FED und EZB haben fertig!

Oder wäre im Sinne von Trapattonis berühmter Wutrede, vielleicht "Was erlauben Mario?" der bessere Titel gewesen? 😉

Ernsthaft, wenn man es vom medialen Standpunkt der Wiederholung und Neuigkeit betrachtet, ist das "Notenbank-Bashing" ja eigentlich langweilig, weil es wurde fast alles schon so oft gesagt.

Wir leben ja aber nicht nur in einer medialen, virtuellen Welt, sondern auch in einer ganz realen, in der es um unseren Wohlstand, unser Land, unsere Kultur, unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder geht.

Und dafür lohnt es sich zu kämpfen und deshalb müssen wir in dieser realen Welt, so lange penetrant auf etwas herum reiten, bis es sich unter der Last der tausend Nadelstiche und des öffentlichen Drucks, dann doch ändert.

Und deswegen schreibe ich schon wieder zu den Notenbanken, denn die haben mir in den letzten beiden Tagen bewiesen, dass sie "fertig haben" und am Ende ihrer "Alchemie" angekommen sind.

EZB

Schauen wir zunächst auf die Nachricht, die vorgestern herein kam: Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen ist auf Null gefallen

Und nun betrachten Sie unbedingt hier das Chart dazu und den Kommentar von Jim Reid von der Deutschen Bank:

-> If One Wanted A Simple Indicator Of A Broken Financial System, Then This Is It <-

Halten wir also mal ganz trocken fest und konzentrieren wir uns auf den Kern:

Man muss Geld dafür zahlen, Deutschland 10 Jahre lang Geld leihen zu "dürfen".

Dem Land Deutschland, das wegen seiner Pensions- und Rentenlasten strukturell Pleite ist, wenn man nicht die Lebensarbeitszeit drastisch für alle (auch und gerade Beamte) erhöht.

Dem Land Deutschland, das seine Zukunft mit einer weit verbreiteten Fortschritts- und Technikfeindlichkeit und einer gehörigen Portion Selbsthass zu verspielen droht.

Dem Land Deutschland, das sich mitten in einer Völkerwanderung befindet, die den kulturellen Konsens massiv in Frage stellt und Raum für gesellschaftliche Verwerfungen schafft.

Dem Land Deutschland, in dem sich eine Staatskrise aufbaut, weil die vorhandenen politischen Institutionen, in der Bevölkerung zunehmend ihre Akzeptanz verlieren.

Ich das zu einseitig negativ? Ja sicher, denn es gibt auch positive Entwicklungen und vor allem, die anderen Länder - die "Mitbewerber" - sind in der Regel kaum besser und Deutschland da manchmal der Einäugige unter den Blinden.

Trotzdem sind die vier Punkte oben im Kern wahr und rechtfertigen in einer gesunden Finanzwelt definitiv eine Risikomarge, die sich bei Anleihen im Zins zeigen muss.

Die Stärken von Deutschland rechtfertigen dann, dass Bundesanleihen nur mit 2-3% rentieren, wenn andere mit 4-6% rentieren. Aber Null Prozent Zins dafür, sein Geld 10 Jahre aus der Hand zu geben und obigen Risiken auszusetzen? Hallo?

Wie ich sagte, das ist alles nichts Neues. Aber trotzdem muss man manchmal einen Schritt zurück tun und sich mit Blick auf das Ganze fragen:

Repräsentiert dieser Umstand nicht den totalen Irrsinn in einem Satz?

Wird man nicht in den Geschichtsbüchern in 50 Jahren erstaunt fragen, wenn man auf die "grosse Krise 20xx" zurück schaut:
Wie konnte man damals nicht erkennen, dass das eine katastrophale Marktverzerrung mit schlimmen Folgen ist?

Sicher, es wirken viele Faktoren auf Anleihenrenditen und auch wegen der Sorge vor einem Brexit, sind in einem "Flight to Safety", nun in den letzten Tagen die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen weiter gefallen und haben sie endgültig unter Null gedrückt. Nicht für jede Bewegung am Anleihenmarkt, ist die EZB verantwortlich.

