Hari Live Stream 10.06.21

Never short a dull market ZH2

Inflationsdaten und EZB sind die heute bestimmenden Themen, zu beiden schreibe ich gleich ein paar Zeilen.

Hier aber zunächst das Ergebnis, denn es gibt die alte Traderweisheit "Never short a dull market" - gehe niemals in einem langweiligen Markt Short - und die scheint sich wieder zu bewahrheiten.

"Dull", also langweilig, war der Markt auf Indexebene zuletzt wirklich, über das "Schaukeltier" habe ich ja gerade gestern geschrieben und auch die folgenden Worte gefunden:

Aber der Blick auf das Daily mit seiner langsamen Starre, man könnte auch sagen mit dem *Sprungbrett* kurz vor den Notenbanken, sieht schon nicht ungefährlich aus. So ein Sprungbrett hatten wir vor Kurzem schon einmal und zwar Ende April:

Damit sage ich keine Richtung voraus, eigentlich ist das eher ein Ausbruchssetup nach oben, aber hier kann nun jederzeit Volatilität einsetzen, die dann nicht überraschend wäre. Es braucht nur den Katalysator.

Um 14:30 Uhr hat der Markt kurz nach unten angetäuscht und ist dann nach oben in Bewegung geraten. Dieses Antäuschen vorher gibt es sehr oft, es lohnt sich oft in so Momenten *gegen* die initiale Bewegung zu wetten, da diese oft falsch ist.

Man könnte sagen die erste Bewegung ist "Eindimensionales Denken", einfach die Reaktion auf die Höhe von Zahlen, dann setzt aber erst das Nachdenken und "mehrdimensionale Denken" ein und es sieht dann oft schon anders aus:

Transitory

Ich habe schon oft gepredigt, dass es die Erwartungen sind die die Kurse machen und so war es rund um die Inflationsdaten (CPI-Daten) auch heute wieder.

Die Daten waren objektiv hoch, -> die hohen Erwartungen wurden sogar übertroffen <- und rund 5% Teuerung sind eindeutig eine Hausnummer.

Das so zu sehen ist aber nur "Eindimensionales Denken", denn die entscheidende Frage sind die Erwartungen, die Frage also was das bedeutet und wie man das einordnet.

Würde der Markt das als den Beginn einer unbestimmt steigenden Inflations-Phase einordnen, wäre das *klar marktnegativ* und wir hätten heute starke Abgaben gesehen, auch die Reaktion im Bond-Markt wäre dann scharf gewesen.

Warum auch immer, die Wege des Marktes sind unergründlich, hat sich aber die Interpretation durchgesetzt, dass das Inflations-Geschehen "transitory" sei - also temporär - und dieser Effekt von alleine wieder weggehen wird. Das ist auch die Haltung der FED bisher und auch ich habe diese Grundhaltung, wie schon mehrfach geschrieben.

Wenn es aber nur vorübergehend ist, dann könnten diese Zahlen vielleicht sogar "Peak Inflation" markieren und das ist dann klar marktpositiv - so zu denken ist "mehrdimensionales Denken" und das setzt sich halt nach dem ersten Schreck durch.

Es gab natürlich auch objektive Gründe warum diese Interpretation Oberwasser bekam und das war die Tatsache, dass die Kerninflation weiter unter 4% geblieben ist und sich nicht einmal besonders bewegt hat.

Das Mantra des Marktes - die Erwartung die in Kurse gegossen wird - ist heute also, dass dieser Inflationsschub von alleine wieder verschwindet und kein Grund für die FED sein wird, ihre Policy zu ändern und *deshalb* hat sich dann eine positive Marktreaktion durchgesetzt.

Zumindest bisher, der immer grübelnde Markt kann seine Meinung auch ändern, wenn weitere Indikatoren sichtbar werden und dem Gesamtbild einen anderen Twist geben.

EZB - War da was? ZH3

Die EZB lässt die Geldschleusen wie erwartet offen, die FuW schreibt dazu -> hier <- treffend:

Kritischer äusserte sich dagegen Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. «Bei einer Mehrheit im EZB-Rat herrscht offenbar die Sicht vor, dass sich die Euro-Zone nur dann erholen kann, wenn die langfristigen Zinsen auf ihrem historisch niedrigen Niveau verbleiben», merkte er an. Diese Sichtweise überzeuge in einem Umfeld der kräftigen Konjunkturerholung immer weniger.

Wobei ich bin schon der Ansicht, dass die Sichtweise aus dem Blickwinkel der EZB überzeugt, Italien und Co. *können* nicht mehr anders als mit den superniedrigen Zinsen überleben, alles andere lässt die Eurozone zerbrechen.

Das genau ist die Sackgasse in die die EZB die Währungsunion manövriert hat und ich sehe keinen Ausweg mehr. Alles was man jetzt macht und noch lange machen wird ist "Weiße Salbe" darauf schmieren und "kicking the can down the road" und das wird noch lange so gehen.

-> Hier <- ist die Zusammenfassung der Pressekonferenz, keine großen Überraschungen.

Und der Euro, der immer ein Seismograph für Grundlegendes ist, gähnt heute nur laut und vernehmlich:

Der Zins kommt in diesem Euroraum so nicht mehr wieder, richten wir uns darauf ein. Erst in der nächsten Strukturkrise werden dann die Kräfte in Bewegung gesetzt, die alles verändern können und werden.

In wie vielen Jahren diese Krise kommt und wie die dann abläuft und welche Konsequenzen sie hat, steht aber völlig in den Sternen und -> Gekröse-Interpretierer wie Krall <- und Friedrich und wie sie alle heissen wissen es auch nicht, machen aber Quote mit den Anschein etwas zu wissen.

Natürlich war jetzt Corona "schuld", dass es 2020 mit dem Crash nichts wurde, schon klar. Und 2019 war was Anderes schuld und 2021 wird wieder etwas gefunden werden, das dann schuld sein wird - ich bin da recht sicher und auch sicher, dass die Gläubigen das weiter kaufen werden, irgendjemandem wollen sie halt folgen. 😛

Machen sie sich klar, dass die Problembeschreibung dieser Leute gar nicht mal völlig falsch ist, auch der größte Unsinn kann einen wahren Kern haben, um den herum dann klick- und verkaufsfördernde Prognosen-Gebilde aufgebaut werden. Aber an den Ablauf Jahreszahlen zu kleben und konkrete Prognosen abzugeben ist schlicht dummes Zeug und klebriger Honig, mit dem man unbedarfte Geister fängt, die sich als Teil einer "eingeweihten Minderheit" fühlen wollen - geht ja auch dem Ego runter wie nichts. 😛

Ich mache auch eine "Prognose":

Wann immer dieser Ungleichgewichte nicht mehr tragbar sind und zusammenkrachen, wann immer die Eurozone den Preis für die ganze weiße Salbe zahlen muss, es wird völlig anders ablaufen als wir alle erwarten, es werden Dinge getan werden die wir uns jetzt nicht vorstellen können und es wird Profiteure geben, auf die wir heute nicht kommen können. Und alles was jetzt an Gesetzen und Regeln existiert, wird dann keinerlei Rolle mehr spielen, die normative Kraft des Faktischen spült es weg wie eine Flutwelle.

Solche Krisen sind dynamisch und das Besondere daran ist gerade, dass sie voller Überraschungen sind, weil der Markt sich ja reflexiv schon auf das vorbereitet hat, was er vorher erwarten konnte.

Das Beste was wir dafür tun können, habe ich in der Armageddon-Reihe beschrieben: flexibel zu sein, verschiedene Techniken zu beherrschen, das Kapital diversifziert anzulegen und in den Jahren zuvor monetären "Winterspeck" aufgebaut zu haben. Und dann zum Beginn der Krise, gilt es im Lichte der sich dann zeigenden Entwicklung früh die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen - was immer die dann sind.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das gemeinsam schaffen werden, wann immer das sein wird. Heute und jetzt gibt es dazu aber nichts zu sagen und auch nichts zu prognostizieren und auch Krall und Co haben keinen blassen Schimmer, den aber medienwirksam.

Aktien des Tages ZH3

Sunpower (SPWR)

Wieder so ein Chart, wie ich schon gestern einige gezeigt habe. Passiert da am 200er SMA nun was nach oben oder nicht?

Noch ist nichts passiert, keine Handlung nötig, aber im Blick behalte ich solche Fälle, weil es drängt sich doch der Eindruck auf, dass da bald etwas passieren könnte - Konjunktiv:

Signet Jewellers (SIG)

Pop -> nach Zahlen <-. Der Ausbruch wird heute gleich getestet, Ausgang unklar:

Biogen (BIIB) und Eli Lilly (LLY)

Nach intensivem Nachdenken scheint der Markt in Sachen Alzheimer-Präparat eine Entscheidung getroffen zu haben. Auch wenn die Wirksamkeit fragwürdig ist, die "Falsifizierung" kann nach den Vorgaben der FDA frühestens in ein paar Jahren kommen und bis dahin kann mit der Hoffnung eine riesige Menge Geld verdient werden.

Ob es ethisch ist, mit einem Medikament dessen Wirksamkeit fragwürdig ist so viel Geld zu verdienen, ist wie alle ethischen Fragen nicht so einfach zu beantworten, wie es bei eindimensionalen Denkern scheint. Denn was wäre denn, wenn man es wegen der Zweifel nicht zulassen würde, haben die Patienten und ihre Angehörigen diese Chance nicht verdient, auch wenn es nur eine Chance ist? Eine wirklich schwierige Frage auf die ich keine klare Antwort habe.

Es dürfte diese Frage sein, die auch die FDA zur Entscheidung getrieben haben, die in anderen Fällen bei so dünner Faktenlage wohl eher negativ gewesen wäre.

Und wenn das so ist, ist der Pop auch nachhaltig, LLY wird dabei gleich mitgezogen, weil dort auch an einem Alzheimer-Medikament gearbeitet wird und wenn die FDA so locker in Sachen Zulassung ist, erhöht das auch bei LLY die Chancen:

Thermo Fisher Scientific (TMO) ZH4

Ich zeige mal das Weekly. Machen wir mal eine Umfrage, was wird als Nächstes durchbrochen, die Unterstützung oder die Abwärtstrendlinie?

Align Technology (ALGN) ZH4

Zeigt im Weekly technisch eher weiter nach oben:

First Majestic Silver (AG)

Was nicht fallen kann, muss steigen?

Es gab seit Februar viele gute Gelegenheiten zu fallen, sie wurden nicht genutzt:

Biotech IBB ZH4

-> Hier im Marktübersichts-Video von Sonntag <- hatte ich ab ca. 09:10 die gute Chance auf eine Bodenbildung im IBB schon thematisiert.

Da wusste ich natürlich nicht, dass sie durch die Alzheimer-Nachricht bei BIIB so schnell kommen würde, aber die hat sicher zu dieser Struktur beigetragen, da BIIB recht hoch gewichtet war.

Aber auch unabhängig davon ist der Ton wieder positiv geworden, ich habe ja zuletzt auch die MRNA-Aktien wieder thematisiert, ebenso wie die CRISPR-Aktien mit ihren immensen Chancen, die alle laufen.

Für den Sektor und den IBB sieht das auf jeden Fall sehr gut aus:

Peak Inflation - Bottom Bonds - ZH3

Wenn der Markt wirklich "Peak Inflation" spielt, dann müssten die Renditen wieder fallen und die Anleihen wieder steigen und den Abwärtstrend beenden.

Und genau das scheint nun heute zu passieren, was sehr bemerkenswert ist. Denn es nimmt weiteren Druck von der FED und macht es noch wahrscheinlicher, dass Powell nächste Woche das Wort "Tapering" nicht in den Mund nehmen wird. Und das impliziert wieder Rückenwind für den Aktienmarkt.

Größere Amplitude ZH2

Nun ja, ich hätte ihnen ja gerne geschrieben, dass die Inflationsdaten dem Markt eine klare Richtung gegeben haben, das ist uns aber bisher nicht vergönnt.

