Die Evergrande-Krise 2022



Das "Montags-Video" kommt auch dieses Mal schon am Sonntag, nach 18 Uhr heute werden alle Deutschen sowieso erst einmal nur Anderes diskutieren. 😉

Wenn jetzt Nicht-Mitglieder im freien Bereich diesen Titel sehen, dann werden sie - geprägt von Börsenpornographie - natürlich denken, dass hier jetzt ein "Oberschlauer" eine ganz tolle Prognose zum Geschehen abgibt. Hehe 😀

Schauen sie einfach mal, das Video vermittelt wieder etwas ganz Grundsätzliches und ja, es geht mal wieder um das "Spiel auf dem Platz". Manche Dinge kann man eben nicht oft genug kommunizieren. 😉

Und ja, ich bin in dem Video nun spekulativ davon ausgegangen, dass Evergrande erst im Januar endgültig in den Exitus geht. Vielleicht passiert das auch schon im Oktober oder November oder gar nicht - das ist offen.

Nichts davon ändert aber etwas an den grundsätzlichen Aussagen, nur der Zeitstrahl verschiebt sich, der ist aber sowieso spekulativ um den Punkt deutlich zu machen.

Viel Spaß!

Ihr Hari

Warum Aktien „sicher“ sind und man eine logarithmische Darstellung braucht.

Ich weiss, ich weiss, bei Ihnen renne ich mit dem Folgenden offene Türen ein, zumal Sie es bei mir in etwas anderer Form schon gesehen haben.

Ich gestehe, ich werden diesen Artikel später auch mal im freien Bereich "zweitverwerten".

Trotzdem denke ich, dass diese optisch eindrucksvollen Übersichten es auch für die Minderheit der Aktieninteressierten in Deutschland wert sind, immer mal wieder visualisiert zu werden.

Und wenn ich den Artikel dann im freien Bereich einstelle, dann fordere ich Sie ausdrücklich auf, das mal zögernden und zaudernden Bekannten zu zeigen, die Aktien nicht rundweg ablehnen, aber im Irrglauben feststecken, dass das ja "zu unsicher" sei.

Glücklicherweise pflegt Tradingview immer mehr historische Daten und macht bei Indizes wie dem S&P500 sogar theoretische Rückrechnungen. Der einzige Index, den es aber genau so schon über 100 Jahre wirklich gibt ist der DOW und so wähle ich mal den, auch wenn ich mir -> der Mängel wohl bewusst bin <-.

Hier ist der DOW über mehr als 100 Jahre in logarithmischer Darstellung. Alle folgenden Chart sind "klickbar":

Beeindruckend, oder? Wir sehen die drei großen Korrekturphasen, in denen in Summe nicht so viel zu holen war und wir sehen mit einem Blick, was das für die aktuelle Lage impliziert.

Und nun frage ich Sie:

Ist eine Investition, die trotz Weltwirtschaftskrise, 2. Weltkrieg, Koreakrieg, Kaltem Krieg, Vietnam, Internet-Blase und Lehman über 100 Jahre so eine Entwicklung genommen hat, nun "unsicher"?

Merken Sie, wie Sie von kurzfristigen Ängsten davon abgehalten werden, langfristig das Richtige zu tun?

Sie können ja mal spasseshalber ausrechnen, was daraus geworden wäre, wenn Ihre Eltern bei Ihrer Geburt 10.000 $ für Sie investiert hätten.

Und bitte bedenken Sie, in der Darstellung fehlt die Wirkung der Inflation und die Dividenden, die noch oben auf die Kursgewinne darauf kommen. In Summe gleichen sich beide Effekte mit 2-3% pro Jahr ungefähr aus, weswegen die obige Darstellung ein getreues Abbild der wirklichen Vermögenssteigerung ist.

Nun ist das ja aber eine logarithmische Darstellung, die ein wenig kaschiert, wie brutal die Entwicklung absolut war. Was also absolut aus 10.000 $ wurde, die vor 100 Jahren investiert wurden, können Sie mit der linearen Darstellung erahnen:

Womit uns auch sofort deutlich gemacht wird, warum bei langfristigen Betrachtungen nur die logarithmische Darstellung sinnvoll zu verwenden ist.

So ... jetzt werden einige natürlich fragen, was denn der Liebling der Sicherheitssucher in dieser Zeit gemacht hat, Gold. Denn bei Gold wird auch immer gerne von einem "Investment" geredet, was aber falsch ist, wie ich -> schon hier <- ausführlich erklärt habe. Denn in Geld "investiert" man nicht, man hält es einfach als Wertspeicher, ohne Rendite-Erwartung.

Leider habe ich keine Daten für Gold, die 100 Jahre zurück reichen, aber ich habe die Daten des größten Handelsplatzes der COMEX, die zumindest über 40 Jahre bis 1975 zurück reichen.

Und hier ist der Vergleich, der sogar noch zugunsten von Gold "geschönt" ist, weil auf beide Werte wirkt die hier nicht eingearbeitete Inflation, beim DOW kommen aber noch Ausschüttungen in Form von Dividenden als Ausgleich dazu, die es bei Gold nicht gibt.

Inflationsbereinigt, hält Gold einfach mehr oder weniger seinen Wert, ein klarer Vorteil gegenüber Papierscheinen unter dem Kopfkissen, aber nicht vergleichbar mit einer echten Investition in Produktiv-Vermögen, die echtes Vermögenswachstum durch Innovation generiert:


Wir sehen hier eindrucksvoll, was ich schon oft gesagt habe:

Gold ist das ultimative Geld, weil es einen eingebauten Schutz gegen Entwertung in sich trägt. Wer seine Kaufkraft langfristig einfach nur erhalten will, fährt mit Gold gut!

Gold ist aber *kein* Investment und jeder große Aktienindex ist Gold langfristig vorzuziehen, weil hier durch Innovation echter Mehrwert geschaffen wird. Was ein Investment in den DOW im Vergleich bewirkt, ist hier leicht zu erkennen.

So... für Sie ist das nicht neu, aber ich denke es ist trotzdem immer mal wieder eindrucksvoll zu sehen.

Jetzt müsste man nur noch die Heerscharen ahnungsloser Anleger, aus ihren völlig verfehlten Vorstellungen heraus holen und ihnen mal die Erleuchtung der Erkenntnis angedeihen lassen.

Dann würde Deutschland vielleicht doch noch ein Land der Aktionäre und das würde auch dazu führen, dass sozialistische und links-radikale Wirtschaftsvorstellungen, weniger Chancen hätten, den Leuten Unsinn in die Köpfe zu pflanzen.

Ihr Hari

Geschlossene Fonds sind überwiegend Mist!



Die Überschrift ist klar und deutlich, das wird eher kein Plädoyer für geschlossenen Fonds. Aber ich will das Thema mal auf die Agenda bringen, auch wenn hier bei Mr-Market der klare Schwerpunkt der Aktienmarkt ist, geht unser Blick doch über alle Formen der Geldanlage.

Und dabei ist besonders augenfällig, dass wir hier eine Mitglieder-Population haben, bei der ganz bestimmt viele auch geschlossene Fonds zumindest irgendwann mal im Portfolio gehabt haben.

Nur schreibt praktisch keiner darüber, das große Schweigen. Warum ist das so?

Ich habe eine starke Vermutung, ich vermute, dass die Mehrheit damit nur Enttäuschungen und Verluste erlebt hat und genau diesen Erfahrungen, möchte ich mit diesem Artikel einen Anker geben. Teilen Sie Ihre Erfahrungen doch, vielleicht hält es andere von Fehlern ab!

Und natürlich kann ich auch selber etwas beisteuern, wie ich schon oft gesagt habe, habe ich in meinen jungen Anlagejahren auch alle Fehler gemacht, die man typischerweise so macht. Mir fehlte eben eine Quelle wie Mr-Market, die mich wenigstens von einem Teil der Fallen bewahrt. 😉

Mitte der 90er Jahre, habe ich schon sehr gut verdient und zahlte schon locker Spitzensteuersatz, der damals einen Grenz(Spitzen)-Steuersatz von über 50% hatte. Gleichzeitig versuchte ich mich an einem langsamen Vermögensaufbau und wollte nicht alles Geld in mein "Steckenpferd" den Aktienmarkt stecken - Diversifizierung und so. 😉

Zu dieser Zeit gab es teilweise abstruse Steuergutschriften, mit denen geschlossene Fonds, auch Schiffsfonds werben konnten. Diese Gutschriften gingen über 100% hinaus, waren oft 130% und gingen bis 170%.

Am Beispiel einer 30.000 DM Investition in einen Schiffsfonds, bekam man bei 130% Verlustzuweisung also gleich im ersten Jahr eine Steuergutschrift von 39.000 DM und wenn man in dieser Höhe mit dem Gehalt im Spitzensteuersatz war, entspracht das bei 53% einem sofortigen Rückfluß von 20.670 DM oder fast 70%.

Eine Beteiligung an einem prinzipiell zukunftstrachtigen Geschäft (Wachstum Welthandel), bei der man via Steuer gleich 70% zurück bekommt, das erschien selbst mir attraktiv. Und das obwohl mir schon damals klar war, dass geschätzt 20-30% der Anlegergelder in diesen Konstruktionen an die ganze Kette von Vertrieb bis Initiatoren gehen und die Anlage von Anfang an daher einen erheblichen Rucksack zu schleppen hat, der die Anlage ohne die Steuergutschrift eigentlich völlig unattraktiv macht.

