Lawinenkunde

An den US Märkten hat Mitte letzter Woche eine schon lange überfällige Korrektur eingesetzt, die im S&P500 mit der 50-Tage-Linie und dem Ausbruchsniveau zu neuen Hochs, schon die erste wichtige Unterstützung erreicht hat.

Ob die US Märkte hier schon wieder drehen oder noch bis zur 200-Tage-Linie unter 2.800 korrigieren - oder sogar noch tiefer - soll hier im freien Bereich nicht Thema sein. Klar ist aber, dass die US Konjunktur in ausgezeichnetem Zustand ist und unabhängig davon wie tief das noch geht, die Chance hoch ist, dass wir hier die willkommene, kaufbare Korrektur vor uns haben, auf die so viele den ganzen Sommer gewartet haben.

Thema hier und heute ist die Frage, ob man solche Einbrüche im Vorfeld erahnen kann. Und die Antwort ist Ja und Nein. Mit den wilden Prognosen, die permanent einen einzelnen negativen Faktor zum Elefanten aufblasen, ganz bestimmt nicht - ich habe darüber schon oft geschrieben, diese dienen der Klickgenerierung, sonst nichts. Mit einer aufmerksamen Beobachtung dessen, was vor unseren Augen passiert, aber sehr wohl.

Genau das ist mir letzte Woche wieder gelungen, als ich punktgenau am Dienstag, bevor der Markt am Folgetag zu fallen begann, eine Warnung im Sinne erhöhter Aufmerksamkeit ausgesprochen habe.

Da man hinterher ja immer klüger ist und gerne hinterher so getan wird, als ob schon vorher Klarheit herrschte, habe ich Ihnen daher den fraglichen Artikel aus dem Premium-Bereich von Dienstag auch hier im freien Bereich freigeschaltet. Um Ihn lesen zu können, müssen Sie aber zumindest im Blog registriert sein, es gibt ja keinen Grund jedem Bot der Welt darauf Zugriff zu geben. 😉

Lesen Sie also meine Worte von Dienstag im Premium-Bereich: -> Aufrecht im Sessel <-

Am Abend des gleichen Tages, sagte dann FED-Chef Jerome Powell ein paar Sätze zu weiteren Zinserhöhungen, die man als überraschend falkenhaft interpretieren konnte und das Ungemach setzte sich ab Mittwoch in Gang - die Anleihen-Renditen stiegen und die Aktienmärkte wechselten in den Korrekturmodus.

Dieser Ablauf ist eine wunderbare Gelegenheit Ihnen hier im freien Bereich erneut zu zeigen, was die kompetente Analyse der Markttechnik leisten kann und was nicht. Denn es gibt dazu eine wunderbare Analogie und das ist die Lawinenkunde.

Denn im Winter lesen Sie jeden Tag Vorhersagen zum Lawinenrisiko und wenn das sehr hoch ist, sollte man besser keine Skitouren abseits der gesicherten Pisten unternehmen.

Die Fachleute, die solche Lawinenwarnungen ausprechen, raten dabei auch nicht über die Zukunft herum, sie behaupten nicht zu wissen, was in 4 Wochen passieren wird, weil das weiss sowieso niemand.

Diese Fachleute analysieren den Zustand der Schneedecke im "Hier und Jetzt" in der Gegenwart, genau das was der Markttechniker macht, wenn er sich die Marktmechanik im "Hier und Jetzt" anschaut.

Diese Analyse der Schneedecke ist objektiv, rational und reproduzierbar, im Sinne dass sie nach objektiven Parametern erfolgt. Wenn die Schneedecke sehr labil ist, wird für einen Hang vielleicht eine Lawinenwarnung ausgesprochen.

Die Warnung alleine sagt uns aber noch nicht, ob dann tatsächlich eine Lawine abgeht. Denn dafür braucht es einen Katalysator, wie zB eine Erschütterung durch Sturm. Es kann sehr wohl auch sein, dass dieser Katalysator ausbleibt und sich die Schneedecke stabilisiert und die Lawinengefahr wieder verschwindet.

Wenn so eine Lawinengefahr wieder verschwindet, ohne dass es zum Abgang kommt, war deswegen die Lawinenwarnung vorher aber nicht sinnlos, so diese kompetent durchgeführt wurde.

Genau das Gleiche kann kompetent ausgeübte Markttechnik leisten und können Sie beobachten, wenn Sie lesen, was ich am Dienstag sagte, als die Kurse noch auf Allzeithochs waren und was danach passiert ist.

Es geht dabei *nicht* darum, über die Zukunft herumzuraten, wie das bei der "Prognosiritis" so gerne gemacht wird und viel Schaden in den Depots der Anleger anrichtet. Es geht darum, das Spiel auf dem Spielfeld der Märkte genau im Blick zu haben, zu sehen wie stabil die "Schneedecke" des Marktes ist, die sich aus Angebot und Nachfrage speist. Und auch dafür gibt es Parameter und Erfahrungswerte, die uns dazu Indikatoren liefern, dann aber immer noch kompetent eingeordnet werden müssen.

So konnte man am Dienstag sagen, dass der Markt nun riskant wird, weil offensichtlich in seiner Mechanik Unwuchten (Divergenzen) auftraten. Deswegen war aber immer noch nicht klar, dass eine Korrekturbewegung wirklich kommen würde, dafür brauchte es den Katalysator.

Genau diesen Katalysator hat Jerome Powell dann geliefert und dass er schon einen Tag später kam, war reiner Zufall und keine "Verdienst" meinerseits. Wäre der Katalysator ausgeblieben, wären wir heute vielleicht immer noch auf Höchstständen, die Gefahr wäre weiter gestiegen und alle würden sich anschauen und denken, dass die Warnung unnötig war. Die Analyse der Lawinenlage, wäre aber nicht weniger richtig gewesen.

Nehmen Sie diese Analogie der Lawinenkunde also bitte mit, wenn Sie von kompetenten Quellen über die Marktmechanik lesen. Die Warnung vor einer labilen Hanglage wird nicht dadurch falsch, dass es doch stabil bleibt und nichts die Lawine auslöst. Und eine kompente Lagebeurteilung hat immer mit den Beobachtungen der Geschehnisse in der Gegenwart zu tun und *nicht* mit irgendwelchen feuchten Träumen darüber, was man denkt die Märkte machen "müssten".

Die Märkte müssen nämlich gar nichts, auch ein Schneehang muss gar nichts, beide sind aber immer in bestimmten Zuständen, die einen bestimmten Ausgang statistisch bevorzugen. Und diese Zustände kann man erkennen, wenn man genau hinschaut und den Kopf nicht stattdessen in den Wolken der Zukunft hat.

Die Wahrheit liegt eben auf dem Platz. Nicht nur beim FC Bayern, sondern auch an den Märkten.

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Überlassen wir 2018 noch der Prognosiritis

Letzte Woche habe ich Ihnen in -> Der Weg zum Jahreswechsel <- gezeigt, wie ein wahrscheinlicher Pfad zum Jahreswechsel aussieht und dass darin eigentlich noch ein begrenzter "November-Schluckauf" Platz hat.

Nun, letzte Woche hat sich dieser "Schluckauf" vielleicht schon in Gang gesetzt, zumindest in den europäischen Indizes wie dem DAX ist er schon zu sehen und die US Indizes könnten diese Woche auch leicht korrigieren.

Deshalb expandiere ich heute mal das Chart von letzter Woche und zeige Ihnen, was das im Leitindex SP500 bedeuten würde:

Wir sehen die Pfade (1) und (2), die beide auf den naheliegenden Unterstützungen drehen und beide extrem bullisch und bestätigend zu werten sind.

Erst wenn der Markt Pfad (3) einschlägt, muss man auch andere Varianten in Erwägung ziehen, wobei auch Pfad (3) bei einer Wende im Bereich 2.500 immer noch völlig gesund und normal wäre.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch das Marktsentiment. Das hat sich nicht nur bei den anhand technischer Daten gemessenen Indikatoren wie dem -> Fear and Greed Index <- wieder normalisiert, auch Joachim Goldberg berichtet -> hier <- treffend von einer vorsichtigen Haltung, die für den DAX positiv zu sehen ist, bei der Unterstützung um 12.900 wird es nach meiner Erwartung wieder interessant.

