Die Lage im Hochsommer

Als ich hier im freien Bereich -> im Mai <- das letzte Mal einen kurzen Blick auf die allgemeine Marktlage geworfen habe - etwas was ich im Premium-Bereich praktisch täglich mache - habe ich Ihnen dabei Sätze wie folgt geschrieben:

Nun hat der S&P500 zum dritten Mal die Trendlinie und 200-Tage-Linie erfolgreich getestet und ist wieder unter Volumen nach oben abgeprallt. Das sieht gar nicht so schlecht aus:

Und im ganz großen Bild bleibt es dabei, wir sind in einer Seitwärts-Bewegung im ersten Halbjahr, die im zweiten Halbjahr dann gut S&P500 3.000 erreichen könnte. Das alles aber eingebettet in eine ganz normale, größere Konsolidierung, die die immensen Gewinne seit Anfang 2016 erst verarbeiten muss, bevor es weiter hoch gehen kann.

Das ist mehr oder weniger das Bild, das ich seit Jahresanfang vertrete. Und was hat es nun gebracht, den ganzen Säuen hinterher zu laufen, die die Bären seit Jahrenanfang durchs Anlagedorf treiben? All den "tollen", medial so wunderbar klickbaren Geschichten, warum der Markt gerade jetzt zusammen brechen "muss"?

Ich sage es erneut, der Markt muss gar nichts und ein Trend ist ein Trend. Das nennt man eine ruhige Hand.

Und wissen Sie was, das war nicht nur richtig, ich könnte es Ihnen auch heute wieder schreiben. 😉

Seit Mai wurde dann eine ganze Reihe weiterer "Säue" durchs Anlagedorf getrieben, mit denen medial begründet wurde, warum der Markt nun drehen "muss" - irgendwas muss man ja auch schreiben.

Wenn ich jetzt eine Liste machen müsste, würde es mir leichter fallen und wäre kürzer aufzuschreiben, worum sich der Markt noch *nicht* gesorgt hat, denn es war fast alles vertreten, von geopolitischen Sorgen über Handelskonflikte, politische Sorgen bis zu Konjunktursorgen.

Wie ist aber ein Markt zu werten, der das alles abschütteln kann? Sie ahnen es, eher stark, nicht schwach!

Und es ist ja keineswegs so, dass zum Beispiel der Handelkonflikt ohne Auswirkungen wäre, schauen Sie hier, wie es den chinesischen Markt in 2018 zerlegt hat, dargestellt am ETF ASHR:

Das Thema ist also wichtig, nur aus Sicht des Marktes eben für die US Industrie bisher noch keine wirkliche Gefahr.

Die letzte mediale Sau, die derzeit noch nachklingt, war dann die Sorge um eine inverse Zinsstrukturkurve, die ein recht guter Indikator für eine kommende Rezession ist.

Ich habe hier einen -> alten Link aus 2005 <-, der nicht nur ganz gut erklärt worum es da geht, sondern an dem Sie auch das Datum genau wahrnehmen sollten.

Denn Ende 2005 wurde die Zinsstrukturkurve in den US damals invers - etwas was heute noch gar nicht der Fall ist, es wird derzeit nur darüber spekuliert. Dann dauerte es aber noch 2 Jahre bis Ende 2007, bis eine Rezession Realität wurde und 2008 in das Lehman-Desaster überging.

Wir haben heute eine solche Situation aber noch gar nicht und es ist unklar, ob sie überhaupt eintritt. Dann haben wir 2018 gerade in Sachen Anleihenzinsen sowieso eine historisch einmalige, von den Notenbanken "manipulierte" Situation, bei der keiner sicher sagen kann, ob die Signale der Zinsstruktur noch die gleiche Gültigkeit haben. Und selbst wenn man das alles bejaht, haben wir von nun an vielleicht noch 2 Jahre lang Kursanstiege, wie zwischen 2005 und 2007.

Was hilft uns diese Diskussion also dabei, die richtige Anlage-Entscheidung für die kommenden Monate zu treffen? Sie ahnen es: Nichts. Nur für Klicks ist das Thema derzeit gut.

