Überlassen wir 2018 noch der Prognosiritis

Letzte Woche habe ich Ihnen in -> Der Weg zum Jahreswechsel <- gezeigt, wie ein wahrscheinlicher Pfad zum Jahreswechsel aussieht und dass darin eigentlich noch ein begrenzter "November-Schluckauf" Platz hat.

Nun, letzte Woche hat sich dieser "Schluckauf" vielleicht schon in Gang gesetzt, zumindest in den europäischen Indizes wie dem DAX ist er schon zu sehen und die US Indizes könnten diese Woche auch leicht korrigieren.

Deshalb expandiere ich heute mal das Chart von letzter Woche und zeige Ihnen, was das im Leitindex SP500 bedeuten würde:

Wir sehen die Pfade (1) und (2), die beide auf den naheliegenden Unterstützungen drehen und beide extrem bullisch und bestätigend zu werten sind.

Erst wenn der Markt Pfad (3) einschlägt, muss man auch andere Varianten in Erwägung ziehen, wobei auch Pfad (3) bei einer Wende im Bereich 2.500 immer noch völlig gesund und normal wäre.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch das Marktsentiment. Das hat sich nicht nur bei den anhand technischer Daten gemessenen Indikatoren wie dem -> Fear and Greed Index <- wieder normalisiert, auch Joachim Goldberg berichtet -> hier <- treffend von einer vorsichtigen Haltung, die für den DAX positiv zu sehen ist, bei der Unterstützung um 12.900 wird es nach meiner Erwartung wieder interessant.

Und ich beobachte selber, auf welche Skepsis alle Hinweise bei normalen Anlegern treffen, dass dieser Markt durchaus weiter hoch laufen kann. Da stösst man schnell auf Widerstand, während es bei Warnungen dass dieser Markt gefährlich ist, sofort wohlgefälliges Kopfnicken gibt. Ich habe auf diesen Umstand zuletzt -> hier bei Tichy <- hingewiesen, viele Anleger erreichen kann man damit aber nicht, mit Horrorgeschichten vom nächsten Crash dagegen ohne Probleme.

Wirklich erfahrenen Anlegern - und ich hoffe Sie gehören dazu, wenn Sie meine langen Texte durchhalten 😉 - sollte das aber etwas über den Bias sagen, der im Markt vorhanden ist. Die "Herde" ist immer noch eminent skeptisch, die Profis in den US dagegen eher optimistisch, aber in Form eines nervösen Optimismus, der den Finger jederzeit am Abzugsknopf für den Notausgang hat.

-> Dieser nette Artikel <- macht zum Thema einen validen Punkt, den ich mal übersetzen möchte:

As such, independent investor sentiment levels about the stock market are about as euphoric right now as a stomach ulcer.

Das Sentiment der nicht-institutionellen Investoren zum Aktienmarkt ist ungefähr so euphorisch wie ein Magengeschwür.

Volltreffer und gleichzeitig sind die Wirtschaftsdaten um den Globus herum durchweg auf Expansionskurs. Passt nicht so recht zusammen, oder?

Was kann man da Anlegern raten?

Nun, zunächst einmal will ich Niemandem etwas raten, Anleger machen doch sowieso was Sie wollen, wenn es klappt sind sie die Helden und wenn nicht, sind die Informationsquellen schuld. 😉 Bei uns in der Community ist das anders, da sucht man im Spiegel den Schuldigen, das ist aber eine kleine Minderheit und das ist gut so.

Aber Anlegern, die keine Erfahrung im Markt haben und bis jetzt gezögert haben in den Markt einzusteigen, die sollten es jetzt wirklich sein lassen. Es gab viele bessere Punkte um die erste Aktie zu kaufen und der Markt ist ja auch objektiv unter der Decke verzerrt und daher inhärent riskant. Unerfahrene Anleger werden bei der nächsten unvermeidlichen 10-20% Korrektur nur in Panik geraten und ihr kurzes Gastspiel mit Verlust abschliessen.

Wer aber erfahrener ist, wer weiss wie man konsequent aussteigt wenn ein Trend sich dreht und wer ein Risikomanagement besitzt, der kann vorerst dabei bleiben, denn der Aufwärtsttrend ist intakt und die Aussichten zum Jahresende von den Wahrscheinlichkeiten her nicht schlecht. Wie letzte Woche erklärt, wird das Jahresende vielleicht stark sein, gerade *weil* das Jahr so stark war.

2018 ist dann eine völlig andere Geschichte, ein Dip im Konjunkturzyklus wahrscheinlich und die unvermeidliche - aber in 2017 ausgefallene - 10-20% Korrektur irgendwann mal fällig. Nur wann diese kommt ist weiter offen und vor allem muss das erfahrene Anleger heute nicht interessieren.

Die schauen auf die Füsse statt ins Wolkenkuckucksheim und sind auch nicht im Geschäft der -> Prognosiritis <-, weil diese völlig unproduktiv und sinnlos ist. Das Geld wird mit den Kursen verdient, die jetzt zwischen heute und Weihnachten aufgerufen werden und nicht mit Spekulationen über 2018. Und Aussteigen kann man bis zum oder zum Jahresende dann immer noch, wann immer es geboten erscheint.

Überlassen wir 2018 also mal noch den Prognostikern, die alle so eine tolle Glaskugel haben. Übrigens hat von denen letztes Jahr niemand, absolut niemand, das Jahr 2017 richtig auf dem Radar hatte. Schauen Sie noch einmal -> hier im Überblick <-, was diese vor einem Jahr geschrieben haben. Ganz grosses Kino im Herdenverhalten. 😉

Das wird die aber nicht davon abhalten, dieses Jahr wieder mit gewichtigem Gesicht das Offensichtliche fortzuschreiben und es wird viele Anleger wieder nicht davon abhalten, das ernst zu nehmen. Na dann viel Spass dabei, irgend jemand muss uns ja auch die Aktien verkaufen, die wir kaufen wollen oder umgedreht. 😉

Wenn Sie für kommendes Jahr sicherer sein wollen, lassen Sie das mit den Prognosen gleich ganz sein und schauen Sie wie beim Bergsteigen auf die Füsse. Irgendwann kommt man dann schon am Gipfel an, wenn man bei jedem Schritt aufgepasst hat nicht in den Abgrund zu stürzen. Hans-Guck-In-Die-Luft mit den grossen Prognosen, die das Ego vom Hans dann dem Markt "beweisen" will, weil alle andere im Markt ja nur Idioten sein können, ist da schon eher absturzgefährdet.

