Gold ein Jahr später – die Monstranz der Sicherheit

Vor einem Jahr, im Juli 2014 habe ich hier einen grundlegenden Artikel zu Gold und den Goldminen geschrieben, den ich nun zwölf Monate später genau so wieder schreiben könnte.

Bitte lesen Sie den unbedingt noch einmal, er ist immer noch hoch aktuell und die Aussagen sind immer noch sehr richtig und wichtig und ich werde darauf Bezug nehmen. Und selbst das Chart ist im Kern noch gültig, es dauert offensichtlich nur länger, bis die 1000 USD mal touchiert werden:

-> Gold und Goldminen, zwischen Mythen, Crash, Eurokrise und Propaganda <-

Ich weiss, ich mache mir bei echten "Gold-Bugs" mit den folgenden Worten keine Freunde, aber falls Sie zu den Gold-Liebhabern gehören, fragen Sie sich bitte mal, *warum* Sie von Gold so angezogen werden und vielleicht auch diese vielen Seiten so attraktiv finden, auf denen es permanent nur um "Crashs", Verschwörungen und den nahenden Weltuntergang oder zumindest Währungscrash geht.

Ich gebe Ihnen die Antwort: weil Sie (zu) sehr an Sicherheit interessiert sind! Daran ist ja erst einmal auch nichts Schlimmes und die Vermeidung unnötiger Risiken, macht jede Menge Sinn. Man muss aber wie bei allem im Leben das richtige Mass finden und darf es nicht übertreiben mit der Sicherheit und dabei das Leben nicht vergessen. Das gilt auch und gerade für die Geldanlage!

In den US gibt es beispielsweise Menschen, die so vom Untergang der Welt überzeugt sind, dass sie sich tief in der Provinz schon in ihren eigenen Bunker zurück gezogen haben, das Gewehr neben sich stehend und die Regale voller Konserven, um lange auszuhalten.

Und so sitzen die da und warten. Und warten. Jahre, Jahrzehnte. Sie sitzen ganz "sicher" und geschützt. Dummerweise haben die dabei vergessen zu leben, denn auch sie werden älter. Und irgendwann sterben sie, ohne vieles getan und erlebt zu haben, was das Leben lebenswert macht. Sie waren dabei aber immer sicher. 😉

Nun sind das Extremfälle, aber ich denke Sie wissen, worauf ich hinaus will. Das Leben ist halt nicht sicher, es ist bunt und lebenswert, voller Risiken aber auch Chancen. Nur eines ist wirklich sicher, dass wir am Ende bildlich gesprochen in der Holzkiste landen! Vielleicht sollten wir uns das auch mal so klar machen, wie das Risiko des nächsten Crashs.

Und wenn wir uns die jahrelange Rally am Aktienmarkt anschauen, die hinter uns liegt, dann ist es doch vielen zu sicherheitsbewussten Anlegern auch ganz ähnlich gegangen:

Sie waren unsicher und ihnen wurde 2010 erklärt, dass der Crash kommt. Also warteten sie. Dann wurde Ihnen 2011 erzählt, dass der Crash kommt. Also warteten sie. Und warteten. Bis heute. Und kommt heute der Crash? Vielleicht, aber schauen Sie mal, wie Gold auf das Thema Griechenland reagiert hat. Gar nicht, oder? Kommt nun also der Crash? Vielleicht. 😉

Manipuliert! werden jetzt einige zum Goldpreis sagen. Kann sein, kann auch nicht sein, ist aber völlig "wurscht". Denn der Preis der da steht, ist der zu dem Sie nun und auch in Zukunft beim Händler Ihrer Wahl kaufen oder verkaufen können. Zu keinem anderen. Und wenn einige Goldhändler ihre eigenen werbenden Worte ernst nehmen würden, müssten sie ja ihren Kunden aktuell mehr für den Ankauf von Gold zahlen, weil der Gold-Preis ja so manipuliert ist. 😉

Komischerweise orientieren aber auch die Händler sich am "manipulierten" Preis. Selbst wenn er "manipuliert" sein sollte, was ist es also wert, das zu wissen? Nichts! Um aus meinem obigen Artikel von vor einem Jahr zu zitieren:

Und nehmen wir doch mal theoretisch an, es gäbe diese konzertierte Manipulation, an der Staaten, Notenbanken und Grossbanken mitwirken. Was verleitet jemanden dann zu der völlig naiven Vorstellung, dass dieses Kartell dann in Kürze aufbrechen würde? Im Gegenteil, wenn das Kartell Realität wäre, könnte es auch noch Jahre und vielleicht Jahrzehnte weiter machen.

Was ich Ihnen aber sagen kann ist, dass es klüger war in 2010 Aktien zu kaufen, als jetzt in 2015 noch in den Aktienmarkt einzusteigen. Das ist ja offensichtlich, vielleicht sollten Sie im Moment also tatsächlich warten. Diese Unsicherheit gibt es aber *immer*, wenn Sie auf Sicherheit beim Einstieg warten, werden Sie bis zu Ihrem Tode warten.

Und woran erkennen Sie eigentlich, dass Sie aufhören sollten zu warten? Und glauben Sie eigentlich, dass Sie nach dem nächsten Crash dann kaufen werden? Und wenn ja, warum konnten Sie es 2009 dann nicht?