Wir sollten in bewährter Manier also lieber schauen, was der Markt macht, der praktisch alle Nachrichten und Spekulationen verarbeitet, auch und gerade die aktuelle Wirtschaftsdaten und auch die Vorlauf-Indikatoren.

Hier ist das aktuelle Bild des Leitindex S&P500, den letzten Artikel zur Lage im Mai mit den obigen Kommentaren habe ich markiert:

Meine spöttischen Worte von Mai, hatten also kein so schlechtes Timing. Wenn Sie die geschlängelte Kurve in Blau sehen, ist das übrigens keine konkrete Projektion des Verlaufs.

Es soll nur symbolisieren, dass wir vielleicht bis in den Herbst eine Fortsetzung der volatilen Seitwärtsphase haben - einen bald kommenden Einbruch im August bzw September durchaus eingeschlossen - die Chancen dann aber gut sind, zum Jahresende im Sinne des blauen Sterns die 3.000 im S&P500 zu erreichen.

Und ob wir dann in 2019 eine Rezession und größere Korrektur bekommen, das weiss ich nicht und mache mir auch keine Gedanken um ungelegte Eier. Viel wichtiger ist im Hier und Jetzt dieses Sommers, die Aufstellung für die kommenden Monate richtig hinzubekommen, alles weitere ergibt sich dann. Wer jetzt über 2019 spekulieren will, kann das gerne tun, Geld verdient wird so am Markt aber eher nicht.

Weit unklarer und wackeliger ist übrigens die Lage im DAX als im S&P500. Hier kann man sich ebenso eine große SKS als Wendeformation und Vorbote einiger Schmerzen vorstellen, wie auch ein weiteres Seitwärtsgeschaukel bis zum Jahresende:

Es nützt nichts, die Auflösung erraten zu wollen, wichtiger ist zu erkennen, dass die Lage im DAX aktuell indifferent ist, während sie in den US Indizes mittelfristig weiterhin eher bullischen Charakter hat - wohl wissend, dass auch dort kurzfristig die Korrekturgefahr steigt.

Was kann ich mir nun also in den Herbst hinein vorstellen?

Der August und September sind durchaus kritische Monate, in denen der Markt gerne mal einen Einbruch vollführt, ich erinnere nur an den 24.08.15 mit dem markanten ETF-Flash-Crash.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dieses Jahr noch ein entsprechender Aufreger und Einbruch im Spätsommer bzw Frühherbst vor uns liegt, ähnlich wie für den S&P500 eingezeichnet. Und nach diesem "Aufreger", ist dann der Weg zu S&P500 3.000 frei.

Ich sehe also keinen Grund, gerade jetzt über den August große Risiken einzugehen, das kann durchaus schmerzhaft werden. Grund den Markt generell in Frage zu stellen, sehe ich aber ebenso (noch) nicht. Die Chance, im S&P500 zum Jahresende höher zu stehen als heute, erscheint mir immer noch gut.

Damit verabschiede ich mich auch im freien Bereich in den Ferienmodus des August, in dem es im Blog nur sporadische Updates geben wird. Ab Anfang September geht es hier wieder mit voller Energie Richtung Herbst und Jahresende.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Lage Anfang Mai

Wenigstens einmal im Monat, will ich mich hier im freien Bereich auch zur Marktlage äussern.

Erinnern wir uns:

In -> Die Steigung <- hatte ich Ihnen Ende Januar die zunehmende Steigung im Leitindex S&P500 gezeigt, die dauerhaft so nicht durchzuhalten ist.

Anfang Februar, nahe am Tiefpunkt der Februar-Korrektur, habe ich Ihnen in -> Der Weltuntergang hat begonnen - Achtung Sarkasmus <- klar gemacht:

Genau genommen ist dieses Jahr sowieso eine echte Korrektur von 10-20% überfällig und vielleicht hat sie gerade begonnen. Schön wärs, denn das würde den Boden bereiten für eine neue Anstiegsphase, denn der übergeordnete Bullenmarkt ist eben noch nicht notwendigerweise zu Ende, Korrekturen gehören zum Geschäft.

