Warum wir die Unsicherheit lieben lernen müssen

Der folgende Artikel basiert auf einem Text, der schon Mittwoch 06.05.15 09:30 in Hari Live erschienen ist. Für den freien Bereich wurde er leicht überarbeitet und gekürzt.

Der Sachverhalt selber hat aber grosse und grundsätzliche Bedeutung. Wer an den Märkten Erfolg haben will, gleichzeitig aber zu grosse Angst davor hat, Verluste zu erleiden, wird gerade deswegen scheitern.

Im amerikanischen gibt es dafür ein Sprichwort und das lautet "Fearfull Money doesn´t make Money", zu Deutsch: "Ängstliches Geld kann kein Geld machen". Und darum geht es im folgenden Artikel.

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Heute früh, will ich ein ganz grundsätzliches Thema mit Ihnen besprechen, das durch die "zappelige" Aktualität der letzten Wochen, seine erneute Bedeutung bekommt.

Es geht um die inhärente Unsicherheit, die immer im Markt steckt und mit der wir lernen müssen zu leben, oder noch besser: sie zu lieben und als Chance zu begreifen.

Eine Chance ist es nämlich schon alleine deshalb, weil nicht nur wir diese Unsicherheit verspüren, sondern alle anderen Marktteilnehmer ja auch. Und der Markt ist die Summe der Handlungen und Erwartungen aller Marktteilnehmer. Wenn wir die Unsicherheit also besser verdauen als die anderen, haben wir einen klaren Vorteil (Edge).

Als Menschen plagt uns diese Unsicherheit aber emotional sehr und wir würden uns mehr Stabilität und Verlässlichkeit in den Märkten wünschen. So eine stabile Aufwärtsbewegung wie im ersten Quartal diesen Jahres, ist aber die grosse Ausnahme, das Gezappel und die Volatilität, die wir aktuell erleben, ist dagegen die Regel.

In diesen Phasen kann ich dann immer schon die Uhr danach stellen, dass Marktteilnehmer frustriert beschliessen, nun "nur noch langfristig anzulegen", weil es ja vermeintlich nichts bringt, sich dem kurzfristigen "Gezappel" hinzugeben.

Ich reagiere darauf immer mit einem leichten Schmunzeln, denn diese Reaktionen sind auch nicht wirklich rational, sondern emotionale Ausweichreaktionen, weil man mit der permanenten Unsicherheit nicht mehr umgehen kann. Man gaukelt sich dann vor, das "langfristig" ja höhere Sicherheit verschaffen würde, was aber ein fataler Trugschluss ist. Ein Trugschluss, der fatalerweise aber erst nach langer Zeit erkannt werden kann, wenn das Kind dann schon ganz tief in den Brunnen gefallen ist.

Und nein, das hat nichts mit dem Zeithorizont der Geldanlage zu tun und ich spreche hier auch nicht gegen langfristige und passive Strategien, ich setze solche Strategien doch selber ein und habe doch selber jede Menge langfristige Positionen! Selbstverständlich funktioniert langfristige Geldanlage - wenn man sie richtig macht - ebenso wie kurzfristig taktisches Handeln. Egal ob Daytrader in Währungen, SwingTrader mit Aktien, langfristige Anlage mit ETFs oder mit Fonds - das kann alles funktionieren.

Nur um die Unsicherheit kommt man nicht herum - das ist hier der Punkt!

Der fatale Trugschluss ist also nur, dass man mit langfristiger Geldanlage der Unsicherheit aus dem Weg gehen würde, weil man glaubt, die Unsicherheit wäre nur kurzfristig da und langfristig wäre doch alles klar. Das stimmt aber nicht, der Unterschied ist nur, dass man sich bei taktischem Verhalten der Unsicherheit jeden Tag stellt und bei langfristiger Anlage je nach Horizont vielleicht nur alle paar Wochen, Monate oder vielleicht sogar nur einmal pro Jahr.

Und so ist der Friedhof der "Anleger-Leichen" gepflastert mit Anlegern, die

  1. Sich vor der unerträglichen Unsicherheit der Märkte in eine "langfristig, solide" Anlage geflüchtet haben, ohne sich um ein Risikomanagement Gedanken zu machen.
  2. Sich damit auch lange - über Monate und Jahre - gut gefühlt haben, solange die Märkte nicht einbrachen. Und überall in ihrer Umgebung die Geschichte verbreitet haben, dass das mit der Börsenhektik ja "Quatsch" wäre und man nur eine ruhige Hand und "gute" Unternehmen bräuchte.
  3. Als der Markt dann zu einem neuen 2000er oder 2008er Event ansetzte, sich nach den ersten 10% Verlust beruhigt und selbstgewiss nach hinten gelehnt haben.
  4. Nach 20% Verlust nachgekauft haben, weil ihre Anlagen ja "solide" seien.
  5. Nach 30% Verlust nervös wurden.
  6. Nach 40% Verlust nicht mehr hinschauen konnten.
  7. Nach 50% Verlust ihrer Frau nichts mehr gesagt haben und am Stammtisch dem Thema ausgewichen sind.
  8. Nach 60% Verlust verzweifelt verkauft haben und nie wieder über Börse nachdenken oder reden wollen. "Börse ist Scheisse" lautet von da an das Credo.
  9. Und deshalb auch nicht sehen, dass es nun wieder hoch geht und der Markt Jahre später neue Höchststände generiert.

Ich kennen diese "Anleger-Karrieren" aus dem EffEff und deshalb muss ich immer schmunzeln, wenn ich merke dass Anleger, die mit der Unsicherheit nicht umgehen können, in "langfristige" Anlagen flüchten, weil sie sich einbilden, dort sei die Unsicherheit geringer.

