Die Firmenbewertung und das Gewinn-Multiple


Im Zusammenhang mit der -> Bewertung des Öl- und Gassektors <- ist mir vor kurzem wieder bewusst geworden, dass nicht bei allen von Ihnen das Grundverständnis vorhanden sein dürfte, wie der Markt überhaupt Firmen bewertet und welche Konsequenzen das hat.

Mein Worte waren damals, dass Öl zweifelsfrei noch Jahrzehnte gebraucht werden wird und klar ist auch, dass es immer gewisse Anwendungen für Öl geben wird und trotzdem gehe ich im Sektor von langfristig fallenden Kursen aus und das auch dann, wenn die Gewinne objektiv gleich bleiben würden. Die Frage der weiteren Nutzung von Öl ist also sekundär.

Begründet habe ich das mit dem "Gewinn-Multiple" das Investoren für Öl- und Gas-Aktien zu zahlen bereit sein werden und wenn das sinkt, fallen die Kurse und das auch wenn die Gewinne objektiv unverändert bleiben. Aber genau das muss man ja überhaupt erst einmal verstehen und die Dimension der Aussage begreifen. Und dabei will Lehrer Bömmel nun helfen.

Jeder von Ihnen hat schon von so Dingen wie KGV gehört und auch davon, dass die Zukunfts-Erwartungen der Marktteilnehmer die Kurse bestimmen, nicht die Vergangenheitdaten und nicht die Gegenwart. Aber trotzdem dürften diese einzelnen Fachbegriffe sich für viele nicht in ein schlüssiges Gesamtbild einfügen.

Und deshalb will "Lehrer Bömmel" das heute nachholen, ein Gesamtbild vermitteln und damit auch gleich die Frage beantworten, warum selbst bei gleichbleibendem Ölverbrauch und gleichbleibenden Gewinnen die Kurse von Öl- und Gasaktien wohl langfristig - unter Schwankungen - fallen werden.

Und bei Lehrer Bömmel wird Wissen ja mit konkreten Beispielen veranschaulicht und deshalb stellen wir uns nun ganz dumm und fragen uns: "Wat is ene Gewinn-Multiple"?

Zunächst einmal heisst "Multiple" einfach "Vielfaches", wir sprechen hier also über einen Firmenwert als Vielfaches des Gewinns. Und wenn das Unternehmen börsennotiert ist, ist die Marktkapitalisierung - die sich aus dem Kurs x Anzahl Aktien errechnet - ja der Firmenwert und das sogenannte KGV also das "Gewinn-Multiple".

Um sinnvolle und einfache Beispiele zu erzeugen, muss man aber eine gerade bei Firmenbewertungen sehr komplexe Wirklichkeit stark vereinfachen, was ich hier nun tun werde.

Es gelten also hier folgende Vereinfachungsregeln:

Erstens gibt es viele Wege eine Firma zu bewerten und je nach Branche und Art des Unternehmens (Start-Up oder etabliertes Unternehmen zum Beispiel) muss man auch zwingend unterschiedliche Ansätze wählen, weil bei einem Start-Up ein Gewinn-Multiple beispielsweise keinen Sinn ergibt. Für unseren Zweck hier, betrachten wir aber *nur* das Gewinn-Multiple, das man bei börsennotierten Unternehmen auch im deutschen KGV oder im amerikanischen P/E (von Price vs Earnings) nennt.

Zweitens ist "Gewinn" ein sehr weit gefasstes Wort, in Zeiten von IFRS erst recht. Reden wir über den Vor- oder Nachsteuergewinn, über das EBIT, das EBITDA oder irgend eine andere "kreative" Form der Gewinnberechnung? Für unseren Zweck hier, nennen wir es einfach "Gewinn" und es ist egal, was es genau ist.

Drittens sind Steuereffekte bei Verhandlungen zu einem Firmenwert auch immer ein wichtiger Faktor, wir tun hier mal so, als ob es keine Steuereffekte gäbe.

Viertens müssen zukünftige Gewinne in die Gegenwart -> abgezinst (diskontiert) <- werden, weil man statt das Geld für zukünftige Gewinne zu investieren, dieses ja auch anlegen könnte. Für unseren Zweck hier tun wir also so, als ob es keinen Zins und damit keinen Diskontierungsfaktor geben würde.

Fünftens kann man das Gewinn-Multiple natürlich nur bei börsennotierten Firmen als KGV ausdrücken, weil es nur da ja einen "Kurs" gibt, der tagesgenau den Firmenwert visualisiert. Für unsere Zwecke und zur Vereinfachung benutze ich das Kürzel KGV hier als Synomnym für alle Gewinn-Multiple, auch von nicht börsennotierten Firmen.

Wenn wir all diese Voraussetzungen für dieses Gedankenexperiment als gegeben betrachten, haben wir nun die Grundlage um ganz einfach zu zeigen, was der Markt mit dem KGV (Gewinn-Multiple) da eigentlich bewertet und warum.

Machen wir es mal konkret und stellen wir uns eine konkrete Firma vor, die Sie - ja genau Sie - nun kaufen wollen - Sie stehen mit dem Inhaber in Verhandlungen.

Firma A

Firma A hat gar kein Geschäft mehr, sie ist praktisch stillgelegt, dafür besitzt die Firma aber noch im Lager eine Menge an Waren, die aktuell noch einen Marktwert von 1 Million haben.

Was würden Sie dem Inhaber dafür bieten?

Zunächst einmal gibt es hier kein Multiple mehr, weil sie innerhalb eines Jahres ja den gesamten Lagerbestand verkaufen werden und es keinen wiederholbaren Gewinn mehr gibt. Ist das Multiple hier also 1?

Natürlich nicht, weil warum sollten Sie sich den Stress machen und eine Firma mit Waren zum Marktwert von 1 Million für 1 Million kaufen? Sie wollen doch Gewinn machen, sonst macht es keinen Sinn Ihre Zeit zu vergeuden und außerdem haben Sie ja beim Verkauf noch eigene Kosten.

Also werden Sie dem Firmeninhaber vielleicht 500.000 bieten, dann kommen noch ihre Kosten darauf und es bleibt Gewinn übrig.

Das KGV in dem Szenario einer Firma ohne jede Zukunft ist also sozusagen 0,5, wobei das hier eine schiefe Formulierung ist, weil wir ja nicht von operativem Gewinn sondern Auflösung von Lagerbeständen - also Buchwerten - reden. Aber für die vereinfachte Darstellung hier bei Lehrer Bömmel ist das OK.

Firma B

Firma B hat ein ganz stabiles Geschäft, das absehbar auf Jahre stabil bleiben wird und auch der Gewinn von 1 Million pro Jahr wird stabil bleiben. Man kann aber auch nicht mit Wachstum rechnen, die Firma läuft voraussichtlich einfach weiter.

Was würden Sie dem Inhaber dafür bieten?

Jetzt müssen Sie rechnen, wie viele Jahre Gewinn Sie bereit sind zu zahlen, um diese Firma zu erwerben. Vereinfacht gesagt sind das die Jahre die sie warten müssen, bis sich ihre Investition amortisiert hat.

Völlig klar ist, dass je stabiler das Geschäft ist, desto mehr Jahre sind sie bereit zu warten. Je unsicherer das Geschäft, aber trotzdem ohne Wachstumsperspektive, desto weniger sind sie bereit zu warten.

Denn mit jedem Jahr des "Wartens" steigt ja abstrakt das Risiko, dass doch etwas Negatives passiert und das Geschäftsmodell von Firma B zerstört wird.

Wenn solche Firmen im privaten Bereich die Besitzer wechseln - also das was wir kleinen Mittelstand nennen - haben sich dabei KGVs (Gewinn-Multiples) von 4-7 eingebürgert, wie Sie auch -> hier bei der KMU Unternehmerbörse <- sehen können.

Sie sind also beispielhaft bereit 5 Jahre zu warten, bis sich ihre Investition in das Unternehmen amortisiert und so lautet dann auch Ihr Angebot an den Firmeninhaber.

Firma C

Wenn der alte Firmeninhaber es schafft, statt an Sie zum KGV von 5 zu verkaufen seine Firma an die Börse zu bringen, hat er gute Chancen dort eher ein KGV von 7-12 für das gleiche Geschäft zu erhalten, die von den Zeichnern beim IPO dann bezahlt werden. Das motiviert zum Börsengang, andererseits ist der administrative Aufwand und die Kosten so hoch, dass sich das nur für größere Firmen wirklich lohnt.

Der Unterschied in der Bewertung liegt unter anderem an der höheren Visibilität der Zahlen von börsennotierten Unternehmen, mit denen auch eine höhere Sicherheit für Investoren einher geht. Und wenn Sie sich an Firma B erinnern, sind Sie ja bereit mehr zu zahlen, wenn die Gewinnentwicklung langfristig sicherer ist. Außerdem verschafft Ihnen der Markt ja viel mehr Interessenten an ihrem Unternehmen, als sie es im direkten Verkauf könnten und mehr Nachfrage heisst höhere, durchsetzbare Preise.

Firma D

Bei Firma D verkauft Ihnen ein Gründer mit einer genialen Idee seine Firma, die aktuell 1 Million Gewinn macht. Aufgrund des tollen Geschäftsmodells und des starken Wachstums, können Sie aber fest davon ausgehen, dass der Gewinn stark steigen wird und sich alle 2 Jahre verdoppelt, wenn nicht mehr.

Jetzt wird es ganz schwierig, denn nun müssen Sie viele Annahmen machen. Einfach zu sagen das ist auch ein KGV von 5 ist Unsinn und der Verkäufer wird die Firma so nicht veräussern, weil das viel zu billig ist.

Denn mitverkauft wird ja nicht nur der Gewinn heute, sondern das immense Potential, das wenn realisiert in 5 Jahren zum Beispiel schon einen Gewinn von 5 Millionen generieren kann. Sie würden dann also die Firma fast geschenkt bekommen.

Umgedreht kann man das Wachstum ja aber auch nicht einfach in die Zukunft hochrechnen, weil bei Potentialen sind immense Risiken vorhanden und im Übrigen müssen *Sie* die Chancen ja erst erschliessen, der Verkäufer verkauft Ihnen ja nur die Gegenwart und nicht die Zukunft, die Sie erobern müssen. Und Sie wollen dem Verkäufer doch nicht eine unternehmerische Leistung vergüten, die Sie überhaupt erst erbringen müssen.

Kurz gesagt, ein Potential ist etwas wert, kann aber nicht einfach unbegrenzt hochgerechnet werden und muss daher stark diskontiert werden. Und klar, in Realität ist ein Gewinn-Multiple für so eine Firma *kein* geeignetes Mittel um den Firmenwert zu bestimmen, man nutzt dann andere Techniken. Aber wie oben gesagt, bleiben wir hier im Beispiel mal dabei.

Am Ende werden Sie dem Inhaber im privaten Umfeld vielleicht ein Multiple (KGV) von 20 bieten und an der Börse würde vielleicht ein KGV von 30 oder 40 aufgerufen. Das macht Sinn.

Firma E

Jetzt kommen wir zur Firma B mit ihren stabilen Gewinnen zurück, die Sie im außerbörslichen Umfeld vielleicht mit einem KGV von 5 gewürdigt hätten. Und jetzt kommt die Analogie zu Öl und Gasfirmen.

