Der Paradigma-Wechsel oder warum auch ein „Burggraben“ wertlos werden kann

Diesen Artikel habe ich im Premium-Bereich vor einem Jahr, im September 2019 geschrieben. Er ist aber unverändert gültig, nein noch viel mehr, die Covid-Krise hat die Wahrheit so richtig offenbar gemacht.

Damals vor einem Jahr, zum Jubiläum von Windows 1995, wurde ich daran erinnert, wie idiotisch - es gibt kein anderes Wort dafür - die IBM in den 90ern mit ihren riesigen Chancen umgegangen ist:

Erinnern wir uns, IBM beherrschte noch in den frühen 80er Jahren die Computerwelt mit seinen Großrechnern. Ich erinnere mich an Wirtschaftsmagazine mit Covern, die fragten, ob IBM bald die ganze Welt beherrschen würde.

Gleichzeitig gab ein "kleines Würstchen" namens Steve Jobs damals zum Besten, dass IBM "arrogant und kurzsichtig" sei und bald "gedemütigt" würde. Wahre, prophetische Worte, die aber 10 Jahre brauchten, bis das Ergebnis so richtig durchschlagend zu sehen war.

Wir alle kennen die Geschichte, wie IBM Anfang der 80er Jahre eben genau "arrogant und kurzsichtig" das "Bröselgeschäft" mit den kleinen Computern so unbekannten Firmen wie Intel und Microsoft überlassen hat, ja sogar denen geholfen, auf die Beine zu kommen.

Aber große, zu erfolgreiche Organisationen machen eben solche Fehler, das ist aber kein Grund für das, was dann 10 Jahre später wieder in Sachen Windows passiert ist und das soll hier Thema sein. Und auch, was das generell für uns bedeutet.

Denn zu dieser Zeit war IBM 1994 in seiner schwersten Krise und nicht weit vom Exitus entfernt, den Lou Gerstner mit einer radikalen Kehrtwendung abwenden konnte. Gleichzeitig war der Stern von Microsoft schon steigend und mit Windows 3.0 bzw 3.1 gab es eine Klick-Oberfläche für DOS, die sich zunehmender Beliebtheit erfreute, technisch gesehen aber ein ziemliches Stückwerk war.

IBM sollte seinen Fehler von Anfang der 80er also nun grundlegend verstanden haben und hatte eine gewaltige Chance vor sich. Denn DOS und damit auch Windows 3.x waren noch antiquierte 16-Bit Betriebssysteme, die mit ihrem mickerigen Adressraum zukünftig nur noch "Mickey-Maus-Computer" unterstützen konnten.

Wer sich nun also mit einem 32-Bit Betriebssystem für die neue Gattung der x86 Personal Computer durchsetzen konnte und die Marktführerschaft erringen, dem war diese Dominanz nicht mehr zu nehmen. Und IBM hatte alle Voraussetzungen und die riesige Chance, damit die Scharte von Anfang der 80er Jahre wieder auszuwetzen.

Denn innerhalb IBMs gab es viele gute 32-Bit Betriebssysteme und so viel Knowhow zur Betriebssystem-Entwicklung, wie mit Abstand in keiner anderen Firma des Planeten. Ich selber war damals als Abteilungsleiter an der Entwicklung des Großrechner-Betriebsystems MVS beteiligt und hatte einige Kontakte zur OS/2 Fraktion.

Genau, OS/2 - denn damit hatte IBM schon das perfekte 32-Bit PC-Betriebssystem, das spätestens mit OS/2 3.0 genannt "Warp" ein rundum gelungenes Produkt und technisch um Welten besser, als das erst später erscheinende, noch voller technischer Krücken steckende Windows 95 war.

Schon 1996 war es aber mit OS/2 faktisch zu Ende, Windows 1995 dominierte alles und IBM stellte seine Versuche ein, damit Marktanteile zu gewinnen. Sie können an andere Stelle die vielen Fehler nachlesen, die da gemacht wurden und die sich im Nachgang teilweise als absurd darstellen.

So konnte sich IBM zum Beispiel nie dafür entscheiden, das Betriebssystem wirklich für die Massen, also auch für Spieler und Kids anzubieten, weil die "Blauhemden-Manager" dazu schlicht keinen Zugang hatten. Die Folge war, dass wichtige Unterstützung für populäre Anwendungen der Zeit fehlte, die teilweise noch auf 16-Bit fussten.

Sie können diese vielen Details des Durcheinanders und der teilweise lächerlichen Fehlentscheidungen woanders nachlesen, die -> Wikipedia hat hier <- eine ganz brauchbare Zusammenfassung dafür:

... Eines der größten Probleme war, dass IBM nun versuchen musste, das Betriebssystem selber zu vermarkten. Als ein typisches Großunternehmen vermarktete IBM seine Produkte zu einem großen Teil an andere Unternehmen und wusste so im B2B-Bereich zu bestehen. IBM hatte jedoch keinerlei Erfahrung damit, Produkte an Endanwender zu verkaufen, und beging dadurch zahlreiche große Fehler ....

... Mit OS/2 Warp versuchte sich IBM an einer neuen Marketingkampagne. Schon zuvor nutzte das Unternehmen intern Begriffe aus dem Star-Trek-Universum als Codenamen und so wollte IBM das Betriebssystem mithilfe von Darstellern aus der Serie offiziell veröffentlichen. Jedoch vergaß das Unternehmen dabei, sich die notwendigen Rechte von Paramount Pictures zu sichern. Paramount drohte mit einer Klage und so musste IBM die geplante Werbekampagne fallen lassen....

... Als IBM bemerkte, dass erste Entwickler Spiele für das Betriebssystem entwickelten und diese eine große Resonanz entwickelten, fasste das Unternehmen den Beschluss, Warp für jugendliche Computerfreaks zu bewerben. Damit stand IBM jedoch im Konflikt zu den bisherigen Kunden des Betriebssystems, die größtenteils Unternehmen waren und ganz andere Anforderungen an das Betriebssystem stellten. Dazu kamen die vor allem in den USA ausgestrahlten und von allen Seiten stark kritisierten Werbevideos, die die Stärken des Betriebssystems überhaupt nicht darstellten, dazu zählte etwa ein Werbevideo, das Nonnen in einem tschechischen Kloster zeigt ...

