(Zehn) Jahre zurück und die Lehren daraus

Vor genau 10 Jahren am 09.03.2009 wurde *das* Tief der Lehman-Krise markiert und von da an ging es nur noch markant hoch. Es ist immer wichtig sich zu erinnern, wie Dinge sich angefühlt haben und diese Erinnerung hat mir Josh Brown in diesem sehr lesenswerten Artikel abgenommen: -> Its the end of the world as we know it < -.

Seitdem ist der S&P500 um 312% gestiegen, trotzdem haben nur die Wenigsten diesen Tiefpunkt damals wahrgenommen, weil der "Recency Bias" unserer "Affenhirne" uns eine objektive Betrachtung einer Situation deutlich erschwert. Nicht in dem Umfang, aber vom Charakter her, war auch letzte Weihnachten so ein Tag, an dem sich kaum jemand vorstellen konnte, dass genau dort der Tiefpunkt der Korrektur markiert werden würde.

Wichtig an Josh Browns Artikel ist auch, dass er uns daran erinnert, dass dieser Bullenmarkt bestenfalls 2013 begonnen hat, als sich der Markt aus dem von 2000 bis 2013 andauernden Bärenmarkt über die Hochs von 2000 und 2007 erhoben hat. Ich habe Ihnen das hier übrigens damals genau so dargestellt, als ich im November 2013 gefragt habe:

-> Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor? < -

Schauen Sie da noch einmal herein, es lohnt sich wirklich im Nachgang immer mal wieder alte Situationen zu betrachten, sich zu erinnern, wie man sich da gefühlt, wie andere argumentiert haben und was dann am Ende daraus geworden ist. Es war der folgende Punkt auf dem Zeitstrahl:

Diese Reflektion ist ein guter Schutz gegen Aufgeregtheiten in der Gegenwart und insbesondere gegen die klickorientierten Weltuntergangs-Propheten, die nach 2009 die Anleger mit ihren Weisssagen jahrelang davon abgehalten haben, das einzig Richtige zu tun und ein wahrscheinlich "Generational Low" im März 2009 zu kaufen.

Und weil es sich lohnt, möchte ich nun, dass Sie mit dem heutigen Blick und dem heutigen Wissen was dann kam, einen Artikel noch einmal lesen, den ich den Mitgliedern exakt im gleichen Zeitraum am 19.11.2013 geschrieben habe - ja 2013, mitten in der Rally aus der Eurokrise heraus, genau der Rally, die das Ende des seit 2000 andauernden Bärenmarktes begründete.

Klar, wer alles was einen Monat alt ist, schon für "überholt" hält und als moderner "Aktualitäts-Suchtie" nur vermeintlichen "Neuigkeiten" hinterher jagt, den wird das nicht interessieren. Das ist aber kein Problem, dieser Typus ist sowieso kein Mr-Market Leser. Die Aufmerksamkeitsspanne reicht heutzutage oft leider nicht über drei Absätze hinaus, dafür gibt es aber genügend Klicki-Bunti-Angebot auch ohne mich.

Denn auch heute werden wir doch wieder von den diversen Crash-Propheten penetriert, die ihr Geld mit dem wohligen Grusel vor dem Weltuntergang verdienen - Crash sells. Und auch heute erzählt uns eine Finanzindustrie, dass wir am Besten immer voll investiert in "gemanagten" Produkten sind - schon klar warum. Die Wahrheit und der optimale Weg für Ihr Depot, liegt wie immer zwischen diesen Extremen.

Wenn Sie die Wahrheit die in diesem Blick zurück steckt in sich aufnehmen und daraus Lehren ziehen, wird Ihr Depot davon mehr profitieren, als vom Studium von 10 Weissagungen der Jünger Nostradamus. Sie müssen es nur tun. Und nun zurück ins Jahr 2013.

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Derzeit erleben wir im Marktsentiment der Aktienmärkte so etwas wie eine "Kapitulation" der verbliebenen Bären und Skeptiker. Viele Marktteilnehmer haben seit 2009 nicht an diesen Markt geglaubt, standen mit ihrem Depot im Abseits und haben die Anstiege emotional bekämpft. Wir erleben einen der meist gehassten Bullenmärkte der Geschichte.

Und nun nähert sich das Jahresende, die Indizes sind auf historischen Höchstständen und es geht trotzdem einfach immer weiter aufwärts und aufwärts. Diverse Auswertungen der Sentimentdaten zeigen, dass das Bullenlager zuletzt drastisch gewachsen ist, die erwähnte Kapitulation der Bären scheint also nun im Gange.

Nun wissen erfahrene Leser, dass genau dieser Moment der Kapitulation der letzten Bären, mit erhöhten Risiken verbunden ist, denn er steht gerne am Ende einer Aufwärtsbewegung und nicht am Anfang. Und nach 5 Jahren des Anstiegs, wäre dafür ja auch mal langsam Zeit. Aber das ist so offensichtlich, dass es fast schon wieder unwahrscheinlich wird und darüber will ich heute auch gar nicht schreiben.

