5. Erfolg in kleinen Schritten

Bei der Etablierung neuer Routinen stellt sich am Anfang immer die Frage: Wie schafft man es, eine neue Routine nachhaltig in seinen Alltag zu integrieren?

Unsere Kernprobleme sind dabei generell unsere Intuition und Motivation. Denn intuitiv nehmen wir uns viel zu viel vor, wenn wir etwas Neues beginnen möchten. Es wird zu Beginn sehr viel Zeit investiert, sodass dieses neue, hohe Arbeitspensum maximal ein paar Tage gehalten werden kann. Mit der Zeit fällt die Motivation ab, da die hoch gesteckten Ziele nicht so schnell zu erreichen sind. Was also tun, um Zyklen zu vermeiden, bei denen sich die gewünschte Routine am Ende in Luft auflöst?

Um dieses Problem aufzulösen, hilft mir die wohl beste Idee des Buches „Atomic Habits“ weiter:

„The Two-Minute Rule“, welche besagt: „When you start a new habit, it should take less than two minutes to do.”

Es dürfte klar sein, dass zwei Minuten Sport oder Trading nicht das ultimative Ziel sein können.
Aber die „Two-Minute Rule“ überlistet die Einstieghürde. Denn wenn man mal begonnen hat, dann kann man auch gleich über die zwei Minuten hinaus weitermachen.

Auf das Trading bezogen sind das bei mir folgende Beispiele:

  • Aus der täglichen 30-90 Minuten Tradingroutine wird: „Ich setze mich an den PC.“
  • Aus der Analyse eines Trades von 10-20 Minuten wird: „Einmal würfeln.“

Darüber hinaus gibt es diese Beispiele in meinem Alltag:

  • Aus einer Joggingrunde wird: „Ich ziehe meine Laufklamotten an.“
  • Aus meiner morgendlichen Sportroutine von 15-20 Minuten wird: „Ich lege mein Smartphone nach dem Aufstehen auf meine Übungsmatte.“ Hier macht es auch nichts aus, dass ich dazwischen noch Zähne putze. Denn die Routine wird mit dem Smartphone schon vorher getriggert.

Als ich das erste Mal von dieser Idee gelesen hatte, dachte ich: „Was für eine bescheuerte Idee. Was soll das denn ändern?“ Aber dann habe ich es ausprobiert. Denn schließlich wollte ich etwas an meinem Verhalten ändern. Neugierig, ob es bei mir doch funktioniert war ich noch dazu. Schon nach kurzer Zeit war ich von der Wirkung dieser simplen Idee positiv überrascht und hatte neue Routinen nachhaltig in meinen Alltag integriert. Es machte tatsächlich in meinem Kopf einen Unterschied, ob ich mir die Mini-Aufgabe vornehme oder die anstrengende, zeitraubende Aufgabe.

Dabei hatte ich auch kein Problem mit meiner Reflexivität, also dass ich mich damit eigentlich selbst austrickse, wenn ich schon vorher weiß, dass es eigentlich um die lange Aufgabe geht. Die Mini-Aufgabe bekam bei mir nicht dieselbe Last oder Schwierigkeit zugeteilt, wie es die ursprüngliche, große Aufgabe tat. Wer mit seiner eigenen Reflexivität dahingehend Probleme hat, kann die „Two-Minute-Rule“ trotzdem anwenden:

  • Joggen: Nach zwei Minuten stoppen.
  • Tägliche Überprüfung der eigenen Watchlist: Nach zwei Minuten stoppen.
  • Ins Tagebuch schreiben: Nach zwei Minuten stoppen.

Und wenn sich die Routinen wie gewünscht über mehrere Wochen etabliert haben, kann man die Zeitdauer verlängern. Denn es geht nicht um die zwei Minuten, sondern um die zuverlässige und gewünschte Regelmäßigkeit und somit den Erfolg der Routine - zwar in kleinen Schritten, aber dafür langfristig.

Wohin wollen Sie Ihre nächsten kleinen Schritte machen?

Euer Manglegose

Der 80% KISS und der Gründler



Im heutigen Video versuche ich Ihnen erlebbar zu machen, warum wir uns an der Börse auf das Wesentliche konzentrieren sollten, die Dinge nicht überkomplizieren sollten und vermeiden, uns in Details zu verlieren.

Das Video fügt damit viele Dinge zusammen, über die ich unter Begriffen wie "Gründler", "Reflexivität" oder KISS schon oft geschrieben habe.

Ein Hinweis noch, gegen Ende des Videos zeige ich einen Ausschnitt eines Videos zur Heisenbergschen Unschärferelation. Dabei ist der Ton leider etwas leise, ich wollte deswegen aber das Video nicht neu aufnehmen und auch keinen Doktor in selektiver Tonanpassung machen.

Drehen Sie also da bitte kurz die Lautstärke hoch - auch das ist übrigens ein KISS-Ansatz. 😛

Viel Spaß!

Ihr Hari

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Warum das „Smart Money“ mehr groß als „smart“ ist


Der folgende Grundlagen-Artikel erschien Anfang diesen Jahres im Premium-Bereich. Für die Lesbarkeit im freien Bereich, wurde er bei Referenzen und Links leicht überarbeitet

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In diesem Artikel, möchte ich für Sie einordnen, was sich hinter dem Begriff "Smart Money" verbirgt, für den es auch andere Begriffe gibt wie das "Big Money" oder die "Markt-Elefanten".

Und auch der "Composite-Operator" der sogenannten -> Wyckoff-Terminologie <- beschreibt die gleiche Gruppe, der Begriff ist eine abstrakte Metapher für die Gruppe im Markt, die alleine durch Größe und Wissen, die Richtung des Marktes ganz wesentlich beeinflussen kann.

Auch ich spreche oft flapsig vom "Smart Money" oder von den "Marktelefanten" und meine damit die gleiche Gruppe, die mit dem Begriff "Composite Operator" in ein eingängiges Bild gefasst wird. Womit sich vielleicht doch mal die Frage anschliesst, wer damit überhaupt gemeint ist und ob das "Smart Money" wirklich so smart ist?

Vor allem, wir lesen und erleben doch immer wieder, dass Hedgefunds zu Hunderten auch 2018 Pleite gegangen sind, dass Fondsmanager sich 2018 durchweg nicht mit Ruhm bekleckert haben und im tiefen Minus mit ihren Fonds hängen und selbst "Helden" wie David Eichhorn, der in der Reihe der -> greatest Investors <- genannt wird, in 2018 mal eben -> 28% Verlust gemacht haben <-.

Wie "smart" ist dieses "Smart Money" also eigentlich und stehen hinter dem "Composite Operator" konkrete Namen mit besonderem Insiderwissen?

Die wichtige Antwort drauf ist Nein! Alle kochen nur mit Wasser, auch die Einhorns dieser Welt! Und es gibt dieses "Smart Money" und diesen "Composite Operator" gar nicht als dedizierte Personen oder Gruppen, das ist eine Fiktion. Es sind einfach abstrakte Konzepte, die einen Sinn haben.

Bevor ich zum Sinn komme sei gesagt, dass es natürlich echtes Insiderwissen im Markt gibt. Wir erleben das immer wieder bei Einzelaktien, wenn schon Stunden oder einen Tag vor einer wichtigen Nachricht, die Kurse in die (im nachhinein) richtige Richtung zu laufen beginnen. Da wissen dann schon welche was, die gleicher als gleich sind und starten faktische Insidertrades, die in der Regel unentdeckt bleiben.