Denn nun hat der Firmenchef eine unangenehme Wahrheit für Sie. Ja, die Firma hat stabile Gewinne und ja, die halten ziemlich sicher noch 5 Jahre, aber die ganze Technologie der Firma ist überholt, es kommen Mitbewerber und vor allem ist zu befürchten, dass der Gesetzgeber das Geschäft der Firma in ca. 10 Jahren mit allerlei Abgaben und Erschwernissen belegen wird.

Zahlen Sie jetzt noch ein Multiple von 5? Auf gar keinen Fall!

Der Grund in die Firma zu investieren ist doch die Zukunft und mit so einer negativen Zukunftserwartung werden Sie sich die Frage stellen, ob Sie überhaupt noch in diese Firma investieren wollen!

In Realität, wenn Sie sich das Szenario real vorstellen, werden Sie es wahrscheinlich nicht mehr machen - wozu damit Zeit vergeuden? Und wenn doch, dann für ein Multiple von 2 oder 3, denn der Kauf macht für Sie nur noch Sinn, wenn Sie *ganz sicher* sein können, Ihre Investition über Gewinne wiederzubekommen.

Übertragen auf die Börse, wird durch diese Information aus einem Unternehmen das vorher vielleicht ein KGV von 12 wert war nun ein KGV von 6 oder 7, also eine Bewertung ohne jede Zukunftsperspektive.

So ..... ich hoffe der Punkt ist angekommen.

Sie haben gesehen, dass es Ihre *Zukunftserwartung* ist, die den Preis bestimmt, den Sie für das Unternehmen zu zahlen bereit sind. Nicht die Gewinne der Vergangenheit, sondern die erwarteten Gewinne der Zukunft!

Und je höher das KGV (das Multiple) ist, das Sie zu zahlen bereit sind, desto positiver ist Ihre Zukunftserwartung und desto sicherer gehen Sie von Gewinnwachstum aus.

Wenn diese Erwartung hoch ist wie im Fall von Firma D, dann sind Sie eben bereit auch ein hohes Multiple (KGV) zu zahlen. Und sonst nicht und wenn da keine Zukunft mehr ist, wird die Bewertung immer mehr zu der von Firma A, in der man nur noch den Wert der Abwicklung der vorhandenden Assets zum Maßstab macht.

Wenn man das nun auf den Ölsektor überträgt, haben Bluechips wie Exxon oder Chevron aktuell noch ein P/E 15-16 oder Shell und BP ein KGV von 10-12. Lassen wir mal Unterschiede in der Gewinnberechnung und der Bewertung von Reserven beiseite, wie gesagt, ich will das hier ganz einfach halten.

Der entscheidende Punkt ist, dass selbst wenn die Gewinne gleich bleiben würden, die reine Perspektivlosigkeit zu einem Effekt analog wie bei Firma E führen dürfte. Was vorher noch ein P/E von 16 wert war, ist in Zukunft vielleicht nur noch ein P/E von 10 wert. Und was ein KGV von 10-12 wert war, ist vielleicht nur noch ein KGV von 7-8 wert.

Dummerweise ist auch völlig klar, dass die Umsätze mit Öl durch die Umstellung im Verkehr langfristig sinken werden. Sicher wird immer Öl gebraucht werden, zB in der Chemie, aber eben in geringerem Umfang und auch da dem Risiko der Substitution unterliegend. Aber selbst wenn im Saldo der Ölverbrauch gar nicht sinken sollte, sondern gleich bleibt, kann die Wahrnehmung eines absehbaren Endes zu einer Zurückhaltung der Investoren führen, wie oben dargestellt.

In Kombination beider Effekte ist also davon auszugehen, dass Öl- und Gasaktien langfristig langsam fallen werden, auch wenn sie fraglos noch lange hohe Dividenden ausschütten und fraglos auch immer mal wieder Jahre haben werden, in denen sie im Sinne einer Mean Reversion dann 20 oder 30% steigen.

Der langfristige Trend im Sinne mehrerer Jahrzehnte geht aber wahrscheinlich nach unten und das völlig unabhängig von der Stabilität der Gewinne oder der Nutzung von Öl - einfach weil die Multiples (KGVs) die der Markt für das Geschäft zu zahlen bereit ist, langfristig gegenüber heute sinken werden.

Der einzige Weg für die Ölfirmen sich gegen dieses langfristige Bröseln der KGVs (Gewinn-Multiples) zu wehren, ist sich eine neue Zukunft zu erarbeiten, abseits von Öl- und Gas. Genau das versucht beispielsweise Shell mit dem Übergang zu einem Unternehmen der erneuerbaren Energiebranche und ist vom Grundsatz her ein richtiger Ansatz. Ein Ansatz aber, der sehr kapitalintensiv ist und mit Risiken verbunden, die einen erheblichen Bewertungs-Abschlag gegenüber Firmen wie beispielsweise NextEra Energy (NEE) rechtfertigen, die ohne Altlasten schon im Geschäft mit erneuerbarer Energie sind.

Insofern ist nicht sicher, dass heutige Ölaktien wie Shell im Kurs immer weiter fallen werden, weil diese sich ja - wie Shell es versucht - von Öl und Gas wegwandeln könnten. Es sind dann aber in der Substanz andere Firmen mit anderem Geschäftsmodell, die immer noch wie die alten Ölfirmen heissen. Sollten die Firmen aber mit ihrem jetzigen Öl- und Gas-Geschäft einfach unverändert weitermachen, werden diese mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig fallen, was ich hoffe oben deutlich gemacht zu haben.

Eine Investition in den Sektor kann also immer noch Sinn machen, man sollte dabei aber sehr selektiv vorgehen und sich unbedingt des oben beschriebenen Bewertungs-Mechanismus bewusst sein. Der Markt diskontiert Zukunft, er bewertet nicht die Vergangenheit!

Vielleicht hat dieser Artikel ja ein wenig Licht ins Dunkel gebracht.

Ihr Hari

PS:

Und noch eine wichtige Erkenntnis liegt in obiger Erklärung: Das KGV ist *kein* Maßstab dafür, ob eine Aktie attraktiv oder nicht ist.

Denn das KGV beschreibt nur den Konsens der diskontierten Gewinnerwartungen in der Zukunft, es ist eine Momentaufnahme. Und egal ob das KGV 10 oder 40 ist, können diese Erwartungen sich in Zukunft als zu hoch, zu niedrig oder genau richtig heraustellen.

Wer also Aktien mit niedrigem KGV kauft, kauft Firmen die aus Sicht des Marktes keine große Zukunft mehr haben. Nicht mehr und nicht weniger. Zu glauben, dass der Markt sich dabei irrt, ist ohne wirklich tiefgehende Kenntnis der Branche und Firma eher naiv.

Man kann bei der Bewertung von Einzelfirmen sehr wohl klüger als der Markt sein, dafür braucht es aber Wissen und Erfahrung bei Firmenbewertungen sowie intensive Kenntnisse der Branche und des Wettbewerbsumfeldes. Ideal auch Insiderwissen.

Die große Mehrheit der Anleger, die mit KGVs und KBVs zur fundamentalen Bewertung von Aktien operieren, haben dieses anspruchsvolle Wissen aber *nicht*.

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Warum das KGV kein Timing-Indikator ist

Es ist traurig wenn man sieht, an wie vielen Stellen unbedarfte Anleger immer wieder und immer wieder mit Sätzen penetriert werden, die ungefähr so lauten:

Die Aktie ist mit einem KGV von soundsoviel Prozent zu teuer (bzw billig)

Dieser Satz und alle Abwandlungen davon, ist aber reiner Quatsch - Punkt! Wer solche Sätze für sich alleine schreibt, impliziert damit direkt, daß er/sie besser weiß als der Rest des Marktes, was für eine Aktie die angemessenen Gewinnerwartungen sind. Viel Glück mit dieser Hybris, eines verspreche ich, zu Erfolg im Depot wird es nicht führen.

Denn das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie, spiegelt die Gewinnerwartungen des Marktes in die Zukunft wieder und nichts sonst. Also das Vielfache des Gewinns, das ein theoretischer Gesamtunternehmenskäufer für das Unternehmen aktuell bereit wäre zu zahlen.

Bei Unternehmen, denen man ein starkes Wachstum zubilligt, ist der Wert natürlich viel höher, als bei Unternehmen die nicht wachsen oder sogar schrumpfen. Wer wollte nicht eine Google im Jahr 1998 aufkaufen, oder? Eine Xerox dagegen eher nicht. Diesen Unterschied der zukünftigen Entwicklung, spiegelt das KGV wieder.

Ein kleines KGV ist also nicht Ausdruck einer "billigen "Aktie, sondern Ausdruck negativer Markterwartungen an die zukünftigen Gewinne. Und ein hohes KGV ist Ausdruck hoher Wachstums- und Gewinnerwartungen, sonst nichts. Man schaue noch einmal auf diesen Artikel zu Amazon aus 2016, nun ist der Kurs noch viel höher: -> Amazon - der Beweis für die Klugheit des Marktes <-

Das KGV ist also nichts weiter als eine Ist-Aufnahme der Erwartungen, die der Markt in der Gegenwart an den Gewinn eines Unternehmen hat.

Der obere Teil des KGV, der Kurs, wird dabei immer vom Markt brandaktuell ermittelt und stellt zu jedem Zeitpunkt die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer dar. Der untere Teil des KGVs aber, der Gewinn, wird aber auf Basis von manchmal mehrere Monate alten Daten - dem letzten Quartals-Gewinn bzw letzten Gewinn-Forecast nämlich - berechnet, womit das KGV in besonderen Fällen sogar völlig veraltet sein und auf die falsche Fährte führen kann, dazu unten mehr für Zykliker.

Abgesehen davon, eine Ist-Aufnahme der Erwartungen, kann immer richtig oder falsch sein, der Markt kann die Lage überschätzen, unterschätzen oder richtig sehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt die Risiken unterschätzt, ist bei einem KGV von 100 keineswegs größer als bei einem KGV von 10, auch wenn unser Affenhirn uns so etwas einflüstert. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt die Chancen unterschätzt, ist ebenso bei einem KGV von 10 nicht größer, als bei einem KGV von 100. Beides sind nur rechnerische Grö0en, die sich jederzeit verdoppeln oder halbieren können.

Ich könnte das nun mit endlosen Charts im Stile Amazons belegen oder mit "Gurken", die mit KGV von 6 immer weiter fallen und am Ende Pleite gehen. Die Friedhöfe der Börsen sind voll mit solchen Aktien. Ich brauche aber hier nichts zu beweisen, entweder Sie erkennen die Wahrheit darin, oder lassen es bleiben.

Was ich Ihnen aber noch zur Unterstützung des Themas in Erinnerung rufen will, ist ein alter Artikel aus dem Jahr 2012 - ja diesen Blog gibt es mittlerweile schon mehr als 6 Jahre. 😉

Er heisst -> Warum billige Zykliker teuer sind und umgedreht <- und erklärt am Beispiel einer speziellen Art von Aktie, wie das KGV völlig falsche Signale geben kann, wenn es nicht richtig verstanden wird.

