Von Genies in Bullenmärkten

Es gibt ein Börsen-Bonmot, in dem extrem viel Wahrheit liegt: "Everyone is a genius in a bull market !"

In einem Bullenmarkt ist es leicht Geld zu verdienen. Denn solange man im Markt auf der Long-Seite investiert ist - was der Normalfall ist - bügelt der Bullenmarkt die Fehlentscheidungen im Laufe der Zeit aus. Bullenmärkte basieren auch immer auf starken Trends und die laufen sowieso eher länger, als wir uns gemeinhin vorstellen können.

Und letztes Jahr war das besonders interessant, weil es im Markt ein paar "heisse" Momentum-Sektoren wie Solar, Biotech oder 3D Druck gab, in denen man fast nichts falsch machen konnte. Einfach die Augen zu machen, die Nase zu halten und die heissesten Titel bei jedem verfluchten Dip kaufen und *schwupps* hatte man 2013 riesige Gewinne im Depot. Hätte man einem Affen nur diese Sektoren zur Auswahl gegeben und ihn ansonsten Dart-Pfeile werfen lassen, hätte er auch eine sensationelle Performance generiert.

Jetzt will ich die Leistung nicht verniedlichen oder schlecht machen, denn auch das muss man ja erst einmal tun. Man muss das Verständnis und die emotionale Kraft haben, eine extrem überbewertete Aktie trotzdem nach Markttechnik zu kaufen, weil man Markttechnik versteht. Und man muss die emotionale Kraft haben, solche Gewinne dann auch mal laufen zu lassen, statt zu früh zu kappen.

Insofern ist es eine echte Leitung, die die erbracht haben, die in 2013 in den Sektoren abgeräumt haben. Und darauf kann man stolz sein, denn das hat nur eine Minderheit hinbekommen. Ich will mit den Zeilen oben aber klar machen, es war eben nur deshalb so erfolgreich, weil der Markt beliebte das ganze Jahr ohne grosse Korrektur hoch zu laufen und jeder Dip eine Kaufgelegenheit war. Und das ist nicht normal, das ist die grosse Ausnahme in Börsenjahren !

Nun haben wir aber schon sehr lange einen Bullenmarkt und irgendwann wird der zu Ende gehen. Passiert das gerade ? Dafür gibt es noch keinen Indikator, aber möglich ist vieles, hinterher sind wir klüger. Auf jeden Fall wird der Bullenmarkt irgendwann vorbei sein und dass 2014 wahrscheinlich nicht so gleichmässig und permanent steigen wird wie 2013, ist nun offensichtlich und selbsterklärend.

Und dann haben wir entweder eine volatile Seitwärtsbewegung, in der es nur wenige stabile Trends gibt, oder wir haben sogar einen Bärenmarkt.

In beiden Fällen werden die Marktteilnehmer, die im Bullenmarkt sich zu viel zu schnell auf ihre Gewinne eingebildet haben, ganz deutlich auf die Nase fallen. Denn in solchen Märkten hilft einem nur eins dabei zu überleben: klare Strategie, klares Risikomanagement, klares Moneymanagement. Übersetzt also das Denken in Setups mit definiertem, bewusstem Plan, vorher überlegte Exit-Positionen und eine Vorstellung vom Risiko, dem man sich aussetzen will. Und die Adjustierung dieses Risikos, durch die Positionsgrössen oder durch Hedging.

Denn wenn die Trends nicht mehr klar sind und der Markt permanent die Richtung wechselt - und solche Phasen können auch mal ein Jahr dauern - wird jeder ohne Risiko- und Moneymanagement in seine Bestandteile zerlegt. Ich garantiere Ihnen das !

Ich habe zu diesen Themen hier im Blog schon viel geschrieben. Für den normalen Anleger genügen zum Start ganz einfache Techniken, die ich unter dem Obernbegriff "Setups" hier immer propagiert habe. Diese mit einer konkreten Regel zu den Positionsgrössen ergänzt, so dass man sich nicht zu grosse Klumpenrisiken im Depot schafft, ist schon ein grosser Schritt nach vorne und für viele normale Anleger erst einmal als Basis für das Risikomanagement ausreichend.

Ich kann Ihnen nur dringend raten, wenn Sie so etwas noch nicht haben, tun Sie es ! Besser gestern als heute ! Ohne eine systematische Herangehensweise an das was Sie tun, werden Sie keinen dauerhaften Erfolg an den Märkten haben. Überschätzen Sie also nicht die leichten Gewinne in 2013, wenn Profis einen Neuling an den Pokertisch holen, lassen Sie den auch erst einmal gewinnen. 😉

Denn der nächste Seitwärts- oder Bärenmarkt kommt bestimmt. Wenn nicht heute, dann morgen. Und in dem trennt sich an der Börse die Spreu vom Weizen und die Jungs von den Männern. Und wir sind hier doch alle Weizen, oder ? 😉

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Warum das Denken in Strukturen und Setups, für den Börsenerfolg so wichtig ist !

Bedingt durch viele neue Leser, muss ich auch unbedingt noch einmal das Prinzip der "Setups" in den Vordergrund rücken. Es wurde hier dazu schon viel geschrieben und im Premium-Bereich sind individuelle Setups jeden Tag Thema der Community.

Eigentlich sind Setups ja eine Trivialität. Denn es ist nur ein Name für den Umstand, dass man bei einer Position im Markt einen Plan hat, das man also weiss, wohin man will, warum man eingestiegen ist und wann man die Reissleine zieht.

Eigentlich trivial. Wir alle aber wissen, wie wenig trivial das ist, denn wie oft haben wir schon nicht so agiert ? Im Gegenteil, ich behaupte, bei der Mehrzahl der privaten Anleger sind genau diese Basics nicht vorhanden.

Eine Anlage am Aktienmarkt sieht da eher so aus, dass man irgend einen Artikel liest, der einem total gefällt. Typischerweise ist das dann ein Artikel, der den sowieso schon bei einem vorhandenen Bias bestätigt, sonst würde der Artikel nicht so gefallen.

Nun fühlt man sich "überzeugt", wenn man böse sein will, wurde man nun "gläubig". Von dem Moment an, verspürt man den Drang einzusteigen, weil wenn sich der Kurs sowieso in diese Richtung bewegen "muss", denn dann könnte man ja was verpassen, wenn man jetzt nicht schnell ist ....

Also kauft man kurz danach. Man atmet durch und fühlt sich einen Tag wie "Warren Buffett“. Alles ist gut, das war ja "Value". Und dann beginnt das Drama ..... 😉

Sie werden lachen, das ist aber zu oft die Realität. Engagements im Markt werden eingegangen ohne Plan, ohne objektiven Anlass es gerade jetzt zu tun, ohne klare Zielvorstellung, ohne Exit-Szenario.

In dem Sie sich zwingen, alle Ihre Handlungen nur noch nach dem Prinzip "Setup" durchzuführen, erzeugen Sie für sich selber ein Korsett, das Sie zu rationalem und kontrolliertem Handeln zwingt.

Zwingen Sie sich also zu den folgenden Schritten:

(1) Begründung im Chart !

Wenn Sie eine Position eingehen, sollten Sie anhand des Charts begründen können, warum Sie es gerade jetzt tun. Das Chart bildet die gesamte Historie ab, das gesamte Wissen aller Marktteilnehmer um diese Aktie. Wenn Sie Ihren Einstieg also nicht anhand des Charts begründen können, woran denn dann ? Sind Sie der einzige auf der Welt mit einer Glaskugel oder bilden sich das ein ?

Und betrügen Sie sich nicht selber mit vermeintlich fundamentalen Parametern. Diese sind ja bekannt und auch im Kurs. Sie sind nicht der einzige, der diese Parameter sieht und weil diese sind wie sie sind, ist der Kurs da wo er ist. Und auch die Erwartung, die Sie an die Zukunft haben, haben Sie - ausser wenn Sie echter Insider sind - nicht als Einziger im Markt. Sie haben das doch in einem Artikel gelesen oder ? Also ist das schon im Kurs.

Zwingen Sie sich also dazu, Ihren Einstieg im Chart begründen zu können. Und den Beweis können Sie dann am Besten antreten, wenn Sie das aufschreiben und ideal anderen erklären können, so wie viele Leser und ich das hier in der Mr-Market Community machen. Denn der Zwang aufzuschreiben, fokussiert die Gedanken. Es war schon immer so, wenn man gezwungen ist anderen zu erklären, merkt man schnell, wo die Schwächen der eigenen Argumentation sind.

Und da wir hier alle dicke Gewinne im Depot haben wollen, sollten wir ein Eigeninteresse daran haben, unsere Schwächen aufzudecken. Unser Ego sollten wir woanders pflegen, nicht aber an der Börse.

(2) Ziel und Ausstieg !

Wer einen Gipfel erreichen will, muss wissen in welche Richtung der Weg geht und auf welcher Höhe der Gipfel liegt. Und er muss auch den Ab- bzw Ausstieg kennen. Insbesondere wenn auf dem Weg zum Gipfel ein überraschendes Unwetter aufkommt, sollte man nicht stur weiter aufwärts steigen, sondern wissen, wie man schnell wieder ins Tal kommt.

Und so müssen Sie bei jeder neuen Position unbedingt wissen, wann Sie die Gewinne mitnehmen wollen und wann Sie die Not-Reissleine ziehen. Das nicht vorher zu definieren - und aufzuschreiben - ist grob fahrlässig. Und an der Börse gleichbedeutend mit dem Hang zum Masochismus.

(3) Execution !

Der schönste Plan nützt aber nichts, wenn Sie sich nicht daran halten ! Verfolgen Sie also Ihre Positionen und halten Sie sich an Ihre Parameter. Und da man dann am diszipliniertesten einem Plan folgt, wenn er einem vor Augen steht, sollten Sie Ihren Plan unbedingt aufschreiben.

(4) Nachbearbeitung

Das Schöne daran seine Setups zu dokumentieren ist, dass man hinterher noch einmal schauen kann, was man richtig und falsch gemacht hat. Und daraus lernen kann. Denn Lernen ist ein iterativer Prozess und welchen besseren Input wollen Sie dazu finden, als die Dokumentation Ihrer eigenen Erfolge und Misserfolge ? Nur wer aus Fehlern lernt, kann sich weiter entwickeln. Wer sich dem verweigert, ist dazu verdammt, die gleichen Qualen immer wieder zu erleiden. Wir hier auf Mr-Market, sollten dazu eigentlich zu intelligent sein.

Genau das also, diese vier Schritte, sind ein "Setup". Sie haben eine Situation im Markt identifiziert, die Ihnen potentiell profitabel erscheint. Sie definieren Ziel, Exit und Zeithorizont und dann legen Sie diszipliniert los und ziehen den Plan durch. Eigentlich trivial oder ? Warum tun es dann so viele nicht ? 😉

Und dieses Prinzip ist universell und gilt für kurzfristige Intraday-Trades, ebenso wie für langjährige Investments. Wenn es eine langfristige Position ist, kontrollieren Sie die Situation halt nicht jede Stunde, sondern vielleicht einmal die Woche. Und haben wesentlich weiter definierte Exit-Punkte. Das Prinzip ist aber das Gleiche.

Ich kann es nur immer wie eine Gebetsmühle wiederholen: sich selber in so ein Korsett zu zwingen, ist immens wichtig für Ihren Erfolg. Sie drängen damit nämlich das "Affengehirn" zurück, das Teil von uns allen ist. Ich habe es schon oft gesagt, ich kenne keinen - ich wiederhole keinen! - Trader oder Anleger, der langfristigen Erfolg ohne einen systematischen Ansatz erreichen konnte. Bauchentscheidungen erzeugen Glückstreffer, aber keinen dauerhaften Erfolg !

Und dieses Prinzip versuche ich Ihnen hier im Blog daher immer wieder nahe zu bringen. Und ich freue mich sehr über die Erfolge, die viele Mitglieder der Community mittlerweile erzielen, nachdem sie sich von Adhoc Entscheidungen aus dem Bauch heraus verabschiedet haben und einen systematischeren Ansatz verfolgen.

Ihr Hari

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Sind Industrieaktien – am Beispiel General Electric – nun billig oder teuer ?

Ich möchte heute mal ein Gedankenexperiment mit Ihnen machen und die plakative Frage stellen, ist General Electric (WKN 851144, GE) nun billig oder schon zu teuer ?

GE wähle ich aus zwei Gründen. Erstens weil es nur wenige Aktien gibt, bei denen man so schöne Vergleichsdaten in die Vergangenheit hinein bekommen kann. Und zweitens, weil GE immer noch, der Benchmark für die US, aber auch für die weltweite Industrie ist.

Und wenn die US Industrie nun auf die Beine kommen sollte - wonach es ja aussieht - wird die breit aufgestellte GE profitieren. Insofern ist die Frage doch spannend, ob GE heute schon überbewertet ist.

Jetzt könnte man diese Frage natürlich anhand der populären Parametern wie KGV und KBV beantworten wollen, aber das führt für langfristige Betrachtungen nicht wirklich weiter. Denn das KGV ist ein Wert, der sich an den Gewinnerwartungen orientiert, dummerweise ändern diese sich im Laufe der Zeit massiv.

Und das KGV ist entgegen der landläufigen Annahme auch ein ziemlich mieser Indikator, um Unter- oder Überbewertungen aufzuspüren, bei Zyklikern ist das KGV an den Wendepunkten sogar ein Kontraindikator. Ich habe diese Problematik ausführlich im Artikel -> Warum billige Zykliker teuer sind und umgekehrt <- ausgeführt und kann jedem, der diesen Zusammenhang nicht kennt, nur wärmstens empfehlen, den Artikel noch einmal zu lesen.

Aber auch das vermeintlich so objektive KBV ist in Zeiten des IFRS auch nicht mehr das , was es mal war, weil auch der Buchwert zyklischen Schwankungen unterliegt, von Verzerrungen durch Goodwill ganz zu schweigen. Denken Sie alleine mal an die Bewertung von Lagerstätten bei Rohstoffen, die natürlich auch vom langfristigen Rohstoffpreis abhängt. Auch diese Problematik habe ich in dem Artikel -> Vom Irrsinn des IFRS oder warum einfache Kennziffern wie das KBV kaum Aussagekraft haben <- ausgearbeitet.

Was uns also sinnvoll bleibt um das Bewertungspotential, der GE Aktie zu vergleichen, ist der Kursverlauf im sehr langfristigen Chart, den man - wenn man es ganz genau machen wollte - um die Inflation diskontieren müsste. Letzteres ist schwierig und habe ich hier nicht vollzogen, aber auch ohne die Anpassung bekommt man ein Gefühl dafür, welche Bewertungen bei einer Aktie wie GE im Maximum wie Minimum möglich sind, wenn die Gewinnsituation und Konjunktur die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Schauen wir also auf das GE-Chart mit Wochenkerzen, das bis 1996 zurück reicht. Und was sehen wir ?

GE 09.01.14

Wir sehen eine phantastische Chance Ende 2008, diese Ikone zu Ausverkaufspreisen auf dem "Grabbeltisch" ins Depot zu legen und sich dann bis heute schlafen zu legen - genau da, wo auch Warren Buffet zugeschlagen hat.

Und wir sehen auch, dass sich für GE bald die Frage stellt, ob die Aktie aus der jahrzehntelangen Konsolidierung ausbrechen kann. Diese Konsolidierung ist gleichbedeutend mit dem säkularen Bärenmarkt an den Aktienmärkten, der 2000 begann.

Das es sich nur um eine Konsolidierung handelt wird klarer, wenn wir das Bild bis 1984 expandieren:

GE 09.01.14 842

Ich betrachte GE als das Musterbeispiel für die übergeordnete Lage der weltweiten Industrie-Märkte. Wir sehen anhand GE, dass die Industriesektoren immer noch in einem säkularen Bärenmarkt gefangen sind, der 2000 begann.

Aber wir sehen auch, dass GE im langfristigen Massstab aktuell zwar nicht mehr billig, aber auch keineswegs zwingend zu teuer ist. Wenn die US Industrie wirklich anziehen sollte, gibt es keinen Grund, warum GE nicht auch doppelt so hoch notieren könnte wie heute. Und damit würde das Ende dieses säkularen Bärenmarktes eingeleitet.

Das sagt jetzt nichts darüber aus, ob wir in 2014 eine 20% Korrektur erleben oder nicht. Das ist sehr gut möglich. Es eröffnet aber den Blick für die sehr langfristige Perspektive. Denn irgendwann wird dieser Bärenmarkt enden und eigentlich ist die Zeit bald reif dafür. Und dann beginnt der Spass an den Aktienmärkten erst so richtig.

Lassen wir uns also von den Zahlen der hohen Indexstände nicht blenden. Es gibt noch Bluechips mit Potential. Und diese dürften unter anderem im Industriebereich zu finden sein.

Ziehen Sie aus diesen Aussagen aber keine Schlussfolgerungen für die Kursentwicklung morgen oder nächste Woche. Das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Ich will mit dem Beispiel GE eigentlich nur erneut klarmachen, dass die hohen Zahlen der Indizes genau nichts bedeuten. Die langfristige Frage ist eher, ob die Weltwirtschaft wieder Katalysatoren oder innovative, technologische Durchbrüche erlebt, die den nächsten grossen Bullenmarkt einleiten. Denn bei aller Begeisterung über die aktuelle Kursentwicklung, im ganz grossen Bild befinden wir uns immer noch in einem säkularen Bärenmarkt. Vielleicht am Ende desselben, aber immer noch nicht endgültig raus.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal an den Artikel
-> Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ? <- erinnern.
Ein Artikel, der aus einer anderen Warte, zu einer sehr ähnlichen Schlussfolgerung kommt.

Bleiben wir also offen für die Möglichkeiten. Alle hacken auf den Notenbanken herum und ich gehöre da ja auch dazu, weil ich weiss auf welcher Rasierklinge wir da gerade balancieren. Und die Vernunft gebietet, nun von einer baldigen, scharfen Korrektur an den Märkten auszugehen.

Aber kurzfristige Korrektur hin oder her, stellen wir uns nur mal theoretisch vor, es gelänge den Notenbanken doch das Kamel durchs Nadelöhr zu bugsieren und einen selbst tragenden, weltweiten Aufschwung zu initiieren, der dann durch neue Technologien wie 3D Druck oder Biotech massiv befeuert wird.

Wo stehen wir denn 2020 dann an den Aktienmärkten ? Hat sich 1981, bei einem Stand des Dow Jones Index von 1000, als der letzte grosse säkulare Bärenmarkt zu Ende ging, jemand ernsthaft vorstellen oder glauben können, dass der gleiche Index 1999 bei rund 11.000 notieren würde ?

Lassen Sie uns einfach offen für die Möglichkeiten bleiben. Die Zukunft ist und bleibt unbestimmt und hat jede Menge Überraschungen für uns parat. Und lassen Sie uns auf den menschlichen Erfindergeist setzen. Auch wenn in Deutschland gerade "bewahren" und das Festhalten am Status Quo en vogue ist, Deutschland ist nicht die Welt ! Und der Wandel ist gut, unsere ganze menschliche Existenz beruht auf dem evolutionären Erfolgsmodell Wandel. Früher nannte man das auch hier im positiven Sinne "Fortschritt" !

Ihr Hari

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Wie Sie 2014 zu Ihrem besten Börsenjahr machen

Hier in Südbayern ist heute noch Feiertag, was aber weder die deutschen, noch die weltweiten Börsen interessiert. Und deshalb interessiert es mich auch weniger und hier auf Mr-Market.de, beginnt mit der ersten vollen Börsenwoche im neuen Jahr auch wieder der Normalbetrieb.

Schon letzte Woche haben wir ein paar bemerkenswerte Bewegungen im Markt gesehen, die in ihrem Richtungswechsel, für einen Jahreswechsel nach starken Trends gar nicht mal ungewöhnlich sind.

Die Indizes korrigierten leicht, Gold zog an, der ganze Minen und Rohstoffsektor (Metals & Mining) war vergleichsweise stark und auch der Dollar neigte zur Stärke.

All das sind Gegenbewegungen zu den dominanten Trends des Jahres 2013 und insofern nicht überraschend. Ob diese aber in 2014 dauerhaft tragen, muss sich erst zeigen. Es ist völlig verfehlt, in diese ersten Bewegungen im volumenarmen Handel der ersten Tage zu viel hinein zu interpretieren. Erst diese Woche werden die "A-Teams" wieder an den Handelsplätzen der Wallstreet sitzen und Ende dieser Woche sind wir sicher klüger, mit welcher Grundstimmung das Jahr 2014 aus dem Bett steigt.

Typisch für ein neues Jahr sind ja auch gute Vorsätze und insofern freue ich mich, dass über den Jahreswechsel hinweg eine Reihe neuer Leser zum Premium-Bereich dazu gestossen sind. Und gerade Anleger, die in 2013 mit ihrer Performance nicht zufrieden waren, haben sich für 2014 bestimmt vorgenommen, das nun alles besser wird.