Übrigens, Bergsteiger mit intelligentem Risikobewusstsein und solche die es werden wollen, werden bei uns in der Community weiter gerne aufgenommen. "Weissager", "Alles-Besser-als-der- Markt-Wisser" und "Glaskugelbesitzer" werden sich dagegen eher deplatziert fühlen. 😉

Zum Jahreswechsel wird es übrigens eine Preissteigerung für Neumitglieder geben, vielleicht ein Grund mit dem Bergsteigen schon 2017 zu beginnen und die blöde Glaskugel wegzuwerfen, die sowieso nur "Made in China" ist und nicht funktioniert.

Ihr Hari

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Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015?

Das grosse Rätselraten ist im Gange - mal wieder. 😉 Ist das nun eine Kaufgelegenheit oder steht uns noch weiteres Ungemach an den Märkten bevor?

Letztlich ist dieses Rätselraten sinnlos und wird medial von Leuten beherrscht, die ihre Meinung mit besonderer Verve zu Markte tragen. Erfahrene Anleger - und Trader sowieso - wissen aber, dass der dauerhafte Erfolg am Markt sich umgekehrt reziprok zur Lautstärke der Prognosen einstellt und vor allem mit Beobachtungsgabe, Strategie und Disziplin zu tun hat.

Denn die Zukunft ist unbestimmt und nur aufmerksame Beobachtung der Signale des Marktes erlaubt uns, diesem zu folgen oder ihn sogar manchmal zu antizipieren. Eine Kristallkugel zur zuverlässigen Vorhersage der Zukunft hat aber niemand.

Bei der Frage, wie es nun an den Märkten weiter geht, sind einfach zu viele noch unbestimmte Variablen im Spiel. So hat die FED in Person des FED Vize Stanley Fisher, gerade wieder auf der Notenbanktagung in Jackson Hole mit eigenen Worten bewiesen, dass sie selber noch nicht weiss, ob der erste, lang erwartete Zinsschritt nun im September kommt oder nicht.

Und Fisher hat die US Arbeitsmarktdaten vom kommenden Freitag zum entscheidenden Kriterium gemacht. Wir können uns also schon wieder auf eine massive, inverse Reaktion des Marktes am Freitag einrichten. Sprich zu gute Daten werden schlecht sein und umgedreht. In dieser inversen Logik haben wir ja nun jahrelange Übung. 😉

Der Punkt ist, wenn die FED als wichtiger Marktfaktor selber noch nicht weiss, ob sie nun Taube oder Falke sein will, wie sollen wir das dann wissen? Und welchen Sinn haben dann zu überzeugte Prognosen mit "Egowelle", ausser um sich selbst im medialen Wettbewerb mit Kompetenzanmutung zu verkaufen?

Auch heute haben wir durch schlechte chinesische Daten ja wieder einen unberechenbaren Einflussfaktor, der initiale Schwäche an den Märkten generiert. Auch da fragt man sich aber eher, wie schlimm es denn nun wirklich ist, wenn solche Werte überhaupt zugelassen werden. Denn nachdem sogar Journalisten lächerlicherweise für den Kurssturz verantwortlich gemacht werden, dürfte dem Letzten klar sein, dass den offiziellen chinesischen Daten sowieso nicht zu trauen ist.

Und am Donnerstag kommt die EZB und es wurde von Seiten der EZB ja schon darüber spekuliert, dass auch eine Ausweitung des Kaufprogramms im Rahmen des QE denkbar ist.

Aber trotz all dieser unberechenbaren Einflussfaktoren, sind wir trotzdem nicht blind. Im Gegenteil. Es gibt unzählige Faktoren und Indikatoren, die uns seriös etwas über den Marktzustand sagen und die ein komplexes Gesamtbild formen.

Es ist unmöglich im Rahmen so eines Beitrages im freien Bereich diese Faktoren alle zu betrachten, das tun wir im Premium-Bereich täglich und haben damit in den letzten 2 Wochen fast auf den Punkt den beginnenden Einbruch und vor allem sehr profitabel, den Rebound ab Montag letzter Woche getroffen.

Diese Faktoren und Marktdaten schaffen aber auch keine absolute Sicherheit, Sicherheit gibt es am Markt nicht. Sie definieren aber Wahrscheinlichkeiten. Es gibt einfach Szenarien, die jetzt wahrscheinlicher sind als andere und das aus guten Gründen. Das ist keine absolute Sicherheit, aber es ist eine Menge mehr, als blindes und panisches Herumraten.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem Verhalten des Marktes zu, wenn der im Rebound in die wichtigen Widerstandszonen bei 2.040 - 2.050 im S&P500 und bei 10.6xx im DAX hinein läuft. Und diese Zonen haben wir noch nicht heute erreicht, noch hat der Rebound Luft nach oben.

Wie es von da weiter geht, ist die Frage, für die uns die intensive Marktbeobachtung Wahrscheinlichkeiten liefert.

Statt Ihnen nun aber unzählige Wenns und Abers und Szenarien zu zeigen, will ich als Kunstgriff statt dessen die Vergangenheit bemühen. Denn Geschichte wiederholt sich zwar nicht, sie reimt sich aber und das gerade an der Börse. Alles schon einmal da gewesen, sozusagen. 😉

Schauen wir also auf 4 mögliche Vorlagen für 2015 und versuchen die Frage zu beantworten, welches Jahr sich am ehesten auf 2015 reimt:

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So sah es 2008 aus. Wir wären dann gerade im ersten Rebound nach dem ersten Einbruch, dem sich damals schweres Ungemach angeschlossen hat:

S&P500 2008

Das Szenario ist denkbar, erscheint mir in Würdigung der Gesamtumstände derzeit als Analogie aber eher unwahrscheinlich.

Nun aber schauen wir auf den gnadenlosen Rebound im Herbst letzten Jahres:

S&P500 2014

Aber auch hier gilt für mich nach Sichtung aller Daten, dass das zwar etwas wahrscheinlicher als die 2008er Analogie, aber auch eher unwahrscheinlicher ist als das, was nun folgt.

Weit besser passt mir da die 2011er Analogie ins aktuelle Bild, die übrigens auch im August den Einbruch begann. Hier markierte zwar der erste Einbruch fast das Tief, aber es folgten eben 2 Monate markanter Swings, die mit einem marginal tieferen Tief im Oktober endeten, bevor es zum Jahresende wieder hoch ging:

S&P500 2011

Das reimt sich auf die aktuellen Rahmenbedingungen schon viel besser und erscheint im Gesamtbild eine gut vorstellbare Vorlage für das aktuelle Geschehen.

