Euro an der Wegscheide

Die Quartalssaison läuft diese Woche an den Märkten heiss und gleichzeitig hat das Währungspaar EUR/USD einen Stand erreicht, den man glasklar als Wegscheide bezeichnen kann.

Was das bedeutet, soll dieses Chart verdeutlichen:

Seit Anfang 2015, also seit über 2 Jahren, ist der Euro zum Dollar unter 1,15 hin und her mäandriert und hat mehrfach einen Anlauf Richtung Parität vollzogen. Zweimal hat EURUSD darüber hinaus geschaut, einmal in 2015 und einmal in 2016 und in beiden Fällen war spätestens bei 1,17 Schluss und es wurde ein sogenannter "Fakeout", der dann das Signal für eine starke Bewegung in die Gegenrichtung gab. Die Bauernregel dazu lautet im Englischen "From false Moves come fast Moves".

Nun sind wir diesen Sommer - genau jetzt - wieder an so einer Wegscheide. Draghi hat mit seiner Rede in Sintra vor nun bald 4 Wochen dabei kräftig und unfreiwillig mitgeholfen und es ist ihm letzte Woche nicht gelungen, das in seiner Pressekonferenz sofort wieder einzufangen.

Und wie es der Zufall will, steht diese Woche am Mittwoch eine FED-Sitzung an, deren Wortwahl im FOMC Statement erheblichen Einfluss auf den Dollar und damit auf EURUSD nehmen wird.

Wer sich nicht regelmässig mit Börse beschäftigt, wird sich nun vielleicht fragen, was das denn mit dem DAX und anderen Indizes zu tun hat? Die Antwort ist ganz einfach:

In Euro notiert, also am Kursstand des DAX gemessen - wie wir das in der Regel in unseren Euro-Depots haben - ist ein starker Euro Gift für die Kursnotierungen, ein schwacher Euro stützt diese dagegen.

Dass das nur eine nominale Darstellung in Euro ist und die Welt aus Dollarsicht schon wieder ganz anders aussieht, ist denen klar, die die Welt der Währungen durchdringen. Für diesen Post im freien Bereich genügt aber zu verstehen, dass ein Euro, der potentiell nun nach oben wegbricht und die 1,15 nachhaltig hinter sich lässt, massiven Druck auf den DAX ausüben würde.

Diese Lage trifft aber auf einen DAX, MDAX und Co. der nicht nur durch das Desaster um die deutschen Autobauer sowieso schon angeschlagen ist, sondern auch eine derartige Chartstruktur hat, die einiges an Fallhöhe impliziert, falls der Index hier nun nicht bald nach oben dreht:

Auch Sie sollten also diese Woche ein Auge auf den Euro haben. Dreht der hier wieder nach unten, haben wir vielleicht den Tiefpunkt der aktuellen Korrektur schon gesehen bzw sehen ihn bald. Bricht der nun aber nach oben aus, dürfte sich ein Einbruch im DAX unter 12.000 nur schwerlich vermeiden lassen.

Der zweite Hauptfaktor für DAX & Co. dürfte diese Woche die Entwicklung rund um die Autobauer werden. Ohne dass diese sich stabiliseren, wird es der DAX auch ohne den Euro schwer haben, hier wieder nach oben zu drehen.

Das nur zur groben Einordnung dieser Woche aus Sicht der deutschen Indizes.

Im grossen Bild ist das aber wahrscheinlich nichts weiter als die erwartete Unruhe in der grossen "Rumpelphase" des Sommers, deren Umfang und Dauer ich Ihnen schon in -> Der Gründler und der Measured Move <- nahegebracht habe.

Es gibt also Grund zur Vorsicht, Grund zur Panik und für eine bärische Grundhaltung, sehe ich nach wie vor nicht.

Ihr Hari

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Korrekturgedanken

Wir stehen vor der besten Korrekturchance an den Märkten seit Trumps Sieg im November letzten Jahres, was ich gestern Abend schon in -> diesem Tweet <- gesagt habe. Überfällig ist so eine "normale" 5-10% Korrektur sowieso schon lange.

Detaillierte Aussagen zu den Zielen, Wahrscheinlichkeiten und Varianten dieses Korrekturpotentials, sind dem Premium-Bereich vorbehalten. Hier im freien Bereich, will ich aber wenigstens ein paar ganz grundsätzliche, grundlegende Worte loswerden, die Ihnen helfen, das Geschehen ein wenig einzuordnen.

