Angst


Sie kennen meinen Artikel -> Von Jünglingen, Knappen und Rittern - die drei Phasen des Risikomanagements <-.

Heute spreche ich über "Ritter" und warum diese die Angst und ihre anderen Emotionen nicht fürchten, sondern diese als Antrieb benutzen, weil sie diese zu kanalisieren wissen.

Es gibt da eine Abart des Freeclimbings, genannt "Free Solo", in der die Kletterer auf jede Sicherung verzichten und daher auch jeden Moment mit ihrem Tod spielen, weil es keine Sicherheits-Margin mehr gibt.

Hier ist einer der aktuell bekannteren Vertreter der Gegenwart:

Nun werden Laien, die sich mit dem Thema nicht auskennen sofort rufen, die seien ja "lebensmüde". Was aber 180 Grad falsch ist und das Thema verfehlt.

Diese Leute sind nämlich nicht lebensmüde, sondern auf eine Art und Weise "lebensüchtig", die man durchaus auch krankhaft nennen darf. Das hat viel mit Endorphin-Ausschüttung zu tun und hat daher auch ein suchtartiges Element, der folgende Artikel erklärt Ihnen recht kompetent, worum es geht:

-> Extremsport zwischen Todesangst und totaler Euphorie <-

Ich verstehe die Motivation dieser "Free Solo" Protagonisten, gehöre aber nicht dazu. Ich war früher in der Jugend auch oft am scharfen Ende des Seils unterwegs und habe mich Situationen ausgesetzt, die einen Normalbürger nur schaudern lassen würden, aber ich habe nie auf die letzte Sicherung verzichtet und hatte auch nie das Bedürfnis danach.

Hier in einem Börsenforum zeige ich Ihnen dieses Video auch nicht, um Sie zum Nachmachen zu animinieren oder diese Leute als "Helden" zu verehren, das sind sie in meinen Augen nicht. Es sind eher Getriebene, die meinen Respekt für ihre Leistungen, aber auch mein Mitleid dafür haben, dass sie etwas nachjagen, was sie nie endgültig finden werden.

Aber diese Leistung - und eine Leistung ist es - vermittelt uns etwas ganz Wichtiges, das wir für unsere Anlageaktivitäten mitnehmen sollten - den Umgang mit der Angst. Und die Tatsache, dass Angst auch ihre positiven Seiten hat, wenn man damit umzugehen weiss. Denn wenn Angst keinen evolutionären Vorteil verschafft hätte, wäre sie nicht da.

Und Angst ist doch auch bei unseren Anlageaktivitäten immer wieder Thema, die Angst zu Verpassen (FOMO), die Angst in einen schlimmen Absturz zu geraten und so weiter und so fort. Wer glaubt, er sei davor gefeit, muss nur mal den Test machen, Positionen erst mit kleinen, entspannten Positionsgrößen zu handeln und dann mit großen Positionsgrößen, die etwas für einen bedeuten. Die Trades sind vielleicht theoretisch - für eine Maschine - die gleichen, der emotionale Unterschied für uns Menschen ist aber eklatant!

Und die wichtige Frage, bei der uns so ein Video helfen kann ist, wie schaffen es diese Leute die Angst zu überwinden und eben keinen Fehler zu machen?

Schauen wir uns dazu ein weiteres Video an, Sie kennen es schon:

"You have no fear!"

"How can you move faster than possible, fight longer than possible, without the most powerful impulse of the spirit - fear?"

"Without the rope, the fear will find you again".

Auch hier muss ich für alle, die nicht genau lesen, wieder einen Disclaimer machen. Ich empfehle es definitiv nicht zum Vorbild, sein Leben (oder sein Depot) in einer "Hopp oder Flopp" Situation aufs Spiel zu setzen! Auch der Protagonist im Film würde das nicht tun, erst die Sondersituation, in der er nur die Wahl hat entweder unten im Loch zu sterben oder diesen finalen Versuch zu machen, schafft eine Ausgangslage, in der der Gedanke an so etwas ausnahmsweise Sinn macht.

Was das Video aber vermittelt, ist dass die Angst in uns auch zu unserem Nutzen sein kann. Sie hat einen Wert, wenn man sich ihr nicht ausliefert und zum Sklaven macht, sondern sich ihrer bewusst ist und die Signale nutzt. Und das gilt auch für Anleger, in denen Ängste aufsteigen.

Die Angst ist also der Katalysator, der diese Leistung erst ermöglicht. Es macht keinen Sinn die Angst vermeiden zu wollen, denn wenn man das tut, wird man unten bleiben und sich der potentiell gefährlichen, aber auch potentiell ertragreichen Situation nicht aussetzen. Und wer keine Angst kennt, wird schneller "tot" sein als jemand, der diese hat.

Die Angst ist nicht unser Feind, wir müssen sie vielmehr zu unserem Verbündeten machen!

Im Bild meines verlinkten Artikels ist der "Angst-Vermeider" der Knappe, der ist charakterlich gereift und kennt die Risiken des Waldes, er setzt sich ihnen aber nicht aus, sondern sammelt nur die leichten Früchte am Rand. Wohl wissend, dass ihm die großen Früchte damit in der Regel verwehrt bleiben, denn die sind gerne da, wo auch die Risiken am größten sind - mitten im Wald, wo die Ungeheuer lauern.

Die Strategie des Knappen ist legitim und verschafft ein langes Leben, nichts daran ist falsch. Aber um es auf den Markt zu übertragen, viel mehr als mit dem Markt mitzulaufen, ist da ohne einen echten Edge zu haben nicht drin, denn ohne Risiko kein Ertrag.

Wie aber schaffen es diese Kletterer die Angst zu überwinden?

Nicht im Versuch diese zu unterdrücken, das würde auch gar nicht gehen, so wie wir unsere Angst bei der Geldanlage auch nicht vermeiden können. Sondern durch den "Prozess", durch die 100%ige und totale Konzentration auf den nächsten Zug. Und vorher durch Übung, Übung, Übung, die Sicherheit durch Routine verschafft.

Es ist beim Free Solo Kletterer die Konzentration, die Übung, die Wiederholung, der Fokus, der diese Leistung ermöglicht. All das erlaubt, die Energie der Angst in etwas Positives zu wandeln, in etwas was den Kletterer nach vorne treibt, aber eben nicht ziellos und panisch - wer da panikt ist schon tot - sondern zielgerichtet im Sinne der vorher fest definierten Absicht und Strategie.

Also: Angst kann fokussieren. Damit Sie das kann, muss man aber einen klaren Plan haben und jede Menge Übung in der Umsetzung.

Und damit sind wir wieder beim Trading. Und ich wiederhole über diesen Argumentationspfad etwas, was ich schon ganz oft gesagt habe:

Es ist Ihre Strategie und Ihre Disziplin, Ihr Durchhaltevermögen und Ihr Fokus auf das Ziel, die Ihnen großen Erfolg bescheren kann.

Das geht aber nicht ohne klaren Plan und es geht auch nicht bei Menschen, die an allem gerne mal kurz schnuppern und dann wieder etwas Neues wollen, weil das Alte nicht sofort funktioniert hat.

Es geht nur bei Menschen, die sich etwas vornehmen, einen Plan entwickeln und dann störrisch und fokussiert daran arbeiten. Hier etwas ändern, da etwas feintunen, Rückschläge als Ansporn nehmen und am Ende so lange auf das Schicksal "eingedroschen" haben, bis dieses ermattet aufgibt und den Erfolg zulässt.

Erneut, weil es bestimmt immer noch jemand missversteht, ich will Sie mit den Videos oben wahrlich nicht zum naiven Eingehen großer Anlage-Risiken "ohne Rüstung und Schild" animinieren, auch wenn man das auf den ersten Blick meinen könnte. Das wäre das Verhalten eines "Jünglings" und der wäre als "Free Solo" Kletterer mit seiner sich selbst überschätzenden Geisteshaltung von "anything goes" ganz schnell tot.

Es geht darum Ihnen klar zu machen, dass der Weg zum Ritter bei der Geldanlage wie beim Sport nur über die Straße der Übung, Disziplin und Fokussierung beschritten werden kann.

Es ist keine Schande diesen Weg nicht gehen zu wollen und es ist für einen normalen Anleger völlig ausreichend, den Markt mit einem kleinen Bonus einfach mitzunehmen und die großen Risiken zu vermeiden.

Das ist der Anlage-Weg, der den meisten beschieden ist und diesen Weg erfolgreich zu beschreiten, ist mehr als die große Mehrheit da draußen jemals schaffen wird, weil diese von Selbstüberschätzung und falschen Vorbildern geprägt ist.

Es ist eine Leistung auf die man stolz sein kann, den Markt bei geringerem Risiko mitzunehmen, das schaffen viele Fondsmanager so nicht. Es ist also eine Leistung, überhaupt ein lang "lebender" Anlage-Knappe zu werden, viele scheitern daran.

Der Weg des Ritters - wenn er überhaupt beschritten werden soll, weil die Früchte so lecker erscheinen - muss sich aber der Angst stellen und daraus Energie beziehen. Denn mit kleinen Positionen, kann man schlicht mathematisch keinen großen Erfolg haben. Es existiert kein Ertrag ohne adäquates Risiko. Und damit größere Positionen kein Harakiri werden, geht es nur über Disziplin, Fokus und Übung, Übung, Übung!

Vielleicht verstehen Sie jetzt besser, warum ich im Risikomanagement bis auf Sondersituationen ohne Stops im System agiere, gleichzeitig aber allen Anfängern nahelege, das erst einmal mit Stops zu machen, bevor sie den nächsten Schritt wagen. Ich rate einem Anfänger im Kletterkurs doch auch nicht, die Kletteroute ohne Seil und doppelte Sicherung anzugehen!

Ich habe keine Stops im System, nur mentale Triggerpunkte, weil ich genau weiss, worauf ich mich einlasse, genau weiss, wie viel ich riskiere und weiss, wie ich im Falle des Falles damit umgehe und konsequent abschneide. Und wenn ich das nicht wüsste, würde ich mich dem Trade gar nicht aussetzen. Ich gehe also das Risiko bewusst ein, weil ich seine Größenordnung abschätzen und in meinem Umgang damit Erfahrung habe.