Ich habe das frustrierende Chaos damals hautnah erlebt, weil ich damals Kontakt zum damaligen OS/2 Chef Richard Seibt hatte, an dem das Scheitern wirklich nicht gelegen hat, sondern an den übergeordneten Strukturen.

Warum ich Ihnen das hier aber erzähle ist, weil die ganzen Fehlentscheidungen in meinen Augen gar nicht ursächlich für das Scheitern waren. Diese Fehlentscheidungen waren nur Symptome des wahren Metaproblems und wenn es diese Fehlentscheidungen nicht gegeben hätte, wären andere gemacht worden.

Das Metaproblem war schlicht, dass IBM von seiner Organisation, seiner Kultur und seinen Menschen her, unfähig war, diese neue Welt zu verstehen, die sich da entwickelte.

Überall sassen ergraute Manager, fraglos immens fähig, wenn es darum ging, Firmen eine perfekte und "state-of-the-art" Infrastruktur hinzustellen, die aber völlig blind dafür waren, wie sie von der kleinen wuseligen Welt der PCs und ganz neuen Marketing-Methoden überrannt wurden.

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FAAMG und das Blasengefasel

Das Gefasel über "Blasen" ist ja in den letzten Jahren zur Manie der Medien geworden. Jeder der glaubt, etwas zum Markt verzapfen zu müssen, hüllt sich in gewichtiges Raunen und identifiziert irgendwo eine neue "Blase" und natürlich den bald folgenden Crash gleich mit dazu.

Damit ist ihm das wohlgefällige Kopfnicken aller sicher, die schon immer wussten, dass Börsen nur Zockerbuden sind und Aktien viel zu riskant. Man kann sich damit auch den Habitus des erfahrenen Marktbeobachters geben, wer von 2000 reden kann, muss ja scheinbar schon einige Erfahrung haben, auch wenn man damals in Realität noch die Schulbank drückte und Amazon für einen neuen Ego-Shooter hielt.

Natürlich sind nicht alle Gedanken zu "Blasen" völliger Unfug, natürlich gibt es in einigen Bereichen bedenkliche Entwicklungen, die zu thematisieren sind. So zum Beispiel zu den -> Wachsenden Gefahren des Indexierens <-, die ich auch schon mehrfach, so auch bei Tichy in -> Algos, ETFs, Robo Adviser und ein Truthahn-Leben <- thematisiert habe.

Aber die Penetranz und Persistenz des aktuellen Blasen-Geredes, offenbart den medialen Zweck des wohligen, den Click befördernden Schauders, der auch bei Horrorfilmen das Publikum in die Kinos lockt.

Und es offenbart eine gedankliche Fixierung auf die Vergangenheit, die mal wieder den Blick auf die Möglichkeiten der Zukunft verstellt. Wer diesem Gerede folgt und sich davon anfixen lässt, hat garantiert seit 2009 keinen Erfolg im Markt.

Besonders schön sichtbar wurde das Muster die letzten Wochen, als vermehrt wieder Vergleiche des NASDAQ mit dem Jahr 2000 laut wurden und die grossen Bluechips, die man als FAAMG (Facebook, Amazon, Apple, Microsoft, Google) zusammen fassen kann, neue Kurshöhen erklommen.

Um es ganz deutlich zu sagen, diese Vergleiche der FAAMG Kurse mit der 2000er New Economy/Internet Blase sind grober Unfug. Und wer sich davon beeinflussen lässt, ist selber schuld und sollte dringend seine Medienwahl hinterfragen.

Ich will Ihnen das ganz unzweideutig beweisen. Hier ist das Chart des NASDAQ Composite über 20 Jahre, von 1997 bis 2017. Sie können das Chart anklicken und vergrössern, wenn Sie wollen:

Wir sehen die 2000er Internet-Blase. Und wir sehen, dass der NASDAQ 15 Jahre brauchte, bis er diese Niveaus wieder erreichte, dann 2 Jahre konsolidierte und zögerte und nun nach 17 Jahren nach oben über die alten Niveaus hinwegzieht.

Nun muss man wissen, dass die gross kapitalisierten FAAMG Aktien einen erklecklichen Teil der NASDAQ Kapitalisierung ausmachen. Schauen wir doch also mal, wie die sich entwickelt haben am Beispiel Apple und Google. Sie können aber auch gerne die anderen Namen nehmen und kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Wir sehen schnell, dass diese Unternehmen ihre Umsätze und Gewinne um zwei und dreistellige Faktoren erhöht haben. Waren diese Unternehmen in 2000 noch jenseits von Gut und Böse bewertet und nahmen viel zu viel Zukunft vorweg, sind sie nun sauber in die Bewertungen hinein gewachsen.

Sie können auch andere Indikatoren der Gegenwart nehmen und werden schnell erkennen, dass die FAAMG Aktien bezogen auf ihre Gewinnqualität und ihr weiteres Wachstum im Vergleich zu anderen Bluechips derzeit zwar hoch, aber noch angemessen bewertet sind.

Der ganze Markt hat eben derzeit ein erhöhtes Bewertungsniveau, nicht nur FAAMG, das hat aber in Breite mit der Niedrigzinspolitik der Notenbanken zu tun und rein gar nichts mit einer "Tech-Blase".

Und die FAAMG Aktien waren in den letzten Monaten auch etwas zu schnell zu weit gelaufen, wie ich Ihnen das ja vor 3 Wochen in -> Liebesaffäre mit Big Tech <- hier geschrieben habe. Die Korrektur der vorletzten Woche war also logisch und erwartbar und es kann auch sein, dass noch einmal 5-10% Korrektur über den Sommer drin sind. Und auch eine schärfere Korrektur ist theoretisch immer drin, dann aber aus anderen Faktoren die wir heute noch nicht kennen.

Ein grundlegende "Blase" bei den Bewertungen dieser FAAMG Aktien aber, ist schlicht dummes Zeug - man muss sich fragen was die, die davon reden, eigentlich geraucht haben.

Richtig ist etwas ganz Anderes, das wir im Premium-Bereich schon letzten Sommer unter ->Apple, Google und Co - Die neuen Nestles? <- thematisiert haben:

Diese grossen Techkonzerne sind die Wegbereiter eines grundlegenden Wandels der Art wie wir wirtschaften, es sind die neuen Dominatoren und sie haben eine Dominanz erreicht, wie sie IBM Anfang der 80er Jahre hatte.