Ich will heute über die vergangenen 5 Jahre schreiben, in denen so viele, so immens viel von dieser sensationellen Aufwärtsbewegung verpasst haben. Und ich will aufzeigen, woran das liegt. Denn zu viele haben zu oft emotional gegen den Markt gekämpft.

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie bitte mal zur Einstimmung die ehrlichen Gedanken und Gefühle vom jemandem, der nun seit mehr oder weniger 5 Jahren emotional gegen den Markt und die Notenbanken kämpft: -> The new abnormal < -

Das gibt Ihnen einen guten Eindruck davon, was in so Menschen aktuell vorgeht. Und ich habe es meinen Lesern schon oft gesagt und kann es nur wiederholen: vermeiden Sie unbedingt solche psychologischen Fallen! Trennen Sie unbedingt Ihre Sicht auf die Welt und Ihre Überzeugungen, von den Handlungen, mit denen Sie versuchen Ihr Depot zu füllen.

Sie wissen, wie kritisch ich vieles sehe, was da im Bereich der Notenbanken in der Gegenwart abgeht und das ich am Ende auch an ein „dickes Ende“ der Geschichte glaube. Vielleicht kommt ein Zeitpunkt, an dem wieder ein wütender Mob vor den Regierungs-Gebäuden und Notenbank-Kathedralen stehen wird und die Verantwortlichen lynchen will. Alles schon mal dagewesen und es gibt keine Sicherheit, dass es nicht wiederkommt. Und wenn dieser Moment kommt, werden Leute wie unser Autor oben dann völlig zu Recht "siehste" sagen. Nur wird sich auch dann die Masse nicht an die Warner der Gegenwart erinnern – bestenfalls in akademischen Zirkeln. Die Anführer des Mobs werden aber andere sein, Populisten die den neuen „Trend“ rechtzeitig erkannt haben und sich als Protagonisten an die Spitze setzen konnten. Populisten, die heute vielleicht eine ganz andere Sau durchs Dorf treiben.

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Die Steigung

Das Jahr 2018 macht da weiter, wo das Jahr 2017 aufgehört hat. Der Anstieg insbesondere der US Indizes ist gnadenlos, immer wieder ergeben sich neue Themen, die die Märkte weiter befeuern. War es gestern noch die US Steuerreform, ist es nun auch das US Infrastruktur-Programm, das auf die Agenda der Trump-Administration kommt.

Daraus ist ein massives Momentum im Markt entstanden, das man wunderbar im Leitindex SP500 mit dieser immer steiler werdenden Steigung darstellen kann:

Ich denke man erkennt sehr schön, wie die Steigung von einer dauerhaft tragfähigen Neigung in 2017, in 2018 nun auf eine Steilheit gewechselt ist, die der Markt nicht dauerhaft durchhalten kann.

Würde man diese Steigung auf das Jahresende hochrechnen, würde sich der SP500 vervielfachen, was natürlich kompletter Unfug ist.

Nun kann ich mir aber gleich vorstellen, wie einigen von Ihnen nun der "Finger juckt" sich dagegen zu stellen und auf fallende Kurse zu wetten.

Ich kann nur davor warnen. Denn derartiges Momentum hat die Tendenz immer viel weiter zu laufen, als wir uns vorstellen können und der Markt muss gar nichts. Mit diesem Momentum kann der problemlos erst einmal ein paar Wochen weiter steigen und die 3.000 erreichen, bevor er ernsthaft zu zucken beginnt.

Zu früh ist am Markt eben auch nur ein anderes Wort für *falsch*, denn die Verluste wären für Shorties auf dem Weg nach oben dann brutal.

Alles was dem klugen Anleger bleibt, ist demütig dem Markt zu folgen und dieses Momentum zu akzeptieren, statt es zu bekämpfen. Also mitzunehmen, was man sich bei geordnetem Risikomanagement zutraut.

Gleichzeitig muss dieser kluge Anleger sich aber bewusst machen, dass eine scharfe Korrektur von 20% in 2018 mit dieser steilen Bewegung eher wahrscheinlicher als unwahrscheinlicher geworden ist, die Risiken steigen also deutlich.

Bei allem demütigen Mitgehen, muss man sich also immer wieder die Ausstiegspunkte zurecht legen und sozusagen schon den Fallschirm aufgeschnallt haben, damit man dann nur noch die Reissleine ziehen muss.

Ich weiss, das ist emotional keine besonders schöne Situation, sich zu zwingen dabei zu bleiben und gleichzeitig dabei auf den Zehenspitzen zu stehen. Viel lieber würde man sich entspannt zurücklehnen und einfach den Anstieg geniessen.

Aber wir haben keine Wahl. Wenn wir vom Momentum etwas mitnehmen wollen und trotzdem bei einer scharfen Korrektur nicht alles wieder verlieren wollen, müssen wir beides tun, so schwer es auch ist.

Übrigens, die US Indizes haben nun das Jahr 1995 als das mit dem längsten Anstieg ohne 5% Korrektur abgelöst. Wir sind also eindeutig in historischen Gewässern.

Ihr Hari

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Erfolg an den Märkten: In aller Deutlichkeit!

