Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

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Stärke gebiert Stärke



Ich habe eine Frage an Sie: Wann ist ein Markt anfälliger für einen Crash?

a) Wenn er sehr stark gestiegen und massiv nach oben überdehnt ist?
b) Wenn er schon zu fallen begonnen hat und die Fallgeschwindigkeit zunimmt?

Hmm? Ich sage Ihnen, wie die Mehrheit der normalen Anleger instinktiv agiert.

Im Fall a) trauen sie dem Markt nicht, sind entweder nicht dabei oder wollen sogar klüger sein und den Markt shorten.
Im Fall b) sehen sie dass Ihre Lieblingsaktien nun 20% billiger sind und denken daran nun zu kaufen.

Soweit das instinktive Verhalten des normalen Anlegers. Und wann ist ein Markt nun objektiv anfälliger für einen Crash?

Ganz eindeutig im Fall b), wir nennen das das "Brösel, Brösel, Brösel" Szenario, dem bald der Schritt über die Klippe folgen könnte. Grosse Topbildungen haben gerne solche Strukturen, bevor es richtig "über die Klippe" abwärts geht, auch 2008 gehörte dazu.

Ganz starke Märkte dagegen, die wie im Fall a) neue Hochs generieren, sind vielleicht mal für eine kleine Korrektur gut, aber nicht für einen Crash. Topbildungen brauchen einfach Zeit und passieren nicht "mir nichts dir nichts" aus dem Nichts!

So weit das Grundsätzliche. Nun schauen wir auf das Spezielle.

Hier haben wir den -> CNN Fear and Greed Index <- von gestern Abend nach Schluss der Wallstreet, der den internen Zustand des US Marktes basierend auf vielen technischen Parametern in einer einfachen Anzeige zusammen fast:

Wir haben also aktuell "Extreme Greed" - extreme Gier - -> Nothings´s Gonna Stop Us Now <- sozusagen.

Der Markt ist also klar überdehnt und für eine Korrektur oder Konsolidierung überreif, die heute schon einsetzen könnte. Aber einen Crash und eine grundlegende Trendwende? Nein.

Stärke gebiert Stärke und damit ein Markt überhaupt so eine "Gier" entwickeln kann, muss er massive Treiber besitzen, die nicht einfach über Nacht weggehen. Damit so ein Baby nachhaltig dreht, braucht es Zeit und eine sich langsam ändernde Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Alleine eine überraschende globale Katastrophe wie zum Beispiel ein Atomkrieg, könnte diesen zeitintensiven Prozess einfach so über Nacht ablaufen lassen und uns am nächsten Morgen mit einem Crash aufwachen lassen.

Stärke führt also in 9 Fällen zu weiterer Stärke und Stärke ist kein Grund sich dagegen zu stellen. Dass es auch einen Fall 10 gibt, in dem es dann völlig überraschend doch anders kommt, müssen wir einfach akzeptieren.

Lieber 9 mal richtig liegen und einmal falsch, sollte jeder vernünftige Mensch denken oder? Der Anleger, der klüger als der Markt sein will, neigt aber leider dazu, sich 9 mal dagegen zu stellen und wenn dann der Fall 10 eintritt, hat er die Nerven verloren und ist nicht mehr dabei, weil er statt die eigenen Fehler den "irrationalen Markt" zum Schuldigen erhoben hat.

Machen wir diesen Fehler nicht. Dieser aktuelle Markt ist extrem stark und gleichzeitig für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierungsphase nun überreif. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Korrektur aber mit Blick auf das Jahresende zum Jahresende wieder zu kaufen ist, ist auch sehr hoch. Topbildungen brauchen Zeit, wie haben derzeit nicht einmal den Ansatz einer Solchen!

Ihr Hari

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Der Erkenntnisprozess von Börsen und Politik



Zum Zusammenspiel zwischen Börsen und Politik, gibt es viele Fehlkonzeptionen. Die Eine ist der Spruch von den politischen Börsen die kurze Beine haben, denn dieser ist richtig und falsch zugleich - er verkennt den wahren Zusammenhang.

