Die beste aller Welten für Aktien ? FED Chef Bernanke mit elegantem Abtritt.

FED Chef Ben Bernanke hatte gestern Abend die letzte Pressekonferenz seiner Amtszeit und diese hat er mit Bravour gemeistert. Im Premium-Bereich sind wir den Ereignissen intensiv mit diversen Kommentaren und Hinweisen bis in die Nacht hinein gefolgt.

Denn der Schritt der FED, die gestern ein kleines "Tapering" in Höhe von 10 Milliarden USD beschlossen hat, schafft nun für die Märkte potentiell die beste aller Welten. Und ich ziehe meinen Hut vor einer wirklich klugen Entscheidung.

Warum das so positiv für die Märkte ist, scheint auf den ersten Blick widersinnig. Hat sich dieser Markt nicht die ganze Zeit so massiv vor dem Rückfahren des Stimulus gesorgt ?

Ja das hat er und das zurecht. Es reicht aber nicht einfach zu sagen: Tapering ist gut oder schlecht. Das ist intellektuell zu schlicht, der Kontext ist wichtig !

Denn im Kern will der Markt nach wie vor einfach nur eine starke Wirtschaft mit hohen Unternehmensgewinnen. Darum dreht es sich an der Börse, auch wenn wir in diesem Jahr scheinbar nur noch über Notenbanken geredet haben.

Nun war die wirtschaftliche Lage in den US aber anämisch und die FED hat massiv ihren Stimulus hoch gefahren und damit das ganze Jahr die Aktienmärkte angeschoben, während sich gleichzeitig die Gewinnsituation der Unternehmen gar nicht in dem Masse verbesserte. So wurde die Rally dieses Jahr primär von einer Ausweitung der Gewinn-Multiples getragen, was heisst, dass der Markt den Firmen ein höheres Vertrauen entgegen bringt, dass diese in Zukunft ihre Gewinne steigern können. Der Markt hat also einen Vorschuss auf die Auswirkungen der FED Politik vergeben. Einen Vorschuss, für den die Firmen nun erst einmal liefern müssen.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn der Markt extrem nervös auf den Gedanken reagiert, dass diese "Stützräder" der Konjunktur plötzlich weg genommen werden könnten. Denn dann würde das kleine wackelige Fahrrad einfach umkippen und der Markt wäre klar überbewertet und müsste stark korrigieren.

Die Kernfrage für den Markt ist also, ob die wirtschaftliche Entwicklung in 2014 tatsächlich diesen Vorschuss rechtfertigen kann, der teilweise schon gegeben wurde. Und hier ist die Nahtstelle der Marktpsychologie, an die die FED nun in sehr intelligenter Art und Weise angesetzt hat.

Denn eine Fortführung des Stimulus ist bei dieser Sicht des Marktes ja auch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sichert die Existenz der Stützräder die aktuelle Bewertung. Andererseits müssen diese Stützräder ja irgendwann mal weg und dann muss das Fahrrad ohne fahren können. Und je länger die FED sich nicht traut, diese Stützräder wegzunehmen, desto stärker signalisiert sie, dass die Konjunktur nicht auf die Beine kommt und der Markt vielleicht zu viel Vorschuss vergeben hat.

Wenn Sie sich diese gedankliche Gemengelage mal vor Augen führen, wird schnell klar, dass die FED und Bernanke gestern eine kommunikativ brilliante Entscheidung getroffen haben.

Einerseits wurde der Einstieg in den Ausstieg erklärt. Damit wurde auch die Glaubwürdigkeit zurück gewonnen, die im September verloren ging, als alle schon mit einem Tapering rechneten und sich die FED dann doch nicht traute.

Anderseits ist der Einstieg aber mit 10 Milliarden USD so klein - es verbleiben ja weiterhin 75 Milliarden USD additiver Stimulus jeden Monat - und gleichzeitig wurde diese Entscheidung von derart weichen Aussagen zur Dauer der Niedrigzinsphase begleitet, dass damit das feste Signal gegeben wurde, die Stützräder noch auf lange Zeit für die Konjunktur weiter zu führen.

So hat die FED einerseits an ihrer Unterstützung für die Märkte nichts wirklich Negatives geändert, 10 Milliarden mehr oder weniger sind eher nebensächlich. Andererseits hat sie aber glaubwürdig kommuniziert, dass die Konjunktur sich tatsächlich verbessert und damit die Befürchtungen, dass die aktuellen Bewertungen ein zu grosser Vorschuss wären, eher unbegründet sind.

Natürlich reagiert der Markt darauf begeistert - das ist völlig logisch und rational. Wenn diese Situation anhält, ist das wirklich die beste aller Welten für Aktien, zumal es ja im Niedrigzinsumfeld keine wirklich ernst zu nehmende Alternative zur Beteiligung am Produktivkapital gibt.

Wenn heute also kein Reversal aus dem Nichts kommt - und dazu gibt es heute Morgen zum Handelsstart keinerlei Indikator - hat die FED damit mit guter Wahrscheinlichkeit den Weg für eine erneute Rally zum Jahreswechsel frei gemacht.

Was danach in 2014 kommt, ist eine andere Geschichte. Denn natürlich ist vieles von dem, was nun gefeiert wird, nichts Neues und die Märkte sind für eine Korrektur offensichtlich überreif. Im ersten Quartal 2014 werden die Karten also neu gemischt, aber diese Brücke überqueren wir, wenn wir vor ihr stehen. Nun - am heutigen Donnerstag in der früh, kurz vor Handelsstart - ist erst einmal festzuhalten, dass die Ampeln für einen guten Jahresabschluss an der Börse auf Grün stehen.

Ihr Hari

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Die Märkte und der „Junk“ Indikator

Auf unzählige Art und Weise und mit hunderten von Indikatoren, versuchen Anleger dem Markt auf den Puls zu fühlen und so dem Schicksal einen Tag voraus zu sein. Ich mag dabei vor allem die Indikatoren, die direkt den Puls des Marktes fühlen, statt nur indirekt über kompliziert herzuleitende Daten, überhaupt eine Schlussfolgerung zu ziehen, die dann wiederum interpretierbar und damit angreifbar ist.

Denn wenn man nur direkt auf die Kurse geht, ist Manipulation und Fehlinterpretation weit schwieriger, denn die Wahrheit liegt auf dem Platz und da wo echtes Geld in Bewegung gesetzt wird, ist mehr Wahrheit dahinter, als bei dem, was so am lieben langen Tag daher geredet wird.

Um zu spüren, ob der Markt gesund ist oder angeschlagen, verwende ich dabei gerne meinen persönlichen "Junk"-Indikator. Das Wort "Junk" steht dabei für die deutschen Worte Abfall, Ausschuss, Plunder, Müll und wird typischerweise als "Junk-Bonds" im Zusammenhang mit Anleihen zweifelhafter Emittenten benutzt.

Solche Junk-Bonds sind hoch gefährdet und kippen in einer echten Kreditkrise typischerweise als Erstes um. Das weiss der Markt natürlich, weswegen der Kursverlauf von "Junk-Bonds" höchst sensibel auf Stress im Finanzsystem reagiert. Wenn sich also eine neue Kreditkrise zusammen braut, werden die Junk-Bonds diese mit als erster Indikator anzeigen.

Um mir die Junk-Bonds anzuschauen, benutze ich dafür gerne den US ETF "JNK" (-> SPDR Barcleys High Yield Bond ETF <-). Und auf dessen Chart mit Wochenkerzen, das bis 2008 zurück geht, schauen wir nun einmal gemeinsam:

Junk 09.12.13

Sie sehen die grossen Kreditkrisen, sie sehen auch, dass Ereignisse wie Fukujima keine Auswirkungen hatten. Das ist auch logisch, Fukujima hat zwar die japanische Wirtschaft und damit auch weltweit Aktien betroffen, die Stabilität der Anleihen stand dadurch aber nie in Frage. Der "Junk-Indikator" hat also zum Beispiel zum Thema Fukujima angezeigt, dass es sich um eine temporäre Wachstumsdelle, nicht aber um einen fundamentalen Grund zur Sorge für die Kreditmärkte handelt.

