Der Börsen-Juni kurz und klar

Ach würden wir alle gerne wissen, wie die nächsten Börsenwochen konkret werden und was könnten wir dann toll Geld verdienen. Konjunktiv eben - hätte, hätte, Fahrradkette. 😉

Dass wir aber die Zukunft nicht kennen und auch Prognosen umso unwahrscheinlicher werden, je lautstärker und überzeugter sie vorgetragen werden, heisst ja im Umkehrschluss nicht, dass wir gar nichts wissen.

Denn der Juni steht nun bevor und mit ihm der Sommerhandel. Da liste ich hier doch mal ein paar Dinge auf, die wir Stand heute 29.05.17 wirklich wissen. Mit diesem Wissen durch die Märkte zu navigieren, ist aber immer noch unsere eigene Aufgabe.

Erstens steht im Juni am 14.06. die nächste FED-Sitzung an, an der schon jetzt in Mehrheit eine weitere Zinserhöhung erwartet wird. Die US Arbeitsmarktdaten diesen Freitag 02.06., werden dafür den Weg weisen.

Zweitens fallen Zinserhöhungen der FED - auch wenn sie in Mehrheit schon erwartet wurden - gerne mit leichter Marktschwäche zusammen. Ein Positivum für den Markt ist es auf jeden Fall nicht.

Drittens haben Juni und August historisch keinen guten Ruf und sind traditionell die beiden schlechtesten Börsenmonate des Jahres an den US Märkten. Nun sind so historische Saisonalitäten keine Garantie, wenn der Markt aber sowieso korrekturreif ist, sollte man sie nicht völlig ignorieren.

Viertens läuft der Markt nun seit der Wahl Trumps im November letzten Jahres ohne ernst zu nehmende Korrektur und jede derartige Strähne endet mal, auch in Bullenmärkten.

Fünftens wird eine Korrektur, wenn sie denn kommt, sich ebenso scharf und schnell in Bewegung setzen, wie der Einbruch am Mittwoch 17.05. vor knapp zwei Wochen, als Enttäuschung über Trump doch plötzlich dem Markt etwas bedeutet hat. Rechnen wir also nicht mit einer langen Vorwarnung.

Sechstens ist der übergeordnete Aufwärtsrtrend aber so stark, dass man von seiner Fortsetzung ausgehen kann. Eine potentielle Juni-Korrektur ist also auch Chance, wenn sie denn überhaupt kommt.

Für mittel- und langfristige Anleger ist die grosse Lage also recht klar. Man kann und darf nun mal ein paar Teilgewinne mitnehmen und das Exposure im Markt über den Sommer hinweg verringern, der Aufwärtstrend dürfte aber auch durch eine theoretische 5-10% Korrektur im Juni nicht in Frage gestellt werden.

Was diese grobe Marktlage für Sie persönlich und Ihr Depot bedeutet, müssen Sie selber wissen, oder zu uns dazu stossen und es mit uns diskutieren.

Ihr Hari

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Charts zum Schaudern

"Eigentlich" ist die Marktlage am Anfang dieser Woche und damit Ende Mai durchaus voller greifbarer Gefahren.

Wir haben einen Leitindex SP500 an einer kritischen Wegmarke, der durchaus reif für eine grössere Korrektur erscheint. So wurde die "Trumpsche Aufwärtstrendlinie" seit seiner Wahl (in blau) durchbrochen, die 2017er Aufwärtstrendlinie wurde getestet und das OBV zeigt im SPY eine sehr klare, negative Divergenz:

Und wir haben in den US diverse Bluechips mit riskanten Chartformationen, die einen eher zum Schaudern bringen. Beispielhaft will ich hier General Electric und JP Morgan zeigen:

Das sind Charts, die eine Menge Abwärtspotential offenbaren. Es muss sich nicht entladen, aber wenn es das doch tut, wird es schmerzhaft.

Gleichzeitig beginnt mit Ende Mai eine Saisonalität, die sowieso den Börsen keine besonderen Bocksprünge mehr erlauben sollte und letzten Mittwoch ist der Markt auch politisch aufgewacht und hat zum ersten Mal eine negative Reaktion auf die politischen Geschehnisse in Washington gezeigt.

