Wochenausblick KW26 2019



KW 26 liebe Mitglieder, das Jahr ist schon wieder halb herum, es ist unfassbar wie schnell das geht.

In den letzten 2 Wochen meines Ferienmodus, hat der Markt eine entscheidende Charakteränderung vorgenommen, die ich aber noch gleich am Montag vor 2 Wochen in -> Januar-Deja-Vu <- wahrgenommen und thematisiert habe.

Denn bis dahin musste man sich noch fragen, wie weit dieser Rebound trägt und ob er nicht doch zu verkaufen ist und zu neuen Tiefs führt. Die immense Stärke von Freitag 07.06., machte aber eine Änderung der Wahrnehmung notwendig.

Denn wieder einmal hat der Markt - wie schon im Januar - nicht getan, was er im bärischeren Modell der großen Sommerdelle machen sollte. Und wenn ein Markt nicht macht was er sollte, sollten wir ganz aufmerksam werden und unsere Modell anpassen.

Das mehrfach gezeigte Modell der ausgedehnteren Sommerkorrektur ist damit überholt, weil der Abwärtstrend seit Anfang Mai mit der Rückeroberung der 50-Tage-Linie endgültig gekillt wurde. Denn aus dem damals schon klar erwarteten kurzfristigen Bounce, wurde (wieder einmal) ein mittelfristiges "V", das uns nun wieder zu den Hochs getragen hat.

Es ist diese Haltung im Sinne "strong opinions, weakly held", die so wichtig für Erfolg an den Märkten ist. Wir operieren mit Szenarien und Gedanken-Modellen und benutze diese auch als Leitlinien für unser Handeln, aber nur solange, wie die Wirklichkeit mit den Annahmen übereinstimmt. Wenn nicht mehr, ändern wir schnell unser Modell.

Diese Modelle sind also keine festen Prognosen, die wir verteidigen und mit ihnen den Markt bekämpfen, sondern einfach situationsangepasste Leitlinien des Handelns, die wir bei sich änderndem Börsen-Wetter ebenso wechseln, wie wir wetterabhängig auch Kleidung wechseln würden, ohne dabei zu zögern.

Vor 2 Wochen schrieb ich aus den Ferien:

Und wieder hat der Markt am Freitag nicht gemacht, was er tun sollte und wieder sollten wir das ernst nehmen. Betrachten wir das Glas wieder als halbvoll und trauen dem Markt mehr zu. Und wählen wir eine dieser drei Zonen je nach unserem Risikoempfinden als Triggermarke für diese positive Haltung. Heisst, nur wenn der Markt darunter fällt, ist die neue - bullischere - Sicht in Frage zu stellen.

Diese Änderung des Gedankenmodells vor 2 Wochen war im Nachhinein richtig, nach einer seitwärts konsolidierenden Ferienwoche, ging es letzte Woche markant hoch, auch weil EZB, FED und Trump sozusagen einen "dreifachen Bärentöter" auf den Markt losgelassen haben. Zwei Notenbanken im "Race to the Bottom" und ein Präsident der Handels-Hoffnung verbreitet, was will der manische Fiat-Money-Bulle mehr?

Hier bei -> Advisory Perspectives <- ist der Korrekturumfang auch wieder schön visualisiert:

Schauen wir doch einfach mal auf das Chart des Leitindex S&P500 auf drei Zeitebenen, ohne uns dafür zu interessieren, was der Auslöser dieser Bewegung war:

Im Daily sehen wir den Korrekturverlauf, der am Ende gute 7% Minus gebracht hat.

Es war dieses Mal eine 1-2-3 Korrektur, die komplett im Mai abgelaufen ist und im Juni schon vor Ende des Monats die Abwärtsbewegung wieder negiert hat.

Heisst konkret, hier ist es schneller hoch als runter gegangen, was historisch sehr selten und klar bullisch zu werten ist:

Im Weekly sehen wir eine Struktur "mit Henkel", die auch klar bullisch zu werten ist, der "Measured Move" wäre bei ca. 3.500 - Schluck! 😉

Und ganz langfristig mit Quartalskerzen, kann man sich ja die Frage stellen, ob so ein markanter Einbruch wie im Q4 2018, der dann sofort wieder zu den Hochs gekauft wird, schon jemals der Vorbote eines großen Tops gewesen war?

Die Antwort ist sehr klar: Nein! Ähnliche Einbrüche wie 1987 der schwarze Montag oder 1998 der LTCM Crash oder die Eurokrise 2011, waren am Ende temporäre Korrekturen, die mit der Rückkehr zu den Hochs auch beendet waren.

Die großen Tops 2000 und 2007 sahen dagegen anders aus, die haben langsam zu fallen begonnen und dann erst Fahrt aufgenommen.

Auch dieses Bild ist langfristig bullisch, vor allem auch, wenn man sich den Verlauf in den 90ern vor Augen führt und sich daran erinnert, dass wir nun aus einem 13 Jahre andauernden Bärenmarkt heraus getreten sind, der von ca. 2000-2013 andauerte.

Bullenmärkte sind gerne deutlich länger, als die vorangegangenen Bärenmärkte, auch das sollten wir nicht unterschätzen:

Dann haben wir natürlich auch die Daten aus dem letzten BAML Funds Manager Survey, die -> an Extreme in Investor Fear and Pessimism <- zeigen:

Diese Daten sind mittelfristig konträr, also sehr bullisch zu lesen. Wer nicht im Markt ist, muss wieder zukaufen:

Und die Renditen der US Staatsanleihen, hier die 10jährigen, sind wieder stark auf 2% zurück gekommen und haben damit nur den langfristigen Abwärtstrend bestätigt.

"Race to the Bottom" kann man dieses Langfristchart der US Renditen über mehr als 30 Jahre nennen. Das ist das "segensreiche" Wirken der Notenbanken, eine Gefahr für die Ausnahmestellung von Aktien mit ihren 5-7% mittlerer Rendite per Annum, stellt diese Entwicklung definitiv nicht dar.

Summa Summarum also ein mittelfristig sehr bullisches Bild, allerdings auch eines, in dem nun im Sinne "Goldilock" fast alles positiv auf den Markt geworfen wurde, was zur Verfügung steht.

Wenn man etwas Negatives finden will, ist es also die berechtige Frage, was denn nach diesem "dreifachen Bärentöter" von EZB, FED und Trump in der letzten Woche nun noch ein positiver Katalysator sein soll, wo doch alles abgefackelt erscheint?

Ich wäre mit dieser Schlußfolgerung aber vorsichtig, ein Markt der nach oben will, findet auch den passenden Katalysator irgendwo.

Wir haben nun noch die Handelsthematik voraus, die kommendes Wochenende mit dem Treffen Trump-Xi beim G20 einen Höhepunkt finden wird. Bis dahin, muss man eher von einer "Buy-the-Rumor" Hoffnung in dieser Sache ausgehen.

Gleichzeitig neigt der Markt ja aber zum Schaukeln und nach einer so starken Woche wie der letzten, sollte man in der kommenden Woche eher von einer Konsolidierung und leichter Schwäche ausgehen.

Wir haben kommende Woche auch wieder diverse Wirtschaftsdaten von Ifo-Index, über Verbrauchervertrauen bis Auftragseingänge.

Gleichzeitig sollte der Markt spätestens nach dem G20 in den typischen volumenärmeren Sommermodus der Monate Juli und August wechseln, auch wenn die Juli-FED-Sitzung vom 31.07. und die Quartalssaison sicher noch Aufmerksamkeit ziehen wird.

Ich will daher heute keine neue Projektion zeichnen, ich habe dazu derzeit keine klare Meinung und kann mir viel vorstellen - einen sofortigen Ausbruch nach oben über 3.000 im S&P500 ebenso, wie jetzt ein erneuter, kleiner Rücksetzer und dann ein wochenlanges "Sommer-Gezackere" auf den aktuellen Niveaus.

Klar erscheint aber, dass im übergeordneten Bild dieser Markt weiter bullisch ist und ihm etwas zuzutrauen ist. Alle Notenbanken im Abwertungsmodus, während die Konjunktur noch recht gut läuft und über Rezession mehr spekuliert wird, als dass sie wirklich da ist - das ist ja auch wirklich "Goldilock", was sonst?

Auch die "Katastrophenhausse" wird nun wohl zunehmend zum Thema, weil immer mehr Menschen erkennen werden, dass es eigentlich nur noch einen Ort gibt, an dem es akzeptable Renditen gibt und das ist der Aktienmarkt. Die Risiken von Immobilien-Investments, werden ja in Deutschland aus politischen Gründen gerade allen eindrücklich klar gemacht - ich kann mir kaum vorstellen, dass Privatpersonen hier nun noch große Investments auf dem Mietmarkt tätigen und wenn, sind sie "mutig". 😉

Im Ergebnis sind wir weiter mitten in einer notenbankinduzierten Hausse, was aber nicht heisst, dass es über den Sommer trotzdem nicht auch mal rumpelig werden kann.

Übrigens, selbst der DAX stützt dieses Bild, der nach der vorletzten Korrekturwoche nun wieder nach oben in Bewegung zu kommen scheint:

Ein Wort ist unter dem Stichwort der "notenbankinduzierten Rally" natürlich auch zu Gold zu verlieren, das einen sehr bedeutenden Ausbruch aus einer jahrelangen Bodenbildung vollzogen hat:

Der Auslöser ist klar, es sind die Erwartungen an die taubenhafte FED und die Wahrnehmung des "Race to the Bottom" aller Notebanken. Aber was auch immer der Auslöser ist, das ist so oder so eine langfristig sehr bullische Struktur.

Und ich will noch etwas deutlich sagen:

Die selben Anleger, die ab 2011 viel zu lange an der Goldstory festgehalten haben und sich in Jahren im Bärenmarkt herumgequält haben, laufen aber aus dieser Erfahrung heraus nun Gefahr, die Chance nicht wahrnehmen zu wollen.

