Marktupdate – 07.03.12 – Vom Marktkonsens in DAX und S&P 500

by Hari on 7. März 2012

17 Uhr

Es wird nun sehr spannend. Die von mir heute um 9 Uhr beschriebene Sicht “bleiben Sie vorsichtig” scheint heute auch an der Wallstreet bisher Marktkonsens gewesen zu sein.

Man erkennt es daran, dass es keine Abgaben mehr gab, aber auch keine wirklich relevanten “Buy the Dip” Käufe. Der Markt wartet nun also ab. Er will eigentlich nicht mehr verkaufen und hat sich gestern scheinbar ausreichend von “Ballast” befreit. Kaufen will er aber auch noch nicht. Und der DAX mäandert unentschlossen um die 6650er Marke.

Positiv ist aber zu werten, dass nach der ersten Handelsstunde an der Wallstreet, weitere Verkäufe der Marktelephanten ausgeblieben sind. Darauf hatte ich eigentlich gewartet. Es scheint also keinen unmittelbaren, weiteren Abgabedruck zu geben. Und wenn sich diese Erkenntnis am Markt durchsetzt, bekommen wir vielleicht heute schon im späten Wallstreet-Handel eine deutliche Bewegung nach oben.

Das macht das Ganze nun sehr unberechenbar. Der Markt ist in sehr gespannter Wartestellung. Wir sind zwar gestern weit gefallen, aber nicht weit genug um die Luft wirklich zu reinigen und eine Gegenbewegung eindeutig zum wahrscheinlichsten Szenario zu machen.

Letztlich genügt jetzt also eine Nachricht – ein kleines Streichholz – und wir zünden in die eine oder andere Richtung.

Es ist mir nun absolut unmöglich einzuschätzen, woher dieses Streichholz kommt. Ich habe im Moment auch keine Wahrscheinlichkeiten mehr zu bieten. Mein Gefühl sagt mir zwar, dass der Schuldenschnitt in Griechenland nicht scheitern wird und spätestens Morgen ein positiver Katalysator kommt. Aber das ist nur ein Gefühl und keine Grundlage für Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen.

Uns bleibt also nur abzuwarten und so schnell wie es geht an die dann folgende Bewegung zu adaptieren. Wer sich jetzt schon unbedingt positionieren will, kann das tun, sollte aber eine Strategie haben was er macht, wenn die Bewegung in die Gegenrichtung geht !

Bis heute Abend, Ihr Hari.

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1 Johann März 7, 2012 um 21:37