Nur das sind keineswegs immer die gleichen Personen und es ist vor allem spezifisches Wissen zu einem Ereignis oder einem Unternehmen - was den ganzen Markt angeht, ist das weit schwieriger bis unmöglich.

Schauen wir doch die letzten Wochen des Jahres 2018 an. FED-Chef Jerome Powell hat mit seiner Kommunikation schwer überrascht, wahrscheinlich er sich auch selber, weil ihm gar nicht klar war, welche Lawine des Missvergnügens er da vor Weihnachten in Gang setzen würde. Und Trump kaspert mit Chinas Xi herum und selbst seine eigenen Berater die um ihn sind wie Larry Kudlow, werden immer wieder von seiner nächsten Volte überrascht, siehe seine überraschende Entscheidung im Telefonat mit Erdogan aus Syrien abzuziehen.

Und dabei sind die beiden Themen FED und Handelskonflikt, die großen Sorgen die den Markt gerade bewegen und ich garantiere Ihnen, das "Smart Money" bzw der "Composite Operator" rätselt genau so über Trump wie wir. Wie will ein Dritter auch etwas wissen, das Powell nicht bewusst ist und Trump nicht mit seinen Beratern bespricht, bevor er es verkündet?

Ja, vielleicht bekommen die mal was von Kudlow gesteckt, der es wieder seinem alten Partner Jim Cramer steckt, wer weiss das schon? Und die haben die besseren Daten zu dem was im Markt passiert, als wir kleinen "Blindfische". Aber trotzdem, wirklich etwas "wissen" tun sie nicht und ökonomische Daten sind auch mehrdeutig und so besonders "smart" können sie dann auch nicht sein, wenn man sich - siehe oben - die Ergebnisse vor Augen führt.

Wie passt das dann denn überhaupt alles zusammnen?

Eigentlich gibt es also kein konsistentes Smart-Money und doch funktionieren Konzepte, bei denen man genau schaut, was diese Markt-Elefanten treiben und diese Konzepte führen zu besseren Anlageentscheidungen.

Es lohnt sich also den Handlungen der "Markt-Elefanten", des "Composite Operators" zu folgen und gleichzeitig ist der aber meistens gar nicht so smart und weiss nicht viel mehr als wir.

Erneut, wie passt das zusammen?

Meine Antwort ist einfach und elegant und sie ist absolut faszinierend, weil es mal wieder die -> Reflexivität <- ist, die hier den entscheidenden Faktor ausmacht.

Die Antwort ist verkürzt gesagt:

Die Markt-Elefanten bestimmen den Markt, weil sie Elefanten sind. Weil sie Elefanten sind, können sie von dieser Dominanz aber nicht immer profitieren.

Denn das "Smart Money" ist gar nicht besonders "smart", es ist aufgrund seiner schieren Feuerkaft aber trotzdem marktbestimmend.

Stellen Sie sich eine Kugelpyramide vor und nun will einer seine Kugel heraus ziehen, eine Kugel die so groß ist, dass die Statik der Pyramide davon abhängt. Wenn diese Kugel gezogen wird, fällt die ganze Pyramide zusammen.

Die Pyramide fällt aber nicht zusammen, weil der so "smart" war und das vorher geahnt hat. Sie fällt zusammen, weil die Kugel zu gross und wichtig war, um auf sie in der Pyramide zu verzichten.

Die großen Adressen bestimmen also wesentlich den Markt, aber nicht weil sie - von Ausnahmen abgesehen - die Zukunft besser kennen als wir, sondern ganz profan, weil sie der Markt sind!

Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung, ein Markt erreicht sein Top dann, wenn die großen Adressen denken, dass er sein Top erreicht hat und deshalb zu verkaufen beginnen. Genau das haben wir diesen Oktober beobachtet, als der Markt fiel, obwohl es dafür keinen harten Anlass in den Wirtschaftsdaten gab.

Und noch schlimmer, diese großen Adressen können davon selber auch nur begrenzt profitieren, weil sie eben so groß sind, dass sie ihre Verkäufe über einen langen Zeitraum verteilen müssen, weil sie ansonsten sich durch einen zusammenbrechenden Markt selber ins Knie schiessen würden.

Genau das nennt man die Distributionsphase, genau das ist das Wirken des "Composite Operators". Und dahinter verbirgt sich kein konkreter, besonders "smarter" Mensch, sondern dahinter verbirgt sich einfach das große Volumen, das den Markt bestimmt und lange braucht, um sein Geld abzuziehen oder wieder zu investieren.

Es gibt also genau genommen gar kein "Smart Money", von Ausnahmen echten Insiderwissens abgesehen. Es ist im reflexiven Markt einfach so, dass das große Geld "der Markt ist" und wenn das verkauft, wird der Markt fallen - einen Grund braucht es dafür dann nicht, den liefern die Medien nach.

Dieses "große Geld", dieser "Composite Operator", sieht also smart aus, weil er Bewegungen auslöst, er weiss aber eigentlich gar nicht so viel, er reisst eher den Markt durch seine schiere Größe nach unten.

Deswegen sind die abstrakten Konzepte der "Markt Elefanten" und des "Composite-Operators" wichtig, weil wenn wir lernen zu erkennen, was die großen Institutionen machen, wir auch wissen wohin der Markt will. Denn die sind der Markt - mehr als wir auf jeden Fall!

Wirklich "smart" sind die aber auch nur in Ausnahmefällen, wenn sie wirklich Insiderwissen haben, ansonsten kochen die genauso mit Wasser wie wir.

Konkret gesagt, gib theoretisch einem Affen 20% der Marktkapitalisierung einer Aktie und lass ihn Stück für Stück verkaufen. Der Affe wird im Nachhinein unglaublich "smart" aussehen, weil er im Wesentlichen ab dem Hochpunkt des Kurses zu Verkaufen begonnen hat und danach ist der Markt nur noch gefallen.

Genau das ist aber die Reflexivität, das ist ein selbstreferentieller Markt. Der Affe war gar nicht "smart", er war einfach nur "gross". 😉

Ich hoffe das hilft ein wenig, diese Begriffe besser einzuordnen. Es gibt kein pauschales "Smart Money" und doch ist es für uns wichtig, seinen Bewegungen zu folgen. Ein vermeintlicher Widerspruch, den die Reflexivität auflöst.

Und die beste Methode das Verhalten des großen Geldes zu erkennen, ist auf die Preisstrukturen des Marktes zu schauen und dabei immer das Volumen im Auge zu behalten. Denn zum Ein- wie Ausstieg wird am Markt nicht geklingelt, der Erste der davon weiß, ist in der Regel der Kurs selber. Erst dann fangen andere an, darüber zu schreiben.

Ihr Hari

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Vom Smart Money, dem Composite Operator und den Markt-Elefanten


In diesem Artikel, möchte ich für Sie einordnen, was sich hinter dem Begriff "Smart Money" verbirgt, für den es auch andere Begriffe gibt wie die "Markt-Elefanten".

Und auch der "Composite-Operator" der Wyckoff-Terminology beschreibt die gleiche Gruppe, der Begriff ist eine abstrakte Metapher für die Gruppe im Markt, die alleine durch Größe und Wissen, die Richtung des Marktes ganz wesentlich beeinflussen kann.

Erst vor Kurzem hat unser "Pasolini" in seinen beiden Artikeln zu -> Kurszyklen <- diesen "Composite-Operator" in seinem Wirken dargestellt und ich habe vor einem Jahr in einem Video zu -> Distributionsstrukturen <- auch das Wirken dieser Gruppe thematisiert.