Beides ist aber falsch und wer einmal zu lange braucht, um sich gedanklich umzustellen, tut es in die Gegenrichtung gerne wieder, weil das Problem ein psychologisches ist. Aber ebenso wie ich in 2013 und 2014 oft über die quasi-religiösen Gold-Bugs gespottet habe, die sich einen Bärenmarkt mit "Manipulations-Gequatsche" schön reden wollten, will ich heute eindringlich sagen, dass das vielleicht nun auch wieder eine grundlegende Charakteränderung darstellt.

Es ist noch zu früh es als endgültig darzustellen, aber die Chance erscheint nun hoch, dass der jahrelange Bärenmarkt bei den Edelmetallen gerade zu Ende geht!

So .... jetzt sehe ich Sie schon auf den Kaufdruck drücken und muss daher warnend den Finger heben! Ich rede hier über die langfristigen Implikationen. Kurzfristig ist Gold nun massiv überkauft und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ausbruch noch einmal testen. Und so ein Test kann auch negativ ausfallen und zum "Fakeout" werden und Gold doch noch 2 Jahren in dieser Bodenbildung verbleiben.

Werfen Sie also die Zeitebenen nicht durcheinander, das Geschehen das wir gerade erleben, hat eine gute Chance im *langfristigen* Bild die Zeitphase zu markieren, in der der jahrelange Bärenmarkt bei Gold zu Ende ging - auch wenn jetzt kurzfristig erst einmal wieder ein paar Schmerzen und der Retest kommen könnte.

Lernen wir also weiter, die Zeitebenen zu beachten und dem Markt immer opportunistisch zu begegnen. Und wenn er seinen Charakter ändert, reagieren wir darauf, bei S&P500 wie Gold.

Die Glaubenskriege und das Festhalten an eingegrabenen Überzeugungen, überlassen wir am Markt dagegen den typischen, "meinungsstarken Anlage-Loosern", die mit dieser geistig starren Haltung nur Eines sicher haben: Verluste. Damals "gläubige" Gold-Anleger der Jahre 2013 und 2014, wissen genau was ich meine. Diese Phase könnte nun aber bei den Edelmetallen vorbei sein, mehr als 6 Jahre Bärenmarkt sind auch eigentlich genug.

Ich wünsche allseits eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wir werden alle sterben!



Das stimmt übrigens, wir werden alle sterben, nur nicht notwendigerweise heute, morgen oder nächsten Monat. 🙂

Und so auch an der Börse, denn das gestrige, schwache Closing, lässst die medialen Bären schon frohlocken und so etwas herbei wünschen:

Was ist passiert, das solchen Charts wieder mediale Aufmerksamkeit verschafft? Eigentlich nicht viel.

Jerome Powell hat versucht sich so neutral zu verhalten, wie man nur neutral sein kann. Er hat die FED so positioniert, dass diese weder nach oben, noch nach unten derzeit Handlungsbedarf sieht, was Zinspolitik oder Stimulus angeht.

So weit so richtig, nur war der Markt insbesondere durch Trumps Druck schon eher auf dem Trichter einer bald kommenden Zinssenkung und dafür hat Powell gestern kein Futter geliefert und das wurde als Katalysator für den späten Abverkauf genutzt:

Und dieser Abverkauf lässt nun den Puls der Perma-Bären höher schlagen, schnelle Klicks mit dem Schaudern vor dem großen Desaster, sind so schnell gemacht.

Cody Freeman hat das hier im Artikel wunderbar auf den Punkt gebracht: -> Markets are going to collapse <-.

Faktum ist, dass der Markt korrekturreif erscheint, ich habe das die letzten Tage mehrfach thematisiert und dazu geraten, mal "vom Gas zu gehen", auch gestern wieder. Und ich habe mehrfach von der ca. 5% Korrektur gesprochen, die wohl in den kommenden Wochen und Monaten ansteht.

Insofern sollten wir sehr wohl damit rechnen, dass der erste Teil der bärischen Hoffnung eine relevante Eintrittswahrscheinlichkeit hat, ein Rücksetzer von hier wäre logisch und gesund.

Der Punkt ist nur, dass dieser 5% Rücksetzer dann mit hoher Wahrscheinlichkeit kaufbar ist, denn das Environment für Aktien dürfte positiv bleiben und Trump will immer noch eine Wahl gewinnen.

Auch Minervini liefert gestern dazu die -> passenden Statements <-, die weitgehend meiner hier kommunizierten Sicht entsprechen:

In the short-term, sentiment is a bit overheated and the market indexes need to cool off. However, the best buying opportunity for individual names has yet to occur; we are likely to see the small and mid-cap area come to life. A pullback in the S&P should be contained to 5-8%.

The economy is not weak enough to organically go into recession, and with inflation in check, the Fed is not looking to engineer a recession. To the contrary, they will likely ease if the economy weakens. Market pullbacks are buyable, the bull market continues.

Trotzdem sind nun Abwärtsrisiken vorhanden, wie zuletzt immer wieder thematisiert. Ein Verlauf wie folgt, mit einer abwärts gerichteten Konsolidierungsbewegung, wäre nun realistisch und wäre auch ein Geschenk, denn danach würde es wohl weiter hoch gehen:

Ein derartiger Ablauf würde auf jeden Fall gut zur Gesamtlage passen. Begrenztes Korrekturrisiko jetzt, gefolgt von höheren Kursen und einer Fortsetzung im 2. Halbjahr.

Das ist das Grundmodell, mit dem ich persönlich operiere, bis mich der Markt von einer anderen Sicht überzeugt.

Und diese 5% Korrektur will ich erst einmal sehen, denn sicher ist die keineswegs, zu viele wollen den Dip immer noch zum Kauf nutzen.

An Quartalszahlen war gestern nachbörslich insofern wenig los, als wenige sehr starke Bewegungen zu sehen waren - die Zahlen bargen also keine sehr großen Überraschungen.

Heute hat Fresenius -> schon geliefert und die Prognose bestätigt <-,

Den vorbörslichen Kursen nach zu urteilen mag es der Markt, der Aufwärtstrend wird also erst einmal weiter Bestand haben:

Auch die Zahlen von Volkswagen -> werden positiv aufgenommen <- und sollte zu einer derartigen, positiven Auflösung der Konsolidierung führen:

So weit als morgendliche Einordnung nach der gestrigen FED. Es bleibt dabei, dass eine milde Korrektur nun zunehmende Chancen hat und selbst wenn die Bären die aktuelle Chance nicht nutzen können - was mich gar nicht überraschen würde - dürfte bald eine weitere Chance kommen, vielleicht als "Sell the Fact Bewegung", nachdem endlich eine Einigung im Handelsstreit da ist.

Diese Erwartung einer notwendigen Korrektur, sollte uns aber nicht in Panik fallen lassen und nicht den Blick dafür verstellen, dass das übergeordnete Environment für den weiteren Jahresverlauf weiter positiv ist.

Ich bleibe also bei meinem nun schon mehrfach bemühten Bild, wir sollten derzeit etwas vom Gas gehen, fahren aber weiter und sind jederzeit bereit, das Gaspedal wieder durchzutreten, wenn eine unvermeidbare Kurve hinter uns liegt.

Was das konkret bedeutet, müssen Sie auf Ihre persönliche Strategie übersetzen. Wer eine konkrete Handlungsanweisung erwartet, steht offensichtlich noch ganz am Anfang und hat die Individualität und Komplexität der unterschiedlichen Ausgangslagen noch nicht verstanden.

Denn abhängig von Investitionsgrad, Zeithorizont und Strategie, entstehen aus obiger Lageeinschätzung ganz unterschiedliche Handlungsfolgen.

Bis heute Nachmittag!

Ihr Hari

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Wie man in einem Bärenmarkt überlebt


So ... der 21.11. ist da, wenn auch erst kurz nach der Geisterstunde. Den folgenden Artikel habe ich schon letzte Woche vorbereitet, eine Stimme sagte mir, dass es Zeit dafür wird, das Wort vom Bärenmarkt mal in den Mund zu nehmen. 😛

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Ja, ich spreche von einem Bärenmarkt liebe Mitglieder. 🙂

Die Wahrheit ist, es kann aktuell sein, dass schon einer begonnen hat oder dass wir zumindest in überschaubarem Zeitraum in einen hinein kommen. "Kann sein" beschreibt eine Möglichkeit, die nicht Null sondern realistisch ist und das ist die Lage, in der wir uns nun befinden.

Lange, viele Jahre lang, habe ich uns - von kurzen Unterbrechungen wie diesen Februar abgesehen - im Markt gehalten und das war auch verdammt richtig so. So konnten wir seit 2012, seit dieser Blog so richtig aktiv ist, doch so einiges mitnehmen, während unzählige Permabären nichts Besseres zu tun hatten, als andauernd den Weltuntergang herbei zu schreiben und - wenn sie ihr Geld dahin tun würden wo ihr Mund ist - ihre Depots zu schrotten.

Nun aber, ist das Risiko dass wir in einen Bärenmarkt eintreten so hoch, wie noch nie seit 2012. Auch die Delle Anfang 2016 war immer als Korrektur zu erkennen, eine dauerhafte Baisse habe ich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Heute ist das anders und der Grund ist die Price-Action, die ich seit Wochen sehe.

Trotzdem würde ich im Zweifel immer noch nicht auf den Bärenmarkt setzen, sondern darauf, dass dieser Markt nach diesem absolut notwendigen Regenguss sich wieder stabilisiert. Das Risiko, dass wir in grössere Unwetter geraten, ist aber nun so relevant geworden, dass man sich damit mal ernsthaft auseinander setzen sollte. Und das will ich heute mit Ihnen tun. Ob dann wirklich ein Bärenmarkt kommt, wissen wir nicht und überlassen wir weiterhin den Gekröselesern, wir folgen besser dem Markt.