Dass sie wichtig waren, sehen wir aber leicht an der deutlich erhöhten Amplitude in den Kursen, der Markt überlegt halt angestrengt, ob er eher der "Peak Inflation" Theory anhängen sollte oder nicht:

"Peak Inflation" wäre für die Kurse der kommenden Tage eindeutig eher Positivum, ob sich das dauerhaft durchsetzt, kann ich ihnen aber nicht sagen.

Klar sagen kann ich ihnen aber, dass der grundlegende Ton des Marktes immer noch eher positiv ist, ja bei den kleineren Zukunfts-Aktien zuletzt deutlich besser wurde - ich habe dazu einige Charts gezeigt.

So können wir mit einem vorsichtigen Optimismus in die kommenden Tage schauen, vorsichtig deshalb, weil die FED und die historisch schwierigen letzten 2 Wochen des 2. Quartals bevorstehen.

Im mittelfristigen Gesamtbild hat sich nicht viel geändert, nach unten will der Gesamt-Markt wohl nicht, nach oben kann er scheinbar nicht mehr so richtig und so geht das "Schaukeltier" einfach weiter, mit leicht positivem Grundton schaukeln wir uns nach oben.

Ich schliesse damit die Schreibwoche, ich widme mich heute Abend noch allerlei Administrativem. Morgen ist dann mein freier Tag und am Sonntag kommt dann wie immer der Wochenausblick.

Machen sie es gut!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Hari Live Stream 02.11.20

Wie angekündigt ist der Stream in den KW45 noch stark verkürzt und dreht sich primär nur um die Marktlage.

Antizipation ZH3

Die letzten 2 Börsentage liegen vor uns, dann findet diese Wahl endlich statt, über die alle nun seit Monaten diskutieren. Ich bin froh darüber und der Markt wahrscheinlich auch, weil dann kann er nach vorne schauen.

Ich lasse den Kurz-Steam am morgigen Dienstag ganz ausfallen, weil ich wüsste nicht, was man da sinnvoll schreiben sollte. Was immer am Dienstag passiert, kann schon am Mittwoch irrelevante Geschichte sein.

Es ist für uns viel besser unsere Kraft nicht zu früh zu verbrauchen, tief einzuatmen und uns auf den großen Sprung am Mittwoch Morgen vorzubereiten.

Weil das so ist, lasse ich nicht nur den Stream am Dienstag ausfallen, sondern wälze mich am Mittwoch früher aus dem Bett und schreibe am Morgen gegen 9-10 Uhr MEZ eine Einschätzung der Lage nach den ersten Ergebnissen. Der Stream am Mittwoch Nachmittag rundet das dann ab.

Heute sehen wir nach der desaströsen Vorwoche deutliche Stärke im Markt. Ich glaube wie gesagt nicht, dass das viel direktionale Bedeutung hat, ich habe aber eine starke Vermutung woran das liegt.

Es ist vermutlich die Reflexivität des Marktes, der ja auch sieht was wir sehen. Und was ich gesehen habe, war ja diese offensichtliche Chance für eine Erleichterungsreaktion nach der Wahl, die durch die in der letzten Woche eingebackenen Sorgen eher größer und nicht kleiner geworden ist.

Ich gehe als Vermutung davon aus, dass hier Marktteilnehmer den gleichen Gedanken haben und sich frühzeitig positionieren wollen. Die Abgaben der letzten Woche sind nach der Logik eine Chance, die man nicht verstreichen lassen darf.

Letztlich ist das aber alles Antizipation im Ungewissen und ich werde mich jetzt nicht mehr exponieren und einfach schauen was am Mittwoch passiert. Dann erst fange ich an Schlüsse zu ziehen. Allerdings habe ich meine Hedges von letztem Montag heute schon temporär geschlossen und die "Gewinne" als Ausgleich zu den Aktien des Depots mitgenommen. Ich bin aber jederzeit bereit diese wieder hochzuziehen und werde das kurz vor der Wahl wohl auch so oder so über die Nacht machen, dann sehen wir weiter.

Im Daily des SPY sieht die heutige Bewegung noch sehr schultzerzuckend aus:

Im Hourly des Futures kann man sich den Eindrucks einer beginnenden Wende nach oben aber nicht ganz entziehen:

Rätsel zum Knobeln bei Dollar und Gold ZH4

Euro, Dollar und Gold sind im Daily in die Wahl hinein weiter ohne klare Richtung, bieten uns im Weekly aber ein Rätsel zum Knobeln.

EURUSD sieht tendentiell nach einer möglichen Topbildung aus, XAUUSD für Gold aber eher nach einer Fortsetzung nach oben, also einer gesunden Konsolidierung.

Dummerweise passt ein steigender Dollar und steigendes Gold gleichzeitig nicht richtig zusammen, weswegen tendentiell eine der beiden Interpretationen falsch sein muss - das Rätsel zum Knobeln. 😉

Ich selber verwende da keine Energie darauf, nach der Wahl wissen wir wahrscheinlich mehr:

Elternbrief

Letzten Mittwoch habe ich mich ja in -> Das Land dreht durch <- mal wieder über das Schulsystem ausgelassen und wie ich es hier in Bayern erlebe.

Was aus den Kulturbehörden kommt, ist ein einziges Desaster - man könnte es auch *Arbeitsverweigerung* nennen und *dogmatisches, stures Festhalten von Betonköpfen*, denn die Zeit des Sommers wurde vergeudet, nichts wurde geändert und das kranke System wird an den Eltern und Kindern ausgelassen.

Hauptsache man kann den völlig überladenen und teilweise weltfremden Stoff abhaken und Noten drankleben, die im "Bullemie-Lernen" von den Kindern reingeschlungen und danach im Sinne Vergessen erbrochen werden. Mit Bildung hat das nichts mehr zu tun und wer als Kind keine Eltern hat, die richtig helfen können, ist in der Regel schlicht verloren.

Wenn dieses System etwas bewirkt, dann den Kindern die Lust am Lernen und Entdecken zuverlässig auszutreiben, meinen Glückwunsch an die Kultusbürokraten!

Da geht mir -> dieser heutige, offene Brandbrief des bayrischen Elternverbandes <- natürlich runter wie Honig, weil ich sehe dass ich bei Weitem nicht der Einzige bin, der das so skandalös empfindet, was hier passiert. Ich kann das in weiten Teilen unterschreiben, man muss wohl mal mit Mistgabeln ins Kultusministerium, um das faule, dogmatische Sitzfleisch in Bewegung zu setzen. Zitat:

Seit den Sommerferien wird geprüft, was die rote Tinte hergibt – als drohe der Notenschluss binnen Wochenfrist: Exen bereits in der ersten Schulwoche, fünf Stegreifaufgaben an einem Zehnstundentag in der Mittelstufe, Schularbeiten in einer Dichte wie nie gehabt, alte Vereinbarungen zur Entzerrung der Schulaufgaben werden ohne Konsultation der Schulforen über den Haufen geworfen! Die Lehrerschaft soll um das goldene Kalb der Notengebung tanzen und kann sich dadurch auf das, was wirklich wesentliche Bildung ist, nicht konzentrieren.

Sic!

ETFs zur Lage

Hier vor der Wahl ein paar interessante ETFs mit der Ausgangslage:

China (ASHR) ZH4

Chinas ASHR sieht recht gut aus und schmilzt ohne Korrektur hoch. Kein Wunder, da die Corona-Lage im Land im Griff zu sein scheint. Mit Vorbehalt natürlich, in einem Land der zentral gelenkten Medien mit Scans und Zensur überall, muss man alle Eindrücke mit einem Disclaimer versehen:

Clean Energy (ICLN) ZH3

Der "Biden-Trade" Clean Energy hat im Daily mustergültig konsolidiert und sieht technisch eher nach Fortsetzung aus. Wenn Biden gewinnt, wird das wohl auch passieren, zumindest in Form eines finalen Freudenschubes:

Öl & Gas (XLE) ZH3

Der "Trump-Trade" Öl&Gas hat zur Wahl die Chance auf eine Überraschung. Selbst ein Sieg Bidens sollte hier vermutlich nicht mehr viel Downside bedeuten, weil eingepreist. Wir haben zwar einen unveränderten Abwärtstrend und sind im Bereich der reinen Antizipation, aber ich nehme den dritten positiven Tag in Folge im XLE zur Kenntnis, etwas was wir monatelang nicht hatten:

Chipaktien (SOXX) ZH3

Die Semiconductor haben auch konsolidiert, sind aber bisher im Aufwärtstrend geblieben. Der Sektor sollte relativ unbetroffen von der Wahl sein, ein Sieg Bidens könnte sogar auch seine positiven Seiten haben, weil die Vermutung existiert, dass der Handelskrieg mit China dann nicht weiter eskaliert. Ob die Vermutung berechtigt ist wird sich zeigen, aber zumindest existiert diese Annahme.

Aerospace & Defense (ITA) ZH4

Eine Menge "Biden-Blues" sollte im ITA eingepreist sein. Natürlich leidet der Sektor auch unter der Baisse der zivilen Luftfahrt durch Covid, aber die Erwartung geringerer Budgets des Pentagons unter den Demokraten ist auch Thema.

Bei einem überraschenden Sieg Trumps ist der Sektor ein Kandidat für Freudensprünge. Bei einem Sieg Bidens passiert hier nichts, bis es im neuen Jahr einen neuen Verteidungsminister und damit verbunden eine greifbare Verteidigungs-Policy der neuen Regierung gibt:

Letzte Meldung vor dem Tunnel

So liebe Mitglieder, das ist die letzte Meldung hier vor dem dunklen Tunnel der Wahlnacht, wenn wir dann am Mittwoch Morgen wieder das Licht sehen, ist alles anders oder auch nicht. 😛

Der Markt scheint seine heutige Stärke halten zu wollen, ich messe dem Geschehen heute und morgen aber keine Bedeutung und keine besondere Aufmerksamkeit zu.

Da bleibt mir nur "Q" aus der TNG Folge zu zitieren, in der die Menschheit das erste Mal den Borg begegnet:

Con permiso, Capitan. The hall is rented, the orchestra engaged. It's now time to see if you can dance.

In diesem Sinne sehen wir uns am Mittwoch Morgen im Delta-Quadranten zum Tanz mit dem Unbekannten wieder - Engage!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Hari Live Stream 23.09.20

Immer noch unklar

Die unklare, kurzfristige Lage setzt sich fort, nichts an diesem Rebound ist so überzeugend, dass man daraus zwingend ein Ende der Korrektur ableiten könnte.

Der Eindruck drängt sich zunehmend auf, dass sich diese unklare Lage in diesem Quartal auch nicht mehr klärt und es dafür das neue Quartal braucht.

Im Daily, mit der gestern gezeigten Projektion sieht das dann so aus. Wenn die Projektion recht hätte, würde es nun bald wieder abwärts gehen. Wenn nicht, ist auch das eine Botschaft:

Palantir Börsengang

Bei Hensoldt ist heute meines Wissens der letzte Tag der Zeichnungsfrist.

Aber auch -> Palantir <- kommt nächste Woche via Direktplatzierung - also ohne Möglichkeit der Zeichnung für kleine Anleger - an die Börse.

Das ist kein Problem, denn das was wir bisher an Zahlenwerk sehen, ist wenig beeindruckend - zumindest für mich. Da war die Geheimnistuerei größer als der wirtschaftliche Erfolg.

Aber das wird die Börsen ja nicht wirklich bewegen, sondern die Erwartungen was daraus werden kann. Und schon gehen -> solche positive Erwartungen <- herum. Und wir wissen ja, dass das durchaus zu einem "chasen" der Bullen führen kann, also stark steigenden Kursen, weil die Erwartungen "to the moon" gehen.

