DAX und S&P500 – Wie lange steigen die Indizes im Runaway-Move weiter ?

by Hari on 10. Mai 2013

Die grossen Indizes steigen und steigen. Jeder Dip wird gnadenlos gekauft, die Geldflut der Notenbanken deckt die konjunkturellen Probleme zu und sorgt für eine Vermögenspreisinflation an den Märkten.

Da stellt sich die wichtige Frage, woran könnte man denn erkennen, dass diese Bewegung zu Ende geht ? Gibt es Methoden, die einen davor warnen, als letzter auf die Party zu kommen ?

Zunächst einmal sei gesagt, dass die klassischen Oszillatoren in solchen Bewegungen kaum Aussagekraft mehr haben. In solchen Phasen laufen diese am Anschlag und laufen länger am Anschlag, als es ein falsch aufgestelltes Depot aushält.

Und ich habe noch eine schlechte Nachricht, es gibt keine – zumindest kenne ich keine – Technik, mit der man den exakten Top und Wendepunkt eines Runaway-Moves zuverlässig vorhersehen kann. Es gibt nur einen Erfahrungswert und der lautet, dass dieser Punkt höher liegt als sich die grosse Mehrheit vorstellen kann. Bedeutet, mit Rationalität ist man eigentlich immer zu früh draussen.

Es gibt bei diesen Bewegungen aber ein Muster und das zeichnet sich dadurch aus, dass die Korrekturen zuverlässig von ähnlicher Grössenordnung in ähnlichen Abständen kommen. Und dieses Muster kann man nutzen.

Ich möchte Ihnen dieses Muster am aktuellen Chart des Leitindex S&P500 zeigen. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart der gesamten Anstiegsbewegung seit November 2012:

S&P500 10.05.13 Runaway-Move

Sie sehen, dass die Korrekturen sich immer im Bereich von ca. 50 Punkten bewegen. Sie sehen auch den immer ähnlichen Abstand zwischen den Korrekturen. Sie sehen weiter, dass jeder Korrektur ein temporäres “Exhaustion Top” voraus geht, also eine dynamische Bewegung, der die Kraft ausgeht.

Und Sie sehen jedes Mal da ein V-förmige Reversal, dass eigentlich recht selten ist, hier aber signalisiert, dass da unter der Decke eine Macht (Notenbank) am Werk ist, die immer wieder den Nachbrenner unter den Kursen zündet.

In Summe wie ich finde ein sehr eindrucksvolles Bild, das die Struktur dieser Bewegung deutlich macht. Und da der S&P500 der weltweite Leitindex ist, kann man in ihm die Struktur auch am deutlichsten heraus arbeiten. Im DAX wird diese Struktur durch andere Faktoren überlagert, letztlich folgt aber auch der DAX dem Geld der Wallstreet.

Nun können wir aus dem Bild aber auch etwas lernen und bekommen damit grobe Anhaltspunkte, wie wir mit der aktuellen Bewegung umgehen sollten:

Der Abstand zwischen den Korrekturen zeigt, dass der jetzige Anstieg möglicherweise noch Luft nach oben hat. Er ist im Rhythmus der Bewegungen auf jeden Fall noch nicht weit genug gelaufen, auch wenn nun viel dafür spricht, dass die Dynamik der Bewegung nachlässt. Ca. 1650 im S&P500 sind aber ein sinnvolles kurzfristige Ziel, das sich auch aus der Höhe der Umkehrstruktur ableitet.

Danach ist mit steigender Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten Korrektur zu rechnen. Und dabei ist entscheidend, ob es sich wieder um eine ca. 50 Punkte Korrektur handelt oder ob sich daraus mehr entwickelt. Unter der Annahme einer Bewegung bis 1650 in der nahen Zukunft, wäre der Bereich um 1600 im S&P500 also entscheidend. Wie sich der Markt dort verhält – nachdem er erneut um ca. 50 Punkte korrigiert hat – gibt uns die wichtigen Informationen. Die eingezeichnete Trendlinie macht diesen wichtigen Bereich deutlich.