Die Disziplin ist meine Rüstung, die Routine mein Wegweiser und die Positionsgröße Teil meines Schildes, der zuverlässig einen Tod verhindern wird. Wenn ich Rüstung, Wegweiser und Schild aber habe, kann ich die Angst im Angesicht der Ungeheuer auch mal zulassen.

Und noch etwas, wenn Sie der Argumentation gefolgt sind, dann ist Ihnen jetzt klar, dass Emotionen wie "Fear Of Missing Out" (FOMO) nichts Schlechtes, sondern wertvoll sind! Es geht nicht darum diese zu unterdrücken, sondern diese zu erkennen und sich nutzbar zu machen!

Denn diese Emotionen zeigen Ihnen zuverlässig, dass da im Markt etwas nach oben in Gang kommt und die anderen im Markt werden die gleiche Emotion fühlen. Es verschafft Ihnen also einen Vorsprung, Ihre FOMO zu fühlen!

Was Sie aber brauchen, sind Korsettstangen aus Strategie und Routine, wie Sie dann damit umgehen. Wenn Sie diese Korsettstangen nämlich nicht haben, werden Sie panisch von der Angst getrieben und das Falsche machen.

Sie sollten diese Angst aber kanalisieren und sich damit nutzbar machen! Und das ist Thema dieses Artikels. Und letztlich bezogen auf das allgemeine Thema Emotionen, auch ein großes Thema des Blogs.

Amen.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Scannen mit Finviz II


Mit dem heutigen Video schließe ich an das ein Jahr alte Video -> Scannen mit Finviz <- an.

Erstens gehören wichtige Dinge wiederholt und im letzten Jahr sind ja auch einige neue Mitglieder dazu gestossen.

Zweitens will ich mich dieses Mal mehr dem Screenen nach Trading-Gelegenheiten widmen, während letztes Jahr das Augenmerk mehr auf langfristigem Wachstum lag.

Die Prinzipien sind aber unverändert, es ist nicht schwer das zu tun, man muss es nur tun. Und das ist eine Frage von Disziplin und natürlich auch abhängig davon, dass man überhaupt weiss was man will - auch Strategie genannt. 😉

Ich setze übrigens in diesem Video zum ersten Mal ein neues Mikro ein und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden, ich hoffe auch Sie.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Perlen Reloaded – Ein Börsentag im Leben des Hari



Der Blog existiert nun seit Ende 2011 und es wurden darin Unmengen Grundlagen-Artikel geschrieben. Bis Ende 2015 hatten wir ja auch das alte Blogformat, in dem pro Woche alles in ein grosses File geschrieben wurde und dadurch schlechter zu finden war.

Ich habe zwar in einer grossen Fleissarbeit Referenzfiles erstellt, die man unter -> Wissenswertes für Neueinsteiger <- in einem Archiv finden kann und eine Sektion -> Grundlagen <- des neuen Einzelartikelformats seit November 2015. Beides werden aber nur sporadisch besucht, auch viele neue Mitglieder, werfen da wohl keinen Blick herein. Dabei gibt es auch in den alten Artikeln jede Menge auch heute Lesenswertes und Grundsätzliches. Ich erwecke deshalb in der lockeren Reihe "Perlen Reloaded", jeweils einen alten Artikel wieder zum Leben.

Hier ist der fünfte Artikel dieser Reihe, eine Darstellung eines normalen Tagesablaufs bei mir. Ich habe einige geringe Änderungen gegenüber dem Originalartikel aus 2014 vorgenommen, die den Inhalt aber nicht ändern, sondern ihn nur der Aktualität anpassen. So habe ich damals halt noch meinen Sohn zum Kindergarten gefahren, nun bringe ich ihn zum Schulbus.

Sie werden erkennen, dass es beim Thema keine "Geheimnisse" gibt, ich habe auch keine geheimnisvollen "Tools". Entscheidend sind die Dinge, die von Grünen wie Joschka Fischer als "Sekundärtugenden" verunglimpft wurden, "mit denen man auch ein KZ führen könne": Fleiss, Disziplin, Struktur im Handeln. Kurz harte Arbeit, genau das was ein Agitator nie gelernt hat. 😉

--------------------------------

Freitag 07.03.14 12:00 – Ein Börsentag im Leben des Hari

Im Forum war zuletzt die Bitte, doch mal darzustellen, wie so ein normaler Börsentag bei mir abläuft. Dem will ich gerne nachkommen, passt ja auch in einige grundsätzlichen Thematiken.

Ich werde die Frage aber so interpretieren, dass aus der Erzählung für Sie auch ein Mehrwert wird. Denn klar ist es eine nette Anekdote zu hören, dass ich in der Regel um 6.30 Uhr aufstehe, dann bei einem Kaffee die Börsengeschehnisse der Nacht an meinem Tablet lesen, mir dann anschaue, was einige weitere Nachteulen im Forum geschrieben haben, dann meinen Sohn zum Schulbus bringe, bevor ich mich nach Körperpflege gegen 08:00 Uhr vor meine diversen Schirme setze und den Börsentag real beginne.

Nur bringt Ihnen das ausser einer netten anekdotischen Geschichte nichts. Denn meine Lebensumstände sind nicht die Ihren und die wenigsten Mitglieder haben den ganzen Tag Zeit, sich mit den Märkten zu beschäftigen. Die meisten werden Börse in ihren sonstigen Tag irgendwo hinein schieben.

Deswegen will ich das Thema nutzen, um Ihnen klar zu machen, dass egal wann und wie lange Sie sich mit Börse beschäftigen, es immens wichtig ist, dass Sie dabei feste Rituale und Abläufe haben.

Ich weiss, es wird selbst hier unter den Mitgliedern – und trotz meiner diversen Reden – bestimmt eine ganze Menge geben, die Börse eher aus der Warte von Unterhaltung betrachten. Sie beschäftigen sich also damit, wenn sie Lust haben. Und wenn nicht, dann nicht. Und sie lesen das, was sie interessiert. Und was mühsam ist und in was man sich einarbeiten müsste, das wird halt gerne liegen gelassen. Diese Anleger verhalten sich wie eine Biene, die fröhlich, unverbindlich und summend, von einer Blüte zur nächsten fliegt, ohne je länger zu verweilen. Und im Zweifel wird es der Hari mit einem Kommentar schon richten, bis dahin kann ich ja fröhlich summen. Zumindest glaubt die Biene das. 😉

Wenn Börse für Sie eine Form von Unterhaltung ist, ist das ja auch völlig in Ordnung. Börse und Wirtschaft ist extrem unterhaltend und besser als sich vom platten Fernseh-Geschehen berieseln zu lassen, ist die Zeit damit allemal verbracht !

Nur eines muss ich Ihnen ganz klar sagen: es ist ein Irrglaube zu denken, so würde sich Börsenerfolg und ein dauerhaft schön grünes Depot einstellen. Die Suche nach der schönen Blüte, die einen mit einem Klick reich macht, wird unerfüllt bleiben. Und wenn Sie durch Zufall mal auf einer solchen Blüte landen, werden sie nicht lange dort bleiben und weiter summen, weil woher sollen Sie denn wissen, genau da nun zu verweilen ?

Nein Börsenerfolg ist Arbeit, da will ich klar und deutlich jede Illusion rauben. Und das gilt uneingeschränkt für das "Traden", ebenso wie für das "Investieren". Zu "investieren" und dann die Augen zu verschliessen und sich nicht mehr zu kümmern, ist nicht investieren, sondern schlichte Bräsigkeit. Buffett ist nicht dadurch reich geworden, dass er sich um seine Investitionen nicht mehr gekümmert hat.

Und Arbeit am Börsenerfolg kann ungeheuren Spass machen und auch unterhaltend sein – ich liebe das, was ich mache, es ist mein Leben. Aber ohne Fleiss, Disziplin, Routine und die Bereitschaft zu ackern, wird sich kein Erfolg einstellen. Das ist bei Börse nicht anders, wie bei jedem anderen intellektuell anspruchsvollen Beruf.

Und deshalb ist es immens wichtig, dass Sie feste Abläufe und Rituale haben, die sie immer wieder ausführen und die damit Ihr Handeln in geordnete Bahnen lenken. Und diese definierten Abläufe muss jeder haben, auch der Anleger, der bestenfalls eine Stunde am Tag hat. Und es ist auch für alle die Möglichkeit vorhanden, nur die Menge und die zeitliche Position, passt sich halt den Lebensumständen an.

Während ich also jeden Tag bestimmte, umfangreiche Rituale durchlaufe, wird das ein langfristiger Anleger vielleicht alles am Samstag einmal die Woche zusammen fassen und an dem Tag gleichzeitig Nachbearbeitung der abgelaufenen Woche und Vorbereitung für die kommende Woche durchführen. Und natürlich wird die Menge der Dinge, die da angeschaut werden, wesentlich kleiner sein, als bei mir. Am Prinzip ändert es aber gar nichts.

Was sind denn nun die Dinge, die idealerweise „ritualisiert“ regelmässig nach dem gleichen Schema ablaufen.

Die Watchlist

Ich habe das ja schon mehrfach thematisiert, es macht keinen Sinn überall mal „mitschlecken“ zu wollen. So läuft man nur den Themen hinterher, die eigentlich schon ausgelutscht sind. Es macht dagegen Sinn, sich nach irgend einer Logik ein Universum an Aktien und ETFs zu definieren, das man dann auch dauerhaft und intensiv verfolgt. Und aus diesem Universum, entwickeln sich dann auch die konkreten Handlungen am Markt.

Die Informationsquellen

Gerade im weiten Meer des Internets, kann man vom „höcksken aufs stöcksken“ kommen und am Ende trotzdem nur Unsinn und Plattheiten gelesen haben. Es ist wichtig, sich eine begrenzte Menge zuverlässiger Informationsquellen für die Börsen zurecht zu legen, und die aber auch wirklich jedes mal konsequent und diszipliniert durch zu gehen.

Zukünftige Termine

Der Markt hat immer eine Menge an Terminen und Ereignissen in der nahen Zukunft, die ihn absehbar bewegen werden. Diese nicht zu kennen und sich nicht immer wieder vor Augen zu führen, ist grob fahrlässig.

Die Bewegungen des Marktes

Die wichtigsten Hinweise geben uns oft keine externen Informationsquellen, sondern der Markt selber. Deswegen sollte man Marktphasen nachbearbeiten und genau schauen, ob einem da Besonderheiten auffallen. Das kann die Suche nach den Aktien mit den grössten Gewinnen und Verlusten sein. Oder die Suche nach Aktien mit neuem All-Time-High. Es können Sektorenanalysen sein, um zu erkennen, welche Themen der Markt gerade liebt. Oder eine statistische Auswertung der eigenen Watchlist.

Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt und die Daten die man sich anschaut, sollten natürlich mit der Strategie zu tun haben, die man verfolgt. Aber eine gewisse Menge an standardisiertem Input, braucht jeder unbedingt.

Die Dokumentation und Reflektion

Man kann nur dann aus seinen Fehlern lernen, wenn man hinterher noch weiss, wann und warum man sie gemacht hat. Deswegen sollten wir unsere Handlungen in geeigneter Form dokumentieren. Das ist höchst individuell, für die einen eine reine Excel-Statistik, für die anderen ein richtiges „Trader-Tagebuch“. Aber wir müssen uns notieren, was wir gemacht haben, damit wir später überhaupt daraus lernen können.

Soviel zunächst um Ihnen eine Idee zu vermitteln, wie ein Börsentag bei mir aussieht. Ich könnte endlos so weiter machen. Ich denke sie wissen, worauf das hinausläuft. Sie brauchen definitiv ihren eigenen Rhythmus und eine Regelmässigkeit bei der Informations-Gewinnung und Verarbeitung. Man könnte auch sagen, Sie brauchen eine Professionalisierung Ihres Handelns an den Märkten, falls Sie diesen Schritt nicht schon getan haben. Machen Sie sich unbedingt darüber Gedanken und seien Sie ehrlich zu sich, ob Sie vielleicht doch noch ein „freischaffender Künstler“ sind, die/der voller Freude von einer Blüte zur nächsten summt. 😉

Ich kann es nur wiederholen, als „freischaffender Künstler“ ohne Strategie und System, sind die Märkte zwar extrem unterhaltsam, auf einen grünen Zweig kommt man aber nicht.

An dieser Stelle will ich Ihnen auch noch einmal klar machen, welchen fast unbezahlbaren Wert "Hari Live" für Sie hat. Denn ich nehme Ihnen eine Menge dieser zeitaufwändigen Arbeit, ja mit den Inhalten und meinen Kommentaren ab. Damit kann ein Feierabend-Anleger durchaus zu einem Gefühl für den Markt kommen, das man normalerweise nur mit viel mehr Zeitaufwand selber erlangen könnte. Sie profitieren also von dem Zeitaufwand und den Ritualen, die ich selber jeden Tag durchlaufe, weil ich meine Schlussfolgerungen an Sie teilweise weitergebe.

Trotzdem darf Mr-Market für Sie nur eine Informationsquelle sein – vielleicht die Wichtigste, aber nur eine. Und Sie brauchen eine Systematik und Rituale, die Sie auch ohne Mr-Market weiter führen können. Sie brauchen eine eigene Systematik und Regelmässigkeit, die zu Ihren Lebensumständen passt und trotzdem mit dem Markt in Einklang ist!

Machen Sie sich darüber mal Gedanken, ob Sie schon genügend gut organisiert sind, damit Börsenerfolg überhaupt entstehen kann. Die kommenden Wochen des Sommers, sind dafür ja die ideale Situation zum „Üben“. 😉

Im Forum war der Wunsch, dass ich eine konkrete Checkliste liefere, was ich alles mache. Das wäre aber erstens viel zu viel Aufwand, weil ich vieles überhaupt erst erklären müsste. Und zweitens hat es sowieso keinen Sinn, weil meine Strategie und Umstände sind nicht exakt die Ihren. Parameter auf die ich schaue, kennen Sie zu einem guten Teil, weil ich hier darüber geschrieben habe. Informationsquellen auch. Sie sind absolut in der Lage sich das zusammen zu stellen, was zu Ihnen passt. Und das ist auch das Einzige was zählt: das was zu Ihnen passt !

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Rückblick und Ausblick



Guten Morgen!

Die letzte Woche des ersten Halbjahrs 2017 ist angebrochen. Zeit für einen kleinen Rückblick, verbunden mit einem groben Ausblick.

Wenn man auf die Indizes schaut, erscheint das erste Halbjahr doch ganz einfach gewesen zu sein, eindeutig bullisch und leicht Geld zu verdienen.

Im SPY, dem SP500 ETF, sehen wir in 2017 eine einzige echte Konsolidierungsphase um den März herum (in Schwarz) und zwei indifferente Phasen (in Blau) in denen man nicht so recht weiss, was man davon halten soll - gerade sind wir wieder in so einer. Ansonsten ging es klar hoch:

Im DAX sehen wir auch einen einzigen Bullenmarkt, auch unterbrochen durch drei indifferente Phasen (in blau), die zu einer grösser Korrektur hätten führen können, aber nicht haben. Auch hier sind wie aktuell wieder in einer:

Alles ganz einfach also? Im Gegenteil, ich persönlich hänge in meinem Investmentdepot - über alles inklusive Cash - dieses Halbjahr sogar leicht hinter der Performance von SP500 und DAX hinterher, zum ersten Mal wieder seit 2013.

Für mich war es also ein eher schwieriges und teilweise nerviges Börsenhalbjahr und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

An einer grundlegend falschen Sicht auf diesen Markt hat es nicht gelegen. Wenn Sie in die Lageampel schauen, gab es nur eine einzige Woche, in der ich den Basistrend nicht auf "bullisch" hatte, in der Woche der Amtseinführung. Ansonsten war klar und ich habe das immer wieder betont, dass wir uns in einem massiven Bullenmarkt bewegen, der uns noch weit höher tragen kann und dass wir dabeibleiben sollten.

Das Problem war eher die korrekturlose Persistenz und Volatilitätsarmut des Trends, selbst das was oben im März wie eine Konsolidierung aussieht, war in Realität ein mühsames Ringen und Bröseln von wenigen Zehntelpünktchen pro Tag, eine echte Korrektur die den Namen verdient, hat es im ganzen ersten Halbjahr nicht gegeben.

Und damit schliesst sich der Kreis zu 2013, dem Jahr in dem es auch praktisch keine Korrektur gab. In solchen Jahren liege ich strukturell, durch meine Methodik bedingt, immer etwas hinter dem Markt. Ihn klar schlagen kann ich dagegen in Jahren wie 2016, in denen es grosse, markante Swings gibt, die man mit gutem Timing ausschöpfen kann. Und auch in Jahren wie 2008 oder 2009, in denen es mal richtig rappelt, da bringt mich die gleiche Vorsicht, die mich in diesem Halbjahr ein wenig Performance gekostet hat, dann zuverlässig raus auf die Seitenlinie oder sogar in Short-Positionen.

Das erste Halbjahr 2017 war dagegen der Feind jeden Timings. Völlig egal welche Nachricht kam, der Markt schob hoch. Völlig egal wie die Markttechnik aussah, der Markt schob hoch. Immer wenn es so aussah, als ob der Markt nun mal korrigieren würde, stieg er wieder an, den Algos sei Dank, die genau diese menschlichen Erwartungen abschöpfen und immer dominanter werden.

Erschwerend kam in diesem Halbjahr dazu, dass die grossen Indizes ein verzerrtes Bild abgeben. Wenn wir auf den Russell 2000 schauen, der die US Small- und Mid-Caps abbildet, dann ist von dem obigen, grossen Aufwärtstrend nicht viel zu sehen:

*DAS* ist viel eher der reale Markt 2017, wie er sich in einem grossen diversifizierten Depot darstellt. Denn sicher habe ich auch grosse Bluechips im Depot, aber eben nicht nur, mein Investmentdepot ist breit aufgestellt.

Warum das Bild der grossen Indizes so verzerrt ist wissen wir, das Musterbeispiel dazu ist FAAMG und dahinter stehen Mechanismen wie die Dominanz der ETFs, durch die die grosskapitalisierten Werte immer weiter hochgepumpt werden.

All das ist aber nichts Neues, all das habe ich auch mitten im Jahr gewusst und Ihnen immer wieder kommuniziert. Dass ich trotzdem dieses Halbjahr im Investmentdepot (Trading aussen vor) den grossen Indizes etwas hinterher hänge, ist für mich kein Problem und kein Fehler, sondern im Gegenteil Zeichen meiner Disziplin und Konsequenz in der Umsetzung meiner Strategie.

Denn ich habe zwei schwere Krisen (2000 und 2008) real durchlebt und habe daher die Grundregel jedes erfahrenen Anlegers tief verinnerlicht:

Verluste sind um jeden Preis zu vermeiden!

Es ist weitaus schwieriger, aufgelaufene Verluste wieder aufzuholen, als in guten Phasen mit etwas geringeren Gewinnen klar zu kommen. Weswegen ich immer dann, wenn ein Markt korrekturreif ist, auch etwas vorsichtiger unterwegs bin, wohl wissend, dass mich meine Hedging-Aktivitäten etwas Performance kosten, wenn die Korrektur dann doch nicht kommt, wie eben das ganze erste Halbjahr 2017.

Sie haben diese Diskrepanz übrigens auch in der Lageampel erlebt, auch diese Woche ist sie wieder da. Ich deklariere den Trend weiter als bullisch und bin trotzdem im Cash leicht erhöht. In dieser Divergenz spiegelt sich die Vorsicht wieder, die ich an den Tag lege und die ich auch jedem rate, der langfristig im Markt überleben will. Auch in diesem Sommer betone ich den bullischen Trend und bin in den Sommermonaten trotzdem mit mehr Cash unterwegs, schon alleine weil ich dem Markt dann im Ferienmodus auch weniger Aufmerksamkeit schenke.

Den umgedrehten Fall, der dann ganz besonderes profitabel ist, konnte ich dieses Jahr nicht vorführen, den haben treue Mitglieder zuletzt Anfang 2016 erlebt, als ich ebenso vorsichtig in 2016 hinein gegangen bin und damit die Korrektur vermieden habe und mich im Februar dann wieder eingekauft habe.

Meine Investitionsquote geht eben hoch, wenn ein Markt nach unten überdehnt ist und sie geht nach unten, wenn ein Markt korrekturreif ist. Wenn die Korrektur dann trotzdem ausbleibt wie bisher 2017, kostet das eben ein wenig Performance, aber Gewinne sind immer noch da und an etwas geringeren Gewinnen ist noch kein Depot gestorben, an grossen Verlusten dagegen schon.