Hier ist der Artikel im vollen Wortlaut noch einmal:

Gerne wird ja das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Anlegern benutzt, um einzuschätzen, ob eine Aktie "billig" oder "teuer" ist. Wie sehr dieses Kriterium aber bei Zyklikern in die Irre führt, will ich mit Ihnen heute besprechen.

Zyklische Aktien wie zum Beispiel Stahl, laufen ja in der Regel mit der Konjunktur in Wellen - auch Schweinezyklus genannt. Der Ablauf ist dabei immer der gleiche. Eine anziehende Konjunktur sorgt für erhöhte Nachfrage. Das treibt bei bestehendem Angebot die Preise und die Gewinne der Unternehmen. Was wiederum zur Kapazitätsausweitung und Investitionen der Zykliker führt - siehe die neuen Stahlwerke von ThyssenKrupp. Diese Kapazitätsausweitungen werden solange vom Markt aufgesogen, solange die Nachfrage weiter steigt, was wiederum zu erneuten Kapazitätsausweitungen führt.

Irgendwann steigt die Nachfrage nicht mehr, die Kapazität steigt aber weiter, weil diese Investionen ja Jahre brauchen bis sie den Markt erreichen. So trifft dann am Höhepunkt der Konjunktur eine seitwärts laufende oder leicht fallende Nachfrage auf immer weiter steigende Kapazitäten, was zwangsläufig den Preis ins Bodenlose drückt. Der sinkende Preis sorgt für die Abschaltung oder Aufgabe von Kapazitäten, solange bis die Nachfrage nicht mehr fällt und eine wieder steigende Nachfrage auf immer noch fallende Kapazitäten trifft. Und so setzt sich eine neue Runde des Schweinezyklus in Bewegung.

Der Grund für diesen Effekt liegt also in der zeitlichen Disparität zwischen der Entwicklung der Nachfrage und der Entwicklung der kapitalintensiven Produktionskapazitäten.

Schauen wie uns nun einmal an, wie sich die Aktien der Zykliker und das KGV entwickeln. Und hier haben wir auch eine massive Disparität zwischen den Gewinnschätzungen und dem Kursverlauf, die von unerfahrenen Anlegern immer wieder falsch interpretiert wird. Denn die Gewinnschätzungen laufen der Wirklichkeit um Monate nach. Die Kursentwicklung läuft aber der Konjunkturentwicklung vor, weil der Aktienmarkt ein ausgezeichneter konjunktureller Frühindikator ist.

Am Höhepunkt des Booms werden die Gewinne der Zykliker in die Folgejahre fortgeschrieben, was auf dem Papier zu sehr geringen KGVs führt. Auf dem Höhepunkt sehen die Aktien also "billig" aus. Und wenn dann der Frühindikator "Mr. Market" schon zu fallen beginnt, werden die Kurse optisch nur noch billiger, was viele veranlasst, dann 20% unter dem Zyklushoch die Aktien für "sehr billig" zu halten. Sie sehen aber nur so aus, weil die Gewinne des Aufschwungs einfach fortgeschrieben wurden. In Wirklichkeit hat der Absturz gerade erst begonnen.

Umgedreht ist es am Tiefpunkt. Der Tiefpunkt ist typischerweise dadurch gekennzeichnet, dass die Firmen kein Geld mehr verdienen, weil der Marktpreis ins Bodenlose gefallen ist. Genau dann werden die Entscheidungen getroffen Kapazität abzubauen und aus dem Markt zu nehmen. Und genau dann sehen die KGVs extrem hoch aus, da sind 50 oder 60 durchaus möglich - was kein Wunder ist, wenn die Firmen kaum mehr Geld verdienen. Genau dann stabilisiert sich aber der Marktpreis und die Gewinne beginnen wieder zu fliessen, was die KGVs dann ganz schnell wieder in normale Regionen bringt.

Abweichend von dem was unerfahrene Anleger erwarten würden, gilt also:

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu verkaufen ist dann, wenn die Aktie optisch billig aussieht und die Kurse aber schon fallen und sich gerade ein neuer Abwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment kauft Otto Normalanleger aber, weil die vermeintlich billigen Kurse den "Buy-the-Dip" Reflex auslösen.

-> Der beste Zeitpunkt einen Zykliker zu kaufen ist dann, wenn die Aktie optisch teuer aussieht und die Kurse aber wieder steigen und sich gerade ein neuer Aufwärtstrend etabliert.

Genau in diesem Moment traut sich Otto Normalanleger aber nicht zu kaufen. Vielmehr ist der Kursanstieg bei so "hoher" Bewertung für ihn das Signal, nun endlich seine Verluste zu realisieren und endgültig auszusteigen, nachdem er den gesamten Absturz bis dahin brav ausgesessen hatte.

Das Fazit ist, dass das KGV für sich alleine kein Timing-Indikator ist. Punkt. Es kann zusammen mit anderen Informationen eine hilfreiche Information zur Entscheidungsfindung liefern, aber nur wenn man versteht was es ist:

Eine Ist-Aufnahme der Gewinn-Erwartungen des Marktes an eine Aktie und sonst gar nichts!

Ihr Hari

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Prüfen Sie Ihre Informationsquellen!



Ich habe einige Zeit hin und her überlegt, ob ich das so schreibe, denn es ist wirklich nicht mein Stil, mich über andere Autoren zu mokieren oder mich an ihnen abzuarbeiten, jeder blamiert sich sozusagen auf seine Art und Weise.

Da ich Sie aber vor teuren Fehlern im Umgang mit dem medialen Rauschen bewahren will, muss ich manchmal zwangsläufig auch Bezug auf andere Texte nehmen und wenn diese Texte besonders viel Unsinn verbreiten, entsteht daraus indirekt auch eine Beschäftigung mit dem Autor, obwohl es mir darum wirklich in keinster Weise geht, sondern um den Inhalt.

Wenn ich Ihnen dann auch noch klar machen will, wie wichtig es ist am Finanzmarkt die Informationsquellen zu hinterfragen, kann ich das nicht mit allgemeinen Sätzen, sondern muss es erlebbar machen und dafür brauche ich ein Beispiel und schon rede ich zwangsläufig indirekt über jemand anderen - auch wenn es mir darum nicht geht, sondern nur um das Beispiel.

Ich betone das so, weil mir die letzten Tage mal wieder so ein Text quer gekommen ist, der nach meiner Einschätzung von besonders viel Unfug strotzt. Und er kommt von einem "alten Bekannten", Ronald Gehrt nämlich. Auch hier wieder, es geht mir nicht um Ronald Gehrt ich bin ihm nie begegnet, habe nichts gegen ihn, er ist privat bestimmt ein netter Mensch.

Was ich Ihnen aber am Beispiel vermitteln will ist, wie sehr Sie am Finanzmarkt die Quellen prüfen müssen, bevor Sie irgendetwas für bare Münze nehmen. Und wie sehr sich mal ein wenig Vergangenheitsbetrachtung dabei lohnen kann.

Denn das Problem ist, bei praktisch allen anderen Themen, lesen Sie im Web vielleicht auch Unfug, es wirkt sich aber nicht unmittelbar negativ auf Ihre Brieftasche aus. Am Finanzmarkt ist das anders, hier das Falsche zu lesen kann erhebliche monetäre Auswirkungen haben, wie alle mittlerweile gelernt haben sollten, die dem Dudelspiel der Crash-Propheten seit 2009 hinterherlaufen.

Das nur vorab, denn Ronald Gehrt ist für mich ein Beispiel, sonst nichts. Ich will mich weder in den Mann verbeissen, noch mich sonstwie daran abarbeiten. Schauen wir doch also mal beispielhaft wer das ist, denn der Mann ist in der Szene nicht völlig unbekannt ist, wenn man sich damit mal beschäftigt.

Er geht scheinbar schon seit Ende der 90er medial durch die deutsche Börsenlandschaft, hat viel an vielen Stellen geschrieben, einiges wurde auch wieder gelöscht, hat nach meinem Eindruck viel auch im bekannt-beliebten Tenor des "einsamen, weisen Warners" geschrieben, zum Beispiel bei -> RottMeyer <-. Lesen Sie mal im Nachgang die Texte von 2009, als die Märkte gerade abhoben, das ist ganz erhellend. Und er hat selber ein -> „System 22“ <- vertrieben, von dem man jetzt aber scheinbar nichts mehr hört, und, und, und - forschen Sie selber.

Selbst hier bei Mr-Market war er indirekt mal kurz Thema in 2015, als ich -> hier, scrollen Sie runter zu Dienstag 06.10.15 08:50 - Test of Strength - Festigkeitsprüfung <- mich anhand seines Textes stellvertretend über das negative Geraune geärgert habe, das die Anleger immer genau im falschen Moment in die falsche Richtung treibt. Danach ist der DAX übrigens von 9.730 am 06.10.15 bis 11.430 am 01.12.15 gestiegen, gleich 17% Plus, nicht so schlecht. 😉

Das nur als Beispiel, dass es Sinn macht, bei Autoren im Finanzmarkt mal genau hinzuschauen, was sie für einen Track-Record haben. Erneut, mehr will ich dazu nicht sagen und auch nicht weiter werten, es geht nicht um den Mann, der ist hier nur ein Beispiel für das Prinzip, dass man besser prüft, wen man am Finanzmarkt ernst nehmen will, sonst nichts.

Worum es hier im Artikel aber geht sind die Inhalte, mit denen unbedarfte Anleger immer wieder penetriert werden! Und da bin ich aktuell von Ronald Gehrt wieder über das gestolpert:

-> Das Forward P/E Ratio, die gefährliche Waffe der Analysten <-

Dieser Artikel wird nicht nur bei Godmode, sondern auch -> hier bei Lynx <- unters Volk gebracht, was bei beiden Portalen viel über die redaktionelle Qualität der Inhalte aussagt.

Was mich so ärgert und zu diesem Artikel veranlasst ist das Wissen, wie viele Unbedarfte das wieder lesen werden und heftig nicken werden und damit wie 2009, wie 2011 und wie im Herbst 2015 wieder zu denen gehören werden, die sich von wohlfeilem Geraune auf eine völlig falsche Bahn bringen lassen.

Lesen Sie den Artikel selber und schauen Sie mal, ob Sie als treues Mr-Market Mitglied, die vielen sachlichen Fehler darin und die zwischen den Zeilen verbreitete Botschaft mittlerweile selber sehen. Ich will das gar nicht im Detail sezieren, ich will Ihnen aber noch einmal klar machen, was wirlich Realität zum Thema ist:

Erstens, ist das KGV einer Aktie nicht die Gegenwart und die Realität, sondern die Vergangenheit.

Zweitens, entstehen Kurse an der Börse nicht aufgrund der Vergangenheit, sondern *nur* aufgrund der Zukunftserwartungen und dabei insbesondere der Erwartungen an das nächste Jahr.

Drittens, ist deshalb das "Forward P/E" (also das KGV des Folgejahres) genau das in Zahlen gefasste Abbild der Erwartung, aus der die Börsenkurse der Gegenwart entstehen.

Viertens, sagt ein KGV rein gar nichts darüber aus, ob eine Aktie "teuer" oder "billig" ist. Es sagt nur etwas darüber aus, wie viel Gewinnvielfache der Markt dem Unternehmen aktuell als Wert zubilligt. Eine Amazon mit hohen Wachstumsperspektiven hat deshalb immer ein viel höheres Multiple gehabt, als eine E.ON ohne echte Wachstumsperspektive. Und das ist genau richtig so.

