Mal Hinschauen!



Ostern liegt hinter uns. Wer nicht in fernen Ländern war, wurde über die Feiertage mit Kälte und Regen "beschenkt" und diese Woche wird es Nachts hier bei uns in Sichtweite der Alpen wieder Bodenfrost geben.

Da können wir wohl fest davon ausgehen, dass es nicht das Wetter in Mitteleuropa ist, das so viele junge, körperlich starke, dunkelhäutige Männer sich von Libyen aus ins Mittelmeer stürzen lässt, in der berechtigten Hoffnung in internationalen Gewässern dann aufgelesen und ins gelobte Land verfrachtet zu werden.

Während wir hier über Ostern eingemummelt sassen und viel gelesen haben, drückte sich die Welt durch alle medialen und realen Ritzen in unsere Hirne. Ohne jetzt hier auf die einzelnen Verrücktheiten eingehen zu wollen, muss ich gestehen, dass die Irrationalität und Ideologisierung, die aus so vielen medialen Zeilen und Politikeraussagen spricht und die Köpfe der Menschen füllt, mich schlicht "verrückt" macht.

Zu ganz vielen dieser Themen, von Anatolien über Istanbul nach Tripolis, weiter nach Marxloh und dann nach Brüssel und erneut weiter nach Paris und London sozusagen, gibt es ganz klare und offensichtliche Wahrheiten, die für jeden mit sehenden Augen und halbwegs klarem Verstand offen liegen. Man braucht kein Raketenwissenschaftler zu sein um diese zu erkennen und anerkannte Fachleute - wirkliche Fachleute, keine Fensterredner - wiederholen diese Wahrheiten auch immer wieder und immer wieder. Und trotzdem hat das keine Wirkung, obwohl die Dinge so offensichtlich sind und die Lösung so klar. Wie in einem Paralleluniversum, bewegt sich der politisch Diskurs in einer Scheinwelt, die kaum mehr zu ertragen ist und Änderung ist in keinster Weise in Sicht, aus absolut keiner Richtung.

Dabei müsste man nur mal unvoreingenommen *Hinschauen*. Hinschauen!

Aber schon das ist wohl zu viel verlangt. Es ist schon bemerkenswert, dass die Diskussion um "Fake-News" - die es unter dem Namen "Desinformation" schon seit der Steinzeit gegeben hat - gerade jetzt aus der Politik heraus geschürt wird, wo sich die Politik scheinbar in einer Berliner Filterblase befindet, die man eher als "Fake-Universum" beschreiben könnte. Ob da wohl ein Zusammenhang existiert? 😉

Damals beim Wechsel von Bonn nach Berlin, haben kluge Köpfe genau vor dieser Abschottung gewarnt, die im kleinen, beschaulichen Bonn nicht möglich war, das dem Land als Bundeshauptstadt gut zu Gesicht gestanden hat. Nun haben wir den Salat, aber auch das waren eben kluge Fachleute, die nicht gehört wurden - wieder mal. Insofern kann man eine direkte Linie von Kohls Kanzleramtsbau zu Erdogans Sultanspalast ziehen. In beiden Fällen geht es um Abschottung, Machtprojektion und Abgehobenheit, auch wenn Erdogans peinlicher Schnörkelbunker sicher noch zwei Nummern schlimmer ist, als Kohls Kanzleramt. Einer gesunden Demokratie, in der die Interessen des Volkes wirklich von echten Abgeordneten vertreten werden, sind diese Abschottungen auf jeden Fall zutiefst abträglich.

Ich erinnere daran, dass im Weissen Haus nicht nur gelebt wird, sondern die Amerikaner grossen Wert darauf legen, dass ihr(e) Anführer(in) Familien mit Kindern haben. Denn Kinder machen demütig, motivieren uns, uns für ihre gute Zukunft zu engagieren und zwingen uns immer wieder, uns der Realität zu stellen, statt uns in eine Scheinwelt zurück zu ziehen. Nein, im Weissen Haus sitzt auch die Presse in eigenen Räumen und wenn man zum Oval Office über den Rasen läuft, kann man spielenden Kindern begegnen - wenn auch immer mit einem Herrn vom Secret Serivce mit kritischem Blick in der Nähe, aber das muss wohl sein, die Welt besteht eben nicht nur aus Engeln.

Es wird aber vieles dafür getan, das weisse Haus nicht nur zu einem abgehobenen Regierungsbunker, sondern zu einem Ort des Lebens zu machen, der in die reale Welt eingebettet ist. Es zeichnet gute demokratische Systeme eben aus, dass ihre Anführer mitten im Leben stehen und auch dass sie eigene Berufe und Fähigkeiten haben, die über das politische Dasein hinaus gehen. Denn wenn man selber noch im Leben steht, reicht es oft einfach mal *Hinzuschauen* und man braucht dann keine Einflüsterer und Demoskopen mehr, um eine Scheinwelt der Bürger zu zeichnen, man spürt selber in den Knochen, was wirklich los ist.

Aber "Hinschauen" wurde im von den Parteien deformierten politischen System Deutschlands scheinbar verlernt. Und ich kann es nicht ändern, auch wenn ich gerne würde. Und deshalb sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können, so zum Beispiel was wir im Depot haben und was nicht.