Da sollte man doch meinen, dass sich die Mehrzahl nun freut und nach riesigen Gewinnen und 1,5 Jahren Anstieg ohne Pause einfach mal gelassen zur Kenntnis nimmt, dass dieser Markt erfreulicherweise wieder zur Normalität zurück kehrt.

Aber nein, es muss gleich der kommende, finanzpolitische Weltuntergang sein ......

Einen Handelstag später, genau einen Handelstag vor dem Tiefpunkt Anfang Februar, habe ich Ihnen in -> Entladung <- geschrieben:

Nehmen wir das Geschehen also ernst, rechnen wir durchaus mit noch tieferen Kursen in der nahen Zukunft, das Ende des Bullenmarktes ist es aber wahrscheinlich nicht, sondern eine ebenso notwendige wie überfällige Entladung.

Zwei Wochen später, habe ich in -> die erwartete Korrektur <- das Geschehen in ein großes Bild eingeordnet. Das Bild einer Schaukel- und Konsolidierungsphase, bei der in 2018 bei S&P500 3.000 nach oben bald Schluß ist und die nächsten Monate eher volatil seitwärts laufen.

Mitte März habe ich in -> die ruhige Hand <- noch einmal darauf hingewiesen, wie wichtig es ist sich nicht von den Panikmachern anstecken zu lassen, die immer dann medial aus den Löchern kommen, wenn die Kurse schon fallen:

Schon heute kann man aber wieder festhalten, dass es sich erneut gelohnt hat, sich in der Februar-Korrektur nicht verrückt machen zu lassen und eine ruhige Hand zu behalten.

Die Crash-Propheten sind nun auch wieder erst einmal verstummt, die kommen dann wieder aus den Löchern, wenn die Kurse wieder fallen, um sich an der Angst der Anleger zu laben und Klicks zu generieren. So funktioniert das Geschäftsmodell des "Fear-Mongering", im deutschen "Panikmache" genannt.

Anfang April habe ich in -> Zwischen Baum und Borke <- den Hinweis gegeben, dass die Lage gar nicht so schlecht aussieht und die Frage gestellt:

Wie wäre es in so einer Gemengelage denn, selektiv und vorsichtig mal ein wenig zu kaufen und direkt abzusichern? Heißt Sie überlegen sich im Vorfeld den "Preis", den Sie für die Chance zu zahlen bereit sind. Dieser "Preis" ist dann die Differenz zwischen Ihrem Einstieg und dem von Ihnen definierten Punkt, an dem Sie die Reißleine ziehen, weil der Markt eben doch nach unten rausfällt.

Und nun Anfang Mai?

Nun hat der S&P500 zum dritten Mal die Trendlinie und 200-Tage-Linie erfolgreich getestet und ist wieder unter Volumen nach oben abgeprallt. Das sieht gar nicht so schlecht aus:

Der DAX hat eine Wendestruktur nach oben getriggert und hat Chancen nach oben in Bewegung zu kommen:

Und im ganz großen Bild bleibt es dabei, wir sind in einer Seitwärts-Bewegung im ersten Halbjahr, die im zweiten Halbjahr dann gut S&P500 3.000 erreichen könnte. Das alles aber eingebettet in eine ganz normale, größere Konsolidierung, die die immensen Gewinne seit Anfang 2016 erst verarbeiten muss, bevor es weiter hoch gehen kann.

Das ist mehr oder weniger das Bild, das ich seit Jahresanfang vertrete. Und was hat es nun gebracht, den ganzen Säuen hinterher zu laufen, die die Bären seit Jahrenanfang durchs Anlagedorf treiben? All den "tollen", medial so wunderbar klickbaren Geschichten, warum der Markt gerade jetzt zusammen brechen "muss"?

Ich sage es erneut, der Markt muss gar nichts und ein Trend ist ein Trend. Das nennt man eine ruhige Hand.

Und klar, irgendwann wird eine der Säue den Trog umwerfen und der Markt wird wirklich fallen. Er wird definitiv irgendwann markant fallen, denn jeder bullische Zyklus endet - auch dieser.