Aber egal was nun passiert, es hat in jedem Fall Wert, uns klarzumachen, wie man einen potentiellen Bärenmarkt am Besten überlebt. Und da viele der Mitglieder erst nach 2009 in den Markt gekommen sind und nie einen ausgewachsenen Bärenmarkt erlebt haben, macht es doch Sinn, dass ich Ihnen nun heute ein paar Grundregeln an die Hand gebe.

Bevor ich das tue, bitte ich Sie aber -> diesen Artikel über die geheimnisvolle Glaskugel der Assyrer <- noch einmal zu lesen. Das ist wichtig, um Sie in die richtige Stimmung zu bringen, damit Sie sich die folgenden Ratschläge dann besser vorstellen können.

Wenn ich Ratschläge zum Thema gebe, ist es natürlich auch wichtig zu unterscheiden, wer man anlagetechnisch ist. Ich unterteile daher das Thema in Investoren und Trader.

(1) Grundsätzliches

Die erste und wichtigste Grundregel ist zu verstehen, dass ein Bärenmarkt nicht einfach das inverse Geschehen im Bullenmarkt ist. Bärenmärkte haben ihre eigenen Regeln.

Schauen Sie mal, so sieht ein Bullenmarkt im S&P500 ETF SPY aus, das sind die 90er Jahre mit Monatskerzen:

Wir sehen ein gleichmäßiges Hochschieben mit vergleichsweise geringer Volatilität, wie wir es ja auch in 2013 oder 2017 hatten. Ab und zu sind dazwischen mal schärfere Korrekturen, aber selbst so eine massive Korrektur wie die LTCM Krise von 1998, kann diese Struktur nicht wirklich in Gefahr bringen.

Nun mache ich aber einen Trick, um die optische Vergleichbarkeit sicherzustellen. Ich invertiere die Skala und so schauen wir nun auf zwei Bärenmärkte.

Das was wir 2000-2003 nach der Internet-Blase erlebt haben, ist noch halbwegs mit obigem Bullenmarkt vergleichbar, man sieht aber schon die Unterschiede:

Es gibt viel öftere, massive und scharfe "Spikes" nach unten (invertiert nach oben), die dann in ebenso scharfen "Snappern" aber teilweise wieder wettgemacht werden.

Und jedes Mal wenn der Rebound kommt, fühlt es sich an, als ob der Boden drin sei und man nun unbedingt einsteigen müsste. Erst hinterher ist man dann klüger.

Wenn man aber Pech hat und einen richtig üblen Bärenmarkt bekommt, kann der auch so aussehen:

Das ist das Verhalten eines kleines Momentum-Wertes, der wieder in sich zusammenfällt. Auf Ebene großer Indizes wie dem S&P500, gibt es das aber nicht in einem Bullenmarkt!

Nur Bärenmärkte können solche massiven Spikes in großen Indizes generieren! Die Volatilität ist erheblich höher als in Bullenmärkten, die Bewegungen schärfer und umfangreicher in beide Richtungen.

Und noch etwas Grundlegendes. Bärenmärkte attackieren nicht nur unser Depot, sondern auch unser emotionales Kapital.

Wir sind eben keine Maschinen, wir sind Menschen und wir dürfen uns vom Markt daher nicht treiben lassen. Denn so ein Bärenmarkt kann Monate, ja im schlimmsten Fall Jahre andauern. Immer wieder hat man sich dann für einen Boden positioniert und er kommt doch nicht. Und wenn er dann kommt, ist man emotional fertig und schaut nicht mehr hin.

Das darf nicht passieren! Halten Sie auch mit Ihrem emotionalen Kapital Haus, nicht nur mit Ihrem Kapital auf dem Konto. Deshalb ist es so wichtig, rechtzeitig weit genug aus dem Markt zu gehen, um das Geschehen gelassen betrachten zu können. Und es ist wichtig, auch immer mal wieder ganz in volle Deckung zu gehen und zum Markt die Schultern zu zucken und auf besseres Wetter zu warten.

Profis sind immer wieder ganz aus dem Markt, zumindest emotional. Sie treffen aber bewusste Entscheidungen das zu tun, sozusagen wie eine Pause. Anfänger dagegen werden vom Markt in eine Pause "getrieben", weil sie dann nicht mehr können, weil ihnen die Puste ausgeht. Das genau ist dann aber oft der Punkt der höchsten Spannung und wenn die Anleger dann wegschauen und ignorieren, passiert in der Regel das, worauf sie vorher so lange gewartet haben!

Merken Sie sich also für Bärenmärkte: Einfach mal in volle Deckung zu gehen und abzuschalten, wirkt oft wie ein Jungbrunnen und ist zwingend nötig. Wer dagegen versucht jede Zuckung zu antizipieren, um nur ja nichts zu verpassen, wird aufgerieben!

Wir halten allgemein fest:

  1. Der Markt steigt in 70% der Zeit und fällt nur in 30% der Zeit.
  2. Wenn der Markt fällt, fällt er aber schneller als er steigt. Aufwärts im Treppenhaus, abwärts im Fahrstuhl (2001) oder mit dem Fallschirm (2008)
  3. Ein Bärenmarkt besteht aus einer Folge sehr massiver Abwärts-Spikes, die von ebenso scharfen Rebounds abgelöst werden. Rebounds die sich jedes Mal wie *die* Wende anfühlen und dann doch enttäuschen. Das "zehrt" an Nerven und Depot.
  4. Ein Bärenmarkt attackiert auch Ihr emotionales Kapital! Lassen Sie das nicht zu, sorgen Sie für Pausen und nehmen Sie rechtzeitig so viel Exposure heraus, dass Sie das Geschehen relativ entspannt verfolgen können.

(2) Wie überlebt ein Investor einen Bärenmarkt?

Die Antwort ist einfach: In dem man ihm aus dem Weg geht. 😉

Genau das ist aber eine immens schwierige Aufgabe, denn es gibt eben keinen sicheren Ort in einem ausgewachsenen Bärenmarkt! Im Artikel -> Zur Sicherheit im Armageddon <- habe ich das ausführlich thematisiert.

Cash ist beispielweise am Anfang ein sicherer Ort, wenn es sich aber um eine Finanzkrise handelt oder starke Inflation beteiligt ist, wird Cash im fortgechrittenen Bärenmarkt selber zum Risiko. Im Artikel -> Armageddon <- habe ich thematisiert, dass man am Hochpunkt der Krise potentiell seinen Cash schnell wieder in Assets wie Qualitäts-Aktien tauschen muss. Auch das sollten Sie nun (nochmal) lesen, ich will die Argumentation hier nicht wiederholen.

Aber auch Gold bietet keine absolute Sicherheit, wie in beiden Artikel oben beschrieben. Klar, ganz langfristig erhält es die Kaufkraft, das stimmt. Aber in der "richtigen" Krise, kann Gold durchaus selber um 40% fallen, insbesondere wenn wie 2008 der "Margin-Call" durch das System fährt.

Anleihen sind im Bärenmarkt natürlich sinnvoll, zumal die Notenbanken dann die Zinsen senken - zumindest die, die sie vorher erhöht haben. 😉 Das gilt aber auch nur für Anleihen allerbester Bonität und selbst die haben in bestimmten Situationen ihre Fragezeichen. So hat Deutschland aktuell noch eine AAA-Einstufung und ich frage mal ganz dumm, wenn bestimmte Entwicklungen weitergehen, würden Sie Deutschland dann noch Ihr Geld leihen? 😉

Also, es gibt im ausgewachsenen Bärenmarkt keinen absolut sicheren Ort zum Verstecken!

Der beste Weg damit umzugehen ist eine Strategie, die das Exposure deutlich reduziert, aber dem Markt nahe bleibt, so wie die Strategien die wir hier letzte Woche in Artikeln beschrieben haben. Denn wenn es keinen absolut sicheren Ort zum Verkriechen gibt, kann man sich nur schützen, in dem man flexibel und in Bewegung bleibt.

Lassen Sie mich das Prinzip an einem Bild erläutern. Stellen Sie sich vor, Sie liegen in der Steinzeit unter Beschuss von Steinkatapulten. Die Flugbahn der Geschosse kann man also verfolgen, man hat nur wenig, aber doch etwas Zeit, denen aus dem Weg zu gehen.

Nun gibt es zwei legitime Varianten sich dagegen zu schützen. Die Eine gräbt sich irgendwo in einen Schützengraben ein. Das schützt zu einem guten Teil und ist besser als offen im Gelände zu sitzen. Wenn es aber einen Volltreffer auf ihren Schützengraben gibt, dann war es das.

Die andere Variante, stellt sich besonders aufmerksam auf einen Bereich mit guter Sicht und sobald eine Kugel mit ihrer Flugbahn sichtbar wird, rennt man schnell aus dem Einschlagbereich heraus. Letztere Methode ist anstrengender und erfordert hohe Aufmerksamkeit, das Überleben ist aber fast sicher, während es in der Schützengraben-Variante nur wahrscheinlich ist.

Wie alle Bilder ist auch das ein wenig schief, ich hoffe es vermittelt trotzdem den Punkt.

Wer wirklich "sicher" sein will, darf in der Krise nicht die Augen zumachen und muss flexibel bleiben. Sicher kann 100% Cash in der dafür "richtigen" Krise die einfache und gelassene Methode sein, um dem Bärenmarkt aus dem Weg zu gehen - bei einer Konjunkturkrise ohne Finanzkrise wird das so sein - es gibt aber eben auch die negativen Varianten und die wären dann ebenso fatal, wie ein Einschlag direkt im Schützengraben!