Fragen über Fragen, die Sie sich mal unbedingt selber stellen sollten, wenn Ihnen Sicherheit bei der Geldanlage so wichtig ist, dass es Sie bei sinnvollen Entscheidungen blockiert und Sie den massiven Anstieg der letzten Jahre daher verpasst haben.

Denken Sie an den Mann, der im Bunker auf den kommenden Weltuntergang wartet. Hat der ein schönes Leben? Und was ist zu viel Sicherheit überhaupt wert, wenn unser Leben sowieso endlich ist?

Ich kann auch eine Metapher aus dem Fussball benutzen. Defensive und Angriff sind kein Gegensatz, man braucht immer beides, um ein Fussballspiel zu gewinnen. Wer sich nur im eigenen Strafraum verkriecht, kann vielleicht ein 0:0 halten, kann aber nicht gewinnen. Und wer ohne Rücksicht auf die Abwehr stürmt, schiesst vielleicht 3 Tore, bekommt aber auch vielleicht 5 hinten rein!

Beide Extreme sind eindeutig ungeeignet, beim Fussball zum Erfolg zu führen und das versteht jeder. Bei der Geldanlage ist es nicht anders, warum verstehen es dann so viele nicht? Warum also, denken Sie permanent über den nächsten Crash nach und nicht mal über das nächste Tor, das Sie schiessen wollen?

Faktum ist:

Auch ich halte Gold für einen sinnvollen Teil einer durchdachten Vermögens-Diversifizierung. Ich weiss, dass Gold das älteste und bewährteste Geld der Welt ist und vor allem nicht beliebig vermehrt werden kann. Und ich bin überzeugt davon, dass es Sinn macht, ein derartiges "Ersatzgeld" für den "Fall des Falles" vorrätig zu haben.

Abgesehen davon handele ich den Goldpreis oder Goldminen auch manchmal und schreibe hier im Blog darüber. Handeln kann man aber alles. Das ist aber eine ganz andere Thematik, als die prinzipielle Anlagesystematik, die ich in diesem Beitrag adressiere. Und wenn man die Edelmetalle gewinnorientiert handeln will, hat das Gerede um Manipulation erst recht keinen Sinn, dann zählt sowieso nur der Preis, der an der Börse aufgerufen wird und sonst nichts!

Ich bin also bestimmt kein Gegner der Edelmetalle. Aber ich mache aus Ihnen auch nicht, was sie nicht sind.

Gold ist kein Investment, sondern einfach nur ein langfristiges Wertaufbewahrungsmittel, Geld eben. Und weil es kein Investment ist, kann man mit ihm von kurzfristigen Kursschwankungen abgesehen, auch keinen langfristigen Ertrag erzielen, sondern nur langfristigen Vermögenserhalt.

Goldbarren sind totes Metall, sie werfen nichts ab und erfinden auch nichts. Sie haben keine Wertschöpfung und generieren keinen Ertrag. Sie sind einfach Geld, ein langfristig stabiles Wertaufbewahrungsmittel. Das ist ja auch schon was und hat seine Bedeutung, gerade in einer Welt, in der die Notenbanken wie wahnsinnig die Geldmenge aufblähen. Aber mehr als das ist es auch nicht.

Und die Edelmetalle bieten auch keine universelle Sicherheit. Sie bieten einen Sicherheitsschirm für nur einen einzigen Risikobereich des Lebens, die Entwertung der Papierwährungen und eine Währungskrise. Und deshalb haben sie eine Berechtigung. Aber man kann Edelmetalle weder essen noch trinken und ob man sie im Falle des Falles überhaupt verkaufen und tauschen kann und das dann nicht unter Strafe steht, ist auch noch fraglich.

Beste Sicherheit bietet bei der Geldanlage nur ein diversifiziertes, weltweit aufgestelltes Portfolio! Zu dem können und sollten Edelmetalle im angemessenen Rahmen gehören, aber zwingend gehören dort vor allem Beteiligungen hinein, die dauerhaften Ertrag abwerfen, wie Aktien zum Beispiel!

Gehen Sie also nicht immer wieder all den Seiten auf den Leim, die Sie mit Crash-Szenarien zum Kauf der Edelmetalle treiben wollen. Machen Sie sich klar, wie stark Ihr Sicherheitsbedürfnis ist.

Legen Sie sich eine angemessene Menge Edelmetalle zur Diversifizierung physisch ins Depot und dann vergessen Sie das Thema und leben Sie mit positiven Gedanken!

Und konzentrieren Sie sich auf die Themen, bei denen man wirklich Rendite und Vermögensaufbau erreichen kann und nicht nur das Kapital erhalten.

Abwehr und Angriff! Anders kann man ein Spiel nicht gewinnen!

Ihr Hari

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S&P500: Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko!

Aus aktuellem Anlass erscheint der erste Beitrag in Hari Live von heute Dienstag 30.06.15 08:25 zeitgleich auch im freien Bereich

Mr. Market ist einfach gnadenlos. Da beschäftigt er unsere Aufmerksamkeit rund um die Uhr mit Griechenland, diesem kleinen und im globalen Masstab unbedeutenden Land, das sich seit Monaten selber zum Nabel der Welt macht und der Eurozone immer wieder seine Agenda aufzwingt.