Erstens, ist eine solche Korrektur wie oben gesagt nun seit Monaten mehr als überfällig. 5-10% Korrekturen gehören am Markt einfach dazu und wer sich davon in Angst und Schrecken versetzen lässt, darf besser gar nicht an die Börse. Ein Markt der sich zwei Schritte vor und einen zurück bewegt, ist ein gesunder Markt, man nennt das auch Trend.

Zweitens, ist die Wahrscheinlichkeit weiter hoch, dass diese Sommer-Korrektur - wenn sie überhaupt kommt - trotzdem zum Jahresende hin eine Chance und gute Kaufgelegenheit darstellt. Denn wir sind immer noch in einem massiven Bullenmarkt und Anzeichen dass sich das ändert sind bisher weit und breit nicht zu sehen. Betrachten wir diese Korrektur also bis auf Weiteres als gesundes Sommergewitter in einer Hochdruckphase.

Drittens, ist die Sommerkorrektur selbst heute keine Gewissheit, sondern bestenfalls eine 50% Chance. Der Dip-Reflex des Marktes ist so stark, dass man immer mit ihm rechnen muss. Gerade jetzt, kurz vor dem Quartalsende, wäre ein sofortiger Rebound keine Überraschung, das Fenster für weitere Schwäche ist dann eher Anfang Juli.

Viertens, wirkt die Korrektur in Euro-Depots besonders schlimm, weil der Euro nach Draghis Kommentaren gestern eine Rally von fast 1,5% zum Dollar hingelegt hat. Das ist aber aus der Sicht einer Weltwährung eine Illusion, ebenso wie die nominellen "Gewinne" aus einem fallenden Euro in Realität auch nie da waren. Kurz, die "Kaufkraft" Ihres Depots im Weltmasstab, ist gestern weit weniger gefallen, als es das nominelle Minus in Euro erscheinen lässt. Gerade wer einigen Euro-Cash hatte, hat also "profitiert", ohne dass man das in einer Euro-Bewertung eines Depots sehen kann.

Fünftens, war erfahrenen Marktbeobachtern sowieso klar, dass dieser Sommer ein hohes Korrekturpotential hat. Ihnen habe ich das schon vor einem Monat in -> Der Börsen-Juni kurz und klar <- beschrieben. Wer nun im Vorfeld sein Exposure verringert und die Cashquote erhöht hat, darf das Geschehen ganz gelassen betrachten und sich eher auf die kommenden Kaufgelegenheiten freuen, wenn und falls die Korrektur einen Boden findet. Sicher ist auch ein ganz anderer, katastrophaler Ausgang möglich, die Zukunft ist ungewiss. Wir tun aber gut daran, unser Handeln nach wahrscheinlichen Szenarien auszurichten und nicht nach Extremszenarien.

Ihr Hari

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DAX, Euro und Gold. Doch keine Verrückheiten?

Ich schaue ja immer mal wieder gerne zurück um einen Blick darauf zu werfen, was denn aus Aussagen geworden ist. Zum 4. Advent letzten Jahres, also vor weniger als einem halben Jahr, habe ich Ihnen in -> DAX 15.000 und andere Verrückheiten <- drei "verrückte" Szenarien mit Charts gezeigt.

Ganz so verrückt, war das natürlich nicht gemeint, denn sonst hätte ich diese Szenarien ja nicht bewusst gezeigt. Denn in Szenarien zu denken - nicht in Prognosen, mit denen man die Emotion des "Rechthabens" verbindet - macht jede Menge Sinn. Denn Szenarien erweitern unseren Blick und machen uns bereit für die Möglichkeiten, statt uns dogmatisch in unseren eigenen Weltbildern zu vergraben.

Damals schriebe ich:

Trotzdem müssen wir uns ja auf die Zukunft vorbereiten und da kommen Szenarien ins Spiel. Wir können und sollten durchdenken, was passiert wenn. Auch das wird dann oft anders kommen, weil ein unerkannter Faktor einwirkt und die Gleichung verändert, aber selbst dann hat das Szenario noch Wert, weil wir die Abweichung erkennen können und auch daraus einordnende Schlüsse ziehen können.