Sicher kann man sich fragen, ob diese Dominanz lange zu halten ist, bei IBM war das damals nicht der Fall. Aber eine Blase? Ich bitte Sie, das ist als Argument derzeit nicht mal satisfaktionsfähig.

Man kann dem Markt viel vorwerfen, auch Verzerrungen, Überbewertungen und Schieflagen. Aber in einer Blase sind FAAMG nicht, die sind so gut und gewinnstark, wie es die Kurse ausdrücken.

Und wenn man der Markttechnik folgt, ist dieser Ausbruch von 2017 über die alten Hochs im NASDAQ eher der Beginn einer grösseren Bewegung, als eine Überdehnung am Ende. Zu den disruptiven Veränderungen unserer Welt, unter anderem durch die Digitalisierung, würde es passen.

Wenn man so will, war der Markt in 2000 übertrieben visionär, es wird erst jetzt das Realität, was damals in die Kurse hineingeträumt wurde.

Und Blasen werden sich an der Börse auch wieder bilden oder haben sich schon gebildet, aber genau da, wo niemand darüber fabuliert. Eine medial beackerte Blase ist, bevor diese geplatzt ist, eigentlich ein Widerspruch in sich.

Ihr Hari

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Warum der VW-Skandal vom Himmel geschickt wurde – und was das mit Apple zu tun hat

Der folgende Artikel erschien Dienstag 20.10.15 16:40 in Hari Live und wurde für den freien Bereich etwas erweitert, um den Kontext zu erhalten

Tim Cook gibt dem WSJ ein ausführliches Interview, in dem er faktisch Apples Interesse am Automarkt bestätigt:
-> Massive Change in car industrie <-

Sicher hat er damit nichts Konkretes gesagt, aber jemand in seiner Rolle müsste und würde ein Interesse an einem Markt wohl dementieren, wenn da gar nichts dran wäre. Wenn der Apple Chef aber von einem "massive Change" in der Autoindustrie redet, der auch Quereinsteigern Chancen eröffnet, dann ist das für mich die deutlichste Interessensbekundung, die man nur machen kann, ohne Konkretes zu sagen.

Als deutscher Automanager, sollte man nun mal langsam unruhig werden. Treue Leser wissen ja noch, wie ich schon vor 3,5 Jahren hier -> Die Zukunft des Automobils <- und vor 2,5 Jahren hier -> Eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <- die deutschen Automanager deutlich und massiv aufs Korn genommen habe, die sich schon nach meinem damaligen Eindruck, zu sehr in Selbstgefälligkeit und Trägheit gesonnt haben.

Insofern ist der Skandal bei VW für die deutsche Autoindustrie am Ende vielleicht vom Himmel geschickt worden. Denn ohne den Skandal, hätte man wohl noch 2-3 Jahre weiter gewurschtelt, bis es wirklich zu spät gewesen wäre und die neuen Wettbewerber im Sinne Google, Apple und Co. irgendwann das Feld des autonomen, elektrischen Fahrens betreten.

So aber weckt der Skandal aus der Selbstgefälligkeit auf, schwemmt Leute weg, denen scheinbar der Professorentitel wichtig war, die aber nach meinem Eindruck keine mutige, der Zukunft zugewandte Modellpolitik hinbekommen haben. Und so schafft der Skandal die Chance für die ganze Industrie, gerade noch rechtzeitig das Ruder mit Macht in Richtung Zukunft herum zu reissen.

Wenn es den Skandal nicht gegeben hätte, hätte man ihn also erfinden müssen. Wer immer das Ding tatsächlich in Bewegung setzte, hat am Ende der deutschen Autoindustrie eher einen Gefallen getan, davon bin ich mittlerweile überzeugt. Denn nun weht der "Wind of Change" und das ist gut so!

Apple aber, ist für mich als Aktie mittelfristig weiter attraktiv.

Ich weiss zwar immer noch nicht, warum der Markt Apple mit einem Malus bei der Bewertung belastet, denn Apple wird schlechter bewertet, als vergleichbare Bluechips.

Nehmen wir eine Microsoft, der billigt der Markt aktuell ein Forward P/E von 15 zu, Intel eines von 14 und Apple aber nur eines von 11!

Nun kann ich völlig verstehen, dass der Markt Skepsis hat, ob Apple seine Margen und seine Stellung dauerhaft halten kann. Und auch Skepsis hat, ob das Wachstum dauerhaft zu halten ist.

Ich teile diese Skepsis und für so ein cashflow-starkes Unternehmnen wie Apple, würde das dann auch nicht mehr als ein P/E von 14-16 rechtfertigen, wie bei Intel, Microsoft und vielen anderen vergleichbaren Bluechips auch.

P/Es von 20 und mehr, sind einfach stark wachsenden Unternehmen vorbehalten und da muss man sich bei Apple schon fragen, wo starkes Wachstum nun schnell herkommen soll. Bei allen Zukunftschancen im Bereich Pay oder Wearables oder später im Automobilbereich, schnelles hohes Wachstum ist da eher nicht.

Warum der Markt Apple keinen Bewertungsbonus mehr gibt, kann ich also sehr gut verstehen und das ist auch völlig in Ordnung. Warum aber so ein massiver Malus existiert, bleibt mir rätselhaft. Denn bei einem P/E von 15 wäre Apple eher bei 150 USD im Kurs und nicht bei aktuell gut 110!

Ich verstehe das nicht und habe noch keine gute Erklärung dafür gehört. Klüger als der Markt bin ich bestimmt nicht, aber auch bei angestrengtem Nachdenken fällt weder mir, noch den Mitgliedern der Community, ein überzeugender Grund für diesen Malus ein, der Apple schwächer bewertet als Intel und Microsoft, zwei Unternehmen mit durchaus relevanten Zukunftsfragezeichen, mitten in der strategischen Repositionierung.

Und insofern ist es mir auch mittlerweile egal. Ich schaue einfach auf die Price-Action und richte mich nach der.