Umgedreht sehen Sie, wie sorgenvoll der Markt auf die überraschenden Tapering Gedanken von Bernanke im Juni diesen Jahres reagiert hat. Ich habe das ja damals hier ausführlich thematisiert. Einige haben zu dem Zeitpunkt ja geschrieben, der Markt hätte da was missverstanden. Was nach meiner Ansicht völlig falsch und noch dazu von unangemessenem Selbstbewusstsein geprägt ist, denn darin steckt ja die Behauptung, dass man selber mehr als der Markt verstanden hätte. Und das ist in der Regel eine grosse Illusion. Nein, der Markt in Form all der institutionellen Anleger, hat damals sehr genau verstanden und die Implikationen schnell begriffen. Und genau deshalb hat Bernanke ja dann auch im Juli die völlige Kehrtwende vollzogen, der FED ist es wohl kalt den Rücken runter gelaufen, als sie die Reaktion der Kreditmärkte sah. Der "Junk-Indikator" hat also im Juni laut "Gefahr" gerufen und die FED ist sofort über das Stöckchen gesprungen.

Und was sagt der "Junk-Indikator" jetzt ? Völlige Sorgenfreiheit. Stress im Kreditsystem scheint derzeit nicht vorhanden zu sein. Und deswegen sind Sorgen vor dem grossen Einbruch gleich morgen oder übermorgen auch eher unbegründet.

Bitte bedenken Sie, dass der Indikator aber nur anzeigt, wie viel Stress im Kreditsystem derzeit vom Markt wahrgenommen wird. Es bedeutet nicht, dass der Markt die mittelfristige Lage richtig einschätzt. Es ist also sehr wohl theoretisch möglich, dass der Markt sich schon morgen, plötzlich und unerwartet, wichtiger Risiken bewusst wird und der JNK sich schnell nach unten bewegt.

Dieser Indikator zeigt also den subjektiv empfundenen Stress im Finanzsystem. Er zeigt nicht, ob das Finanzsystem objektiv gesund ist ! Diesen Unterschied darf man nicht übersehen. Trotzdem ist der subjektiv empfundene Stress für uns der entscheidende Faktor. Denn der macht die Kurse in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt". Die Zukunft kommt von ganz alleine. Und wenn Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems auftauchen, wird der "Junk-Indikator" schnell "Alarm" schreien, davon können Sie ausgehen. 😉

Ihr Hari

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Korrektur im DAX: Die kognitive Dysfunktion des deutschen Michels

Gestern haben wir ja die in ihrer Dynamik schärfste Korrektur im DAX seit August diesen Jahres gesehen. Das war auch überfällig und wenn sich diese nicht ausweitet, ist das eher positiv zu werten. Jeder Markt muss mal Luft schnappen, selbst einer auf Steroiden !

Auffällig war aber gestern erneut, wie viel stärker die europäischen Märkte und insbesondere der DAX zerlegt wurden, während der US Leitindex S&P500 am Ende gerade einmal 0,3% abgegeben hatte.

Die Ursache dafür müssen wir wohl auch in der tragisch niedrigen Aktienquote und der völlig fehlenden Aktienkultur in Deutschland suchen. Denn wenn wir bei SAP, Daimler und Co. von "deutschen" Unternehmen reden, ist das nicht mehr wirklich zutreffend. Es gibt viele Indikatoren, an denen man ein Unternehmen einer Nation oder einem Kulturkreis zuordnen könnte. Die Frage wo die Labore und Produktionsstätten sind, ist die eine. Und was das angeht, sind diese Unternehmen schon lange nicht mehr "deutsch", sondern international.

Die Frage wer die Inhaber des Unternehmens sind, ist aber die andere. Denn die Inhaber üben Einfluss auf das Management aus und das beeinflusst letztlich wo investiert und wo geforscht wird. Und die Inhaber "deutscher" Unternehmen im DAX sind in Mehrheit eben keine Deutschen, sondern kommen aus dem Ausland. Und davon vor allem von der Wallstreet.

Es ist schon an Absurdität kaum zu überbieten, wie der "deutsche Michel" einerseits stolz auf diese "deutschen" Unternehmen ist und aus Überzeugung mit Stern, Ringen und Co. über die Strassen fährt. Andererseits aber der Gedanke sich am Produktiv-Vermögen genau dieser Unternehmen zu beteiligen, eher ein "Igitt" auslöst und man statt dessen lieber sein Geld auf dem Tagesgeldkonto mit 100% Sicherheit entwerten lässt. "Selbstmord aus Angst vor dem Tod" ist die einzig richtige Beschreibung für dieses absurde Verhalten.

Da muss man dem "deutschen Michel" schon eine kognitive Dysfunktion bescheinigen, umgangsprachlich kann man das auch eine "geistige Fehlfunktion" nennen. Wobei ich denke, dass es auch nach 10 Jahren vor allem immer noch eher eine "posttraumatische Belastungsstörung" ist. 😉

Und wenn ich sehe, wie jetzt langsam wieder erstes Interesse bei Anleger aufkommt, die dem Aktienmarkt seit 10 Jahren fern geblieben sind, besteht die ebenso grosse, wie tragische Gefahr, dass es bald wieder Grund für ein erneutes Trauma gibt. Denn in den Aktienmarkt neu einzusteigen, war sicher in 2009 und 2010 aussichtsreicher als heute. Um das aber damals zu können, musste man sich mit dem Thema beschäftigen und nicht erst dann, wenn von jeder Titelseite von neuen Höchstständen geredet wird.

Aber wie auch immer, der Effekt ist, dass der DAX in der Hand institutioneller US Investoren ist. Und die haben eine klare Tendenz:

Sobald eine Korrektur einsetzt, sobald also der Markt in den "Risk Off" Modus geht, werden die Gelder in die US "repatriiert". Als erstes werden also "ausländische" Positionen in DAX und Co. abgestossen und dieses Geld in heimische Bluechips investiert. Was zu dem auch gestern zu beobachtenden Effekt führt, dass es in der Korrektur den DAX zerlegt, während Apple, Microsoft und Co. kaum betroffen waren oder sogar im Plus notierten.

Verstärkt wird der Effekt dann noch durch die mittlerweile dominierenden passiven ETFs. Denn vieler dieser US Investoren kaufen nicht einzelne Aktien aus dem deutschen Universum, sondern kaufen den ganzen Markt via ETF. Und aus diesem Grund konnten wir auch gestern wieder in der Korrektur beobachten, wie praktisch alles in ähnlicher Dynamik zerlegt wurde, egal ob Telekom, Bayer oder Daimler. Unterschiede wurden da nicht gemacht, weil die ETFs ihre Positionen über den ganzen Index verringerten.

Die traurige Realität - die uns gestern wieder vor Augen geführt wurde - ist also, dass wir uns für den DAX herzlich wenig Gedanken darum machen müssen, was deutsche Anleger denken. Entscheidend ist, was das "Big Money" der Wallstreet denkt. Und wenn das aus irgend welchen Gründen seine Investments "repatriieren" will, dann nützt das Grübeln und Analysieren über individuelle Geschäftsmodelle und Aktien im DAX herzlich wenig. Dann gilt einfach: mitgefangen - mitgehangen.

Der einzige Weg das zu ändern, ist die Aktienkultur in Deutschland zu heben und damit überhaupt wieder wirtschaftliche Hoheit über unser Produktivkapital zu bekommen. Einige Blogs wie dieser und ein paar wenige lobenswerte Medien arbeiten daran. Aber ohne ein Mitwirken der Politik, wird sich daran nichts ändern. Und die Politik unterliegt ganz eindeutig der gleichen kognitiven Dysfunktion, wie der "deutsche Michel".

Das ist tragisch und für unsere Volkswirtschaft schädlich, als Anleger müssen wir uns aber damit arrangieren.

Ihr Hari

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Wirtschaftlicher Analphabetismus, die Koalitionsvereinbarung und die Mietpreisbremse

Ein bissiger Kommentar zu einem aktuellen finanzpolitischen Thema und dem Koalitionsvertrag in einem Börsenblog ?

Nun es sollte die Ausnahme bleiben, aber manchmal muss es sein - auch um sich den Frust von der Seele zu schreiben. Insofern verzeihen Sie mir meine folgende Philippika gegen den wirtschaftlichen Analphabetismus in der Politik.