Richtig ist der Satz, weil vieles von dem, was Politik so bewegt, an den weltweiten Märkten eher ein Schulterzucken auslöst.

  • Ob eine grosse Koalition oder eine Jamaika-Koalition gebildet wird? Schulterzucken bis auf geringe Branchenanpassungen.
  • Ob die AfD 5 oder 15% bei der Wahl hat? Schulterzucken.
  • Was mit "Horstie" und der CSU nun passiert? Schulterzucken.
  • Der Wirrwarr in der deutschen Bildungspolitik? Schulterzucken.
  • Ob in Deutschland 1 oder 2 Millionen Migranten dazu kommen? Schulterzucken.
  • Ob der Diesel nun in 2025, 2030 oder gar nicht verboten wird? Schulterzucken bis auf Einzelaktien.
  • Ob der Genderismus sich durchsetzt oder eine Marotte verirrter Wohlstandsbürger bleibt? Schulterzucken.
  • Die Rente mit 65, 67 oder 70? Schulterzucken.

Und so weiter und so fort. Ja, wenn es um all die Themen geht, die Politik gerne ins Schaufenster stellt, weil sie so schön greifbar sind, haben politische Börsen eher kurze Beine - das stimmt. Und selbst Krieg hat kurze Beine, solange man von einem baldigen Ende und begrenzten Folgen ausgehen kann.

Aber falsch ist der Satz auch, denn es gäbe da schon grundlegende Entwicklungen, die den Markt so richtig in Wallung bringen würden und das nicht nur kurzfristig. Und das sind die grossen tektonischen Verschiebungen.

  • Ob Deutschland weiter den (via EZB) Transfermechanismus Richtung Südeuropa stützt?
  • Ob Deutschland vom stabilen Zentrum der Währungsunion zum Wackelkandidaten wird?
  • Ob die von Macron gewünschte Vertiefung der Eurozone eine Chance hat?
  • Ob Deutschland eine wirtschaftsfreundliche Regierung bekommt oder das Gegenteil?

All das hat erhebliche Auswirkungen auf die Märkte, sobald sich da Entwicklungen anbahnen. Und das sind keine kurzfristigen Auswirkungen. Nein, was das angeht, haben politische Börsen ganz lange Beine, die Eurokrise beschäftigt uns ja nun auch seit Jahren.

Wenn man so will, schaut der Markt bei der Politik eben hinter die Fassade. Er unterscheidet zwischem dem täglichen politischen Hin und Her und den grundlegenden Entwicklungen bei den Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Finanzen. Der Rest ist den Märkten egal, das sind aus Sicht der Märkte sozusagen "Orchideenthemen für die Talkshows" oder von rein nationaler Bedeutung.

Die beste Politik ist für die Märkte eine, die gar nicht stattfindet, in der die Politik also ihre Finger aus Wirtschaft und Finanzen lässt. Diese Weisheit ist nach wie vor gültig.

Und weil das so ist, sind die Folgen der Bundestagswahl auch so spannend. Das von mir -> hier <- beschriebene Risiko eines Scheiterns der Regierungsbildung, ist mit dem gestrigen Abend erheblich wahrscheinlicher geworden. Denn die SPD hat sich aus der klein-grossen Koalition zurück gezogen und Jamaika ist alles andere als einfach und immer noch unwahrscheinlich.

Möglicherweise wird sich die SPD am Ende aus "Staatsräson" doch bitten lassen, aber eine stabile Regierungsbildung ist nun definitiv nicht mehr sicher.

Diese Erkenntnis trifft auf einen Markt, der was das angeht zu sorglos war. Und auch heute merkt man in den Kommentaren der internationalen Pressen immer wieder, dass auf den "Sieg" von Angela Merkel abgehoben wird und die anderen Entwicklungen unter dem Motto "wird schon werden" abgehakt werden. Das Zutrauen in das "weiter so" ist gross, dabei ist ein "weiter so" nach meiner Wahrnehmung endgültig vorbei.