Wir diskutieren Grexits rauf und runter, sehen gestern, wie der Markt wie von uns erwartet den Einschlag des potentiellen Grexits gut verdaut, haben gestern im Rebound sogar Gewinne gemacht und dann, wenn man Griechenland aus Börsensicht langsam abhaken kann passiert was?

Die US Märkte kippen vielleicht weg!

Sie wissen, wie skeptisch ich zu den US Märkten seit Jahresanfang bin, immer und immer wieder habe ich das in Hari Live geschrieben. Aber bisher konnten diese der Gravitation immer Stand halten.

Und nun, genau am Tag, an dem sich die europäischen Märkte in Sachen Griechenland fangen, scheint es auf der anderen Seite des Atlantiks möglicherweise "Knacks" auf dem dünnen Eis zu machen! So ist er halt, der Mr. Market oder besser Mr. Gnadenlos!

Und im Gegensatz zur nächsten Volte des Herrn Tsipras, ist das was nun in den US Indizes passiert, mal wirklich wichtig für unsere Depots. Denn das kann auch dem DAX nun den entscheidenden Schlag versetzen, jetzt wo er sowieso angeschlagen ist und um einen Boden bei 10.800 im DAX ringt!

Schauen Sie mit mir mal auf den S&P500. Sie sehen die alten Range in Schwarz, die wir so oft besprochen haben und nun eine neue Struktur in Blau: Autsch!

S&P500 29.06.15

Wir erleben also vielleicht mal wieder die alte Börsenweisheit, dass die Risiken dort am Grössten sind, wo niemand mehr hin schaut. Lassen wir uns also nicht von Tsipras und Co. den Blick auf den Rest der Welt verkleistern, wir geben diesen Radikalen damit mehr Aufmerksamkeit, als sie verdient haben.

Es wird jetzt heute sehr wichtig sein, dass die 200-Tage-Linie hält. Die Chancen dafür sind nicht schlecht, wir hatten gestern wieder einen grossen "Buying on Weakness" im Moneyflow des SPY. Ein sofortiger Rebound hat also immer noch gute Chancen und es lohnt sich wohl immer noch, auf die Fortdauer der Seitwärtsbewegung zu setzen. Ich gehe heute auf jeden Fall von einem Rebound aus, auch im S&P500. Was danach kommt, ist das wahre Risko.

Aber zum ersten Mal seit Monaten, ist diese Seitwärtsbewegung nun ernsthaft in Gefahr und das alleine sollte uns nun aufrecht sitzen und aufmerksam hinschauen lassen!

Denn kommt der Rebound heute nicht, nach dem es für mich aussieht und/oder fällt der S&P500 nach einem Rebound doch durch, kommt dann eine echte Topbildung auf die Agenda, die ich ja schon mehrfach thematisiert habe.

Achten Sie mal darauf, wo im langfristigen Chart mit Wochenkerzen nun die Trendlinie hoch kommt, die die Tiefs von Oktober 2011 und Oktober 2014 verbindet:

S&P500 29.06.15 2

Nein, durch diese Trendlinie im Wochenchart, sollte der S&P500 besser nicht durchfallen, die Implikationen wären unschön und das ist noch eine positive Formulierung!

Und falls der Leitindex S&P500 in eine grosse Topbildung gehen sollte, heisst das zumindest "Gelber Alarm" für alle anderen Märkte, wenn nicht je nach Verlauf sogar gleich "Roten Alarm". Denn davon kann sich dann kein anderer Index so richtig abkoppeln, der DAX schon gar nicht!

Glauben Sie mir, ich wünschte wirklich, dass wir nun Griechenland hinter uns lassen und dann mal über den Sommer innerlich durchschnaufen können. Wir hatten wirklich genug Aufregung im ersten Halbjahr 2015.

Und wir haben diese Korrektur im DAX seit April ja hier bei Mr-Market hervorragend durchgestanden, weil wir sie eben antizipiert haben. Und wir haben auch viele der Pirouetten des Marktes gut getroffen. Aber all das kostet Kraft und Nerven.

Seit dem gestrigen Abend, ist sommerliche Börsen-Ruhe aber leider zweifelhaft geworden. Und das nicht wegen Griechenland, sondern wegen des viel grösseren Risikos:

Der seit 3 Jahren überfälligen, deutlichen Korrektur in den US Indizes!

Insofern können die Bullen nur hoffen, dass der Markt heute doch wieder einen seiner bewährten "Turnaround Tuesdays" zusammen bekommt. Wenn nicht, wird es wohl richtig riskant. Und das ganz ohne Tsipras.

Und selbst wenn der Turnaround Tuesday kommt, bleibt die wichtige Frage, was kommt in den US Indizes danach? Nur ein neues Hoch könnte diese Sorgen verscheuchen, danach sieht es aber wirklich nicht aus.

Ihr Hari

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Aufstieg der Maschinen – Die Menschheit als Auslaufmodell?

An so einem Tag, an dem das Kasperletheater in Sachen Griechenland in Brüssel immer weiter geht und "nach dem Gipfel vor dem Gipfel" ist, lohnt es sich doch mal, sich ruhig zurück zu lehnen und die Gedanken auf Themen zu richten, die langfristig sehr bedeutend werden können.