Denn schon in den letzten Jahrzehnten, ist eine sinnvolle Ordnungspolitik bei uns in Deutschland immer mehr zugunsten eines dirigistischen Populismus unter die Räder gekommen. Aber nun stellen die Einigungspunkte der grossen Koalition, für mich einen ebenso unrühmlichen, wie ärgerlichen Höhepunkt dar. Und ich muss meinem Unmut einfach irgendwo Luft verschaffen. Besonders tragisch ist dabei, dass der letzte Koalitionsvertrag der alten schwarz-gelben Koalition, bei mir die identischen Abstoßungsreaktionen hervor gerufen hat. Indiz dafür, dass wir es hier mit einem grundlegenden Mangel wirtschaftlichen Grundwissens in der Politik zu tun haben.

Ich könnte nun über vieles schreiben, zum Beispiel auch erneut über die Finanztransaktionssteuer, alle diese Themen hören sich ja oberflächlich gut gemeint und ehrenwert an, sind aber in der Umsetzung unter der Oberfläche eher durch wirtschaftlichen Analphabetismus gekennzeichnet. Der Unterschied zwischen „gut gemeint“ und „gut gemacht“, scheint bei vielen Politikern nicht bekannt zu sein. Die wirklich grundlegenden, strukturellen Fragen unseres Landes aber, werden nicht betrachtet und unter den Teppich gekehrt.

Unserer zukünftiger Platz in Europa - in welchem Europa eigentlich ? - geschenkt, kein Thema. Die zwingenden Notwendigkeiten um eine fehl konstruierte Währungsunion zum Erfolg zu führen - geschenkt, kein Thema. Die Folgen der Vermögensvernichtung bei den Bürgern durch die finanzielle Repression - geschenkt, kein Thema. Die absehbaren harten Konsequenzen für unsere Alterssicherungssysteme durch demographische Falle und Niedrigzinspolitik - geschenkt, kein Thema. Ich könnte endlos weiter machen. Alles kein Thema. Man hat ja genügend Placebo- und Orchideen-Themen, um dem Volk Aktionismus vorzuführen.

Ich möchte daher nur ein Muster-Beispiel für den grassierenden, wirtschaftlichen Analphabetismus heraus greifen, und wähle dafür das leidige Thema "Mietpreisbremse". Die "Mietpreisbremse" - das prophezeie ich hier - wird zu einer "Wohnraumbremse" werden und stellt für mich eine absurde "Wünsch-Dir-Was-Politik" von Menschen dar, deren Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen nach meinem Eindruck irgendwo zwischen Kindergarten und Grundschule stehen geblieben ist. Denn schon in der Grundschule wird ja mit "Panini Bildern" und ähnlichem auf dem Schulhof "gehandelt". Und Kinder die das machen, haben schon mehr von Preisfindung in Märkten und wirtschaftlicher Logik begriffen, als manch unsere Polit- oder Verbands-Funktionäre.

Das die Mieten in den grossen Ballungsräumen zu schnell steigen, ist offensichtlich und auch ein offensichtliches Problem. Wer aber ein Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge hat, wird zunächst mal die berechtigte Frage stellen, warum die Mieten das tun. Und dann bei den Ursachen ansetzen. Und wird dabei auf viele Ursachen stossen, für die der Staat die unmittelbare Verantwortung trägt - wie die exorbitant steigenden Baukosten im Neubestand durch immer höher gedrehte Dämmvorschriften. Oder eben die finanzielle Repression zwecks "Rettung" Südeuropas, die die Menschen in Immobilien flüchten lässt und so das allgemeine Preisniveau massiv treibt. Oder auch die mangelnde Bereitschaft der Städte und Gemeinden, günstiges Bauland für den Mietwohnungsbau auszuweisen.

[---> Anmerkung : Ich habe hier ein Beispiel heraus genommen, in dem ich den Fall eines Vermieters dargestellt hatte, der seine hohe Miete nun senken musste. Im Koalitionsvertrag ist aber noch ein Satz aufgetaucht, nach dem hohe Mieten Bestandsschutz haben. Damit gilt das alte Beispiel nicht mehr, dafür wird aber umgedreht ein Schuh daraus und das Ergebnis bleibt das gleiche. Denn das wird nun umgedreht dazu führen, dass Mieten noch schnell vor Einführung der "Bremse" erhöht werden, da man es danach nicht mehr so einfach machen kann. Jeder Eingriff in die freie wirtschaftliche Entscheidung, führt sofort zu einer Gegenreaktion, die das Ergebnis verzerrt und teilweise ad absurdum führt.]

Wer vermietet, will damit einen wirtschaftlichen Ertrag erzielen und daran ist zunächst nichts Unzüchtiges. Und wenn er das nicht mehr kann, wird er die Vermietung einstellen oder - noch besser - die Mietwohnung als Eigentumswohnung verkaufen. Denn der direkte Wettbewerber des Mietmarktes sind die Preise am Wohnungsmarkt. Und wenn der Vermieter beim Verkauf einer Wohnung einen schnellen Gewinn erzielen kann, den er über gedeckelte Mieten in 20 Jahren nicht herein bekommen wird, wird die Mietwohnung bei nächster Gelegenheit vom Markt verschwinden.

Die langfristigen Folgen der "Mietpreisbremse" ?

Erstens werden die Mieten in den Ballungsräumen nun kurzfristig einen richtigen Schub nach oben machen, weil die Vermieter durch den Bestandsschutz der Altmieten ein Interesse daran haben, die Mieten vor Einführung der "Bremse" so hoch wie möglich zu drücken.

Zweitens werden Wohnungen, die sich mit "Bremse" nicht mehr ausreichend profitabel vermieten lassen, vermehrt zu Eigentumswohnungen umgewidmet und verschwinden ganz vom Markt.

Drittens wird wegen der "Bremse", keine einzige Familie eine Wohnung finden, die schon jetzt im Wettbewerb um den knappen Mietraum die schlechtesten Karten hatte. Diese Familie hat auch nach der "Bremse" immer noch die schlechtesten Karten.

Viertens führen die herab gesetzten Gewinnaussichten und staatliche Gängelung nicht zu vermehrten Investitionen in den Mietwohnungsbau, sondern werden diese weiter drücken.

Fünftens werden sich die grossen Wohnungsgesellschaften die verringerten Renditen zurück holen, in dem sie bei Instandhaltung und Aufwertung noch weniger tun als jetzt schon. Die Qualität des Bestands wird weiter sinken.

Am Ende wird es in Folge der "Mietpreisbremse" also weniger Mietwohnungen geben, diese werden in der Bestandsqualität sinken und es bleiben noch stärker die Randgruppen ohne Wohnung, die bisher auch schon die schlechtesten Karten im Wettbewerb um Wohnraum hatten.

Um das als logische Folge zu erkennen, muss man kein Nobelpreisträger sein. Es reicht der gesunde Menschenverstand, der noch weiss, wie damals der Markt der Panini-Bilder auf dem Schulhof funktioniert hat. Aber selbst das zu erkennen, überfordert scheinbar viele unserer Politiker und Funktionäre.

Alles in allem ist das Thema für mich Ausdruck von grassierendem, wirtschaftlichem Analphabetismus in unseren politischen „Eliten“, den wir auch an vielen anderen Stellen bewundern dürfen. Eine fatale Mischung, die uns alle noch teuer zu stehen kommen wird.

Und ich bin unglaublich froh, dass ich nie in Mietwohnungen investiert habe. Genau aus Sorge vor derartigen Eingriffen in die wirtschaftliche Freiheit. Und nach der "Mietpreisbremse", werde ich es erst recht nicht tun. Menschen zu Investitionen in den Mietwohnungsbau zu motivieren, sieht auf jeden Fall ganz anders aus.

Wie kann man es besser machen ?

Auf vielfältige Art und Weise. Ich will ja hier nicht nur schimpfen. Ich bin bestimmt dafür, dass sich der Staat bezahlbaren Wohnraum auf die Agenda scheibt. Das ist tatsächlich ein Grundrecht und hier hat der Staat für seine Bürger sinnvollen Einfluss zu nehmen. Aber eben nicht nach so dirigistischen Logiken auf Kindergartenniveau.

Der Staat könnte mit Ordnungspolitik vieles tun.

