8 Risikobegrenzte Planlosigkeit



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Back to the past. Aber: Mr. Market ist nicht mehr weit.

-> Das erste Jahr <- mit nie für möglich gehaltener Rendite abgeschlossen - auf in die nächste Runde und weitere 40 Prozent erwirtschaften. So etwa waren meine Gedanken im Frühjahr 2015. Mit dem Schwung des Erfolges im Rücken konnte ja nicht viel schief gehen.

Um es mit den Worten des mehrfach ausgezeichneten Spieleautors Reiner Knizia zu sagen, dessen Vortrag ich vor Jahren auf einer Absolventenfeier hörte: "Was machen Sie, wenn Sie erfolgreich eine Erweiterung zu einem Spiel veröffentlicht haben? Richtig, noch eine Erweiterung."

Wenn man einen Weg gefunden hat der Erfolg verspricht, dann sollte man ihn auch weiter beschreiten. Also suchte ich im Internet weiter nach vielversprechenden Trade-Ideen anderer.

Ein bisschen was von Allem

Da ich mit den Empfehlungen bzgl. Öl und EUR/USD von Axel Retz, Herausgeber verschiedener Börsendienste und seinerzeit Kolumnist bei Börse online, gut gefahren war, schaute ich immer genau hin wenn er neue Ideen verlauten ließ. Eine davon war um den Jahreswechsel 2014/15 ein Short auf den Kupferpreis.

Die potentielle Fallhöhe sah beeindruckend aus und ich tat mich nicht schwer davon zu träumen, dass der Kurs bis zum Tief von 2009 durchsacken könnte. Damit war auch die Frage nach einem guten CRV sofort beantwortet und ich gab mir grünes Licht. Einstieg (blauer Pfeil) und Ausstieg wegen Stop Loss (roter Pfeil) zeigen, wie man es machen kann, aber nicht zwingend sollte:

Eine gute Idee und viel Fantasie macht halt noch lange keinen guten Trade. Technische Analyse war mir damals nur in den grundlegendsten Zügen bekannt. Sonst wäre mir vielleicht aufgefallen, dass ich sinnvollerweise früher short gegangen wäre und der Stop Loss vielleicht oberhalb des Widerstandes und nicht unterhalb vor einem potentiellen Test des Widerstands hätte liegen sollen. Gut, wenn man sich den weiteren Verlauf anschaut wäre ich vermutlich auch dann ausgestoppt worden.

Es war einer meiner ersten Verlusttrades. In der Theorie hatte ich mir vorher durchaus Gedanken darum gemacht hatte, dass ich nicht immer gewinnen würde. Dennoch fühlte es sich in der Praxis deshalb nicht schöner an, Geld abzugeben. Hinzu kam, dass aus dem Chart ersichtlich wurde, dass ich an der Erzeugung dieses Verlustes nicht ganz unbeteiligt war. Ich war zwar garantiert nicht der Erste der am Tief verkauft hat, aber besser fühlte ich mich deshalb trotzdem nicht. Schließlich hatte ich die Entscheidung getroffen und konnte daher mit dem Finger wohl oder übel nur auf mich selbst zeigen. Die Idee des Shorts war definitiv valide, meine Umsetzung davon allerdings irgendwo zwischen suboptimal und grauenhaft. Dass die Umsetzung eine wesentliche Rolle spielte musste ich erst einmal lernen. Unschön.

Trotz des versemmelten Trades erfreuten sich Kolumnisten von Börse online bei mir damals einer gewissen Beliebtheit. Franz-Georg Wenner war ein weiterer aus diesem Club. Er schlug Ende Februar 2015 vor, auf eine Fortsetzung des Trend bei Axel Springer zu setzen:

Schauen Sie an den rechten Rand des Charts. Wie ich hier auf ein gutes CRV gekommen sein will ist mir rückblickend schleierhaft. Sich in einen bereits länger laufenden Trend einkaufen kann man schon machen, aber war das wirklich ein so geeigneter Zeitpunkt? Mir ist auch nicht klar, warum diese Idee zu diesem Zeitpunkt vorgeschlagen wurde. Dennoch ging ich den Trade ein. Stop Loss unter den Trendkanal und auf das Beste hoffen.

Wenige Tage später wurde ich mit größerem Verlust als geplant ausgestoppt. Gap down zur Eröffnung, das hatte ich vorher noch nicht erlebt. Quartalszahlen, die dem Trend ein jähes Ende bereiteten. Man lernt beständig dazu:

Den Ausbruch über (1) oder den Ausbruch über die Konsolidierung bei (2) zu kaufen hätte mit Sicherheit mehr Sinn ergeben. Gesehen habe ich das damals nicht. Ich hatte die Fortsetzung des Trendkanals vor Augen und war damit beschäftigt, mir die künftigen Gewinne auszumalen.

Ebenso wenig war mir bewusst, dass ich prinzipiell hätte wissen können, dass wenige Tage später Quartalszahlen anstanden. Einen Trade in diese hinein zu halten ist mit Risiken behaftet. Nach diesem Trade wusste ich das. munstermac würde das vielleicht mit einem freundlichen "Do your homework before entering a trade" kommentieren. 😉 Recht hat er. Aber Hausaufgaben? Davon wusste ich nichts. Ich wollte doch traden. Und Geld verdienen. Und Spaß haben. Hausaufgaben? Jetzt echt? Aber Unwissenheit (ebenso wie akute Unlust) schützt bekanntlich vor Strafe nicht.

Ich hätte noch das ein oder andere Beispiel dieser Art im Angebot, will es hier aber dabei bewenden lassen. Nicht dass es falsch ankommt - diese Trades konnte man machen. Die Ideen die ich aufgriff waren ok, ich kann den Schreibern da keinen Vorwurf machen (und ich wurde ja auch nicht gezwungen, genau diese Trades zu machen).

Ob das wirklich gute Ideen waren sei dahingestellt, aber das konnte ich damals mangels Kenntnissen nicht einschätzen. Ein wesentliches Problem war aber die Umsetzung. Ein erfahrener Trader hätte vermutlich ordentliche Gewinne mit den Ideen machen können. Bei mir hakte es aber an den unterschiedlichsten Punkten: Timing, Platzierung der Stops, Unkenntnis diverser Risiken,...

Und noch ein bisschen mehr

Fakt war, es lief nicht. Ich handelte querbeet alles, was ansatzweise vielversprechend aussah:

AUD/USD short (kleiner Verlust), Fresenius long (kleiner Gewinn), Brent short (Verlust initiales Risiko), Bilfinger long (großer Verlust), Shanghei Composite ETF long (kleiner Gewinn), Axel Springer long (Verlust initiales Risiko), Exelixis long (kleiner Gewinn), Salzgitter short (Verlust initiales Risiko), Netflix long (ordentlicher Gewinn), Siemens long (Verlust initiales Risiko), UBS long (Verlust initiales Risiko), Hang Seng long ((Verlust initiales Risiko).

In Summe verlor ich. Und es wurde auch nicht besser, denn im Frühjahr 2015 fehlten die für mich "offensichtlichen" und "einfachen" Trades. Der DAX erreichte sein Top, EUR/USD und Öl waren in Seitwärts- bzw. Korrekturphasen übergegangen und ich fand keine guten Einstiege mehr.