Verschiedene Szenarien für die Zukunft zu haben, macht also Sinn. Auch für Anleger an der Börse. Nur sich mit einem Szenario gedanklich verheiraten, es lieben lernen und sich darin verbeissen, das sollten wir besser nicht. Wenn die Realität anders kommt, schmeissen wir das Szenario in den Müll und wechseln auf ein anderes Modell des Geschehens, dass der Wirklichkeit näher kommt. So einfach ist das.

Da Szenarien Sinn machen, kann man auch mal für 2017 durchdenken, was in 2017 im Extremfall möglich wäre. Und zu Szenarien gehört die Bedingung. Die Bedingung ist hier, einfach als Massstab zu nehmen, was uns die ganz langfristigen Charts für Signale geben, wohin sie also auf dem heutigen Wissenstand eher hindeuten.

Und nun habe ich mir mal erlaubt, im "verrückten" Szenario des DAX von damals einzuzeichnen, wo wir nun sind:

Nicht so schlecht, oder? 😉 Nun ist das nicht so schnell passiert, wie in dem Extremszenario beschrieben, aber der halbe Weg ist nun zurück gelegt und jetzt können sich viel mehr vorstellen, dass auch die zweite Hälfte noch vor uns liegt.

Im alten Artikel schrieb ich übrigens noch etwas:

Und ganz ehrlich, das Szenario, das ich persönlich in Würdigung der Gesamtlage derzeit für am Wahrscheinlichsten halte ist, dass wir nach einer massiven Rally, die im ersten Halbjahr höher führt, als wir uns heute vorstellen können, dann in 2017 ein bedeutendes Top ausbilden und in die erste echte Korrektur seit Beginn des Bullenmarktes laufen.

Mit anderen Worten, ich präferiere derzeit eher, dass wir mitten im letzten, ganz grossen Hurrah des Bullenmarktes sind, der in 2009 begann.

Aber missverstehen Sie das nicht als Crash-Prognose. Dieses Hurrah wird uns noch viel höher führen, als wir heute ahnen und heute ist nicht der Tag, sich dagegen zu stellen. Vielleicht nicht gerade auf 15.000 im DAX, aber doch zu neuen Höchstständen. Und dann wars das irgendwann in 2017.

Heute sehe ich dieses Top in 2017 nicht mehr so deutlich und rechne eher auch mit einem guten Jahresabschluss. Eben weil die Bewegung nicht so steil und übertrieben geworden ist, wie sie da im Szenario war. Die Anstiegs-Bewegung ist gesünder und damit nachhaltiger und sie hat in Form von guten Unternehmenszahlen fundamentale Grundierung. 2018 ist dann ein anderes Spiel, wenn wir zum Jahresende im DAX vielleicht den "verrückten 15.000" noch deutlich näher gekommen sind. Aber das ist eine Frage, der wir uns heute noch nicht stellen müssen.

Schauen wir auf die anderen beiden Szenarien von damals, sehen wir dass das EURUSD Szenario immer noch im Rennen ist, wenn auch noch nicht nach unten getriggert. Und bei Gold ist es zu den 1.000 USD nicht gekommen, das nun generierte niedrigere Hoch erlaubt aber durchaus, dass das nun noch nachgeholt wird.

Alles in allem kein perfektes, aber kein schlechtes Bild für drei extreme Szenarien, die bewusst provozierend als "verrückt" bezeichnet wurden. Das ist auch nicht so verwunderlich, so verrückt waren sie nämlich gar nicht und sind sie auch aktuell nicht. Denn sie fussten ja auf klaren, langfristigen Marktstrukturen und wenn der Markt zu uns spricht, sollten wir besser zuhören.

Und darin liegt auch die Botschaft dieses Artikels. Halten wir uns nicht an das, was wir glauben wollen, sondern lieber an die grossen Marktstrukturen, die uns in Charts anschreien. Die sind auch keine Garantie, sie produzieren aber bessere Ergebnisse als zu raten, weil in ihnen die aktuelle Tendenz des Marktes spricht. Die kann sich zwar immer ändern, sie läuft aber öfter weiter als dass sie sich ändert und das ist genau der Kern eines Trends.

Und denken wir in Szenarien, denn diese öffnen uns gedanklich für die Möglichkeiten, die der Markt uns bietet. Auch wenn zum Beispiel im DAX der konkrete Verlauf ein anderer war, die reine Erkenntnis letzten Dezember, dass ein sehr bullischer Verlauf in 2017 realistische Chancen hat, hätte doch unser Anlageverhalten zum Besseren verändert. Wir wären nicht mehr so leicht in Angst zu treiben und zu beeinflussen gewesen. Und wir hätten mehr Mut gehabt, die gegebenen Chancen auch zu ergreifen.

