Der folgende Artikel erschien schon Mittwoch 29.10.14 09:30 in Hari Live

Wir haben schon oft über das Einzelaktien-Risiko gesprochen, dem natürlich auch immer eine Einzelaktien-Chance gegenüber steht, die wir zuletzt immer wieder bei Biotech-Aktien beobachten konnten, wenn eine Nachricht den Kurs um 20% stiegen liess.

Nun ist im Bereich Raumfahrt bei Orbital Sciences das Gegenteil passiert, deren Antares Rakete -> ist beim Start explodiert. <-.

Es ist übrigens in meinen Augen die grosse Plage der Raumfahrt und letztlich auch ein Hindernis bei der bemannten Raumfahrt, dass man immer noch auf diese “fliegenden Treibstoff-Bomben” beim Start angewiesen ist. Es ginge schon längst anders und konventionell viel sicherer – wie im Flugzeug sozusagen – nur sind diese Varianten zunächst viel teurer.

-> Eugen Sänger <- und Junkers bzw. später MBB hat an so einem Konzept schon in den 60er Jahren gearbeitet und es gibt gar keinen Zweifel, dass es technisch funktionieren könnte.

Nur ist eben bei so einem Konzept der technologische Initial-Aufwand viel höher und es ist viel einfacher und schneller, einen Metallmantel um eine Bombe zu legen und die Bombe unten anzuzünden und gezielt abfackeln zu lassen – auch Rakete genannt. ;) Solange die kommerzielle Hauptlast primär unbemannte Satelliten sind, nimmt man diese wiederkehrenden und bei der Technik letztlich unvermeidbaren Unglücke in Kauf und ist trotzdem immer noch billiger unterwegs.

Erst ein Anstieg der bemannten Raumfahrt, durch Tourismus zum Beispiel, wird den Druck erhöhen, solche Konzepte wie von Sänger umzusetzen und dann werde diese auch gebaut werden. Und mit solchen Konzepten fliegt man, wenn ausgereift, letztlich genau so sicher bzw unsicher wie heute im Flugzeug auch.

Aber wie auch immer, mit dem gestrigen Event haben wir nun perfektes Anschauungsmaterial, wie der Markt mit so einem Einzelfall-Unglück umgeht. Bis zum Unglück hat sich Orbital Sciences hervorragend entwickelt.

Als ich die Aktie hier am 14.12.2012 unter dem Titel: -> Orbital Sciences – Wie man im All Geld verdient <- ausführlich vorgestellt habe, stand sie bei 12,78 USD, gestern vor dem Crash bei 30,37 USD oder 137% höher – das darf man wohl eine erfolgreiche Entwicklung nennen. ;)

Nachbörslich ist ORB um ca. 15% gefallen und wird daher heute wahrscheinlich um die 25 USD eröffnen. Und warum das eine spannende Marke ist, zeigt uns das Wochenchart:

ORB 29.10.14

Wenn ORB von hier aus wieder steigen sollte und der Markt diesen – im wahrsten Sinne des Wortes “Einschlag” – ohne weitere Abgaben verdauen sollte, wäre das ein Zeichen grosser Stärke der Aktie, die ohne den Crash schon zum erneuten Schub nach oben ansetzte.

So verrückt sich das nach so einem Event anhört, wenn der Markt das nun mit nur 15% Minus verdauen sollte, wäre es eher ein Kaufsignal, denn bei einer Marktkapitalisierung von nur 1,8 Milliarden, können solche Katastrophen sich zu existenzgefährdenden Krisen auswachsen.

Insofern wird es höchst spannend zu beobachten, wie der Markt nun damit umgeht. Denn bei Aktien die einen “Lauf” und ein positives Marktsentiment haben, wird das Einzelaktien-Risiko oft überschätzt. Denn selbst wenn ein überraschender Einschlag kommt, tendiert ein starker Markt dazu, diesen zu verdauen und danach zur Tagesordnung überzugehen. Das starke, positive Sentiment solcher Aktien, hält also auch singuläre Einschläge aus.

Ganz anders herum ist es bei negativem Sentiment, wenn der Markt sowieso schon hellhörig ist und zweifelt. Wenn dann ein Einschlag kommt, ist die Reaktion des Marktes in der Regel verheerend.

Bei Aktien in positiven Trends aber, muss man gar nicht so furchtsam sein, weil der Markt mehr verdauen kann, als wir glauben. Es wird nun spannend sein zu beobachten, wie das bei ORB abläuft.