Fünftens, kann sich diese Markterwartung, die sich im KGV zeigt, als richtig oder falsch heraus stellen. Eine Aktie mit hohem Multiple kann also weiter steigen, weil die Gewinne noch schneller wachsen als erwartet und eine Aktie mit niedrigem Multiple kann noch tiefer fallen, weil die Gewinne noch mehr sinken als erwartet.

Sechstens, ist ein KGV daher egal in welcher Form auch immer, als KGV wie als Forward-KGV, *kein* Timing-Indikator, der Auskunft darüber gibt, ob die Aktie im Folgejahr steigt oder fällt. Denn der Markt kann sich immer und bei jeder Aktie in beide Richtungen irren, er kann zu optimistisch, aber auch zu pessimistisch sein.

Siebtens, stellen von Banken bezahlte Analysten die Wirklichkeit immer eher zu positiv dar, weil die grossen Firmen oft gleichzeitig Kunden der Banken sind. Verkaufs-Empfehlungen von Analysten zu finden, ist also eine Seltenheit, weswegen auch Analysten-Empfehlungen nicht als Timing-Indikator geeignet sind. Das hat aber mit dem KGV oder Forward-KGV rein gar nichts zu tun und ist ein genereller Interessenskonflikt.

Achtens, ist das Forward KGV (Forward P/E) von allen Gewinnmultiples noch das Bedeutendste, weil es - wenn es von den Forecasts des Managements in den Earning-Calls abgeleitet wird - tatsächlich die Erwartungen beschreibt und damit warum die Kurse aktuell so sind wie sie sind.

Neuntens, beschreibt das Forward KGV (Forward P/E) aber weder wo der Kurs Morgen steht, noch ob die Aktie billig oder teuer ist. Nach dieser Definition war Amazon die letzten 20 Jahre viel zu teuer. Und wozu hat das geführt? War das ein Timing-Indikator?

Zehntens, gilt das Gesagte nicht nur für Aktien, sondern auch für Indizes und ganze Märkte. Wenn der Markt aktuell den US Indizes ein höheres Multiple gewährt als dem DAX, hat das Gründe darin, dass die Erwartungen an die US höher sind - Stichworte Steuerreform, Infrastruktur etc während hier die Groko den "Aufbruch" als Schildkröte inszeniert. Daraus ableiten zu wollen, dass man deswegen nun in den DAX investieren muss, weil er "billiger" sei ist ebenso falsch wie Anfang 2017. Wo der Markt sich irrt, wissen wir nicht, vielleicht wird es bei uns noch schlimmer, während die US Wirtschaft noch mehr brummt.

Fazit

Prüfen Sie Ihre Informationsquellen! Ich finde es schlicht schrecklich zu sehen, wie unbedarfte Anleger immer wieder mit der gleichen Honigfalle - die am egoschmeichelnden Wunsch ansetzt klüger als der Markt zu sein - auf die falsche Bahn gebracht werden.

Es kann nicht schaden bei Autoren mal zu googlen, was sie alles schon so geschrieben haben, bevor man Dinge ernst nimmt. Von mir ist übrigens nichts gelöscht, Sie können *alles* noch lesen, was ich je öffentlich geschrieben habe.

Wenn Sie das tun, werden Sie Einiges finden, was dann doch anders kam und wo meine Einschätzung falsch war, ich bitte Sie, ich habe auch keine Glaskugel. Bei den zentralen Themen aber, wie dem Inhalt dieses Beitrags, wiederhole ich seit Jahren immer wieder das Gleiche wie eine Gebetsmühle. Und bei der großen Markteinschätzung war ich auch immer tendenziell auf der richtigen Seite, grundsätzlich gegen den Markt gestellt habe ich mich nie und das war und ist verdammt richtig so.

Erneut, machen Sie sich klar, wie leicht unser Ego mit solchen Texten anzulocken ist. Es ist einfach verlockend sich als Teil einer kleinen Minderheit zu kaprizieren, die besser weiss als der Markt was richtig ist und deshalb hat dieser Stil und haben Crash-Propheten auch immer so eine zuverlässige, hinter vorgehaltener Hand raunende Leserschaft. Beim letzten Tichy-Artikel habe ich auch so einen lustigen Kommentar von einem offensichtlichen "Gold-Bug", der weiss auch ganz genau was die Zukunft bringt und ist fest eingemauert in seiner Gedanken-Burg. Nun denn. 😉

Es ist aber sachlich Unfug, der Markt ist in der Regel *klüger* als wir und bewertet Unternehmen in der Regel *aus gutem Grund* so wie er sie bewertet. Eine Überraschung kann also grundsätzlich immer in beide Richtungen kommen, egal wie das KGV ist. Und das KGV ist und bleibt kein Timing-Indikator, egal ob als "Forward" oder in der Vergangenheit.

Der Markt muss schon sehr stark in eine Richtung gedehnt sein, dass man daraus einen belastbaren, statistischen Edge generieren kann. Das ist manchmal vor Quartalszahlen so, wenn die Kurse schon sehr viel vorweg genommen haben, kommt aber eher selten vor.

Also, prüfen Sie Ihre Informationsquellen bevor Sie diese ernst nehmen und lesen Sie lieber bei den Autoren intensiver und mehr, denen Sie aus gutem Grund trauen können. Quer durch das Internet zu rennen und alles ernst zu nehmen, kann gerade am Finanzmarkt fatale Folgen haben.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Steuerreform!



Machen wir es kurz, dieses Mal ohne Fragezeichen: -> Steuerreform! <-

Details sollen später am Tag folgen, aber der Markt wird es wohl mögen. Ob es dann wirklich die "grösste Steuerreform der Geschichte" ist, wird sich zeigen, bedeutend und eindrucksvoll ist sie schon. Besonders mag der Markt die Signale von Paul Ryan, die die Wahrscheinlichkeit dass sie auch in den Häusern durchgesetzt werden kann, deutlich erhöhen.

Wirklich entscheidend ist aber, dass die Gewinne der Unternehmen damit steigen werden und zwar um grob geschätze 10-20%, womit damit auch das sich daraus unmittelbar ergebende Steigerungspotential im Aktienmarkt definiert ist. Alle Rechnungen, dass die US Aktien "überbewertet" seien, sind nämlich Makulator, wenn die Gewinne tatsächlich um 10-20% steigen, woran man sieht, wie wenig diese fundamentalen Masstäbe beim Markttiming hilfreich sind, auch nicht beim langfristigen Markttiming, Nobelpreise hin oder her. Die wurden sowieso schon für allerlei vergeben, die Juroren sind eben auch nur fehlbare Menschen voller Vorlieben wie wir alle.

Wann hat eigentlich Robert Shiller zum ersten Mal eine klare Überbewertung ausgerufen? Ich glaube mindestens seit den Jahren 2013/2014, da habe ich diverse Artikel gefunden, suchen Sie selber mal nach Shiller KGV in den Jahren. Dabei will ich ja gar nicht auf Shiller herum reiten, der ist gewiss noch einer der seriösen der permanenten Crash-Warner und behauptet auch gar nicht, dass seine Methode ein unmittelbares Timingtool wäre, insofern wäre es auch nicht fair, ihm das vorzuwerfen, was ich auch gar nicht tue.

Trotzdem generieren solche Berechnungen und Warnungen ja Wirkung und zwar in den Depots der Anleger eine verheerende. Es ist einfach besser, den Markt als dynamisches System zu verstehen, dessen Trends man einfach so lange wie möglich folgt. Was dabei irgendwelche Berechnungsmethoden ausspucken, ist nicht wirklich von viel Belang, nur die Kurse zählen.

Um das zu verdeutlichen, habe ich hier das langfristige Chart des SP500 mit einer Projektion wohin das führt, wenn man die aktuelle Struktur im Sinne des Measured Move fortschreibt. Und ich habe spasseshalber mal das Niveau 15% höher markiert, so als ob sich die Steuerreform durchsetzen würde und zu einer entsprechenden Gewinnerhöhung führen würde.

2.600-2.700 ist also tatsächlich der Zielbereich der sich im SP500 ergibt, wenn diese Steuerreform Realität würde. Jetzt wird das in der Realität nicht diesen Sommer so steil hoch gehen, das ist ja nur eine bewusste optische Symmetrie. Ich habe Ihnen zum Beispiel erst vorgestern in -> Sommer Szenario <- ein weit weniger bullisches Bild des DAX über den Sommer gezeigt. Aber zum Jahresende, halte ich das Ziel 2.600-2.700 im SP500 für durchaus realistisch erreichbar - wenn diese Steuerreform kommt.

Achja und dann habe ich böser Mensch den Jahreswechsel 2013 und 2014 markiert mit all den damaligen, wohlfeilen Warnungen dem Markt wegen "Überbewertung" nun fern zu bleiben:

Ganz "tolle" fundamentale Analysen damals kann ich da nur sagen, *sehr* hilfreich für die Anleger. 😉

Aber ich bin heute mal noch fieser, der "Darth Vader" der Börsenkommentatoren sozusagen und will diesen ganzen fundamentalen Logiken mal die opportunistische Logik gegenüber stellen, die der Zukunft offen gegenüber steht und diese nicht zu erraten versucht.

Hier ist eines meiner vielen Charts in diesem Tenor von letztem Sommer, hier aus -> Allzeithoch? <-, in denen ich Ihnen wie Sie wissen, die prinzipielle Dynamik und das Potential des Ausbruchs aus der Konsolidierung gezeigt habe:

Natürlich habe ich auch andere Szenarien gezeigt, auch mögliche Einbrüche, es war ja nur ein Szenario ich bin keine Prognostiker, ich denke in Szenarien. Wir waren diesem bullischen Ausgang aber immer offen gegenüber und hatten ihn auf der Rechnung.

Und genau diese Offenheit hat dann ermöglicht, ihn auch mitzunehmen, als mit Trump das grosse Startsignal kam.

Wer glaubt, mit irgend einer fundamentalen Methode dem Markt vorschreiben zu können, ob er nun fallen muss, legt sich innerlich fest und nimmt sich diese innere Freiheit, weil er dann ja gegen die inneren Überzeugungen agieren müsste.

Meine Argumentation zielt also gar nicht darauf, ob solche Analysen nun gut oder schlecht wären, einige sind doch auch gut und es schadet nicht sich klar zu machen, wenn der Markt auch fundamental überdehnt ist. Um dieses Missverständnis also auszuräumen, ich finde solche Analysen wie Shillers KGV also sogar gut und durchaus geistig anregend.

Der entscheidende Punkt ist der Pychologische. Verbindet man mit so einer Analyse seine Marktmeinung, dann begeht man einen grossen Fehler. Und weil eine Mehrheit der Anleger das nicht trennen kann und sich festlegen will, entfalten diese Prognosen so eine verheerende Wirkung für die Depots, weil sie die Anleger aus einem Bullenmarkt treiben, wenn wie 2013/2014 gerade mal bestenfalls die Hälfte des Weges zurück gelegt ist.

