Euro an der Wegscheide

Die Quartalssaison läuft diese Woche an den Märkten heiss und gleichzeitig hat das Währungspaar EUR/USD einen Stand erreicht, den man glasklar als Wegscheide bezeichnen kann.

Was das bedeutet, soll dieses Chart verdeutlichen:

Seit Anfang 2015, also seit über 2 Jahren, ist der Euro zum Dollar unter 1,15 hin und her mäandriert und hat mehrfach einen Anlauf Richtung Parität vollzogen. Zweimal hat EURUSD darüber hinaus geschaut, einmal in 2015 und einmal in 2016 und in beiden Fällen war spätestens bei 1,17 Schluss und es wurde ein sogenannter "Fakeout", der dann das Signal für eine starke Bewegung in die Gegenrichtung gab. Die Bauernregel dazu lautet im Englischen "From false Moves come fast Moves".

Nun sind wir diesen Sommer - genau jetzt - wieder an so einer Wegscheide. Draghi hat mit seiner Rede in Sintra vor nun bald 4 Wochen dabei kräftig und unfreiwillig mitgeholfen und es ist ihm letzte Woche nicht gelungen, das in seiner Pressekonferenz sofort wieder einzufangen.

Und wie es der Zufall will, steht diese Woche am Mittwoch eine FED-Sitzung an, deren Wortwahl im FOMC Statement erheblichen Einfluss auf den Dollar und damit auf EURUSD nehmen wird.

Wer sich nicht regelmässig mit Börse beschäftigt, wird sich nun vielleicht fragen, was das denn mit dem DAX und anderen Indizes zu tun hat? Die Antwort ist ganz einfach:

In Euro notiert, also am Kursstand des DAX gemessen - wie wir das in der Regel in unseren Euro-Depots haben - ist ein starker Euro Gift für die Kursnotierungen, ein schwacher Euro stützt diese dagegen.

Dass das nur eine nominale Darstellung in Euro ist und die Welt aus Dollarsicht schon wieder ganz anders aussieht, ist denen klar, die die Welt der Währungen durchdringen. Für diesen Post im freien Bereich genügt aber zu verstehen, dass ein Euro, der potentiell nun nach oben wegbricht und die 1,15 nachhaltig hinter sich lässt, massiven Druck auf den DAX ausüben würde.

Diese Lage trifft aber auf einen DAX, MDAX und Co. der nicht nur durch das Desaster um die deutschen Autobauer sowieso schon angeschlagen ist, sondern auch eine derartige Chartstruktur hat, die einiges an Fallhöhe impliziert, falls der Index hier nun nicht bald nach oben dreht:

Auch Sie sollten also diese Woche ein Auge auf den Euro haben. Dreht der hier wieder nach unten, haben wir vielleicht den Tiefpunkt der aktuellen Korrektur schon gesehen bzw sehen ihn bald. Bricht der nun aber nach oben aus, dürfte sich ein Einbruch im DAX unter 12.000 nur schwerlich vermeiden lassen.

Der zweite Hauptfaktor für DAX & Co. dürfte diese Woche die Entwicklung rund um die Autobauer werden. Ohne dass diese sich stabiliseren, wird es der DAX auch ohne den Euro schwer haben, hier wieder nach oben zu drehen.

Das nur zur groben Einordnung dieser Woche aus Sicht der deutschen Indizes.

Im grossen Bild ist das aber wahrscheinlich nichts weiter als die erwartete Unruhe in der grossen "Rumpelphase" des Sommers, deren Umfang und Dauer ich Ihnen schon in -> Der Gründler und der Measured Move <- nahegebracht habe.

Es gibt also Grund zur Vorsicht, Grund zur Panik und für eine bärische Grundhaltung, sehe ich nach wie vor nicht.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der „Gründler“ und der „Measured Move“

Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing < - bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2017 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives < -, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

Und dafür ist Mustererkennung und sind Mechanismen hilfreich, die auch der Bauer anwendet. Bauernregeln eben, die zu 80% eintreffen und auf die man sofort und elegant handeln kann.