In Summe sehr viel gute Gründe, in den Indizes nun mal vorsichtiger zu werden und ein paar Gewinne mitzunehmen. Dem steht nur ein Argument entgegen, das aber bisher in diesem Jahr extrem mächtig war. Eben der Trend selber und damit verbunden die Algos, die dem BTFD (Buy The F***ing Dip) Reflex frönen und konsequent immer dann die menschenlichen Emotionen abgreifen, wenn es zu offensichtlich nach unten zu gehen scheint - so wie jetzt.

Irgendwann wird sich dieser BTFD-Mechanismus umedrehen und dann zu einer besonders aggressiven Abwärtsbewegung führen. Vielleicht ist dieser Tag schon morgen, vielleicht auch erst nächstes Jahr.

Da wir das aber nicht wissen und keine Glaskugel haben, ist erhöhte Vorsicht über den Sommer zwar angemessen, zu einer aggressiven Wette auf fallende Kurse sollten wir uns aber noch nicht hinreissen lassen und lieber abwarten und beim Trend bleiben. Sollte es wirklich abwärts gehen, müssen wir unser Verhalten dann halt anpassen.

Die paar Prozent "zu spät", die man durch diese Geduld aufs Spiel setzt, sind halt der Preis um nicht x-mal zu früh auf die Bremse zu treten und wieder den nächsten Schub zu verpassen, wie so oft in den letzten Monaten. Wer mit dem Trend geht, macht die Sache richtig und nicht wer sich permanent dagegen stellt, weil er es immer besser zu wissen glaubt. Und der übergeordnete Trend ist immer noch weiter hoch, auch wenn er jetzt brechen "könnte", das ist aber eben nur ein Konjunktiv und diesen Konjunktiv hatten wir schon öfter, ohne dass er eingetreten ist.

Ihr Hari

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Alles so ruhig hier?!

Die Ruhe, die der Markt an den Tag legt, ist einfach unwirklich. Sicher, es gab auch in der Vergangenheit sehr ruhige Phasen, in denen der Markt nur hochgeschoben hat. Die 90er Jahre mit der Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs, waren so ein Beispiel.

Aber dieses Mal ist es anders und extremer, schauen Sie mal in diesen Artikel und auf das Chart von LPL Financial: -> Calm before the storm? <-

Wir sehen darin den langfristigen Verlauf des SP500 und parallel die Tage mit weniger als 0,5% Bewegung hintereinander. Das Ergebnis ist beeindruckend, wir leben in einer historisch unvergleichlich ruhigen Phase an den Märkten und das gleichzeitig in einer Zeit voller massiver geopolitischer Risiken. Sehr merkwürdig.

Nun ist die Auswahl der Parameter auch ein wenig Zahlenspielerei um den Punkt heraus zu arbeiten, hätte man statt 0,5% das Doppelte genommen, wäre die Differenz der aktuellen Phase wohl nicht mehr so extrem gewesen. Der gemachte Punkt ist aber trotzdem valide, der Markt hat derzeit einen unwirklichen, artifiziellen Charakter. Dabei wäre eine echte Korrektur schon lange überfällig und auch aktuell kann man wieder denken, dass eine Korrektur sich nun mit einem "Doppeltop" im SP500 in Bewegung setzen könnte.

Und diese unwirkliche Ruhe hat Gründe, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, auch mit der Dominanz der passiven Investmentvehikel wie den ETFs und den Algos zu tun haben. Im Artikel -> Cyberdyne Systems und ob das noch ein menschlicher Markt nach alten Regeln ist <-, habe ich das hier schon thematisiert.

Und im Artikel bei Tichy -> Algos, ETFs, Robo Adviser und ein Truthahn-Leben <- habe ich den Zusammenhang heraus gearbeitet, insofern soll die Ursachensuche hier auch nicht mehr Thema sein.

Ich will statt dessen hier und heute eine Warnung aussprechen, die sich vor allem an die Vielzahl der Marktteilnehmer richtet, die deutlich weniger als 10 Jahre im Markt aktiv sind. Durch den Einfluss der Notenbanken, liegt eben der letzte grosse Einbruch nun 9 Jahre zurück und wer das nicht erlebt hat und insbesondere erst ab 2013 im Markt aktiv wurde, bildet sich nun wahrscheinlich ungeheuer viel auf seine Gewinne ein und geht auch fest davon aus, dass das immer so weiter geht.