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 13.11.15 in Hari Live. Er ist aber so grundlegend und so wichtig für Anleger zu verstehen, dass ich ihn in abgewandelter Form auch in den freien Bereich stellen will.

Der Punkt ist, wer immer noch glaubt, er könnte nur durch das Lesen einzelner "Tips", einzelner Medienartikel oder durch seine eigene "göttliche Eingebung", dauerhaft gegen den Markt bestehen - einen Markt der die Summe der Intelligenz und Erwartungen aller Marktteilnehmer darstellt - denkt mit Verlaub in dieser Sache naiv und wird zwangsläufig scheitern.

Ich gebe hier zwar keine Gewinn-Garantien, aber diese Garantie des Scheiterns kann ich geben. 😉 Aber lesen Sie selbst:

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Von Jünglingen, Knappen und Rittern – Die drei Phasen des Risikomanagements

Der folgende Grundsatzartikel zur Risikobereitschaft und zum Risikomanagement als Trader und Anleger, erschien Mittwoch 23.09.15 11:10 in Hari Live und wurde zum Zwecke der Verständlichkeit, für den freien Bereich überarbeitet.

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Ich verrate Ihnen heute ein „Geheimnis“.

Ich agiere in meinem Trading-Depot manchmal deutlich aggressiver und mit mehr Risiko, als ich das in meinen abgewogenen Statements hier deutlich machen kann, mit denen ich ja eine in ihrem Erfahrungshorizont völlig heterogene Leserschaft adressiere.

Warum? Wieso? werden Einige von Ihnen nun fragen. Und andere, die die ganze Entwicklung als Trader schon durchlaufen haben, werden wissend grinsen.

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Warum wir die Unsicherheit lieben lernen müssen

Der folgende Artikel basiert auf einem Text, der schon Mittwoch 06.05.15 09:30 in Hari Live erschienen ist. Für den freien Bereich wurde er leicht überarbeitet und gekürzt.

Der Sachverhalt selber hat aber grosse und grundsätzliche Bedeutung. Wer an den Märkten Erfolg haben will, gleichzeitig aber zu grosse Angst davor hat, Verluste zu erleiden, wird gerade deswegen scheitern.

Im amerikanischen gibt es dafür ein Sprichwort und das lautet "Fearfull Money doesn´t make Money", zu Deutsch: "Ängstliches Geld kann kein Geld machen". Und darum geht es im folgenden Artikel.

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Heute früh, will ich ein ganz grundsätzliches Thema mit Ihnen besprechen, das durch die "zappelige" Aktualität der letzten Wochen, seine erneute Bedeutung bekommt.

Es geht um die inhärente Unsicherheit, die immer im Markt steckt und mit der wir lernen müssen zu leben, oder noch besser: sie zu lieben und als Chance zu begreifen.

Eine Chance ist es nämlich schon alleine deshalb, weil nicht nur wir diese Unsicherheit verspüren, sondern alle anderen Marktteilnehmer ja auch. Und der Markt ist die Summe der Handlungen und Erwartungen aller Marktteilnehmer. Wenn wir die Unsicherheit also besser verdauen als die anderen, haben wir einen klaren Vorteil (Edge).

Als Menschen plagt uns diese Unsicherheit aber emotional sehr und wir würden uns mehr Stabilität und Verlässlichkeit in den Märkten wünschen. So eine stabile Aufwärtsbewegung wie im ersten Quartal diesen Jahres, ist aber die grosse Ausnahme, das Gezappel und die Volatilität, die wir aktuell erleben, ist dagegen die Regel.

In diesen Phasen kann ich dann immer schon die Uhr danach stellen, dass Marktteilnehmer frustriert beschliessen, nun "nur noch langfristig anzulegen", weil es ja vermeintlich nichts bringt, sich dem kurzfristigen "Gezappel" hinzugeben.

Ich reagiere darauf immer mit einem leichten Schmunzeln, denn diese Reaktionen sind auch nicht wirklich rational, sondern emotionale Ausweichreaktionen, weil man mit der permanenten Unsicherheit nicht mehr umgehen kann. Man gaukelt sich dann vor, das "langfristig" ja höhere Sicherheit verschaffen würde, was aber ein fataler Trugschluss ist. Ein Trugschluss, der fatalerweise aber erst nach langer Zeit erkannt werden kann, wenn das Kind dann schon ganz tief in den Brunnen gefallen ist.

Und nein, das hat nichts mit dem Zeithorizont der Geldanlage zu tun und ich spreche hier auch nicht gegen langfristige und passive Strategien, ich setze solche Strategien doch selber ein und habe doch selber jede Menge langfristige Positionen! Selbstverständlich funktioniert langfristige Geldanlage - wenn man sie richtig macht - ebenso wie kurzfristig taktisches Handeln. Egal ob Daytrader in Währungen, SwingTrader mit Aktien, langfristige Anlage mit ETFs oder mit Fonds - das kann alles funktionieren.

Nur um die Unsicherheit kommt man nicht herum - das ist hier der Punkt!