Die ganze Energie die aber darauf verwendet wird, im Vorfeld herum zu raten, ob *gerade jetzt* die Wende ansteht, ist eher sinnlos. Denn die Kurse werden in der Regel sowieso die Ersten sein die fallen, die Fundamentaldaten kommen dann nach. Es gibt keine Frühindikatoren, die noch sensitiver als der Markt selber zukünftige Entwicklungen erahnen.

Darauf reagiert man dann sinnvollerweise, nachdem es das eine Mal aus 10 Fällen passiert ist und die Kurse wirklich durch Unterstützungen durchfallen. In den 9/10 anderen Fällen aber, in denen nichts passiert, hält man einfach Kurs.

Denn wer sich verrückt machen lässt, wird von der Volatilität zerrieben. Und wenn man schaut, warum Anleger so viel schlechter als der Markt abschneiden, liegt es oft an unnötigem Gezappel und der Verunsicherung, der von dem medialen Clickbaiting ausgeht.

Vielleicht arbeitet dieser Markt gerade an einer Topbildung, unmöglich ist gar nichts. Aber solange diese nicht wirklich da ist, tun wir gut daran beim langfristigen Trend zu bleiben. Und der zeigt weiter hoch, so einfach, auch wenn es über den Sommer sicher rumpelig bleiben könnte.

Ihr Hari

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Die erwartete Korrektur

Was wir in den letzten zwei Wochen erlebt haben, muss man wohl als ideale, erwartete Korrektur bezeichnen. Monatelang haben alle Marktteilnehmer darauf gewartet und dass in 2018 eine 10-20% Korrektur anstehen würde, war wenig überraschend und habe ich mehrfach geschrieben, so auch hier im freien Bereich zum Beispiel in -> Auf ein Neues! <-

Aber noch besser, nicht nur abstrakt war diese Korrektur zu erahnen, auch konkret haben wir sehr früh die Witterung aufgenommen, ein -> gelber Alarm <- am 02.02.18 kündet auch von aussen sichtbar davon, auch wenn dieser Artikel auf den Premium-Bereich begrenzt war.

Dann hatten wir am Freitag 09.02. ja dieses markante und denkwürdige Reversal am späten Abend, das gegen 19:30 Uhr einsetzte. Darauf haben wir schnell reagiert und am folgenden Sonntag 11.02. habe ich den Mitgliedern dann ein Chart für drei weitere Verlaufsszenarien gezeigt, das ich Ihnen hier nun auch im freien Bereich zeigen will und mit einem lila Kreis eingezeichnet habe, wo wir gerade stehen. Der Pfad (1) war dabei von den Wahrscheinlichkeiten her meine Präferenz:

Aber selbst wenn Sie in der Community nicht dabei sind und diese Infos und intensive Begleitung im "Schlachtengetümmel" nicht hatten, waren die letzten 2 Wochen immer noch die wahrscheinlich meist antizipierte und bestens vorbereitete Korrektur der letzten Jahre.

Und trotzdem konnte man wieder erleben, wie viele Anleger davon doch aus der Spur geworfen wurden. Auch im Herbst erlebt man ja immer wieder, wie die Autofahrer von den ersten Schneeflocken "überrascht" sind. Und Marktteilnehmer, die vorher noch davon geredet hatten, wie gerne sie doch zu besseren Kursen nachkaufen wollten, waren verunsichert, als die Kaufkurse dann da waren.

So ist das immer, von einer Korrektur zu reden und Sie zu erleben, sind eben zwei verschiedene paar Schuhe. Ich kann Ihnen nur wärmstens ans Herz legen, dazu meine folgende halbfiktionale Geschichte zu lesen:

-> Wie die Assyrer mir das Geheimnis der nächsten Börsenkrise offenbarten <-

Prüfen Sie sich also selber, wie Sie mit dieser Korrektur bisher umgegangen sind. Wenn schon diese sie in Unsicherheit gestürzt hat, haben Sie ein grundlegendes Problem, das Sie lösen müssen. Denn wenn es dann wirklich mal ernst wird und der Rebound nicht gleich kommt, werden sie von ihren Ängsten mit hoher Wahrscheinlichkeit überwältigt werden. Die Lösung dafür, ist eine eigene, belastbare Strategie und dabei kann Ihnen diese Community helfen.