(1)
Er könnte (über die Gemeinden) massiv billiges Bauland exklusiv für den Mietwohnungsbau ausweisen und damit die stark anziehende Grundstücksspekulation eindämmen und so das Preisniveau senken. Aber das ist aktuell ja nicht gewollt, weil da gibt es ja – ganz politisch korrekt – die "böse" Zersiedlung der Landschaft. Ob die dadurch schlimmer wird, das diverse Gülle-Äcker direkt am Ortsrand nun als billiges Bauland ausgewiesen werden, wage ich aber zu bezweifeln. Niemand wünscht sich neue Siedlungen mitten in Naturschutzgebieten und den wenigen weitläufigen Naturzonen, die uns überhaupt geblieben sind. Aber in direkter Nähe der Städte und Dörfer gibt es mehr als genug Brachland, dessen Verschwinden im Gegengeschäft gegen billigen Wohnraum zu verschmerzen wäre. Lieber Neubau als Schweine-Gülle sozusagen. Vielleicht dämmt das ja auch den Fleisch-Konsum, wäre doch auch politisch korrekt. 😉

(2)
Er könnte das Bauen und damit die Preise von Wohnraum viel billiger machen, in dem völlig überzogene Vorschriften – insbesondere im Bereich -> Dämmung <- – fallen gelassen werden. Aber auch das ist ja politisch korrekt, wir "retten" ja mit viel Styropor das Weltklima. Retten ist momentan en Vogue. Wir "retten" damit zwar auch den krank machenden Hausschimmel und schaffen Sondermüll, aber das ignorieren wir mal. 😉 Faktum ist auf jeden Fall, durch überzogene Bauvorschriften, wird Bauen über das sinnvolle Mass hinaus teurer gemacht. Unsere Eltern und Grosseltern haben in Ihren Häusern Baujahr 1890, 1930 oder 1960 auch glücklich leben können. Und besser als keine bezahlbare, ist eine grosse, billige 1930er Wohnung allemal. Und genau diese Wohnungen sterben langsam aus und daran hat der Staat erhebliche Mitschuld.

(3)
Der Staat könnte aufhören, Wohnraum auch noch durch eine gierige Steuerpolitik weiter zu verteuern. Die Grunderwerbsteuer wird erhöht und erhöht, obwohl dem keine staatliche Leistung gegenüber steht. Die gemeindliche Infrastruktur wird mit der Grundsteuer finanziert und alle Leistungen von Behörden und Ämtern, werden sowieso separat mit Gebühren belastet. Die Grunderwerbsteuer ist aber der Umsatzsteuer ähmlich und dient nur der Füllung des Steuersäckels. Und macht neuen Wohnraum so signifikant teurer. Und teurere Grundstücks- und Bau-Kosten ziehen logischerweise auch höhere Mieten nach sich. Dieser Zusammenhang ist so trivial und offensichtlich, dass man schon heulen könnte, weil er im Koalitionsvertrag kein Thema ist.

(4)
Statt Vermieter zu gängeln und zu Ausweichreaktionen zu ermuntern, könnte der Staat Vermieter mit Förderung dazu motivieren, bestimmten gesellschaftlichen Gruppen Wohnraum anzubieten. Oder er könnte anders herum bedürftige Personengruppen mit Wohngeld-Zuschüssen fördern. Eine staatlich garantierte Mietzahlung, sieht ein Vermieter dann nämlich wieder genau so gerne, wie das sichere Einkommen des kinderlosen Doppelverdiener-Paares.

(5)
Oder der Staat könnte die gute alte Eigenheimförderung wieder einführen und so genau den Familien mit Kindern zu eigenem Wohnraum verhelfen. Statt dessen werden aber über die finanzielle Repression deren Ersparnisse zwangsweise entwertet.

(6)
Und zu guter Letzt könnte der Staat auch wieder in den "sozialen Wohnungsbau" einsteigen und selber als Vermieter aktiv am Markt agieren. So schlecht war der Gedanke damals nicht und hat durchaus auch positive Effekte gehabt. Vielleicht begreift der Staat dann auch, dass viele Bauvorschriften nur Preistreiber und völlig übertrieben sind.

Das nur als Beispiele, die mir mal eben zwischen "Tür und Angel" einfallen. Ich bin bestimmt kein Fachmann für den Wohnungsmarkt und will es auch nicht werden. Und es gibt bestimmt noch viele andere sinnvolle Ideen und es kann auch gut sein, das einige der obigen Ideen auch nicht funktionieren. Aber selbst die Schlechteste der obigen Ideen, ist immer noch besser, als diese "Mietpreisbremse". Und um den Aberwitz der "Mietpreisbremse" zu erkennen, die am Ende zur "Wohnraumbremse" werden wird, muss man auch kein Fachmann sein. Es reicht schon, kein wirtschaftlicher Analphabet zu sein. Offensichtlich gibt es aber genug von dieser Spezies, sonst würde so ein Unfug nicht zur Regierungspolitik erhoben.

Wobei, ein paar letzte Mohikaner mit Verständnis für die wirtschaftlichen Grundrechenarten gibt es schon: -> Unions Wirtschaftsflügel zerreisst Koalitionsvertrag <-. Aber die haben nicht genug Macht. Unter anderem auch, weil unser Wahlrecht 10% der abgegebenen Stimmen der Bevölkerung einfach unter den Teppich gekehrt hat, die von der Tendenz her am ehesten Interesse und Sinn für wirtschaftliche Fragen hatten.

Und damit schliesse ich frustriert. Denn was wird dieser Beitrag bewirken ?

Nichts. Gegen Ahnungslosigkeit, gepaart mit überdimensioniertem Sendungsbewusstsein, kommt man halt nicht an. Die schafft sich ihre eigene Wirklichkeit. Wäre es möglich, wirtschaftliches Grundwissen staatlich zu verordnen, wäre selbst ich für staatlichen Dirigismus. 😉

So, jetzt geht es mir wenigstens ein klein wenig besser. Das musste mal raus.

Ihr Hari

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Manipulation im Goldmarkt ? Legende oder Wirklichkeit ?

Derzeit gehen wieder Nachrichten über den Ticker, nach denen nach Libor & Co., nun auch das Fixing des Goldpreises in London auf die Agenda der Aufsichtsbehörden kommt. Lesen Sie zum Beispiel hier: -> Verdacht auf Goldpreismanipulation <-

Ich möchte das zum Anlass nehmen, die Gerüchte um eine "Manipulation" des Goldpreises mal in einem persönlichen Kommentar in den Kontext zu stellen.

Denn ehrlich gesagt, schaue ich auf die Mechanismen des Londoner Fixing, wäre ich persönlich eher erstaunt, wenn da nicht auch ein wenig "geschoben" würde. Bei Libor & Co. haben wir diese Mechanismen ja schon erlebt. Wenn eine kleine Menge von Menschen so viel wirtschaftliche Macht hat, korrumpiert das halt schnell, die Versuchung ist zu gross. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand. Beweisen kann ich dergleichen natürlich nicht, das können bestenfalls die Aufsichtsbehörden. Zutiefst menschlich - und damit wahrscheinlich - ist es für mich aber schon.

Allerdings handelt es sich *wenn* etwas dran ist, dabei nach meiner Einschätzung wohl eher um die kleinteilige Manipulation auf der kurzen Zeitebene, mit der der Goldpreis mal schnell so fixiert wird, dass eigene Optionspositionen ideal profitabel aufgelöst werden können.

Mit dem grossen Trend bei Gold - der derzeit abwärts zeigt - hat das aber eher wenig bis nichts zu tun und sollte auch nicht in einen Topf geworfen werden. Auch wenn der Verweis auf "Manipulation", gerne von denen als Rechtfertigung missbraucht wird, die nun schon seit 2 Jahren auf der falschen Seite der Entwicklung beim Goldpreis stehen.

Aber auch bei dem grossen Abwärtstrend bei Gold, gibt es ja immer wieder Indizien, die dafür sprechen, dass sich grosse Marktteilnehmer da den Markt nach ihrem Gusto zurecht legen. Die wirtschaftlich eigentlich unsinnigen, riesigen Verkaufspositionen sprechen da für mich eine deutliche Sprache. Ich hatte ja zuletzt hier auf einen der vielen -> Trading Halt an der Comex <- hingewiesen. Solche grossen Verkaufspositionen machen keinen Sinn, wenn man einen guten Preis beim Verkauf erzielen will. Dann würde jeder vernünftige Mensch stückeln. Solche grossen Verkaufspositionen machen aber Sinn, wenn man den Kurs in eine bestimmte Richtung drücken will.