Aber es gibt noch eine, zunehmend vergessene Parallele, die mir noch einen Tick besser gefällt. Und das ist 1998, woran sich noch 2 Jahre harte Rally anschlossen, bevor dann im Jahr 2.000 eine echte Blase platzte:

S&P500 1998

Diese Struktur eines Doppelbodens passt sehr gut zu einem Ablauf, in dem die Indizes nun noch bin zu den genannten Widerstandszonen laufen, dann im Zuge einer Erwartung der Zinserhöhung der FED in die FED Sitzung hinein fallen und nach dem die Kuh endlich vom Eis ist und klar wird, dass nach der ersten pro-forma Erhöhung sowieso nichts nachkommt, dann zum Jahresende hin wieder in den Rallymodus gehen.

Alles Spekulation? Stimmt, das betone ich ja immer. Aber es spricht viel dafür, dass die 2011er und 1998er Analogie näher an den Realitäten der Gegenwart ist, als die extremen Crash- und Rebound-Szenarien, die man von den grossen -> Crashpropheten und Gesundbetern <- nun mal wieder lesen kann.

Für die Anleger bedeutet das, nicht zu schnell das ganze Pulver zu verschiessen und sich auf weitere, wilde Volatilität einzurichten - aber Schwäche trotzdem Zug um Zug zu nutzen, um langfristige Posititionen wieder aufzubauen, die aufmerksame Markt-Beobachter Anfang August abgebaut haben.

Und woran erkennt man, dass wir doch in 2008 sind und man doch schnell raus muss? Wenn das Tief vom letzten Montag nicht nur kurz für ein oder zwei Tage marginal unterschritten, sondern nachhaltig nach unten verloren wird. Dann hätten wir Alarmstufe Rot an den Märkten, aber da sind wir noch nicht.

Am Ende ist es aber alleine die Price-Action die für uns Relevanz haben sollte. Wir dürfen uns deshalb auch nicht in obige Vorlagen verbeissen, vielleicht hat 2015 sein ganz eigenes Muster, das noch nicht geschrieben ist.

Aber eine grobe Orientierung können die alten Verläufe schon geben und solche Szenarien erlauben uns, das reale Geschehen dann auch schneller einzuordnen. Und das ist eine Menge wert, nur verheiraten und verlieben dürfen wir uns in diese Analogien eben nicht. Es sind gedankliche Krücken, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihr Hari

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Reflexivität – die wichtigste, abstrakte Börsenerkenntnis überhaupt!

Dieser Artikel erschien schon am 04.08.14 11:25 in Hari Live und wurde zwecks Verständlichkeit für die Allgemeinheit überarbeitet

Die wichtigste, abstrakte Börsenerkenntnis überhaupt ? Ja, das ist ein hoher Anspruch, den ich da im Titel zur Reflexivität formuliere. Ich bin aber wirklich davon überzeugt, dass das, was ich Ihnen nun zu vermitteln versuche, die wichtigste abstrakte Erkenntnis ist, die Sie über den Markt gewinnen sollten.

Eine abstrakte Erkenntnis ist dabei kein "heisser Tip", der sie sofort "reich" macht, den gibt es sowieso nur in der Phantasie naiver Mitbürger. Eine abstrakte Erkenntnis ist aber etwas, das Ihnen ermöglicht in Zukunft den Markt und seine Bewegungen besser zu verstehen. Und etwas, das Sie immun gegen allerlei Unsinn macht, der permanent über den Markt geschrieben wird, insbesondere im Bereich der ansteckenden Krankheit der "Prognosiritis". 😉

Die Erkenntnis ist deshalb so wichtig, weil unzählige ansonsten intelligente Marktbeobachter, diese Erkenntnis offensichtlich nicht haben. Denn wir Menschen lieben es, uns die Welt in zweidimensionalen Kausalketten zurecht zu legen. Der Markt ist aber genau das nicht. Unsere Gehirne sind evolutionär so gestrickt so zu denken - auf ein komplexes, selbstreferentielles System wie den Markt, hat uns die Evolution schlicht nicht vorbereitet.

Zunächst einmal, sollten Sie daher lesen und verstehen, was unter -> Reflexivität <- zu verstehen ist. Der Begriff geht auf Thomas und Merton zurück und wird in der Soziologie verwendet. Wir haben es hier aber nicht nur mit einem soziologischen Thema zu tun, sondern mit einer viel generelleren, grundlegenden Eigenschaft von Systemen, die auch Ähnlichkeit mit dem "Beobachterproblem" hat.

Der Gedankengang der Reflexivität hat Schnittpunkte mit der Tatsache, dass wenn ein Biologe ein Rudel Erdmännchen in seinem natürlichen Sozialverhalten beobachten will, er zwingend sicher stellen muss, dass diese nicht wissen, dass sie beobachtet werden. Denn wüssten sie es, würde sich das Verhalten ändern. Die Beobachtung hätte also eine Verhaltensänderung zur Folge, was eine Rückkopplung zum Beobachter auslösen würde.

Der Gedankengang der Reflexivität hat Schnittpunkte mit der Heisenbergschen Unschärferelation auf Quantenebene, die man umgangsprachlich auch so beschreiben könnte, dass die Messung eines Teilchens zwangsläufig mit einer Störung seines Ortes verbunden ist. Die Messung beeinflusst also das Ergebnis zu stark, ein Effekt, der aber erst auf atomarer Ebene seine Wirkung entfaltet, der aber bei genauem Nachdenken nur logisch ist, denn auch eine "Messung" bzw. "Beobachtung" besteht ja aus "Strahlen" also Wellen bzw Teilchen.

Der Gedankengang der Reflexivität fusst auf Grundlagen, die durch Gödels extrem bedeutenden und unterschätzten -> Unvollständigkeitssatz <- in der Mathematik gelegt wurden.

Warum spanne ich den Bogen so weit ? Um Ihnen in wenigen Sätzen ein Gefühl für das dahinter stehende gemeinsame Muster zu verschaffen:

Denn in allen genannten Fällen ist der entscheidende Punkt, dass die Beobachtung bzw Beschreibung eines Systems, das Systemverhalten durch Rückkopplung ändert. Und man daher mit zweidimensionalen Kausalbeziehungen systemimmanent nicht weit kommt.

Und der Markt ist genau so ein Biest. Denn wir Menschen, der wir den Markt beobachten und in Artikeln und Analysen beschreiben, sind gleichzeitig auch Marktteilnehmer und eben nicht unabhängige Beobachter. Und wir ändern unser Verhalten, wenn der Markt etwas macht oder wir eine Analyse lesen, die uns überzeugt. Was aber wiederum zwingend bedeutet, dass wenn die Analyse so überzeugend ist, dass grosse Teile des Marktes darauf reagieren, die Analyse - durchaus mit Parallelitäten zu Schrödingers Katze - selber ausser Kraft gesetzt wird. Der Markt hat sozusagen durch die Analyse seinen "Ort" gewechselt bzw der wahre Ort ist "verschmiert" worden und nicht mehr richtig zu beobachten.