Der Vorsatz ist lobenswert, kann aber nur Realität werden, wenn man auch ehrlich den Fehlern des Jahres 2013 ins Auge schaut. Wir haben das hier im Forum über den Jahreswechsel in den Threads der "grössten Erfolge und Misserfolge 2013" getan.

Allen anderen dagegen möchte ich nahelegen, 2014 zu dem Jahr zu machen, in dem Sie sich endlich von alle den Prognosen und Weissagungen frei machen, mit denen Sie so gerne in den Finanzmedien überschwemmt werden. Glauben Sie mir, diese ganzen "Prognostiker" wissen es auch alle nicht und haben genauso wenig eine Glaskugel wie ich. Dieses permanente Prognostizieren bewirkt aber im negativen Sinne, dass sich die Anleger nicht ausreichend mit dem "Hier und Jetzt" beschäftigen, weil ihnen statt dessen ja die glorreiche Zukunft geweissagt wird. Das macht zwar kurzfristig die Seele glücklich, füllt aber nicht das Depot.

Aber nur im "Hier und Jetzt", in der Gegenwart, werden die Gewinne gemacht, die ihren Depotstand heben. Ein guter Vorsatz für das Jahr 2014 wäre also, sich mehr mit dem zu beschäftigen, was an den Märkten ist und weniger mit dem, was man sich wünscht oder andere weissagen, die der ansteckenden Krankheit der "Prognosiritis" unterliegen.

Und einen weiteren guten Vorsätz gäbe es: bei einem Anlagehorizont von Monaten oder einem Jahr endlich damit aufzuhören, sich über "Bewertungsfragen" Gedanken zu machen. Denn diese sind auf dieser Zeitebene völlig bedeutungslos. Nur mit einem Anlagehorizont von Jahren bekommen Bewertungsfragen eine gewisse Relevanz, nur haben die wenigsten Anleger die Geduld und die dafür zwingend notwendige intime Kenntnis der Unternehmen, um über Jahre geduldig darauf warten zu können, dass der Markt erkennt, was man schon lange vorher selber zu sehen glaubt.

Gerade das Jahr 2013 sollte das überdeutlich gemacht haben. Denn die sensationelle Rally des Jahres 2013 beruhte eben nicht auf wesentlich steigenden Gewinnen der Unternehmen. Es war vielmehr eine Ausweitung der Multiples, die der Markt den Unternehmen zubilligt. Auf gut Deutsch, der Markt hielt in 2013 eine höhere Bewertung von Aktien für gerechtfertigt.

Und das ist auch höchst rational, denn die Bewertungen von Aktien befinden sich eben nicht im luftleeren Raum und es gibt deswegen auch gar keine "absolut" zu hohen oder zu niedrigen Bewertungen. Bewertungen von Unternehmensgewinnen befinden sich immer in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext.

Sicher kann man für Bewertungsmultiples so etwas wie langfristige historische Mittel bilden und einen gewissen Sinn hat der Vergleich damit. Aber erstens generieren diese eben keine Aussagekraft für die nächste Monate, bestenfalls für viele Jahre kann man daraus einen gewissen Honig ziehen. Und zweitens basieren alle diese Bewertungen immer auch auf dem grundlegenden Wirtschaftssystem. Wenn das nicht mehr vergleichbar ist, weil sich zum Beispiel eine neue Abart des Korporatismus und Staatsinterventionismus durchsetzt, werden auch die Bewertungen auf Jahre nicht mehr mit denen vergleichbar sein, die zu anderen Zeiten vom Markt gewährt wurden.

Schauen wir auf die Gegenwart, sollten wir daher mit klarem Verstand erkennen, dass Aktien im langjährigen Massstab zwar nicht mehr billig, aber auch nicht deutlich überteuert sind. Und im Vergleich zu vielen anderen Anlageklassen, wie Festgeld, Anleihen, Immobilien, Kunst oder Oldtimer, sind Aktien sogar vergleichsweise günstig. Dafür sorgt die finanzielle Repression, die von den Notenbanken ausgeht.

Und deshalb wäre es keineswegs überraschend, wenn auch 2014 ein gutes Jahr für Aktien würde. Sicher nicht so gleichbleibend positiv wie 2013, auf eine starke Korrektur mittendrin sollte man sich schon gedanklich einrichten, aber am Ende dominieren derzeit immer noch die gleichen Kräfte, die schon 2013 die Aktienmärkte befeuerten. Auf jeden Fall ist es völlig sinnlos, aus der Tatsache, dass die Indizes auf historischen Höchstständen schweben, zwingend abzuleiten, dass diese deshalb nun fallen müssten. Der reine Indexstand sagt gar nichts aus.

Solange Aktien bei der Geldanlage die Einäugigen unter den Blinden sind, kann diese Rally also durchaus noch weitergehen. Denn wie gesagt, die absoluten Bewertungsmultiples haben für den Zeithorizont von Monaten keinerlei Prognosekraft ! Viel wichtiger ist dagegen, in welchem Umfeld sich die Aktienanlage bewegt. Und das ist nach wie vor positiv und es gibt keinen Indikator - auch nicht von den dominanten Notenbanken - der darauf hinweist, dass sich das kurzfristig ändert.

Werden Sie also für 2014 im positiven Sinne opportunistisch, machen Sie sich frei von all den Prognostikern, Crash-Propheten und Perma-Bullen und folgen Sie einfach dem, was der Markt tatsächlich macht. Und wenn der Markt ernsthaft zu fallen beginnt und die Käufer ausbleiben, dann wird man das als aufmerksamer Beobachter merken. Und auf die Seitenlinie treten. Solange das aber nicht passiert, haben die Bullen nach wie vor unser Vertrauen verdient. "The trend is your friend .... until it ends".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes Händchen im Börsenjahr 2014. Und wenn Sie sich nicht sicher fühlen, wie und mit welchen Techniken Sie dem Markt folgen können und wie Sie eine Trendwende erkennen können, dann stossen Sie zur Mr-Market Community hinzu !

Ihr Hari

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Bernanke, Premium, Tesla und Solar – Das Jahr 2013 auf Mr-Market

Liebe Leser,

ein spannendes, ereignisreiches und erfolgreiches Jahr auf Mr-Market.de, nähert sich langsam der Zielgeraden.

Es war ein sehr erfolgreiches Jahr für uns auf Mr-Market. Gerade für die grossen institutionellen Anleger, war es aber teilweise auch ein schwieriges Börsen-Jahr.

Erfolgreich war 2013, weil uns der Markt eine grosse Zahl hoher Gewinne beschert hat.

Erinnern Sie sich noch, wie wir im Mai von Anfang an dabei waren, als die von uns intensiv beobachtete Tesla Motors Aktie, mit Macht abhob und sich innerhalb von 6 Monaten bis zum Hoch verfünffachte ? Oder wissen Sie noch, wo der Solarsektor oder 3D Systems am Jahresanfang standen, die uns eine Verdoppelung des Einsatzes ermöglichten ? Für Trader war 2013 ein Traum, selten habe ich so viele, so sensationelle Kursraketen erlebt wie 2013.

Schwierig war das Jahr aber auch und das weniger für Trader, sondern mehr für Investoren, die auf eine Diversifizierung ihres breiten Portfolios achten müssen und sich nicht erlauben können, Risiken und technische Überdehnungen einfach blind auszublenden.

Denn mit dem gnadenlos nach oben strebenden Markt, konnte man als breit aufgestellter Investor in 2013 nur mithalten, wenn man alle Risiken ignorierte und jeden Dip kaufte, sobald er auftrat. Rationale Vorsicht, Diversifizierung, Cashbestände, Absicherung und Hedging - all die Fähigkeiten, die einen guten Portfoliomanager auszeichnen - wurden in 2013 eher nicht belohnt, sondern bestraft. Ich habe selten so viele V-förmige Reversals gesehen, wie in 2013.

Und weil solche V-förmigen Reversals eigentlich ungewöhnlich sind und durch den Liquiditätsdruck der Notenbanken in 2013 immer wieder die natürlichen Schwingungen der Märkte kurz geschlossen wurden, haben sich auch so viele Portfoliomanager in 2013 schwer getan und hinken nach dem was ich lese und höre, hinter der Performance von DAX und S&P500 hinterher.

Das ist aber nach meiner Ansicht kein Grund sich zu grämen, denn absolute Performance-Zahlen sagen ohne Kontext sowieso nichts und damit zu klappern ist kompletter Humbug. Performance kann immer nur im Verhältnis zur Grösse des Depots, der Strategie und dem Zeithorizont betrachtet werden und muss vor allem im Verhältnis zum eingegangenen Risiko bewertet werden. Eine Strategie, die in 2013 vielleicht dazu führte, dass man bei geringerem Depotrisiko am Ende ein paar Prozent gegenüber dem DAX hinterher hinkt, wird beim nächsten Absturz - und auch der wird kommen - dafür sorgen, dass man diesem aus dem Wege geht.

Auch ich selber habe diesen Dualismus des Jahres 2013 in meinen verschiedenen Depots bemerkt. Während es als dem Trend folgender Trader in 2013 leicht war, den Markt zu schlagen - dafür sorgten eben die ganzen Kurs-Raketen ala Tesla und Co. - war es als auf langfristigen, sicheren Ertrag ausgerichteter Investor, mit breit aufgestelltem Portfolio, eher schwierig, mit DAX, S&P500 und Co. vollständig mitzuhalten.

Alles in allem war es aber ein tolles und vor allem historisches Börsenjahr. Die Notenbanken waren zwar schon immer wichtig, aber in meiner Erinnerung der letzten ca. 25 Börsenjahre, gab es kein Jahr, in dem die Notenbanken so dominant für die Marktentwicklung waren wie 2013.

Abgesehen vom Markt selber, war 2013 aber auch deshalb für Mr-Market ein erfolgreiches Jahr, weil der Start des Premium-Bereiches im April zu einem schönen Erfolg geworden ist, auf den ich sehr stolz bin.

Mr-Market ist damit einer der ersten rein privat betriebenen Blogs im deutschsprachigen Raum, dem die Professionalisierung gelungen ist und der sich damit von allerlei bunt blinkenden Bannern und der Dominanz SEO geprägter Klickzahlen emanzipiert hat.

Denn diese Dominanz von Klickzahlen und SEO im Internet, fördert nach meiner Meinung nicht die Qualität des Contents, sondern fördert eher marktschreierisches Gebaren und lautes mediales Geklapper, dass mit allerlei Schlagwörtern im Titel auf Leserfang geht. Die Relevanz des Contents steht dann oft im diametralen Gegensatz zur Bugwelle der Überschrift.

Mag dieses mediale Geklapper im Unterhaltungsbereich bei den Berichten aus den diversen Königshäusern ja noch problemlos sein, weil ausser Zeitaufwand kein Schaden entsteht, ist es aber im Börsenumfeld besonders tückisch, wenn sich Leser davon zu Handlungen treiben lassen. Denn Mitglieder von Mr-Market wissen: was jeder weiss und worauf sich alle vorbereiten, kann genau deswegen an der Börse nur schwerlich eintreten. Dafür sorgt die Reflexivität der Märkte.

Der Erfolg des Premium-Bereiches ermöglicht uns nun, intensiv und sachlich zu diskutieren, uns gegenseitig zu helfen und uns auszutauschen. Und gemeinsam zu lernen und unsere Techniken im Kampf mit Mr-Market zu verbessern.

Und "wir" ist dabei eine dreistellige Community engagierter Leser, von denen viele auch in den Foren aktiv sind und eigene Ideen beitragen. Es ist uns gelungen, eine Community zu etablieren, die von Fachkenntnis aber auch Respekt voreinander geprägt ist und von der alle nur profitieren können. Foren-Trolle und notorische Rechthaber sind hier nicht existent und das wird auch so bleiben.

Ich möchte daher bei dieser Gelegenheit allen Premium-Mitglieder herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung danken, die Sie diesem Blog in 2013 gegeben haben ! Besonders gilt mein Dank aber den vielen aktiven Mitgliedern, die mit eigenen Beiträgen und teilweise auch eigenen Artikeln die Community nach vorne bringen und zu einem Ort machen, an den man gerne jeden Tag zurück kehrt.

Ich bin stolz darauf, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und ich verspreche, in 2014 nicht nachzulassen und mit der gleichen Energie weiter am Erfolg von Mr-Market zu arbeiten.

Denn selbst wenn viele nun hier her gefunden haben und Mr-Market nun als ihre Börsenheimat verstehen, es könnten noch viel mehr sein. Denn der Bedarf an wirtschaftlich unabhängigen, seriösen und kompetenten Informationen und Anleitungen zu den Finanzmärkten ist immens. Das Hauptproblem ist eher, dass die Menschen nur schwer zu den wenigen Stellen in einem Meer von Informationen finden, die wirklich etwas zu sagen haben, das über die Nacherzählung der diversen Geschehnisse hinaus geht.

So weit zu einem tollen Jahr 2013. Und dieses tolle Jahr war für mich auch ein arbeitsames Jahr, zusammen mit meinen eigenen Aktivitäten am Markt, habe ich hier nun einen neuen Fulltime-Job, der mich auch oft noch spät in den Abendstunden schreiben und diskutieren lässt, wie die Premium-Mitglieder wissen.

Deshalb brauche ich jetzt auch einmal eine Auszeit und werde mir diese in der einzigen Zeit des Jahres nehmen, in der auch die Börse mal weitgehend ereignislos ist.

In der Zeit vom kommenden Samstag 21.12.13 bis einschliesslich dem 06.01.14, wird daher hier im freien Bereich nicht mehr viel passieren. Ich schliesse einen neuen Artikel nicht perse aus, rechnen Sie aber nicht damit. Ab 07.01.14 bin ich dann wieder voll da.

Im Premium-Bereich werde ich meine Aktivitäten auch deutlich herunter fahren, dort werde ich aber nach Lust und Laune vielleicht den einen oder anderen Kommentar oder Artikel schreiben und wir werden uns in der Community auch über den Jahreswechsel sicher intensiv im Forum austauschen. Gerade grundsätzliche Fragestellungen bespricht man ideal in dieser Zeit, in der man nicht permanent von der Hektik des Börsengeschehens getrieben wird. Und insbesondere die Frage, welche Aktien in 2014 zu den neuen Favoriten gehören dürften, ist ja hoch spannend.

Für den Dienstag 07.01.14 ist dann - zum Start des neuen Börsenjahres auf Mr-Market - auch gleich um 12 Uhr wieder ein "Lunchtalk" mit der Wirtschaftswoche geplant, vielleicht merken Sie sich diesen Termin schon einmal vor.

So, nun bleibt mir nur, Ihnen ein paar schöne Festtage zu wünschen und falls Sie nicht zu den Premium-Mitgliedern gehören, auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr !

Machen Sie es gut und halten Sie die Ohren steif ! Wir lesen uns 2014 !

Ihr Hari

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10 Erwartungen an DAX & Co. , die zu offensichtlich sein könnten, um 2014 einzutreffen

Erfahrene Marktbeobachter wissen, dass am Markt das, was offensichtlich scheint und alle erwarten, kaum mehr eintreffen kann. Zumindest nicht exakt so, wie erwartet. Dieser Zusammenhang ist auch kein Zufall, denn der Markt sind ja wir, die Menschen und die Algorithmen, die von uns Menschen programmiert wurden.

Und wenn wir alle in eine Richtung positioniert sind, ist keiner mehr da, der noch in diese Richtung kaufen könnte. Wir haben ja alle schon gekauft. Und wenn keiner mehr kauft, kann ein Markt nicht mehr steigen, egal wie gut die Nachrichten ausschauen.

Deswegen hat der Markt diese geheimnisvolle Fähigkeit, genau das zu tun, was wir alle nicht erwarten und uns immer wieder zu überraschen. Manchmal hat man dieses merkwürdige Gefühl, als würde uns Mr. Market über die Schulter schauen. Und nur darauf warten, dass wir am Markt kaufen und verkaufen, um dann in genau dieser Sekunde in die Gegenrichtung zu laufen.

Und irgendwie ist das auch tatsächlich so. Ganz besonders dann, wenn wir zu lange warten, um auf eine Richtung aufzuspringen. Wir glauben zwar, es sei „sicherer“, erst einmal lange abzuwarten und erst dann zu kaufen, wenn alles rundum gut aussieht. Im normalen Leben ist das auch eine sinnvolle Strategie. An der Börse ist es aber die Strategie, die einen im Jahr 2000 die Deutsche Telekom kaufen liess. Oder im Jahr 2007 noch Bankaktien. Es ist die Strategie, die das Depot vernichtet. Denn „falscher Zeitpunkt“, ist am Markt nur eine euphemistische Umschreibung für „Verlust“.

Besonders beliebt beim fiesen Mr. Market ist es, die Anleger nicht nur monetär zu zerstören, sondern dann auch noch zu demoralisieren. Und das geht so, dass die Kurse erst einmal lange gegen die vom Anleger erwartete Richtung laufen. Der Anleger aber wartet ab. Und leidet. Und wartet. Und irgendwann verliert er bei dicken Buchverlusten die Geduld. Und verkauft.

Und genau an diesem Tag dreht der Markt und die Entwicklung, auf die der Anleger spekuliert hatte, tritt tatsächlich ein. Und die Kurse schiessen durch den Einstandskurs nach oben und er Anleger hat riesige Gewinne verpasst, obwohl er genau die richtigen Gedanken zum Markt hatte. Und sitzt demoralisiert und frustriert an der Seitenlinie.

Eine derart fiese Entwicklung ist aber kein Zufall. Denn der Markt sind wir und wir sind Teil der Herde. Und wenn wir frustriert verkaufen, verkaufen auch andere frustriert, die genauso empfinden. Und wenn die letzten verkauft haben, ist keiner mehr da zum Verkaufen. Und der Markt muss und wird steigen, egal wie die Nachrichtenlage ist. Das ist die zwangsläufige Folge davon, wie der Markt funktioniert. Wenn wir den Markt schlagen wollen, treten wie damit gegen unsere eigenen Ansichten an, die in der Regel Teil der Herde sind.

Um nicht in diese emotionalen Fallen zu gehen, ist es deshalb wichtig, bei Verlusten nicht abzuwarten, sondern diese schnell und konsequent zu begrenzen. Einsteigen kann man immer wieder, schon am nächsten Tag, wenn es sein muss.

Und es ist wichtig, sich klar zu machen, was die Herde erwartet. Denn das was alle erwarten, wird in dem Moment nicht mehr funktionieren, wo auch der letzte auf diese Geschichte aufgesprungen ist. Umgedreht wird eine solche Herdenbewegung – auch Trend genannt - aber weiterlaufen, solange es noch genügend gibt, die aufspringen können. “Zu früh“ auf die Gegenseite zu wechseln und pauschal immer gegen die Herde zu wetten, ist also auch nur eine andere Formulierung für „Verlust“.

Es gibt einige Marktteilnehmer, die haben seit 2009 unermüdlich den grossen Crash ausgerufen und hatten dafür auch immer allerlei wohlklingende Begründungen. Denn während im restlichen Leben „Sex Sells“ eine Weisheit ist, gilt für die Gattung der medialen „Börsen-Pornographie“ die Regel: „Crash Sells“. 😉

Ihren Depots dürfte es aber gar nicht gut getan haben, seit 2009 auf den Crash zu warten. Und wenn der „grosse Crash“ dann irgendwann doch kommt – und das ist ja in Anbetracht des einmaligen Experiments an unserem Geldsystem keine geringe Wahrscheinlichkeit - werden die Wartenden so demoralisiert und Ihr Depot so geschmolzen sein, dass Sie gar nicht mehr dabei sind, wenn die Weissagung endlich eintrifft.

Deswegen ist es wichtig, solche Wetten gegen die Herde nicht blind im Voraus einzugehen - sozusagen ins fallende Messer zu greifen - sondern erst dann einzusteigen, wenn diese tatsächlich beginnen Realität werden. Wenn die Trendwende sich also konkret andeutet. Dann aber sollte man nicht mehr lange zögern, sondern die Chance beherzt ergreifen und sich sofort konsequent nach unten abzusichern.

Ich will daher heute in einem Gedankenexperiment 10 vermeintlich offensichtliche „Weisheiten“ für 2014 aufschreiben, die heute nach meiner Einschätzung von einer deutlichen Mehrheit erwartet werden. Und deshalb gar nicht so offensichtlich sind, wie sie scheinen.

Jetzt wird nicht bei jeder dieser vermeintlichen Weisheiten in 2014 das Gegenteil passieren. Viele werden sogar eintreffen, aber eben nicht notwendigerweise dann, wenn es die Mehrheit erwartet.

Ich finde es aber wert, sich als Gedankenexperiment mal das Gegenteil vorzustellen. Nicht um schon jetzt blind darauf zu wetten. Aber um die Trendwende als einer der Ersten zu erkennen, falls und sobald sie tatsächlich Realität werden sollte! Sozusagen, um den Geist für die Menge der Möglichkeiten zu schärfen!