Eine dieser "Bauernregeln" ist der "Measured Move". Zu deutsch vielleicht "berechenbare Folgebewegung".

Der Measured Move ist wie jede Bauernregel ein höchst unpräzises Konstrukt, er macht ausschliesslich Aussagen im Sinne "Pi mal Daumen" und ist trotzdem oder gerade deswegen hilfreich.

Lassen Sie mich das Prinzip anhand der steinzeitlichen Jagd erklären, auch ein Fall, in dem der Gründler scheitern würde.

Read more

Korrekturgedanken

Wir stehen vor der besten Korrekturchance an den Märkten seit Trumps Sieg im November letzten Jahres, was ich gestern Abend schon in -> diesem Tweet <- gesagt habe. Überfällig ist so eine "normale" 5-10% Korrektur sowieso schon lange.

Detaillierte Aussagen zu den Zielen, Wahrscheinlichkeiten und Varianten dieses Korrekturpotentials, sind dem Premium-Bereich vorbehalten. Hier im freien Bereich, will ich aber wenigstens ein paar ganz grundsätzliche, grundlegende Worte loswerden, die Ihnen helfen, das Geschehen ein wenig einzuordnen.

Erstens, ist eine solche Korrektur wie oben gesagt nun seit Monaten mehr als überfällig. 5-10% Korrekturen gehören am Markt einfach dazu und wer sich davon in Angst und Schrecken versetzen lässt, darf besser gar nicht an die Börse. Ein Markt der sich zwei Schritte vor und einen zurück bewegt, ist ein gesunder Markt, man nennt das auch Trend.

Zweitens, ist die Wahrscheinlichkeit weiter hoch, dass diese Sommer-Korrektur - wenn sie überhaupt kommt - trotzdem zum Jahresende hin eine Chance und gute Kaufgelegenheit darstellt. Denn wir sind immer noch in einem massiven Bullenmarkt und Anzeichen dass sich das ändert sind bisher weit und breit nicht zu sehen. Betrachten wir diese Korrektur also bis auf Weiteres als gesundes Sommergewitter in einer Hochdruckphase.

Drittens, ist die Sommerkorrektur selbst heute keine Gewissheit, sondern bestenfalls eine 50% Chance. Der Dip-Reflex des Marktes ist so stark, dass man immer mit ihm rechnen muss. Gerade jetzt, kurz vor dem Quartalsende, wäre ein sofortiger Rebound keine Überraschung, das Fenster für weitere Schwäche ist dann eher Anfang Juli.

Viertens, wirkt die Korrektur in Euro-Depots besonders schlimm, weil der Euro nach Draghis Kommentaren gestern eine Rally von fast 1,5% zum Dollar hingelegt hat. Das ist aber aus der Sicht einer Weltwährung eine Illusion, ebenso wie die nominellen "Gewinne" aus einem fallenden Euro in Realität auch nie da waren. Kurz, die "Kaufkraft" Ihres Depots im Weltmasstab, ist gestern weit weniger gefallen, als es das nominelle Minus in Euro erscheinen lässt. Gerade wer einigen Euro-Cash hatte, hat also "profitiert", ohne dass man das in einer Euro-Bewertung eines Depots sehen kann.

Fünftens, war erfahrenen Marktbeobachtern sowieso klar, dass dieser Sommer ein hohes Korrekturpotential hat. Ihnen habe ich das schon vor einem Monat in -> Der Börsen-Juni kurz und klar <- beschrieben. Wer nun im Vorfeld sein Exposure verringert und die Cashquote erhöht hat, darf das Geschehen ganz gelassen betrachten und sich eher auf die kommenden Kaufgelegenheiten freuen, wenn und falls die Korrektur einen Boden findet. Sicher ist auch ein ganz anderer, katastrophaler Ausgang möglich, die Zukunft ist ungewiss. Wir tun aber gut daran, unser Handeln nach wahrscheinlichen Szenarien auszurichten und nicht nach Extremszenarien.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der Börsen-Juni kurz und klar