Und ich beobachte selber, auf welche Skepsis alle Hinweise bei normalen Anlegern treffen, dass dieser Markt durchaus weiter hoch laufen kann. Da stösst man schnell auf Widerstand, während es bei Warnungen dass dieser Markt gefährlich ist, sofort wohlgefälliges Kopfnicken gibt. Ich habe auf diesen Umstand zuletzt -> hier bei Tichy <- hingewiesen, viele Anleger erreichen kann man damit aber nicht, mit Horrorgeschichten vom nächsten Crash dagegen ohne Probleme.

Wirklich erfahrenen Anlegern - und ich hoffe Sie gehören dazu, wenn Sie meine langen Texte durchhalten 😉 - sollte das aber etwas über den Bias sagen, der im Markt vorhanden ist. Die "Herde" ist immer noch eminent skeptisch, die Profis in den US dagegen eher optimistisch, aber in Form eines nervösen Optimismus, der den Finger jederzeit am Abzugsknopf für den Notausgang hat.

-> Dieser nette Artikel <- macht zum Thema einen validen Punkt, den ich mal übersetzen möchte:

As such, independent investor sentiment levels about the stock market are about as euphoric right now as a stomach ulcer.

Das Sentiment der nicht-institutionellen Investoren zum Aktienmarkt ist ungefähr so euphorisch wie ein Magengeschwür.

Volltreffer und gleichzeitig sind die Wirtschaftsdaten um den Globus herum durchweg auf Expansionskurs. Passt nicht so recht zusammen, oder?

Was kann man da Anlegern raten?

Nun, zunächst einmal will ich Niemandem etwas raten, Anleger machen doch sowieso was Sie wollen, wenn es klappt sind sie die Helden und wenn nicht, sind die Informationsquellen schuld. 😉 Bei uns in der Community ist das anders, da sucht man im Spiegel den Schuldigen, das ist aber eine kleine Minderheit und das ist gut so.

Aber Anlegern, die keine Erfahrung im Markt haben und bis jetzt gezögert haben in den Markt einzusteigen, die sollten es jetzt wirklich sein lassen. Es gab viele bessere Punkte um die erste Aktie zu kaufen und der Markt ist ja auch objektiv unter der Decke verzerrt und daher inhärent riskant. Unerfahrene Anleger werden bei der nächsten unvermeidlichen 10-20% Korrektur nur in Panik geraten und ihr kurzes Gastspiel mit Verlust abschliessen.

Wer aber erfahrener ist, wer weiss wie man konsequent aussteigt wenn ein Trend sich dreht und wer ein Risikomanagement besitzt, der kann vorerst dabei bleiben, denn der Aufwärtsttrend ist intakt und die Aussichten zum Jahresende von den Wahrscheinlichkeiten her nicht schlecht. Wie letzte Woche erklärt, wird das Jahresende vielleicht stark sein, gerade *weil* das Jahr so stark war.

2018 ist dann eine völlig andere Geschichte, ein Dip im Konjunkturzyklus wahrscheinlich und die unvermeidliche - aber in 2017 ausgefallene - 10-20% Korrektur irgendwann mal fällig. Nur wann diese kommt ist weiter offen und vor allem muss das erfahrene Anleger heute nicht interessieren.

Die schauen auf die Füsse statt ins Wolkenkuckucksheim und sind auch nicht im Geschäft der -> Prognosiritis <-, weil diese völlig unproduktiv und sinnlos ist. Das Geld wird mit den Kursen verdient, die jetzt zwischen heute und Weihnachten aufgerufen werden und nicht mit Spekulationen über 2018. Und Aussteigen kann man bis zum oder zum Jahresende dann immer noch, wann immer es geboten erscheint.

Überlassen wir 2018 also mal noch den Prognostikern, die alle so eine tolle Glaskugel haben. Übrigens hat von denen letztes Jahr niemand, absolut niemand, das Jahr 2017 richtig auf dem Radar hatte. Schauen Sie noch einmal -> hier im Überblick <-, was diese vor einem Jahr geschrieben haben. Ganz grosses Kino im Herdenverhalten. 😉

Das wird die aber nicht davon abhalten, dieses Jahr wieder mit gewichtigem Gesicht das Offensichtliche fortzuschreiben und es wird viele Anleger wieder nicht davon abhalten, das ernst zu nehmen. Na dann viel Spass dabei, irgend jemand muss uns ja auch die Aktien verkaufen, die wir kaufen wollen oder umgedreht. 😉

Wenn Sie für kommendes Jahr sicherer sein wollen, lassen Sie das mit den Prognosen gleich ganz sein und schauen Sie wie beim Bergsteigen auf die Füsse. Irgendwann kommt man dann schon am Gipfel an, wenn man bei jedem Schritt aufgepasst hat nicht in den Abgrund zu stürzen. Hans-Guck-In-Die-Luft mit den grossen Prognosen, die das Ego vom Hans dann dem Markt "beweisen" will, weil alle andere im Markt ja nur Idioten sein können, ist da schon eher absturzgefährdet.

Übrigens, Bergsteiger mit intelligentem Risikobewusstsein und solche die es werden wollen, werden bei uns in der Community weiter gerne aufgenommen. "Weissager", "Alles-Besser-als-der- Markt-Wisser" und "Glaskugelbesitzer" werden sich dagegen eher deplatziert fühlen. 😉

Zum Jahreswechsel wird es übrigens eine Preissteigerung für Neumitglieder geben, vielleicht ein Grund mit dem Bergsteigen schon 2017 zu beginnen und die blöde Glaskugel wegzuwerfen, die sowieso nur "Made in China" ist und nicht funktioniert.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Hokuspokus und die technische Analyse

Nicht immer ist das neu Geschriebene das Beste, sondern manchmal lohnt sich auch zu wiederholen, was schon gesagt wurde. Besonders interessant ist das, wenn man nach Ablauf von vielen Monaten schauen kann, was denn damals aus den Worten in der Realität geworden ist.

Heute will ich daher an einen Artikel vom 09.06.2016, also von vor dem Brexit erinnern, mit dem Titel
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Und genau das ist mein Thema heute, denn hier im freien Bereich schlägt auch immer wieder "Otto Normalanleger" auf, der technische Analyse typischerweise für Hokuspokus hält. Böse Zungen könnten sagen: "wat de bur net kennt frett he net". 😉

Fairerweise muss man sagen, dass die Vertreter der technischen Analyse auch teilweise selber daran Schuld tragen, denn da es so einfach ist, ein paar bunte Linien zu malen, wird damit auch viel Schindluder getrieben. Vor allem fehlt es oft an dem Verständnis, wo die Grenzen der technischen Analyse sind und aufgrund welcher Mechanismen, sie überhaupt Deutungskraft hat.

Denn die technische Analyse sagt die Zukunft nicht voraus, nichts und niemand kann die Zukunft vorher sagen, auch nicht der der "Prognosiritis" anheim gefallende Glaskugeldeuter. Die technische Analyse gibt aber ein zutreffendes Bild des Marktzustandes der Gegenwart und ein derartiger objektiver Blick auf die Gegenwart ohne Bias, ist eine Menge wert, denn die Zukunft muss sich ja erst aus der Gegenwart entwickeln.

In obigem Artikel, wird das Prinzip besonders deutlich. Vor allem auch, weil wir nun 8 Monate weiter sind und uns im S&P500 anschauen können, wie sich die Märkte entwickelt haben. Nämlich so:

So und nun lesen Sie bitte diesen Artikel noch einmal. Bitte tun Sie sich den Gefallen!
-> Die Märkte auf dem Sprung - Was gute technische Analyse leistet <-.

Danach wird klarer sein, was technische Analyse leisten kann und was nicht und warum sie so wertvoll für uns ist. Denken Sie an den Tiger. 😉

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wie wird 2016?

Liebe Mitglieder,

das Börsenjahr 2016 liegt vor uns und ich wünsche uns allen eine guten Rutsch, das richtige Händchen, jede Menge Disziplin bei der Umsetzung der eigenen Strategie und die Prise Glück, die für Erfolg an den Märkten auch von Nöten ist.

Und natürlich wünsche ich Ihnen Gesundheit und dass 2016 auch abseits der Börsen, zu einem "guten" Jahr für Sie wird.