Im Saldo hat mich diese Methodik in den meisten Jahren den Markt schlagen lassen und in den störrisch steigenden Jahren wie 2013 und bisher 2017 hänge ich eben etwas hinterher, bin aber immer noch deutlich im Plus. Na und?

Ich betone das so ausdrücklich, weil ich damit zeigen will, was eine echte Strategie auszeichnet. Ich weiss schon vorher, welche Konsequenzen mein Absicherungsverhalten in Situationen wie 2013 und bisher 2017 hat und nehme es bewusst in Kauf. Ich bin sogar stolz darauf, es so diszipliniert durchzuziehen, weil diese Disziplin die Grundlage vermiedener Verluste bei echten Korrekturen ist.

Ich will damit meine Strategie keineswegs als die einzig richtige bezeichnen, jemand anders hätte aus diesem Halbjahr vielleicht viel mehr mitnehmen können. Man könnte auch sagen, ich hätte da etwas "verpasst" im ersten Halbjahr 2017, wenn da nicht meine Trading-Aktivitäten wären, die bei mir für das "schnelle Mitnehmen" zuständig sind und die in 2017 gut gelaufen sind. Im Investmentdepot aber, agiere ich konzentriert und pflege und schütze mein Kapital so gut ich kann.

Disziplin und Konsequenz ist eben der Kern jeder guten Strategie, denn nur diese schützen uns davor, im falschen Moment dann das Falsche zu machen. Und wer eine durchdachte Strategie hat, hat sich auch im Vorfeld schon überlegt, in welchen Situationen seine Strategie etwas hinterher hängen wird, hat das akzeptiert und grämt sich dann deswegen auch nicht.

So weit zum ersten Halbjahr 2017.

Den Ausblick auf die zweite Hälfte habe ich Ihnen schon gegeben, so weit man überhaupt in die Zukunft sehen kann. Klar ist, dass wir in einem massiven Bullenmarkt sind, der in meinen Augen eher der Beginn einer grossen Bewegung, als das Ende eines langen Bullenmarktes ist.

Die Kerndifferenz bei der Bewertung ist letztlich, ob man den Bullenmarkt schon seit 2009 verortet, dann wäre er alt, oder ob er nach dem Ausbruch und der grossen 2015er Konsolidierung überhaupt erst begonnen hat.

Sie wissen dass ich mich schon seit letztem Sommer vermehrt in Richtung der zweiten Interpretation positioniert habe und das erste Halbjahr 2017 hat das eher bestätigt. Kurz, ich traue dem Markt zum Jahresende noch Einiges zu.

Trotzdem liegt mit dem Sommer eine indifferente Phase vor uns, in der die Märkte nun sichtbar etwas Momentum eingebüsst haben. Die Juni-Korrektur scheint nicht zu kommen, aber der Sommer ist noch lang und die Wahrscheinlichkeit, dass wir im September wieder auf ähnlichen Niveaus sind und nicht viel passiert ist, ist recht hoch.

Daher gehe ich nach wie vor davon aus, dass man über den Sommer etwas mehr Cash und Abstand halten kann und sich darauf konzentrieren kann, opportunistische Trades zu spielen, soweit Zeit und Lust vorhanden ist. Wie letzte Woche das Thema Solar, das einfach zu verlockend war und ich - wie im Forum geschrieben - am späten Freitag Abend erst mal mit netten Gewinnen temporär geschlossen habe.

Natürlich wäre es sehr schön, wenn endlich mal eine echte Korrektur käme, weil das dann endlich mal eine bereinigte Marktlage generieren würde, in der man die Cashquote deutlich verringern kann. Es ist aber zu befürchten, dass genau weil das so viele erhoffen, es weiter nicht passieren wird und wir weiter so indifferent und volatilitätsarm bleiben und im Saldo trotzdem hochschieben.

Wenn es so kommt, dann kommt es eben so. Ich für meinen Teil kann nur wiederholen, dass ich keinerlei Problem damit habe, in 2017 mal wieder leicht dem Markt hinterher zu hinken. Dafür kann ich immer gut schlafen, weil ich mich auf die Reflexe verlassen kann, wenn es doch plötzlich übel wird und ich dann auch immer genügend Feuerkraft habe.

Auch in der Lageampel werde ich weiter dieser eher vorsichtige Linie fahren, wer mehr Risiken eingehen will, kann das ja tun und sich mehr nach dem Trendindikator statt nach dem Cashindikator richten.

So weit mein Rückblick und grober Ausblick auf 2017.

Zum Wochenstart nur ganz kurz drei Hinweise:

In Italien passiert rund um die Pleitebanken genau das, was ich am Sonntag Morgen (Post 1525) -> im Forum <- geschrieben habe. Das Gerede vom "fallen lassen" und "Unruhe am Montag" war nur Clickbait und Opium für das Volk, die Realität ist, dass Italien "Steuergeld" verwendet um die maroden Banken zu retten. "Steuergeld", das der überschuldete italienische Staat eigentlich gar nicht hat, sondern nur durch Draghis Nullzinspolitik und Anleihenkäufe noch verfügbar hat.

Am Ende rettet die EZB mit ihrer Geldschöpfung eben doch diese Banken und wenn daraus eine Lehre zu ziehen ist, dann ist es eher eine "Leere". Die Leere existierender Regeln eben, etwas hart gesagt, mit Italien braucht man gar nicht erst verhandeln, die machen als echte Bananenrepublik sowieso was ihnen in den Kram passt und Deutschland ist auf dem besten Weg, sich dem anzupassen. Gesetze und Regeln, pah, so etwas braucht man nicht, wenn man die Alternativlosigkeit auf seiner Seite hat. Man muss sich wirklich fragen, worüber in Brüssel und in der Eurogruppe immer länglich diskutiert wurde, es macht doch sowieso jeder was er will.

In Sachen China vermelden wir heute eine knappes Prozent Plus aus Shanghai und ich erinnere erneut an meine Argumentation. China ist ein potentieller Überraschungskandidat. Eine schwere Krise wird überall erwartet, aber das Gegenteil weniger, dabei steht doch wieder ein grosser Parteikongress im Herbst an und bis dahin wird wohl um jeden Preis "Friede, Freude, Eierkuchen" herrschen.

Zuletzt Nestle, der -> Einstieg von Loeb <- ist die Überraschung des Tages und zeigt, dass selbst Riesen wie Nestle vor aktivistischen Investoren nicht mehr gefeit sind.

Ich muss gestehen, dass ich überrascht bin, dass die riesige Nestle dadurch sofort um 4% nach oben gerissen wird. Das zeigt wohl, dass die Aktie nach der grossen 2015-2016er Konsolidierung aus Sicht des Marktes Nachholbedarf hat.

Im Chart sehen wir einen klassischen Ausbruch mit erfolgreichem Retest und nun ist der Katalysator da, der nach oben wegführt:

So weit zum Wochenstart, machen Sie es gut!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Ohne Strategie, Methodik und Disziplin ist alles nichts

Die wichtigsten Dinge kann man manchmal in wenigen Absätzen beschreiben und das will ich auch heute wieder tun.

Gerade Sie, ja Sie, der Sie im freien Bereich mitlesen, werden mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit keine klare Strategie und Methodik im Umgang mit dem Markt haben. Das weiss ich deshalb, weil die Ergüsse der Medien zur Marktsituation sich ja gezielt an normale Anleger wenden, die Orientierung suchen. Genau diese Orientierung wird aber nicht geboten, denn die Autoren wissen es doch genau so wenig.

Sie kennen das doch auch, da lesen Sie die eine Quelle und es wird Ihnen der Crash geweissagt, dann lesen Sie die andere Quelle und es wird Ihnen der Mund mit schnellen Gewinnen wässrig gemacht und dann lesen Sie eine dritte Quelle und es wird der Konjunktiv gepflegt, es könnte und sollte und möglicherweise und vielleicht.

Und hilft Ihnen das?

Wollen Sie vielleicht nach diesen Zeilen schnell weiter klicken und noch weitere 10 Ergüsse und Prognosen zum Markt lesen? Glauben Sie wirklich, dass Ihnen das hilft?

Ich sage Ihnen etwas: Kein echter Profi liest diesen Kram gezielt, den die grossen Medien da tagtäglich verzapfen. Das fällt unter Belustigung oder genauer gesagt "weisses Rauschen". Manchmal begegnet einem ein besonders prägnanter Artikel oder wird einem via soziale Netze empfohlen, dann schaut man mal interessiert rein und manchmal ist ja auch etwas Interessantes dabei, oft schmunzelt man aber danach. Aber niemand der am Markt Erfolg hat, bezieht seine Marktsicht primär aus diesen Weissagungen. Niemand!

Es gibt auch keinen Grund dafür, denn wer am Markt erfolgreich ist, hat eine präzise beschreibbare Strategie und Methodik. Denn es gilt:

Ohne Strategie, Methodik und Disziplin ist alles nichts!

Das ist so ohne Abstriche, machen Sie sich nichts vor. Diese Methodik beginnt gerade schon bei der Selektion der Medien und Informationsquellen die man konsumiert, denn diese Informationen sollten die Strategie unterstützen und sie bereichern. Unser Tag hat nur 24 Stunden, von denen wir ein Drittel verschlafen. Es ist daher eminent wichtig die "richtigen" Dinge zu lesen, die einen weiterbringen und nicht wie eine Biene ziellos von Blüte zu Blüte zu summen.

Aber Strategie und Methodik definieren natürlich vor allem, was man wann und wie kauft bzw verkauft. Wie man also am Markt erfolgreich sein will. Wer mir nun seine Strategie nicht in 5 Minuten präzise beschreiben kann, hat schlicht keine und das ist fatal. Denn erneut: Ohne Strategie, Methodik und Disziplin ist alles nichts!

Lassen Sie sich aber nicht verschrecken, sinnvolle Strategien müssen keine Raketenwissenschaft sein und für jeden gibt es eine, die gut zu den eigenen Rahmenbedingungen passt, man muss sich nur daran halten und das ist schwieriger als es scheint. Disziplin ist daher ein integraler Bestandteil jedes wiederholbaren Markterfolges.

Ich habe es schon oft kommuniziert und in vielen Artikeln im freien Bereich thematisiert, es sei aber hier noch einmal klar gesagt:

Wenn Sie keine klare Strategie haben, wenn Sie keine Methodik haben und wenn Sie nicht die Disziplin haben, dieser zu folgen, werden Sie keinen dauerhaften Erfolg am Markt haben. Punkt!