Und dabei gibt es ja auch das Problem des *Hinschauens*, denn unverändert wird herum spekuliert, wie es nun mit den Börsen weiter geht. Damit lassen sich ja auch so schöne Klicks generieren und die grossen Schwadronierer mit den lautstarken Prognosen sind medial immer erfolgreicher, als der differenziert argumentierende und sich seiner eigenen Begrenzungen bewusste, echte Börsen-Fachmann.

Wir sollten unsere Zeit aber nicht damit verbringen, was andere glauben, wie der Markt sich weiter entwickeln wird. Denn den Markt interessiert das herzlich wenig und im Zeitalter der Algos, werden die Erwartungen der menschlichen Herde sogar ganz gezielt abgeschöpft.

Wir schauen einfach ganz rational auf das was ist. Wir pflegen eben das *Hinschauen*. Und das liefert uns ganz erstaunliche und klare Aussagen.

Denn wenn wir den Leitindex S&P500 betrachten, sind zwei Aussagen wahr:

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Der eine grosse Schuss der Bären

Montag 27.03.17 08:50 Uhr kurz vor Handelsstart.

Letzten Mittwoch habe ich Ihnen in -> es zählt nicht bis es zählt <- den Ablauf einer "erfrischenden" 5-10% Korrektur gezeigt.

Nachdem Trump nun letzten Freitag seine Unerfahrenheit im Umgang mit der "Schlangengrube" Washington gezeigt hat, haben die Bären diese Woche die grosse Chance, endlich mal ihre Krallen zu wetzen und er Welt zu zeigen, dass sich doch nicht völlig kastriert wurden.

Denn es gibt grossen Konsens, dass zumindest ein Teil der Trump-Rally auf positiven Erwartungen an seine Politik beruhte, die teilweise schon im Vorfeld eingepreist wurden.

Dabei geht es dem Markt nicht um die Gesundheitsreform, es geht primär um die grosse Steuerreforn und nachgelagert, aber auch wichtig, um die Infrastruktur-Programme und die Deregulierung im Finanz-Sektor.

Auch wenn diese politischen Absichten am Freitag nicht auf der Agenda standen und Trump weiter voll hinter diesen steht, haben die Erwartungen doch einen Dämpfer bekommen. Denn nun dürfte endgültig klar sein, dass im dysfunktionalen Washington die gesetzgeberischen Blütenträume nicht so schnell umzusetzen sind, wie ein Tweet abzusetzen ist.

Wir sehen heute früh in den Futures schon die Enttäuschungs-Reaktion und die US Futures sind damit *unter* den Werten des Einbruchs von Dienstag - die Definition eines neues Abwärtstrends.

Da ist sie also, die grosse Chance der Bären. Diese dürfen sie aber nicht erneut vergeigen und müssen nun nachsetzen. Denn wenn der Markt trotz dieser Ausgangslage erneut nicht ernsthaft korrigieren kann, kann man das mit einer Totalkapitulation der Bären gleichsetzen.

Gleichzeitig aber, ist es abseits solcher kurzfristig-taktischer Erwägungen für uns wichtig uns bewusst zu machen, dass diese aktuelle Rally eben nicht nur auf hoch geschossenen Erwartungen, sondern auch auf real guten Konjunkturdaten beruht. Auch ist die Skepsis bei den Profis aktuell schon hoch, alle erwarten diese Korrektur, die die Bären diese Woche endlich in Angriff nehmen könnten.

Und weil das so ist und so viele darauf warten in den Markt einsteigen zu können und weil "hope springs eternal" - sprich schon bald wieder neue Erwartungen an die Steuerreform geschürt werden dürften, bleibe ich bei meinem Chart von letzten Mittwoch als wahrscheinlichem Verlauf. Hier ist es erneut:

Wir haben nun also ein paar Prozent Luft nach unten, im S&P500 bis ca. 2.200, dann sollten wir damit rechnen, dass die "Schnäppchenjäger" schon wieder massiv unterwegs sind und der übergeordnete Aufwärtstrend uns doch erhalten bleibt.

Das ist ein Szenario unter mehreren, aber das in meinen Augen nach wie vor wahrscheinlichste.

Ihr Hari

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Es zählt nicht bis es zählt

"It doesn´t matter until it matters" - es zählt nicht bis es zählt - ist ein bekannter Merksatz erfahrener Marktbeobachter.

Er drückt aus, dass all die vorgeschobenen Gründe warum der Markt eine Bewegung macht, oft eben bestenfalls ein Anlass sind und kein Grund.

So auch gestern, wie "aus dem Nichts" drehte der US Markt präzise um 14:30 Uhr MEZ mit Beginn des US-Handels. Noch Minuten vorher, war im Future nichts zu sehen, hier hat also grosses Geld offensichtlich "den Hebel umgelegt". Und den DAX, der ja von ausländischen Anlegern dominiert wird, zog es logischerweise mit nach unten.

Im Nachhinein wird nun in den Medien die ja immer "Gründe" liefern müssen argumentiert, dass die Probleme vor denen Trump aktuell im Repräsentantenhaus bei der Umsetzung der Gesundheitsreform steht, allgemeine Sorgen hinsichtlich seiner Durchsetzungsfähigkeit, insbesondere im Bereich Steuern und Infrastruktur, ausgelöst hätten.

