Mal Hinschauen!



Ostern liegt hinter uns. Wer nicht in fernen Ländern war, wurde über die Feiertage mit Kälte und Regen "beschenkt" und diese Woche wird es Nachts hier bei uns in Sichtweite der Alpen wieder Bodenfrost geben.

Da können wir wohl fest davon ausgehen, dass es nicht das Wetter in Mitteleuropa ist, das so viele junge, körperlich starke, dunkelhäutige Männer sich von Libyen aus ins Mittelmeer stürzen lässt, in der berechtigten Hoffnung in internationalen Gewässern dann aufgelesen und ins gelobte Land verfrachtet zu werden.

Während wir hier über Ostern eingemummelt sassen und viel gelesen haben, drückte sich die Welt durch alle medialen und realen Ritzen in unsere Hirne. Ohne jetzt hier auf die einzelnen Verrücktheiten eingehen zu wollen, muss ich gestehen, dass die Irrationalität und Ideologisierung, die aus so vielen medialen Zeilen und Politikeraussagen spricht und die Köpfe der Menschen füllt, mich schlicht "verrückt" macht.

Zu ganz vielen dieser Themen, von Anatolien über Istanbul nach Tripolis, weiter nach Marxloh und dann nach Brüssel und erneut weiter nach Paris und London sozusagen, gibt es ganz klare und offensichtliche Wahrheiten, die für jeden mit sehenden Augen und halbwegs klarem Verstand offen liegen. Man braucht kein Raketenwissenschaftler zu sein um diese zu erkennen und anerkannte Fachleute - wirkliche Fachleute, keine Fensterredner - wiederholen diese Wahrheiten auch immer wieder und immer wieder. Und trotzdem hat das keine Wirkung, obwohl die Dinge so offensichtlich sind und die Lösung so klar. Wie in einem Paralleluniversum, bewegt sich der politisch Diskurs in einer Scheinwelt, die kaum mehr zu ertragen ist und Änderung ist in keinster Weise in Sicht, aus absolut keiner Richtung.

Dabei müsste man nur mal unvoreingenommen *Hinschauen*. Hinschauen!

Aber schon das ist wohl zu viel verlangt. Es ist schon bemerkenswert, dass die Diskussion um "Fake-News" - die es unter dem Namen "Desinformation" schon seit der Steinzeit gegeben hat - gerade jetzt aus der Politik heraus geschürt wird, wo sich die Politik scheinbar in einer Berliner Filterblase befindet, die man eher als "Fake-Universum" beschreiben könnte. Ob da wohl ein Zusammenhang existiert? 😉

Damals beim Wechsel von Bonn nach Berlin, haben kluge Köpfe genau vor dieser Abschottung gewarnt, die im kleinen, beschaulichen Bonn nicht möglich war, das dem Land als Bundeshauptstadt gut zu Gesicht gestanden hat. Nun haben wir den Salat, aber auch das waren eben kluge Fachleute, die nicht gehört wurden - wieder mal. Insofern kann man eine direkte Linie von Kohls Kanzleramtsbau zu Erdogans Sultanspalast ziehen. In beiden Fällen geht es um Abschottung, Machtprojektion und Abgehobenheit, auch wenn Erdogans peinlicher Schnörkelbunker sicher noch zwei Nummern schlimmer ist, als Kohls Kanzleramt. Einer gesunden Demokratie, in der die Interessen des Volkes wirklich von echten Abgeordneten vertreten werden, sind diese Abschottungen auf jeden Fall zutiefst abträglich.

Ich erinnere daran, dass im Weissen Haus nicht nur gelebt wird, sondern die Amerikaner grossen Wert darauf legen, dass ihr(e) Anführer(in) Familien mit Kindern haben. Denn Kinder machen demütig, motivieren uns, uns für ihre gute Zukunft zu engagieren und zwingen uns immer wieder, uns der Realität zu stellen, statt uns in eine Scheinwelt zurück zu ziehen. Nein, im Weissen Haus sitzt auch die Presse in eigenen Räumen und wenn man zum Oval Office über den Rasen läuft, kann man spielenden Kindern begegnen - wenn auch immer mit einem Herrn vom Secret Serivce mit kritischem Blick in der Nähe, aber das muss wohl sein, die Welt besteht eben nicht nur aus Engeln.

Es wird aber vieles dafür getan, das weisse Haus nicht nur zu einem abgehobenen Regierungsbunker, sondern zu einem Ort des Lebens zu machen, der in die reale Welt eingebettet ist. Es zeichnet gute demokratische Systeme eben aus, dass ihre Anführer mitten im Leben stehen und auch dass sie eigene Berufe und Fähigkeiten haben, die über das politische Dasein hinaus gehen. Denn wenn man selber noch im Leben steht, reicht es oft einfach mal *Hinzuschauen* und man braucht dann keine Einflüsterer und Demoskopen mehr, um eine Scheinwelt der Bürger zu zeichnen, man spürt selber in den Knochen, was wirklich los ist.

Aber "Hinschauen" wurde im von den Parteien deformierten politischen System Deutschlands scheinbar verlernt. Und ich kann es nicht ändern, auch wenn ich gerne würde. Und deshalb sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können, so zum Beispiel was wir im Depot haben und was nicht.

Und dabei gibt es ja auch das Problem des *Hinschauens*, denn unverändert wird herum spekuliert, wie es nun mit den Börsen weiter geht. Damit lassen sich ja auch so schöne Klicks generieren und die grossen Schwadronierer mit den lautstarken Prognosen sind medial immer erfolgreicher, als der differenziert argumentierende und sich seiner eigenen Begrenzungen bewusste, echte Börsen-Fachmann.

Wir sollten unsere Zeit aber nicht damit verbringen, was andere glauben, wie der Markt sich weiter entwickeln wird. Denn den Markt interessiert das herzlich wenig und im Zeitalter der Algos, werden die Erwartungen der menschlichen Herde sogar ganz gezielt abgeschöpft.

Wir schauen einfach ganz rational auf das was ist. Wir pflegen eben das *Hinschauen*. Und das liefert uns ganz erstaunliche und klare Aussagen.

Denn wenn wir den Leitindex S&P500 betrachten, sind zwei Aussagen wahr:

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Optionen, der „Hexensabbat“ und die „Stillhalter“ erklärt



Heute möchte ich auch im freien Bereich mal wieder eine grundsätzliche Erklärung mit Ihnen teilen. Denn auch das gehört zum Kern von Mr-Market, die grundsätzlichen Erklärungen des Marktverhaltens und das in einer Sprache, die von praktischer Kenntnis und nicht nur von angelesenem, theoretischem Wissen zeugt.