Hier sind sie also, die 10 aktuellen Weisheiten der Herde, die zu offensichtlich sein könnten, um in 2014 exakt so eintreten zu können:

(1) Der Aktien-Markt ist zu weit gelaufen und wird gleich Anfang 2014 massiv korrigieren

(2) Der Goldbulle ist tot

(3) Dividendenaktien bringen höhere Erträge als Wachstumsaktien ohne Dividende

(4) Die Zinsen werden noch lange unten bleiben

(5) Der Euro hat in der aktuellen Konstruktion keine Zukunft

(6) Die Inflation kommt nicht

(7) Die Emerging Markets sind out

(8) Die FED beginnt Anfang 2014 mit dem Tapering

(9) Tesla Motors ist krass überbewertet 😉

Und zum Schluss:

(10) Deutschland geht es gut 😉

Ihnen werden bestimmt noch andere Themen einfallen. Die Frage ist dabei immer, was ist die Erwartung der Herde? Und ist die Herde schon so angeschwollen, dass es kaum mehr die Gegenmeinung gibt? Solange die Herde noch nicht genügend angeschwollen ist, wird der Trend auch weiter laufen.

Genau das sind dann die spannenden Themen, in denen Chancen liegen, wenn man seine Augen und Ohren spitzt und genau hinschaut. Aber „Ohren spitzen“ heisst noch nicht handeln! Gehandelt wird im Depot erst, wenn sich die neue Richtung wirklich anbahnt.

Denn eine universell gültige Regel ist: „Stelle Dich nie gegen den Markt!“. Man darf aber sehr wohl bei den Ersten sein, die einen Richtungswechsel des Marktes bemerken! 😉

Eines ist schon jetzt klar, das Börsenjahr 2014 wird wieder spannend !

Ihr Hari

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Die Märkte und der „Junk“ Indikator

Auf unzählige Art und Weise und mit hunderten von Indikatoren, versuchen Anleger dem Markt auf den Puls zu fühlen und so dem Schicksal einen Tag voraus zu sein. Ich mag dabei vor allem die Indikatoren, die direkt den Puls des Marktes fühlen, statt nur indirekt über kompliziert herzuleitende Daten, überhaupt eine Schlussfolgerung zu ziehen, die dann wiederum interpretierbar und damit angreifbar ist.

Denn wenn man nur direkt auf die Kurse geht, ist Manipulation und Fehlinterpretation weit schwieriger, denn die Wahrheit liegt auf dem Platz und da wo echtes Geld in Bewegung gesetzt wird, ist mehr Wahrheit dahinter, als bei dem, was so am lieben langen Tag daher geredet wird.

Um zu spüren, ob der Markt gesund ist oder angeschlagen, verwende ich dabei gerne meinen persönlichen "Junk"-Indikator. Das Wort "Junk" steht dabei für die deutschen Worte Abfall, Ausschuss, Plunder, Müll und wird typischerweise als "Junk-Bonds" im Zusammenhang mit Anleihen zweifelhafter Emittenten benutzt.

Solche Junk-Bonds sind hoch gefährdet und kippen in einer echten Kreditkrise typischerweise als Erstes um. Das weiss der Markt natürlich, weswegen der Kursverlauf von "Junk-Bonds" höchst sensibel auf Stress im Finanzsystem reagiert. Wenn sich also eine neue Kreditkrise zusammen braut, werden die Junk-Bonds diese mit als erster Indikator anzeigen.

Um mir die Junk-Bonds anzuschauen, benutze ich dafür gerne den US ETF "JNK" (-> SPDR Barcleys High Yield Bond ETF <-). Und auf dessen Chart mit Wochenkerzen, das bis 2008 zurück geht, schauen wir nun einmal gemeinsam:

Junk 09.12.13

Sie sehen die grossen Kreditkrisen, sie sehen auch, dass Ereignisse wie Fukujima keine Auswirkungen hatten. Das ist auch logisch, Fukujima hat zwar die japanische Wirtschaft und damit auch weltweit Aktien betroffen, die Stabilität der Anleihen stand dadurch aber nie in Frage. Der "Junk-Indikator" hat also zum Beispiel zum Thema Fukujima angezeigt, dass es sich um eine temporäre Wachstumsdelle, nicht aber um einen fundamentalen Grund zur Sorge für die Kreditmärkte handelt.

Umgedreht sehen Sie, wie sorgenvoll der Markt auf die überraschenden Tapering Gedanken von Bernanke im Juni diesen Jahres reagiert hat. Ich habe das ja damals hier ausführlich thematisiert. Einige haben zu dem Zeitpunkt ja geschrieben, der Markt hätte da was missverstanden. Was nach meiner Ansicht völlig falsch und noch dazu von unangemessenem Selbstbewusstsein geprägt ist, denn darin steckt ja die Behauptung, dass man selber mehr als der Markt verstanden hätte. Und das ist in der Regel eine grosse Illusion. Nein, der Markt in Form all der institutionellen Anleger, hat damals sehr genau verstanden und die Implikationen schnell begriffen. Und genau deshalb hat Bernanke ja dann auch im Juli die völlige Kehrtwende vollzogen, der FED ist es wohl kalt den Rücken runter gelaufen, als sie die Reaktion der Kreditmärkte sah. Der "Junk-Indikator" hat also im Juni laut "Gefahr" gerufen und die FED ist sofort über das Stöckchen gesprungen.

Und was sagt der "Junk-Indikator" jetzt ? Völlige Sorgenfreiheit. Stress im Kreditsystem scheint derzeit nicht vorhanden zu sein. Und deswegen sind Sorgen vor dem grossen Einbruch gleich morgen oder übermorgen auch eher unbegründet.

Bitte bedenken Sie, dass der Indikator aber nur anzeigt, wie viel Stress im Kreditsystem derzeit vom Markt wahrgenommen wird. Es bedeutet nicht, dass der Markt die mittelfristige Lage richtig einschätzt. Es ist also sehr wohl theoretisch möglich, dass der Markt sich schon morgen, plötzlich und unerwartet, wichtiger Risiken bewusst wird und der JNK sich schnell nach unten bewegt.

Dieser Indikator zeigt also den subjektiv empfundenen Stress im Finanzsystem. Er zeigt nicht, ob das Finanzsystem objektiv gesund ist ! Diesen Unterschied darf man nicht übersehen. Trotzdem ist der subjektiv empfundene Stress für uns der entscheidende Faktor. Denn der macht die Kurse in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt". Die Zukunft kommt von ganz alleine. Und wenn Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems auftauchen, wird der "Junk-Indikator" schnell "Alarm" schreien, davon können Sie ausgehen. 😉

Ihr Hari

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Margin Call & The Big Short

Was macht mich nervös ? Nicht diese bisher flache und überfällige Korrektur. Und nicht die blosse Tatsache, dass wir auf oder nahe historischen Höchstständen notieren. Denn das ist bloss eine Zahl und wenn ich nicht früh sterbe, werde ich auch noch DAX 20.000 erleben. Und die aktuellen Aufwärtstrends sind völlig intakt und können durchaus noch ein gutes Stück weiter laufen.

Was mich aber nervös macht, ist dieses -> Chart des Tages der FuW <-.

Das Dumme dabei ist, diese Daten sind für das Timing völlig ungeeignet. Diese Wetten können sich noch das ganze nächste Jahr erhöhen und die Märkte entsprechend weiter steigen. Insofern ist das Chart auch definitiv kein Grund für kurzfristiges Handeln.

Aber .....

Es zeigt uns etwas, das wir uns wirklich hinter die Ohren schreiben sollten und überall zur Erinnerung mit Zetteln hinkleben sollten: Wenn sich dieser Markt irgendwann richtig nach unten in Bewegung setzt, dann wird es keinen Platz geben, an dem man sich verstecken kann. Absolut keinen, auch nicht Gold !

Erinnern Sie sich bitte an 2008, als diese Margin Calls auch schon durch das „Big Money“ liefen. Was ist da passiert ? Da ist alles gleichzeitig gefallen. Einfach weil die Marktteilnehmer um den Margin Call zu bedienen, irgend etwas abstossen mussten. Egal was, Hauptsache man generiert Cash um den Margin Call zu befriedigen. Denn kann man es nicht, folgt Kontensperre und Exitus !

So wird es wieder sein. Alles wird gleichzeitig fallen, egal ob Top-Unternehmen oder Gurke. Die Top-Unternehmen sogar am Ende am stärksten, ganz einfach, weil dort noch das meiste in den Depots auszukehren ist.

Machen Sie sich das unbedingt klar. Es gibt in so einem Absturz nur 2 Orte, an denen Sie sich verstecken können. Der eine ist Cash – Cash is King ! Und der andere sind dann Shorts.

Beides aber auch nur, wenn Ihre Bank dann noch steht und Ihr Cash nicht gefährdet ist. Wenn auch die Bank wackelt, bleibt nur die Bettdecke zum verkriechen. 😉

Natürlich werden durch so einen Absturz auch wieder sensationelle Chancen in Qualitätsaktien entstehen, wie schon 2008. Und ja, die Welt dreht sich auch danach weiter.

Machen Sie sich aber klar, wie das System funktioniert und warum ein Absturz extrem schwer zu stoppen ist, wenn er mal damit begonnen hat, sich wie umfallende Dominosteine durch das System zu fressen. Das ist wie bei einem Feuer, das muss auch erst alles Brennbare abfackeln, bevor es dann erlöschen kann.

Deshalb ist es auch so wichtig, irgendwann konsequent auszusteigen. Und zwar wenn die Reise wirklich nach unten geht und man sieht, dass nun nicht mehr der Dip gekauft wird, sondern der Bounce verkauft wird. In dem Chart, das ich Ihnen gestern zu 2008 gezeigt habe, ist dieser Moment am Ende der Phase (3), wenn man merkt, wie der Trend klar nach unten zeigt.

Ob man den Ausstieg dann 10% oder 20% unter den Höchstständen macht, ist gar nicht so wichtig. Hauptsache man tut es überhaupt !

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DAX Korrektur – Erste Warnung und sonst: Nichts !

Der DAX hat die schärfste Korrektur seit August diesen Jahres gestartet, über die Ursachen habe ich gestern geschrieben. Die Schärfe der Korrektur hat dabei direkt mit dem langen, gnadenlosen Anstieg vorher zu tun. Das ist die Theorie des Gummibandes - je weiter man es dehnt, desto stärker schnappt es zurück.

Heute will ich mich daher mit der Frage beschäftigen, wie wir mit so einer Korrektur umgehen sollten. Denn ich kann sozusagen durch die Internetleitung spüren ;-), wie nun ganz viele grübelnd vor dem Schirm sitzen und sich diese Schwarz/Weiss Fragen stellen, die da lauten:

- Kommt nun der grosse Crash ?

- Soll ich jetzt mit allem raus aus dem Markt ?

Diese ganze, digitale Fragestellung im Sinne rein/raus ist aber völlig falsch und verfehlt !

So zu denken ist unproduktiv und macht uns nur nervös. Der Markt ist nie schwarz/weiss, er ist jederzeit eine Menge von Wahrscheinlichkeiten, die sich verschieben. Und die Zukunft ist und bleibt unbestimmt !

Was wir statt dessen tun sollten, ist unser Risiko zu managen. Was bedeutet Stück für Stück und Schritt für Schritt vorsichtiger zu werden, je stärker das Risiko steigt. Und in diesem Sinne langsam und Stück für Stück Gewinne mitzunehmen, falls die Korrektur voran schreitet.

Denn das Risiko eines Crashs - vor dem wir so Angst haben - ist eben nicht nahe am Höhepunkt am grössten. Das Risiko erreicht seinen Höhepunkt erst später, falls der Markt keinen Boden mehr findet und bröselt und bröselt.

Und das will ich Ihnen am Musterbeispiel des Crashs 2008 zeigen, der perfekt abgelaufen ist:

DAX 2008 Crash

Sie sehen die erste Phase, die Topbildung, in der der Markt keine signifikanten Höchststände mehr generieren kann. Vielleicht sind wir in dieser Phase, sicher ist das aber noch nicht !

Sie sehen dann den ersten Einschlag, das erste Warnzeichen sozusagen. Vielleicht haben wir das gerade erlebt. Bestenfalls dort, bei (2) befinden wir uns aktuell, wenn man nun einen Crash erwartet.

Auf (2) folgt aber in der Mehrzahl der Fälle erst einmal eine Phase, in der der Markt immer mehr Leben verliert und langsam vor sich hin bröselt. In dieser Phase (3) steigt das Risiko für einen Crash massiv, denn irgendwann verlieren die Marktteilnehmer die Geduld und wollen alle gleichzeitig zum Ausgang.

Worauf sich mit (4) dann der echte Crash anschliesst. Und dann in (5) eine Phase des Nachschwingens folgt, bevor der Markt in (6) den Tiefpunkt findet, der typischerweise nach einem Crash eine Übertreibung nach unten ist.

So weit der typische Ablauf. Diese Struktur ist universell und können Sie auch oft auf kleineren Zeitebenen finden, es muss nicht immer der grosse Crash sein. Und eigentlich will ich Ihnen damit klar machen, dass bisher im DAX noch nichts passiert ist und erst weiteres Abwärts-Bröseln die Risiken stark erhöht.

Jetzt weiss ich aber auch um die Macht der Bilder und mir ist klar, dass Sie bei Betrachten des obigen Charts nun emotional denken: "Oh Gott, schnell raus, wenn das danach kommt und wir erst bei (2) sind !"

Deswegen will ich Ihnen als "Cooldown" unbedingt auch noch den aktuellen Chart des S&P500 in diesem Jahr zeigen.

S&P500 05.12.13

Und da sehen Sie, wie oft wir schon ein "(2) Erste Warnung" hatten. Und jedes Mal hat der Markt dieses Jahr wieder V-förmig nach oben gedreht. Daran waren die Notenbanken ja nicht unschuldig und gerade deshalb sei die Frage erlaubt: Warum muss das dieses Mal unbedingt anders sein ?

Der Crashablauf von 2008 ist nämlich die Ausnahme und nicht die Regel. Und ein Warnzeichen ist erst einmal nur ein Warnzeichen und kein Grund schon in Panik zu verfallen.

Was ich Ihnen damit klar machen will ist:

(1) Bisher ist nichts Relevantes passiert und die Aufwärtstrends in den Indizes sind voll intakt. Es wird erst jetzt interessant, wenn und falls wir erleben sollten, dass der Markt nun keinen Boden findet und die Dip-Käufer ausbleiben.

(2) Wenn aber nun bald das Reversal kommt, wird der Trend dadurch nur bestätigt und die Korrektur war extrem gesund und legt dann die Grundlage für die Fortdauer der Hausse.

(3) Nur wenn der Markt nun weiter abgeben sollte und erste, wichtige Marken reisst, dann wird es wirklich riskant. Denn viele werden Stops unter markanten Strukturen haben und werden dann alle gleichzeitig zum Ausgang wollen. Das wäre das Ende von Phase (3). Lesen Sie in diesem Zusammenhang noch einmal den Artikel vom Montag zum Rising Wedge im S&P500, um diese Marken zu erkennen.

Was heisst das für uns ?

Wir brauchen unbedingt gedankliche Stops unter markanten Marken, mit denen wir unser Markt-Exposure Stück für Stück abbauen, falls - und nur falls - der Markt weiter nach unten bröselt.

Heute dagegen über diese "schwarz/weiss" Frage im Sinne rein oder raus zu grübeln, ist vergeudete Liebesmüh ! Und wenn Sie nun Artikel lesen, in denen Ihnen jemand erzählt, dass der Markt nun dieses oder jenes machen wird, ignorieren Sie das. Keiner kennt die Zukunft und was wir als Individuen glauben, hat keine Bedeutung, ausser im Sinne einer Massenpsychologie.

Es zählt alleine was der Markt tut. Und da ist eben wichtig zu verstehen, dass nach solchen Höchstständen ein langsames Abwärtsbröseln das Risiko erhöht. Und dieses Risiko müssen wir managen, in dem wir unser Exposure zum Markt entsprechend anpassen.

Machen Sie sich also einen Plan, wie Sie - falls der Markt weiter fällt - sukzessive Ihr Risiko verringern. Stück für Stück, im Einklang mit dem Markt. Von dem Gedanken perfekt am Top komplett auszusteigen, müssen Sie sich sowieso verabschieden. Das ist - von einem einmaligen Glücksschuss abgesehen - selbst für den besten Trader der Welt unmöglich.

Also: keine Panik und kein Herumraten. Managen Sie Stück für Stück Ihr Risiko !

Vergessen Sie den Gedanken daran, was morgen sein wird - Sie werden es sowieso erst morgen erfahren. Konzentrieren Sie sich statt dessen darauf, die Risiken der Gegenwart in Ihrem Portfolio entsprechend abzubilden.

Ihr Hari

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Korrektur im DAX: Die kognitive Dysfunktion des deutschen Michels

Gestern haben wir ja die in ihrer Dynamik schärfste Korrektur im DAX seit August diesen Jahres gesehen. Das war auch überfällig und wenn sich diese nicht ausweitet, ist das eher positiv zu werten. Jeder Markt muss mal Luft schnappen, selbst einer auf Steroiden !

Auffällig war aber gestern erneut, wie viel stärker die europäischen Märkte und insbesondere der DAX zerlegt wurden, während der US Leitindex S&P500 am Ende gerade einmal 0,3% abgegeben hatte.

Die Ursache dafür müssen wir wohl auch in der tragisch niedrigen Aktienquote und der völlig fehlenden Aktienkultur in Deutschland suchen. Denn wenn wir bei SAP, Daimler und Co. von "deutschen" Unternehmen reden, ist das nicht mehr wirklich zutreffend. Es gibt viele Indikatoren, an denen man ein Unternehmen einer Nation oder einem Kulturkreis zuordnen könnte. Die Frage wo die Labore und Produktionsstätten sind, ist die eine. Und was das angeht, sind diese Unternehmen schon lange nicht mehr "deutsch", sondern international.

Die Frage wer die Inhaber des Unternehmens sind, ist aber die andere. Denn die Inhaber üben Einfluss auf das Management aus und das beeinflusst letztlich wo investiert und wo geforscht wird. Und die Inhaber "deutscher" Unternehmen im DAX sind in Mehrheit eben keine Deutschen, sondern kommen aus dem Ausland. Und davon vor allem von der Wallstreet.

Es ist schon an Absurdität kaum zu überbieten, wie der "deutsche Michel" einerseits stolz auf diese "deutschen" Unternehmen ist und aus Überzeugung mit Stern, Ringen und Co. über die Strassen fährt. Andererseits aber der Gedanke sich am Produktiv-Vermögen genau dieser Unternehmen zu beteiligen, eher ein "Igitt" auslöst und man statt dessen lieber sein Geld auf dem Tagesgeldkonto mit 100% Sicherheit entwerten lässt. "Selbstmord aus Angst vor dem Tod" ist die einzig richtige Beschreibung für dieses absurde Verhalten.

Da muss man dem "deutschen Michel" schon eine kognitive Dysfunktion bescheinigen, umgangsprachlich kann man das auch eine "geistige Fehlfunktion" nennen. Wobei ich denke, dass es auch nach 10 Jahren vor allem immer noch eher eine "posttraumatische Belastungsstörung" ist. 😉

Und wenn ich sehe, wie jetzt langsam wieder erstes Interesse bei Anleger aufkommt, die dem Aktienmarkt seit 10 Jahren fern geblieben sind, besteht die ebenso grosse, wie tragische Gefahr, dass es bald wieder Grund für ein erneutes Trauma gibt. Denn in den Aktienmarkt neu einzusteigen, war sicher in 2009 und 2010 aussichtsreicher als heute. Um das aber damals zu können, musste man sich mit dem Thema beschäftigen und nicht erst dann, wenn von jeder Titelseite von neuen Höchstständen geredet wird.

Aber wie auch immer, der Effekt ist, dass der DAX in der Hand institutioneller US Investoren ist. Und die haben eine klare Tendenz:

Sobald eine Korrektur einsetzt, sobald also der Markt in den "Risk Off" Modus geht, werden die Gelder in die US "repatriiert". Als erstes werden also "ausländische" Positionen in DAX und Co. abgestossen und dieses Geld in heimische Bluechips investiert. Was zu dem auch gestern zu beobachtenden Effekt führt, dass es in der Korrektur den DAX zerlegt, während Apple, Microsoft und Co. kaum betroffen waren oder sogar im Plus notierten.

Verstärkt wird der Effekt dann noch durch die mittlerweile dominierenden passiven ETFs. Denn vieler dieser US Investoren kaufen nicht einzelne Aktien aus dem deutschen Universum, sondern kaufen den ganzen Markt via ETF. Und aus diesem Grund konnten wir auch gestern wieder in der Korrektur beobachten, wie praktisch alles in ähnlicher Dynamik zerlegt wurde, egal ob Telekom, Bayer oder Daimler. Unterschiede wurden da nicht gemacht, weil die ETFs ihre Positionen über den ganzen Index verringerten.