Wie geht es nun weiter?

Folgt man dem alten Erfahrungswissen, wäre ein erneuter Taucher zu den Tiefs im Sinne des Pfades (2) oben nur völlig normal. Dieses alte Erfahrungswissen ist aber durch die mehr und mehr dominanten Algos teilweise obsolet geworden, denn diese Algos sind darauf programmiert genau das Erfahrungswissen abszuschöpfen, was im reflexiven Markt zu verändertem Kursverhalten sorgt.

Ein weiterer Anstieg im Sinne eines "V" in den US-Indizes würde also dem 2017er Muster entsprechen, allerdings bin ich nicht überzeugt, dass der Markt nach oben noch sehr viel Kraft hat und vermute um die 3.000 im S&P500 einen mittelfristigen Deckel, wie auch in -> Crash, Boom, Bang! <- erläutert.

In dem Artikel habe ich dieses langfristige Chart des S&P500 gezeigt, das eine langfristige Konsolidierung zeigt, die bei ca. 3.000 einen Deckel bekommt - ein Szenario, das ich mir sehr gut vorstellen kann:

,

Und der DAX? Der ist weiter relativ zu den US Märkten sehr schwach, was mit hoher Wahrscheinlickeit an Abgaben von US Investoren liegt. Man schaue sich nur mal den deutschen Markt aus Sicht eines US ETFs in Dollar an, dann erkennt man wie stark die Abgaben waren, während es kaum zu Aufwärtsvolumen gekommen ist:

Das sieht nicht sehr gut aus und ohne Käufe der dominanten US Investoren kann man sich das ganze Gerede vom "besser als die US Märkte bewerteten DAX" sonst wohin schmieren. Bewertungskennziffern sind kein Timing-Indikator, waren es nie und werden es nie sein, auch wenn permanent anderes geredet wird. Der Markt ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage und wenn keine Nachfrage da ist, ist eben keine da und die Kurse können nicht steigen.

Summa Summarum war die Korrektur bisher ein Weckruf, mehr nicht. Kluge Anlager betrachten diese als Testfall für die eigene Psychologie, wer schon damit nicht gut klargekommen ist, hat dringenden Handlungsbedarf.

Über den aktuell laufenden Rebound hinaus, ist die Frage berechtigt, ob dieser Markt nun noch so furchtbar viel Potential nach oben hat. Ich bezweifele das aktuell und rate daher dazu nun ganz kritisch hinzuschauen, insbesondere wenn der Markt nun seitwärts zu laufen beginnt. Eine temporäre Topbildung in den US Indizes ist nun absolut denkbar und wir wissen, dass Topbildungen Zeit brauchen und von mehrfachen Versuchen geprägt sind, die wieder zu den Hochs führen oder scheitern.

Ob wir so etwas im Sinne Pfad (1) gerade erleben, wird für alle Anleger eine wichtigen Information sein. Nur ein klarer Anstieg über 3.000 hinweg, kann im S&P500 diese grundsätzliche Frage aus dem Spiel nehmen.

Ihr Hari

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Der Weltuntergang hat begonnen – Achtung Sarkasmus

Im sogenannten "freien" Internet geht es bekanntermassen primär darum, möglichst einfach Klicks zu genieren und dafür legt man in Überschriften gerne schmackhafte Häppchen aus, die die Leser dazu verleiten sollen zu klicken, insbesondere weil die Überschrift den eigenen Bias befriedigt. Denn wir lesen doch einfach besonders gerne, was wir schon immer gewusst zu haben glauben, frei nach dem beliebten Motto: "Siehste"?

Der Markt ist letzte Woche zur überfälligen Korrektur angetreten, die US Indizes sind gegenüber dem Jahresanfang aber immer noch deutlich im Plus und diese Korrektur war ja nicht nur überfällig, sie war unvermeidbar, ich habe mehrfach darüber geschrieben.