Unter dem dramatischen Titel "Hexensabbat", wird ja gerne der gleichzeitige Verfall der Optionen auf Aktien, sowie der Optionen und Futures auf Indizes an den Terminbörsen zusammen gefasst - auch kurz "Options Expiration" oder hier noch kürzer "OpEx" genannt.

Und es ist manchmal medial beliebt, daraus ein grosses, "raunendes" Geheimnis zu machen - man kann sich dann als "Eingeweihter" und "Profi" gerieren, der die wirklich wichtigen Dinge an der Börse verstehen würde und sich so von der vermeintlichen "Masse" abheben.

Nur gut, dass immer mehr sich darum bemühen, die Prinzipien des Options-Handels für jedermann zu erklären und den Schleier des "Geheimnisvollen" zu zerschlagen. Dieser Artikel ist von mir ein kurzer Beitrag zum Thema im freien Bereich. Einen Blick wert sind aber gerade auch die umfangreichen Dienste von Jens Rabe, die Sie unter -> Optionsstrategien für die Praxis < - finden.

Mit dem medialen Geraune um die OpEx, ist dann gerne auch eine Überbewertung dieses Geschehens verbunden, so als ob Bewegungen schon Wochen vorher wesentlich auf die kommende OpEx zurück zu führen seien. Es ist ja medial wichtig immer "Gründe" für Marktbewegungen zu benennen, weil man damit Kompetenz vorschützen kann. Dass sich der weise Mann gerade dadurch auszeichnet, dass er weiss, was er nicht weiss, ist für medialen Erfolg eher hinderlich. 😉

Dummerweise ist schon seit längerer Zeit der "Hexensabbat" auch nicht mehr, was er mal war und mit dem dramatischen Titel ausgedrückt wurde. Ich kann mich in den letzten Jahren nicht mehr an viele Termine erinnern, zu denen "Triple-Witching" die berühmten "wilden Ritte" gezeigt hat und auch Ende März war es vor Kurzem wieder so, der "Hexensabbat" löste nur ein bei mir erwartetes, lauwarmes Gähnen aus.

Man kann natürlich nur spekulieren, warum sich das geändert hat und die OpEx "ruhiger" wurde und die Gründe dürften vielfältig sein. Aber zumindest eine qualifizierte Spekulation kann man begründet machen, dafür muss man aber verstehen, worum es bei der OpEx geht und vor allem was die sogenannten "Stillhalter" sind.

Das ist recht einfach. Wenn Sie als Anleger eine Put-Option auf den DAX kaufen wollen, heisst dass ja, dass Sie das Anrecht erwerben zu einem Zeitpunkt X den DAX zu einem Preis Y zu verkaufen. Das ist die "Option", das Recht genau das zu tun und dieses Recht hat einen Preis, den Preis der Option. So einfach ist das zunächst.

Wenn Sie nun ein bischen weiter denken, stellt sich sofort die Frage, von wem Sie diese Option denn kaufen, denn Sie brauchen ja eine Gegenpartei. Bei den bei kleineren Privatanlegern bekannteren "Optionsscheinen" - die sozusagen Derivate echter Optionen sind - ist das klar, das ist die Emissionsbank, die den Optionsschein begibt und die Preise stellt.

Und genau diese Gegenpartei ist der "Stillhalter". Es ist die Partei, die diese oben beispielhaft genannte Put-Option auf den DAX "schreibt". Der Unterschied in der Begrifflichkeit - schreiben vs emittieren - kommt daher, dass Optionen völlig standardisiert sind, während bei Optionsscheinen sich der Emittent die Parameter frei nach Gusto - und damit in der Regel zu seinem Vorteil - auswählt. "Schreiben" heisst also, dass man in einer fest definierten, standardisierten Option - zB eben DAX Put 12.000 - die Rolle des Stillhalters einnimmt, der die Option begibt. Diese Rolle ist zum Emittenten des Optionsscheins ähnlich, aber nicht identisch, weil die Menge der Freiheiten was man "begibt", bei echten Optionen eben wesentlich geringer ist.

Diese Partei, der Stillhalter, hat zwangsläufig das gegenläufige Interesse zu Ihnen als Käufer der Put Option auf den DAX. Während Sie in dem Beispiel als Käufer der Option den DAX abwärts wünschen, hat der Stillhalter - die Gegenpartei - im gleichen Volumen das Interesse, den DAX oben zu halten. Und da es bei Optionen um fixe Marken geht die den Unterschied machen, kommt es dabei sehr digital auf den Kampf an, ob der DAX am Ende oberhalb oder unterhalb der für die Option relevanten Marke schliesst.

Wir halten also fest, bei klassischen Optionen zählt die fixe Marke im Sinne Hopp oder Flop am Ende, es sind alle Ausstattungsmerkmale der Option standardisiert und darüber hinaus wird der Preis der Option nicht vom Emittenten (Stillhalter) gestellt, sondern ergibt sich im freien Spiel der Marktkräfte an dafür spezialisierten Handelsplätzen (Terminbörsen), zum Beispiel der Eurex.

Wenn wir uns das vor Augen halten, wird noch unklarer, was das Geraune über die geheimnisvollen, mächtigen "Stillhalter" soll, denn am Ende stehen sich doch zwangsläufig völlig identische Volumina gegenüber. Für eine bestimmte Marke im DAX wie zum Beispiel 12.000, muss doch das Volumen das auf einen Kurs über 12.000 hofft identisch zu dem sein, das auf einen Kurs unter 12.000 hofft. Und das ist auch so, das Volumen ist identisch.

Der Unterschied entsteht dadurch, dass in der Vergangenheit natürlich die Stillhalter vor allem Grossadressen wie Banken waren, die also Optionen in grossen Volumina begeben haben, denen aber viele kleine (unerfahrenere) Optionskäufer entgegen standen.

Und aus diesem Ungleichgewicht entstand Macht. Denn nun stellen Sie sich mal vor, der DAX steht knapp unter 12.000, es ist noch 30 Minuten Zeit bis zum Verfall der Option und der Stillhalter (eine Grossbank mit hohen Volumina in dieser Option) hat das Interesse dass der DAX knapp über 12.000 schliesst, damit die Option verfällt. Es ist klar was passiert, die Grossbank gibt dem DAX mit ihrer "Feuerkraft" einen "Stups" und freut sich über einen Abschluss über 12.000.

