Der „Gründler“ und der „Measured Move“

Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing < - bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2017 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives < -, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

Und dafür ist Mustererkennung und sind Mechanismen hilfreich, die auch der Bauer anwendet. Bauernregeln eben, die zu 80% eintreffen und auf die man sofort und elegant handeln kann.

Eine dieser "Bauernregeln" ist der "Measured Move". Zu deutsch vielleicht "berechenbare Folgebewegung".

Der Measured Move ist wie jede Bauernregel ein höchst unpräzises Konstrukt, er macht ausschliesslich Aussagen im Sinne "Pi mal Daumen" und ist trotzdem oder gerade deswegen hilfreich.

Lassen Sie mich das Prinzip anhand der steinzeitlichen Jagd erklären, auch ein Fall, in dem der Gründler scheitern würde.

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Der Zeithorizont – Kern jeder Marktaussage

Der folgende, kurze Artikel ist von so grundsätzlichem Charakter, dass er immmer wieder die nötige Aufmerksamkeit bekommen sollte.

Denn es gibt etwas, das sich die wenigsten der normalen Anleger klar machen, wenn sie über den Markt reden oder darüber lesen:

Ohne eine konkrete Definition des Zeithorizontes, sind alle Kommentare zum Markt völlig wertlos!

Warum ? Ganz einfach. Weil ein Markt sich gleichzeitig! auf der langfristigen Ebene (Monate, Jahre) in einem Abwärtstrend befinden kann. Sich auf der mittelfristigen Ebene (Wochen, Monate) in einem gegenläufigen Aufwärtstrend befinden kann. Und sich auf der kurzfristigen Ebene (Stunden, Tage) vielleicht gerade als perfekter Short darstellt. Alles gleichzeitig!

Das ist auch kein Sonderfall, sondern völlig normal, dass der Markt auf unterschiedlichen Zeitebenen sich in unterschiedlichen Situationen befindet. Was also sagt Ihnen das, wenn Ihnen jemand erzählt, er hätte gerade die XYZ Aktie gekauft oder verkauft ? Nichts ! Absolut Nichts!

Denn vielleicht war es ein Intraday Trade und vielleicht eine langfristige Investition. Ohne das zu wissen, ohne also zu wissen, was das Ziel der Transaktion ist, sind Aussagen zum eigenen Handeln ohne jeden Wert und ohne Aussagekraft!

Es ist auch einer der klassischen Standardfehler, den Otto Normalanleger jeden Tag tausendfach wieder macht, diese Zeithorizonte wild zu vermischen und sich beim Handeln gar nicht bewusst zu machen.

Da hat sich der Anleger eine Aktie als Investments ins Depot gelegt, die er wegen der langfristigen Aussichten nun dauerhaft und über viele Jahre halten will. Wenige Wochen danach bei der ersten Korrektur aber, wird ihm so mulmig, dass er die Aktie wieder verkauft.

Langfristige Absichten, aber von kurzfristigen Sorgen zum Handeln getrieben - so kann das nicht funktionieren.

Oder anders herum. Der Anleger wollte kurzfristig auf einen Anstieg wetten, nur fällt die Aktie. Statt dieses zu verkaufen und den Schmerz des Verlustes zu ertragen, hält er sie aber im Depot und beschliesst die Delle auszusitzen, frei nach dem Motto "die steigt schon wieder" - nur leider tut sie es natürlich nicht.

Kurzfristige Pläne, die in ein langfristiges Investment umgewidmet werden, weil man nicht den Mumm hat den Verlust zu realisieren - so kann das nicht funktionieren.

Und so könnte ich endlos weitere Beispiele finden. Nehmen wir aktuell den DAX:

Langfristig wunderbarer Aufwärtstrend, trotz Momentumverlust immer noch intakt:

Kurzfristig etwas dubioser Trendkanal mit Risiko eines Bruchs nach unten:

Ist das jetzt ein Widerspruch? Nein überhaupt nicht, beides ist wahr. Wir sind in einem Bullenmarkt, dem noch was zuzutrauen ist, aber kurzfristig besteht erhöhte Korrekturgefahr.

Es ist deshalb immer wichtig zu wissen, auf welchen Zeithorizont sich Aussagen zum Markt beziehen. Ohne diesen, sind Aussagen wertlos.

Und es ist eminent wichtig, bei den Handlungen konsistent im geplanten Zeithorizont zu agieren. Aus langfristigen Erwägungen zu kaufen und aus kurzfristigen Erwägungen zu verkaufen und umgedreht, wird nur zu einem führen: Verlust und Frust.