Die traurige Realität - die uns gestern wieder vor Augen geführt wurde - ist also, dass wir uns für den DAX herzlich wenig Gedanken darum machen müssen, was deutsche Anleger denken. Entscheidend ist, was das "Big Money" der Wallstreet denkt. Und wenn das aus irgend welchen Gründen seine Investments "repatriieren" will, dann nützt das Grübeln und Analysieren über individuelle Geschäftsmodelle und Aktien im DAX herzlich wenig. Dann gilt einfach: mitgefangen - mitgehangen.

Der einzige Weg das zu ändern, ist die Aktienkultur in Deutschland zu heben und damit überhaupt wieder wirtschaftliche Hoheit über unser Produktivkapital zu bekommen. Einige Blogs wie dieser und ein paar wenige lobenswerte Medien arbeiten daran. Aber ohne ein Mitwirken der Politik, wird sich daran nichts ändern. Und die Politik unterliegt ganz eindeutig der gleichen kognitiven Dysfunktion, wie der "deutsche Michel".

Das ist tragisch und für unsere Volkswirtschaft schädlich, als Anleger müssen wir uns aber damit arrangieren.

Ihr Hari

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Sektor Rotation und „Window-Dressing“ zum Jahresende

Ein Jahr nähert sich dem Ende, das in den grossen Indizes eigentlich nur eine Richtung kannte - nach oben.

Damit dürfte dieses Jahr auch ein Effekt besonders intensiv werden, den es eigentlich jedes Jahr zum Jahresende gibt. Der aber dann besonders stark ausfällt, wenn besonders viele institutionelle Marktteilnehmer in ihrer Performance hinter dem Markt hinterher hinken. So wie dieses Jahr.

Und dabei handelt es sich um das sogenannte "Window-Dressing", in dem zum Jahresende gerne noch die Gewinner des Jahres ins Depot aufgenommen werden und die Verlierer rausgeschmissen werden. Dahinter steht die Tatsache, dass die Fonds zum Jahresende vor ihre Anleger treten und diese einen kritischen Blick wagen, was das Fondmanagement denn da so in den Depots hat. Und wer sowieso schon dem Markt hinterher hinkt, will dann nicht auch noch sichtbar machen, dass er das ganze Jahr auf die "Gurken des Jahres" gesetzt hatte.

Das kann durchaus den Unterschied zwischen abgezogenem Anlegergeld und erhaltenem Vertrauen darstellen. Und kann sogar manchmal den Job kosten. Darüber hinaus kann man ja durch additive Käufe auch noch den Kurs von Positionen stützen, die schon im grossen Umfang im Depot sind. Und deshalb ist "Window-Dressing" zum Quartalsende, vor allem aber zum Jahresende, ein starker Faktor.

Besonders in den USA wird dieser Effekt heuer noch durch eine steuerliche Thematik verschärft. Wenn Verluste zum Jahresende realisiert werden, können Sie mit Gewinnen in anderen Anlagen steuerlich verrechnet werden. Und Gewinne gibt es dieses Jahr genug und damit auch den Druck, die wenigen Verlustpositionen vor dem Jahresende noch aufzulösen. Was wiederum finalen Druck auf die Aktien macht, die sowieso im Jahr schon schlecht gelaufen sind.

In Summe werden diese beiden Effekte mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass die Titel und Sektoren, die schon das ganze Jahr gelaufen sind, auch zum Jahresende weiter laufen. Und die Titel und Sektoren, die schon das ganze Jahr geschwächelt haben, zum Jahresende noch einmal final verkauft werden.

Das Dümmste, was Sie nun als Anleger also machen können, ist nun - Anfang Dezember - die schwächelnden Sektoren zu kaufen und sich dann in drei Wochen zu wundern, dass diese erneut ein paar Prozent tiefer stehen. Und dann zu verkaufen, nur um dann zum Jahresanfang hinterher zu schauen, wie die Sektoren plötzlich anspringen.

Das Potential zur Sektorrotation ist nun massiv da. Aber nicht jetzt Anfang Dezember. Sondern Ende Dezember - zum Jahreswechsel. Im Januar werden sich bestimmt viele neue Chancen auftun und der Markt die neuen Favoriten für 2014 aussortieren. Und dabei werden auch einige Überraschungen sein.

Aber der Zeitpunkt darauf zu wetten ist nicht heute. Denn "zu früh" ist am Markt nur eine euphemistische Umschreibung von "falsch".

Ihr Hari

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Vorsicht versus Handeln: Rising Wedge im S&P500

Ende letzter Woche, habe ich Ihnen ja -> hier <- noch einmal den wichtigen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln dargestellt. Nun möchte ich diesen Unterschied auch an einem konkreten und aktuellen Beispiel deutlich machen.

Der Leitindex S&P500 befindet sich nun am Ende eines ziemlich eindeutigen "Rising Wedge" - zu deutsch "steigender, zulaufender Keil". Eine solche Formation im Aufwärtstrend ist tendentiell bärisch - ausser in einer sehr starken, bullischen Bewegung wie aktuell, deren Momentum noch nicht nachlässt. In so Fällen ist sogar eine erneute Beschleunigung nach oben denkbar - so verrückt sich das anhört. Wie hatten aber erst vor ein paar Wochen im Solar ETF "TAN" so einen Fall, wo aus so einem "Rising Wedge" eine weitere Beschleunigung resultierte. Auch dort war das unterliegende Bid im Markt aber extrem stark, wie auch aktuell im S&P500. Weswegen so eine Ausnahme auch nun wieder denkbar ist.

S&P500 Rising Wedge 02.12.13

Aber selbst in so einer dynamischen Bewegung wie aktuell, generiert so eine Formation bei Markttechnikern trotzdem jede Menge Warnsignale - und das völlig zu Recht. Da stellen sich einem sozusagen die "Nackenhaare auf". Auf der anderen Seite, hat der Markt dieses Jahr ja oft bewiesen, dass die Einflüsse der Notenbanken die natürlichen Schwankungen verzerren. Insofern ist eine solche Formation Anlass zur Vorsicht, aber eben (noch) nicht zum Handeln !

Noch ist der Aufwärtstrend voll intakt und hat unser Vertrauen verdient. Insofern wäre Handeln - nur weil man so einen "Rising Wedge" sieht - zunächst verfehlt. Der Zeitpunkt zum Handeln kommt aber dann, wenn diese Formation klar gebrochen wird. Und dafür habe ich Ihnen die beiden naheliegenden Stopmarken eingezeichnet, die jeweils mit Tiefs im Aufwärtstrend korrelieren.

Mein eigenes Risikomanagement funktioniert dabei so, dass ich bei Erreichen der ersten Stopzone eine Reduktion des Exposures vornehme. Und erst bei der zweiten - bedeutenderen - Stopzone endgültig aussteige.

Bitte beachten Sie dabei aber auch, dass sich die Aussage oben nur auf den Zeithorizont der Trendbeschleunigung bezieht, die seit Mitte Oktober im S&P500 eingesetzt hat. Wer mit einem grösseren Zeithorizont agiert, muss noch gar nichts machen, denn der übergeordnete Aufwärtstrend ist völlig intakt, wie das Chart seit Ende 2012 eindeutig zeigt.

S&P500 Aufwärtstrend 021213

Sie erkennen an dem von mir eingezeichneten, theoretischen Verlauf auch leicht, dass ein möglicher Bruch des "Rising Wedge" nichts weiter sein könnte, als eine schon längst fällige Korrektur im bestehenden Aufwärtstrend, die diesen aber gar nicht in Frage stellt.

Bitte achten Sie bei Ihrem Agieren an den Märkten also unbedingt darauf, dass Sie.

(1) Vorsicht und Handeln auseinander halten

Die Formation, die ich Ihnen oben gezeigt habe, erzwingt Vorsicht - aber noch kein Handeln. Gehandelt wird erst, wenn der Markt real fällt und das erkennt man daran, dass wichtige Tiefs unterschritten werden.

(2) Den Zeithorizont Ihrer Geldanlage im Auge haben

Und Ihr Handeln mit Ihrem Zeithorizont in Einklang bringen. Denn ob ein Bruch einer solchen Struktur für Sie Bedeutung hat, ergibt sich erst aus Ihrem Anlagehorizont. Ein Ausstiegssignal auf einer niedrigeren Zeitebene muss kein Ausstiegssignal auf einer übergeordneten Zeitebene sein.

Das mangelnde Bewusstsein über den eigenen Zeithorizont, ist übrigens eine der grössten Fallen, in die Laien bei der Aktienanlage gerne gehen. Beim Einstieg fühlen sich viele gerne wie "Warren Buffet" und reden von "Value" und langfristiger Anlage. Wenige Wochen danach steht die Aktie vielleicht ein paar Prozent im Minus, während sich das mediale Grundrauschen ins Negative dreht. Und in diesem Moment verliert der vermeintliche Langfristanleger dann seine Geduld und verkauft aufgrund von kurzfristigen Schwankungen, die aber mit der eigentlichen Strategie der Anlage wenig zu tun haben.

Machen Sie sich also unbedingt vorher Ihren Zeithorizont klar und definieren Sie für sich im Vorfeld klare Ausstiegspunkte, die für diesen Zeithorizont logische Marken sind.

Wer also aktuell - mit Sicht auf Tagen und Wochen - versucht von dieser Rally noch zum Jahresende möglichst viel mitzunehmen, der sollte aufmerksam auf diesen "Rising Wedge" im S&P500 schauen. Denn wenn der richtig bricht, könnte das für alle Aktienindizes Bedeutung haben.

Wer dagegen langfristig den Aufwärtstrend im S&P500 spielen will, hat seine Stops viel tiefer und achtet vor allem auf den übergeordneten Aufwärtstrend. Ein Bruch des "Rising Wedge" wäre auf dieser Zeitebene vielleicht Anlass, das Exposure im Markt leicht zu reduzieren. Ein Ausstiegssignal käme auf dieser Zeitebene aber erst viel tiefer.

Ihr Hari

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DAX und Gold: Der wichtige Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln am Markt.

Sie wissen ja, das ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, die Börsenkultur in Deutschland ein wenig zu heben und grundlegende Zusammenhänge zu vermitteln, nach denen der Finanzmarkt funktioniert.

Ein wichtiges Thema hatte ich zuletzt unter dem Titel -> Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt <- angesprochen.

Ich hoffe es ist mir damit gelungen Ihnen klar zu machen, dass Erfolg an den Märkten nicht von irgendwelchen Zukunftsprognosen kommt, sondern auf der rationalen Analyse der Gegenwart beruht.

Auch der schlechte Ruf der Charttechnik bei vielen Laien, beruht ja zu einem guten Teil auf diesem Missverständnis. Viele Menschen glauben, sie müssten erraten können was morgen sein wird, um am Aktienmarkt Geld zu verdienen. Und springen deshalb natürlich auch auf die unzähligen Angebote im grossen Meer der Informationen an, die ihnen in bekömmlicher Aufmachung eine mögliche Zukunft verkaufen. Und gerade weil die Menschen nach diesen "Weissagungen" suchen und sich Orientierung erhoffen, werden sie medial auch angeboten, denn sie verschaffen Klickzahlen. Davon leben dann auch die sogenannten "Gurus", in dem sie tiefliegende Bedürfnisse der Leser bedienen. Und defacto besteht die Mehrzahl der Artikel im deutschen Sprachraum aus solchen irrelevanten Weissagungen. Erschwerend kommt hinzu, dass ja auch ein Affe ein Chart malen kann und ein paar bunte Linien einfügen. Und mit einem richtig formatierten Chart kann man fast alles beweisen, wenn man will - Menschen sehen ja auch Gesichter in Wolken.

Die Schwierigkeit vor der jeder Leser steht ist, die ernst zu nehmenden Beiträge von all dem medialen Zuckerguss zu unterscheiden, dessen Zweck mediale Klickzahlen sind, den man aber getrost vergessen kann, wenn es um Erfolg an den Märkten geht. Ein Indiz wie man Qualität erkennen kann ist dabei, wenn das Augenmerk des Artikels auf der Analyse der Gegenwart liegt und diese in ihren verschiedenen Implikationen beleuchtet wird. Und wenn die Zukunft als eine Menge von Möglichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten betrachtet wird und nicht nur eine mögliche Zukunft verkauft wird.

Wenn man als Autor aber solche Artikel schreibt, merkt man schnell, wie schwer sich einige Menschen damit tun, klare Analyse und daraus resultierende Vorsicht, von sofortigem Handeln zu trennen. Viele Leser suchen ja nach einfachen Handlungsanweisungen und werden genau deswegen nie erfolgreich sein. Und über diesen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln will ich heute schreiben.

Bewusst geworden ist mir das zuletzt wieder an dem Geschehen bei Gold. Gold hat am Montag ein erstaunliches Reversal hingelegt, das erst einmal objektiv Aufmerksamkeit verdient hat. Notwendige Aufmerksamkeit ist aber kein Handeln. Denn Gold ist in einem klaren Abwärtstrend gefangen und es gibt Stand heute nichts, was diesen Abwärtstrend in Frage stellt.

Aber jeder Trend endet mal und es ist deshalb wichtig immer aufmerksam zu bleiben. Handeln sollte man aber erst, wenn die Trendwende wirklich bestätigt ist. Gold hatte nun gestern und vorgestern zwei Versuche, die zu einem dynamischen Schub hätten führen können. In beiden Fällen ist der Kurs aber wieder blutarm unter 1250 USD gefallen. Und damit wurde der Abwärtstrend bestätigt.

Ich benutze ja gerne die Metapher des urzeitlichen, menschlichen Jägers, der sich sein Nahrung noch mit eigenen Händen erjagen musste. Wenn der auf der Lauer liegt, achtet er völlig zu Recht auch auf jedes "Knacksen" im Gebüsch. Es könnte ja ein Rentier aus dem Gebüsch brechen und vor seinen Speer geraten. Er würde aber nie - nur wegen des Knacksens - seinen wichtigen Speer einfach blind in das Gebüsch schleudern. Der Speer wird erst geschleudert, wenn das Rentier wirklich vor ihm läuft. Wenn er aber umgedreht nicht aufmerksam wäre und jeden "Knacks" beachten würde, würde er noch schnarchend vor sich hin dämmern, während das Wild schon einen Meter vor ihm steht.

Genau so aufmerksam, aber kontrolliert handelnd, müssen wir uns am Markt verhalten. Leider passiert zu oft etwas ganz anderes und wenn Sie Ihre eigenen Verhaltensweisen mal Revue passieren lassen, können Sie sich bestimmt an solche Fälle erinnern. Da haben Sie eine interessante Analyse gelesen, die Ihnen die Idee in den Kopf pflanzt, das eine bestimmte Entwicklung eintreten könnte. Diese Argumentation spricht Sie an und in genau diesem Moment meldet sich mit Macht Ihr Bauch. Der Bauch hat Angst, etwas zu verpassen. Für den Bauch ist die Möglichkeit schon zur Gewissheit geworden und er will diese Chance auf keinen Fall verpassen. Und der emotionale Druck des Bauches ist so gross, dass Sie handeln.

Im Bild des Jägers, haben Sie nun also Ihren Speer auf Verdacht ins Gebüsch geworfen. Dumm nur, das genau in diesem Moment auf der anderen Seite wirklich ein Rentier auftaucht. Nur haben Sie Ihren Speer nun nicht mehr. Verflixt.

Und auch an den Märkten sind diese emotionalen Bauchentscheidungen, ohne dass es schon eine objektive Bestätigung gibt, fast immer negativ. Es gibt viele Börsenregeln die sich damit befassen, so zum Beispiel "Greife nie in ein fallendes Messer". Am Ende geht es aber immer darum, sich nicht gegen den Markt zu stellen. Sich nicht gegen den Markt zu stellen bedeutet aber keinesfalls, das man nun unaufmerksam werden dürfte und ein "Knacksen" einfach ignorieren kann, weil es ja vermeintlich sowieso immer gleich weiter geht.

Auch in der Gegenrichtung haben wir doch aktuell so einen Fall. Den DAX und die meisten Indizes generell. Der DAX befindet sich in einem gewaltigen, bullischen Schub, einer Trendbeschleungigung oder auch "Runaway-Move" genannt.

Jochen Steffens hat diese aktuell unter der Überschrift -> Trendbeschleunigung beim DAX <- richtig dargestellt. Und auch die Konsequenzen richtig dargestellt. Wir müssen mit dem Trend mitgehen und dabei bleiben, so lange er dauert. Das ist unser Handeln. Und wir müssen trotzdem sehr aufmerksam sein und darauf achten, ob der Trend bricht. Denn wenn so ein "Runaway-Move" mal endet, tut er das oft mit Karacho und einem üblen Einbruch, der typischerweise am Ende einer Überdehnung steht. Das ist unsere Vorsicht.

Ich verwende hier auch gerne die Metapher des Gummibandes, die das Prinzip anschaulich macht. Je stärker man ein Gummiband in eine Richtung dehnt, desto stärker und aggressiver schnappt es irgendwann zurück. Das ist die "Mean Reversion". So funktioniert der Markt. Nur wissen wir nie, wann das Gummiband schnappt und es lässt sich oft stärker dehnen, als wir uns alle vorstellen können.

Lassen Sie uns also mit dem Trend handeln, aber jederzeit mit Aufmerksamkeit ein Ende des Trends als Möglichkeit erachten. Lassen Sie uns handeln und gleichzeitig vorsichtig sein. Das ist der richtige Weg.

Wir sollten lernen zu erkennen, wenn uns unser Bauch - wieder aus Angst etwas zu verpassen - ein Handeln aufzwingen will, das objektiv noch gar keine Grundlage hat.

Und wir sollten deshalb einen weiten Bogen um alle medialen Ergüsse machen, die uns mit grosser Bugwelle irgendwelche Prognosen verkaufen wollen, wie die Zukunft sein wird. Keiner kennt die Zukunft, selbst die Deutsche Bank nicht. 😉 Der Unterscheid zwischen Erfolg und Misserfolg entsteht in der Fähigkeit, die Gegenwart und ihre Implikationen rational zu analysieren.

Wir sollten also dem Aufwärtstrend im DAX weiter folgen, solange er dauert. Und dabei höchst vorsichtig aufpassen, ob wir irgendwo ein "Knacks" im Gebüsch hören. Dann aber nur horchen und abwarten, ob wirklich etwas passiert. Und erst wenn der Trend tatsächlich bricht, wirklich aktiv werden.

Und wir sollten bei Gold das Gegenteil tun. Den Abwärtstrend respektieren, denn der kann das Metall auch noch unter 1.000 USD treiben. Und trotzdem hoch aufmerksam auf jeden "Knacks" im Gebüsch achten. Denn wenn dieser Abwärtstrend mal dreht, wird auch das mit "Karacho" sein und schnell grosse Gewinne generieren.

Vorsicht und Handeln sind nicht das Gleiche ! Denken Sie immer daran ! Und wenn Sie lernen wollen, wie man einen Trendbruch dann auch wirklich erkennt, dann stossen Sie zur Mr-Market Community dazu.

Ihr Hari

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Manipulation im Goldmarkt ? Legende oder Wirklichkeit ?

Derzeit gehen wieder Nachrichten über den Ticker, nach denen nach Libor & Co., nun auch das Fixing des Goldpreises in London auf die Agenda der Aufsichtsbehörden kommt. Lesen Sie zum Beispiel hier: -> Verdacht auf Goldpreismanipulation <-

Ich möchte das zum Anlass nehmen, die Gerüchte um eine "Manipulation" des Goldpreises mal in einem persönlichen Kommentar in den Kontext zu stellen.

Denn ehrlich gesagt, schaue ich auf die Mechanismen des Londoner Fixing, wäre ich persönlich eher erstaunt, wenn da nicht auch ein wenig "geschoben" würde. Bei Libor & Co. haben wir diese Mechanismen ja schon erlebt. Wenn eine kleine Menge von Menschen so viel wirtschaftliche Macht hat, korrumpiert das halt schnell, die Versuchung ist zu gross. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand. Beweisen kann ich dergleichen natürlich nicht, das können bestenfalls die Aufsichtsbehörden. Zutiefst menschlich - und damit wahrscheinlich - ist es für mich aber schon.

Allerdings handelt es sich *wenn* etwas dran ist, dabei nach meiner Einschätzung wohl eher um die kleinteilige Manipulation auf der kurzen Zeitebene, mit der der Goldpreis mal schnell so fixiert wird, dass eigene Optionspositionen ideal profitabel aufgelöst werden können.

Mit dem grossen Trend bei Gold - der derzeit abwärts zeigt - hat das aber eher wenig bis nichts zu tun und sollte auch nicht in einen Topf geworfen werden. Auch wenn der Verweis auf "Manipulation", gerne von denen als Rechtfertigung missbraucht wird, die nun schon seit 2 Jahren auf der falschen Seite der Entwicklung beim Goldpreis stehen.