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Meistgehasster Bullenmarkt

Sie glauben immer noch, dass man nur die Weltnachrichten verfolgen muss, sich dazu eine Meinung bilden und man dann antizipieren könnte, was die Börse machen wird?

Na gut, schauen wir uns mal die aktuelle Lage an:

  • Wir hatten ein eher desaströses Treffen Trump-Merkel, aus dem hervor ging, wie wenig die Beiden sich zu sagen haben.
  • Wir hatten ein G20 Treffen der Finanzminister, bei dem man sich noch nicht einmal darauf einigen konnte, sich gegen "Protektionismus" auszusprechen.
  • Wir haben massive, positive Erwartungen an Infrastruktur- und Steuer-Gesetze Trumps im Markt, die mit Sicherheit nicht alle gleichzeitig so wie erhofft Realität werden können.
  • Wir haben einen Markt nahe der Höchststände der massivst überkauft ist und nach einer überfälligen Korrektur schreit.
  • Wir haben diverse Marktinternas wie die Marktbreite, die klare Warnsignale senden.
  • Wir haben diverse Potentaten, die wahlweise mit Religions- oder Atomkriegen drohen.
  • Wir haben ........ Sie dürfen hier selber anfügen, Ihnen wird sicher allerlei einfallen.

All das ist die Realität um uns, auf der basierend sich am Markt Preise für Risikoassets wie Firmen entwickeln.

Mit Sicherheit dürfte im Angesicht dieser riskanten Kombination von hohen Kursen und hohen Risiken, auch meine Oma seelig eine Korrektur erwarten, die nun wahrlich keinerlei Zugang zur Börse hatte.

Diese kritische Lagebeurteilung ist also totaler Konsens und wer aktuell eine Korrektur erwartet, ist kein "Contrarian" sondern Teil einer riesigen, blökenden Herde.

Deshalb haben wir auch so eine vergleichsweise kritische und uneuphorische Stimmung im Markt, trotz Kursen nahe der Höchststände.

Und genau da liegt das Problem. Denn der Markt ist selbstreferentiell und was alle erwarten, ist schon in den Kursen und kann schwerlich zu einer Überraschung führen.

Genau das nennt man eine "Wall of Worry" und die klettern wir gerade. Wir haben wohl einen der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte vor uns.

Kluge Anleger respektieren das. Sie sind zwar vorsichtig und sichern sich nach unten ab, denn die Risiken sind immens. Sie stellen sich aber auch nicht gegen den Markt und diskutieren nicht mit ihm.

Ist das einfach? Nein bestimmt nicht. Aber es ist die Grundvoraussetzung, um am Markt erfolgreich zu sein. Denn wenn sich Geldanlagen zu wohlig anfühlen, kann an ihnen etwas nicht mehr stimmen. Das muss so sein, weil der Markt eben -> reflexiv <- ist.

Ob uns das gefällt ist ohne jede Relevanz. Es ist so und wir arrangieren uns besser damit, oder tragen die Konsequenzen im Depot.

Ihr Hari

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Aktien sind unsicher und die Welt ist eine Scheibe

Ja ich weiss liebe Leser, die Überschrift ist so provokant, dass sie schon wieder platt ist. Und eigentlich bin ich hier ja nicht für kurze Plattheiten bekannt, sonderen für eher zu lange, differenzierte Texte zum Markt.

Aber heute hole ich mal testweise den Holzhammer heraus. Mir ist bewusst, dass die, die ich damit eigentlich aus ihrem gedankenlosen Phlegma aufrütten will, hier potentiell gar nicht mitlesen. Weil Aktien sind doch "Teufelszeug" und Charts sind "Hokuspokus". Und sicher ist nur Festgeld - schon klar, die Welt ist eben doch eine Scheibe. 😉

Sie werden als treue Leser nun also vielleicht grinsen, aber dieser Holzhammer muss einfach mal sein. Und damit er überhaupt bei den Jüngern des Festgeldes wahrgenommen wird, muss der Schlag kurz, hart aber eindrucksvoll sein. Zu viele Worte schaden nur.

Also liebe Jünger des Festgeldes, für Sie, die Sie Aktien "Teufelszeug" und "zu unsicher" finden, zeige ich Ihnen nun mal eine tolle Anlage, die Sie bestimmt mögen werden:

Seit 1984 (schon viel länger davor, nur dafür habe ich keine Charts mehr) geht es immer nur hoch. Manchmal seitwärts, aber im Kern immer nur hoch. Schwere Krisen wie 2000 oder 2008 fallen im grossen Bild bestenfalls als "Schlagloch" auf, ändern aber nichts am grossen Trend.

Ist so eine Geldanlage "sicher"? Wenn ich ihnen nun sage, dass man damit im Mittel zwischen 5 und 10% Rendite pro Jahr machen konnte und das in dieser Ruhe und Stabilität, dann wollen Sie doch vielleicht Ihr Festgeld mit Nullzinsen, das unter der Inflation nun fällt, doch vielleicht mal in Frage stellen?

Aber halt, das geht ja nicht. Denn das ist natürlich eine Aktie und Aktien sind ja "unsicher". Und es nicht "irgendeine" Aktie. Es ist das Chart eines der grössten Konzerne der Welt, eines der bekanntesten Dividenden-Aristokraten der Welt und eines der stabilsten Unternehmen der Welt. Es ist der Gesundheitskonzern -> Johnson & Johnson <- mit unzähligen bekannten Marken und einer Marktkapitalisierung von 336 Milliarden US Dollar.

Und wissen Sie was, ich habe noch ein Zückerchen für Sie. Dividenden sind hier gar nicht im Chart. Die kommen "oben darauf", so ca. 2-3% pro Jahr bei Johnson&Johnson. 😀

Und noch etwas muss ich nachlegen, das ist eine bewusst logarithmische Darstellung des Kursverlaufes, die damit die Dynamik des Anstiegs im Depot kaschiert. Objektiv ist Johnson&Johnson von 1,75USD in 1984 auf 124,46USD in 2017 gestiegen. Den Faktor dürfen Sie mit dem Taschenrechner selber ausrechnen, als Chart wäre er nicht mehr darstellbar. Autsch. 😉

Das ist also so ein "Teufelswerk", so eine "böse" Aktie, die so furchtbar riskant ist. 😉

Und wissen Sie noch etwas? Stellen wir uns mal vor, Ihre schlimmsten Albträume würden tatsächlich wahr und wir bekämen bald den Zusammenbruch des Euros, eine schwere Wirtschaftskrise, Bankenkrise, politische Unruhen, temporärer Zusammenbruch der staatlichen Ordnung. Was immer Ihnen an maximalen Horrorszenarien einfällt.