So gut die CRV-Idee anfänglich geklappt hatte, so sehr bekam ich sie nun nicht umgesetzt. Auch wenn ich mich irgendwie der technischen Analyse bediente, so hatte ich eigentlich keine Ahnung davon. Das spiegelte sich z.B. darin wider, dass ich meine Stopp Loss-Marken nicht zwingend an sinnvolle Stellen legte, sondern mich eher daran orientierte, den Stopp Loss so zu wählen, dass ein gutes CRV dabei heraus kam (und mich das Chart dabei hoffentlich nicht direkt anbrüllte, dass das totaler Käse sei).

Erfolgsdruck

In dieser Zeit war ich gestresst und frustriert. Immerhin hinkte ich weit hinter meinem inoffiziellen Ziel von 40 Prozent Rendite her. Ich setzte mich selbst ohne es wirklich zu merken unter Erfolgsdruck, versuchte den nächsten erfolgreichen Trade zu erzwingen. Gleichzeitig hatte ich zunehmend Angst, dass der nächste Trade wieder nichts wird - es machte keinen Spaß mehr.

Mir war dabei nicht einmal bewusst, dass ich mich an einem völlig verrückten Maßstab orientierte. 40 Prozent Rendite jährlich von einem Anfänger, das ist schon eine Hausnummer. Ich hatte davon gelesen, dass die langfristige durchschnittliche jährliche Rendite der Aktienmärkte im einstelligen Prozentbereich liegen. Eigentlich hätte es da mal Klick machen dürfen, dass ich absurde Vorstellungen hatte. Aber ich war so gefangen in der Erwartung der Fortsetzbarkeit vergangener Erfolge, dass es Zeit brauchte, bis sich diese Erkenntnis tatsächlich durchsetzte.

Als sie es dann tat, setzte allerdings auch Ernüchterung ein. Sollte ich mich tatsächlich mit weniger als den 40 Prozent zufrieden geben? Eher in der Größenordnung "kleiner 10 Prozent" denken? Das klang ja eigentlich immer noch ganz nett, insbesondere im Vergleich zum Nullzins. Aber so richtig reizvoll war es plötzlich auch nicht mehr.

Wie weiter?

Sollte ich den nächsten Ansatz über Bord werfen? Offensichtlich klappte es mit der Vorgehensweise "Idee mit gutem CRV hernehmen, Risiko begrenzen, also Stop Loss drunter und dann Geld verdienen" nicht so gut. Grundsätzlich hatte ich immer noch den Eindruck, dass technische Analyse ein sinnvoller Ansatz sei, aber vermutlich wusste ich noch zu wenig über die Feinheiten. Eine grandiose Einschätzung - "wusste vermutlich noch zu wenig über die Feinheiten". Ja, es waren nicht nur die Feinheiten... 😉

Also versuchte ich mehr über technische Analyse zu lernen,las und las, schaute Webinare und stolperte dabei über eines mit dem schönen Namen "Setup & Trigger". Vorgetragen wurde es von Rüdiger Born, der mich mit seiner launigen Art und der spannenden Thematik begeisterte. Eigentlich sagte er nichts, was ich nicht irgendwie schon mal irgendwo gelesen hatte. Trotzdem setzte er damit für mich die Puzzle-Stücke zusammen, die ich bei der Flut an Informationen, die ich mir zu Gemüte führte, nicht zusammengesetzt bekommen hatte.

Auf einmal öffnete sich mir die Tür in die Welt der Setups - richtiger Setups und nicht die halbgare Variante, die ich bisher angewendet hatte. Das war ein bisschen wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Aber mehr davon beim nächsten Mal.

Ihr calvin

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5 Das erste Jahr



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… immer noch ohne Mr. Market, aber wir nähern uns

Nun hatte ich beim letzten Mal festgestellt, dass das Investieren in Dividendentitel nicht für mich geeignet war. Nur: Was war für mich geeignet? Auf meiner Liste verfolgenswerter Ansätze waren inzwischen drei Punkte gestrichen, es verblieb nur noch der Punkt “Trades mit Stopp Loss und gutem CRV”. Aber wie findet man die?

Her mit den Ideen

Dem Internet mangelt es bekanntlich nicht an Informationen und da ich meinte, ein gewisses Maß an Verstand mitzubringen, konnte doch eigentlich nicht viel schief gehen. Den ein oder anderen Tipp von verschiedenen Börsenseiten hernehmen, mit einem Stopp versehen, insgesamt das Risiko aller Trades im Blick behalten, ein Excel-Sheet führen, welches das offene Risiko und natürlich die Gewinne ausweist - dem Erfolg und Reichtum stand quasi nichts mehr im Weg.

Mit der Zeit entwickelt man ja so seine Lesegewohnheiten (man könnte auch von Filterblasen sprechen, aber das klingt nicht so schön). Im deutschsprachigen Internet wurde mir meine Börsenlektüre im Wesentlichen bereitgestellt von:

  • Börse online:
    Eigentlich las ich dort alles, besonders gefielen mir aber die Kolumnen von Axel Retz, Franz-Georg Wenner und Klaus Buhl inklusive der dort vorgestellten Trade-Ideen.

  • GodmodeTrader:
    Hier gefielen mir insbesondere der Grundlagenbereich, in dem Einiges bezüglich technischer Analyse erklärt wurde. Zusätzlich sagten mir die Beiträge von Harald Weygand und auch Andre Tiedje zu. Ansonsten gab es dort viele sehr kurz vorgestellte Trading-Ideen der Qualität: "Es könnte so kommen, oder auch so." Wenn ich diese dann mit einem (in eigener Wahrnehmung) sinnvollen Stopp versah und das Risiko mit dem in den Raum gestellten Kursziel verglich, waren das aber häufig Trade-Ideen mit einem CRV von kaum mehr als 1:1.

  • Der Aktionär:
    Nie um eine markige Schlagzeile verlegen, gefühlt zu jeder Aktie eine Meinung, häufig mit Angaben von möglichen Stopps und Kurszielen. Wie realistisch die waren wusste ich nicht, aber da ich keinen Plan hatte, konnte solche Orientierung hilfreich sein (oder zumindest als solches empfunden werden 😉 ).

  • onvista.de:
    Anlaufstelle für News und dann mit der Zeit insbesondere für die Suche nach Optionsscheinen und Knockout-Zertifikaten.

  • finanzen.net:
    War für mich ursprünglich wegen der diversen News interessant. Je mehr ich aber auf unterschiedlichen Seiten las, umso redundanter wurden die Infos, so dass ich diese Seite nicht mehr so ausgiebig besuchte.

Diese Liste stellt in keinster Weise eine Empfehlung zur Nachahmung dar - es ist lediglich ein Ausschnitt dessen, was ich mir damals zu Gemüte führte. Und wenn Sie diese Seiten nicht selbst kennen, darf ich Ihnen versichern: Es wird dort nicht mit Ideen gegeizt, was man alles tun könnte, um sein Geld zu vermehren. Und "überraschend" häufig werden dafür Derivate verschiedenster Banken angeboten, um die Trade-Ideen gerne auch mal "sportlich" gehebelt umzusetzen.

Obwohl man sich mit ein bisschen Distanz und Erfahrung ernsthaft fragen kann, warum ich meinte aus dieser Fülle an Trade-Ideen genau die Richtigen herausgreifen zu können, war genau das mein "Plan". Ich startete tatsächlich mein persönliches "Trade Idea Picking". Wenn Sie jetzt erwarten, dass ich im Folgenden die große Ernüchterung beschreibe und wie alles den Bach runter ging (was bei der Naivität meines Ansatzes gar nicht so überraschend gewesen wäre), muss ich Sie enttäuschen. Denn es lief.