Immer wach und flexibel zu sein, bedeutet aber nicht jeden Abend stundenlang auf den Markt zu starren, das macht nur fertig und sollten nur Trader machen, für die dann da auch was zu holen ist. Es bedeutet für Investoren vielleicht einmal am Tag zu schauen ob es neue Entwicklungen gibt und ansonsten mit automatischen Alerts zu operieren, die einem sagen, wenn eine wichtige Situation sich entwickelt.

Konkret heisst das für Investoren:

  1. Mit den richtigen Assets, zum Beispiel Utilities oder Anleihen, mit intelligenter Diversifizierung, ist es auch im Bärenmarkt legitim, teilweise im Markt zu bleiben!
  2. In jedem Fall aber muss frühzeitig die Cash-Quote aufgebaut werden!
  3. Wenn der Bärenmarkt sich weiter verschärft, gibt es Szenarien in denen die Cashquote dann mitten im lautesten Schlachtenlärm wieder abgebaut werden muss. Nicht aus Spekulation, sondern zwecks Sicherheit!
  4. Wenn Sie automatisierte Strategien für Ein- und Ausstieg benutzen, denken Sie an die oben beschriebenen massiven Spikes und wählen sie Trigger, die dafür genügend Spielraum haben, damit Sie nicht zerrieben werden. Ein Bärenmarkt ist volatiler und härter als ein Bullenmarkt!
  5. Ein "ganz raus" Szenario, kann mit Glück gut funktionieren, hat aber eigene Risiken, weil Kapital ja irgendwo gehalten werden muss, am Ende in Cash. Die höchste Sicherheit bietet Diversifizierung und Flexibilität. Bleiben Sie wach und auf den Beinen, achten Sie aber auch auf Pausen und Phasen des Abstands!

Etwas Wichtiges noch. Wenn Sie kein sehr guter Trader sind, versuchen Sie gar nicht erst den Bärenmarkt auf der Short-Seite zu spielen. Es hört sich immer so einfach an, "in beide Richtungen" bei Märkten zu partizipieren. Fakt ist aber, dass es auf der Short-Seite viel, viel schwieriger ist. Auch dazu gibt es schon Artikel, siehe zum Beispiel: -> Nur die Harten kommen in den Garten <-.

Und noch etwas Wichtiges. Da Aktienmärkte langfristig steigen, um 5-7% per Annum im Mittel, ist es noch Wichtiger als einem Bärenmarkt aus dem Weg zu gehen, dann auch den Einstieg in Qualitätsaktien wieder zügig zu finden!

Wir überbewerten Verluste instinktiv, wer aber noch einige Jahrzehnte des Lebens und der Akkumulationsphase vor sich hat, sollte langfristig gesehen anders herum denken. Heisst konkret:

Wenn es uns gelungen ist, bei einem Bärenmarkt wie 2000-2003 oder 2007-2009 den ersten 30% Verlust aus dem Weg zu gehen, haben wir einen hervorragend Job gemacht und müssen uns dann von den (berechtigten) Ängsten lösen, dass der Markt noch einmal 10 oder 20% fällt.

Midenstens ebenso wichtig ist dann nämlich, den Einstieg wieder zu finden und das macht man in so einer Situation dann am Besten mit inkrementellem Einstieg. Sobald ein Bärenmarkt also lange genug und tief genug vorangeschritten ist, fangen jüngere Investoren in der Akkumulationsphase wieder an inkrementell neue Positionen aufzubauen, wohl wissend, dass es noch tiefer gehen kann. Ältere Investoren, die keine Zeit zur Akkumulation mehr haben, warten dagegen ab, bis der Markt wirklich gedreht hat, sind also bewusst eher später dran.

Psychologisch gesehen, müssen wir also in einem Bärenmarkt lange skeptisch bleiben und davon ausgehen, dass Rallies wieder abverkauft werden. In einem Bärenmarkt haben die Bullen etwas zu beweisen, nicht umgedreht!

Irgendwann sind wir aber "tief genug" gefallen und wenn nicht das Ende der Welt bevorsteht, wird sich die Wirtschaft auch wieder erholen. Wenn dieser Punkt erreicht ist, von dem wir bei einem ausgewachsenen Bärenmarkt nicht vor 20-30% Minus ausgehen sollten, dann muss sich unser Blick wieder auf die Chancen richten, *obwohl* zu diesem Zeitpunkt die Medien voll mit Weltuntergangsmeldungen sein werden!

Dabei diesen Zeitpunkt zu erkennen, kann ich Ihnen dann bestimmt helfen, aber natürlich nur, wenn Sie dann weiter dabei sind.

Übrigens habe ich dazu schon einen Plan was den Blog angeht. Im Artikel zu den "Assyrern" habe ich ja beschrieben, dass ich davon ausgehe, dass ein 1-2 Jahre andauernder Bärenmarkt, in dem ich über Monate immer nur "Füsse stillhalten" schreiben kann, bei den Anlegern "die Spreu vom Weizen trennt" und auch hier einige frustriert aufgeben werden, die dann Börse (Börse ist Scheiße) und damit auch Mr-Market beiseite legen werden.

Das ist psychologisch verständlich, aber falsch, diese Phasen sind für uns immens wichtig und ich bin ganz sicher, dass nur die am Ende im neuen Bullenmarkt Erfolg haben werden, die den Bärenmarkt auch bewusst durchlebt haben. Die anderen sind dann viel zu lange ängstlich, weil die Medien lange ängstlich sein werden und verpassen die besten Jahre wieder, wie schon 2009 und 2010 passiert.

Ich will hier aber kein Unterhalter für lustgetriebene Schönwetteranleger sein, so funktioniert das auch nicht und dann sind alle meine Bemühungen sowieso zum Scheitern verurteilt. Und das werde ich in der Krise dann vielleicht dadurch exekutieren, dass ich die Verlängerungsgebühren lasse wie sie sind - die bleiben jetzt wie versprochen für ein paar Jahre unverändert - den Neueinsteigerpreis aber *drastisch* erhöhe, von heute auf 340€ auf zum Beispiel 590€.

Klar wird mich das dann ein paar Neu-Mitglieder kosten, um Umsatzmaximierung geht es mir hier ja aber bekanntermassen nicht primär. Ich sehe uns, wie im Februar geschrieben und im Video mit Jonkers erklärt, als Gemeinschaft (Community) an Bord der NCC-2873 Mr-Market, auf der wir gemeinsam das Börsen-Universum erforschen und alle Gefahren und Schwierigkeiten auch gemeinsam bestehen.

Wer dieses Schiff beim ersten Schütteln verlassen will, ist jederzeit frei das zu tun. Die Rückkehr, ist dann aber nur unter Hürden möglich, das ist das Signal, das ich mit der Preispolitik dann vielleicht setzen werde.

(3) Wie überlebt ein Trader einen Bärenmarkt?

Hier kann ich mich kürzer halten. Wer nicht nur herumdaddelt, sondern ernsthaft tradet, arbeitet mit "Setups", also mit einem konkreten Beuteschema, aus dem er seine Trades schöpft.

Grundsätzlich funktioniert das in beide Richtungen gleich, man kann aufwärts oder abwärts handeln und muss sich nur bewusst sein, dass das Shorten ein paar systemische Nachteile und Nickeligkeiten hat, wie im verlinkten Artikel oben beschrieben.

Wenn ein Trader sich also diszipliniert an seine Strategie hält, wenn er Verluste eng begrenzt, kann er ohne Probleme auch im Bärenmarkt weiterhandeln, halt mit einer inversen Hauptrichtung. Wobei es auch im übergeordneten Bärenmarkt ja auch immer irgendwo einen Bullenmarkt gibt - es gibt also Teilmärkte, in denen man auch bullische Setups findet.

Trotzdem, eine Warnung habe ich auch für Trader. Gerade weil der Bärenmarkt so viel volatiler ist, rate ich dazu die Zeitebenen zu reduzieren und ideal nur noch Intraday zu handeln!

Ich habe ja 2008 real erlebt und da sogar auch Short eine Rendite erzielt. Wenn man nun auf die Charts von 2009 wie oben mit Wochen oder Monatskerzen schaut, könnte man meinen, das sei wie ein Strich runtergegangen und man musste nur oben einen Short einwerfen und unten die Gewinne mitnehmen.

Blödsinn! Auf den niedrigeren Zeitebenen gibt es massive Volatilität, die gerne in Form von Overnight-Gaps auftritt. Und nie weiss man, ob das nun nicht doch *der* Rebound ist und man kann daher die Short-Positionen auch nicht einfach im Rebound stehen lassen, viel zu riskant!

Um diesen massiven Overnight-Gaps aus dem Wege zu gehen, die einen im Laufe der Zeit zerreiben und psychologisch fertig machen, macht es Sinn nur Intraday zu agieren.

Und gerade weil im Bärenmarkt harte Snapper an Folgetagen oft wieder verkauft werden, gibt es ganz ausgezeichnete Setups, die man einfach nur diszipliniert spielen muss und das sind alles Varianten von Sell The Fu****g Rebound (STFR).

Wenn es also so einen Snapper gegeben hat und ein neuer Tag negativ eröffnet, dann ist die Chance gut, an so einem Tag einen negativen Trendtag zu erleben, den man dann bis kurz vor Handelsschluss mitnimmt und dann geht man wieder aus dem Markt.

Im Herbst 2008 hat es viele, viele solche Tage gegeben, an denen man Snapper für mehrere Tage danach dann Intraday shorten konnte und 3-5% tiefer am Ende des Tages covern. So habe ich da mit geringem Risiko Gewinn auf der Short-Seite generiert. *Nicht* in dem ich mehrtägige oder sogar mehrwöchige Positionstrades gefahren habe, das wäre viel zu riskant gewesen, in ein massives Gap zu laufen und dann ein Problem zu haben.