Was glauben Sie, was es 10 Jahre später noch geben wird, wenn sich der Nebel über dem traurigen Schlachtfeld verzogen hat? Hmmm?

Ihre Immobilie? Ja vielleicht, aber vielleicht auch schon mit einer Zwangshypothek belastet. Trotzdem im Kern Ja.
Ihr Gold? Ja vielleicht, aber nur wenn Sie es vergraben haben, denn es ist vielleicht verboten. Trotzdem im Kern Ja.
Ihr landwirtschaftlicher Grund oder Wald? Ja bestimmt.

Ihr Festgeld in Euro als Schuldverschreibung in Form einer elektronischen Zahl gegenüber einer Bank? Hahaha!
Ihre Lebensversicherung in Euro als Schuldverschreibung einer Versicherung gegenüber? Hahaha!
Ihre Rentenzusage des Staates? Muss ich nun noch einmal lachen? Aber gut kein Problem, die Riester-Rente wird Sie retten und ich sagte ja schon, die Welt ist eine Scheibe. 😉

Ich sage Ihnen, was dann in meinen Augen auch noch da ist, weil international aufgestellt und weltweit agierend und nicht von einem Land und einer Währung abhängig:

Johnson & Johnson. Die verkaufen dann immer noch Babypflege, Sonnenmilch und Tampons. In welcher Währung auch immer und immer noch weltweit.

Zwischenzeitlich in der Krise, wird auch der Kurs von Johnson & Johnson um 70% gefallen sein, sie sind aber danach noch da und erholen sich wieder, in welcher Währung auch immer. Und dass Johnson & Johnson nur ein Beispiel ist, dürfte hoffentlich klar sein, es gibt sehr viele solche Aktien!

Da haben Sie also Ihre "unsicheren" Aktien. War das nun genug Holzhammer? Wollen Sie in Zeiten der Inflation vielleicht nicht doch mal die Kraft aufbringen, sich aus der gedanklichen Sicherheitsfalle zu lösen und ihr Bargeld auf Konten in Frage stellen? Sind Sie in der Lage sich mal offen mit der Frage zu befassen, was genau "sicher" denn nun bedeutet?

Wenn ja, wissen Sie, wohin Sie sich wenden können. Wenn nein, winke ich Ihnen nach und wünsche ich Ihnen hiermit alles Gute. 😀

Und klar, der Markt ist aktuell überdehnt und kurzfristig korrekturreif. Mit dem prinzipiellen Bild oben hat das aber gar nichts zu tun, schauen Sie einfach, was solche Korrekturen im grossen Bild über Jahrzehnte sind: ein Fliegenschiss. 😉

Ihr Hari

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Cyberdyne Systems und ob das noch ein menschlicher Markt nach alten Regeln ist?

Es ist nun fast 2 Wochen her, dass ich Ihnen im freien Bereich die -> Börsenwetterlage aus der Umlaufbahn <- beschrieben habe.

Was ist in den zwei Wochen nicht alles passiert, die Welt ist in Aufruhr, Unruhen, Krisen, politischer Irrsinn scheinbar allüberall. Dass Griechenland mal wieder "gerettet" wird, ist nicht mal mehr eine Fussnote wert und die Frage der Verantwortung derer, die in den vergangenen Jahren x-mal von einer alternativlosen "Rettung" gefaselt und zweistellige Milliardensummen in Gang gesetzt haben, wird nicht mal ansatzweise mehr gestellt, weil das durch viel wichtigere Themen verdrängt wurde.

Aber auch bei dem, was die Börsen angeht, gab es in den 2 Wochen jede Menge Bewegung und vor allem Enttäuschungen, die so einen nach oben exponierten Markt, eigentlich zum Wackeln oder zumindest zu einer Konsolidierung bringen sollten. So zum Beispiel, dass Trumps grosse Steuerreform und seine Infrastruktur-Programme eben doch viel länger brauchen, bis sie gesetzlich Realität werden können, wenn überhaupt. Oder eine FED, die eben wohl doch schon im März auf die Zinserhöhung drücken wird.

All das scheint aber nicht mehr zu interessieren, der Markt scheint unfähig, ernsthaft nach unten in Bewegung zu geraten. Und das ist höchst merkwürdig.

Nun bin ich ja schon seit drei Jahrzehnten in diesem "Geschäft". Faktisch bin ich mit dem "Schwarzen Montag" 1987 zur Börse gekommen. Und klar, es hat gerade in den späten 90ern schon solche Phasen eines gnadenlosen Bullenmarktes gegeben, in denen es ein ganzes Jahr lang nur aufwärts ging.

Aber doch waren die Dinge damals anders als heute. Auch wenn die Kursentwicklung der späten 90er in langfristigen Charts wie eine Linie nach oben aussieht, war es doch das übliche Hin und Her von Ebbe und Flut, das menschliche Märkte nun einmal auszeichnet. Auch in diesen Bullenmärkten stieg der Markt also ein paar Tage stark, um dann für ein oder zwei Tage wieder etwas zu korrigieren.

Dieses "Zwei Schritte vor, Einer zurück" Prinzip ist in menschlichen Bullenmärkten eigentlich universell und genau das ist nun völlig anders und macht den Markt so unwirklich, so artifiziell für mich. Ich sehe den starken Trend und gehe mit, wie ich ja eben auch im Artikel vor knapp 2 Wochen beschrieben habe, aber es fühlt sich nicht gut, sondern eher wie eine Fassade aus Pappe an, die jeden Moment ihr wahres Gesicht offenbaren könnte.

Mit dem Wort "artifiziell", sind wir dabei auch gleich bei dem, was nach meiner Vermutung den Unterschied ausmacht. Es ist die zunehmend Dominanz automatischer Handelssysteme (Algos), die grob geschätzt schon 70% des Handelsvolumens ausmachen und ja nun via "Robo-Advisern" auch bei "Otto Normalanleger" im Depot angekommen sind.