Genau genommen ist dieses Jahr sowieso eine echte Korrektur von 10-20% überfällig und vielleicht hat sie gerade begonnen. Schön wärs, denn das würde den Boden bereiten für eine neue Anstiegsphase, denn der übergeordnete Bullenmarkt ist eben noch nicht notwendigerweise zu Ende, Korrekturen gehören zum Geschäft.

Da sollte man doch meinen, dass sich die Mehrzahl nun freut und nach riesigen Gewinnen und 1,5 Jahren Anstieg ohne Pause einfach mal gelassen zur Kenntnis nimmt, dass dieser Markt erfreulicherweise wieder zur Normalität zurück kehrt.

Aber nein, es muss gleich der kommende, finanzpolitische Weltuntergang sein, lesen Sie mal, was unsere Presse dazu verzapft:
-> Heftige Börsenturbulenzen gefährden deutschen Aufschwung <-

Welche "heftigen Börsenturbulenzen" eigentlich? Und was schreiben die, wenn wir wirklich mal welche haben? Im Artikel ist dann allerlei wild zusammen gemixt, was teilweise sogar richtig ist, die Aufgeregtheit der Überschrift ist im Ringen um Aufmerksamkeit im Internet aber symptomatisch.

Genau das ist für mich persönlich "Clickbaiting", bösere Zungen haben so etwas auch schon mal "Börsenpornographie" genannt - Klick-Mich-Jetzt!

Und es funktioniert natürlich, viele die seit 2009 in ihrer fest gefügten Gedankenburg schon immer wussten, dass Börse nur Zockerei ist und der börsentechnische Weltuntergang unmittelbar bevor steht, suhlen sich wohlig im eigenen Saft, ohne zu merken dass sie nur wieder reflexartig auf einen vor die Nase gestellten Trigger reagieren.

Nun denn, lassen wir hier bei Mr-Market lieber mal die Realität und Rationalität sprechen. Ich lege auch keinen Wert auf Klicks und Aufmerksamkeit um jeden Preis und das unterscheidet Mr-Market ganz zentral von andere Angeboten.

Hier ist der DAX im langfristigen Bild mit Wochenkerzen:

Wir sehen, dass noch gar nichts passiert ist, der langfristige Trend ist intakt, es gibt kein tieferes Tief. Wir sehen aber auch etwas, was vielleicht zu einer Topbildung werden *könnte* - Konjunktiv.

Insofern ist die aktuelle Entwicklung nichts, was man sorglos ignorieren darf, denn das kann sich nun ausweiten, Es ist aber bisher noch davon entfernt, dass man mehr als eine normale Korrektur hinein interpretieren muss.

Noch klarer ist das langfristige Bild im Leitindex S&P500:

Wir sehen einen immer steiler werdenden Trend, der auf keinen Fall so unbegrenzt weiter gehen konnte. Das habe ich selbst hier im freien Bereich mehrfach geschrieben, insbesondere zuletzt am 23.01. in -> Die Steigung <-. Zitat:

Ich denke man erkennt sehr schön, wie die Steigung von einer dauerhaft tragfähigen Neigung in 2017, in 2018 nun auf eine Steilheit gewechselt ist, die der Markt nicht dauerhaft durchhalten kann.

Würde man diese Steigung auf das Jahresende hochrechnen, würde sich der SP500 vervielfachen, was natürlich kompletter Unfug ist.

.....

Gleichzeitig muss dieser kluge Anleger sich aber bewusst machen, dass eine scharfe Korrektur von 20% in 2018 mit dieser steilen Bewegung eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher geworden ist, die Risiken steigen also deutlich.

Bei allem demütigen Mitgehen, muss man sich also immer wieder die Ausstiegspunkte zurecht legen und sozusagen schon den Fallschirm aufgeschnallt haben, damit man dann nur noch die Reissleine ziehen muss.

Noch Fragen? Was ist an dieser überfälligen Korrektur nun also bis jetzt eine "Börsenturbulenz"?

Wir alle wissen nicht, wie sich das entwickelt. Theoretisch kann hieraus in den nächsten Tagen eine "Börsenturbulenz" werden, das gilt aber grundsätzlich für jeden Minustag an der Börse, theoretisch kann jeder das Top markieren, praktisch ist das Unfug und wer danach handelt wird zu 99% verlieren.