Wir stehen nun also vor einem langsamen, inkrementellen Erkenntnisprozess der Marktteilnehmer, der stark von der Positionierung der Politik beeinflusst werden wird. Solange "Jamaika" realistisch erscheint, gibt es keinen Grund für Sorgen, diese Koalition wäre für den Markt im Saldo nicht schlechter als die "Groko".

Sobald aber im Verlauf klar werden sollte, dass Deutschland nun zum politisch unsicheren Kantonisten wird, wird das erhebliche Auswirkungen auf den Euro und die Eurozone haben.

Es wird spannend für uns werden, diesen Erkenntnisprozess nun in den nächsten Wochen zu beobachten. Politische Börsen können schon lange Beine haben, aber eben nur wenn es an das Grundsätzliche geht, an die Grundlagen von Wirtschafts- und Währungspolitik, an die Ordnungspolitik.

Mit einer Jamaika-Koalition, würde an diesen Grundlagen wenig geändert werden, es würden nur in Nuancen ein paar Schwerpunkte verschoben. Und mit einer doch klein-grossen Koalition, würde sich erst recht nichts ändern. Insofern hat der Markt recht noch ruhig zu bleiben.

Wenn aber gar keine Koalition möglich sein sollte und Deutschland auf Instabilität und Neuwahlen zusteuern sollte, dann wird das nicht folgenlos an den Börsen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist nun deutlich gestiegen, das verstehen wir nun besser, als die US Investoren die vor allem in der Kategorie" Merkel denken. Dabei hat die "Rautendämmerung" mit dem gestrigen Sonntag richtig Fahrt aufgenommen.

Spannende und bewegte Zeiten liegen definitiv vor uns!

Ihr Hari

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Jens Rabe trifft Michael Schulte



Jens Rabe von -> Optionsstrategien.com <- - der auch hier bei Mr-Market Mitglied ist - hat mit mir Ende Juli in Zwickau ein Interview geführt.

2 Teile davon konnten Sie schon in seinem -> Youtube-Kanal <- sehen.

Nun ist hier das komplette Video am Stück, inklusive neuer Teile, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Darin unter anderem eine Darstellung, wie ich 2008 den Lehman-Crash erlebt habe, ein Gespräch über unsere Emotionen und unser "Affenhirn", sowie eine ausführliche Sicht auf Tesla und warum ich denke, dass die Bullen und Bären da aneinander vorbei reden.

Wichtig ist noch der Hinweis, dass wir das Video ohne jegliche inhaltliche Vorbereitung einfach adhoc abgedreht haben. Nichts war abgesprochen und ich wusste nicht, was Jens Rabe mich konkret fragen würden. Sie hören hier also "O-Ton frei Schnauze", so wie ich halt rede, wenn man mich fragt. 😉

Ich danke Dir Jens für einen schönen Tag in Zwickau und Ihnen wünsche ich viel Spass beim Anschauen!

Ihr Hari

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Jahresendrally oder davon, die Wirklichkeit anzunehmen

Wenn Sie sich erinnern, letztes Jahr im November und Dezember 2015, ist die Jahresendrally faktisch ausgefallen. Die Kurse wurden durch das "Window Dressing" zum Jahresende zwar zusammen gehalten, aber es war schon eine innere Schwäche sichtbar, die uns hier zur grossen Vorsicht gemahnte und es uns daher ermöglich hat, dem scharfen Einbruch direkt zum Jahresbeginn, profitabel aus dem Weg zu gehen.

Dieses Jahr erscheinen die Chancen weit besser. Sicher ist am Markt gar nichts, zumal nicht mit einem neuen US Präsidenten, der sein Programm überhaupt erst finden muss und erst einmal grosse Fragezeichen aufwirft.