Würden Sie eine Aktie kaufen, wenn die Kaufgebühren 20-30% betragen und aus Ihren 10.000 sofort bei Kauf 7.000-8.000 werden? Wohl kaum.

Bei geschlossenen Fonds machen es die Menschen aber und es funktioniert, weil das Geschäft immens intransparent ist und durch die Organisationform als typischerweise KG, es Anlegergemeinschaften auch schwer haben, sich überhaupt zu bilden und so Schlagkraft zu entwickeln. Bei der Aktie dagegen, ist das institutionell garantiert, man muss nur zur HV gehen.

Versuchen sie mal zu irgendwelchen geschlossenen Fonds Informationen im Web zu finden, da ist oft die große Stille und das hat nach meinem Eindruck System und dient den Initiatoren.

Auch ich habe also damals Mitte der 90er in zwei Jahren hintereinander zwei Schiffe gezeichnet, glücklicherweise nur mit dem Mindestbeitrag von 30.000 DM jeweils, heute also in Summe 30.000€.

Weitere Ausflüge in diese Anlageform habe ich dann glücklicherweise nicht mehr unternommen, denn in dieser Anlageform ist fast alles schiefgegangen, selbst ohne die immensen inneren Kosten zu berücksichtigen.

Ich erinnere mich in meinem Umfeld nicht nur an "Prokons", die mit dem "Gutfühlen" Anleger geworben haben. Ich erinnere mich an steuerlich gescheiterte Flugzeug-Leasing-Modelle, marode Ost-Immobilien, Windparks in Spanien mit Steuerprobleme, scheiternde Immobilien-Fonds und Private Equity Fonds, die 2006/2007 zu Höchstkursen aufgelegt wurden.

Ich wiederhole meine Vermutung daher erneut, das große Schweigen hat auch damit zu tun, dass viele Anleger an ihre geschlossenen Fonds lieber nicht mehr erinnert werden wollen. Kaum jemand hat so Geld verdient, die Mehrheit hat aus unterschiedlichsten Gründen viel Geld verloren.

Womit wir wieder bei mir sind, denn mit meiner 70% Steuererstattung auf die Anlagesumme, war der Start in den 90ern ja ganz in Ordnung und vor uns lag eine wachsende Weltwirtschaft, an der man mit Container-Schiffen partizipieren konnte.

Aber am Ende sind diese beiden Beteiligungen auch zum Zuschußgeschäft geworden und nun habe ich sogar noch ein steuerliches Risiko. Im Saldo wird diese Investition mit einem Verlust enden, trotz 70% Anfangserstattung!

Ich will nicht die Geschichte der Containerschifffahrt nacherzählen, aber wir hatten in diesen 20 Jahren massive Überkapazitäten, die eben genau mit dieser Attraktivität der 70% Steuererstattung zu tun hatten. Damals in den 90ern war ich noch kein Fachmann für die Reflexivität, heute würde ich das absehbare Problem sofort erkennen und die Finger davon lassen.

Wir hatten aber auch unglaublich viel Inkompetenz in den Anleger-Beiräten, die auch sehr intransparent gerne mit "reisenden Berufsbeiräten" besetzt werden, die den Initiatoren nahe sind - man kennt sich - aber denen jegliche Kompetenz fehlt, weltweite Entwicklungen zu antizipieren. Krämerseelen mit Hopium habe ich da erlebt, keine Strategen mit Weitsicht.

Als die erste Welle der Schiffsfonds-Insolvenzen um Lehman durch den Markt lief, wurden die Anleger mit Durchhalteparolen zu Nachschüssen motiviert und viele haben dem schlechten Geld noch gutes hinterher geworfen und das teilweise sogar zweimal gemacht.

Meine beiden Schiffe fahren noch, sie wurden von fehlgeleiteten Anlegern "gerettet", die nun auch ihre Nachschüsse nie mehr wiedersehen werden. Ich habe damit schon lange abgeschlossen und diese Anlagen nach minimalen Ausschüttungen in den ersten Jahren schon lange als 20% Verlust (80 von 100) abgebucht.

Aber selbst dieser Friede ist mir nicht vergönnt, weil noch etwas ganz Übles passiert ist, was viele Anleger immer noch nicht kapieren.

Denn es kam dann in den 00er Jahren eine neue staatliche "Steuerinnovation", die Tonnagesteuer. Diese Pauschalsteuer gab die Aussicht auf fast steuerfreie Gewinne in der Gesellschaft, man musste als Gesellschaft dafür aber optieren.

Der Preis dafür ist der -> Unterschiedsbetrag <-, der bei Verkauf des Schiffes zu versteuern ist.

Und es kam wie es kommen musste, getrieben von der Gier nach Steuerfreiheit der Gewinne und manipuliert von den oft in der Geschäftsführung sitzenden Reedern, die daran wirklich verdient haben und noch verdienen, votierten die Anleger unbesehen für die Tonnagesteuer. Ich war damals einer der ganz wenigen Prozent im einstelligen Bereich, die bei den Schiffen dagegen waren. Niemand dachte über den Unterschiedsbetrag nach, der musste ja auch erst von den Finanzämtern festgestellt werden und war bei der Entscheidung nur eine abstrakte Größe.

Das traurige Ergebnis, sei hier am Beispiel eines meiner Schiffe etwas vereinfacht dargestellt:

Investition: 15.000€

Soforterstattung per Steuer 70% der Anlagesumme.

Ausschüttungen in den ersten Jahren 10% der Anlagesumme.

Dann Tonnagesteuer und praktisch zeitgleich kam die Krise und seitdem gab es *nie wieder* ausschüttbare Gewinne, Die Tonnagesteuer war also völlig sinnlos.

Dafür wurde aber 3 Jahre später von der Steuerverwaltung der Unterschiedsbetrag festgestellt und beträgt bei einem meiner Schiffe 80% der Anlagesumme.

Was konkret heisst, sobald dieses Ding endlich mal verschrottet wird, weil die Anleger ihr Hopium ablegen, muss ich 80% der ursprünglichen Anlagesumme als Gegengeschäft zu Gewinnen versteuern, die es nie gegeben hat.

Je nach Steuersatz zu dem Zeitpunkt, wird der Gesamtverlust meiner Investition nach mehr als 20 Jahren also bei ca. 50-60% liegen. Cooles Geschäft. 🙂

Nun lassen mich diese Summen aus gesamt 30.000€ wahrlich nicht schlecht schlafen, aber ich finde es bezeichnend, wie so eine Anlage trotz 70% Sofort-Rückerstattung und seitdem stark gewachsener Weltwirtschaft trotzdem scheitert und es wieder steuerliche Aspekte sind, die den Anfangsvorteil nehmen.

Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, gelobt sei der Herr. 😀

So, das war meine Anekdote. Ich behaupte aber, vielen von Ihnen ist es ähnlich ergangen. Teilen Sie mal Ihre Erfahrungen!

Fazit:

Mit geschlossenen Fonds verdienen nach meinen persönlichen Erfahrungen in der Regel die Initiatoren und die Verwertungskette, nicht der Anleger. Geschlossene Fonds sind in meinen Augen überwiegend Mist!

Und natürlich bestätigen die fraglos vorhandenen, positiven Ausnahmen, nur die Regel. Teilen Sie doch mal Ihre Erfahrungen!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

(Zehn) Jahre zurück und die Lehren daraus

Vor genau 10 Jahren am 09.03.2009 wurde *das* Tief der Lehman-Krise markiert und von da an ging es nur noch markant hoch. Es ist immer wichtig sich zu erinnern, wie Dinge sich angefühlt haben und diese Erinnerung hat mir Josh Brown in diesem sehr lesenswerten Artikel abgenommen: -> Its the end of the world as we know it <-.

Seitdem ist der S&P500 um 312% gestiegen, trotzdem haben nur die Wenigsten diesen Tiefpunkt damals wahrgenommen, weil der "Recency Bias" unserer "Affenhirne" uns eine objektive Betrachtung einer Situation deutlich erschwert. Nicht in dem Umfang, aber vom Charakter her, war auch letzte Weihnachten so ein Tag, an dem sich kaum jemand vorstellen konnte, dass genau dort der Tiefpunkt der Korrektur markiert werden würde.

Wichtig an Josh Browns Artikel ist auch, dass er uns daran erinnert, dass dieser Bullenmarkt bestenfalls 2013 begonnen hat, als sich der Markt aus dem von 2000 bis 2013 andauernden Bärenmarkt über die Hochs von 2000 und 2007 erhoben hat. Ich habe Ihnen das hier übrigens damals genau so dargestellt, als ich im November 2013 gefragt habe:

-> Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor? <-

Schauen Sie da noch einmal herein, es lohnt sich wirklich im Nachgang immer mal wieder alte Situationen zu betrachten, sich zu erinnern, wie man sich da gefühlt, wie andere argumentiert haben und was dann am Ende daraus geworden ist. Es war der folgende Punkt auf dem Zeitstrahl:

Diese Reflektion ist ein guter Schutz gegen Aufgeregtheiten in der Gegenwart und insbesondere gegen die klickorientierten Weltuntergangs-Propheten, die nach 2009 die Anleger mit ihren Weisssagen jahrelang davon abgehalten haben, das einzig Richtige zu tun und ein wahrscheinlich "Generational Low" im März 2009 zu kaufen.

Und weil es sich lohnt, möchte ich nun, dass Sie mit dem heutigen Blick und dem heutigen Wissen was dann kam, einen Artikel noch einmal lesen, den ich den Mitgliedern exakt im gleichen Zeitraum am 19.11.2013 geschrieben habe - ja 2013, mitten in der Rally aus der Eurokrise heraus, genau der Rally, die das Ende des seit 2000 andauernden Bärenmarktes begründete.