Da heisst nicht umgedreht, dass jedwede Strategie immer zu Erfolg führt, aber ohne hat man gleich gar keine Chance.

Und was bieten wir Ihnen hier bei Mr-Market? Keine fertigen Strategien zum gedankenlosen Nachbilden, denn das ist Unfug. Eine Anlagestrategie ist immer individuell und hat mit Ihren Rahmenbedingungen, Absichten, Fähigkeiten und Begrenzungen zu tun. Mit Ihnen also und nicht mit mir.

Aber wir bieten Ihnen jede Menge Ideen und Beispiele, wie man an den Markt heran gehen kann. Und tägliche Anleitung zum Marktgeschehen. Und tägliche Anlageideen und eingeordnete Zusammenhänge. Und eine Community kluger Menschen, die vor dem gleichen Problem stehen wie Sie.

Sie finden hier also einen vertrauenswürdigen Rahmen, ein Environment, das Ihren Erfolg fördert und diesen möglich machen kann. Ihren eigenen Weg finden, müssen Sie aber immer noch selber. Schnelle Abkürzungen gibt es dabei nicht und werden nur von denen propagiert, die Ihnen etwas verkaufen wollen.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Strategien – Wie Sand am Meer


Ich mache heute bei der Beantwortung der -> Themen, die Sie interessieren <- weiter und nehme mir ein sehr schöne und auch schwierige Frage vor, die da lautet:

Ein für mich zentraler Hari Live-Artikel der letzten Tage war "Information, Strategie und Disziplin". Und der für mich wichtigste Satz daraus lautete: "Erstens, wenn Sie keine konkrete, definierte Strategie haben, sondern nur nach Lust und Laune "herum kaufen", haben Sie sowieso keine Chance. Tut mir leid, das ist so."

Ich muss mich da an der Nase nehmen und zugeben, dass sich dieser Punkt durch die lehrreichen Artikel von Hari zwar etwas gebessert hat, aber bei weitem noch nicht ausreicht. Die Hausaufgabe der kritischen Selbstwahrnehmung kann mir niemand abnehmen, aber eine Vorstellung der verschiedenen Strategien wäre toll. Mir ist nämlich gar nicht klar, welche und wie viele Möglichkeiten es hier gibt und was am besten zu mir passt.

Oh je. 😀

Der Antworten sind viele. Wie Sand am Meer.

Vielleicht ist die Metaebene die beste Antwort die ich geben kann, ob sie befriedigt, ist eine andere Frage:

Erstens, eine gute, reproduzierbar Ertrag bringende Strategie, muss nicht komplex sein. Sie kann durchaus nur auf einem einzigen beobachtbaren Sachverhalt im Markt beruhen, den man dann "rauf und runter handelt". Zum Beispiel:

  • dass ein Asset eine inverse Korrelation zu einem anderen hat
  • oder dass ein Asset dem anderen Asset zeitlich etwas vorläuft
  • oder dass eine Kursstellung durch Zeitverzögerung immer wieder suboptimal ist
  • oder dass es immer wiederkehrende Handelsstrukturen in der letzten Handelsstunde eines Assets gibt
  • oder dass man Aktien nach einem bestimmten fachlichen Beuteschema kauft, in dem man sich aus beruflichen Gründen besonders gut auskennt
  • oder dass man Assets mit bestimmten technischen Merkmalen wie beispielsweise Volumenausbrüchen kauft
  • oder dass man die Foren überwacht und sich an besonders gehypten Aktien labt und zwar am Anfang Long und am Ende des Hypes Short
  • oder dass man bestimmte Chartmuster gezielt scannt und handelt, bis man diese in jedem Detail beherrscht
  • oder dann man sich tief in die fundamentalen Fakten des Unternehmens einwühlt, bis man fast so viel wie das Management weiss
  • oder dass man gezielt Insiderdaten überwacht und darauf basierend handelt
  • oder dass ein selbst geschriebener Algo für einen bestimmte Daten durchsucht und Korrelationen herstellt
  • oder oder oder .... ich denke Sie sehen den Punkt. Wie Sand am Meer eben. 😉

Zweitens, wie oben beispielhaft erwähnt, ist jedes, ausnahmslos jedes Detail des Finanzmarktes, theoretisch dazu geeignet, darauf eine Strategie aufzubauen, wenn man in dem Detail etwas finden kann, was man für sich so verfeinert, vertieft, erkennt oder ausgestaltet, dass man damit einen kleinen (Wissens/Zeit-)Vorsprung vor den Anderen hat. Den "Edge" eben. Es gibt also tausende, wenn nicht Millionen potentielle Strategien, von ganz trivial bis hoch komplex.

Drittens, neben dem zu beschreibenden Edge, zeichnet eine erfolgsträchtige Strategie aus, dass sie genau definiert: WAS man tut, WARUM man es tut, WIE man es tut und WANN man damit aufhört (= wann man den Gewinn mitnimmt oder Verlust begrenzt). Wenn man das hat, braucht man "nur" noch Disziplin, eine der schwierigsten Aufgaben. Eine Strategie ist also auch nichts anderes, als eine Art "Projekt" mit genau definiertem Ziel und diszplinierten Schritten dahin.

So ....

Nun befürchte ich, dass die Antwort nicht befriedigend ist. Möglicherweise ist das was gesucht wird, nicht eine Vorstellung aller verschiedenen, potentiellen Strategien, denn das würde eine Bibliothek füllen, sondern ein paar Vorschläge, "was man denn so machen könnte".

Nun, oben bei Erstens stehen die Beispiele eigentlich. Man muss nur das Wort "Asset" durch etwas Konkretes ersetzen und dort etwas finden, was andere so nicht sehen können.

Und damit sind wir bei Viertens.

Viertens, richtig erfolgreiche Strategien, gedeihen im Verborgenen oder im kleinen Kreis, wobei so ein kleiner Kreis auch eine abgeschlossene Gruppe wie diese Community sein kann, weil wir zuwenig sind, um das Verhalten des Marktes durch unser Handeln rückkoppelnd zu ändern. Denn die verfluchte Reflexivität sorgt dafür, dass das was alle sehen und tun, kaum mehr einen Edge haben kann.

Und damit komme ich zum letzten Satz der Frage zurück:

Mir ist nämlich gar nicht klar, welche und wie viele Möglichkeiten es hier gibt und was am besten zu mir passt.

Den ersten Teil kann ich beantworten: Endlos viele! Die Welt des Finanzmarktes mit all seinen Zahlen und Korrelationen steht Ihnen offen!

Der zweite Teil ist nicht zu beantworten. Das müssen Sie selber heraus finden. Denn nur Sie kennen sich selber und wissen was zu Ihnen und Ihren Rahmenbedingungen passen könnte.

Denken Sie aber an "keep it simple". Eine erfolgreiche Strategie muss nicht komplex sein, sie muss aber durchdacht sein und auch diszipliniert durchgezogen werden.

Also auch ganz simpel die 200-Tage-Linie für Käufe und Verkäufe zu nutzen, ist eine (simple) Strategie. Ob man damit mangels Edge viel gewinnen kann, ist zu bezweifeln, aber eine Strategie ist es!

Aber eine Erkenntnis ist vielleicht noch wichtig: Der Wunsch "zeige mir Strategien, damit ich eine für mich auswählen kann" wäre zwar nicht völlig falsch und auch verständlich und hätte doch den falschen Zungenschlag.

Denn so herum wäre es richtig:

Beobachte den Markt, bis Dir etwas auffällt, das regelmässig, wiederholbar, berechenbar abläuft. Dann kannst Du darauf vielleicht eine Strategie aufbauen.

Und das müssen keineswegs nur Trading-Szenarien sein, auch eine bestimme fundamentale Kennziffer, die eine bestimmte wichtige Aussage macht, wenn richtig interpretiert, kann so etwas sein. Auf so etwas, fusst eine erfolgreiche Strategie. Einfach zu kaufen, weil es fast allen anderen empfehlen, kann aber wegen der Reflexivität keine sein. Eine erfolgreiche Strategie, erarbeitet man sich also aktiv.

Erneut, das war möglicherweise nun nicht, was erhofft wurde. Die dann erhoffte Antwort, kann ich aber nicht liefern, denn der Strategien sind eben "wie Sand am Meer".

Erfolgreiche Strategien am Finanzmarkt, sind also nicht wie Anzüge, für die man in den Laden geht, sich anschaut was so angeboten wird und dann den mitnimmt, in den man am besten herein schlüpfen kann und der ganz "cool" aussieht.

Erfolgreiche Strategien am Finanzmarkt, mit denen man reproduzierbar besser als dieser abschneiden will, sind eher wie Schätze, die man findet, bevor zu viele andere sie finden und hütet, wie einen goldenen Reichsapfel. 😉

Und die Botschaft ist dann vielleicht am Ende doch ganz hilfreich. 🙂

Wenn Sie aber eine bestimmte, konkrete Strategie im Auge haben und dazu meine Meinung wollen, dann stellen Sie das als Frage gerne im Thread ein. Wenn ich eine Antwort geben kann - was ich nicht zu allen kann - dann gebe ich sie gerne!

Und wenn Sie gar nicht nach Strategien suchen, mit denen Sie reproduzierbar besser als der Markt abschneiden, sondern beispielsweise nur Ihr "Affenhirn" kontrollieren wollen und schon zufrieden sind, mit dem Markt einfach mit zu laufen, dann sind wir in einer ganz anderen Fragestellung, in der die Reflexivität nicht mehr so sehr ihre gnadenlose Wirkung entfaltet. Wenn Sie das suchen, dann stellen Sie mir eine konkrete Frage, denn der Möglichkeiten sind auch da viele.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wenn es fällt …



Letztlich erzähle ich ja immer wieder das Gleiche....

Das stimmt. Das muss auch so sein. Sicher habe ich auch immer wieder neue Gedanken für Sie, aber ich kann halt nicht jeden Tag einen neuen Gedanken generieren und schon gar nicht fünf jeden Tag!

Es ist auch gar nicht schlimm, dass ich immer wieder das Gleiche sage. Denn letztlich sind wir ja hier, um unseren Börsenerfolg zu steigern. Und auch wenn sich das nun platt und abgedroschen anhört, es sind eigentlich nur ganz wenige, wichtige Dinge, die in uns selber liegen, wie Disziplin, Strategie und Konsequenz, die den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.