Deshalb sind Prognosen Unfug. Deshalb schadet es, sich darauf innerlich festzulegen, ob ein Markt nun "teuer" ist, weil es uns innerlich zu unserem Schaden bindet. Die Wahrheit ist aber: Nur die Kurse zählen und solange die steigen, nennt man das einen Aufwärtstrend. Und deshalb ist es wichtig, dass wir offen und opportunistisch bleiben. Wir folgen einfach dem wahrscheinlichsten Trampelpfad des Marktes.

Was andere dazu "berechnen" hat für uns nur anekdotische Relevanz, Mr-Market macht sowieso was er will. Und wenn die Fundamentalisten alle Marktteilnehmer davon überzeugt hätten, dass der Markt nun fallen muss weil er zu teuer ist, müsste er zwangsläufig steigen, selbst wenn die Fundamentalisten inhaltlich recht hätten und richtig gerechnet haben. Das nennt man eben die Reflexivität und die ist stärker als alles andere, denn der Markt ist eben ein dynamisches System und kein berechenbares Subjekt, das man nur analysieren muss, um ihn zu durchdringen.

So ... Sie kennen diese Argumentation zu Genüge, aber ich wiederhole sie immer wieder. Nicht nur wegen der neuen Mitglieder, sondern auch weil die Wiederholung wichtig ist, denn wir Menschen neigen sonst immer wieder dazu, dem Markt unseren Willen aufzwingen zu wollen.

Der Markt macht was er will! Und wenn er tatsächlich drehen will, werden wir auch das sehen. An den Kursen selber, der einzigen objektiven Wahrheit!

In diesem Sinne schauen wir nun mal ganz entspannt, ob es eine leichte "Sell the News" Reaktion nach der Pressekonferenz gibt. Sie wäre eigentlich logisch. Aber was logisch ist, macht der Markt sehr ungern. 😉

Und selbst wenn diese Sell the News Reaktion kommt, wenn diese Steuerreform Realität wird, ist sie eher eine Kaufgelegenheit als das Gegenteil.

Bis Morgen, bis uns Freund Mario wieder mit seinen betörenden Lippen beglückt. Und schauen wir auf die endlosen Quartalsberichte heute nach Börsenschluss.

Ihr Hari

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Der Fall KTG Agrar



Einen Artikel habe ich heute doch noch ausser der Reihe. Die nun folgende Botschaft, kennen treue Leser zwar schon, aber man kann sie trotzdem nicht oft genug wiederholen.

Sie haben bestimmt schon von KTG Agrar (A0DN1J) gehört. Ist ja scheinbar "hochsolide" Landwirtschaft. Getreide, Kartoffeln, Raps und Soja, sowie Strom, Biogas und Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen, sind die Kerngeschäftsfelder.

Das ist solide, das ist sympathisch, das ist erdverbunden. Und dann noch auf deutschem Boden!

Keine "gelgehaarten Jünglinge" in London, keine "gelackten Gockel" in Paris. Das ist ehrliche, harte Arbeit, das muss der Typus Anleger haben, der Nachhaltigkeit liebt und das Wort "Finanzmafia" im Munde führt, wenn er von der Börse hört. Der Typus Anleger, der auch Prokon gut fand und wahrscheinlich noch findet.

Auf der -> eigenen Website <- sehen wir "glückliche Hände" mit Kartoffeln und lesen:

Wir leben Landwirtschaft. Seit 20 Jahren sind wir Landwirte. Heute bewirtschaften wir über 46.000 Hektar Ackerland in Deutschland und Litauen. Damit sind wir einer der führenden Agrarbetriebe in Europa.

Dieser Typus Anleger ist sicherheits-süchtig und liebt daher auch den "Value-Ansatz" von Warren Buffet, zumindest das, was ihm in Deutschland als -> Zerrbild des Value-Investing <- verkauft wird. Und so schaut er beglückt auf die Fundamentalkennziffern:

Kurs/Buchwert (KBV) unter 1! Man bekommt also 46.000 Hektar Land unter dem Marktpreis. Wie "geil" ist das denn?

Kurs/Gewinn Verhältnis (KGV) von 2,1 für 2016! Unglaublich!

Dividendenrendite 2016 von 7%! Sabber.

Spätestens jetzt setzt das Hirn bei unserem "nachhaltigen" Anleger mit dem Hang zum "Soliden" aus und seine Handlungen sind nicht mehr so nachhaltig und solide wie im Selbstbild, sondern hektisch und von der Angst getrieben, nicht schnell genug zu sein, bevor andere ihm diese riesige Chance wegschnappen.

Egal ob Aktie oder Anleihe, KTG Agrar muss man nun haben! Schnell, bevor es die Anderen erkennen! Das sind sichere Gewinne, was kann da schon schief gehen?

Wir aber, hier bei Mr-Market, verstehen ein bischen mehr. Und schauen auf das Chart. Und sehen - *upps* - das:

KTG 16.06.16

Nun forschen wir und finden schnell das:

-> Das 214 Millionen-Euro Geheimnis von KTG Agrar <-

-> KTG Agrar - chinesischer Grossinvestor zögert mit Einstieg <-

Guck an. Bei dem ach so soliden Unternehmen geht die Pleiteangst um, weil die Rückzahlung von Anleihen fragwürdig ist und Zinsen schon nicht bedient wurden. Deshalb also stürzt der Kurs so ab, der Markt weiss mal wieder mehr!

Schaut man auf die Kursentwicklung der letzten Jahre und hat das Wissen, sich ernsthaft mit dem Cashflow zu beschäftigen, konnte man schon vor dem Absturz bemerken, dass hier nicht alles so "nachhaltig" war, wie in der Werbung suggeriert und statt dessen eine finanziell agressive Expansionsstrategie gefahren wurde.

Aktuell ist völlig offen, ob KTG Agrar überlebt, mit der leichten Tendenz zum Nein. Wenn das Unternehmen überlebt, ist das die gigantische Kaufgelegenheit. Wenn nicht, wird jeder investierte Euro auf Null fallen.

Denn machen wir uns nichts vor, sicher haben die Ländereien Wert, die Aktionäre werden davon aber im Pleitefall ebenso wenig sehen, wie von den Ländereien von Peabody Energy (BTU) und anderen Pleiteunternehmen.

Was im Falle einer Insolvenz passiert, hatte ich in -> Lehrer Bömmel und die Kreditkrise <- schon Anfang des Jahres erklärt.

Der Markt bewertet KTG Agrar also gerade dem Risiko angemessen. Und alle KGVs und KGVs können Sie ebenso vergessen, wie das KBV von 0,1 das Peabody Energy kurz vor der Insolvenz hatte.

Wir merken uns also, falls wir es noch nicht wussten:

Erstens - Wo Rauch ist, da ist auch Feuer!

Zweitens - Aktien mit zu geringen KGV und KBV Werten sind nicht interessant, sondern genau deswegen Anlass zur Skepsis.

Drittens - Der Markt hat (fast) immer Recht. Er weiss einfach (fast) immer mehr als wir.

Viertens - Der wichtigste Massstab, ob ein Unternehmen interessant ist, ist daher nicht irgendein fundamentaler Wert, sondern immer der Kurs - die Summe des Wissens der Schwarmintelligenz mit Namen Markt.

Fünftens - Klüger als der Markt zu sein und tiefer als er hinter die Fassade schauen zu können, erfordert ein sehr hohes zeitliches und intellektuelles Engagement. "Nebenher" mit Blick auf ein paar Zahlen, ist das eine Illusion.

Ihr Hari

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Petrobras & Volkswagen: Non-Value

Der folgende Artikel erschien Montag 28.09.15 10:30 in Hari Live und adressiert das ganz grundsätzliche Problem eines fehl interpretierten Value-Gedankens, mit dem sich zu viele Anleger immer wieder "Anlage-Gurken" ins Depot holen und daran dann auch noch zu lange festhalten.

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Ich habe hier ja schon oft gegen einen naiven, völlig falsch verstandenen Value-Gedanken gewettert, der dummerweise gerade in Deutschland immer wieder den unbedarften Anlegern verkauft wird und dort - typischerweise auf der Suche nach "Sicherheit" - auf fruchtbaren Boden fällt.

Und das ist der Irrglaube, dass es reichen würde, auf vergangene Stärke und die damit verbundenen Parameter wie KBV und KGV nach dem Motto "je kleiner desto besser" zu schauen, um "Value-Aktien" zu identifizieren.

Ich muss hier die Argumentation warum das Unfug ist, nicht wiederholen, sie steht sehr ausführlich im Artikel
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-.
Der Tenor lautet: Value-Investing funktioniert. Aber nicht so trivial und nicht so einfach für normale Anleger.

Es gibt aber aktuell einen geradezu wunderbaren Fall, um das Zerrbild zu demontieren und nein, das ist nicht Volkswagen, obwohl man das Thema auch da fest machen kann.

Es ist der brasilianische Öl- und Staats-Konzern Petrobras, der nicht nur mit dem niedrigen Ölpreis, sondern auch mit Korruption und zu grossem staatlichem Einfluss zu kämpfen hat. Und darüber wollte ich schreiben.

Dummerweise ist mir Ende letzter Woche dann Mark Dittli von der FuW im Artikel -> Der Bondmarkt-Wahnsinn <- zuvor gekommen, so dass ich die Story dahinter nun nicht wiederholen muss.

Ich will aber trotzdem noch ein paar ähnliche Sätze aus der Sicht der Aktienanlage hinzu fügen. Denn einige von Ihnen werden sich sicher daran erinnern, wie Petrobras 2010 oder 2011 gesehen wurde:

Riesig, erfolgreich, gigantische Ölfelder neu entdeckt, Teil einer dynamisch wachsenden Volkswirtschaft, gering bewertet, hohe Dividenden usw usw. Genau das war ein klassischen Beispiel für das Zerrbild des Value-Investings.

Und hier haben wir nun die US notierten ADRs zu Petrobras. Tiefer geht immer, oder? Und das soll "Value" sein?

Petrobas 28.09.15

Was ist passiert? Sie lesen es zum Teil bei Markt Dittli, aber gewisse Parallelitäten zu Volkswagen sind für mich persönlich durchaus da, wo es ja auch eine Staatsbeteiligung über das Land Niedersachsen gibt:

Grössenwahn, Korporatismus, Gemauschel und Rücksichtsnahmen zwischen Regierungen und Unternehmen und bei Petrobras zusätzlich und als I-Tüpfelchen sogar noch Korruption.

Und dann bringt das Schicksal halt plötzlich eine unerwartete Änderung der Spielregeln, wie bei Petrobras der stark fallende Ölpreis oder bei VW nun das aktuelle Geschehen, vermengt mit der Gezeitenwende der Elektromobilität.

Und es macht *Autsch* und alle schlummernden Probleme treten offen und schmerzhaft zu Tage. Was ist also eher "Value" als eine Petrobras?

Es sind Unternehmen mit einem dauerhaft stabilen Geschäftsmodell, die wachsen, agil sind und bewiesen haben, dass sie sich verändernden Umgebungsbedingungen schnell anpassen können und nicht wie die Dinosaurier beim ersten Meteoriten-Einschlag zu Grunde gehen. Und die auch nicht nur von einem Faktor wie dem Ölpreis abhängen.