Klar, wer alles was einen Monat alt ist, schon für "überholt" hält und als moderner "Aktualitäts-Suchtie" nur vermeintlichen "Neuigkeiten" hinterher jagt, den wird das nicht interessieren. Das ist aber kein Problem, dieser Typus ist sowieso kein Mr-Market Leser. Die Aufmerksamkeitsspanne reicht heutzutage oft leider nicht über drei Absätze hinaus, dafür gibt es aber genügend Klicki-Bunti-Angebot auch ohne mich.

Denn auch heute werden wir doch wieder von den diversen Crash-Propheten penetriert, die ihr Geld mit dem wohligen Grusel vor dem Weltuntergang verdienen - Crash sells. Und auch heute erzählt uns eine Finanzindustrie, dass wir am Besten immer voll investiert in "gemanagten" Produkten sind - schon klar warum. Die Wahrheit und der optimale Weg für Ihr Depot, liegt wie immer zwischen diesen Extremen.

Wenn Sie die Wahrheit die in diesem Blick zurück steckt in sich aufnehmen und daraus Lehren ziehen, wird Ihr Depot davon mehr profitieren, als vom Studium von 10 Weissagungen der Jünger Nostradamus. Sie müssen es nur tun. Und nun zurück ins Jahr 2013.

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Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft: -> The new abnormal <-

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

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Wochenausblick KW11


Es gibt ja hier die Legende, dass immer wenn ich in den Ferienmodus gehe, der Markt zu fallen beginnt. Ich glaube zwar nicht, dass das einer objektiven, statistischen Betrachtung standhalten würde, aber als Legende ist es eine schöne Sache. 😉

Dieses Mal wurde die Legende auf jeden Fall bestätigt, denn der Markt hat in der abgelaufenen Woche ganz unzweideutig das Retracement begonnen, auf das wir so lange gewartet haben. Insofern brauchen wir auch nicht weiter warten, das ist es unzweideutig und die Frage ist nur, wohin uns das führt:

Auch der Sell the News Effekt ist damit hinfällig, er hat faktisch am Montag stattgefunden, als positive Nachrichten zu einem baldigen Abschluß abverkauft wurden. Nun ist dieses Retracement weit genug fortgeschritten, dass dieser kein Thema mehr sein sollte, denn er braucht Stärke in das Ereignis herein, um stattfinden zu können.

Im größeren Bild des S&P500 sehen wir schnell, dass der Markt genau da gedreht hat, wo er es sollte - nämlich beim Widerstand, der durch die Oktober und November-Hochs der Herbst-Korrektur markiert wurde:

Die große Frage ist jetzt wo das Ding kaufbar ist und zwischen hier und 2.600 erscheint weiter alles möglich. Es ist aber festzuhalten, dass bisher alles noch sehr im normalen Rahmen ist, wenn man berücksichtigt, dass letzte Woche ein Erfolg in Sachen Handel dann doch auf die längere Bank geschoben wurde, Wirtschaftsdaten negativ waren und Draghi den Geruch von aufkommender Sorge verbreitete. Da ist viel Negatives verarbeitet worden und dafür war die Reaktion milde und geordnet.

Insbesondere ist auffällig, dass im späten Freitags-Handel die Bullen noch einmal deutlich Flagge gezeigt haben. Ich gehe aber davon aus, dass das nach einer negativen Woche einfach "Short-Covering" war und insofern keine Aussage zur kommenden Woche erlaubt.

Wenn ich mir eine Wette erlaube, denke ich eher, dass wir in der kommenden Woche weitere Schwäche sehen, aber im großen Bild weder klar nach oben, noch klar weiter nach unten laufen. Vielmehr haben wir eine gute Chance, dass wir hier nun mehrere Wochen seitwärts laufen, bevor dann Anfang des 2. Quartals das Handelsthema wahrscheinlich gelöst wird und auch die Wirtschaftsdaten wieder besser werden, denen ich wegen der besondere Lage im Winter (ua mit dem Shutdown) nur begrenzte Aussagekraft zutraue.

Das würde dann im Weekly ungefähr so aussehen, wie immer bei mir nur ein Szenario unter vielen, aber eines das ich mir gut vorstellen kann:

Auffällig ist auch, dass der MDAX die sichtbare Wendeformation bisher nicht zerstört hat, das passiert bei Korrekturen am deutschen Markt sonst schnell:

Da ist bei Chinas Aktien der Einbruch schon deutlicher, der Anstieg war aber auch massiver und hier haben die Aussagen wie eine kalte Dusche gewirkt, dass ein Treffen Trump-Xi bisher nicht in konkreter Planung ist:

Interessant und wahrscheinlich zutreffend, ist dabei übrigens -> diese Theorie <-, nach der es vor allem Trumps Abbruch der Korea-Verhandlungen war, der bei den auf Gesichtswahrung fokussierten Chinesen die Angst schürte, dass XI bei einem Treffen unter ähnlichen "take it or leave it" Druck geraten würde. Nun will man lieber ein Ergebnis voll ausverhandeln, so dass das Treffen nur noch der medienwirksamen Unterzeichnung dient.

Wir haben uns als "Westen" bisher viel zu wenig mit der chinesischen Psyche beschäftigt, diese dagegen sehr stark mit unserer. Denn diese chinesische Psyche hat auch ihre eigenen Berechenbarkeiten und bietet wunderbare Angriffs- und Manipulationspunkte - man muss den Gegner nur mal ernst und als solchen annehmen.

Ein weiteres, wichtiges Ereignis der letzten Woche war natürlich auch Mario Draghi, der nach Jahren der "kreativen Geldpolitik" immer noch keine stabilen Banken vorweisen kann und nun neue Sonderprogramme auflegen muss, die faktisch ein Notprogramm sind.

Ich erspare mir dazu weitere Kommentare, sie würde nur bitter und sarkastisch ausfallen. Es fasziniert mich zu sehen, wie diese Geldpolitik völlig offensichtlich gescheitert ist und von Draghi trotzdem als Erfolg mit einem "weiter so" verkauft werden kann. Man scheint die Öffentlichkeit für ziemlich ahnungslos zu halten und hat damit in dieser Sache wohl fatalerweise recht.

Faszinierend und wichtig war aber, dass der Markt Draghis neue Maßnahme nicht mehr wohlwollend gekauft hat. Der Markt beginnt also nun vielleicht das Vertrauen in die EZB im Allgemeinen und Draghi im Speziellen zu verlieren und das wäre bedeutend und könnte darauf hinweisen, dass die nächste Eurokrise uns vielleicht näher wäre, als wir glauben.

Man kann es schön im Euro zum Dollar sehen, der seine monatelange Zappelphase nun vielleicht beendet und nach unten ausbricht:

Besonders deutlich war aber der Effekt bei den Banken, schauen Sie mal die Reaktion der italienischen Unicredit, eine der südeuropäischen Banken, denen Draghi mit seinem neuen -> TLTRO Programm <- wieder gezielt unter die Arme greift, weil sie als wandelnde Zombies mit einem normalen Zinsprogramm gar nicht leben können.

Draghi setzt zur Unterstützung an und der Markt verkauft trotzdem unter Volumen ab, das ist bemerkenswert und eine Änderung in der Wahrnehmung, die weitgehend übersehen und in meinen Augen nicht ausreichend gewürdigt wurde:

Die nächste Eurokrise ist somit ein weiteres Stück wahrscheinlicher geworden. Das normale Pulver der EZB ist weitgehend verschossen, wenn man von extremen Maßnahmen absieht, wie zuletzt in -> Finanzpolitisches Dynamit <- diskutiert.

Draghi wird im Herbst trotzdem als "Held" in den Sonnenuntergang reiten, von der Politik wohlwollend begleitet und mit (Karls-)Preisen bedacht. Und wird seinen Nachfolgern eine desaströse Baustelle aufgeschobener, harter Entscheidungen überlassen, aus der es keinen echten Ausgang mehr gibt.

Diese Mechanismen der Heldenverehrung hat es aber schon in der Vergangenheit gegeben und sind sehr menschlich, weswegen wir die ganzen Personen auf Reiterbildern mit einer gewissen Skepsis betrachten sollten, was ihre wahre Lebensleistung angeht. Die "Sieger" definieren eben immer, was später in den Geschichtsbüchern stehen wird - das war schon immer so und würde auch für die unvermeidliche Draghi-Büste oder zumindest das Öl-Bildniss gelten.

Aber auch wenn das Problem näher rückt, ist das weiter kein Thema für heute und morgen. Was steht also in der bevorstehenden Woche an?

Wir haben eine sehr geschäftige Woche vor uns, mit vielen wichtigen ökonomische Daten, Einzelhandelsumsätzen, Verbraucherpreisen, Erzeugerpreisen, Industrieproduktion in China und einem Zinsentscheid der Bank of Japan (BoJ). Und wir haben potentiell die Brexit Abstimmung in London, die letzte Ausfahrt vor der Deadline sozusagen.

Denken Sie auch unbedingt daran, dass an diesem Sonntag 10.03. die US in die Sommerzeit gewechselt sind, wir das aber erst in 3 Wochen am 31.03. machen werden. In diesen 3 Wochen beginnt die Wallstreet also um 14:30 Uhr und endet um 21 Uhr MEZ.

