Das neue Phone ist die Watch

Der folgende Artikel ist von kleinen redaktionellen Änderungen abgesehen, so schon vor 2 Monaten im Premium Bereich erschienen.

Vor 2 Monaten hat ja Apple seine neuen Smartphones vorgestellt und schnell war die Presse voll mit den Berichten zum -> gesättigten Markt, der Apple in andere Geschäftsfelder zwingt <-.

Auch aktuell gehen ja mal wieder Sorgen um Apples Absatzzahlen um, weil es Berichte von schlechten Zahlen von Zulieferern beim iPhone Xr gibt.

Nun sind ja bekanntermaßen "Prognosen besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen", aber diese Prognose vom gesättigten Smartphone-Markt wird ja nun so stark überall herumgereicht, dass sie einfach richtig sein muss. Millionen Lemmingen können sich doch nicht irren, oder doch? 😉

Nun, dieser etwas spitze Satz zeigt schon, dass ich da eine ganz andere Sicht habe und diese Sicht möchte mit Ihnen nun auch im freien Bereich teilen.

Ich erlaube mir also einen Blick in unsere Zukunft 5-10 Jahre von jetzt und bin gespannt, ob Sie diesen Blick teilen können. Wenn ja, wenn ich im Kern richtig liege, eröffnet das nämlich eine ganze Reihe hoch attraktiver Investitionschancen, wir müssen nur auf die richtigen Themen schauen.

Bevor ich meine Erwartung mit Ihnen teile, möchte ich Sie aber bitten den folgenden Artikel zu lesen: -> Apples Abschied vom Handy <-. Denn dieser Artikel ragte vor 2 Monaten für mich aus einem Meer des immer gleichen Geschreibsels heraus, da hatte ich mal das Gefühl, dass ein Redakteur das eigene Hirn angeschaltet hat, statt nur die immer gleichen Standardsätze von Reuters abzuschreiben.

Aber der Autor geht in meinen Augen nicht konsequent und weit genug und das will ich nun tun.

Smartphones heißen Smartphones, weil sie ursprünglich um die Funktion des Telefonierens, also den kommunikativen Kontakt, herum gebaut wurden - was Videotelefonie durchaus einschliesst. Heute schon sind "Smartphones" aber viel mehr, es sind eigentlich kleine, mobile Computer und auch leistungsfähige Spiele kommen mit der aktuellen Generation endlich in Reichweite, siehe unter anderem -> Elder Scrolls Blades <- das gezielt für IOS und Android entwickelt wurde.

Diese Entwicklung wird massiv fortschreiten und sich weiter beschleunigen und mit zwei weiteren, schon weit fortgeschrittenen Entwicklungen, vermutlich zu einer disruptiven Veränderung der Welt der "Personal Computer" führen. Einer Veränderung, die so in aller Schärfe die Mehrheit wohl noch nicht auf dem Radar hat.

Gemeint ist damit erstens die digitale Übertragung von Bildschirmsignalen über kurze Strecken per Funk. Schon heute -> geht das <-, das Thema ist aber noch nicht standardisiert und leistungsfähig genug - das wird aber kommen.

In der Zukunft braucht es also keine feste Verbindung zwischen Computer und Display mehr wie beim klassischen Notebook, sondern ein mobiler Computer - heute "Smartphone" genannt - kann über kurze Strecke auf jedem Riesendisplay seine Inhalte anzeigen - ohne Kabel.

Zweitens ist es die fortschreitende Spracheingabe, sowie die Möglichkeit Fingerbewegungen im 3D-Raum zu erkennen, die die Verwendung von mechanischen Tastaturen zunehmend zurückdrängen und bis auf Spezialanwendungen und Vielschreiber wie mich, wohl ablösen wird.

Beides zusammen führt zu folgender ersten Behauptung:

In gut 10 Jahren von jetzt, wird es kaum mehr klassische PCs mit ihren großen Gehäusen und kaum mehr klassische Notebooks geben. Das was wir heute "Computer" nennen, wird weitgehend ausgestorben sein.