Da ist auch was dran, der Zusammenhang ist da. Nur ist das trotzdem keine sinnvolle Begründung, warum der Markt gerade gestern mit Handelsstart zu fallen begonnen hat. Es ist ein Anlass, aber kein Grund. Denn Gründe sich im obigen Sinne zu sorgen, gab es auch in den vergangenen Wochen mehr als genug, nur hat es den Markt nicht interessiert. Es zählt eben nicht, bis es zählt.

Viel passender ist da die Metapher eines reifen Apfels. Man kann von aussen erkennen, dass der Apfel überreif ist und man konnte erkennen, dass dieser Markt für eine Korrektur überreif war - die Signale waren deutlichst an der Wand.

Aber man kann nicht vorher sehen, wann genau der Apfel fällt. Manchmal bleibt er beim ersten Sturm noch erstaunlicherweise dran, um dann Tage später bei einem vergleichsweise lauen Lüftchen abzufallen.

So ist es auch mit dem Markt und mit der potentiellen Korrektur. Es spricht viel dafür, dass wir hier den Beginn einer höchst gesunden 5-10% Korrektur erleben, die im grossen Bild des S&P500 sich dann so einordnen würde:

Natürlich ist das hier nur ein mögliches Szenario, aber eben ein recht wahrscheinliches, das zur aktuellen Marktmechanik passt.

Eine 6-8% Bewegung bis 2.200-2.250 also, die den Aufwärtstrend erfrischt, aber nicht ausser Kraft setzt. Es ist und bleibt einer der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte, begrüssen wir also diese Korrektur, wenn sie sich nun endlich tatsächlich in Gang setzen sollte.

Logische Gründe für diese Korrektur gibt es so viele wie Sand am Meer. Aber die zählen halt erst dann, wenn sie zählen und die Zeit reif ist. 😉

Ihr Hari

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Die Börsenwetterlage aus der Umlaufbahn

Kann man die ganz grundsätzliche, langfristige Börsenwetterlage in sechs Sätzen und mit einem Chart beschreiben? Ich glaube ja, ich versuche es mal.

Erstens, sind die konjunkturellen Signale rund um den Globus gut und sprechen derzeit gegen eine grosse Baisse. Die Lage ist besser als die Stimmung.

Zweitens, ist die Skepsis im Angesicht der vorhandenen Risiken (Trump, Handelskriege, Eurokrise, EU-Zerfall, China etc) im Markt massiv vorhanden, auch die Bullen schielen permanent zum Notausgang. Ein derartiges Sentiment spricht gegen eine grosse Baisse. Bullenmärkte enden in Euphorie und klettern dagegen eine "Wall of Worry".

Drittens, sind die Kurse nun seit Trumps Wahl permanent ohne Korrektur gestiegen, das macht den Markt anfällig. Eine scharfe Korrektur, dürfte im ersten Halbjahr 2017 nun anstehen, sollte aber den grundlegenden Aufwärtstrend eher nicht stoppen.

Viertens, sind wir gerade Zeuge eines veritablen Ausbruchs aus einer 1,5 jährigen, grossen Konsolidierung im S&P500 und das spricht trotz im ersten Halbjahr anstehender Korrektur, für prinzipiell weiter steigende Kurse und ein gutes Aktienjahr 2017.

Fünftens, befindet sich der Aktienmarkt im grossen, zyklischen Bild sicher eher im letzten Drittel und der Beschleunigungsphase eines grossen Zyklus. In dieser Phase lassen sich aber typischerweise besonders deutliche Gewinne machen. Eine Topbildung braucht Zeit und geschieht in so einem starken Markt nicht "über Nacht".

Sechstens, sind alle obigen Aussagen natürlich nur eine Momentaufnahme und stehen unter dem Vorbehalt völlig neuer, überraschender Entwicklungen, die der Markt heute nicht kennt und die dann eingepreist werden müssten. Das ist aber eine Binsenweisheit und das Restrisiko, mit dem man immer leben muss. Wer das nicht aushalten kann, ist im Markt fehl am Platz.

Ihr Hari

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Der Mutmacher

Wir haben ja nun einen neuen Bundespräsidenten, der sich als "Mutmacher" versteht. Was ist immer das heisst, "Mut" ist ja eine ebenso schöne Leerformel wie "Gerechtigkeit" - entscheidend ist eher, womit man die Leerformel füllen will.

Das mit dem "Mutmachen" von jemandem wie Steinmeier, der sein ganzes Berufsleben im öffentlichen Dienst in der Politik verbracht hat und auf eine abgesicherte Staats-Pension herab schauen kann, ist aber eine interessante Haltung. Den selbstständigen Unternehmer, der gegen überbordende Staats-Bürokratie kämpft und um jeden Kunden ringt, kann er nicht meinen, dazu fehlt der Bezug. Den Arbeitnehmer mit Mini-Rente (die aber ist sicher ;)), der jeden Euro umdreht und am stärksten unter dem schwachen Euro leidet, kann er auch nicht meinen, auch dazu fehlt der Bezug.

Aber vielleicht will er ja der Politik "Mut machen", mal sinnvolle Ordnungspolitik zu betreiben und an die langfristige Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Landes sowieso seine staatstragenden, steuerzahlenden Bürger zu denken. Dann fände ich das mit "Mut machen" richtig gut, alleine mir fehlt der Glaube an diese Interpretation. Wir werden sehen, womit diese Worthülse gefüllt werden wird.