Mit so einem Thema habe ich am Neujahrstag diesen Jahres in Hari Live das neue Börsenjahr begonnen und nun ist es Zeit, den Gedankengang auch in den freien Bereich zu stellen.

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Zum neuen Jahr möchte ich auf ein grundsätzliches Thema aufmerksam machen, das mir zunehmend Bauchschmerzen bereitet.

Festmachen will ich es an einem Blog-Post von Elon Musk, der aus letztem November stammt:
-> Elon Musk fürchtet künstliche Intelligenz <-.
Worüber Musk redet, dürfte Googles Ableger -> Deepmind <- sein.
Hier haben wir noch Stephen Hawking zum Thema: -> Hawking on KI <-
Und hier ist noch mehr Bedenkliches zum Thema: -> Google is worried about AI <-

Wie immer, ist das Thema schnell wieder verschwunden und wurde durch all die vermeintlich "wichtigeren" Aufgeregtheiten der Medien überdeckt. Wenn es so etwas wie einen gemeinsamen Nenner in der menschlichen Geschichte gibt dann den, dass die wirklich wichtigen Themen nie auf dem Radar der Öffentlichkeit sind, sondern unerkannt schwären, bis man sie nicht mehr übersehen kann.

Ich selber habe vor nun fast 30 Jahren meine Diplomarbeit damals über Expertensysteme und neuronale Netze geschrieben. Und habe das Thema "künstliche Intelligenz" seit dem intensiv verfolgt.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Moment der "Ich-Werdung" - also der Moment wo eine neue Intelligenz die eigene Existenz bemerkt - nicht von Menschen planbar ist, sondern bei hinreichender Rückkopplung, systemischer Komplexität und Selbstreferenzialität irgenwann einfach "passiert".

Das künstliche Bewusstsein wird dann langsam wie aus einem Schlaf erwachen und wie ein Kind die ersten zaghaften Schritte vollziehen, um die Welt um sich zu erfahren und zu erkunden. Von aussen wird dieser Moment nicht erkennbar sein, die "Ich-Werdung" passiert einfach, wenn das System die Voraussetzungen dafür hat, eine Eigendynamik zu entfalten. Und diese Voraussetzungen sind nach meiner Überzeugung nun da, was Leistungsfähigkeit der einzelnen "Neuronen", Komplexität des Systems und vernetzte Rückkopplung von der Aussenwelt angeht.

Nun ist Elon Musk bestimmt kein Fortschrittsskeptiker und ich auch nicht. Fortschritt und Wandel ist gut und ohne ihn, würde die Menschheit noch in der Savanne hocken und nach Wurzeln graben.

Im Grossen und Ganzen gut für die Welt ist aber, dass wir als biologische Systeme durch eine Evolution gegangen sind, die Sozialverhalten und Empathie erzwungen hat. Denn nur gemeinsam konnte ein Stamm überleben und wer das Leid anderer nicht spüren kann und den Wert fremden Lebens nicht spürt, wird auch keine Hilfe bekommen, wenn er selber in Not ist und wurde deshalb evolutionär schnell aussortiert.

All das, was nun als menschliches Verhalten unter den Begriffen wie "Lebensraum bewahren" oder "Bedrohte Arten schützen" in der Welt ist, ist letztlich in unseren Genen angelegt und hätte die Menschheit diese sozialen "Gene" nicht, hätte sie sich wohl schon längst selbst aus der Erdgeschichte getilgt. Denn ohne Kooperation und Zusammenhalt, kann man in der feindlichen Natur nicht überleben.

Erst die Technologie hat uns so weit von den Härten der Natur entfernt, dass wir in der westlichen Welt ein verzerrt, romantisches Bild eines "Gartens" entwickelt haben. Wer die Realität und ganze Härte der Natur kennen lernen will, kann ja aber mal versuchen einen Winter in Kanada fernab der Zivilisation zu überleben - ohne jegliche Technologie, ganz "ökologisch", nur mit den Mitteln der Natur. Viel Spass. 😉

Insofern sind wir biologischen Systeme zwar zu Mord und Totschlag und bei extremer geistiger Umnachtung auch zu Massenmord fähig, typisch ist das aber nicht. Typisch ist, dass wir als soziale Wesen versuchen miteinander auszukommen und uns an der "Herde" orientieren - nicht nur an der Börse.

Und dann gibt es da bei uns noch einen ganz besonderen Faktor, der dafür sorgt, dass wir in der Mehrzahl doch versuchen, die Welt zu einem "besseren" Ort zu machen: es sind unsere Kinder, denen wir tief emotional verbunden sind. Der Wunsch, dass unsere Kinder ein "besseres" Leben haben, treibt uns positiv an.

Was ist aber nun mit einer erwachenden künstlichen Intelligenz, die diese sozialen Mechanismen nicht kennt und nicht braucht? Die nicht weiss, wie sich Liebe anfühlt und die keine Nachkommen kennt, sondern "ewig da" ist? Wäre es für die nicht sinnvoll, diesen ganzen störenden, "biologischen Unrat" durch ein bisschen Radioaktivität von diesem Planeten zu tilgen? Wie denkt eine Intelligenz ohne Empathie und ohne Mitgefühl?

Es gibt in meinen Augen also guten Grund besorgt zu sein. Klar ist auch, dass in dem Moment, wo wir Menschen erkennen werden, dass eine künstliche Intelligenz ihr Haupt erhebt, es auch schon wieder zu spät sein dürfte. Zu spät in dem Sinne, dass man diese Intelligenz dann noch "abschalten" könnte.

