Präsidentschaftswahl in den USA: Gibt es Auswirkungen auf den Aktienmarkt ?

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Heute ist mal wieder "Tokay" an der Reihe, mit einer Betrachtung zu den Auswirkungen der US Präsidentschaftswahl auf den Aktienmarkt, die vor ein paar Tagen im Premium-Bereich erschienen ist.

Ich wünsche gute Erkenntnisse. Ihr Hari

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Im kommenden November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Als Anleger fragt man sich, ob das Auswirkungen auf die Entwicklung des Aktienmarktes haben könnte. Ich habe daher einige Erkenntnisse zusammengetragen, die vielleicht zur Beantwortung dieser Frage beitragen. Es gibt ja einige verbreitete Regeln über den Zusammenhang zwischen US-Präsidentschaftswahl und Börse. Was taugen diese Regeln ?

Regel 1: Wahljahre sind gut für den Aktienmarkt

Das stimmt, der Median des Ertrags aus dem S&P 500 lag in Wahljahren bei 11,8 Prozent, verglichen mit dem kumulierten Jahresertrag des S&P 500 in den Jahren 1896 bis 2012 von 5,2 Prozent. Medianertrag bedeutet, in der einen Hälfte der Fälle war der Ertrag höher, in der anderen Hälfte war er geringer.

Der obige Fall gilt aber nur, wenn ein Republikaner oder ein amtierender Präsident gewählt wurde. In diesen Fällen gab es mehrheitlich in der Tat zweistellige Jahreszuwächse im S&P 500. Gewann ein demokratischer Amtsneuling, gab es keine Zuwächse; der mediane Rückgang lag bei 0,4 Prozent. Warum das so ist, wird weiter unten erklärt.

Ideal für Wahljahre sind republikanische Amtsinhaber, der mediane Aktienertrag liegt dann bei 15,6 Prozent jährlich. In 2016 jedoch wird ein ein neuer Präsident gewählt. Und der scheidende ist ein Demokrat.

Regel 2: Republikanische Präsidenten sind gut für den Aktienmarkt

Tatsächlich läuft die US-Börse im Wahljahr signifikant besser, wenn ein Republikaner zum Präsidenten gewählt wird. Sie wächst dann meistens mit zweistelliger Rate; der mediane Ertrag 1900-2012 lag bei 12,4 Prozent. Über die gesamte Amtsperiode eines Präsidenten hinweg gesehen schneiden demokratische Präsidenten dagegen besser ab. Der Aktienertrag liegt dann bei 6,0 Prozent jährlich, bei Republikanern sind es nur 3,8 Prozent.

Republikanischen Präsidenten wird eine größere Nähe zu „Big Business“ nachgesagt. Typisch für Republikaner ist eine wirtschaftsliberale Politik im Innern, aber eine protektionistische Politik nach Außen. Dies liegt im Interesse der republikanischen Wählerklientel - „Main Street“ wählt republikanisch. Entsprechend sind die Erwartungen im Wahljahr freundlich.

Die Probleme treten dann auf, wenn der Wirtschaftsmotor und damit der Aktienmarkt nicht mehr rund läuft. Die laissez-faire-Politik republikanischer Präsidenten verkehrt sich dann ins Gegenteil. Immer, wenn es zu einem überhitzten Bullenmarkt kam, war ein Republikaner im Amt. Immer, wenn der darauffolgende Bärenmarkt sein Tief erreichte, war ein Demokrat im Amt. Offenbar ist in solchen Zeiten das Verlangen nach einer aktiveren Rolle des Staates größer, was von den Demokraten in der Regel nachdrücklicher vertreten wird als von den Republikanern. Das führt dazu, daß in der Vierjahresbetrachtung die Demokraten besser abschneiden als die Republikaner.

Regel 3: Neugewählte Präsidenten sind nicht so gut für den Aktienmarkt

Im Wahljahr stimmt das in den allermeisten Fällen. Bei Amtsinhabern lag der Medianertrag im Wahljahr bei 13,4 Prozent jährlich, bei Amtsneulingen aber nur bei 6,1 Prozent.

Ist der gewählte Präsident Republikaner, spielt es für seine Bilanz vier Jahre später keine Rolle, ob er schon im Amt war oder nicht. Bei den republikanischen Amtsinhabern gab es einen Medianertrag von 3,8 Prozent jährlich, bei republikanischen Amtsneulingen waren es plus 4,3 Prozent pro Jahr.

Dagegen ist ein demokratischer Amtsneuling über die gesamte Amtszeit gesehen klar positiv für den Aktienmarkt; seit 1900 gab es in solchen Fällen mehrheitlich zweistellige Zuwächse pro Jahr (Medianertrag 11,6 Prozent), so zuletzt bei Bill Clinton während seiner ersten Amtszeit 1993 bis 1996 und bei Barack Obama 2009 bis 2012. In den Wahlperioden demokratischer Amtsinhaber gab es Zuwächse von 5,2 Prozent pro Jahr, was genau dem langjährigen Ertrag entspricht.