Ach würden wir alle gerne wissen, wie die nächsten Börsenwochen konkret werden und was könnten wir dann toll Geld verdienen. Konjunktiv eben - hätte, hätte, Fahrradkette. 😉

Dass wir aber die Zukunft nicht kennen und auch Prognosen umso unwahrscheinlicher werden, je lautstärker und überzeugter sie vorgetragen werden, heisst ja im Umkehrschluss nicht, dass wir gar nichts wissen.

Denn der Juni steht nun bevor und mit ihm der Sommerhandel. Da liste ich hier doch mal ein paar Dinge auf, die wir Stand heute 29.05.17 wirklich wissen. Mit diesem Wissen durch die Märkte zu navigieren, ist aber immer noch unsere eigene Aufgabe.

Erstens steht im Juni am 14.06. die nächste FED-Sitzung an, an der schon jetzt in Mehrheit eine weitere Zinserhöhung erwartet wird. Die US Arbeitsmarktdaten diesen Freitag 02.06., werden dafür den Weg weisen.

Zweitens fallen Zinserhöhungen der FED - auch wenn sie in Mehrheit schon erwartet wurden - gerne mit leichter Marktschwäche zusammen. Ein Positivum für den Markt ist es auf jeden Fall nicht.

Drittens haben Juni und August historisch keinen guten Ruf und sind traditionell die beiden schlechtesten Börsenmonate des Jahres an den US Märkten. Nun sind so historische Saisonalitäten keine Garantie, wenn der Markt aber sowieso korrekturreif ist, sollte man sie nicht völlig ignorieren.

Viertens läuft der Markt nun seit der Wahl Trumps im November letzten Jahres ohne ernst zu nehmende Korrektur und jede derartige Strähne endet mal, auch in Bullenmärkten.

Fünftens wird eine Korrektur, wenn sie denn kommt, sich ebenso scharf und schnell in Bewegung setzen, wie der Einbruch am Mittwoch 17.05. vor knapp zwei Wochen, als Enttäuschung über Trump doch plötzlich dem Markt etwas bedeutet hat. Rechnen wir also nicht mit einer langen Vorwarnung.

Sechstens ist der übergeordnete Aufwärtsrtrend aber so stark, dass man von seiner Fortsetzung ausgehen kann. Eine potentielle Juni-Korrektur ist also auch Chance, wenn sie denn überhaupt kommt.

Für mittel- und langfristige Anleger ist die grosse Lage also recht klar. Man kann und darf nun mal ein paar Teilgewinne mitnehmen und das Exposure im Markt über den Sommer hinweg verringern, der Aufwärtstrend dürfte aber auch durch eine theoretische 5-10% Korrektur im Juni nicht in Frage gestellt werden.

Was diese grobe Marktlage für Sie persönlich und Ihr Depot bedeutet, müssen Sie selber wissen, oder zu uns dazu stossen und es mit uns diskutieren.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Charts zum Schaudern

"Eigentlich" ist die Marktlage am Anfang dieser Woche und damit Ende Mai durchaus voller greifbarer Gefahren.

Wir haben einen Leitindex SP500 an einer kritischen Wegmarke, der durchaus reif für eine grössere Korrektur erscheint. So wurde die "Trumpsche Aufwärtstrendlinie" seit seiner Wahl (in blau) durchbrochen, die 2017er Aufwärtstrendlinie wurde getestet und das OBV zeigt im SPY eine sehr klare, negative Divergenz:

Und wir haben in den US diverse Bluechips mit riskanten Chartformationen, die einen eher zum Schaudern bringen. Beispielhaft will ich hier General Electric und JP Morgan zeigen:

Das sind Charts, die eine Menge Abwärtspotential offenbaren. Es muss sich nicht entladen, aber wenn es das doch tut, wird es schmerzhaft.