Den Schmerz, den Druck, die Panik und die Verzweiflung, die ein Absturz von 60% auslöst, können diese Anleger sich gar nicht vorstellen, wie denn auch. Das sind theoretische Worte aus ferner Vergangenheit, ausgesprochen von "alten Säcken" wie mir.

Erfahrene Anleger dagegen, die das schon einmal erlebt haben, sind in so unwirklich ruhigen Phasen wie aktuell eher nervös. Das schafft auch eigene Probleme, weil man sie dann zu schnell und leicht von einem Crash-Propheten aus dem Konzept bringen lässt und zu früh verkauft. So laufen diese Anleger Gefahr, zu früh auszusteigen.

So werden die einen selbstgefällig in die nächste Krise rennen und zu spät aufwachen und die anderen sind zu früh nervös und verpassen grosse Teile eines Bullenmarktes.

Woran wir sehen, dass es für langfristig orientierte Anleger, die aktiver als stures "Buy and Hold" seien wollen, eine Grundregel gibt. Und das ist die konsequente Trendfolge, die hält einen nämlich bisher *im* Markt und das ist gut so.

Gleichzeitig aber die ebenso harte Disziplin, bei einem Trendbruch konsequent und ohne zu Zögern auszusteigen. Das verhindert nämlich, beim nächsten 60% Krisen-Event wieder bis ganz nach unten dabei zu sein und dann erst im Punkt des maximalen Schmerzes und der medialen Untergangsszenarien zu verkaufen.

*DAS* ist heute mal eine ganze einfache, fast triviale Wahrheit. Aber sie ist eminent wichtig.

Ihr Hari

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Mal Hinschauen!



Ostern liegt hinter uns. Wer nicht in fernen Ländern war, wurde über die Feiertage mit Kälte und Regen "beschenkt" und diese Woche wird es Nachts hier bei uns in Sichtweite der Alpen wieder Bodenfrost geben.

Da können wir wohl fest davon ausgehen, dass es nicht das Wetter in Mitteleuropa ist, das so viele junge, körperlich starke, dunkelhäutige Männer sich von Libyen aus ins Mittelmeer stürzen lässt, in der berechtigten Hoffnung in internationalen Gewässern dann aufgelesen und ins gelobte Land verfrachtet zu werden.

Während wir hier über Ostern eingemummelt sassen und viel gelesen haben, drückte sich die Welt durch alle medialen und realen Ritzen in unsere Hirne. Ohne jetzt hier auf die einzelnen Verrücktheiten eingehen zu wollen, muss ich gestehen, dass die Irrationalität und Ideologisierung, die aus so vielen medialen Zeilen und Politikeraussagen spricht und die Köpfe der Menschen füllt, mich schlicht "verrückt" macht.

Zu ganz vielen dieser Themen, von Anatolien über Istanbul nach Tripolis, weiter nach Marxloh und dann nach Brüssel und erneut weiter nach Paris und London sozusagen, gibt es ganz klare und offensichtliche Wahrheiten, die für jeden mit sehenden Augen und halbwegs klarem Verstand offen liegen. Man braucht kein Raketenwissenschaftler zu sein um diese zu erkennen und anerkannte Fachleute - wirkliche Fachleute, keine Fensterredner - wiederholen diese Wahrheiten auch immer wieder und immer wieder. Und trotzdem hat das keine Wirkung, obwohl die Dinge so offensichtlich sind und die Lösung so klar. Wie in einem Paralleluniversum, bewegt sich der politisch Diskurs in einer Scheinwelt, die kaum mehr zu ertragen ist und Änderung ist in keinster Weise in Sicht, aus absolut keiner Richtung.

Dabei müsste man nur mal unvoreingenommen *Hinschauen*. Hinschauen!