Die Unsicherheit ist einfach inhärenter Teil des Marktes. Es könnte einen Markt gar nicht geben ohne diese Unsicherheit. Versuchen Sie sich mal vorzustellen, wie Kurse entstehen sollen, wenn alle wissen was passiert! Denken Sie dabei an die -> Reflexivität <-.

Und glauben Sie ja nicht, dass in langfristiger Perspektive irgend etwas weniger unsicher wäre! Es sieht auf den langfristigen Charts nur im Nachhinein immer so klar aus, aber Hinterher lässt sich halt immer gut "schwätzen". 😉

Der Punkt ist also, der Markt ist die personifizierte Unsicherheit und es sind die am Erfolgreichsten, die diese Unsicherheit akzeptieren, in sich aufnehmen und ja sogar lieben lernen können. Wer diese Unsicherheit bekämpft, reibt sich auf.

Erneut, damit das ja niemand falsch versteht: langfristige Strategien können hervorragend funktionieren und machen jede Menge Sinn! Und es gibt viele gute Gründe, eine langfristige und eher passive Strategie zu wählen: Zeitaufwand, Nerven und Lebensumstände gehören zu den legitimen Gründen, die für eine langfristige Strategie sprechen. Nur sollten wir nicht glauben, dass wir damit der Unsicherheit ein Schnippchen schlagen, der müssen wir uns *immer* stellen. Immer!

Nein, bei langfristigen Strategien hat man nur das Privileg, diese grundlegenden Entscheidungen in Unsicherheit nicht permanent zu treffen, sondern nur in grösseren Abständen. Dafür hat man dann aber auch weniger Übung und die Entscheidungen werden gewichtiger und bedeutender.

Es ist eben eine kleinere Hürde, sich jeden Tag zu fragen, ob man sich bei einer Teilposition mit 2% Verlust ausstoppen lässt, oder sich nach Monaten und 20% Verlust zu fragen, ob man komplett aus einem Markt geht, weil man fürchtet, dass der auch 50% fallen könnte!

Wir haben also die Wahl, uns täglich in Unsicherheit zu üben und dabei viele kleine Entscheidungen zu treffen, oder uns nur nach langer Zeit der Unsicherheit zu stellen, dafür aber weit schwergewichtigere Entscheidungen treffen zu müssen.

Der Unsicherheit stellen müssen wir uns aber so oder so!

Welcher Weg individuell der Richtige ist, kann nur jeder für sich entscheiden. Klar ist, dass wer keine Zeit hat dem Markt in seinen Schwingungen zu folgen oder wem die Nerven dafür fehlen, auf jeden Fall einen längerfristigen Ansatz wählen sollte. Nur darf man sich nicht einbilden, dass man damit der Unsicherheit verschwinden würde und man die Anlagen einfach gedankenlos liegen lassen kann!

Wobei, eine Alternative gibt es schon, in der wir uns der Unsicherheit gar nicht stellen müssen. Und das ist die Methode des langfristigen Vermögensaufbaus, in dem man einfach stur jeden Monat etwas in den Aktienmarkt gibt, mit dem "Cost-Average-Effekt" ein gutes Gefühl vermittelt bekommt und sich überhaupt nicht dafür interessiert, wo der Markt steht.

Theoretisch kann man so garantiert und ohne Stress die langfristige Performance der Aktienmärkte nachbilden. Nur wer schafft das in Realität? Denn dann muss man sich alle Augen und Ohren zu halten, wenn medial die nächste Krise über einem zusammen schlägt und man bei der Bank um die Ecke die Schlangen vor den Schaltern sieht, die panisch ihr Geld abheben wollen. Wer kann das also schon? Ich behaupte: fast keiner, auch wenn es vorher fast jeder glaubt.

Und selbst wenn man es kann, kommt die Zeit näher, in der man dann im Ruhestand die Anlagen entnehmen will und natürlich fängt dieser verfluchte Markt genau ein Jahr vor dem Ruhestand an zu fallen. Was tut man nun? Übung um in Unsicherheit zu überleben, hat man dann keine.

Und auch die Unsicherheit des Marktes an einen Vermögensberater oder einen Fundmanager zu delegieren, verlagert die Unsicherheit nur. Man muss sich nicht mehr mit dem Markt auseinander setzen und das ist ja erst einmal ein Wert an sich. Die Unsicherheit des Marktes, wird aber dann durch die Unsicherheit ersetzt, ob der Vermögensberater "es kann" und auch das kann man erst dann heraus finden, wenn das Kind schon weit in den Brunnen gefallen ist. Man braucht also schon immenses Urvertrauen in den Berater, um auf diesem Weg die Unsicherheit zu begrenzen.

Fazit:

Die Unsicherheit ist inhärenter Bestandteil des Marktes, einen freien Markt ohne permanente Unsicherheit gibt es nicht, egal ob kurz- oder langfristig. Und das ist gut so!

Wir Menschen hassen diese Unsicherheit aber emotional und sind deshalb auch so empfänglich für alle Angebote und Gurus, die uns Sicherheit verkaufen wollen.

Das ist aber alles Illusion, es gibt keinen Weg die grossen Entscheidungen in Unsicherheit zu vermeiden. Wir können aber üben, mit Unsicherheit umgehen zu können und darin sogar die Chancen zu erkennen. Und das ist die grundlegende Basis des Erfolgs am Markt.

Und deshalb lesen Sie hier von mir auch nur, wie der Markt real ist und keine fabulierenden Prognosen, wie ich mir den Markt gerne wünschen würde. Wenn der Markt unsicher schwankt, dann schwankt er halt und niemand kennt dann die Richtung. Und ich bin der kalte und rationale Beobachter dieser Situation und das zu können ist eine Qualität.