Sich über den Zeithorizont im Klaren zu sein, in dem man agieren will, ist einfach zentral. Und auch Argumenten zu folgen hat nur dann Sinn, wenn sie im gewählten Zeithorizont Relevanz haben. Welche Relevanz haben beispielsweise langfristige Sorgen um aufkommende Konkurrenz und die Margen eines Unternehmens, wenn Sie einen kurzfristigen Trade über maximal wenige Tage machen wollen? Eben - genau keine!

Der Zeithorizont ist eben ein zentrales Wort, das wir uns hinter die Ohren schreiben sollten!

Ihr Hari

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Ohne Strategie, Methodik und Disziplin ist alles nichts

Die wichtigsten Dinge kann man manchmal in wenigen Absätzen beschreiben und das will ich auch heute wieder tun.

Gerade Sie, ja Sie, der Sie im freien Bereich mitlesen, werden mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit keine klare Strategie und Methodik im Umgang mit dem Markt haben. Das weiss ich deshalb, weil die Ergüsse der Medien zur Marktsituation sich ja gezielt an normale Anleger wenden, die Orientierung suchen. Genau diese Orientierung wird aber nicht geboten, denn die Autoren wissen es doch genau so wenig.

Sie kennen das doch auch, da lesen Sie die eine Quelle und es wird Ihnen der Crash geweissagt, dann lesen Sie die andere Quelle und es wird Ihnen der Mund mit schnellen Gewinnen wässrig gemacht und dann lesen Sie eine dritte Quelle und es wird der Konjunktiv gepflegt, es könnte und sollte und möglicherweise und vielleicht.

Und hilft Ihnen das?

Wollen Sie vielleicht nach diesen Zeilen schnell weiter klicken und noch weitere 10 Ergüsse und Prognosen zum Markt lesen? Glauben Sie wirklich, dass Ihnen das hilft?

Ich sage Ihnen etwas: Kein echter Profi liest diesen Kram gezielt, den die grossen Medien da tagtäglich verzapfen. Das fällt unter Belustigung oder genauer gesagt "weisses Rauschen". Manchmal begegnet einem ein besonders prägnanter Artikel oder wird einem via soziale Netze empfohlen, dann schaut man mal interessiert rein und manchmal ist ja auch etwas Interessantes dabei, oft schmunzelt man aber danach. Aber niemand der am Markt Erfolg hat, bezieht seine Marktsicht primär aus diesen Weissagungen. Niemand!

Es gibt auch keinen Grund dafür, denn wer am Markt erfolgreich ist, hat eine präzise beschreibbare Strategie und Methodik. Denn es gilt:

Ohne Strategie, Methodik und Disziplin ist alles nichts!

Das ist so ohne Abstriche, machen Sie sich nichts vor. Diese Methodik beginnt gerade schon bei der Selektion der Medien und Informationsquellen die man konsumiert, denn diese Informationen sollten die Strategie unterstützen und sie bereichern. Unser Tag hat nur 24 Stunden, von denen wir ein Drittel verschlafen. Es ist daher eminent wichtig die "richtigen" Dinge zu lesen, die einen weiterbringen und nicht wie eine Biene ziellos von Blüte zu Blüte zu summen.

Aber Strategie und Methodik definieren natürlich vor allem, was man wann und wie kauft bzw verkauft. Wie man also am Markt erfolgreich sein will. Wer mir nun seine Strategie nicht in 5 Minuten präzise beschreiben kann, hat schlicht keine und das ist fatal. Denn erneut: Ohne Strategie, Methodik und Disziplin ist alles nichts!

Lassen Sie sich aber nicht verschrecken, sinnvolle Strategien müssen keine Raketenwissenschaft sein und für jeden gibt es eine, die gut zu den eigenen Rahmenbedingungen passt, man muss sich nur daran halten und das ist schwieriger als es scheint. Disziplin ist daher ein integraler Bestandteil jedes wiederholbaren Markterfolges.

Ich habe es schon oft kommuniziert und in vielen Artikeln im freien Bereich thematisiert, es sei aber hier noch einmal klar gesagt:

Wenn Sie keine klare Strategie haben, wenn Sie keine Methodik haben und wenn Sie nicht die Disziplin haben, dieser zu folgen, werden Sie keinen dauerhaften Erfolg am Markt haben. Punkt!

Da heisst nicht umgedreht, dass jedwede Strategie immer zu Erfolg führt, aber ohne hat man gleich gar keine Chance.