Aber auch bei dem grossen Abwärtstrend bei Gold, gibt es ja immer wieder Indizien, die dafür sprechen, dass sich grosse Marktteilnehmer da den Markt nach ihrem Gusto zurecht legen. Die wirtschaftlich eigentlich unsinnigen, riesigen Verkaufspositionen sprechen da für mich eine deutliche Sprache. Ich hatte ja zuletzt hier auf einen der vielen -> Trading Halt an der Comex <- hingewiesen. Solche grossen Verkaufspositionen machen keinen Sinn, wenn man einen guten Preis beim Verkauf erzielen will. Dann würde jeder vernünftige Mensch stückeln. Solche grossen Verkaufspositionen machen aber Sinn, wenn man den Kurs in eine bestimmte Richtung drücken will.

Ich mag dafür den Begriff „Manipulation“ aber gar nicht, der zu gerne als Entschuldigung missbraucht wird, wenn man permanent neben dem Markt liegt. Denn so kann man eigenes Versagen auf "dunkle Mächte" abschieben. Wenn derzeit grosse Marktteilnehmer so viel Feuerkraft haben, dass sie den Markt nach ihrem Gusto hin und her bewegen können, ist das erst einmal keine „Manipulation“, sondern legales Marktgebahren um Profite zu generieren. Und weil sie es können, werden sie es auch tun.

Die Kernfrage ist eher: warum ist das legal ? Denn das hat mit dem „too big to fail“ der Grossbanken zu tun. Und die gehören in meinen Augen zerschlagen, darüber habe ich ja oft genug geschrieben, zuletzt hier: -> Währungsmanipulation - Zerschlagt endlich Deutsche Bank & Co. <-

Es wäre zwingende Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass sich keine derartigen oligopolartigen Strukturen im Markt bilden können. Und dabei versagt die Politik.

Insofern sind die Aktivitäten des „Big Money“ im Goldmarkt nach meinem Eindruck keine „Manipulation“, "Big Money" schöpft vielmehr einfach seine Marktmacht aus - eine Marktmacht, die ihm die Politik gewährt. Und da liegt das Problem !

Im übrigen ist es auch etwas billig „Manipulation“ zu schreien, wenn die Kurse gegen einen abwärts laufen, aber von einem "fundamentalen Goldbullen" zu reden, wenn es nach oben geht. Denn diese Mechanismen wirken in beide Richtungen. Wenn es „Big Money“ opportun erscheint, wieder auf steigende Goldpreise zu setzen, werden wir die gleichen Einschläge grosser Orders an der Comex in die Gegenrichtung, also nach oben, erleben. Und die sind dann genau so „Manipulation“, wie das, was wir aktuell erleben.

Es stimmt also mit hoher Wahrscheinlichkeit, der Goldmarkt ist sozusagen „manipuliert“, wenn man den Begriff im Sinne "in der Hand grosser Marktteilnehmer" einsetzen will. Aber nach meinem Eindruck nicht im Sinne „böser Mächte“, die den „lieben Gold-Bullen“ töten wollen. Die „Big Boys“ wollen einfach Kohle machen und sind da ganz opportunistisch. Das wahre Problem ist, dass man Marktmacht überhaupt zulässt, die durch ihr schieres Gewicht die Bildung freier Marktpreise ausser Kraft setzen kann. Und wenn man so will, kann man das „Manipulation“ nennen, obwohl mir der Begriff dafür nicht gefällt.

Zum Abschluss noch ein Wort zu den immer wieder aufflackernden Gerüchten, die Notenbanken hätten am Goldmarkt ihre Hände im Spiel.

Sicher sind die Notenbanken am Goldmarkt auch Marktteilnehmer, sie kaufen und verkaufen ja Goldbestände im grossen Stil. Und sicher hätten die Staaten und Notenbanken am Ende auch ein Problem damit, wenn der Goldpreis so hoch schiessen würde, dass ihr Papiergeld in seiner Wertlosigkeit für jeden offenbar wird. Und wenn das so weit kommt, wird da garantiert auch gegengesteuert, zum Beispiel mit Handelsbeschränkungen beim Goldhandel oder dem generellen Verbot des privaten Besitzes. Das gab es ja alles schon und wird - wenn nötig - auch wieder kommen. Aber von dem Punkt sind wir noch deutlich entfernt und ob der Goldkurs nun derzeit 1500 oder 1300 USD ist, interessiert FED & Co. nach meiner Einschätzung eher wenig. Für die „Big Boys“ generiert so eine Bewegung aber riesige Gewinne. Und deshalb werden diese Bewegungen ausgeschöpft.

Solange also die Politik "Big Money" gewähren lässt - in den US wurde ja gerade die -> Volcker Rule <- erneut verschoben, die da deutliche Einschränkungen bewirken würde - solange müssen wir damit leben, dass die Marktpreise vor allem bei wenigen grossen Markt-Elefanten "gemacht" werden. Und je kleiner ein Markt ist, desto stärker ist deren Einfluss. Und der Goldhandel an der Comex ist im Vergleich zu den Aktien-, Renten- oder Devisen-Märkten vergleichsweise klein und damit anfällig.

Wenn wir uns auf dieses Spiel nicht einlassen wollen, sollten wir konsequent solchen Märkten wie dem Goldmarkt fern bleiben und Gold bestenfalls physisch halten. Wenn wir das Spiel aber spielen wollen, müssen wir vor allem darauf schauen, was das "Big Money" tatsächlich tut und diesem folgen. Eine andere Wahl haben wir nicht.

Und um einen Bezug zur Aktualität herzustellen, finde ich es deshalb hoch interessant, dass wir gestern im grossen Gold ETF "GLD" den grössten "Buying on Weakness" Print seit langer, langer Zeit hatten. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und "the trend is your friend - until it ends". Aber übersehen sollten wir solche Fussstapfen des "Big Money" auch nicht, denn diesem aufmerksam zu folgen, macht an den Märkten den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg.

Ihr Hari

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Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt

Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft: -> The new abnormal <-

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen ! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

Ich kann auch ein anderes hypothetisches Beispiel bemühen. Nehmen wir an, Sie als ein fähiger Astronom wissen heute, dass in 5 Jahren von jetzt ein riesiger Asteroid die Erde treffen wird. Von totaler Vernichtung des Lebens ausserhalb der Ozeane, bis zumindest kontinentalem Genozid ist alles drin. Und Sie wissen, dass Sie es nicht ändern können. Macht es dann Sinn, sich heute schon unter der Erde zu verkriechen ? Sich vielleicht einen Monat vorher ihre Familie zu schnappen und an den relativ sichersten Ort der Welt zu gehen und dort Vorräte anzulegen, mag ja noch Sinn machen. Aber heute ? Man muss sich sogar fragen, will man so ein Wissen überhaupt haben ? Denn es verhindert vielleicht noch 5 glücklich gelebte Jahre ?

Der Punkt ist: unsere Leben findet im Hier und Jetzt statt. Die Zukunft ist die Zukunft und unbestimmt. Es macht natürlich Sinn, über die Zukunft nachzudenken. Und es macht auch Sinn, sich im vernünftigen Rahmen auf die Zukunft vorzubereiten. Es ist aber unsinnig und völlig kontraproduktiv, das eigene Handeln im Hier und Jetzt ausschliesslich von Ängsten um eine mögliche, aber nicht sichere, Zukunft bestimmen und beherrschen zu lassen.

Und so ist es auch bei der Geldanlage. Man mag über die aktuelle Notenbankpolitik denken was man will. Und wer dabei nicht zumindest ein flaues Gefühl der Unsicherheit im Magen hat, der hat mit Verlaub keinen Verstand – die Notenbanker haben dieses flaue Gefühl doch auch, auch wenn sie darüber nicht reden. Alle mit Verstand wissen, dass wir uns in einem historisch einmaligen Experiment befinden und der Einsatz immens hoch ist.

Und trotzdem, das Geld im Depot wird im Hier und Jetzt verdient. Und im Hier und Jetzt steigt dieser Markt. Im Hier und Jetzt, haben wir einen offensichtlichen, gewaltigen Bullenmarkt. Sich permanent emotional dagegen zu stellen, macht das Leben zur Hölle, frustriert und generiert am Ende nur rote Zahlen im Depot.

Und es gibt auch einen Weg, wie man die objektive, rationale Skepsis und das Handeln mit dem Trend, wieder in Einklang bringen kann. Und das ist, das hier im Blog immer wieder beschriebene Denken in konkreten Setups und Handeln mit "Reissleine", also mit - zumindest gedanklichen - Stops.

Denn das Denken in definierten Setups, mit definierten Exit-Marken, befreit von der Angst, wenn man es konsequent betreibt. Bevor man die Position überhaupt eingeht, überlegt man sich, wie viel man maximal in diesem Trade riskieren – also verlieren - will und schreibt den Betrag gedanklich ab.

Die „Trauerarbeit“ um den Verlust findet also schon vorher statt, zu dem Zeitpunkt wo man den Trade eingeht. Hat man das geschafft, kann man von da an nur noch gewinnen. Und das befreit emotional enorm und ermöglicht Ihnen Trends mitzugehen, die Sie nie anfassen würden, wenn Sie eine Entscheidung für etwas treffen müssten, woran Sie gar nicht glauben. Mit einem Setup aber, stellen Sie emotional nur einen Zeh ins Wasser und Ihr Stop definiert, wie schnell der Zeh wieder draussen ist. Und Sie wissen ja, starke Trends dauern oft länger, als wir uns alle vorstellen können. Wenn ein Trend mit Macht begonnen hat, kann man oft immer noch mit gutem Gewissen aufspringen, die letzten 5 Jahre an den Märkten sind auch dafür erneut Beleg.

Mit dieser Denkstruktur wäre man schon 2009 Long eingestiegen und wäre immer noch - oder mit einer Pause 2011 wieder - dabei, statt dem Markt zu misstrauen und klüger als der Markt sein zu wollen. Aber im Herzen könnte man immer noch ein Skeptiker sein, der den Tag der Abrechnung kommen sieht. Bis dieser Tag aber kommt, hat man gut verdient. Und wenn der Tag der Abrechnung kommt, kegeln einen die Stops raus und es ist dann immer noch früh genug, die Bärenkrallen in das Fleisch all der auf der Party zu spät angekommenen und nun panischen Kühe zu schlagen – die ehedem mal röhrende Bullen waren.

Für unser konkretes Handeln an den Märkten ist also wichtig:

(1) Gewinne werden im Hier und Jetzt mit dem Markt erzielt und nicht gegen ihn.

(2) Zukunftserwartungen, Vorsicht und ein Blick auf mögliche Entwicklungen sind wichtige Fähigkeiten um sich rechtzeitig einzustellen, aufmerksam zu bleiben und wenn nötig schnell „die Kurve“ zu kriegen.

(3) Eine mögliche Zukunft darf aber nicht unser Handeln im Hier und Jetzt überlagern und verzerren. Die Zukunft ist nicht gewiss, wir bilden uns nur manchmal ein, sie wäre es.

(4) Vorsicht und Handeln sind verschiedenen Dinge. Vorsicht kann zu Handeln führen, wenn die gefürchteten Bedingungen eintreten. Wer aber nur auf Verdacht handelt, holt sich in der Regel eine blutige Nase.

(5) Wir sollten unsere Energie auf die Dinge konzentrieren, die wir selber beeinflussen können. Die aber besonders gut machen. Was wir nicht beeinflussen können, müssen wir dagegen hinnehmen und uns anpassen.

Lamentieren Sie also gerne über einen überzogenen Markt und "verrückt" gewordene Notenbanker so viel Sie wollen, alles kein Problem - das kann sogar der Seele gut tun, mal den Frust abzulassen. Aber handeln Sie an den Märkten nicht danach !

Real ist nur das, was der Markt wirklich tut und nicht das, was Sie gerne hätten, das er tut. Und dieser Markt steigt. Und zwar so lange, bis er nicht mehr steigt. Und diesen Moment des Trend-Wechsels kann man auch erkennen, wenn man mit klaren, gut durchdachten Marken operiert, die einem das Ende des Bullenmarkets indizieren.

Der Preis dafür ? Das man vielleicht ein paar Prozent von den Höchstständen wieder abgegeben wird, wenn die Stops dann Triggern und "Exit" signalisieren. Aber was sind schon 10%, wenn man vorher zum Beispiel im DAX den Weg von 3589 am 09.03.2009 bis zu 9254 gestern mitgegangen ist ? Übrigens, zum Mitschreiben, das waren 158% Anstieg vom Tief am 09.03.2009 ! Hat es sich also wirklich gelohnt, den Markt jahrelang zu bekämpfen ?

Übrigens wirkt dieser Mechanismus in beide Richtungen. Denn irgendwann wird die grosse Korrektur ohne jeden Zweifel einsetzen. Vielleicht heute, vielleicht erst 2015. Und es wird über Wochen und Monate nervenzehrend nach unten gehen. Und genau die gleichen Menschen, die nun jahrelang gegen den Markt gekämpft haben, werden dann viel zu früh schon wieder einsteigen, weil jetzt ist der Markt für sie ja vermeintlich "billig genug". Ist er aber erneut nicht und es geht auch in der Abwärtsbewegung oft weiter runter als man erwartet. Erneut kämpfen die gleichen Menschen dann gegen den Markt, weil sie erneut klüger sein wollen, als alle anderen Marktteilnehmer zusammen. Das pflegt das eigene Ego, machen Sie sich aber klar, dass das Ego an den Börsen unser grösster Feind ist und unglaublich viele Verluste in Depots auf dem Gewissen hat.

Merken Sie sich also unbedingt für den nächsten Börsenzyklus, dass Sie dem Markt folgen und sich dabei mit guter Entfernung absichern. Die Absicherung darf nicht zu nahe sein und dient nur der "Katastrophen-Prävention". Und das Sie am Ende einiges von den letzten Gewinnen wieder abgeben, liegt dabei im System. Und trotzdem funktioniert es und ist einfacher und profitabler, als gegen den Markt zu kämpfen.

Ob Sie auf diesen aktuellen und langsam alternden Trend noch aufspringen wollen, können Sie nur selber entscheiden. Klar ist, es kann durchaus noch eine Zeit lang so weiter gehen. Klar ist aber auch, eine deutliche Korrektur ist nun langsam mal fällig.

Ihr Hari

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Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ?

Wir sorgen uns zu Recht um 10% Gewinn oder Verlust. Wir reden vom "Crash" und verfallen in Panik, wenn der DAX mal wieder auf 5000 Punkte fällt. Im grossen, langfristigen Bild der Märkte ist das aber alles nur Rauschen. Und es ergibt sich eine höchst interessante Perspektive, mit langfristig sehr bullischen Implikationen, wenn man sich mal die Mühe macht, das ganz grosse Bild zu betrachten.

Und deshalb habe ich mir die Daten des Dow Jones Index seit 1896 besorgt. Ja, Sie lesen richtig, seit nun fast 117 Jahren in der Vergangenheit ! Die Quelle ist dabei die St. Louis FED gewesen, Sie können die Daten selber -> hier <- nachvollziehen.

In normalen Charttools bekommt man dergleichen historische Darstellungen in der Regel nicht, da ist irgendwann in den 80ern oder 90ern Schluss, weswegen ich auch Excel bemühen musste. Und natürlich arbeite ich hier mit einer logarithmischen Achse, um die prozentualen Steigerungen richtig darzustellen. Immer wieder sieht man auch bei so Langfristcharts lineare Achsen, die völlig blödsinnige Darstellungen produzieren, so als ob Börse überhaupt erst in den 80er Jahren los gegangen wäre und es vorher nur um die Nulllinie schwankte.

Und nun schauen Sie mit mir auf dieses Langfristchart des Dow Jones Index seit 1896:

Dow Historisch

Was wir sehen ist höchst beeindruckend. Es gab drei übergeordnete säkulare Bullenmärkte, der Erste endete mit dem 1929er Crash, der Zweite endete Mitte der 60er Jahre und der Dritte mit der Internet-Blase im Jahr 2000. Dazwischen lagen drei säkulare Bärenmärkte und ja, wir sind aktuell immer noch in einem säkularen Bärenmarkt bzw. zumindest in einer 10 Jahre andauernden Konsolidierung.

Jetzt darf man bei so einem langfristigen Bild natürlich auch die Inflation nicht übersehen, es ist mir mit meinen begrenzten Mitteln aber nicht möglich, diese hier korrekt einzuarbeiten. Würde man es aber tun, würde man die säkularen Bärenmärkte weit deutlicher als hier, als Bärenmärkte erkennen, denn die Menschen haben in diesen Phasen nach Inflation effektiv Geld verloren. Das ist auch für die Phase seit 2000 richtig, obwohl rein von den nominellen Zahlen her, schon wieder neue Höchststände erreicht wurden. Und die Steigung der säkularen Bullenmärkte wäre dann optisch nicht so hoch, wie es hier aussieht. An der prinzipiellen Abfolge der Marktphasen ändert das aber nichts. Und auch nicht daran, dass die säkularen Bärenmärkte irgendwann nach 15 Jahre vorbei waren.

Auch falls Sie denken, da sei ja zum Beispiel in den 70ern an den Börsen fast gar nichts passiert, lassen Sie sich nicht durch die logarithmische Skalierung täuschen. Objektiv schwankte der Dow in den 70ern zwischen 500 und 1000, also immer noch um 50% ! Sie sehen ja auch, wie im langfristigen Massstab die grossen Korrekturen im letzten Jahrzehnt aussehen - es sind in dieser Darstellung eher Petitessen und nur Konsolidierungen auf hohem Niveau. Angefühlt hat sich 2008 für uns aber anders. Und wer objektiv 50% des eingesetzten Kapitals verliert, hat die Hälfte seines Vermögens verloren, was keine Petitesse ist.

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten. Damit das passiert, braucht es aber Katalysatoren, die die Produktivität der Weltwirtschaft massiv anschieben und damit höhere Bewertungen rechtfertigen. In den 90er Jahren war das der Siegeszug der Computer und des Internets, verbunden mit der Friedensdividende aus dem Fall des eisernen Vorhangs.

Was könnte es in Zukunft sein ? Die Ergebnisse einer Biotechnologie vielleicht, die das Leben massiv verlängert, die Intelligenz der Menschen steigert und so die ganze Welt umkrempelt ?

Ich weiss es nicht. Und im grossen Bild können wir vorher auch problemlos noch einmal um 40% korrigieren. Für uns sehr schmerzhaft, im grossen Bild aber einfach nur ein paar weitere Jahre im säkularen Bärenmarkt seit 2000.

Der grosse neue Bullenmarkt kommt also noch. Und wahrscheinlich dauert es weniger als 10 Jahre, bis es wieder so weit ist. Das sagt uns dieses Chart. Vielleicht hat er auch schon mit dem Ausbruch zu neuen Hochs begonnen. Oder er beginnt vielleicht 2016, nach einem erneuten bösartigen Taucher um 40%, in dem die Verzerrungen durch die Notenbanken abgebaut werden.

Lassen Sie uns diesen säkularen Bullenmarkt aber nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über das Klein-Klein des Momentes sorgen. Und wenn wir zu Recht sagen, dass die aktuellen Kurse durch den Einfluss der Notenbanken zu weit gelaufen sind. Kurzfristig sind sie das wohl. Langfristig stehen uns die grossen Kursgewinne erst noch bevor.

Ihr Hari

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Die Dividende – überschätzt, overhyped, missverstanden – und trotzdem wichtig !

Schaut man auf das Meinungsbild vieler normaler Anleger, wie es in Äusserungen in Blogs, Foren und Medienkommentaren der Finanzpresse zu finden ist, kann man ein immer wiederkehrendes Meinungs-Muster finden, von dem natürlich viele in der Finanzindustrie gut leben und dieses Muster daher medial hegen und pflegen.

Den unerfahrenen Anleger erkennt man unter anderem an dem folgenden Erfolgsmantra :

1. Fundamentaldaten sind das alleine Entscheidende und dafür „analysiert“ man brav öffentliche Bilanz-Daten wie KGV und KBV. Markt- und Chart-Technik ist dagegen Kokolores und unseriös, hart an der Grenze zur Kaffeesatzleserei.

2. Eine „Value-Strategie“ - oder zumindest das, was diese Anleger sich darunter vorstellen - ist die alleine selig machende Methode, weil Warren Buffett macht es ja auch so.

3. „Gefallene Engel“ – ehemals erfolgreiche und nun abgestürzte Bluechips – sind die Aktien, die die heftigsten Kaufreflexe auslösen. Weil da muss ja „Value“ darin liegen.

4. Erste Verlustpositionen werden zu „Investitionen“, die man in weiter fallende Kurse hinein aufstockt. Schön, das man diese „Value-Anlagen“ noch billiger bekommt.