Deshalb ist es so, dass wenn alle am Markt in die gleiche Richtung denken, der Markt fast zwangsläufig in die Gegenrichtung laufen muss, der folgende -> Artikel zu Anleiherenditen <- ist dafür ein schönes Beispiel. Denn wenn alle gleich denken, sind eben auch alle gleich positioniert und der Weg des geringsten Widerstandes geht in die Gegenrichtung.

Übersetzen Sie jetzt aber bitte nicht "Reflexivität" einfach trivial mit "Antizyklisch", das ist nicht das Gleiche! Im Gegenteil, es gibt gerade in Deutschland eine ganzes Heer selbst ernannter "Antizykliker", die vom bevor stehenden Zusammenbruch des Finanzsystems überzeugt sind, und die sich zwar emotional wohlig als Teil einer kleinen vermeintlich "wissenden" Gemeinde fühlen, in Wirklichkeit aber der pure Mainstream sind. Und auch solche Thesen unterliegen der Reflexivität, wovor sich der Markt schon fürchtet, kann nur schwer eintreffen. Man könnte auch sagen, ein "Antizykliker" mit viel Gesellschaft und vielen Lesern kann keiner sein. 😉

Deshalb springt die -> Effizienzmarkthypothese <-, auch wenn im Umfeld der Hypothese Nobelpreise verliehen werden, für mich viel zu kurz. Denn darin wird ein Gegensatz von Nachrichten auf der einen Seite und deren Verarbeitung auf der anderen Seite gemacht. Ganz analog zu einem nicht sozialen System, wie einem Automotor, bei dem man auch ganz wissenschaftlich untersuchen kann, wie der auf bestimmte Umweltreize (Nachrichten) reagiert. Und bei nicht reflexiven Systemen wie dem Automotor, kommt man mit solchen zweidimensionalen Kausalbeziehungen auch zu guten Ergebnissen.

Nicht aber am Markt, denn der sind wir. Und so haben wir permanent Rückkopplung. Um es auf das Nachrichtenmodell der Effizienzmarkthypothese zu übertragen, sind die Bewegungen des Marktes also die Nachricht, die wiederum zu Reaktionen und Anpassungsverhalten führt. Der Markt generiert also selber permanent Nachrichten, in dem er sie verarbeitet. Es ist deswegen in einem selbstreferentiellen System systemimmanent unmöglich, Nachrichten völlig effizient zu verarbeiten. Der Grund liegt in der Rückkopplung, der Reflexivität. Es ist ebenso unmöglich, wie festzustellen, ob Schrödingers Katze nun lebt oder tot ist. Und es ist ebenso unmöglich, wie das Leben der Erdmännchen authentisch zu studieren, wenn die wissen, dass sie beobachtet werden. Und ebenso unmöglich, wie ein hinreichend mächtiges, konsistentes formales System, die eigene Konsistenz nicht beweisen kann - genau das ist Gödels Unvollständigkeitssatz.

Ich will damit gar nicht sagen, dass die Effizienzmarkthypothese völlig wertlos ist. Nein, unter den von ihr angenommen Voraussetzungen, ist sie eine sinnvolle Beschreibung der Informationsverarbeitung. Das Problem ist nur, dass die Voraussetzungen nicht mit der Realität im Einklang stehen. Der Markt ist eben nicht nur eine "Nachrichtenverarbeitungsmaschine", sondern in dem er Nachrichten verarbeitet im gleichen Masse auch eine "Nachrichtenerzeugungsmaschine" - Reflexivität eben.

Übrigens gibt es für solche näherungsweise richtigen, im grösseren Masstab aber dann doch unzureichenden Theorien, auch eine Entsprechung in der Physik. Newton war ein grosser Physiker und sein Gravitationsgesetz ist bedeutend. Und trotzdem ist es objektiv gesehen nicht zutreffend, weil es eben nicht im ganzen Universum gültig ist, sondern nur eine zutreffende Annäherung an die von uns auf dem Planeten Erde praktisch erlebte Wirklichkeit darstellt. Aber immerhin kann man aus Newtons Gravitationsgesetz, ganz praktisch und pragmatisch konkrete Berechnungen ableiten, die dann bis auf wenige Kommastellen auch auf unserer Lebensebene zutreffende Annäherungen liefern. Von der Effizienzmarkthypothese und den Märkten kann man das nicht sagen.

Deshalb gibt es übrigens auch keine "Weisheit der Masse" am Markt, wie uns das neue Thema "Social Trading" gerne glauben machen will. Systembedingt gibt es nur eine "Dummheit der Masse". Denn wenn zu viele Menschen die gleiche Überzeugung haben, kann sie am Markt wegen der Rückkopplung nicht mehr funktionieren. Der Erfolg einer Idee ist beim Social Trading also gleichzeitig ihr Untergang. Die Meinung vieler Menschen einzuholen und miteinander zu verknüpfen, hat daher nur dann einen Wert, wenn diese Meinungsbildung unabhängig und unbeobachtet vom Markt stattfindet. Genau das macht Social Trading aber nicht, sondern das Gegenteil, die Rückkopplung ist voll da.

Das Anlageteam, das sich zusammen setzt und die Lage diskutiert, erzeugt also einen Mehrwert bei der Einschätzung, weil viele Augen mehr sehen, als wenige. Was wir hier im abgeschotteten Bereich von Mr-Market.de diskutieren, erzeugt Mehrwert, weil es der Markt nicht weiss und wir zu wenige sind, um den Markt durch unsere Verhalten nachhaltig zu beeinflussen.

Aber wenn sich zum Beispiel im Social Trading jemand lange an der Spitze hält, weil er so toll illiquide Nebenwerte selektiert, dann werden tausende darauf aufmerksam und ihr Verhalten ändern. Und da es illiquide Nebenwerte sind, wird es eine Rückkopplung geben und sich deren Kursentwicklung verändern. Und am Ende hat der Erfolg des Social Trading Konzeptes gleichzeitig seinen Untergang herbei geführt. Das genau ist die Reflexivität.

Ich hoffe, ich habe Sie nicht verloren. Es ist schwierig, den komplexen Gedanken in seiner Gänze zu Papier zu bringe. Betrachten Sie das Thema aber nicht als abstraktes Wissen, sondern versuchen Sie zu erfassen, was das Folgende bedeutet:

Der Markt ist ein selbstreferentielles, reflexives System, in dem die Beobachter des Marktes, gleichzeitig die handelnden Marktteilnehmer sind und permanent durch Rückkopplung in ihren Handlungen beeinflusst werden.