Abgesehen davon spreche ich oft flapsig vom "Smart Money" oder von den "Marktelefanten" und meine damit die gleiche Gruppe, die mit dem Begriff "Composite Operator" in ein eingängiges Bild gefasst wird. Womit sich vielleicht doch mal die Frage anschliesst, wer damit überhaupt gemeint ist und ob das "Smart Money" wirklich so smart ist?

Vor allem, wir lesen und erleben doch immer wieder, dass Hedgefunds zu Hunderten auch 2018 Pleite gegangen sind, dass Fondsmanager sich 2018 durchweg nicht mit Ruhm bekleckert haben und im tiefen Minus mit ihren Fonds hängen und selbst "Helden" wie David Eichhorn, der in der Reihe der -> greatest Investors <- genannt wird, in 2018 mal eben -> 28% Verlust gemacht haben <-.

Wie "smart" ist dieses "Smart Money" also eigentlich und stehen hinter dem "Composite Operator" konkrete Namen mit besonderem Insiderwissen?

Die wichtige Antwort drauf ist Nein! Alle kochen nur mit Wasser, auch die Einhorns dieser Welt! Und es gibt dieses "Smart Money" und diesen "Composite Operator" gar nicht als dedizierte Personen oder Gruppen, das ist eine Fiktion. Es sind einfach abstrakte Konzepte, die einen Sinn haben.

Bevor ich zum Sinn komme sei gesagt, dass es natürlich echtes Insiderwissen im Markt gibt. Wir erleben das immer wieder bei Einzelaktien, wenn schon Stunden oder einen Tag vor einer wichtigen Nachricht, die Kurse in die (im nachhinein) richtige Richtung zu laufen beginnen. Da wissen dann schon welche was, die gleicher als gleich sind und starten faktische Insidertrades, die in der Regel unentdeckt bleiben.

Nur das sind keineswegs immer die gleichen Personen und es ist vor allem spezifisches Wissen zu einem Ereignis oder einem Unternehmen - was den ganzen Markt angeht, ist das weit schwieriger bis unmöglich.

Schauen wir doch jetzt die letzten Wochen an. Powell hat mit seiner Kommunikation schwer überrascht, wahrscheinlich er sich auch selber, weil ihm gar nicht klar war, welche Lawine des Missvergnügens er da vor Weihnachten in Gang setzen würde. Und Trump kaspert mit Xi herum und selbst seine eigenen Berater die um ihn sind wie Kudlow, werden immer wieder von seiner nächsten Volte überrascht, siehe seine überraschende Entscheidung im Telefonat mit Erdogan aus Syrien abzuziehen.

Und dabei sind diese beiden Themen die großen Sorgen die den Markt gerade bewegen und ich garantiere Ihnen, das "Smart Money" bzw der "Composite Operator" rätselt genau so über Trump wie wir. Wie will ein Dritter auch etwas wissen, das Powell nicht bewusst ist und Trump nicht mit seinen Beratern bespricht, bevor er es verkündet?

Ja, vielleicht bekommen die mal was von Kudlow gesteckt, der es wieder Cramer gesteckt hat, wer weiss. Und die haben die besseren Daten zu dem was im Markt passiert, als wir kleinen Blindfische. Aber trotzdem, wirklich etwas "wissen" tun sie nicht und ökonomische Daten sind auch mehrdeutig und so besonders "smart" können sie dann auch nicht sein, wenn man sich - siehe oben - die Ergebnisse vor Augen führt.

Wie passt das dann denn überhaupt alles zusammnen?

Eigentlich gibt es also kein konsistentes Smart-Money und doch funktionieren Konzepte, bei denen man genau schaut, was diese Markt-Elefanten treiben und die zu besseren Anlageentscheidungen führen.

Es lohnt sich also den Handlungen der "Markt-Elefanten", des "Composite Operators" zu folgen und gleichzeitig ist der aber meistens gar nicht so smart und weiss nicht viel mehr als wir.

Erneut, wie passt das zusammen?

Meine Antwort ist einfach und elegant und sie ist absolut faszinierend, weil es mal wieder die Reflexivität ist, die hier den entscheidenden Faktor ausmacht.

Die Antwort ist verkürzt gesagt:

Die Markt-Elefanten bestimmen den Markt, weil sie Elefanten sind. Weil sie Elefanten sind, können sie von dieser Dominanz aber nicht immer profitieren.

Denn das "Smart Money" ist gar nicht besonders "smart", es ist aufgrund seiner schieren Feuerkaft aber trotzdem marktbestimmend.

Stellen Sie sich eine Kugelpyramide vor und nun will einer seine Kugel heraus ziehen, eine Kugel die so groß ist, dass die Statik der Pyramide davon abhängt. Wenn diese Kugel gezogen wird, fällt die ganze Pyramide zusammen.

Die Pyramide fällt aber nicht zusammen, weil der so "smart" war und das vorher geahnt hat. Sie fällt zusammen, weil die Kugel zu gross und wichtig war, um auf sie in der Pyramide zu verzichten.

Die großen Adressen bestimmen also wesentlich den Markt, aber nicht weil sie - von Ausnahmen abgesehen - die Zukunft besser kennen als wir, sondern ganz profan, weil sie der Markt sind!

Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung, ein Markt erreicht sein Top dann, wenn die großen Adressen denken, dass er sein Top erreicht hat und deshalb zu verkaufen beginnen. Genau das haben wir diesen Oktober beobachtet, als der Markt fiel, obwohl es dafür keinen harten Anlass in den Wirtschaftsdaten gab.

Und noch schlimmer, diese großen Adressen können davon selber auch nur begrenzt profitieren, weil sie eben so groß sind, dass sie ihre Verkäufe über einen langen Zeitraum verteilen müssen, weil sie ansonsten sich durch einen zusammenbrechenden Markt selber ins Knie schiessen würden.

Genau das nennt man die Distributionsphase, genau das ist das Wirken des "Composite Operators". Und dahinter verbirgt sich kein konkreter, besonders "smarter" Mensch, sondern dahinter verbirgt sich einfach das große Volumen, das den Markt bestimmt und lange braucht, um sein Geld abzuziehen oder wieder zu investieren.

Es gibt also genau genommen gar kein "Smart Money", von Ausnahmen echten Insiderwissens abgesehen. Es ist im reflexiven Markt einfach so, dass das große Geld "der Markt ist" und wenn das verkauft, wird der Markt fallen - einen Grund braucht es dafür dann nicht, den liefern die Medien nach.

Dieses "große Geld", dieser "Composite Operator", sieht also smart aus, weil er Bewegungen auslöst, er weiss aber eigentlich gar nicht so viel, er reisst eher den Markt durch seine schiere Größe nach unten.

Deswegen sind die abstrakten Konzepte der "Markt Elefanten" und des "Composite-Operators" wichtig, weil wenn wir lernen zu erkennen, was die großen Institutionen machen, wir auch wissen wohin der Markt will. Denn die sind der Markt - mehr als wir auf jeden Fall!

Wirklich "smart" sind die aber auch nur in Ausnahmefällen, wenn sie wirklich Insiderwissen haben, ansonsten kochen die genauso mit Wasser wie wir.

Konkret gesagt, gib theoretisch einem Affen 20% der Marktkapitalisierung einer Aktie und lass ihn Stück für Stück verkaufen. Der Affe wird im Nachhinein unglaublich "smart" aussehen, weil er im Wesentlichen ab dem Hochpunkt des Kurses zu Verkaufen begonnen hat und danach ist der Markt nur noch gefallen.

Genau das ist aber die Reflexivität, das ist ein selbstreferentieller Markt. Der Affe war gar nicht "smart", er war einfach nur "gross". 😉

Ich hoffe das hilft ein wenig, diese Begriffe besser einzuordnen. Es gibt kein pauschales "Smart Money" und doch ist es für uns wichtig, seinen Bewegungen zu folgen. Ein vermeintlicher Widerspruch, den die Reflexivität auflöst.