Aber das ist im grossen Bild eine Petitesse, denn machen wir uns nichts vor:

Ohne die Negativzins-Vorgaben der EZB und ohne deren Anleihenkäufe, die den Markt der Staatsanleihen langsam leer zu kaufen drohen, wäre kein Rendite einer Staatsanleihe Europas, auch nicht die Bunds, auch nur ansatzweise in der Nähe von Null! Punkt!

Und das aus einem ganz einfachen Grund, einfach weil Null Rendite, nicht dem wahren Risiko entspricht, das in den Anleihen enthalten ist. Wir haben nun zinsloses Risiko, statt risikolosem Zins. Wer da nicht die Blase und Verwerfung des Marktes sieht, dem kann ich nicht mehr helfen.

Aber die EZB will einfach weiter machen und dem kranken Patienten weiter die Medizin in noch höherer Dosis in den Rachen stopfen, die offensichtlich nicht wirkt.

In meinen Augen, hat die EZB damit schon heute "fertig".

FED

Und gestern Abend hatten wir dann die FED, deren -> FOMC Statement <- noch etwas taubenhafter als erwartet ausgefallen ist, denn im Statement wurde jeder Hinweis auf eine kurz bevor stehende Zins-Erhöhung gelöscht! Die Reaktion der Dollars war klar, der begann sofort deutlich zu fallen und stabilisierte sich erst später, als Yellen in der Pressekonferenz die bekannte, als "data dependent" umschriebene, Indifferenz zum weiteren Verlauf zeigte.

Ich halte das Verhalten der FED für den Offenbarungseid. Denn machen wir uns mal klar, was hier passiert:

Die FED behauptet, aufgrund Ihrer guten Daten-Sicht auf die ökonomischen Rahmenbedingen, Zinsentscheidungen diskretionär "nach Datenlage" sinnvoll vornehmen zu können. Viele stellen das in Zweifel und wünschen sich die alte Welt der ruhigen Hand der Notenbanken zurück, aber die FED glaubt an ihre "Forward Guidance", die eigentlich seit Jahren nur neben der Spur liegt.

Noch vor gut 2 Wochen, hat die FED - Janet Yellen - voran, den Markt deutlichst auf eine kurz bevor stehende Zinserhöhung eingestimmt. Eine Erhöhung im Juni war mit fast 40% auf dem Radar des Marktes und eine Erhöhung bis spätestens September, erschien fast sicher.

Und der Markt hatte mit der Erhöhung seinen Frieden gemacht und ist trotzdem gestiegen. Erneut, nur 2 Wochen ist das her!

Dann kamen vorletzten Freitag die überraschend schlechten US Arbeitsmarktdaten, die auch durchaus eine Anomalie aufgrund der Streiks im Zeitraum sein könnten. Ansonsten ist rein gar nichts Überraschendes passiert, den Brexit sollte ja selbst "Joe Sixpack" auf dem Radar gehabt haben.

Und nun, 2 Wochen später, sind Zinserhöhungen in der nahen Zukunft scheinbar vom Tisch. Eine fast 180 Grad Kehrtwende der FED in der Kommunikation zum Markt. Und mit der FED hat auch der Markt einen massiven Swing von bullischer Grundstimmung hin zu grossen Sorgen vollzogen.

Hallo? Das kann doch nur bedeuten, dass:

entweder die FED mit all ihren schönen Daten so blind ist, dass sie so einen Umschwung beim Arbeitsmarkt im Vorfeld nicht hat kommen sehen. Das würde die Frage aufwerfen, ob die FED in ihrem Datenwust, überhaupt weiss, was sie tut.

oder die FED lässt sich von einzelnen Daten, die sogar eine Anomalie sein können, sofort in Panik versetzen und vom Kurs abbringen. Das würde die Frage aufwerfen, ob die Handelnden überhaupt einen klaren Kurs haben oder nur herum eiern.

Entscheiden Sie, was hier wahr ist. Zwischen den beiden Alternativen, bleibt nach meiner Ansicht nicht viel. Eine FED mit brauchbarer Forward Guidance und klarem Kurs, ist Beides nicht.