Wenn Sie mich fragen, denke ich dass das Retracement noch nicht vorbei ist und uns noch etwas tiefere Kurse bevorstehen. Wie tief, ist "Everybodys Guess", zwischen dem obigen Szenario einer Schaukelbewegung und einem Lauf zur dicken Unterstützung um 2.600 erscheint vieles möglich und es macht keinen Sinn, sich jetzt auf ein Szenario festzulegen.

Übrigens, vor genau 10 Jahren am 09.03.2009 wurde *das* Tief der Lehman-Krise markiert und von da an ging es markant hoch. Es ist immer wichtig sich zu erinnern, wie Dinge sich angefühlt haben und diese Erinnerung hat mir Josh Brown in diesem sehr lesenswerten Artikel abgenommen: -> Its the end of the world as we know it <-.

Schauen Sie da mal herein und lernen Sie daraus, die großen Tief- und Hochpunkte zeichen sich eben immer dadurch aus, dass kaum einer diese glauben kann, weil der Eindruck der nahen Vergangenheit (der Recency Bias) zu stark ist. So war das am 09.03.09 und so war es ein wenig auch am 26.12.18.

Damit gehen wir in die KW11, ich wünsche uns allen gute Entscheidungen!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Die Wahrheit über 2008


Ein paar haben es im Forum geschrieben, aber ich denke dass im Herbst 2018 doch eine vergleichsweise große Zahl an Mitgliedern mit sich hadert, weil die Korrektur doch tiefer und schmerzhafter war, als man erwartet hat.

Dieses Hadern ist verständlich, gleichzeitig aber sinnlos und vor allem sachlich nicht gerechtfertigt, denn selbst falls wir jetzt weiter durchfallen und uns bald mit 20% Minus wiederfinden, muss man immer noch festhalten, dass niemand einen Fehler gemacht hat, der bis zur KW49, bis zum 04.12.18, von dem Modell einer begrenzten Korrektur mit anschließender Jahresendrally ausgegangen ist.

Und den Anfang der Korrektur im Oktober habe ich ja auf den Punkt erkannt, wenn Sie sich erinnern. Nur wusste man da natürlich nicht, wie tief sie wird, das weiss man aber nie.

Ich habe dieses Chart schon gezeigt, hier sieht man noch einmal, dass bis nach dem G20 Gipfel, vieles im Verlauf nach einem sauberen Doppelboden aussah. Erst dann kam der unerwartete Einbruch, den man so vorher nicht voraussehen konnte und das ist nun gerade mal 2 Wochen her:

"Falsch" hat man also nichts gemacht, nur weil man das vorher nicht erwartet hat, falsch hätte man nur dann etwas gemacht, wenn man auf diese deutliche Verschlechterung der Marktmechanik nicht konsequent reagiert hätte.

Ich habe das und war in -> Lügen treffen auf automatisierte Umschichtungen <- sowie in Folgeartikeln dazu sehr deutlich.

Überrascht hat mich dieser Einbruch am 04.12. aber wie die große Mehrheit der Profis und ein Grund sich zu grämen, ist das nicht, weil Überraschungen gehören dazu. Eigenkritik wäre aber dann berechtigt, wenn ich nicht in der Lage gewesen wäre, darauf schnell und konsequent zu reagieren.

Um das Reagieren geht es also, denn es wird immer wieder so Momente geben, die völlig überraschend sind - damit muss leben, wer im Markt unterwegs ist. Die Kunst ist das konsequente Reagieren und nicht das Raten vorher.

Diese abstrakte Aussage will ich mit einem Rückblick auf 2008 untermauern, im Nachhinein wird nämlich oft so getan, als ob das ein einziger großer Einbruch gewesen wäre, den man vorhersehen und dem man aus dem Weg gehen konnte.

Das ist aber *völliger Quatsch* und wenn ich so etwas lese, frage ich mich immer, ob die Schreiber wirklich dabei gewesen sind oder wie ein Eunuch vom Akt schreiben, ohne ihn je vollzogen zu haben. Denn ich war dabei und das war damals ganz anders.

Denn bis zu Lehman, bis die US Regierung sich im September 2008 entschieden hat Lehman abzuwickeln, sah das alles noch nach einer normalen 20-30% Korrektur aus und das will ich Ihnen nun zeigen. Das Chart ist klickbar:

Ja selbst nach der Insolvenz am 15.09., sah es noch ein paar Tage nach einem geordneten Ablauf aus, am 17.09. gab Barclays bekannt, dass das US Geschäft von Lehman übernommen wird und am 22.09. kaufte Nomura das Asiengeschäft. So schlecht war das doch nicht und ein katastrophaler Zusammenbruch keineswegs sicher.

Sie sehen oben, am 19.09. gab es sogar noch höhere Kurse als bei der Insolvenz und das sogar mit einem schönen Hammer unter Volumen, eine fiese Falle. Und bis zum 26.09. war ein Crash noch nicht sicher, erst am 26.09. geriet alles in Rutschen, was vorher nur "Brösel, Brösel" war.

Im größeren Bild sieht man auch den Verlauf, ein schwaches 2007, dann die Bear Stearns Krise im Frühjahr 2008, die aber scheinbar im Griff behalten wurde.

Im September 2008, war der Markt gegenüber den Hochs von 2007 genau ein Jahr gefallen und hatte dabei 27% abgegeben, was für eine saubere Korrektur absolut ausreichend gewesen wäre.

Und er befand sich einem fallenden Trendkanal, der sehr wohl auch nach oben hätte brechen können, ein Jahr und 27% sind dafür mehr als ausreichend:

Schauen Sie sich das Chart genau an, wer da den grünen Pfad für möglich gehalten hat, hat erst einmal keinen prinzipiellen Fehler gemacht. Das war damals sogar gut möglich und es war nicht zwingend absehbar, dass die US Regierung Lehman fallen lassen würde und schon gar nicht, dass es dann diese brutalen Konsequenzen haben würde.

Sicher, wer damals im Markt war und ein Gespür hatte - und ich hatte das - merkte die ganz miese Marktmechanik und das machte sehr vorsichtig und bärisch, so wie ich auch in der letzten Woche eine sehr miese Marktmechanik wahrgenommen habe. Und ohne dass der Markt wirklich zur Wende antritt, sollte man nicht blind auf die Wende wetten, auch heute übrigens nicht!

Mit wachem Geist war einem aber seit Bear Stearns im Frühjahr 2008 klar gewesen, dass sich da unter der Decke bei den Hauskrediten etwas zusammen braute. Es gab also auch am Tag vor Lehman, am 14.09., gute Gründe sehr vorsichtig zu sein, so wie es heute gute Gründe gibt sehr vorsichtig zu sein. Aber ein Crash war deswegen noch lange nicht zwingend und ich bin auch heute noch überzeugt, dass es ohne die Entscheidung der US Regierung, Lehman fallen zu lassen und ein Exempel zu statuieren, zu diesem Zusammenbruch nicht gekommen wäre und die Korrektur irgendwo bei 30%+ ausgelaufen wäre.

Der entscheidende Punkt ist, bis Lehman und mehr als eine Woche darüber hinaus, war es selbst für jemanden der die Risiken erkannte keineswegs klar, dass ein Crash kommt und daher keinesfalls perse falsch, von einem baldigen Ende einer ausgedehnten 30% Korrektur auszugehen.

Und wen dann der folgende Crash überrascht hat, wie uns diesen Spätherbst der 04.12. überrascht hat, brauchte sich daher auch nicht zu grämen, das ist vielen so gegangen!

Ein Grund mit sich zu schimpfen wäre aber, diesen sich entwickelnden Crash dann damals nicht zu sehen. Wer also ab dem 26.09.08 nicht begriffen hat was los war, wer da nicht in Deckung gegangen ist, der hat einen massiven Fehler gemacht!

Und damit sind wir bei der Analogie zu diesem Herbst. Es gehört einfach dazu, dass der Markt einen überrascht. Und wer 2008 im Nachhinein so darstellt, als wäre das absehbar gewesen und alles nur ein einziger großer Crash, ist ein Scharlatan und damals gar nicht dabei gewesen.

Als Lehman begann, war die Korrektur schon ein Jahr alt und es war bis zuletzt keineswegs absehbar, dass am Ende noch ein Crash kommt. Das ist die schlichte Wahrheit. Und ein Crash muss per Definitionem immer für die Mehrheit überraschend sein, sonst kann es wohl keiner werden.

Und weil das die Wahrheit ist, sollten wir uns auch in 2018 nur über das ärgern, was wir wirklich falsch gemacht haben. Wer nicht reagiert hat, der muss etwas ändern und hat Fehler gemacht. Wer aber vom 04.12. und den letzten 2 Wochen überrascht wurde, gehört zur Herde und sollte sich klarmachen, dass der 04.12. und die folgenden Tage eben *nicht* vorher klar und nicht einmal mit Wahrscheinlichkeit absehbar waren.

Kritisieren wir uns also für das, was wir wirklich falsch gemacht haben und akzeptieren wir, dass Überraschungen zum Markt dazu gehören. Die gibt es übrigens auch nach oben und das sogar öfter als nach unten.

*Konsequent Reagieren* ist das Zauberwort des erfolgreichen Anlegers, nicht das Voraussehen mit Glaskugel.

Übrigens, wer sich fragt, was denn der Unterschied von 2008 zu heute war, der sei daran erinnert, dass die Verwerfungen unter der Decke, damals sehr wohl wahrzunehmen waren. Diverse Parameter an den Kreditmärkten sendeten im Herbst 2008 Warnsignale.