Schauen Sie mal, ich habe den "Lehman-Herbst" mal auf Tageskerzen expandiert. Nun sehen Sie, dass das was in Monatskerzen wie ein Strich nach unten aussieht, in Wirklichkeit permanent von massiven Aufwärtssnappern unterbrochen wurde, ich habe die Besten mit blauen Pfeilen markiert:

Das kann man als Shortie nicht einfach aussitzen, weil man nie weiss, ob es jetzt nicht doch *die* Wende wird. Erst hinterher ist man klüger.

Fazit:

Trader fahren im Bärenmarkt ihre Strategie weiter, sie reduzieren aber die Haltedauer und gehen den massiven Overnight-Risiken so weit wie möglich aus dem Weg. Einem Bärenmarkt kann man nicht mal eine Stunde trauen, auch nicht in Abwärtsrichtung! Einem stabilen Bullenmarkt, kann man dagegen auch mal wochenlang trauen, ohne große Risiken zu haben. Das ist der zentrale Unterschied!

Und falls Trader einzelne Aktien und nicht Indizes shorten wollen, sollten sie sich ein Beispiel an den Raubtieren in der Savanne nehmen. Die greifen immer die schwächsten Mitglieder einer Herde als Erstes an, weil ihre Chancen da am Besten sind!

So sollten es auch Shorties halten, eine Wette gegen eine starke Aktie, nur weil man "meint", dass die ja auch mal fallen müsste, ist das Verhalten von Anfängern. Gute Shorts richten sich dagegen auf schon fallende und schwache Aktien!

Das wars fürs Erste. Es gibt noch viel zu sagen, aber ich muss ja für die nervenzehrenden Monate eines Bärenmarktes auch noch Futter haben. 😉 Und für einen Artikel reicht es sowieso und ist eher wieder zu lang geworden.

Prägen Sie sich die Kernaussagen ein, es ist recht sicher, dass wir in den kommenden Jahren gemeinsam einen Bärenmarkt erleben, nur genau wann kann ich Ihnen nicht sagen.

Ihr Hari

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Die Weisheit der Advance / Decline (AD) Line



Im Frühsommer 2016, als der Markt so richtig aus der grossen Konsolidierung seit Anfang 2015 abzuheben begann, habe ich im Premium-Bereich mit den Mitgliedern einen Indikator geteilt, den ich immer mal wieder bemühe um zu schauen, ob der Markt langfristig noch "gesund" ausschaut oder sich in eine Richtung eine Divergenz ergibt.

Damals im Juni war eine klare bullische Divergenz im Indikator vorhanden, der Markt signalisierte grosse innere Stärke und was daraus geworden ist, wissen wir nun im Nachhinein, eine der längsten und gnadenlosesten Aufwärtsbewegungen der Börsengeschichte.

Nun ist ein Indikator nur ein Indikator, Sie wissen auch hier im freien Bereich aus mehreren meiner letzten Artikel, dass ich im Sommer 2016 auch aufgrund anderer Parameter recht bullisch war. Aber ein brauchbarer Indikator ist besser als keiner und deshalb möchte ich auch Sie hier im freien Bereich mal an diesem Indikator schnuppern lassen und bitte Sie, diesen folgenden Artikel vom 09. Juni 2016 mal mit den Augen des Rückblicks zu betrachten.

Im Anschluss daran, zeige ich Ihnen dann was der Indikator für die Gegenwart sagt und das wollen Sie doch ganz besonders wissen, oder?

Alle Charts übrigens mit Dank von -> Stockcharts.com <-

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Artikel Premium-Bereich vom 09.06.16

In den "Hari Notizen" im freien Bereich, hatte ich heute auf die -> New 52-week-highs in S&P500 <- hingewiesen, eine Liste die Aktien zeigt, die ein neues 52-Wochen-Hoch geschafft haben.

Gestern waren das 47 Aktien, oder fast 10% des S&P500. Das ist klarer Ausdruck guter Marktbreite und im bullischen Sinne auf der mittelfristigen Ebene bestätigend. Über das, was der S&P500 heute oder morgen macht, sagt das aber nichts aus.

Auf einen weiteren "Breadth-Indikator" will ich heute auch kurz eingehen, der manchmal auch gute Dienste leistet, in die gleiche Richtung wie die "52-Week-Highs" zeigt und unter anderem darauf hingewiesen hat, dass wir nun gute Chancen für neue Allzeithochs haben.

Das ist der Advance/Decline (AD) Indikator, der ganz simpel die Anzahl der steigenden Aktien, der Anzahl der fallenden Aktien gegenüber stellt. Lesen Sie eine genaue Erklärung hier: -> Advance-Decline Line <-

Manchmal sind es die einfachsten Indikatoren, die die besten Signale liefern, man muss sie nur wahrnehmen und zu werten wissen. Schauen Sie mal hier, wir haben oben die kumulative A/D Linie und darunter den S&P500 zur Referenz, beide seit 2014:

AD 09.06.16

SPX 09.06.16

Jetzt ist mein Vergleich zum S&P500 nicht ganz fair, weil um ganz präzise zu sein, müsste man die AD Line mit dem vergleichen, worauf diese hier im Chart berechnet wird und das ist der NYSE Composite Index (NYA), der etwas umfangreicher, als der S&P500 ist. Da der aber hier kaum bekannt ist und kaum andere Ergebnisse produziert als der S&P500, habe ich Letzteren zum Vergleich genommen. Die Aussagen ist in beiden Fällen identisch.

Wie sehen die klare, positive Divergenz, die die AD-Line seit Februar diesen Jahres hat. Ich habe bewusst mit einer blauen Linie die jeweils obere Begrenzung heraus gearbeitet, um auf einen Blick zu zeigen, dass die kumulative AD Linie und der S&P500, eigentlich ein hohe Parallelität haben.

Das ist ja auch nicht so verwunderlich, denn wenn der Index steigt, steigen auch die enthaltenen Aktien. Die Frage ist immer nur, wie stark der Index die Einzelbewegungen optisch dämpft.

Seit Februar diesen Jahres aber, läuft die AD Linie in einer deutlichen Divergenz nach oben weg. Das können wir so übersetzen, dass der Index an der Oberfläche ruhig und träge erscheint, unter der Decke aber viel mehr Aktien steigen, als fallen.

Und das ist wiederum nur möglich, wenn wenige grosse Titel bremsen, viele mittlere Aktien aber schon im neuen Bullenmarkt sind.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der Russel 2000 Small Cap Index (RUT), gegenüber dem S&P500 hinterher hinkt. Man kann also nicht einfach sagen, dass kleine Aktien besser laufen als grosse. Ausserdem sind im S&P500 ja gar keine so richtig kleinen Aktien.

Nein, die starke AD Linie sagt eindeutig, dass auch mehr mittlere steigen, als der S&P500 auf den ersten Blick sichtbar macht. Das genau ist gute Marktbreite!

Nun sind so Indikatoren immer interpretationsfähig und man kann solche Daten leicht unterschiedlich interpretieren, aber dieses Bild weist recht eindeutig auf einen starken Markt, der im Inneren gesund erscheint. Genau genommen, ist die positive Divergenz zum NYA oder zum RUT, in denen mehr kleine Aktien sind, sogar noch grösser. Den S&P500 mit Divergenz zu schlagen, ist im Moment also die härteste Nuss und auch das schafft aktuell die AD Linie.

So richtig "gemerkt", habe ich das aber auch erst vor ein paar Wochen, als sich auch meine Stimmung aufhellte. Denn es braucht Zeit, bis die Divergenz des Indikators so richtig sichtbar wird und das ist auch kein Indikator, auf den ich täglich schaue.

Aber trotzdem ist es doch faszinierend, wie hier eine augenscheinlich wichtige Information auf einfachster Datenbasis vor unserer Nase war. Und die lautet:

Die US Märkte sind unter der Decke stärker, als sie oberflächlich erscheinen. Dabei wirkt der S&P500 ja auch an der Oberfläche keineswegs schwach.

Faszinierend. Sie sehen, es lohnt sich, immer mal wieder über den Tellerrand zu schauen.

Ihr Hari

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So, das war damals im Frühsommer 2016, ein klares Indiz, dass der Markt grosse innere Stärke hatte. Sollten wir nun nahe einer Topbildung sein, müsste dieser Indikator in die Gegenrichtung deuten.

Die kumulative AD-Line sollte dann schwächer sein, als der Index selber. Das würde darauf hindeuten, dass der Markt innerlich schwächer ist als es scheint, weil er dann nur noch von wenigen grossen Werten zusammen gehalten würde - ein Umstand den man oft (nicht immer aber oft) bei Tops finden kann.

Nun schauen Sie mal, was die aktuellen Daten im Vergleich zeigen:

Man braucht keine Lupe um zu erkennen, dass die AD-Linie immer noch mindestens so gleichmässig, eher stärker als der breite Markt selber nach oben strebt.

Das heisst eindeutig, dass aus Sicht der Marktbreite die aktuelle Bewegung keine Erschöpfungszeichen zeigt und auch keine Topbildung zu erkennen ist, ein Umstand den auch andere technische Parameter zeigen und auf dem ich ja immer herumreite, um wenigstens ein paar von Ihnen aus den Klauen der permanenten Weltuntergangspropheten zu erretten, die seit nun 8 Jahren die Depots ihrer Jünger zerstören.

So ein Indikator ist wie gesagt keine Garantie, es gibt Szenarien, in denen er eine Wende nicht rechtzeitig erkennen könnte. Und eine 5-10% Korrektur steht im Übrigen in keinem Widerspruch zu diesem Indikator, die wäre in dieser Dimension so irrelvant das kaum zu erkennen und im Übrigen völlig normal, dieser Indikator ist sehr träge und zeigt das ganz grosse Bild.