Der Markt ist eben kein statisches, lebloses Objekt wie ein Automotor, den man nur lange genug studieren muss, um seine Geheimnisse zu ergründen. Sie werden aber erstaunt sein, wie unzählig viele Studien und Forschungen - auch und gerade in der Ökonomie - den Markt so untersuchen, als ob er ein "Automotor" ohne Rückkopplung wäre. Diese Studien müssen zwangsläufig zu völlig irrelevanten Ergebnissen kommen, denn wenn die Grundannahmen einer Theorie nicht der Realität entsprechen, wird auch das theoretische Gebäude dann Unsinn produzieren, ganz egal wie durchdacht und mathematisch anspruchsvoll das Gebäude ist.

Der Markt reagiert also nicht nur auf exogene Nachrichten, sondern er schafft durch sein Verhalten wiederum selber Nachrichten, die wiederum die Beobachter zu Handlungen motivieren - ein beständiger Kreisschluss, zwischen Beobachtern und Handelnden, der sich selbst in Bewegung hält. Kein Wunder, wir sind ja beides, Beobachter und Handelnder.

Wer ein bisschen Einblick hat, wie zum Beispiel in der 2008er Krise Vorstände von Unternehmen Investitionen zurück hielten und damit den Abschwung verstärkten, weil der Einbruch des Marktes Gefahr signalisierte, obwohl der Effekt noch gar nicht beim eigenen Auftragseingang angekommen war, der konnte diese sich rückkoppelnden und wellenartig aufschwingenden Effekte hautnah beobachten. Das Wissen um die kommende Krise hat eine neue Wirklichkeit des Handelns geschaffen und dieses Handeln wiederum hat die Krise erst so richtig tief werden lassen.

Wer ist da Henne und wer Ei? Ich weiss es nicht und die Frage ist auch irrelevant. Nur unser auf zweidimensionale Kausalketten gedrilltes Gehirn will dafür unbedingt eine Antwort, wo keine nötig ist. Genau das ist aber Reflexivität. Und genau eine solche systemisch, dynamische Wirklichkeit wollen unsere für das Überleben in der Savanne gebauten Hirne nicht akzeptieren. Wir suchen immer nach klaren Kausalketten, auch wenn keine da sind. So sind wir halt gestrickt.

Deswegen kann der Markt Nachrichten gar nicht "effizient" verarbeiten, weil es zu oft gar keine objektiven Nachrichten gibt, sondern nur der Markt selber die Nachricht ist und im eigenen Saft schwingt. Die klare Trennung zwischen Nachricht auf der einen Seite und verarbeitendem Markt auf der anderen, ist also eine Annahme, die unzutreffend ist - es gibt diese klare Trennung in der Regel nicht. Und Theorien, die auf unzutreffenden Axiomen beruhen, mögen in sich konsistent sein, unzutreffend sind sie aber trotzdem.

Deswegen ist der Markt permanent und systemimmanent "ineffizient" und für intelligente Menschen, die das verstehen, bieten sich erhebliche Potentiale den Markt zu schlagen.

Deswegen ist es aber so schwierig den Markt zu schlagen, denn der Markt sind wir, er weiss sozusagen, was wir denken und wovor wir uns ängstigen. Der Markt ist ein Pokergegner, der einen permanenten Vorteil hat, weil er weiss, wie unser Blatt aussieht. Und diesen Vorteil können wir dem Markt als Individuen nur dann nehmen, wenn wir gut verstehen, was die Mehrheit des Marktes denkt. Denn die Denkweise und damit verbunden die Erwartungen der Mehrheit bestimmen, was der Markt macht.

Das ist das Thema der Reflexivität. Der Markt ist ein Biest, dass sich permanent an unsere Erwartungen anpasst und es uns daher so schwer wie möglich macht. Kein Wunder, denn wir sind dieses Biest selber. Wer solche Systeme mit zweidimensionalen Kausalbeziehungen analysieren will, springt um Dimensionen zu kurz.

Das ist die Erkenntnis, die ich Ihnen mit diesem Artikel vermitteln wollte. Das Thema klingt bei mir immer wieder durch, dieser Text ist der Versuch, mal einen Kontext herzustellen.

Das zu tun ist deshalb so schwierig, weil ich versuche über ein Metathema komplexer Systeme zu sprechen, das in die Wissenschaftstheorie hinein geht und viele Wissensgebiete beeinflusst, nicht nur die Soziologie oder Ökonomie. Und es ist ein Thema, das nicht sehr populär ist, weil es uns Menschen emotional sehr viel lieber ist, die Welt kausal in wenn->dann Beziehungen zu beschreiben, als sie als ein systemisches Wesen mit "Eigenleben" zu begreifen.

Zum Thema übrigens noch eine Buchempfehlung. Das Buch ist älter, aber in seiner Art einmalig, weil es verschiedene Wissenszweige miteinander verknüpft und das Muster der Selbstbezüglichkeit dabei aufzeigt: -> Gödel, Escher, Bach <-

PS:

Ach ja, kluge Köpfe, die es überhaupt bis hier unten zum PS geschafft haben und durchdrungen haben, wovon ich da oben schreibe, werden sich jetzt fragen, warum ich diese Erkenntnis in einem öffentlichen Blogeintrag teile, denn damit unterläge sie ja auch der Reflexivität. 😉 Guter Punkt, kann ich da nur sagen!

Die Antwort ist einfach, es wird sowieso kaum jemand wirklich durchdenken und schon gar keine Schlussfolgerungen für das eigene Handeln am Markt ziehen. Denn diese Erkenntnis läuft unseren menschlichen Gehirnstrukturen zuwider, wir mögen solche Wahrheiten nicht. Und was wir nicht mögen, strafen wir mit Nicht-Beachtung und sonnen unser Ego lieber in unserer kausalen Kontrollillusion, auch Prognose genannt. 😉

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Goldminen – GDX – Grosse Wendeformation im Aufbau ?

Im Premium-Bereich haben wir uns in den letzten Wochen, seit dem bedeutenden Tief vom 26. Juni, intensiv mit den Gold- und Silberminen und den Edelmetallen Gold und Silber beschäftigt. Und haben dabei schöne Gewinne eingefahren, weil wir den neuen Aufwärtstrend frühzeitig erkannt haben.

Nun möchte ich auch den Lesern im freien Bereich einmal die aktuelle Lage aufzeigen, um etwas Ordnung in die typischerweise zwischen Angst und Gier schwankenden Gedanken zu bringen.

Ich zeige Ihnen daher nun, anhand des grossen US Goldminen ETFs GDX, ein mögliches Szenario für den weiteren Ablauf. Der GDX ist das Vehikel, in dem sich auch die grossen Namen wie Soros & Co. tummeln.