Und die beste Methode das Verhalten des großen Geldes zu erkennen, ist auf die Preisstrukturen des Marktes zu schauen und dabei immer das Volumen im Auge zu behalten.

Ihr Hari

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Perlen Reloaded – Der Feind in uns

Den folgenden, wichtigen und grundlegenden Beitrag, habe ich im Nachgang eines schwachen Tages am Freitag 04.04.14 geschrieben, als der Markt nach längerem Anstieg plötzlich wieder markant zu fallen begann:

Jetzt, da wir wissen was danach passiert ist - nämlich nicht viel - fragen wir uns natürlich, was daran besonders aufregend gewesen sein soll. An dem Tag wusste man es aber nicht und es hätte sehr wohl der Beginn einer grösseren Wende sein können und nicht nur der Beginn einer kleinen Korrektur wie dann abgelaufen.

Dieser Tag hat hier allerlei Emotionen hervor gerufen, einige waren genervt vom Markt, der schon vorher schwierig war, andere hatten Angst, wieder andere zuckten zu gelassen die Schultern nach dem Motto: "geht schon wieder hoch".

Das war für mich Anlaß die folgenden wichtigen Worte zu schreiben, in denen ich adressiere, dass das alles emotionale Vermeidungsstrategien sind. Übrigens auch vom Anleger, der vor der Unsicherheit des nervigen Hin und Hers fliehen will und deswegen jetzt "nur noch langfristig anlegen" will, so als ob das Problem kleiner würde, wenn man viele kleine Momente der Unsicherheit durch einen großen Moment der Unsicherheit ersetzt. Nichts wird kleiner dadurch, man kann sich nur länger in einer Illusion sonnen. 😉

Hier der damalige Beitrag, der nichts von seiner Aktualität verloren hat:

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Samstag 05.04.14 09:30 - Der Feind in uns

Ich möchte das Geschehen von Freitag zum Anlass für einen Grundsatzartikel nutzen - ausnahmsweise mal am Wochenende.

Denn ich bin sicher, ich kann - sozusagen durch die Leitung - fühlen, was viele von Ihnen zum Geschehen am Freitag denken. Da ist so eine Art kollektives Seufzen nach dem Motto: kann mich dieser Markt mit seinen wilden Bewegungen nicht mal in Frieden lassen ? Es geht doch sowieso bald weiter hoch......

Dieses Gefühl ist sehr menschlich und verständlich. Ich habe es auch in mir. Ich habe gestern auch gedacht: "herrje - was soll das denn jetzt wieder ?". Weil eigentlich wollte ich ruhig ins Wochenende gleiten und der Markt liess mich nicht. Das frustriert uns Menschen und verleitet uns zu Vermeidungsstrategien. Über diese Vermeidungsstrategien will ich nun reden.

Das Fiese ist, aufgrund der Reflexivität des Marktes, kennt er unsere Schwachstellen. Er muss sozusagen systembedingt dann besonders gefährlich werden, wenn wir Menschen ermattet unsere Schilde herunter sinken lassen. Denn wir sind der Markt, weil wir ihn machen. Es ist deshalb gar nicht ungewöhnlich, dass solche unerwarteten Bewegungen genau dann kommen, wenn keiner mehr hinschauen will. Es ist im Gegenteil folgerichtig, dass diese dann kommen.

Und nun kommt unser "Affenhirn" wieder ins Spiel und da es uns emotional nicht gefällt, dass wir wieder aufgeschreckt werden, reagieren wir instinktiv mit Vermeidungsstrategien.

Die erste klassische Vermeidungsstrategie handelt von den Affen, die nichts sehen, nichts hören, nichts sagen wollen. Wie oft haben wir solche Momente wie Freitag in den letzten Jahren gehabt ? Wie oft entstanden "rote Flaggen", die dann doch keine Folgen hatten ? Sozusagen tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert.

Mit dieser Haltung zucken wir die Schultern und verdrängen das Geschehen. Wird schon weiter hoch gehen. Die Chancen dafür sind auch gar nicht schlecht. Wenn das aber der Beginn von 2008 oder nur August 2011 ist, werden wir mit dieser Haltung massiv auf die Nase fallen. Denn wenn jetzt am Montag oder Dienstag die Kurse weiter nach unten rauschen, wird bei uns auch noch der Confirmation Bias zuschlagen. Wir wollen uns dann den Fehler nicht eingestehen und werden weiter abwarten und verdrängen. Bis irgendwann der Schmerz zu gross wird, dann ist aber schon viel Blut geflossen, das unnötig gewesen wäre.

Die zweite klassische Vermeidungsstrategie ist noch radikaler und einfach nur Selbstbetrug. Es ist der Fuchs der sagt, dass die Kirschen die zu hoch hängen, ja gar nicht schmecken. Wer mit diesen Swings des Marktes emotional nicht umgehen kann, wird sich selber erklären, dass er das ja alles gar nicht braucht. Dass er ja nun ein ruhiger Investor wird, den diese Swings nicht mehr interessieren.

Das ist – mit Verlaub – Selbstbetrug. Es gibt keinen „einfachen“ Weg über längerfristige Investments. Wer diesen heiligen Gral gefunden hat, hat meine Glückwünsche und sollte sein unglaubliches Geheimnis besser gut hüten.

Für Menschen die emotional damit nicht umgehen können, gibt es nur eine Möglichkeit die real ist: emotional komplett aus dem Markt zu gehen. Man kauft ein paar gut gemanagte Fonds und interessiert sich nicht mehr für das Geschehen. Höchstens mal einmal im Jahr, wenn man auf den Depotstand schaut. Man blendend das hektische Börsengeschehen ansonsten komplett aus. Mit dieser Methode wird man mit minimalem Aufwand die Marktperformance mitnehmen – aber eben auch alle Tiefen wie 2008 auslooten. Und auch diese Methode erfordert emotionale Disziplin. Nämlich Ende 2008 dann nicht auch noch zu verkaufen, wenn einem der Weltuntergang von jedem Magazin entgegen schreit und gar nicht mehr zu übersehen ist.

Lustigerweise kommen diese Sätze von „ich investiere nur noch langfristig“ ja aber gerade von Menschen, die sich sehr wohl für den Markt und das Geschehen interessieren. Und die sehr wohl denken, dass sie mit ihren Entscheidungen einen Mehrwert gegenüber der völlig passiven Verhaltensweise wie oben generieren. Denn wirklich Zeit und emotionale Energie spart man, wenn man sein Kapital ein paar guten Fondsmanagern in die Hand drückt und es dann vergisst. Das will dieser Anleger-Typus dann aber auch nicht. Dafür ist Börse dann doch wieder zu interessant. Nein, er möchte halt am liebsten ein paar tief hängende Kirschen abstauben. Der Wunsch ist verständlich, dummerweise gibt es diese Kirschen fast nicht.

Und darin liegt eben der Selbstbetrug. Der reale Ablauf sieht dann so aus, dass man lange die Reise des Marktes nach unten mitgeht, weil man ja vermeintlich „ruhig investiert“. Irgendwann wird aber auch diesen Anlegern der Schmerz zu gross. Selbst 2011 waren wir teilweise 30% gegenüber den Höchstständen im Minus. Und dann greifen diese Anleger doch ein. Natürlich dann nahe am Tiefpunkt, denn da ist der Druck am höchsten. Die Möglichkeit zu erkennen, dass das ein potentieller Tiefpunkt ist, haben sie sich aber selber genommen, weil sie die vielen unsinnigen Swings und Fallen des Geschehens emotional nicht mehr aushalten konnten.