Aber es ist eben ein weiterer Baustein in einer ganzen Reihe technischer Indikatoren, die noch keine grundlegende Wende im Bullenmarkt andeuten. Das mag sich in ein paar Wochen oder Monaten ändern, heute ist es aber noch so!

Ihr Hari

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Perlen Reloaded – Der säkulare Bullenmarkt und unsere Wahrnehmung



Der Blog existiert nun seit Ende 2011 und es wurden darin Unmengen Grundlagen-Artikel geschrieben. Bis Ende 2015 hatten wir ja auch das alte Blogformat, in dem pro Woche alles in ein grosses File geschrieben wurde und dadurch schlechter zu finden war.

Ich habe zwar in einer grossen Fleissarbeit Referenzfiles erstellt, die man unter -> Wissenswertes für Neueinsteiger <- in einem Archiv finden kann und eine Sektion -> Grundlagen <- des neuen Einzelartikelformats seit November 2015. Beides werden aber nur sporadisch besucht, auch viele neue Mitglieder, werfen da wohl keinen Blick herein. Dabei gibt es auch in den alten Artikeln jede Menge auch heute Lesenswertes und Grundsätzliches. Ich erwecke deshalb in der lockeren Reihe "Perlen Reloaded", jeweils einen alten Artikel wieder zum Leben.

Hier ist der dritte Artikel dieser Reihe, eine weitsichtige Vorausschau aus dem Jahre 2014, was wir von dem Markt zu halten haben, in dem wir uns bewegen.

Es wurde dann kein voller Retest wie im Artikel am Ende antizipiert, dafür aber eine sofortige, scharfe Korrektur im Oktober 2014 und dann diese grosse Konsolidierungsstruktur von 2015-2016, die wir alle bis zur Wahl Trumps erlebt haben. Im Saldo sind wir aber trotzdem mitten in dem skizzierten Szenario.

Lesen Sie den Artikel deshalb unbedingt noch einmal, den die Kernaussage die ich damals gemacht habe unterstreicht, wie richtig sie heute erst recht ist. Und es unterstreicht, das man den Charakter des Marktes mit Weitsicht schon richtig einschätzen kann, auch wenn man natürlich nicht jede Pirouette richtig treffen wird. Und es zeigt, wie penetrant die "Crash-Gurus" schon damals mit ihren Gruselgeschichten für Unbedarfte waren.

Damals ging meine gedachte Kurslinie Anfang 2017 durch 2500 im SP500 hindurcj, nun sind wir Mitte 2017 fast da. Warum soll es also nicht so weiter gehen wie da schon skizziert?

Ihr Hari

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Montag 22.09.14 11:05 - S&P500 langfristig, der säkulare Bullenmarkt und unsere Wahrnehmung

Ich habe in Anbetracht des ruhigen, indifferenten Marktes mich mal wieder mit Excel beschäftigt, um Ihnen mal ein langfristiges logarithmisches Bild des Leitindex S&P500 zu zeigen.

Denn manchmal macht es Sinn, das grosse Ganze nicht aus dem Auge zu verlieren. Und bedingt durch die sich "hoch" anfühlenden Zahlen 10.000 für den DAX und 2.000 für den S&P500, könnte man sich ja die Frage stellen, ob dieser Markt nicht so "überbewertet" ist, dass man nun unbedingt den nächsten Crash vor Augen haben muss. Das sind die ja die Erzählungen, mit denen wir derzeit permanent von den diversen "Crash-Gurus" penetriert werden.

Wir wollen ja aber statt dessen objektiv und ohne Bias sein. Und deshalb habe ich mir -> hier <- mal die historischen Jahresdaten des S&P500 besorgt, die bis zum grossen Boom 1929 und zum grossen Crash danach zurück reichen und diese via Excel aufbereitet. Hier ist das beeindruckende Ergebnis in logarithmischer Darstellung:

S&P500 historisch

Sie sehen, dass der S&P500 im sehr langfristigen Massstab eine gleichmässige Steigung zeigt. Diese Steigung entspricht der langfristigen Rendite, die aus dem Aktienmarkt zu holen ist. Da der S&P500 ein Kursindex ist, kommen die Dividenden noch oben darauf.

Sie sehen die obere Begrenzung, die durch die Übertreibung 1929 und 2000 definiert ist.

Sie sehen die untere Begrenzung, die durch die Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre, den 2. Weltkrieg, die Tiefs der 70er Baisse und die Lehman-Krise 2008 definiert ist.

Und Sie sehen einen mittlere "normale" Steigungslinie, die man - wenn man so will - als das Normalmass des Marktes bezeichnen könnte.

Die für Sie vielleicht überraschende Erkenntnis lautet: wir sind derzeit nur wenig über das langfristige Normalmass hinaus und nicht im extremen Bereich! Die noch nahe "Nahtoderfahrung" 2008 lässt uns die Wirklichkeit derzeit verzerrt wahrnehmen. Ich bin sicher, auch in den späten 30er Jahren, hatten die Anleger permanent den 32er Crash noch vor Augen.

Sie sehen weiterhin die grosse Konsolidierung der 60er und 70er Jahre, die durchaus ihre rhythmische Entsprechung in der Konsolidierung seit 2000 findet. Passend dazu hatte ich letzten November schon den Artikel -> Steht ein neuer säkularer Bullenmarkt bevor? <- geschrieben, der ein langfristiges Chart des Dow Jones Index beinhaltete, das die Rhythmik der Konsolidierungen zeigte:

Dow Historisch

Und nun habe ich zum Schluss noch ein Chart, dieses mal den S&P500 seit Ende der 90er Jahre:

S&P500 3 22.09.14

Es ist das Bild einer Aufwärtsbewegung, die durch eine über 10-jährige Konsolidierung unterbrochen wurde. Diese Konsolidierung wurde nun durch einen massiven Ausbruch beendet!

Und nun stellen wir uns vor, das wäre kein Index, sondern eine Aktie. Was wäre der wahrscheinlichste weitere Verlauf?

Genau, es wäre der Retest, worauf sich der wirkliche Ausbruch anschliesst, so wie hier eingezeichnet! Und dieses Bild würde perfekt zu den beiden obigen sehr langfristigen Charts passen!

Hilft uns das jetzt, bei unseren täglichen Aktivitäten an Markt? Nur bedingt, denn diesem Retest herab bis vielleicht 1600 im S&P500 wollen und werden wir natürlich aus dem Wege gehen.

Aber das Bild beinhaltet eine wichtige langfristige Botschaft an uns. Lassen wir uns nicht den objektiven Blick durch die 2008er Nahtoderfahrung vernebeln und lassen wir nicht das Gift dieser ganzen Crashpropheten in unsere Adern träufeln.

Denn objektiv bestehen gute Chancen, dass wir uns gerade in der Anfangsphase eines neuen säkularen Bullenmarktes befinden, der uns noch viel viel höher tragen kann, als wir uns derzeit vorstellen. Wir befinden uns vielleicht sozusagen im Jahr 1980 und was danach langfristig kam, sehen Sie im Chart. Und 2.000 ist einfach nur eine Zahl und sonst nichts. In den 60er und 70er Jahren war diese Zahl "100" und auch da war der Markt manchmal temporär ausgereizt und überbewertet - bei 100. 😉

Eine Garantie gibt es für dieses Modell natürlich nicht, die Zukunft bleibt unbestimmt. Aber dieses Modell ist rational ebenso realistisch, wenn nicht realistischer, als ein erneuter schneller Crash runter auf 2008er Niveaus, und das ist doch schon eine interessante Botschaft oder?

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass über die Crash-Variante allenthalben gebabbelt wird. Wenn es neben den Anleihenbewertungen derzeit eine Blase gibt, dann ist es die mediale Blase des Blasengeredes. Über die Möglichkeit, dass wir am Beginn eines neuen säkularen Bullenmarktes stehen, redet aber kaum jemand.

Was sagt uns das? Und was sagt die Reflexivität zu dieser kommunikativen Schieflage und dem damit verbundenen Bias? 😉

Ihr Hari

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Vergangenheit und Zukunft



Sie wissen, dass ich mich alle paar Monate gerne mal zurück lehne und mir die ganz grossen, langfristigen Linien der Marktstrukturen vor Augen führe. Nicht weil ich dann fest auf einen bestimmten Ausgang wette, sondern weil ich mir der Möglichkeiten und grossen Trends bewusst werden will.

Heute will ich das mal wieder tun und in sehr langfristigen Charts mit Monatskerzen nach Wahrheiten und Tendenzen suchen, die im täglichen Klein-Klein gerne untergehen.

Britisches Pfund zum Dollar 1972 - 2017

Ganz klar ist, dass GBP langfristig zum Dollar eher unterbewertet denn überbewertet ist. Eine Normzone kann man im Bereich 1,4 - 1,7 grob verorten. Es dürfte Sinn machen, hier eher auf das Pfund zu wetten, statt dagegen.

Wen es historisch interessiert, den Tiefpunkt 1985 erreichte das Pfund (und viele andere Währungen) zum Dollar, kurz bevor sich das -> Plaza Abkommen <- abzeichnete.

Gold 2002 - 2017

Dass Gold im Lichte der Dollarschwäche derzeit keine besonders starke Figur abgibt, habe ich kommuniziert. Im grossen Bild sind solche mehrwöchigen Tendenzen aber irrelevant, das Chart von XAUSUSD seit 2002 offenbart eine ganz andere Struktur:

Hier sieht das eher nach dem Beginn einer neuen Aufwärtsphase aus, als nach dem Gegenteil, wiewohl beide Richtungen noch möglich sind. Die riesige Konsolidierung seit 2011 scheint aber eher abgeschlossen. Ganz grundsätzlich ist es ja auch so, dass alle Fiat-Währungen in ihrem Wert langfristig nur eine Richtung kennen, nach unten. Das nennt man übrigens Inflation. 😉

US Crude Oil 2000 - 2017

Machen wir es uns doch mal ganz einfach. Nehmen wir mal an, dass Chartstrukturen eine Bedeutung haben und nicht nur sinnlose Gesichter in Wolken sind. Dann wischen wir einfach mal alles weg, was wir zu Öl gehört haben oder vermuten. OPEC, Fracker, Russland, alles ganz egal.

