Zwischen Baum und Borke

Eine der perfekten und praktisch immer stimmenden Bauernregeln des Marktes ist, dass Anleger die sich eine Korrektur wünschen, um günstiger in den Markt einsteigen zu können, es genau dann nicht können, wenn diese Korrektur dann da ist.

Das liegt daran, dass in einer Korrektur die Unsicherheit stark steigt und genau diese Unsicherheit verleitet dann dazu, doch wieder zuzuwarten. Wenn die Kurse dann aber schon wieder gestiegen sind, sind sie diesem Anleger schon wieder zu teuer, weswegen dieser Typus Anleger nie einen sauberen Einstieg findet und statt dessen irgendwann entnervt irgendeine suboptimale Übersprungshandlung vollzieht.

Machen wir uns bitte klar, dass aufgrund des Marktgesetzes der Reflexivität, der Moment der größten Chance immer der Moment der höchsten Unsicherheit sein *muss*. Denn wenn keine Unsicherheit da wäre und ein Wiederanstieg klar wäre, könnten das auch andere sehen und die Kurse wären also schon oben und nicht mehr unten!

Machen wir aber bitte auch nicht den Fehler, diese Logik umzudrehen. Der Moment der größten Chance ist zwangsläufig der Moment der größten Unsicherheit, was aber nicht im Umkehrschluß heisst, dass jeder Moment der Unsicherheit eine große Chance ist. Denn erst hinterher kennen wir den Punkt der größten Unsicherheit, es geht eben immer noch schlimmer.

Als Timing-Indikator ist die Regel also nicht hilfreich, aber es ist trotzdem wichtig diese zu verstehen, denn es macht uns klar, dass wir gute Entscheidungen am Markt immer im Zustand der Unsicherheit treffen müssen. Wenn wir auf Sicherheit warten, werden es keine guten Entscheidungen mehr sein.

Gerade derzeit sehen wir das wieder in Perfektion. Seit Anfang Februar läuft eine Korrekturwelle durch den Markt, die im Leitindex S&P500 den Bereich von rund 10% erreicht und an einem potentiellen Boden arbeitet.

Die Auslöser für die Korrektur haben dabei gewechselt, während in der ersten Abwärtsphase marktinterne Verzerrungen rund um den "Short-Vola-Trade" großen Einfluß hatten, ist der Markt nun von exogenen Nachrichten getriggert, insbesondere der nicht völlig unberechtigten Sorge vor einem eskalierenden Handelskonflikt zwischen den US und China.

Damit stellt sich die Frage an Sie: Haben Sie nun die Korrektur zu Käufen genutzt? Immerhin sind viele Aktien nun 10% und mehr "billiger" als noch im Januar?

Schauen wir doch mal, was das Chart des Leitindex S&P500 sagt:

Wir sehen die letzten 2 Wochen eine massive Schaukelzone oberhalb des Tiefs vom 09.02. und im Bereich der 200-Tage-Linie, die Ausdruck großer Unsicherheit ist. Da haben wir es also: "Große Unsicherheit!"

Heisst wir haben eine notwendige Bedingung für profitable Käufe erreicht - hohe Unsicherheit!

Und woher rührt die Unsicherheit? Aus der Sorge, dass der Markt von hier nicht nach oben zieht und einen groß angelegten Doppelboden vollendet, sondern nach unten durchfällt und erst richtig in einen Bärenmarkt wechselt. Und der potentielle Katalysator dafür wäre eine Eskalation des Handelskonfliktes.

Genau das ist also so eine typische Situation, wie sie entscheidende Wendepunkte immer auszeichnet. Nun werden die unter Ihnen, die die Worte oben nicht akzeptieren können, sich erneut mit der Suche nach Sicherheit quälen. Diese Suche ist aber völlig sinnlos, denn ausdrücklich *niemand* kennt die Zukunft. Und wenn Sie sich nun danach richten, was Ihnen irgendein Markt-Wahrsager mitteilt, haben Sie deswegen nicht wirklich eine bessere Entscheidung getroffen.

Was man aber aktuell sagen kann ist, dass der Markt aus sich heraus wohl für einen temporären Wiederanstieg reif ist, wobei man nach oben nicht mehr viel erwarten sollte. Heisst wenn jetzt mal keine Twitter-Tiraden Richtung Amazon mehr kommen, kein Eskalations-Ping-Pong mit China in Handelsfragen und kein neuer Krieg irgendwo auf der Welt, wird dieser Markt eher wieder steigen, weil er wohl steigen will.

Heißt der Markt hat aus sich heraus genug korrigiert, hat aber auch nicht mehr die Kraft richtig nach oben durchzuziehen. Heisst aber auch mit anderen Worten, dass es nun einen exogenen Katalysator braucht, um ihn zum Zusammenbruch zu bringen. Das könnte eine sehr schlechte, gerade anlaufende Quartalssaison sein - wonach es im Vorfeld aber nicht aussieht - und könnte eben ein Handelskrieg sein.