Und was bieten wir Ihnen hier bei Mr-Market? Keine fertigen Strategien zum gedankenlosen Nachbilden, denn das ist Unfug. Eine Anlagestrategie ist immer individuell und hat mit Ihren Rahmenbedingungen, Absichten, Fähigkeiten und Begrenzungen zu tun. Mit Ihnen also und nicht mit mir.

Aber wir bieten Ihnen jede Menge Ideen und Beispiele, wie man an den Markt heran gehen kann. Und tägliche Anleitung zum Marktgeschehen. Und tägliche Anlageideen und eingeordnete Zusammenhänge. Und eine Community kluger Menschen, die vor dem gleichen Problem stehen wie Sie.

Sie finden hier also einen vertrauenswürdigen Rahmen, ein Environment, das Ihren Erfolg fördert und diesen möglich machen kann. Ihren eigenen Weg finden, müssen Sie aber immer noch selber. Schnelle Abkürzungen gibt es dabei nicht und werden nur von denen propagiert, die Ihnen etwas verkaufen wollen.

Ihr Hari

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Alte Weisheit – doppelt wichtig

Sie wissen immer noch nicht, was Sie von der Markttechnik zu halten haben?

Alte Volkswirtschaftsprofessoren mit begrenztem Horizont erzählen Ihnen, dass diese ja nur "Hokuspokus" wäre?

Sich selbst überschätzende Jünglinge wollen Ihnen, inklusive vieler bunter Linien, damit die sichere Zukunft weissagen?

Nun gut, ich kann verstehen, dass man da verwirrt ist. Warum trauen Sie dann statt dessen nicht lieber dem, was Sie selber sehen können, wenn Sie mal genau hinschauen?

Gehen wir doch ein Jahr zurück und lesen Sie bitte noch einmal, was ich Ihnen damals in diesem Artikel geschrieben habe:

-> DIe Märkte vor dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-

Bitte lesen Sie es unbedingt noch einmal, ohne das ist der folgende Kontext nicht zu verstehen. Damals hat die Markttechnik klar das Sprungpotential des Marktes aufgezeigt, der Tiger drückte schon den Rücken durch. Die Richtung des Sprungs war aber offen, auch wenn sie sich mit Tendenz nach oben andeutete.

Und das ist nun daraus geworden:

Da haben Sie, was Markttechnik wirklich leistet und was nicht. Sie kann *nicht* die präzise Zukunft vorher sehen und bestenfalls Wahrscheinlichkeiten an verschiedene Szenarien heften. Und sie ist trotzdem - oder gerade deswegen - voller wichtiger Signale.

Weder der Professor mit Scheuklappen, noch der sich überschätzende Jüngling, haben also die Substanz verstanden, weil beide glauben, dass Markttechnik die präzise Zukunft weissagen will. Markttechnik ist aber genau dann ein mächtiges Instrument, wenn man sie einzusetzen versteht.

Wer mit einem Hammer eine Schraube rein drehen will, wird schliesslich auch scheitern, was nicht das Problem des Hammers ist. 😉

Ihr Hari

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ONE oder TWO? Was kann man denn jetzt noch kaufen?

Ich verrate Ihnen etwas. Ganz "kostenlos". Es ist ein richtiges "Geheimnis". Wenn Sie das in Zukunft mehr befolgen, werden Ihre Anlageergebnisse deutlich besser werden.

Und ich sage Ihnen noch etwas. Sie werden es wahrscheinlich trotzdem nicht befolgen, weil sich in Ihnen etwas dagegen sträubt. Und wenn Sie doch zu den ganz Wenigen gehören, die dieses Sträuben in sich erkennen, reflektieren und sich davon lösen können, *dann* werden Ihre Anlageergebnisse wirklich besser. Aber nur dann. 🙂

Ich stelle Ihnen nun zwei Aktien zur Auswahl. Beide haben in der 2008er Krise deutlich korrigiert.

Die eine Aktie - nennen wir sie ONE - hat in der Krise massivst korrigiert, sie wurde geradezu geschlachtet. Diese Aktie hat wenig Erwartungen in sich, der Markt traut ihr nicht so viel zu.

Und wir haben eine andere Aktie - nennen wir sie TWO - die hat in der Krise weniger korrigiert. Denn der Markt vibriert voller Erwartungen und traut der Aktie viel zu. Ihnen begegnet das Unternehmen TWO auch zunehmend im täglichen Leben, aber es hat noch keine Dominanz und einige Fragezeichen. ONE dagegen ist allen bekannt, grundsolide und machte grosse Gewinne, die aber in der Krise ebenso massiv zusammengeschnurrt sind.