Der fatale Trugschluss ist also nur, dass man mit langfristiger Geldanlage der Unsicherheit aus dem Weg gehen würde, weil man glaubt, die Unsicherheit wäre nur kurzfristig da und langfristig wäre doch alles klar. Das stimmt aber nicht, der Unterschied ist nur, dass man sich bei taktischem Verhalten der Unsicherheit jeden Tag stellt und bei langfristiger Anlage je nach Horizont vielleicht nur alle paar Wochen, Monate oder vielleicht sogar nur einmal pro Jahr.

Und so ist der Friedhof der "Anleger-Leichen" gepflastert mit Anlegern, die

  1. Sich vor der unerträglichen Unsicherheit der Märkte in eine "langfristig, solide" Anlage geflüchtet haben, ohne sich um ein Risikomanagement Gedanken zu machen.
  2. Sich damit auch lange - über Monate und Jahre - gut gefühlt haben, solange die Märkte nicht einbrachen. Und überall in ihrer Umgebung die Geschichte verbreitet haben, dass das mit der Börsenhektik ja "Quatsch" wäre und man nur eine ruhige Hand und "gute" Unternehmen bräuchte.
  3. Als der Markt dann zu einem neuen 2000er oder 2008er Event ansetzte, sich nach den ersten 10% Verlust beruhigt und selbstgewiss nach hinten gelehnt haben.
  4. Nach 20% Verlust nachgekauft haben, weil ihre Anlagen ja "solide" seien.
  5. Nach 30% Verlust nervös wurden.
  6. Nach 40% Verlust nicht mehr hinschauen konnten.
  7. Nach 50% Verlust ihrer Frau nichts mehr gesagt haben und am Stammtisch dem Thema ausgewichen sind.
  8. Nach 60% Verlust verzweifelt verkauft haben und nie wieder über Börse nachdenken oder reden wollen. "Börse ist Scheisse" lautet von da an das Credo.
  9. Und deshalb auch nicht sehen, dass es nun wieder hoch geht und der Markt Jahre später neue Höchststände generiert.

Ich kenne diese "Anleger-Karrieren" aus dem EffEff und deshalb muss ich immer schmunzeln, wenn ich merke dass Anleger, die mit der Unsicherheit nicht umgehen können, in "langfristige" Anlagen flüchten, weil sie sich einbilden, dort sei die Unsicherheit geringer.

Die Unsicherheit ist einfach inhärenter Teil des Marktes. Es könnte einen Markt gar nicht geben ohne diese Unsicherheit. Versuchen Sie sich mal vorzustellen, wie Kurse entstehen sollen, wenn alle wissen was passiert! Denken Sie dabei an die -> Reflexivität <-.

Und glauben Sie ja nicht, dass in langfristiger Perspektive irgend etwas weniger unsicher wäre! Es sieht auf den langfristigen Charts nur im Nachhinein immer so klar aus, aber Hinterher lässt sich halt immer gut "schwätzen". 😉

Der Punkt ist also, der Markt ist die personifizierte Unsicherheit und es sind die am Erfolgreichsten, die diese Unsicherheit akzeptieren, in sich aufnehmen und ja sogar lieben lernen können. Wer diese Unsicherheit bekämpft, reibt sich auf.

Erneut, damit das ja niemand falsch versteht: langfristige Strategien können hervorragend funktionieren und machen jede Menge Sinn! Und es gibt viele gute Gründe, eine langfristige und eher passive Strategie zu wählen: Zeitaufwand, Nerven und Lebensumstände gehören zu den legitimen Gründen, die für eine langfristige Strategie sprechen. Nur sollten wir nicht glauben, dass wir damit der Unsicherheit ein Schnippchen schlagen, der müssen wir uns *immer* stellen. Immer!

Nein, bei langfristigen Strategien hat man nur das Privileg, diese grundlegenden Entscheidungen in Unsicherheit nicht permanent zu treffen, sondern nur in grösseren Abständen. Dafür hat man dann aber auch weniger Übung und die Entscheidungen werden gewichtiger und bedeutender.

Es ist eben eine kleinere Hürde, sich jeden Tag zu fragen, ob man sich bei einer Teilposition mit 2% Verlust ausstoppen lässt, oder sich nach Monaten und 20% Verlust zu fragen, ob man komplett aus einem Markt geht, weil man fürchtet, dass der auch 50% fallen könnte!

Wir haben also die Wahl, uns täglich in Unsicherheit zu üben und dabei viele kleine Entscheidungen zu treffen, oder uns nur nach langer Zeit der Unsicherheit zu stellen, dafür aber weit schwergewichtigere Entscheidungen treffen zu müssen.

Der Unsicherheit stellen müssen wir uns aber so oder so!

Welcher Weg individuell der Richtige ist, kann nur jeder für sich entscheiden. Klar ist, dass wer keine Zeit hat dem Markt in seinen Schwingungen zu folgen oder wem die Nerven dafür fehlen, auf jeden Fall einen längerfristigen Ansatz wählen sollte. Nur darf man sich nicht einbilden, dass man damit der Unsicherheit verschwinden würde und man die Anlagen einfach gedankenlos liegen lassen kann!