Mein Fazit daraus ist, dass ich Hensoldt fundamental fassen kann und mich mit der IPO-Spanne halbwegs sinnvoll bedient fühle.

Palantir kann ich dagegen nicht fassen, das ist reine Erwartung und insofern sollte man die Aktie wie einen Momentum-Trade behandeln. Wenn sie rennt, dann rennt sie halt und man reitet den Bronco. Aber eine fundamentale Meinung habe ich dazu nicht, zu intransparent ist mir das noch. Die Frage steht im Raum, warum die großen Erwartungen denn vor dem IPO nicht besser erfüllt werden konnten?

NASDAQ ETF QQQ ZH3

Für die Tech-Aktien ist das nun ein wichtiger Moment. Die Gegenbewegung ist von unten gegen die 50-Tage-Linie gelaufen, das aber unter *fallendem* Volumen. Und es wurde keinerlei höheres Verlaufshoch gebildet, der Abwärtstrend ist bisher intakt.

Nun fallen die Kurse heute initial wieder. Der NASDAQ *muss* jetzt also schleunigst und überzeugend die 50-Tage-Linie nehmen, sonst sollten wir davon ausgehen, dass wir hier nur einen bärischen Bounce gesehen haben, bevor die Korrektur weitergeht:

Aktien des Tages ZH3

Auch an so einem diffusen, eher negativen Handelstag, gibt es Aktien des Tages auf der Long-Seite:

Nike (NKE)

Nike liefert exzellente Zahlen zum Online-Verkauf und so sieht das dann aus:

Bei NKE sieht man übrigens auch schön, warum ich die Volumenfarbgebung nach der Intraday-Bewegung nicht mag. NKE ist mit Gapup um fast 10% nach oben geschnellt, da aber im kurzen Handel davon ein wenig abgegeben wurde, ist der Volumenbalken nun rot.

Ich bevorzuge eine Farbdarstellung im Verhältnis zum Vortagesschlusskurs, also inklusiver der Gaps, auch wenn formal gesehen das gezeigte Volumen mit dem Gap nichts zu tun hat. So stelle ich es auch bei Tradingview immer ein.

Das kann jeder halten wie er mag, wir sollten uns dieser Varianz nur bewusst sein.

Zoom (ZM)

Zoom zoomt weiter hoch:

Twitter (TWTR)

Twitter, was ist denn da los? Ist Elliott Management eingestiegen um Jack Dorsey den Marsch zu blasen? Leider profaner, eine Hochstufung:

Western Digital (WDC)

Bei der ausgebombten Dauerenttäuschung WDC kommt heute wieder -> etwas Phantasie herein <-. Eine Hochstufung gibt es auch, aber ich würde da noch deutlich mehr sehen wollen, bevor ich einen neuen Aufwärtstrend ernsthaft erwäge:

Lustig finde ich in dem Zusammenhang -> solche "Analysen" <-. Schauen sie mal auf die Überschrift (60% Potential! = KlickiKlickiKlicki) und den Text (die kurzfristige Story ist hier Alles andere als solide). Äh ja. 😛

Solaredge (SEDG)

SEDG dreht scheinbar da, wo es drehen sollte. Das ist eine technisch interessante Ausgangslage:

Starker Dollar, schwaches Gold ZH3

Vorgestern hatte ich -> hier <- gesagt, dass sich doch immer mehr die Interpretation einer Topbildung bei EURUSD durchsetzt.

Das kann man jetzt als vollendet betrachten:

Passend dazu negiert Gold die Dreiecks-Fortsetzungsstruktur und zwar egal wie man sie zeichnet:

Ojemine die Banken ZH5

Ich will ihnen mal wieder ein Gruselchart zeigen, europäische Banken.

Dabei gewähre ich dem Chart noch die Gnade der logarithmischen Darstellung, linear wäre das noch lustiger:

Wir halten fest, die Banken liegen *unter* den Lehman-Tiefs und fallen markant weiter. Für Anleger sind die Aktien toxischer Giftmüll. Dabei gibt es gar keinen Zweifel, dass ohne eine starken Bankensektor kein Wirtschaftsraum dauerhaft erfolgreich sein kann.

Und nun frage ich sie - sehen sie *irgendwo* in der Politik mal eine Diskussion woran das liegt und wie man das ändern kann? Sehen sie überhaupt mal eine Problembeschreibung?

Natürlich ist die Frage rhetorisch, denn jede Analyse würde zwangsläufig bei der Quelle des Übels, der EZB und ihrer Geldpolitik landen und ist daher sakrosankt, weil Finanzfachfrau Angela endgültig beschieden hat, dass Europa ohne den Euro scheitert.

Kann es aber nicht sein, dass Europa schon längst scheitert - mit dem Euro? Und was passiert eigentlich wenn die Banken gegen Null fallen, werden die dann alle gegenseitig aufgekauft und am Ende bleibt eine Staatsbank des Paradies der Werktätigen? Fragen über Fragen.

Nachsicht und Abschluss ZH1 ZH3

Haben sie Nachsicht liebe Mitglieder, an diesem diffusen Börsentag fällt mir echt nichts ein und dann muss ich auch nichts erfinden.

Ich habe weiter oben Anhand des QQQ das Problem beschrieben und genau das passiert, der Bounce scheitert - zumindest zunächst - an der 50-Tage-Linie.

Wir haben jetzt seit 2 Wochen keine wirklich überzeugende Price-Action mehr gesehen und damit haben wir eine Art Schaukeltrend abwärts etabliert. Und wie bei allen Trends tun wir gut daran, von der Fortsetzung auszugehen, bis wie eines Anderen belehrt werden.

Ich habe zunehmend Zweifel ob wir vor dem 4. Quartal noch etwas Anderes sehen und diese Projektion ist damit weiter im Spiel:

Ich habe schon oft gepredigt, dass wir unsere Energie nicht in Phasen vergeuden dürfen, in denen es nicht viel zu holen gibt. Das ist so eine Phase. Sparen wir unsere Energie für den Moment auf, wenn dieses Abwärtsschaukeln endet.

Damit schliesse ich und mache Sinnvolleres, als auf dieses Geschehen zu schauen. Bis Morgen!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Hari Live Stream 12.12.19



15:15 MEZ

Ich schaue mit dem Ohr und einem Auge Lagarde bei ihrer ersten EZB-Pressekonferenz zu, die aktuell noch läuft. Inhaltlich gibt es natürlich nicht viel Neues. Der Markt ist vor allem an einer potentiellen Richtungsänderung interessiert, die vielleicht aus dem neuen "Strategic Review" resultieren könnte. Und natürlich hält sie sich dabei bedeckt.

Vom Stil her hat es mir gut gefallen, direkt, den Zuhörern wirklich in die Augen schauend, während Draghi immer irgendwie in seiner eigenen Welt wirkte und anderes schlicht weggebügelt hat - whatever it takes sozusagen. Lagarde argumentiert spachlich klar, präzise, ruhig - so muss das sein. Kommunikationstechnisch ein guter Auftritt.

Schlimm ist natürlich, dass "Climate Chance" nun als Thema Teil des Strategic Review sein soll. Das ist in meinen Augen ein Verstoss gegen alles, was mit Geldpolitik zu tun hat. Wie schon so oft in den letzten Jahren, werden hier wieder unterschiedliche Aufgaben unterschiedlicher Institutionen miteinander verwurschelt, so wie das auch gerne in unserem Förderalismus gemacht wird, wo auch alles so mit allem verschwurbelt ist, dass es keine klaren Verantwortlichkeiten zwischen Gemeinden, Ländern und Bund mehr gibt.

Der Klimawandel ist Aufgabe der Politik, nicht der Zentralbank oder der Geldpolitik. Wenn doch, warum wird das Mandat der Zentralbank dann nicht gleich auf Armut, Bildung, Verteidigung, Weltpolitik etc ausgedehnt? Wozu brauchen wir dann Politik überhaupt noch, wir haben dann doch schon eine Technokratenregierung im EZB-Turm?

Was macht das Thema "Climate Chance" wichtiger als Abrüstungspolitik oder gesundheitlicher Fortschritt? Sollte die EZB also ihre Anleihenkäufe jetzt auch danach richten, ob ein Unternehmen Waffen herstellt und Medikamente in die dritte Welt verschenkt? Bekommen wir auch bei der Geldpolitik nun eine Gesinnungsethik, ein Gesinnungs-Mandat sozusagen?

Es schaudert mich dabei, auch das ist eine Facette des in Kerneuropa immer mehr vorherrschenden Jakobinertums. Die ganze Richtung passt mir gar nicht, damit bin ich in der öffentlichen Diskussion aber chancenlos, weil den normalen Bürger das nicht interessiert und er Ordnungspolitik auch nicht versteht. Alles zu abstrakt.

Was mir aber passt, ist die Person Lagarde in ihrem Auftritt, der nicht mehr von der süffisanten Arroganz Draghis geprägt ist. Immerhin ein Fortschritt. 😉

Ich glaube es war im Forum, rein aus der Erinnerung heraus und ohne Gewähr, dass jemand mit Kontakt in die EZB berichtet hat, dass mit Lagarde wieder das förmlichere "Frau Präsident" in die interne Kommunikation eingeführt wird, während Draghi sich hat dutzen lassen.

Mir gefällt das, dieses "Du" ist bei Leuten wie Draghi doch nur billige Fassade. Mir ist eine Präsidentin lieber, die intern ein wenig auf Stil und Form achtet und Dritten gegenüber aufgeschlossen agiert, als ein vermeintlich kumpelhafter Präsident, der aber in Wirklichkeit mit Macht und Druck operiert und abweichende Meinungen diszipliniert - was wir am Ausbruch an "Meinung" innerhalb des Direktoriums nach Draghis Abgang ja erlebt haben. Sie erinnern sich vielleicht an die Mäuse, die auf dem Tisch zu tanzen beginnen, nachdem der Kater das Haus verlassen hat.

15:20 MEZ - ZH2

Die US Futures interessiert das Geschehen bei der EZB nicht, auch die FED gestern war wie erwartet eher ein "Non-Event". Hier wartet alles auf die ersten Nachrichten zum Handelskonflikt.

Es ist zu befürchten, dass die erst am Wochenende kommen und wir am Montag so oder mit einem Gap leben müssen:

15:25 MEZ - ZH3 - ZH4

Was aber seit gestern eine Chance auf eine Trendwende hat, ist der Euro. Auslöser war Dollarschwäche die während Powells-Rede auftrat, Lagarde hat das heute aber nicht abgewürgt.

Schauen Sie auf das Chart und warten wir ab. Noch ist es nicht so weit, aber das ist ein Thema, das hier wichtig werden könnten. Wir haben jetzt lange, lange mit einem starken Dollar und schwachen Euro gelebt, eine Änderung würde sich vielfältig auswirken.

Kleine Leuchtürme dabei sind auch so Nachrichten, wie dass Schweden hier den -> Ausstieg aus den Minuszinsen <- wagt. Es sind manchmal die kleinen Vorreiter, die von einer Trendwende künden.

15:40 MEZ - ZH1

Der Markt wird gleich um 15:35 -> ge-trumpt <-

Getting VERY close to a BIG DEAL with China. They want it, and so do we!

Hallelujah! 😛

Wehe da geht dann am Wochenende was schief. Wenn Trump Lust auf einen Short hat, ist das die ideale Voraussetzung, den Markt so ins Wochenende zu schicken. 😉

15:50 MEZ - ZH3

Siltronic (WAF) - Nein das ist kein "siehste" Post, mit dem ich mir selber auf die Schulter klopfe. Es gelingt auch nicht immer alles.

Ich will Ihnen aber vermitteln, dass man so Dinger in der Entwicklung antizipieren kann und dass hier wieder bewiesen wurde, dass so ein erster Schub oft ein Anfang ist und kein Ende. Lesen Sie einfach meine Kommentierung der letzten Tage, gestern und auch davor:

Das können Sie auch, das kann man lernen. Sie müssen "nur" Ihr Auge auf die richtigen, profitablen Muster trainieren.