Lassen wir mit klugen Szenarien also Luft in unser Oberstübchen herein. Diogmatische Glaubenslehren dazu, was der Markt vermeintlich "machen muss", haben am Markt nichts verloren. Der macht was er will und unsere Chance ist nicht, das zu verändern, sondern es rechtzeitig zu beobachten und erkennen!

Ihr Hari

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Das 2. Quartal – Sechs klare Thesen



Das 2. Quartal liegt vor uns und damit auch wie immer die Frage, wie es an der Börse weiter gehen wird.

Nun habe ich, wie Sie wissen, im Gegensatz zu den "Crash-Propheten" und anderen Grossmeistern der Zukunftsvorhersage, immer noch keine Glaskugel. Insofern lassen wir konkrete Zukunftsprognosen hier weiter mal sein. Wenn Sie Derartiges suchen, finden Sie vielfältige Angebote im Web und sind hier eher falsch.

Warum jemand der die Zukunft kennt, nicht schon längst an der Börse zum Milliardär geworden ist, verstehe ich zwar immer noch nicht, aber wahrscheinlich sind das einfach alles ganz herzensgute, altruistische Menschen, die für ihre Mitmenschen völlig selbstlos nur das Beste wollen. 😉

Aber lassen wir mal den Sarkasmus, hier sind für Sie sechs klare Statements bzw Thesen zum Nachdenken, die ich zum 2. Quartal mal in den Raum stelle - dann können Sie damit machen, was immer Sie wollen:

(1) Trump oder Konjunktur? Beides!

Seit dem Wahlsieg Trumps befindet sich der Markt in einer eindrucksvollen Aufwärtsbewegung. Da lag und liegt es doch nahe, diese Bewegung mit Erwartungen an Trumps Politik in Verbindung zu setzen, insbesondere zum Thema Steuerreform, Infrastrukturprogramm und Deregulierung des Finanzsektors.

Da ist auch was dran und insbesondere der erste Schub im November/Dezember letzten Jahres, dürfte stark damit korreliert sein. Auch heute ist dieser Faktor sicher noch im Spiel.

Aber - ein dickes Aber - an der aktuellen, fortdauernden Stärke dürfte in zunehmendem Masse auch die konjunkturelle Entwicklung beteiligt sein. Denn die Konjunktur-Signale sehen zunehmend positiv aus, selbst im bisher anämischen Europa.

Diese Rally als reine Hoffnungsrally abzutun und ihr einen Zusammenbruch zu prophezeihen, sobald die Hoffnung der Realität weicht, ist also viel zu kurz gedacht. Diese Rally hat eine fundamentale Unterlegung, auch wenn sie schon von recht hohen Kursniveaus aus erfolgt.

(2) Sell in May?

Im letzten Jahr habe ich mich in -> Sommerstarre statt Sell in May < - klar gegen den Sell in May Effekt ausgesprochen und so ist es dann auch gekommen.

Dieses Jahr dürften diese Art Prognosen daher spärlicher werden, gleichzeitig hat der Markt aber nach dem starken Anstieg bis in den April hinein durchaus Raum für eine Pause. Insofern sind die Chancen eines "Sell in May" Events dieses Jahr ungleich höher als letztes Jahr.

(3) Überschätztes politisches Risiko Europa?

Für die Kurse ist nicht nur wichtig, was wird. Wichtig ist vor allem die Differenz zwischen der in den Kursen enthaltenen Erwartung und dem was wird.

Und was die Erwartung angeht, ist der Markt in Europa mit diversen Katastrophenszenarien ins neue Jahr gegangen, die von einem Zerfall der EU bis zum Auseinanderbrechen des Euros reichen. All das war also schon in den Kursen und hat Europas Aktienmärkte gegenüber den US Indizes zurück fallen lassen.

Und nun bricht sich langsam eine realistischere Sicht Bahn, die man mit "not yet!" umschreiben könnte. Was bedeutet, dass die Sorgen zwar berechtigt sind und die strukturellen Mängel von EU und Euro ja objektiv da sind, diese aber wohl noch nicht in 2017 zur Eskalation führen werden.

Das politische Risiko in Europa wird also eher überschätzt und diese Anpassung der Erwartung treibt aktuell die Kurse und könnte sie weiter treiben.