In der Überschrift habe ich die Frage "Wie wird 2016?" thematisiert, auf die so viele in den Medien und auch in den Banken, immer behaupten eine Antwort zu haben und uns mit ihren - sinnlosen - Prognosen beglücken.

Sie wissen, was ich davon halte, ich nenne das -> Prognosiritis, eine das Ego pflegende, ansteckende Krankheit <- und bin ganz nahe beim von mir geschätzten John Kenneth Galbraith mit seinem Satz:

"Es gibt zwei Arten von Leuten, die die Zukunft vorhersagen: jene, die nichts wissen, und jene, die nicht wissen, dass sie nichts wissen"

Auch Fonds-Manager Peter Lynch wird der Satz nachgesagt, der sinngemäß lautete: "In den US sind ca. 60.000 ausgebildete Ökonomen. Viele von ihnen sind angestellt, um unter anderem Wirtschaftskrisen und Zinsen zu prognostizieren. Wenn ihre Prognosen nur zweimal hintereinander eintreffen würden, wären Sie alle Millionäre. Soweit ich weiß, sind die meisten aber noch immer simple Angestellte.". 😉

Wie absurd das alles ist, kann man sich daran klar machen, dass es mir persönlich reichen würde, wie bei "Zurück in die Zukunft" mit dem "Sport Almanach", nur eine einzige Kurszahl eines Index oder einer grösseren Aktie zum Jahresende 2016 sicher zu kennen, um damit garantiert zu einem der reichsten Männer dieses Planeten aufzusteigen.

Denn da ich dann 100% Sicherheit habe und kein Risikomanagement mehr brauche, kann ich alles maximal gehebelt, auf diese Zahl setzen. Ich kann alles was ich besitze - sozusagen Haus und Hof - maximal beleihen, um noch mehr Kapital zu schaffen und auch das maximal gehebelt auf diese Zahl zu setzen. Wenn ich Glück habe und mittendrin schon massive Zwischengewinne habe, kann ich den Gewinn realisieren und den wiederum erneut gehebelt, noch stärker auf die Zahl setzen.

Ein Milliarden-Gewinn ist jetzt schon sicher, solange sich die Zahl auf ein Asset bezieht, das genügend Liquidität besitzt, um als Anleger auch Milliarden darauf wetten zu können.

All das ist ganz sicher, wenn ich nur eine einzige Zahl, einen Kursstand, zum Jahresende 2016 nun mit 100%er Sicherheit kennen würde. Und das ist genau der Punkt von Peter Lynch. Selbst wenn man so ein Ereignis nur mit 90% Sicherheit prognostizieren könnte, wäre grosser Reichtum und ein gigantischer Gewinn unvermeidlich.

Warum hören wir dann trotzdem wieder all den "Hanseln" zu, die zum Beispiel 2015 als Fondsmanager hinter dem Markt hinterher gekrebst sind und uns nun wieder mit ihren Prognosen für 2016 beglücken? Wann hören wir endlich mal damit auf, mit diesem Blödsinn unsere sinnvolle Lebenszeit zu vergeuden?

Und verwechseln wir bitte nicht Prognosen mit Szenarien. Den Markt in Szenarien zu durchdenken und sich damit auf die Zukunft vorzubereiten, ist immens wichtig und ich nutze das oft und zu meinem Vorteil. Der Unterschied zwischen einer Prognose und einem Szenario ist aber, dass es der Szenarien viele gibt und man ohne Probleme zwischen ihnen wechselt, je nachdem wie sich die Zukunft entwickelt. Hinter einer Prognose steht aber Überzeugung und das Ego, man verliert dabei die Freiheit des Denkens und gerät in einen Tunnelblick.

Und 2016 wird die Sinnlosigkeit von Prognosen ganz besonders deutlich. Denn selten, hatte ich zu einem Jahreswechsel so wenig Meinung zum Verlauf des Jahres. Zu unklar sind einfach wesentliche Faktoren des Weltgeschehens, zu viel ist im Fluss.

Machen wir uns mal klar, was alles auf dem Spiel steht:

Denn egal ob es um die Zukunft der EU, die Existenz des Euros, die Entwicklung des Öl-Preises, die wirtschaftliche Kurskorrektur Chinas, die Glaubwürdigkeit der Notenbanken oder um viele kriegerische und terroristische Gefahrenherde in einer zunehmen multipolaren Welt geht, jeder dieser Faktoren kann die Märkte ganz erheblich in Bewegung setzen und den Unterschied von 10% Gewinn/Verlust oder mehr ausmachen.

Und dann haben wir natürlich noch all die Themen, die garantiert kommen, wir aber noch nicht auf dem Radar haben. Da war es schon fast ruhig und entspannt, sich Anfang 2015 "nur" um Griechenland und den Euro Sorgen machen zu müssen. 😉

Aber da ist auch noch ein Thema, das 2016 sicher kommt und auch die Börsen massiv bewegen wird. US Präsident Barack Obama muss endlich abtreten. Ich sage "endlich", weil Sie als treue Leser wissen, für was für eine unsägliche Enttäuschung, ich diesen Mann seit Jahren halte.

Aber was kommt nach ihm? Hillary Clinton? Das wäre sicher für die Märkte erträglich. Aber was, wenn es in der zunehmend erratischer werdenden republikanischen Partei doch ein Trump wird? Und was, wenn ihm andere Radikale ein paar Wochen vor der Wahl mit massiven Anschlägen in den USA ala 9/11 den Gefallen tun, ihm einen Popularitätsschub zu verpassen?

Und das sind nur die Risiken und Fragezeichen. Es gibt ja auch jede Menge Chancen, denn an einigen Stellen hat der Markt schon jede Menge schlechte Erwartungen eingepreist, die Emerging Markets sind zum Beispiel sicher so ein Fall.

Und alle sorgen sich nun um China und alle haben Europa mehr oder weniger abgeschrieben. Was aber, wenn die Wirtschaft in Europa und China in 2016 doch anspringt und die Inflation endlich in Bewegung gerät? Dann haben wir auf jeden Fall eine ganz andere Börsenwelt, als wenn das nicht der Fall ist.

Kann man das vorher sehen, wie es kommt? Blödsinn!

Ich könnte endlos so weiter machen und will deshalb die folgende, für uns wichtige Erkenntnis, an den Jahresanfang 2016 stellen:

Wir wissen es nicht!

Und jeder - ausnahmslos jeder - der uns mit noch so wohl klingenden Prognosen und Kurssständen für 2016 kommt, ist wahlweise Aufschneider oder Schwätzer, in keinem Fall aber als seriöser Kommentator ernst zu nehmen.

Wenn wir also etwas wirklich Gutes für uns und unseren Börsenerfolg tun wollen, dann den, endlich mal vom Drang die Zukunft vorher sehen zu wollen abzulassen. Um das zu tun, müssen wir auch erkennen, dass das ganze Thema immens viel mit unserem Ego zu tun hat und wo das ins Spiel kommt, ist der Verlust an der Börse nicht weit - auch das wissen erfahrene Mitglieder.

Ich habe Ihnen, den treuen Mitgliedern, doch nun über Jahre bewiesen, dass diese Prognosiritis gar nicht nötig ist, um am Markt zu bestehen. Im Gegenteil, sie ist kontraproduktiv, weil sie den objektiven Blick auf das was real ist, verkleistert. Denn wenn man etwas zu sehr erwartet, übersieht man mit Tunnelblick schnell, was real vor den eigenen Augen passiert.

Wir beobachten also in 2016 genau den Markt, schlucken unser Ego herunter, akzeptieren nicht klüger als der Markt zu sein und folgen demütig seinen Bewegungen. Dann kann so viel in 2016 gar nicht schief gehen.

Und über das, was ich persönlich zum Jahresanfang beobachte, werde ich ab dem 04.01. hier intensiv schreiben. Bis dahin, mache ich noch Ferien, pflege meine Gesundheit und geniesse die Ruhe, auch mal ohne Tagesgeschäft nachdenken zu können.

Hier und jetzt, zwei Tage vor dem Jahreswechsel, lassen wir aber erst einmal unseren guten Vorsatz für 2016 sacken:

Nie mehr Prognosiritis!

Ihr Hari

Beobachtungen am Nachmittag



Heute etwas früher als sonst und schon zur Eröffnung der Wallstreet, mein abschliessender Post zum Markt mit ein paar Beobachtungen.