Und um die zu finden, muss man sich intensiv mit dem Geschäftsmodell beschäftigen und auch nicht nur mit der Bewertung der Vergangenheit, sondern mit dem, was die Zukunft wahrscheinlich zu bieten hat. Das ist für normale Anleger kompetent fast nicht zu leisten und stellt sehr hohe Anforderungen, die weit über das Ablesen von Vergangenheits-Indikatoren wie KBV hinaus gehen.

Wenn man dem aber mit geringem Aufwand ein wenig näher kommen will, dann sind das Unternehmen wie die vorgestellte -> Procter & Gamble <- und eben nicht eine Petrobras, bei der alles von einem Parameter - dem Ölpreis - abhängt. Und auch nicht Volkswagen, das kurz vor einer bedeutenden Umwälzung der Technologie, einfach zu gross und träge geworden ist und auch ohne den aktuelle Skandal schon zum Problemfall geworden ist, siehe auch meinen Artikel schon von Mitte Juli -> Problemfall Volkswagen <-.

Übrigens, wer sehen will, wie es bei Volkswagen weiter geht, findet hier auch in der FUW ein treffendes Muster: -> BP has not outperformed since the scandal <-.

Wer also unbedingt VW mag und als Aktie nun unbedingt will, kann das mit Kursen unter 100€ vielleicht mit sehr langfristigem Ansatz tun. Vielleicht. Ich persönlich mache das nicht und bin daran völlig desinteressiert, aber ein langfristiges Investment mit Einstieg unter 100€ wäre vielleicht zu verantworten.

Nur schnelle Gewinne braucht man eher nicht zu erwarten, das Thema wird nun lange und schmerzhaft Folgeschäden generieren. Und wenn das so ist, warum will man dann überhaupt VW nun näher treten? Ich will und werde es auf jeden Fall *nicht*, ausser als taktischer Trade.

Denken wir einfach an Petrobras und wie wenig Grösse und Vergangenheitszahlen bedeuten, wenn ein Gezeitenwechsel in der Welt ansteht! Und wer davon auch noch nicht überzeugt ist, kann ja mal an E.ON und RWE denken.

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Mit dem Wind im Rücken zum Markterfolg segeln

Der folgende Beitrag erschien schon vor ca. 5 Monaten am Donnerstag 12.03.15 14:20 in Hari Live und wurde für den freien Bereich nun noch gering angepasst, weil einige Referenzen im Originalartikel nicht frei verfügbar sind.

Da fragen Sie sich sicher, wie kann ein 5 Monate alter Beitrag noch interessant sein?

Die Antwort ist, weil er sehr grundsätzlicher Natur ist und die Entwicklung der letzten Monate sehr präzise gezeigt hat, wie zutreffend er doch ist.

Und er passt gut zu anderen Beiträgen der letzten Monate im freien Bereich, wie -> Kohle - tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-

Hier geht es los:

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Ich habe schon mehrfach über eine -> Sektorenstrategie für normale Anleger <- geschrieben.

Und in Hari Live habe ich unter dem Titel "Das langfristige Megatrend-Depot für den kleinen Geldbeutel" auch darüber geschrieben, warum es für kleine Depots Sinn machen könnte, seine Investments auf die grossen Megatrends zu konzentrieren.

In dem Artikel hatte ich darauf hingewiesen, dass:

  • Zykliker zwar wild hin- und her schwingen, langfristig aber nicht vom Fleck kommen.
  • Rohstoffe oder Gold, in ihren Bewertungen zwar wild schwanken können, aber kein echtes Wachstum durch Innovation in sich tragen.
  • Reine "Cash-Kühe" ohne Wachstum, zwar jede Menge Cash per Dividende ausschütten, am Ende aber langfristig nicht vom Fleck kommen.
  • Niedrige KBVs und KGVs und hohe Ausschüttungen, keine langfristige Sicherheit verschaffen.
  • Sehr langfristig über Jahrzehnte genau die Firmen am "sichersten" sind, die sich neben starken, eigenen Produkten, in einem stark wachsenden Marktumfeld bewegen, denen neue Kunden also sozusagen von alleine zufliegen, weil der sie umgebende Markt einfach wächst

Ich halte diese Aussagen immer noch für grundlegend richtig und wichtig.

Heute will ich mal daran anknüpfen und erklären, warum die Sektorenwahl bei der Frage, welche Aktie in ein Investmentdepot gehört, für mich das erste wichtige Nadelöhr ist, durch das ein potentielles Investment durch muss.

Denn wenn man ein langfristiges Investment tätigt, macht es jede Menge Sinn, das aus einem Sektor zu wählen, der langfristig wächst. Ein Sektor, bei dem der zu verteilende Kuchen also immer grösser wird.

Erfahrene Segler wissen zu Genüge, wie viel einfacher es ist, mit dem Wind im Rücken zu segeln, als gegen den Wind anzukreuzen. Letzteres geht zwar auch, erfordert aber weit höheren Aufwand, um voran zu kommen.

Und was beim Segeln der Wind ist, ist bei der Geldanlage der fundamentale Trend, der für steigende Umsätze und Gewinne sorgt. Unternehmen, die in so einem Markt sind, haben es leicht, den Aktionären Freude zu machen. Warum also, sollten wir bei der Geldanlage freiwillig auf diesen Vorteil verzichten?

Ich bin sowieso ein Fan des "Growth"-Gedankens. Denn Bewertungen, die sich aus der Vergangenheit herleiten, sind genau das: Vergangenheit. Viel wichtiger damit unsere Investmentdepots ergrünen ist aber, dass das Geschäftsmodell in der Zukunft Wachstum zulässt. Denn Wachstum wird langfristig in steigende Kursnotierungen umgesetzt. Und wenn die Grösse des zu verteilenden Kuchens wächst, fällt es Unternehmen leicht, daran Teil zu haben.

Neben der Grösse des zu verteilenden Kuchens, sind dabei aber die Eintrittshürden ebenso wichtig. Denn wenn ein Markt wächst, wollen andere auch daran Teil haben. Je schwerer das ist, je mehr Anlaufinvestitionen das erfordert, desto leichter tun sich die an der Börse notierten Platzhirsche, ihre Margen zu verteidigen.

Der ideale Sektor für ein Investment wäre also einer, der absehbar in den kommenden Jahren wächst und bei dem der Neueintritt neuer Mitbewerber aber aufgrund hoher Eintrittsbarrieren fast ausgeschlossen ist.

Nach dieser Vorrede, will ich daher eine Diskussion mit Ihnen beginnen, welche Sektoren im Sinne eines mehrjährigen Investments zu bevorzugen sind und welche nicht. Treue Leser werden über die Liste nicht überrascht sein, denn natürlich finden sich diese Präferenzen auch in den Einzelaktien wieder, die ich immer wieder mit Ihnen bespreche.

Damit konkret zu den Sektoren. Vorab sei noch gesagt, dass natürlich keine Regel ohne Ausnahme existiert. Auch in starken Sektoren, gibt es schwache Aktien, von denen man die Finger lassen sollte. Und in kritischen Sektoren, gibt es trotzdem starke Aktien, vielleicht gerade weil diese den Sektor so aufmischen, wie eine Tesla Motors die Autoindustrie.

Zunächst einmal die Sektoren, die ich bevorzuge, weil hier nach meiner Erwartung langfristiges Wachstum zu finden ist:

Clean Energy & Clean Tech

Ich denke das "warum", muss ich hier nicht mehr aufführen. Solange nicht als "schwarzer Schwan" eine ganz neue Technologie wie die "kalte Fusion" auftaucht, die alles auf den Kopf stellt, habe ich am langfristigen Erfolg und Wachstum des Sektors keinerlei Zweifel. Kurzfristige Verwirrrungen wie aktuell durch den Einbruch in China, ändern nichts am grossen Bild.

Aerospace & Defense

Natürlich inklusive Raumfahrt. Langfristig ein klarer Wachstumssektur und auch unsere Art uns und unsere Waren zu transportieren, wird bestimmt "dreidimensional" werden, sobald die autonomen Systeme so weit sind, dass "Fahr-Flug-Zeuge" alleine wie an einer Schnur gezogen fliegen können. Coruscant lässt sozusagen grüssen. 😉

Aber das dauert noch ein paar Jahrzehnte. Real ist aber nun die durch die multipolare Welt geförderte Rückkehr der strategischen Konflikte. Russland, China, Japan - überall wird massiv aufgerüstet und die Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs wieder abgebaut. Der Westen und insbesondere Europa wird nachziehen, das betrachte ich auf Jahre als nahezu sicher. Und die Eintrittsbarrieren im Sektor sind immens hoch. Wachsende Umsätze werden also mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den Unternehmen verteilt, die heute schon bekannt sind.

Biotech & Life Sciences

Auch das muss ich wohl nicht weiter begründen, für mich immer noch *der* langfristige Boomsektor des neuen Jahrhunderts.

Agro Tech

Die Betonung liegt dabei auf "Tech", denn die eher profanen Düngemittel verstehe ich nicht darunter. Die fallen eher unter Rohstoffe und sind zyklischer Natur.

Aber alles was durch Innovation dabei hilft, die wachsende Weltbevölkerung trotz schlechter werdender Böden zu ernähren, vom robotergeführten Traktor bis zur intelligenten Bewässerung, wird seinen Weg machen und hat absehbar steigende Geschäftsvolumina vor sich.

Robotics

Eigentlich kein richtiger Sektor und nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Denn Robotics ist eigentlich eine Basistechnologie, die sich an ganz unterschiedlichen Stellen auswirken kann. Zum Beispiel in der Medizin bei Intutive Surgical. Oder in der Agrarwirtschaft durch autonome Erntemaschinen. Oder im Rüstungsbereich bei Drohnen. Oder in der Autoindustrie beim autonomen Fahren. Oder bei der Produktion wie bei Kuka. Oder. Oder.

Die verschiedenen Ausprägungen dieser Basistechnologie, stehen aber vor massivem Wachstum, auch davon ist auszugehen.

Software

Wie Robotics ist auch "Software" eine Basistechnologie und man kann nicht pauschal sagen, dass ein Investment in Software per se aussichtsreich sei. Es ist aber an ganz vielen Stellen Software, die den Unterschied macht. Überlegen Sie sich alleine mal, wie die zunehmenden Fähigkeiten von Spracherkennung (Siri und Co.) ganze Industrien umkrempeln werden - "Tea - Earl Grey - Hot!";). Oder denken Sie an das Thema Cyber-Security, auch das ist offensichtlich ein Wachstumsthema.

....

So weit als Beispiele ein paar Sektoren, die ich mag und aus denen ich gerne Aktien für mein Investmentdepot wähle. Es gibt noch andere und keiner der obigen Sektoren sollte sie überraschen. Aber allen diesen Sektoren ist gemein, dass der Wind des Wachstums in den Rücken des Investments bläst. Und es macht jede Menge Sinn, auf diesen Rückenwind zu setzen.

Nun noch kurz und beispielsweise ein paar Sektoren, um die ich in der Regel bei Investments einen Bogen mache und warum.

Versorger

Versorger braucht man immer? Habe ich auch mal gedacht und ist wahrscheinlich falsch. Die Technologie macht zentrale Versorger zwar nicht völlig unnötig, drängt sie aber in den Hintergrund und nimmt damit die Wachstumspotentiale. Dezentraler Energie gehört nach meiner Überzeugung die Zukunft.