Und was ich da heute sehe ist, wie die Aktie in Bewegung gerät und diese Struktur nach oben erzeugt und dabei auch wieder über 20- und 50-Tage Linie steigt. Ich habe schon schlechtere Ausgangslagen gesehen, als das:

AAPL 20.10.15

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Die Giganten IBM und Apple kooperien – Grosse Chance für Apple

Heute erreicht mich die folgenden Nachricht: -> IBM und Apple kooperieren! <-

Diese Nachricht kann man aus meiner Sicht gar nicht hoch genug hängen. Und auch wenn es IBM bestimmt nicht schadet, dürfte der Haupt-Profiteur Apple sein. Gut gemacht Tim Cook!

Wir müssen uns klar machen, dass Apple mit seinem Qualitätsimage, aber auch seiner Monokultur und recht starken Abgrenzung gegen fremde Software, eigentlich theoretisch schon lange dafür prädestiniert war und ist, in den Firmennetzen bei Endgeräten eingesetzt zu werden.

Denn für eine IT bzw Infrastruktur-Abteilung, sind die offeneren Systeme wie Android - bei denen der Anwender extrem viel verändern kann - ein echter Graus. Denn diese individuelle Veränderung der Benutzer birgt Gefahren und das nicht nur wegen simpler Schadsoftware. Auch und gerade beim Thema Industriespionage. Natürlich kann man auch Apple Geräte ausspähen, keines ist völlig sicher. Aber für eine IT Abteilung ist es viel einfacher, bei einer einheitlichen Installationsbasis für Sicherheit zu sorgen, als beim Wildwuchs von Android & Co.

Bisher aber hat Apple wenig - und in meinen Augen zu wenig - für die Geschäftskunden getan. Man konnte ja auch genügend Geld im Retail-Geschäft mit den normalen Endkunden verdienen, die Geräte waren ja "hip" genug.

Nun aber scheint Apple das riesige Potential der Geschäftswelt erschliessen zu wollen und hat dabei mit IBM den idealen Partner gefunden. Kein Unternehmen dürfte so gut vernetzt in den grossen Konzernen sein, keines hat einen so seriösen Ruf. Und als weiteren Pluspunkt, ich sehe in dieser Kooperation kaum Konfliktzonen, die Interessen sind wirklich weitgehend komplementär und ergänzen sich in Perfektion.

Ich bin ja selber ein alter "IBMer" und weiss daher, wie dieser Laden tickt. Die entscheidende Frage wird nun sein, ob man diese Kooperation abseits der Absichten der Chefs auch auf den mittleren Management-Ebenen mit echtem Leben füllen kann. Denn auf beiden Seiten findet sich eine extrem selbstbewusste Unternehmenskultur, die dazu neigt, sich selbst zu genügen.

Wenn und falls das aber gelingt, werden beide Unternehmen massiv profitieren und vor allem für Apple dürfte das erhebliche Potentiale heben. Und rein rational - von theoretischen Animositäten der beiden Kulturen abgesehen - sehe ich auch keinen Grund, warum das nicht funktionieren sollte. Denn beide Seiten profitieren und die recht selbstbewussten IBMer dürften durch die zuletzt wenig überzeugenden Zahlen auch demütig genug sein, das nun als Chance zu begreifen.

Fazit:

Diese vergleichsweise kleine Meldung, lässt mich also in Kenntnis der Unternehmen aufhorchen. Hier könnte Bedeutendes auf den Weg kommen. Und dem Aktienkurs von Apple wird es gut tun, auch wenn die Effekte eher langfristiger Natur sein dürften.

Auf jeden Fall ist das ein weiterer Grund, weiter eine Long Position in Apple zu halten. Im Premium-Bereich gehen wir die positive Kurs-Entwicklung bei Apple schon seit Monaten mit und zumindest bis zur offiziellen Bekanntgabe der neuen Geräte im Herbst - wahrscheinlich iWatch und neue iPhones - dürfte die Aktie im Sinne "Buy the Rumor" weiter gut unterstützt sein.

Mit der heutigen Kooperation eröffnet sich Apple aber auch darüber hinaus grosse Umsatzpotentiale. Erneut: gut gemacht Tim Cook!

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Microsoft nach Ballmer – Anleihenersatz mit Potential

Müsste man einen Wettbewerb um die High-Tech Aktie machen, die bei den Anlegern am ehesten Gähnen hervorruft und der nicht mehr viel zugetraut wird, wäre Microsoft wohl definitiv in der engeren Wahl.

Und das durchaus berechtigt, denn wie viele Chancen hat Microsoft im letzten Jahrzehnt unter der Regentschaft von Steve Ballmer verstreichen lassen oder durch Mangel an Flexibilität und Kreativität selber vergurkt ? Ich fange lieber nicht an zu zählen, es würde zu lange dauern. 😉

Auch zuletzt hat sich Microsoft ja mit Windows 8 und nun 8.1 ein grosses Ei gelegt, weil ein im Kern richtiger Gedanke unzureichend und konzeptionslos umgesetzt wurde. Dieser Eindruck hatte mich ja schon vor knapp 2 Jahren dazu veranlasst, Microsoft aus meinen Depots zu schmeissen, im Artikel -> Warum ich Microsoft nun aus meinem Depot verbanne <- habe ich das ja damals begründet und der Kurs ging danach auch erst einmal massiv auf Tauchstation.

Leser des Premium-Bereiches wissen aber auch, dass sich mein Blick auf Microsoft seit Sommer 2013 immer weiter aufhellt. Ich halte die Übernahme von Nokia für grundlegend richtig und ein "Schnäppchen" und zuletzt hat der Abgang von Steve Ballmer nicht nur die Märkte, sondern auch mich beglückt. Denn ich habe Ballmer in den 90er Jahren als guten COO und als Nummer 2 neben Gates für perfekt besetzt gehalten, aber die Rolle als alleiniger CEO bei Microsoft, war für ihn nach meiner Einschätzung eine Nummer zu gross.

Mit dem Wechsel besteht nun die Chance, dass Microsoft nun endlich mehr aus seinen Potentialen macht. Denn Microsoft/Nokia hat sehr wohl die Chance, die grosse Überraschung im Trio der Ökosysteme neben IOS und Android zu werden. Auf jeden Fall werden die Möglichkeiten unterschätzt, wenn diese Kombination endlich mal die selbst gestellten Bremsen lösen könnte.