16:10 MEZ - ZH1 - ZH3

Der DAX, der ja besonders von einem offenen Welthandel abhängt, reagiert auf Trumps Tweet auch mit Begeisterung:

Schauen Sie mal, wo wir jetzt sind und was ich zur Parallelität dieser Formation mit der letzten gesagt hatte:

16:30 MEZ - ZH3 - ZH4

Man mag es kaum sagen, aber General Electric (GE) sieht vom Chart her jetzt wirklich interessant und nach Wende bis ca. 14 USD aus. Ein UBS-Analyst hat -> heute mitgeholfen <-:

16:40 MEZ - ZH4

Der Semiconductor-Sektor, hier im ETF SOXX, ist einfach gnadenlos. Das sind wirklich die -> Fördertürme des 21. Jahrhunderts <-

Auch dieser Trend wird irgendwann enden, aber solange bekämpfen wir ihn nicht und folgen ihm. Eigentlich "ganz einfach", man muss es nur tun und da ist die Schwierigkeit. Wer hat sich wirklich schon vor einem Jahr eingedeckt und die Schwäche des 4. Quartals zum Ausbau der Positionen genutzt?

Da liegt das Problem, hinterher sieht alles immer so klar aus, dabei war der Rebound bei dem Sektor so klar, wie nur etwas geht. Nur ob es vorher nicht noch ein gutes Stück weiter herunter geht, das konnte man im 4. Quartal 2018 nicht wissen. Aber im Januar 2019, da war der Zeitpunkt gekommen, das Herz in beide Hände zu nehmen und zuzupacken:

17:10 MEZ - ZH3

Heute ist überall Party, da kann man fast überall hinschauen, die MarketMap kündet davon. Heute Nacht mit der Wahl in UK und am Wochenende zum Thema Handel, ist damit natürlich auch ein markantes Enttäuschungspotential vorhanden.

Denn in beiden Fällen, hat der Markt jetzt schon den für ihn positiven Fall teilweise eingepreist. Eine Bestätigung, wäre wohl trotzdem noch einmal für einen Schub gut, aber was bei einer Enttäuschung passiert, das ist die große Frage. Ebenso wie das Risiko einer "Sell the News" Reaktion auf einen mickrigen "Big Deal" offen ist, in dem nur die Menge der von China gekauften Soja-Bohnen gross ist, sonst aber nichts Substantielles vereinbart wurde.

Trotzdem hier mal vier schöne Bewegungen des heutigen Tages:

Wynn Resorts (WYNN):

Micron (MU):

Bausch Health (BHC) - ein sehr schönes Beispiel des "Hochschmelzen unter steigendem Volumen" Szenarios:

Ciena (CIEN):

17:40 MEZ

Zum Thema Elektromobilität sieht man hier, dass eben mehr Technologie hinter dem Thema ist, als einfach eine beliebige Batterie in ein Auto zu packen:

-> Porsche vs Tesla Reichweiten-Rennen <-

17:45 MEZ - ZH3

Einfach nur nachrichtlich die OHB SE, weil es so faszinierend ist. Ich habe darüber zuletzt mehrfach geschrieben:

Schauen Sie auf das *steigende* Volumen in der Bewegung!

Man könnte auch sagen, dass ist die Folge davon, wenn jemand Raketen herstellt. 😉

Das ist gar nicht so abwegig, die Bewegung begann als klar wurde, dass OHB nun auch Kleinraketen bauen wird und nach einem Weltraum-Bahnhof in Deutschland sucht. Denn damit entsteht ein ganz neues Geschäftsfeld, über den bisherigen Satellitenbau hinaus.
-> Das hier <- war die Meldung am 03. Oktober.

Trotzdem ist das eine Bewegung, die mehr ist, als man sich selbst nach diesem Dreieck vorstellen konnte. Ein weiteres Beispiel dafür, warum wir bei starken Ausbrüchen und Bewegungen nicht nach einem Top herumraten, sondern einfach per Trailing-Stop folgen. Der Markt sagt uns dann schon, wann die Bewegung ans Ende kommt.

18:00 MEZ - ZH1

Die Gewinne des Tages bröseln wieder leicht, weil jeder ist sich der Risiken bewusst und Trumps Glaubwürdigkeit bei Einzeilen-Tweets ist sowieso nicht sehr hoch.

Das ist aber eher gut, wenn der Markt jetzt durchweg feiern würde, wäre das als Ausgangslage schwieriger.

Wir können uns darauf verlassen, dass da noch weitere so Schnipsel kommen und die Wahrheit erfahren wir dann am Wochenende. Der Markt ist optimistisch und der hat meistens Recht, aber in solchen Fragen nicht immer, er kennt die Zukunft auch nicht.

Recht hat der Markt dagegen immer bei der Bewertung der Gegenwart, des bekannten Wissens, da sollte man mit ihm nicht diskutieren.

In Europa hat man nun auch die Wahrheit erkannt:
-> Ohne Kernenergie, erreichen wir die Klimaneutralität nicht <-

Dagegen sind Luxembourg, die vergessen wir mal, Österreich, das derzeit nur eine geschäftsführende Regierung hat, durch das Glück der Berge und ihrer Wasserkraft sowieso in einer nicht kopierbaren Sondersituation ist und wer weiss außerdem, wie Kunz dazu steht? Und dann bleibt .... na wer wohl .... das Land der Physikerin im Kanzleramt.

Wenn ich ihr zu Gute halte, dass sie als Physikerin auch weiss, dass Grundlast nicht einfach aus frommen Wünschen, Luft und Liebe entsteht, bleiben nur machttaktische Erwägungen für diese Haltung. Sie wissen, wie ich bei zentralen Fragen wie unserer Energieversorgung, über solches Verhalten denke.

Damit schliesse ich für heute, Morgen Vormittag kommt ein Dies&Das mit Review der Wahl in UK. Darauf sollten wir nun auch unser Augenmerk richten, der Brexit hat für uns hier in Mitteleuropa schon Bedeutung.

Bis Morgen!

Ihr Hari

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Pfingstausblick



In diesem abschliessenden Artikel vor meinem 2-wöchigen Ferienmodus in den bayrischen Pfingstferien, will ich versuchen, Ihnen einen zusammenfassenden Lagebericht und groben Ausblick auf die kommende Woche zu geben.

Wie immer im Ferienmodus, bin ich in den kommenden beiden Wochen zwar weiter präsent, mache im Blog aber nur das Nötigste und befreie mich vor allem von der Pflicht täglich zu schreiben. Vielleicht kommt mal ein Artikel hier und da, vielleicht auch nicht, diese Freiheit von der Verpflichtung nehme ich mir aber und ist auch dringend nötig, damit es danach auch wieder Spaß macht.

Rechnen Sie also mit nicht mehr als 1-2 Lebenszeichen pro Woche von mir, ins Forum schaue ich sicher einmal am Tag, das aber auch ohne festen Rahmen. Ab 24.06. ist der Blog dann bis zum Beginn der Sommerferien am 26.07. wieder im Normalmodus.

Die Lage ist derzeit so komplex und voller verschiedener Einflussfaktoren, dass ich diese nun Schritt für Schritt mit Ihnen durchgehen möchte.

Zunächst einmal hatten wir gestern keine Einigung zum Thema Mexiko, diese ist auf heute vertagt. Die Futures am frühen Morgen weisen eher leicht nach oben, man kann also festhalten, dass der Markt von einer Einigung überzeugt ist:

Wir sehen, dass der SPY jetzt schon *oberhalb* der Niveaus notiert, die er hatte als die Zolldrohungen in Richtung Mexiko in den Markt kamen. Das schafft durchaus ein taktisches Problem.

Denn wenn es heute zu einer Einigung kommt und die Zölle am Montag nicht in Kraft treten, dürfte der positive Effekt begrenzt sein, weil schon weitgehend verfrühstückt. Einen langfristig positiven Effekt gibt es noch, weil Trump damit zeigt, dass er Handelskriege nicht nur beginnen, sondern auch beenden kann. Wie stark der sich aber auswirkt, erscheint unklar.

Wenn dagegen heute die Lage eskaliert, muss man mit einer Enttäuschungsreaktion rechnen, zumal der Bounce nun sowieso das Niveau erreicht hat, an dem er wieder zusammenfallen *könnte* - Konjunktiv.

In diesem Zusammenhang möchte ich Sie noch auf ein spezielles Pfingst-Risiko aufmerksam machen, das Sie in Ihre Überlegungen einbeziehen sollten.

Denn am Pfingstmontag sind in Deutschland, Schweiz und Österreich die Börsen geschlossen. Wer also nur über "normale" Direktbanken einen Marktzugang besitzt, dürfte am Pfingstmontag handlungsunfähig sein, weil selbst Kurse von Derivaten auf die US Indizes dann nicht gestellt werden.

Fast überall sonst in der Welt, in Asien wie an der Wallstreet, wird aber gehandelt. Wenn der Markt am Montag also eine starke Bewegung zeigen sollte, sind nur die handlungsfähig, die bei internationalen Brokern wie IB ein Depot haben. Berücksichtigen Sie das unbedingt bei Ihren Planungen.

Neben dem Thema Mexiko, wird heute um 14:30 MEZ der große US Arbeitsmarktbericht die Kurse bewegen. Denn aus den Arbeitsmarktdaten wird das Verhalten der FED extrapoliert und da hat der Markt ja zumindest eine Zinssenkung in 2019 nun schon fest eingeplant, hat aber noch *keine* starke Rezession eingepreist.

Daraus folgt meine Erwartung, wie der Markt auf die Arbeitsmarktdaten reagieren wird.

Optimal wären ganz leicht schwächere Werte, die kein wirkliches Problem darstellen, die Zinssenkungsphantasie aber erhalten - das wäre sozusagen "Goldilock". Auch noch OK, wären wohl leicht stärkere Werte als erwartet.

Problematisch wären zu starke Werte, die die Zinssenkungs-Phantasie wieder aus dem Markt nehmen, ebenso wie extrem schwache Werte, die den Gedanken an eine Rezession wieder in den Vordergrund schieben.

Heute Nachmittag sollten die Bullen also auf einen moderaten Arbeitsmarktbericht ohne Überraschungen hoffen.

Womit wir bei der Frage sind, auf welche Ausgangslage in den Indizes dieser Bericht trifft? Hier ist sie:

Der SPY ist nun also genau in der Zielzone zwischen Abwärtstrendlinie und 50-Tage-Linie, in der eine Wende nach unten logisch wäre und ein Ausbruch nach oben das Modell eines reinen Bounce in Frage stellen würde.

Gleichzeitig ist das Sentiment immer noch vorsichtig und insofern eher bullisch, aber auch nicht so extrem, dass man daraus zwingend weiter steigende Kurse herleiten muss:

Es bleibt also dabei, dass uns nichts und niemand diesen unmittelbaren Ausgang bis Montag vorhersagen kann, bereiten wir uns auf beide Szenarien vor und legen uns zurecht, wie wir uns dann verhalten wollen.

Wenn ich nun den Blick weite und meine große, bekannte Projektionen zum Jahresende für die kommenden Wochen detailliere, dann fallen mir 2 grobe Szenarien ein.

Im ersten, negativen Fall, ist das was wir sehen tatsächlich nur ein Bärenmarkt-Bounce, der nun bald zusammenfallen wird.

Dann kann man sich so einen Verlauf gut vorstellen, der bis zur 2.600er Widerstandszone herunter geht und erst Ende Juni mit dem G20 Gipfel in Osaka und dem Treffen Trump-Xi ein Ende findet.

Natürlich kann es dann auch erst so richtig abkippen, wenn die beiden sich im Streit trennen, aber das erzeugt zu viele Varianten und zu viel der Spekulation, über diese Brücke gehen wir, wenn wir vor ihr stehen. Wenn wir heute davon ausgehen, dass Ende Juni eine Chance darstellt, ist so ein Verlauf im bärischen Fall logisch und deckt sich mit meiner bekannten Jahresprojektion.