Wobei, eine Alternative gibt es schon, in der wir uns der Unsicherheit gar nicht stellen müssen. Und das ist die Methode des langfristigen Vermögensaufbaus, in dem man einfach stur jeden Monat etwas in den Aktienmarkt gibt, mit dem "Cost-Average-Effekt" ein gutes Gefühl vermittelt bekommt und sich überhaupt nicht dafür interessiert, wo der Markt steht.

Theoretisch kann man so garantiert und ohne Stress die langfristige Performance der Aktienmärkte nachbilden. Nur wer schafft das in Realität? Denn dann muss man sich alle Augen und Ohren zu halten, wenn medial die nächste Krise über einem zusammen schlägt und man bei der Bank um die Ecke die Schlangen vor den Schaltern sieht, die panisch ihr Geld abheben wollen. Wer kann das also schon? Ich behaupte: fast keiner, auch wenn es vorher fast jeder glaubt.

Und selbst wenn man es kann, kommt die Zeit näher, in der man dann im Ruhestand die Anlagen entnehmen will und natürlich fängt dieser verfluchte Markt genau ein Jahr vor dem Ruhestand an zu fallen. Was tut man nun? Übung um in Unsicherheit zu überleben, hat man dann keine.

Und auch die Unsicherheit des Marktes an einen Vermögensberater oder einen Fundmanager zu delegieren, verlagert die Unsicherheit nur. Man muss sich nicht mehr mit dem Markt auseinander setzen und das ist ja erst einmal ein Wert an sich. Die Unsicherheit des Marktes, wird aber dann durch die Unsicherheit ersetzt, ob der Vermögensberater "es kann" und auch das kann man erst dann heraus finden, wenn das Kind schon weit in den Brunnen gefallen ist. Man braucht also schon immenses Urvertrauen in den Berater, um auf diesem Weg die Unsicherheit zu begrenzen.

Fazit:

Die Unsicherheit ist inhärenter Bestandteil des Marktes, einen freien Markt ohne permanente Unsicherheit gibt es nicht, egal ob kurz- oder langfristig. Und das ist gut so!

Wir Menschen hassen diese Unsicherheit aber emotional und sind deshalb auch so empfänglich für alle Angebote und Gurus, die uns Sicherheit verkaufen wollen.

Das ist aber alles Illusion, es gibt keinen Weg die grossen Entscheidungen in Unsicherheit zu vermeiden. Wir können aber üben, mit Unsicherheit umgehen zu können und darin sogar die Chancen zu erkennen. Und das ist die grundlegende Basis des Erfolgs am Markt.

Und deshalb lesen Sie hier von mir auch nur, wie der Markt real ist und keine fabulierenden Prognosen, wie ich mir den Markt gerne wünschen würde. Wenn der Markt unsicher schwankt, dann schwankt er halt und niemand kennt dann die Richtung. Und ich bin der kalte und rationale Beobachter dieser Situation und das zu können ist eine Qualität.

Die Grundvoraussetzung für Erfolg an den Märkten ist aber, dass wir die Unsicherheit nicht bekämpfen und aufhören, ein reiner "Sicherheitssucher" zu sein, denn da gibt es keine. Sicherheit verschaffen uns nur die eingeübten Fähigkeiten, mit denen wir uns aus jeder Situation wieder heraus retten können. Das nennt man als Überbegriff "Risikomanagement" und dahinter verbergen sich verschiedenste Techniken, deren Einsatz sehr individuell ist.

Aber wenn wir es nicht schaffen, die Unsicherheit zu lieben und als Chance zu sehen, müssen wir zumindest lernen sie zu akzeptieren, ohne uns daran aufzureiben. Andernfalls haben wir keine Chance gegen Mr. Market.

Ihr Hari

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DAX 2012 und was wir daraus lernen können

Der folgende Beitrag erschien schon Montag 02.03.15 09:50 in Hari Live

Nein, wir haben *nicht* 2012! Und Nein, 2015 wird auch nicht so laufen wie 2012! Ich halte wenig davon, aus Verläufen der Vergangenheit, konkrete Vorhersagen für die Zukunft abzuleiten.

Trotzdem hat ein Blick zurück einen Wert. Denn er kann Bewegungen in eine Perspektive stellen, weil man in der Vergangenheit halt sehen kann, was "danach" kam. Und der Blick in die Vergangenheit verdeutlicht auch typische Muster, in denen der Markt schwingt. Denn Nein, es ist dieses mal *nicht* anders und auch dieser Markt 2015 wird nicht wie ein Strich ohne Halt nach oben gehen!

Aber 2012 war das nächstgelegene Jahr in der Vergangenheit, in dem wir völlig analog zu 2015 auch einen ganz ausgezeichneten Januar und Februar hatten. Und insofern lohnt sich doch ein Blick zurück:

DAX 2012

Wir sehen, wie der Markt Anfang März einen Einbruch vortäuschte, dann zurück kam, neue Hochs generierte, nur um doch im März eine temporäre Topbildung zu absolvieren.