Ich selber bin seit Ende der 70er Jahre ein klassischer "Early Adaptor" und habe vor ein paar Wochen mein Ipad eingemottet und bin auf ein Windows 8.1 Tablet von Dell (Venue Pro) gewechselt. Und obwohl ich mich über all die idiotischen Nickeligkeiten bei Windows 8.1 schwarz ärgere, wo Dinge unlogisch sind oder nicht richtig funktionieren, die bei Apple einfach beim ersten Versuch klappen. Und obwohl die Qualität und Stabilität des Gerätes zwar OK ist, aber kein bisschen mit der Perfektion eines Ipad mithalten kann. So bin ich doch froh, endlich wieder einen richtigen PC als Tablet in den Händen zu halten, mit dem ich alles machen kann. Und investiere selber lieber Zeit in das System, statt den einfacheren, aber beschränkteren Weg in IOS weiter zu gehen.

Nun ist noch nicht klar, wer der Nachfolger von Ballmer wird. Heiss gehandelt werden der bisherige "Cloud-Chef" bei Microsoft Satya Nadella und auch der "Android-Chef" Sundar Pichai, der noch bei Google ist. Aber wer es auch immer wird, er wird Durchsetzungsvermögen mitbringen müssen, denn die Beharrungskräfte der Organisation sind immens, ganz typisch bei erfolgreichen Firmen, sie lassen in der Regel zu spät von dem ab, was zu lange zu Erfolgen führte. Nur wenn eine kreative Ausnahmeerscheinung wie Steve Jobs, an der Spitze als unumschränkter Herrscher agieren kann, können solche Organisationstanker frühzeitig gedreht werden, bevor die Schmerzen da sind. Diese Glück hatte Microsoft aber im letzten Jahrzehnt nicht.

Aber wie auch immer, all das ist bekannt. Und trotzdem, trotz all dieser verpassten Chancen und vergurkten Gelegenheiten, generiert Microsoft immer noch riesige Gewinne und ist, was den Cashflow angeht, wohl eine der "sichersten" Aktien der Welt.

Wenn der neue Chef nur ein paar Dinge richtig macht, wird alleine das schon für neue Phantasie im Kurs bei Microsoft sorgen und diesen potentiell nach oben bewegen. Auch das Chart zeigt uns, dass der Markt langsam wieder eine positiver Sicht auf Microsoft entwickelt.

Wir sehen im Chart mit Tageskerzen einen klaren Ausbruch aus einer Wendeformation, der durch das Volumen bestätigt wird. Und wir sehen einen deutlichen und stabilen Aufwärtstrend. Viel spricht für neue Hochs, die in den kommenden Wochen anstehen könnten.

Microsoft 03.02.14

Mit dem Überwinden des Hochs vom 04.12.13 bei 38,98 USD wäre ein Ausbruch dann endgültig bestätigt. Besonders interessant ist aber der ganz langfristige Blick auf ein Chart mit Monatskerzen, das bis in die 90er, die Jahre Microsofts Aufstieg unter Gates, zurück reicht:

Microsoft 03.02.14 monatlich

Man könnte die Zeit seit 2000 also mit spitzer Zunge auch die "Ballmer-Konsolidierung" nennen. 😉 Aber wie auch immer, Sie sehen schnell, an welch bedeutender Wegscheide Microsoft nun im grossen Bild steht. Und obwohl nichts sicher ist und natürlich auch eine Microsoft in unerwartete, massive Probleme laufen kann. Und obwohl der neue CEO nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko ist. Trotz all dem, gibt es schlechtere Aktien als eine, der der Markt nichts mehr zutraut und die nach wie vor im Cash schwimmt. Auf jeden Fall ist Überraschungspotential da und die Konkurrenz hat ja auch ihre Schwächen und Steve Jobs ist halt nicht mehr.

Und so kann ich ganz klar sagen: Wenn mir einer nur die Wahl lassen würde, mein Kapital auf Microsoft oder auf eine Staatsanleihe eines grossen Staates zu setzen, ich würde ohne zu zögern Microsoft wählen. Knapp 3% Dividendenrendite plus Chancen, können sichere Staatsanleihen derzeit nur schwerlich bieten.

Ihr Hari

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Solar Sektor 2014 mit guten Chancen

Wenn Sie mich zum Anfang des neuen Jahres fragen, in welchen Sektoren ich für 2014 ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis sehe, ist die Antwort ganz klar: Solar !

Im Sektor passt nach meinem Eindruck einfach alles. Erstens sind die fundamentalen Treiber nicht nur weiter aktiv, sie zünden überhaupt jetzt erst weltweit so richtig. Zweitens ist das Sentiment noch keineswegs euphorisch, erst seit letztem Herbst ist der breite Markt so richtig auf den Sektor aufmerksam geworden. Und Drittens hat der Sektor schon einen Teil einer notwendigen Korrektur zum Ende 2013 vollzogen und damit auch etwas Luft aus einer überkauften Markttechnik abgelassen.

Ich habe hier auch schon öfter thematisiert, dass Solar bisher eine Nischentechnologie war, die eigentlich zu teuer und wirtschaftlich fragwürdig war, ausser dort, wo mit massiven steuerlichen Umverteilungsorgien nachgeholfen und damit der normale Energiemarkt ausser Kraft gesetzt wurde.

Das Hauptproblem von Solar waren dabei nicht nur die Erzeugungskosten der Kilowattstunde, sondern vor allem das völlige Fehlen sinnvoller Speichertechnologien. Denn ohne Stromspeicher, hat Solar nun einmal die dumme Eigenschaft, nicht immer dann Strom zu erzeugen, wenn er gebraucht wird. Und so produzieren unsere über das EEG subventionierten Solardächer alle fröhlich Strom, der aber bisher zu grossen Teilen wirkungslos verpufft, weil er nicht gespeichert und abgenommen werden kann. Strom, von dem der lokale Hausbesitzer in der Regel auch nichts hat, ausser eben den wirtschaftlichen Gewinn durch die überhöhten Einspeisesätze, die er aber "hintenrum" - über den Strompreis - dann wieder bezahlt.

Was wiederum auch die Umweltbilanz viel negativer macht, als man uns allenthalben glauben machen will, denn bei der Produktion der Solarzellen, werden ja teure Materialien verbraucht, Abfälle und eben auch Stromverbrauch produziert. Alles Aufwendungen, die sich erst später durch gewonnene Kilowattstunden amortisieren müssen. Und zwar nicht nur von den reinen Kosten, sondern auch von der Umweltbilanz her.