Ich mag dafür den Begriff „Manipulation“ aber gar nicht, der zu gerne als Entschuldigung missbraucht wird, wenn man permanent neben dem Markt liegt. Denn so kann man eigenes Versagen auf "dunkle Mächte" abschieben. Wenn derzeit grosse Marktteilnehmer so viel Feuerkraft haben, dass sie den Markt nach ihrem Gusto hin und her bewegen können, ist das erst einmal keine „Manipulation“, sondern legales Marktgebahren um Profite zu generieren. Und weil sie es können, werden sie es auch tun.

Die Kernfrage ist eher: warum ist das legal ? Denn das hat mit dem „too big to fail“ der Grossbanken zu tun. Und die gehören in meinen Augen zerschlagen, darüber habe ich ja oft genug geschrieben, zuletzt hier: -> Währungsmanipulation - Zerschlagt endlich Deutsche Bank & Co. <-

Es wäre zwingende Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass sich keine derartigen oligopolartigen Strukturen im Markt bilden können. Und dabei versagt die Politik.

Insofern sind die Aktivitäten des „Big Money“ im Goldmarkt nach meinem Eindruck keine „Manipulation“, "Big Money" schöpft vielmehr einfach seine Marktmacht aus - eine Marktmacht, die ihm die Politik gewährt. Und da liegt das Problem !

Im übrigen ist es auch etwas billig „Manipulation“ zu schreien, wenn die Kurse gegen einen abwärts laufen, aber von einem "fundamentalen Goldbullen" zu reden, wenn es nach oben geht. Denn diese Mechanismen wirken in beide Richtungen. Wenn es „Big Money“ opportun erscheint, wieder auf steigende Goldpreise zu setzen, werden wir die gleichen Einschläge grosser Orders an der Comex in die Gegenrichtung, also nach oben, erleben. Und die sind dann genau so „Manipulation“, wie das, was wir aktuell erleben.

Es stimmt also mit hoher Wahrscheinlichkeit, der Goldmarkt ist sozusagen „manipuliert“, wenn man den Begriff im Sinne "in der Hand grosser Marktteilnehmer" einsetzen will. Aber nach meinem Eindruck nicht im Sinne „böser Mächte“, die den „lieben Gold-Bullen“ töten wollen. Die „Big Boys“ wollen einfach Kohle machen und sind da ganz opportunistisch. Das wahre Problem ist, dass man Marktmacht überhaupt zulässt, die durch ihr schieres Gewicht die Bildung freier Marktpreise ausser Kraft setzen kann. Und wenn man so will, kann man das „Manipulation“ nennen, obwohl mir der Begriff dafür nicht gefällt.

Zum Abschluss noch ein Wort zu den immer wieder aufflackernden Gerüchten, die Notenbanken hätten am Goldmarkt ihre Hände im Spiel.

Sicher sind die Notenbanken am Goldmarkt auch Marktteilnehmer, sie kaufen und verkaufen ja Goldbestände im grossen Stil. Und sicher hätten die Staaten und Notenbanken am Ende auch ein Problem damit, wenn der Goldpreis so hoch schiessen würde, dass ihr Papiergeld in seiner Wertlosigkeit für jeden offenbar wird. Und wenn das so weit kommt, wird da garantiert auch gegengesteuert, zum Beispiel mit Handelsbeschränkungen beim Goldhandel oder dem generellen Verbot des privaten Besitzes. Das gab es ja alles schon und wird - wenn nötig - auch wieder kommen. Aber von dem Punkt sind wir noch deutlich entfernt und ob der Goldkurs nun derzeit 1500 oder 1300 USD ist, interessiert FED & Co. nach meiner Einschätzung eher wenig. Für die „Big Boys“ generiert so eine Bewegung aber riesige Gewinne. Und deshalb werden diese Bewegungen ausgeschöpft.

Solange also die Politik "Big Money" gewähren lässt - in den US wurde ja gerade die -> Volcker Rule <- erneut verschoben, die da deutliche Einschränkungen bewirken würde - solange müssen wir damit leben, dass die Marktpreise vor allem bei wenigen grossen Markt-Elefanten "gemacht" werden. Und je kleiner ein Markt ist, desto stärker ist deren Einfluss. Und der Goldhandel an der Comex ist im Vergleich zu den Aktien-, Renten- oder Devisen-Märkten vergleichsweise klein und damit anfällig.

Wenn wir uns auf dieses Spiel nicht einlassen wollen, sollten wir konsequent solchen Märkten wie dem Goldmarkt fern bleiben und Gold bestenfalls physisch halten. Wenn wir das Spiel aber spielen wollen, müssen wir vor allem darauf schauen, was das "Big Money" tatsächlich tut und diesem folgen. Eine andere Wahl haben wir nicht.

Und um einen Bezug zur Aktualität herzustellen, finde ich es deshalb hoch interessant, dass wir gestern im grossen Gold ETF "GLD" den grössten "Buying on Weakness" Print seit langer, langer Zeit hatten. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und "the trend is your friend - until it ends". Aber übersehen sollten wir solche Fussstapfen des "Big Money" auch nicht, denn diesem aufmerksam zu folgen, macht an den Märkten den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg.

Ihr Hari

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IBEX35 vor dem nächsten Schub ? – Update zur Bullenflagge

Der spanische Aktienmarkt in Form des IBEX35 hat uns 2013 hier auf Mr-Market sehr, sehr viel Freude gemacht.

Oft habe ich darüber geschrieben, so zuletzt am 24.09.13 unter dem Titel -> IBEX35 oder Viva España ! <- oder am 23.10.13 die aktuelle Korrektur bis ca. 9500 unter dem Titel -> IBEX35 - Der Dip der erfrischt <- angekündigt.

Nun ist es mal wieder Zeit, auch im freien Bereich auf den IBEX35 zu schauen, denn der hat in seiner Korrektur eine wunderschöne Bullenflagge gebildet, die möglicherweise letzten Donnerstag am 21.11.13 bei 9.457 ihren Tiefpunkt gesehen hat:

IBEX35 26.11.13

Noch hat der Kurs die Bullenflagge nicht verlassen, insofern steht der Ausbruch noch aus und das Tief vom 21.11. ist noch nicht endgültig bestätigt. Aber es fehlt nicht mehr viel und nächste Woche könnte dieser Ausbruch auf der Agenda stehen.

Schauen wir auf das längerfristige Chart mit Wochenkerzen seit 2009, in dem man die wunderschöne Umkehrformation des IBEX35 erkennen kann, sehen wir auch, wo das Potential liegt:

IBEX35 26.11.13 Wochen

Sollte der Ausbruch kommen, hat der IBEX35 Potential um schnell bis zur 11.000er Marke zu laufen. Das könnte im Idealfall schon bis Ende des Jahres bzw Anfang Januar 2014 erreicht sein.

Jetzt ist so eine Entwicklung natürlich nicht sicher - nichts ist sicher an den Märkten. Aber mit einer Absicherung unter dem Tief vom 21.11.13, generiert der IBEX35 aktuell ein potentiell attraktives Long-Setup, mit begrenztem Risiko nach unten.

Eine ähnliche Struktur mit nahezu identischen Implikationen, sehen wir übrigens auch im italienischen MIB40 Index. Ich ziehe aber im Zweifel den IBEX35 vor, da Spanien politisch stabiler und mit seinen Reformen auf dem richtigen Weg ist, während in Italien ausser dem bekannten politischen "Ringelpietz mit Anfassen", eher wenig an strukturellen Reformen passiert ist.

Ihr Hari

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DAX: Droht 2014 ein Crash?

Droht 2014 ein Crash?

Ein Gastkommentar von Tokay

Immer wieder liest man in jüngster Zeit davon, dass die letzte Phase im gegenwärtigen Börsenzyklus angebrochen sei. Zum Beweis dessen werden dann Sentimentanalysen, Börsenkreditstatistiken, Rohstoffpreise und dergleichen mehr bemüht. Mehrere Fragen stellen sich bei alledem: Was ist ein Börsenzyklus überhaupt? Woran kann man ihn erkennen? Und können wir erkennen, wo ungefähr wir uns im Börsenzyklus befinden? Droht womöglich nächstes Jahr ein Crash?