Die Grundvoraussetzung für Erfolg an den Märkten ist aber, dass wir die Unsicherheit nicht bekämpfen und aufhören, ein reiner "Sicherheitssucher" zu sein, denn da gibt es keine. Sicherheit verschaffen uns nur die eingeübten Fähigkeiten, mit denen wir uns aus jeder Situation wieder heraus retten können. Das nennt man als Überbegriff "Risikomanagement" und dahinter verbergen sich verschiedenste Techniken, deren Einsatz sehr individuell ist.

Aber wenn wir es nicht schaffen, die Unsicherheit zu lieben und als Chance zu sehen, müssen wir zumindest lernen sie zu akzeptieren, ohne uns daran aufzureiben. Andernfalls haben wir keine Chance gegen Mr. Market.

Ihr Hari

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Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015?

Das grosse Rätselraten ist im Gange - mal wieder. 😉 Ist das nun eine Kaufgelegenheit oder steht uns noch weiteres Ungemach an den Märkten bevor?

Letztlich ist dieses Rätselraten sinnlos und wird medial von Leuten beherrscht, die ihre Meinung mit besonderer Verve zu Markte tragen. Erfahrene Anleger - und Trader sowieso - wissen aber, dass der dauerhafte Erfolg am Markt sich umgekehrt reziprok zur Lautstärke der Prognosen einstellt und vor allem mit Beobachtungsgabe, Strategie und Disziplin zu tun hat.

Denn die Zukunft ist unbestimmt und nur aufmerksame Beobachtung der Signale des Marktes erlaubt uns, diesem zu folgen oder ihn sogar manchmal zu antizipieren. Eine Kristallkugel zur zuverlässigen Vorhersage der Zukunft hat aber niemand.

Bei der Frage, wie es nun an den Märkten weiter geht, sind einfach zu viele noch unbestimmte Variablen im Spiel. So hat die FED in Person des FED Vize Stanley Fisher, gerade wieder auf der Notenbanktagung in Jackson Hole mit eigenen Worten bewiesen, dass sie selber noch nicht weiss, ob der erste, lang erwartete Zinsschritt nun im September kommt oder nicht.

Und Fisher hat die US Arbeitsmarktdaten vom kommenden Freitag zum entscheidenden Kriterium gemacht. Wir können uns also schon wieder auf eine massive, inverse Reaktion des Marktes am Freitag einrichten. Sprich zu gute Daten werden schlecht sein und umgedreht. In dieser inversen Logik haben wir ja nun jahrelange Übung. 😉

Der Punkt ist, wenn die FED als wichtiger Marktfaktor selber noch nicht weiss, ob sie nun Taube oder Falke sein will, wie sollen wir das dann wissen? Und welchen Sinn haben dann zu überzeugte Prognosen mit "Egowelle", ausser um sich selbst im medialen Wettbewerb mit Kompetenzanmutung zu verkaufen?

Auch heute haben wir durch schlechte chinesische Daten ja wieder einen unberechenbaren Einflussfaktor, der initiale Schwäche an den Märkten generiert. Auch da fragt man sich aber eher, wie schlimm es denn nun wirklich ist, wenn solche Werte überhaupt zugelassen werden. Denn nachdem sogar Journalisten lächerlicherweise für den Kurssturz verantwortlich gemacht werden, dürfte dem Letzten klar sein, dass den offiziellen chinesischen Daten sowieso nicht zu trauen ist.

Und am Donnerstag kommt die EZB und es wurde von Seiten der EZB ja schon darüber spekuliert, dass auch eine Ausweitung des Kaufprogramms im Rahmen des QE denkbar ist.

Aber trotz all dieser unberechenbaren Einflussfaktoren, sind wir trotzdem nicht blind. Im Gegenteil. Es gibt unzählige Faktoren und Indikatoren, die uns seriös etwas über den Marktzustand sagen und die ein komplexes Gesamtbild formen.

Es ist unmöglich im Rahmen so eines Beitrages im freien Bereich diese Faktoren alle zu betrachten, das tun wir im Premium-Bereich täglich und haben damit in den letzten 2 Wochen fast auf den Punkt den beginnenden Einbruch und vor allem sehr profitabel, den Rebound ab Montag letzter Woche getroffen.

Diese Faktoren und Marktdaten schaffen aber auch keine absolute Sicherheit, Sicherheit gibt es am Markt nicht. Sie definieren aber Wahrscheinlichkeiten. Es gibt einfach Szenarien, die jetzt wahrscheinlicher sind als andere und das aus guten Gründen. Das ist keine absolute Sicherheit, aber es ist eine Menge mehr, als blindes und panisches Herumraten.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem Verhalten des Marktes zu, wenn der im Rebound in die wichtigen Widerstandszonen bei 2.040 - 2.050 im S&P500 und bei 10.6xx im DAX hinein läuft. Und diese Zonen haben wir noch nicht heute erreicht, noch hat der Rebound Luft nach oben.

Wie es von da weiter geht, ist die Frage, für die uns die intensive Marktbeobachtung Wahrscheinlichkeiten liefert.

Statt Ihnen nun aber unzählige Wenns und Abers und Szenarien zu zeigen, will ich als Kunstgriff statt dessen die Vergangenheit bemühen. Denn Geschichte wiederholt sich zwar nicht, sie reimt sich aber und das gerade an der Börse. Alles schon einmal da gewesen, sozusagen. 😉

Schauen wir also auf 4 mögliche Vorlagen für 2015 und versuchen die Frage zu beantworten, welches Jahr sich am ehesten auf 2015 reimt:

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So sah es 2008 aus. Wir wären dann gerade im ersten Rebound nach dem ersten Einbruch, dem sich damals schweres Ungemach angeschlossen hat:

S&P500 2008

Das Szenario ist denkbar, erscheint mir in Würdigung der Gesamtumstände derzeit als Analogie aber eher unwahrscheinlich.