Genau dieses Kernproblem der "vergeudeten Kilowattstunden", wird nun aber in den kommenden Jahren verschwinden, denn dafür sorgt das Aufkommen der Elektromobilität und damit die Produktion günstigerer Stromspeichertechnologien, die früher oder später in Grossserie produziert und zu stark fallenden Preisen für die gespeicherte Kilowattstunde führen werden.

Wenn aber die Solarenergie mit einer effektiven Speichertechnologie verknüpft wird, wird sie zur idealen, geradezu perfekten Energieform. Eine Energie, die ohne Emissionen, vollständige Autarkie von Stromnetzen ermöglicht und damit auch Anwendungen ermöglicht, an die man heute noch gar nicht denken mag. Denn bisher war die moderne Zivilisation an die Nähe zur zivilisatorischen Infrastruktur gebunden und dehnte sich daher langsam wie ein Netzwerk aus. Mit völliger Energieautarkie ist Zivilisation im Prinzip überall möglich, selbst auf dem Mond und Mars. Neben dem Vorkommen von Wasser ist Energie das zweite "Grundnahrungsmittel" der Zivilisation. Die meisten anderen Dinge kann man mehr oder weniger erzeugen und produzieren, wenn Wasser und Energie im Überfluss vorhanden sind. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und die Autarkie ist ein so hohes Gut, dass auch die Preisfrage in den Hintergrund tritt, solange der so erzeugte Strompreis nur um überschaubare Prozentwerte vom "Netzstrom" abweicht. Für mich wäre es zum Beispiel ein Traum, in meinem Haus die Verbindung zum Stromnetz kappen zu können und ich weiss von vielen anderen, die genau so denken. Und wenn ich einmal autark bin, interessiert mich der theoretische Preis der erzeugten Kilowattstunde auch nicht mehr. Ich denke dann eher in klassischen Investitionszyklen, genau wie beim Auto, wo man beim Kauf sich in der Regel auch keine Gedanken darum macht, ob der Fahrtkilometer hinterher über die Lebenszeit 0,96 oder 1,14€ kosten wird, sondern eher die einmalige Investition im Blick hat.

Und für die Emerging Markets, wie für das chinesische Riesenreich oder Sibirien, Australien oder Kanada, wäre es ein Traum, die grossen Landflächen mit einer autarken Energieform zuverlässig versorgen zu können.

Deswegen halte ich die Solarenergie für die primäre Profiteurin der Elektromobilität, beide Technologien gehen Hand in Hand und Elon Musk sorgt nicht ohne Grund für Nähe zwischen Tesla Motors (WKN: A1CX3T) und Solar City (WKN: A1J6UM). Und das Aufkommen günstiger Speichertechnologien für Strom, wird den Verkauf der Solarenergie weltweit massiv befeuern. Und das ganz ohne staatliche Subventionen, einfach weil diese Kombination die perfekte Energieversorgung ist.

Und deswegen hat der weltweite Siegeszug der Solar-Energie nach meinem Eindruck gerade erst begonnen und wenn es nicht durch staatliche Eingriffe verhindert wird, steht dem Sektor wohl ein goldenes Jahrzehnt bevor.

Ich sage dabei bewusst "dem Sektor", denn bei einzelnen Unternehmen kann es ganz anders ausssehen. Wie bei allen modernen Technologien durchlaufen diese Innovationszyklen und ich bin keineswegs überzeugt, dass die Silizium basierten, starren Dachpanels wirklich noch das Bild der Solarenergie in 10 Jahren prägen werden. Auch in der Computerindustrie stehen die heutigen Grössen wie Apple, Microsoft, Google & Co. auf den Leichen unzähliger börsennotierter Gesellschaften, die irgendwann die falsche technologische Abzweigung genommen haben.

Deswegen ist es grundsätzlich gefährlich, in diesem Sektor einzelne Unternehmen langfristig zu spielen. Und dass der ganze Sektor vor einer grossen Zukunft steht, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass das ebenso für jedes einzelne Unternehmen gilt.

Glücklicherweise haben alle mit professionellem Börsenzugang zur Wallstreet, ja aber Zugriff auf die beiden grossen ETFs des Solarsektors -> TAN <- und "KWT". Und diese ETFs sind in meinen Augen auch die idealen Vehikel, um den Aufstieg des Sektors langfristig zu spielen.

Schauen wir auf das Chart des TAN mit Wochenkerzen, sehen wir die perfekte Wendeformation mit der brillianten Performance von 2013:

TAN 06.01.14

Das Schöne dabei ist, dass der TAN Ende 2013 schon etwas korrigiert hat, allerdings fehlt mir noch etwas bei der Bewegung und ich wäre nicht überrascht, wenn der Tan im Verlauf des ersten Halbjahres auch die 30 USD noch einmal näherungsweise erreicht. Insbesondere auch, weil der Sektor ja erst im September/Oktober des letzten Herbst in die Aufmerksamkeit der weltweiten Öffentlichkeit getreten ist, wie man gut am Volumen erkennen kann. Und diese schwachen Hände müssen nun erst einmal raus aus dem Sektor und ich bin nicht sicher, ob die Korrektur bis zum Jahreswechsel dafür schon ausreichend war.

Umgekehrt bestehen aber gute Chancen für eine langfristige Fortsetzung der fundamentalen Aufwärtsbewegung, die den TAN bis Ende 2014 durchaus bis in die Region um 70 USD führen könnte. Zwischen diesen beiden Polen von 30 und 70 USD, mag sich nun jeder seinen eigenen Kursverlauf ausdenken, ich habe keine Ahnung und auch keine Glaskugel und ich nehme die Kurse wie sie kommen.

Ich habe deshalb lange überlegt, ob ich diesen möglichen Verlauf einzeichne, weil so etwas ja sofort als Prognose interpretiert wird. Und Sie wissen ja, was ich von Prognosen halte: Nichts !