Aber trotzdem, sich in Angst, Ablehnung und dem eigenen Bias zu suhlen, ist etwas für Verlierer. Wer am Markt zu den Gewinnern gehören will, muss immer wieder die Wirklichkeit so annehmen, wie sie ist. Was wir denken, wollen oder wünschen, ist dem Markt völlig egal. Im Gegenteil, es weist eher in die falsche Richtung, denn da auch wir Teil der "Herde" sind, ist es recht wahrscheinlich, dass andere die gleichen Ängste und Zweifel haben und das schon längst in den Kursen steckt.

Gewinner am Markt haben eine kalten, klaren Blick auf diese Wirklichkeit und richten ihr Handeln an dem aus, was ist und nicht an dem, was sie gerne hätten oder befürchten.

Stellt sich die Frage, wie denn nun aus meiner Sicht die aktuelle Wirklichkeit des Marktes zum Jahresende aussieht:

(1)

Erste Statements von Trump geben zur Annahme Anlass, dass er seine Wahlversprechungen tatsächlich angehen will, aber in einer "verträglichen", deutlich weniger radikalen Form, als es im zugespitzten Wahlkampf hinaus posaunt wurde. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für die Börse.

(2)

Das grosse Konjunktur/Infrastrukturprogramm wird kommen, weil absolut zentraler Teil von Trumps Versprechungen und Grundlage der Loyalität seiner Wähler, gerade aus den alten Industriebereichen. Dieses Programm, wird massive Kursphantasie generieren und das vor allem in der US Binnenkonjunktur und in den klassischen Industrie- und Bausektoren. Schauen Sie einfach mal, was der Baumaschinen-Bluechip Caterpillar (CAT) die letzten Tage nach Trumps Sieg gemacht hat, dann wissen Sie, was ich meine. Das Programm wird das BIP anheben und die Inflationserwartungen nach oben bewegen, das erscheint recht wahrscheinlich.

(3)

Wir haben in der abgelaufenen Quartalssaison gesehen, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen wieder zu steigen beginnen und diese Lage trifft auf ein Sentiment im Markt, das bis zu Trumps Wahl eher negativ und skeptisch war. Das ist eine sehr positive Mischung für die Märkte.

(4)

Und es gibt dieses Jahr besonders massiven Performance Druck auf die institutionellen Anleger. Denn viele Fondsmanager und Hedgefonds hängen in diesem schwierigen Jahr den Indizes hinterher. Da dürften nun einige Angst um ihre Jobs haben und müssen nun um jeden Preis eine potentielle Jahresendrally mitnehmen. Und gerade weil das so ist, hat die Rally besonders gute Chancen zu kommen, ganz typisch im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeihung im selbstreferentiellen Markt.

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Was wir haben

Vor uns liegt in Form der US Wahl ein digitales Ereignis, das nur alle 4 Jahre auftritt, aber erhebliche Konsequenzen auf die ganze Welt hat.

Schauen wir doch nur auf das Chaos im Nahen Osten. Ist dieses Chaos nicht auch die Folge einer Obama-Administration, die zu zögerlich agiert hat? Ist es nicht auch Folge einer Bush-Administration, die vorher zur Destabilisierung der Region beigetragen hat?

Ich sage ausdrücklich "auch", denn wer in den US die Quelle allen Übels sieht, leidet unter starker Wahrnehmungsverengung und einer zu simplifizierenden Weltsicht. Mangelnde Bildung, religiöse Radikalität, Stammesdenken, blutige Kulturkonflikte, all das zeichnet und zeichnete den Nahen Osten auch ohne die US aus und ist primär erst einmal die Folge einer mittelalterlichen, religiös dominierten Kultur, die noch keine Aufklärung hinter sich hat. Auf gut Deutsch, auch ohne die USA im Spiel, würde man sich da wohl die Köpfe einschlagen, nur entlang anderer Konfliktlinien.