Nun aber schauen wir auf den gnadenlosen Rebound im Herbst letzten Jahres:

S&P500 2014

Aber auch hier gilt für mich nach Sichtung aller Daten, dass das zwar etwas wahrscheinlicher als die 2008er Analogie, aber auch eher unwahrscheinlicher ist als das, was nun folgt.

Weit besser passt mir da die 2011er Analogie ins aktuelle Bild, die übrigens auch im August den Einbruch begann. Hier markierte zwar der erste Einbruch fast das Tief, aber es folgten eben 2 Monate markanter Swings, die mit einem marginal tieferen Tief im Oktober endeten, bevor es zum Jahresende wieder hoch ging:

S&P500 2011

Das reimt sich auf die aktuellen Rahmenbedingungen schon viel besser und erscheint im Gesamtbild eine gut vorstellbare Vorlage für das aktuelle Geschehen.

Aber es gibt noch eine, zunehmend vergessene Parallele, die mir noch einen Tick besser gefällt. Und das ist 1998, woran sich noch 2 Jahre harte Rally anschlossen, bevor dann im Jahr 2.000 eine echte Blase platzte:

S&P500 1998

Diese Struktur eines Doppelbodens passt sehr gut zu einem Ablauf, in dem die Indizes nun noch bin zu den genannten Widerstandszonen laufen, dann im Zuge einer Erwartung der Zinserhöhung der FED in die FED Sitzung hinein fallen und nach dem die Kuh endlich vom Eis ist und klar wird, dass nach der ersten pro-forma Erhöhung sowieso nichts nachkommt, dann zum Jahresende hin wieder in den Rallymodus gehen.

Alles Spekulation? Stimmt, das betone ich ja immer. Aber es spricht viel dafür, dass die 2011er und 1998er Analogie näher an den Realitäten der Gegenwart ist, als die extremen Crash- und Rebound-Szenarien, die man von den grossen -> Crashpropheten und Gesundbetern <- nun mal wieder lesen kann.

Für die Anleger bedeutet das, nicht zu schnell das ganze Pulver zu verschiessen und sich auf weitere, wilde Volatilität einzurichten - aber Schwäche trotzdem Zug um Zug zu nutzen, um langfristige Posititionen wieder aufzubauen, die aufmerksame Markt-Beobachter Anfang August abgebaut haben.

Und woran erkennt man, dass wir doch in 2008 sind und man doch schnell raus muss? Wenn das Tief vom letzten Montag nicht nur kurz für ein oder zwei Tage marginal unterschritten, sondern nachhaltig nach unten verloren wird. Dann hätten wir Alarmstufe Rot an den Märkten, aber da sind wir noch nicht.

Am Ende ist es aber alleine die Price-Action die für uns Relevanz haben sollte. Wir dürfen uns deshalb auch nicht in obige Vorlagen verbeissen, vielleicht hat 2015 sein ganz eigenes Muster, das noch nicht geschrieben ist.

Aber eine grobe Orientierung können die alten Verläufe schon geben und solche Szenarien erlauben uns, das reale Geschehen dann auch schneller einzuordnen. Und das ist eine Menge wert, nur verheiraten und verlieben dürfen wir uns in diese Analogien eben nicht. Es sind gedankliche Krücken, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihr Hari

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EZB Nebeneffekt: Der Euro als Carry Trade Währung

Dass nach einem Panik-Tief wie am Montag, erst einmal wilde Swings auftreten, die dann auch länger andauern, bis sich der Markt beruhigen kann, ist ebenso völlig normal, wie die schwappenden Wellen, die von einem grossen Stein ausgelöst werden, der in einen vorher stillen Teich geworfen wird.

Trotzdem fielen in diesen wilden Swings, besonders die wilden Zuckungen des Euros, insbesondere im EURUSD Verhältnis auf. Anleger mit Euro-Depots, haben das schmerzhaft gemerkt, denn ebenso wie der fallende Euro im ersten Quartal auf dem Papier schnelle Gewinne ermöglichte, verstärkte der steigende Euro im Absturz die Minuszeichen, wenn man US Werte im Depot hatte.

Die klassische Erklärung, die nun wieder von den meisten Kommentatoren reflexartig aus der Westentasche gezogen wird, ist der Hinweis, dass die Euro Stärke das Ergebnis geänderter Zinserwartungen in den USA sei. Auf gut Deutsch, der Markt schreibt die erste Zinserhöhung der FED zunehmend ab und das schwächt den Dollar und stärkt relativ den Euro.

Diese Erklärung ist auch sicher nicht völlig falsch, denn natürlich wirken Zinserwartungen auf die Währungen, zumal ja FED Mitglied Dudley gestern schon selber Zweifel an der ersten Zinserhöhung gesäht hat. Für das Geschehen der letzten Tage, springt diese Standarderklärung aber viel zu kurz.

Denn wenn man nach Ursachen sucht, sollte man die inverse Beziehung zwischen EURUSD und den Indizes, insbesondere dem Leitindex S&P500, auch mal ernsthaft anschauen. Und dann fällt einem auf, was ich im Handel der letzten Tage massiv bemerkt habe:

Fast auf den Punkt genau, gibt es eine nahezu perfekte, inverse Beziehung zwischen S&P500 und EURUSD.