Und dann gibt es noch eine dritte klassische Form von Vermeidungsstrategie, die ebenso übel für das Depot ist. Die schafft das schlechte Gefühl in der Magengrube schnell weg, in dem man (vorschnell) handelt. Diese Personen haben am Freitag den Einbruch gesehen, sind unsicher geworden und haben vor dem Wochenende schnell verkauft. Dumm nur, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass am Montag eine Gegenbewegung kommt. Und dumm nur, dass eigentlich noch nichts passiert ist und alle Indizes des Marktes weiter nach oben zeigen. Wer seine emotionale Spannung immer dadurch löst, dass er dem Markt hinterher verkauft oder einem schon stark gestiegenen Markt hinterher kauft, wird am Ende zerrieben.

Machen Sie sich bitte klar, dass alle drei Verhaltensweisen emotionale Vermeidungsstrategien sind, mit denen wir einen gefühlten Druck in uns selber kanalisieren und für uns handhabbar machen wollen. Dummerweise sind alle drei Verhaltensweisen zwar sehr menschlich, aber für das Depot falsch und schädlich.

Denn es gibt nach meiner Erfahrung nur einen Weg, der „richtig“ im Sinne einer guten Performance im Depot ist. Und das ist dummerweise der, der für uns Menschen am schwierigsten ist:

Wir müssen zwei Dinge gleichzeitig tun, die in uns im Widerstreit stehen. Wir müssen:

Einerseits solche Bewegungen wie am Freitag aufmerksam und mit offenem Geist wahrnehmen und ernst nehmen. Denn auch wenn 10x nichts passiert ist und die Wahrscheinlichkeiten gut sind, dass auch 11x nichts passiert - die Folgen, wenn es dieses mal doch eine bedeutende Wende werden sollte, sind einfach zu hoch, um es zu ignorieren und zu verdrängen. Wir müssen also einerseits auf den Zehenspitzen sein, auch wenn wir keine Lust dazu haben und innerlich seufzen im Sinne „nun lass mich doch mal zufrieden, du verrückter Mr. Market“.

Anderseits dürfen wir uns trotz aller Aufmerksamkeit, aber nicht zu vorschnellen Handlungen hinreissen lassen. Nur wegen eines Tages gibt es noch keinen Grund zu handeln und wenn wir auf jeden Swing des Marktes reagieren, werden wir verrückt und am Ende zerrieben. Wir müssen an unsere Stops und an unsere Regeln denken und nicht vergessen, dass trotz so einer Bewegung, alle wesentlichen Indikatoren immer noch bullisch sind !

Wir müssen also zulassen, dass wir den intellektuellen Alarm hören, gleichzeitig aber in unseren Handlungen gelassen und regelbasiert bleiben. Wir müssen also die Wahrnehmungsebene von der Handlungsebene trennen !

Das ist für uns Menschen so unendlich schwierig. Die Natur hat uns nicht dafür gemacht, intellektuell wach zu sein und gleichzeitig uns vorschneller Handlungen zu entsagen. Im Gegenteil, die Natur hat uns dafür gemacht, auf ein Problem zu reagieren und zwar sofort ! Oder das Problem zu verdrängen. Deswegen neigen wir zu einer der drei Vermeidungsstrategien oben. Und deswegen tun wir uns so schwer in solchen Situationen.

Es gibt aber Rettung. Denn etwas kann uns helfen, die Energie der Wahrnehmung eines Risikos in die richtigen Bahnen zu lenken und unsere Emotionalität im Griff zu behalten. Und das sind genau die Regeln und Strategien, denen wir unser Handeln unterwerfen. Das ist das, was ich das Handeln in Setups nenne. Das sind unsere Stops die wir hoffentlich haben. Denn wenn wir vorher definiert haben, ab wann wir aussteigen werden, können wir das Marktverhalten vom Freitag ganz gelassen betrachten. Wir kennen unser Risiko und haben es akzeptiert. Wir sehen das Geschehen und nehmen es ernst. Unser Handeln haben wir aber vorher geplant.

Das gibt Ruhe, Gelassenheit und emotionale Stabilität, ohne in eine falsche Verdrängungsstrategie zu rutschen.

Und dieses Prinzip ist universell. Denn man kann am Markt auf der kurzfristigen Ebene erfolgreich sein. Und man kann auch als langfristiger „Investor“ erfolgreich sein. Beide Wege sind möglich. Beide Wege erfordern aber, dass man sein Handeln von objektiven Parametern abhängig macht. Und das man immer mit wachem Auge, trotzdem alle Risiken im Auge behält.

Glauben Sie mir, es gibt keinen anderen Weg, um am Markt zu bestehen. Wir müssen jederzeit aufmerksam sein und die Risiken wahrnehmen. Und trotzdem nur kontrolliert nach vorher überlegten Prinzipien handeln.

Ich weiss selber, wie schwierig das ist. Aber das müssen wir lernen. Und Selbsterkenntnis ist der erste Weg der Besserung und deshalb machen Sie sich bitte klar, dass hektisches Handeln, ebenso wie die Verdrängung im Sinne „mich interessiert das nicht“, beides nur Methoden unseres Affengehirns sind, unsere Seelenheil zu erhalten. Dummerweise sind die Mechanismen für unser Seelenheil nicht kompatibel mit einem erfolgreichen Depot.

Egal ob langfristiger Investor oder kurzfristiger Trader, wir müssen lernen diese innere Spannung zwischen Wahrnehmung und Handlungszwang auszuhalten. Eine klare Strategie, der man folgt, ist dafür unverzichtbares Hilfsmittel.

Und so müssen wir auch das Geschehen vom Freitag angehen. Sicher ist 10x nichts passiert. Und sicher ist es viel wahrscheinlicher, dass auch 11x nichts passiert, als dass das nun der Anfang von etwas Grösserem ist. Alle wesentlichen Parameter des Marktes sind weiter eher bullisch und sprechen für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Aber wir haben keine Wahl, wenn wir erfolgreich im Markt unterwegs sein wollen - egal ob kurzfristig oder langfristig - müssen wir die Spannung der Unsicherheit zulassen, ohne uns dadurch gleich zu Handlungen verleiten zu lassen.

Ihr Hari

Irma Chancen Research



Heute will ich einen kurzen Blick auf die aktientechnischen Folgen des Sturms "Irma" werfen. Und damit auch ein kleines gemeinsames "Research-Projekt" der Community aufsetzen. In -> Ausbruchschance <- hatte ich ja gestern schon auf Quanta Services (PWR) hingewiesen und geschrieben:

Ein weiterer Sektor der diese Woche auf den Radar gehört, sind bestimmte Rohstoffe, Basisgüter und Infrastruktur-Aktien aufgrund von Irma. Denn das was zerstört wurde, muss auch wieder aufgebaut werden. Und dafür braucht es Steine, Holz, Beton, Stahl und Dienstleister, die damit etwas anfangen können.

Nach solchen Infrastruktur-Aktien sollten wir nun schauen und denen, die dafür die Materialien liefern. Während der Sturm noch alles zerstört, denken kluge Börsianer schon an die, die dann am Aufbau verdienen werden.

Das stimmt, aber ist es so einfach? Ich war etwas erstaunt, dass keine Frage oder Intervention im Forum kam, denn selbstverständlich ist der Markt nicht dumm und hat diesen gleichen Gedanken auch schon im Vorfeld. Und hier schlägt dann die Reflexivität zu.