Aber schon das ist wohl zu viel verlangt. Es ist schon bemerkenswert, dass die Diskussion um "Fake-News" - die es unter dem Namen "Desinformation" schon seit der Steinzeit gegeben hat - gerade jetzt aus der Politik heraus geschürt wird, wo sich die Politik scheinbar in einer Berliner Filterblase befindet, die man eher als "Fake-Universum" beschreiben könnte. Ob da wohl ein Zusammenhang existiert? 😉

Damals beim Wechsel von Bonn nach Berlin, haben kluge Köpfe genau vor dieser Abschottung gewarnt, die im kleinen, beschaulichen Bonn nicht möglich war, das dem Land als Bundeshauptstadt gut zu Gesicht gestanden hat. Nun haben wir den Salat, aber auch das waren eben kluge Fachleute, die nicht gehört wurden - wieder mal. Insofern kann man eine direkte Linie von Kohls Kanzleramtsbau zu Erdogans Sultanspalast ziehen. In beiden Fällen geht es um Abschottung, Machtprojektion und Abgehobenheit, auch wenn Erdogans peinlicher Schnörkelbunker sicher noch zwei Nummern schlimmer ist, als Kohls Kanzleramt. Einer gesunden Demokratie, in der die Interessen des Volkes wirklich von echten Abgeordneten vertreten werden, sind diese Abschottungen auf jeden Fall zutiefst abträglich.

Ich erinnere daran, dass im Weissen Haus nicht nur gelebt wird, sondern die Amerikaner grossen Wert darauf legen, dass ihr(e) Anführer(in) Familien mit Kindern haben. Denn Kinder machen demütig, motivieren uns, uns für ihre gute Zukunft zu engagieren und zwingen uns immer wieder, uns der Realität zu stellen, statt uns in eine Scheinwelt zurück zu ziehen. Nein, im Weissen Haus sitzt auch die Presse in eigenen Räumen und wenn man zum Oval Office über den Rasen läuft, kann man spielenden Kindern begegnen - wenn auch immer mit einem Herrn vom Secret Serivce mit kritischem Blick in der Nähe, aber das muss wohl sein, die Welt besteht eben nicht nur aus Engeln.

Es wird aber vieles dafür getan, das weisse Haus nicht nur zu einem abgehobenen Regierungsbunker, sondern zu einem Ort des Lebens zu machen, der in die reale Welt eingebettet ist. Es zeichnet gute demokratische Systeme eben aus, dass ihre Anführer mitten im Leben stehen und auch dass sie eigene Berufe und Fähigkeiten haben, die über das politische Dasein hinaus gehen. Denn wenn man selber noch im Leben steht, reicht es oft einfach mal *Hinzuschauen* und man braucht dann keine Einflüsterer und Demoskopen mehr, um eine Scheinwelt der Bürger zu zeichnen, man spürt selber in den Knochen, was wirklich los ist.

Aber "Hinschauen" wurde im von den Parteien deformierten politischen System Deutschlands scheinbar verlernt. Und ich kann es nicht ändern, auch wenn ich gerne würde. Und deshalb sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können, so zum Beispiel was wir im Depot haben und was nicht.

Und dabei gibt es ja auch das Problem des *Hinschauens*, denn unverändert wird herum spekuliert, wie es nun mit den Börsen weiter geht. Damit lassen sich ja auch so schöne Klicks generieren und die grossen Schwadronierer mit den lautstarken Prognosen sind medial immer erfolgreicher, als der differenziert argumentierende und sich seiner eigenen Begrenzungen bewusste, echte Börsen-Fachmann.

Wir sollten unsere Zeit aber nicht damit verbringen, was andere glauben, wie der Markt sich weiter entwickeln wird. Denn den Markt interessiert das herzlich wenig und im Zeitalter der Algos, werden die Erwartungen der menschlichen Herde sogar ganz gezielt abgeschöpft.

Wir schauen einfach ganz rational auf das was ist. Wir pflegen eben das *Hinschauen*. Und das liefert uns ganz erstaunliche und klare Aussagen.

Denn wenn wir den Leitindex S&P500 betrachten, sind zwei Aussagen wahr:

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Der eine grosse Schuss der Bären

Montag 27.03.17 08:50 Uhr kurz vor Handelsstart.

Letzten Mittwoch habe ich Ihnen in -> es zählt nicht bis es zählt <- den Ablauf einer "erfrischenden" 5-10% Korrektur gezeigt.

Nachdem Trump nun letzten Freitag seine Unerfahrenheit im Umgang mit der "Schlangengrube" Washington gezeigt hat, haben die Bären diese Woche die grosse Chance, endlich mal ihre Krallen zu wetzen und er Welt zu zeigen, dass sich doch nicht völlig kastriert wurden.

Denn es gibt grossen Konsens, dass zumindest ein Teil der Trump-Rally auf positiven Erwartungen an seine Politik beruhte, die teilweise schon im Vorfeld eingepreist wurden.