Demn heute, habe ich mal etwas Anderes vor, als am Schirm auf Kurse zu schauen. Und was das ist, schicke ich Ihnen im Nachgang zu diesem Post als Artikel. 🙂

Wichtig erscheint mir noch einmal klar zu machen, dass die Rally, die wir heute und wahrscheinlich auch noch Morgen sehen, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem guten Teil eine Pre-OpEx Rally ist.

Denken Sie also bitte nicht, dass sei jetzt die grosse Jahresendrally und so geht es nun jeden Tag weiter. Klar, vielleicht irre ich mich, ich halte das aber für sehr unwahrscheinlich und denke, dass die OpEx hier zu einem guten Teil mitschiebt.

Denn mit der FED wurde erst einmal Unsicherheit aus dem Markt genommen, was einen initialen Anpassungschub nach oben bedeutet. Diseser Schub bekommt nun heute besonders Momentum, weil nun grosse Volumina auf dem Spiel stehen und angepasst werden.

Es ist aber auch typisch, dass solche OpEx Rallies danach zumindest teilweise wieder abgegeben werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn der DAX nun - wie schon heute früh indiziert - bis Morgen fast bis 11.000 läuft. Dort dann aber zum Halten kommt und Anfang kommender Woche davon wieder ein Stück davon abgibt.

Für ein komplettes Reversal wird es aber kommende Woche auch nicht reichen, denn dieser initiale Aufschlag dürfte die Richtung bis Jahresende dann dominieren.

Der von mir erwartete Ablauf lautet nun also: Rally heute und morgen, mässiges Retracement Montag und Dienstag kommende Woche und dann ruhige, langsame Stärke bis ins neue Jahr hinein.

Soweit mein persönlicher Beitrag zur Prognosiritis und Glaskugel. 😉

Good News is bad News

Auf einen weiteren wichtigen taktischen Umstand für das kommende Jahr, hat heute L.A. Little hingewiesen:

With the Fed starting down a course of tightening, we are finally entering a period (most likely) where all news is no longer good news. What I mean by that is economic data that is strong is going to lead many to question whether the Fed is going to raise rates faster than they have just suggested. So strong economic data will no longer be seen as all good but potentially bad.

On the flip side, weak data, if very weak, would also likely be seen as bad. So the odds of economic data causing problems for the markets is likely to increase. That has not been the case for the majority of the six years since the financial crisis.

Das ist wichtig und er hat vielleicht recht. Wir haben nun lange in einem "Goldilock-Environment" gelebt, in dem gute Nachrichten gut waren, weil sie gut waren. Und schlechte Nachrichten gut waren, weil die FED dann den Stimulus erhöht.

In einer Phase steigender Zinsen könnten aber gute Nachrichten schlecht sein, weil die FED die Zinsen schneller erhöht. Und schlechte Nachrichten sind sowieso schlecht.

Wir werden sehen, ob sich in 2016 die Marktwahrnehmung so ändern wird, ein aufmerksames Auge ist es auf jeden Fall wert, wie nun vom Markt auf ökonomische Daten reagiert wird.

Gold

Gold schmiert seit der FED ab, weil das Signal zur Dollarwende eben nicht kam:

Gold 17.12.15

Man sieht im Chart sehr schön, wie der Markt sich exakt zur FED in Position gebracht hatte. Ein klares "Done" in einem "One and Done", hätte hier das Signal zur Rally gegeben.

Nun wird es mal Zeit, das endlich mal die 1.000 USD fallen, auf die der Markt schon so lange wartet. Wie schon oft gesagt denke ich, dass diese noch fällig sind, bevor eine Chance auf eine Wende existiert.

Rohstoffe

Wie heute früh schon gesagt, rückt jetzt das Szenario (3) des grossen Abverkaufs in 2016 hinein auf den Radar. Auf jeden Fall wird nun kurzfristig das Premium im Sektor wieder abgegeben, dass sich vor der FED in Hoffnung auf eine "One and Done" Logik und eine Dollarwende aufgebaut hatte. Über die kommenden Tage, könnte es im Sektor also wieder recht schmerzhaft werden, zumal das Window Dressing sowieso noch Druck auf den Sektor hält.

Deswegen rate ich auch immer dazu, sich so Trades und Gedanken zwar zurecht zu legen, aber erst mit Volumen zu agieren, wenn der Fall auch eintritt. Lieber also auf ein paar Prozent verzichten, als zu einem Zeitpunkt zu raten, zu dem die Bewegung noch gar nicht da ist.

Solar Sektor

Der TAN startet heute erneut im Plus und insbesondere das On-Balance-Volumen gibt ein glasklares Kaufsignal, zusammen mit einer wunderbaren Struktur:

TAN 17.12.15

Trotzdem, genau hier und jetzt sollte mit einem Retracement gerechnet werden, wie eingezeichnet. Dann spricht aber wenig dagegen, dass der Sektor nach oben wegzieht.

Medigene

Achten Sie mir mal auf die interessante Price-Action bei Medigene. Da könnte doch noch was gehen, nach dem das Retracement des ersten Schubs durchgelaufen ist.

So weit so kurz für heute.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

DAX, S&P500 und Gold: Das grosse Bild der Lage

Sie kennen das ja, wenn Sie hier einen Beitrag im freien Bereich von Mr-Market lesen, dann erwartet Sie da oft eine "Wall of Text". 😉

Das ist ja aber auch in Ordnung, wäre der Markt so einfach, dass man seine Essenz in drei kurze Sätze pressen könnte, wäre jeder bei der Geldanlage erfolgreich.

Genau das, ist aber die Mehrheit der Anleger nicht und einer der Gründe dafür, liegt in der Komplexität und -> Reflexivität <- des Marktes begründet.

Wer also von längeren Erklärungen abgeschreckt wird und lieber kurze, "knackige" Weisheiten, "heisse" Tips und "mutige" Prognosen sucht, dem kann ich nur mit einem Schmunzeln hinterher winken und zurufen: "Viel Erfolg!". Wenigstens hier werden wir zur ansteckenden Krankheit der -> Prognosiritis <- nicht auch noch beitragen.

Aber trotz der Notwendigkeit, sich mit dem Markt ernsthaft auseinander zu setzen, macht es aber immer wieder Sinn, einen Schritt zurück zu gehen und sich das grössere Bild zu betrachten. Das gilt insbesondere in so indifferenten Phasen wie aktuell, in denen der DAX abwärts bröselt und die US Indizes sich in einer endlos erscheinenden Seitwärtsbewegung befinden.

Denn wenn man sich die aktuelle Lage so Tag für Tag in diesem Börsensommer anschaut, könnten sich einem ja schon die Nackenhaare aufstellen und genau diese Wahrnehmung findet sich nun in einem immer negativeren Sentiment der Anleger auf beiden Seiten des Atlantiks wieder, über das ich hier im Premium-Bereich zuletzt oft geschrieben habe.

Insofern bekommen Sie heute von mir mal keine "Wall of Text" im freien Bereich, sondern einfach nur drei langfristige Charts für das grössere Bild und dazu jeweils gerade einen spärlichen Satz. 😉 Aber ich denke die Charts selber haben jeweils eine klare Aussage, die einem ins Auge springt.

Und wenn Sie all die Hintergründe und Erklärungen dazu auch haben wollen und vor allem auch wissen wollen, wie wir daraus die weitere Entwicklung zum Jahresende einschätzen, müssen Sie zur Mr-Market Community dazu stossen, wie so viele vor Ihnen.

Und los gehts, die interessanten Bereiche habe ich jeweils blau markiert.

Der DAX korrigiert und dass dieses bisher in Art und Umfang nach dem vorherigen Anstieg im grossen Bild nur normal ist, sehen Sie hier:

DAX 20.08.15

Der S&P500 verliert Momentum, das Risiko einer grossen Topbildung ist gegeben. Ein Risiko ist aber nur ein Risiko und keine Gewissheit:

S&P500 20.08.15

Gold hat eine Gegenbewegung, aber ob das mehr als eine unbedeutende Zuckung im Abwärtstrend wird, ist völlig unklar und für vorschnelle Blütenräume gibt es noch keinerlei Anlass:

Gold 20.08.15

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Prognosiritis – eine das Ego pflegende, ansteckende Krankheit

An einem langen Wochenende wie nun über Ostern, haben wir ja Gelegenheit, uns mal ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Auch zu unserem Verhalten als Marktteilnehmer und zu den Gründen, warum sich der Börsenerfolg bei einigen von uns vielleicht nicht so einstellt, wie diese sich das wünschen.