An diese Stelle treten "Persönliche Smartdevices" im Formfaktor heutiger Smartphones mit eigenem Display, die sich mit jedem größeren Display oder wahlweise Datenbrillen per Kurzstrecken-Funk verbinden lassen, wenn man mehr Übersichtlichkeit bei der professionellen Arbeit erzielen will.

Die Eingabe erfolgt dabei je nach Anwendungsfall per Spracheingabe oder via eingeblendeter Tastatur, auf der man "in der Luft" tippt - die 3D-Technik die heute rudimentär für "Face-ID" verwendet wird, wird die Fingerbewegungen in Tastendrücke umwandeln.

Das was Sie heute "Smartphone" nennen, wird also ein noch viel leistungsfähigerer Computer sein, den Sie irgendwo hinlegen und mit einem optischen Darstellungsdevice Ihrer Wahl damit arbeiten. Keine Kabel, keine Mäuse, keine Tasturen. Sprache und Fingergesten "in der Luft" oder auf einer beliebigen, gescannten Oberfläche, die dann wie eine Maus funktionieren.

Nun werden einige einwenden, dass die leistungsfähigsten Grafiklösungen immer ein Kühlungsproblem haben, und daher nie im Formfaktor "Smartphone" sein werden. Das Argument zieht aber in meinen Augen nicht. Erstens ist es ja schon heute so, dass wir nur über ein paar Jahre Fortschritt reden, bis das was gestern noch aktiv mit Lüftern gekühlt in zwei Slots eines PCs thronte, in gleicher Leistung in einem Smartphone zu finden ist. Schauen Sie sich die Leistungsfähigkeit der Grafikeinheiten der iPhone Xs an, das ist beeindruckend und kann problemlos in den Wettbewerb mit großen Grafikkarten treten, die nun einige Jahre alt sind.

Hinzu kommt aber, dass die Not für mehr Grafikleistung mMn langsam abflachen wird, weil mehr als 4K für das menschliche Auge sowieso keinen Unterschied mehr macht. Sicher dann wird 3D kommen und andere Themen wie aktuell Raytracing, aber ich gehe schon davon aus, dass der Vorsprung "aktiv gekühlter" Grafikeinheiten mit immer kleineren Produktionsverfahren langsam schwindet und letztlich kein Kaufkriteríum für normale Consumer-Anwendungen mehr darstellen wird. Nur noch Spezialanwendungen werden einen aktiv gekühlten Chip benötigen.

In dieser Welt in 10 Jahren sind "Computer" also mobile Schnittstellen zur Dateneingabe und Ausgabe im Smartphone-Formfaktor, mit genügend Leistungskraft für alles, was ein normaler Anwender braucht. Unser "Notebook", unseren "PC" werden wir also immer "am Mann" in der Jackentasche haben können und damit weit flexibler sein als heute.

Wer ein eigenes, größeres Display im Stil eines heutigen Notebooks dazu braucht, nimmt dann halt etwas mit, was einem heutigen Tablet ähnelt und als Display faltbar sein wird oder hat eine Datenbrille. Der Formfaktor des Notebooks, wird also verschwinden, weil Eingabegeräte und Bildschirme nicht mehr fest mit dem Rechner verbunden sein müssen.

*Das* ist in meinen Augen die Zukunft der heutigen "Smartphones", sie werden Notebooks und PCs ablösen und auf diesem Pfad gibt es so viel Ersatz-Bedarf und so viel Wachstum, dass das Bild vom "gesättigten Markt" nur von denen kommt, denen die Phantasie fehlt sich vorzustellen, wie ein Markt disruptiv umdefiniert werden kann.

Was ist aber mit dem Telefon? Ganz einfach, hier kommt die zweite Behauptung:

Schon heute ist die "Apple Watch", das intelligente Wearable also, das neue "Phone". Praktisch alle Funktionen die die ersten Generationen von Smartphones hatten, sind gleichwertig oder besser in einer Apple Watch abgebildet.