5. Und …. gute Aktien müssen Dividenden zahlen. Und Aktien mit hoher Dividende muss man unbedingt haben.

Erfahrene Anleger werden jetzt schmunzeln. 😉 Aber zu den ersten vier grossen Missverständnissen, will ich heute gar nichts schreiben. Die Mitglieder dieses Blogs kennen diese Themen sowieso und auch im freien Bereich, habe ich einige der Aspekte – Stichwort „Honigfalle“ - schon adressiert.

Aber heute will ich mich mal dem 5. Punkt zuwenden, den vermeintlich so wichtigen Dividenden.

Um das Fazit vorweg zu nehmen:

Dividenden werden vielfach missverstanden und in ihrer Bedeutung gnadenlos überschätzt. Aber trotzdem generiert eine Anlage in dividendenstarke Aktien am Ende für den durchschnittlichen Anleger gute Resulte. Allerdings aus ganz anderen Gründen, als in der Regel geglaubt wird. Es wird bei Dividenden sozusagen oft das Richtige, aus den falschen Gründen getan.

Um das zu verstehen, muss ich Stück für Stück mit Ihnen durch das durchgehen, was Dividenden sind – und was eben nicht. Ich versuche einfach ganz rational die Fakten aufzulisten, aus denen Sie Ihre Schlüsse ziehen können.

(1)
Dividenden sind keine Zinsen und kein Zinsersatz. Dividenden sind ausgeschüttete Unternehmensgewinne, die auf der Ebene des Unternehmens schon mit (im deutschen Fall) Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer versteuert wurden – um dann bei Ausschüttung auf Ebene des Anlegers noch einmal mit Abgeltungssteuer versteuert zu werden.

(2)
Eine Dividendenausschüttung verschafft dem Anleger perse keinen Vorteil gegenüber der Situation, in der der Cash im Unternehmen verbleibt und nicht ausgeschüttet wird. Denn genau in der Höhe der Ausschüttung, verringert sich sofort an der Börse der Kurs, der den Börsenwert darstellt. Ist doch auch klar, wenn ein Unternehmen zb 100 Millionen € an versteuertem Gewinn ausschüttet, haben die Anleger nach Abgeltungssteuer 73,625 Millionen € mehr auf dem Konto. Das Unternehmen ist aber 100 Millionen weniger an der Börse wert. Die Differenz von 26,375% ist die Steuer auf Anlegerebene. In Summe auf den ersten Blick keine besonders attraktive Transaktion für den Anleger.

(3)
Nimmt man an, dass der durchschnittliche Anleger mit seinen eigenen Anlagen im Mittel eine Rendite von x % per annum erzielt – hier nehmen wir mal beispielhaft 5% p.a. an – ist eine Ausschüttung als Dividende also nur dann von unmittelbarem Vorteil für den Anleger, wenn das Unternehmen weniger als 5% Rendite auf das im Unternehmen eingesetzte Kapital erzielt. Genau genommen ist die Hürde sogar noch geringer, weil ja die Steuerbelastung der Ausschüttung, die im Unternehmen notwendige Vergleichs-Rendite auf unter 4% drückt.

Ich wiederhole also, weil es so wichtig ist: nur wenn das Unternehmen mit dem in ihm verbleibenden Kapital eine geringere Rendite erzielt, als es der Anleger mit seiner sonstigen Geldanlage selber kann, ist die Ausschüttung für den Anleger unmittelbar wirtschaftlich ein Vorteil. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Unternehmen so „in Geld schwimmen“, dass zu befürchten ist, dass das Management dieses freie Kapital für irgendwelche überteuerten Übernahmen verjubelt. Dann ist eine Ausschüttung an den Anleger bestimmt besser, als das Kapital im Unternehmen zu verschwenden.

(4)
Umgedreht aber, wenn ein Unternehmen extrem wächst und daher sehr hohe Kapitalrenditen erzielt, aber auch hohe Kredite benötigt, um sein Wachstum zu finanzieren, wäre eine Ausschüttung völliger Blödsinn. Wozu soll der Anleger auch Kapital aus dem Unternehmen nehmen wollen, dass im Unternehmen mit 20% und mehr „verzinst“ wird ?

Genau deswegen zahlen stark wachsende Unternehmen mit grossen Kurssteigerungen eher selten Dividenden. Dividenden kommen dann auf das Tablett, wenn die Unternehmen nicht mehr genügend sinnvolle Ideen für ihr überschiessendes Kapital haben. Es sind also eher die alten, träge werdenden Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Nehmen Sie Apple als Beispiel. Bis vor kurzem wuchs das Unternehmen und wuchs und wuchs. Und nie wurde eine Dividende gezahlt. Dafür hat sich der Kurs vervielfacht. Nun zahlt Apple eine Dividende, weil ihm scheinbar die Ideen ausgehen, was mit dem Kapital zu machen ist. Und nun frage ich Sie, welche Apple hat Ihrem Depot besser getan – die vor drei Jahren oder die Apple heute ?

(5)
Übrigens hat gerade der von den Dividenden-Jägern so geliebte Warren Buffett und sein Partner Charlie Munger bis zuletzt abgelehnt, trotz riesiger Liquiditäts-Berge bei Berkshire Hathaway Dividenden an die Anleger auszuschütten. Weil die beiden zu Recht argumentieren, dass sie mit dem Kapital bessere Renditen erzielen als die Anleger. Wenn Sie des englischen mächtig sind, lesen Sie zum Beispiel hier:
-> Why Buffet doesnt pay dividends <-

Oder lesen Sie einfach mal die alten Shareholders Letter von Buffett, die er jedes Jahr heraus gibt. Insbesondere den von diesem Jahr, in dem er das Thema explizit anspricht. Wie passt das mit dem in Deutschland vorhandenen Zerrbild vom „Dividendenliebhaber“ Buffett zusammen ? Buffett nimmt Dividenden ohne jede Frage gerne entgegen, bevor die Unternehmen damit „Kokolores“ anstellen. Das stimmt. Buffett kennt aber natürlich viel besser als wir alle, den im Gegensatz zur Dividende wirklich wichtigen Parameter – den „Cashflow“ – dazu aber unten mehr.

(6)
Gerne liest man dann immer wieder, dass ja fast die Hälfte der DAX Performance aus Dividenden stammt und das dieses der Beweis für die Bedeutung der Ausschüttungen sei. Mit Verlaub, was für eine Bauernfängerei und Verdrehung von Ursache und Wirkung ! Erstens einmal ist der DAX als Performance-Index sowieso eine Sondersituation, weil er Dividenden inkludiert. Andere Indizes wie der S&P500 führen diese nicht im Kursverlauf, ausgeschüttet bekommen die Anleger sie aber trotzdem.

Eher beweist der hohe Anteil an Dividenden am Kursverlauf des DAX also, wie wenig die Unternehmen über die Zeit ihren Wert steigern konnten oder mit anderen Worten, wie unbefriedigend sich der DAX entwickelt hat. Rechnen Sie mal auf den S&P500 noch die Dividenden drauf und erstellen Sie einen Performance-Index. Dann vergleichen Sie den neu konstruierten "S&P500 Performance Index" mit dem DAX in den letzten 10 Jahre - da werden sie aber über das Chart staunen ! Das ist aber gar nicht der wichtige Punkt.

Wichtig ist, dass wenn die DAX Unternehmen diese zb 3% pa nicht ausgeschüttet hätten, diese ja in den Unternehmen verblieben wären und „gearbeitet“ hätten. Und damit sind wir wieder bei der internen Rendite auf das eingesetzte Kapital, die bei vielen guten Unternehmen im DAX hervorragend ist. Am Ende würde der DAX also ohne Ausschüttungen wahrscheinlich viel, viel höher stehen als aktuell, eben weil die Unternehmen weit höhere Gewinne hätten und mit dem freien Kapital sinnvolle Investitionen getätigt hätten.

Einen DAX mit und ohne Dividende einfach so zu vergleichen, ist also ziemliche Bauernfängerei. Dann wäre das Management aller DAX Unternehmen völlig inkompetent, sinnvolle Renditen auf das Eigenkapital zu erzielen. Denn der Vergleich von DAX mit und ohne Dividenden unterstellt damit implizit, dass das ausgeschüttete Kapital unverzinst und ohne Rendite tot in den Unternehmen liegen würde.

So weit zunächst. Ich könnte noch mit einer Reihe von Aspekten weiter machen, das Thema ist noch viel umfangreicher. Und natürlich habe ich oben auch vieles stark vereinfacht, zum Beispiel die Rendite-Thematik. Würde ich es aber nicht tun, würde das hier eher ein Buch als ein Blogbeitrag. Deshalb höre ich nun mit den obigen „Appetizern“ auf, damit der Artikel nicht zu lang wird.

In Summe habe ich Ihnen dargestellt, warum Dividenden keineswegs perse wünschenswert sind und oft eher Ausdruck von wenig wachsenden Unternehmen sind, denen die Liquidität „zu den Ohren heraus kommt“. Das sind aber nicht gerade zwingend die Unternehmen, die ein Depot wirklich voran bringen – wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Die Telekomindustrie sollte diesen negativen Zusammenhang ja im letzten Jahrzehnt ausreichend bewiesen haben. Nirgendwo waren die Dividenden höher und was hat es den Anlegern gebracht ? Und ein DAX ohne Auschüttungen, hätte den Anlegern dagegen in Summe vielleicht weit höhere Depotstände erzeugt, als einer mit.

Und trotzdem kann eine Dividendenstrategie für normale Anleger brauchbare Ergebnisse erzielen. Und das liegt an einem „Seiteneffekt“ der Dividenden von dem, was wirklich wichtig bei der Unternehmensanalyse ist. Es liegt an der wichtigen Eigenschaft eines „guten“ Unternehmens, hinter der auch Warren Buffett immer hinter her ist. Und das ist ein starker, positiver Cashflow.

Ich kann den Begriff Cashflow hier jetzt nicht tiefer erläutern, das sprengt den Rahmen. Etwas pauschal und „populär“ formuliert, ist es die Fähigkeit des Unternehmens permanent hohe Einnahmen (Cash) zu generieren, die dann durch das Unternehmen fliessen (Flow) und dort arbeiten können. Ein hoher Cashflow ist also Zeichen eines Unternehmens mit starker Marktstellung, die zu permanenten hohen Einnahmen führt.

Solche Unternehmen sind tatsächlich „Buffett-Unternehmen“ und das zu Recht. Und zwar völlig unabhängig davon, ob diese Dividenden ausschütten oder nicht.

Aber umgedreht wird ein Schuh daraus. Um überhaupt Dividenden dauerhaft aussschütten zu können, brauchen die Unternehmen einen hohen Cashflow. Nur „gute“ Unternehmen mit hohem Cashflow können also überhaupt Dividenden ausschütten. Wobei die „guten“ Unternehmen wie eben Berkshire Hathaway mit immensem Cashflow, immer noch besser damit fahren, das Kapital im Unternehmen arbeiten zu lassen, statt es auszuschütten.

Mit einer Dividenden-Strategie selektiert der Anleger also indirekt die Unternehmen, die sich das überhaupt leisten können. Und die haben einen hohen Cashflow. Dabei sollte man weniger auf die Dividendenhöhe, als auf Dauerhaftigkeit und Verlässlichkeit der Dividende Wert legen. Denn von Unternehmen, die mehr ausschütten, als sie Cash generieren, sollte man sowieso die Finger lassen. Wenn unbedarfte Anleger von einer "Sonderdividende" hören und dann sofort zur Börse rennen um diese "mitzunehmen", offenbaren die Anleger damit nur, dass sie die Dividende nicht als das verstanden haben, was sie ist und diese mit einer Zinszahlung gleichsetzen. Diesen Irrglauben konsequent weiter gedacht, wäre es dann ja das Tollste, wenn sich Apple jetzt hypothetisch selber auflöst, alle Patente, alle Produktions- und Entwicklungsstätten an Samsung, Google und Co. verkauft und dann eine gigantische "Sonderdividende" ausschüttet. Die Dividende ist dann ja toll, nur leider der Kurs danach Null und am Ende hat der Anleger eher Depot-Wert verloren, als gewonnen. Wer Sonderdividenden hinterher jagt, hat das offensichtlich nicht verstanden.

Und nur aufgrund dieses Seiteneffektes des Cashflows, erzielen Dividenden-Strategien gute Ergebnisse, weil sie Unternehmen eines bestimmten Typus selektieren. Denn den wirklich wichtigen Cashflow zu berechnen und zu verstehen, überfordert die Fähigkeiten der allermeisten Anleger und erfordert auch sich wirklich im Detail im Unternehmen zu bewegen, wie das ein Buffet tut. Insofern ist die Dividende eine sinnvolle Annäherung an das, was wirklich wichtig ist. Genau genommen liebt Buffett deshalb Dividenden auch nicht, er liebt Cashflow über alles ! Man erkennt Unternehmen mit starkem Cashflow aber eben auch an einer guten, dauerhaften Dividende. So herum wird ein Schuh daraus !

Bleibt noch die Frage offen, warum so viele gute Unternehmen dann Dividenden ausschütten. Die Antwort ist ganz einfach: weil es die Anleger wollen, nicht weil es zwingend sinnvoll ist. Und "die Anleger" sind dabei gar nicht mal nur die privaten Anleger, sondern gerade auch die grossen institutionellen Adressen, um die bemühen sich die Aktienunternehmen nämlich besonders, die wollen sie alle als Aktionäre haben.

Nun verstehen die institutionellen Anleger die obigen Zusammenhänge natürlich sehr gut. Warum wollen sie dann trotzdem unbedingt Dividenden ? Auch ganz einfach, weil die in der Regel nicht das eigene Geld, sondern das Geld Dritter verwalten. Hier agieren Angestellte - nicht Inhaber - im Namen ihrer Auftraggeber. Es handelt sich ja um Family Offices, Stiftungen usw - you name it. Und die alle, die Anleger die den Institutionellen das Geld in die Fonds legen, wollen regelmässige Einnahmen sehen. Zum Beispiel weil sie davon leben. Und deshalb machen es sich auch die Fonds einfach und selektieren Unternehmen mit Dividendenzahlung, worauf sich auch die Unternehmen anpassen und Dividenden ausschütten, um genau diese Anleger bei Stange zu halten. Es handelt sich also um eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.

Nur jemand mit dem Rückrat und der Reputation von Warren Buffett kann sich diesem Druck entziehen, er ist ja auch nicht wirklich Angestellter von Berkshire Hathaway, sondern eher Hauptaktionär. Und deshalb zahlt Berkshire keine Dividende. Und viele institutionelle Fonds haben deshalb den Großmeister der Wertsteigerung nicht in ihren Depots, weil ihre Vorschriften ihnen vorgeben, nur in Dividendentitel zu investieren. Selbst schuld, kann ich da nur sagen. 😉

Fassen wir also zusammen:

Eine Dividendenstrategie ist keineswegs die „Königsklasse“ der Geldanlage. Es ist eher die Durchschnittsklasse. Denn ausgezahlte Dividenden sind für den Anleger immer noch besser, als wenn das Management das Kapital für Sinnloses verpulvert oder sich selbst mit Boni in den Rachen schiebt. Sie sind aber schlechter und verhindern eher Rendite im Anleger-Depot, bei Unternehmen, die tatsächlich mit ihren Investitionen eine höhere Rendite als der Anleger erzielen. Wie Buffetts Berkshire Hathaway. Ganz abgesehen davon, dass im Unternehmen verbleibende Gewinne, einer temporären Steuerstundung beim Anleger gleich kommen. Und Steuern wollen wir doch alle sparen, oder ? 😉

Aber zumindest kann man mit einer Dividendenstrategie nicht so schnell komplett daneben liegen. Und auch das ist ein Wert. Und deshalb macht eine Dividendenstrategie für normale Anleger Sinn. Überschätzt und „overhyped“ ist sie aber vor allem in Deutschland trotzdem. Die Dividende vermittelt halt emotional vermeintliche Sicherheit und das verschafft ihr Popularität. Und Sicherheit suchen deutsche Anleger besonders intensiv, obwohl die Börse eher der falsche Ort ist, um mit diesem Kriterium auf Suche zu gehen. 😉

Mit meinem eigenen Geld agiere ich selber entlang der oben beschriebenen Linien. In Sektoren und bei Aktien, die ich intensiv verfolge und auch gut kenne, ist die Frage ob eine Aktie Dividende ausschüttet oder nicht, völlig irrelevant. Und wenn überhaupt, ist das bei zu hohen Ausschüttungen eher Anlass, meine Augenbraue kritisch zu heben und mich zu fragen, warum dem Management eigentlich keine sinnvolleren Investitionsmöglichkeiten einfallen, als alles an den Anleger auszukehren. Bei Aktien und Sektoren aber, wo mir die Kompetenz und das tiefere Verständnis vom Geschäftsmodell fehlt - wie zum Beispiel wenn ich in den Emerging Markets oder in Asien, also in anderen Kulturkreisen, unterwegs bin - greife ich gerne zur Dividende als Vorselektionskriterium. Denn das sind dann wenigstens Unternehmen, die sich eine Dividende "leisten können". Und damit bleibt man in der Regel von den allergrössten "Gurken" verschont.

Ich hoffe, ich konnte etwas Erhellendes zu Ihrem Marktverständnis beitragen.

Ihr Hari.

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Währungsmanipulation – Zerschlagt endlich Deutsche Bank und Co. !

Heute muss ich wieder einen persönlichen Kommentar zu unserem Grossbankensystem mit Ihnen teilen.

Denn schöner, als an dem aufkommenden Skandal um -> Währungsmanipulation <-, kann man in meinen Augen nicht darstellen, wie verrottet das System der Grossbanken ist.

So wie es nun in der Fachpresse geschildert wird, scheinen Top-Devisenhändler quer durch das who's who der Grossbankenwelt beteiligt. Und auch wenn noch keine Beweise vorliegen, spricht scheinbar viel dafür, dass wir es hier mit einem Manipulationsskandal im "Libor-Ausmass" zu tun haben. Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, um einen Überblick zu bekommen.

Quelle des Übels scheint hier das sogenannte "Fixing" zu sein, in dem sich Händler verschiedener Banken zusammen schalten, um Kurse festzulegen. Aus dieser Sonderrolle heraus, entsteht für die Beteiligten grosse Macht. Und absolute Macht korrumpiert bekanntermaßen absolut.

Um sich die ganze Absurdität dieser Strukturen vor Augen zu führen, muss man sich klar machen, dass unsere Gesellschaften in der "normalen" Realwirtschaft schon vor langer, langer Zeit gelernt haben, dass oligopolistische Strukturen einen freien Markt gefährden und Preisabsprachen hart zu unterbinden sind, weil sie Monopole zementieren. Genau deswegen gibt es Kartellbehörden, um sicher zu stellen, dass der Markt seine wichtige volkswirtschaftliche Funktion weiter ausüben kann. Im Grossbankensystem scheinen nach meinem Eindruck solche oligopolistischen Absprachen dagegen zum guten Ton zu gehören. Ist ja auch kein Wunder, man trifft sich ja immer wieder im Weißen Haus mit Obama, um mal wieder "die Welt zu retten".

Wenn ich diese Zeilen schreibe, sehe ich aber gleich wieder die typische Reaktion der Öffentlichkeit vor mir, die mit der Moralkeule auf die "Bankster" zeigt, so als ob wir es hier mit einem Problem individuell "böser Menschen" zu tun hätten.

Das ist, mit Verlaub, kompletter Unsinn. Banker, auch Börsen-Händler, sind genau so Menschen wie wir alle, mit all unseren Fehlern. Einige haben Rückrat, andere sind Kriecher. Einige haben einen eigenen moralischen Wertekompass, bei anderen dominiert Geldgier über jede andere Erwägung. Und unter denen, die medial auf die "bösen Bankster" zeigen, sind Mitbürger, die schwarz arbeiten und so die Sozialgemeinschaft betrügen, Mitbürger die ihre Steuererklärung "kreativ gestalten" und Mitbürger, die kein Problem damit haben einem "dummen" Kunden in ihrem Laden, etwas völlig überteuert anzudrehen.

Moralische Schwäche ist keine exklusive Eigenschaft von Bankern. Sie ist vielmehr Teil der menschlichen Gleichung und findet sich in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen. Der entscheidende Punkt ist ein anderer.

Weil das so ist - weil nun einmal nicht alle Menschen immer moralisch sattelfest sind - weil Gelegenheit bekanntlich Diebe macht - und weil absolute Macht absolut korrumpiert, ist es wichtig in unseren Gesellschaften darauf zu achten, dass niemand so viel unkontrollierte Macht erlangt, dass diese ihn korrumpieren kann.

Und damit sind wir beim Kern des Problems der Grossbanken. Es dürfte diese eigentlich gar nicht mehr geben. Sie machen den freien Markt kaputt. Das hier nach meinem persönlichen Eindruck, vieles nicht mit rechten Dingen zugeht, kann man leicht daran erkennen, wenn man sich in der Vergangenheit die Gewinne der Grossbanken aus dem Eigenhandel (an der Börse) betrachtete. Das gab es sehr namhafte Adressen drüben an der Wallstreet, die hatten wochenlang keinen einzigen negativen Tag in ihren Handelsbüchern !