Schwarzes Gold

Eine dieser Ideen bezog sich auf den Ölpreis. Da in den USA seit ca. 2013 die Ölförderung per Fracking gefördert wurde, boomte dort die Ölproduktion und brachte durch das erhöhte Angebot auf dem Weltmarkt die Preise unter Druck:

Die OPEC, also die Organisation erdölexportierender Länder (insbesondere auch die ölreichen Länder der arabischen Halbinsel), konnte an dieser Konkurrenz kein Interesse haben. Die Anzahl möglicher Reaktionen darauf war begrenzt. Man konnte die Fördermengen beibehalten, woraus sich aufgrund des dann herrschenden Überangebotes fallende Preise ergeben hätten. Alternativ konnte weniger Öl gefördert werden, um die Preise stabil zu halten.

Ich fand die Situation sehr spannend und war quasi fundamental davon überzeugt, dass es zu einem Wettfördern mit einhergehendem Preisverfall kommen würde, denn warum sollten die Amerikaner (als ölimportierendes Land) auf die Chance verzichten, unabhängig von der OPEC zu werden? Und warum sollte die OPEC freiwillig ihre starke Marktposition aufgeben und Marktanteile einbüßen?

Also gab ich dem wochenlangen Werben u.a. von Schreibern wie A. Retz bei Börse online nach. Genannt wurden Preisprojektionen von 70 USD und darüber hinaus sogar 40 USD. Daraus ließ sich ein gutes CRV ableiten. Wusste ich, ob diese 40 Dollar realistisch und fundiert waren? Natürlich nicht. Aber das CRV sah einfach zu gut aus, um so eine Chance auszulassen und so ging ich im Oktober 2014 einen Short-Trade auf Brent Rohöl ein (blauer Pfeil):

Es musste ja sicher runtergehen, konnte ja gar nicht anders bei diesem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Sie wissen, wie das mit den Dingen ist, die "sicher" sind. Der Kurs zappelte hin und her, ich wurde unruhig, war mir plötzlich doch nicht mehr sicher, ob das alles so klar und offensichtlich sei. Tägliches Scannen der Nachrichten nach Neuigkeiten bzgl. der Lage rund um Öl brachte auch keine Erleichterung.

Die kam erst, als die OPEC kurz darauf unter Führung der Saudis beschloss, dass man die Fördermengen nicht drosseln wolle, sondern bereit sei, den Preiskampf mit den amerikanischen Frackern aufzunehmen. Der Preis gab nach und mir standen die Dollarzeichen in den Augen.

Was macht man, wenn eine Idee funktioniert und sich das in schönstem Grün im Depot zeigt? Klar, das Gleiche noch einmal. Und so legte ich nach (zweiter blauer Pfeil), denn die 40 USD waren noch nicht erreicht und den Frackingunternehmen wäre es wohl gemäß der Meinung verschiedener Marktkommentatoren erst bei einem längerfristigen Preis um die 40 USD nicht mehr möglich, wirtschaftlich zu arbeiten.

So sehr diese Ansicht auch stimmen mochte, irgendwann ist ein Markt derart überdehnt und überverkauft, dass der Preis zurückschnappt. Erst sank der Preis noch kurz wie von mir gewünscht und ich war sehr zufrieden mit mir, die Gewinne wuchsen dank der nun größeren Short-Position noch schneller.

Doch plötzlich stieg der Preis in einem mir nicht verständlichen Tempo und Ausmaß und innerhalb kürzester Zeit war ich vollständig ausgestoppt worden (roter Pfeil). Haris Gummiband-Theorie in Reinform - nur kannte ich die damals noch nicht. Leider schnappte das Gummiband zurück und riss nicht - das hätte mir gut gefallen. 😉

So nahm die Party ein unerwartetes und abruptes Ende. Irgendwie fühlte ich mich ungerecht behandelt, ich konnte doch nicht so einfach aus diesem traumhaften Trade herausgekegelt werden. Ich suchte nach Erklärungen für diese heftige Bewegung, fand aber nichts Nennenswertes. Scheinbar war das nichts Besonderes, sonst hätte ja jemand darüber schreiben müssen.

Mit der Zeit setzte sich aber die Erkenntnis durch, dass ich ein beachtliches Stück dieser Abwärtsbewegung erwischt und mit diesem Trade erfreulich viel Geld verdient hatte. Ich hakte das plötzliche Ende ab und freute mich über den Gewinn.

Im Rückblick ist die weitere Entwicklung des Ölpreises ganz interessant:

So viel zum Thema "Bei 50 USD ist ein Deckel drauf". Fundamental wurde ja argumentiert, dass der Ölpreis nie wieder über 40-50 USD steigen könne (blauer Rahmen), denn dann würden die Fracking-Unternehmen in den USA und auf längere Sicht auch in anderen Ländern wieder wirtschaftlich arbeiten können, so dass das Angebot wieder steigt und Druck auf den Preis entsteht.

Ein Barrel Rohöl der Marke Brent kostet heute über 80 USD! Für diesen einen Trade hatte die fundamentale Argumentation gereicht. Hätte ich weiter darauf gesetzt und vehement im Bereich 40-50 USD leerverkauft, hätte ich eine Menge Geld verlieren können.

Dass ich das nicht tat hatte dann aber hauptsächlich damit zu tun, dass ich keine guten weiteren Einstiege fand. Ich versuchte mich dennoch an ein paar weiteren Trades mit Öl, konnte aber nicht mehr an den Erfolg des ersten Trades anschließen und verlor in Folge zunehmend das Interesse an Öl.

Der Draghi-Trade

Ein weiterer erfolgreicher Trade in diesem Zeitraum war der Draghi-Trade, also das Setzen auf einen fallenden Euro-Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar. Um die Zinsen in der Eurozone zu drücken, druckte die EZB in rauen Mengen Geld. Sie kennen die Geschichte.

Die Idee, auf den Kursverfall des Euros zu wetten, wurde erneut von A. Retz bei Börse online beworben, aber auch an vielen anderen Stellen genannt. Es war daher naheliegend, hier zuzugreifen und so ging ich einen Short auf das Währungspaar EUR/USD ein. Mit größerem Risiko als ich ursprünglich mal geplant hatte. Und es lohnte sich:

Wenn man sich anschaut, dass der Wechselkurs wie ein Stein fiel, war das eigentlich ein leichter Trade. Das Schwerste war, weiter zu halten und nicht aus Angst, die beträchtlichen Buchgewinne wieder abzugeben, frühzeitig den Short aufzulösen. Ich war bei diesem ausgeprägten Abstieg etwa von 1.24 bis 1.13 dabei, dann wurde die Verlustangst doch zu groß und ich stieg aus.

Als es nach ein bisschen Gezappel aber weiter abwärts ging, stieg ich erneut ein und hoffte sehr, dass die als Ziel ausgerufene Parität zwischen Euro und Dollar tatsächlich erreicht würde. Das war nicht der Fall, stattdessen setzte eine Gegenbewegung ein und mein Stopp griff.

Unterm Strich war der Verlauf dennoch sehr erfreulich. Sicher hätte ich aus dieser Bewegung noch mehr heraus quetschen können, wenn ich nicht zwischendurch zu ängstlich gewesen wäre, aber ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Die Parität wurde bis heute nicht erreicht, geschweige denn die Preisprojektionen im Bereich von ca. 0.80, welche damals u.a. von Goldman Sachs verbreitet wurden. Es kann gut gehen, wenn man sich auf von Anderen ausgerufene Kursziele verlässt, muss aber nicht. Ich hatte nüchtern betrachtet einfach sehr viel Glück gehabt.