Ich habe diese hier mit Stundenkerzen über die letzten Tage dokumentiert und das Ergebnis ist sehr beeindruckend. Fast perfekt ergeben sich die inversen Wendepunkte und zwar mehrfach im Tagesverlauf:

ES 26.08.15

So eine inverse Parallelität aber, lässt sich mit einer sich generell ändernden Zinserwartung überhaupt nicht erklären, das ist dann als Analyse schlicht viel zu kurz gesprungen.

Für so eine inverse Beziehung gibt es für mich nur eine logische Erklärung: es muss einen direkten Zusammenhang im Handel des grossen Geldes geben. Sprich wir sehen hier nur zwei Seiten der selben Medaille.

Und wenn man das begriffen hat, ist auch schnell klar und völlig logisch, was hier wirklich los sein muss:

Der Euro ist zur massiven Carry Trade Währung für grosse US Investoren geworden.

Ich hatte das schon länger vermutet, aber so wie das hier in den letzten Tagen ausgesehen hat, ist das Ausmass noch weit grösser, als ich mir habe vorstellen können.

Für die Leser, die nicht wissen was ein "Carry Trade" ist: Es bedeutet, dass massive Zinsunterschiede ausgenutzt werden, um Geld in der niedriger verzinsten Währung auf Kredit zu leihen und in der höher verzinsten Währung dann in attraktiveren Anlagen (also auf Kredit) anzulegen und die Zinsdifferenz einzustreichen.

Nun ist es aber so, dass "Dank" unserer Notenbank EZB mit der "Nullzinspolitik", die Zinsen vergleichbarer Anleihen (zb BUNDs vs US T-Bonds) in Europa bei fast Null liegen und damit 1-2% unter den Renditen vergleichbarer US Papiere.

Heisst konkret, die grossen Adressen der Finanzwelt - das US "Big Money" also - verschuldet sich zu fast Nullzinsen in Europa in Euro und kauft damit - gehebelt, weil fremdfinanziert - zum Beispiel US Anleihen und Aktien, die eine höhere Rendite versprechen. Und das lässt dann auch die US Indizes so lange so weit nach oben schieben. Nur wehe, wenn dieser Trade aufgelöst werden muss und das haben wir die letzten Tage hautnah erlebt.

Diese Transaktion, mit der US Anleger sich Euro leihen und dann in Dollar konvertieren um US Anleihen oder Aktien zu kaufen, schwächt logischerweise den Euro, denn der wird im Rahmen der Transaktion ja verkauft. Und stärkt den Dollar, der gekauft wird.

Und so haben wir über Monate erleben dürfen, wie der Euro ins Bodenlose fiel und der Dollar stieg. Dieser Anstieg schaffte dann den Emerging Markets massive Probleme und nun haben wir den Salat.

Umgedreht läuft es aber leider genau so, Märkte sind keine Einbahnstrasse.

Wenn US Investoren nun panisch US Aktien verkaufen wie am Montag, nehmen sie die Dollars, wandeln diese zurück in Euros und lösen damit ihre Kredite ab. Und das treibt EURUSD so massiv wie die letzten Tage in die entgegengesetzte Richtung des Marktes - nach oben.

Ich bin zu 99% sicher, dass dieser Mechnismus wesentlicher Teil der Währungs-Bewegungen ist, die wir sehen und die man oben eindrucksvoll im Chart erkennen kann. Nicht der einzige Faktor natürlich, aber definitiv ein ganz wesentlicher Teil.

Das ist für mich auch ein weiteres Beispiel dafür, welche Kollateralschäden diese gnadenlose Nullzinspolitik der Notenbanken und der EZB im Speziellen auslöst. Denn letztlich wird damit die Spekulation auf billigen Kredit gefördert und nicht die Stabilität des Finanzsystems.

Und wenn wie gestern bei Reuters Meldungen herum gehen, -> nach denen die EZB laut ihrem Chefvolkswirt das Wertpapier-Kaufprogramm falls nötig ausweiten will <-, können sich die "Carry-Trader" schon die Finger reiben. Die Zinsdifferenz bleibt oder wird erhöht, der Carry Trade kann wieder los gehen und was machen die US Märkte heute Abend? Sie steigen - Überraschung. 😉

Und wenn uns als Bürger und Gesellschaft, dann irgendwann die Folgen dieser Geldpolitik um die Ohren fliegen, war es dann natürlich der "Gottseibeiuns" aller links beseelten Ideologen gewesen, "der böse Kapitalismus" nämlich. Der muss dann exorziert werden, damit die Welt wieder "gut und rein" werden kann. 😯 Die geldpolitischen "Planwirtschaftler", die hier wesentlich ihre Finger im Spiel hatten und das mit angerichtet haben, waschen ihre Hände dann natürlich in Unschuld, die wollten ja nur "das Beste" und was will man schon gegen so viel Bemühen sagen? 😉

Für uns erfahrene Anleger heisst das übrigens auch, dass ein Long auf EURUSD wohl ein guter Hedge für den nächsten Einbruch ist. Er gleicht den Effekt der Euro-Stärke in Euro-Depots aus und schwingt gegenläufig synchron gegen weitere Einbrüche an den Märkten.

Ach ist das nicht schön, wie "stabil" das Finanzsystem nun dank all der angestrengten Bemühungen von Politik und Notenbanken wurde? Wir können wirklich stolz sein, wie "viel" wir aus 2008 gelernt haben. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Ein weiteres, für uns wichtiges und unerfreuliches Thema ist übrigens, dass im Einbruch von Montag die ETFs gezeigt haben, dass sie durch ihre Dominanz nun zu einem systemischen Problem geworden sind. Das diskutieren wir aber intensiv in der Community, ich habe das Thema aber auch schon hier im freien Bereich angerissen: -> Momentum Factor ETFs - Ausdruck einer Fehlentwicklung? <-

Ihr Hari

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Was tun zwischen Crashpropheten und Gesundbetern?