Ich habe mich dann doch dafür entschieden, weil dieser mögliche Verlauf den Tenor meines Textes visualisiert: Ein Sektor, der im klaren Aufwärtstrend ist. Ein Trend, der sich in 2014 mit Wahrscheinlichkeit fortsetzen wird. Aber auch ein Sektor, der die grossen Gewinne von 2013, vielleicht noch nicht ausreichend konsolidiert hat.

Insofern hoffe ich, dass Sie als treue Leser den Unterschied zwischen einer (sinnlosen) konkreten Prognose und einer Visualisierung eines Gedankens nicht übersehen, denn der konkrete Kursverlauf des TAN ist unbestimmt und bleibt es, wie die Zukunft. Aber was ich beispielhaft im Chart eingezeichnet habe, wäre für mich auf jeden Fall 2014 nicht so überraschend und ich glaube, wir täten alle gut daran, uns gedanklich mit der inhärent darin steckenden Volatilität vertraut zu machen, wenn wir im Sektor investieren wollen.

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 01.09.13 – 07.09.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 01.09.13 - 07.09.13

Freitag - 06.09.13 16:55 - Volatilität

Vor dem Wochenende habe ich noch ein Chart zum Schmunzeln für Sie. Wobei es auch einen lehrreichen Teil enthält.

Es sind die Arbeitsmarktdaten in ein Bild komprimiert. 😉 Und dieses Bild erklärt auch, warum ich mich ungerne vor so Ereignissen positioniere: jede Menge Volatilität die kaum zu beherrschen ist und am Ende nichts passiert, nur alle aus ihren Stops geflogen:

S&P500 06.09.13

Besser ist - was ich ja schon oft gepredigt habe - sich nach dem Ereignis, wenn der Markt sich ausgeschwungen hat, in die sich dann durchsetzende Richtung zu positionieren. Dieses Bild sollte deutlich machen, warum man so Events mit engen Stops nicht beherrschen kann und da nur Geld verliert.

Weiterlesen ...

Das trojanische Pferd und das Ende von Nokia

09:00 Uhr. Heute ist ein trauriger Tag für Finnland. Das Ende von Nokia ist nach meiner Einschätzung da. Lesen Sie zunächst -> hier <- erst einmal die offiziellen Nachrichten.

Warum das Ende von Nokia werden Sie fragen ? Das will ich Ihnen im Folgenden erklären, denn ich persönlich habe den Eindruck des Vollzugs einer intelligent eingefädelten Zerschlagung zum primären Wohle Microsofts, die mit dem Wechsel von Stephen Elop auf den Chefwechsel am 21.09.2010 vor fast 3 Jahren begann.

Es ist sicher nicht so, dass es schon vor drei Jahren einen festen Plan gab, der einfach nur abgearbeitet wurde und das Stephen Elop insofern nur ein Trojanisches Pferd zum Wohle Microsofts war. Zu unberechenbar sind die Entwicklungen in der Branche, als das man 3 Jahre im voraus planen könnte. Und Stephen Elop hat vielleicht vor drei Jahren einfach nur eine grosse persönliche Chance ergriffen, ohne weitere Gedanken im Hinterkopf. Aber trotzdem haben viele der Schritte Nokias in den letzten Jahren in meinen Augen primär Microsoft gedient, was ich Ihnen im Folgenden darstellen will.

Dass das Ende nun gekommen ist, war für mich absehbar. Vielleicht erinnern Sie sich ja an meinen Artikel von vor ca. 9 Monaten, in dem ich Nokia wie Blackberry als -> Tote Katzen <- bezeichnet habe und nur Facebook von den Dreien Zukunftspotential zusprach ? Bei Nokia wie Blackberry hat sich das nun bewahrheitet und die Liebe der Privatanleger zu diesen Aktien war mal wieder die typische, fehlgeleitete Liebe zu "Fallen Angels" - die klassische Honigfalle, die wir auch bei Commerzbank, Praktiker und Co. immer wieder beobachten können und die viele Privatanleger zum Schaden Ihrer Depots wohl nie ablegen werden. Auch K+S hat aktuell das Potential in die gleiche Kategorie zu fallen.

Zu verlockend sehen Aktien ja auch aus, wenn man sie von früher gut kennt und diese früher viel teurer waren. Das fühlt sich dann emotional wie ein "Rabatt" an und man meint zuschlagen zu müssen. Dass der Markt aber gute Gründe hat eine Aktie nun anders zu bewerten, wird dabei übersehen. Und der Markt ist definitiv viel klüger, als all die Laien, die sich da etwas zusammen reimen.

Klar, wer nun in den letzten Wochen mit Nokia gezockt hat, wird nun durch den Verkauf an Microsoft nette Gewinne mitnehmen können. Diese Chance einer Übernahme war immer da und habe ich auch in meinem Artikel von vor 9 Monaten als einzige realistische Chance auf Gewinne bezeichnet. Aber wie viele Privatanleger sind immer noch seit Jahren bei Nokia drin und warten auf bessere Zeiten, so wie sie bei Commerzbank gewartet haben ? Diese Aktionäre wissen nun mit Gewissheit, dass sie Ihre Verluste nicht mehr wettmachen können.

Aber zurück zum Geschehen um Nokia. Schauen wir doch mal, wie sehr die Aktivitäten der letzten drei Jahre Microsoft gedient haben:

(1)

Vielleicht erinnen Sie sich ja daran, wie ich hier in den Anfängen von Mr-Market den von Elop betriebenen Wechsel Nokias weg von den eigenen Betriebssystemen Symbian und MeeGo hin zu Windows Mobile spöttisch gegeisselt habe ? 2 Jahre später fühle ich mich mehr als bestätigt. Den aktuellen, ärmlichen Zustand der Smartphone Umsätze hätte man locker auch mit Symbian und erst Recht mit MeeGo haben können. Genügend Zeit diese Systeme weiter zu entwickeln war auch - durch die Entscheidung zu Windows Mobile zu wechseln, hat sich Nokia ja auch für mehr als ein Jahr völlig aus dem Wettbewerb verabschiedet. Genau dieses Jahr war das entscheidende, in dem die Marke endgültig ihre Strahlkraft verloren hat.