Und dann schauen wir auf das Langfristchart. Weitere Worte sind dann wohl unnötig, oder? 😉

Emerging Marktes (ETF EEM) 2003-2017

Die grosse Erzählung des Aufstiegs der Emerging Markets, ist mit der Finanzkrise 2008 scheinbar gestorben. Woran das liegt ist eine spannende Frage, die Notenbankpolitik spielt mit Sicherheit eine erhebliche Rolle.

Ein Gedankenmodell ist, dass die Niedrigzinsen der Industrieländern ab 2008 die Abwertungspolitik der Emerging Marktes konterkarieren, weil die Währungen der Industrieländer damit nicht mehr so extrem zu den Währungen der Emerging Markets aufwerten, wie vor der Krise. Damit kommen die realen Produktivitätsunterschiede wieder stärker zum Tragen, die oft kultureller Natur sind und daher nicht so schnell weggegehen werden, wie es noch in den 90er Jahren schien.

Man kann das sehr schön an Brasilien festmachen, das Land ist eben trotz aller Entwicklung immer noch Brasilien und kann nicht die gleiche Produktivität erreichen, wie nordeuropäische Länder.


(Anmerkung, ich habe eine Kursanomlie in 2005 bereinigt)

Wie geht das weiter? Schwer zu sagen, an eine grundlegende, lange neue Aufstiegsphase der Emerging Markets, glaube ich relativ zu den Industrieländern nicht. Das Zurückdrehen der Globalisierung und das Rückverlagern von Produktion wieder in die alten Industrieländer, weil sie durch Technologie keine billigen Menschenmassen mehr erfordert, wird die politische Stabilität und Produktivitätsvorteile der alten Industrieländer eher wieder in den Vordergrund heben.

Dow Jones 1986 - 2017

Einen "Kracher" habe ich noch. 😀

Erinnern Sie sich an das Chart? Es stammt aus diesem Artikel aus 2013: -> Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor? <-

Eine kleine Änderung habe ich vorgenommen. Wir wissen ja, dass wir im DOW nun bei 21.000 stehen. Diese habe ich eingezeichnet - nicht ganz massstäblich, weil rechts nicht mehr genügend Platz war, aber der Punkt ist auch so gemacht.

Achja und eine Numerierung der Bullenmärkte habe ich eingefügt, wobei man sich auf die mittlere Länge konzentrieren sollte. 😉

Wie heisst es so schön? "Past performance is not indicative of future results". Das stimmt und sollte man nie vergessen und sich nie zu sicher fühlen. Augenöffnend, was wir hier vielleicht vor uns haben, finde ich dieses Chart aber schon.

Und immerhin war es die letzten 4 Jahre zutreffend. Kennen Sie viele andere, die 2013 solche Charts herum gereicht haben? Sich einen offenen Geist zu bewahren, hat halt Wert. 😉

Ihr Hari

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Meistgehasster Bullenmarkt

Sie glauben immer noch, dass man nur die Weltnachrichten verfolgen muss, sich dazu eine Meinung bilden und man dann antizipieren könnte, was die Börse machen wird?

Na gut, schauen wir uns mal die aktuelle Lage an:

  • Wir hatten ein eher desaströses Treffen Trump-Merkel, aus dem hervor ging, wie wenig die Beiden sich zu sagen haben.
  • Wir hatten ein G20 Treffen der Finanzminister, bei dem man sich noch nicht einmal darauf einigen konnte, sich gegen "Protektionismus" auszusprechen.
  • Wir haben massive, positive Erwartungen an Infrastruktur- und Steuer-Gesetze Trumps im Markt, die mit Sicherheit nicht alle gleichzeitig so wie erhofft Realität werden können.
  • Wir haben einen Markt nahe der Höchststände der massivst überkauft ist und nach einer überfälligen Korrektur schreit.
  • Wir haben diverse Marktinternas wie die Marktbreite, die klare Warnsignale senden.
  • Wir haben diverse Potentaten, die wahlweise mit Religions- oder Atomkriegen drohen.
  • Wir haben ........ Sie dürfen hier selber anfügen, Ihnen wird sicher allerlei einfallen.

All das ist die Realität um uns, auf der basierend sich am Markt Preise für Risikoassets wie Firmen entwickeln.

Mit Sicherheit dürfte im Angesicht dieser riskanten Kombination von hohen Kursen und hohen Risiken, auch meine Oma seelig eine Korrektur erwarten, die nun wahrlich keinerlei Zugang zur Börse hatte.

Diese kritische Lagebeurteilung ist also totaler Konsens und wer aktuell eine Korrektur erwartet, ist kein "Contrarian" sondern Teil einer riesigen, blökenden Herde.

Deshalb haben wir auch so eine vergleichsweise kritische und uneuphorische Stimmung im Markt, trotz Kursen nahe der Höchststände.

Und genau da liegt das Problem. Denn der Markt ist selbstreferentiell und was alle erwarten, ist schon in den Kursen und kann schwerlich zu einer Überraschung führen.

Genau das nennt man eine "Wall of Worry" und die klettern wir gerade. Wir haben wohl einen der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte vor uns.

Kluge Anleger respektieren das. Sie sind zwar vorsichtig und sichern sich nach unten ab, denn die Risiken sind immens. Sie stellen sich aber auch nicht gegen den Markt und diskutieren nicht mit ihm.

Ist das einfach? Nein bestimmt nicht. Aber es ist die Grundvoraussetzung, um am Markt erfolgreich zu sein. Denn wenn sich Geldanlagen zu wohlig anfühlen, kann an ihnen etwas nicht mehr stimmen. Das muss so sein, weil der Markt eben -> reflexiv <- ist.

Ob uns das gefällt ist ohne jede Relevanz. Es ist so und wir arrangieren uns besser damit, oder tragen die Konsequenzen im Depot.

Ihr Hari

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Wie eine Topbildung aussieht



Nein, wir haben noch keine Topbildung. Wir haben derzeit einen stampfenden, schiebenden, schwitzenden Bullenmarkt. 😀

Aber ich habe ja zuletzt immer wieder betont, dass neue Hochs *keine* Gefahr sind, dass Märkte in der Regel *nicht* sofort auf dem Fusse drehen - ausser es passiert etwas völlig Überraschendes - und dass man deswegen bei neuen Hochs keine Angst haben muss. Denn mir ist völlig klar, wie schwer es unserem Affenhirn fällt, so starke Märkte zu kaufen. Viel lieber greift unser Affenhirn zu, wenn etwas stark fällt, weil es sich dann billig anfühlt - Sie wissen schon, das berühmte fallende Messer - Aua! 😉

Berechtigten Grund zur Sorge gibt es dagegen, wenn klare Wendeformationen existieren, oder man so eine "Brösel, Brösel, Brösel" Situation hat, an deren Ende dann der Absturz über die Klippe kommt.

Nun sind Worte aber nur Worte, einprägsame Bilder machen mehr Eindruck. Deswegen mache ich mit Ihnen heute eine Chartreise durch die letzten 5 Situationen, die im langfristigen Bild mit Wochenkerzen den Namen "Crash" oder "Einbruch" zu Recht getragen haben. Als da sind:

  1. Eurokrise 2011 aus Sicht von S&P500 und DAX
  2. Lehman 2008 aus Sicht von S&P500 und DAX
  3. Internetblase 2000 aus Sicht von S&P500 und DAX
  4. Long Term Capital Management (LCTM) Crash 1998 aus Sicht von S&P500 -> LTCM Crash <-
  5. Schwarzer Montag 1987 aus Sicht von S&P500 -> Black Monday <-

Für die beiden Ereignisse von 1998 und 1987 habe ich keine sauberen Charts vom DAX mehr, daher nur die S&P500 Betrachtung. Ich rate dazu, sich die beiden Links zu 1998 und 1987 mal zu Gemüte zu führen, um zu verstehen, worum es dabei gegangen ist. Denn das wird für die Bewertung wichtig sein und viele werden diese Krisen nicht bewusst erlebt haben, es kann ja nicht jeder so eine alter "Knacker" wie ich sein. 😉

Der Black Monday von 1987 hatte übrigens keinen klaren Katalysator, man könnte sagen, der Markt ist unter dem eigenen Gewicht zusammen geklappt. Der LCTM Crash dagegen hatte für den Markt eine eindeutige, plötzlich und in ihrer Dynamik völlig überraschende Ursache. Insofern ist 1998 die Ausnahme und es wird interessant sein zu sehen, ob auch die Kurse da ein Ausnahmeverhalten zeigen.

Im Folgenden zeige ich Ihnen nun die 8 Charts mit Markierung und kurzen Worten, die weitgehend für sich sprechen. Gegen Ende dann eine Zusammenfassung.

So .... ich denke die Botschaft ist klar. In allen - wirklich in allen - Fällen ausser 1998 bei LCTM, hat sich der Einbruch vorher durch zumindest ein niedrigeres Hoch, eine klare Topbildung oder eine Brösel,Brösel,Brösel Situation mit klarem Abwärtstrend angedeutet. In vielen Fällen wie 2000 gab es sogar x-fache Warnungen mit niedrigeren Hochs und damit *Null* Grund, diese Reise nach unten mitzumachen.