Ein echter Handelskrieg ist zwar nicht wahrscheinlich, aber eben nicht auszuschliessen und hätte starke Kursauswirkungen, gerade weil der Markt die Tiraden derzeit noch eher als Theaterdonner zwecks Verhandlungs-Poker einstuft. In dem Moment in dem der Markt das Thema also ernst nimmt und nicht mehr nur als rhetorischen Poker betrachtet, dürfte es abwärts gehen, denn ein Handelskrieg hat substantielle Auswirkungen auf die Gewinne der Unternehmen, in einer vernetzten Weltwirtschaft auch gerne mal um drei Ecken herum und auch da, wo man es gar nicht erwarten würde.

Ob diese Katalysator kommt, der den Markt überwältigt, kann ich Ihnen nicht sagen und kann Ihnen niemand sagen. Solange man an die Vernunft glaubt, macht es Sinn davon auszugehen dass es nur Poker ist, weil sich doch niemand freiwillig in den Fuß schiessen will - sollte man meinen. 😉 Mit dieser Unsicherheit müssen wir einfach leben und wenn wir das nicht können, haben wir im Markt nichts verloren.

Denken Sie also noch einmal darüber nach, wann Ihnen ein Einstieg "sicher genug" ist und machen Sie sich klar, dass in dem Moment in dem vermeintlich hohe Sicherheit am Markt existiert, die Kurse nicht mehr attraktiv sein können, weil alle anderen das dann auch erkennen und schon gekauft haben.

Wir müssen eben -> die Unsicherheit lieben lernen <-, daran führt kein Weg vorbei.

Wie wäre es in so einer Gemengelage denn, selektiv und vorsichtig mal ein wenig zu kaufen und direkt abzusichern? Heißt Sie überlegen sich im Vorfeld den "Preis", den Sie für die Chance zu zahlen bereit sind. Dieser "Preis" ist dann die Differenz zwischen Ihrem Einstieg und dem von Ihnen definierten Punkt, an dem Sie die Reißleine ziehen, weil der Markt eben doch nach unten rausfällt.

Ohne Risiko aber keine Chance, no Risk no Fun. Der grosse Vorteil der aktuellen Situation ist, dass man das Risiko nach unten insofern begrenzen kann, weil man weiss wo man "abzuschneiden" hat. Und Aktien mit einem 10% "Rabatt" zu kaufen, ist sicher sinnvoller, als sie letzten Dezember oder Januar zu kaufen, auch wenn wir nie wissen werden, ob wir nicht bald noch einen "20% Rabatt" bekommen. Eine echte "Sicherheit" wird es am Markt nie geben, machen wir uns das klar.

Ihr Hari

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Die erwartete Korrektur

Was wir in den letzten zwei Wochen erlebt haben, muss man wohl als ideale, erwartete Korrektur bezeichnen. Monatelang haben alle Marktteilnehmer darauf gewartet und dass in 2018 eine 10-20% Korrektur anstehen würde, war wenig überraschend und habe ich mehrfach geschrieben, so auch hier im freien Bereich zum Beispiel in -> Auf ein Neues! <-

Aber noch besser, nicht nur abstrakt war diese Korrektur zu erahnen, auch konkret haben wir sehr früh die Witterung aufgenommen, ein -> gelber Alarm <- am 02.02.18 kündet auch von aussen sichtbar davon, auch wenn dieser Artikel auf den Premium-Bereich begrenzt war.

Dann hatten wir am Freitag 09.02. ja dieses markante und denkwürdige Reversal am späten Abend, das gegen 19:30 Uhr einsetzte. Darauf haben wir schnell reagiert und am folgenden Sonntag 11.02. habe ich den Mitgliedern dann ein Chart für drei weitere Verlaufsszenarien gezeigt, das ich Ihnen hier nun auch im freien Bereich zeigen will und mit einem lila Kreis eingezeichnet habe, wo wir gerade stehen. Der Pfad (1) war dabei von den Wahrscheinlichkeiten her meine Präferenz:

Aber selbst wenn Sie in der Community nicht dabei sind und diese Infos und intensive Begleitung im "Schlachtengetümmel" nicht hatten, waren die letzten 2 Wochen immer noch die wahrscheinlich meist antizipierte und bestens vorbereitete Korrektur der letzten Jahre.

Und trotzdem konnte man wieder erleben, wie viele Anleger davon doch aus der Spur geworfen wurden. Auch im Herbst erlebt man ja immer wieder, wie die Autofahrer von den ersten Schneeflocken "überrascht" sind. Und Marktteilnehmer, die vorher noch davon geredet hatten, wie gerne sie doch zu besseren Kursen nachkaufen wollten, waren verunsichert, als die Kaufkurse dann da waren.