Abgerechnet wird am Schluss

Ich probierte noch die ein oder andere Trade-Idee, allerdings kam da in Summe nicht viel zusammen. Mein erstes Börsenjahr lief gerade dank der beiden oben beschriebenen Trades sehr gut. Ich hatte mein überschaubares Test-Depot nicht geschrottet (wie es im Rückblick durchaus denkbar gewesen wäre), sondern eine Rendite von etwa 40 Prozent erwirtschaftet. Sie können mir glauben, ich war stolz wie Oskar! Das Sparbuch klar geschlagen, es machte Spaß, ich hatte (gefühlt) alles im Griff.

Und dann tat ich das, was wohl die meisten machen wenn es mal läuft - das Ganze gedanklich linear fortschreiben:

  • Jahr 1: 40% Rendite => Depotwert: 140%
  • Jahr 2: 40% Rendite => Depotwert: 196%
  • Jahr 3: 40% Rendite => Depotwert: 274%

Wenn Ihnen jetzt noch nicht das Wasser im Mund zusammen gelaufen ist, rechnen Sie einfach mal bis Jahr 10 weiter. Es lebe der Zinseszins, ein geniales Konzept. Da kann man schon mal ins Träumen geraten.

Was macht man, wenn es gerade gut läuft? Versuchen, das Ganze zu wiederholen und noch mehr Geld zu verdienen, ist doch klar. Und um Sie dann doch nicht zu enttäuschen: Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem es nicht mehr rund lief. 😉

Aber davon mehr beim nächsten Mal.

Ihr calvin

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118. Mein Weg zum „Ritter“ Teil 2



Guten Morgen,

heute die Fortsetzung von meiner Reise auf dem Weg zu einem Ritter im Sinne von Hari's Einteilung in die Erfahrungsstufen im Markt (Jünglingen, Knappen und Rittern).

Mein Teil 1 ist hier zu finden: Mein Weg zum Ritter Teil 1

Hier im Forum und in vielen Artikeln von Hari wird auf Risikomanagement Wert gelegt. Nur was ist das genau und wie mache ich das im Einzelnen? Darauf möchte ich in diesem Artikel eingehen und erklären, wie ich es in meinem Trading Depot realisiere.

In meinem Jahresabschlussbericht letztes Jahr habe ich erkannt, dass ich an meiner Verlustquote in den Trades etwas tun muss. Deshalb ist dieses Thema dieses Jahr meine Baustelle, an der ich schwerpunktmäßig gearbeitet habe. Mittlerweile habe ich ein System, das ich heute vorstellen kann und glaube, dass der ein oder andere es als Grundlage weiterverwenden kann.

Was gehört aus meinen Augen zu gutem Risikomanagement dazu? Schlagworte wie:
- Stop-Management (hart im System eingegeben oder auch gedankliche Stops)
- Positionsgrößenstrategie
- Chance/Risiko-Verhältnis
- Earning events einer Aktiengesellschaft vermeiden
- Gewinne mitnehmen

1. Stopmanagement
Da ich beruflich voll arbeite und erst abends in trades eingreifen kann, lässt es sich in meiner Situation nicht vermeiden, dass ich harte Stops in meinem Trading-Depot setze.

Dies ist natürlich nicht immer einfach und bei der ein oder anderen Aktie nervig, wenn mein Stop "abgefischt" wird und danach die Aktie einen Spurt hinlegt. Jedoch habe ich das für mich mittlerweile akzeptiert und nehme es billigend in Kauf. Wichtiger ist mir, dass ich das Netz nach unten habe.

Kapitalerhalt ist und bleibt das wichtigste Ziel, das man als Trader haben sollte.

Über die Strategie, wie Stops gesetzt werden sollten, will ich mich heute nicht auslassen. In den letzten Wochen wurde dieses Thema ausreichend besprochen. Z.B. hier und hier.

Wichtig ist, dass ich im Trading Depot deutlich schneller als im Investment-Depot (hier habe ich nur gedankliche Stopps) einen Stop nachziehe sobald der Trade sich erfolgreich entwickelt und im Positiven sich befindet.

2. Positionsgrößenstrategie
Wenn ich in einen Trade hereingehe, verwende ich Hari's Prinzip aus dem Investment-Portfolio einer Positionsgrößenstrategie.

Ich starte mit 1/3. Sollte sich der Trade erfolgreich entwickeln und in der Zwischenzeit eine neue Fortsetzungsstruktur (Bull-Flag, iSKS, etc.) gehe ich, zu einem weiteren Anteil herein.

3. Chance/Risiko-Verhältnis
Elementar ist bei mir, dass ich nur Trades eingehen möchte, die eine deutlich höhere Chance auf Gewinne in Relation zu den Verlusten haben. Dies bedeutet nicht, dass ich nur hoch-spekulative trades eingehe. Nein, ich versuche nur, den Zeitpunkt der Trades so gut zu treffen, dass ich die möglichen Verluste (Abstand des Stops) minimiere und die möglichen Gewinne (Kursziel der Formation, wie zum Beispiel hier beschrieben) maximiere.

Hier hat sich bei mir folgendes etabliert:
- ich gehe nur trades ein, die ein Chance/Risiko Verhältnis von > 10 haben.
- ich habe für mich einen maximalen Verlustbetrag (in unterem Beispiel sind das 20€) definiert, den ich bei jedem Trade bereit bin zu tragen.
- bei volatilen kleinen spekulativen Aktien kann der Verlustbetrag, den ich eingehe deutlich kleiner sein, als der maximale Verlustbetrag

4. Earning events einer Aktiengesellschaft
Ich bin letztes Jahr zu oft durch negative earnings der Gesellschaften im Trading Depot überrascht worden. Somit habe ich für mich entschieden, vor diesen Events, die Aktien zu verkaufen.

Man findet für die US Gesellschaften die Daten der nächsten Earnings zum Beispiel hier.

5. Gewinne mitnehmen
Sollte ein Kursziel erreicht sein, wird der Trade, abhängig vom Momentum der Aktie, von der Verfassung des Marktes und abhängig von den möglichen Gewinnen in den längeren Zeitebenen komplett- oder nur teil-eleminiert.

Heißt konkret an einem Beispiel: ich gehe einen Trade ein auf der Daily-Chart-Seite. Hier hatte ich eine iSKS Formation bei einer Aktie ausgemacht. Die Nackenlinie wurde getriggert und mein Kursziel war wie hier beschrieben.

Bei Erreichen des Kursziels zeigt sich jedoch, dass die Aktie im Daily Chart noch nicht "ausgereitzt" ist (MACD im steigen und noch nicht im Extrembereich, keine Ausbildung einer Top-Formation, etc.) und im Wochen-Chart ebenfalls noch deutlich Luft nach oben hat. In diesem Falle entscheide ich mich eher die Position weiter zu halten.