Dass Irma bestimmte Folgen hat, wurde also schon im Vorfeld eingepreist, ganz besonders schön bei den Rückversicheren zu beobachten. Nachdem Irma nun teilweise durch ist und zwar massive Schäden, jedoch nicht den totalen Gau herbeigeführt hat, haben die Rückversicherer deshalb zur Rally angesetzt.

Wunderschön ist das am Branchen-ETF KIE zu bewundern. Schauen Sie, wie er im Vorfeld eines befürchteten Desasters runter geprügelt wurde und dann zum Rebound ansetzte:

So agiert ein reflexiver Markt, der sich im Vorfeld Gedanken macht und dabei gerne mal in Angst und Gier etwas überschiesst. Gibt es also gar keinen Vorteil, den man aus Irma ziehen kann?

Doch, ich denke schon, dass Infrastruktur-Aktien nun einen Bonus bekommen. Sicher wurde auch hier ein wenig Irma-Phantasie schon in den Kurs gepackt, der Markt tut sich bei einer Rückversicherung aber viel leichter das einzupreisen, die unmittelbare und zurechenbare Schäden regulieren muss, als bei einem Bauunternehmen, das einfach einen etwas erhöhten Auftragseingang in den kommenden Monaten ausweisen wird.

Dazu kommt ja, dass die Infrastruktur-Aktien durch den Trump-Hype zum Jahresanfang erst nach oben geschoben und dann wieder verkauft wurden. Die Aktien starten also aus brauchbaren Ausgangslagen und nun kommt mit dem Aufbau nach Irma, eine zusätzliche Einnahmequelle dazu. Es gibt schlimmere Ausgangslagen.

Schauen wir doch mal, was uns die grossen Branchen-ETFs dazu sagen.

Zunächst einmal der Bereich "Hausbau", denn da dürfte Vieles zerstört sein. Der grösste relevante ETF ist der -> iShares US Home Construction ETF ITB <-. Unter dem Link können Sie auch die Holdings anschauen und damit die Aktien des Sektors identifizieren, die direkt in Frage kommen, statt mit einem ETF alles zu kaufen.

Ich möchte Sie motivieren, diese Aktien mal mit ihren Charts durchzugehen und mit uns hier im Forum zu teilen, wo Sie konkrete "Irma Chancen" identifizieren können.

Der ETF als Ganzes sieht im Chart so schlecht nicht aus:

Und um Gleiches bitte ich Sie bezogen auf das dedizierte Thema US Materials & Infrastruktur. Das ist insofern schwieriger, als grosse Materials ETFs wie der XLB "alles Mögliche" drin haben - auch Goldminen - und keineswegs nur auf direkte Infrastruktur-Aktien fokussiert sind. Und die grossen Infrastruktur ETFs wie der IGF legen weltweit an und da ist ein Irma-Effekt dann nebensächlich.

Es gibt aber seit Neuestem den -> Global X US Infrastructure Development ETF PAVE <- und der ist passgenau auf unser Thema.

Als ETF hat er keine Historie und insofern sagt das Chart wenig aus:

Aber als Ideenquelle für relevante Aktien ist er sehr passend, auch hier möchte ich Sie motivieren, die "Holdings" mal durchzugehen und interessante Opportunitäten mit uns zu teilen.

Und zu guter Letzt haben wir dann natürlich Aktien, die wir hier sowieso schon unter der Überschrift "US Infrastruktur" auf dem Radar hatten, wie die schon genannte PWR für das Thema Stromnetze.

Und nun frisch ans Werk.

Lassen Sie uns mal nach US Infrastruktur-Chancen suchen. Das Thema hat Anfang des Jahres nicht richtig gezündet, weil Trump ausser grossen Worten wenig auf die Reihe bekommen hat. Das Thema ist aber immer noch virulent und die sachlichen Notwendigkeiten sind unerbittlich - eine Brücke die bröselt muss halt ersetzt werden. Und mit Irma kommt ein weiterer Grund dazu.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der „Gründler“ und der „Measured Move“

Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing <- bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2017 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives <-, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

Und dafür ist Mustererkennung und sind Mechanismen hilfreich, die auch der Bauer anwendet. Bauernregeln eben, die zu 80% eintreffen und auf die man sofort und elegant handeln kann.

Eine dieser "Bauernregeln" ist der "Measured Move". Zu deutsch vielleicht "berechenbare Folgebewegung".

Der Measured Move ist wie jede Bauernregel ein höchst unpräzises Konstrukt, er macht ausschliesslich Aussagen im Sinne "Pi mal Daumen" und ist trotzdem oder gerade deswegen hilfreich.

Lassen Sie mich das Prinzip anhand der steinzeitlichen Jagd erklären, auch ein Fall, in dem der Gründler scheitern würde.

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Perlen Reloaded – Fibonacci Bullshit und bunte Linien



Der Blog existiert nun seit Ende 2011 und es wurden darin Unmengen Grundlagen-Artikel geschrieben. Bis Ende 2015 hatten wir ja auch das alte Blogformat, in dem pro Woche alles in ein grosses File geschrieben wurde und dadurch schlechter zu finden war.

Ich habe zwar in einer grossen Fleissarbeit Referenzfiles erstellt, die man unter -> Wissenswertes für Neueinsteiger <- in einem Archiv finden kann und eine Sektion -> Grundlagen <- des neuen Einzelartikelformats seit November 2015. Beides werden aber nur sporadisch besucht, auch viele neue Mitglieder, werfen da wohl keinen Blick herein. Dabei gibt es auch in den alten Artikeln jede Menge auch heute Lesenswertes und Grundsätzliches. Ich erwecke deshalb in der lockeren Reihe "Perlen Reloaded", jeweils einen alten Artikel wieder zum Leben.

Hier ist der vierte Artikel dieser Reihe, eine sehr deutliche Erklärung warum Markttechnik funktioniert und gleichzeitige Abrechnung mit beliebigen, bunten Linien in Charts.

Ich habe den alten Artikel an ein paar Stellen ergänzt, um den Unterschied zwischen dem Chart selber und zusätzlichen Linien deutlicher zu machen. Die Aussage wurde dadurch aber nicht verändert, nur noch besser heraus gearbeitet.

Übrigens, das 2013er Chart zu Gold offenbarte sich dann schnell als der "Bullshit", den ich es schon damals genannt habe. An Deutlichkeit hat es mir noch nie gemangelt, wenn ich Unfug vor mir sehe.

Ihr Hari

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Montag 02.12.13 21:50 - Fibonacci Bullshit

Ich bin bei meinem Scan der diversen Nachrichten und Medien gerade über einen Blogbeitrag gestolpert, den ich Ihnen als unrühmliches Beispiel für den kompletten "Bullshit" zeigen will, der oft mit Charttechnik veranstaltet wird.

-> Fibonacci support a long term buying opportunity for gold <-

Da verbindet also einer zwei Punkte von 1988 und 2008 im Chart und zieht daraus "bedeutende" Schlussfolgerungen für die Gegenwart. Das der Goldpreis schon längst bei 1180 USD war und sich für diese Linie den berühmten "Dreck" interessiert hat, wird natürlich bei Seite gelassen. Wenn man ein vermeintliche Story bauen will, muss man sich die Wirklichkeit halt zurecht biegen.

Wenn man so etwas sieht, muss man sich nicht wundern, wenn Charttechnik manchmal den Ruf von "Hokuspokus" hat. Das ist wirklich Hokuspokus.