So ist das immer, von einer Korrektur zu reden und Sie zu erleben, sind eben zwei verschiedene paar Schuhe. Ich kann Ihnen nur wärmstens ans Herz legen, dazu meine folgende halbfiktionale Geschichte zu lesen:

-> Wie die Assyrer mir das Geheimnis der nächsten Börsenkrise offenbarten <-

Prüfen Sie sich also selber, wie Sie mit dieser Korrektur bisher umgegangen sind. Wenn schon diese sie in Unsicherheit gestürzt hat, haben Sie ein grundlegendes Problem, das Sie lösen müssen. Denn wenn es dann wirklich mal ernst wird und der Rebound nicht gleich kommt, werden sie von ihren Ängsten mit hoher Wahrscheinlichkeit überwältigt werden. Die Lösung dafür, ist eine eigene, belastbare Strategie und dabei kann Ihnen diese Community helfen.

Wie geht es nun weiter?

Folgt man dem alten Erfahrungswissen, wäre ein erneuter Taucher zu den Tiefs im Sinne des Pfades (2) oben nur völlig normal. Dieses alte Erfahrungswissen ist aber durch die mehr und mehr dominanten Algos teilweise obsolet geworden, denn diese Algos sind darauf programmiert genau das Erfahrungswissen abszuschöpfen, was im reflexiven Markt zu verändertem Kursverhalten sorgt.

Ein weiterer Anstieg im Sinne eines "V" in den US-Indizes würde also dem 2017er Muster entsprechen, allerdings bin ich nicht überzeugt, dass der Markt nach oben noch sehr viel Kraft hat und vermute um die 3.000 im S&P500 einen mittelfristigen Deckel, wie auch in -> Crash, Boom, Bang! <- erläutert.

In dem Artikel habe ich dieses langfristige Chart des S&P500 gezeigt, das eine langfristige Konsolidierung zeigt, die bei ca. 3.000 einen Deckel bekommt - ein Szenario, das ich mir sehr gut vorstellen kann:

,

Und der DAX? Der ist weiter relativ zu den US Märkten sehr schwach, was mit hoher Wahrscheinlickeit an Abgaben von US Investoren liegt. Man schaue sich nur mal den deutschen Markt aus Sicht eines US ETFs in Dollar an, dann erkennt man wie stark die Abgaben waren, während es kaum zu Aufwärtsvolumen gekommen ist:

Das sieht nicht sehr gut aus und ohne Käufe der dominanten US Investoren kann man sich das ganze Gerede vom "besser als die US Märkte bewerteten DAX" sonst wohin schmieren. Bewertungskennziffern sind kein Timing-Indikator, waren es nie und werden es nie sein, auch wenn permanent anderes geredet wird. Der Markt ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage und wenn keine Nachfrage da ist, ist eben keine da und die Kurse können nicht steigen.

Summa Summarum war die Korrektur bisher ein Weckruf, mehr nicht. Kluge Anlager betrachten diese als Testfall für die eigene Psychologie, wer schon damit nicht gut klargekommen ist, hat dringenden Handlungsbedarf.

Über den aktuell laufenden Rebound hinaus, ist die Frage berechtigt, ob dieser Markt nun noch so furchtbar viel Potential nach oben hat. Ich bezweifele das aktuell und rate daher dazu nun ganz kritisch hinzuschauen, insbesondere wenn der Markt nun seitwärts zu laufen beginnt. Eine temporäre Topbildung in den US Indizes ist nun absolut denkbar und wir wissen, dass Topbildungen Zeit brauchen und von mehrfachen Versuchen geprägt sind, die wieder zu den Hochs führen oder scheitern.

Ob wir so etwas im Sinne Pfad (1) gerade erleben, wird für alle Anleger eine wichtigen Information sein. Nur ein klarer Anstieg über 3.000 hinweg, kann im S&P500 diese grundsätzliche Frage aus dem Spiel nehmen.

Ihr Hari

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Der Weltuntergang hat begonnen – Achtung Sarkasmus

Im sogenannten "freien" Internet geht es bekanntermassen primär darum, möglichst einfach Klicks zu genieren und dafür legt man in Überschriften gerne schmackhafte Häppchen aus, die die Leser dazu verleiten sollen zu klicken, insbesondere weil die Überschrift den eigenen Bias befriedigt. Denn wir lesen doch einfach besonders gerne, was wir schon immer gewusst zu haben glauben, frei nach dem beliebten Motto: "Siehste"?

Der Markt ist letzte Woche zur überfälligen Korrektur angetreten, die US Indizes sind gegenüber dem Jahresanfang aber immer noch deutlich im Plus und diese Korrektur war ja nicht nur überfällig, sie war unvermeidbar, ich habe mehrfach darüber geschrieben.