Hallo Hari,

ein herzliches Dankeschön für all die Mühe und Arbeit. Klasse Seite und sehr gute Kommentare. Bin seit über 20 Jahren “hobbymäßig” an der Börse investiert und muss sagen, dass ich durch Deine Kommentare auf viele Fehler von mir aufmerksam wurde. Deine Überschrift hat mich jetzt angeregt, das “stille Mitlesen zu beenden” und mir DAX und S&P 500 mal genauer anzusehen. Habe dazu einen Indexvergleich angestellt bei der comdirect (gibt ja sicherlich auch noch andere..). Leider kann ich das Ergebnis nicht grafisch hier einstellen, deshalb kurz die Beschreibung was ich gemacht habe. Habe mir den Kurs vom S&P 500 anzeigen lassen und folgende Werte zum Vergleich hinzugefügt: DAX, EuroStoxx50, 5% Zinsen pro Jahr, 8%Zinsen pro Jahr und 10% Zinsen pro Jahr. Als Zeitraum habe ich abschließend 07.03. 1987 bis 07.03.2015 gewählt. Das Ergebnis ist ziemlich verblüffend – vielleicht nicht für einen Profi wie Dich; aber mich hat es sehr nachdenklich gemacht. In allen Aufwärtsbewegungen kommt es beim DAX zu massiven Übertreibungen im Vergleich zum S&P500. EuroStoxx und S&P schaffen es über einen sehr langen Zeitraum annähernd parallel zu laufen – dann “plötzlich sackt der EuroStoxx Anfang 2010 vom S&P500 Verlauf weg und fällt ab Mitte 2011 sogar unter die “langfristige 5%-Verzinsung. Es sieht so aus, als pendelt sich der DAX über diesen langen Zeitraum nun auf eine ca. 8%-Verzinsung ein, wobei sehr starke Entfernungen von dieser 8%-Verzinsung mit “heftigen Rückschlägen” früher oder später “bestraft” werden. Macht man den Vergleich in der von mir erwähnten Homepage erhält man als Werte auf der y-Achse die Steigerung in Prozent. Zufälligerweise korreliert die Prozentzahl relativ gut mit dem aktuellen DAX-Stand. Ich frage mich schon ein wenig, ob die auf diese Weise produzierte Grafik einen “Blick in die Glaskugel” erlaubt…. (dann kann ja jeder selber mal nachsehen, wo die 10%-Verzinsungslinie die DAX 10.000 (1.000%) -Linie schneidet.
Auch aufgrund Deiner Kommentare zu unseren Volkswirtschaftswissenschaftler habe ich mir gedacht, dass Du vieleicht eher weisst, ob die von mir angestellten Vergleiche eine praktische Bedeutung haben könnten.
Ein letzter Punkt, wenn mir noch eine Frage gestattet ist: können Werte wie Swedish Match auch “heute noch” gemäß Kostolany behandelt werden – kaufen und 7 Jahre schlafen?

Schönen Abend und ich hoffe, das war nicht zu theoretisch.
Johann

2 Hari März 7, 2012 um 21:59

Hallo Johann, erst einmal herzlich willkommen und Danke für Deinen netten Beitrag.

Wenn Du willst, mache ich aus Deiner Analyse gerne einen kleinen Gastkommentar. Du könntest darin das was Du hier im Kommentar beschreibst etwas genauer erklären, ich baue Dir dann die Grafik ein und dann stellst Du das per Gastkommentar hier zur Diskussion.
Ich fände das sehr schön und spannend, wenn Leser hier auch Themen einfach zur Diskussion stellen und es nicht nur immer “Verlautbarungen” von mir sind.
Wenn Du dazu also Lust hast, nur zu, schick mir dann Deinen Text und die Grafik an info@mr-market.de zum einbauen.

Zum Inhalt tue ich mich natürlich ohne die Grafik schwer, da eine Meinung zu entwickeln. Aber derartige Analysen und Vergleichen haben sehr wohl ihren Sinn und können durchaus lehrreich sein, um sich das “grosse Bild” mal vor Augen zu führen.

Was die “Übertreibungen” des DAX angeht, liegt der Grund halt in meinen Augen darin, was ich hier schon oft beschrieben habe: Der DAX ist zwar theoretisch ein deutscher Index, aufgrund der desaströsen Aktienkultur in Deutschland gehören Deutschlands Unternehmen aber in der Mehrheit ausländischen Aktionären und dabei vor allem der Wallstreet. Und wenn irgendwo eine Krise ist, wird das Geld sofort im US Dollar repatriiert – sprich nicht-US Anlagen wie der DAX werden verkauft und dafür USD Anlagen gekauft. Deshalb hatte der DAX auch gestern wieder so hohe Abflüsse.