Rufen Sie sich also immer wieder in Erinnerung, warum Charttechnik funktioniert. Die Kurse selber interessieren sich nämlich gar nicht für all diese von uns gezeichneten, zusätzlichen Linien und Marken. Die Menschen aber, die gleichzeitig in Summe den Markt machen, die interessieren sich dafür. Und so entsteht die Reflexivität des Marktes, der sich eine eigene Wirklichkeit schafft, weil viele auf das Gleiche schauen, danach handeln und so eine Konsens-Realität entsteht.

Ich habe schon oft erklärt, dass ein Chart, das für niemanden Relevanz hat, auch als Analysetool wertlos ist und keine Rückschlüsse erlaubt. Mein Beispiel ist dabei immer das Chart der Allianz in mongolischem Tukrig. Durch die obskure Währung, entstehen Chartstrukturen, die keine Aussagekraft haben, obwohl sie in der Vergangenheit ja real da waren. Erst die Rückkopplung zwischen Betrachtern und Handelnden, schafft aber die Wirklichkeit der Zukunft und damit die Aussagekraft.

Das ist auch die Geschichte hinter den Fibonacci Retracements. Sie sind in Mode und deswegen ziehen sie die Kurse an, weil Marktteilnehmer genau da covern etc. Früher waren Elliot Wellen in Mode - die ja von der dahinter stehenden mathematischen Logik mit den Fibonacci Retracements verwandt sind. Nun sind diese aus der Mode und generieren - was für ein Zufall - auch keinen echten Edge mehr.

Glauben Sie also nicht jeder bunten Linie, die irgend jemand in ein Chart zieht. Und es ist auch nicht so, dass Charts mit vielen gezeichneten Linien analytisch "besser" sind, eher ist das Gegenteil der Fall. Die Marktstrukturen die wir zusätzlich in Charts einfügen werden umso bedeutender und aussagekräftiger ....

... je näher sie in der Gegenwart sind
... je mehr sie am Haupthandelsplatz von grossem Volumen getragen werden
... je mehr Marktteilnehmer diese auch beobachten

Die Relevanz von zusätzlichen Linien in Charts ist also ein riesen Thema. Im Gegensatz zu den Kerzen des Charts selber. Die haben immer Relevanz, weil sie ja die real vorhandene Nachfrage/Angebots-Situation abbilden. Zusätzliche Linien und Muster aber die wir hinzu zeichnen, sind mit Vorsicht zu geniessen und dienen primär der Visualisierung von Strukturen, haben aber keinen Wert an sich.

Anders ist es dagegen bei Marktauswertungen, die einfach nur Statistik über den Markt liefern, wie zB "Buying on Weakness", "Bull/Bear Index" und ähnliches. Solche Daten können sehr wohl einen Einblick in Marktstrukturen geben. Aber hinzu gezeichnete Linien in Charts, haben vor allem dann eine Relevanz, wenn Sie für viele Marktteilnehmer eine Relevanz haben.

Unterschätzen Sie nie die Selbstbezüglichkeit der Märkte - auch Reflexivität genannt. Die Wirklichkeit die wir erleben, ist keine objektive Konstante, sondern von uns selber zu einem guten Stück gemacht. Denn wir sind ja der Markt !

Sie können das an einem ganz einfachen Beispiel, auch schnell selber nachvollziehen. Stellen Sie sich vor, nun würden viel mehr Marktteilnehmer an Trendfolge glauben und statt sich gegen den Markt zu stellen, konsequent den Trends folgen. Was wäre die Folge ? Ganz einfach, die Trends würden noch länger laufen und noch höher steigen bzw tiefer fallen. Und das Reversal wäre noch brutaler, weil dann am Ende alle gleichzeitig aussteigen wollen.

Genau das passiert übrigens gerade mit den Algos, von denen viele Trendfolger sind. Trends dauern deshalb noch länger. Das ist die Reflexivität des Marktes, wir schaffen uns durch unsere Beobachtungen und das daraus resultierende Handeln unsere eigene Wirklichkeit. Und wenn alle daran glauben, dass Gaps immer exakt auf der Begrenzung geschlossen werden und dann drehen, wird auch genau das passieren. Eben weil dann genau da, alle verkaufen, bzw kaufen.

Wer sich am Markt einen Edge erarbeiten will, muss also zunächst verstehen, wie die Herde denkt. Und dann daraus seine individuellen Schlüsse ziehen, die oft "mit der Herde zu laufen" bedeuten. Irgendwo eine Linie zu ziehen und irgendwelche Punkte zu verbinden, die niemanden sonst interessieren, ist dagegen von zweifelhaftem Wert.

Ihr Hari

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Perlen Reloaded – Der säkulare Bullenmarkt und unsere Wahrnehmung



Der Blog existiert nun seit Ende 2011 und es wurden darin Unmengen Grundlagen-Artikel geschrieben. Bis Ende 2015 hatten wir ja auch das alte Blogformat, in dem pro Woche alles in ein grosses File geschrieben wurde und dadurch schlechter zu finden war.

Ich habe zwar in einer grossen Fleissarbeit Referenzfiles erstellt, die man unter -> Wissenswertes für Neueinsteiger <- in einem Archiv finden kann und eine Sektion -> Grundlagen <- des neuen Einzelartikelformats seit November 2015. Beides werden aber nur sporadisch besucht, auch viele neue Mitglieder, werfen da wohl keinen Blick herein. Dabei gibt es auch in den alten Artikeln jede Menge auch heute Lesenswertes und Grundsätzliches. Ich erwecke deshalb in der lockeren Reihe "Perlen Reloaded", jeweils einen alten Artikel wieder zum Leben.

Hier ist der dritte Artikel dieser Reihe, eine weitsichtige Vorausschau aus dem Jahre 2014, was wir von dem Markt zu halten haben, in dem wir uns bewegen.

Es wurde dann kein voller Retest wie im Artikel am Ende antizipiert, dafür aber eine sofortige, scharfe Korrektur im Oktober 2014 und dann diese grosse Konsolidierungsstruktur von 2015-2016, die wir alle bis zur Wahl Trumps erlebt haben. Im Saldo sind wir aber trotzdem mitten in dem skizzierten Szenario.

Lesen Sie den Artikel deshalb unbedingt noch einmal, den die Kernaussage die ich damals gemacht habe unterstreicht, wie richtig sie heute erst recht ist. Und es unterstreicht, das man den Charakter des Marktes mit Weitsicht schon richtig einschätzen kann, auch wenn man natürlich nicht jede Pirouette richtig treffen wird. Und es zeigt, wie penetrant die "Crash-Gurus" schon damals mit ihren Gruselgeschichten für Unbedarfte waren.

Damals ging meine gedachte Kurslinie Anfang 2017 durch 2500 im SP500 hindurcj, nun sind wir Mitte 2017 fast da. Warum soll es also nicht so weiter gehen wie da schon skizziert?

Ihr Hari

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Montag 22.09.14 11:05 - S&P500 langfristig, der säkulare Bullenmarkt und unsere Wahrnehmung

Ich habe in Anbetracht des ruhigen, indifferenten Marktes mich mal wieder mit Excel beschäftigt, um Ihnen mal ein langfristiges logarithmisches Bild des Leitindex S&P500 zu zeigen.

Denn manchmal macht es Sinn, das grosse Ganze nicht aus dem Auge zu verlieren. Und bedingt durch die sich "hoch" anfühlenden Zahlen 10.000 für den DAX und 2.000 für den S&P500, könnte man sich ja die Frage stellen, ob dieser Markt nicht so "überbewertet" ist, dass man nun unbedingt den nächsten Crash vor Augen haben muss. Das sind die ja die Erzählungen, mit denen wir derzeit permanent von den diversen "Crash-Gurus" penetriert werden.