Montag 24.08.15 08:30 Uhr vor Handelseröffnung.

Die Märkte haben ausgelöst durch Sorgen um China, zur stärksten Korrektur seit 2011 angesetzt. Und das mediale Crescendo schwillt wie immer an.

Mittendrin der verunsicherte "normale" Anleger, der doch eigentlich nur ein klein wenig Rendite für sein hart erarbeitetes Kapital erzielen will. Und dann liest dieser Anleger das Eine und das Andere und ist am Ende noch verunsicherter als zuvor.

Mit diesem Beitrag will ich versuchen, diesen Anlegern ein klein wenig Orientierung im Chaos zu bieten. Wer mehr Orientierung und Sicherheit will, muss Mitglied der Mr-Market Community werden.

Wenn Sie nun aber von mir erwarten, dass ich Ihnen hier - natürlich kostenlos - exakt sagen kann, was die Zukunft bringt und was Sie konkret nun machen sollen, dann jagen Sie in Naivität immer noch einer Illusion hinter her.

Denn das kann niemand. N.I.E.M.A.N.D!

Aber es gibt genügend, die es behaupten.

Da finden Sie auf der einen Seite die "Crashpropheten". Die kommen jetzt natürlich mit der Bugwelle des "habe ich es nicht immer schon gesagt?" aus ihren Löchern und haben mal wieder die volle mediale Aufmerksamkeit.

Dabei sind diese Leute völlig diskreditiert und kaum jemand hat mehr Schaden in den Depots normaler Anleger angerichtet. Wenn Anleger seit Jahren diesen geradezu historischen Bullenmarkt verpasst haben, dann liegt das zu einem guten Teil an diesen "Crashpropheten", die seit Jahren vom bald bevor stehenden Untergang schwafeln.

Aber Crashprognosen funktionieren halt medial und das primäre Interesse der Medien ist ja letztlich nicht, das "Richtige" den Lesern zu schreiben, sondern eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzielen.

Eine abgewogene, differenzierte Betrachtung kann sowieso nur eine Minderheit aufnehmen. Die Mehrheit will einfache Aussagen und nicht mehr als ein paar Sätze lesen, alles andere ist zu anstrengend. Und wenn dann die "Prognosen" dem eigenen Bias entsprechen, werden sie besonders gerne aufgenommen und mit "Likes" versehen, wir Menschen suhlen uns halt am liebsten im eigenen Sumpf.

Auf der anderen Seiten haben wir aber die "Gesundbeter". Die erzählen die Geschichte davon, dass man ja einfach dabei bleiben muss, dass man ja nicht in Panik verfallen sollte und glauben schon jetzt wieder zu wissen, dass dieser Einbruch eine "Kaufgelegenheit" sei.

Mit Verlaub, auch das ist viel zu dünn. Diese Stimmen kommen besonders gerne von Vertretern der Finanzindustrie, so zum Beispiel von Fundmanagern. Normale Anleger müssen sich einfach klar machen, dass auch diese Eigeninteressen haben. Denn basierend auf den aktuellen Vergütungsstrukturen mit festen Verwaltungsgebühren von 1-2%, haben Fundmanager vor allem ein Interesse: Dass möglichst viel Kapital im Fund bleibt.

Sie werden von jemandem der sein Gehalt mit Anlegergeld verdient - ausser den Besten - also in der Regel nie lesen, dass die Anleger nun schnell verkaufen sollten, damit würde er sich ja ins eigene Fleisch schneiden. Das wäre erst dann anders, wenn es andere Vergütungsstrukturen gäbe, die weniger auf festen Gebühren, sondern mehr auf Performance basieren. Davon sind wir aber weit entfernt.

Nun will ich nicht die Branche über einen Kamm scheren, es gibt auch lobenswerte Ausnahmen, die zu ihren Anlegern Klartext reden. Trotzdem macht es Sinn sehr skeptisch zu sein, wenn die Finanzindustrie anfängt, mitten im Absturz die Anleger "zu beruhigen". Eigeninteressen zu vermuten, ist hier dann sehr naheliegend.

Und so stürzt auf den normalen, nach Orientierung suchenden Anleger, in solchen Phasen ein medialer Schwall ein, der ihn am Ende noch verunsicherter macht, als er vorher schon war.

Wenn man so will, behaupten alle zu wissen was los ist, aber alle reden etwas Unterschiedliches. 😉

Was also tun?

Sie sehen daran, dass kein Weg daran vorbei führt, eine eigene, fundierte Sicht zu entwickeln. Und das kann man nur dann erreichen, wenn man genügend Zeit investiert hat, um die Märkte zu verstehen. Und man kann es auch nur dann erreichen, wenn man sich -> seriöse und belastbare Informationsquellen <- aufgebaut hat. Glaubt man darauf verzichten zu können und hat man keine eigene Orientierung, ist man in so Phasen "Freiwild" und macht garantiert im falschen Moment das Falsche.

Dieses Wissen und diese Sicherheit kommt aber nicht umsonst und nicht alleine. Dafür muss man etwas tun. Warum soll es auch beim Wissen um Finanzthemen anders sein, als bei allen anderen komplexen Wissensgebieten?

Ich will Ihnen an dieser Stelle daher ein paar wichtige Regeln und Fakten in Erinnerung rufen, vielleicht helfen Sie ja ein wenig. Und ich benutze dafür nur eher kurze Sätze, ohne diese zu begründen. Die Begründung würde den Artikel zu lang machen, die findet sich im Premium-Bereich.