Welche Aktie kaufen Sie instinktiv, weil Sie sich dabei sicherer fühlen und weil die Aktie mehr Aufholpotential hat? Welche Aktien kaufen Sie instinktiv, weil sie "billiger" aussieht und sich für Sie besser anfühlt?

Natürlich ONE - keine Frage.

Fast Forward 5 Jahre. TWO nimmt eine sensationelle Entwicklung. Das Chart sieht seit der Krise sieht nun so aus:

TWO hat sich in 5 Jahren von 40 auf 400 *verzehnfacht*! ONE dagegen hat sich wie erwartet entwickelt, ist etwas wieder hoch gekommen, so 30% und hat einige schöne Dividenden generiert. Feine Sache, hängt aber dem Markt relativ hinterher.

Sollte man TWO jetzt kaufen?

Ihre Antwort in diesem Moment: Ich bitte Sie! Jeder vernünftige Anleger kann nur sagen, dass TWO viel zu weit gelaufen ist. Keine Aktie kann ewig steigen, die *müssen* nach Faktor 10 jetzt korrigieren. TWO ist nun zwar zur internationalen Grösse geworden, aber gerade deswegen kann man die Aktie nicht mehr kaufen, wo ist denn da jetzt noch das Potential?

TWO jetzt zu kaufen ist indiskutabel, die sind viel zu teuer. Das KGV ist irgendwo bei 100, da lacht man sich ja tot! Nein, Sie bleiben bei ONE mit seinem KGV von 9, weil Sie ein kluger Anleger sind. Richtig?

Fast Forward 4 Jahre. Das Jahr 2017. Das ist TWO nun und das Jahr 2013 mit einem Kurs von 400 und dem Chart von oben ist auch markiert.

1.000! Was zur Hölle ist da los?

Und Ihre ONE? Leider wurden durch politische Entscheidungen die vermeintlich sicheren Margen zerstört und die Aktie ist abgeschmiert, was selbst die Dividende nicht ausgleichen konnte. Vielleicht war ONE ja ein deutscher Versorger? Wer weiss. 😉

Aus 10.000€ mit ONE wurden also 9.000€ inklusive Dividenden.
Aus 10.000€ mit TWO wurden also 250.000€ ohne Dividenden.

Was lernen wir daraus?

Nun, zunächst einmal werden Sie einwenden, dass das ja nur plakative Einzelfälle sind und damit gar nichts bewiesen ist. Stimmt völlig! Sie haben Recht! Was ich oben gemacht habe, ist immens plakativ, um bei Ihnen überhaupt Aufmerksamkeit zu erzeugen und einen emotionalen Punkt zu machen, es kann ohne Frage auch genau anders herum ausgehen.

Eine TWO kann eben auch abschmieren und die Hoffnungen sich als Luftblase heraus stellen und eine ONE kann plötzlich zum Leben erweckt werden. Stimmt völlig. Sind alles Einzelfälle, hat alles nichts mit nichts zu tun. 😉

Die Kernfrage ist aber nicht der Einzelfall, sondern was die Statistik sagt. Wenn wir also 2 Aktien mit einem Profil wie ONE und TWO haben, wie oft wird die eine dann 5 Jahre später besser gelaufen sein, als die andere?

Meine klare Behauptung ist: Aktien vom Typ TWO werden statistisch deutlich besser gelaufen sein als Aktien vom Typ ONE. Punkt!

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DAX, Euro und Gold. Doch keine Verrückheiten?

Ich schaue ja immer mal wieder gerne zurück um einen Blick darauf zu werfen, was denn aus Aussagen geworden ist. Zum 4. Advent letzten Jahres, also vor weniger als einem halben Jahr, habe ich Ihnen in -> DAX 15.000 und andere Verrückheiten <- drei "verrückte" Szenarien mit Charts gezeigt.

Ganz so verrückt, war das natürlich nicht gemeint, denn sonst hätte ich diese Szenarien ja nicht bewusst gezeigt. Denn in Szenarien zu denken - nicht in Prognosen, mit denen man die Emotion des "Rechthabens" verbindet - macht jede Menge Sinn. Denn Szenarien erweitern unseren Blick und machen uns bereit für die Möglichkeiten, statt uns dogmatisch in unseren eigenen Weltbildern zu vergraben.

Damals schriebe ich:

Trotzdem müssen wir uns ja auf die Zukunft vorbereiten und da kommen Szenarien ins Spiel. Wir können und sollten durchdenken, was passiert wenn. Auch das wird dann oft anders kommen, weil ein unerkannter Faktor einwirkt und die Gleichung verändert, aber selbst dann hat das Szenario noch Wert, weil wir die Abweichung erkennen können und auch daraus einordnende Schlüsse ziehen können.