Wir wollen ja aber statt dessen objektiv und ohne Bias sein. Und deshalb habe ich mir -> hier <- mal die historischen Jahresdaten des S&P500 besorgt, die bis zum grossen Boom 1929 und zum grossen Crash danach zurück reichen und diese via Excel aufbereitet. Hier ist das beeindruckende Ergebnis in logarithmischer Darstellung:

S&P500 historisch

Sie sehen, dass der S&P500 im sehr langfristigen Massstab eine gleichmässige Steigung zeigt. Diese Steigung entspricht der langfristigen Rendite, die aus dem Aktienmarkt zu holen ist. Da der S&P500 ein Kursindex ist, kommen die Dividenden noch oben darauf.

Sie sehen die obere Begrenzung, die durch die Übertreibung 1929 und 2000 definiert ist.

Sie sehen die untere Begrenzung, die durch die Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre, den 2. Weltkrieg, die Tiefs der 70er Baisse und die Lehman-Krise 2008 definiert ist.

Und Sie sehen einen mittlere "normale" Steigungslinie, die man - wenn man so will - als das Normalmass des Marktes bezeichnen könnte.

Die für Sie vielleicht überraschende Erkenntnis lautet: wir sind derzeit nur wenig über das langfristige Normalmass hinaus und nicht im extremen Bereich! Die noch nahe "Nahtoderfahrung" 2008 lässt uns die Wirklichkeit derzeit verzerrt wahrnehmen. Ich bin sicher, auch in den späten 30er Jahren, hatten die Anleger permanent den 32er Crash noch vor Augen.

Sie sehen weiterhin die grosse Konsolidierung der 60er und 70er Jahre, die durchaus ihre rhythmische Entsprechung in der Konsolidierung seit 2000 findet. Passend dazu hatte ich letzten November schon den Artikel -> Steht ein neuer säkularer Bullenmarkt bevor? <- geschrieben, der ein langfristiges Chart des Dow Jones Index beinhaltete, das die Rhythmik der Konsolidierungen zeigte:

Dow Historisch

Und nun habe ich zum Schluss noch ein Chart, dieses mal den S&P500 seit Ende der 90er Jahre:

S&P500 3 22.09.14

Es ist das Bild einer Aufwärtsbewegung, die durch eine über 10-jährige Konsolidierung unterbrochen wurde. Diese Konsolidierung wurde nun durch einen massiven Ausbruch beendet!

Und nun stellen wir uns vor, das wäre kein Index, sondern eine Aktie. Was wäre der wahrscheinlichste weitere Verlauf?

Genau, es wäre der Retest, worauf sich der wirkliche Ausbruch anschliesst, so wie hier eingezeichnet! Und dieses Bild würde perfekt zu den beiden obigen sehr langfristigen Charts passen!

Hilft uns das jetzt, bei unseren täglichen Aktivitäten an Markt? Nur bedingt, denn diesem Retest herab bis vielleicht 1600 im S&P500 wollen und werden wir natürlich aus dem Wege gehen.

Aber das Bild beinhaltet eine wichtige langfristige Botschaft an uns. Lassen wir uns nicht den objektiven Blick durch die 2008er Nahtoderfahrung vernebeln und lassen wir nicht das Gift dieser ganzen Crashpropheten in unsere Adern träufeln.

Denn objektiv bestehen gute Chancen, dass wir uns gerade in der Anfangsphase eines neuen säkularen Bullenmarktes befinden, der uns noch viel viel höher tragen kann, als wir uns derzeit vorstellen. Wir befinden uns vielleicht sozusagen im Jahr 1980 und was danach langfristig kam, sehen Sie im Chart. Und 2.000 ist einfach nur eine Zahl und sonst nichts. In den 60er und 70er Jahren war diese Zahl "100" und auch da war der Markt manchmal temporär ausgereizt und überbewertet - bei 100. 😉

Eine Garantie gibt es für dieses Modell natürlich nicht, die Zukunft bleibt unbestimmt. Aber dieses Modell ist rational ebenso realistisch, wenn nicht realistischer, als ein erneuter schneller Crash runter auf 2008er Niveaus, und das ist doch schon eine interessante Botschaft oder?

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass über die Crash-Variante allenthalben gebabbelt wird. Wenn es neben den Anleihenbewertungen derzeit eine Blase gibt, dann ist es die mediale Blase des Blasengeredes. Über die Möglichkeit, dass wir am Beginn eines neuen säkularen Bullenmarktes stehen, redet aber kaum jemand.

Was sagt uns das? Und was sagt die Reflexivität zu dieser kommunikativen Schieflage und dem damit verbundenen Bias? 😉

Ihr Hari

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Meistgehasster Bullenmarkt

Sie glauben immer noch, dass man nur die Weltnachrichten verfolgen muss, sich dazu eine Meinung bilden und man dann antizipieren könnte, was die Börse machen wird?

Na gut, schauen wir uns mal die aktuelle Lage an:

  • Wir hatten ein eher desaströses Treffen Trump-Merkel, aus dem hervor ging, wie wenig die Beiden sich zu sagen haben.
  • Wir hatten ein G20 Treffen der Finanzminister, bei dem man sich noch nicht einmal darauf einigen konnte, sich gegen "Protektionismus" auszusprechen.
  • Wir haben massive, positive Erwartungen an Infrastruktur- und Steuer-Gesetze Trumps im Markt, die mit Sicherheit nicht alle gleichzeitig so wie erhofft Realität werden können.
  • Wir haben einen Markt nahe der Höchststände der massivst überkauft ist und nach einer überfälligen Korrektur schreit.
  • Wir haben diverse Marktinternas wie die Marktbreite, die klare Warnsignale senden.
  • Wir haben diverse Potentaten, die wahlweise mit Religions- oder Atomkriegen drohen.
  • Wir haben ........ Sie dürfen hier selber anfügen, Ihnen wird sicher allerlei einfallen.

All das ist die Realität um uns, auf der basierend sich am Markt Preise für Risikoassets wie Firmen entwickeln.

Mit Sicherheit dürfte im Angesicht dieser riskanten Kombination von hohen Kursen und hohen Risiken, auch meine Oma seelig eine Korrektur erwarten, die nun wahrlich keinerlei Zugang zur Börse hatte.

Diese kritische Lagebeurteilung ist also totaler Konsens und wer aktuell eine Korrektur erwartet, ist kein "Contrarian" sondern Teil einer riesigen, blökenden Herde.

Deshalb haben wir auch so eine vergleichsweise kritische und uneuphorische Stimmung im Markt, trotz Kursen nahe der Höchststände.

Und genau da liegt das Problem. Denn der Markt ist selbstreferentiell und was alle erwarten, ist schon in den Kursen und kann schwerlich zu einer Überraschung führen.

Genau das nennt man eine "Wall of Worry" und die klettern wir gerade. Wir haben wohl einen der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte vor uns.

Kluge Anleger respektieren das. Sie sind zwar vorsichtig und sichern sich nach unten ab, denn die Risiken sind immens. Sie stellen sich aber auch nicht gegen den Markt und diskutieren nicht mit ihm.

Ist das einfach? Nein bestimmt nicht. Aber es ist die Grundvoraussetzung, um am Markt erfolgreich zu sein. Denn wenn sich Geldanlagen zu wohlig anfühlen, kann an ihnen etwas nicht mehr stimmen. Das muss so sein, weil der Markt eben -> reflexiv <- ist.

Ob uns das gefällt ist ohne jede Relevanz. Es ist so und wir arrangieren uns besser damit, oder tragen die Konsequenzen im Depot.

Ihr Hari

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