Gleichzeitig beginnt mit Ende Mai eine Saisonalität, die sowieso den Börsen keine besonderen Bocksprünge mehr erlauben sollte und letzten Mittwoch ist der Markt auch politisch aufgewacht und hat zum ersten Mal eine negative Reaktion auf die politischen Geschehnisse in Washington gezeigt.

In Summe sehr viel gute Gründe, in den Indizes nun mal vorsichtiger zu werden und ein paar Gewinne mitzunehmen. Dem steht nur ein Argument entgegen, das aber bisher in diesem Jahr extrem mächtig war. Eben der Trend selber und damit verbunden die Algos, die dem BTFD (Buy The F***ing Dip) Reflex frönen und konsequent immer dann die menschenlichen Emotionen abgreifen, wenn es zu offensichtlich nach unten zu gehen scheint - so wie jetzt.

Irgendwann wird sich dieser BTFD-Mechanismus umedrehen und dann zu einer besonders aggressiven Abwärtsbewegung führen. Vielleicht ist dieser Tag schon morgen, vielleicht auch erst nächstes Jahr.

Da wir das aber nicht wissen und keine Glaskugel haben, ist erhöhte Vorsicht über den Sommer zwar angemessen, zu einer aggressiven Wette auf fallende Kurse sollten wir uns aber noch nicht hinreissen lassen und lieber abwarten und beim Trend bleiben. Sollte es wirklich abwärts gehen, müssen wir unser Verhalten dann halt anpassen.

Die paar Prozent "zu spät", die man durch diese Geduld aufs Spiel setzt, sind halt der Preis um nicht x-mal zu früh auf die Bremse zu treten und wieder den nächsten Schub zu verpassen, wie so oft in den letzten Monaten. Wer mit dem Trend geht, macht die Sache richtig und nicht wer sich permanent dagegen stellt, weil er es immer besser zu wissen glaubt. Und der übergeordnete Trend ist immer noch weiter hoch, auch wenn er jetzt brechen "könnte", das ist aber eben nur ein Konjunktiv und diesen Konjunktiv hatten wir schon öfter, ohne dass er eingetreten ist.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Alles so ruhig hier?!

Die Ruhe, die der Markt an den Tag legt, ist einfach unwirklich. Sicher, es gab auch in der Vergangenheit sehr ruhige Phasen, in denen der Markt nur hochgeschoben hat. Die 90er Jahre mit der Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs, waren so ein Beispiel.

Aber dieses Mal ist es anders und extremer, schauen Sie mal in diesen Artikel und auf das Chart von LPL Financial: -> Calm before the storm? <-

Wir sehen darin den langfristigen Verlauf des SP500 und parallel die Tage mit weniger als 0,5% Bewegung hintereinander. Das Ergebnis ist beeindruckend, wir leben in einer historisch unvergleichlich ruhigen Phase an den Märkten und das gleichzeitig in einer Zeit voller massiver geopolitischer Risiken. Sehr merkwürdig.

Nun ist die Auswahl der Parameter auch ein wenig Zahlenspielerei um den Punkt heraus zu arbeiten, hätte man statt 0,5% das Doppelte genommen, wäre die Differenz der aktuellen Phase wohl nicht mehr so extrem gewesen. Der gemachte Punkt ist aber trotzdem valide, der Markt hat derzeit einen unwirklichen, artifiziellen Charakter. Dabei wäre eine echte Korrektur schon lange überfällig und auch aktuell kann man wieder denken, dass eine Korrektur sich nun mit einem "Doppeltop" im SP500 in Bewegung setzen könnte.

Und diese unwirkliche Ruhe hat Gründe, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, auch mit der Dominanz der passiven Investmentvehikel wie den ETFs und den Algos zu tun haben. Im Artikel -> Cyberdyne Systems und ob das noch ein menschlicher Markt nach alten Regeln ist <-, habe ich das hier schon thematisiert.