Genau genommen ist dieses Jahr sowieso eine echte Korrektur von 10-20% überfällig und vielleicht hat sie gerade begonnen. Schön wärs, denn das würde den Boden bereiten für eine neue Anstiegsphase, denn der übergeordnete Bullenmarkt ist eben noch nicht notwendigerweise zu Ende, Korrekturen gehören zum Geschäft.

Da sollte man doch meinen, dass sich die Mehrzahl nun freut und nach riesigen Gewinnen und 1,5 Jahren Anstieg ohne Pause einfach mal gelassen zur Kenntnis nimmt, dass dieser Markt erfreulicherweise wieder zur Normalität zurück kehrt.

Aber nein, es muss gleich der kommende, finanzpolitische Weltuntergang sein, lesen Sie mal, was unsere Presse dazu verzapft:
-> Heftige Börsenturbulenzen gefährden deutschen Aufschwung <-

Welche "heftigen Börsenturbulenzen" eigentlich? Und was schreiben die, wenn wir wirklich mal welche haben? Im Artikel ist dann allerlei wild zusammen gemixt, was teilweise sogar richtig ist, die Aufgeregtheit der Überschrift ist im Ringen um Aufmerksamkeit im Internet aber symptomatisch.

Genau das ist für mich persönlich "Clickbaiting", bösere Zungen haben so etwas auch schon mal "Börsenpornographie" genannt - Klick-Mich-Jetzt!

Und es funktioniert natürlich, viele die seit 2009 in ihrer fest gefügten Gedankenburg schon immer wussten, dass Börse nur Zockerei ist und der börsentechnische Weltuntergang unmittelbar bevor steht, suhlen sich wohlig im eigenen Saft, ohne zu merken dass sie nur wieder reflexartig auf einen vor die Nase gestellten Trigger reagieren.

Nun denn, lassen wir hier bei Mr-Market lieber mal die Realität und Rationalität sprechen. Ich lege auch keinen Wert auf Klicks und Aufmerksamkeit um jeden Preis und das unterscheidet Mr-Market ganz zentral von andere Angeboten.

Hier ist der DAX im langfristigen Bild mit Wochenkerzen:

Wir sehen, dass noch gar nichts passiert ist, der langfristige Trend ist intakt, es gibt kein tieferes Tief. Wir sehen aber auch etwas, was vielleicht zu einer Topbildung werden *könnte* - Konjunktiv.

Insofern ist die aktuelle Entwicklung nichts, was man sorglos ignorieren darf, denn das kann sich nun ausweiten, Es ist aber bisher noch davon entfernt, dass man mehr als eine normale Korrektur hinein interpretieren muss.

Noch klarer ist das langfristige Bild im Leitindex S&P500:

Wir sehen einen immer steiler werdenden Trend, der auf keinen Fall so unbegrenzt weiter gehen konnte. Das habe ich selbst hier im freien Bereich mehrfach geschrieben, insbesondere zuletzt am 23.01. in -> Die Steigung <-. Zitat:

Ich denke man erkennt sehr schön, wie die Steigung von einer dauerhaft tragfähigen Neigung in 2017, in 2018 nun auf eine Steilheit gewechselt ist, die der Markt nicht dauerhaft durchhalten kann.

Würde man diese Steigung auf das Jahresende hochrechnen, würde sich der SP500 vervielfachen, was natürlich kompletter Unfug ist.

.....

Gleichzeitig muss dieser kluge Anleger sich aber bewusst machen, dass eine scharfe Korrektur von 20% in 2018 mit dieser steilen Bewegung eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher geworden ist, die Risiken steigen also deutlich.

Bei allem demütigen Mitgehen, muss man sich also immer wieder die Ausstiegspunkte zurecht legen und sozusagen schon den Fallschirm aufgeschnallt haben, damit man dann nur noch die Reissleine ziehen muss.

Noch Fragen? Was ist an dieser überfälligen Korrektur nun also bis jetzt eine "Börsenturbulenz"?

Wir alle wissen nicht, wie sich das entwickelt. Theoretisch kann hieraus in den nächsten Tagen eine "Börsenturbulenz" werden, das gilt aber grundsätzlich für jeden Minustag an der Börse, theoretisch kann jeder das Top markieren, praktisch ist das Unfug und wer danach handelt wird zu 99% verlieren.

Was wir aber bisher in Realität vor uns haben, ist eine überfällige Korrektur, die erste dieser Art seit Trump Präsident wurde. Eine Korrektur, die sich durchaus auf 10-20% ausdehnen kann, selbst dann aber immer noch notwendig und gesund im Rahmen eines übergeordneten Bullenmarktes wäre.

Mehr wissen wir derzeit nicht und mehr sollte man derzeit daher auch nicht herein interpretieren, wenn man sich ernsthaft mit den Märkten beschäftigen will. Was die Zukunft bringt, ist offen.