Dabei geht es dem Markt nicht um die Gesundheitsreform, es geht primär um die grosse Steuerreforn und nachgelagert, aber auch wichtig, um die Infrastruktur-Programme und die Deregulierung im Finanz-Sektor.

Auch wenn diese politischen Absichten am Freitag nicht auf der Agenda standen und Trump weiter voll hinter diesen steht, haben die Erwartungen doch einen Dämpfer bekommen. Denn nun dürfte endgültig klar sein, dass im dysfunktionalen Washington die gesetzgeberischen Blütenträume nicht so schnell umzusetzen sind, wie ein Tweet abzusetzen ist.

Wir sehen heute früh in den Futures schon die Enttäuschungs-Reaktion und die US Futures sind damit *unter* den Werten des Einbruchs von Dienstag - die Definition eines neues Abwärtstrends.

Da ist sie also, die grosse Chance der Bären. Diese dürfen sie aber nicht erneut vergeigen und müssen nun nachsetzen. Denn wenn der Markt trotz dieser Ausgangslage erneut nicht ernsthaft korrigieren kann, kann man das mit einer Totalkapitulation der Bären gleichsetzen.

Gleichzeitig aber, ist es abseits solcher kurzfristig-taktischer Erwägungen für uns wichtig uns bewusst zu machen, dass diese aktuelle Rally eben nicht nur auf hoch geschossenen Erwartungen, sondern auch auf real guten Konjunkturdaten beruht. Auch ist die Skepsis bei den Profis aktuell schon hoch, alle erwarten diese Korrektur, die die Bären diese Woche endlich in Angriff nehmen könnten.

Und weil das so ist und so viele darauf warten in den Markt einsteigen zu können und weil "hope springs eternal" - sprich schon bald wieder neue Erwartungen an die Steuerreform geschürt werden dürften, bleibe ich bei meinem Chart von letzten Mittwoch als wahrscheinlichem Verlauf. Hier ist es erneut:

Wir haben nun also ein paar Prozent Luft nach unten, im S&P500 bis ca. 2.200, dann sollten wir damit rechnen, dass die "Schnäppchenjäger" schon wieder massiv unterwegs sind und der übergeordnete Aufwärtstrend uns doch erhalten bleibt.

Das ist ein Szenario unter mehreren, aber das in meinen Augen nach wie vor wahrscheinlichste.

Ihr Hari

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Es zählt nicht bis es zählt

"It doesn´t matter until it matters" - es zählt nicht bis es zählt - ist ein bekannter Merksatz erfahrener Marktbeobachter.

Er drückt aus, dass all die vorgeschobenen Gründe warum der Markt eine Bewegung macht, oft eben bestenfalls ein Anlass sind und kein Grund.

So auch gestern, wie "aus dem Nichts" drehte der US Markt präzise um 14:30 Uhr MEZ mit Beginn des US-Handels. Noch Minuten vorher, war im Future nichts zu sehen, hier hat also grosses Geld offensichtlich "den Hebel umgelegt". Und den DAX, der ja von ausländischen Anlegern dominiert wird, zog es logischerweise mit nach unten.

Im Nachhinein wird nun in den Medien die ja immer "Gründe" liefern müssen argumentiert, dass die Probleme vor denen Trump aktuell im Repräsentantenhaus bei der Umsetzung der Gesundheitsreform steht, allgemeine Sorgen hinsichtlich seiner Durchsetzungsfähigkeit, insbesondere im Bereich Steuern und Infrastruktur, ausgelöst hätten.

Da ist auch was dran, der Zusammenhang ist da. Nur ist das trotzdem keine sinnvolle Begründung, warum der Markt gerade gestern mit Handelsstart zu fallen begonnen hat. Es ist ein Anlass, aber kein Grund. Denn Gründe sich im obigen Sinne zu sorgen, gab es auch in den vergangenen Wochen mehr als genug, nur hat es den Markt nicht interessiert. Es zählt eben nicht, bis es zählt.

Viel passender ist da die Metapher eines reifen Apfels. Man kann von aussen erkennen, dass der Apfel überreif ist und man konnte erkennen, dass dieser Markt für eine Korrektur überreif war - die Signale waren deutlichst an der Wand.