Im zweiten, positiven Fall, hält dieser Bounce und die Tiefs liegen mit ca. 8% Minus schon hinter uns. Dann würde ich aber trotzdem nicht von einem sofortigen Lauf zu den Hochs ausgehen, das bräuchte wirklich gute Nachrichten zum Handel, die aber vor Ende Juni wohl unrealistisch sind.

Dann erscheint - bei angenommen positiven Signalen vom Gipfel - so ein Verlauf denkbar:

Sie sehen, selbst dann gehe ich nicht von einem "V" zu den Hochs aus, womit das wirkliche Überraschungs-Risiko im Markt präzise beschrieben ist.

Denn das Überraschungs-Risiko ist nicht ein markanter Einbruch, mit dem rechnen viele derzeit und sind skeptisch. Es ist eine plötzliche, bullische Expansion, obwohl das Handelsthema nicht gelöst ist.

Ich sage nicht dass diese kommt, genau genommen weiss ich nicht, woher sie kommen sollte - deswegen male ich die Projektion ja wie oben und habe auch im positiven Fall nur eine Seitwärtsbewegung zu bieten.

Aber da ich mich damit wohl im Konsens bewege, ist das Risiko eindeutig, dass ich hier zu pessimistisch bin.

Wie auch immer, ich hoffe die obigen Worte geben Ihnen ein Gefühl dafür, womit Sie sich potentiell in den beiden kommenden Wochen auseinander setzen müssen, die dann langsam zum G20 Ende Juni führen.

Am 19.06. ist dann übrigens auch noch eine FED-Sitzung, nur damit Ihnen nicht langweilig wird. 😉

Noch ein kurzer Blick auf den DAX offenbart uns, dass dieser in den letzten Tagen große Unsicherheit an den Tag gelegt hat. Auch heute vormittag schwankt er in Erwartung des Kommenden recht volatil um 12.000 und ist bereit für eine starke Bewegung.

Wenn wir aber berücksichtigen, dass zum Beispiel heute miese Wirtschaftszahlen herein kamen und auch -> die Bundesbank die Wachstumsprognose deutlich senkt <-, muss man das als relative Stärke betrachten.

Es scheint mal wieder so zu sein, dass der kluge Markt diese Schwäche zumindest teilweise schon in die Kurse eingepflegt hat, so schwierig war und ist es ja wahrlich auch nicht, Deutschland eine negative Fortführungsprognose auszustellen.

Im Saldo will ich nicht versuchen, den volatilen "Pudding-DAX" mit einer Projektion an die Wand zu nageln, wenn mich aber jemand mit einer Pistole an der Schläfe zwingen würde, mich hier für eine Richtung zu entscheiden, würde ich beim DAX nun eher nach oben tippen.

EURUSD kämpft übrigens immer noch mit dem fallenden Trendkanal, das ist im Auge zu behalten, weil hier tatsächliche die Chance auf eine Trendwende existiert. Trotzdem rate ich dringend dazu, diese erst Realität werden zu lassen, bevor man hier Schlüsse zieht.

FED wie EZB sind im Race-to-the-Bottom, die Frage ist nur, wer schneller und aggressiver agiert. Und da die FED mehr Potential nach unten hat, scheint der Markt nun vielleicht die Chance auf ein steigenden EURUSD Währungspaar zu sehen.

Das macht Sinn, kann sich aber schnell mit einem starken Arbeitsmarktbericht heute Nachmittag ändern, der die Zinssenkungserwartungen des Marktes an die FED wieder dämpft.

So weit zur Lage, wie ich sie am heutigen Freitag Vromittag sehe.

Damit endet dieser Pfingstausblick, ich wünsche Ihnen heute Nachmittag nach den Arbeitsmarktdaten gute Entscheidungen!

Und in den kommenden beiden Wochen wünsche ich Ihnen auch: Schöne, erholsame Ferien!

Ihr Hari

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Europa, der Euro und die Trauerarbeit

Dieses Wochenende ist Europawahl. Schon vor 3 Wochen habe ich hier beschrieben, -> was mich an der real existierenden EU nervt <-.

Heute möchte ich ergänzend noch eine Abhandlung zu Währungen im Allgemeinen und dem Euro im Speziellen mit Ihnen teilen. Diese wurde schon am 21.02. im Premium-Bereich veröffentlicht und erklärt wie Währungen funktionieren und welche Effekte im Speziellen der Euro hat.

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Zuletzt wurde mir wieder bewusst, dass der Euro am 01.01.2002 eingeführt wurde und nun also als einzige Währung 17 Jahre unter uns ist, als Doppelwährung in Form von Buchgeld, sogar schon seit 20 Jahren.

Wenn man davon ausgeht, dass Menschen sich bis sie ca. 20 Jahre alt sind, nur höchst selten für solche trockenen Themen interessieren - da pulsen eher die Hormone 😛 - gibt es mittlerweile viele Leser hier bis ca. einem Alter von 40 Jahren, die in ihrem Leben nie bewusst eine andere Währung und ihre Mechanismen erlebt haben - für die "Geld" und "Währung" in ihrem erwachsenen Leben also immer mit dem Euro gleichbedeutend waren.

Auch der Fehler, dass man "Wert" von Dingen automatisch in Euro ausdrückt, ohne sich bewusst zu machen, dass Währungen keinen Wert haben und selber der Maßstab sind, ist die Folge davon, dass man nie den aktiven Umgang mit anderen Währungen und Wechselkursen erlebt hat.

Glauben Sie mir, jemand in Venezuela weiss dagegen immer auch, was eine Sache in Dollar "wert" ist, auch wenn die Währung dort gar kein Zahlungsmittel ist. 😉

Da erscheint es mir doch sinnvoll, der Frage von Währungen mal auf den Grund zu gehen. Wir fragen uns also:

Wat is ene starke Währung und warum is det gut? Da stelle mer uns janz dumm.....

Zunächst einmal ganz wichtig, keine Währung hat einen Wert an sich, weil Wert ja immer in Währung ausgedrückt wird. Währung ist selber der Maßstab für Wert. Man kann die Länge eines Meters auch nicht in Metern ausdrücken, da wäre das Ergebnis immer 1.

Eine Aussage, dass eine Ware soundsoviel "wert" ist, ist also genau genommen sinnlos, ohne zu sagen in welcher Währung - außer der Gegenüber geht auch ganz selbstverständlich von der gleichen Währung aus. Und auch die Aussage, dass etwas "teurer" wurde ist so sinnlos, denn wenn eine Währung abwertet, kann etwas darin "teuer werden" und in einer anderen Währung trotzdem "billiger".

Es gibt bei Währungen einfach keinen objektiven, absoluten Maßstab für Wert, nur relativ zueinander, als Währungspaar wie EURUSD, kann man die relativen Wertveränderungen ausdrücken.

Einem idealen, objektiven Maßstab, kommen zwei Dinge noch am Nächsten. Einerseits Gold und Silber das -> alteste Geld der Welt <-. Andererseits die -> Sonderziehungsrechte des IWF <-, die so etwas wie ein Durchschnitt der großen Weltwährungen sind.

Für unsere täglichen Zwecke sind beide Maßstäbe aber nicht relevant, weswegen wir den Wert von Geld immer in einer anderen Währung ausdrücken müssen. Währungen haben also immer nur relativ gesehen "Wert". Daher die Währungspaare wie EURUSD oder eben XAUUSD für Gold in Dollar.

Wenn man das verstanden hat, wird vieles einfacher. Denn dann wird klar, dass es immer vorteilhaft ist, in einer Währung zu sein, die relativ zu den anderen Währungen an Wert gewinnt.

Und wenn eine Währung wie der Euro durch die Notenbank-Politik abgewertet wird, ist es besser in jeder anderen, relativ stärkeren Währung zu sein. Wenn die eigene Währung stark ist und regelmässig aufwertet, besteht dieser Grund dagegen nicht.

Genau *das* war vor dem Euro die Realität, als die D-Mark permanent zu Franc und Lira aufgewertet hat und in der Stabilität bestenfalls der Schweizer Franken mithalten konnte.

Denn viele europäische Währungen schwangen in freien Wechselkursen zueinander und bildeten die jeweilige Wirtschaftskraft und Solidität des Währungsraumes ab. Und da die D-Mark extrem stark war, wollten alle ihr Geld in D-Mark anlegen und die Lira und den Franc verkaufen.

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Währungen im Allgemeinen und der Euro im Speziellen



Letzten Dienstag, habe ich im Zuge des Artikels "Finanzpolitisches Dynamit" im Forum -> zu einer Erklärung angesetzt <-, die schnell ausuferte und zu einem kleinen "Lehrer Bömmel" Artikel wurde.

Einerseits war diese Erklärung aber zu umfangreich, um im Forum schnell unterzugehen, es gibt sicher einige Mitglieder, die von diesem "Lehrer Bömmel" Artikel profitieren können.

Andererseits wurde mir aber bewusst, dass der Euro am 01.01.2002 eingeführt wurde und nun also als einzige Währung 17 Jahre unter uns ist, als Doppelwährung in Form von Buchgeld, sogar schon seit 20 Jahren.

Wenn man davon ausgeht, dass Menschen sich bis sie ca. 20 Jahre alt sind, nur höchst selten für solche trockenen Themen interessieren - da pulsen eher die Hormone 😛 - gibt es mittlerweile viele Mitglieder hier bis ca. einem Alter von 40 Jahren, die in ihrem Leben nie bewusst eine andere Währung und ihre Mechanismen erlebt haben - für die "Geld" und "Währung" in ihrem erwachsenen Leben also immer mit dem Euro gleichbedeutend waren.

Auch der Fehler, dass man "Wert" von Dingen automatisch in Euro ausdrückt, ohne sich bewusst zu machen, dass Währungen keinen Wert haben und selber der Maßstab sind, ist die Folge davon, dass man nie den aktiven Umgang mit anderen Währungen und Wechselkursen erlebt hat.

Glauben Sie mir, jemand in Venezuela weiss dagegen immer auch, was eine Sache in "Dollar" wert ist, auch wenn die Währung dort gar kein Zahlungsmittel ist. 😉

Da erscheint es mir doch sinnvoll, diesen Text aus dem Forum etwas auszubauen und zu einem vollwertigen Lehrer-Bömmel-Werk zu machen.

Also, wat is ene starke Währung und warum is det gut? Da stelle mer uns janz dumm.....

Zunächst einmal ganz wichtig, keine Währung hat einen Wert an sich, weil Wert ja immer in Währung ausgedrückt wird. Währung ist selber der Maßstab für Wert. Man kann die Länge eines Meters auch nicht in Metern ausdrücken, da wäre das Ergebnis immer 1.

Eine Aussage, dass eine Ware soundsoviel "wert" ist, ist also genau genommen sinnlos, ohne zu sagen in welcher Währung - außer der Gegenüber geht auch ganz selbstverständlich von der gleichen Währung aus. Und auch die Aussage, dass etwas "teurer" wurde ist so sinnlos, denn wenn eine Währung abwertet, kann etwas darin "teuer werden" und in einer anderen Währung trotzdem "billiger".

Es gibt bei Währungen einfach keinen objektiven, absoluten Maßstab für Wert, nur relativ zueinander, als Währungspaar wie EURUSD, kann man die relativen Wertveränderungen ausdrücken.

Einem idealen, objektiven Maßstab, kommen zwei Dinge noch am Nächsten. Einerseits Gold und Silber das -> alteste Geld der Welt <-. Andererseits die -> Sonderziehungsrechte des IWF <-, die so etwas wie ein Durchschnitt der großen Weltwährungen sind.