Und diese haben eben keine Emotionen mehr, die nach ein paar Tagen des Anstiegs den "Affen in uns" innerlich zur Gewinnmitnahme drängen, diese Algos versuchen gerade diese menschlichen Mechanismen auszunützen. Nun wird das auch nicht dauerhaft funktionieren, weil das "Naturgesetz" der -> Reflexivität <- dafür sorgt, dass alles was zu erfolgreich ist, sich damit selber kaputt macht.

Aber solange haben wir eben nun einen Markt, der dieses Gefühl der Menschen, dass die Dinge "nicht stimmen" einfach gnadenlos ausnutzt. Der Markt steigt eben die "Wall of Worry", genauer gesagt die Algos steigen eine menschliche Wand der Angst.

Weil das so ist, kann ich nur erneut betonen, wie wichtig hier die Trendfolge ist. Auch wenn das für uns schwer ist, sollten wir uns von den Versuchungen zu befreien suchen, hier permanent ein Top auszurufen, so verlockend sich das auch anfühlen mag. Denn es sind genau diese Denkstrukturen des Zweifels, aus denen sich die Maschinen gnadenlos ernähren und den Markt immer weiter hoch schieben. Damit das aufhört und sich wendet, muss wohl erst die Sorge weichen und eine ungerechtfertigte Gelassenheit auftreten, dann können die Algo-Bären ihre Krallen ausfahren, dann geht der Weg endlich nach unten.

Für uns heisst das, wir müssen dem Trend weiter folgen. Es heiss aber auch, dass wir uns nicht einlullen lassen dürfen und trotzem wachsam bleiben müssen. Und sobald der Trend dreht, müssen wir konsequent raus.

Das ist kein schönes Gefühl bei etwas mitzugehen, dem man nicht mehr uneingeschränkt traut. Aber es ist notwendig, zumal die Wirtschafts- und Konjunkturdaten der Welt ja objektiv positiv sind.

Wir müssen einfach akzeptieren, dass unsere Gegner im Markt nicht mehr schwitzen und keine Ängste mehr kennen. Es sind die ersten Ausprägungen der fiktiven -> Cyberdyne Systems <- und auch wenn "Skynet" noch etwas entfernt ist, müssen wir uns doch einer gnadenlosen, artifiziellen Logik stellen, die menschliche Schwächen und Verhaltensweisen kalt auszuschöpfen trachtet.

In dem wir das können, in dem wir in so einem Markt Kurs halten und trotzdem wachsam bleiben können, zeigen wir dass wir biologischen Gehirne noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Denn viel anpassungsfähiger als diese Algos sind wir noch allemal, denn die Algos müssen noch von "Affen wie uns" programmiert werden. Das wird sich ändern, aber dieser Tag ist noch nicht heute.

Klettern wir also weiter die Wall of Worry, den Fallschirm immer griffbereit und jederzeit bereit abzuspringen.

Ihr Hari

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Korporatismus – ein zunehmendes Übel

Die wirklich wichtigen Dinge müssen immer wieder gesagt und wiederholt werden. Und dazu gehört auch immer wieder klar zu machen, dass wir in Deutschland keinen reinen Kapitalismus und in bestimmten Teilen nicht mal mehr eine soziale Marktwirtschaft haben, sondern dass das Land immer mehr von korporatistischen Strukturen geprägt und dominiert wird, in denen geschlossene Runden und Kommissionen von Besitzstandswahrern, sich zum eigenen Vorteil organisieren und Veränderung blockieren. Das zu unser aller Nachteil, aber durchaus mit wohlgefälligem Nicken großer Teile der Bevölkerung, die in Mehrheit die wichtigen Unterschiede und Folgen der unterschiedlichen Ansätze, Wirtschaft zu organisieren, gar nicht überreißt.

Was Korporatismus ist und was er bedeutet, habe ich schon vor einem Jahr in -> Korporatismus, Volkswagen und die Subventionen für die Autoindustrie <- zu thematisieren versucht. Darüber hinaus kann ich nur erneut nachdrücklich empfehlen, diese -> ausgezeichnete und abwägende Darstellung des Korporatismus <- der Konrad-Adenauer-Stiftung zu lesen, der ich inhaltlich nichts hinzuzufügen habe. Aber ich will auch der Bundeszentrale für politische Bildung in einem -> älteren Artikel zum Korporatismus <- Raum geben, auch wenn mir der Artikel den Korporatismus zu einseitig positiv betrachtet.

Besonders schön ist aber abseits aller Theorie immer, wenn die Konsequenzen korporatistischer Interessenvermischung so wunderbar erlebbar zu Tage treten wie zuletzt. Die kapitalistischer Aufwallungen unverdächtige, gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, hat 2016 in einer Studie aufgearbeitet, -> wie viel deutsche Vorstände im Vergleich zu durchschnittlichen Mitarbeitern verdienen <-. Der absolute Spitzenreiter mit dem Faktor 141 ist dabei - Sie ahnen es - der nach bösen Zungen sozusagen "volkseigene Betrieb" Volkswagen, der maßgeblich von Politik und Gewerkschaften beeinflusst wird wie kaum ein anderer Konzern Deutschlands. Vergleichbare, privatwirtschaftlich freiere Mitbewerber wie Daimler und BMW, haben deutlich geringere Werte. Gefolgt wird Volkswagen übrigens vom ehemaligen Staatskonzern Deutsche Post, was für eine Überraschung.

So viel zu den "segensreichen" Wirkungen korporatistischer Strukturen, der Korporatismus der real existierenden bundesdeutschen Ausprägung, ist eben etwas harsch und überspitzt gesagt für mich persönlich die Organisation derer an den Fleischtöpfen, gegen die Interessen derer, die zu diesen Kungel-Runden keinen Zugang haben. Nun ist das ohne Frage übertrieben, der Korporatismus hat abstrakt seine sinnvollen Seiten und auch sinnvolle Beiträge zur Entwicklung des Landes geleistet, aber er beginnt zu sehr zu dominieren und da liegt das Problem.

Das Tragische dabei ist, dass die große Mehrheit der Bürger ja Korporatismus gar nicht definieren kann, weil ja immer nur platt das Etikett "Kapitalismus" auf alle Fälle geklebt wird, in denen sich Individuen einen "goldenen Hintern" verdienen können, der objektiv nicht zu rechtfertigen zu sein scheint. Auch das Gehalt des Ex-VW-Chefs Winterkorn wird so gerne als "Exzess des Kapitalismus" verunglimpft, dabei fußt es nach meiner bescheidenen Meinung ja gerade nicht auf Wettbewerb, sondern auf korporatistischen Strukturen.