6. Wohin führt das nun konkret?
Ich habe mein Trading-Tagebuch in Bezug auf Risikomanagement in Excel wie folgt aufgebaut:

Hier beispielhaft:

Was kann man an dieser beispielhaften Darstellung oben erkennen:
- aktuell sind 6 Trades mit 5 Aktien am laufen
- Insgesamt werden 0,53 % der Depotsumme Verlust riskiert, um möglicherweise 17,28 % der Depotsumme Gewinne zu erzielen (rechts unten)
- Trade 2, 4 & 5 sind die Stops nachgezogen, womit die Verluste auf 0 € reduziert sind (Spalte "Risiko/trade")
- Bei den Trades 1, 3 & 6 ist das Chance/ Risiko Verhältnis > 10. Die restlichen haben einen Stop bereits im positiven Bereich, woduch (kein) Risko (bis auf Sondernsituationen wie Gap down) mehr besteht.
- Bei Trade 1, 5 & 6 sind die Trades länger als 10 Tage am laufen und haben noch keinen Erfüllungsfaktor von > 10%. Deshalb sind die Zellen in Spalte "Einstieg Datum" rot gefärbt. Hier ist ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, ob der Trade nicht besser abgebrochen wird.
- Die Aktie von Trade 3 hat in der folgenden Woche earning report. Somit ist ein eliminieren des Trades in der Folge-Woche notwendig.
- Trade 2 ist der aussichtsreichste Trade mit einer Gewinn-Chance von 552€. Mit dieser Aktie läuft eine 2/3 Position mit Trade 6
- Das Kaufvolumen variiert von ca. 200 EUR bis 1.200 €

Für mich hat heutzutage das Risikomanagement höchste Priorität. Ich überlege jeden Tag:
- muss ein Stop nachgezogen werden?
- ist ein Trade zu lange nach Start seitwärts gelaufen und entspricht nicht meinen Erwartungen?
- Sieht das Chartbild mittlerweile so schlecht aus, dass der Trade besser geschlossen werden müsste
- Wieviel Prozent des Portfolios riskiere ich aktuell durch meine Stops im System? Ist das der akt. Marktlage angemessen?
- Wieviel Prozent rel. zum Depotwert kann ich möglicherweise gewinnen, wenn alle trades ihr Ziel erreichen?
- Was sind meine aussichtsreichsten Trades (max. Verhältnis CRV)
- Was sind meine "gefährlichsten" Trades (max. Risiko/trade) - bei diesen ist ein besonderes Augenmerk zu haben und ggfs. schneller der Stop nachzuziehen

Ein schönes Wochenende.

Euer

Hullahuppi

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2 Wie alles begann



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… oder auch: Mein Leben vor Mr. Market.

Wann auch immer Sie beschlossen haben, Ihre Geldanlage in die eigenen Hände zu nehmen, haben Sie da erwartet, dass das gar nicht so leicht ist? Ich muss gestehen, ich bin reichlich naiv an das Thema herangetreten und habe gedacht: “Sollte ja machbar sein.”

Im Prinzip ist es das ja auch. Dass Geldanlage jenseits des festverzinslichen Sparbuchs aber nicht einfach ist und sehr viel mit mir und meinem Verhalten im Angesicht von Risiken zu tun hat - damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich bin mit einer sehr überschaubaren Finanzbildung groß geworden. Weniger ausgeben als man hat, den Rest auf das Sparbuch legen, fertig. Eigentlich nicht der schlechteste Ansatz und gerade die Fähigkeit, mit den Mitteln auszukommen, die man zur Verfügung hat mit Sicherheit ein zeitlos erfolgreiches Konzept. Als geheime Zutat dann noch den Zinseszins hinzufügen, umrühren, genießen.

Zu dumm, wenn einem die EZB mit ihrer Nullzinspolitik in die Suppe spuckt. Natürlich ist der Sachverhalt komplexer, die Zinsen leider dennoch nahe 0.

Im Rahmen meines Studiums wäre ich eigentlich schon viel früher mit dem Thema Börse in Berührung gekommen. Eingeschrieben war ich anfänglich für den Studiengang Wirtschaftsmathematik, herausgekommen ist am Ende ein Mathematiker mit Nebenfach Informatik.

Bereits im ersten Semester habe ich festgestellt, dass mich die Wirtschaftsvorlesungen einfach nicht interessieren - das hat sich bis heute nicht geändert. Sie werden mich wohl nie über Bilanzen von Unternehmen oder wirtschaftliche Kennzahlen fachsimpeln hören. 😉

Dafür fand ich Informatik unheimlich spannend und so war die Ausrichtung des Studiums schnell geändert und der Weg in meine heutige Beschäftigung als Anwendungsentwickler geebnet. Verpasst habe ich auf diesem Weg allerdings die für mich inzwischen ganz spannend klingenden Themen wie z.B. Finanzmathematik und Portfolio-Optimierung.

Erst einige Jahre später, genauer gesagt 2014 hatte ich dann meinen ersten Kontakt mit der Börse. Ich war hinreichend von den mickrigen Zinsen auf das Ersparte der ersten Berufsjahre frustriert und begab mich auf die Suche nach einer Alternative zum alternativlosen Nullzins.

Aktien mit Dividende als Zinsersatz wurden an vielen Stellen angepriesen. Allerdings war mein Wissen über Aktien quasi nichtexistent. Ich wusste nicht, wie ich welche kaufen konnte, geschweige denn, was eine Dividende sein sollte (außer dass ich den Begriff noch aus meiner Kindheit aus dem Gesellschaftsspiel “Spiel des Lebens” kannte und das etwas Gutes war, weil man Geld bekam).

Davon abgesehen hatten Aktien doch was mit Zockerei zu tun, oder nicht? Das war ungefähr, was bei mir von der Dotcom-Blase hängen geblieben war.

Mit diesem geballten Wissen zog ich also aus in die große weite Welt des Internets und las und las und las. Und lernte, dass ich nichts wusste. Alles war neu, vieles verstand ich nicht, manches kam mir sehr abgefahren vor, einiges riskant bis fragwürdig.

Aber es war auch der ein oder andere erhellende Punkt dabei. Ich fand heraus, wie ich Aktien kaufen kann und da wir bereits Kunden bei der Diba waren, war dort auch sehr schnell ein Depot eröffnet.

Risikomanagement

Zusätzlich war ich über die Information gestolpert, dass es einen sogenannten Stopp Loss gibt, welcher es ermöglicht Risiken zu begrenzen. Das war für mich die mit Abstand wichtigste Information bei meiner Suche, denn ich bin ein sehr auf Sicherheit bedachter Mensch. Risiken gehe ich nur ungern ein, am liebsten meide ich sie, weshalb ich von Aktien zu dem Zeitpunkt auch noch nicht so recht überzeugt war.

Wenn es nun aber die Möglichkeit geben sollte, Risiken zu begrenzen und gleichzeitig die Rendite von Aktien mitzunehmen - das klang doch gar nicht so schlecht und ich war auf einmal deutlich weniger skeptisch.

Um ganz sicherzugehen wollte ich dennoch tiefer graben. Eine schnelle Suche beim Onlinehändler des Vertrauens und das Buch “Risiko- und Moneymanagement” von Sebastian Steyer war gekauft und kurz darauf verschlungen. Rückblickend steht da ziemlich sicher nichts drin, was man nicht auch frei im Internet hätte finden können, aber die Aufbereitung und Strukturierung des Themas durch jemanden, der im Gegensatz zu mir wusste, wovon er da sprach, war enorm hilfreich.

In diesem Buch war am Rande auch die Rede von einem Chance-Risiko-Verhältnis (kurz CRV), welches beschreibt, wie sich die Gewinnchance in Bezug auf das riskierte Kapital verhält. Diesen Wert zu betrachten erschien mir einleuchtend und damit war naiv gesehen auch völlig offensichtlich, wie man Geld macht:

Man muss lediglich Aktien mit gutem CRV häufig genug handeln und dann wird sich der Erfolg schon einstellen.