Für unsere täglichen Zwecke sind beide Maßstäbe aber nicht relevant, weswegen wir den Wert von Geld immer in einer anderen Währung ausdrücken müssen. Währungen haben also immer nur relativ gesehen "Wert". Daher die Währungspaare wie EURUSD oder eben XAUUSD für Gold in Dollar.

Wenn man das verstanden hat, wird vieles einfacher. Denn dann wird klar, dass es immer vorteilhaft ist, in einer Währung zu sein, die relativ zu den anderen Währungen an Wert gewinnt.

Und wenn eine Währung wie der Euro - wie in -> Finanzpolitisches Dynamit <- als Risiko beschrieben - von der Notenbank bewusst abgewertet wird, ist es besser in jeder anderen, relativ stärkeren Währung zu sein.

Wenn die eigene Währung stark ist und regelmässig aufwertet, besteht dieser Grund dagegen nicht.

Genau *das* war vor dem Euro die Realität, als die D-Mark permanent zu Franc und Lira aufgewertet hat und in der Stabilität bestenfalls der Schweizer Franken mithalten konnte.

Denn viele europäische Währungen schwangen in freien Wechselkursen zueinander und bildeten die jeweilige Wirtschaftskraft und Solidität des Währungsraumes ab. Und da die D-Mark extrem stark war, wollten alle ihr Geld in D-Mark anlegen und die Lira und den Franc verkaufen.

Derartige Aufwertungen (der D-Mark) hoben relativ gesehen das Vermögen der D-Mark-Besitzer, weil diese "das Ausland" jedes Jahr billiger kaufen konnten, das galt von Urlaub über Öl bis zu Firmenübernahmen. Sie erschwerten aber auch das Exportgeschäft, weil die Firmen zu höheren Kosten in Niedrigwährungsländer exportieren mussten.

Und derartige Abwertungen aus beispielsweise Sicht der Lira oder des Franc, schafften relativ zu Deutschland gesehen Wohlstandsnachteile bei der italienischen und französischen Bevölkerung, weil alle Importwaren (wie Öl) immer teurer wurden. Sie erleichterten aber das Exportgeschäft, weil die Firmen zu niedrigeren Kosten in Hochwährungsländer exportieren konnten.

Diese Auf- und Abwertungen kamen ja aber nicht aus der Luft und wurden im freien Markt auch nicht von zentralen Planwirtschaftlern in Notenbanktürmen dekretiert, sondern waren Ausdruck der Produktivitätsunterschiede, die mit den Auf- und Abwertungen ausgeglichen wurden. Denn wenn eine Wirtschaft stark ist, wird deren Währung nachgefragt, womit diese steigt.

Diese Steigerung erzeugt aber Anpassungsdruck bei der Wirtschaft, da ihre Exporte im Ausland teurer werden, ein Anpassungsdruck, dem man nur mit höherer Produktivität oder Innovation begegnen kann. Und diese Anstrengungen legen wiederum die Grundlage für die nächste Aufwertungsrunde.

Starke Währungen, schaffen also einen perfekten, positiven Feedbackzyklus, der den Aufstieg der alten Bundesrepublik über 40 Jahre getrieben hat. Das ist wie ein permanentes Fitnesstraining, weil man trainiert wird man stärker und weil man stärker wird, wertet die Währung auf und man muss gegen den Widerstand mehr antrainieren. Und im Gegensatz zum Menschen, geht das in der Wirtschaft tatsächlich theoretisch unbegrenzt, weil Innovation keine Grenze hat.

Schwache Währungen, schaffen dagegen schnelle "Windfall Profits" im Export, lassen die Wirtschaft aber langfristig erschlaffen, weil sich die Waren wegen des niedrigen Preises auch so verkaufen - bis es zu spät ist und die Konkurrenz enteilt.

Diesen Mechanismus schwacher Währungen können wir gerade an Deutschland im Allgemeinen und der Autoindustrie im Speziellen beobachten, die ich gerne als "fette Katzen" bezeichne. Es war durch den relativ schwachen Euro zu lange zu einfach, die Produkte auch ohne Innovation und Produktivitätssteigerungen zu verkaufen. Früher oder später holt einen das aber ein, auch beim Niedergang der einst stolzen italienischen Autoindustrie zu beobachten.

Wichtig ist auf jeden Fall:

Würden schwache Währungen Wohlstand schaffen, wäre Italien im letzten Jahrhundert mit der Lira an Deutschland vorbeigezogen. Das Gegenteil ist volkswirtschaftlich wahr.

Genau deshalb wollten Frankreich und Italien den Euro, um die finanzwirtschaftliche Dominanz der D-Mark zu brechen, während Deutschland als "Deal" nach der Wiedervereinigung, beim Euro nur mitgemacht hat.

Der Euro hat daher vieles verändert. Denn der Euro ist als Durchschnitt über alle, für Lira und Franc relativ gesehen eine Starkwährung, der diesen Ländern mit niedrigeren Zinsen erhebliche Vorteile beim Schuldendienst verschafft hat.

Der Euro ist aber für die D-Mark relativ gesehen eine Weichwährung, die nun nicht mehr den Wohlstand des Individuums fördert, sondern negative Wohlstandseffekte hat.

Und mit dem Euro wurde der Ausgleichsmechanismus der Währungskorrelationen gekappt, die (auch kulturell bedingten) Produktivitätsunterschiede der Länder sind aber geblieben.

Weswegen Firmen nun, wenn sie sowieso überall das Gleiche zahlen müssen, lieber im produktiveren Deutschland ihre Jobs aufbauen, statt im unproduktiven Italien. Und weshalb das Exportgeschäft deutscher Firmen so brummt und in Italien praktisch zusammengebrochen ist.

Damit schafft der Euro in Deutschland ein Beschäftigungswunder und schafft im Mittelmeerraum hohe Arbeitslosigkeiten.

Im Saldo:

macht der Euro also (relativ gesehen) Italiener reich und nimmt ihnen die (zu teuren) Arbeitsplätze.

macht der Euro also (relativ gesehen) Deutsche arm und überschüttet sie mit (zu billigen) Arbeitsplätzen.

Im Saldo *kann das nicht funktionieren* und das wussten auch die Gründerväter. Sie hofften aber, dass der Euro die Integration beschleunigt und wir nun 20 Jahre später schon vereint im Bundesstaat wären mit einheitlicher Wirtschaftssteuerung. Denn nur *so* kann ein gemeinsamer Währungsraum funktionieren, es gibt historisch keine Währungsunion, die ohne einheitliche Finanz- und Wirtschaftssteuerung gehalten hat.

Der Euro war also eine blinde Wette auf die Integration Europas, da er ohne diese gar nicht funktionieren kann. Und genau das ist nicht passiert und wird absehbar nicht mehr passieren.

Weswegen nun nur noch Trauerarbeit und sinnlose Rettungsoperationen zum Euro folgen, die aber durchaus noch 20 Jahre dauern können und solche brachialen Methoden wie -> Finanzpolitisches Dynamit <- mit sich bringen werden. Als Stalingrad vorbei war, selbst als die Heeeresgruppe Mitte 1944 zerschlagen wurde, wollte auch noch keiner den "Endsieg" aufgeben - die Hoffnung stirbt erst im Bunker. 😉

Was würde abseits fiskalischer Themen wie der Target-Salden, aus Sicht der Deutschen wirtschaftlich passieren, wenn der Euro zerfallen und eine neue D-Mark kommen würde?

Zunächst würde es einen brutalen Anpassungsschock bedeuten, der mehrere Jahre andauert, weil die neue D-Markt sofort brutal zu den anderen Währungen aufwerten würde.

In Folge hätten wir eine Wirtschaftskrise mit viel mehr Arbeitslosen und jede Menge Firmenpleiten. Firmen würden Arbeitsplätze wieder vermehrt ins "billigere" Ausland verlagern, der Jobboom in Deutschland wäre am Ende.

Und weil das so ist, wird eine demokratische deutsche Regierung diesen Schritt nie gehen, weil sie im 4-Jahres-Zyklus der Wahlen dann hinweggefegt würde. Denn erst werden die negativen Effekte sichtbar, die positiven Effekte kommen danach.

Nach einigen Jahren wäre diese Anpassung aber durchgelaufen und der alte, positive Mechanismus der D-Mark würde wieder einsetzen.

Deutschland würde wieder zum Hochlohnland, das sich über Forschung, Entwicklung und Innovation definiert. Seine Produkte wären wieder besonders teuer, aber auch besonders gut - Made in Germany.

Und der Wohlstand des Bürgers würde relativ zu den anderen Ländern wieder jährlich wachsen, Urlaube wie Importe würden relativ immer günstiger, für die D-Mark könnte man jedes Jahr wieder mehr bei den anderen einkaufen. Auch die Altervorsorge würde damit relativ immer mehr wert und ein sonniger Lebensabend, irgendwo mit der D-Mark eine Leichtigkeit.

Deutschlands Bürger würden den Ertrag der höheren Produktivität wieder in den Brieftaschen spüren, heute wird dieser Ertrag nur in die Firmengewinne transferiert und über die Mechanismen des Euros in die Welt verteilt.

Dass die Wirtschaft brummt, beim normalen Arbeiter und Angestellten davon aber nicht viel ankommt, ist also wahr, es ist aber nicht Folge des "bösen Marktes" oder des "Kapitalismus", sondern das Ergebnis einer Verzerrung von Marktkräften, eine Folge des fehlkonstruierten Euros.

Die Not unser Geld zur Sicherheit in andere Währungen zu tauschen, gäbe es dann natürlich auch nicht, denn es gäbe keinen Grund aus der D-Mark heraus zu gehen. Wünsche von Geldpolitik-Alchemisten das Bargeld abzuschaffen, wären ohne Grundlage und würde es nicht geben.

Das ist natürlich die rein fiskalisch-ökonomische Sicht, die ich hier darstelle. Es gibt auch eine politische Komponente und die Frage ist berechtigt, ob ein nach wie vor wünschenswertes, geeintes Europa mit so divergenten Währungen überhaupt möglich ist.

Vielleicht ja, vielleicht nein, das ist ein ganz anderes Thema. Klar ist aber, dass der real existierende Euro mit seiner inneren Fehlkonstruktion, Europa nicht mehr eint, sondern auseinander treibt.

Die Chance der einigenden Wirkung wurde im ersten Jahrzehnt des neues Jahrtausends vertan. Sie wird nicht wieder kommen, das ist nur Illusion und Trauerarbeit. Je früher wir diese beenden und der Wahrheit ins Auge schauen, desto besser.

Ihr Hari

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Gutmeinerprojekt



Guten Morgen!

Am Freitag habe ich geschrieben, dass "trübe Stromschnellen" voraus sind und das ist definitiv so, wie wir heute wieder bewundern können.

Der gestrige Pop in China wurde sofort wieder abverkauft, auch weitere Stützungsversprechen der chinesischen Regierung, können heute die Stimmung nicht heben.

Und auch aus Europa kommt keine gute Stimmung, in der Welt findet sich eine in der Sache treffende Meinung zu Italien: -> Wird die Lage ernst, ist Europa völlig hilflos <-

Der Euro ist in der jetzigen Form ein klassisches "Gutmeinerprojekt", das Ergebnis von Politikern, die Wunschdenken mit guter Politik verwechseln und dabei die harten Realitäten ignorieren, damit das Wunschdenken nicht gleich in sich zusammenfällt. Wir kennen diese Denkstrukturen ja mittlerweile auch aus anderen Politikbereichen.

An dieser Stelle sieht man wieder, wie sehr das -> Böckenförde-Theorem <- den Kern der Realität trifft:

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

Während Böckenförde natürlich die Innenpolitik meint, beschreibt er fast seherisch das aktuelle innenpolitische Problem. Der Staat folgt dem theoretisch lobenswerten Ziel einer offenen Gesellschaft ohne Schranken, übersieht dabei aber, dass er damit genau die in die Gesellschaft holt und wachsen lässt, die genau diese offene, säkulare Gesellschaft zerstören wollen. Und wenn er umgedreht auf diese Druck macht, ist er kein offener Staat mehr.