Nein, der Wechsel war für mich völlig unnötig und hat primär Microsoft gedient, weil sich Nokia so selber kastriert und abhängig gemacht hat. Das Problem das Nokia hatte, war ja auch gar kein technologisches, MeeGo war gut genug. Es war primär ein Management-Problem - die Entwicklungsabteilungen waren zu behäbig und dem Wettbewerb von Apple und Google nicht mehr gewachsen. Dieses Problem hat man aber sowieso lösen müssen, der Wechsel zu Windows Mobile hat nur neue Probleme geschaffen und war aus Sicht von Nokia unnötig wie ein Kropf.

(2)

Was das "Ende von Nokia" angeht, könnten einige jetzt denken wieso, es gibt doch Nokia weiter ? Es wird doch "nur" das Smartphone Geschäft samt Patenten verkauft ?

Stimmt theoretisch, aber das verbleibende Netzwerkgeschäft hat in meinen Augen nicht das Potential dauerhaft selbstständig zu bleiben. Am Ende vermute ich, dass das Geschäft von Mitbewerbern wie Ericsson einverleibt wird und Nokia ganz vom Kurzszettel verschwindet. Man schaue auch mal am Kurs von Ericsson, wie schwierig dieses Infrastrukturgeschäft im Telekombereich ist, wo aggressive Mitbewerber aus China und Taiwan ala Huawei in den Markt drängen. Finnland ist damit sein bekanntestes Unternehmen los geworden. Eine Zeitlang wird es dort sicher noch ein Entwicklungszentrum von Microsoft geben, aber wie lange steht in den Sternen.

Vor dem Hintergrund dieser Aktion wird mir nun aber auch deutlicher, warum Nokias Managements so aggressiv Siemens aus dem NSN Joint Venture gedrängt hat. Das war nach meiner Vermutung eine nötige Voraussetzung um diesen Deal so machen zu können und hilft wiederum massiv Microsoft. Denn für den Übernehmer ist es viel einfacher, einen Teil eines börsennotierten Konzerns heraus zu kaufen, als ein komplettes Übernahmeangebot vorlegen zu müssen. Die Herauslösung von Nokia Networks aus dem Joint Venture war also vielleicht eher notwendige Voraussetzung, damit Microsoft nun diesen Schritt tun kann.

Und damit kommen wir zum dritten Punkt meiner Argumentation:

(3)

Stephen Elop - der Gedanke an ein trojanisches Pferd kann mir da schon kommen - auch wenn ich wie oben gesagt nicht an den grossen drei Jahre andauernden "Masterplan" glaube. Elop ist jetzt ein ganz heisser Kandidat auf die Nachfolge von Ballmer, der - Überraschung - vor kurzem zurück getreten ist. Damit hat Elop defacto - nicht aktienrechtlich und insofern legal - aber doch defacto mit sich selber verhandelt. Auf der einen Seite als Nokia Chef, der nun das Smartphonegeschäft an Microsoft schiebt und auf der anderen Seite als "mitgehender" neuer/alter Microsoft Mitarbeiter, der potentiell neuer CEO werden kann, aber zumindest eine sehr herausgehobene Funktion bei Microsoft haben wird.

Ich denke das "Geschmäckle" ist offensichtlich, auch wenn der Vorgang aktienrechtlich wohl legal ist. Und erneut hilft das am Ende Microsoft. Bei einer Komplett-Übernahme durch Microsoft wäre Elop aber nicht Verhandlungspartner gewesen, wie im Szenario der Herauslösung des Smartphone-Geschäftes. Bei einem Übernahmeangebot hätte sich Microsoft direkt mit den Nokia Aktionären auseinander setzen müssen. Und das wird typischerweise teuer. Sicher, auch jetzt wird Elop die Aktionäre fragen müssen, aber das ist ein weit einfacheres Szenario, als sich bei einem kompletten Übernahmeangebot mit aggressiven Mitspielern ala Icahn und Co. auseinander setzen zu müssen.

Summa Summarum, perfekt getimter Deal aus Sicht von Microsoft. Die Aussagen der Deal sei Ballmer bisher "zu teuer" gewesen, halte ich für ein Ablenkungsmanöver und für bewusst erzeugten Rauch, um den Blick der Gegner zu vernebeln. Dieser Deal - inklusive Patente - ist nicht teuer für Microsoft, der ist ungemein billig. Ich bin sicher, gäbe es Nokia nicht und jemand würde Microsoft heute das gleiche Portfolio an Patenten, Mitarbeitern und Produkten andienen - genau das was Microsoft nun dringend für seine neue Strategie braucht - dann würde Microsoft auch 10 Milliarden USD zahlen. Denken Sie daran, dass Microsoft für Skype locker 8,5 Milliarden USD gezahlt hat und das ganze Smartphone Geschäft von Nokia ist für Microsoft um Faktoren bedeutender, als ein einzelner Dienst für Video-Telephonie.

Nein, das ist nach meiner festen Überzeugung ein toller Deal für Microsoft und ich vermute, die Börse wird das heute auch Microsoft mit einem Premium danken und nicht wie üblich einen Übernahmeabschlag erzwingen. Ein Mitbewerber wird erst umarmt, dann kastriert und dann der schmackhafte Teil einverleibt. Und man bekommt auch gleich einen potentiellen CEO aus dem eigenen Stall geliefert, der nun Branchen-Knowhow aufsaugen konnte, das Microsoft bisher fehlte. Und nun hat Microsoft alle Inkredenzien beisammen, um ernsthaft gegen Apple und Co. antreten zu können.

Einfach perfekt und man könnte meinen, da hätte ein genialer Mastermind im Hintergrund einen perfekten Plan durchgezogen. Wie gesagt, so einfach wird es wohl nicht sein, zu wenig planbar ist die Zukunft und in dem Geschäft sowieso, aber zumindest zeigt Bill Gates nach meiner Meinung die Züge eines genialen Autisten und hat ohne jeden Zweifel einen extrem hohen IQ. Wer weiss ? 😉

Für die Aktionäre von Nokia heisst das in meinen Augen:

Nehmen Sie die schönen kurzfristigen Gewinne (oder verringerten Verluste) mit, die Ihnen Microsoft nun gewährt und schliessen Sie mit dem Kapitel Nokia ab. Ich werde das tun.

Es war eine schöne Zeit mit Dir liebe Nokia und ich war damals einer der ersten Kunden des ersten Communicators - des ersten "Smartphones" der Welt.

Rest in Peace Nokia ! Ich werde Dich vermissen.

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