Wie absurd ist das denn ? Jeder erfahrene Börsenprofi weiss, dass es in einem freien Markt unmöglich ist, jeden Tag nur Gewinne zu produzieren. Und wer jetzt glaubt, dass das diesen Adressen ganz sauber möglich ist, nur weil sie so "tolle" Risikomanagement-Systeme haben und sowieso nur "the smartest of the smartest" bei ihnen arbeiten, der sollte auch bitte wieder an den Weihnachtsmann glauben. Solche "Dauergewinnsträhnen" sind in einem freien Markt nicht möglich. Sie sind aber möglich, wenn man so gross ist, dass man den Markt zu den eigenen Gunsten beeinflussen kann. Das Perfide ist, das muss noch nicht einmal illegal sein, unsere Politik hat ja weltweit völlig versagt, die Macht der Grossbanken nach Lehmann einzuschränken. Nein, diese Marktmacht kann auch ganz legal ausgeübt werden und ermöglicht so einen Monat ohne Verlusttag in den Handelsbüchern.

Und das ist das wahre Problem. Die Macht, die sich in solchen oligopolistischen Strukturen in den Händen von wenigen Tophändlern bündelt. Und diese Macht korrumpiert früher oder später. Und seien Sie mal ehrlich, wenn Sie die Chance hätten, mit dem Drücken weniger Knöpfe und Absprachen mit Ihnen lange bekannten Kollegen zu Multimillionären zu werden, würden Sie nicht auch in Versuchung kommen ? Ehrlich ?

Womit wir beim Kern sind. Die nach Lehmann verbliebenen Grossbanken sind zu gross und zu mächtig. Und statt an Details und Eigenkapitalquoten herum zu frickeln, gehören diese zerschlagen und ein Trennbankensystem wieder eingeführt. Und gleichzeitig die Entsprechung einer Kartellbehörde für die Finanzmärkte eingeführt, die strikt darauf achtet, dass kein Marktteilnehmer mehr so gross wird, dass er alleine durch sein Gewicht die Marktpreise beeinflussen kann.

Ich habe das in Artikeln wie -> Bankenregulierung, ein einziges Kasperletheater <- oder -> Deutsche Bank zerschlagt sie endlich <- wiederholt thematisiert. Aber auf mich hört ja keiner.

Es fehlt unserer Politik an Mut und vor allem an Kompetenz und Durchblick, um sich nicht von den immer gleichen Angstgeschichten verunsichern zu lassen, mit denen das Grossbankensystem seine Existenz zu schützen versucht. Ich frage erneut, wo wären wir wohl aktuell, wenn die tausenden Milliarden der Notenbanken in den letzten 4 Jahren nicht in das Bankensystem, sondern direkt in die Realwirtschaft gekippt worden wären, in dem man die Grossbanken bewusst umgeht und kurzschliesst ? Und in dem man einfach die Konten mit den Gelddruckmaschinen der Notenbanken garantiert, statt die Lquidität in den schwarzen Löchern der Grossbanken zu versenken ?

Statt dessen wird an lächerlichen Placebos wie der Finanzmarkttransaktionssteuer herum gemacht, die genau diese Händler im Londoner Fixing nie treffen wird, dafür aber den normalen Bürger, der sich versucht am Aktienmarkt eine Altersversorgung aufzubauen.

Gerne wird ja auch von "linker" Seite immer dieses Märchen von den "wild gewordenen" Märkten erzählt, die man ja bändigen müsse. Die Wahrheit ist, wir haben gar keinen freien Finanz-Markt mehr. Wir haben nach meinem persönlichen Eindruck oligopolistische Marktstrukturen, die sich gegenseitig wie die Krähen kein Auge auskratzen. Und die mit dem Finanzbedarf der Staaten eine ungute Symbiose eingegangen sind. Man braucht sich gegenseitig und stützt sich so.

Und deshalb erleben wir alle diese Skandale und Exzesse. In einem freien Markt, in dem keiner zu viel Macht hat, wären diese Exzesse gar nicht möglich, der Wettbewerb würde sie unterbinden. Und wenn wir dieses Kernproblem nicht schnell angehen und das Grossbankensystem in kleinere Einzelteile zerlegen, zwischen denen Wettbewerb herrscht, wird die nächste grosse Krise mit Sicherheit kommen. Und die hat dann das Potential, unsere westliche, freiheitliche Gesellschaftsordnung komplett zu zerlegen.

Ist das ernsthaft ein Preis, den wir in der Zukunft zahlen wollen, nur weil wir heute mutlos und konzeptlos sind ?

Ich schreibe allen, die sich vom Grossbankensystem einreden lassen, wie "wichtig" integrierte Grossbanken seien, noch einmal ins Stammbuch:

Die Welt hat lange mit einem Trennbankensystem gut gelebt. Bis Bill Clinton 1999 den -> Glass-Steagall-Act <- endgültig aufgehoben hat, der schon in den Jahren vorher, mehr und mehr durchlöchert wurde. Und nun schauen Sie mal, wie seit dem die Blasen in immer engeren Abständen wachsen und platzen. Glauben Sie wirklich, da sei keinerlei Zusammenhang ?

Ihr Hari

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Vom Affengehirn am Beispiel Tesla Motors – Wie die Angst unsere Chancen auffrisst

Ein für Mr-Market Leser grossartiges Börsenjahr geht langsam in die Schlussrunde. Grossartig war dieses Jahr, weil wir hier eine ganze Reihe richtig massiver Gewinnsträhnen frühzeitig erkannt haben, lange bevor breite Anlegerschichten auch auf den Zug aufgesprungen sind.

Wer hatte denn schon im Frühjahr den weltweiten Solarsektor so auf der Rechnung und konnte damals einen Branchen-ETF wie den TAN buchstabieren ? Seitdem ist der Sektor in einen massiven Rallymodus eingetreten und hat denen grosse Gewinne generiert, die von Anfang an dabei waren. Und der Sektor steht nach meiner Ansicht immer noch eher am Anfang eines weltweiten neuen Booms, als am Ende - auch wenn jetzt eine Korrektur mal überfällig ist. Wer hatte denn schon im Frühjahr den europäischen Telekomsektor auf der Rechnung, der nun auch massiv zum Leben erwacht ist und den Anlegern dicke zweistellige Gewinne generiert. Wer wusste denn am Anfang des Jahres etwas mit Aktien wie iRobot anzufangen ? Ich könnte lange so weiter machen. Und auch ein paar "Gurken" wie K+S waren dabei, die aber im Vergleich kaum mehr ins Gewicht fallen, zumal wir die Verluste dort konsequent begrenzt haben und nicht in die Falle gegangen sind, die neue Welt der Kali-Preise zu negieren und uns schön zu reden, wie die, die sich gedanklich nicht schnell genug von einer überholten Bewertungslogik lösen können.

Und trotzdem bin ich sicher, dass einige der Leser mit ihren Depots nicht zufrieden sind und dem Markt hinterher hinken, möglicherweise überhaupt mit der Nulllinie kämpfen. Wie kann das sein, wenn so grosse Gewinnkracher mit teilweise dreistelligen Prozentgewinnen dabei waren, von denen jeder locker fünf negative Anlagen kompensieren könnte, wenn man Verluste konsequent begrenzt ?

Die Antwort auf diese Frage ist wie immer individuell und hat vor allem mit uns selbst zu tun. Ich glaube aber, ich kenne zumindest einen Teil der Antwort, denn diese hat mit unserem "Affengehirn" zu tun, das uns bei der Geldanlage eher im Wege steht, als hilfreich zu sein. Mit dem prägnanten Begriff "Affengehirn" meine ich dabei keinen medizinischen Fachbegriff, sondern die evolutionären und damit auch emotionalen Reflexe, die der Menschheit beim Überleben in der Savanne dienlich waren, aber nicht für reflexive Märkte der Gegenwart geeignet sind. Mit der exponentiellen Entwicklung der Wissensgesellschaft, kommt aber die biologische Evolution zeitlich einfach nicht mehr mit, wir gehen sozusagen als biologischer Urmensch in die komplexe Zukunft.

Und dieses Affengehirn leitet uns an der Börse oft in die falschen Geldanlagen, weil es uns in den falschen Momenten Ängste vermittelt, während es uns in den ebenso falschen Momenten wohl und sicher fühlen lässt.

Und wo könnte ich das Problem deutlicher machen, als bei unserem grössen "Kracher" in diesem Jahr: Tesla Motors (WKN: A1CX3T). Sie wissen ja, wir waren am Thema schon seit Frühjahr 2012 intensiv dran. Und so sassen wir sozusagen in der ersten Reihe, als der Kurs dann im April diesen Jahres abzuheben begann.

Werfen wir einen Blick zurück auf den 30.04. und meinen Artikel -> Tesla Motors, eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-.

In diesem Artikel war das folgende Chart enthalten:

Tesla 29.04.13

Und nun sage ich uns auf den Kopf zu, was viele von uns zu diesem Zeitpunkt gedacht haben und warum viele damals wohl nicht eingestiegen sind. Nicht eingestiegen, obwohl ich in dem Artikel nun wirklich eine Lobeshymne auf Elon Musk und Tesla losgelassen habe.

Die Gründe dürften sein, dass denen der Kurs schon zu weit weggelaufen war. Zu so einem Zeitpunkt noch bei einem wackeligen "Startup" einsteigen, über das viele schreiben, dass es den Sprung zum Autobauer sowieso nicht schaffen kann ? Und dann noch angeführt von einem "Verrückten" mit "Visionen", bei denen man laut Altbundeskanzler Schmidt lieber zum Arzt gehen sollte ? Nein - die Angst war zu gross, hier in Verluste zu laufen. Viele hatten Verlustaversion im Anblick eines Kurses, der gerade in den Himmel schoss. Und haben sich nicht getraut auch noch einzusteigen. Und wer doch drin war, hat schnell wieder Angst bekommen, die kleinen Gewinne abzugeben und hat diese lieber gesichert.

Soweit so gut. Und nun kann ich uns das Chart von Tesla Motors Stand heute nicht ersparen:

Tesla 28.10.13

Sie sehen nun den Zeitpunkt, an dem die Verlustaversion kam. Es war der dümmste Zeitpunkt, den man sich nur vorstellen kann. Denn mein Artikel erschien exakt genau vor dem grossen Schub, an dem der breite Markt in das Thema eingestiegen ist, wunderbar am Volumen zu erkennen. Seit dem hat sich der Kurs fast vervierfacht - wenn man am 29.04.13 eingestiegen wäre. Wir hatten also alle einen Elfmeter auf dem Punkt liegen, bei dem der Torwart sozusagen nicht im Tor stand. Und viele haben sich trotzdem nicht getraut zu schiessen. Wenn Sie dazu gehörten, stellen Sie sich unbedingt die Frage warum !

Fairerweise muss man feststellen, das es fast unmöglich ist, solche Bewegungen vollständig mitzugehen und dann auf dem Hochpunkt auszusteigen. Auch ich bin im Nachhinein zu früh ausgestiegen, weil mir die Bewertung nun zu phantastisch wurde. Aber ich war immerhin von Anfang an dabei und habe dicke dreistellige Prozentgewinne mitgenommen und das hätten Sie auch können !

Um Ihnen zu helfen das Problem unseres "Affengehirns" zu verstehen, sollten wir uns daher mal die Gegenseite betrachten. Ich will Sie nicht weiter mit Charts beladen, aber stellen Sie sich einfach nur die allseits "geliebte" Commerzbank vor. Da war die emotionale Haltung ganz anders. Der Chart sah grauselig aus. Es ging runter und runter. Aber das war ja vermeintlich eine stabile Grossbank, die in der Vergangenheit mehr Wert war. Da war ja die Bundesregierung auch drin und der Chart war so weit gefallen, die "musste" ja wieder steigen. In der Commerzbank haben viele die Verluste leicht ertragen und diese als Kaufgelegenheiten betrachtet. Und das Web war voll von sogenannten "Analysen", in den Autoren versuchten eine Bankbilanz zu bewerten, die selbst Bilanz-Profis nicht bewerten können. Aber immerhin sind die Profis so qualifiziert zu wissen, was sie nicht wissen.

Finden Sie nicht auch ? Es ist doch eigentlich absurd, sich bei Verlusten in der Commerzbank wohl zu fühlen und aber vor einem Einstieg bei Tesla zu fürchten. Aber genau so funktioniert unser Affengehirn - "Angst fressen Chancen auf". Und wer sich das nicht bewusst macht, hat letztlich keine Chance am Markt.

Fassen wir also zusammen:

Uns Menschen fällt es typischerweise leichter, eine Verlustposition einfach zu halten und den Verlusten zuzusehen, als in eine potentiell gewinnträchtige Position einzusteigen, die mit Risiken versehen ist. Das ist so, weil die Verlustposition eine Vergangenheit der Stärke hat, an der man sich emotional wärmen kann. Die "muss" ja wieder steigen sozusagen, weil sie vorher höher stand. Anders dagegen bei dem "Hot Stock" mit neuem Geschäftsmodell. Da hier die Vergleichsdaten der Vergangenheit fehlen, erscheint uns das weit riskanter.

Auslöser dieser massiven Fehleinschätzung ist tatsächlich unser "Affengehirn", das den Erfahrungen der nahen Vergangenheit eine höhere Bedeutung einräumt. So lässt sich das Minus bei einer Aktie leicht ertragen, die man für "substantiell" hält und dabei orientiert man sich an vergangenen Werten. Etwas Neues dagegen wird zunächst mit Misstrauen betrachtet, wir bleiben instinktiv lieber beim Bewährten.

Das sind reflexartige Mechanismen in unseren Köpfen, die wir auf der bewussten Ebene gar nicht wahrnehmen. Sie bestimmen aber massiv unser Handeln. Und für die Wildnis da draussen in der Savanne, ist die Aversion vor neuen, unbekannten Risiken auch ein hervorragender Reflex, der unser Überleben sichert. Einen Pilz den man nicht kennt, sollte man auch nicht einfach in den Mund stecken. Nur funktioniert Börse eben anders, Börse bewertet Potentiale der Zukunft. Vielleicht wird aus diesem Giftpilz ja später eine tolle Medizin, darüber machen sich die Märkte Gedanken. Und deshalb ist der Giftpilz als Anlage vielleicht durchaus interessant. Diese evolutionären Reflexe stehen uns als Anleger massiv im Weg.

Deshalb ist es auch so wichtig, sich mit Stops und Absicherung zu beschäftigen. Denn natürlich liegen in so "Hot Stocks" wie Tesla auch massive Risiken. Was hoch steigt, kann auch tief fallen und ein Kursverlauf wie oben ist ja nicht garantiert, hinterher ist man immer klüger. Aber die Chancen sind so immens, das man diese ergreifen sollte. Aber eben nicht blind, sondern gut überlegt und abgesichert.

Richtig wäre es also eher gewesen, die grosse Chance bei Tesla zu ergreifen. Gleichzeitig einen Stop zu setzen der einiges nach unten entfernt ist und nur zur Absicherung eines Desasters dient. Man geht in so einer Denkstruktur also bewusst ein vielleicht 10% Verlustrisiko ein. Und tut das, um die weit grössere Chance überhaupt zu eröffnen. Wir nennen das hier ein "Setup" und besprechen diese intensiv im Premium-Bereich.

Umgedreht, bei einem gefallenen Engel ala Commerzbank, darf es für Anleger überhaupt keinen Spielraum für Verlusttoleranz geben. Solange der Kurs nach unten geht, geht er nach unten und man hat in der Aktie nichts verloren. Und dass das Unternehmen mal in der Vergangenheit weit höher bewertet war, hat ebenso wenig Relevanz wie die Tatsache, dass es Tesla vor 10 Jahren noch gar nicht auf dem Kurszettel gab.

Vergangenheit zählt nicht an der Börse, nur die Erwartungen an die Zukunft. Die Mechanismen unseres Affengehirns leiten uns aber genau in die falsche Richtung. Sie leiten das warme Gefühl von "Sicherheit" aus Erfahrungen der Vergangenheit ab. Und lassen uns daher bei Verlusten in einer Commerzbank-Position sicherer fühlen, als bei einem Einstieg in eine Zukunftshoffnung wie Tesla Motors. Was für ein Treppenwitz eigentlich, da es doch leicht ist, mit Stops einen Kursverlust zu begrenzen. Auch die Telekom war mal bei 100 EUR und niemand wurde gezwungen, den Weg bis 10 EUR mitzugehen. Und viele haben es trotzdem getan, weil "die ist doch voller Substanz, die muss doch wieder steigen". 😉 So etwas sind üble "Wohlfühlreflexe", die unsere Taschen als Anleger aber leer machen.

Mein Rat also:

Achten Sie auf Ihre Gefühle bei der Geldanlage, denn darin zeigt sich unser Affengehirn. Wenn Sie sich in einer Position "wohl fühlen" und auch bei ersten Verlusten ganz entspannt da sitzen, sollten Sie eigentlich aufspringen und sich selber eine Schlag auf den Hinterkopf geben. Denn wahrscheinlich denkt der nicht richtig. Verlustpositionen in denen man sich "wohl fühlt", sind oft sehr gefährlich für unser Depot.

Umgedreht, wenn ein Kurs signifikant zu steigen beginnt und Sie trauen sich nicht einzusteigen, brauchen Sie unbedingt den Tritt in den Allerwertesten um zumindest mal genau hinzuschauen. Denn gerade weil Sie sich nicht trauen, werden sich auch viele andere nicht trauen. Denn warum sollen die anderen Marktteilnehmer denn anders fühlen als Sie ? Man nennt das die "Wall of Worry" und die sorgt dafür, dass Kurse weiter steigen - und nicht fallen. Diese Kurse fallen erst, wenn auch der Letzte eingestiegen ist. In dem Sie sich diesen inneren Tritt schon frühzeitig geben, sind Sie bei den "Letzten" nicht dabei, vielmehr verkaufen Sie irgendwann Ihre Aktien den "Letzten" mit Gewinn.

Und nutzen Sie die Möglichkeit, mit Absicherung zu agieren. Mit einer klug gesetzten Absicherung definieren Sie im Vorfeld selber, wie viel Verlust Sie bereit sind theoretisch einzusetzen, um die Chance zu ergreifen. Dieser potentielle Verlust ist also wie eine Investition zu sehen, um die Chance überhaupt zu eröffnen. Verwechseln Sie aber eine gut entfernte Absicherung um ein Desaster zu verhindern, nicht mit dem fehlgeleiteten Versuch, erste Gewinne gleich zu sichern. Letzteres funktioniert nicht und führt nur dazu, dass Sie im falschen Moment ausgestoppt werden. Nicht jeder Stop ist sinnvoll, manche sind kontraproduktiv.

Lassen Sie unbedingt in so Situationen Ihre Gefühle Revue passieren. Dann werden Sie selber merken, wie unsere Ängste die echten Chancen auffressen. Und uns gleichzeitig dort eine Sicherheit vorgaukeln, wo das Kurs-Desaster gerade erst begonnen hat. Genau deshalb ist es so schwierig das zu tun, was theoretisch ganz leicht eine gute Depotperformance sichert: Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen !

Merke: Die Börse ist nicht die Savanne ! 😉

Ihr Hari

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Die Legende von der „bösen“ Spekulation

Es gibt Artikel, die will man schon immer schreiben. Und Reden, die man schon immer mal halten wollte. Weil Sie grundsätzlicher Natur sind. Und weil sie unbedingt mal gesagt werden müssen.

Nur tut man es nie, weil sie wie ein langer Roman viel Arbeit machen und man überhaupt erst einmal einen Faden finden muss. Und weil immer irgend etwas Aktuelles dazwischenkommt und der Artikel sich wieder in den Hintergrund schiebt.

Bei mir ist das beim Thema der vermeintlich "bösen, bösen" Spekulation der Fall. Es ist ja eine der Lebenslügen unserer Gesellschaft, dass Spekulation per se etwas Böses und Zerstörerisches sei. Und dass diese unbedingt eingegrenzt, reguliert und verhindert werden muss.

Gegen diesen Konsens etwas zu sagen oder zu schreiben, hat schon fast den Charakter einer Gotteslästerung. Man kommt sozusagen wie Galileo Galilei vor die gesellschaftliche Inquisition und muss öffentlich Abbitte leisten, wenn man sich nicht Beschimpfungen und Schlimmerem aussetzen will.