Aber man kann nicht vorher sehen, wann genau der Apfel fällt. Manchmal bleibt er beim ersten Sturm noch erstaunlicherweise dran, um dann Tage später bei einem vergleichsweise lauen Lüftchen abzufallen.

So ist es auch mit dem Markt und mit der potentiellen Korrektur. Es spricht viel dafür, dass wir hier den Beginn einer höchst gesunden 5-10% Korrektur erleben, die im grossen Bild des S&P500 sich dann so einordnen würde:

Natürlich ist das hier nur ein mögliches Szenario, aber eben ein recht wahrscheinliches, das zur aktuellen Marktmechanik passt.

Eine 6-8% Bewegung bis 2.200-2.250 also, die den Aufwärtstrend erfrischt, aber nicht ausser Kraft setzt. Es ist und bleibt einer der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte, begrüssen wir also diese Korrektur, wenn sie sich nun endlich tatsächlich in Gang setzen sollte.

Logische Gründe für diese Korrektur gibt es so viele wie Sand am Meer. Aber die zählen halt erst dann, wenn sie zählen und die Zeit reif ist. 😉

Ihr Hari

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Die Börsenwetterlage aus der Umlaufbahn

Kann man die ganz grundsätzliche, langfristige Börsenwetterlage in sechs Sätzen und mit einem Chart beschreiben? Ich glaube ja, ich versuche es mal.

Erstens, sind die konjunkturellen Signale rund um den Globus gut und sprechen derzeit gegen eine grosse Baisse. Die Lage ist besser als die Stimmung.

Zweitens, ist die Skepsis im Angesicht der vorhandenen Risiken (Trump, Handelskriege, Eurokrise, EU-Zerfall, China etc) im Markt massiv vorhanden, auch die Bullen schielen permanent zum Notausgang. Ein derartiges Sentiment spricht gegen eine grosse Baisse. Bullenmärkte enden in Euphorie und klettern dagegen eine "Wall of Worry".

Drittens, sind die Kurse nun seit Trumps Wahl permanent ohne Korrektur gestiegen, das macht den Markt anfällig. Eine scharfe Korrektur, dürfte im ersten Halbjahr 2017 nun anstehen, sollte aber den grundlegenden Aufwärtstrend eher nicht stoppen.

Viertens, sind wir gerade Zeuge eines veritablen Ausbruchs aus einer 1,5 jährigen, grossen Konsolidierung im S&P500 und das spricht trotz im ersten Halbjahr anstehender Korrektur, für prinzipiell weiter steigende Kurse und ein gutes Aktienjahr 2017.

Fünftens, befindet sich der Aktienmarkt im grossen, zyklischen Bild sicher eher im letzten Drittel und der Beschleunigungsphase eines grossen Zyklus. In dieser Phase lassen sich aber typischerweise besonders deutliche Gewinne machen. Eine Topbildung braucht Zeit und geschieht in so einem starken Markt nicht "über Nacht".

Sechstens, sind alle obigen Aussagen natürlich nur eine Momentaufnahme und stehen unter dem Vorbehalt völlig neuer, überraschender Entwicklungen, die der Markt heute nicht kennt und die dann eingepreist werden müssten. Das ist aber eine Binsenweisheit und das Restrisiko, mit dem man immer leben muss. Wer das nicht aushalten kann, ist im Markt fehl am Platz.

Ihr Hari

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Der Mutmacher

Wir haben ja nun einen neuen Bundespräsidenten, der sich als "Mutmacher" versteht. Was ist immer das heisst, "Mut" ist ja eine ebenso schöne Leerformel wie "Gerechtigkeit" - entscheidend ist eher, womit man die Leerformel füllen will.

Das mit dem "Mutmachen" von jemandem wie Steinmeier, der sein ganzes Berufsleben im öffentlichen Dienst in der Politik verbracht hat und auf eine abgesicherte Staats-Pension herab schauen kann, ist aber eine interessante Haltung. Den selbstständigen Unternehmer, der gegen überbordende Staats-Bürokratie kämpft und um jeden Kunden ringt, kann er nicht meinen, dazu fehlt der Bezug. Den Arbeitnehmer mit Mini-Rente (die aber ist sicher ;)), der jeden Euro umdreht und am stärksten unter dem schwachen Euro leidet, kann er auch nicht meinen, auch dazu fehlt der Bezug.