Während es meinen treuen Lesern längst bekannt ist, muss ich hier im freien Bereich immer wieder betonen, dass ein Szenario keinerlei Weissagung oder Prognose ist, sondern eben nur ein mögliches Szenario unter anderen. Niemand hat eine Glaskugel, auch ich nicht. Und die, die permanent mit Bugwelle Prognosen produzieren schon gar nicht. Aber aufgrund ähnlicher Bewegungen in der Vergangenheit, so beim GDX der Rebound 2008/2009 oder auch der Rebound letzten Sommer, kann man sinnvolle Schlussfolgerungen über typische Marktstrukturen ziehen. Und damit die Wahrscheinlichkeiten ganz leicht - sozusagen von 50 auf 55% - zu seinen Gunsten verschieben.

Und aufgrund dieser typischen Strukturen hat der folgende Ablauf nun eine realistische Chance. Aber auch wenn eine Chance keine Sicherheit bedeutet und solche Szenarien höchst selten genau exakt so eintreten, alleine diese Struktur im Auge zu haben, verschafft einen grossen Vorteil gegenüber einer Lage, in der man ohne Massstab emotional zwischen Angst und Gier hin und her geworfen wird. Mit dieser Struktur als Vorlage, hat man wenigstens einen Massstab, an dem man Abweichungen erkennen und daraus rational Schlussfolgerungen und Handlungen ableiten kann, statt nur dem Bauch zu folgen.

GDX 22.08.13

Dieses Chart mit Tageskerzen zeigt:

(1) Das der GDX seit dem Tief von Ende Juni einen neuen Aufwärtstrend aufgenommen hat, der durch höhere Tiefs Anfang Juli und Anfang August definiert wurde.

(2) Das der GDX zunächst von der Nackenlinie der Umkehrformation abgeprallt ist, die nach oben auch durch mehrere, grosse Gaps aus Mitte April definiert wird.

(3) Das sich der GDX erst oberhalb dieser Gaps, also oberhalb 35 USD nachhaltig freigeschwommen hat.

(4) Das kurzfristig die Chancen für ein weiteres Trendtief unter der nun ansteigenden 20-Tage-Linie bei ca. 27 USD - aber über der 50-Tage-Linie - vorhanden sind.

(5) Das sich dann entweder erweist, dass der Trend schon am Ende ist und der GDX wieder wegkippt, weswegen zwingend Stops unter dem Tief von Anfang August liegen müssen. Denn wenn mit der Wendeformation alles in Ordnung ist, dürften wir dieses Tief auf keinen Fall mehr sehen.

(6) Oder das dieser Dip bis ca. 27 USD der ideale Zeitpunkt ist, um im Sinne "Buy the Dip" erneut in den GDX hinein zu springen, um den nächsten Schub nach oben nicht zu verpassen.

Ich wiederhole, das ist ein mögliches Szenario, um Ihnen Orientierung im Schlachtengetümmel des Tages zu verschaffen. Es ist keine Prognose, Prognosen sind Unfug, niemand kennt die Zukunft. Und natürlich hängt der GDX letztlich vom Goldpreis ab, der einfach mitspielen muss, wenn es zu dieser Umkehrformation kommen soll.

Im Premium-Bereich verfolgen wir die weitere Entwicklung des Sektors jeden Tag und leiten daraus sinnvolle Handlungen ab.

Ihr Hari

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Von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten

Im Manager Magazin Online ist heute ein sehr schöner Artikel zu den Denkstrukturen von "Untergangspropheten" zu finden, die unser Finanzsystem und die westliche Welt im allgemeinen vor einer historischen Zäsur sehen. Bitte lesen Sie hier über eine -> Expedition in die Welt der Untergangspropheten <-.

Das Verrückte daran ist, ich gebe einigen der Ansichten ja im Kern Recht bzw. ich halte diese für durchaus denkbar und keineswegs für unmöglich - einige Ansichten sogar für wahrscheinlich. Und viele dieser Leute sind intelligent, seriös und voller Erfahrung in wirtschaftlichen und finanziellen Dingen. Auf jeden Fall mit weit mehr Erfahrung, als der durchschnittliche Wähler, der sich lieber über Orchideenthemen ereifert, sich von der Politik einlullen lässt und am Nasenring durch die Gegend geführt wird, statt die historischen Zeiten zu erkennen, in denen wir leben.

Wir können das ja aktuell wieder beobachten, wie diesen Sommer über Deutschland bewusst ein Schleier der Ruhe und Normalität gelegt wird, weil man halt im Schlafwagen am besten die Macht erhält. Dabei stehen bald nach der Wahl eine Reihe harter Wahrheiten vor uns. Nur bis zur Wahl sollte der dumme deutsche Michel davon unbehelligt bleiben, es könnte ja die zementierten Mehrheitsverhältnisse stören.

Trotzdem machen die im Artikel dargestellten Menschen in meinen Augen einen massiven und grundlegenden Fehler. Und es ist der gleiche Fehler, den auch viele Aktienanleger machen, wenn sie sich in eine Aktie verlieben und sich auf bestimmte Prognosen versteifen. Und deshalb schreibe ich in diesem Artikel ausführlich zu dieser Geisteshaltung.

Denn wenn man beispielsweise die Entscheidung schon heute "in die Pampa" zu ziehen und einen "Bunker" zu bauen als eine Investitionsentscheidung in eine Aktie betrachtet, dann verhält diese Entscheidung sich so, wie der Anleger, der einen festen Glauben in den Turnaround einer Aktie entwickelt und diese hält und hält und hält, während sie fällt und fällt und fällt. Einfach weil sein Glaube unerschütterlich ist.

Das man so an der Börse nicht erfolgreich sein kann und Glauben hier nichts verloren hat, dürfte Lesern dieses Blogs mittlerweile völlig klar sein. Und selbst wenn der Anleger dann irgendwann Recht bekommt, muss man ihn fragen warum er sein Kapital vorher jahrelang in einem "loosing Trade" gebunden hat und damit nichts Besseres gemacht hat. Denn es wäre ja immer noch früh genug gewesen in diese Aktie zu springen, wenn sie denn tatsächlich dreht. Den Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern hat man schon alleine dadurch, dass man sich der Möglichkeit des Drehens wohl bewusst ist. Alleine dadurch wird man zu den Ersten gehören, die die Chance erkennen, wenn sie denn da ist. Das jahrelange Warten vorher, hat dagegen nur Verluste produziert und zwar monetärer wie emotionaler Art.