Und die etablierten Versorger haben für mich schlicht kein Geschäftsmodell mehr und keine wirklich überzeugende Idee, wie ein neues entstehen soll. Warum da "gegen den Wind" segeln?

Autoindustrie

Von den Paradigmenbrechern wie Tesla abgesehen, ist die Autoindustrie derzeit in einem gesättigten Markt unterwegs. Etwas flapsig gesagt, passen mehr Autos nicht mehr auf diesen Planeten - ausser man geht in die dritte Dimension, siehe oben.

Und die Industrie steht vor einer Zeitenwende voller Risiken und neuer Mitbewerber ala Google und Apple. Sicher, vielleicht setzen sich von den derzeit etablierten Autobauern ein paar durch und starten in das neue Zeitalter der Mobilität. Aber das ist völlig unklar.

Warum also sollte man sich als Investment diese Risiken antun? Hier scheinen mir die Risiken kurzfristig höher als die Chancen.

Öl und Gas

Das Öl- und Gaszeitalter geht zu Ende. Und neue Quellen zu finden, wird immer teurer. Paradoxerweise könnten gerade die aktuell niedrigen Ölpreise diese Entwicklung noch befördern. Denn in dem neue Investitionen unterbleiben, könnte der nächste Preissschub um so stärker ausfallen und den Wechsel von Öl und Gas auf andere Energieformen (siehe oben) befeuern.

Banken

Brauchen wir (traditionelle) Banken in einer modernen Welt überhaupt noch? Als Transmissionsriemen für Kredite funktionieren sie ja schon jetzt nicht mehr richtig. Und um Zahlungen abzuwickeln, braucht man sie bald auch nicht mehr, Paypal und Co. lässt grüssen.

Dann sind die Banken noch völlig undurchsichtig, weil selbst Branchenexperten vor deren Bilanzen kapitulieren. Und Wachstum soll woher kommen? Hallo, ist da jemand?

Wie können solche Aktien also Grundlage eines langfristigen, mehrjährigen Investments sein?

So..... so weit ein paar Beispiele. Nichts davon dürfte Sie überraschen, ich wollte es nur einmal im Zusammenhang darstellen.

Und selbstverständlich habe ich nicht die Weisheit gefressen und wenn es um die Einschätzung der Zukunft geht, kann ich auch nur Vermutungen anstellen, ohne diese zu kennen.

Der wesentliche Punkt den ich hier machen will ist, dass bei einem langfristigen Investment die Sektoren vorzuziehen sind, bei denen der zu verteilende Kuchen absehbar grösser wird - uns also der Wind in den Rücken bläst und uns ganz ohne Anstrengung antreibt.

Es macht in meinen Augen weit mehr Sinn, sich bei Investments über diese Potentiale der Zukunft Gedanken zu machen, als sich in den Zahlen der Vergangenheit zu vergraben.

Und wenn Sie mal genau hinschauen, werden Sie bemerken, dass sich die hohen Dividenden gerade in den Sektoren sammeln, denen das Wachstum fehlt. Das ist auch kein Wunder und habe ich in dem lesenswerten Artikel -> Dididenden - überschätzt, overhyped, missverstanden und trotzdem wichtig <- dargestellt.

Für mein langfristiges Anlageverhalten gilt daher der vielleicht überraschende Satz "Wachstum schafft Sicherheit!". Ich persönlich bin damit über Jahre sehr gut gefahren.

Ihr Hari

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Was Fortinet und 3D Systems gemein haben

Der folgende Artikel erschien in erweiterter Form am Donnerstag 23.07.15 16:40 in Hari Live und führte die Thematik der "Erwartungen" fort, die ich zuletzt im Artikel -> Apple der Markt und die Erwartungen <- adressiert habe.

Heute habe ich ja den Tag der Erwartungen. Und Erwartungen sind ja nichts Objektives, sondern sind auch von Stimmungen und vor allem von Modetrends abhängig.

Gerade wenn Themen "Mode" werden, neigt Mr. Market auch mal dazu zu übertreiben, der Hype um die 3D Drucker war so ein klassisches Beispiel. Das Chart dazu liefert 3D Systems, zu dem man wohl nicht mehr viele Worte machen muss:

DDD 23.07.15

Dass die 3D Drucker Aktien Ende 2013 in einer Übertreibungsphase waren, war anzunehmen und haben wir hier auf Mr-Market auch so gesehen. Nur der genaue Zeitpunkt, zu dem so ein parabolischer Anstieg dann dreht, ist im Vorfeld nicht exakt zu antizipieren.

Und insofern kann man so Bewegungen mit Momentum, wenn sie sich noch in der starken Trendphase befinden, wie bei DDD 2012 und bis Mitte 2013, einfach mitgehen. "The trend is our friend".

Sobald die Kurse aber nur noch senkrecht steigen und aus einem stabilen Trend sogar nach oben ausbrechen, während das Thema gleichzeitig extrem in Mode ist, muss man vorsichtig werden.

Dann muss man irgend wann auf die Seite treten, wohl wissend, dass es vielleicht noch weiter hoch geht, weil Übertreibungen durchaus länger andauern, als wir uns vorstellen können. Weitere "entgangene" Gewinne sollten einen dann aber nicht mehr stören und man richtet seinen nach Chancen suchenden Blick auf andere Opportunitäten.

Klar ist aber auch, dass wenn so ein parabolischer Anstieg mal bricht, es ebenso brutal nach unten geht. Das Chart von DDD sagt dazu alles und im Moment muss man sich eher fragen, ob der Sektor "3D Druck" hier jetzt nicht unter Wert behandelt wird, denn das Thema ist ja immer noch ein Wichtiges für die zukünftigen Produktionsprozesse.

Aber auf Euphorie kommt halt der schwere Kater. Das ist nicht nur bei Alkohol und sonstigen Drogen so, sondern auch am Markt.

Womit wir zum Thema "Cyber Security" und im speziellen zu Fortinet (A0YEFE, FTNT) kommen.

Ohne jede Frage, ist das Thema "Cyber Security" ein riesiges Zukunftsthema. Und ohne Frage ist es aufgrund aktueller Geschehnisse nun besonders "en vogue" und das heisse Geld mäandriert in jede Aktie aus dem Sektor, die nicht schnell auf dem Baum ist.

Mein Problem mit dem Thema ist, dass ich bei vielen der Softwareanbieter nicht so sicher bin, was den langfristigen Wettbewerbsvorteil (Edge) gegenüber den Mitbewerbern angeht. Die Marktstellung ist für mich also das Fragezeichen.

Denn was in Wirklichkeit hinter schönen technologischen Begriffen verkauft wird, ist eigentlich primär *Vertrauen*. Ob in jedem Fall hinter der Software die super-intelligenten Konzepte sind, kann man von aussen sowieso nicht überprüfen und aus nahe liegenden Gründen bleibt Code im Bereich Cyber Security geheim.

Und Vertrauen ist eben ein scheues Reh und wenn es nur durch eine Kleinigkeit geschädigt wird, werden so Firmen brutal einbrechen. Bis dahin, können sie aber noch massiv steigen, der Sektor scheint in meinen Augen gerade den Übergang vom Trend zur parabolischen Phase zu vollziehen.

Schön kann man das an Fortinet sehen, die nach Zahlen heute erneut über 10% steigen und aus dem Trend nach oben auszubrechen "drohen".

FTNT 23.07.15

Wir sehen, dass ein KGV von 384 keineswegs ein Hindernis für grosse Gewinne sein muss. Da ist ein KGV von 6 eher das Hindernis, aber das Thema hatten wir ja ausführlich im Rahmen unseres Teamprojektes "Sicherheit durch Wachstum". 😉

Mir hat der Sektor auch lange gefallen, der nun auch im US ETF "HACK" abgebildet ist und ich hatte ja auch Cyberark Software (CYBR) hier bei Mr-Market eingeführt. Aber manchmal muss man wissen, wann es gut ist und bei Fortinet frage ich mich, ob der Zeitpunkt nicht nahe ist.

Denn wenn wir den selben Massstab wie oben bei DDD wählen, sehen wir Strukturen mit einer gewissen Ähnlichkeit. Es scheint wirklich so zu sein, als ob nun die parabolische Phase bei Fortinet eingesetzt hat.

FTNT 23.07.15 2

Eine Phase, die bei DDD ungefähr bei 50 USD einsetzte und bis 100 USD zu einer nochmaligen Verdoppelung führte. Bei Fortinet wären wir dann vergleichbar auch knapp unter 100 USD. 😉

Wo diese Phase endet, kann ich Ihnen also nicht sagen, vielleicht noch viel höher. Ich hatte schon im Januar das Video von Chuck Yeager beim Höhenrekordversuch in Hari Live, das zeigt, was bei parabolischen Flugbahnen passiert. Man nennt das "Stall", zu deutsch -> Strömungsabriss <-.

Für mich hat der Cyber-Security Sektor nun die Phase der Begeisterung erreicht, an der ich gerne einen Schritt zurück mache. Auch woanders gibt es schöne Gewinne in dafür stabilen Trends, bei denen man nicht Nachts in Schweiss gebadet aufwachen muss. Parabolische Flugbahnen voller Hype sind nicht so mein Ding und ich steige gerne ohne Reue vor dem Strömungsabriss (Stall) aus. Das ist mir mein ruhiger Schlaf wert. 😉

Wer es aber mag, bleibt bei Fortinet drin und zieht aber zwingend einen Trailing-Stop mit. Und wenn das Ding mal irgend wann - vielleicht viel höher - zu fallen anfängt, dann denke man bitte an DDD und jeder weiss dann hoffentlich, was zu tun ist!

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 17.05.15 – 23.05.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 17.05.15 - 23.05.15

Samstag 23.05.15 23:00 - Pfingsten Links

Hier mal nach langer Zeit wieder eine umfangreiche und kommentierte Linkliste, damit Ihnen über Pfingsten nicht langweilig wird: 😉

Steigen wir ein mit etwas Augenzwinkern: -> This is the top! <-

Passend dazu, was die deutsche "Wirtschafts"-Presse dazu verzapft, wobei die "Zeit" sowieso, was Wirtschaft angeht, eher blind ist, daher die Anführungszeichen: -> Gefahr eines Aktiencrashs nimmt zu <-

Darin finden sich die üblichen (gähn!) Argumente zu KGV, KBV und Co, die wir genau so 2013 und 2014 lesen konnten und die auch da wahr und trotzdem irrelevant waren. Das ist ja auch das, was für so viele so schwer zu verstehen ist: Was da steht, ist ja nicht falsch. Aber auch kein bisschen hilfreich.

Ich wiederhole, was ich vor ein paar Tagen wieder geschrieben habe: das aktuelle Niveau der Märkte hat sich von der konjunkturellen Entwicklung entfernt. Also JA, der Markt ist auch in meinen Augen "überbewertet", zumindest aus ein paar der vielen, möglichen Perspektiven.

Und nun? 😉 Und nun Nichts! Denn das habe ich auch 2014 schon so gesehen, aber auch nicht danach gehandelt, weil ich weiss, wie wenig diese Erkenntnis für Timing taugt.

Solche Artikel sorgen nur wieder dafür, dass die Anleger, die schon vor 3 Jahren bei so Artikeln heftig genickt haben, wieder heftig nicken und die nächsten 1,2 oder 3 Jahre auch verpassen. Bezeichnenderweise lautet der Untertitel etwas anmassend: "So funktioniert Kapitalismus". Sorry, so funktioniert er überhaupt nicht und Märkte auch nicht.