Verschiedene Szenarien für die Zukunft zu haben, macht also Sinn. Auch für Anleger an der Börse. Nur sich mit einem Szenario gedanklich verheiraten, es lieben lernen und sich darin verbeissen, das sollten wir besser nicht. Wenn die Realität anders kommt, schmeissen wir das Szenario in den Müll und wechseln auf ein anderes Modell des Geschehens, dass der Wirklichkeit näher kommt. So einfach ist das.

Da Szenarien Sinn machen, kann man auch mal für 2017 durchdenken, was in 2017 im Extremfall möglich wäre. Und zu Szenarien gehört die Bedingung. Die Bedingung ist hier, einfach als Massstab zu nehmen, was uns die ganz langfristigen Charts für Signale geben, wohin sie also auf dem heutigen Wissenstand eher hindeuten.

Und nun habe ich mir mal erlaubt, im "verrückten" Szenario des DAX von damals einzuzeichnen, wo wir nun sind:

Nicht so schlecht, oder? 😉 Nun ist das nicht so schnell passiert, wie in dem Extremszenario beschrieben, aber der halbe Weg ist nun zurück gelegt und jetzt können sich viel mehr vorstellen, dass auch die zweite Hälfte noch vor uns liegt.

Im alten Artikel schrieb ich übrigens noch etwas:

Und ganz ehrlich, das Szenario, das ich persönlich in Würdigung der Gesamtlage derzeit für am Wahrscheinlichsten halte ist, dass wir nach einer massiven Rally, die im ersten Halbjahr höher führt, als wir uns heute vorstellen können, dann in 2017 ein bedeutendes Top ausbilden und in die erste echte Korrektur seit Beginn des Bullenmarktes laufen.

Mit anderen Worten, ich präferiere derzeit eher, dass wir mitten im letzten, ganz grossen Hurrah des Bullenmarktes sind, der in 2009 begann.

Aber missverstehen Sie das nicht als Crash-Prognose. Dieses Hurrah wird uns noch viel höher führen, als wir heute ahnen und heute ist nicht der Tag, sich dagegen zu stellen. Vielleicht nicht gerade auf 15.000 im DAX, aber doch zu neuen Höchstständen. Und dann wars das irgendwann in 2017.

Heute sehe ich dieses Top in 2017 nicht mehr so deutlich und rechne eher auch mit einem guten Jahresabschluss. Eben weil die Bewegung nicht so steil und übertrieben geworden ist, wie sie da im Szenario war. Die Anstiegs-Bewegung ist gesünder und damit nachhaltiger und sie hat in Form von guten Unternehmenszahlen fundamentale Grundierung. 2018 ist dann ein anderes Spiel, wenn wir zum Jahresende im DAX vielleicht den "verrückten 15.000" noch deutlich näher gekommen sind. Aber das ist eine Frage, der wir uns heute noch nicht stellen müssen.

Schauen wir auf die anderen beiden Szenarien von damals, sehen wir dass das EURUSD Szenario immer noch im Rennen ist, wenn auch noch nicht nach unten getriggert. Und bei Gold ist es zu den 1.000 USD nicht gekommen, das nun generierte niedrigere Hoch erlaubt aber durchaus, dass das nun noch nachgeholt wird.

Alles in allem kein perfektes, aber kein schlechtes Bild für drei extreme Szenarien, die bewusst provozierend als "verrückt" bezeichnet wurden. Das ist auch nicht so verwunderlich, so verrückt waren sie nämlich gar nicht und sind sie auch aktuell nicht. Denn sie fussten ja auf klaren, langfristigen Marktstrukturen und wenn der Markt zu uns spricht, sollten wir besser zuhören.

Und darin liegt auch die Botschaft dieses Artikels. Halten wir uns nicht an das, was wir glauben wollen, sondern lieber an die grossen Marktstrukturen, die uns in Charts anschreien. Die sind auch keine Garantie, sie produzieren aber bessere Ergebnisse als zu raten, weil in ihnen die aktuelle Tendenz des Marktes spricht. Die kann sich zwar immer ändern, sie läuft aber öfter weiter als dass sie sich ändert und das ist genau der Kern eines Trends.

Und denken wir in Szenarien, denn diese öffnen uns gedanklich für die Möglichkeiten, die der Markt uns bietet. Auch wenn zum Beispiel im DAX der konkrete Verlauf ein anderer war, die reine Erkenntnis letzten Dezember, dass ein sehr bullischer Verlauf in 2017 realistische Chancen hat, hätte doch unser Anlageverhalten zum Besseren verändert. Wir wären nicht mehr so leicht in Angst zu treiben und zu beeinflussen gewesen. Und wir hätten mehr Mut gehabt, die gegebenen Chancen auch zu ergreifen.