Ihr Hari

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Die Steigung

Das Jahr 2018 macht da weiter, wo das Jahr 2017 aufgehört hat. Der Anstieg insbesondere der US Indizes ist gnadenlos, immer wieder ergeben sich neue Themen, die die Märkte weiter befeuern. War es gestern noch die US Steuerreform, ist es nun auch das US Infrastruktur-Programm, das auf die Agenda der Trump-Administration kommt.

Daraus ist ein massives Momentum im Markt entstanden, das man wunderbar im Leitindex SP500 mit dieser immer steiler werdenden Steigung darstellen kann:

Ich denke man erkennt sehr schön, wie die Steigung von einer dauerhaft tragfähigen Neigung in 2017, in 2018 nun auf eine Steilheit gewechselt ist, die der Markt nicht dauerhaft durchhalten kann.

Würde man diese Steigung auf das Jahresende hochrechnen, würde sich der SP500 vervielfachen, was natürlich kompletter Unfug ist.

Nun kann ich mir aber gleich vorstellen, wie einigen von Ihnen nun der "Finger juckt" sich dagegen zu stellen und auf fallende Kurse zu wetten.

Ich kann nur davor warnen. Denn derartiges Momentum hat die Tendenz immer viel weiter zu laufen, als wir uns vorstellen können und der Markt muss gar nichts. Mit diesem Momentum kann der problemlos erst einmal ein paar Wochen weiter steigen und die 3.000 erreichen, bevor er ernsthaft zu zucken beginnt.

Zu früh ist am Markt eben auch nur ein anderes Wort für *falsch*, denn die Verluste wären für Shorties auf dem Weg nach oben dann brutal.

Alles was dem klugen Anleger bleibt, ist demütig dem Markt zu folgen und dieses Momentum zu akzeptieren, statt es zu bekämpfen. Also mitzunehmen, was man sich bei geordnetem Risikomanagement zutraut.

Gleichzeitig muss dieser kluge Anleger sich aber bewusst machen, dass eine scharfe Korrektur von 20% in 2018 mit dieser steilen Bewegung eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher geworden ist, die Risiken steigen also deutlich.

Bei allem demütigen Mitgehen, muss man sich also immer wieder die Ausstiegspunkte zurecht legen und sozusagen schon den Fallschirm aufgeschnallt haben, damit man dann nur noch die Reissleine ziehen muss.

Ich weiss, das ist emotional keine besonders schöne Situation, sich zu zwingen dabei zu bleiben und gleichzeitig dabei auf den Zehenspitzen zu stehen. Viel lieber würde man sich entspannt zurücklehnen und einfach den Anstieg geniessen.

Aber wir haben keine Wahl. Wenn wir vom Momentum etwas mitnehmen wollen und trotzdem bei einer scharfen Korrektur nicht alles wieder verlieren wollen, müssen wir beides tun, so schwer es auch ist.

Übrigens, die US Indizes haben nun das Jahr 1995 als das mit dem längsten Anstieg ohne 5% Korrektur abgelöst. Wir sind also eindeutig in historischen Gewässern.

Ihr Hari

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Stärke gebiert Stärke



Ich habe eine Frage an Sie: Wann ist ein Markt anfälliger für einen Crash?

a) Wenn er sehr stark gestiegen und massiv nach oben überdehnt ist?
b) Wenn er schon zu fallen begonnen hat und die Fallgeschwindigkeit zunimmt?

Hmm? Ich sage Ihnen, wie die Mehrheit der normalen Anleger instinktiv agiert.

Im Fall a) trauen sie dem Markt nicht, sind entweder nicht dabei oder wollen sogar klüger sein und den Markt shorten.
Im Fall b) sehen sie dass Ihre Lieblingsaktien nun 20% billiger sind und denken daran nun zu kaufen.

Soweit das instinktive Verhalten des normalen Anlegers. Und wann ist ein Markt nun objektiv anfälliger für einen Crash?

Ganz eindeutig im Fall b), wir nennen das das "Brösel, Brösel, Brösel" Szenario, dem bald der Schritt über die Klippe folgen könnte. Grosse Topbildungen haben gerne solche Strukturen, bevor es richtig "über die Klippe" abwärts geht, auch 2008 gehörte dazu.

Ganz starke Märkte dagegen, die wie im Fall a) neue Hochs generieren, sind vielleicht mal für eine kleine Korrektur gut, aber nicht für einen Crash. Topbildungen brauchen einfach Zeit und passieren nicht "mir nichts dir nichts" aus dem Nichts!

So weit das Grundsätzliche. Nun schauen wir auf das Spezielle.

Hier haben wir den -> CNN Fear and Greed Index <- von gestern Abend nach Schluss der Wallstreet, der den internen Zustand des US Marktes basierend auf vielen technischen Parametern in einer einfachen Anzeige zusammen fast:

Wir haben also aktuell "Extreme Greed" - extreme Gier - -> Nothings´s Gonna Stop Us Now <- sozusagen.