Wenn man diese Dinge hat, wird man damit immer noch nicht schnell reich, dafür braucht man dann noch einen echten Edge, den man auch voll ausschöpft. Aber alleine diese drei Dinge: Disziplin, Strategie und Konsequenz, verhindern für sich die grossen Verluste. Man bleibt also so lange im Spiel, bis man auch mal den Jackpot trifft.

Sie wissen mittlerweile, weil wir unser "Affenhirn" hier ja immer wieder reflektieren, wie immens schwierig das in der Realität ist, was theoretisch doch so einfach sein sollte. Denn unsere Emotionen und Reflexe, unsere Ängste und unsere Gier, sprucken uns immer wieder in die Suppe. Ebenso wie - für die Börse sinnlose - Emotionen wie Reue oder Rachsucht. Beide erzeugen nur Verluste und praktisch nie etwas Gutes!

Und weil es so schwierig ist, unser "Affenhirn" immer unter Kontrolle zu haben und die nötige Konsequenz an den Tag zu legen, wiederhole ich bestimmte Dinge immer wieder wie eine Gebetsmühle. Und ich erinnere mich auch selber dadurch wieder daran, denn natürlich habe ich auch das Affenhirn in mir und kann mich nicht davon lösen, sondern es nur umgehen und austricksen.

Und deshalb will ich heute, dass Sie diesen Artikel lesen: -> Nach dem Rausch droht der Kater <-.

[PS: Leider habe ich zu spät gemerkt, dass der FuW Artikel nur für Abonnenten sichtbar ist. Er handelt davon, dass die Unternehmen in den US ihre Zahlen mit zu viel "Financial Engineering" aufgehübscht haben.]

Ich glaube, dass dieser Artikel eine zutreffende Zustandsbeschreibung ist. Wir befinden uns in einer ungesunden Situation, die eine Menge Brisanz besitzt und im Markt hat sich eine Menge ungute Spannung aufgebaut, die sich gerne in einem Schwall entlädt. Punkt.

Das Problem bei solchen Worten ist aber, dass unser Affe nun sofort zu rumoren beginnt und "raus, raus, raus!" schreit. Und wir wissen auch, dass das falsch ist!

Diese Zustandsbeschreibung des Marktes kann völlig richtig sein und es kann trotzdem eine sensationelles 2016 noch vor uns liegen, bevor uns der Markt im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren fliegt.

Was von uns also gefordert ist, ist ein Verhalten, gegen das der Affe in uns instinktiv rebelliert, weil er sich "vorher" in Sicherheit bringen will.

Ein Verhalten, mit dem wir nun einfach weiter mitgehen, solange die Musik spielt und die Gewinne scheffeln. Dann aber auch konsequent an die Seitenlinie treten, wenn sich der Wind dreht. Die Massstäbe der Savanne, mit denen man sich vor einer drohenden Gefahr frühzeitig in Sicherheit bringt und auf den Baum hoch klettert, gelten an der Börse eben so einfach nicht.

Nun ist das Mitgehen uns ja vielleicht unter Kraftanstrengung noch möglich. Die härteste Übung aber, an der die Meisten scheitern, ist wenn es wirklich zu fallen beginnt ....

.... dann ohne Zögern und ohne Hopium zu inhalieren, konsequent und hart raus zu gehen!

Gerade weil die Lage aber unter der Decke so kritisch ist, wie das der Artikel zutreffend beschreibt, ist es *überlebenswichtig* die Fähigkeit zu haben, ohne Reue konsequent aus dem Markt zu gehen, wenn die vorher in der Strategie definierten Punkte erreicht werden.

Dann aber rumort der Affe in uns typischerweise wieder. Er flüstert uns dann die Angst ein, jetzt am "Tiefpunkt" auszusteigen und den Wiederanstieg zu verpassen. Was ein Blödsinn! Und diese Angst blockiert uns massiv. Das wird ganz vielen von Ihnen passieren, wenn die Kurse dann mal fallen.

Und weil das so ist - und weil ich das weiss - und weil es immer gleich abläuft - wiederhole ich hier etwas wie eine Gebetsmühle, was ich schon x-mal gesagt habe. Denn es ist *überlebenswichtig*.

Kleben Sie sich also einen Zettel über Ihren Schirm. Wenn der Markt zu fallen beginnt und die Bedingungen X, Y oder Z Ihrer Strategie erfüllt sind ....

.... dann sind Sie draussen! Ohne Reue und ohne zurück zu schauen!

Einsteigen können Sie immer wieder. Und wo ist das Problem, im schlimmsten Fall ein paar wenige Prozent Gewinn verpasst zu haben? Wägen Sie das gegen das Risiko ab, mit Hopium in den Adern in so einen Absturz zu geraten!

So ... das war sie mal wieder, die permanente Wiederholung. Ich weiss, dass sie nötig ist und am Ende für unseren Erfolg mehr Geld wert ist, als die tolle, neue abgefahrene Idee, die man am Ende sowieso nur schwer umsetzen kann.

Gute Setups zu finden ist gar nicht schwer und der Markt bietet jeden Tag wieder grosse Chancen. Diese zu ergreifen und die Risiken zu begrenzen, das ist die Kunst, die ganz massiv mit uns selber und unserer Psychologie zu tun hat.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

In aller Deutlichkeit



Ich möchte heute in aller Deutlichkeit noch einmal ein paar grundsätzliche, einordnende Worte zum Erfolg an den Märkten los werden.

Für erfahrene Anleger und langjährige Mitglieder, wird hier nichts Neues stehen. Aber gerade wer erst kurz dabei ist, sollte das nicht einfach überlesen, sondern sich ernsthaft damit beschäftigen.

Erfolg am Markt, ist alles andere als einfach. Faktum ist, nur eine Minderheit schafft es. Die Mehrheit scheitert aber und wäre bei einem rein passiven Ansatz besser aufgehoben.

Ich habe diese Notwendigkeit so passiv anzufangen, immer wieder thematisiert. Auch hier: -> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau <-

Es gibt aber auch einen Typus, der sich solchen Worten immer verweigert, weil er tendentiell unter Selbstüberschätzung leidet. Ich habe diesen Typus hier skizziert: -> Von Selbstüberschätzung und Tail Risks <-

Zitat:

Männer, jung noch dazu, neigen einfach zur Selbstüberschätzung. Diese Selbstüberschätzung hat auch einen evolutionären Sinn, denn ohne den Mut sich etwas zuzutrauen und sich sozusagen auf einen Säbelzahntiger zu stürzen, wäre die Menschheit schon verhungert. Deshalb setzt man in jungen Jahren, wenn man vor Energie fast platzt, auch gerne das Auto gegen den Baum. 😉 Mir ist das zwar nicht passiert, dafür habe ich aber in Selbstüberschätzung andere Dinge gemacht, die nicht weniger idiotisch waren. Ich weiss also schon, worüber ich da rede.

Und es fehlt vielen ganz eindeutig die Phantasie, was alles schief gehen kann und nach Murphy auch irgendwann schief gehen wird. Die berühmten "schwarzen Schwäne" und ihre Auswirkungen eben, die spezielle Ausprägungen des allgemeineren Begriffs vom Tail Risk sind.

Gerade wenn Sie zu dieser Kategorie gehören, sollten Sie nun also besonders aufmerksam lesen.

Denn ich *bin* am Markt erfolgreich. Seit Jahren und immer wieder und immer wieder. Mal mehr und mal weniger, aber unter dem Strich steht Erfolg.

Warum, ist die grosse Frage! Hier ist die Antwort:

(1) Weil ich den Ton des Marktes zuverlässig erkennen kann

Wenn Sie so wollen, habe ich also eine meistens zuverlässige Einschätzung des grossen Wetterberichtes. Aber auch wenn man weiss, dass über Mitteleuropa ein Hochdruckgebiet schwebt, schliesst das ja nicht lokale Gewitter, Regenschauer und Nebelbänke aus.

Auf gut Deutsch, ich kann nicht das kurzfristige Lokalwetter vorher sagen, aber zumindest kenne ich die Grosswetterlage.

Fragt sich, wie Sie das auch lernen können? Die Antwort wird Ihnen nicht gefallen. Denn dafür gibt es keinen Nürnberger Trichter.

Das ist die Summe von ganz viel Erfahrung und einer hohen Informationsaufnahme- und Verarbeitung. Die Fähigkeit die Grosswetterlage zu erkennen, muss man sich über Jahre erarbeiten. Unter anderem dabei, gebe ich Ihnen hier im Blog ja Hilfestellung.

(2) Weil ich in meinen Einschätzungen zu 60% richtig liege

Natürlich kenne ich die exakte Zahl nicht, vielleicht sind es nur 55% vielleicht auch 70%. Die Zahl 60 soll nur ausdrücken, dass ich etwas oberhalb des Zufalls liege, aber auch nicht viel mehr.

Heisst konkret, trotz all meines Wissens und meiner Erfahrung, liege ich immer noch in fast der Hälfte der Fälle falsch! Falsch liegen heisst dabei, dass der Markt nicht macht, was ich erwartet habe.

Und trotzdem ist "60" eine gute Zahl, denn die Mehrheit ist davon weit entfernt. Mehr "Sicherheit" geben auch die besten Techniken nicht her, dafür sorgt schon die Reflexivität.

Das ist die Botschaft die unbedingt sitzen muss, gerade bei dem sich selbst überschätzenden Anleger!

(3) Weil ich ein konsequentes Risikomanagement habe, an das ich mich strikt und diszipliniert halte

Wer (2) wirklich verinnerlicht hat, dem wird klar sein, wie *überlebenswichtig* dieser Punkt ist. "Risikomanagement" ist dabei ein Oberbegriff für viele individuelle Techniken, die alle ihre Vor- und Nachteile haben.

Diese Techniken eint aber der Sinn, das Risiko beherrschbar zu machen und Verluste konsequent zu begrenzen.

Wer das nicht hat. Wer nur auf seine "göttliche Eingebung" vertraut und nicht akzeptiert, dass auch das beste Setup anders laufen kann, wird früher oder später mit Karacho scheitern. Immer! Die Frage ist nur der Zeitpunkt.