(4) Überschätztes Risiko einer Zinswende?

Auch die in den US durch die FED laufende Zinswende, wird gerne als Grund für eine Wende an den Aktienmärkten argumentativ missbraucht. Und selbst die EZB beginnt ja ganz leicht zu zucken und der Markt beginnt ein Ende der Negativzinsphase in Europa zu antizipieren.

Auf den ersten Blick hört es sich ja auch logisch an, wenn Bonds höhere Renditen abwerfen, erzeugt das Druck auf die um das Anlagegeld konkurrierenden Aktienmärkte. Diese Logik dürfe aber überschätzt und übertrieben sein.

Denn erstens gibt es keinen historischen Automatismus, nachdem die Zinswenden schlecht für die Kurse waren. Erst viel später im Prozess, wenn die Zinsen sich wieder attraktiven Niveaus wie 3 oder 4% annähern, wird das zunehmend zum Problem, davon sind wir aber noch Jahre entfernt, wenn es dazu überhaupt je wieder kommt.

Und zweitens haben wir durch die von den Notenbanken induzierte Blase bei den Bonds sowieso eine historisch völlig einmalige Situation, in der Bonds auch bei marginal erhöhten Renditen weiter skeptisch gesehen werden dürften. An Aktien als Produktivvermögen führt weiter kein Weg vorbei und deshalb ist die Zinswende kein guter Grund für Sorgen.

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Die Euro-Krise erhebt wieder ihr Haupt

Vielleicht haben Sie ja mitbekommen, dass Mr-Market seit Kurzem unter @HariMrMarket nun auch bei Twitter ist. Ich nutze den Dienst zweiteilig. Einerseits um den Premium-Mitgliedern, die selber bei Twitter sind, neue Artikel anzukündigen. Andererseits aber auch, um immer mal wieder interessante Infos auch an Sie im freien Bereich weiter zu geben. Die Tweets werden rechts auf Mr-Market direkt eingeblendet, das ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen.

In dem Zusammenhang habe ich übrigens festgestellt, wie faszinierend gering die Durchdringung von Twitter bei gebildeten und gut verdienenden Menschen ist, denn um die handelt es sich bei den Premium-Mitglieder fast durchweg. Zum Start hatten gerade mal 5% der Mitglieder wohl einen Twitter-Acount, mittlerweile haben einige alleine deswegen einen angelegt, es ist aber immer noch eine klare Minderheit. Das ist für die Twitter-Aktie ein interessantes Thema, hier nun aber zurück zum Kern dieses Artikels, dem Euro.

Denn wenn Ihnen Mr-Market bei Twitter aufgefallen ist, haben Sie bestimmt auch schon diverse Tweets der letzten Zeit gesehen, die sich um ein zentrales Thema drehen: Die Eurokrise erhebt wieder ihr Haupt.

Hier dazu ein paar Links:

-> Sentix Euro Break-up Index <-

-> Political Risks emerge <-

-> Renditespanne zu Frankreich und Italien weiter sich <-

-> Draghis abwegige Auslegung der Inflation <-

Insbesondere letzterer Artikel weist auf einen unterschätzten Vorgang hin, denn Mario Draghi hat bei seiner letzten Pressekonferenz eine Menge dafür getan, um sich in seiner bekannt herablassend-süffisanten Art und Weise, diverse sprachliche Ausreden und grossen Spielraum zu generieren, um die Nullzinspolitik auch dann weiter führen zu können, wenn die Inflation in Deutschland schon weit über 2% liegen wird.

Auch dass Sabine Lautenschläger nun deutlich dem -> Ende des billigen Geldes das Wort redet <- und Weidmanns Bundesbank zeitnah eine Studie veröffentlicht, nach der -> die EZB bewusst den Euro schwächt <-, darf man ebenso wie Draghis rabulistische Verrenkungen als klares Indiz dafür werten, dass unter der Oberfläche der EZB die Friktionen wieder massiv steigen und der Richtungskampf tobt. Wo Mario Draghi dabei steht, braucht wohl keine weitere Erklärung.