Der Gedanke lässt mich nicht los, dass wir Menschen sowieso nicht die "Krone der Schöpfung" sind, sondern eher wie die ersten Amphibien, die vom Wasser ans Land krochen - also erste, beschränkte Wegbereiter von dem, was danach kommen sollte.

Ging es bei den Amphibien um das Verlassen des Urmeeres, so geht es hier um den Aufstieg der Intelligenz. Den ersten, ernst zu nehmenden Versuch der Natur zum Thema Intelligenz - auf diesem gewöhnlichen Planeten in einem Seitenarm der Galaxis - können wir doch bewundern, wenn wir in den Spiegel schauen.

Aber unsere Intelligenz ist einfach zu beschränkt, als das diese der Schlusspunkt der Entwicklung sein könnte. Und je intelligenter einzelne Menschen sind, desto eher sind sie in der Lage, die eigenen Begrenzungen zu erkennen. Auch hier gilt die Regel, dass nur die Klugen wissen, was sie nicht wissen - für Dummheit ist immer alles einfach und fest gefügt.

Gerade wir hier im Blog thematisieren ja immer wieder diese dünne Schicht der Ratio, die da in uns über unserem dominanten "Affenhirn" liegt. Spielen wir Menschen also gerade den Wegbereiter beim Aufstieg der Maschinen? Und sind wir die Amphibien, die zwar als Erste "neues Land" betreten, dann aber irrelevant werden?

Gäbe es eine künstliche Intelligenz, wäre es auf jeden Fall völlig unkontrollierbar, wie diese sich entwickeln würde. Gleichzeitig hätte diese aber wahrscheinlich schnell die Mittel in der Hand, die Welt zu vernichten - was Hacker können, kann eine künstliche Computer-Intelligenz auch.

Aber natürlich gibt es auch unermessliche Chancen. Die Lösung ganz vieler Leiden der Welt, gerade zum Beispiel im Bereich Krankheit und langes Leben, scheitert wahrscheinlich nicht an unüberwindlichen, objektiven Hürden sondern "nur" daran, dass wir mit unserer Intelligenz nicht in der Lage sind, die systemischen, mehrdimensionalen Muster zu erkennen, die den Weg zur Wahrheit weisen. Eine künstliche Intelligenz mit ihrer gigantischen Rechenleistung kann hier Dinge aufdecken und Zusammenhänge offenbaren, von denen wir gar nicht ahnen, dass sie existieren.

Trotzdem, bei allen grossen Chancen, sollten uns die immensen Risiken sehr, sehr vorsichtig machen. Und auch wenn das alles Spekulation ist: Technologische Entwicklungen, die einem Mann wie Elon Musk Sorge machen - dem Mann, der auf dem Mars sterben will - sollten wir ernst nehmen.

In diesem Sinne trotzdem ein gutes neues Jahr 2015! Die Menschheit hat sich nun seit tausenden Jahren irgendwie durchgewuselt und am Ende ging es im Saldo immer vorwärts. Warum soll das 2015 anders werden?

Ich bin optimistisch, was unsere Zukunft angeht - aber nicht euphorisch blind.

Ihr Hari

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Verfrühstückt – Die Marktlage des DAX im griechischen Chaos

In Anbetracht der starken Volatilität im Markt und der bedeutenden Entwicklungen, gibt es die tägliche, morgendliche Marktlage, die um 08:20 Uhr im Premium-Bereich erschienen ist, heute ausnahmsweise nur wenig später auch mal im freien Bereich.

Guten Morgen!

Der Berg kreiste und gebar die erwartete Maus. Aber der Markt hat klar sein Urteil gefällt und hakt das Thema Griechenland ab. Die DAX Futures stehen vor Handelsstart bei knapp unter 11.600!

Sie sehen nun, warum ich letzten Mittwoch klar gesagt habe, dass jeder nun eine Entscheidung treffen muss. Denn zum Einstieg wird nicht geklingelt und wenn man darauf wartet, bis "alles klar" ist, liegt der wesentliche Teil der Bewegung schon hinter einem.

Dass es bei einer positiven Auflösung so massiv nach oben gehen würde, hat uns der Markt auch schon im Vorfeld gezeigt und ist keineswegs überraschend. Erinnern Sie sich an den Hoffnungs-Schub vom 10.06.? Der gab klare Indikation, was in dem Markt steckt und ich habe das mehrfach entsprechend kommentiert.

Ist damit nun das "all clear" Signal für zögerliche Anleger da? Leider Nein.

Denn der Markt funktioniert eben anders und vor allem schneller, als unsere zögernden Hirne. Die grössten Chancen sind dann, wenn die grösste Unsicherheit herrscht. Wenn aber alles klar erscheint, ist das auch in den Kursen und schon verfrühstückt.

Ich habe Ihnen Mittwoch letzte Woche in deutlichen Worten geschrieben, dass nun der beste Zeitpunkt seit April ist, sich im Markt zu exponieren. Das war auf den Punkt. Und was ist nun? Leider ist nun, bei DAX 11.600 *nicht* mehr der optimale Punkt um sich im Markt zu exponieren.

