Die begrenzte Aussagekraft von preisbasierten Oszillatoren



Eine der Besonderheiten dieser Plattform ist der Ansatz, den Mitgliedern grundlegende Zusammenhänge zu erklären. Und das nicht nur theoretisch, sondern immer wieder praktisch - eingeflochten in die Realität, die uns jeden Tag über die Märkte erreicht.

Dazu gibt es immer wieder Grundlagen-Artikel im Premium-Bereich, von denen ich heute mal wieder einen heraus greifen will um Ihnen zu zeigen, welche Inhalte Sie hier auch erwarten können.

Gerade im Bereich der Charttechnik gibt es leider auch medial zu viele, die einfach "bunte Linien" nachzeichnen, ohne den Kontext dessen was sie tun, verstanden zu haben. Zum teilweise schlechten Ruf der Charttechnik bzw der allgemeinen Markttechnik, hat das sicher beigetragen. Dabei ist die Markttechnik - richtig genutzt - das mächtigste und zuverlässigste Instrument das wir haben, wenn wir mit Mr. Market erfolgreich ringen wollen.

Der folgende Artikel stammt aus dem November letzten Jahres, ist aber wegen seiner grundsätzlichen Aussagen zeitlos gültig. Er wurde für den freien Bereich leicht angepasst um Referenzen zu glätten, die nur im Premium-Bereich aufzurufen sind.

Übrigens, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Mr-Market ist nun auch bei Twitter. Schauen Sie doch mal unter @HariMrMarket vorbei!

---------------------

Eine konkrete Frage stand vor Kurzem im Forum im Raum, nämlich in wie weit eine positive Divergenz des RSIs im Wochenchart, einen Edge in Richtung der Divergenz generiert. Sprich lohnt es sich zu kaufen, wenn der RSI eine positive Divergenz zeigt?

Ich will das als Anlass dazu nutzen, ein paar grundsätzliche Worte zu preisbasierten Oszillatoren wie dem RSI zu verlieren und auch zu thematisieren, welchen Wert Aussagen dieser Indikatoren, denn überhaupt für uns haben.

Zunächst einmal will ich das Wort "preisbasierter Oszillator" definieren, damit klar ist, was ich damit meine. Ich meine damit alle Oszillatoren (also Indikatoren, die die Bewegungen als Schwankungen zwischen zwei Extremen abbilden), die direkt auf den Preis, also die Kurse gehen.

Der RSI ist so ein Fall, ein preisbasierter Oszillator.

Die 200-Tage-Linie ist kein Oszillator, sondern eine Trendglättung.

Und das OBV ist nicht preisbasiert, da es auf das Volumen geht und auch kein Oszillator ist.

Hier geht es nun also um preisbasierte Oszillatoren, für die der RSI das bekannteste Beispiel ist.

Die erste klare und wichtige Aussagen, erscheint eine Binsenweisheit, wenn man das oben verstanden hat. Ich bezweifele aber, dass die Konsequenzen dieser Binsenweisheit allen wirklich klar sind und genau deswegen schreibe ich diesen Artikel:

Preisbasierte Oszillatoren beinhalten keinerlei neue Informationen, die nicht schon Teil des Charts selber sind.

Wie gesagt, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie ist sehr wichtig für die Schlussfolgerungen, die ich gleich ziehe. Wenn wir zum Beispiel auf den RSI schauen, ist der nichts weiter als ein abstrakte Darstellung wesentlicher Elemente des Charts selber.

Oder in anderen Worten, wenn man auf das Chart einen geübten Blick hat, beinhaltet der RSI keine Überraschungen, denn man sieht das, was der RSI indiziert, auch im Chart.

Der RSI vergleicht ja genau genommen nur im definierten Zeitraum (oft 14 Kerzen) die Stärke der Kursbewegungen. Das Überwiegen stark fallender Kerzen, sorgt dann für einen schwachen RSI, das Überwiegen stark steigender Kerzen, sorgt für einen starken RSI.

Eigentlich also eine triviale Aussage, die der RSI macht, die aber zu Fehlinterpretationen führt, wenn man dem Indikator eine übertriebene Aussagekraft zubilligt, die er nicht hat. Denn der RSI ist eben nur die abstrakte - in einen Oszillator gepresste - Darstellung des Charts selber, ohne auch nur einen einzigen Krümel neuer Information.

Weiterlesen ...