Und im Artikel bei Tichy -> Algos, ETFs, Robo Adviser und ein Truthahn-Leben <- habe ich den Zusammenhang heraus gearbeitet, insofern soll die Ursachensuche hier auch nicht mehr Thema sein.

Ich will statt dessen hier und heute eine Warnung aussprechen, die sich vor allem an die Vielzahl der Marktteilnehmer richtet, die deutlich weniger als 10 Jahre im Markt aktiv sind. Durch den Einfluss der Notenbanken, liegt eben der letzte grosse Einbruch nun 9 Jahre zurück und wer das nicht erlebt hat und insbesondere erst ab 2013 im Markt aktiv wurde, bildet sich nun wahrscheinlich ungeheuer viel auf seine Gewinne ein und geht auch fest davon aus, dass das immer so weiter geht.

Den Schmerz, den Druck, die Panik und die Verzweiflung, die ein Absturz von 60% auslöst, können diese Anleger sich gar nicht vorstellen, wie denn auch. Das sind theoretische Worte aus ferner Vergangenheit, ausgesprochen von "alten Säcken" wie mir.

Erfahrene Anleger dagegen, die das schon einmal erlebt haben, sind in so unwirklich ruhigen Phasen wie aktuell eher nervös. Das schafft auch eigene Probleme, weil man sie dann zu schnell und leicht von einem Crash-Propheten aus dem Konzept bringen lässt und zu früh verkauft. So laufen diese Anleger Gefahr, zu früh auszusteigen.

So werden die einen selbstgefällig in die nächste Krise rennen und zu spät aufwachen und die anderen sind zu früh nervös und verpassen grosse Teile eines Bullenmarktes.

Woran wir sehen, dass es für langfristig orientierte Anleger, die aktiver als stures "Buy and Hold" seien wollen, eine Grundregel gibt. Und das ist die konsequente Trendfolge, die hält einen nämlich bisher *im* Markt und das ist gut so.

Gleichzeitig aber die ebenso harte Disziplin, bei einem Trendbruch konsequent und ohne zu Zögern auszusteigen. Das verhindert nämlich, beim nächsten 60% Krisen-Event wieder bis ganz nach unten dabei zu sein und dann erst im Punkt des maximalen Schmerzes und der medialen Untergangsszenarien zu verkaufen.

*DAS* ist heute mal eine ganze einfache, fast triviale Wahrheit. Aber sie ist eminent wichtig.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Mal Hinschauen!



Ostern liegt hinter uns. Wer nicht in fernen Ländern war, wurde über die Feiertage mit Kälte und Regen "beschenkt" und diese Woche wird es Nachts hier bei uns in Sichtweite der Alpen wieder Bodenfrost geben.

Da können wir wohl fest davon ausgehen, dass es nicht das Wetter in Mitteleuropa ist, das so viele junge, körperlich starke, dunkelhäutige Männer sich von Libyen aus ins Mittelmeer stürzen lässt, in der berechtigten Hoffnung in internationalen Gewässern dann aufgelesen und ins gelobte Land verfrachtet zu werden.

Während wir hier über Ostern eingemummelt sassen und viel gelesen haben, drückte sich die Welt durch alle medialen und realen Ritzen in unsere Hirne. Ohne jetzt hier auf die einzelnen Verrücktheiten eingehen zu wollen, muss ich gestehen, dass die Irrationalität und Ideologisierung, die aus so vielen medialen Zeilen und Politikeraussagen spricht und die Köpfe der Menschen füllt, mich schlicht "verrückt" macht.