Denn wenn der Gedanke an die Reflexivität in Sie gesickert ist, können Sie über so Marktsichten nur schmunzeln. Denn diese definitiven Aussagen wie "Aktien sind überbewertet" und "Crashgefahr nimmt zu" (warum muss es eigentlich immer gleich ein "Crash" sein?), implizieren ja ohne es zu merken, dass der Rest der Marktteilnehmer, die diese Aktien kaufen, ja aktuell völlige Idioten sein müssen, die das Offensichtliche nicht sehen können. Ach wäre das schön, wenn Markttiming so einfach wäre..... 😉

Für neue Leser will ich noch einmal klarstellen, was treue Mitglieder sofort verstehen werden. Mit den obigen Zeilen spreche ich nicht gegen die Möglichkeit, dass wir insbesondere in den US Märkten gerade Zeuge einer Topbildung werden. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das als möglich erscheinen lassen und Sie wissen, wie nervös ich auf das nach oben fehlende Momentum reagiere.

Der Punkt ist vielmehr, das diese Bewertungsdiskussion völlig ungeeignet für das Timing am Markt ist. Und das gilt selbst für mittelfristiges Timing über Monate und wenige Jahre. Und deshalb nehmen wir das schulterzuckend zur Kenntnis und konzentrieren uns auf das, was wichtig ist.

Ärgerlich ist nur, dass seit Jahren dieses "das geht doch nicht mit rechten Dingen zu" Mantra solcher Quellen, Millionen Anleger davon abgehalten hat, ausreichend von dieser sensationellen Rally mitzunehmen und es nun vielleicht weiter tun.

Weitere Links:

Schön passend zu oben vom wie immer sehr kompetenten "Fat Pitch": -> There is no smoking gun! <-

Holperig, könnte es kommende Woche trotzdem werden: -> A setup for volatility to rise soon <-

Auch sehr passend vom geschätzten L.A.Little und nicht nur für ökonomische Vorhersagen von Notenbanken passend: -> Crystal ball and other such nonsense <-

Aber zumindest Janet Yellen hat Selbsterkenntnis. Sehr sympathisch: -> Yellen and here projections <-

Ja, das kann einem schon Sorgen machen, aber auch das ist für Timing nicht geeignet, denn nirgendwo steht, das es nicht auch 4,5 Jahre werden können:
-> Three and a half years since the last 10% correction <-

Immer interessant, die Top und Flop Liste: -> Best and worst performing stocks 2015 <-

Wenn Sie in der Liste auf den grössten Flop schauen, sollte Ihnen dieser Artikel vom 27.11.2014 in Erinnerung kommen:
-> Sandisk und der Zyklus der Chipindustrie <- 😉

Weiterlesen ...

Der DAX und das ….Rrrisiko!

Ein Gastkommentar von Tokay

Heute mal ein staubtrockener Beitrag angesichts der dramatischen Entwicklungen im Weltgeschehen, die einen kaum noch Zeit zum Luftholen lassen. Es geht um die Frage, ob der DAX mittlerweile schon zu teuer geworden ist, oder ob er angemessen, wenn nicht sogar günstig bewertet ist. Ausgangspunkt solcher Überlegungen ist oftmals das KGV. Ein geringes KGV sei etwas positives und damit eine Riesenchance zum Einstieg, während ein hohes KGV ganz klar „Finger weg!“ anzeigen würde, wird in der Finanzpresse gerne kolportiert.

Dabei wurde an dieser Stelle schon einmal die Meinung vertreten, dass das KGV für sich genommen nur sehr wenig aussagt. Das liegt daran, dass der Kurs d.h. der Marktpreis von sehr vielen intelligenten Leuten analysiert wird und damit die Markterwartungen dieser Leute bereits enthält. Anders formuliert, ein tiefes DAX-KGV etwa bringt zum Ausdruck, dass die Marktteilnehmer von den DAX-Unternehmen nicht viel erwarten. Ein hohes DAX-KGV lässt hingegen darauf schliessen, dass die Wachstumsperspektiven der DAX-Unternehmen als ausgesprochen rosig eingeschätzt werden.

Wovon das DAX-KGV beeinflusst wird, wissen wir. Es sind
• die Gewinnerwartungen;
• die Zinsen;
• die Risikoeinschätzungen;

Dies kommt in folgender Gleichung, die sich durch Umformung aus dem sogenannten Dividendendiskontierungsmodell ergibt, zum Ausdruck:

P/E = D/E / (r-g)

Es lohnt sich, diese Gleichung näher zu untersuchen. D/E ist die Ausschüttungsquote der DAX-Unternehmen. Es ist nicht unplausibel, davon auszugehen, dass die Unternehmenschefs konstante Gewinnanteile ausschütten werden, um die Aktionäre bei der Stange zu halten. Also kann man D/E längerfristig als konstant annehmen.

Bei den Zinsen kommen zwei Fragestellungen ins Blickfeld. Erstens, was könnte man alternativ zum DAX erzielen, etwa in längerfristigen Bundesanleihen ? Die wären vergleichsweise risikolos im Verhältnis zu den enormen Kursschwankungen, die am Aktienmarkt doch immer wieder durchlebt werden müssen. Zweitens, wie gross müsste die Zusatzprämie ausfallen, um einen für das Risiko am Aktienmarkt zu entschädigen?

Nun, die Zinsen für Bundesanleihen sind beobachtbar, man kann sie jeden Tag im Wirtschaftsteil der Tageszeitung nachlesen. Für die Risikoprämie gilt das nicht. Aber man kann sie sich ungefähr herleiten:

1. Da die Ausschüttungsquote D/E identisch ist mit der Dividendenrendite D/P mal dem KGV bzw. mit P/E, ergibt sich bei D/P = 2,8 % und P/E = 13,3 %, das sind die Werte aus dem DAX, ein Wert von D/E = 37,2 %.
2. der Zins r ergibt sich als risikoloser Zins längerfristiger Anleihen r0 plus der Risikoprämie rp, d.h. r = r0 + rp.
3. Die Gewinnerwartungen g ergeben sich als reale Gewinnerwartungen zuzüglich der (längerfristigen) Preissteigerungsrate, d.h. g = g(real) + p

Diese Ausdrücke setzt man ein in die oben präsentierte Formel und löst nach der Risikoprämie rp auf, also:

rp = D/E / P/E + g(real) + p – r0

Jetzt muss man diesen Ausdruck „nur noch“ mit „richtigen“ Zahlen füllen. Die Ausschüttungsquote D/E haben wir ja bereits berechnet, P/E kennen wir ebenfalls. Wir erkennen hier übrigens, dass sich die Risikoprämie zum KGV invers verhält; eine hohe/tiefe Risikopräme ist immer mit einem tiefen/hohen KGV verbunden.

Das reale Gewinnwachstum g(real) kennen wir nicht. Hier müssen wir Annahmen treffen. Eine sinnvolle Annahme ist zum Beispiel das durchschnittliche Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in den letzten 10 bis 15 Jahren. Nach dieser Logik könnte man etwa ein Wachstum von ca. 1,5 Prozent jährlich zugrundelegen.

Bei der Preissteigerungsrate müssen wir ebenfalls Annahmen treffen. Legt man das Expertenpanel der Bundesbank zu den Inflationserwartungen zugrunde, dann wären auch hier 1,5 Prozent Preissteigerung jährlich ein plausibler Wert.

Den risikolosen Zins kennenwir auch ungefähr; nehmen wir den Zins der zehnjährigen Bundesanleihe, dann sind wir bei etwa 0,35 Prozent.

Also ergibt sich die Risikoprämie rp als

rp = 37,2 % / 13,3 + 1,5 % + 1,5 % – 0,35 % = 5,55 %.

Ist das nun viel oder wenig ? Angenommen, wir würden die Meinung vertreten, der DAX sei überbewertet, dann würde eine solche Überbewertung mit einem hohen KGV einhergehen, sagen wir bei etwa 30, was in Deutschland zuletzt im Jahr 2000 der Fall war. Befänden wir uns in der Hochkonjunktur, dann lägen Wachstumsaussichten, Preise und Zinsen entsprechend höher. Die Alternativrechnung sähe dann zum Beispiel so aus:

rp = 37,2 % / 30 + 2,5 % + 2 % - 6 % = - 0,26 %

Das hieße, in einer echten Überhitzung wären die allgemeinen Perspektiven so glänzend, daß die Anleger bereit wären, auf eine Risikoprämie gänzlich zu verzichten und gegebenenfalls sogar noch einen Abschlag hinzunehmen.

Ist der DAX aber andererseits noch unterbewertet ? Dann hätten wir ein tiefes KGV. Preise und Zinsen lägen sehr tief, was ja derzeit tatsächlich der Fall ist, also z.B.

rp = 37,2 % / 7,5 + 1,5 %+ 1,5 % - 0 % = 7,96 %

In so einem Fall wäre jemand nur dann zu einem Einstieg in den Aktienmarkt bereit, wenn das Risiko eines geringeren Ertrags durch bereits deutlich tiefere Kurse abgegolten würde.

Insgesamt haben wir also mit großer Wahrscheinlichkeit trotz bereits deutlich gestiegener Kurse immer noch keine Überbewertung. Sondern der Anstieg ist so zu erklären, dass in dieser Zeit ein gewisser Prozentsatz an Risikoprämie abgebaut wurde, was ganz wesentlich durch die Politik der EZB bewirkt wurde, aber auch durch ein stabileres Umfeld in der Weltwirtschaft erzielt werden konnte - dies kommt auch und gerade dem deutschen Export zugute, nicht zuletzt den vielzitierten „hidden champions“. Der stark gesunkene Ölpreis und der tiefe Eurokurs wirken zusätzlich wie ein Konjunkturprogramm. So gesehen ist es eher erstaunlich, dass deutsche Aktien nicht noch höher notieren.

Und nun der „erhobene Zeigefinger“: Auch wenn es schön ist, dass die Bewertungen noch nicht überzogen sind, so bedeutet das noch nicht automatisch, dass sie in der Zukunft steigen werden. Risikopotentiale wie Griechenland, Ukraine oder Naher Osten gibt es genügend, die den Investoren die Lust am Aktienkauf verleiden könnten. Sind die Perspektiven schlecht, dann bleiben auch die Bewertungen schlecht. Siehe Italien, siehe Österreich, siehe Russland – diese Märkte sind schon seit Jahren tief bewertet. Anders die USA – der amerikanische Markt ist schon seit Jahren hoch bewertet, aber er hat vorerst noch weiter gute Perspektiven.

Außerdem: Einige Größen sind Erwartungsgrößen und können sich ändern – sollte sich etwa in naher Zukunft das Elektroauto flächendeckend durchsetzen, dann dürfte der Ölpreis noch weiter in den Keller purzeln. Die Notenbanken wären dann in der angenehmen Lage, auch bei florierender Konjunktur weiter fleißig Geld drucken zu können und die Zinsen tief zu halten – so wie sie das jetzt bereits tun. Sollten sich allerdings etwa die Saudis eines schlechteren besinnen, dürfte das ganze leider in die Gegenrichtung funktionieren.

Tokay

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