Ich weiss nicht, wie ich das noch deutlicher sagen kann.

(4) Weil ich eine Strategie habe, der ich konsequent folge

Eine Strategie heisst, dass man weiss, was man machen will und was nicht. Wenn man die hat, läuft man nicht anderen hinterher - wer das tut, hat keine.

Wer eine Strategie hat, schätzt Input Dritter immer noch sehr. Input ist gut. Aber man prüft den Input daran, ob er zur eigenen Strategie passt oder diese weiter entwickeln kann. Und nur an diesem Kriterium, am Abgleich zur eigenen Strategie wird entschieden, ob der Input für einen persönlich Relevanz hat oder eben nicht.

Nun sind die Wege des Selbstbetrugs ja vielfältig und viele reden sich ein, sie hätten eine Strategie, dabei ist da nichts als ein Bündel von Gedanken. Wie können Sie also erkennen, dass Sie eine Strategie haben? Ich sage es Ihnen, es ist ganz einfach, ich habe da einen zuverlässigen Test für Sie.

Sie haben genau dann eine Strategie, wenn ich Ihnen *jetzt* einen Stift oder eine Tastatur in die Hand drücken kann - Sie setzen sich sofort hin und schreiben Ihre Strategie unter Zeitdruck und ohne zu Zögern in den verschiedenen Facetten auf.

Wenn Sie das können, haben Sie eine Strategie! Das sagt nichts darüber aus, ob diese gut oder schlecht ist, aber sie ist vorhanden! Wenn Sie das aber nicht können und nun erst mal überlegen müssen was Sie schreiben, haben Sie keine. Punkt!

Dabei ist eine Strategie immer individuell und meine ist nicht notwendigerweise Ihre. Ich will Ihnen ein Beispiel geben.

Rein technisch orientierte Trader argumentieren oft völlig zu Recht, dass sie alle Informationen um sich herum ausblenden und für sie nur der Kurs Relevanz hat. Solchen Tradern ist auch egal, was die Firma macht, es könnte das berühmte "Kühlschränke am Nordpol" Szenario sein. Nur die Charts und die Price-Action geben die relevanten Signale.

Diese Strategie ist völlig konsequent und "richtig" für einen bestimmten Typus von Trader. Richtig für jemand, zu dessen Rahmenbedingungen, Handelsstil, Zeitaufwand und Psychologie so eine konsequente Vorgehensweise passt.

Für "bestimmte" Trader ist diese Strategie also "richtig".

Es ist aber nicht meine Strategie. Ich mische - wie oft erklärt - fundamentale Aspekte bei der Selektion mit technischen Aspekten beim Timing. Ich will wissen, was "meine" Firmen machen und warum. Für mich ist dieses Wissen relevant und verschafft mir auch Vorteile bei der Einschätzung.

Wie ich persönlich funktioniere, habe ich zum Beispiel hier beschrieben: -> Der Trader das unbekannte Wesen <-

Das ist aber nur "meine" Strategie, für "meine" Rahmenbedingungen, die für "mich" funktioniert. Es ist nicht "Ihre". Der entscheidende Punkt ist:

Strategie ist immer individuell. Und wenn Sie Ihre nun nicht sofort aus dem Stand und im Detail einem Dritten erklären oder aufschreiben können, haben Sie keine!

So ...

Ich hoffe das war deutlich. Diese 4 Punkte oben machen mich in Summe erfolgreich. Würde einer der 4 fehlen, würde es auch bei mir nicht funktionieren.

Insbesondere wenn ich kein Risikomanagement hätte. Da könnte ich 9 mal hintereinander einen tollen Trade hinlegen, mit dem 10. Fall, würde ich das alles mit einem einzigen katastrophalen Verlust wieder zerstören.

Ich kann nicht mehr tun, als diese Dinge immer wieder deutlich zu schreiben. Handeln und sich Ihren eigenen Geistern stellen, müssen Sie dabei selber.

Nur Hilfe zur Selbsthilfe kann diese Community und ich dabei gewähren. Und das tun wir mit all unserer Kraft.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die Pralinenschachtel und warum Sie sich fokussieren sollten!

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 30.10.15 16:40 in Hari Live und wurde für die Verständlichkeit im freien Bereich leicht überarbeitet

"Stockbee", einer der Links in meinem "Interessanten Blogs", macht hier einen sehr wichtigen Punkt: -> Narrow your focus! <-

Für jeden der aktiv am Markt unterwegs ist, egal ob Trader oder doch eher normaler Anleger, gilt:

Konzentrieren Sie sich auf wenige Dinge, die Sie sehr gut beherrschen lernen. Und verzetteln Sie sich nicht!

Machen Sie sich bitte klar, dass ein Blog wie Mr-Market, bewusst die ganze Bandbreite an Themen abdeckt. Das liegt erstens daran, dass ich Börse für Sie erlebbar machen will. Zweitens aber auch, dass Sie als Leser ja die ganze Bandbreite darstellen. Vom Anfänger bis zum Profi, vom Feierabend-Anleger bis zum Fondsmanager, vom langfristigem Investor bis zum Daytrader, haben wir alle Typologien hier in der Community versammelt.

Für Sie alle, mit all Ihren völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Zielen, liefern die Kolumnisten und ich Ihnen hier auf Mr-Market ein breites Angebot an Wissen und Ideen, aus dem Sie für Ihr konkretes Handeln am Markt, aber das für sich heraus picken und umsetzen müssen, das wirklich zu Ihnen passt! Diese Aufgabe kann ich Ihnen nicht abnehmen.

Das heisst nicht, dass Sie nicht alles lesen und aufnehmen sollten. Doch das sollen Sie hier, das macht Sinn, um den Markt in der ganzen Breite zu erleben und Wissen aufzubauen. Zwischen Wahrnehmung und Handlung, ist aber noch ein wichtiger Unterschied!

Es ist gut, viel wahr zu nehmen und offenen Auges durch die Welt zu gehen. Neue Dinge und Techniken kann man auch nur entdecken, wenn man nicht mit Scheuklappen, Bias und massiver Wahrnehmungs-Selektion durch das Leben geht.

Die Kunst bei aller Aufnahmebereitschaft ist aber, sich beim Handeln selber zu konzentrieren, sonst bekommt man am Ende gar nichts mehr "gebacken".

Betrachten Sie die Inhalte pro Tag im Premium-Bereich also wie eine Pralinenschachtel, es macht Spass sie anzusehen. Und jede Praline für sich schmeckt ja lecker, aber würde man versuchen alle gleichzeitig zu essen, bekäme man garantiert Bauchweh. Anschauen kann man alles, wenn es ans Essen geht, liegt aber in der Selektion der Genuss!

Und bitte glauben Sie auch nicht, dass ich all das auch immer selber aktiv handele, was ich hier an Themen und Ideen liefere. Das ginge doch gar nicht. Ich lasse Sie an Vielem teilhaben, das ich im Laufe eines Börsen-Tages wahrnehme. Und würze das mit Erklärungen und Hintergrundinformationen. Und genau diese Kombination der Aktualität mit der Vermittlung von Wissen und Kontext, macht das Besondere von Mr-Market aus, das man woanders in dieser Form nicht oder höchst selten findet.

Etwas zu sehen, ist aber wie oben schon gesagt nur die erste Stufe einer sinnvollen Selektion. Um es zu handeln, sollte es eben auch zu der eigenen Strategie, den Rahmenbedingungen und den eigenen Fähigkeiten passen! Und dabei fällt dann vieles durch den Rost, was für sich alleine gesehen, sehr wohl eine schöne "Praline" sein könnte.

Konkret habe ich selber doch eine ruhige Investmentstrategie, die ich hier schon oft beschrieben habe. Die ziehe ich einfach "stur" durch.

Und dann trade ich auch bestimmte Gelegenheiten opportunistisch, wobei das bei mir - wie ich ja zuletzt ausführlich beschrieben habe - durch den Zeitaufwand für diesen Blog gegenüber früher etwas weniger geworden ist. Es macht halt einen Unterschied, ob man einen "heissen" Trade in Ruhe beobachten und "babysitten" kann, oder ob man dazwischen immer wieder längere Phasen hat, in denen man konzentriert schreibt.

Und dabei müssen Sie ja noch berücksichtigen, dass ich als extreme "Informations-Verarbeitungs-Maschine", in dieser Intensität wohl eher eine Ausnahme bin. Meinen etwas ungewöhnlichen Weg, habe ich ja ausführlich vor über 3 Jahren hier beschrieben. In einem sehr persönlichen Artikel, den eigentlich jeder mal gelesen haben sollte. Auch wenn ich heute, nach der langen Zeit und dem Aufbau des Blogs, ein paar Dinge leicht anders schreiben würde, ist das immer noch lesenswert und auf mich im Wesentlichen zutreffend:
-> Der Trader, das unbekannte Wesen <-

Selektion ist also Trumpf, auch für Sie. Und Disziplin und bewusstes Handeln ist Trumpf, auch für Sie!

Stellen Sie sich mal bewusst die Frage, was Sie am Markt besonders gut können. Bei welcher Technik, glauben Sie die notwendigen Handlungen zu beherrschen, welche Methodik liegt Ihnen und Ihrer Psychologie?

Wenn Sie diese Frage überhaupt beantworten können, sollten Sie genau in diese Techniken mehr hinein investieren. Dort liegt dann vielleicht Ihr Anlage-Glück begraben.

Und wenn Sie diese Frage noch gar nicht beantworten können, müssen Sie erst einmal für sich eine Antwort finden. Dafür biete ich Ihnen ja hier immer wieder eine komplette Auswahl an "Pralinen", heute auch wieder von langfristigen Erwägungen bis Daytrading.

Um aber heraus zu finden, was zu Ihnen passt, muss man sich damit beschäftigen und es auch ausprobieren. Die Besonderheit des Börsenhandels ist ja, dass unsere Psychologie mindestens 50% des Erfolges ausmacht.

Und so gibt es viele Techniken, die sich zwar theoretisch sehr attraktiv anhören, erst wenn man sie ausprobiert, kann man aber bemerken, dass man psychologisch damit gar nicht klar kommt.

Aus diesem Grunde, halte ich auch von „Papertrading“ wenig, es fehlt völlig der Einfluss der Emotionen, der erst dann zum Tragen kommt, wenn es um etwas geht. Es gibt eben Dinge, die kann man nur wirklich lernen, in dem man eigene Erfahrungen macht. Aktiver Handel an den Märkten, gehört für mich ganz klar dazu.