Zur Aktie “Swedish Match” kann ich mangels ausreichender Kenntnis nichts sagen und zum Thema Kostolany bin ich überzeugt, dass man auch zu seiner Zeit Aktien nicht einfach unbesehen 7 Jahre liegen lassen konnte. Die Flure der Wallstreet sind gepflastert von vermeintlich seriösen, solventen Unternehmen auf die man eine “Bank” bauen konnte und die Jahre später völlig verschwunden sind – ENRON, KODAK anyone ? ;-)

Ich denke diesen Satz Kostolanys sollte man nicht wörtlich nehmen, sondern eher als Allegorie verstehen, mit der darauf hingewiesen wird, das unnötiges Rein- und Raus für normale Anleger nur die Taschen leer macht. Und da ist was dran und eine ruhige Hand nach wie vor für den normalen Investor eine gute Idee. Aber wirklich 7 Jahre “schlafen” und eine Aktie ignorieren ? Ohne ihn gekannt zu haben, bezweifele ich sehr, dass das Kosto wirklich gemacht hat. Denn damit wäre man auch vor 20 Jahren schon auf die Nase gefallen.

Gruss, Hari

3 Tokay März 7, 2012 um 22:29

Hallo zusammen, eine hoch interessante Frage, die Ihr hier diskutiert. Sie ist auch, darauf will ich hinweisen, eine der wesentlichen Fragen in dem Buch “Das verlorene Jahrzehnt” von Erwin Heri. Nein, ich bekomme keinen Batzen Geld dafür, daß ich dieses Buch hier anpreise. Sondern das Buch ist ganz einfach gut.

Heri untersucht die Frage, wie die Aktien auf lange Sicht rentiert haben, und zwar für die Aktienmärkte in den USA(ab 1800), der Schweiz(ab 1925) und in Deutschland(ab 1949). Das Ergebnis ist, daß der Aktienmarkt die Anleihen mit einer annualisierten Rendite von 8%(eigentlich 6,5 bis 8,5%) gegenüber etwa 4,5 % bei den Anleihen schlägt. Du, Johann, hast das Jahr 1987 als Startpunkt genommen, dies ergibt einen Zeitraum von 24 Jahren. Dies ergibt bereits eine recht gute Aussagekraft, die längeren in dem Buch untersuchten Zeiträume sind für solche Vergleiche besonders gut geeignet.

Interessant auch die Aussage von Heri, daß der ganze Ärger mit den Aktien wegen 3% mehr Rendite pro Jahr nicht lohne, sei richtig. Ebenso richtig aber auch, daß der Zinseszinseffekt zu den am meisten unterschätzten Effekten in der Ökonomie gehört -die 3% kumulieren sich über die Jahre nämlich zu einer gewaltigen Summe auf. Hari, dein amerikanisches Vorbild(ß) Charles Kirk hat es eindrucksvoll vorgemacht. Und diese 3 % sogar nur bei einer völlig passiven, den Gemischtwarenladen DAX/Euro Stoxx/S&P 500 replizierenden buy-and-hold-Anlageverhalten, nicht bei einem die Wechsellagen ausnutzenden Swing-Trading bzw. Stock-Picking.

Diese 8% sind im übrigen kein Zufall, sie resultieren aus dem realen Wachstum der Volkswirtschaften, aus der Inflation, sowie aus dem Effekt der überlebenden Unternehmen und aus der Globalisierung. Denn ein Aktienindex bleibt ja in der Zusammensetzung nie gleich, wer den Index nachbildet, der muß auch die in ihm enthaltenen Unternehmen nachbilden.Und der DAX bildet nicht nur das deutsche Wirtschaftswachstum ab, denn ein großer Teil des Geschäfts und damit auch der Unternehmensgewinne stammt aus dem Ausland. Gerade in einer exportorientierten Wirtschaft wie der deutschen.

Man sollte allerdings daraus nicht die Schlußfolgerung ziehen, daß sich der zu erwartende DAX Wert unverrückbar bei einem Wachstum von 8% entsprechend einpendelt. Wie wir in den vergangenen Jahrzehnten gesehen haben, kann es zu massiven und längeranhaltenden Abweichungen hiervon kommen. Die 8% sind sozusagen ein Gleichgewichtswert, der sozusagen bei ruhiger See gilt. Aber wann haben sich die Stürme der letzten Jahre und Jahrzehnte jemals richtig gelegt?

Gute Nacht

Tokay

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