Was wir aber bisher in Realität vor uns haben, ist eine überfällige Korrektur, die erste dieser Art seit Trump Präsident wurde. Eine Korrektur, die sich durchaus auf 10-20% ausdehnen kann, selbst dann aber immer noch notwendig und gesund im Rahmen eines übergeordneten Bullenmarktes wäre.

Mehr wissen wir derzeit nicht und mehr sollte man derzeit daher auch nicht herein interpretieren, wenn man sich ernsthaft mit den Märkten beschäftigen will. Was die Zukunft bringt, ist offen.

Ihr Hari

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Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

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Wenn der Gnom nicht wäre

Der Ferienmodus mit geringerer Aktivität im Blog ist vorbei, nun stehen uns die 4 aktivsten Börsenmonate des Jahres bevor und dann steht schon 2018 vor der Tür.

Mein Gott, ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als "2001 Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick noch ferne Zukunft war und ich mit grossen Augen im Kino sass. Was bin ich doch ein alter Knacker geworden.

Dass eine weitere Korrekturphase im Zeitraum September/Oktober nicht unwahrscheinlich erscheint und das Jahr trotzdem ein gutes Börsenjahr werden dürfte, habe ich Ihnen schon in -> Vom Fischen gehen <- geschrieben.

Wenn wir aber die kommenden Tage dieser Woche gerade in den eurobasierten Indizes von DAX & Co. anschauen, sind die Chancen gar nicht so schlecht, dass hier nun eine Chance nach oben besteht:

Rund um die EZB am Donnerstag und Draghis Pressekonferenz, sollte sich nämlich allerlei Erwartung entfalten, dass Draghi den Anstieg des Euros deckelt und das sollte DAX & Co. helfen. Auch die Kerze letzter Woche als "Hammer" deutet in diese Richtung.

Leider wird das Bild heute durch den Gnom aus Korea etwas verzerrt, es macht aber Sinn davon auszugehen, dass diese Sorge ebenso verfliegt wie die Fälle vorher. Sicher, wenn es wirklich zum Krieg auf der koreanischen Halbinsel kommt, ist alles anders und alle normalen Szenarien hinfällig. Dass es aber dazu kommt, ist wohl weiter nur ein Restrisiko, auf das zu setzen keinen Sinn macht.

Wenn der Gnom nicht wäre, wäre es heute also einfacher und wir hätten wohl im Grünen eröffnet. Aber das kann ja noch werden. Solange die oben eingezeichnete Unterstützung hält, kann man im DAX nach oben schauen. Darunter zieht man die Reissleine - eine recht klare Ausgangslage.

Gold macht übrigens das, was ich hier schon Ende Juli in -> Erwachen der Edelmetalle <- auf den Radar genommen habe. Auch dabei hilft der Gnom aktuell mit, wie das Edelmetall aber den Ausbruch über 1.300 USD mit einem Retest bestätigt hat, ist schon eindrucksvoll:

So weit so kurz an diesem Montag im September 2017. Einem September der bekanntermassen keinen besonders guten Ruf als Börsenmonat hat. Das muss uns aber nicht schrecken, erfolgreiche Anleger nehmen ebenso wie erfolgreiche Bergsteiger oder Kletterer den Markt/Berg immer Schritt für Schritt und Zug um Zug. Das Spintisieren über den Horizont überlassen wir denen, die gerne eine Klippe herunter stürzen, weil sie als "Hans guck in die Luft" nicht auf ihre Füsse achten.

Ihr Hari

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Euro an der Wegscheide

Die Quartalssaison läuft diese Woche an den Märkten heiss und gleichzeitig hat das Währungspaar EUR/USD einen Stand erreicht, den man glasklar als Wegscheide bezeichnen kann.