Wie das aber nun mal so ist, wenn man von etwas wenig bis keine Ahnung hat: Kaum hat man auf eine Frage eine Antwort gefunden, so tut sich im Bestfall nur die nächste, häufig aber ein ganzes Rudel weiterer Fragen auf.

Zum Beispiel: Wie finde ich überhaupt Aktien mit einem guten CRV?

Und wie das nun mal so ist, wenn man von etwas wenig bis keine Ahnung hat, aber viel zu einem großen Themengebiet liest: Man findet ständig neue und spannende Aspekte, so dass man recht schnell all den verschiedenen Abzweigungen dieser “Wissenspfade” aufgrund der begrenzten Zeit und der schieren Anzahl nicht mehr folgen kann bzw. völlig den Überblick verliert.

Aus dieser Masse an Informationen waren zusätzlich zu Stopp Loss und CRV aber noch zwei weitere Themen bei mir hängen geblieben - der Gebert-Indikator und Value-Investing. Zumindest auf den ersten Blick hatten beide eines gemein: Sie vermittelten mir ein Gefühl von Sicherheit.

Der Gebert-Indikator

Wer sich durch die deutsche Börsenmedienlandschaft bewegt, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon mal die Zeitschrift “Der Aktionär” in den Händen gehalten bzw. den zugehörigen Onlineauftritt besucht. Bei mir war zweiteres der Fall und dabei stolperte ich irgendwann über den sogenannten Gebert-Indikator, benannt nach seinem Erfinder Dr. Gebert.

Dieser Indikator vermengt Informationen über Inflationsrate in der Eurozone, letzte Zinserhöhungen der EZB, die Entwicklung des Währungspaares EUR/USD und Saisonalität anhand des aktuellen Monats. Anhand einer einfachen Regel ergibt sich daraus, ob man vollständig im DAX (z.B. per ETF) investiert ist oder vollständig in Cash ist.

Im Rückblick hätte das einen wunderbar durch die Dotcom-Blase und die Finanzkrise gebracht, weil man genau in diesen Phasen nicht investiert gewesen wäre. Und exakt dieser Aspekt, Sicherheit in der Krise, gepaart mit Einfachheit, sprach mich an (natürlich auch die sehr hohe Rendite über die Zeit, mit der dieser Indikator beworben wurde).

Sei wie Warren

Nun zum anderen Punkt. Wenn man sich mit dem Thema Börse auseinandersetzt, kommt man garantiert an einem Namen nicht vorbei: Warren Buffett. Sein Erfolg und seine launigen bis markigen Sprüche sorgen für die entsprechende Bekanntheit.

Seine Strategie: Value Investing. Unterbewertete Unternehmen kaufen, sehr lange halten, warten, bis der Preis steigt und einer fairen Bewertung des Unternehmens gerecht wird und dann möglicherweise verkaufen oder noch länger halten.

Noch stärker vereinfacht: Gute Unternehmen als Schnäppchen kaufen.

Die Denkweise hinter diesem Ansatz, die Beweggründe dafür genau diesen Weg zu gehen, all das kann man in “The Intelligent Investor” von Benjamin Graham nachlesen, dem Vater des Value Investings und Erfinder der Figur des manischen Mr. Market. Ein sehr spannendes Werk, ich habe mich immer auf die Busfahrten vor und nach der Arbeit gefreut.

Warren Buffett hat sinngemäß über diesen Ansatz gesagt: “Ich kaufe gerne den Dollar für 50 Cent.“ Und genau diese Herangehensweise beschert einem einen Sicherheitspuffer, die von Graham und Buffett viel genannte margin of safety. Sicherheit und Schnäppchen in Einem, klingt doch fast zu gut, um wahr zu sein, oder?

Einen kleinen Haken gibt es natürlich - woher weiß man überhaupt, ob ein Unternehmen, welches sinngemäß momentan für 50 Cent zu haben ist, eigentlich einen echten, fairen Wert von einem Dollar hat?

Dafür, wenn ich es richtig verstanden hatte, sollte man sich u.a. in die Bilanz des Unternehmens einarbeiten, Cashflows prüfen, auf weitere wirtschaftliche Kennzahlen abklopfen. Letztendlich steckt eine vollumfängliche Wertpapieranalyse dahinter.

Wie praktisch, dass B. Graham gemeinsam mit D. Dodd den Wälzer “Security Analysis” verfasst hatte. Da ich die Idee des Value Investing sehr ansprechend fand hatte ich sogar kurzfristig überlegt, ob ich mir dieses Werk zulege, in den sauren Apfel beiße und mich für den erhofften Erfolg durch buchhalterischen Schnickschnack kämpfe, um dann für Bilanzen und Wertpapieranalyse gewappnet zu sein.

Nun ja, erinnern Sie sich, dass ich mit Wirtschaft eigentlich nicht so viel anfangen konnte?

Wie immer, wenn einem etwas zu komplex und zu schwer erscheint (und einen das Thema dann doch nur mäßig reizt), ist es ja eine zulässige Idee, nach anderen, vielleicht auch einfacheren Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Statt des furchteinflößenden 700 Seiten umfassenden Werkes von Graham über Wertpapieranalyse habe ich mir dann das Buch “Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse - Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen” von N. Schmidlin gekauft. "Praxisnah" klang gut, fand ich. Vermutlich war es mit seinen etwas über 200 Seiten auch leichtere Kost.

Um ehrlich zu sein habe ich aber trotzdem nicht viel verstanden. Die bereits in gewissem Maße vorhandenen Zweifel wurden dann durch so nette Einwürfe wie “Um Einblick in das Unternehmen zu bekommen rufen Sie da doch an.” genährt. Nee klar, ich rufe da einfach mal als Privatperson an und danach habe ich mehr Einblick in das Unternehmen?

Trotz zunehmender Zweifel bezüglich der Praxistauglichkeit des Value Investings habe ich habe mir sogar von ein paar Unternehmen einen Jahresbericht zusenden lassen. Toll aufgemachte Bücher sind das, ansprechend gestaltet, angenehme Haptik. Nur was ich damit machen sollte, war mir nicht so recht klar, von Bilanzen verstand ich ja nach wie vor nichts.

Dann vielleicht doch noch einen Schritt einfacher an die Sache herangehen und nach mittleren bis großen Unternehmen mit bekanntem Namen suchen, bei denen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und am besten auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis klein sind, denn das sollte laut einhelliger Meinung verschiedener Seiten im Netz klares Zeichen für ein unterbewertetes Unternehmen sein.

Zumindest kann man auf diesem Weg wesentlich schneller zu einem Ergebnis kommen. Wie das mit Abkürzungen aber nun mal ist - da bleibt gegebenenfalls was auf der Strecke und ich hatte so meine leisen Zweifel, ob diese Herangehensweise tatsächlich erfolgreich sein könnte.

Nun hatte ich immer noch keine Aktie gekauft, hatte viele Ideen, manche Zweifel, aber noch keinen rechten Plan. Doch irgendwann muss man den Sprung ins kalte Wasser wagen und so tätigte ich meinen ersten Kauf.

Die erste Aktie

… war ein ETF. 😉 Meine Frau und ich hatten uns zu Beginn auf einen Betrag geeinigt, mit dem wir unser Depot ausstatten wollten. Ein Teil davon sollte gemäß dem Gebert-Indikator angelegt werden und der gab damals grünes Licht. Der erste Kauf war daher ein DAX-ETF von iShares.