Genau das haben wir heute nicht, die Wirtschaftsdaten erscheinen besser als die Stimmung. Nun kann sich das bis Herbst 2019 problemlos alles noch entwickeln, um hier die 2007/2008er Analogie zu benutzen, das gilt aber für jeden Moment der Geschichte, es kann sich immer etwas entwickeln.

Heute sind solche sichtbaren Verwerfungen aber (bis jetzt) nicht da und das ist ein markanter Unterschied, den man ernst nehmen sollte.

Ich gehe also weiter davon aus, dass wir hier eine normale 10-20% Korrektur vor uns haben, bis mich der Markt eines Besseren belehrt. Und dann heisst es konsequent zu *reagieren*, das ist die Kunst!

Ihr Hari

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Wallstreet Stream 10.05.18



15:20 MEZ

Der 10. Mai ist geschichtlich ein recht "bewegter" Tag.

Nicht nur dass heute vor 78 Jahren "Fall Gelb" begann und vor 77 Jahren -> Rudolf Heß <- nach England flog, sondern heute vor 64 Jahren hat Texas Instruments (TXN) den ersten Transistor vorgestellt und vor 149 Jahren wurde die transkontinentale Strecke aus der Verbindung Union Pacific und Central Pacific mit dem "goldenen Nagel" in Utah geschlossen und in Betrieb genommen.

Union Pacific -> gibt es immer noch <-, Central Pacific ist über den Umweg über Southern Pacific Transportation dann 1996 in Union Pacific aufgegangen.

Und Texas Instruments (TXN) gibt es sowieso noch und hat gerade auch charttechnisch eine interessante Ausgangslage:

15:32 MEZ

Thema des Tages ist eine recht scharfe Gegenbewegung des Euros zum Dollar, die in meinen Augen primär ein technischer bedingter Bounce ist, der aber durch schwache Inflationsdaten in den US befördert wird.

DAX und MDAX mögen es natürlich nicht, halten sich für 0,8% Plus in EURUSD aber sehr manierlich und bestätigen eher ihre neu gewonnene, innere Stärke:

15:40 MEZ

Wenn Sie sich an das Video von Sonntag erinnern, habe ich mich darin ja über die vor politischer Korrektheit peinlich triefende Unternehmens-Webpage des Pipeline-Unternehmens Enbridge (ENB) lustig gemacht:

Ich verachte diese defensiv, verdruckste Art und Weise an Dinge heran zu gehen. Entweder man macht etwas, weil man es machen will, dann steht man auch offen und mit geradem Rückgrat dazu. Oder man lässt es bleiben. So einfach ist da meine Welt.

Aber abseits davon habe ich im Video auch auf die Chance einer Art Doppelboden hingewiesen und genau das könnte es nach Zahlen heute vor Handelsstart nun auch werden. Der finale Ausbruch fehlt aber noch:

15:52 MEZ

Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass ich Qualcomm (QCOM) bei 50 wieder interessant finde. Ich denke, da ist nun was in Bewegung gekommen:

16:05 MEZ

Ach übrigens, wer immer noch glaubt wir würden von vernünftigen Menschen regiert und wären nicht in einem Paralleluniversum namens Schilda, wird mit Lesen -> dieses Sachverhalts <- noch einmal an die wahnwitzige Realität erinnert.

Und nein, es geht bei dem Post gar nicht um etwas Politisches und nicht mal um die Frage, ob wir allen in der Welt in einem Riesenaufwand "Asyl" gewähren müssen. Auch wenn man auf dem Stammpunkt stehen würde, dass jeder Wohlstandsmigrant hier mit offenen Armen aufzunehmen und in unsere Sozialsysteme zu integrieren wäre ....

... wären der administrative Vorgang und die politischen Vorgaben immer noch *Schwachsinn hoch Drei* und eine strafrechtlich relevante Vergeudung von Steuergeldern ...

16:35 MEZ

Bei Qiagen sah es lange zweifelhaft aus und man musste sich fragen, ob sie hier eine große Topbildung anbahnte. Diese wurde aber nie getriggert und nun hat sich in den letzten Wochen das Blatt klar gewendet und die Topbildung wurde negiert:

16:45 MEZ

Der VIX beruhigt sich langsam, ganz spannend ist dabei noch einmal ein Blick auf die Entwicklung seit 2008 im Vergleich:

Wir sehen erneut, wie absurd hoch der VIX im Februar war, nachhaltig übertroffen nur durch Lehman und nicht einmal die Eurokrise.

Ich kann nur wiederholen, das mir das subjektiv schief vorkam und ich einen Zusammenhang zur Auflösung des Short-Vola Trades vermutet hatte, der die Werte vielleicht nach oben übertrieben hat. So tief stecke ich aber nicht in der Berechnung des VIX drin um da den Zusammenhang finden zu können und ich habe auch keine Zeit und Lust das zu erforschen. Vielleicht ist auch schlicht keiner vorhanden.

Denn es kann sehr wohl auch sein, dass es einfach nur ein subjektives Wahrnehmungsproblem bei mir ist, weil ich 2008 und 2011 eben echte fundamentale Probleme gesehen habe und deswegen auch Sorgen hatte. Im Februar diesen Jahres hatte ich - wir haben das ja zusammen erlebt - aber gar keine fundamentalen Sorgen, das Geschehen habe ich immer gelassen betrachtet und es war für mich immer nur eine notwendige und nach 2017 überfällige Korrektur.

Anders herum wird aber ein Schuh daraus. Wenn die Vola wirklich so hoch war und nicht überzeichnet wurde, kann man daraus dann auch ein bullisches Argument kontruieren. Denn dann war das schon eine sehr bedeutende Korrektur und bedeutende Korrekturen mit dem Charakter einer volatilen Bereinigung kommen in der Regel nicht alle paar Monate. Was bedeutet, dass die Chancen für ruhiges Fahrwasser voraus nicht so schlecht sind.

16:55 MEZ

Gipfeltreffen Trump-Kim an 12.06. in Singapur. Sollte es wirklich zu einem historischen Friedensschluß auf der koreanischen Halbinsel führen, bin ich auf die Verrenkungen der neurotischen Trump-Basher, insbesondere im Hamburger Sturmgeschütz gespannt.

-> Treffen Trump-Kim <-

Sie wissen wie kritisch ich Trumps Charakter sehe, aber vielleicht ist es genau so ein Charakter, den die Potentaten der Welt als Gegenstück brauchen. Einer dem sie das Gleiche zutrauen, wozu sie selber bereit sind.

Dieser Realismus, die Welt nicht nur aus der rosaroten Moralistenbrille zu sehen und zu verstehen, dass ein grober Klotz manchmal einen groben Keil braucht und kein Geschwurbel, ist aber in bestimmten Kreisen abhanden gekommen.

Auch deshalb sind wir in Deutschland nicht mehr verteidigungsfähig - nicht nur die Bundeswehr ist marode, der Selbstbehauptungswille des Landes auch.

Wenn Obama Rückgrat hat, gibt er danach seinen Friedensnobelpreis aus Scham zurück. Der war sowieso eines dieser Narrenstücke der schwedischen Akademie. -> Die fünf schlechtesten Friedensnobelpreisträger <-

17:20 MEZ

Beeindruckende Stärke und Ausbruch im SP500, egal wie man die Trendlinie zeichnet. Der Instinkt war mal wieder richtig, seit dem Reversal am 03.05. habe ich gespürt, dass der Markt nach dem dritten erfolgreichen Test der unteren Begrenzung nun Ausbruchspotential nach oben hat:

17:45 MEZ

Mal wieder was Neues aus der Region der einstelligen Milliarden-Marktkapitalisierung, die ich so mag.

-> Monolithic Power Systems (MPWR) <- ist ein spezialisierter Chiphersteller, der wie der Name sagt im Bereich der Energie-Systeme tätig ist.

Das Produktportfolio ist extrem breit und über viele Branchen diversifiert, schauen Sie mal drauf.

Aufmerksam wurde ich aber über das Chart, deutliche Seitwärts-Konsolidierung seit letzten Herbst mit Ausbruchschance jetzt:

Das aber eingebettet in einen gnadenlosen Trend, der Ausweis der Fähigkeit des Managements ist:

18:00 MEZ

Zum Abschluß eines sehr "grünen" Börsenstages noch ein lehrreiches Chart. Eines das uns wieder daran erinnert, dass Stärke wieder Stärke gebiert und dass die Art wie unser Affenhirn intuitiv an Charts heran geht, völlig neben der Spur ist.

Mit diesem Chart von SolarEdge (SEDG) verbinde ich keine Aussage zur Zukunft, ich möchte einfach nur, dass Sie es auf sich wirken lassen und sich ehrlich fragen:

Hätten Sie bei (1) gekauft? Einige schon nicht mehr, weil "zu weit gelaufen" und so. Aber einige vielleicht schon.

Hätten Sie bei (2) gekauft? Die Mehrheit nicht mehr, ein Markttechniker vielleicht, die Flagge war zu klar.

Hätten Sie bei (3) gekauft? Wohl kaum jemand mehr, das war zu schwer und wie das abknickte und dann abflog, das war harte Kost.

Hätten Sie bei (4) gekauft? Frei in der Umlaufbahn irgendwo da oben? Ich gebe zu, selbst in mir und obwohl man die enge, bullische Konsolidierung klar sieht, rebelliert der Affe da, also dürfte es praktisch keiner mehr machen.

Das Ergebnis sehen Sie. Denken Sie mal darüber nach, die Stichworte sind Trend, Momentum und "Stärke gebiert Stärke":

18:06 MEZ

So der Vater Hari schließt den Vatertags-Stream ab. Damit ist auch die Woche schreiberisch abgeschlossen, denn Morgen steigt ab 10 Uhr die Mr-Market Wanderung, die uns bis zum Nachmittag zusammen wandern, reden, trinken und essen lässt, während wir mit unseren Wänsten das Auenland durchmessen.