Und es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt. Unser Leben ist begrenzt und 10 Jahre im mittleren Lebensabschnitt - in dem man gereift und voller Wissen, aber noch ohne Krankheiten und Maleschen - sein Leben gestalten kann, sind eine Menge unwiederbringliche Zeit. Selbst also wenn in 10 Jahren das Armageddon kommt, die öffentliche Ordnung zusammen bricht und wir alle nur noch Rüben essen - macht es dann Sinn, die 10 Jahre davor in Angst zu verschenken ? Macht das die Jahre danach irgendwie besser ? Im Endeffekt begeht man so frühzeitig Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Die folgende Gedankenhaltung ist deshalb nach meiner Erfahrung auch für die Geldanlage ganz entscheidend:

(1) Versteifen wir uns nicht auf eine einzelne mögliche Zukunft, auch wenn sie noch so überzeugend daher kommt. Behalten wir einen offenen Geist, der Möglichkeiten und Opportunitäten erkennt. Die Welt ist weit komplexer und die Interdependenzen zu mannigfaltig, als das man mit 2 oder 3 Variablen eine zuverlässige Sicht auf die Zukunft erstellen könnte.

(2) Vergessen wir bei allem berechtigten Nachdenken über die Zukunft nicht im "Hier und Jetzt" zu leben, denn diese Zeit kommt nicht wieder. Was haben wir davon, wenn wir zwar kurz vor unserem Lebensende "Recht" bekommen, aber vorher nie gelebt haben und für unsere Lieben keine Zeit hatten ? Auf die Börse übertragen heisst das, wir nehmen die Chancen des "Hier und Jetzt" wahr und vergeuden unser Portfolio nicht im Warten auf prognostizierte Ereignisse der Zukunft.

(3) Den Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Menschen erzeugen wir nicht, in dem wir zu früh auf eine Prognose aufspringen. Zu früh ist nur eine andere Form von Falsch ! Den Wettbewerbsvorteil haben wir, wenn wir uns der Möglichkeiten bewusst sind und so einen Wechsel erkennen, wenn er kommt. Und in dem wir uns so schneller anpassen können als die anderen. Wenn der Umbruch kommt, denn das ist vorher keineswegs sicher. Unser Vorteil ist also die wache Beobachtung und nicht die vorschnelle Handlung !

Wenn wir diese Denkstrukturen haben, haben wir die Grundvoraussetzung, um an den Finanzmärkten erfolgreich sein zu können. Denn dort müssen wir opportunistisch die Chancen ergreifen, die sich uns bieten. Und um diese zu erkennen, müssen wir vorher in Möglichkeiten denken - eben nicht in Weissagungen und vermeintlichen Sicherheiten.

Wenn wir aber an der Börse so agieren wie die, die sich schon heute in den Bunker zurück ziehen, wird Erfolg unmöglich sein. Und wir werden in einem "Loosing Trade" bis zum bitteren Ende sitzen. Und dann, wenn wir dann emotional am Boden sind und endlich verkauft haben - dann tritt der Fall doch ein, auf den wir so lange gewartet haben. Wer hat je gesagt, dass das Schicksal auf uns Rücksicht nimmt ?

Lassen Sie uns heute also den möglichen Untergangs-Realitäten mit Überzeugung und Selbstbewusstsein ins Gesicht lachen. Lassen Sie uns heute die Vorbereitungen auf die verschiedenen Zukunftsalternativen treffen, die wir mit sinnvollem, begrenzten Aufwand heute durchführen können. Aber lassen Sie uns erst dann beherzt und gezielt zupacken und uns festlegen, wenn es wirklich nötig wird und der Mantel des Schicksals vorbei kommt ! Mehr als ein paar wenige, gezielte Notfall-Vorbereitungen, sind bei einer prinzipiell offenen Zukunft eher sinnlos. Wichtiger ist, die Möglichkeiten der Zukunft zu durchdenken und sich so in gedanklicher Offenheit vorzubereiten.

Der Gewinn wird hier und heute gemacht. Und das Glück kann auch im hier und heute gefunden werden !

Ihr Hari

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Klöckner mit Momentum im Aufwärtstrend ! 08.01.13

Die Aktie des Stahlhändlers Klöckner (WKN KC0100) befindet sich unter grossem Momentum in einem steilen Aufwärtstrend.

Auch an schwachen Tagen wie gestern fliesst frisches Geld in den Titel. Vielleicht erinnern Sie sich ja an die Artikel -> Klöckner vor dem zweiten Schub nach oben <- vom 20.12.12 und -> Stahlsektor vor dem Rebound <- vom 05.12.12, in denen ich Sie nachdrücklich auf diese bevorstehende Entwicklung aufmerksam gemacht habe.

Grund genug heute mal zu schauen, wo die Klöckner Aktie heute in der Entwicklung steht und wie man damit umgehen sollte. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart:

Klöckner (WKN KC0100) im Aufwärtstrrend

Sie sehen den beeindruckenden und steilen Aufwärtstrend, in dem Klöckner sich nun befindet. Und Sie sehen auch, dass die Aktie exakt das getan hat, was ich im Beitrag vom 20.12.12 ankündigte. Die Aktie hat ganz klassisch das Ausbruchsniveau bei 8,85€ (die schmale horizontale Linie) getestet und ist dann nach oben weggedreht.

Das Zwischenziel - bevor sich der Blick noch weiter nach oben richten kann - ist für mich nun nach wie vor die Zone ab 10,5€ bis knapp unter 11€, dort wo ich den grünen Stern hingemalt habe und wo sich das 23er Fibonacci Retracement des grossen Absturzes befindet.

Bis dahin beachte ich strikt den nun etablierten Aufwärtstrend und werde auf jeden Fall weiter laufen lassen und in keinem Fall verfrüht Gewinne mitnehmen.

Meine Absicherungsstrategie ist dabei zweiteilig. 50% der Position werde ich mit Gewinn auflösen, wenn der eingemalte Trend mit Tageschlusskurs gebrochen wurde. Sollte sich dieser Durchbruch als Fake heraus stellen und die Aktie wieder schnell in den steilen Trendkanal drehen, werde ich auch nicht zögern die 50% sofort wieder zurück zu kaufen.

Die weiteren 50% und damit die ganze Position, löse ich dagegen erst dann auf, wenn das Ausbruchsniveau bei 8,85€ auch durchschlagen wird. Denn erst dann ist der neue Aufwärtstrend wirklich gebrochen !

Denken Sie also auch bei Klöckner daran: "The Trend is your Friend" und alles was zählt ist der Price-Action zu folgen ! Die Spekulationen und Prognosen darum, ob die Stahlkonjunktur dank China nun wirklich dreht oder nicht, können Sie für diesen Trade ignorieren und denen überlassen, die mit Prognosen ihr Geld verdienen. Wer solchen fundamentalen Prognosen folgt, wäre nicht im November eingestiegen und wäre jetzt immer noch an der Seitenlinie.