Den anderen Teil wollten wir für Aktien nutzen. Unsere erste Aktie: Allianz.

Warum gerade die Allianz? Naja, ein geringes KGV bedeutete doch, dass wir ein Schnäppchen machen würden, oder? Eine Dividendenrendite von damals über vier Prozent und die Tatsache, dass mehrere Personen aus unserem Umfeld bei der Allianz beschäftigt waren bzw. noch sind ließ uns das Unternehmen zusätzlich in positivem Licht sehen. Eine wahrlich fundierte Analyse, nicht wahr? 😉

Zusätzlich habe ich noch einen Stopp Loss festgelegt. Und ruckzuck hatten ich mit einem ETF und einer Aktie alle mir bis dahin als relevant erscheinenden Ansätze miteinander verbunden:

  • DAX-ETF für Gebert-Indikator, also Krisensicherheit.
  • Allianz mit einem geringen KGV, also bestimmt ein Value Investment.
  • Hohe Dividendenrendite, also Zinsersatz gefunden.
  • Stopp Loss definiert, also Risiko begrenzt.

Geldanlage ist also doch einfach. Oder etwa nicht? Mehr davon beim nächsten Mal.

Ihr calvin

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Charts des Sommers – S&P500 – Würden Sie diesen Chart shorten ?

Heute möchte ich Ihnen in einem Beitrag zum S&P500 typische psychologische Fallen vermitteln, in die wir menschliche Anleger und Trader typischerweise tapsen, wenn wir einen Top im Markt treffen wollen.

Schauen wir dazu auf das Chart des Leitindex S&P500 (hier der Future), auf dem wir das Hoch vom 22.05.13 sehen, das Tief vom 24.06.13 und den erneuten Anstieg auf Hochs bis zum heutigen Zeitpunkt.

Trendfortsetzung oder Doppeltop, werden sich viele jetzt wieder fragen und es wird einigen in den Fingern jucken, diese Markt nun zu shorten.

S&P500 18.07.13

Da sitzt er nun also, "Hans Anleger". Privatmann, gebildet, börseninteressiert ... aber immer noch von Emotionen zu stark beeinflusst, die ihm permanent einflüstern, was der Markt nun wegen diesem und jenem machen müsste. Und sein Ego füttern, wenn es denn mal zufällig klappt. Und wegschauen und verdrängen und so sein Ego schützen, wenn es - wie so oft - nicht klappt.

Und diesen "Hans Anleger" gibt es nicht nur bei charttechnisch orientierten Anlegern. Nein, bei denen die sich naiv für etwas "besseres" halten, weil sie ja nur auf "fundamentale" Daten gehen und diesen "Hokuspokus" mit Charts nicht mitmachen, ist dieser Effekt sogar noch schlimmer. Dort entblöden sich viele noch nicht einmal der Einbildung, den zukünftigen Effekt einer aktuellen ökonomischen Entwicklung besser als alle anderen (die den Markt bilden) einschätzen zu können. Es fühlt sich halt so toll für das Ego an, klüger als die "dumme Masse" zu sein - nur macht es die Taschen später nicht voll, aber das ist eine andere Geschichte. Und dann hat man auch schon wieder ein anderes Thema gefunden um sich gut zu fühlen und daran zu wärmen. 😉

Zurück zu Hans Anleger, der diesen Runaway-Move im S&P500 seit November 2012 sieht und sich immer und immer wieder denkt: "Das kann so nicht ewig weiter gehen". Recht hat Hans Anleger, das Dumme ist nur, der Zeitpunkt wann es endet ist unbestimmt. 😉

Da Hans Anleger durchaus erste Erfahrungen hat, mit Oszillatoren wie dem RSI umgehen kann und auch ansonsten aus den Charts einiges heraus lesen kann, startet er also an Punkt (1) den ersten Short-Versuch. Durchaus nicht ohne Logik und das konnte man machen.

Leider beliebt Mr. Market aber nicht, sich entsprechend der Annahmen von Hans Anleger zu verhalten. Und da Hans Anleger auch weiss, wie wichtig Verlustbegrenzung ist - er ist also wirklich schon ein fortgeschrittener Anleger mit gutem Grundwissen - steigt er mit einstelligem Verlust aus dem Trade wieder aus. So weit so gut und völlig in Ordnung. Bisher kein grober Fehler.

Da Hans Anleger ja aber seine Überzeugung nicht ablegt, wird mit den weiter steigenden Kursen die Überzeugung nur stärker. Das "kann" nicht mehr so weiter gehen. Also versucht er es bei (2) und (3) erneut mit entsprechend negativem Ergebnis.

Und nun beginnt der eigentliche psychologische Fehler. Nun ist Hans Anleger gefrustet und um sich und sein Selbstbewusstsein zu schützen, schaut er nun ganz bewusst woanders hin und würdigt den S&P500 erst einmal keines Blickes mehr. Das ist ein unbewusster psychologischer Schutz-Reflex, den man überhaupt erst einmal in die Bewusstseinsebene hoch heben muss.

So passiert es, dass Hans Anleger den grossen ersten Einschlag gar nicht mitbekommt und erst bei (4) zur Kenntnis nimmt. Nun greift der zweite psychologische Fehler, sofort kommt der Gedanke: "Mist, Absturz verpasst. Das lohnt sich jetzt nicht mehr." Unbewusst bestätigt sich Hans Anleger also die Entscheidung, auf den S&P500 nicht mehr zu schauen.

Und so hat Hans Anleger keinerlei Chance, den ersten wirklich guten Punkt zu bemerken, an dem das CRV - ohne raten zu müssen - für einen Short spricht. Es ist der Punkt (5) nach dem auslaufenden Rebound. Auch so ein Rebound ist keine Garantie für einen Short, nichts ist eine Garantie im Markt, aber in so einer Struktur sind die Chancen sehr hoch, dass es zumindest eine zweite deutliche Abwärtsphase gibt.

Was also ist der psychologische Fehler ?

Erstens der Versuch die Zukunft zu erraten ! Das funktioniert einfach nicht ! Die Shorts (1) - (3) waren zwar nicht völlig unlogisch, aber sie waren trotzdem raten. Denn noch hatte der Markt nicht die Richtung gewechselt und ein Oszillator wie der RSI ist keine Garantie.

Zweitens ist der Fehler, nach mehreren Fehlversuchen in die Verdrängung zu wechseln um das eigene Ego zu schützen und damit die Augen vor dem zu verschliessen was weiterhin passiert. Denn genau dann ist oft genug das beste Chance-Risiko-Verhältnis im Markt ! Oft hatte man eigentlich recht, nur nicht genügend Geduld.

Drittens ist der Fehler, nach der ersten verpassten Bewegung sofort zu denken das wäre es schon gewesen. Wenn sich ein Trend dreht, dann gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mindestens einen Versuch zu den alten Hochs zurück zu kommen. Erst wenn auch dieser Versuch scheitert, entsteht wirklich eine Gelegenheit für einen Short.