Am Ende kenne aber auch ich die Zukunft nicht, denn die ist noch nicht geschrieben. Und natürlich macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob die FED nun auf ihrem Kurs bleibt oder nun auch in Panik verfällt und ein neues QE auflegt.

Und da diese Zukunft noch nicht geschrieben ist, kann es auch keine Sicherheit bei den Erwartungen geben. Aber es gibt Muster und Wahrscheinlichkeiten und die zu kennen, kann immens helfen.

Und ich will deshalb nun zehn Muster und Wahrscheinlichkeiten in Erinnerung rufen.

(1)

Die US Indizes hatten durch den Einfluss der Notenbank seit Jahren keine Korrektur von 10% und mehr. Das ist höchst ungewöhnlich, überfällig und eine Verzerrung der Normalität. Wenn sie jetzt kommt, ist es das Normalste der Welt.

(2)

Runter geht es immer viel schneller und heftiger, als aufwärts, weil alle gleichzeitig raus wollen. Ob und wann der aktuelle Einbruch kommen würde, war im Vorfeld nicht exakt vorher zu sehen. Die Heftigkeit aber schon und war in der Community mehrfach Thema.

(3)

Da die natürlichen Zyklen durch die Notenbanken gestreckt wurden, muss man damit rechnen, dass auch die Gegenbewegung nach unten besonders "gestreckt", sprich aggressiv ausfällt. Vorsicht ist also angeraten, denn "tiefer geht immer!"!

(4)

Die Crashgefahr an Märkten ist nicht dann am Höchsten, wenn diese nach oben ausbrechen. Dann ist sie fast Null. Sie ist dann am Höchsten, wenn die Märkte schon angeschlagen sind - wie jetzt. Wenn dann noch eine böse Überraschung dazu kommt, mit der niemand gerechnet hat, kann sich eine Panik entwickeln, weil alle gleichzeitig zum Ausgang rennen, aber nicht gleichzeitig durch passen. Ein Crash ist immer noch unwahrscheinlich, aber nun zumindest theoretisch möglich. Jahrelang war er nur medialer Blödsinn, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

(5)

Bärenmärkte laufen nicht gleichmässig abwärts, sondern sind permanent von starken Erleichterungsrallys unterbrochen. Und in der Gegenbewegung weiss man nie sicher, ob das nun "der" Boden ist oder nur eine weitere nutzlose Gegenbewegung, bevor es weiter runter geht.

(6)

Das Marktsentiment der Anleger ist nun so angeschlagen und negativ und die Absicherungsquote der Profis so hoch, dass in dieser Woche - nach initialer Schwäche am Montag - eine Gegenbewegung nach oben nun hoch wahrscheinlich ist.

(7)

Falls wir nun den Beginn eines Bärenmarktes erleben sollten - ich betone den Konjunktiv - dann wird sich das daran zeigen, wie der Markt mit dem Rebound umgeht, der nun wahrscheinlich ist.

Wenn der schnell wieder verkauft wird, wird es sehr gefährlich! Wenn wir aber ein Marktgeschehen wie im Oktober 2014 erleben, haben wir gerade eine geniale Kaufgelegenheit. Vorher kann man das nicht wissen, erst die Beobachtung des Rebounds gibt uns die Signale!

(8)

Betrachte ich aber die Konjunkturentwicklung in den US, ist eine "gesunde" Korrektur wahrscheinlicher, als dass wir den Beginn eines grossen Bärenmarktes erleben. Aber auch eine "gesunde" Korrektur kann sehr schmerzhaft sein, wenn sie Wochen andauert und 20% nach unten geht.

(9)

Es gibt in meinen Augen einen einzigen Sachverhalt, der tatsächlich einen massiven Crash/Meltdown der Aktienmärkte hervor rufen kann.

Das ist nicht China, auch das Thema wird eingepreist und sich beruhigen. Es ist schon gar nicht Griechenland. Es ist auch nicht die FED Zinserhöhung, die wird sowieso nur marginal, wenn sie überhaupt kommt. Und es sind auch nicht die Emerging Markets, die sind im "Crash" schon mittendrin und auch das wird sich wieder ausschwingen, zumal der Dollar gerade wieder fällt und damit etwas Druck nimmt.

Die wirklich grosse Gefahr ist, dass die Märkte das Vertrauen in die vermeintliche Allmacht der Notenbanken verlieren. Denn ohne die Notenbanken, wären die Kurse nicht so weit oben, wie sie nun sind. Und es gibt Anzeichen, gerade in China aber auch in Japan und in den US, dass dieses Vertrauen bröckelt. Das ist die wahre Gefahr und wenn die Notenbanken als "lender of last resort" in Frage gestellt werden, *dann* haben wir eine echte Krise.

(10)

Langfristig werden die Märkte wieder steigen und der DAX wird 20.000 erreichen. Das stimmt und passiert ganz sicher. Aber auch das ist eine Nullaussage, denn langfristig sind wir alle tot. Historisch haben die Märkte aber auch schon mal über 20 Jahre gebraucht, bis sie nach einem schweren Einbruch wieder die alten Höchststände erreicht haben.

Was nützt also die Erkenntnis von "DAX 20.000 irgendwann" dem Pensionär, der seinen Lebensabend zu einem guten Teil aus seinem Depot aufhübschen will? Und das heute? Für den macht es einen riesigen Unterschied, ob die Märkte nun 60% fallen oder gleich wieder steigen.

So weit die zehn Punkte, die ich in Erinnerung rufen wollte.

