Kurztipp – 17.12.12 – Japanische Aktien und schwacher Yen, Komatsu

Mit der erneuten Wahl von Shinzo Abe zum japanischen Regierungschef, könnte am japanischen Aktienmarkt und für den Yen eine bedeutende Wende eingeleitet sein. Eine Wende die Mr. Market in den letzten Wochen schon antizipierte, als der Nikkei vermeintlich ohne Grund stieg und stieg.

Derartige Aufrufe hat es in den letzten Jahren immer wieder gegeben und nie ist wirklich etwas passiert. Japan verharrte in Stagnation und Deflation. Besonders belastet war die japanische Exportwirtschaft von der Stärke des Yen, der in Carry-Trades als Ankerwährung gegen die Euro und Dollar-Schwäche genutzt wurde.

Mit dem Regierungswechsel, steht nun aber wohl eine Zeit aggressiver Expansionspolitik der japanischen Notenbank bevor. Man wird versuchen, den Aussenwert des Yen um jeden Preis zu drücken. Und ein fallender Yen bedeutet steigende Aktienkurse bei Toyota, Panasonic, Toshiba und Co.

Um zu verdeutlichen, wir Mr. Market diese Entwicklung schon antizipiert, schauen Sie mit mir mal auf den Tageschart des Euro-Yen Währungspaares EURJPY:

EURJPY 17.12.12

Letztlich ist eine monetäre Expansion seitens der japanischen Notenbank nichts weiter als eine neue Runde, im schon laufenden weltweiten Währungskrieg der Abwertungen. Und natürlich werden FED und EZB auf ihre Art und Weise reagieren. Letztlich gewinnt in diesem Währungskrieg niemand, sondern alle Papierwährungen werden nur Zug um Zug entwertet. Das Ganze ist ein "Fools Game", für das wir in der westlichen Welt noch bitter mit Währungsreformen bezahlen werden.

Für die kurz- und mittelfristige Bewertung des japanischen Aktienmarktes muss uns das aber nicht interessieren. Eine mögliche Abwertung des Yen würde die japanische Exportindustrie befeuern und wahrscheinlich auch zu einem steigenden Nikkei führen.

Aber Vorsicht ! Der Nikkei wird in Yen notiert steigen, nicht aber notwendigerweise in EUR ! Denn die positive Bewegung des japanischen Aktienmarktes dürfte für deutsche Anleger durch die Abwertung des Yen zu einem guten Teil aufgefressen werden. Insofern sind normale Japan-Fonds eher ungeeignet und insofern macht eine Anlage in Japan eher mit einem Währungs-Hedge Sinn.

Ich habe dazu auch einen voll replizierenden ETF bei iShares gefunden, den "iShares MSCI Japan Monthly EUR Hedged WKN A1H53P". Ich habe selber keine Erfahrung mit dem Produkt, aber von der Papierform her scheint mir persönlich das genau das Instrument zu sein, um die oben antizipierte Entwicklung zu spielen. Alternativ kann man natürlich das obige Währungspaar Long EURJPY spielen und ist damit beim Kern dessen was passiert.

Das jeder Trade, auch dieser, angemessen abgesichert werden muss, weil es auch immer ganz anders kommen kann, muss ich hoffentlich nicht mehr jedes Mal explizit erwähnen.

Und noch ein kleiner Tipp. Von all den Exportwerten finde ich einen im Moment besonders interessant. Es ist die "Caterpillar Asiens", die japanische Komatsu (WKN 854658), die von einem fallenden Yen ebenso profitieren sollte, wie von wieder ansteigenden Infrastruktur-Investitionen in China. Schauen Sie sich diesen 17 Milliarden Euro schweren Bluechip einfach mal selber in allen Aspekten an. Es könnte sein, dass sich dieser Zeitaufwand lohnt. Und teilen Sie das Ergebnis Ihrer Analyse hier mit den anderen Lesern !

Ihr Hari

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9 Gedanken zu „Kurztipp – 17.12.12 – Japanische Aktien und schwacher Yen, Komatsu“

  1. In Japan habe ich eine langzeit-position: Shimano (WKN: 865682) und bin damit bislang gut gefahren, habe unlängst in der korrektur aufgestockt. Allerdings kann ich keine wirkliche analyse bieten, bin nur mal darauf gestoßen, dass das ein außerst solides und gesundes familienunternehmen sein soll. Ich gehe davon aus, dass fahrräder ein langzeit-thema sind, bei dem shimano als zulieferer einfach die allererste geige spielt und zwar in einem ausmaß, das wohl nahezu einmalig sein dürfte. Ein Radl, das ohne ein shimano-teil fährt, ist fast ein exot. Deshalb erwarte ich da noch einiges potential. Würde mich sehr interessieren, ob es in der runde meinungen gibt. Auf jeden fall kann ich Shimano der aufmerksamkeit empfehlen.

  2. Noch ein Kommentar zu China: Neben dem „cliff“ in den USA gibt es auch seit einiger Zeit das weniger bekannte „accounting cliff“ zwischen den USA und China. Ein kurzer Einstieg dazu findet sich hier: -> Accounting Cliff <- Mehr Hintergrundinfos kann man z.B. auf dem Blog von Patrick Chovanec nachlesen. Ich kann nicht einschaetzen, inwieweit das Thema mal zu einer „Delle“ in chin. Aktiencharts fuehren koennte, aber spannend ist es auf alle Faelle.