Wir sehen aber auch, wie der Markt nach Ablauf der Korrektur, die im Juni die Werte des Jahresanfangs wieder erreichte, auf einem höheren Tief drehte und danach eine sehr gute zweite Jahreshälfte folgte.

Erneut, eine unmittelbare Vorlage für 2015 wird das nicht werden, zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen. 2015 hat ganz andere Rahmenbedingungen als 2012.

Der Vergleich verdeutlicht aber, dass auch starke Märkte korrigieren und auch in starken Jahren, mal eine deutliche Schwächephase enthalten sein kann.

Ob diese ab März einsetzt oder der Markt vorher noch etwas weiter hoch schmilzt, wissen wir letztlich nicht. Das Risiko für eine Korrektur bzw Konsolidierung ist nun aber so hoch, wie seit letzten Herbst nicht mehr. Und das sollten wir im Hinterkopf behalten und unser Risikomanagement nicht vernachlässigen, während wir mit beiden Händen Gewinne scheffeln.

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Neubewertung bei First Solar

Der folgende Beitrag erschien schon Mittwoch 25.02.15 16:30 in Hari Live

Noch so ein Volltreffer der letzten Wochen ist ja First Solar (A0LEKM, FSLR). Ich hatte hier in Hari Live aufgrund der Wendeformation im Chart am Montag 02.02.15 15:45 - also vor drei Wochen - einen Einstieg indiziert.

Bitte schauen Sie unten noch einmal, wie ich das Chart damals dargestellt hatte, denn es ist ein Musterbeispiel aus dem Lehrbuch, wie solche Wenden ablaufen können und vor allem bis wann wir warten, um bewusst einzusteigen.

Nun hatte First Solar ja gestern durchschnittliche Zahlen und hat trotzdem nichts von den massiven Gewinnen abgegeben. Und legt aktuell noch einmal 6% nach.

Was wir hier erleben ist also eine Neubewertung des Marktes einer Aktie, die er bisher im Vergleich zu den Retail-Spezialisten des Sektors nicht so gerne mochte. Aber die Kombination des Apple-Deals und der Auslagerung unattraktiver Assets in eine "Yield-Co", generiert nun Phantasie und damit eine Überarbeitung der Erwartungen des Marktes.

Das Ergebnis sehen wir nun im Chart, der eindrucksvolle Volumenschub unterstützt dabei die Sicht einer Neubewertung. Ich habe hier den 02.02. markiert, den Zeitpunkt des Einstiegs:

FSLR 25.02.15

Wir sehen hier ein Beispiel, wie ein Bewegungsziel (Measured Move) bei gut 50 USD erreicht wurde, dann aber durch die überraschende Nachricht zur "Yield-Co" massiv überschritten wurde. Alle Formen der Markttechnik, können natürlich nur das vorhandene Wissen reflektieren - Überraschungen sind eben Überraschungen.

Wir sehen nun aber auch, dass es Sinn macht davon auszugehen, dass die Aktie nun bald bei ca. 60 USD auch wieder erst einmal zum Halten kommt. Stellen wir uns nun vor, dass das grosse Gap noch geschlossen würde, dann hätten wir eine übergeordnete, gewaltige inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation (iSKS) mit einem Measured Move über 80 USD! Stellen wir uns alternativ vor, dass das Gap nicht geschlossen würde, hätten wir ein massiv bullisches "Island Reversal" vor uns. Wenn die Aktie nun nicht sofort wieder einbricht, sieht die technische Lage also ausgezeichnet aus.

Bei einer neuen, grossen iSKS mit Nackenlinie 60 USD sind wir aber noch nicht und eine Aktie die einer Neubewertung unterzogen wird, kann auch durchaus ohne Halten weiter hoch laufen. Aber trotzdem ist das nicht das wahrscheinliche Szenario und ein baldiges Retracement ab ca. 60 USD, ist einfach realistisch anzunehmen.

Wie tief das dann geht und ob es das Gap überhaupt schliesst und die 50 USD noch einmal sieht, ist im Moment nicht vorher zu sehen, das Chartbild ist nur ein Szenario.

Wie geht man nun damit um, wenn man wie ich aktuell in der Aktie mit mittel- bis langfristigem Horizont investiert ist?

Da ich die Aussichten in diesem mittel- bis langfristigen Zeithorizont immer noch für gut halte, habe ich keinen Grund nun zu verkaufen und werde die Aktie weiter halten. Da nun aber ein Retracement hoch wahrscheinlich wird und auch durch die hohen Gewinne die Position gewachsen ist, werde ich diese - beginnend mit Heute - von der Positionsgrösse her reduzieren. Und wenn das Retracement tatsächlich kommt, werde ich dann wieder zu tieferen Kursen aufstocken.

Das ist mein klassischer Weg, mit solchen Situationen umzugehen. Dieser Weg ist nicht 1-zu-1 auf Sie zu übertragen, weil wie jedes Risikomanagement, macht er nur in einem Gesamtkontext Sinn, der mit Grösse und Kapitalisierung des Depots sowieso Zeithorizont und individueller Risikotoleranz zu tun hat.