Was der Anführer der - immer noch - wichtigsten und stärksten Ordnungsmacht der Welt macht oder eben nicht macht, hat eben massive Auswirkungen auf die Entwicklungen der Welt und insofern geht die US Wahl uns alle an. Insofern ist auch Isolationismus für die US keine realistische Option, denn in dem man nicht macht, macht man auch.

Sich einfach zurück zu ziehen und sich darin zu sonnen, ist nur das Vorrecht kleiner Völker, die international keine Rolle spielen. Für die grossen Ordnungsmächte, ist das aber keine Option, denn auch Nicht-Handlung ist Handlung und der Aufstieg des IS ist ohne jeden Zweifel auch Produkt eines Machtvakuums, das man zugelassen hat.

Alles hat eben Konsequenzen und wenn man wegschaut, dreht sich die Entwicklung weiter, nur halt vielleicht erst recht nicht so, wie man gerne hätte. Wer als Eltern Verantwortung für seine Kinder trägt, sollte eigentlich wissen, was eine Verantwortung bedeutet, vor der man nicht weglaufen kann. Auch dort nützt es nichts, nicht hinzuschauen, die Folgen erreichen einen so oder so. Dann besser hinschauen und Einfluss nehmen, so das überhaupt möglich ist. Und Dank darf man für diesen Einfluss auch nicht unbedingt erwarten, nötig ist er aber trotzdem.

Also, die US Wahl geht uns alle an und als Anleger erst Recht. Macht es aber Sinn, da gegen den Markt auf einen bestimmten Ausgang zu wetten?

Eher nicht. Denn der Markt verarbeitet alle Nachrichten sofort und wir könnten das auch nicht besser. Heute sehen wir doch wie im Brennglas, was passiert, nachdem sich der Vorsprung Clintons in den Umfragen stabilisiert und das FBI noch zusätzlich Entwarnung gibt. Der Markt nimmt die Reaktion auf einen verhaltenen Clinton Sieg schon teilweise vorweg, die Aktienmärkte steigen, der Dollar steigt und Gold fällt.

Im aktuellen -> Artikel auf Tichys Einblick < -, hatte ich gestern die Reaktion auf verschiedene Szenarien thematisiert und heute sehen wir genau die "Goldilock"-Reaktion, die ich da beschrieben habe. Passt also.

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Amazon – der Beweis für die Klugheit des Marktes

Amazon und seine Kursentwicklung, ist eine hoch faszinierende Geschichte, weil sie zeigt, wie unglaublich klug der Markt bei seiner Einschätzung ist. Über mehr als ein Jahrzehnt, hat Jeff Bezos mit Amazon investiert, investiert, investiert und immer Gewinne in der Zukunft versprochen, die dann kommen sollten, wenn die gewünschte Marktstellung erreicht ist.

Amazon wurde in der ganzen Zeit mit gigantischen P/Es von 80 und höher bewertet. Auch heute ist das noch der Fall. Anleger, die naiverweise glaubten, man könnte solche Wachstumsaktien mit KGVs von E.ON und Co. vergleichen, haben den Kopf geschüttelt, "völlig überdreht" gesagt, sich abgewendet und RWE gekauft - die waren ja "billig". 😉

Der Markt hat Bezos aber geglaubt und das offensichtlich nicht, weil der Markt naiv war, sondern weil Bezos glaubwürdig war und der Markt ganz genau hingeschaut hat, um das zu verifizieren. Und seit 2015 kommen die Gewinne nun mit Macht und aus dem Cash-Burner Amazon wird langsam eine Cash-Cow.

amzn-19-10-16

Faszinierend!

Warum ist das aber so bemerkenswert? Weil ich mir erlaube, in den Januar 2013 zurück zu gehen, es macht doch Sinn sich auch immer mal wieder "das Geschwätz von Gestern" vor Augen zu führen.