Der Markt ist also klar überdehnt und für eine Korrektur oder Konsolidierung überreif, die heute schon einsetzen könnte. Aber einen Crash und eine grundlegende Trendwende? Nein.

Stärke gebiert Stärke und damit ein Markt überhaupt so eine "Gier" entwickeln kann, muss er massive Treiber besitzen, die nicht einfach über Nacht weggehen. Damit so ein Baby nachhaltig dreht, braucht es Zeit und eine sich langsam ändernde Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Alleine eine überraschende globale Katastrophe wie zum Beispiel ein Atomkrieg, könnte diesen zeitintensiven Prozess einfach so über Nacht ablaufen lassen und uns am nächsten Morgen mit einem Crash aufwachen lassen.

Stärke führt also in 9 Fällen zu weiterer Stärke und Stärke ist kein Grund sich dagegen zu stellen. Dass es auch einen Fall 10 gibt, in dem es dann völlig überraschend doch anders kommt, müssen wir einfach akzeptieren.

Lieber 9 mal richtig liegen und einmal falsch, sollte jeder vernünftige Mensch denken oder? Der Anleger, der klüger als der Markt sein will, neigt aber leider dazu, sich 9 mal dagegen zu stellen und wenn dann der Fall 10 eintritt, hat er die Nerven verloren und ist nicht mehr dabei, weil er statt die eigenen Fehler den "irrationalen Markt" zum Schuldigen erhoben hat.

Machen wir diesen Fehler nicht. Dieser aktuelle Markt ist extrem stark und gleichzeitig für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierungsphase nun überreif. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Korrektur aber mit Blick auf das Jahresende zum Jahresende wieder zu kaufen ist, ist auch sehr hoch. Topbildungen brauchen Zeit, wie haben derzeit nicht einmal den Ansatz einer Solchen!

Ihr Hari

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Doch! Du wirst Angst haben!




Der folgende Artikel ist in leicht abgewandelter Form schon im Februar 2017 im Premium-Bereich erschienen.

Gerade für unerfahrene Anleger mit kurzer Anlagehistorie, ist er aber von hoher Bedeutung!

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Wer schon länger hier mitliest weiss, das ich das Gerede vom jahrzentelangen, ruhigen Buy- and Hold-Akkumulieren, für das Gerede von Theoretikern halte, die noch nie selber einen echten Crash mit Verlusten bis zu 60-70% erlebt haben.

Ein gefährliches, unverantwortliches Gerede, das sich am Ende verheerend für die grosse Mehrheit aller Anleger auswirken wird. Diese Leute führen viele ihre Anhänger früher oder später in den Untergang. Und das gar nicht mal mit Absicht, die glauben ja selber daran, sondern rein aus Ignoranz, Selbstüberschätzung und Unwissenheit.

Dabei haben sie ja theoretisch recht. Wenn wir keine Menschen sondern Roboter wären, wenn wir keine Ängste kennen würden und auch kein Umfeld hätten, das auf uns Druck macht und keine Verantwortung für unsere Familie spüren würden, dann wäre Buy-and-Hold ohne jede Absicherungskomponente völlig richtig, solange man noch genügend Restlebenszeit hat um jedwede Baisse auszusitzen. Theoretisch ist das richtig.

Dummerweise sind wir aber Menschen. Dummerweise haben wir Familien, für die wir Verantwortung tragen. Und dummerweise ist unsere Lebens- und damit Wartezeit beschränkt.

Machen wir es mal konkret.

Nehmen wir mal an, wir waren klug, wir haben mit 25 Jahren schon angefangen im Aktienmarkt anzusparen. Wir haben jeden Monat jeden freien Euro in Qualitätsaktien angespart. Und da wir gut verdient haben und sich die Märkte im Schnitt gut entwickelt haben, ist daraus eine hohe sechsstellige Summe geworden. Fast unser ganzes freies Vermögen steckt darin.

Und wir haben in den 15 Jahren auch einige Korrekturen erlebt, die zwar schmerzhaft waren, aber wir haben das durchgestanden. Und immer sind die Märkte und unsere Aktien danach weiter gestiegen. Wir sind sehr selbstsicher und glauben an unsere Fähigkeit. Wir haben keine Angst. Wir doch nicht.

Und dann sind wir fast 40, haben eine junge Familie und planen mit unserem Partner den Kauf eines Hauses, das wir zum grossen Teil finanzieren wollen, um unser Geld im Markt weiter arbeiten zu lassen. Auch die Alterssicherung wird ganz langsam zum Thema, die Mitte des Lebens ist da.