Ca. 20 Mitglieder sind wir, Absage bisher nur eine, ich freue mich auf morgen!

Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann,
weit über Land, von Ort zu Ort,
ich folge ihr, so gut ich kann,
ihr lauf’ ich raschen Fußes nach,
bis sie sich groß und breit verflicht’
mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

[Der Hobbit, J.R.R. Tolkien]

Wir lesen uns hier wieder am Sonntag zum Wochenausblick. Bedenken Sie bitte, dass die kommende Woche meine letzte Woche vor einer 2-wöchigen Ferienphase über Pfingsten ist. Danach bin ich bis Ende Juli wieder voll da, im August sind dann Sommerferien.

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Von den Assyrern zu mir – Das Geheimnis der nächsten Börsenkrise



Letzte Woche habe ich eine runde Kugel aus Glas erhalten, die auf geheimen Kanälen aus dem Nahen Osten zu mir gekommen ist. Schon die alten Assyrer sollen dort hinein geschaut haben und jedem gewährt diese Kugel nur einen Blick, der viel mit einem selber zu tun hat.

Nun habe ich hinein geschaut und danach die Kugel den selben dunklen Gestalten wieder mitgegeben, die sie mir zur einmaligen Nutzung gebracht haben. Fragen Sie nicht, wie ich überhaupt daran gekommen bin, ich kann Ihnen das nicht sagen, die Antwort könnte Sie verunsichern.

Aber ich kann Ihnen erzählen, was ich gesehen habe. Denn vor mir breitete sich der Ablauf der nächsten grossen Börsenkrise aus, nicht die technischen Details und Börsenstände - was bedauerlich ist, denn sonst könnte ich darauf wetten - sondern wie wir sie hier im Blog emotional erleben werden. Alleine das Jahr war nicht zu erkennen, aber ich sah auf den Bildern etwas älter als heute aus, es sollte also noch ein paar Jahre dauern, aber vielleicht bin ich ja auch nur durch den Druck der fallenden Kurse schneller gealtert, wer weiss, die Wege des Marktes sind unergründlich.

Es wird auf jeden Fall ein ruhiger Tag im Juni sein, an dem der Markt sein langjähriges Top erreicht. Nichts wird darauf hindeuten, dass das der Wendepunkt ist, es schliesst sich ein heisser, träger Sommer an, in dem so recht nichts mehr voran gehen will.

Die Mitgliederzahl im Blog hat sich gegenüber heute mehr als verdreifacht, weil doch immer mehr Anleger in den Markt gezogen werden, denn die Phase der Nullzinsen und Alternativlosigkeit bei den Anlagen wird immer länger und der Druck immer grösser, während der Cash auf den Konten langsam zerbröselt und Lebensversicherungen in die Notverwaltung übergehen.

Auch in Immobilien kann man in diesem Jahr nicht mehr investieren, denn abseits vom selbstgenutzten Wohnraum greift die Politik so massiv in den Markt ein um die Mieten zu senken, dass man von einem Markt nicht mehr reden kann. So ist der Druck sich dem Aktienmarkt zu nähern immer grösser, denn die internationalen Konzerne sind auch in der Zukunft resistent gegen alle Eingriffe und die Kurse dieser Aktien steigen und steigen, irgendwo muss das Geld ja hin.

Gerne würde man es ja in einer Cryptowährung parken, nur sind die auch alle verboten und daher ein Tausch in legale Zahlungsmittel unmöglich ohne sich strafbar zu machen. Es gibt eine von der Notenbank "genehmigte" Cryptowährung, die ist aber nur ein mit der Währung verknüpftes elektronisches Zahlungsmittel, weil sie an den Wert der Währung gekoppelt ist. Ach ja und den Euro gibt es auch noch und Italien und Griechenland sind auch noch drin, es hat sich aber politisch Einiges getan, aber das ist eine andere Geschichte, die mir die Kugel nur bruchstückhaft offenbart hat.

Tja und wie das halt so ist, wenn der Druck im Kessel steigt und diverse Ausgänge verbaut werden, dann pfeift er aus den verbleibenden Ausgängen um so intensiver und deshalb steht der S&P500 näher an 4.000 als an 3.000 und der DAX nähert sich den 20.000 an. Und es gibt eine merkliche Bewegung hin zu Aktien in der Bevölkerung, ich werde von immer mehr Menschen im Umfeld angesprochen, ob sie nicht auch noch einsteigen sollten und was ich denn zum Markt meine, gerade weil ich in den Jahren zuvor durch meine immer wieder grundlegend bullische Haltung Recht behalten habe. So bis Ende 2018 war das noch anders, da überwog die Skepsis und dann setzte langsam doch der Run ein.

Als wir dann aus den Ferien in diesem schwülen Sommer zurück kommen, beginnt der Markt zu zappeln. Die Volatilität steigt, etwas was man sich da kaum mehr vorstellen kann. Im Oktober kommt ein erster Einbruch um 10%, den ich nicht antizipieren konnte, in dem ich aber noch darauf hinweise, dass Bullenmärkte nicht schnell sterben und auf den Rebound setze. Der kommt auch, nur schafft er keine neuen Hochs mehr, ein Umstand der mir auffällt, aber noch nicht ausreicht um zum Ausstieg zu blasen.

Leider habe ich auch wenig Zeit mir grundlegende Gedanken zu machen, denn die vielen im letzten Jahr hinzugekommenen Mitglieder bestürmen mich, wie es nun weiter geht. Da diese mich nicht seit Jahren kennen, hat dieser plötzliche, von mir nicht antizipierte Einbruch im Oktober auch dazu geführt, dass bei den Neumitgliedern meine Reputation leicht angeknackst ist.

Meine Erklärungen dass die Zukunft unsicher ist und auch ich keine Glaskugel habe sondern dem Markt nur folge, fruchten bei einigen nicht so richtig. Das sind eben nun zunehmend die berühmten "schwachen Hände" die da im Blog angekommen sind und mir fehlt die Zeit, sie zu "starken Händen" zu machen, denn es beginnt in diesem Jahr eben zu rappeln. Aber immerhin hatte ich den Rebound ja wieder richtig auf der Rechnung, das hält die Unsicherheit noch in Grenzen und dieser Dip wird ja in den Erwartungen der Anleger auch wieder zu kaufen sein, wie immer in den letzten Jahren.

Ich bin da nicht ganz so sicher, weil der Charakter des Einbruches gefällt mir nicht, der wirkte so ob der Markt den Charakter ändert. Aber ich kann unmöglich aufgrund einer Ahnung zum weiteren Ausstieg blasen, so bleibe ich leicht skeptisch aber doch noch auf die Fortsetzung der Aufwärtsbewegung setzend.

Dann geht das Jahr zur Neige und der Markt mäandriert seitwärts, eine Jahresendrally ist kaum zu sehen, richtig fallen kann der Markt auch nicht. Mich macht das zunehmend skeptisch, es erinnert mich zu sehr an vergangene Vorboten einer Korrektur. Ich beginne auch eine gewisse Skepsis zu formulieren, habe aber dabei eine gewisse Schere im Kopf, denn mir ist klar dass da bei den Neumitgliedern ein paar "unsichere Hühner" dazu gekommen sind und wenn ich zu skeptisch formuliere, die alles verkaufen, was auch nicht angemessen wäre. Und ich fühle ja auch eine Verantwortung bei dem was ich schreibe, weil ich weiss dass eben doch einige nur an meinen Lippen hängen, obwohl ich das gebetsmühlenartig über Jahre als negativ dargestellt und zur eigenen Strategie geraten habe.

Mit 4% unter den Höchstständen vom Juni gehen wir in den Jahreswechsel und dann beginnt der Markt im Januar zu fallen. Er fällt wie 2016 und ich wechsele schnell in den Defensivmodus, habe aber am Ende im Mittel mehr als 10% gegenüber den Hochs abgegeben, weil es Anfang Januar zu schnell ging. Der Markt selber taucht aber 20% nach unten und ich bin eben immer noch mit 40% Exposure im Markt, denn noch ist es nur eine Korrektur und das schreibe ich Ihnen auch.

Im Februar zeigen sich Zeichen einer Stabilisierung, wir wetten wieder auf den Rebound wie im Oktober, ich aber mit zunehmenden Bauchschmerzen, weil mir das Marktverhalten nicht gefällt. Mit mehr als 60% exponiere ich mich also nicht mehr und schreibe das auch, andere im Blog sind aber viel optimistischer, wie ich überhaupt aus Sicht von Einigen vom "zu optimistischen Hari" in den vergangenen Jahren nun zum "zu skeptischen Hari" mutiere, auch weil mir das finanzpolitische Umfeld nicht mehr gefällt.

Der Markt dreht tatsächlich nach oben, hoch bis auf 8% Minus gegenüber den Allzeithochs von letztem Juni und dann kommt ein denkwürdiger Tag im März, in dem plötzlich eine Finanzinstitution bildlich gesprochen "explodiert", von der man das gar nicht erwartet hätte. Die Details hier zu erzählen macht keinen Sinn, weil mir die Kugel nur Bruchstücke gezeigt hat. Der Schock war aber gross in Politik und Wirtschaft, dass es so überraschend kommt hat stark damit zu tun, dass bis zuletzt von der Spitze der Deckel darauf gehalten wurde, weil halt nicht sein kann was nicht sein darf. Hektisch wird von allen Institutionen versucht das Problem einzudämmen.