Alles was mit "runden Tischen" zu tun hat, ist für Otto Normalbürger halt irgendwie immer gut, weil damit das warme Gefühl von Konsens und "Händchenhalten" verbreitet wird. Dass diese "runden Tische" aber sehr oft zu unwirtschaftlichen Kompromissen zu Lasten nicht am Tisch sitzender Dritter neigen, wird nicht begriffen. Denn die Organisation in Koordinationsrunden, ist per Definitionem eine elitäre und exklusive, die andere Marktkräfte und Teilnehmer auszuschließen versucht und daher strukturell besitzstandswahrend und konservierend wirkt. Runde Tische sind selten gute Ordnungspolitik, und mit sozialer Marktwirtschaft haben sie bestenfalls am Rande zu tun. Die Durchlässigkeit für Aufsteiger und Paradigmenbrecher wird so auch nicht gefördert, sondern die korporatistische Tradition deckelt solche systemändernden Bestrebungen. In meinen Augen ist das einer der großen Webfehler der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte in Deutschland und bestimmt auch ein Grund, warum Firmen wie Tesla mit ihrer disruptiven Kraft bei uns gar nicht entstehen können.

Nun kenne ich an dieser Stelle natürlich sofort die Widerspruchs-Reflexe, die bei solchen Aussagen aufkommen. Gerne wird dann darauf verwiesen, dass die Sozialpartnerschaft doch ein Erfolgsmodell Deutschlands sei, soziale Marktwirtschaft eben, statt ungezügeltem Kapitalismus und dem reinen Recht des (wirtschaftlich) Stärkeren. Stimmt, das IST definitiv ein Erfolgsmodell. Der Widerspruch der keiner ist zeigt aber, dass von dem Argument gar nicht die Essenz des Korporatismus verstanden wird, weil die permanente, platte Demagogie, die jede Fehlentwicklung reflexartig und pauschal einem finsteren Bösewicht namens "Kapitalismus" zuordnet, differenziertes Denken stark erschwert.

Die soziale Marktwirtschaft definiert ja gerade den Ausgleich unterschiedlicher Interessen, dafür müssen diese sich aber offen und klar gegenüberstehen, damit zwischen denen dann ebenso offen ein Kompromiss gefunden werden kann. Auf gut Deutsch, die Interessen von Unternehmens-Eignern und Gewerkschaften sind erst einmal klar getrennt und aus diesen klaren und definierbaren Gegensätzen heraus, erzeugt die soziale Marktwirtschaft dann einen Ausgleich. DAS war tatsächlich ein Erfolgsmodell.

Dieses Modell wurde aber zunehmend verbogen, was man an der ->paritätischen Mitbestimmung <- der Gewerkschaften in den Aufsichtsräten großer Konzerne wunderbar beobachten kann. Statt diesen natürlichen Gegensatz zwischen den Unternehmenseignern und den Beschäftigten herauszuarbeiten und dann offen miteinander zu versöhnen, wurden Gewerkschaften einfach 50% der Sitze in den Aufsichtsräten zugeordnet. Der natürliche Gegensatz wurde damit in die Unternehmensspitze verlagert und wird dort nun in kleinen Runden im Aufsichtsrat aussortiert. Wie zu erwarten war, hat das aber eher nicht zu besseren Aufsichtsratsentscheidungen geführt, sondern nur dazu, dass Entscheidungen im kleinen Kreis von Untergruppen wie dem "Präsidium" ausgehandelt werden und dabei ganz natürlich auch das Konsens-Prinzip des "eine Hand wäscht die andere" zum Tragen kommt, welches kleinen sozialen Gruppen eben nun einmal zu eigen ist. Im durchschnittlichen Gemeinderat eines Dorfes ist es auch nicht anders.

Anders als so, kann man die inhärente Blockierung einer 50% zu 50% Gegenüberstellung im Aufsichtsrat ja auch gar nicht systematisch auflösen, man könnte böse sagen, die Kungelei ist politisch gewollt. Alles was in Hinterzimmern und kleinen Ausschüssen und Kreisen weniger Mächtiger aussortiert wird, ist eben per Definitionem nicht transparent und auch nicht marktwirtschaftlich, sondern eher die Herrschaft weniger Privilegierter über die Mehrheit. Ein Umstand, den mittlerweile selbst gemeine Aufsichtsräte hinter der Hand als unerfreulich empfinden, wenn die wesentlichen Entscheidungen im „Präsidium“ vorbereitet werden und sie nur noch als Abstimm-Staffage dienen.

Die Wirtschaft hat gelernt, sich mit der paritätischen Mitbestimmung zu arrangieren, weil die Macht der Gewerkschaften in Deutschland zu groß ist, und sie werden keinen Vorstand mehr finden, der offen dagegen auftritt, weil es sinnlos ist und nur Ärger macht. Sie werden aber auch kaum einen Unternehmer finden, der daran Gutes findet, wenn hinter vorgehaltener Hand offen gesprochen wird. Dabei sollte übrigens die Besetzung von 50% der Sitze im Aufsichtsrat durch Gewerkschaften nicht mit dem Betriebsrat in einen Topf geworfen werfen. Letzterer macht Sinn und wirkt in der Regel positiv auf den Betriebsfrieden; in Aufsichtsräten haben Gewerkschaften dagegen nichts verloren, davon bin ich persönlich weiter fest überzeugt. Und wenn man dieses deutsche, korporatistische Sondermodell anderen Unternehmern aus fast jedem Land der Welt erklärt, schauen sie einen oft fassungslos und ungläubig an, als ob man von einem anderen Planeten kommt. Auch wenn große Unternehmen von einer deutschen AG in eine europäische SE umfirmieren, spielt diese Thematik oft eine Rolle, auch wenn es aus politischer Korrektheit selten offen gesagt werden wird. So können Unternehmen knapp unterhalb der Grenze von 2.000 Beschäftigten in Deutschland nämlich durch SE-Umwandlung das Hineinwachsen in die paritätische Mitbestimmung vermeiden.