Weil wir es aber gerade mit dem Mutmachen haben, will ich auch Ihnen als Anleger ein wenig "Mut" machen.

Denn ich denke Sie bemerken es auch, dass eine Art Beruhigung einzutreten scheint, was die Fragezeichen rund um Steinmeiers "Hassprediger" Donald Trump angeht. Aussenpolitisch wurde in diversen Terminen zuletzt Berechenbarkeit und eine gewisse Stetigkeit bewiesen. Die all zu grossen Sorgen, dass Trump die Welt sofort total auf den Kopf stellen würde, dürften übertrieben gewesen sein. Er wird sie schon auf den Kopf stellen, das ist recht wahrscheinlich, es dauert nur länger. 😉

Für den Markt ist das positiv, denn der kann sich damit zunächst auf die wirtschaftlichen Konsequenzen der Politik Trumps konzentrieren und diese sind für die US zunächst positiv. Und mit dem Versprechen aggressiver Steuersenkungen, gibt es nun auch einen neuen "Buy the Rumor" Katalysator. Irgendwann werden auch diese Hoffnungen und Versprechungen einen Realitätscheck machen müssen und dieser wird wohl nicht uneingeschränkt positiv ausgehen und mit einer Korrektur enden, aber dieser Tag ist wohl nicht heute.

Diesem eher bullischen Aufwärtsdruck der von der Wallstreet kommt, steht dagegen die berechtigte Sorge gegenüber, dass es den Euro und Europa zerlegt, denn die systemimmanenten Spannungen werden grösser. Zwischen diesen beiden Polen muss der Markt nun navigieren, wobei die US mit ihrer Politik eindeutig der grösste Gorilla im Raum sind. Insofern kann man in den kommenden Wochen in den US von einer eher positiven Marktentwicklung ausgehen, die aber immer wieder durch Schreckmomente und sorgenvolle Aufwallungen unterbrochen wird, die eher aus Europa kommen werden und die hiesigen Märkte belasten.

Im Leitindexx S&P500, sehen wir ganz eindeutig einen bestehenden und immer wieder bestätigten Aufwärtstrend seit Trump gewählt wurde:

Dieser Trend hatte zuletzt nachgelassen, durch die Hoffnung auf Steuersenkungen aber letzte Woche wieder Fahrt aufgenommen. Aber ganz egal wie wir das interpretieren, wir stellen uns *nicht* gegen so einen Trend. So einen Trend geht man mit, bis er irgendwann bricht und dann erst steigt man aus. Alleine die Frage wie sehr man sich dabei exponiert, ist diskussionswürdig. Und in Anbetracht der erhöhten Risiken, dürfte etwas erhöhter Cash, derzeit weiter keine schlechte Idee sein.

Ich kann das hier im freien Bereich nicht oft genug wiederholen, es bringt nichts sich gegen den Markt zu stellen und klüger als dieser sein zu wollen. Die wichtige Fähigkeit für Börsenerfolg ist nicht, mit der nicht vorhandenen Glaskugel schon heute wissen zu wollen, wann dieser Markt in eine Korrektur wechselt. Die Kunst ist, wenn es passiert, dann schnell und konsequent zu handeln. So wie es auch die Kunst war, nach der Wahlnacht von Trump schnell und konsequent zu handeln, danach war noch mehr als genug Zeit den steigenden Kursen zuzuschauen. Abwärts geht es am Markt zwar immer etwas schneller als aufwärts, das Prinzip ist aber das Gleiche.

Übrigens, was Gold macht, sieht weiter sehr konstruktiv aus, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, dass die Wallstreet gerade "Risk ON" spielt, was für Gold eher ein Kontraindikator ist. Wer sich gegen Wirrungen und Irrungen rund um den Euro etwas absichern will, ist hier wahrscheinlich ganz gut aufgehoben:

Geben wir also den Steinmeier, haben wir Mut! 😉

Ihr Hari

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Diamantenfieber oder das Geheimnis des Marktes

Am 17.06.16 - also vor einem guten Monat - habe ich vor dem Brexit, für die Mitglieder im Premium-Bereich den folgenden Artikel unter dem Titel "Diamantenfieber" geschrieben.

Nun werden Sie sich denken: "Warum soll ich denn einen über einen Monat alten Artikel lesen? Nichts ist so alt, wie eine alte Zeitung!"

Sie müssen natürlich gar nichts, Sie sind ja freiwillig hier. Sie dürfen nun also gerne wieder wegklicken.

Ich kann Ihnen nur sagen, es hat natürlich einen Grund, warum Sie den alten Artikel lesen sollten. Denn es vermittelt eine wichtige Wahrheit zum Markt.

Die Wahrheit, dass man keine wilden Spekulationen und Prognosen braucht, um am Markt erfolgreich zu sein und auch kein Herumraten, ob der Brexit oder irgend ein anderes Ereignis, nun so oder so ausgehen wird.

All diese -> Prognosiritis < -, verstellt uns nur den Blick auf das Wesentliche.

Denn das Wesentliche findet in den Märkten jeden Tag vor unserer Nase im "Hier und Jetzt" statt. Alleine das genau zu beobachten und aus dem Marktverhalten rationale Schlüsse zu ziehen, verschafft uns mehr Vorteil, als drei wilde Prognosen oder Spekulationen gleichzeitig.