Sehr bemerkenswert und gelbe Warnlampe ist dabei, dass der Markt das Gestern aber nicht mehr richtig goutiert hat und heute noch stärker abgibt, nachdem auch die Bank of Japan indifferent war. In früheren Jahren, wäre der Markt nach so einem taubenhaften Statement der FED, wohl deutlich nach oben geschossen. Gestern ist er nicht richtig vom Fleck gekommen und im späten Handel sogar abgeknickt, was für heute indikativ war.

Es könnte also sein, dass die Zweifel die ich oben formuliere, nun in den Markt kriechen, nämlich ob die FED überhaupt einen Plan hat, der den Namen wert ist.

In meinen Augen, hat die FED damit schon heute "fertig".

Lesen Sie dazu auch Josh Brown: -> This is a low flying panic attack <-

Mein trauriges Fazit:

Die Notenbanken haben in unheiliger Allianz mit den Interessen der Politik, die grösste Finanzblase in der Geschichte der Menschheit aufgeblasen.

Und sie halten sich immer noch für Teil der Lösung, wo sie doch schon längst zum Teil des Problems geworden sind.

Und nein, das ist nicht die logische Folge der Finanzkrise 2008. Das ist für mich und viel andere die Folge der Hybris, Rezessionen und gesunde Marktanpassungen im Sinne der "kreativen Zerstörung", mit den Mitteln der Finanzalchemie dauerhaft verhindern zu wollen.

Und ich stehe damit definitiv nicht alleine, selbst die Notenbank der Notenbanken, die -> Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ in Basel <-, oder die -> OECD <-, sehen das Problem mittlerweile.

Und was macht Mario Draghi? Der erklärt uns bei Pressekonferenzen mit freundlichen Worten im Habitus des Oberlehrers, dass wir "Dummerchen" einfach nur nicht die ganze Schönheit der Logik verstehen, die hinter seinem Handeln steht. Stellt sich aber nicht der öffentlichen Diskussion mit denen, die nicht wie in einer Pressekonferenz nur eine Frage stellen dürfen, sondern seine Lebenslügen argumentativ zerpflücken könnten.

Nein, die aktuelle Politik der grossen Notenbanken, ganz besonders aber derzeit der EZB, ist für mich noch nicht einmal Keynesianismus, denn Keynes war ein kluger, kompetener Mann und ihm würde es, vermute ich, den Magen umdrehen zu sehen, was hier einseitig passiert. Denn er hat bei aller Bereitschaft in der Krise zu intervenieren auch immer gesehen, dass man danach bald das Gegenteil tun muss und die Zügel wieder straffen.

Das ist für mich auch kein Kapitalismus und keine Marktwirtschaft mehr, was wir vor uns haben. Das ist pure, von Technokraten von oben herab verordnete Planwirtschaft und staatlicher Korporatismus. Aber natürlich werden die bekannten politischen Ideologen den Zusammenbruch des Systems dann wieder dem "Kapitalismus" ins Stammbuch schreiben, dabei sind wir von einem freien Markt nun so weit entfernt, wie nie in der Geschichte seit 1945.

Machen wir uns die Wahrheit klar.

Alle Schulden öffentlicher Körperschaften, definitiv in Europa und praktisch fast in der ganzen westlichen Welt, werden nun nicht mehr risikoadäquat bewertet und mit den Schulden privater Unternehmen, beginnt nun das Gleiche.

Billionen und Aberbillionen von Anlagen weltweit, sind auf Sand nicht risikoadäquater Bewertung gebaut. Und mit dem Kapital, das so gegeben wurde, wurden wieder andere Anlagen getätigt, die ebensowenig risikoadäquat bewertet sind. Es braucht nur einen starken Wind, dann werden die Dominosteine fallen.

Aus dieser Blase, lässt sich die Luft wohl nicht mehr ablassen, ohne so oder so schlimme Konsequenzen aushalten zu müssen. Die Frage ist nur noch, welche Krankheit wir lieber wollen: Syphilis oder Tripper?

Aber ...

Trotzdem .... trotzdem sollten wir jetzt glücklich leben, im Angesicht des Todes sozusagen. Denn das ist das Schicksal aller Sterblichen, der Tod ist immer unser Begleiter und dafür hat uns die Evolution die Technik der Verdrängung gegeben. Solange wir uns wenigstens einmal im Jahr klar machen, was hier wirklich gespielt wird, ist gegen Verdrängung an den restlichen 364 Tagen auch nichts einzuwenden.