Lassen wir mit klugen Szenarien also Luft in unser Oberstübchen herein. Diogmatische Glaubenslehren dazu, was der Markt vermeintlich "machen muss", haben am Markt nichts verloren. Der macht was er will und unsere Chance ist nicht, das zu verändern, sondern es rechtzeitig zu beobachten und erkennen!

Ihr Hari

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Der Crash kommt immer übermorgen

Da ist er wieder, der warnende Guru im Internet, der Ihnen drängend und natürlich ganz "kostenlos" nahelegt, nun Deckung zu suchen, weil der Crash ja kommt.

Dieser "Guru" ist Ihnen 2009 begegnet, dann 2010, dann 2011. Aber auch 2012, 2013, 2014 und nicht zuletzt 2015, 2016 und 2017. Und Sie ahnen es, er wird Ihnen auch 2018 begegnen, so lange, bis er irgendwann tatsächlich mal Recht hat. Denn wir wissen ja, dass auch ein Uhrzeiger zweimal am Tag "Recht" hat und ein Affe mit Dartpfeil ab und zu auch. 😉

Sie dürfen also gerne weiter all den Crash-Propheten und Zukunfts-Weissagern zuhören, die Ihnen "kostenlos" Ihre Dienste andienen und alles dafür tun, dass Sie sich dabei wohl fühlen. Die machen das natürlich nur, weil sie gute Menschen sind, die sie "kostenlos" von schlimmem Unheil abhalten wollen. Schon klar. 😉

Wenn Sie hier aber überhaupt mitlesen, wird Ihnen das mit den "Gurus" langsam komisch vorkommen. Sonst wären Sie gar nicht hier. Und deshalb will ich Ihnen zum Wochenende noch etwas Wichtiges mitgeben. Und da man die Wahrheit nicht immer neu erfinden muss, kopiere ich einfach einen Text hier herein, den ich Ihnen vor ca. 6 Wochen im kurzen aber prägnanten Artikel -> Meistgehasster Bullenmarkt <- geschrieben habe.

Bitte lesen Sie noch einmal, hier auf Mr-Market dürfen Sie gerne nachschauen, was vor Wochen, Monaten und Jahren geschrieben wurde. Ich stehe zu dem "Blödsinn", den ich jeden Tag "verzapfe". Auch ich irre mich in Sachen Markt manchmal und habe manchmal recht, letzteres aber öfter als der Uhrzeiger. 😉

20.03.2017

Sie glauben immer noch, dass man nur die Weltnachrichten verfolgen muss, sich dazu eine Meinung bilden und man dann antizipieren könnte, was die Börse machen wird?

Na gut, schauen wir uns mal die aktuelle Lage an:

  • Wir hatten ein eher desaströses Treffen Trump-Merkel, aus dem hervor ging, wie wenig die Beiden sich zu sagen haben.
  • Wir hatten ein G20 Treffen der Finanzminister, bei dem man sich noch nicht einmal darauf einigen konnte, sich gegen "Protektionismus" auszusprechen.
  • Wir haben massive, positive Erwartungen an Infrastruktur- und Steuer-Gesetze Trumps im Markt, die mit Sicherheit nicht alle gleichzeitig so wie erhofft Realität werden können.
  • Wir haben einen Markt nahe der Höchststände der massivst überkauft ist und nach einer überfälligen Korrektur schreit.
  • Wir haben diverse Marktinternas wie die Marktbreite, die klare Warnsignale senden.
  • Wir haben diverse Potentaten, die wahlweise mit Religions- oder Atomkriegen drohen.
  • Wir haben ........ Sie dürfen hier selber anfügen, Ihnen wird sicher allerlei einfallen.

All das ist die Realität um uns, auf der basierend sich am Markt Preise für Risikoassets wie Firmen entwickeln.

Mit Sicherheit dürfte im Angesicht dieser riskanten Kombination von hohen Kursen und hohen Risiken, auch meine Oma seelig eine Korrektur erwarten, die nun wahrlich keinerlei Zugang zur Börse hatte.

Diese kritische Lagebeurteilung ist also totaler Konsens und wer aktuell eine Korrektur erwartet, ist kein "Contrarian" sondern Teil einer riesigen, blökenden Herde.

Deshalb haben wir auch so eine vergleichsweise kritische und uneuphorische Stimmung im Markt, trotz Kursen nahe der Höchststände.