Und das zu einem Zeitpunkt, in dem in Kerneuropa, in Frankreich, Niederlanden und Deutschland, wichtige Wahlen anstehen. Insofern dürfte Draghi sich auch wieder der Unterstützung der deutschen Regierung sicher sein, das Feuer um jeden Preis auszutreten, denn Frau Merkel kann garantiert nicht gebrauchen, dass im Wahlkampf zu Tage tritt, dass Griechenland weiter ein schwarzes Loch ist und der Euro kein bischen "gerettet" ist, sondern nur mit Steuerzahlergeld temporär ruhig gestellt.

Ich will hier im freien Bereich nicht tiefer einsteigen, die Thematik wird uns dieses Jahr in der Community sicher massiv beschäftigen, denn schon alleine der Umgang der Anleger mit der Inflation, die dann bei Nullzinsen eine Negativrendite von 2% generieren wird, ist ein Thema zu dem man Bücher schreiben könnte.

Und wenn derzeit beruhigend auch von Draghi betont wird, dass die aktuelle Inflation ja nur aus Basiseffekten der Rohstoffpreise resultiert, ist das einerseits richtig und gleichzeitig eine Nebelkerze. Denn es gibt im aktuellen, weltweiten Umfeld ganz grundlegende inflationäre Entwicklungen vor denen man Sorge haben muss, vor dem Basiseffekt ohne Frage nicht. Darüber aber an anderer Stelle und in anderem Rahmen in Kürze mehr.

Ich will hier nur darauf verweisen, was ich hier 2015 in -> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <- geschrieben habe:

Der Euro versucht in eine Währung zu pressen, was nicht zusammen gehört. Griechenland und Deutschland können nicht in einer gemeinsamen Währung sein, wenn es nicht eine einheitliche Regierung und gemeinsame Kultur gibt. Das ist die grosse Lebenslüge des Euros. Er ist eine fatale Fehlkonstruktion, die den Spaltpilz an Europa legt, aber kaum einer in der Politik traut sich, es zu sagen und daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen.

Und diese meine Erkenntnis ist wahrlich nicht neu, wer mag muss nur nachlesen, was 62 nahmhafte Professoren 1992 und später 160 Professoren 1998 in den Maastricht Manifesten gesagt haben.
Lesen Sie einfach noch einmal im PDF Download von -> Prof. Ohr Uni Göttingen <-: -> Die Maastricht Manifeste im Wortlaut <-

Sehr lesenswert auch ein aktueller Artikel der NZZ, der auch über Prof. Ohr verlinkt ist: -> Plädoyer für eine flexiblere Eurozone <-

Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess hatte es damals nicht, wen interessiert auch das "Geschwätz" von Fachleuten. Insofern muss man auch heute befürchten, dass das Gewürge um den Euro unverändert weiter geht, man wird den Krug eben zum Brunnen tragen, bis er bricht. Dann aber werden alle Verantwortlichen mit weltschwerer Miene in die Kameras schauen und treuherzig wahlweise ihrem "Entsetzen" oder ihrer "Besorgnis" Ausdruck geben, natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass man nun nicht den "Rattenfängern" nachlaufen dürfe. Sie sehen, ich habe doch eine Glaskugel. 😉

Machen Sie es trotzdem gut, lassen Sie uns das Leben geniessen, wir haben nur das eine.

Ihr Hari

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Das britische Pfund: Keep Calm and Carry On!

Theresa May hat ihren Plan für einen Brexit vorgestellt.

Die einen gehen nun von einer glorreichen Zukunft eines freien "Global Britain" aus, eines wirtschaftlichen "Flugzeugträgers", der seine alten Traditionen des Commonwealth und die Liebe zu den Handelsbeziehungen über die Weltmeere hinweg, wieder belebt.

Die anderen sehen ein zerfallendes, unter wirtschaftlicher Depression ächzendes Königreich, aus dem Schottland und Wales austreten und die Nordirland-Frage wieder mit Macht aufbricht.

Ich halte Beides für möglich, weiß aber auch, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist und es aber die Details der Umsetzung und nicht die grossen Worte sind, die den Unterschied zwischen dem Einen und dem Anderen ausmachen werden.

Warten wir also mal ab.

Interessant ist aber, was uns der Devisenmarkt sagt. Und da hat das Pfund zum Euro nun mit einem massiven Reversal gestern eine Struktur generiert, die an eine klare Wendestruktur erinnert:

Geht es hier nun also weiter hoch?

Langsam, was wir gestern gesehen haben, war in meinen Augen eher ein Short-Squeeze, als eine Reaktion auf irgendetwas, weil einfach zu viele Marktteilnehmer auf einer Seite des Bootes sassen.