Dabei gibt es doch ein paar Standardfallen, in die unsere Gehirne besonders gerne gehen. Und eine davon ist die von mir etwas hämisch so genannte "Prognosiritis", eine ansteckende Krankheit, die mit Selbstüberschätzung einher geht und in der wir uns einbilden, die Zukunft vorher sehen zu können. Typischerweise sogar noch besser als der Markt, hinter dem letztlich die geballte Intelligenz vieler anderer Marktteilnehmer steht.

Die Krankheit ist deshalb so ansteckend, weil sie unser Ego pflegt. Es fühlt sich einfach gut an, sich selber zu den "Wissenden" zu zählen, weil man alle anderen damit herab setzen kann. Man muss nur in die Foren der grossen Medien schauen, da findet man sie alle, diese von "Prognosiritis" heimgesuchten Selbstdarsteller, die alle ganz genau wissen, warum die Zukunft so oder so sein "muss" und diesen Glauben mit entsprechender Bugwelle vor sich her tragen.

Dummerweise "muss" die Zukunft gar nichts und unser Hirn hat einen so massiven -> Referenzeffekt <-, dass wir uns die Zukunft letztlich immer nur als Fortschreibung schon bekannter Entwicklungen vorstellen können. Das ist ja auch kein Wunder, wie soll man sich denn etwas vorstellen, was man sich noch nicht vorstellen kann?

Und deshalb machen diese ganzen Zukunfts-Prognosen selbst ernannter "Experten" eher blind für die Realität, denn wenn wir uns einmal gedanklich mit einer Prognose identifiziert haben, suchen wir nur noch selektiv nach Nachrichten, die diesen unseren Bias bestätigen.

Genau das ist der Grund, warum es Marktteilnehmer gibt, die 2009 angefangen haben gegen den Markt zu wetten, weil sie dem Anstieg nicht trauen und damit bis heute nur dann aufgehört haben, wenn sie ihr Depot endgültig geschrottet haben.

Futter für das Ego sind dabei die diversen "Crash-Gurus", die immer dann dem Bias wieder neue Nahrung geben, wenn der Anleger endlich mal angefangen hat, sich mit der Realität der steigenden Märkte zu befassen.

Auch die Community der Anhänger des gelben Gottes (auch "Gold-Bugs" genannt) unterliegt diesem Mechanismus. Praktisch jeden Monat seit Jahren, kann man in den diversen Quellen lesen, dass Gold ja nun "bald" zum "grossen Anstieg" ansetzen wird und man den auf keinen Fall verpassen darf.

Irgendwann wird das auch mal eintreffen, nur hat man dummerweise vorher jahrelang die wahren Gewinne verpasst. Und das nur, weil das Ego es nicht zulassen wollte, von dem einmal gefassten Glauben abzuweichen.

Die Wahrheit ist aber, Prognosiritis ist eine Krankheit und schädlich für das Depot. Und niemand kennt die Zukunft, die sogenannten "Experten" schon gar nicht. Es gibt für diese Wahrheit auch einen wissenschaftlichen Unterbau, man darf die Welt nur nicht mehr als Menge simpler Kausalbeziehungen begreifen.

Leider sind unsere Gehirne aber evolutionär auf solche Kausalbeziehungen trainiert, das Verständnis für einen reflexiven Markt und für komplexe, selbstreferenzielle Systeme, müssen wir uns dagegen erst mühsam und gegen unsere eigenen Instinkte erarbeiten. Genau deshalb ist Börsenerfolg auch für uns so schwierig.

Ich habe den Hintergrund im grundlegenden Artikel -> Reflexivität - die wichtigste abstrakte Börsenerkenntnis überhaupt <- dargestellt und ich kann Ihnen nur *dringend* empfehlen, diese Artikel intensiv zu lesen.

Denn wenn Sie begriffen haben, was die Reflexivität bedeutet und warum der Markt sich unter der Beobachtung von uns allen zwangsläufig selbstreferenziell verändert, können Sie über einfache Ursache->Wirkung Prognosen zum Markt nur noch herzlich lachen.

Und Erfolg am Markt hat entgegen der landläufigen Meinung absolut *nichts* damit zu tun, über die Zukunft das grosse Ratespiel zu betreiben. Erfolg hat viel mehr mit Beobachtung der Realität zu tun und damit ernst zu nehmen und intensiv zu verfolgen, was real ist.

Ich schreibe meinen Lesern daher die folgenden Zeilen immer und immer wieder und das bringt es auf den Punkt:

Wir sollen handeln, was wir real im Marktgeschehen sehen und nicht das, was wir gerne sehen würden.

Nun wollte ich zum Thema heute eigentlich gar keinen langen Artikel schreiben, auch wenn es schon wieder einige Worte geworden sind. Ich wollte vielmehr zumindest teilweise auf Texte zurück greifen, die ich schon in Hari Live mit den Mitgliedern geteilt habe. Und wurde unter anderem bei einem Artikel vom Mittwoch 09.07.14 09:40 fündig, den ich damals einen Tag nach dem sensationellen 7:1 Sieg der deutschen Fussball Nationalmannschaft gegen Brasilien geschrieben habe.

Lesen Sie also vom Tag nach dem 7:1 Sieg und von Zukunftsprognosen, die vor 25 Jahren erstellt wurden:

----------------------------------------

Das was gestern in Belo Horizonte passiert ist, war so etwas wie ein "schwarzer Schwan". Ein Ereignis, das sich schlicht niemand vorstellen kann. Mich würde mal interessieren, ob irgendein Spassvogel dieses Ergebnis bei den Londoner Buchmachern konkret getippt hat. Wobei das 7:1 dem Ereignis ja gar nicht gerecht wird, 5:0 nach 30 Minuten gegen den Rekordweltmeister trifft den "schwarzen Schwan" weit präziser. Und hätte die deutsche Mannschaft da nicht aufgehört und in der zweiten Hälfte nicht nur noch locker gekickt, hätte es auch zweistellig werden können.

Gerade gestern habe ich auch einen weiteren Artikel gefunden, der wunderbar zum Thema Prognosen passt. Sie wissen vielleicht, dass ich mich schon in der Vergangenheit über die vergangenen Prognosen sogenannter "Zukunftsforscher" lustig gemacht habe. Und selbst echte Fachleute, die wissen worüber sie reden, sollten besser keine konkreten Zukunftsprognosen machen. Denn wie sagte der IBM Chef Thomas Watson 1943 so schön : "I think there is a world market for maybe five computers." 😉

Nun haben Sie es hier im Artikel -> Was das WSJ 1989 von der Welt in 25 Jahren erwartete <- noch einmal schwarz auf weiss.

Lesen Sie das unbedingt mal, es ist lustig und interessant. Und der wichtigste Punkt wird am Ende erwähnt: "Damit verfolgten sie die in den 1980er Jahren etablierten Denkmuster weiter."

Genau das ist das Problem. Mit Zukunftsprognosen, können wir Menschen die etablierten Denkmuster und Weisheiten in die Zukunft linear fortschreiben. So wurde aus der erfolgten Mondlandung halt die zwangsläufige Marslandung und ähnliches. Wir sind aber völlig blind, was die grossen Umbrüche, Überraschungen und neuen Entwicklungen angeht. Die aber bestimmen letztlich die Zukunft. So wäre die Welt ohne den Fall des eisernen Vorhangs ohne Frage heute eine andere. Und wer wollte den vorhersagen ?

Wenn Sie also mal wieder von jemandem lesen, wo der DAX 2015 oder 2018 stehen wird, blättern sie weiter. Und fühlen Sie sich auch bei den vermeintlich sicheren Anlagen, nie völlig sicher. Die Solarthematik ist bei mir aktuell so ein Thema. Ich bin völlig von der guten Zukunft des Sektors überzeugt und trotzdem macht mich gerade das aufmerksam und ich werde nicht nachlässig werden, diese Weltsicht immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.