  3. sehr interessantes thema hans, danke

    @hari
    ich grüble seit gestern, wie zusammenpasst, dass du meinst ein exporter sollte vom fallenden yen profitieren, wobei die gewinne unter umständen doch vom fallenden yen (in euro) aufgefressen werden … also wenn diese firma kein heißer kandidat ist um den Eur/Yen outzuperformen warum dann nicht gleich Eur/Yen kaufen? – dabei spart man sich dann einiges an kosten

    hilf mir über meinen denkfehler 🙂
    danke hari

  4. @ CDO, eine schwache Landeswährung hilft kurzfristig immer der Exportindustrie. Ganz einfach aus der Tatsache, dass damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit steigt. Der Exporteur produziert im Inland immer noch zu den gleichen Kosten (in eigener Währung) und kann im Ausland damit billiger anbieten (in Auslandswährung).

    Das damit langfristig die Wirtschaftskraft und damit auch die der Exportfirmen eher geschwächt wird ist auch klar. Bestes Beispiel sind die Exporterfolge Deutschlands währen der sehr starken D-Mark. Am Ende haben die die deutsche Industrie langfristig stärker gemacht, weil der Anpassungsdruck erhalten blieb. Umgedreht führen schnelle Marktanteilsgewinne durch währungsbedingten Preisvorteil zum Nachlassen der eigenen Anstrengung, das sind sozusagen „Windfall-Profits“. Übrigens wird deswegen auch unser aktuelles „Wirtschaftswunder“ nicht lange halten. Es ist zu einfach weil durch den schwachen Euro erleichtert. Und es lebt von den Anstrengungen des letzten Jahrzehnts was Produktivitätsfortschritte angeht. In der durch den aktuellen Erfolg beförderten Selbstgefälligkeit, liegt für die deutsche Wirtschaft auch die grösste Gefahr fpr die Zukunft.

    Für unsere Betrachtung als Trader sind aber die langfristigen Auswirkungen einer Währungsabwertung nicht wichtig. Wichtig ist, dass kurzfristig die japanische Industrie auf dem Weltmarkt preislich wettbewerbsfähiger wird.

    Und warum nicht EUR/YEN kaufen ? Weil die Gewinne der Exportunternehmen in Landeswährung wie ein Hebel auf EUR/YEN sind. Gerade in preissensiblen Märkten kann ein Fall der Währung um ein paar Prozent das Potential bieten, um den Marktanteil erheblich auszuweiten. Und Aktienkurse tendieren dann zum verdoppeln.

  5. Ein weiteres Argument, dass gegen eine langfristige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch einen fallenden Währungskurs spielt, ist die Abhängigkeit von Rohstoffimporten. Ich denke, Japan ist diesbezüglich sogar in noch größerer Abhängigkeit als Deutschland. Ein fallender Yen erhöht die Kosten von allem, was Japan importieren muss, nicht zuletzt auch die Energiekosten!

    Auf einen fallenden Yen und daraus folgende kurzfristige starke Kursgewinne (wie Hari oben beschrieben hat), warte ich schon sehr lange via ein ETF auf Japanese Small Caps, aber die Hedge-Idee klingt natürlich noch besser.

  6. Ich sehe in dem Zusammenhang noch einige weitere Probleme. Nämlich die ganzen Anstrengungen bezüglich der Eurokrise binden Kapazitäten, die anderswo nicht zur Verfügung stehen und dort ebenfalls dringend benötigt würden. Zu nennen ist das auf uns zu rollende demographische Problem. Zu nennen sind die Ansprüche derer(also auch von uns), die älter und zuahlreicher werden, und die von immer weniger jungen Leuten zu decken sind. Zu nennen ist die abnehmende Anzahl von Leuten in den sog. MINT-Berufen. Zu nennen ist der Umstand, daß man die falschen Leute ins Land holt. Zu nennen ist der Umstand, daß die restriktive Kreditvergabepraxis Innovationen hemmt. Und so weiter, und so weiter. Es wäre fatal, wenn es in der kommenden Legislaturperiode so weiterginge.

  7. aha, auf das theoretische fundament wollt ich garnicht hinaus, da hätt ich auch an die rohstoffabhängigkeit japans gedacht – wie plastik;

    ich hab dich einfach falsch verstanden: dass der fallende yen „…ein gut teil…“ der gewinne auffrist hab ich zu absolut aufgefasst
    mein fehler, nicht genau genug gelesen -.-

    zu deinen ausführungen über währungs(un)sicherheit: da bin ich voll dabei – sehe ich genau so, wobei wir auch bedenken müssen, dass wir als trader vlt. einen bias haben und gern in einem starken währungsraum leben, weil wir einiges an erspartem herumliegen haben, andere (hoch verschuldete leute) sehen das vlt. anders mit der inflation 😉

    …wissenschaftliche arbeiten der letzten zeit haben gezeigt, dass die bewusste argumentation immer erst hinter einer unterbewussten entscheidung steht – die um millisekunden der aktivität im bewussten teil des gehirns vorlaufen.
    und je nachdem wofür man sich dann entschieden hat, führt man die dazu passenden – logisch klingende – argumente im NACHHINEIN an

    danke hari

  8. Zu Komatsu (WKN 854658): ich habe mir einen zugegebenermaßen sehr kurzen Blick erlaubt und dabei nur das Handelsvolumen betrachtet: in Deutschland ist es extrem klein, z.B. Frankfurt nur ø 1000 Stück pro Tag. Das sollte man bedenken, wenn man u.U. schnell ein- und wieder aussteigen will. NASDAQ ist etwas besser, aber auch nur 12T Stück pro Tag im Schnitt über das letzte Jahr.

  9. Also ueber meinen Broker (Lynx) kann ich auch an allen erdenklichen Auslandsboersen direkt handeln, das Problem der etwas unguenstigen Handelszeiten ist dadurch natuerlich nicht geloest. Ich hasse das, waehrend man so herumueberlegt, sind die Bagger schon 6% weitergetuckert.

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