Also: Was ist ein Börsenzyklus? Wenn man sich den DAX, den S&P 500 und praktisch jeden anderen großen Index der Welt anschaut, dann wird man feststellen, dass sich diese Indizes in einer gewissen Abfolge von Hochs und Tiefs bewegen, also im Wechsel von Hausse und Baisse. Unter einem Börsenzyklus versteht man folglich eine Abfolge von einer Hausse und einer Baisse.

Wie lange dauert eigentlich ein solcher Börsenzyklus? Das ist nicht so ganz eindeutig. Schaut man sich die Entwicklung des DAX bzw. seines Vorläuferindex an(oder auch einen vergleichbaren Index), dann stellt man fest, dass zwischen zwei Hoch- oder zwei Tiefpunkten zwei bis acht Jahre liegen können. Im Mittel sind es gut vier Jahre.

So gab es offensichtlich in den letzten Jahren Hochs in den Jahren 2000, 2007 und 2011. Tiefs hatten wir 2003, 2009 und 2011. Somit haben wir einen Zyklus, der von 2000 bis 2003 dauerte, also etwa drei Jahre. Der Folgezyklus von 2003 bis 2009 dauerte sechs Jahre. Der zuletzt abgeschlossene Zyklus 2009 bis 2011 dauerte ca. 2 ½ Jahre, da der DAX sein letztes größeres Tief im September 2011 erreichte. Der momentan laufende Zyklus dauert bisher über zwei Jahre. Es gibt keine mathematische Gesetzmäßigkeit, anhand derer wir über die Länge des Zyklus urteilen können, noch darüber, in welche Höhen er führen wird.

Es gibt aber allgemein anerkannte Maßstäbe, anhand derer man über die Angemessenheit der Aktienbewertung urteilen kann. Ein solcher Maßstab ist das Dividendendiskontierungsmodell(Wer sich an der Dividende stört, mag sich damit behelfen, dass er von einem gewissen Teil des Jahresgewinns ausgeht, ob dieser nun ausgeschüttet wird oder nicht). Demnach gibt der Wert des DAX den Gegenwartswert der künftigen zinsadjustierten Gewinne wieder, so wie diese per heute von den Marktteilnehmern erwartet werden.

Die Entwicklung des DAX bzw. des Aktienmarktes generell hängt somit ab von

  • den Gewinnerwartungen, damit von der konjunkturellen Entwicklung im In- und Ausland im weitesten Sinn;
  • von den Zinserwartungen, damit von der Entwicklung an den Geld- und Kapitalmärkten;
  • von den Risikoerwartungen, damit von all jenen Akteuren, die die Gewinn- und Zinsentwicklung beeinflussen. Das kann die Politik der Notenbanken sein, die Politik der nationalen Regierungen, aber auch exogene Ereignisse, die sich im Zeitalter der Globalisierung unter Umständen in entlegenen Regionen der Welt abspielen können. Ob diese Erwartungen den Aktienmarkt in zyklischer Art beeinflussen, darüber können wir nur mutmaßen.

Für den Aktienmarkt wissen wir, dass dieser der Konjunktur bzw. der Gewinnentwicklung um etwa ein halbes Jahr vorausgeht. Der Konjunkturzyklus ist folglich ein Element eines Börsenzyklus. In der folgenden Grafik erkennt man den Zusammenhang:

Schaubild DAX und Industrieproduktion

Und zwischen den Zinsmärkten und dem DAX gibt es ebenfalls einen Zusammenhang. Ein hoher Anleihenzins, so sagt man, sei „Gift für Aktien“. Am Anfang einer Baisse gilt das zweifelsohne. Die deutschen Unternehmen finanzieren sich vornehmlich über ihre Banken, und diese wiederum über Inhaberschuldverschreibungen. Nun sind die die Zinsen für Inhaberschuldverschreibungen über den längsten Teil einer Baisse rückläufig. Schauen wir auf das nachfolgende Chart:

DAX Umlaufsrendite 10jährige und Leitzins ab September 1959.ods

Auch hier kann man eine zyklische Entwicklung beobachten. Wie wir sehen, ging einer Baisse im DAX zumeist ein Anstieg am Anleihemarkt voraus. Ein solcher Anstieg war in der Regel, das kann man für die letzten Bärenmärkten 2000, 2007 und 2011 feststellen, mit einer Erhöhung des Leitzinses verbunden bzw. mit einer Inversion der Zinsstruktur, welche jeweils die bis dorthin andauernde Hausse zum Erliegen brachte. Die kurzfristigen Zinsen kamen in den genannten Fällen etwa so hoch wie die Langfristzinsen zum Liegen. Interessanterweise haben die Bundesbank wie auch später die EZB nie den Leitzins erhöht, bevor nicht schon bei den Anleihen der Marktzins angestiegen war. Und damit haben wir einen sehr aufschlussreichen Indikator, anhand dessen wir feststellen können, ob demnächst eine Baisse ins Haus steht und der seit 2011 laufende Zyklus sich etwa dem Ende nähert. Die Mutmaßungen über das Ende des „Tapering“ in diesem Sommer wurden übrigens nicht zuletzt aus dem Umstand genährt, dass die amerikanischen Zinsen angezogen haben.

Wo wir im Börsenzyklus stehen, ergibt sich also gesamthaft aus einer Kombination von Konjunktur-/Gewinnzyklus und Zinszyklus. Wo stehen wir also? Während es gewisse Anhaltspunkte für eine konjunkturelle Belebung in Euroland gibt, haben wir zugleich gewisse Anzeichen, dass es mit den Anleihezinsen wieder nach oben geht. Bei einem Zinsniveau von unter zwei Prozent für zehnjährige Papiere besteht gewiss kein Grund zu übertriebener Sorge. Doch mit einer gewissen Vorsicht sollte man langsam schon auf den DAX schauen.

Hinzu kommt ein marktpsychologischer Aspekt: Unternehmensgewinne entwickeln sich überproportional zur Konjunktur. Gewinnerwartungen entwickeln sich überproportional zu den Gewinnen. Und in Baissephasen fällt die Korrektur der Gewinnerwartungen heftiger aus als in Haussephasen. Auch das sollte einem für 2014 Anlass zur Vorsicht geben.

Tokay

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Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ?

Wir sorgen uns zu Recht um 10% Gewinn oder Verlust. Wir reden vom "Crash" und verfallen in Panik, wenn der DAX mal wieder auf 5000 Punkte fällt. Im grossen, langfristigen Bild der Märkte ist das aber alles nur Rauschen. Und es ergibt sich eine höchst interessante Perspektive, mit langfristig sehr bullischen Implikationen, wenn man sich mal die Mühe macht, das ganz grosse Bild zu betrachten.

Und deshalb habe ich mir die Daten des Dow Jones Index seit 1896 besorgt. Ja, Sie lesen richtig, seit nun fast 117 Jahren in der Vergangenheit ! Die Quelle ist dabei die St. Louis FED gewesen, Sie können die Daten selber -> hier <- nachvollziehen.

In normalen Charttools bekommt man dergleichen historische Darstellungen in der Regel nicht, da ist irgendwann in den 80ern oder 90ern Schluss, weswegen ich auch Excel bemühen musste. Und natürlich arbeite ich hier mit einer logarithmischen Achse, um die prozentualen Steigerungen richtig darzustellen. Immer wieder sieht man auch bei so Langfristcharts lineare Achsen, die völlig blödsinnige Darstellungen produzieren, so als ob Börse überhaupt erst in den 80er Jahren los gegangen wäre und es vorher nur um die Nulllinie schwankte.

Und nun schauen Sie mit mir auf dieses Langfristchart des Dow Jones Index seit 1896:

Dow Historisch

Was wir sehen ist höchst beeindruckend. Es gab drei übergeordnete säkulare Bullenmärkte, der Erste endete mit dem 1929er Crash, der Zweite endete Mitte der 60er Jahre und der Dritte mit der Internet-Blase im Jahr 2000. Dazwischen lagen drei säkulare Bärenmärkte und ja, wir sind aktuell immer noch in einem säkularen Bärenmarkt bzw. zumindest in einer 10 Jahre andauernden Konsolidierung.

