebündelte Erwartung aller Marktteilnehmer, weiss in der Regel mehr als wir und wir tun als Anleger gut daran, das nie zu vergessen.

Kurse werden auch nicht von Nachrichten gemacht, Kurse werden durch das Delta der Erwartungen gemacht, Erwartungen die durch Nachrichten beeinflusst werden.

Wie ich ihnen erst diesen Mai in -> Der Markt und die Erwartungen <- ausführlich geschrieben habe gilt:

Was schon erwartet wurde, kann die Kurse kaum mehr bewegen.

Starke Kursbewegungen entstehen dagegen bei echten Überraschungen, bei denen die Erwartungen schnell und hart angepasst werden müssen, wie 2016 nach Trumps Wahl. Erinnert sich noch jemand, wie Carl Icahn schnell von der Wahlparty verschwand um Kaufaufträge zu platzieren? 😉

Was wir oben in den Charts sehen, ist teilweise die Anpassung von Erwartungen, als Bidens Sieg in den Umfragen wahrscheinlicher wurde. Nicht nur, viele Faktoren wirken auf die Kurse, aber auch!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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