Und wenn Sie den folgenden Artikel von vor dem Brexit lesen, werden Sie verstehen was ich meine:

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Was tun zwischen Crashpropheten und Gesundbetern?

Montag 24.08.15 08:30 Uhr vor Handelseröffnung.

Die Märkte haben ausgelöst durch Sorgen um China, zur stärksten Korrektur seit 2011 angesetzt. Und das mediale Crescendo schwillt wie immer an.

Mittendrin der verunsicherte "normale" Anleger, der doch eigentlich nur ein klein wenig Rendite für sein hart erarbeitetes Kapital erzielen will. Und dann liest dieser Anleger das Eine und das Andere und ist am Ende noch verunsicherter als zuvor.

Mit diesem Beitrag will ich versuchen, diesen Anlegern ein klein wenig Orientierung im Chaos zu bieten. Wer mehr Orientierung und Sicherheit will, muss Mitglied der Mr-Market Community werden.

Wenn Sie nun aber von mir erwarten, dass ich Ihnen hier - natürlich kostenlos - exakt sagen kann, was die Zukunft bringt und was Sie konkret nun machen sollen, dann jagen Sie in Naivität immer noch einer Illusion hinter her.

Denn das kann niemand. N.I.E.M.A.N.D!

Aber es gibt genügend, die es behaupten.

Da finden Sie auf der einen Seite die "Crashpropheten". Die kommen jetzt natürlich mit der Bugwelle des "habe ich es nicht immer schon gesagt?" aus ihren Löchern und haben mal wieder die volle mediale Aufmerksamkeit.

Dabei sind diese Leute völlig diskreditiert und kaum jemand hat mehr Schaden in den Depots normaler Anleger angerichtet. Wenn Anleger seit Jahren diesen geradezu historischen Bullenmarkt verpasst haben, dann liegt das zu einem guten Teil an diesen "Crashpropheten", die seit Jahren vom bald bevor stehenden Untergang schwafeln.

Aber Crashprognosen funktionieren halt medial und das primäre Interesse der Medien ist ja letztlich nicht, das "Richtige" den Lesern zu schreiben, sondern eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzielen.

Eine abgewogene, differenzierte Betrachtung kann sowieso nur eine Minderheit aufnehmen. Die Mehrheit will einfache Aussagen und nicht mehr als ein paar Sätze lesen, alles andere ist zu anstrengend. Und wenn dann die "Prognosen" dem eigenen Bias entsprechen, werden sie besonders gerne aufgenommen und mit "Likes" versehen, wir Menschen suhlen uns halt am liebsten im eigenen Sumpf.

Auf der anderen Seiten haben wir aber die "Gesundbeter". Die erzählen die Geschichte davon, dass man ja einfach dabei bleiben muss, dass man ja nicht in Panik verfallen sollte und glauben schon jetzt wieder zu wissen, dass dieser Einbruch eine "Kaufgelegenheit" sei.

Mit Verlaub, auch das ist viel zu dünn. Diese Stimmen kommen besonders gerne von Vertretern der Finanzindustrie, so zum Beispiel von Fundmanagern. Normale Anleger müssen sich einfach klar machen, dass auch diese Eigeninteressen haben. Denn basierend auf den aktuellen Vergütungsstrukturen mit festen Verwaltungsgebühren von 1-2%, haben Fundmanager vor allem ein Interesse: Dass möglichst viel Kapital im Fund bleibt.

Sie werden von jemandem der sein Gehalt mit Anlegergeld verdient - ausser den Besten - also in der Regel nie lesen, dass die Anleger nun schnell verkaufen sollten, damit würde er sich ja ins eigene Fleisch schneiden. Das wäre erst dann anders, wenn es andere Vergütungsstrukturen gäbe, die weniger auf festen Gebühren, sondern mehr auf Performance basieren. Davon sind wir aber weit entfernt.

Nun will ich nicht die Branche über einen Kamm scheren, es gibt auch lobenswerte Ausnahmen, die zu ihren Anlegern Klartext reden. Trotzdem macht es Sinn sehr skeptisch zu sein, wenn die Finanzindustrie anfängt, mitten im Absturz die Anleger "zu beruhigen". Eigeninteressen zu vermuten, ist hier dann sehr naheliegend.

Und so stürzt auf den normalen, nach Orientierung suchenden Anleger, in solchen Phasen ein medialer Schwall ein, der ihn am Ende noch verunsicherter macht, als er vorher schon war.

Wenn man so will, behaupten alle zu wissen was los ist, aber alle reden etwas Unterschiedliches. 😉

Was also tun?

Sie sehen daran, dass kein Weg daran vorbei führt, eine eigene, fundierte Sicht zu entwickeln. Und das kann man nur dann erreichen, wenn man genügend Zeit investiert hat, um die Märkte zu verstehen. Und man kann es auch nur dann erreichen, wenn man sich -> seriöse und belastbare Informationsquellen <- aufgebaut hat. Glaubt man darauf verzichten zu können und hat man keine eigene Orientierung, ist man in so Phasen "Freiwild" und macht garantiert im falschen Moment das Falsche.

Dieses Wissen und diese Sicherheit kommt aber nicht umsonst und nicht alleine. Dafür muss man etwas tun. Warum soll es auch beim Wissen um Finanzthemen anders sein, als bei allen anderen komplexen Wissensgebieten?