Trotzdem wollte ich Sie Teil haben lassen, wie ich in so Situationen agiere. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen, der sich nun fragt, wie er nun mit den herrlichen Gewinnen umgehen will. 😀

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Macht eine langfristig passive Bluechip Strategie Sinn?

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 11.12.14 15:20 in Hari Live und wurde zwecks Anonymisierung und Verständlichkeit für den freien Bereich überarbeitet

Im Forum gab es eine Frage, die ich hier ausführlich als Artikel beantworten will, weil mir das Thema von so allgemeinem Interesse zu sein scheint, dass es jeder wahrnehmen sollte.

Es ist die Frage eines Mitglieds, ob eine langfristig passive Bluechip Strategie Sinn macht, also sozusagen "Buy and Hold" mit Bluechips a la 3M, Johnson&Johnson, MC Donalds, Kellogg, Procter&Gamble und Co.

Die Anlage in solchen Werten wird ja in Deutschland von interessierter Seite gerne als "Value-Strategie" verkauft und erfreut sich grosser Beliebtheit. Kaum fängt jemand an sich mit Börse zu beschäftigen, hat er schon "Warren Buffett" und "Value" im Mund, es hört sich ja auch zu einfach und überzeugend an. So wie ein Baby als erste Worte typischerweise "Mama" und "Papa" sagen kann, sind "Warren Buffett" und "Value" die ersten Worte deutscher Anleger. 😉

Komisch nur, dass trotz dieses überzeugenden Konsens, nur die wenigsten an der Börse wirklich erfolgreich sind. Diese Divergenz zwischen eingängigem Erklärungsmodell und mangelndem Erfolg, sollte ja zum Nachdenken anregen, tut es aber erstaunlicherweise in der Regel nicht.

Wie ich darüber denke, habe ich im Artikel -> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und zum Zerrbild des Value-Investing <-
ausführlich dargestellt - ein Artikel, den ich Ihnen auch heute zum Lesen empfehle, falls sie ihn noch nicht kennen.

Nun also meine Antwort auf die Frage des Mitglieds:

Theoretisch (zu dem Begriff komme ich noch) ist es für 80-90% der Anleger tatsächlich am Besten, sich Bluechip-ETFs wie beispielsweise den iShares Global Titans (WKN: 628938) passiv ins Depot zu legen, diese dann unter Ausnutzung des Cost Average Effektes langfristig zu akkumulieren und gut ist es!

Denn Markt-Timing bekommt nur eine Minderheit hin, erfordert viel Wissen und vor allem Disziplin und Kenntnis der eigenen Psychologie. Und wir erleben ja hier auch immer wieder, dass es trotz meiner Hinweise und meiner offensichtlich brauchbaren "Glaskugel", trotzdem immer noch nicht einfach ist. Was soll da erst "Otto Normalanleger" sagen, der nur den Mainstream Nachrichten hinterher läuft und damit sowieso immer im falschen Moment agiert, wenn der Käse schon längst gegessen ist?

Bevor ich aber zum "theoretisch" komme, noch der Hinweis, dass die Annahme, dass immer die grossen Bluechips die Besten seien, in meinen Augen ein unzulässige Annahme ist. Unzulässig ist sie deshalb, weil selbst ein Betrachtungszeitraum von 20 Jahre für die generelle Aussage zu kurz ist.

Es waren in den letzten 20 Jahren diverse Entwicklungen, wie zuletzt die finanzielle Repression, die das Geld in Bluechips als Anleihenersatz getrieben haben und daher für eine Überperformance der "grossen Brummer" zum Gesamtmarkt gesorgt haben. Ich kann mir gut Szenarien vorstellen, in denen das in Zukunft anders sein würde.

Stellen wir uns zB mal einen massiven Umbruch wie das Aufkommen der Computer vor. Ich habe das jetzt nicht historisch überprüft, kann mir aber gut vorstellen, dass ein 20 Jahre gehaltener Korb der 1970er Bluechips aus der Vor-Computer-Ära, bis 1990 keineswegs eine Überperformance gegenüber einem Wachstums-orientierten Depot gebracht haben dürfte. Im Gegenteil, einige dieser Bluechips von 1970 waren in den 90ern aus dem Geschäft. So etwas machen halt Umbrüche.

"Past Performance is no indication for future results" - diese Weisheit gilt auch für die Überperformance der grossen Adressen an der Börse, die gerade in den letzten 5 Jahren eklatant gewesen ist. Wir wissen aber auch, warum das so war, das hat mit der Notenbank-Politik zu tun.

Und dass die 2008er Krise, die Bluechips nicht im Kern erschüttert hat und diese gestählt daraus hervor gingen, liegt eben am Charakter der Krise und kann nicht verallgemeinert werden. Ich kann mir auch ganz andere Umbrüche vorstellen, die die Geschäftsmodelle einiger der grossen Namen komplett in Frage stellen und einen "Game Changer" darstellen.

Kommen wir nun aber zu dem wichtigen Wort "theoretisch". Denn die Strategie funktioniert für Otto Normalanleger nur dann besser als jeder Timing-Versuch, wenn er dann aber wirklich durch dick und dünn dabei bleiben würde.