Aber vielleicht will er ja der Politik "Mut machen", mal sinnvolle Ordnungspolitik zu betreiben und an die langfristige Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Landes sowieso seine staatstragenden, steuerzahlenden Bürger zu denken. Dann fände ich das mit "Mut machen" richtig gut, alleine mir fehlt der Glaube an diese Interpretation. Wir werden sehen, womit diese Worthülse gefüllt werden wird.

Weil wir es aber gerade mit dem Mutmachen haben, will ich auch Ihnen als Anleger ein wenig "Mut" machen.

Denn ich denke Sie bemerken es auch, dass eine Art Beruhigung einzutreten scheint, was die Fragezeichen rund um Steinmeiers "Hassprediger" Donald Trump angeht. Aussenpolitisch wurde in diversen Terminen zuletzt Berechenbarkeit und eine gewisse Stetigkeit bewiesen. Die all zu grossen Sorgen, dass Trump die Welt sofort total auf den Kopf stellen würde, dürften übertrieben gewesen sein. Er wird sie schon auf den Kopf stellen, das ist recht wahrscheinlich, es dauert nur länger. 😉

Für den Markt ist das positiv, denn der kann sich damit zunächst auf die wirtschaftlichen Konsequenzen der Politik Trumps konzentrieren und diese sind für die US zunächst positiv. Und mit dem Versprechen aggressiver Steuersenkungen, gibt es nun auch einen neuen "Buy the Rumor" Katalysator. Irgendwann werden auch diese Hoffnungen und Versprechungen einen Realitätscheck machen müssen und dieser wird wohl nicht uneingeschränkt positiv ausgehen und mit einer Korrektur enden, aber dieser Tag ist wohl nicht heute.

Diesem eher bullischen Aufwärtsdruck der von der Wallstreet kommt, steht dagegen die berechtigte Sorge gegenüber, dass es den Euro und Europa zerlegt, denn die systemimmanenten Spannungen werden grösser. Zwischen diesen beiden Polen muss der Markt nun navigieren, wobei die US mit ihrer Politik eindeutig der grösste Gorilla im Raum sind. Insofern kann man in den kommenden Wochen in den US von einer eher positiven Marktentwicklung ausgehen, die aber immer wieder durch Schreckmomente und sorgenvolle Aufwallungen unterbrochen wird, die eher aus Europa kommen werden und die hiesigen Märkte belasten.

Im Leitindexx S&P500, sehen wir ganz eindeutig einen bestehenden und immer wieder bestätigten Aufwärtstrend seit Trump gewählt wurde:

Dieser Trend hatte zuletzt nachgelassen, durch die Hoffnung auf Steuersenkungen aber letzte Woche wieder Fahrt aufgenommen. Aber ganz egal wie wir das interpretieren, wir stellen uns *nicht* gegen so einen Trend. So einen Trend geht man mit, bis er irgendwann bricht und dann erst steigt man aus. Alleine die Frage wie sehr man sich dabei exponiert, ist diskussionswürdig. Und in Anbetracht der erhöhten Risiken, dürfte etwas erhöhter Cash, derzeit weiter keine schlechte Idee sein.

Ich kann das hier im freien Bereich nicht oft genug wiederholen, es bringt nichts sich gegen den Markt zu stellen und klüger als dieser sein zu wollen. Die wichtige Fähigkeit für Börsenerfolg ist nicht, mit der nicht vorhandenen Glaskugel schon heute wissen zu wollen, wann dieser Markt in eine Korrektur wechselt. Die Kunst ist, wenn es passiert, dann schnell und konsequent zu handeln. So wie es auch die Kunst war, nach der Wahlnacht von Trump schnell und konsequent zu handeln, danach war noch mehr als genug Zeit den steigenden Kursen zuzuschauen. Abwärts geht es am Markt zwar immer etwas schneller als aufwärts, das Prinzip ist aber das Gleiche.

Übrigens, was Gold macht, sieht weiter sehr konstruktiv aus, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, dass die Wallstreet gerade "Risk ON" spielt, was für Gold eher ein Kontraindikator ist. Wer sich gegen Wirrungen und Irrungen rund um den Euro etwas absichern will, ist hier wahrscheinlich ganz gut aufgehoben:

Geben wir also den Steinmeier, haben wir Mut! 😉

Ihr Hari

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