Und das GBPEUR Währungspaar ist ja auch nicht das Wichtigste, das ist das Pfund zum Dollar, also GBPUSD und da sieht es noch lange nicht nach einer klaren Wendestruktur aus:

Aber trotzdem, wenn die Phase der grossen Verunsicherung nun durchgelaufen ist - und bis dahin kann das Pfund noch tiefer fallen - dann stellt das britische Pfund gerade für uns hier im Euro-Raum wohl eine immense Chance und auch potentielle Alternativwährung dar, die genau deswegen erhebliches Aufwertungspotential hat.

Denn wenn wir uns hier vielleicht mit der Existenz der Euro-Zone befassen müssen, die bei der nun stark steigenden Inflation vielleicht schneller auf die Agenda kommt als gedacht, dann werden wir noch froh sein, eine Weltwährung direkt vor unserer Haustür zu haben, in der wir Geld anlegen können und die nicht so massiv mit dem Euro verheiratet ist, wie nun der Franken, der komplett von Euroland umgebenen Schweiz.

Schauen wir also gespannt, wie tief dieses Pfund nun noch fallen will. Sobald ich aber den Eindruck habe, dass es das nun war, werde ich kaufen und zwar in grossem Umfang. Das nur als Ankündigung. 😉

Ihr Hari

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DAX 15.000 und andere Verrücktheiten

Wenn Sie hier schon länger mitlesen, dann wissen Sie, was ich von Börsen-Prognosen halte, mit denen selbsternannte Glaskugelbesitzer einen bestimmten Endstand des DAX Ende 2017 oder einen Crash vorher sagen.

Schlicht Nichts. Nada. Niente. Das ist einfach nur -> Prognosiritis, eine das Ego pflegende, ansteckende Krankheit < -.

Das Besondere der Prognose, ist ja die Tatsache, dass sich der Autor mit seiner Kompetenz dahinter stellt und sagt: so wird es werden! Zum Thema Crash-Propheten, steht dieses Fussballmatch seit 2011 ungefähr 73:0 für die Bullen, aber irgendwann werden die Crash-Propheten bestimmt auch mal ein Tor schiessen. 😉

Eine Prognose zur Konjunktur, zumindest nennen sie es so, ist auch im volkswirtschaftlichen Gutachten der "5 Weisen" im Sachverständigenrat, die dann ein Wachstum für das Folgejahr vorhersagen, dass man vielleicht genau so gut treffen könnte, wenn man eine Kommazahl zwischen 0 und 2 mit Dartpfeil auf ein Blatt Papier "erwürfeln" würde. Hat eigentlich mal jemand die Trefferquote über die letzten 50 Jahre ausgewertet?

Es gibt aber etwas, das Sinn macht. Jede Menge Sinn, weil es die Sinne schärft. Es sieht auf den ersten Blick wie eine Prognose aus, ist aber keine. Es ist ein Szenario.

Der Unterschied mag sich gering anhören und nur in einem Wort liegen, er ist aber ganz erheblich.

Das Szenario hat nämlich keinen Wahrheitsanspruch. Es beschreibt eine Variante zukünftiger Entwicklungen unter vielen und nennt die Voraussetzungen dafür, dass diese eintreten können. Es ist also eine Wenn->Dann Beziehung und das ist eine ernst zu nehmende Sache.

Szenarien für die Zukunft gibt es daher viele, die Zukunft ist ja auch vielschichtig. Wer hat sich denn vor einem Jahr vorgestellt, dass der Brexit real wird, "The Donald" US Präsident wird und der S&P500 danach auf Allzeithoch steht?

Ich sage es Ihnen: Keiner. 🙂 Welchen Wert haben also pseudo-exakte Prognosen? Sie ahnen es: Auch keinen. Einfach weil die Zukunft noch nicht geschrieben ist. Und auch 2017 ist noch nicht geschrieben.

Trotzdem müssen wir uns ja auf die Zukunft vorbereiten und da kommen Szenarien ins Spiel. Wir können und sollten durchdenken, was passiert wenn. Auch das wird dann oft anders kommen, weil ein unerkannter Faktor einwirkt und die Gleichung verändert, aber selbst dann hat das Szenario noch Wert, weil wir die Abweichung erkennen können und auch daraus einordnende Schlüsse ziehen können.