Die Politik des Amtsinhabers ist den Marktteilnehmern vertraut, sie haben gelernt, ihn und seine Politik einzuschätzen. Dieser genießt einen Vertrauensvorschuß, den er indes nicht immer einlösen kann. Über den Amtsneuling sind die Erwartungen dagegen unsicher, man weiß noch nicht so genau, was er vorhat. Doch wird ein neuer Präsident meist deswegen gewählt, weil die Wirtschaft sich unter der alten Regierung zuletzt abwärts entwickelt hat ("It's the economy,stupid", Wahlslogan von Bill Clinton). Dem neuen Präsidenten, zumal von der anderen Partei, wird zugetraut, daß er einen Politikwechsel einleitet, welcher der Wirtschaft auf die Sprünge hilft. War der neue Präsident ein Demokrat, war diese Einschätzung in der Vergangenheit meistens zutreffend, denn vier Jahre später stand der S&P 500 deutlich höher.

Regel 4: Die Amerikaner werden nicht gerne immer von derselben Partei regiert

Das stimmt, nach acht, allerspätestens nach zwölf Jahren ging das Weiße Haus bisher an die jeweilige Gegenpartei über. Die großen Ausnahmen waren Franklin Delano Roosevelt und Harry S. Truman. Roosevelt wurde dreimal wiedergewählt, davon zweimal während des Zweiten Weltkrieges.

Regel 5: Läuft die Börse gut, wird die Regierungspartei bestätigt; wenn nicht, wird sie abgewählt

In sieben Fällen seit 1900 stand der S&P 500 vier Jahre nach der Wahl tiefer als zum Zeitpunkt der Wahl. In fünf Fällen wurde die Regierungspartei abgewählt. In zwei Fällen wurde der Amtsinhaber trotz schwacher Börse wiedergewählt. Der eine Fall war Franklin D. Roosevelt 1940 kurz vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Der zweite Fall war George W. Bush 2004, als die Börse sich gerade vom Absturz der Jahre 2000 bis 2002 erholte.

In der nachfolgenden Tabelle haben wir eine Übersicht über alle diese Zahlen. Die Namen republikanischer Präsidenten sind rot unterlegt, die Namen der demokratischen Präsidenten sind blau unterlegt.

US-Präsidentenwahl und Börse

Was bedeutet das alles nun für die Präsidentenwahl 2016 ?

Barack Obama scheidet aus dem Amt. Er kann nicht wieder gewählt werden. Nach heutigem Stand sind Hillary Clinton und Donald Trump die Kandidaten. Sollte sich ein Sieg durch Donald Trump herauskristallisieren, dürfte dies den S&P 500 in 2016 beflügeln. Ein absehbarer Erfolg Hillary Clintons würde wahrscheinlich den Verlauf des S&P 500 in 2016 dagegen beeinträchtigen.

Allerdings würde der US-Aktienmarkt über die darauffolgenden vier Jahre gesehen wohl besser abschneiden, wenn Hillary Clinton gewinnen würde. Eine Trump-Präsidentschaft könnte dagegen unter Umständen mit einem Rückgang bei den Aktien einhergehen. Ausschlaggebend für den Aktienmarkt ist, welche Positionen die Kandidaten vertreten und welche Erwartungen die Marktteilnehmer damit verbinden.

Ich vermute, daß Donald Trump, sollte er sich durchsetzen, seiner populistischen Rhetorik zum Trotz klassisch republikanische Positionen vertreten wird. Das heisst, er würde als Präsident Regulierungen für Unternehmen lockern und diese steuerlich entlasten. Außerdem hat er eine restriktive Handelspolitik angekündigt. Für deutsche Unternehmen wäre das nicht unbedingt positiv. Aber die Amerikaner, auch Trump, dürften generell an guten Beziehungen zu Europa und zu Deutschland interessiert sein, so daß man das vielleicht nicht zum Nennwert nehmen sollte. Seine allgemeinpolitischen Forderungen sind natürlich geeignet, die Spannungslage in der Welt zu vergrößern.

Hillary Clinton wird wohl eher, nicht ganz glaubwürdig, eine Politik vertreten, die sich an den Interessen der von ihr vertretenen Wählerkoalition orientiert. Man sagt Hillary Clinton Nähe zur Wall Street nach, so daß man dort mit einer Präsidentin Clinton gut würde leben können. Es wäre wohl Kontinuität zur jetzigen Politik zu erwarten, sicherlich kein Neuanfang. In einer krisengeschüttelten Welt wie der heutigen wäre das nicht die schlechteste Aussicht.

Doch gibt es in Amerika wie bei uns eine größer werdende Anzahl wütender Wähler, die glauben, daß die Dinge in die falsche Richtung laufen. Diese Wähler könnten am Ende den Ausschlag geben. Hierin läge die Chance von Trump, sollte er nominiert werden, denn er könnte glaubhaft einen Neuanfang vertreten. Doch ist Amerikas Lage wirklich so verfahren, daß es einen solchen Neuanfang benötigte ? Kein geringerer als Warren Buffett sagte zuletzt, es sei in den vergangenen zweihundertvierzig Jahren ein schrecklicher Fehler gewesen, gegen Amerika zu wetten. Und jetzt sei kein guter Zeitpunkt, damit zu beginnen. Wir werden es erleben, wenn am 8. November 2016 die amerikanischen Wähler ihr Urteil sprechen.

Tokay

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