Erneut, damit das klar ist: es geht bei meiner Argumentation nicht darum, einen Ausgleich zwischen den Interessen des Kapitals und der Arbeitnehmer zu verhindern, im Gegenteil. Diesen zu orchestrieren ist ungemein wichtig und der große Standortvorteil einer wahrlich sozialen Marktwirtschaft. Die Kernfrage ist aber, ob dieser Gegensatz im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft offen und transparent durch die Politik aufgelöst und ausgeglichen, oder im Sinne des Korporatismus in geschlossenen Runden mit gegenseitiger „Handwaschung“ gleich ausgetreten wird, ohne diesen Gegensatz je offen zu Tage treten zu lassen - außer eben "rituell" kurz vor Wahlen. Genau diese "Handwaschung", diese stillen Kompromisse, sind eine Kernfolge des Korporatismus, dieser Tendenz, alles in Kommissionen und halbstaatlichen Organisation aushandeln zu lassen, die strukturell besitzstandswahrend wirken. Die SPD liebt diese Kommissionen mit ihrem Habitus des Gemeinschaftlichen, die real existierende CDU ist aber auch nicht mehr viel besser.

Echte soziale Marktwirtschaft hat es zunehmend schwer, auch weil es schlicht an Bildung und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und damit die gesellschaftliche Unterstützung fehlt. Und der Vater dieser sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, würde mit seinen Ansichten heute wohl als "Marktradikaler" verunglimpft und an den medialen Pranger gestellt - auch das sagt viel über die Entwicklung, die wir genommen haben. Eine Wirtschaft aber, in der Vitamin B, das Parteibuch, der Zugang zur Politik und die Zugehörigkeit zur richtigen Kommission zum entscheidenden Faktor wird, ist eine Wirtschaft die erstarrt und ihre Wettbewerbskraft verliert.

Dass das in Deutschland derzeit noch nicht der Fall ist, liegt nicht an der real existierenden Politik, sondern primär an einer noch existierenden positiven Parallelwelt eines gesunden Mittelstands, der sich von diesem politisch-korporatistischen Zerrbild von Wirtschaft soweit fernhält, wie es nur irgendwie möglich ist. Wenn man so will, haben wir in Deutschland also zwei Arten von Wirtschaft. Eine reale, gelebt und geprägt von echten Unternehmertypen, die ganz wesentlich für unseren Wohlstand und die Steuereinnahmen verantwortlich ist. Und ein bei der Politik und großen Teilen der Bürger beliebtes Zerrbild von Wirtschaft, das aus Kommissionen, Räten, halbstaatlichen Organisationen und Verbänden beruht. Ein Zerrbild, das aber nicht begreifen kann, dass die eigenen Fleischtöpfe nur so lange gefüllt und warm bleiben, wie man denen, die die Fleischtöpfe füllen - den wahren Trägern des Wohlstands - nicht zu stark das Wasser abgräbt.

Nehmen Sie also das Wort "Korporatismus" bitte in Ihren Wortschatz auf. Wir haben davon schon viel zu viel im Land, auch wenn er in der richtigen Dosis hier und da ohne jede Frage mal sinnvoll sein kann. Nicht jede Kommission ist schlecht und auch ein runder Tisch kann in einzelnen (Konflikt-) Situationen durchaus wertvoll sein. Aber der institutionalisierte Hinterzimmer-Kompromiss ist schädlich - wie alles, was zu viel genossen wird, am Ende giftig wird. Und denken Sie jedes Mal an das Wort und seine Konsequenzen, wenn irgendwo wieder eine "Kommission" initiiert wird, in die Politik den ureigenen Job verlagert. Das Motto der Zukunft müsste eben "mehr soziale Marktwirtschaft wagen" lauten und nicht "mehr Kommissionen wagen".

Und es sollte auch "mehr Politik wagen" lauten, denn eine Politik, die Entscheidungen für die sie selber gewählt wurde in Kommissionen verlagert, um ihnen den Anstrich der Objektivität zu geben, statt sich selber dafür zu exponieren, zeigt nur ihre eigene Entbehrlichkeit. Im Übrigen wird die politische Tendenz dann über die Auswahl der Kommissionsmitglieder sichergestellt, das Ergebnis ist absehbar, jeder glaube sozusagen nur dem „Gutachten“, das er selber bestellt hat. Dem Bürger wurde aber Sand der „Objektivität“ in die Augen gestreut, wo stattdessen Besitzstände gewahrt und politische Interessen gesichert werden.

Ich habe leider wenig Hoffnung, dass sich das ändert, ohne dass wir einen „Reset“ auf sozusagen „Demokratie 2.0“ bekommen, der näher am partizipativen Modell der Schweiz ist. Die aus Steuergeldern finanzierten Frösche ohne gesellschaftliche Wertschöpfung werden ihren warmen Teich hart verteidigen. Womit wir auch bei dem strukturellen Problem dahinter sind, das der renommierte Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim in seinem lesenswerten Werk -> Die Hebel der Macht <- hervorragend herausgearbeitet hat.

Ihr Hari

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Der DOW und der DAX – zwei Indizes mit Problemen

Wissen Sie hier im freien Bereich eigentlich, warum ich immer über den S&P500 rede und nicht über den bei Laien bekannteren Dow Jones Industrial Average (DJIA), kurz auch DOW genannt?

Wissen Sie, dass der DOW ein Anachronismus ist, ein obskurer Index ohne eigene Aussagekraft?

Und wissen Sie auch, dass der bekannte DAX ein "Performance-Index" ist und fast alle anderen Indizes nicht und der DAX deswegen im Vergleich eine Stärke vorgaukelt, die in der Realität gar nicht gegeben ist?

Und wissen Sie auch, dass es den DAX auch als "Kursindex" gibt, der vergleichbar zu fast allen anderen Indizes wäre, den aber kaum jemand kennt und benutzt?

Wenn ja, werden Sie nun nichts Neues erfahren. Wenn nein, sollten Sie das wissen.

Das Problem, das beide teilen:

Der DOW - wie der DAX - besteht nur aus 30 Aktien. Das ist gerade für den riesigen US Markt nicht breit genug, um ernsthaft den Markt zu repräsentieren. Der S&P500 mit seinen 500 grössten US Aktien, ist dagegen eine sinnvolle Repräsentierung des US Aktienmarktes und damit der wichtigste Index weltweit.

Dieses Problem hat der DAX aber auch und wenn wir seinen Verlauf mit dem des MDAX vergleichen, der viel mehr "typisch deutsche" Mittelstandsaktien beinhaltet, sehen wir auch schnell, dass der DAX keine perfekte Repräsentierung des deutschen Aktienmarktes ist. So ist der MDAX in den letzten Jahren deutlich besser gelaufen, weil im DAX eben mit den Autobauern oder Banken Werte versammelt waren, die durch eine tiefe Baisse gegangen sind.