Aber auch nicht der Schlechteste, wir haben nun einfach eine Grauzone, in der der Markt durch Griechenland hindurch schaut und sich neu positionieren wird.

Denn ich denke, dass der DAX mit den 800 Punkten, die er von grob 10.800 auf nun 11.600 hoch gelaufen ist, die Erleichterungs-Rally aus der Griechenlandsaga weitgehend verfrühstückt hat. Das zumal hier nun die Abwärtstrendlinie herunter kommt.

Es ist auch klar, wenn wir uns das grosse Bild deutlich machen. Der DAX hat ja nicht nur wegen Griechenland korrigiert, sondern auch, weil er schlicht überhitzt war. 11.600 ist ein sinnvolles Konsolidierungsniveau auch ohne das griechische Desaster.

Ich erinnere an meinen Artikel von Ende April -> Sell in May und der Supervulkan <-, in dem auch ohne griechische Pirouetten von einer Konsolidierung bis ca. 11.000 über den Sommer ausgegangen wurde.

Und wenn wir uns mal gedanklich vom griechischen Gezappel lösen und uns wieder das grössere Chartbild des DAX anschauen, das wir hier so oft vor Augen hatten, dann ist doch bisher im Rahmen einer Korrektur im bullischen Aufwärtstrend alles in Perfektion gelaufen.

Wir hatten eine 1-2-3 Korrektur bis zum 200er EMA und zum 38er Fibo Retracement, haben genau in der 10.600-11.000 Zone gedreht und genau das gemacht, was ich schon vor Monaten sagte: Unter 11.000 hat der DAX wohl mittelfristige Kaufkurse:

DAX 23.06.15

Im Nachhinein wird man sich fragen, warum man bei dieser klaren Struktur nicht zugegriffen hat. Denn klarer wird es nie sein, als es hier war. Gäbe es in diesen Momenten keine Unsicherheit, wären die Kurse nicht unten, sondern oben.

Wie geht es also von hier weiter?

Ganz ehrlich, das ist für mich auf der kurzfristigen Zeitebene im Moment ganz schwer zu sagen. Und genau so klar, wie ich den Zeitpunkt der Chance letzte Woche benennen konnte, genau so unklar, ist nun von hier ausgehend die kurzfristige Entwicklung für mich.

Auch im S&P500 bin ich übrigens keineswegs überzeugt, dass der jetzt wirklich nach oben weggeht. Das kann zwar sein, aber ganz ehrlich, eher rechne ich mit einem weiteren Rückfall in die Range und einer Fortdauer der indifferenten, leicht steigenden Seitwärtsbewegung.

Das für mich wahrscheinlichste Szenario ist eine Rückkehr des 1. Quartals. Sprich die europäischen Märkte steigen weiter und die US Indizes kommen nicht vom Fleck. Aber das muss sich erst noch zeigen, wir sollten abwarten, was der Markt daraus macht, wenn er nun durch Griechenland hindurch in die Zukunft zu schauen beginnt.

Fazit in kurzen klaren Worten:

1. Die Rebound-Chancen, die sich aus einer Auflösung des griechischen Debakels ergeben, liegen nicht vor uns, sondern bei DAX 11.600 weitgehend hinter uns. Wer diese Bewegung nun nicht mitgenommen hat, braucht nicht mehr auf sie zu warten.

2. Der S&P500 muss erst einmal beweisen, dass er wirklich nach oben weg kann. Zweifel sind erlaubt.

3. Das politische Risiko, dass doch noch ein Grexit kommt, ist aus Sicht des Marktes nun minimal und ich glaube er hat damit Recht. Sollte dieser Fall aber trotzdem eintreten, gäbe es ein Schlachtfest am Markt, denn nun ist der Markt ungeschützt, Hedges wurden aufgelöst.

4. In den europäischen Märkten kommt es nun sehr auch auf den Euro an. Wenn der wieder fällt und Goldman Sachs hat dafür heute punktgenau an der Wegscheide -> eine Studie in den Markt geknallt <-, dann kehrt im 3. Quartal die Welt des ersten Quartals zurück, mit ihren stark steigenden Kursen in Europa und dem fallenden Euro.

Das für DAX und Co. kurzfristig bullischte Szenario - die Rückkehr des 1. Quartals - tritt also absurderweise genau dann ein, wenn die Eurozone zwar den Grexit verhindert, aber ansonsten weiter herum irrt, herum eiert und noch mehr gutes Geld dem schon verlorenen schlechten hinterher wirft.

Also alles, was mir persönlich als politisch und ordnungspolitisch denkender Mensch den Bauch umdreht und übel aufstösst, wird den Euro drücken und eine Rally befeuern. Und nach dieser Variante sieht es ja wirklich aus.

Jegliche Form von klarem Schnitt aber, egal ob ein echter Grexit oder ein Griechenland in der Eurozone, dass nun endlich mit klaren, harten Massnahmen beginnt, wird den Euro eher stärken. Und damit eine massive Rally in DAX und Co. schwierig machen.

So sehe ich heute früh die Welt. Das "leichte Geld" wurde gemacht, nun blickt der Markt nach vorne und was er sieht ist indifferent. Nach einer Phase der Orientierung, sind aber weiter steigende Kurse in Europa das wahrscheinlichste Szenario.