Da Bilder aber mehr sagen als tausend Worte, zeige ich Ihnen nun als Orientierung, wie eine klassische Topbildung in S&P500 und DAX aussehen könnte.

Ich betone den Konjunktiv, das ist nur eines der möglichen Szenarien, die Zukunft ist unbestimmt und niemand kennt sie - N.I.E.M.A.N.D!

Wenn jetzt zum Beispiel die FED kalte Füsse bekommt und nun ein neues QE indiziert und damit den "Race to the Bottom" in eine neue Runde treibt, dann sind wir in einem völlig anderen Spiel und dann werden wir ausgehend von den aktuellen Niveaus wieder so ein "V"-Reversal wie im Oktober 2014 erleben. Das kann man vorher nicht wissen und darüber zu spekulieren macht keinen Sinn.

Aber trotz dieser prinzipiellen Unsicherheit der Zukunft, ist es trotzdem hilfreich sich klar zu machen, wie so ein Ablauf einer Korrektur und/oder Topbildung klassischerweise aussehen könnte. Denn es zeigt zum Beispiel, dass heute eher nicht der Tag ist, um nun auch noch als Letzter in Panik zu vefallen. Wenn man in Panik verfallen will, dann war letzten Mittwoch ein guter Tag dafür. Oder dann eher in der Zukunft, wenn der Rebound wieder verkauft werden sollte oder noch schlimmer - diese Woche gar nicht kommt.

Hier nun wie eine klassische Topbildung im Leitindex S&P500 aussehen könnte, wenn sie denn so kommt. Das ist nur ein Szenario unter vielen und keine Prognose und soll einfach nur typische Abläufe deutlich machen.

S&P500 23.08.15

Und das hier wäre das Bild des DAX, wenn sich die US Indizes wie oben verhalten sollten. Letztlich kann man den DAX als Hebel auf die US Indizes betrachten. Ein echtes, dauerhaftes Eigenleben hat er nicht, sprich wenn es in den US runter geht, kann sich dem auch der DAX nicht entziehen:

DAX 23.08.15

So ..... das war schon wieder ein umfangreicher Artikel, obwohl ich ihn ganz bewusst einfach gehalten habe.

Geht es noch einfacher?

Wenn Sie seriös über die Märkte schreiben wollen kaum. Wenn Ihnen das wieder zu lang war, wünsche ich viel Erfolg bei den Überbringern der einfachen Weisheiten und Lösungen, von denen gibt es ja genug.

Ich hoffe es war trotzdem hilfreich an dieser wichtigen Wegscheide.

Ihr Hari

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DAX, S&P500 und Gold: Das grosse Bild der Lage

Sie kennen das ja, wenn Sie hier einen Beitrag im freien Bereich von Mr-Market lesen, dann erwartet Sie da oft eine "Wall of Text". 😉

Das ist ja aber auch in Ordnung, wäre der Markt so einfach, dass man seine Essenz in drei kurze Sätze pressen könnte, wäre jeder bei der Geldanlage erfolgreich.

Genau das, ist aber die Mehrheit der Anleger nicht und einer der Gründe dafür, liegt in der Komplexität und -> Reflexivität <- des Marktes begründet.

Wer also von längeren Erklärungen abgeschreckt wird und lieber kurze, "knackige" Weisheiten, "heisse" Tips und "mutige" Prognosen sucht, dem kann ich nur mit einem Schmunzeln hinterher winken und zurufen: "Viel Erfolg!". Wenigstens hier werden wir zur ansteckenden Krankheit der -> Prognosiritis <- nicht auch noch beitragen.

Aber trotz der Notwendigkeit, sich mit dem Markt ernsthaft auseinander zu setzen, macht es aber immer wieder Sinn, einen Schritt zurück zu gehen und sich das grössere Bild zu betrachten. Das gilt insbesondere in so indifferenten Phasen wie aktuell, in denen der DAX abwärts bröselt und die US Indizes sich in einer endlos erscheinenden Seitwärtsbewegung befinden.

Denn wenn man sich die aktuelle Lage so Tag für Tag in diesem Börsensommer anschaut, könnten sich einem ja schon die Nackenhaare aufstellen und genau diese Wahrnehmung findet sich nun in einem immer negativeren Sentiment der Anleger auf beiden Seiten des Atlantiks wieder, über das ich hier im Premium-Bereich zuletzt oft geschrieben habe.

Insofern bekommen Sie heute von mir mal keine "Wall of Text" im freien Bereich, sondern einfach nur drei langfristige Charts für das grössere Bild und dazu jeweils gerade einen spärlichen Satz. 😉 Aber ich denke die Charts selber haben jeweils eine klare Aussage, die einem ins Auge springt.

Und wenn Sie all die Hintergründe und Erklärungen dazu auch haben wollen und vor allem auch wissen wollen, wie wir daraus die weitere Entwicklung zum Jahresende einschätzen, müssen Sie zur Mr-Market Community dazu stossen, wie so viele vor Ihnen.

Und los gehts, die interessanten Bereiche habe ich jeweils blau markiert.

Der DAX korrigiert und dass dieses bisher in Art und Umfang nach dem vorherigen Anstieg im grossen Bild nur normal ist, sehen Sie hier:

DAX 20.08.15

Der S&P500 verliert Momentum, das Risiko einer grossen Topbildung ist gegeben. Ein Risiko ist aber nur ein Risiko und keine Gewissheit:

S&P500 20.08.15

Gold hat eine Gegenbewegung, aber ob das mehr als eine unbedeutende Zuckung im Abwärtstrend wird, ist völlig unklar und für vorschnelle Blütenräume gibt es noch keinerlei Anlass:

Gold 20.08.15

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