Und dann gibt es da noch eine Fähigkeit, die uns die Evolution zum Überleben gegeben hat: Die Hoffnung stirbt nie!. Daran sollten wir uns festhalten. Denn es ist wahr, auf jede Nacht folgt der Morgen und manchmal müssen die Dinge erst noch schlechter werden, damit sie danach besser werden können.

Lassen Sie sich also bitte nicht von den Crash-Propheten oder von diesem Artikel dazu verleiten, nun alles zu verkaufen und den Markt zu shorten. Denn an der Börse ist "zu früh" auch nur eine andere Formulierung für "Verlust", wie hoffentlich alle nun verstanden haben, die den Crash-Propheten seit Jahren zuhören und einen der längsten Bullenmärkte der Geschichte deswegen verpasst haben, der übrigens immer noch läuft und noch nicht zu Ende gegangen ist!

Nein, wir wissen nicht, wie lange diese Notenbanken noch so weiter machen können, ein paar Jahre hält das System wohl schon noch aus.

Gestern habe ich dazu einen klugen Satz in einem -> Artikel <- gesehen, der bei uns im Forum verlinkt wurde:

Investors now spend 90% of their time planning for events that happen 5% of the time.

Wie treffend, denn wer das Leben damit verbringt, sich vor dem Tod zu fürchten, hat gar nicht gelebt und alles vergeudet.

Ich bin von all dem überzeugt, was ich oben zu den Notenbanken geschrieben habe. Kein Gummiband kann man ewig dehnen, ohne dass es schmerzhaft zurück schnappt oder - noch schlimmer - mit einem Knall reisst.

Der Tag der "Abrechnung" wird also kommen. Bis dahin können wir aber noch schön leben und vor allem können wir in diesem Markt noch Gewinne machen. Das ist auch unsere Aufgabe, denn sagen Sie mir mal, wer in der nächsten Krise besser dran ist:

Der, der seit Jahren gegen den Markt wettet, weil er ihm nicht traut und sein Depot daher ausgebombt hat, oder der, der im Bullenmarkt Gewinne gescheffelt und nun jede Menge monetären "Speck" angesetzt hat? Hmm? Wer? 😉

Die entscheidende Kunst ist nicht sich permanent zu sorgen und zu fürchten, sondern zu wissen, wann es "gut" ist mit dem Bullenmarkt. Unter anderem dafür, sind wir hier bei Mr-Market da.

Ihr Nostradamus (ähh Entschuldigung Hari natürlich) 😉

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

3 Gedanken zu “FED und EZB haben fertig!

  1. Hallo Mr Market!
    Ein sehr toller Artikel. Ich unterschreibe sofort alles was darin steht. Es gibt doch noch Leute mit gesundem Menschenverstand in diesem Land und sprechen ihre erhellenden Eingebungen auch noch gegen den Mainstream aus. Weiter so!

    Die zwei Zitate ihres Beitrags bringen es voll auf den Punkt. Genau so denke ich auch.

    ‘Wird man nicht in den Geschichtsbüchern in 50 Jahren erstaunt fragen, wenn man auf die “grosse Krise 20xx” zurück schaut:
    Wie konnte man damals nicht erkennen, dass das eine katastrophale Marktverzerrung mit schlimmen Folgen ist?’

    ‘Und nein, das ist nicht die logische Folge der Finanzkrise 2008. Das ist für mich und viel andere die Folge der Hybris, Rezessionen und gesunde Marktanpassungen im Sinne der “kreativen Zerstörung”, mit den Mitteln der Finanzalchemie dauerhaft verhindern zu wollen.’

    PS: Ich trade übrigens den Bund und habe ihn diese Woche auch gekauft. Damit habe ich selbst dazu beigetragen, die Renditen weiter zu drücken. Ich weiss. Aber was soll man machen? DIe EZB hat dieses Momentum erzeugt und wir Spekulanten müssen es nutzen. Doch das Blatt wird sich drehen…garantiert! Und es wird wehtun..

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