Immer noch ist unser Vermögen aber im Markt, wir haben das ja im Griff und mit knapp 40 hat man ja auch noch über 20 Jahre um jedwede Baisse auszusitzen. Wir haben das im Griff. Wir haben keine Angst.

  • Dann fängt der Markt an zu fallen. Eine schwere Krise ala Lehman braucht sich zusammen, das wissen wir aber zum dem Zeitpunkt noch nicht.
  • Der Markt fällt 20% und wir sind sicher und selbstbewusst.
  • Der Markt fällt 30% und wir spüren leichte Nervosität, aber wir haben ja keine Angst.
  • Der Markt fällt 40% und unser Partner fängt an kritische Fragen zu stellen und Druck auf uns zu machen. Wollen wir das neue Haus aufs Spiel setzen? Und unsere Altersicherung? Wir reden wortreich mit unserem Partner, aber wenn wir ehrlich sind, reden wir vor allem mit uns selber, um uns selber zu beruhigen. Wir fangen aber an, jeden Tag mehrmals auf die Kurse zu schauen, so als ob wir sie hochbeten könnten.
  • Der Markt ist 50% gefallen. Unser Partner macht uns Vorwürfe, wir sollten mal an unsere Kinder denken. Wir schlafen schlecht. Wenn wir aufwachen, gilt der erste Gedanke dem Markt. Der fällt aber.
  • Der Markt ist 60% gefallen. In den Medien ist Weltuntergang. Banken wackeln. Regierungschefs treten mit beruhigenden Worten vor die Kameras. Die Stimmung zu Hause ist mies, Vorwürfe liegen in der Luft, das Gefühl ein Versager zu sein kriecht in uns hoch.

In dem Moment, bricht unser Widerstand zusammen, wir machen einen innerlichen Sprung, befreien uns von dem Druck und verkaufen.

Und weil das so an uns nagt, weil es so schmerzt, wollen wir das verdrängen. Und schauen aus reinem Selbstschutz über Jahre nicht mehr auf die Börse. Und sind nicht mehr dabei, als der Markt bei 65% Minus dreht und im Folgejahr um 30% steigt.

Wir hatten eben doch Angst. Wir hätten besser auf die Filme unserer Jugend gehört. Erinnern Sie sich noch, wie in Star Wars - Das Imperium schlägt zurück der junge Luke auf Dagobah bei Yoda in der Hütte hockt? Wie er ihm in jugendlicher Selbstüberschätzung bezogen auf die bevorstehenden Herausforderungen sagt:

Ich habe keine Angst!

Und Yoda antwortet mit bedrohlicher Stimme:

Doch! Du wirst Angst haben! Du wirst Angst haben!

So wird es auch bei Ihnen als Anleger sein, wenn Sie mit viel Geld in so eine Situation geraten. Ich garantiere Ihnen das!

Sicher, es gibt ein paar Ausnahmen, die das vielleicht trotzdem durchhalten. Die können dann tatsächlich stures Buy-and-Hold über Jahrzehnte machen. Ausnahmen gibt es aber immer und die bestätigen nur die Regel.

Der obige Verlauf ist aber die wahre Geschichte der allermeisten Anleger, die ohne jedwede Strategie ein Vermögen am Aktienmarkt mit Buy and Hold ansparen wollen. Erklärt wird das auch von Michael Batnick, der hier in -> How to survive a bear market <- den Punkt sehr treffend macht.

Denken wir also an Yoda: Du wirst Angst haben! Du wirst Angst haben!

Es ist richtig, schon als junger Mensch langfristig am Aktienmarkt anzusparen.
Es ist richtig, das im Wesentlichen mit einem ruhigen Investmentansatz zu tun, mit dem man Qualitätswerte langsam akkumuliert.
Es ist richtig, erst einmal Ruhe zu bewahren und davon auszugehen, dass Korrekturen nur temporär sind.

Aber schreiben wir uns Eines hinter die Ohren:

Wir brauchen im Vorfeld eine klare und einfache Strategie, die uns *vor* den ganz schlimmen Einbrüchen aus dem Markt holt und *danach* wieder rein bringt. Oder eine Strategie, die uns zumindest in diesen schlimmen Phasen neutralisiert und den Druck auf uns verringert. Und wenn wir uns diese Strategie nicht im Vorfeld überlegt, genau definiert und auch mit unserem Partner besprochen haben, wird sie mitten im Gefecht nicht funktionieren.

Ob diese Strategie mit gleitenden Durchschnitten operiert, wie ich das hier in Artikeln als sehr einfache Lösung vorgeschlagen habe oder mit anderen Methoden ist sekundär, solange sie auch wirklich umgesetzt wird. Und erneut, es geht dabei nicht darum den Markt zu schlagen, es ist sogar hinzunehmen, dass man durch so eine Strategie ganz leicht schlechter als der Markt abschneidet.

Es geht darum, dauerhaft dabeizubleiben, in dem man temporär aussteigt.