Aber das soll hier nicht Thema sein, denn auch in der Geldpolitik ist das Theorem zu besichtigen, denn der Euro ist ebenso als offenes, freies System ohne harte Regelmechanismen entstanden und damit eine Art Parallelität zur aktuellen Gesellschaftspolitik.

Man kommt leicht in den Euro rein, wenn man an den Verheißungen Teil haben will und es bis zur Eingangstür schafft - wunderbar zu sehen an Griechenland, das trotz offensichtlicher Lügen aufgenommen wurde. Wenn man so will, hat Griechenland damals sozusagen "den Paß weggeworfen".

Wenn man aber drin ist, ist man in gegenseitigen Verpflichtungen und Abhängigkeiten aneinander gekettet, die nicht mehr aufzulösen sind und auch keinen echten Regelmechanismus über den Austritt vorsehen. Wenn man so will, sind "Abschiebungen" im Euro unmöglich, wenn einer mal im Euro angekommen ist, dann bleibt er.

So sammelt das offene System auch die ein, die an seiner Zerstörung interessiert sind und raubt sich damit langfristig selber die Grundlage - ein Umstand den die "Gutmeiner" in Brüssel natürlich nicht sehen wollen, da er sehr langfristig ist und erst dann zum Tragen kommen wird, wenn sie ihre Mandate schon längst aufgegeben haben. Die später in der Eurozone eingeführten "Strafzahlungen" bei Verstössen sind lächerlich und weiße Salbe, weil man einem nackten Mann nicht in die Tasche fassen kann und sich sowieso immer jemand findet, der mit dem nackten Mann stimmt, weil er selber schon halbnackt ist.

Und selbst wenn man wie im Fall Italien am Anfang noch am gleichen Strang gezogen hat, gibt es keine Regelmechanismen für den Fall, dass sich das ändert. Der Eurozone fehlt jedes echtes Disziplinierungs-Instrument, weil man sie von Anfang an als "unumkehrbar" bezeichnet hat und per Wunschdenken einen Austritt zur Unmöglichkeit stilisiert hat.

Denn nur die Möglichkeit jemanden auszuschließen, der gegen die Regeln verstösst, kann als ultimatives Disziplinierungsmittel ein offenes, von außen begehrenswertes System dauerhaft überlebensfähig machen. Das Wissen um den drohenden Ausschluß diszipliniert die Teilnehmer und sorgt für das Mindestmaß an Gemeinsamkeit die nötig ist, um jedes soziale System - nicht nur Gesellschaften auch Währungsräume - dauerhaft am Leben zu halten.

Eigentlich sollte schon gesunder Menschenverstand ausreichen um zu wissen, dass man nicht Futtertröge aufstellen kann und den Zugang ermöglichen, ohne ein Regiment durchzusetzen, das für den Zugang auch etwas verlangt und bei Verweigerung, den Zugang auch wieder entziehen kann. Jeder Verein, jedes Gemeinschaftsprojekt funktioniert so, wer nicht beiträgt und sich nicht an die Regeln hält, kann nicht Teil sein, sonst geht das Projekt kaputt.

Aber dieser gesunde Menschenverstand scheint teilweise verschwunden zu sein. In der Gesellschafts- wie Geldpolitik, meint man in den Teilen Europas (die sich besonders in Deutschland mit seiner romantischen Veranlagung sammeln), diesen sehr simplen, sozialen Mechanismus außer Kraft setzen zu können, weil die Vorstellung ja so wunderbar wäre. Ein Gutmeinerprojekt eben, der sich warm anfühlende Glaube an rosa Einhörner.

Das Problem des Euros ist so nicht lösbar, ich habe es schon oft gesagt, er wird so nicht überleben, wenn dann nur in veränderter Form. Und wenn Italien doch wieder einschwenkt, wird irgendwo eine andere Pestbeule aufbrechen, die Grundstatik stimmt einfach nicht und wird nur noch von der Geldschwemme der EZB zusammen gehalten.

Womit wir auch bei der zeitlichen Komponente sind. Denn ich gehe *nicht* davon aus, dass die aktuellen Probleme um Italien weiter eskalieren, sie markíeren eher noch *nicht* das Ende dieser Währung.

Denn genau weil es keinen sauberen Ausgang gibt, jeder aber völlig zurecht "die Hose voll hat" vor Angst was ein Auseinanderbrechen bedeutet, wird genau das passieren, was ich am Sonntag im Wochenausblick zur EZB geschrieben habe.

Man wird rhetorisch mit erhobenem Zeigefinger "du du du!" rufen, ansonsten aber keine echten Konsequenzen erzwingen und mit der Geldpolitik die Blechkanne einfach weiter die Straße herunter kicken - kicking the can down the road.

Und dem Markt wird das gefallen und er wird wieder steigen und Italien wird weiter sein Defizit erhöhen und die EZB und damit wir alle werden es finanzieren. Am Ende steht unvermeidlich die Schuldenunion und erst dann, wird eine populistische Bewegung in einem der nördlichen Länder (nicht der südlichen Profiteure) den Austritt erzwingen und den Kollaps einleiten, wie bisher bei jedem dieser Projekte wie auch der -> lateinischen Münzunion <-

Und was sagt uns das für den Markt diese Woche? Nichts, außer der Erwartung an die EZB, aber es musste einfach mal wieder gesagt werden. 😛

Der Markt ist im Zuge der Schwäche aus Asien heute wieder tiefer, der DAX hat ein neues Tief gebildet, hatte vorher den Retest von unten der an 11.800 abgewiesen wurde und hat erst bei 10.800 wieder eine richtig markante Unterstützungszone:

Und im großen Bild sieht das wirklich nicht sehr nett aus, was der DAX da gerade macht, die Trendlinie ist die aus dem Jahr 2009:

Trotzdem, der DAX ist der Schwanz des Hundes Wallstreet und die strebt gerade den Retest der Tiefs von Donnerstag vorletzte Woche an, die Futures sind kurz davor:

Ich weiß, alles in uns schreit nun danach uns festzulegen. Alle unsere Windungen in unserem Hirn versuchen nun die Zukunft vorherzusagen und sich im Sinne "das dreht bald" oder "wir fallen durch" festzulegen.

Das ist verständlich und auch überlebenswichtig, wir Menschen sind darauf trainiert wenn wir vor einer riskanten Situation stehen, den Ausgang finden zu wollen. Davon hat unser Überleben abgehangen, mit "demütigem Warten" was der Löwe macht, ist man ihm in der Savanne nicht entkommen.

Am Markt ist das aber alles kontraproduktiv und hilft uns nicht. Auch die Versuche hier nun eine Chance oder ein Risiko sehen zu wollen helfen uns nicht, denn beides ist wahr und der Ausgang offen.

Wir müssen abwarten, heute ist wieder Dienstag und es scheint für die Marktrichtung ein bedeutender Tag am Nachmittag an der Wallstreet zu werden.

Dazu kommen noch die folgenden Quartalszahlen, die auch darauf Einfluß nehmen werden:

Dienstag vor US Handelsstart: 3M (MMM), Anglo American, Atos (ATOS), Biogen (BIIB), Caterpillar (CAT), Corning (GLW), Harley-Davidson (HOG), Lockheed Martin (LMT), Logitech (LOGN), Mc Donalds (MCD), NextEra Energy (NEE), Pentair (PNR), PulteGroup (PHM), Reckitt Benckiser (RB), Renault, (RENA), Saab, Safran (SAF), Sartorius (SATG), United Technologies (UTX), Verizon (VZ), Vinci (SGEF), Whitbread (WTB)

Also liebe Mitglieder, auch wenn wir das Gefühl nicht mögen: Der Ausgang ist offen!

Klar war aber, dass dieser Retest kommen würde und als er sich am Donnerstag in Bewegung setzte habe ich um 17:55 Uhr im Stream geschrieben:

Das ist er der Retest, das kann man jetzt schon sagen:

So ist es und jetzt müssen wir einfach mal die Luft anhalten, still sitzen, den Fallschirm links liegen haben, das Gewehr um Wild zu erlegen rechts und dann sehen wir schon, was das Schicksal und Draghis Lippen für uns bereithalten. 😉

Ihr Hari

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Herbst 2017 in der Luft?



Guten Morgen!

Die FED hat gestern Abend praktisch alles wie erwartet gemacht, allein das einzelne Wort "accomodative" (unterstützend) löste wegen seines Fehlens ein paar Fragen aus.

Sie können -> hier <- die Detail nachlesen, auch der Zinsausblick blieb unverändert, eine weitere Erhöhung im Dezember ist nun auch zu fast 90% eingepreist.

Am Markt gab es wie erwartet sehr wenig Bewegung, insofern kein Problem, dass ich auf kleinen Fünftklässler-Stühlen gehockt habe. Gegen Ende des Handels kam dann noch etwas Schwäche, ich sehe aber nichts, was es da hinein zu interpretieren gibt:

Derartiges Verhalten gab es schon öfter nach der FED und es war im Umfang auch nicht bedeutend. Ein paar Marktteilnehmer haben Gewinne mitgenommen - so what?

Bei Betrachtung des Gesamtbildes sehen wir, dass damit marginal die steigende Trendlinie des S&P500 touchiert wurde und es besteht nun eine Möglichkeit, dass der Markt noch einmal zur Nackenlinie zurückkehrt:

Ob sich das aber realisiert, ist völlig offen und es kann durchaus sein, dass wir hier trotz der gefährlich aussehenden Tageskerze eher wieder hoch gehen und der Markt nun genügend korrigiert hat, um wieder in Stärke zu wechseln. Wir haben so ein Verhalten zuletzt oft gesehen, dass immer dann die Bullen kamen, wenn man dachte, dass es nun nach unten geht:

Aber wie werden sehen, eine wirklich harte Tendenz habe ich dazu nicht. Klar ist, dass das Bild in klassischer Lesart nun für weitere Schwäche und Abwärtsbewegung spricht. Klar ist auch, dass der Markt seit Ende 2016 genau in solchen Situationen immer wieder und immer wieder das genaue Gegenteil gemacht hat. Das sollte uns von vorschnellen Urteilen abhalten.

Was das ganze Bild noch etwas verschmiert, ist die Tatsache, dass morgen der letzte Handelstag des Quartals ist, wir haben also auch ein wenig "Window-Dressing" am Werk.

Alles in allem, macht es selbst wenn wir noch zur Nackenlinie korrigieren immer noch Sinn davon auszugehen, dass das eher bewegungsarme Geschiebe des bisherigen September weitergeht. Ein Gefühl vom Herbst 2017 liegt durchaus in der Luft.

Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass der Markt sich August und September in den US trotz einer nahezu perfekten Ausgangslage geweigert hat, eine echte Korrektur vorzunehmen. Auch deshalb liegt ein Gefühl von 2017 in der Luft, das ich hier auch noch einmal visualisieren will.

Schauen Sie mal auf die Linien in Blau, die keinen Trendlinien sind, sondern die die Länge der gleichmäßigen Aufwärtsbewegung visualisieren sollen. In 2017 begann das mit einer Steigerung der Steigung im Juli, dieses Jahr im August, die Steigung ist jeweils fast identisch:

Klar ersichtlich ist auf jeden Fall, dass es keinen zwingenden Grund gibt, warum diese Bewegung gerade jetzt aufhören *muss*, selbst wenn sie noch einmal zur Nackenlinie korrigieren *sollte*.

Es bleibt uns also erneut nichts anderes übrig, als diese Spannung zu ertragen und dabei zu bleiben - die Kunst des Dabeibleibens im Wissen um Risiken, die ich so oft gepredigt habe und die in den letzten Jahren zur entscheidenden Kunst für ruhig agierende Anleger geworden ist.