Lesen Sie bitte unbedingt den Artikel -> Amazon, die Mutter aller Trends < - vom Januar 2013 noch einmal!

Bitte tun Sie es, selbst wenn Sie ein "alter Hase" hier sind und sich erinnern. Es ist gerade deshalb so eindrucksvoll, weil der Kurs sich von 268 USD damals auf nun ca. 820 USD heute, in gut 3 Jahren verdreifacht hat!

Und übrigens, Amazon *hat* damals dann Ende April die Trendlinie bei 246 USD wieder getestet. 😉

Dieses Prinzip, das dahinter steht und das ich damals schon eindrücklich erklärt habe, ist so unendlich wichtig, das ich heute noch einmal einen Artikel daraus mache.

Lesen Sie auch mal bitte unbedingt die Kommentare und Argumentationen des damaligen Artikels, zum Beispiel den dritten Kommentar und meine Antworten darauf.

Leser:
.... Wenn es sich hier jedoch nicht um eine Übertreibung handelt, dann weiß ich auch nicht mehr ....

Hari:
.... Du argumentierst mit Mr. Market, was selten eine gute Idee ist ....

Das sind die Botschaften, die ich Ihnen hier erneut am Fall Amazon in aller Deutlichkeit geben will:

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Der Donnerstag als Wegscheide

Der gestrige Dienstag hat ein Ausrufezeichen verdient.

Denn zum ersten Mal seit langer Zeit, wurde im S&P500 ein sich anbahnender V-Rebound abgewürgt. Das ist das endgültige Signal, dass die Zeit der Sommerstarre vorbei ist und auch eine echte Korrekturgefahr wieder zur Realität geworden ist.

Letztlich beginnt nun das grosse Warten auf die FED, die am kommenden Mittwoch 21.09. ihren Entscheid bekannt geben wird. Nun befinden wir uns in der "Quiet-Period", in der die FED-Mitglieder nicht mehr reden dürfen, der Markt ist also mit sich selber beschäftigt.

Und trotzdem, schon am morgigen Donnerstag, wird der Markt wohl eine Entscheidung darüber treffen, was er von der FED erwartet oder nicht erwartet.

Denn der morgige Donnerstag hat eine eindrucksvolle Liste an Katalysatoren:

  1. Die Schweizer Nationalbank mit einem Zinsentscheid
  2. Die Bank of England mit einem Zinsentscheid
  3. Die britischen Einzelhandelsumsätze, die Auskunft über die Tiefe des "Brexit-Lochs" geben werden
  4. Die Verbraucherpreise der Eurozone
  5. Die US Einzelhandelsumsätze, die Auskunft zur Lage an der Retail-Front geben werden
  6. Den US Philly Fed Index, der Auskunft zur Konjunktur geben wird
  7. Der Erzeugerpreisindex, der Auskunft zur Inflation geben wird

Insbesondere die drei US Daten, werden ein verbindliches Bild der Konjunkturlage in den US zeichnen und dem Markt damit auch die Frage beantworten, ob es hier wirklich die Gefahr einer "Überhitzung" gibt, wie FED-Mitglied Rosengreen in den Raum gestellt hat, oder eben nicht.

Nach diesen Daten, wird sich der Markt daher eine abschliessende Meinung bilden, was er von der FED kommende Woche erwartet oder nicht erwartet. Und damit den FED-Entscheid kurstechnisch teilweise vorweg nehmen.

Am morgigen Donnerstag sollten wir also mit markanten Bewegungen rechnen. Heute dagegen, dürfte eher von zögerlichem Abwarten geprägt sein, an Wirtschaftsdaten kommt heute eher wenig in den Markt.

Leichte Stärke ist heute aber schon möglich, denn der S&P500 hat gestern den Test der Tiefs von Freitag bestanden. Für mehr, für einen Einbruch nach unten oder den Lauf zu neuen Hochs, müssen wir aber wohl zumindest bis Morgen warten.

Ihr Hari

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