Denn wer nicht gelernt hat temporär auszusteigen, wird nicht dauerhaft dabei bleiben können, wenn das Geld im Markt so viel geworden ist, dass es wirklich etwas bedeutet.

Ihr Hari

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Euro an der Wegscheide

Die Quartalssaison läuft diese Woche an den Märkten heiss und gleichzeitig hat das Währungspaar EUR/USD einen Stand erreicht, den man glasklar als Wegscheide bezeichnen kann.

Was das bedeutet, soll dieses Chart verdeutlichen:

Seit Anfang 2015, also seit über 2 Jahren, ist der Euro zum Dollar unter 1,15 hin und her mäandriert und hat mehrfach einen Anlauf Richtung Parität vollzogen. Zweimal hat EURUSD darüber hinaus geschaut, einmal in 2015 und einmal in 2016 und in beiden Fällen war spätestens bei 1,17 Schluss und es wurde ein sogenannter "Fakeout", der dann das Signal für eine starke Bewegung in die Gegenrichtung gab. Die Bauernregel dazu lautet im Englischen "From false Moves come fast Moves".

Nun sind wir diesen Sommer - genau jetzt - wieder an so einer Wegscheide. Draghi hat mit seiner Rede in Sintra vor nun bald 4 Wochen dabei kräftig und unfreiwillig mitgeholfen und es ist ihm letzte Woche nicht gelungen, das in seiner Pressekonferenz sofort wieder einzufangen.

Und wie es der Zufall will, steht diese Woche am Mittwoch eine FED-Sitzung an, deren Wortwahl im FOMC Statement erheblichen Einfluss auf den Dollar und damit auf EURUSD nehmen wird.

Wer sich nicht regelmässig mit Börse beschäftigt, wird sich nun vielleicht fragen, was das denn mit dem DAX und anderen Indizes zu tun hat? Die Antwort ist ganz einfach:

In Euro notiert, also am Kursstand des DAX gemessen - wie wir das in der Regel in unseren Euro-Depots haben - ist ein starker Euro Gift für die Kursnotierungen, ein schwacher Euro stützt diese dagegen.

Dass das nur eine nominale Darstellung in Euro ist und die Welt aus Dollarsicht schon wieder ganz anders aussieht, ist denen klar, die die Welt der Währungen durchdringen. Für diesen Post im freien Bereich genügt aber zu verstehen, dass ein Euro, der potentiell nun nach oben wegbricht und die 1,15 nachhaltig hinter sich lässt, massiven Druck auf den DAX ausüben würde.

Diese Lage trifft aber auf einen DAX, MDAX und Co. der nicht nur durch das Desaster um die deutschen Autobauer sowieso schon angeschlagen ist, sondern auch eine derartige Chartstruktur hat, die einiges an Fallhöhe impliziert, falls der Index hier nun nicht bald nach oben dreht:

Auch Sie sollten also diese Woche ein Auge auf den Euro haben. Dreht der hier wieder nach unten, haben wir vielleicht den Tiefpunkt der aktuellen Korrektur schon gesehen bzw sehen ihn bald. Bricht der nun aber nach oben aus, dürfte sich ein Einbruch im DAX unter 12.000 nur schwerlich vermeiden lassen.

Der zweite Hauptfaktor für DAX & Co. dürfte diese Woche die Entwicklung rund um die Autobauer werden. Ohne dass diese sich stabiliseren, wird es der DAX auch ohne den Euro schwer haben, hier wieder nach oben zu drehen.

Das nur zur groben Einordnung dieser Woche aus Sicht der deutschen Indizes.

Im grossen Bild ist das aber wahrscheinlich nichts weiter als die erwartete Unruhe in der grossen "Rumpelphase" des Sommers, deren Umfang und Dauer ich Ihnen schon in -> Der Gründler und der Measured Move <- nahegebracht habe.

Es gibt also Grund zur Vorsicht, Grund zur Panik und für eine bärische Grundhaltung, sehe ich nach wie vor nicht.

Ihr Hari

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Der “Gründler” und der “Measured Move”

Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing < - bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2017 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives < -, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

Und dafür ist Mustererkennung und sind Mechanismen hilfreich, die auch der Bauer anwendet. Bauernregeln eben, die zu 80% eintreffen und auf die man sofort und elegant handeln kann.

Eine dieser "Bauernregeln" ist der "Measured Move". Zu deutsch vielleicht "berechenbare Folgebewegung".

Der Measured Move ist wie jede Bauernregel ein höchst unpräzises Konstrukt, er macht ausschliesslich Aussagen im Sinne "Pi mal Daumen" und ist trotzdem oder gerade deswegen hilfreich.

Lassen Sie mich das Prinzip anhand der steinzeitlichen Jagd erklären, auch ein Fall, in dem der Gründler scheitern würde.

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