Versuchen Sie sich statt dessen andere Denkstrukturen anzugewöhnen. Beim Betrachten einer bestimmten Chartstruktur muss Ihr Augenmerk darauf liegen, was die Wahrscheinlichkeiten sind, die in einer gegenwärtigen Struktur begründet sind. Erfolg am Markt beruht nicht auf wilden Prognosen für eine unbestimmte Zukunft. Er beruht auf einem intelligenten Spiel mit Wahrscheinlichkeiten und Risikomanagement ! All das Grübeln wann der Top kommt, hätte man sich in dem Beispiel sparen können, wenn man einfach auf den ersten Einschlag gewartet hätte. Der Markt sagt einem schon was er will, man muss nur hören.

Wenn Sie also irgendwo wieder so ein Banner anblinkt, wo Ihnen der "Crash 2013" oder "200% Gewinn" von einem selbst ernannten Guru geweissagt wird, machen Sie einen grossen Bogen darum. Ausser Sie sind gerne ein Schaf, das von anderen geschoren wird. Dann wünsche ich einfach viel Vergnügen bei der Rasur. Ihr Geld ist am Ende ja auch nicht weg, es hat halt nur ein anderer - das ist bestimmt tröstlich. 😉

Wenn aber nach einem heftigen, ersten Einschlag der teilweise Rebound kommt, der dann ausläuft, dann sollten Sie ganz wach und aufmerksam sein, denn das sind die Momente, in denen gute Chancen auf der Short-Seite liegen könnten.

Also noch einmal meine Frage, würden Sie diesen Chart des S&P500 heute nun shorten ?

Ihr Hari

PS: Und damit das ganz klar ist. Ich kann über diese psychologischen Mechanismen deshalb so gut schreiben, weil ich sie alle am eigenen Leib kenne und erlebt habe. Und so auch Chancen verpasst und Verluste produziert habe. Die Leistung die Sie bringen müssen, ist sich Ihre eigenen psychologischen Prozesse in die Bewusstseinsebene zu heben und dann Mechanismen, Systeme und Tricks zu entwickeln, mit diesen umzugehen.

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Warum Setups oft nicht aufgehen. Und trotzdem wichtig sind. Am Beispiel Bunge.

Mit der Premium Mitgliedschaft habe ich auch die neue Funktion des "Setup-Monitors" eingeführt. Jeden Tag, in der Regel bis 10 Uhr, präsentiere ich Ihnen dort eine Auswahl von 5-10 Setups für mögliche Trades oder Anlagen. Dabei liegt der Fokus auf dem mittelfristigen Zeithorizont, Intraday Setups sind ebenso wenig Teil des Setup-Monitors, wie sehr langfristige Investitionen.

Da unsere Hirne als Anleger aber durch den permanenten Unfug der Prognosen und "heissen Tips" selbst ernannter Besitzer von Kristallkugeln leider etwas verseucht sind, erscheint es mir wichtig noch einmal zu erklären, was ein Setup ist und was es nicht ist. Welche Bedeutung es hat und warum man mit konsequentem Handeln auf Basis gut ausgewählter Setups eine positive Performance erzielen kann, selbst wenn ein grosser Prozentsatz der Setups nicht aufgeht - was völlig normal ist. Und ich will Ihnen das anhand eines der aktuellen Setups im Premium-Bereich, der Aktie des Agrarproduzenten Bunge (WKN 762269), beispielhaft darstellen.

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Wacker Chemie (WKN: WCH888) – Steht der nächste Aufwärtsschub bevor ?

Sie erinnern sich vielleicht gut an meine bisher drei Artikel zu Wacker Chemie (WKN: WCH888)
am 30.11.12: -> Wacker Chemie vor der Wende ? <-,
am 04.02.13: -> Wacker Chemie – Der Turnaround Kandidat, der Solarworld nicht ist ? <- und
am 12.02.13: -> Wacker Chemie – Im Aufwärtstrend – Kurs bald 50% höher bei 90 Euro ? <-,
mit denen wir dem Aufwärtstrend der Aktie seit November letzten Jahres schön gefolgt sind und grosse Profite mitnehmen konnten.

Seit dem letzten Artikel sind nun wieder 5 Wochen vergangen, der Kurs überstieg zeitweilig 70€, bevor er zu einer Korrektur im Aufwärtstrend ansetzte, die sich nun möglicherweise dem Ende nähert. Grund genug also, uns den Chart und die Entwicklung der Aktie erneut genauer anzuschauen.

Schauen wir also zunächst einmal auf das detaillierte Tageschart, um die Lage besser einschätzen zu können:

Wacker Chemie 19.03.13

Sie sehen in dem Chart die typische, hin und her schwingende Struktur eines Aufwärtstrends. Die über 70€ waren eindeutig zu viel zu schnell, was man unschwer an den technischen Parametern erkennen und für sich nutzen konnte. Die darauf folgende Gegenbewegung war daher nur konsequent und hat eine Menge der überschiessenden Erwartung nun wieder aus dem Markt genommen.

Nun hatten wir gestern einen schönen Intraday-Swing, den man im Chart als deutliche grüne Fahne bewundern kann. Und dieser Swing fand unter steigendem Volumen statt, ein wichtiges Indiz dafür, dass dieser Swing nun Bedeutung hat.

Gleichzeitig sind wir nun nicht mehr weit vom 50er Fibonacci Retracement entfernt und es ist einfach ganz typisch, dass im Aufwärtstrend ein Anstieg dann um 50% wieder abgegeben wird.

Es scheint also der Zeitpunkt gekommen, wo man einem Wiedereinstieg bei Wacker Chemie gedanklich mit gutem Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) nahe treten könnte. Fundamental gibt es nicht viel Neues zu berichten. Positiv sehe ich, dass die Insolvenz beim grossen chinesischen Solarhersteller Suntech nun Faktum zu sein scheint. Damit schreitet die Marktbereinigung voran, die zwingende Voraussetzung dafür ist, dass die Preise im Solarmarkt - und damit für Polysilizium - wieder anziehen können.

Trotz des gestrigen klaren Swings ist keineswegs sicher, dass das schon der Tiefpunkt war. Es ist auch gut vorstellbar, dass der Kurs noch einmal bis 55€ zurück kommt, bevor die wirkliche Wende ansteht. Aber wenn man von einer Fortdauer des neues Aufwärtstrends ausgeht - und ich tue das - dann haben wir vielleicht schon heute wieder ein brauchbares Setup, um wieder einen ersten Fuss in die Aktie zu setzen.

Nach unten liegt die für mich entscheidende Marke beim Tief vom 31.01.13 bei 52,29€, das gleichzeitig mit dem 62 Fibo Retracement korreliert und in dessen Nähe sich die 200-Tage-Linie befindet. Diese Marke ist "do or die" für den Trend. Wenn Wacker Chemie diese Marke mit Schlusskurs unterschreitet, ist der Aufwärtstrend gebrochen und ich würde kompromisslos aussteigen. Ich rechne eher weniger damit und geben einer Trendfortsetzung die grössere Wahrscheinlichkeit. Möglich ist es aber und man sollte darauf vorbereitet sein.

Sollte Wacker Chemie den Aufwärtstrend jetzt aber wieder aufnehmen, bleibt mein Kursziel von 90€ aus dem Artikel vom 12.02.13 weiterhin bestehen.

Übrigens, zum Thema Fibonacci-Retracements. Schauen Sie mal wo Wacker am 25.02.13 drehte, bei 71,13€ im Maximum. Und dann lesen Sie den Artikel vom 12.02.13 noch einmal, in dem ich die Retracements des gesamten Absturzes von Wacker Chemie im Wochenchart dargestellt habe. Und schauen Sie mal, wo das 23er Fibo-RT liegt. Lustig oder ? 😉

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen.

Ihr Hari

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