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Euro und Dollar EURUSD – Race to the Bottom

by Hari on 28. Oktober 2014

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 24.10.14 12:00 in Hari Live

Ein Blick auf das EURUSD Währungspaar, das ja für uns massive Implikationen bei allen Asset-Klassen hat, offenbart im Tageschart eine Struktur, die für mich eher für eine bärische Konsolidierung im fortlaufenden Abwärtstrend spricht:

EURUSD t 14.10.14

Wenn das so passiert, wird von dem Moment an, wo EURUSD aus dem Dreieck heraus fällt, auch der Druck auf den Goldpreis wieder steigen, womit das hier zuletzt gezeigte Szenario eines Tauchers unter 1180 USD schnell auf den Radar kommt.

Damit eine echte Wendeformation entsteht und man einen weiter fallenden Euro erst einmal von der Agenda nehmen kann, müsste EURUSD nun schnell über 1,30 steigen. Das würde das Gesamtbild deutlich ändern, davon gehe ich aber eher nicht aus.

Wenn es aber weiter runter geht, könnte EURUSD erst oberhalb 1,20 dann wieder eine Unterstützung finden, deren Bedeutung im Wochenchart schnell deutlich wird:

EURUSD 24.10.14

Sollte diese aber auch nicht halten und aufgrund Disparitäten in der Notenbank-Politik (EZB expansiv, FED bremsend) auch die 1,20 fallen, eröffnet sich ein bedeutender, freier Raum, in dem EURUSD schnell auf Parität zum Dollar fallen könnte, wie man im Monatschart sieht, das bis in die 80er Jahre zurück geht:

EURUSD m 24.10.14

Ob das so kommt ist für mich allerdings zweifelhaft, da wir ja schon jetzt gesehen haben, dass die FED eine zu starke Aufwertung des Dollars nicht zulassen will, weil das Ihrer Strategie des Anschubs des Wachstum in den US zuwider läuft.

Der “Race to the Bottom” der weltweiten Währungen ist also im vollen Gange und das spricht dafür, dass EURUSD dann um 1,20 erst einmal einen längerfristig validen Boden finde.

Für die europäischen Aktien ist das insofern wichtig, als wir solange von einer fortdauernden Unterperformance der europäischen Aktienmärkte ausgehen müssen, wie sich keine Stabilisierung bei EURUSD abzeichnet. Denn solange gibt es keinen guten Grund für Asset-Manager an der Wallstreet, das Kapital in Assets zu schieben, bei denen eine Entwertung durch Währungsverfall zu erwarten ist.

Sobald diese Stabilisierung aber da ist, wird sich die Wahrnehmung des Marktes ins Gegenteil kehren und man wird den kurzfristig positiven Effekt auf die europäische Wirtschaft, durch erhöhte preisliche Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus rücken. Insofern ist die Zeit für die europäischen Märkte vielleicht dann gekommen, wenn diese Stabilisierung eintritt.

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Trading – Von Abwehr auf Angriff umschalten

by Hari on 23. Oktober 2014

Der folgende Artikel erschien 21.10.14 18:20 in Hari Live und wird hier in gekürzter Form in den freien Bereich gestellt

Kennen Sie das auch? Wenn eine Mannschaft beim Fussball zu stark in die Defensive gerät und sich zurück drängen lässt und nur auf die Verteidigung konzentriert, dann sehen wir oft am Spielfeldrand den Trainer mit den Armen rudern und “Raus! Raus!” schreien.

Meistens hören die Spieler das aber gar nicht mehr, zu sehr ist ihre Psyche nun auf Abwehr gerichtet. Dass man auch Angriff spielen könnte, scheint in der Dynamik des Momentes vergessen. Und schnell zwischen Abwehr und Angriff hin und her zu schalten, ist eine der Übungen, die nur gute Mannschaften so richtig “drauf” haben.

Auch an der Börse ist das für uns eine der schwierigsten Aufgaben. Und ich bin ganz sicher, einigen von Ihnen ist das in den letzten Tagen so gegangen.

Da dürften auch einige dabei sein, die eher etwas zu spät unter dem Eindruck der doch immer weiter fallenden Kurse ausgestiegen sind und erst spät das getan haben, was ich schon viel weiter oben gepredigt habe: Risikomanagement.

Und die dann bei dem brutalen und auch für mich überraschenden Taucher des DAX unter 8500 am Donnerstag Vormittag, ermattet aber glücklich durchgeschnauft haben, weil sie endlich draussen waren. Jetzt hätte es für diese Anleger immer weiter runter gehen können, nur will uns der reflexive Mr. Market diesen Gefallen nie tun, denn der hört systemimmanent genau dann auf zu fallen, wenn die Letzten raus geschüttelt wurden. Und so wurde der unerwartete Taucher unter 8500 zur brutalen Bärenfalle. Eine ähnliche Falle wurde den Bären noch einmal heute im frühen Handel aufgestellt.