Leider kann ich nicht anders und muss um der Wahrheit willen einfach sagen: "Und die Spekulation ist doch wichtig !". Im Mittelalter war der Konsens auch mal, dass alte, weise Kräuterfrauen "Hexen" seien, die man verbrennen müsste. Der gesellschaftliche Konsens hat also nicht immer Recht. 😉

Von mit Testosteron geschwängerten "Masters of the Universe"

Erschwert wird eine sinnvolle Argumentation leider massiv durch das wahnwitzige Gebaren, das gelgehaarte Jünglinge mit zu viel Testosteron im Blut, in den Handelsräumen der Grossbanken dieser Welt an den Tag legen. Wer sich für die "Masters of the Universe" hält, weil er Kurse durch eigene Marktmacht manipulieren kann, gehört in psychologische Behandlung, aber nicht vor einen Trading-Desk, mit dem man Milliarden bewegen kann.

Das sind ohne Frage Exzesse, die keinen gesellschaftlichen Zweck haben. Und dass diese überhaupt möglich sind, müssen sich primär die Politiker vorwerfen lassen, die nun so lautstark über Spekulation per se schimpfen. Denn erst durch politische Entscheidungen - wie den "Glass Steagall Act" zu Zeiten Bill Clintons aufzuheben - wurde der Boden für diese Exzesse bereitet. Und auch heute könnte die Politik dem schnell ein Ende machen, wenn Sie endlich ein hartes Trennbankensystem wieder einführen würde. Ich habe das in Artikeln wie -> Bankenregulierung - ein Kasperletheater <- oder -> Deutsche Bank zerschlagt sie endlich ! <- mehrfach und überdeutlich thematisiert. Nur tut die Politik genau das nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Tatsache ist aber, dass die Spekulation per se eine der wichtigsten zivilisatorischen Errungenschaften ist, ohne die unsere moderne Gesellschaft nicht existieren könnte. Ich werde das im Folgenden ausführen. Und nur weil es Auswüchse und von Testosteron umnebelte Gehirne in solchen Handelsräumen gibt, ist nicht Spekulation per se schlecht. Es gibt im Fussball auch Randalierer, Krakeler, Neonazis und alles mögliche. Der Abschaum der Menschheit ist manchmal im Fussballstadion zu finden. Ist deshalb der Sport Fussball pauschal ein schlechter Sport, den man unterbinden muss ?

Zu Recht würde der gesellschaftliche Konsens jeden, der so ein Argument für den Fussball aufbaut, in die Schranken weisen. Warum ? Weil alle wirklich wissen, worüber sie reden und deshalb die Randalierer als Auswuchs eines ansonsten schönen und wichtigen Sportes einordnen können. Anders ist das bei der Spekulation. Die ist von Unwissen geprägt, wie das mittelalterliche Wissen um das, was die Kräuterfrauen gemacht haben. Und was man nicht versteht, verbrennt man halt gerne mal auf dem Scheiterhaufen und lässt sich von Demagogen leiten.

Ein Lichtstrahl in der Dunkelheit

Und während ich also dazu schon lange etwas schreiben wollte, kam ein Lichtstrahl in das Dunkel der Unwissenheit. Und zwar in Form eines unbedingt! lesenswerten Artikels des WiWo Redakteurs Dieter Schnaas. Dieser ist nun auch Online erschienen und kann hier
-> Es lebe die Spekulation ! <-
nachgelesen werden. Ich kann nur dazu raten, das zu tun.

In dem Artikel sagt Schnaas viele Dinge, die ich auch schon immer sagen wollte und leitet den bedeutenden Wert her, den Spekulation für unsere zivilisatorische Entwicklung hat. Denn Spekulation ist weit mehr, als ein Trade vor einem Trading Desk. Es ist die Wette auf einen Gewinn in der Zukunft, die man mit Risiko in der Gegenwart eingeht. Auch Elon Musks Tesla oder SpaceX oder Solar City ist Spekulation pur und zwar im besten Sinne. Hohes Risiko, keinerlei Gewissheit über den Ausgang inklusive grosser Chance des Scheiterns. Und unermessliche Gewinne und eine Veränderung der Welt, wenn es gelingt. Auch das ist Spekulation. Und ohne den "Spekulanten" der auf Leute wie Elon Musk setzt und ihnen damit Kapital und Rückenwind verschafft, könnten diese nie erfolgreich sein. Und dafür braucht es zwingend einen Markt für Unternehmensbeteiligungen, auch "Börse" genannt. 😉

Es sind die Kräfte der -> schöpferischen Zerstörung <- im Schumpeterschen Sinne, die den Fortschritt bringen. Erst durch die Kraft der Zerstörung kommt oft der Wandel, auf dem Besseres gedeihen kann. Ohne die Zerstörung, beginnt die Welt langsam wie in Bernstein zu erstarren.

Was konservativ mit konservieren zu tun hat

Und da sind wir auch bei dem Punkt, in dem ich die Gedanken von Dieter Schnaas weiter führen will. Denn hinter der Ablehnung der Spekulation steht oft eine weit tiefer gehenden Denkstruktur bei den Menschen. Es ist kein Zufall, dass sich Menschen, die die Welt und Natur fast ausschliesslich im Sinne des Wortes "bewahren" betrachten, besonders oft kritisch zur Spekulation äussern und diese vehement ablehnen. Und zwar der Kirchenmann auf der Kanzel ebenso, wie der Öko-Aktivist mit dem Megaphon in der Hand, obwohl die beiden sonst in der Regel nicht viel gemein haben.

Der Begriff des konservativen Denkens ist dafür genau zutreffend. Wer primär bewahren will und erhalten und Veränderung vermeidet, denkt konservativ - ist es nicht notwendigerweise im politischen, verdreht gebrauchten Sinne, aber denkt so im eigentlichen Sinn des Wortes. Er/Sie "konserviert". Um das vom politischen Begriff "konservativ" abzugrenzen, nennt man diese Denkstrukturen auch "strukturkonservativ" oder "wertkonservativ" und die finden sich unter allen politischen Flaggen.

Dahinter steht eine Lebensphilosophie, die die Welt eher statisch bewahren will und den Wandel eher als Bedrohung empfindet. Das ist auch verständlich und will ich gar nicht kritisieren, wir Menschen sind ja auch wie Nussschalen auf dem grossen welligen Ozean des Lebens und unser Leben in weiten Teilen davon geprägt, diese Unsicherheiten irgendwie beherrschbar zu machen. Es ist unser Überlebenswille, der uns von einer Welt wie einem Schrebergarten träumen lässt, in der alles seinen Platz hat, schön anzuschauen ist und keine Überraschungen drohen. Genau das ist "strukturkonservativ" und menschlich sehr verständlich. Und es ist ja auch vieles "bewahrenswert" und ich bin der Letzte, der das nicht so sieht. Nur vergisst eine zu einseitige Sicht darauf, dass die Welt auch den Wandel braucht, um voran zu schreiten.

Dummerweise ist es genau dieser gefürchtete Wandel und die permanente, damit einher gehende Zerstörung, die wesentlich daran mitwirkt, dass diese herrliche und bewundernswerte Natur um uns herum überhaupt erst hervor gebracht wurde ! Und ohne die Schumpetersche Zerstörung wäre die Menschheit auch nicht existent und die Welt noch von Dinosauriern bevölkert. Nur gut, dass damals niemand da war, der die Dinosaurier vor dem Aussterben geschützt hat, ich würde heute hier wohl nicht schreiben. 😉 Nein genau genommen, wäre das Leben noch nicht einmal aus dem Urmeer gekrochen. Wozu denn auch, ist doch unter Wasser auch schön ? 😉

Schumpeters schöpferische Zerstörung am Werk

Ich hatte in diesem Zusammenhang ein eindrückliches Erlebnis vor ziemlich genau 30 Jahren. Ich war im Raum Tübingen vor dem Albtrauf und in der Nähe im Raum Mössingen kam auf einer Breite von ca. einem Kilometer der Albtrauf in Form eines Bergrutsches herunter. Alle Bäume vernichtet und alles nur Staub und Dreck und Steine: -> Bergrutsch bei Mössingen <-

Es war damals die Zeit der Panik vor dem "Sauren Regen" und dem "Waldsterben" und entsprechend waren die Reaktionen. Untergangsszenarien wurden alarmistisch gemalt, nach denen bald die ganze Schwäbische Alb so aussehen würde, wenn wir jetzt nicht dringend "einhalten würden" usw. usw.

Die Jahre vergingen und die Natur ergriff wieder Besitz von der Brachfläche. Und bald danach kam ein Naturfreund dort vorbei und stellte das einzige ausseralpine Vorkommen von dieser Pflanze und jenem Insekt dort fest. Und der Bergrutsch wurde 1988 Naturschutzgebiet. Und ist ein Kleinod der Natur geworden, über den ich mich freue, da ich diese Monokultur-Wälder der industriellen Waldbewirtschaftung sowieso nicht leiden kann und Natur für mich etwas wildes, bewegtes und lebendes ist und eben kein gepflegter Garten, der immerdar gleich bleibt.

Was hatte der Bergsturz also bewirkt ? Er hat eine künstliche Monokultur hinweg gefegt und damit erst den Boden für all die seltenen Arten geschaffen, die dort nun siedeln. Die Vernichtung hat also erst den Fortschritt bewirkt. Schöpferische Zerstörung im besten Schumpeterschen Sinne.

Ich könnte endlos solche Beispiele bringen und am Ende ist es wie ich oben sagte: die Natur ist kein Schrebergarten im Bernsteinglas, in dem alles seinen festen Platz hat und auf keinen Fall verändert werden darf. Das sind schwärmerisch romantische Vorstellungen die einige haben, in so einer statischen Welt zu leben, wäre aber wohl eher ein Albtraum.

Die Natur und die Welt ist gewaltig, brutal, immer im Wandel und voller Überraschungen und Wunder. Sie kann die ganze Menschheit in genau 5 Minuten von jetzt vernichten, weil genau dann uns ein Gammablitz von einer Supernova in unserer näheren Sternumgebung erreicht, der derzeit schon unwiederruflich unterwegs ist. Sie kann aus der Antarktis einen Tropenwald machen und in Italien eine Eiswüste erzeugen, weil sie beliebt am morgigen Sonntag den 15.09. die Erdachse zu kippen, wie sie es schon oft so gerne gemacht hat.

Und am Ende schafft die Natur so den Raum, auf dem sich Neues entwickeln kann. Ohne diese Mechanismen wäre die Menschheit nicht existent und das Leben wäre nicht einmal aus den Ozeanen gekrochen. Und es gäbe für "Baumwächter" nichts zu bewachen. Das ist die Natur. Ihre Vielfalt und grandiose Schönheit entsteht aus dem Wandel und der schöpferischen Zerstörung. Stillstand ist dagegen völlig "unnatürlich".

Ohne Markt keine Arbeitsteilung und ohne Arbeitsteilung keine Zivilisation

Und was hat das mit der Spekulation zu tun ? Ganz viel. Denn die Spekulation ist nichts weiter als die zivilisatorische Triebfeder dieses wichtigen Prinzips der schöpferischen Zerstörung, mit dem sich der Fortschritt Bahn bricht. Denn nach der natürlichen Evolution hat mit dem Auftreten des Menschen auch eine gesellschaftliche und wissenschaftliche Evolution begonnen, die letztlich zu unserer mehr oder weniger "modernen" Zivilisation geführt hat. Und die Triebfeder dieser zivilisatorischen Entwicklung waren unter anderem entscheidende Erfindungen wie das Geld, der Markt und das alles angetrieben von der schöpferischen Kraft dessen, was man "Spekulation" nennt. Dem gestalterischen Versuch nämlich, sich in der Zukunft einen Vorteil zu verschaffen, in dem man in der Gegenwart Risiken eingeht.

Denn bitte bedenken Sie. Eine der wichtigsten Grundlagen unserer zivilisatorischen Entwicklung und der Entstehung von Musik, Theater, Wissenschaft usw. usw. ist die Arbeitsteilung. Erst die Arbeitsteilung hat ermöglicht, dass die Menschen über den täglichen Lebenskampf um Nahrung und Wasser hinaus schauen konnten und Zeit und Musse für Kultur und Wissenschaft und später Sport fanden. Denn erst die Arbeitsteilung ermöglicht uns, uns so zu spezialisieren, dass wir in dem was wir tun, immer besser werden und die Erfindung der Schrift hat dann ermöglicht, das weiterzugeben.

Wie kann aber die Arbeitsteilung gelingen, wenn der spezialisierte Bauer der nun dummerweise seine Ernte wegen der Jahreszeiten im Herbst einfahren muss, seine Rüben nicht gegen eine Wertaufbewahrung eintauschen kann, so dass er damit erst im Frühjahr zum Schneider gehen und sich eine neue Jacke kaufen kann ? Diese Wertaufbewahrung ist das Geld. Eine der wichtigsten zivilisatorischen Erfindungen überhaupt.

Aber das Geld alleine reicht nicht. Denn um Geld zu bekommen, muss der Bauer einen Käufer finden und es reicht einfach nicht, immer nur die 2 oder 3 Nachbarn in der Umgebung abzuklappern, die haben vielleicht schon selber Rüben. Also braucht es den Markt, eine weitere entscheidenen zivilisatorische Errungenschaft. Denn am Markt werden Käufer und Verkäufer zusammen geführt und so entsteht im freien Spiel von Angebot und Nachfrage ein Preis. Genau der Preis der Rüben im Verhältnis zur Jacke des Schneiders. Und genau deshalb war der Marktplatz der Mittelpunkt der mittelalterlichen Stadt ! Das Mittelalter hat den Sinn und die Bedeutung des Marktes besser verstanden, als einige Vertreter der Gegenwart !

Ohne den Markt also keine funktionierende Arbeitsteilung. Und ohne Arbeitsteilung keine Zivilisation. Der Markt ist zwingend notwendig. Man kann versuchen diesen Mechanismus durch zentral festgelegte Preise zu ersetzen: das hatten wir schon und nannte man dann Kommunismus bzw Sozialismus. Der Versuch musste zwangsläufig scheitern, denn Rüben sind in einem schlechten Jahr halt mehr wert als bei guter Ernte. Und wenn man diese Anpassung nicht zulässt, funktioniert die Arbeitsteilung am Ende nicht mehr, weil die Anreize fehlen.

Spekulation als zivilisatorische Triebfeder des Fortschritts

Und hier kommt auch die Spekulation als Triebfeder ins Spiel. Denn der Bauer der die Marktpreise für Rüben kennt, sinnt nach Möglichkeiten, mehr Geld dafür zu erzielen. Damit er nicht nur sich, sondern auch allen Kindern diese tolle Jacke vom Schneider kaufen kann. Da er den Marktpreis für Rüben nicht steigern kann, muss er sich also um mehr Ernte - um mehr Umsatz - kümmern. Und hat da so eine Idee, von einem "Eisendings", das man von seinem Esel ziehen lässt, um damit schneller den Acker umzupflügen.

Nun investiert der Bauer also. Er geht ins Risiko. Er gibt Geld aus und investiert Zeit, die er eigentlich nicht hat und die ihm bei der Ernte fehlt. Er riskiert für diese Idee sogar, dass seine Familie im Winter nicht genug zu Essen hat, weil er die Ackerarbeit vernachlässigt. Er schert also sozusagen aus dem Gleichmass der Masse aus. Er geht ins Risiko und "spekuliert". Und er hat Erfolg. Und erfindet den "Pflug". Und macht in Folge die höchsten Rübenumsätze des Marktes.

Und andere machen es ihm nach. Und so entsteht ein Überangebot an Rüben, das die Preise fallen lässt und allen Bürgern im Ort mehr Geld für andere Dinge lässt. Und den Hunger im Nachbarort verringert, wo der Boden nicht so für Rüben geeignet ist. Die Spekulation des Bauers hat die Welt verändert. Getrieben war sie vom simplen Wunsch "mehr Geld" zu haben. Und möglich war dieses Streben nur, weil da ein Markt war, der den höheren Output an Rüben dann auch aufnehmen konnte.

Das ist der Sinn der Spekulation und dieses Streben nach "mehr", diese Wette auf eine Zukunft, führt am Ende zum Fortschritt, auch wenn es ebenso gerne mal in Sackgassen führt. In diesem Sinne hat Gordon Gekko Recht: "Greed is good" - Gier ist gut. Die Gier des Bauern auf mehr Gewinn und mehr Umsatz auf jeden Fall.

Der Unterschied zwischen wichtiger Spekulation und Exzessen

Am Beispiel des Bauern kann man auch wunderschön klar machen, wie verzerrt unsere gesellschaftliche Diskussion zum Thema schon geworden ist. Nehmen wir das leidige Thema der "Spekulation" mit Agrarerzeugnissen. Machen Sie mal eine Umfrage auf der Strasse und sie bekommen eine 99,999% Mehrheit für die Aussage: "das tut man nicht !"

Und nun vergleichen Sie diese instinktive Reaktion mal mit der obigen Geschichte des Bauers, der ohne diese Spekulation nie den Pflug erfunden hätte. Und es passiert schon seit Tausenden von Jahren, das Reis und Getreide und Mais auf Märkten gehandelt werden und so der Preis entsteht. Und damit spekuliert wird. Es war nie ein Problem, im Gegenteil, es ist volkswirtschaftlich absolut unverzichtbar, das die Preise in Jahren schlechter Ernten höher sind als in guten Jahren ! Und auf dem besagten Markt des Mittelalters im Mittelpunkt der Ansiedlung, war der Handel mit Agrargütern die Hauptbeschäftigung.

Das Problem ist ein ganz anderes. Wir haben zugelassen, dass man Getreide handeln kann, ohne es physisch hinterlegt zu haben ! Das ist das gleiche Problem wie das, was wir derzeit am Goldmarkt erleben, wo Grossbanken die hundertfache Menge des realen physischen Gold an der Comex handeln, ohne das die gehandelten Mengen eine physische Entsprechung haben ! Es ist das gleiche Problem wie ein ungedeckter Leerverkauf (nicht ein Leerverkauf per se) wo Aktien verkauft werden, auf die die Verkäufer gar keinen Zugriff haben !

Das alles sind kranke Auswüchse, die schon lange zu unterbinden wären. Auswüchse die nur der Grossfinanz helfen und keinen volkswirtschaftlichen Sinn haben. Und das hat auch alles gar nichts mit einem freien Markt zu tun, im Gegenteil - die Einflüsse dieser gigantischen Geldströme machen den Markt unfrei und lassen ihn zum Spielball weniger Grossbanken werden. Statt das zu differenzieren und den Kern des Übels zu erkennen, wird das aber alles mit der gesellschaftlich wichtigen Spekulation pauschal in einen Topf geworfen und so das Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet.

Die Spekulation auf steigende oder fallende Preise ist gesellschaftlich extrem wichtig, sie ist die Triebfeder des Fortschritts. Auch bei Nahrungsmitteln. Wer aber Spekulation ohne reale Hinterlegung zulässt, muss sich nicht wundern, wenn das System aus dem Ruder läuft. Da liegt das Problem !

Lassen Sie es mich etwas plakativ formulieren: Spekulation ist gut ! Spekulation mit heisser Luft gehört aber unterbunden !

Warum fällt es unserer Gesellschaft, unserer Politik und unseren Regulatoren eigentlich so schwer, diesen Unterschied zu begreifen ?

Spekulation und Innovation - zwei Seiten der selben Medaille

Ich hoffe, ich habe mit dem Beispiel des Bauern klar gemacht, dass Spekulation und Innovation nur zwei Seiten der selben Medaille sind. Im aktuellen gesellschaftlichen Glaubensbekenntnis ist aber Innovation gut und Spekulation schlecht. Mit Verlaub, das ist kompletter Unfug, das eine geht gar nicht ohne das andere !

Das Problem ist hier, dass man am Begriff Spekulation oder "Spekulant" nur die negativen Auswüchse festmacht. Also den "Master of the Universe" bei Goldman Sachs und nicht den Investor Elon Musk, der ebenso sein Geld über die Börse in Bewegung setzt. Aber beides sind nur unterschiedliche Ausprägungen derselben Sache. Es ist der Versuch, sich in der Zukunft im Wertaufbewahrungsmittel "Geld" einen Vorteil zu verschaffen, in dem man in der Gegenwart Risiken eingeht.

Und niemand weiss bei einer Innovation vorher, ob sie die Welt positiv verändert oder sinnlos ist. Ebenso wenig lässt sich das für die Spekulation sagen. Wenn man die Spekulation nicht mehr zulässt, verhindert man auch all die positiven Veränderungen, die sie bewirkt. Eine Welt ohne Spekulation ist eine ohne Innovation, eine Welt in Bernstein.

Ich will darin nicht leben. Es wäre die Hölle. Lassen Sie uns also nicht die Spekulation wie die "Hexen" des Mittelalters verteufeln. Lassen Sie uns statt dessen deren offensichtliche Exzesse begrenzen und ansonsten die Spekulation ihre Arbeit machen. Damit die Mittel und Energien der Welt auf Fortschritt und Innovation gerichtet werden. Und sich so am Ende "das Bessere" durchsetzt. Was immer das ist. Wie in der Natur. Auch die Säugetiere haben sich mal gegen die Dinosaurier durchgesetzt.

Lassen wir uns also von der Zukunft überraschen, statt sie zu fürchten !

Ihr Hari

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