An diesem Tag fällt der Markt um 12%, immer wieder durch Handelsaussetzungen unterbrochen. Wir alle und auch ich bin mit meinen 60% Exposure weitgehend mit dabei, Absicherungen funktionieren nicht in so einem Umfeld. Es wird still im Forum, bei einigen höre ich da den "warum hast Du uns nicht gewarnt" Vorwurf zwischen den Zeilen, so als ob ich der liebe Gott wäre, der explodierende Finanzriesen vorher sehen kann.

Am Ende des Tages sitze ich gegenüber dem Hoch von letztem Juni knapp 20% im Minus, wenn ich das gesamte am Aktienmarkt befindliche Vermögen zusammen nehme. Andere Anlagen leiden aufgrund des systemischen Charakters des Problems ebenso massiv, das ist aber eine andere Geschichte. Gold steht übrigens unter 1.000 USD, es ist in den Jahren des Anstiegs weiter weggebröselt und kann auch jetzt vom Einbruch nicht profitieren, es wird mitverkauft. Das Geld rennt in Cash, konkret auch in die Cryptowährung, die mit dem Euro gekoppelt ist.

An diesem Tag macht meine Markteinschätzung einen Sprung. Ich erkenne und akzeptiere den systemischen Charakter des Problems und beschliesse den Komplettausstieg in die Stärke hinein. Ich schreibe auch dazu, stosse aber nur auf verhaltene Begeisterung in der Leserschaft. Denn während dessen steigt der Markt schon wieder, die Rettungsversuche wirken erst einmal psychologisch und jeder hofft darauf, seine Verluste wieder wettzumachen, Verluste die viele der zu spät gekommenen schwachen Hände sich nicht zu realisieren trauen, trotz meiner Mahnungen, aber meine Reputation ist bei denen nicht stark genug.

Und so entfernt sich meine Markteinschätzung von der Wahrnehmung eines Teils der Leser. Ich habe kaum noch positive Setups und schreibe über Abbau, viele hoffen aber auf den Rebound und wollen das nicht hören. Ich merke das an zunehmenden Abgängen in Form fehlender Verlängerungen gerade derer, die neu dazu gekommen sind. Der "Ton" den ich anschlage passt nicht mehr, er zerstört Hoffnungen und verunsichert, statt eben Hoffnung auf Besserung zu machen.

Der Markt steigt langsam bis in den Mai um 6% und reduziert das Minus, ich höre einige kaum verhohlene "siehste" im Forum, das Gap vom März wird aber nie geschlossen und weitere Brüche an der Oberfläche werden sichtbar, die Krise beginnt im Finanzmarkt Schleifspuren zu zeigen.

Ich selber habe die Zeit genutzt, um in die Stärke hinein weiter abzubauen und die restlichen Basisbestände an Bluechips zu hedgen. So bin ich Ende Mai faktisch aus dem Markt und habe gegenüber von vor einem Jahr 15% Verlust in den Büchern des Investmentdepots stehen, kein schönes Jahr.

Dann beginnt ein neuer Sommer, der zu einer nervenden Seitwärtsbewegung führt, dummerweise gibt es für mich daher auch nur wenig Erbauendes zu schreiben, der Fokus liegt auf dem Kampf der Politik mit der Krise, die sie zu einem guten Teil selber verursacht hat. Der Blog verliert weitere Mitglieder, die sich woanders mehr Zuspruch und Hoffnung holen wollen, der Wunsch an den Wiederanstieg und den Ausgleich der Verluste zu glauben ist zu hoch, dummerweise geben es die Charts und die Lage einfach nicht her.

Im August kippt dann eine weitere Finanzinstitution und das Unheil nimmt seinen Lauf. Der Markt fällt wie weiland 2008, nur durch die permanenten Handelsunterbrechungen unterbrochen. Immer wieder versuchen Mitglieder einen Rebound zu kaufen und holen sich blutige Nasen, weil die Algos nun genauso wie im Anstieg verfahren, statt BTFD nun STFB (Sell the f***ing Bounce).

Ich selber kann dazu nicht viel beitragen ausser mich in meiner anlagentechnischen Höhle zu verkriechen und nichts zu tun und über das Nichtstun und das "warum" zu schreiben. Ich beginne mehr in andere Themen abzugleiten, den Schmerz der Verluste derer, die keinen klaren Schnitt ziehen wollten, kann es nicht kompensieren.

Im Januar des Folgejahres hat der DAX 60% des Hochs abgegeben und steht wieder bei ca. 7.000. Der Euro wackelt, Regierungen auch, Notfallsitzungen finden in Reihe statt. Die Mitgliederzahl im Blog hat sich mehr als halbiert und liegt nicht mehr viel über der des Jahres 2017, alle "schwachen Hände" wurden abgeschüttelt, es hat aber auch ein paar "alte Hasen" erwischt, die still und leise ohne Kommentar verschwinden, weil sie den Schmerz nicht ertragen können - was mich besonders traurig macht.

Mittlerweile steigt auch Gold stark und hat sich auf 2.000 USD fast verdoppelt, zu einem Teil bin ich dabei, aber nur zu einem Teil. Und dann merke ich in der Krise, dass die ganz grossen Konzerne den Markt klar outperformen, die im letzen Quartal auch panisch auf den Markt geworfen wurden und so die Indizes in den Orkus gezogen haben. Da akkumuliert also jemand, stösst weiter Aktien ab, kauft aber die Riesen.

In dem Moment beginne ich mich zu interessieren und habe 1,5 Jahre nach dem Allzeithoch wieder etwas Positives zu schreiben. Zum erste Mal seit letztem Mai, exponiere ich mich wieder mit 30%, ich stelle meinen Fuss ins Wasser, 60% Verlust in den Indizes scheint auch "gut genug" zu sein, ich taue auf, mein Ton wird positiver. Die verbleibenden Mitglieder stehen fest zum Blog, es ist eine verschworene Gemeinschaft, das Gefühl das gemeinsam durchgestanden zu haben, schweisst zusammen.

Der Markt steigt 20%, dann fällt er wieder zurück. Mir gefällt aber das Marktgeschehen, das wieder eine Charakteränderung vollzieht. Ich gebe die Parole aus, diesen Einbruch mit ein paar Risiken nach dem Motto "gut genug" zu spielen und erst wieder zu verkaufen, wenn die Tiefs vom Januar klar um mindestens 3% unterschritten werden.

Der Markt fällt erneut zurück, die Spannung ist immens, die Verluste sind jetzt wieder angewachsen, denn einige der neuen Positionen stehen schon unter Wasser. Der Markt testet die Tiefs und schaut darunter, einige Mitglieder geben noch auf, von denen ich dann aufgrund der folgenden Geschehnisse nie wieder etwas hören werde, weil diese "Schmach" einfach nicht zu ertragen ist. Die Luft vor den Monitoren ist wie zum Schneiden, die Spannung spürbar.

Dann dreht der Markt im April mit einem Undercut von 1% unter die alten Tiefs. Ein markantes "W" entsteht und plötzlich kommen auch Nachrichten der Lösung, die Politik ist über ihren Schatten gesprungen, hat alte Glaubenssätze aufgegeben, ein "Reset" ist in Gang gekommen.

Von diesem April an, fast zwei Jahre nach dem Allzeithoch, steigt der Markt den Rest des Jahres wie ein Strich. Wir verbliebenen "Mohikaner" gehen "All In" und schreiben das beste Börsenjahr unserer Geschichte in unsere Bücher. Der Zusammenhalt ist enorm, aber auch die Trauer um die vielen bekannten Namen, die auf dem Weg verloren gegangen sind. Gerade die alten Hasen, die beim zweiten Schenkel des "W" den Druck nicht mehr ertragen konnten, tun besonders weh und wir wissen wie die sich nun fühlen. Das Ego verhindert den Fehler schnell einzugestehen und so wird das Delta und der Schmerz mit jedem Tag grösser, den der Markt in diesem Jahr noch steigt.

Auch die Heerschaaren der Blogs sind von der Bildfläche verschwunden, die dem langfristigen, ruhigen Akkumulieren das Wort reden. Ohne die Akzeptanz solcher Einbrüche schon im Vorfeld, hält die grosse Mehrzahl der Anleger so einen Druck einfach nicht aus, auch wenn der Gedanke objektiv richtig ist. Die Mehrzahl verkauft aber unter Druck und schaut nicht mehr zurück, weil der Schmerz zu intensiv ist - Börse ist Scheisse.

Am Ende des Jahres, der Nebel über dem Schlachtfeld hat sich verzogen und ein neuer finanztechnischer Morgen hat begonnen, beschliesse ich, den Blog in dieser Form nicht mehr weiterzuführen. Ich habe einfach keine Lust mehr, den selben Zyklus noch einmal schreibend zu durchleben und die gleichen Geschichten dabei wieder neuen Mitgliedern zu erzählen und die gleichen Fehleinschätzungen der Herde wieder zu betreuen - erst zu skeptisch, dann zu optimistisch.

Ich gebe den Blog ja aber nicht auf, die Gemeinschaft ist sehr zusammen gewachsen und das schätze ich immens, ich reduziere den Blog daher auf diesen engeren Kreis Vertrauter, mit denen ich mich aber viel intensiver und persönlicher austausche. An Geld mangelt es denen nun nicht, wer diesen Weg mitgegangen und im Anstieg nach dem "W" auch "All In" gegangen ist, kann erst einmal für Jahre grinsen und dabei hat der neue Zyklus ja gerade erst begonnen.