Und genau da liegt das Problem. Denn der Markt ist selbstreferentiell und was alle erwarten, ist schon in den Kursen und kann schwerlich zu einer Überraschung führen.

Genau das nennt man eine "Wall of Worry" und die klettern wir gerade. Wir haben wohl einen der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte vor uns.

Kluge Anleger respektieren das. Sie sind zwar vorsichtig und sichern sich nach unten ab, denn die Risiken sind immens. Sie stellen sich aber auch nicht gegen den Markt und diskutieren nicht mit ihm.

Ist das einfach? Nein bestimmt nicht. Aber es ist die Grundvoraussetzung, um am Markt erfolgreich zu sein. Denn wenn sich Geldanlagen zu wohlig anfühlen, kann an ihnen etwas nicht mehr stimmen. Das muss so sein, weil der Markt eben -> reflexiv <- ist.

Ob uns das gefällt ist ohne jede Relevanz. Es ist so und wir arrangieren uns besser damit, oder tragen die Konsequenzen im Depot.

Ihr Hari

Das war am 20.03.17, der DAX hatte da ein Hoch von 12.082. Heute steht er fast 600 Punkte höher. Und die "Korrektur" hatten wir sogar mitten drin, es war aber eher ein "Korrekturlein", so wie das zu erwarten ist, wenn ein Markt so stark ist.

Und wissen Sie was? Natürlich hätte es auch eine echte Korrektur geben können und auch am kommenden Montag kann die theoretisch einsetzen. Sie wissen ja, der Uhrzeiger. 😉

Dass wir nun 600 Punkte höher stehen und sich die Zeilen oben völlig bewahrheitet haben, war nie sicher. Wenn der kleine Kim seine atomaren Spielzeuge gezündet hätte, wären wir zum Beispiel nun tiefer, davon ist auszugehen.

Am Markt geht es eben immer nur um Wahrscheinlichkeiten und die sprechen in der Markttechnik zu uns. Sicherheiten gibt es nie, ausdrücklich *nie*. Diese Wahrscheinlichkeiten sind das Beste was wir haben und sie funktionieren recht gut. Warum also wollen wir darauf verzichten und weiter jedem Weltuntergangspropheten auf seinen Erregungs-Leim gehen?

Das frage ich Sie und wenn Sie sich das nun auch fragen, dann stellen Sie sich bitte noch eine wichtige Frage:

Dieser "Crash-Guru", dieser "Untergangsprophet", der Sie medial "ganz kostenlos" jedes Jahr mit seinen Warnungen penetriert, warum tut der das wohl? Weil er Sie altruistisch nur schützen will? Genau Sie?

Denken Sie mal darüber nach.

Ihr Hari

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24% Performance in 2016 und andere nette Geschichten

Wenn Sie sowieso regelmässig im freien Bereich mitlesen, gilt der folgende Satz für Sie nicht. Wenn Sie hier aber nun zum ersten Mal sind und gerade wegen der Überschrift diesen Artikel lesen wollen, dann habe ich Sie nun "erwischt". 😉

Denn der Sinn dieses Artikels ist Ihnen klar zu machen, wie wertlos öffentliche Performance-Aussagen sind und dass seriöse Kommentatoren sich davon fern halten und diese nicht brauchen. Ob ich persönlich im Jahr 2016 "über alles" wirklich 24% Performance hatte, überlasse ich Ihrer Phantasie - vielleicht, vielleicht auch nicht, es ist auch völlig egal. 😉

Warum aber sind öffentliche Performance-Aussagen unsinnig?

Der Fondsmanager

Nun es gibt einen transparenten Fall, in dem diese öffentlichen Aussagen real und ernst zu nehmen sind. Und das ist, wenn der Autor einen öffentlichen, regulierten Fonds betreibt - also Fondsmanager ist. Dann sind Performance-Aussagen nicht nur legitim, sondern auch zutreffend und daher relevant. Wie es um die Performance der Fondsmanager steht, wissen wir. Nur eine Minderheit ist in der Lage, den Markt immer wieder - und nicht nur als Einjahresfliege - hinter sich zu lassen.

Dass das so ist, hat gute Gründe, die aber hier nicht Thema sein sollen. Fakt ist aber, die Minderheit die das schafft, beweist damit grosse eigene Qualität und hat unseren Respekt verdient. Denn das zu schaffen ist mit realem Geld Dritter und unter dem Korsett der ganzen regulativen Grenzen *weit schwieriger*, als Otto Normalanleger glaubt, dem medial an jeder Strassenecke, wie auf der Hamburger Herbertstraße, verlockende Aussagen zur Performance zugerufen werden. Was von denen zu halten ist, soll hier nun Thema sein.