Genau das passiert aber fast nie! Theoretisch ist das alles immer ganz einfach, aber wer noch eine Erinnerung daran hat, wie sich das alles im 4. Quartal 2008 angefühlt hat, weiss was ich meine.

Der mediale Druck war immens. Alles schien zusammen zu brechen und tiefer ging an der Börse immer. "Otto Normalanleger" mit der Strategie einfach dabei zu bleiben, hat dann ganz lange durchgehalten aber irgendwann wurde der Druck zu gross und nachdem sich 50% der angesparten Alterversorgung in Luft aufgelöst hatte, hat er dann doch entnervt verkauft - wahrscheinlich Anfang 2009 auf dem Tiefpunkt.

So ist das immer bei den grossen Einbrüchen. Theoretisch ist "Buy and Hold" immer ganz einfach. Praktisch aber brutal schwierig, ausser man zieht sich in eine Holzhütte im Wald zurück, ohne Internet-Zugang und ohne Zeitung.

Das Verrückte dabei ist, um so eine Phase mit "Buy and Hold" durchzustehen, braucht es einen erfahrenen Anleger, der so etwas schon erlebt hat. Es braucht also einen börsengestählten Geist, der ein Gefühl für Marktschwingungen hat. Denn erst aus der Erkenntnis dieser Mechanismen, erwächst das Selbstbewusstsein und die Ruhe, solche Phasen durchzustehen. Ein Anfänger hat gar keine Chance, er wird immer im falschen Moment in Panik geraten und das Falsche tun.

Heisst mit anderen Worten, wer Buy-and-Hold nicht mit einem monetären Pipifax, sondern mit seiner für das weitere Leben eminent wichtigen Alterssicherung!!! durchstehen will, muss entweder die Aussenwelt komplett aussperren können oder er muss das Wissen zu den Märkten aufgesammelt haben, das ich hier vermittele. Ohne die Sicherheit, die aus dem Wissen kommt, wird der durchschnittliche Anleger genau am Tiefpunkt die Nerven verlieren - das ist die zwangsläufige Folge der Reflexivität der Märkte.

Wenn man aber das Wissen um so Zyklen und um Risikomanagement sowieso aufgesammelt hat, fährt man emotional besser damit, wenn man sein "Blue Chip Buy and Hold" mit einem ganz trivialen Risikomanagement unterlegt, wie zum Beispiel die 200-Tage-Linie zu benutzen. Womit es eben kein "Buy and Hold" mehr ist, sondern aktives Markt-Timing, wenn auch ein sehr langfristiges und ruhiges.

Selbst wenn diese Risikomanagement-Strategie langfristig mal keine echte Überperformance gegenüber sturem Buy-and-Hold generieren sollte, ist sie für die menschlichen Anleger trotzdem besser, weil sie das emotionale Kapital schont. Es ist fühlt sich einfach besser an, wenn man sich in den Zeiten der schlimmsten Ängste der Welt einfach zurück lehnen kann, weil man seine Schäflein ins Trockene gebracht hat.

Fazit:

Ja, die grosse Mehrheit der normalen Anleger, fährt mit einer langfristigen Basis-Strategie, die mehr oder weniger dem Markt folgt, wahrscheinlich besser, als mit dem Versuch den Markt intensiv zu timen. Damit das überhaupt gelingen kann und damit man nicht im falschen Moment genau das Falsche tut, braucht es aber zwingend die Sicherheit, die nur aus einem Verständnis des Marktgeschehens resultieren kann.

Es führt in meinen Augen also kein Weg daran vorbei, sich mit den Mechanismen des Marktes zu beschäftigen, sonst hält man die grossen Krisen in der Regel schlicht nicht aus. Das ist der Unterschied zwischen Theorie und langfristiger Praxis.

Ich kann es auch etwas flapsiger formulieren: Eine schwere Weltkrise mit der immens wichtigen, grossen Alterssicherung auszusitzen, schafft in der Regel nur ein Autist, oder ein sehr erfahrener Anleger mit guten Nerven und viel innerer Sicherheit, die aus Erfahrung resultiert.

Letzter, der sehr erfahrene Anleger, kann es sich aber leichter machen, denn mit der Erfahrung hat er dann auch das Wissen um ein zumindest rudimentäres Risikomanagement. Und selbst wenn das am Ende keinen monetären Vorteil bringen sollte, lebt es sich mitten in der Krise beschwingter und glücklicher, wenn man mit seiner Alterssicherung an der Seitenlinie steht.

Es führt also kein Weg daran vorbei, nur wer den Markt wirklich versteht und das Geschehen einordnen kann, hat eine Chance - egal mit welcher Strategie, ob kurzfristige Trades oder langfristige Anlage. Alle anderen werden von ihren Emotionen in Verluste getrieben.

Und "den Markt zu verstehen" erfordert Zeit und Engagement. Mal schnell was lesen und sich zusammen reimen, reicht einfach nicht aus, dafür sorgt alleine schon die -> Reflexivität <-.

So weit meine Sicht auf die Dinge.

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