Es gibt einfach keine besseren Zukunftsprognosen, als die die Mr. Market himself uns zeigt ! Denn Mr. Market saugt jedes fundamentale Detail sofort auf und diskontiert es. Das einzige Problem das der Prognostiker Mr. Market hat ist, dass er zu emotionalen Übertreibungen neigt !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Marktupdate – 14.10.12 – DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes

14:30

Am heutigen Sonntag Nachmittag möchte ich ein paar Gedanken über die kommende Börsenphase mit Ihnen teilen.

Das der Markt sich derzeit in einem Patt zwischen Bullen und Bären befindet, haben wir hier ausreichend thematisiert und ist offensichtlich.

Das nach Auflösung eines derartigen Patts sich meistens eine dynamische, volatile Bewegung anschliesst, ist statistisch wahrscheinlich und bei regelmässigen Lesern von Mr-Market.de bekannt.

Nur wie wird es konkret weiter gehen ? Das ist wohl die 100-Millionen-Dollar Frage.

Sehr kurzfristig, sollten wir dabei zwei Faktoren nicht übersehen:

Erstens hatten wir am Freitag einen signifikanten "Buying on Weekness" Tag für den SPY (=S&P500). Und übrigens auch einen für den íShares MSCI Brazil. Diese Indikatoren sind nicht perfekt als Voraussage, liefern aber statistisch doch ganz gute Ergebnisse, wann Big Money seinen Fuss in den Markt stellt. Möglicherweise spielt bei Big Money auch ein Rolle, dass wir am Montag und Dienstag in Summe zusammen ca. 10 Milliarden POMO Buy Operations der FED im Markt haben. Die Chance auf einen erneuten Bounce ist definitiv da.

Es könnte also gut sein, dass wir Anfang dieser Woche noch einmal ein oder zwei starke Tage erleben. Zur Vorsicht gemahnt dabei aber der gewaltige "Selling on Strength" Print bei Apple am Freitag. Damit drückt Big Money ganz klar aus, dass die Schwäche von Apple vielleicht noch nicht vorbei ist. Und mit Schwäche bei Apple, kann der NASDAQ nicht stark sein.

Die generellen Faktoren, die zum Jahresende für höhere Kurse sprechen sind weiter aktiv, ebenso wie die Verunsicherung, die bis Anfang November von der Präsidentschaftswahl in den USA ausgehen wird. In Summe bleibt uns also nichts weiter als abzuwarten und uns eine Strategie für die verschiedenen Szenarien zurecht zu legen.

In solchen Situationen hat es sich für mich bewährt, mir den "Weg des maximalen Schmerzes" zu vergegenwärtigen.

Also die Marktbewegungen, mit denen die wenigsten rechnen und die das Maximum an Marktteilnehmern auf dem falschen Fuss erwischen würden. Denn gerade weil niemand so positioniert ist, haben diese Bewegungen die fiese Eigenschaft besonders gerne einzutreffen. Vielleicht erinnern Sie sich ja auch noch, dass ich im Juli einen starken Anstieg im 3. Quartal als Weg des maximalen Schmerzes skizziert hatte, eben weil sich das damals nahezu niemand vorstellen konnte. Wir wissen ja nun, was passiert ist. 😉

Hier ist also, was ich dem fiesen und hinterhältigen Mr. Market durchaus zutraue. Stellen Sie sich vor:

.... wir würden Anfang dieser Woche dynamisch hoch laufen und im DAX wieder an 7400 knabbern, so dass alle Bullen denken das war es jetzt mit der Korrektur und die Bären ihre Shorts schliessen um dem Markt hinterher zu hechten. Dann, gegen Ende der Woche kippt der Markt ohne neue Höchststände zu erreichen. Der DAX fällt in 2-3 blutigen Tagen bis knapp unter 7000, der S&P500 unter 1400.

Das Heulen und Zähneklappern würde gross sein. Die Bullen wären in neuen, gerade eingegangen Positionen gefangen und sofort unter Wasser. Das schlimmste was einem passieren kann. Die Bären würde sich die Haare raufen, dass sie kurz bevor der Markt dann wirklich fällt, aufgegeben und ihre Shorts glatt gestellt haben. Und die Medien würden von Analysen überquellen, dass das nun definitiv eine Topbildung sei und Kursziele irgendwo zwischen 6400 und 6700 ausrufen.

Die Bären würde in diesem Moment also bei ihren Shorts nachlegen und die Bullen würden anfangen die Verluste zu realisieren und auszusteigen.

In dem Moment, in dem sich alle sicher sind, dass wir das Top des Jahres 2012 schon gesehen haben und es nun nach unten geht - In dem Moment wo der DAX unter 7000 schaut, in ca. 1-2 Wochen also - beginnt der Markt dann nach oben zu drehen. 🙂 Er steigt dynamisch, erreicht neue Jahres-Höchststände und schiebt und schiebt gnadenlos weiter bis zum Jahresende, das wir mit historischen Höchstständen bei 8500 im DAX und 1600 im S&P500 erreichen.

So würde es Mr. Market schaffen alle - Bullen wie Bären - abzuwerfen und zu zwingen in der entscheidenden Phase den Kursen verzweifelt hinterher zu hechten, was genau die Dynamik der dann folgenden Aufwärtsbewegung begründet.

Nettes Szenario oder ? Und definitiv aktuell der Weg des maximalen Schmerzes.

Für neue Leser muss ich nun den Disclaimer einfügen: das ist keine Prognose meinerseits ! Im Gegenteil, exakt genau so wird es wohl kaum kommen. Und trotzdem macht es jede Menge Sinn, sich dieses Szenario in einer gedanklichen Übung mal ernsthaft zu vergegenwärtigen.

Denn das Szenario macht uns die Volatilität bewusst, die möglicherweise vor uns liegt. Und es erlaubt uns, uns innerlich darauf vorzubereiten. Denn es ist einer der bekanntesten Fehler von Anlegern, dass sie gerade nach längeren Phasen der Bewegung in eine Richtung, die Fähigkeit von Mr. Market zu wilden Swings (die Volatilität) massiv unterschätzen.

Denken Sie also mal intensiv über das Szenario nach und wie Sie mit Ihrem Depot damit umgehen würden. Wenn Sie dafür - für den Weg des maximalen Schmerzes - eine sinnvolle Strategie haben, dann können Sie die Entwicklung der börslichen Herbststürme ziemlich gelassen beobachten.

Denn dann wissen Sie: Sie werden nicht in Panik verfallen, wie so viele andere ! Sie werden sich von Mr. Market nicht emotional hin und her werfen lassen ! Und Sie werden nicht genau im falschen, emotionalen Moment auf den Kauf- bzw Verkaufsknopf drücken ! Denn Sie haben eine Strategie, der Sie gelassen folgen werden.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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