Die Behauptung

Gerade wenn Seiten im Aufbau sind und sich jemand medial Reputation erwerben will, finden wir diese Performance-Behauptungen. Aber auch bei bestehenden Diensten, die um neue Leser oder Mitglieder heischen, gehört die Behauptung zur gandiosen Performance zum festen Ritual.

Dass eine einfache Behauptung, weil von aussen nicht überprüfbar, einen Wert von Null hat, sollte jedem eingängig sein. Nehmen Sie meine Behauptung in der Überschrift um den Punkt zu machen. Ob es am Ende wirklich 24, oder nicht 14 oder 34 oder ganz etwas Anderes waren, ist völlig offen und für niemanden zu überprüfen. Und deshalb ist die Behauptung schlicht: Bullshit!

Anders herum wird ein Schuh daraus. Wenn jemand trotz dieser offensichtlichen Unüberprüfbarkeit, trotzdem an prominenter Stelle solche medialen Aussagen macht, muss man sich die "Cui Bono" Frage stellen. Was will der also von uns?

Die formal korrekte Behauptung

Nun gibt es ja aber auch mediale Angebote, in denen die dargestellten Zahlen tatsächlich real sind. Die genannte Performance wurde also erzielt. Und was sagt uns das? Leider auch herzlich wenig, es ist auch Blödsinn, damit medial zu werben.

Denn ganz entscheidend bei einer Performance-Betrachtung sind die Umstände. Es ist ein Unterschied von Tag und Nacht, ob jemand in seinem Depot zum Beispiel eine zweistellige Millionensumme langfristig bewegt, es also richtig um etwas geht wie bei einem Fondsmanager, oder ob jemand mit ein oder zwei Aktien und etwas Spielgeld nur "herum" spielt. Im ersten Fall ist es eminent schwer, langfristig immer wieder den Markt zu schlagen und Ausweis grosser Kompetenz, dieses Dickschiff erfolgreich durch die Gezeiten zu steuern. Im letzteren Fall schafft das jeder "Affe" mal in einem Jahr, um dann im Folgejahr alles zu verspielen.

Es gibt zum Beispiel ganz konkret Fälle, in denen die 2008er Performance medial ins Schaufenster gestellt wird, die vielleicht auch korrekt ist, dabei aber verschwiegen wird, dass man mangels Kapital gar nicht im Markt war und nur mit einer oder zwei Aktien glücklich herum gespielt hat, die zufällig halt konträr zum Markt liefen. xy% Performance in 2008 heisst es dann in so Fällen, ist formal sogar wahr, aber trotzdem eher irrelevant und irreführend.

Auch die formal korrekte Behauptung, kann also Unfug sein und sollte von uns gefliessentlich ignoriert werden. Auch hier stellt sich die "was soll das?" Frage mit aller Macht, wenn jemand mit so Behauptungen operiert. Und da man von aussen nie wissen kann, was frei erfunden und was zumindest formal korrekt ist, kann man alle diese Aussagen pauschal als irrelevant ignorieren und bestenfalls als Kontraindikator nutzen.

Das Musterdepot

Wer intelligenter ist, weiss um die berechtige Skepsis der Leser bei Behauptungen und versucht daher seine Behauptung mit einer belastbaren Grundlage zu untermalen. Leider ist auch das in vielen Fällen keine belastbare Aussage. Der Grund ist, dass die Manipulationsmöglichkeiten zu hoch sind und natürlich auch genutzt werden. Auch hier hilft also die "Cui Bono" Frage und was der, der mit so Musterdepot-Performance wirbt, uns eigentlich verkaufen will.

Das Problem bei Musterdepots ist nämlich der Zeitverzug zwischen dem Handel im realen Depot und der Kommunikation darüber. Nun könnte man ja laienhaft glauben, das sei ja nicht so schlimm, das ist aber ein Irrtum. Gerade eine Stunde an den richtigen Momenten des Jahres, macht über das Jahr den Unterschied von 20% und mehr Performance aus.

Immer dann, wenn singuläre Events anstehen, wie zB Quartalszahlen oder eine Wahl oder oder, wird es besonders lustig. Nehmen wir die Quartalszahlen und nehmen wir an, man würde ein Musterdepot führen und hätte Facebook im Auge, die diesen Mittwoch Zahlen liefern. Und nehmen wir an, Facebook würde überraschend und dann nachbörslich um 5% steigen.

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