Darüber hinaus investiere ich nun mehr Zeit in eine schreiberische Karriere abseits des Blogs, schreibe über die Krise ein Buch das ganz erfolgreich wird und mache mir einen Namen über die Börse hinaus, am Ende engagiere ich mich auch politisch, denn mit der Krise hat nicht nur das Finanzsystem, sondern auch das politische System einen kleinen Reset bekommen, die Macht der Parteiapparate wurde gedämpft und man hat auch als freier Kandidat Chancen Einfluss zu nehmen.

5 Jahre später treffen sich die Blogmitglieder an einem herrlichen Abend wieder im Juni, an dem über dem Ammersee eine glutrote Sonne untergeht. Und wir reden von damals, von diesem unglaublichen Jahr, als wir an den Nägeln gekaut und dann gejubelt haben. Wir haben zunächst 20-30% verloren, um dann 60-100% zu gewinnen, aber ein paar graue Haare haben wir neben der Erfahrung dabei mitgenommen.

Damit verdüsterte sich das Bild der Kugel wieder. Woher und von wem die Assyrer sie bekamen, wird immer ein Geheimnis bleiben, so wie auch die, die sie mir zur Verfügung gestellt haben. Aber es war eine spannende Geschichte, die sie mir erzählt hat, ich hoffe auch Ihnen.

Ihr Hari

Nachtrag:

Wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, bin ich vielleicht betrogen worden - die mir erzählte Geschichte von den Assyrern und dem Weg der Kugel zu mir - die ich Ihnen wie gesagt nicht erzählen kann - war einfach zu attraktiv und wohl eine Verkaufsmasche. Auch ist der in der Kugel gezeigte Ablauf zu nahe am 2008er Geschehen rund um Lehman, als das es sich so wiederholen sollte - oder doch nicht?

Ich bin unsicher, denn ich weiss, dass sich keine Krise völlig gleicht und bei der nächsten nur Eines sicher sein wird - die Überraschung wo die Krise sich zum ersten Mal zeigt, garantiert nicht da wo es alle erwarten.

Ausserdem weiss ich immer noch nicht, wie die Bilder von mir im gealterten Zustand in die Kugel gekommen sind. Wenn es also ein Betrug war, dann ein sehr aufwändiger und warum sollte das jemand machen? Fragen über Fragen, aber eines ist klar:

Der emotionale Ablauf, das was wir erleben werden, die wir diese Krise mit unseren Depots durchleben, das ist nahe an der Realität und deswegen hat es Wert, diese Zukunft gesehen zu haben. Amen.

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Jens Rabe trifft Michael Schulte



Jens Rabe von -> Optionsstrategien.com <- - der auch hier bei Mr-Market Mitglied ist - hat mit mir Ende Juli in Zwickau ein Interview geführt.

2 Teile davon konnten Sie schon in seinem -> Youtube-Kanal <- sehen.

Nun ist hier das komplette Video am Stück, inklusive neuer Teile, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Darin unter anderem eine Darstellung, wie ich 2008 den Lehman-Crash erlebt habe, ein Gespräch über unsere Emotionen und unser "Affenhirn", sowie eine ausführliche Sicht auf Tesla und warum ich denke, dass die Bullen und Bären da aneinander vorbei reden.

Wichtig ist noch der Hinweis, dass wir das Video ohne jegliche inhaltliche Vorbereitung einfach adhoc abgedreht haben. Nichts war abgesprochen und ich wusste nicht, was Jens Rabe mich konkret fragen würden. Sie hören hier also "O-Ton frei Schnauze", so wie ich halt rede, wenn man mich fragt. 😉

Ich danke Dir Jens für einen schönen Tag in Zwickau und Ihnen wünsche ich viel Spass beim Anschauen!

Ihr Hari

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Wie eine Topbildung aussieht



Nein, wir haben noch keine Topbildung. Wir haben derzeit einen stampfenden, schiebenden, schwitzenden Bullenmarkt. 😀

Aber ich habe ja zuletzt immer wieder betont, dass neue Hochs *keine* Gefahr sind, dass Märkte in der Regel *nicht* sofort auf dem Fusse drehen - ausser es passiert etwas völlig Überraschendes - und dass man deswegen bei neuen Hochs keine Angst haben muss. Denn mir ist völlig klar, wie schwer es unserem Affenhirn fällt, so starke Märkte zu kaufen. Viel lieber greift unser Affenhirn zu, wenn etwas stark fällt, weil es sich dann billig anfühlt - Sie wissen schon, das berühmte fallende Messer - Aua! 😉

Berechtigten Grund zur Sorge gibt es dagegen, wenn klare Wendeformationen existieren, oder man so eine "Brösel, Brösel, Brösel" Situation hat, an deren Ende dann der Absturz über die Klippe kommt.

Nun sind Worte aber nur Worte, einprägsame Bilder machen mehr Eindruck. Deswegen mache ich mit Ihnen heute eine Chartreise durch die letzten 5 Situationen, die im langfristigen Bild mit Wochenkerzen den Namen "Crash" oder "Einbruch" zu Recht getragen haben. Als da sind:

  1. Eurokrise 2011 aus Sicht von S&P500 und DAX
  2. Lehman 2008 aus Sicht von S&P500 und DAX
  3. Internetblase 2000 aus Sicht von S&P500 und DAX
  4. Long Term Capital Management (LCTM) Crash 1998 aus Sicht von S&P500 -> LTCM Crash <-
  5. Schwarzer Montag 1987 aus Sicht von S&P500 -> Black Monday <-

Für die beiden Ereignisse von 1998 und 1987 habe ich keine sauberen Charts vom DAX mehr, daher nur die S&P500 Betrachtung. Ich rate dazu, sich die beiden Links zu 1998 und 1987 mal zu Gemüte zu führen, um zu verstehen, worum es dabei gegangen ist. Denn das wird für die Bewertung wichtig sein und viele werden diese Krisen nicht bewusst erlebt haben, es kann ja nicht jeder so eine alter "Knacker" wie ich sein. 😉

Der Black Monday von 1987 hatte übrigens keinen klaren Katalysator, man könnte sagen, der Markt ist unter dem eigenen Gewicht zusammen geklappt. Der LCTM Crash dagegen hatte für den Markt eine eindeutige, plötzlich und in ihrer Dynamik völlig überraschende Ursache. Insofern ist 1998 die Ausnahme und es wird interessant sein zu sehen, ob auch die Kurse da ein Ausnahmeverhalten zeigen.

Im Folgenden zeige ich Ihnen nun die 8 Charts mit Markierung und kurzen Worten, die weitgehend für sich sprechen. Gegen Ende dann eine Zusammenfassung.

So .... ich denke die Botschaft ist klar. In allen - wirklich in allen - Fällen ausser 1998 bei LCTM, hat sich der Einbruch vorher durch zumindest ein niedrigeres Hoch, eine klare Topbildung oder eine Brösel,Brösel,Brösel Situation mit klarem Abwärtstrend angedeutet. In vielen Fällen wie 2000 gab es sogar x-fache Warnungen mit niedrigeren Hochs und damit *Null* Grund, diese Reise nach unten mitzumachen.

Wer also die Charts und die Marktmechanik klar beachtet hat, wer dann ausgestiegen ist, wenn sich klar ein Abwärtstrend oder eine vollendete Topformation ergab, war immer auf der sicheren Seite und hat den grossen Absturz *nicht* voll mitmachen müssen. Vielmehr konnte dieser Marktteilnehmer dann viel tiefer wieder kaufen und so einen massiven relativen Ertrag erzielen. Der Crash legte die Grundlage für riesige Gewinne danach sozusagen.

Sicher, vom Top 10 oder 20% Prozent abgeben zu müssen ist nicht schön, wer das vermeiden will, muss halt auf kleineren Zeitebenen wie Tageskerzen solche Absicherungsaktionen machen und damit etwas intensiver rein und raus gehen. Der entscheidende Punkt ist aber, einen Grund den Weg nach unten mitzumachen, gab es nicht für die, die Augen hatten zu sehen und wenigstens die Grundkonzepte von Trends verstanden haben.

Es gab nur eine Ausnahme: LTCM 1998. Und das, weil das für die Märkte völlig überraschend und schnell, ohne grosse Vorbereitung kam. Gestern sprach ich davon, dass wir auch so einen Fall hätten, wenn der koreanische Gnom nun einen Atomkrieg beginnen würde. Stimmt, in dem Fall gibt es keine Vorwarnung in den Charts und keine tieferen Hochs die *Alarm* für sehende Augen schreien. In dem Fall geht es sofort massiv runter.

Mit diesem Restrisiko müssen wir aber leben, sonst dürfen wir Morgens gar nicht mehr aufstehen und selbst in so einem Fall ist noch Zeit, mittendrin händisch die Reissleine zu ziehen, wir haben im Chart da Wochenkerzen und keine Minutenkerzen!

Fazit: Keine Panik bei neuen Hochs. Sicher kann das ein Top werden, aber riskant wird ein Markt erst später, wenn er anfängt tiefere Hochs und tiefere Tiefs zu generieren. Brösel, Brösel eben. 😉

Ich hoffe das trägt zur Beruhigung bei und hilft Ihnen, Bullenmärkte in Zukunft auch mal richtig mitzugehen. Hören Sie nicht auf die ganzen Crash-Propheten mit ihrem Gebrabbel, die haben auch keine Glaskugel.

Der Markt weist uns den Weg, der ist nicht unser Feind, sondern unser Hirte. 😉

Ihr Hari

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