Ich will Ihnen an dieser Stelle daher ein paar wichtige Regeln und Fakten in Erinnerung rufen, vielleicht helfen Sie ja ein wenig. Und ich benutze dafür nur eher kurze Sätze, ohne diese zu begründen. Die Begründung würde den Artikel zu lang machen, die findet sich im Premium-Bereich.

Am Ende kenne aber auch ich die Zukunft nicht, denn die ist noch nicht geschrieben. Und natürlich macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob die FED nun auf ihrem Kurs bleibt oder nun auch in Panik verfällt und ein neues QE auflegt.

Und da diese Zukunft noch nicht geschrieben ist, kann es auch keine Sicherheit bei den Erwartungen geben. Aber es gibt Muster und Wahrscheinlichkeiten und die zu kennen, kann immens helfen.

Und ich will deshalb nun zehn Muster und Wahrscheinlichkeiten in Erinnerung rufen.

(1)

Die US Indizes hatten durch den Einfluss der Notenbank seit Jahren keine Korrektur von 10% und mehr. Das ist höchst ungewöhnlich, überfällig und eine Verzerrung der Normalität. Wenn sie jetzt kommt, ist es das Normalste der Welt.

(2)

Runter geht es immer viel schneller und heftiger, als aufwärts, weil alle gleichzeitig raus wollen. Ob und wann der aktuelle Einbruch kommen würde, war im Vorfeld nicht exakt vorher zu sehen. Die Heftigkeit aber schon und war in der Community mehrfach Thema.

(3)

Da die natürlichen Zyklen durch die Notenbanken gestreckt wurden, muss man damit rechnen, dass auch die Gegenbewegung nach unten besonders "gestreckt", sprich aggressiv ausfällt. Vorsicht ist also angeraten, denn "tiefer geht immer!"!

(4)

Die Crashgefahr an Märkten ist nicht dann am Höchsten, wenn diese nach oben ausbrechen. Dann ist sie fast Null. Sie ist dann am Höchsten, wenn die Märkte schon angeschlagen sind - wie jetzt. Wenn dann noch eine böse Überraschung dazu kommt, mit der niemand gerechnet hat, kann sich eine Panik entwickeln, weil alle gleichzeitig zum Ausgang rennen, aber nicht gleichzeitig durch passen. Ein Crash ist immer noch unwahrscheinlich, aber nun zumindest theoretisch möglich. Jahrelang war er nur medialer Blödsinn, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

(5)

Bärenmärkte laufen nicht gleichmässig abwärts, sondern sind permanent von starken Erleichterungsrallys unterbrochen. Und in der Gegenbewegung weiss man nie sicher, ob das nun "der" Boden ist oder nur eine weitere nutzlose Gegenbewegung, bevor es weiter runter geht.

(6)

Das Marktsentiment der Anleger ist nun so angeschlagen und negativ und die Absicherungsquote der Profis so hoch, dass in dieser Woche - nach initialer Schwäche am Montag - eine Gegenbewegung nach oben nun hoch wahrscheinlich ist.

(7)

Falls wir nun den Beginn eines Bärenmarktes erleben sollten - ich betone den Konjunktiv - dann wird sich das daran zeigen, wie der Markt mit dem Rebound umgeht, der nun wahrscheinlich ist.

Wenn der schnell wieder verkauft wird, wird es sehr gefährlich! Wenn wir aber ein Marktgeschehen wie im Oktober 2014 erleben, haben wir gerade eine geniale Kaufgelegenheit. Vorher kann man das nicht wissen, erst die Beobachtung des Rebounds gibt uns die Signale!

(8)

Betrachte ich aber die Konjunkturentwicklung in den US, ist eine "gesunde" Korrektur wahrscheinlicher, als dass wir den Beginn eines grossen Bärenmarktes erleben. Aber auch eine "gesunde" Korrektur kann sehr schmerzhaft sein, wenn sie Wochen andauert und 20% nach unten geht.

(9)

Es gibt in meinen Augen einen einzigen Sachverhalt, der tatsächlich einen massiven Crash/Meltdown der Aktienmärkte hervor rufen kann.

Das ist nicht China, auch das Thema wird eingepreist und sich beruhigen. Es ist schon gar nicht Griechenland. Es ist auch nicht die FED Zinserhöhung, die wird sowieso nur marginal, wenn sie überhaupt kommt. Und es sind auch nicht die Emerging Markets, die sind im "Crash" schon mittendrin und auch das wird sich wieder ausschwingen, zumal der Dollar gerade wieder fällt und damit etwas Druck nimmt.

Die wirklich grosse Gefahr ist, dass die Märkte das Vertrauen in die vermeintliche Allmacht der Notenbanken verlieren. Denn ohne die Notenbanken, wären die Kurse nicht so weit oben, wie sie nun sind. Und es gibt Anzeichen, gerade in China aber auch in Japan und in den US, dass dieses Vertrauen bröckelt. Das ist die wahre Gefahr und wenn die Notenbanken als "lender of last resort" in Frage gestellt werden, *dann* haben wir eine echte Krise.

(10)

Langfristig werden die Märkte wieder steigen und der DAX wird 20.000 erreichen. Das stimmt und passiert ganz sicher. Aber auch das ist eine Nullaussage, denn langfristig sind wir alle tot. Historisch haben die Märkte aber auch schon mal über 20 Jahre gebraucht, bis sie nach einem schweren Einbruch wieder die alten Höchststände erreicht haben.