Gewürzte Charts – Von Oszillatoren und Indikatoren

Neben der täglichen Aktualität, besprechen wir auf Mr-Market auch immer wieder grundsätzliche Themen rund um die Märkte und diskutieren über die Techniken, die nötig sind, um Erfolg haben zu können.

Hier ist beispielhaft ein Beitrag vom 20.01.16, der aufzeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Marktanalyse auf das Wesentliche zu konzentrieren und Charts nicht zu überladen.

Weiterlesen ...

Kurzkommentar – 16.11.12 – DAX und S&P500 zwischen Bounce und weiterer Qual

Ein paar einordnende Worte zur Marktlage in DAX und S&P500 vor Eröffnung der Wallstreet.

Wir haben aktuell zwei gegensätzliche "Wahrheiten" im Markt, die man sich einfach mit ganz kaltem Herzen bewusst machen sollte.

Bounce

Wir sind nun ganz klar technisch nach unten überdehnt. Unzählige Aktien sitzen auf Unterstützungszonen auf. Der DAX hat durch die 7000er Marke geschaut und damit auch etwas abgearbeitet, was ich in meinem Artikel zum -> Weg des maximalen Schmerzes <- schon formuliert hatte.

Weiterhin erreicht nun die FED Liquidität aus QE3 die Märkte und die Saisonalität spricht auch für baldige Stärke.

Ausserdem hatten wir mehrere "Buying on Weakness" Prints im SPY, die einen guten Trackrecord als Indikator für einen Bounce haben. Wir haben in weiten Marktsegmenten ein negatives Sentiment, das bullisch zu werten ist. Das Einzige was im perfekten Bild fehlt, ist die Volatilität, die zwar erhöht aber lange nicht auf Niveaus ist, die echte Panik signalisieren.

Trotzdem spricht nun sehr viel für einen kurz bevorstehenden Bounce. Ich werde jetzt keine weiteren Shorts aufbauen, sondern kurzfristig eher nach oben schauen.

Und wenn wir nach diesen schwierigen, an den Nerven nagenden Wochen im Sinne einer chinesischen Tropfenfolter, nun doch nach oben laufen sollten, dann dürfte das sehr dynamisch in Form eines gewaltigen Short-Squeeze geschehen.

Weitere Qual

So sehr viele Indikatoren nun auf einen Bounce hindeuten, dürfen wir aber nie vergessen, dass es nur Indikatoren sind und (noch) nicht die Realität. Überverkaufte Märkte können noch mehr überverkauft werden. Und sehr überverkaufte können bösartig crashen. Das sollten wir uns bewusst machen. Der LTCM Crash von 1987 kam aus einem massiv überverkauften Markt, dessen Gummiband dann einfach brach und damit auch alle Dämme an den Märkten.

Und wir haben eine bestätigte, massive Schulter-Kopf-Schulter Formation im Leitindex S&P500, die bisher nach Lehrbuch abgearbeitet wurde, inklusive eines Tests der Nackenlinie bei 1390 von unten. Sehen Sie noch einmal -> hier <-. Und diese SKS hat noch jede Menge Luft, bis sie die Zielzone im Bereich 1300-1320 erreicht.

Abgesehen davon wurde bis jetzt jede Rally sofort wieder verkauft und die zweite Handelshälfte der Wallstreet war seit Wochen konsistent schwach. Das mag sich nun ändern, solange es sich aber nicht geändert hat, sind das nur schöne Wünsche und Hoffnungen ohne Wert. Die Realität des 16.11.12 um 14:30 Uhr ist, dass die Bären die volle Kontrolle über den Markt haben.

Meine Schlussfolgerung

Ich nehme den Markt so, wie er anhand der Price-Action ist. Und nicht so, wie ich ihn gerne hätte. Solange ich nicht einen ersten Schub nach oben gesehen habe, werde ich mich am "Bottom-Calling" nicht beteiligen. Und auch wenn der Schub kommt, werde ich immer die Möglichkeit im Auge behalten, dass es nur eine Bärenmarktrally ist und wir die SKS im S&P500 noch vollenden werden, was noch einige Schmerzen für die Marktteilnehmer bedeutet.

Oder um es mit einem Sprichwort zu sagen: "Hope for the best, but prepare for the worst !"

Ich wünsche Ihnen ein gutes Händchen und starke Nerven !

Ihr Hari

* Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- und unsere Gedanken zur -> Fairness <- ! *