Fazit:

Den Top eines solchen Runaway-Moves zu treffen ist nahezu unmöglich und eher Glück. Es können noch drei weitere dieser Wellen kommen und niemand kann voraussagen, was die letzte Welle ist. Trotzdem sind wir nicht im völligen Blindflug, denn wir wissen was *nicht* passieren darf, wenn die Bewegung weiter andauern soll.

Wesentlich bedeutender ist deshalb, wie sich der Markt *nach* einer 50 Punkte Korrektur verhält. Sollte er zum ersten Mal seit November 2012 nicht zu einem V-förmigen Reversal ansetzen, muss man dann davon ausgehen, dass die Bewegung seit November 2012 am Ende ist. Und dann steigt das Risiko eines scharfen Einbruches immens, weswegen man diese Situation besser auf der Seitenlinie beobachtet.

Mit einem händisch jeden Tag gepflegten Trailing-Stop, kann man diese Struktur schön abbilden und absichern. Und solange der Stop nicht getroffen wird, lässt man die Gewinne laufen und spart sich das Grübeln darüber, wo der Top sein könnte. Denn denken Sie immer daran: er ist in der Regel höher, als Sie sich vorstellen können. ;-)

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1 TenCent Mai 10, 2013 um 10:16

ich würde mit den Fibonacci Extensions arbeiten, um heraus zu finden, wo ein Ende der Aufwärtsbewegung “möglicherweise” zu Ende geht – und sobald ein Volumenpeak den Sell Off ankündigt …

2 Hari Mai 10, 2013 um 10:24

Dann mach das mal TenCent und kündige uns hier Live – nicht Tage hinterher – an, wann dieser Punkt gekommen ist. :-)

3 TenCent Mai 10, 2013 um 10:30

im Daily liegt die 2.886 FiboExtension im S&P bei ungefähr 1630 – und die FiboExtension 3.000 liegt bei ca. 1666 – diese “runde” Zahl ( 1666 im S&P ) könnte eine grössere Bedeutung haben …

4 stevoxx Mai 10, 2013 um 10:41

Danke für diese wirklich sehr interessanten Überlegungen!

Ich habe ein paar lose Gedanken niedergeschrieben. Wohl wissend, dass man vieles nicht versteht, sind es immer wieder kleine Puzzle-Stücke, die vielleicht ein big picture ergeben könnten.

1. Jede Party geht einmal zu Ende. Um die Tänzer bei Laune zu halten, muss die Musik immer lauter und schneller spielen. Geht für eine Zeit lang gut, aber irgendwann hat niemand mehr Lust zu tanzen, da auch der letzte Tänzer versteht, dass die falsche Musik spielt. Sobald die Kurve in den Aktienmärkten sehr schnell zunehmend steiler wird, sollte man die Tanzfläche verlassen. Wann genau weiß niemand, doch ich denke, dass wir nicht mehr allzu weit entfernt sind.

2. Wir reden immer von der Frage nach Inflation oder Deflation. Was genau weiß niemand. Der Markt schein ein paar grundlegende neue Technologien sehr positiv zu bewerten: Elektroautos und 3D-Druck. Aus beruflichen Gründen bin ich sicher, dass auch die Erneuerbaren Energien noch viel Potential haben. Besonders 3D-Druck hat das Potential, unsere Produktionswelt doch sehr nachhaltig zu verändern. Gerade hier könnte gigantisches Kapital der traditionellen Industrien vernichtet werden. Bestehende Kredite müssten abgeschrieben werden, wären nicht mehr besichert, neue nicht mehr nötig. Extreme Deflation wäre die Folge, da Kredite abgeschrieben werden. Doch die soll ja mit allen Mitteln vermieden werden, was nur mit kompletten Tabubrüchen möglich wäre: Bsp. EZB als Bad Bank wie gerade diskutiert wird: -> EZB Bad Bank < -

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