Was nützt also die Erkenntnis von "DAX 20.000 irgendwann" dem Pensionär, der seinen Lebensabend zu einem guten Teil aus seinem Depot aufhübschen will? Und das heute? Für den macht es einen riesigen Unterschied, ob die Märkte nun 60% fallen oder gleich wieder steigen.

So weit die zehn Punkte, die ich in Erinnerung rufen wollte.

Da Bilder aber mehr sagen als tausend Worte, zeige ich Ihnen nun als Orientierung, wie eine klassische Topbildung in S&P500 und DAX aussehen könnte.

Ich betone den Konjunktiv, das ist nur eines der möglichen Szenarien, die Zukunft ist unbestimmt und niemand kennt sie - N.I.E.M.A.N.D!

Wenn jetzt zum Beispiel die FED kalte Füsse bekommt und nun ein neues QE indiziert und damit den "Race to the Bottom" in eine neue Runde treibt, dann sind wir in einem völlig anderen Spiel und dann werden wir ausgehend von den aktuellen Niveaus wieder so ein "V"-Reversal wie im Oktober 2014 erleben. Das kann man vorher nicht wissen und darüber zu spekulieren macht keinen Sinn.

Aber trotz dieser prinzipiellen Unsicherheit der Zukunft, ist es trotzdem hilfreich sich klar zu machen, wie so ein Ablauf einer Korrektur und/oder Topbildung klassischerweise aussehen könnte. Denn es zeigt zum Beispiel, dass heute eher nicht der Tag ist, um nun auch noch als Letzter in Panik zu vefallen. Wenn man in Panik verfallen will, dann war letzten Mittwoch ein guter Tag dafür. Oder dann eher in der Zukunft, wenn der Rebound wieder verkauft werden sollte oder noch schlimmer - diese Woche gar nicht kommt.

Hier nun wie eine klassische Topbildung im Leitindex S&P500 aussehen könnte, wenn sie denn so kommt. Das ist nur ein Szenario unter vielen und keine Prognose und soll einfach nur typische Abläufe deutlich machen.

S&P500 23.08.15

Und das hier wäre das Bild des DAX, wenn sich die US Indizes wie oben verhalten sollten. Letztlich kann man den DAX als Hebel auf die US Indizes betrachten. Ein echtes, dauerhaftes Eigenleben hat er nicht, sprich wenn es in den US runter geht, kann sich dem auch der DAX nicht entziehen:

DAX 23.08.15

So ..... das war schon wieder ein umfangreicher Artikel, obwohl ich ihn ganz bewusst einfach gehalten habe.

Geht es noch einfacher?

Wenn Sie seriös über die Märkte schreiben wollen kaum. Wenn Ihnen das wieder zu lang war, wünsche ich viel Erfolg bei den Überbringern der einfachen Weisheiten und Lösungen, von denen gibt es ja genug.

Ich hoffe es war trotzdem hilfreich an dieser wichtigen Wegscheide.

Ihr Hari

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Verfrühstückt – Die Marktlage des DAX im griechischen Chaos

In Anbetracht der starken Volatilität im Markt und der bedeutenden Entwicklungen, gibt es die tägliche, morgendliche Marktlage, die um 08:20 Uhr im Premium-Bereich erschienen ist, heute ausnahmsweise nur wenig später auch mal im freien Bereich.

Guten Morgen!

Der Berg kreiste und gebar die erwartete Maus. Aber der Markt hat klar sein Urteil gefällt und hakt das Thema Griechenland ab. Die DAX Futures stehen vor Handelsstart bei knapp unter 11.600!

Sie sehen nun, warum ich letzten Mittwoch klar gesagt habe, dass jeder nun eine Entscheidung treffen muss. Denn zum Einstieg wird nicht geklingelt und wenn man darauf wartet, bis "alles klar" ist, liegt der wesentliche Teil der Bewegung schon hinter einem.

Dass es bei einer positiven Auflösung so massiv nach oben gehen würde, hat uns der Markt auch schon im Vorfeld gezeigt und ist keineswegs überraschend. Erinnern Sie sich an den Hoffnungs-Schub vom 10.06.? Der gab klare Indikation, was in dem Markt steckt und ich habe das mehrfach entsprechend kommentiert.

Ist damit nun das "all clear" Signal für zögerliche Anleger da? Leider Nein.

Denn der Markt funktioniert eben anders und vor allem schneller, als unsere zögernden Hirne. Die grössten Chancen sind dann, wenn die grösste Unsicherheit herrscht. Wenn aber alles klar erscheint, ist das auch in den Kursen und schon verfrühstückt.

Ich habe Ihnen Mittwoch letzte Woche in deutlichen Worten geschrieben, dass nun der beste Zeitpunkt seit April ist, sich im Markt zu exponieren. Das war auf den Punkt. Und was ist nun? Leider ist nun, bei DAX 11.600 *nicht* mehr der optimale Punkt um sich im Markt zu exponieren.

Aber auch nicht der Schlechteste, wir haben nun einfach eine Grauzone, in der der Markt durch Griechenland hindurch schaut und sich neu positionieren wird.