Es schadet überhaupt nicht, über die Zukunft nachzudenken. Im Gegenteil, sich verschiedene Szenarien zurecht zu legen, ist sinnvoll und macht das Leben später leichter. Der Fehler liegt aber im Unterschied zwischen einem Szenario und einer Prognose. Im ersten Fall ist es eine Möglichkeit unter vielen. Man hat sie im Auge, mehr aber auch nicht. Und wenn es anders kommt, dann ist es auch ok. Im anderen Fall ist es aber eine Festlegung, hinter die man typischerweise sein Ego und manchmal sogar seine Reputation stellt. Eine Festlegung, die einen daher dann auf fatale psychologische Art und Weise bindet.

Bleiben Sie also locker opportunistisch im besten Sinne des Wortes und akzeptieren Sie die Überraschungen des Marktes gelassen als eine Selbstverständlichkeit und als Chance. Dann wird es Ihnen leichter fallen, dem Markt profitabel zu folgen.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Hari Live – Archiv 23.11.14 – 29.11.14

Premium gross

Hari Live - Archiv 23.11.14 - 29.11.14

Freitag 28.11.14 22:20 - Prognosiritis

Recht hat er: -> Tappen Sie nicht in diese Falle <-

Und man muss anerkennen, dass er einer der ganz wenigen der Börsenkommentatoren des deutschen Sprachraum ist, die das Selbstbewusstsein haben zu wissen, was sie nichts wissen.

Die ganz grosse Mehrheit dagegen verkauft medial ihre sinnlosen "Prognosen" und findet bei den nach Orientierung suchenden Anlegern dankbare Abnehmer für den Blick in die Glaskugel.

Freitag 28.11.14 20:45 - Ölkonzerne

Warum die grossen Ölkonzerne in einer besseren Position sind, aber immer noch kein zwingender Kauf, solange Öl fällt: -> Integrierte Ölkonzerne zeigen sich robuster <-

Freitag 28.11.14 17:05 - Gold & Wochenabschluss

So liebe Mitglieder, von den Effekten durch den Ölpreis abgesehen, machen die Indizes wie erwartet nicht den Eindruck, als ob da noch viel passieren wird.

Übrigens zeigt Gold derzeit ein ähnliches Muster wie der Ölpreis. Auch hier haben wir ja am Sonntag einen wichtigen, antizipierten Termin in Form der schweizerischen Goldinitiative. Auch hier sollte der Markt eigentlich von einem Erhalt des Status Quo - also einer Ablehnung - ausgehen. Auch hier kriecht nun aber im Vorfeld die Angst in den Markt und Gold hat wieder auf 1180 USD korriert.

Weiterlesen ...

Reflexivität – die wichtigste, abstrakte Börsenerkenntnis überhaupt!

Dieser Artikel erschien schon am 04.08.14 11:25 in Hari Live und wurde zwecks Verständlichkeit für die Allgemeinheit überarbeitet

Die wichtigste, abstrakte Börsenerkenntnis überhaupt ? Ja, das ist ein hoher Anspruch, den ich da im Titel zur Reflexivität formuliere. Ich bin aber wirklich davon überzeugt, dass das, was ich Ihnen nun zu vermitteln versuche, die wichtigste abstrakte Erkenntnis ist, die Sie über den Markt gewinnen sollten.

Eine abstrakte Erkenntnis ist dabei kein "heisser Tip", der sie sofort "reich" macht, den gibt es sowieso nur in der Phantasie naiver Mitbürger. Eine abstrakte Erkenntnis ist aber etwas, das Ihnen ermöglicht in Zukunft den Markt und seine Bewegungen besser zu verstehen. Und etwas, das Sie immun gegen allerlei Unsinn macht, der permanent über den Markt geschrieben wird, insbesondere im Bereich der ansteckenden Krankheit der "Prognosiritis". 😉

Die Erkenntnis ist deshalb so wichtig, weil unzählige ansonsten intelligente Marktbeobachter, diese Erkenntnis offensichtlich nicht haben. Denn wir Menschen lieben es, uns die Welt in zweidimensionalen Kausalketten zurecht zu legen. Der Markt ist aber genau das nicht. Unsere Gehirne sind evolutionär so gestrickt so zu denken - auf ein komplexes, selbstreferentielles System wie den Markt, hat uns die Evolution schlicht nicht vorbereitet.

Zunächst einmal, sollten Sie daher lesen und verstehen, was unter -> Reflexivität <- zu verstehen ist. Der Begriff geht auf Thomas und Merton zurück und wird in der Soziologie verwendet. Wir haben es hier aber nicht nur mit einem soziologischen Thema zu tun, sondern mit einer viel generelleren, grundlegenden Eigenschaft von Systemen, die auch Ähnlichkeit mit dem "Beobachterproblem" hat.

Der Gedankengang der Reflexivität hat Schnittpunkte mit der Tatsache, dass wenn ein Biologe ein Rudel Erdmännchen in seinem natürlichen Sozialverhalten beobachten will, er zwingend sicher stellen muss, dass diese nicht wissen, dass sie beobachtet werden. Denn wüssten sie es, würde sich das Verhalten ändern. Die Beobachtung hätte also eine Verhaltensänderung zur Folge, was eine Rückkopplung zum Beobachter auslösen würde.

Der Gedankengang der Reflexivität hat Schnittpunkte mit der Heisenbergschen Unschärferelation auf Quantenebene, die man umgangsprachlich auch so beschreiben könnte, dass die Messung eines Teilchens zwangsläufig mit einer Störung seines Ortes verbunden ist. Die Messung beeinflusst also das Ergebnis zu stark, ein Effekt, der aber erst auf atomarer Ebene seine Wirkung entfaltet, der aber bei genauem Nachdenken nur logisch ist, denn auch eine "Messung" bzw. "Beobachtung" besteht ja aus "Strahlen" also Wellen bzw Teilchen.

Der Gedankengang der Reflexivität fusst auf Grundlagen, die durch Gödels extrem bedeutenden und unterschätzten -> Unvollständigkeitssatz <- in der Mathematik gelegt wurden.

Warum spanne ich den Bogen so weit ? Um Ihnen in wenigen Sätzen ein Gefühl für das dahinter stehende gemeinsame Muster zu verschaffen:

Denn in allen genannten Fällen ist der entscheidende Punkt, dass die Beobachtung bzw Beschreibung eines Systems, das Systemverhalten durch Rückkopplung ändert. Und man daher mit zweidimensionalen Kausalbeziehungen systemimmanent nicht weit kommt.

Und der Markt ist genau so ein Biest. Denn wir Menschen, der wir den Markt beobachten und in Artikeln und Analysen beschreiben, sind gleichzeitig auch Marktteilnehmer und eben nicht unabhängige Beobachter. Und wir ändern unser Verhalten, wenn der Markt etwas macht oder wir eine Analyse lesen, die uns überzeugt. Was aber wiederum zwingend bedeutet, dass wenn die Analyse so überzeugend ist, dass grosse Teile des Marktes darauf reagieren, die Analyse - durchaus mit Parallelitäten zu Schrödingers Katze - selber ausser Kraft gesetzt wird. Der Markt hat sozusagen durch die Analyse seinen "Ort" gewechselt bzw der wahre Ort ist "verschmiert" worden und nicht mehr richtig zu beobachten.

Deshalb ist es so, dass wenn alle am Markt in die gleiche Richtung denken, der Markt fast zwangsläufig in die Gegenrichtung laufen muss, der folgende -> Artikel zu Anleiherenditen <- ist dafür ein schönes Beispiel. Denn wenn alle gleich denken, sind eben auch alle gleich positioniert und der Weg des geringsten Widerstandes geht in die Gegenrichtung.

Übersetzen Sie jetzt aber bitte nicht "Reflexivität" einfach trivial mit "Antizyklisch", das ist nicht das Gleiche! Im Gegenteil, es gibt gerade in Deutschland eine ganzes Heer selbst ernannter "Antizykliker", die vom bevor stehenden Zusammenbruch des Finanzsystems überzeugt sind, und die sich zwar emotional wohlig als Teil einer kleinen vermeintlich "wissenden" Gemeinde fühlen, in Wirklichkeit aber der pure Mainstream sind. Und auch solche Thesen unterliegen der Reflexivität, wovor sich der Markt schon fürchtet, kann nur schwer eintreffen. Man könnte auch sagen, ein "Antizykliker" mit viel Gesellschaft und vielen Lesern kann keiner sein. 😉

Deshalb springt die -> Effizienzmarkthypothese <-, auch wenn im Umfeld der Hypothese Nobelpreise verliehen werden, für mich viel zu kurz. Denn darin wird ein Gegensatz von Nachrichten auf der einen Seite und deren Verarbeitung auf der anderen Seite gemacht. Ganz analog zu einem nicht sozialen System, wie einem Automotor, bei dem man auch ganz wissenschaftlich untersuchen kann, wie der auf bestimmte Umweltreize (Nachrichten) reagiert. Und bei nicht reflexiven Systemen wie dem Automotor, kommt man mit solchen zweidimensionalen Kausalbeziehungen auch zu guten Ergebnissen.