Was das bedeutet, soll dieses Chart verdeutlichen:

Seit Anfang 2015, also seit über 2 Jahren, ist der Euro zum Dollar unter 1,15 hin und her mäandriert und hat mehrfach einen Anlauf Richtung Parität vollzogen. Zweimal hat EURUSD darüber hinaus geschaut, einmal in 2015 und einmal in 2016 und in beiden Fällen war spätestens bei 1,17 Schluss und es wurde ein sogenannter "Fakeout", der dann das Signal für eine starke Bewegung in die Gegenrichtung gab. Die Bauernregel dazu lautet im Englischen "From false Moves come fast Moves".

Nun sind wir diesen Sommer - genau jetzt - wieder an so einer Wegscheide. Draghi hat mit seiner Rede in Sintra vor nun bald 4 Wochen dabei kräftig und unfreiwillig mitgeholfen und es ist ihm letzte Woche nicht gelungen, das in seiner Pressekonferenz sofort wieder einzufangen.

Und wie es der Zufall will, steht diese Woche am Mittwoch eine FED-Sitzung an, deren Wortwahl im FOMC Statement erheblichen Einfluss auf den Dollar und damit auf EURUSD nehmen wird.

Wer sich nicht regelmässig mit Börse beschäftigt, wird sich nun vielleicht fragen, was das denn mit dem DAX und anderen Indizes zu tun hat? Die Antwort ist ganz einfach:

In Euro notiert, also am Kursstand des DAX gemessen - wie wir das in der Regel in unseren Euro-Depots haben - ist ein starker Euro Gift für die Kursnotierungen, ein schwacher Euro stützt diese dagegen.

Dass das nur eine nominale Darstellung in Euro ist und die Welt aus Dollarsicht schon wieder ganz anders aussieht, ist denen klar, die die Welt der Währungen durchdringen. Für diesen Post im freien Bereich genügt aber zu verstehen, dass ein Euro, der potentiell nun nach oben wegbricht und die 1,15 nachhaltig hinter sich lässt, massiven Druck auf den DAX ausüben würde.

Diese Lage trifft aber auf einen DAX, MDAX und Co. der nicht nur durch das Desaster um die deutschen Autobauer sowieso schon angeschlagen ist, sondern auch eine derartige Chartstruktur hat, die einiges an Fallhöhe impliziert, falls der Index hier nun nicht bald nach oben dreht:

Auch Sie sollten also diese Woche ein Auge auf den Euro haben. Dreht der hier wieder nach unten, haben wir vielleicht den Tiefpunkt der aktuellen Korrektur schon gesehen bzw sehen ihn bald. Bricht der nun aber nach oben aus, dürfte sich ein Einbruch im DAX unter 12.000 nur schwerlich vermeiden lassen.

Der zweite Hauptfaktor für DAX & Co. dürfte diese Woche die Entwicklung rund um die Autobauer werden. Ohne dass diese sich stabiliseren, wird es der DAX auch ohne den Euro schwer haben, hier wieder nach oben zu drehen.

Das nur zur groben Einordnung dieser Woche aus Sicht der deutschen Indizes.

Im grossen Bild ist das aber wahrscheinlich nichts weiter als die erwartete Unruhe in der grossen "Rumpelphase" des Sommers, deren Umfang und Dauer ich Ihnen schon in -> Der Gründler und der Measured Move <- nahegebracht habe.

Es gibt also Grund zur Vorsicht, Grund zur Panik und für eine bärische Grundhaltung, sehe ich nach wie vor nicht.

Ihr Hari

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Der “Gründler” und der “Measured Move”

Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing < - bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2017 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives < -, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

Und dafür ist Mustererkennung und sind Mechanismen hilfreich, die auch der Bauer anwendet. Bauernregeln eben, die zu 80% eintreffen und auf die man sofort und elegant handeln kann.

Eine dieser "Bauernregeln" ist der "Measured Move". Zu deutsch vielleicht "berechenbare Folgebewegung".

Der Measured Move ist wie jede Bauernregel ein höchst unpräzises Konstrukt, er macht ausschliesslich Aussagen im Sinne "Pi mal Daumen" und ist trotzdem oder gerade deswegen hilfreich.

Lassen Sie mich das Prinzip anhand der steinzeitlichen Jagd erklären, auch ein Fall, in dem der Gründler scheitern würde.

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