Verschiedene Szenarien für die Zukunft zu haben, macht also Sinn. Auch für Anleger an der Börse. Nur sich mit einem Szenario gedanklich verheiraten, es lieben lernen und sich darin verbeissen, das sollten wir besser nicht. Wenn die Realität anders kommt, schmeissen wir das Szenario in den Müll und wechseln auf ein anderes Modell des Geschehens, dass der Wirklichkeit näher kommt. So einfach ist das.

Da Szenarien Sinn machen, kann man auch mal für 2017 durchdenken, was in 2017 im Extremfall möglich wäre. Und zu Szenarien gehört die Bedingung. Die Bedingung ist hier, einfach als Massstab zu nehmen, was uns die ganz langfristigen Charts für Signale geben, wohin sie also auf dem heutigen Wissenstand eher hindeuten.

Da haben wir im Premium-Bereich vor drei Tagen getan und nun zeige ich Ihnen hier daraus mal drei Charts für 2017:

Weiterlesen ...DAX 15.000 und andere Verrücktheiten

Italienisches Drama oder medialer Erregungszyklus?

Erfahrene Anleger wissen, dass immer wenn die halbe Welt vor etwas warnt, man sich an der Börse darum eher weniger Sorgen machen muss, weil die Warnungen alle schon in den Kursen verarbeitet sind.

So einen Fall, haben wir vielleicht mit dem italienischen Referendum am kommenden Sonntag 04.12. vor uns.

Seit Wochen wird medial davor gewarnt, dass ein Scheitern und ein Rücktritt Renzis, das Ende der Eurozone in Gang setzen könnte. Die Warnungen in diesem Stil, können Sie beispielhaft auch -> hier < - oder -> hier < - nachlesen.

Gleichzeitig ist der Markt vergleichsweise ruhig, er kauft die mediale Geschichte von der unmittelbar einsetzenden Katastrophe wohl nicht. Und das obwohl selbst die EZB -> deutlich vor den von Italien ausgehenden Risiken warnt < -

Sicher lokal und zielgerichtet, sind die Auswirkungen im Markt schon sichtbar. Die Renditen italienischer Anleihen steigen, der italienische MIB40 bröselt und auch die aktuelle, grosse Schwäche des Euros, hat sicher zum Teil mit dem Referendum zu tun.

Aber darüber hinaus, auch wenn man auf die Volatilität schaut, gibt es kaum Signale, die von grosser Sorge des Marktes künden. Vergleichsweise still ruht der europäische See und in den US Märkten wird die "Trump-Party" gefeiert.

Wie passt das alles zusammen? Ich denke das ist recht einfach.

Erstens ist der Markt klug. Er weiss, dass Renzi ohne Not sein politisches Schicksal mit dem Referendum verknüpft hat und die Erfahrungen mit italienischer Politik legen nahe, dass hinterher alles nicht so heiss gegesssen, wie es vorher gekocht wird. Für Politiker gilt doch sowieso zu oft das Motto: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?"

Zweitens ist die institutionelle Bedeutung des Referendums für Italien zwar hoch, dass alleine das Referendum die italienische Sklerose überwinden kann, erscheint aber auch ein wahltaktischer Erregungszyklus zu sein. Wenn dieses Italien die Wende hinbekommen will, ist das Referendum zwar ein wichtiger Baustein, da ist dann aber noch eine Menge mehr nötig und ob das im Euro überhaupt geht, der den Wechselkurs als Anpassungsinstrument bei Produktivitätsunterschieden ausgeschaltet hat, ist mehr als fraglich.

Drittens, dass der Euro früher oder später scheitern wird oder sich massiv strukturell ändern muss, weil die Scherkräfte so immer stärker werden, ist bei den Profis der Finanzmärkte doch ein offenes Geheimnis. Da geht sowieso fast jeder davon aus, der nur ein bischen die bestehenden Konstruktionsmängel versteht. Nur die europäische Politik will das nach dem Motto dass nicht sein kann, was nicht sein darf, nicht wahrhaben.

Auch dass Italien ein gefährlicher Wackelkandidat ist, der das Haus des Euros zum Einsturz bringen kann, ist doch an den Märkten schon immer Konsens. All das sind aber Ereignisse, die irgendwann in der Zukunft mal virulent werden und daher im Moment noch keine Relevanz für die Börsen haben, die typischerweise bis zu ein Jahr konkret nach vorne schauen, darüber hinaus wird das Bild eher diffus.

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