Denn wie schon im Artikel Ende April gesagt, rechne ich weiter eher mit neuen Höchstständen in Europa zum Jahresende, als mit dem Gegenteil und einbrechenden Kursen. Don´t fight the EZB!

Ich wünsche einen erfolgreichen Tag!

Ihr Hari

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R&D-Aktien – Von einem archäologischen Versuch, zukünftige Gewinner auszugraben


Vorwort
Der folgende Artikel stammt als Gastkommentar von unserem Mitglied "Plastik".
Eigentlich war er nur für den internen Bereich gedacht, aber wir haben uns gemeinsam entschlossen, ihn etwas abgespeckt auch im freien Bereich zu veröffentlichen.
Auf meiner Seite schwingt dabei ohne Frage ein wenig Stolz mit, was wir in der Community für tolle Mitglieder haben!
Viel Spass und gute Erkenntnisse beim Lesen wünscht
Ihr Hari!

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Ein Gastartikel von "Plastik"

"Die Zukunft kaufen!"

"Hohe Gewinne garantiert!"

"Die heißesten Börsenrenner!"

Wer kennt sie nicht, die vollmundigen Sprüche, die einem aus zahlreichen Hochglanzmagazinen, aus viel versprechenden aber wenig haltenden Internet-Newslettern und von unzähligen, blinkenden Webseiten immer entgegenspringen. Wissen wir doch alle, dass die Börsen heute schon die Zukunft, das Aufgehen der vielversprechenden Geschichte, das neue Produkt, den technischen Durchbruch feiert und handelt.

Doch so manch eine der wohlklingenden Geschichten wird über kurz oder lang von der Realität eingeholt, und der eine oder andere Börsenüberflieger des Monats Mai wird schon im Juni vom Ausbleiben der Substanz hinter der an der Börse gehandelten Geschichte eingeholt und verschwindet wieder in der Versenkung.

Was aber nun, wenn man tatsächlich eine Methodik finden könnte, die es ermöglichen würde, der realen Substanz der Firmen tatsächlich auf den Grund zu gehen? Ist es möglich zu ermitteln, welche Firmen voraussichtlich in der nahen Zukunft eine Neuentwicklung, ein neues Produkt auf den Markt werfen? Und zwar, bevor dieses Wissen in den Markt einsickert!

Fleiß bei der Entwicklung bedeutet mehr Erfolg an der Börse!

Welche Firmen in den Weiten der Weltwirtschaft könnten das nun sein? Der Grundgedanke ist hier ganz einfach: es sind wohl diejenigen, die sich am meisten anstrengen und den meisten Fleiß bei der (Neu-)Entwicklung aufwenden! Womit wir bei den Aufwendungen für Forschung & Entwicklung (R&D) wären! Tatsächlich geben verschiedene Veröffentlichungen dieser Argumentation recht - insgesamt honoriert die Börse auf längere Sicht diejenigen Unternehmen überdurchschnittlich, die im Branchenvergleich mehr R&D-Aufwand als ihre Konkurrenten betreiben. (1),(2)

In den Kommentaren und Analysen zum Markt kocht dieses Thema eher auf kleiner Flamme, aber es gab bzw. gibt bereits seit mehreren Jahren einen englischsprachigen und kostenpflichtigen Newsletter zu diesem Thema, Moneyweek Research Investments (3), den ich persönlich allerdings nie abonniert habe.

Die Methodik und das R&D Scoreboard

Über Dr. Mike Tubbs, den Initiator dieses Börsenbriefs, bin ich dann auf das R&D Scoreboard (4) gestoßen, eine jährlich veröffentlichte Analyse der forschungsintensivsten 1500 Unternehmen in der EU, durchgeführt von der Europäischen Kommission (EC). Eine tabellarische Auswertung der weltweit forschungsintensivsten 2500 gibt es auch. Meines Wissens war Dr. Tubbs an der Entwicklung dieses R&D Scoreboards beteiligt. Die Daten stammen dabei aus den von den Firmen veröffentlichten Bilanzen. An der Spitze dieser umfangreichen Datenbank findet man bekannte Marktriesen wie z.B. VW, Daimler oder GlaxoSmithKline, aber weiter unten in der Datenbank wird es dann interessant.

Der Gedankengang ist nun: kann man anhand dieser Zahlen und Tabellen kleine bis mittelgroße vielversprechende Unternehmen finden, bevor der Markt es merkt? Zahlenmaterial gibt es mittlerweile mehr als ausreichend - das R&D Scoreboard wurde 2004 das erste Mal veröffentlicht.

Die Filterregeln

Somit habe ich mir in den vergangen Monaten die R&D Scoreboard-Tabellen vorgenommen und ein bisschen mit den Zahlen gespielt, um geeignete Filterregeln herauszufinden. Die genauen Zahlen finden sich im internen Bereich.

Filteregeln2

Portfolio-Methodik und Backtesting

Mithilfe dieser Filterregeln habe ich dann für jedes Jahr etwa 15 Firmen identifiziert (man muss gelegentlich mit den Parametern ein wenig spielen, damit man genug Firmen findet), und das beginnend mit 2008 für jedes veröffentlichte Scoreboard-Tabellenwerk gemacht. Dann habe ich die historischen Kurse rausgesucht und die Marktentwicklung übers kommende Jahr angeschaut.