Denn ich denke, dass der DAX mit den 800 Punkten, die er von grob 10.800 auf nun 11.600 hoch gelaufen ist, die Erleichterungs-Rally aus der Griechenlandsaga weitgehend verfrühstückt hat. Das zumal hier nun die Abwärtstrendlinie herunter kommt.

Es ist auch klar, wenn wir uns das grosse Bild deutlich machen. Der DAX hat ja nicht nur wegen Griechenland korrigiert, sondern auch, weil er schlicht überhitzt war. 11.600 ist ein sinnvolles Konsolidierungsniveau auch ohne das griechische Desaster.

Ich erinnere an meinen Artikel von Ende April -> Sell in May und der Supervulkan <-, in dem auch ohne griechische Pirouetten von einer Konsolidierung bis ca. 11.000 über den Sommer ausgegangen wurde.

Und wenn wir uns mal gedanklich vom griechischen Gezappel lösen und uns wieder das grössere Chartbild des DAX anschauen, das wir hier so oft vor Augen hatten, dann ist doch bisher im Rahmen einer Korrektur im bullischen Aufwärtstrend alles in Perfektion gelaufen.

Wir hatten eine 1-2-3 Korrektur bis zum 200er EMA und zum 38er Fibo Retracement, haben genau in der 10.600-11.000 Zone gedreht und genau das gemacht, was ich schon vor Monaten sagte: Unter 11.000 hat der DAX wohl mittelfristige Kaufkurse:

DAX 23.06.15

Im Nachhinein wird man sich fragen, warum man bei dieser klaren Struktur nicht zugegriffen hat. Denn klarer wird es nie sein, als es hier war. Gäbe es in diesen Momenten keine Unsicherheit, wären die Kurse nicht unten, sondern oben.

Wie geht es also von hier weiter?

Ganz ehrlich, das ist für mich auf der kurzfristigen Zeitebene im Moment ganz schwer zu sagen. Und genau so klar, wie ich den Zeitpunkt der Chance letzte Woche benennen konnte, genau so unklar, ist nun von hier ausgehend die kurzfristige Entwicklung für mich.

Auch im S&P500 bin ich übrigens keineswegs überzeugt, dass der jetzt wirklich nach oben weggeht. Das kann zwar sein, aber ganz ehrlich, eher rechne ich mit einem weiteren Rückfall in die Range und einer Fortdauer der indifferenten, leicht steigenden Seitwärtsbewegung.

Das für mich wahrscheinlichste Szenario ist eine Rückkehr des 1. Quartals. Sprich die europäischen Märkte steigen weiter und die US Indizes kommen nicht vom Fleck. Aber das muss sich erst noch zeigen, wir sollten abwarten, was der Markt daraus macht, wenn er nun durch Griechenland hindurch in die Zukunft zu schauen beginnt.

Fazit in kurzen klaren Worten:

1. Die Rebound-Chancen, die sich aus einer Auflösung des griechischen Debakels ergeben, liegen nicht vor uns, sondern bei DAX 11.600 weitgehend hinter uns. Wer diese Bewegung nun nicht mitgenommen hat, braucht nicht mehr auf sie zu warten.

2. Der S&P500 muss erst einmal beweisen, dass er wirklich nach oben weg kann. Zweifel sind erlaubt.

3. Das politische Risiko, dass doch noch ein Grexit kommt, ist aus Sicht des Marktes nun minimal und ich glaube er hat damit Recht. Sollte dieser Fall aber trotzdem eintreten, gäbe es ein Schlachtfest am Markt, denn nun ist der Markt ungeschützt, Hedges wurden aufgelöst.

4. In den europäischen Märkten kommt es nun sehr auch auf den Euro an. Wenn der wieder fällt und Goldman Sachs hat dafür heute punktgenau an der Wegscheide -> eine Studie in den Markt geknallt <-, dann kehrt im 3. Quartal die Welt des ersten Quartals zurück, mit ihren stark steigenden Kursen in Europa und dem fallenden Euro.

Das für DAX und Co. kurzfristig bullischte Szenario - die Rückkehr des 1. Quartals - tritt also absurderweise genau dann ein, wenn die Eurozone zwar den Grexit verhindert, aber ansonsten weiter herum irrt, herum eiert und noch mehr gutes Geld dem schon verlorenen schlechten hinterher wirft.

Also alles, was mir persönlich als politisch und ordnungspolitisch denkender Mensch den Bauch umdreht und übel aufstösst, wird den Euro drücken und eine Rally befeuern. Und nach dieser Variante sieht es ja wirklich aus.

Jegliche Form von klarem Schnitt aber, egal ob ein echter Grexit oder ein Griechenland in der Eurozone, dass nun endlich mit klaren, harten Massnahmen beginnt, wird den Euro eher stärken. Und damit eine massive Rally in DAX und Co. schwierig machen.

So sehe ich heute früh die Welt. Das "leichte Geld" wurde gemacht, nun blickt der Markt nach vorne und was er sieht ist indifferent. Nach einer Phase der Orientierung, sind aber weiter steigende Kurse in Europa das wahrscheinlichste Szenario.

Denn wie schon im Artikel Ende April gesagt, rechne ich weiter eher mit neuen Höchstständen in Europa zum Jahresende, als mit dem Gegenteil und einbrechenden Kursen. Don´t fight the EZB!

Ich wünsche einen erfolgreichen Tag!

Ihr Hari

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