Jetzt darf man bei so einem langfristigen Bild natürlich auch die Inflation nicht übersehen, es ist mir mit meinen begrenzten Mitteln aber nicht möglich, diese hier korrekt einzuarbeiten. Würde man es aber tun, würde man die säkularen Bärenmärkte weit deutlicher als hier, als Bärenmärkte erkennen, denn die Menschen haben in diesen Phasen nach Inflation effektiv Geld verloren. Das ist auch für die Phase seit 2000 richtig, obwohl rein von den nominellen Zahlen her, schon wieder neue Höchststände erreicht wurden. Und die Steigung der säkularen Bullenmärkte wäre dann optisch nicht so hoch, wie es hier aussieht. An der prinzipiellen Abfolge der Marktphasen ändert das aber nichts. Und auch nicht daran, dass die säkularen Bärenmärkte irgendwann nach 15 Jahre vorbei waren.

Auch falls Sie denken, da sei ja zum Beispiel in den 70ern an den Börsen fast gar nichts passiert, lassen Sie sich nicht durch die logarithmische Skalierung täuschen. Objektiv schwankte der Dow in den 70ern zwischen 500 und 1000, also immer noch um 50% ! Sie sehen ja auch, wie im langfristigen Massstab die grossen Korrekturen im letzten Jahrzehnt aussehen - es sind in dieser Darstellung eher Petitessen und nur Konsolidierungen auf hohem Niveau. Angefühlt hat sich 2008 für uns aber anders. Und wer objektiv 50% des eingesetzten Kapitals verliert, hat die Hälfte seines Vermögens verloren, was keine Petitesse ist.

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten. Damit das passiert, braucht es aber Katalysatoren, die die Produktivität der Weltwirtschaft massiv anschieben und damit höhere Bewertungen rechtfertigen. In den 90er Jahren war das der Siegeszug der Computer und des Internets, verbunden mit der Friedensdividende aus dem Fall des eisernen Vorhangs.

Was könnte es in Zukunft sein ? Die Ergebnisse einer Biotechnologie vielleicht, die das Leben massiv verlängert, die Intelligenz der Menschen steigert und so die ganze Welt umkrempelt ?

Ich weiss es nicht. Und im grossen Bild können wir vorher auch problemlos noch einmal um 40% korrigieren. Für uns sehr schmerzhaft, im grossen Bild aber einfach nur ein paar weitere Jahre im säkularen Bärenmarkt seit 2000.

Der grosse neue Bullenmarkt kommt also noch. Und wahrscheinlich dauert es weniger als 10 Jahre, bis es wieder so weit ist. Das sagt uns dieses Chart. Vielleicht hat er auch schon mit dem Ausbruch zu neuen Hochs begonnen. Oder er beginnt vielleicht 2016, nach einem erneuten bösartigen Taucher um 40%, in dem die Verzerrungen durch die Notenbanken abgebaut werden.

Lassen Sie uns diesen säkularen Bullenmarkt aber nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über das Klein-Klein des Momentes sorgen. Und wenn wir zu Recht sagen, dass die aktuellen Kurse durch den Einfluss der Notenbanken zu weit gelaufen sind. Kurzfristig sind sie das wohl. Langfristig stehen uns die grossen Kursgewinne erst noch bevor.

Ihr Hari

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Währungsmanipulation – Zerschlagt endlich Deutsche Bank und Co. !

Heute muss ich wieder einen persönlichen Kommentar zu unserem Grossbankensystem mit Ihnen teilen.

Denn schöner, als an dem aufkommenden Skandal um -> Währungsmanipulation <-, kann man in meinen Augen nicht darstellen, wie verrottet das System der Grossbanken ist.

So wie es nun in der Fachpresse geschildert wird, scheinen Top-Devisenhändler quer durch das who's who der Grossbankenwelt beteiligt. Und auch wenn noch keine Beweise vorliegen, spricht scheinbar viel dafür, dass wir es hier mit einem Manipulationsskandal im "Libor-Ausmass" zu tun haben. Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, um einen Überblick zu bekommen.

Quelle des Übels scheint hier das sogenannte "Fixing" zu sein, in dem sich Händler verschiedener Banken zusammen schalten, um Kurse festzulegen. Aus dieser Sonderrolle heraus, entsteht für die Beteiligten grosse Macht. Und absolute Macht korrumpiert bekanntermaßen absolut.

Um sich die ganze Absurdität dieser Strukturen vor Augen zu führen, muss man sich klar machen, dass unsere Gesellschaften in der "normalen" Realwirtschaft schon vor langer, langer Zeit gelernt haben, dass oligopolistische Strukturen einen freien Markt gefährden und Preisabsprachen hart zu unterbinden sind, weil sie Monopole zementieren. Genau deswegen gibt es Kartellbehörden, um sicher zu stellen, dass der Markt seine wichtige volkswirtschaftliche Funktion weiter ausüben kann. Im Grossbankensystem scheinen nach meinem Eindruck solche oligopolistischen Absprachen dagegen zum guten Ton zu gehören. Ist ja auch kein Wunder, man trifft sich ja immer wieder im Weißen Haus mit Obama, um mal wieder "die Welt zu retten".

Wenn ich diese Zeilen schreibe, sehe ich aber gleich wieder die typische Reaktion der Öffentlichkeit vor mir, die mit der Moralkeule auf die "Bankster" zeigt, so als ob wir es hier mit einem Problem individuell "böser Menschen" zu tun hätten.

Das ist, mit Verlaub, kompletter Unsinn. Banker, auch Börsen-Händler, sind genau so Menschen wie wir alle, mit all unseren Fehlern. Einige haben Rückrat, andere sind Kriecher. Einige haben einen eigenen moralischen Wertekompass, bei anderen dominiert Geldgier über jede andere Erwägung. Und unter denen, die medial auf die "bösen Bankster" zeigen, sind Mitbürger, die schwarz arbeiten und so die Sozialgemeinschaft betrügen, Mitbürger die ihre Steuererklärung "kreativ gestalten" und Mitbürger, die kein Problem damit haben einem "dummen" Kunden in ihrem Laden, etwas völlig überteuert anzudrehen.

Moralische Schwäche ist keine exklusive Eigenschaft von Bankern. Sie ist vielmehr Teil der menschlichen Gleichung und findet sich in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen. Der entscheidende Punkt ist ein anderer.

Weil das so ist - weil nun einmal nicht alle Menschen immer moralisch sattelfest sind - weil Gelegenheit bekanntlich Diebe macht - und weil absolute Macht absolut korrumpiert, ist es wichtig in unseren Gesellschaften darauf zu achten, dass niemand so viel unkontrollierte Macht erlangt, dass diese ihn korrumpieren kann.

Und damit sind wir beim Kern des Problems der Grossbanken. Es dürfte diese eigentlich gar nicht mehr geben. Sie machen den freien Markt kaputt. Das hier nach meinem persönlichen Eindruck, vieles nicht mit rechten Dingen zugeht, kann man leicht daran erkennen, wenn man sich in der Vergangenheit die Gewinne der Grossbanken aus dem Eigenhandel (an der Börse) betrachtete. Das gab es sehr namhafte Adressen drüben an der Wallstreet, die hatten wochenlang keinen einzigen negativen Tag in ihren Handelsbüchern !

Wie absurd ist das denn ? Jeder erfahrene Börsenprofi weiss, dass es in einem freien Markt unmöglich ist, jeden Tag nur Gewinne zu produzieren. Und wer jetzt glaubt, dass das diesen Adressen ganz sauber möglich ist, nur weil sie so "tolle" Risikomanagement-Systeme haben und sowieso nur "the smartest of the smartest" bei ihnen arbeiten, der sollte auch bitte wieder an den Weihnachtsmann glauben. Solche "Dauergewinnsträhnen" sind in einem freien Markt nicht möglich. Sie sind aber möglich, wenn man so gross ist, dass man den Markt zu den eigenen Gunsten beeinflussen kann. Das Perfide ist, das muss noch nicht einmal illegal sein, unsere Politik hat ja weltweit völlig versagt, die Macht der Grossbanken nach Lehmann einzuschränken. Nein, diese Marktmacht kann auch ganz legal ausgeübt werden und ermöglicht so einen Monat ohne Verlusttag in den Handelsbüchern.