Wer also die Charts und die Marktmechanik klar beachtet hat, wer dann ausgestiegen ist, wenn sich klar ein Abwärtstrend oder eine vollendete Topformation ergab, war immer auf der sicheren Seite und hat den grossen Absturz *nicht* voll mitmachen müssen. Vielmehr konnte dieser Marktteilnehmer dann viel tiefer wieder kaufen und so einen massiven relativen Ertrag erzielen. Der Crash legte die Grundlage für riesige Gewinne danach sozusagen.

Sicher, vom Top 10 oder 20% Prozent abgeben zu müssen ist nicht schön, wer das vermeiden will, muss halt auf kleineren Zeitebenen wie Tageskerzen solche Absicherungsaktionen machen und damit etwas intensiver rein und raus gehen. Der entscheidende Punkt ist aber, einen Grund den Weg nach unten mitzumachen, gab es nicht für die, die Augen hatten zu sehen und wenigstens die Grundkonzepte von Trends verstanden haben.

Es gab nur eine Ausnahme: LTCM 1998. Und das, weil das für die Märkte völlig überraschend und schnell, ohne grosse Vorbereitung kam. Gestern sprach ich davon, dass wir auch so einen Fall hätten, wenn der koreanische Gnom nun einen Atomkrieg beginnen würde. Stimmt, in dem Fall gibt es keine Vorwarnung in den Charts und keine tieferen Hochs die *Alarm* für sehende Augen schreien. In dem Fall geht es sofort massiv runter.

Mit diesem Restrisiko müssen wir aber leben, sonst dürfen wir Morgens gar nicht mehr aufstehen und selbst in so einem Fall ist noch Zeit, mittendrin händisch die Reissleine zu ziehen, wir haben im Chart da Wochenkerzen und keine Minutenkerzen!

Fazit: Keine Panik bei neuen Hochs. Sicher kann das ein Top werden, aber riskant wird ein Markt erst später, wenn er anfängt tiefere Hochs und tiefere Tiefs zu generieren. Brösel, Brösel eben. 😉

Ich hoffe das trägt zur Beruhigung bei und hilft Ihnen, Bullenmärkte in Zukunft auch mal richtig mitzugehen. Hören Sie nicht auf die ganzen Crash-Propheten mit ihrem Gebrabbel, die haben auch keine Glaskugel.

Der Markt weist uns den Weg, der ist nicht unser Feind, sondern unser Hirte. 😉

Ihr Hari

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Kinder Morgan und Deutsche Post – Bullenmarkt oder Bärenmarkt?

Die breiten Indizes von S&P500 bis DAX, haben nun zum bisher besten Rebound-Versuch des Jahres angesetzt. Drei Tage hintereinander, ist der S&P500 nun gestiegen und auch der DAX hat mit der 9.300er Marke, einen ersten wichtigen Widerstand zurück erobert.

Natürlich kommen dann - das ist wie beim Murmeltier, das täglich grüsst - gleich die "grossen" Prognostiker aus ihren Ecken, die dann die "grossen Wende" ausrufen und wieder "Kaufkurse" schreien, wie sie das ja schon am Anfang des Jahres so treffend und punktgenau getan haben. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Oder andere, die Permabären, sind sich so etwas von sicher, dass es es immer weiter runter gehen *muss*, dass sie diesen ersten ernst zu nehmenden Rebound des Jahres, nun schon wieder Shorten, weil das "Endspiel" ja zwangsläufig begonnen hat und wir sowieso schon bald vor einer Währungsreform stehen.

Das kann alles sein und ich schliesse nichts aus, es hilft uns aber herzlich wenig. Und wer sich zu stark und verbohrt mit einer vermeintlich "sicheren" Zukunft verheiratet, hat nur eines garantiert: dass er im Markt keinen Erfolg haben kann. Denn der Markt ist immer in Bewegung und per Definitionem wetterwendisch.

Eine besonders absurde Form des Drangs etwas statisch zu definieren, was in Realität immmer in Bewegung ist, ist dabei der Versuch, einen Bullen- oder Bärenmarkt über absolute Prozentzahlen zu definieren.

Weiterlesen ...

Das Chart des Grauens



Guten Morgen!

Das war wirklich extrem enttäuschend, was die Wallstreet gestern abgeliefert hat. Mehr als gleichzeitig eine Erleichterungsreaktion in Asien, sehr gute Vorgaben aus Europa, einen Ölpreis wieder über 30 USD und eine extrem überverkaufte Marktlage, geht ja als Unterstützung wirklich kaum.

Unter diesen Voraussetzung praktisch nichts zusammen zu bekommen und sofort wieder wegzuknicken, ist Ausdruck immenser Schwäche und massiven Käuferstreiks an der Wallstreet. Selbst wenn sich nun doch noch ein Rebound in Gang setzt, verheisst das mittelfristig nichts Gutes.

Wir gruselig die Price-Action seit Jahresanfang ist und wie ein Bärenmarkt ausschaut, können wir daher am "Chart des Grauens" schön sehen, dem Chart des S&P500 seit Ende 2015:

S&P500F 19.01.16

Wir sehen die anämische Jahresendrally (in Grün), die defacto fast völlig ausgefallen ist. Aber immerhin wurden die Kurse für das Window Dressing auf dem Niveau gehalten.

Mit dem neuen Jahr setzte dann - in perfekter 2007/2008 Analogie - massiver Abgabedruck ein, den ich ja antizipiert hatte. Die erste Woche (in Rot) hatte ich viel Spass, weil ich der Bewegung fast völlig aus dem Weg gegangen bin und taktisch auch ein wenig auf der Short-Seite unterwegs war.

Mit dem Beginn der letzten Woche aber, mit dem 11.01., begann (in Blau) die aktuelle Phase, die sich weit komplizierter gestaltet, als die Woche vorher. Immer wieder bin ich aufgrund der Marktmechanik auf Ausschau nach einem Rebound gewesen, warum das logisch und nachvollziehbar war, kann man im Chart erkennen und unterstützt war die Chance auch durch andere Parameter.

In allen drei Fällen, war der initiale Gedanke auch richtig, der Rebound setzte sich jedes Mal zuverlässig in Bewegung. In allen drei Fällen aber - auch gestern - wurde der beginnende Rebound sofort wieder brutal abverkauft!

Das ist schon ungewöhnlich und ist so klares Bärenmarktverhalten, wie ich es seit 2011 nicht mehr gesehen habe. Genau genommen ist es sogar historisch, nach dem Research von Jason Goepfert gilt:

In the history .... , there has never been this tight of a cluster of 1% rallies from what would have been a three month closing low

Historisch einmalig oder nur extrem ungewöhnlich, letztlich ist das egal. Wir haben es hier mit einem extremen Marktverhalten zu tun und das sollte uns sehr, sehr vorsichtig machen, denn wenn sich ein veritabler Crash mal in Gang setzt, dann nicht aus heiterem Himmel in einem Bullenmarkt, sondern wenn die Marktbedingungen so wackelig sind, wie aktuell.

Wenn man um jeden Preis hier etwas Positives im Chart finden will, könnte man festhalten, dass es gestern noch die Chance auf ein höheres Tief gab und gestern in der letzten Stunde, eine kleine Gegenbewegung mit einer sauber durchlaufenen iSKS vorhanden war.

Insofern wäre der Gedanke an eine Gegenbewegung - auch zum vierten Mal - nicht falsch, eigentlich ist diese massiv überfällig. Siehe oben, diese Kette abgebrochener Rallys ist historisch einmalig! Über so eine Gegenbewegung hinaus, verheisst aber eine solche Price-Action wie seit Jahresanfang, aber wirklich nichts Gutes für den weiteren Verlauf!

Tja und was haben wir dann heute Morgen bekommen? Erneut massiven Abwärtsdruck aus Asien und einen weiter fallenden Ölpreis. Und damit kann man den Gedanken an eine Wende gleich wieder vergessen. Der DAX Future steht nun auch exakt auf der wichtigen Unterstützung, die durch die Tiefs vom Herbst definiert ist:

DAX Future 20.01.16

Und im S&P500 laufen wir heute dann sogar Gefahr, durch die Unterstützung durch zu fallen. Alles spricht also für einen extremen Tag, an dem alles möglich ist:

Vielleicht fallen wir nun in allen Indizes durch die Unterstützung durch und entwickeln einen veritablen Crash, der uns in kurzer Zeit um weitere 10-15% nach unten katapultiert.

Vielleicht drehen die Indizes hier und jetzt, genau dann, wenn die Nacht am dunkelsten ist und es schliesst sich ein brutaler Short-Squeeze an.

Ich kann Ihnen das im Vorfeld nicht sagen, der Markt weiss es selber nicht. Ich kann Ihnen nur sagen, dass hier "Grosses" in der Luft liegt.

Das Gummiband ist ganz extrem gespannt und egal ob es reisst oder schnappt, der Knall dürfte markant werden.

An so einem Tag verbietet sich damit auch jede Spekulation zu einzelnen Werten. Und es verbietet sich, sich zu sehr zu exponieren.

Heute ist so ein Tag, an dem jedes hektische Verhalten das Risiko in sich birgt, alles nur viel Schlimmer zu machen. Wer den Luxus hat, nun weitgehend an der Seitenlinie zu stehen, schaut nun einfach entspannt und fasziniert zu.

Wer den Luxus nicht hat, weil sie/er immer noch zu stark exponiert ist, muss sich klar machen, dass der Fehler schon gemacht wurde und heute nicht durch Hektik ausgebügelt werden kann. Zu unklar ist, was passieren wird.

Schauen wir uns das Spektakel also einfach gemeinsam an. Aber wie gesagt:

So etwas wie die letzten Handelstage, mit drei! abgewürgten Rebounds direkt hintereinander, habe ich lange nicht gesehen bzw noch nie gesehen! Das alleine gemahnt dazu, die Hände mal unter den Hintern zu legen und erst einmal nur zuzuschauen!

Ihr Hari

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