Nicht aber am Markt, denn der sind wir. Und so haben wir permanent Rückkopplung. Um es auf das Nachrichtenmodell der Effizienzmarkthypothese zu übertragen, sind die Bewegungen des Marktes also die Nachricht, die wiederum zu Reaktionen und Anpassungsverhalten führt. Der Markt generiert also selber permanent Nachrichten, in dem er sie verarbeitet. Es ist deswegen in einem selbstreferentiellen System systemimmanent unmöglich, Nachrichten völlig effizient zu verarbeiten. Der Grund liegt in der Rückkopplung, der Reflexivität. Es ist ebenso unmöglich, wie festzustellen, ob Schrödingers Katze nun lebt oder tot ist. Und es ist ebenso unmöglich, wie das Leben der Erdmännchen authentisch zu studieren, wenn die wissen, dass sie beobachtet werden. Und ebenso unmöglich, wie ein hinreichend mächtiges, konsistentes formales System, die eigene Konsistenz nicht beweisen kann - genau das ist Gödels Unvollständigkeitssatz.

Ich will damit gar nicht sagen, dass die Effizienzmarkthypothese völlig wertlos ist. Nein, unter den von ihr angenommen Voraussetzungen, ist sie eine sinnvolle Beschreibung der Informationsverarbeitung. Das Problem ist nur, dass die Voraussetzungen nicht mit der Realität im Einklang stehen. Der Markt ist eben nicht nur eine "Nachrichtenverarbeitungsmaschine", sondern in dem er Nachrichten verarbeitet im gleichen Masse auch eine "Nachrichtenerzeugungsmaschine" - Reflexivität eben.

Übrigens gibt es für solche näherungsweise richtigen, im grösseren Masstab aber dann doch unzureichenden Theorien, auch eine Entsprechung in der Physik. Newton war ein grosser Physiker und sein Gravitationsgesetz ist bedeutend. Und trotzdem ist es objektiv gesehen nicht zutreffend, weil es eben nicht im ganzen Universum gültig ist, sondern nur eine zutreffende Annäherung an die von uns auf dem Planeten Erde praktisch erlebte Wirklichkeit darstellt. Aber immerhin kann man aus Newtons Gravitationsgesetz, ganz praktisch und pragmatisch konkrete Berechnungen ableiten, die dann bis auf wenige Kommastellen auch auf unserer Lebensebene zutreffende Annäherungen liefern. Von der Effizienzmarkthypothese und den Märkten kann man das nicht sagen.

Deshalb gibt es übrigens auch keine "Weisheit der Masse" am Markt, wie uns das neue Thema "Social Trading" gerne glauben machen will. Systembedingt gibt es nur eine "Dummheit der Masse". Denn wenn zu viele Menschen die gleiche Überzeugung haben, kann sie am Markt wegen der Rückkopplung nicht mehr funktionieren. Der Erfolg einer Idee ist beim Social Trading also gleichzeitig ihr Untergang. Die Meinung vieler Menschen einzuholen und miteinander zu verknüpfen, hat daher nur dann einen Wert, wenn diese Meinungsbildung unabhängig und unbeobachtet vom Markt stattfindet. Genau das macht Social Trading aber nicht, sondern das Gegenteil, die Rückkopplung ist voll da.

Das Anlageteam, das sich zusammen setzt und die Lage diskutiert, erzeugt also einen Mehrwert bei der Einschätzung, weil viele Augen mehr sehen, als wenige. Was wir hier im abgeschotteten Bereich von Mr-Market.de diskutieren, erzeugt Mehrwert, weil es der Markt nicht weiss und wir zu wenige sind, um den Markt durch unsere Verhalten nachhaltig zu beeinflussen.

Aber wenn sich zum Beispiel im Social Trading jemand lange an der Spitze hält, weil er so toll illiquide Nebenwerte selektiert, dann werden tausende darauf aufmerksam und ihr Verhalten ändern. Und da es illiquide Nebenwerte sind, wird es eine Rückkopplung geben und sich deren Kursentwicklung verändern. Und am Ende hat der Erfolg des Social Trading Konzeptes gleichzeitig seinen Untergang herbei geführt. Das genau ist die Reflexivität.

Ich hoffe, ich habe Sie nicht verloren. Es ist schwierig, den komplexen Gedanken in seiner Gänze zu Papier zu bringe. Betrachten Sie das Thema aber nicht als abstraktes Wissen, sondern versuchen Sie zu erfassen, was das Folgende bedeutet:

Der Markt ist ein selbstreferentielles, reflexives System, in dem die Beobachter des Marktes, gleichzeitig die handelnden Marktteilnehmer sind und permanent durch Rückkopplung in ihren Handlungen beeinflusst werden.

Der Markt ist eben kein statisches, lebloses Objekt wie ein Automotor, den man nur lange genug studieren muss, um seine Geheimnisse zu ergründen. Sie werden aber erstaunt sein, wie unzählig viele Studien und Forschungen - auch und gerade in der Ökonomie - den Markt so untersuchen, als ob er ein "Automotor" ohne Rückkopplung wäre. Diese Studien müssen zwangsläufig zu völlig irrelevanten Ergebnissen kommen, denn wenn die Grundannahmen einer Theorie nicht der Realität entsprechen, wird auch das theoretische Gebäude dann Unsinn produzieren, ganz egal wie durchdacht und mathematisch anspruchsvoll das Gebäude ist.

Der Markt reagiert also nicht nur auf exogene Nachrichten, sondern er schafft durch sein Verhalten wiederum selber Nachrichten, die wiederum die Beobachter zu Handlungen motivieren - ein beständiger Kreisschluss, zwischen Beobachtern und Handelnden, der sich selbst in Bewegung hält. Kein Wunder, wir sind ja beides, Beobachter und Handelnder.

Wer ein bisschen Einblick hat, wie zum Beispiel in der 2008er Krise Vorstände von Unternehmen Investitionen zurück hielten und damit den Abschwung verstärkten, weil der Einbruch des Marktes Gefahr signalisierte, obwohl der Effekt noch gar nicht beim eigenen Auftragseingang angekommen war, der konnte diese sich rückkoppelnden und wellenartig aufschwingenden Effekte hautnah beobachten. Das Wissen um die kommende Krise hat eine neue Wirklichkeit des Handelns geschaffen und dieses Handeln wiederum hat die Krise erst so richtig tief werden lassen.

Wer ist da Henne und wer Ei? Ich weiss es nicht und die Frage ist auch irrelevant. Nur unser auf zweidimensionale Kausalketten gedrilltes Gehirn will dafür unbedingt eine Antwort, wo keine nötig ist. Genau das ist aber Reflexivität. Und genau eine solche systemisch, dynamische Wirklichkeit wollen unsere für das Überleben in der Savanne gebauten Hirne nicht akzeptieren. Wir suchen immer nach klaren Kausalketten, auch wenn keine da sind. So sind wir halt gestrickt.

Deswegen kann der Markt Nachrichten gar nicht "effizient" verarbeiten, weil es zu oft gar keine objektiven Nachrichten gibt, sondern nur der Markt selber die Nachricht ist und im eigenen Saft schwingt. Die klare Trennung zwischen Nachricht auf der einen Seite und verarbeitendem Markt auf der anderen, ist also eine Annahme, die unzutreffend ist - es gibt diese klare Trennung in der Regel nicht. Und Theorien, die auf unzutreffenden Axiomen beruhen, mögen in sich konsistent sein, unzutreffend sind sie aber trotzdem.

Deswegen ist der Markt permanent und systemimmanent "ineffizient" und für intelligente Menschen, die das verstehen, bieten sich erhebliche Potentiale den Markt zu schlagen.