Ich habe mir diesen Herbst das erste Mal eine Apple Watch Cellular zulegt und bin beeindruckt von der Leistungsfähigkeit und der Vielfalt der Applikationen, die sich vor einem Smartphone der ersten Generationen nicht verstecken müssen. Und ich habe seit der Zeit als Nokia Communicator Nutzer, als das damals noch ein "Ziegelstein" war, viele besessen und mit vielen gearbeitet!

Alles was der Watch noch fehlt um ein heutiges Smartphone in seinen Basisfunktionen zu ersetzen, ist eine Datenbrille bzw ein projeziertes Bild, mit dem man längere Texte sinnvoll lesen kann. Und der Verlust einer Tastatur, wird sowieso mehr und mehr durch Spracheingabe und 3D-Fingergesten ersetzt.

Alle klassischen Funktionen eines "Phones" also, können Wearables prinzipiell besser und mobiler abbilden, ideal kombiniert mit fortgeschrittenen "Datenbrillen", die dann vor einem Auge ein Videobild einblenden, während man mit dem anderen Auge normal die Umgebung sieht.

Diese "Phones" müssen dann auch keine Uhr am Handgelenk mehr sein, zusammen mit einer Datenbrille, ist die "ComBadge" auf der Jacke auch nicht so die schlechteste Idee. Make it so!

Aber wo auch immer diese "Wearables" dann getragen werden, sie sind problemlos in der Lage, die normalen Kommunikationsanforderungen abzuwickeln, die man mit einem "Phone" inklusive Kalender und Kontaktdatenbank assoziiert.

Fazit:

In meinen Augen haben zwei zentrale Entwicklungslinien schon begonnen, die noch viele Iterationen vor sich haben.

Auf der einen Seite wird das was wir "Computer" bzw Notebook nennen, in einem mobilen Formfaktor konsolidieren, der große Ähnlichkeiten mit heutigen Smartphones haben wird. Ein und Ausgabe wird kabellos auf beliebigen Endgeräten, von Datenbrillen, über faltbare Displays bis zu zentralen Großdisplays, über Funkverbindungen möglich sein. Der Formfaktor des Notebooks wird verschwinden, weil es keinen Grund für die Kopplung der Ein- und Ausgabegeräte mehr gibt.

Auf der anderen Seite wird das wofür "Smartphones" eigentlich entwickelt wurden - Kommunikation und Basisfunktionen wie Kalender und Adressdaten - von Wearables wie der "Apple Watch" übernommen, angereichert um all das was mit sehr Persönlichem wie Gesundheit und Fitness zu tun hat.

Das neue Phone ist also die Watch. Und der neue PC ist das Phone. Nur die Namen aus der Vergangenheit, implizieren noch etwas anderes.

Beide Entwicklungspfade haben noch viele Iterationen vor sich und sind nach meiner Überzeugung alles andere als "gesättigt". Gesättigt ist nur die Vorstellungskraft der Mehrheit, die dazu neigt sich Zukunft einfach als Fortsetzung der Gegenwart vorzustellen.

Ihr Hari

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1 Gedanke zu “Das neue Phone ist die Watch”

  1. Ich denke nicht dass das passieren wird. Bis heute ersetzt kein einziges der erhältlichen Tablets oder Convertables einen echten PC. Das versucht Microsoft und co schon seit 6 Jahren. Zumindestens wenn man ernsthafteres als zwei Zeilen E-Mail schreiben will. Klar werden in 10 Jahren die Mobiles so schnell sein wie heute ein i9, aber dann gibts halt nochmal so schnelle Desktops. Für 4K VR reicht die Leistung schon heute nicht, und 4K ist bei VR noch Lange nicht das Ende der Fahnenstange. 8K VR wird solch gigantische Rechenleistung benötigen, da kommt ein Mobile Gerät auch in 10 Jahren nicht hin

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