Wir negieren dabei die Risiken nicht und blenden sie nicht aus, auch ich habe ein komisches Gefühl bei der Sache. Das hatte ich aber auch schon im Herbst 2017 und es dauerte dann doch noch ein paar Monate, bevor sich im Februar 2018 das entladen hat, was das komische Gefühl verursachte.

Erst wenn der SPX mit Volumen durch die Nackenlinie fällt, gibt es guten Grund skeptischer zu werden und die Glocke des gelben Alarms dann bald in die Hand zu nehmen. Dann ist aber auch wichtig das zu tun und sich schnell aus dem aktuellen, einlullenden Gefühl des "es passiert ja doch nichts" zu lösen.

Verwenden wir also unsere Energie nicht darauf den weiteren Verlauf herausfinden zu wollen, der kommt wie er kommt, sondern im Falle des Falles schnell auf die Defensive zu wechseln. Das ist der Weg der eher zu Erfolg führt.

Im DAX ist dieses Bild weiter möglich und nicht einmal ansatzweise eine Entscheidung gefallen:

In EURUSD haben wir aber im Zuge der FED eine interessante Wende gesehen, die nun allerlei Trendlinien und Unterstützungszonen ins Spiel bringt, die ich hier mal visualisiert habe:

Ich bin auf jeden Fall mal gespannt, wie lange sich Draghi noch gegen höhere Zinsen in seiner Restamtszeit sperren kann, denn langsam wird das unverantwortlich, während die FED immer weiter erhöht und auch die Konjunktur in der Eurozone gut läuft. Dass selbst der eher moderate -> Nowottny nun auf straffere geldpolitische Zügel drängt <-, zeigt wie der Druck steigt.

Trotzdem haben die an Nullzinsen interessierten Südstaaten im EZB-Rat eine strukturelle Mehrheit, die das immer verhindern kann. Eine Mehrheit, die uns Kohl und Waigel mit einer unverantwortlichen Konstruktion der EZB eingebrockt haben, nach der jeder Staat eine Stimme hat, egal ob er Malta oder das 100x größere Deutschland ist.

Diese Konstruktion zu ändern, wäre das weit wichtigere politische Projekt, als die Frage wer EZB oder Kommission führt. Unter einer Führung Merkel ist das Thema aber weiter tabu, erst nach ihrem Abgang wird es wieder auf die Agenda kommen, weil die Stimmenverteilung im Rat - egal ob beschlossen oder nicht - einfach skandalös ist.

Dahinter stand damals der naive Gedanke, dass da in der Tradition der Bundesbank ein Rat von Geldpolitikern sitzen würde, der rein fachlich denkt und keine nationalen Interessen transportiert. Wenn das so wäre, wäre die Stimmenverteilung kein Problem.

Das anzunehmen, war aber schon damals höchst naiv und ich bezweifele stark, dass der gerade in solchen Themen mit einem grandiosen Instinkt ausgestattete Kohl, das wirklich geglaubt hat. Wie auch in Deutschland, wie auch bei Verfassungsrichtern, schickt die Politik Personen nach Proporz in solche Institutionen und gerade in Südeuropa ist es eine Selbstverständlichkeit, dann weiter primär die nationalen Interessen im Auge zu haben. Es gab hier also andere Erwägungen für Kohl, das so abzunicken, die Gerüchte berichten von Handschlag-Verpflichtungen gegenüber Frankreich im Zuge der Wiedervereinigung. Und auch das wäre typisch Kohl, denn ein Handschlag war für ihn eine Ehrensache im alten Stil.

So besteht die EZB nicht aus einem Rat von x Fachleuten, sondern aus einer Repräsentierung nationaler Interessen und vor dem Hintergrund ist die Stimmengewichtung ein Skandal, für den es wohl den gnadenlosen Druck eines Trump bräuchte, um das zu ändern.

Am Ende würde eine Änderung nach viel Rabulistik aber vermutlich akzeptiert, weil jeder - auch die Politiker in Südeuropa - genau weiß, dass es unfair ist, das Risiko nach anderen Schlüsseln zu verteilen, als die Stimmrechte. Man nennt das "Moral Hazard" und wohin der führt sollten gerade die wissen, die davon reden, ein neues 2008 verhindern zu wollen.

Allerdings kann man solchen Druck nur dann aufbauen, wenn man hinter verschlossenen Türen glaubwürdig mit dem Bruch des Euros argumentiert, falls diese Anpassung nicht vorgenommen wird. Das ist ein riskantes Spiel und die Chance dass es ein deutscher Politiker der aktuellen Generation spielt, liegt wohl bei unter 1%.

So wird es weiter so sein, dass die Mittelmeeranrainer die Geldpolitik der EZB bestimmen und deshalb müssen wir uns alle darauf einrichten, dass die EZB zum Zeitpunkt der nächsten großen Rezession in Europa keinen geldpolitischen Spielraum mehr hat. Und dann wird es richtig "lustig", in Europa eben weil der Euro unter massiven Druck gerät und in Deutschland weil die Verteilungskämpfe offen ausbrechen, die derzeit nur durch die brummende Konjunktur unter der Decke gehalten werden.

Das ist aber alles Zukunftsmusik, die wir hier aber zusammen erleben werden, so Sie dem Blog treu bleiben. Im Moment haben wir einfach einen Bullenmarkt in den US und Chancen auf eine "Mean Reversion" in Europa und das ist alles, was uns im Moment wirklich anlagetechnisch umtreiben sollte. Wenn sich das ändert, werden wir es unvermeidlich merken. 😉

Bis heute Nachmittag!

Ihr Hari

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Muss man als Euro-Anleger seine Dollar Positionen absichern?



Im Forum der Community sind auch immer wieder grundlegende Fragen, die es Wert sind, in einem Artikel beantwortet zu werden.

Erfahrene Anleger haben oft den positiven Wunsch, ihr diversifiziertes Depot auch in den Währungen der Welt auf mehrere Beine zu stellen. Dazu haben wir hier schon Vieles besprochen.

Was aber, wenn jemand den gegenteiligen Wunsch hat? Was wenn der Besitz ausländischer Währungen auch als Risiko betrachtet wird und nicht nur als Chance zur Diversifizierung? Es gibt ja sogar von Fonds- oder ETF-Abietern oft spezielle "währungsgehedgte" Varianten, die diesen Wunsch befriedigen. Was ist davon zu halten?

Was also, wenn der Anleger sich fragt, ob er sich vor Währungsschwankungen absichern oder diese zumindest etwas abmildern sollte? Da halten viele Anleger doch US Werte in Euro und ein starker Euro bringt dann Kursgewinne manchmal wieder auf Null.

Sollte sich so ein Anleger also mit Währungsabsicherung (Hedging) beschäftigen?

Um die Frage aufzurollen, muss ich zunächst etwas ganz Grundsätzliches wiederholen. Denn jeder ist der Meinung er wüsste was eine Währung ist, aber ist das wirklich so?

Denn wenn wir den "Wert" einer Sache betrachten, müssen wir diese in einem Maßstab betrachten. Bei den Arabern gab es mal eine Zeit, in der alles in Kamelen ausgedrückt wurde, auch der Wert von Menschen. Dieses provokante Beispiel einer Währung, der Kamel-Währung, dient jetzt nicht nur der Auflockerung, sondern hat trotzdem Sinn, denn die "Kamelwährung" war eben auch eine, in ihr wurde Wert ausgedrückt.

Und genau darin liegt das Dilemma von Währungen. Wenn wir uns als Bürger des Euros oder des Schweizer Franken, oder in Deutschland sozialisiert mit der stabilen D-Mark, über den Wert einer Sache unterhalten, drücken wir das immer implizit in unserer Währung als "objektivem Maßstab" für Wert aus. Und das ohne darüber nachzudenken und ohne uns bewusst zu machen, dass es ein höchst schwammiger Wertmaßstab ohne jede Objektivität ist.

Wenn also ein typischer Anleger sieht, dass die Kursgewinne an der Wallstreet durch einen steigenden Euro in seinem Euro-Depotausweis fast auf Null gebracht werden, schliesst er daraus, dass das nicht gut ist und er gegensteuern muss. Diese "Null" scheint also als objektiver Wertmaßstab wahrgenommen zu werden. Aber ist das wirklich so?

Wären wir dagegen Bürger eines Entwicklungslandes und hätten einen persönlichen Erfahrungshorizont darin, dass die eigene Währung permanent an Wert verliert und gleichzeitig eine Hochinflation herrscht, wie zum Beispiel in Brasilien, würden wir ganz anders reden. Wir würden dann versuchen den Wert einer Sache in einer stabileren Währung auszudrücken und diese als Wertmaßstab benutzen - dem US Dollar zum Beispiel.

Also, den Wert einer Währung kann man immer nur in einer anderen Währung ausdrücken. Deshalb gibt es Währungspaare, wie wollte man auch den Wert des Euro in Euro ausdrücken, das Ergebnis wäre immer nur 1. Gold kann man als XAUUSD also in Dollar ausdrücken, den Euro als EURUSD in Dollar und so weiter.

Was passiert also, wenn ein Asset - zum Beispiel eine Aktie - in Euro gerechnet fällt und gleichzeitig in Dollar gerechnet steigt, eben weil EURUSD stark steigt? Ist das Asset dann mehr "wert" oder "weniger" wert oder spielt das gar keine Rolle?

Die Antwort ist keineswegs so einfach wie es scheint, sie liegt vielmehr im Auge des Betrachters.

Aus Sicht einer fiktiven Weltwährung wie der -> Sonderziehungsrechte des IWF <-, also aus Sicht von jemandem der theoretisch in den wichtigen Ländern der Welt mit Lokalwährungen kauft, hat sich der objektive Wert des Assets kaum verändert, denn in der "Weltwährung" ist er gleich geblieben. Die beste Entsprechung dieser "Weltwährung" ist übrigens Gold mit seiner vieltausendjährigen Geschichte.

Aus Sicht von jemandem aber, der alle Kosten in Euro begleichen muss, hat sich die Kaufkraft des Assets (der Wert) für anderen Waren verringert, wobei das auch nur teilweise für Waren gilt, die auch im Euro hergestellt werden. Denn wenn die Ware aus dem Dollarraum eingeführt wird, hat sich der Preis bei der Einfuhr verringert, was in einer theoretisch ideal preisreagiblen Welt, den "Wertverlust" des eigenen Zahlungsmittels komplett ausgleicht.

Aber wie auch immer, wenn man im Euroraum Ausgaben hat und diese mit dem Wert des Assets begleichen will, ist der "Wertverlust" subjektiv real.

An dieser Stelle haben wir daher auch den ersten Fall, für den eine Währungsabsicherung Sinn macht und auch von Firmen genutzt wird. Eine Firma die ihre Waren ins Ausland verkauft und mit den Einnahmen die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen will, will sich vielleicht nicht von Währungsschwankungen abhängig machen und "hegded" daher ihre zukünftigen Verkäufe. Das ist übrigens das Kernthema des Futures und Optionsmarktes, aus diesem berechtigten Bedürfnis heraus, die Zukunft schon heute absichern zu können, ist er ursprünglich entstanden.

Für einen privaten Anleger wäre das aber nur ein relevantes Szenario, wenn dieser seine laufenden Ausgaben für Leben und Wohnen aus nicht in Euro notierenden Einnahmen bestreiten müsste. Dann wäre ein Gedanke an Währungshedging sinnvoll, denn für den Preis von nicht unerheblichen Gebühren schliesst man dann Währungsrisiken aber auch Chancen aus.

Für einen privaten Anleger der im Euroraum lebt und arbeitet und durch die Arbeit genug verdient, um seinen Ausgaben zu bestreiten, besteht dieser Grund und damit der Bedarf an Währungsabsicherung aber eher nicht!

Gäbe es denn einen anderen Grund Auslandswährungen abzusichern - zu "hedgen"? Ja, bei Klumpenrisiken, wenn man zu stark von den Währungsentwicklungen abhängig ist und die Risiken nicht tragen kann.

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