Dieses Problem ist ja aber noch erträglich, denn es gibt viele Indizes mit wenigen Werten, der spanische IBEX hat 35, der italienische MIB 40 und der französische CAC auch 40. Das macht die Aussagekraft dieser Indizes nicht besser und mit einem S&P500, Nasdaq100 oder Russel2000 (dem US Nebenwerte-Index) können die in ihrer Aussagekraft alle nicht ansatzweise mithalten. Aber immerhin ist der DAX keine Unikum in seiner Bandbreite, der DOW ist eben nicht besser.

Das Problem des DAX

Dieses Problem ist grösser, der DAX ist sozusagen ein "Scheinriese". Denn in der uns allen bekannten Form, ist der DAX als "Performance Index" konstruiert, der Dividenden inkludiert. Der DAX bildet also nicht die Summe der aktuellen Kurse bzw die Summe der aktuellen Marktkapitalisierung ab, sondern er führt auch aus der Vergangenheit alle ausgeschütteten Dividenden mit, so als ob man von Anfang an ohne Unterbrechung im DAX investiert gewesen wäre.

Nun kann man eine längliche Diskussionen darüber führen, ob Kurs- oder Performance-Index die bessere Variante wäre, die ein getreueres Abbild der echten beim Anleger ankommenden Performance liefert. Diese Diskussion ist aber akademisch, denn man kann ganz legitim beides machen und beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Dass die Darstellung des DAX als Performance-Index ein Problem ist liegt also nicht daran, dass die Darstellung perse "falsch" wäre, sondern an der mangelnden Vergleichbarkeit. Fast alle Indizes der Welt sind Kursindizes, die also mit verschiedenen Methoden die aktuellen Kurse summarisch abbilden, keine alten Dividenden inkludieren und damit auch keine Vergangenheitsdaten mitschleppen, um eine langjährige Pseudo-Performance zu errechnen. Eine Pseudo-Performance deshalb, weil diese wegen Steuereffekten bei den Dividenen-Zahlungen gar nicht zu erreichen ist, in dem man alle Aktien des DAX ins Depot legt.

Beim DAX ist es aber noch schlimmer, der schleppt durch seine Berechnungsmethode indirekt sogar noch die alten 1000er Kurse der Volkswagenstämme mit, weil durch die Umstellung auf die Vorzüge im Winter 2009, der alte Zustand sozusagen "eingefroren" wurde und von dort aus weitergerechnet wurde.

Aber wie auch immer, der Punkt ist, ein fairer Vergleich des DAX mit den meisten anderen Indizes müsste mit dem Kursindex erfolgen, denn auch S&P500 und Co. schütten ja Dividenden aus und das kräftig. Ein paar grobe Vergleiche können Sie sich -> hier < - anschauen, wenn es Sie interessiert. Dann wird klar, wie viel schwächer der DAX in Realität als die US Indizes ist, kein Wunder bei dieser nicht vorhandenen, inländischen Aktienkultur. 😉 Nur gegenüber dem Eurostoxx liegt der DAX richtig vorne, wer das "warum" verstehen will, muss nur auf die Eurokrise schauen.

Der DAX, so wie er uns immer als Perfomance-Index verkauft wird und am Jahresende mit seiner Performance dem S&P500 gegenüber gestellt wird, ist also ein "Scheinriese", der Vergleich ist so eigentlich unzulässig.

Wir haben aber in Deutschland keine Alternative wie den S&P500. Sicher gibt es breitere Indizes, wie zum Beispiel den CDAX, der das ganze deutsche Aktienuniversum abdeckt. Bei Indizes gilt aber die Regel, dass nur relevant ist, was auch beobachtet wird. Denn nur Indizes, die die Anleger vor Augen haben und auf die es viele Derivate und ETFs gibt, haben auch Aussagekraft im Sinne der Marktmuster. Insofern müssen wir hier weiter mit dem DAX leben, auch wenn er eher aus der Reihe fällt und die deutschen Akienmärkte nur höchst unzureichend abbildet.

Dieses markante Problem des DAX, das diesen im internationalen Vergleich als Scheinriesen aufpumpt, ist aber noch beherrschbar und nichts gegen das zweite grosse Problem des DOW.

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Hokuspokus und die technische Analyse

Nicht immer ist das neu Geschriebene das Beste, sondern manchmal lohnt sich auch zu wiederholen, was schon gesagt wurde. Besonders interessant ist das, wenn man nach Ablauf von vielen Monaten schauen kann, was denn damals aus den Worten in der Realität geworden ist.

Heute will ich daher an einen Artikel vom 09.06.2016, also von vor dem Brexit erinnern, mit dem Titel
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Und genau das ist mein Thema heute, denn hier im freien Bereich schlägt auch immer wieder "Otto Normalanleger" auf, der technische Analyse typischerweise für Hokuspokus hält. Böse Zungen könnten sagen: "wat de bur net kennt frett he net". 😉

Fairerweise muss man sagen, dass die Vertreter der technischen Analyse auch teilweise selber daran Schuld tragen, denn da es so einfach ist, ein paar bunte Linien zu malen, wird damit auch viel Schindluder getrieben. Vor allem fehlt es oft an dem Verständnis, wo die Grenzen der technischen Analyse sind und aufgrund welcher Mechanismen, sie überhaupt Deutungskraft hat.

Denn die technische Analyse sagt die Zukunft nicht voraus, nichts und niemand kann die Zukunft vorher sagen, auch nicht der der "Prognosiritis" anheim gefallende Glaskugeldeuter. Die technische Analyse gibt aber ein zutreffendes Bild des Marktzustandes der Gegenwart und ein derartiger objektiver Blick auf die Gegenwart ohne Bias, ist eine Menge wert, denn die Zukunft muss sich ja erst aus der Gegenwart entwickeln.

In obigem Artikel, wird das Prinzip besonders deutlich. Vor allem auch, weil wir nun 8 Monate weiter sind und uns im S&P500 anschauen können, wie sich die Märkte entwickelt haben. Nämlich so:

So und nun lesen Sie bitte diesen Artikel noch einmal. Bitte tun Sie sich den Gefallen!
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Danach wird klarer sein, was technische Analyse leisten kann und was nicht und warum sie so wertvoll für uns ist. Denken Sie an den Tiger. 😉

Ihr Hari

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