Zu ganz vielen dieser Themen, von Anatolien über Istanbul nach Tripolis, weiter nach Marxloh und dann nach Brüssel und erneut weiter nach Paris und London sozusagen, gibt es ganz klare und offensichtliche Wahrheiten, die für jeden mit sehenden Augen und halbwegs klarem Verstand offen liegen. Man braucht kein Raketenwissenschaftler zu sein um diese zu erkennen und anerkannte Fachleute - wirkliche Fachleute, keine Fensterredner - wiederholen diese Wahrheiten auch immer wieder und immer wieder. Und trotzdem hat das keine Wirkung, obwohl die Dinge so offensichtlich sind und die Lösung so klar. Wie in einem Paralleluniversum, bewegt sich der politisch Diskurs in einer Scheinwelt, die kaum mehr zu ertragen ist und Änderung ist in keinster Weise in Sicht, aus absolut keiner Richtung.

Dabei müsste man nur mal unvoreingenommen *Hinschauen*. Hinschauen!

Aber schon das ist wohl zu viel verlangt. Es ist schon bemerkenswert, dass die Diskussion um "Fake-News" - die es unter dem Namen "Desinformation" schon seit der Steinzeit gegeben hat - gerade jetzt aus der Politik heraus geschürt wird, wo sich die Politik scheinbar in einer Berliner Filterblase befindet, die man eher als "Fake-Universum" beschreiben könnte. Ob da wohl ein Zusammenhang existiert? 😉

Damals beim Wechsel von Bonn nach Berlin, haben kluge Köpfe genau vor dieser Abschottung gewarnt, die im kleinen, beschaulichen Bonn nicht möglich war, das dem Land als Bundeshauptstadt gut zu Gesicht gestanden hat. Nun haben wir den Salat, aber auch das waren eben kluge Fachleute, die nicht gehört wurden - wieder mal. Insofern kann man eine direkte Linie von Kohls Kanzleramtsbau zu Erdogans Sultanspalast ziehen. In beiden Fällen geht es um Abschottung, Machtprojektion und Abgehobenheit, auch wenn Erdogans peinlicher Schnörkelbunker sicher noch zwei Nummern schlimmer ist, als Kohls Kanzleramt. Einer gesunden Demokratie, in der die Interessen des Volkes wirklich von echten Abgeordneten vertreten werden, sind diese Abschottungen auf jeden Fall zutiefst abträglich.

Ich erinnere daran, dass im Weissen Haus nicht nur gelebt wird, sondern die Amerikaner grossen Wert darauf legen, dass ihr(e) Anführer(in) Familien mit Kindern haben. Denn Kinder machen demütig, motivieren uns, uns für ihre gute Zukunft zu engagieren und zwingen uns immer wieder, uns der Realität zu stellen, statt uns in eine Scheinwelt zurück zu ziehen. Nein, im Weissen Haus sitzt auch die Presse in eigenen Räumen und wenn man zum Oval Office über den Rasen läuft, kann man spielenden Kindern begegnen - wenn auch immer mit einem Herrn vom Secret Serivce mit kritischem Blick in der Nähe, aber das muss wohl sein, die Welt besteht eben nicht nur aus Engeln.

Es wird aber vieles dafür getan, das weisse Haus nicht nur zu einem abgehobenen Regierungsbunker, sondern zu einem Ort des Lebens zu machen, der in die reale Welt eingebettet ist. Es zeichnet gute demokratische Systeme eben aus, dass ihre Anführer mitten im Leben stehen und auch dass sie eigene Berufe und Fähigkeiten haben, die über das politische Dasein hinaus gehen. Denn wenn man selber noch im Leben steht, reicht es oft einfach mal *Hinzuschauen* und man braucht dann keine Einflüsterer und Demoskopen mehr, um eine Scheinwelt der Bürger zu zeichnen, man spürt selber in den Knochen, was wirklich los ist.

Aber "Hinschauen" wurde im von den Parteien deformierten politischen System Deutschlands scheinbar verlernt. Und ich kann es nicht ändern, auch wenn ich gerne würde. Und deshalb sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können, so zum Beispiel was wir im Depot haben und was nicht.

Und dabei gibt es ja auch das Problem des *Hinschauens*, denn unverändert wird herum spekuliert, wie es nun mit den Börsen weiter geht. Damit lassen sich ja auch so schöne Klicks generieren und die grossen Schwadronierer mit den lautstarken Prognosen sind medial immer erfolgreicher, als der differenziert argumentierende und sich seiner eigenen Begrenzungen bewusste, echte Börsen-Fachmann.