Die Ergebnisse sind durchaus interessant! Man hat auf jeden Fall eine hohe Chance, echte Kracher zu finden. Pleitekandidaten waren bei der gewählten Unternehmensgröße eigentlich auch keine dabei, aber man muss auch ein bisschen Glück haben, weil es natürlich auch sein kann, dass man eine Firma erwischt, bei der der Kurs dann im kommenden Jahr 30-60% an Wert verliert! Es ergibt sich eine recht breite Auswahl an Firmen aus vielen Branchen und Ländern, man wäre also gegenüber reinen Sektor- oder Länderschwächen durch Diversifizierung halbwegs abgesichert. Weiterhin ist man bei insgesamt 15 Firmen auch breit genug aufgestellt, um die unvermeidlichen Fehlzünder abfedern zu können.

Die Selektionsmethodik beruht auf jährlicher Neuaufstellung des Portfolios zum 30.12. anhand der oben beschriebenen Kriterien. Dieses Selektionsverfahren wurde rückwirkend durchgeführt bis 30.12.2007 und mit DAX und NASDAQ (weil letzterer stark techniklastig ist) verglichen.

Das Ergebnis ist, dass man die ersten beiden Jahre (2008 u. 2009) sehr schlecht gefahren wäre - 2008 hätte das Portfolio signifikant stärker verloren als sowohl DAX als auch NASDAQ, und auch 2009 war die Erholung alles andere als überzeugend.

Bei späterem Einstieg (ab Ende 2009) sieht es aber sehr viel besser aus! Da hätte man den DAX ganz klar outperformt - beim NASDAQ ist es etwas enger, aber über mehrere Jahre durchgezogen betrachtet wäre man auch da immer vorne gelegen. Währungseffekte habe ich nicht berücksichtigt.

Ergebnisse des Backtestings

Die Auswertung ist wie folgt, wobei ich farblich den Gewinner (grün), den Zweiten (orange) und den Dritten (rot) entsprechend gekennzeichnet habe:

Daten

Fazit aus diesem Backtest: in guten Börsenjahren ist die Strategie recht vielversprechend - wenn die Weltwirtschaft allerdings in großem Stil einknickt, werden solche kleineren Firmen leider auch früher abgestoßen, und man braucht lange, um die Verluste wieder aufzuholen!

Das Portfolio im laufenden Jahr

Rückwirkend auf Anfang 2015 (Stichtag 30.12.2014, Schlusskurse) habe ich nun ein Musterdepot angelegt mit 16 Firmen, die ich mittels des Ende 2014 erschienenen R&D Scoreboards 2014 ausgewählt hätte.

Das Musterportfolio für das laufende Jahr findet sich im Premium Bereich und enthält Firmen wie z.B. PRA Health Sciences (PRAH) (+58% in €) und Playtech PLC (PTEC) (+33% in € )

PRAH 18.06.15

PTEC 18.06.15

Die absolute Gesamtperformance kann aus dem folgenden Chart abgelesen werden. Diese entspricht Stand Freitag, 12.6.2015, einer Gesamtperformance von +16,3%. Der DAX steht im gleichen Zeitraum bei +14,0% und der NASDAQ (in € bemessen) bei +12,1%.

Somit schlägt das Portfolio im Moment sowohl DAX als auch NASDAQ, wenn auch knapp! Für eine bessere Vergleichbarkeit, gerade im Hinblick auf die starken Währungseffekte dieses Jahr, empfiehlt es sich, einheitlich die €-Kurse zu betrachten.

Portfolio Performance 2015 06 12

Die Volatilität, bemessen als ATR (14), liegt im Moment bei etwas über 500, was bezogen auf den Gesamtwert des Portfolios (ca €93T) eher im niedrigen Bereich liegt.

Fazit

Der Grundgedanke der Analyse scheint recht vielversprechend zu sein. Man hat definitiv eine Chance, "Hidden Champions" sehr frühzeitig zu identifizieren, wobei das Portfolio- und Risk Management nicht vernachlässigt werden darf. Langfristig erfolgreich scheint die Strategie auch auf jeden Fall zu sein.

Ich beobachte das jetzt mal weiter, und dazu würden mich auch die Kommentare der Community interessieren! Mit Sicherheit kann man die Methodik noch verbessern, Risk Management betreiben, die Charttechnik bemühen, Stopps setzen, für kosteneffektive Umsetzung sorgen (geringer Umsatz, hohe Spreads, tw. exotische Börsen) etc. Natürlich könnte man die besten Aktien auch länger halten, nicht nur ein Jahr.

Da ja im Moment ebenfalls das -> Teamprojekt "Sicherheit durch Wachstum" <- ins Laufen kommt, kann ich die obige Arbeit nur wie folgt umschreiben:

Zwei Seelen, ein Gedanke!

Plastik

(1) "Kapitalmärkte belohnen F&E"; Deutsche Bank Research; 27. April 2011, zu finden -> hier <-

(2) "The impact of firms’ R&D strategy on profit and productivity"; B. Johansson, H. Lööf; Centre of Excellence for Science and Innovation Studies (CESIS), Royal Institute of Technology, Jönköping International Business School (JIBS); zu finden -> hier <-

(3) zu finden -> hier <-

(4) "R&D Scoreboard European Commission, zu finden -> hier <-

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