So kam der Rebound über 8500, der ein erstes Zeichen einer möglichen Wende war. Und im S&P500 Future deutete sich parallel der Doppelboden an, den ich noch am Donnerstag 16.10. Nachmittag mit den deutlichen Worten “Achtung!” in Hari Live thematisiert hatte und von dem wir so schön profitieren konnten.

Jetzt hätten viele also ab letzten Donnerstag schnell und flexibel von Abwehr auf Angriff umschalten müssen, oder zumindest sich langsam eine Angriffsstrategie zurecht legen, wenn sie nicht kurzfristig, sondern mittelfristig agieren. Nur vielen dürfte das emotional gegen den Strich gegangen sein, endlich ist man draussen und will nun auch mal seine Ruhe haben!

Und deshalb machen wir Menschen dann erst einmal gar nichts und bleiben in unserem dominanten Modell (hier Defensive), das ja zuletzt so hervorragend funktioniert hat. Und wenn die Kurse dann doch steigen, kommt auch die Reue dazu, nicht dabei zu sein. Und die nagt an uns und macht unzufrieden.

Man könnte also sagen, unsere Psychologie ist ein Tanker, der zu lange braucht um sich zu lösen und zu drehen. Wie leicht oder schwer es uns dabei fällt, von Abwehr auf Angriff umzuschalten, ist aber auch stark vom Typus abhängig. Gerade der Typus “Gründler”, den ich hier schon einmal beschrieben habe – Menschen also, die Dingen gerne auf den “Grund” gehen und typischerweise sich auch gerne in Details vertiefen – tut sich schwer damit, schnell umzuschalten. Wer dagegen eher immer das “grosse Ganze” im Blick behält, alles mitbekommen will und Details daher vermeidet wo möglich, hat es da psychologisch einfacher in einem volatilen Markt.

Und deshalb ist es so eminent wichtig, dass wir uns mit unserer Strategie, wie zum Beispiel mit dem Pattern Trading, das ich Ihnen zuletzt am S&P500 so erfolgreich gezeigt habe, einen objektiven Rahmen geben, dem wir dann auch folgen. Denn der Rahmen – wie bei mir die Muster (Pattern) – sagt einem dann schon, wann es Zeit wird von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Dass das funktioniert, haben wir gerade wieder gesehen.

In jedem Fall aber müssen wir dieses Grübeln vermeiden, wie die Kurse morgen sein werden. Das macht uns nur fertig und wir bleiben dann in der Regel im alten Verhalten und warten ab und sind dadurch gerade nicht in der Lage umzuschalten.

Also: es gibt viele Wege von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Der “normale” und für die meisten auf der mittelfristigen Zeitebene wohl auch Richtige, ist der gleiche Weg, mit dem wir aus dem Markt ausgestiegen sind: der inkrementelle Einstieg in Schritten anhand der Marken und Muster.

Aber es gibt eben auch Methoden, mit denen man aggressiv solche Rebounds spielen kann und frühzeitig dabei sein – mit höherem Risiko natürlich. Dafür aber ist für diese Methoden egal, ob es sich um einen nachhaltigen Rebound oder nur um einen mehrtägigen Bounce im bestehenden Abwärtstrend handelt – Hauptsache der Kurs steigt die nächsten 24 Stunden, dann ist man bei solch aggressiven Einstiegen in Wende-Momentum, schon auf der sicheren Seite.

Welchen Weg man aber auch für sich persönlich geht, entscheidend ist, dass man den Wechsel von Abwehr auf Angriff überhaupt vollzieht und nicht verschläft, weil man keine Lust hat, sich schon wieder auf eine neue Situation einzustellen.

Denn ohne Angriff, kann man kein Spiel gewinnen. Beim Fussball ist das so. Ohne Abwehr aber auch nicht. Das Umschalten zwischen beidem, ist das grosse Geheimnis des Erfolges – nicht nur beim Fussball!

Und mit aktivem Handeln am Markt, können auf die Dauer nur die Menschen erfolgreich sein, die es lieben und es spannend finden, sich auf neue Situationen einzustellen.

Wer diese Psychologie nicht in sich hat, sollte sich eine langfristig orientierte, eher passive Strategie zurecht legen, die idealerweise rein von Indikatoren getrieben wird. Und die damit für Ruhe und Beständigkeit sorgt.

Oder er kann zwar aktiv handeln, muss aber den Zeithorizont so wählen, dass er nur auf langfristigen Charts agiert und sich daher für die täglichen Schwankungen nicht interessiert. Das erfordert aber auch die geistige Disziplin, das tägliche Geschehen und die Nachrichten in den Medien ignorieren zu können.

Den eines ist der Markt garantiert nicht: ruhig und beständig. Ich *liebe* ihn dafür! :D

Ihr Hari

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