Deswegen ist es aber so schwierig den Markt zu schlagen, denn der Markt sind wir, er weiss sozusagen, was wir denken und wovor wir uns ängstigen. Der Markt ist ein Pokergegner, der einen permanenten Vorteil hat, weil er weiss, wie unser Blatt aussieht. Und diesen Vorteil können wir dem Markt als Individuen nur dann nehmen, wenn wir gut verstehen, was die Mehrheit des Marktes denkt. Denn die Denkweise und damit verbunden die Erwartungen der Mehrheit bestimmen, was der Markt macht.

Das ist das Thema der Reflexivität. Der Markt ist ein Biest, dass sich permanent an unsere Erwartungen anpasst und es uns daher so schwer wie möglich macht. Kein Wunder, denn wir sind dieses Biest selber. Wer solche Systeme mit zweidimensionalen Kausalbeziehungen analysieren will, springt um Dimensionen zu kurz.

Das ist die Erkenntnis, die ich Ihnen mit diesem Artikel vermitteln wollte. Das Thema klingt bei mir immer wieder durch, dieser Text ist der Versuch, mal einen Kontext herzustellen.

Das zu tun ist deshalb so schwierig, weil ich versuche über ein Metathema komplexer Systeme zu sprechen, das in die Wissenschaftstheorie hinein geht und viele Wissensgebiete beeinflusst, nicht nur die Soziologie oder Ökonomie. Und es ist ein Thema, das nicht sehr populär ist, weil es uns Menschen emotional sehr viel lieber ist, die Welt kausal in wenn->dann Beziehungen zu beschreiben, als sie als ein systemisches Wesen mit "Eigenleben" zu begreifen.

Zum Thema übrigens noch eine Buchempfehlung. Das Buch ist älter, aber in seiner Art einmalig, weil es verschiedene Wissenszweige miteinander verknüpft und das Muster der Selbstbezüglichkeit dabei aufzeigt: -> Gödel, Escher, Bach <-

PS:

Ach ja, kluge Köpfe, die es überhaupt bis hier unten zum PS geschafft haben und durchdrungen haben, wovon ich da oben schreibe, werden sich jetzt fragen, warum ich diese Erkenntnis in einem öffentlichen Blogeintrag teile, denn damit unterläge sie ja auch der Reflexivität. 😉 Guter Punkt, kann ich da nur sagen!

Die Antwort ist einfach, es wird sowieso kaum jemand wirklich durchdenken und schon gar keine Schlussfolgerungen für das eigene Handeln am Markt ziehen. Denn diese Erkenntnis läuft unseren menschlichen Gehirnstrukturen zuwider, wir mögen solche Wahrheiten nicht. Und was wir nicht mögen, strafen wir mit Nicht-Beachtung und sonnen unser Ego lieber in unserer kausalen Kontrollillusion, auch Prognose genannt. 😉

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Eine willkommene Normalisierung bei DAX und Co.

Für die Geldanlage ist der Zeithorizont von grosser Bedeutung, in dem man sich mit seinen Anlagen bewegt.

Auf der kurzfristigen Zeitebene, konnte man zuletzt endlich mal wieder mit Shorts gutes Geld verdienen. Auf der mittelfristigen Zeitebene gab es in den letzten Wochen so viele Warnsignale, die wir im Premium-Bereich ausführlich besprochen haben, dass man mit Ruhe und Gelassenheit seine Risiken herunter fahren und sinnvolle Stops definieren konnte. Und dadurch nun weitgehend entspannt an der Seitenlinie das Treiben des Marktes beobachten kann.

Auf der langfristigen Zeitebene aber, ist das aktuelle Korrektur-Geschehen nichts weiter als eine willkommene Normalisierung. Und es braucht dafür auch keine Meldungen und Crash-Szenarien rund um die Emerging Markets. Auch ohne diese, war der Markt einfach mal reif für eine Korrektur. Und wenn das so ist, wird sich schon irgendwann eine Nachricht finden, die diese dann auslöst.

Gestern waren es dann schlechte US Wirtschaftsdaten, die den Dammbruch durch eine wichtige Unterstützung im S&P500 herbei führten. Wie schlecht die waren, zeigt uns Bespoke -> hier <-. Das letzte Mal, als ein Report so weit nach unten von der Erwartung abwich, war im September 2008 (hört, hört !).

Aber die gestrigen Daten sind definitiv auch durch temporär sehr schlechtes und kaltes Wetter im Berichtszeitraum in den US beeinflusst. Nur weiss keiner, wie stark und ob nicht doch auch ein konjunkturelles Strukturproblem existiert. Und die Börse mag keine Unsicherheit, wie gestern wieder zu beobachten war. Von einer höheren Warte aus, ist diese Entwicklung aber zu begrüssen, denn endlich werden schlechte Daten an der Börse auch wieder schlecht gewertet - in 2013 war das anders.

Das Chart des DAX mit Wochenkerzen, zeigt uns auf der langfristigen Zeitebene aber eindeutig, wie normal diese Korrektur bisher ist.

DAX 04.02.14

Knapp unter 9.000 wartet im DAX nun eine wichtige Unterstützung, die normalerweise für einen Bounce gut sein sollte, zumal in den US nun zwei Tage mit sehr grossen Kauf-Operationen der FED anstehen und am Donnerstag Mario Draghi in seiner Pressekonferenz die Märkte bestimmt nicht weiter runter reden wird.

Aber selbst wenn der DAX danach bis in eine wichtige Unterstützungszone um 8500 herum fallen sollte, ist der langfristige Aufwärtstrend immer noch intakt. Erst darunter, muss man sich auch auf der langfristigen Ebene ernsthafte Sorgen machen.

Jetzt sind viele normale Anleger durch eine gewisse Form von "Börsenpornographie" leider so verseucht, dass sie das Chart oben schnell beiseite schieben und statt dessen sofort die innere Frage haben, wo der DAX denn morgen steht. Weil sie glauben, das Erraten der Zukunft hätte was mit Börsenerfolg zu tun.

Und das ist ja kein Wunder, weil die "Prognosiritis" einfach eine Krankheit ist, von der eine grosse Zahl der medialen Börsen-Berichte befallen ist. Bedenken Sie aber bitte, dass das "Business", in dem sich diese Medien bewegen, nicht die optimale Geldanlage ist, sondern das Erzeugen von medialer Aufmerksamkeit. Hier werden Klickzahlen optimiert und nicht Ihr Börsenerfolg !

Keiner weiss was morgen bringt und deshalb macht es für Sie als Anleger auch keinen Sinn, Ihre wertvolle Lebenszeit mit Hoffen, Bangen und Raten zu vergeuden. Um so schlimmer, Sie laufen sogar Gefahr, darüber das zu vergessen, was Sie wirklich tun sollten. Den tun sollten wir das, was wir selber beeinflussen können - darauf müssen wir unsere Energie richten.

Und auf der langfristigen Anlageebene sagt uns der Markt, dass der Aufwärtstrend noch intakt ist. Er sagt uns aber auch, dass wir klare Stops dort brauchen, wo der Trend brechen könnte. Und er sagt uns, dass wir unsere Risiken im Moment etwas verringern sollten.

Mehr wissen wir auf der langfristigen Ebene im Moment nicht. Aber das ist doch schon eine ganze Menge. Und ich garantiere Ihnen, es gibt unzählige Anleger, die selbst diese grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen nicht ergreifen, weil sie sich lieber am fröhlichen Ratespiel beteiligen.

Auf den kurz- und mittelfristigen Zeitebenen dagegen, erlaubt die aktuelle Korrektur profitable Trades in beide Richtungen. Endlich schwingt der Markt mal wieder parallel zu aktuellen Wirtschaftsnachrichten. In 2013 hatte man schon fast den Glauben verloren, dass wir das noch einmal erleben würden. Diese kurz- und mittelfristigen Zeitebenen sollen aber hier im Artikel nicht Thema sein.

Langfristig achten Sie nun bitte auf Ihr Risikomanagement und wenn Sie keines haben, sollten Sie sich schnellstens eines zulegen. Mit einer Position massiv ins Minus zu rauschen und dann Jahre darin zu hängen, ohne diese loslassen zu können, überlassen Sie bitte den Anlegern, die der "Prognosiritis" huldigen. Sie als Leser dieses Blogs, sollten es eigentlich besser wissen. 😉

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***