Wir sollten unsere Zeit aber nicht damit verbringen, was andere glauben, wie der Markt sich weiter entwickeln wird. Denn den Markt interessiert das herzlich wenig und im Zeitalter der Algos, werden die Erwartungen der menschlichen Herde sogar ganz gezielt abgeschöpft.

Wir schauen einfach ganz rational auf das was ist. Wir pflegen eben das *Hinschauen*. Und das liefert uns ganz erstaunliche und klare Aussagen.

Denn wenn wir den Leitindex S&P500 betrachten, sind zwei Aussagen wahr:

Read more

Der eine grosse Schuss der Bären

Montag 27.03.17 08:50 Uhr kurz vor Handelsstart.

Letzten Mittwoch habe ich Ihnen in -> es zählt nicht bis es zählt <- den Ablauf einer "erfrischenden" 5-10% Korrektur gezeigt.

Nachdem Trump nun letzten Freitag seine Unerfahrenheit im Umgang mit der "Schlangengrube" Washington gezeigt hat, haben die Bären diese Woche die grosse Chance, endlich mal ihre Krallen zu wetzen und er Welt zu zeigen, dass sich doch nicht völlig kastriert wurden.

Denn es gibt grossen Konsens, dass zumindest ein Teil der Trump-Rally auf positiven Erwartungen an seine Politik beruhte, die teilweise schon im Vorfeld eingepreist wurden.

Dabei geht es dem Markt nicht um die Gesundheitsreform, es geht primär um die grosse Steuerreforn und nachgelagert, aber auch wichtig, um die Infrastruktur-Programme und die Deregulierung im Finanz-Sektor.

Auch wenn diese politischen Absichten am Freitag nicht auf der Agenda standen und Trump weiter voll hinter diesen steht, haben die Erwartungen doch einen Dämpfer bekommen. Denn nun dürfte endgültig klar sein, dass im dysfunktionalen Washington die gesetzgeberischen Blütenträume nicht so schnell umzusetzen sind, wie ein Tweet abzusetzen ist.

Wir sehen heute früh in den Futures schon die Enttäuschungs-Reaktion und die US Futures sind damit *unter* den Werten des Einbruchs von Dienstag - die Definition eines neues Abwärtstrends.

Da ist sie also, die grosse Chance der Bären. Diese dürfen sie aber nicht erneut vergeigen und müssen nun nachsetzen. Denn wenn der Markt trotz dieser Ausgangslage erneut nicht ernsthaft korrigieren kann, kann man das mit einer Totalkapitulation der Bären gleichsetzen.

Gleichzeitig aber, ist es abseits solcher kurzfristig-taktischer Erwägungen für uns wichtig uns bewusst zu machen, dass diese aktuelle Rally eben nicht nur auf hoch geschossenen Erwartungen, sondern auch auf real guten Konjunkturdaten beruht. Auch ist die Skepsis bei den Profis aktuell schon hoch, alle erwarten diese Korrektur, die die Bären diese Woche endlich in Angriff nehmen könnten.

Und weil das so ist und so viele darauf warten in den Markt einsteigen zu können und weil "hope springs eternal" - sprich schon bald wieder neue Erwartungen an die Steuerreform geschürt werden dürften, bleibe ich bei meinem Chart von letzten Mittwoch als wahrscheinlichem Verlauf. Hier ist es erneut:

Wir haben nun also ein paar Prozent Luft nach unten, im S&P500 bis ca. 2.200, dann sollten wir damit rechnen, dass die "Schnäppchenjäger" schon wieder massiv unterwegs sind und der übergeordnete Aufwärtstrend uns doch erhalten bleibt.

Das ist ein Szenario unter mehreren, aber das in meinen Augen nach wie vor wahrscheinlichste.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***