Charts zum Schaudern

"Eigentlich" ist die Marktlage am Anfang dieser Woche und damit Ende Mai durchaus voller greifbarer Gefahren.

Wir haben einen Leitindex SP500 an einer kritischen Wegmarke, der durchaus reif für eine grössere Korrektur erscheint. So wurde die "Trumpsche Aufwärtstrendlinie" seit seiner Wahl (in blau) durchbrochen, die 2017er Aufwärtstrendlinie wurde getestet und das OBV zeigt im SPY eine sehr klare, negative Divergenz:

Und wir haben in den US diverse Bluechips mit riskanten Chartformationen, die einen eher zum Schaudern bringen. Beispielhaft will ich hier General Electric und JP Morgan zeigen:

Das sind Charts, die eine Menge Abwärtspotential offenbaren. Es muss sich nicht entladen, aber wenn es das doch tut, wird es schmerzhaft.

Gleichzeitig beginnt mit Ende Mai eine Saisonalität, die sowieso den Börsen keine besonderen Bocksprünge mehr erlauben sollte und letzten Mittwoch ist der Markt auch politisch aufgewacht und hat zum ersten Mal eine negative Reaktion auf die politischen Geschehnisse in Washington gezeigt.

In Summe sehr viel gute Gründe, in den Indizes nun mal vorsichtiger zu werden und ein paar Gewinne mitzunehmen. Dem steht nur ein Argument entgegen, das aber bisher in diesem Jahr extrem mächtig war. Eben der Trend selber und damit verbunden die Algos, die dem BTFD (Buy The F***ing Dip) Reflex frönen und konsequent immer dann die menschenlichen Emotionen abgreifen, wenn es zu offensichtlich nach unten zu gehen scheint - so wie jetzt.

Irgendwann wird sich dieser BTFD-Mechanismus umedrehen und dann zu einer besonders aggressiven Abwärtsbewegung führen. Vielleicht ist dieser Tag schon morgen, vielleicht auch erst nächstes Jahr.

Da wir das aber nicht wissen und keine Glaskugel haben, ist erhöhte Vorsicht über den Sommer zwar angemessen, zu einer aggressiven Wette auf fallende Kurse sollten wir uns aber noch nicht hinreissen lassen und lieber abwarten und beim Trend bleiben. Sollte es wirklich abwärts gehen, müssen wir unser Verhalten dann halt anpassen.

Die paar Prozent "zu spät", die man durch diese Geduld aufs Spiel setzt, sind halt der Preis um nicht x-mal zu früh auf die Bremse zu treten und wieder den nächsten Schub zu verpassen, wie so oft in den letzten Monaten. Wer mit dem Trend geht, macht die Sache richtig und nicht wer sich permanent dagegen stellt, weil er es immer besser zu wissen glaubt. Und der übergeordnete Trend ist immer noch weiter hoch, auch wenn er jetzt brechen "könnte", das ist aber eben nur ein Konjunktiv und diesen Konjunktiv hatten wir schon öfter, ohne dass er eingetreten ist.

Ihr Hari

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Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren



Eine der Besonderheiten dieser Plattform ist der Ansatz, den Mitgliedern grundlegende Zusammenhänge zu erklären. Und das nicht nur theoretisch, sondern immer wieder praktisch - eingeflochten in die Realität, die uns jeden Tag über die Märkte erreicht.

Dazu gibt es immer wieder Grundlagen-Artikel im Premium-Bereich, von denen ich heute mal wieder einen heraus greifen will um Ihnen zu zeigen, welche Inhalte Sie hier auch erwarten können.

Gerade im Bereich der Charttechnik gibt es leider auch medial zu viele, die einfach "bunte Linien" nachzeichnen, ohne den Kontext dessen was sie tun, verstanden zu haben. Zum teilweise schlechten Ruf der Charttechnik bzw der allgemeinen Markttechnik, hat das sicher beigetragen. Dabei ist die Markttechnik - richtig genutzt - das mächtigste und zuverlässigste Instrument das wir haben, wenn wir mit Mr. Market erfolgreich ringen wollen.

Der folgende Artikel stammt aus dem November letzten Jahres, ist aber wegen seiner grundsätzlichen Aussagen zeitlos gültig. Er wurde für den freien Bereich leicht angepasst um Referenzen zu glätten, die nur im Premium-Bereich aufzurufen sind.

Übrigens, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Mr-Market ist nun auch bei Twitter. Schauen Sie doch mal unter @HariMrMarket vorbei!

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Eine konkrete Frage stand vor Kurzem im Forum im Raum, nämlich in wie weit eine positive Divergenz des RSIs im Wochenchart, einen Edge in Richtung der Divergenz generiert. Sprich lohnt es sich zu kaufen, wenn der RSI eine positive Divergenz zeigt?

Ich will das als Anlass dazu nutzen, ein paar grundsätzliche Worte zu preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI zu verlieren und auch zu thematisieren, welchen Wert Aussagen dieser Indikatoren, denn überhaupt für uns haben.

Zunächst einmal will ich das Wort "preisbasierter Oszillator" definieren, damit klar ist, was ich damit meine. Ich meine damit alle Oszillatoren (also Indikatoren, die die Bewegungen als Schwankungen zwischen zwei Extremen abbilden), die direkt auf den Preis, also die Kurse gehen.

Der RSI ist so ein Fall, ein preisbasierter Oszillator.

Die 200-Tage-Linie ist kein Oszillator, sondern eine Trendglättung.

Und das OBV ist nicht preisbasiert, da es auf das Volumen geht und auch kein Oszillator ist.

Hier geht es nun also um preisbasierte Oszillatoren, für die der RSI das bekannteste Beispiel ist.

Die erste klare und wichtige Aussagen, erscheint eine Binsenweisheit, wenn man das oben verstanden hat. Ich bezweifele aber, dass die Konsequenzen dieser Binsenweisheit allen wirklich klar sind und genau deswegen schreibe ich diesen Artikel:

Preisbasierte Oszillatoren beinhalten keinerlei neue Informationen, die nicht schon Teil des Charts selber sind.

Wie gesagt, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie ist sehr wichtig für die Schlussfolgerungen, die ich gleich ziehe. Wenn wir zum Beispiel auf den RSI schauen, ist der nichts weiter als ein abstrakte Darstellung wesentlicher Elemente des Charts selber.

Oder in anderen Worten, wenn man auf das Chart einen geübten Blick hat, beinhaltet der RSI keine Überraschungen, denn man sieht das, was der RSI indiziert, auch im Chart.

Der RSI vergleicht ja genau genommen nur im definierten Zeitraum (oft 14 Kerzen) die Stärke der Kursbewegungen. Das Überwiegen stark fallender Kerzen, sorgt dann für einen schwachen RSI, das Überwiegen stark steigender Kerzen, sorgt für einen starken RSI.

Eigentlich also eine triviale Aussage, die der RSI macht, die aber zu Fehlinterpretationen führt, wenn man dem Indikator eine übertriebene Aussagekraft zubilligt, die er nicht hat. Denn der RSI ist eben nur die abstrakte - in einen Oszillator gepresste - Darstellung des Charts selber, ohne auch nur einen einzigen Krümel neuer Information.

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Gewürzte Charts – Von Oszillatoren und Indikatoren

Neben der täglichen Aktualität, besprechen wir auf Mr-Market auch immer wieder grundsätzliche Themen rund um die Märkte und diskutieren über die Techniken, die nötig sind, um Erfolg haben zu können.

Hier ist beispielhaft ein Beitrag vom 20.01.16, der aufzeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Marktanalyse auf das Wesentliche zu konzentrieren und Charts nicht zu überladen.

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