Also: Fokussieren Sie sich! Beantworten Sie die Frage nach *ihrer* Strategie. Und laufen Sie nicht jeder der Ideen hinterher, die irgendwo generiert werden. Wenn Sie das noch tun, stehen Sie noch ganz am Anfang. Generieren Sie statt dessen eigene Ideen, die zu Ihrer Strategie passen!

Und in dem Sie diese Ideen dann mit anderen hier im Forum der Community teilen, helfen Sie sich selber am meisten. Denn erst in dem man etwas für andere aufschreibt, wird man gezwungen, es so richtig zu durchdenken und abzuklopfen. Wer schreibt bleibt. 😉

Erneut, das ist hier eine Pralinenschachtel. Und ein Mentoring. Ihr Job ist, aus der Breite der Möglichkeiten und Techniken, wenige Dinge auszuwählen und in denen mit meiner Hilfe und der Hilfe der Community richtig gut zu werden! Und das nennt man Strategie. Ich habe eine. Und Sie?

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die Bedeutung des Zeithorizonts bei Anlage und Trading

Der folgende Artikel beruht auf einem Beitrag, der schon seit Jahren in der Rubrik "Grundsätzliches für Neueinsteiger", allen neuen Mr-Market Migliedern nahe gebracht wird.

Sie werden jetzt vielleicht denken: "Dann ist das ja für mich nicht interessant, ich bin ja kein Neuling." 😉

Und Sie liegen dann mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch.

Denn beim Zeithorizont der Geldanlage inkonsequent zu handeln - oder sich darüber nicht einmal im Klaren zu sein - dürfte einer der schlimmsten und teuersten Fehler sein, der immer wieder, immer wieder und immer wieder, von Anlegern gemacht wird.

Vielleicht nehmen Sie sich ja doch mal ein paar Minuten und lassen sich auf das Thema ein:

--------------------------

Kennen Sie das nicht? Da haben Sie sich eine "tolle" Aktie ausgesucht, mit der Sie auf den Spuren von Warren Buffett wandeln wollen. Die werden Sie ganz gelassen langfristig halten, das haben Sie fest vor.

Zwei Monate lang fühlen Sie sich auch als toller "Investor", dann taucht bei der Aktie ein Problem auf, mit dem Sie nie und nimmer gerechnet haben. Und das "Mistding" fällt.

Zunächst sind Sie ja noch ganz ruhig, die Aktie ist ja "Value" - diese schöne wohlklingende Worthülse, mit dem man sich beruhigt, wenn man in Wirklichkeit keine Ahnung hat, was da wirklich gerade passiert.

Aber das "Mistding" fällt weiter. Sie werden nervös, verstehen nicht was los ist und irgendwann nach 4 Monaten, verkaufen sie das "Mistding" mit hohem Verlust. Und von nun an schauen Sie nicht mehr hin, so wie jemand der den Kopf in den Sand steckt glaubt, nun könnte ihn niemand mehr sehen. 😉

Drei Jahres später erreicht die Aktie ein neues Allzeithoch und gehört zu den stärksten Werten des Kurszettels.

Was war Ihr Problem? Wo lag der Fehler? Sie hatten eine langfristige Stategie und haben diese aber durch kurzfristiges Handeln ausser Kraft gesetzt. SO. GEHT. DAS. NICHT!

Sie kennen es vielleicht aber auch anders herum.

Sie haben diese "geniale" Super-Duper-Aktie mit den tollen Chancen. Das ist nun "fast sicher", dass die nach oben dreht. Meinen Sie zumindest, weil irgend jemand diese Aktie massiv promotet.

Sie wollen ja auch nur einen kurzfristigen Trade eingehen und die "einmalige" Chance mitnehmen. Und so steigen Sie dieses Mal nicht als Warren Buffett, sondern als wiedergeborener "jesse Livermore" kurzfristig ein. Dann aber fällt das "Mistding". 😉

Und weil nur Ihre Selbstüberschätzung grösser als Ihr Unwissen ist, haben Sie leider auch keinerlei Absicherungs- oder Exitstrategie. Aber das "Mistding" fällt trotzdem weiter, oder vielleicht auch gerade deswegen. 😉

Nun wollen Sie aber nicht mehr verkaufen. Nun ist es zu spät. Weil aber der Schmerz zu gross ist, schauen Sie einfach nicht mehr hin. Das macht die Sache natürlich besser. 😛

Und so bleibt der Titel im Depot und da es ein "heisser" Reifen war, den mal wieder eine der "Postillen" durchs Dorf getrieben hat, geht die Aktie im Sinne -> tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss <- Pleite, der Kurs ist Null und wird irgendwann ausgebucht.

Wenigstens haben Sie aber nicht mehr hingeschaut, wie gesagt, dass hat das alles natürlich viel besser gemacht. Falls Sie hier Sarkasmus bemerken, haben Sie Recht! 😉

Was war Ihr Problem? Wo lag der Fehler? Auch hier die Disziplin bei der Strategie und beim Zeithorizont. Sie hatten eine kurzfristige Strategie und als diese nicht funktionierte, haben Sie statt eines kurzfristigen Exits, die Position zur langfristigen Anlage umgedeutet.

Und was ist der gemeinsame Nenner der Fehler?

In beiden obigen Fällen, wurde beim Zeithorizont schlampig und undiszipliniert agiert. DAS. KANN. NICHT. FUNKTIONIEREN!

Wenn Sie sich jetzt wiedererkennen, das Thema aber nicht mit Disziplin und Risikomanagement im Griff haben, müssen Sie sich wirklich nicht über schlechte Anlageergebnisse wundern!

Aber das Problem beginnt schon viel früher, bei der reinen Kommunikation. Denn schon wenn über den Markt geredet wird und der als "bullisch" oder "bärisch" deklariert wird, wird zu oft vergessen genau zu definieren, auf welchen Zeithorizont sich die Aussage bezieht.

Dummerweise gilt aber:

Ohne eine konkrete Definition des Zeithorizontes, in dem sich die Aussagen bewegen, sind alle Markt-Kommentare wertlos !

Warum ? Ganz einfach. Weil ein Markt sich gleichzeitig! auf der langfristigen Ebene (Monate, Jahre) in einem Abwärtstrend befinden kann. Sich auf der mittelfristigen Ebene (Wochen, Monate) in einem gegenläufigen Aufwärtstrend befinden kann. Und sich auf der kurzfristigen Ebene (Stunden, Tage) vielleicht gerade als perfekter Short darstellt. Alles gleichzeitig !

Das ist auch kein Sonderfall, sondern völlig normal, dass der Markt auf unterschiedlichen Zeitebenen sich in unterschiedlichen Situationen befindet. Was also sagt es Ihnen, wenn Ihnen jemand erzählt, er hätte gerade die XYZ Aktie gekauft oder verkauft ? Nichts ! Absolut Nichts !

Denn vielleicht war es ein Intraday Trade und vielleicht eine langfristige Investition. Ohne das zu wissen, ohne also zu wissen, was das Ziel der Transaktion ist (wo wir wieder zum Thema Setup kommen) sind Aussagen zum eigenen Handeln ohne jeden Wert und ohne jede Aussagekraft !

Wichtig ist deshalb zu wissen, in welchem Zeithorizont man sich bewegt, wenn man Aussagen liest wie: "das Chart der Aktie sieht schlecht aus" oder "das ist eine klare Wendeformation".

Hier auf Mr-Market versuchen wir in der Regel diese Information im Kontext mitzuliefern. Und wenn Sie hier ein Chart sehen, brauchen Sie nur auf die Art der Kerzen schauen. Wenn ein Chart mit Wochenkerzen benutzt wird, ist es natürlich eine langfristige Aussage über Monate und Jahre. Und wenn ein Chart mit Minutenkerzen benutzt wird, ist es natürlich eher eine Intraday-Aussage.

Und wenn beides nicht als Referenz vorhanden ist, sollten Sie wissen, dass der Standardzeitraum über den wir hier täglich schreiben, der Ausblick auf Tage und Wochen ist. Also ein kurz bis mittelfristiger Blick.

Achten Sie also bei der Interpretation von Inhalten zum Markt unbedingt auf den Zeithorizont. Und wenn Sie als normaler Anleger mit Beruf zum Beispiel Ihre Anlagen auf Basis von Tagesschlusskursen managen - was jeder Menge Sinn macht und für Sie einen mittelfristigen Anlagehorizont definiert - dann darf eine Aussage von Dritten zu Intraday Strukturen Sie nicht zu irgendwelche Handlungen veranlassen. Das eine hat mit dem anderen dann nichts zu tun.

Die Darstellungen auf der kurzfristigen Zeitebene zu lesen und zu verstehen, macht dann immer noch Sinn. Weil man so lernt, wie die Märkte "ticken" und dieses Wissen kann einem auch auf der eigenen Zeitebene nützlich sein. Aber ein Handlungszusammenhang zwischen einer kurzfristigen Strukturbetrachtung und einer eigenen mittelfristigen Strategie besteht nicht! Merken Sie sich das unbedingt.

Und wenn Ihnen Autoren begegnen, die über den Markt schreiben ohne zu definieren, auf welche Zeitebene sich ihre konkreten Aussagen beziehen, sollten Sie einen weiten Bogen darum machen, da fehlt es völlig an Grundlagen.

An dieser Nahtstelle kann man auch immer wieder gut erkennen, wer selber eine klar definierte Strategie hat - wie ich das ja immer wieder predige - und wer nicht. Denn wenn man diese Strategie hat, hat man auch keine Aufregung und auch keine Not hinter Kommentaren hinter her zu laufen, die sich auf ganz andere Zeitebenen beziehen.

Und vor allem wird man dann nicht so schnell von wilden Swings des Marktes aus der Bahn geworfen und agiert ruhiger und gelassener. Man hat dann ja seine definierte Strategie, setzt die diszipliniert um und weiss dann ja, worauf man sich eingelassen hat und welche Risiken man eingeht.

So .... ich hoffe die paar Minuten des Lesens waren es für Sie wert um zu erkennen, wie eminent wichtig es ist, sich immer über den Zeithorizont im Klaren zu sein, in dem sich die eigene Strategie bewegt. Und sich auch strikt und diszipliniert daran zu halten!

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***