Und das ist das wahre Problem. Die Macht, die sich in solchen oligopolistischen Strukturen in den Händen von wenigen Tophändlern bündelt. Und diese Macht korrumpiert früher oder später. Und seien Sie mal ehrlich, wenn Sie die Chance hätten, mit dem Drücken weniger Knöpfe und Absprachen mit Ihnen lange bekannten Kollegen zu Multimillionären zu werden, würden Sie nicht auch in Versuchung kommen ? Ehrlich ?

Womit wir beim Kern sind. Die nach Lehmann verbliebenen Grossbanken sind zu gross und zu mächtig. Und statt an Details und Eigenkapitalquoten herum zu frickeln, gehören diese zerschlagen und ein Trennbankensystem wieder eingeführt. Und gleichzeitig die Entsprechung einer Kartellbehörde für die Finanzmärkte eingeführt, die strikt darauf achtet, dass kein Marktteilnehmer mehr so gross wird, dass er alleine durch sein Gewicht die Marktpreise beeinflussen kann.

Ich habe das in Artikeln wie -> Bankenregulierung, ein einziges Kasperletheater <- oder -> Deutsche Bank zerschlagt sie endlich <- wiederholt thematisiert. Aber auf mich hört ja keiner.

Es fehlt unserer Politik an Mut und vor allem an Kompetenz und Durchblick, um sich nicht von den immer gleichen Angstgeschichten verunsichern zu lassen, mit denen das Grossbankensystem seine Existenz zu schützen versucht. Ich frage erneut, wo wären wir wohl aktuell, wenn die tausenden Milliarden der Notenbanken in den letzten 4 Jahren nicht in das Bankensystem, sondern direkt in die Realwirtschaft gekippt worden wären, in dem man die Grossbanken bewusst umgeht und kurzschliesst ? Und in dem man einfach die Konten mit den Gelddruckmaschinen der Notenbanken garantiert, statt die Lquidität in den schwarzen Löchern der Grossbanken zu versenken ?

Statt dessen wird an lächerlichen Placebos wie der Finanzmarkttransaktionssteuer herum gemacht, die genau diese Händler im Londoner Fixing nie treffen wird, dafür aber den normalen Bürger, der sich versucht am Aktienmarkt eine Altersversorgung aufzubauen.

Gerne wird ja auch von "linker" Seite immer dieses Märchen von den "wild gewordenen" Märkten erzählt, die man ja bändigen müsse. Die Wahrheit ist, wir haben gar keinen freien Finanz-Markt mehr. Wir haben nach meinem persönlichen Eindruck oligopolistische Marktstrukturen, die sich gegenseitig wie die Krähen kein Auge auskratzen. Und die mit dem Finanzbedarf der Staaten eine ungute Symbiose eingegangen sind. Man braucht sich gegenseitig und stützt sich so.

Und deshalb erleben wir alle diese Skandale und Exzesse. In einem freien Markt, in dem keiner zu viel Macht hat, wären diese Exzesse gar nicht möglich, der Wettbewerb würde sie unterbinden. Und wenn wir dieses Kernproblem nicht schnell angehen und das Grossbankensystem in kleinere Einzelteile zerlegen, zwischen denen Wettbewerb herrscht, wird die nächste grosse Krise mit Sicherheit kommen. Und die hat dann das Potential, unsere westliche, freiheitliche Gesellschaftsordnung komplett zu zerlegen.

Ist das ernsthaft ein Preis, den wir in der Zukunft zahlen wollen, nur weil wir heute mutlos und konzeptlos sind ?

Ich schreibe allen, die sich vom Grossbankensystem einreden lassen, wie "wichtig" integrierte Grossbanken seien, noch einmal ins Stammbuch:

Die Welt hat lange mit einem Trennbankensystem gut gelebt. Bis Bill Clinton 1999 den -> Glass-Steagall-Act <- endgültig aufgehoben hat, der schon in den Jahren vorher, mehr und mehr durchlöchert wurde. Und nun schauen Sie mal, wie seit dem die Blasen in immer engeren Abständen wachsen und platzen. Glauben Sie wirklich, da sei keinerlei Zusammenhang ?

Ihr Hari

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S&P500, Dollar und DAX – Die grosse Marktlage auf einen Blick

Das Debt Limit Debakel in den USA liegt hinter uns und das Jahresende vor uns. Die FED drückt weiter monetären Stimulus in den Markt und der Begriff "Tapering" dürfte bis auf weiteres zu den bedrohten Arten gehören. Die Marktteilnehmer wetten schon jetzt auf die grosse Jahresendrally und treiben die Kurse nach oben.

Grund genug, mal wieder das grosse Bild der Märkte in den Blick zu nehmen. Denn das die breiten Indizes der Aktienmärkte nun auf kurzfristiger Zeitebene nach oben überdehnt sind, erfordert keinen Raketenwissenschaftler und kann jeder erkennen - das ist so offensichtlich, das es schon weh tut. Wären wir in einem Markt ohne den Einfluss der Notenbanken, könnte man nun mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine bald bevorstehende Korrektur setzen.

Nur ist das nicht die Realität und es führt deswegen auch nicht weiter, den Markt so zu betrachten, als ob dieser Faktor nicht im Spiel wäre. Denn der Feuerschutz der Notenbanken ist so etwas wie eine massive Unterstützung für die Bullen. Der Markt weiss, dass jeder grössere Absturz sofort mit noch mehr Stimulus von den Notenbanken beantwortet wird. Und weil das so ist, gehen die Marktteilnehmer heute weit höhere Risiken auf der Long-Seite ein, als sie es ohne den Feuerschutz der Notenbanken tun würden.

Das ist weniger ein monetärer, als ein psychologischer Faktor. Und dieser Faktor führt dazu, dass die Märkte nun bezogen auf die reale Wirtschaft da draussen eher überbewertet sind - Ausnahmen in bestimmten Segmenten vorbehalten. Daraus aber nun den Schluss zu ziehen, dass der Bulle zwangsläufig bald vorbei ist, ist verfehlt. Und noch schlimmer, darauf nun blind zu wetten und die Indizes zu shorten, kann ins Desaster führen. Denn eine Überdehnung kann weit länger andauern, als es ihr Depot und ihre Nerven aushalten.

Und objektiv hängt alles am Vertrauen in die Fähigkeit der Notenbanken, diesen Markt abzusichern. Solange die Marktteilnehmer davon überzeugt sind, werden sie weiter hohe Risiken eingehen und jeden Dip als Kaufgelegenheit betrachten. Und erst wenn dieses Vertrauen beschädigt wird, wird es wohl so richtig ungemütlich am Aktienmarkt. Wann dieser Tag kommt, kann Ihnen niemand sagen. Und alle die heute mit konkreten Daten vom "grossen Crash" fabulieren, sind nicht ernst zu nehmen. Einige reden seit 2009 davon und haben so einen der grössten Bullenmärkte überhaupt verpasst.

Statt zu raten und zu fabulieren, sollten wir uns daher mal emotionslos an der Realiät orientieren, wie sie uns aus den Charts entgegen schaut. Fangen wir mit dem weltweiten Leitindex S&P500 ín Darstellung mit Tageskerzen an:

S&P500 25.10.13

Sie sehen die gesamte, eindrucksvolle Aufwärtsbewegung seit November 2012. Ein perfekter Aufwärtstrend mit immer neuen, höheren Hochs. Sie sehen auch den Trendkanal, in dem sich der S&P500 bewegt und an dessen oberer Grenze wir uns wieder befinden. Dieser Trendkanal hat bisher zuverlässig funktioniert. Und es gibt bisher keinen - absolut keinen - belastbaren Indikator, warum er nicht weiter funktionieren soll. Ausser raten und fabulieren, aber das sind keine belastbaren Indikatoren.

Auch wenn sich das auf den ersten Blick verrückt anhört, wer nun einen Crash auf dem Radar hat, sollte hoffen, dass der S&P500 nun aus diesem Trendkanal dynamisch nach oben ausbricht und die 2000er Marke ins Visier nimmt. Wenn das passiert, hat das ganz klar den Charakter einen euphorischen "Runaway-Moves", der typischerweise später in einem euphorischen Top mit folgendem Kater endet. Solche Bewegungen enden selten gut und der Abbruch kommt völlig überraschend und ohne Vorwarnung. Wenn das passiert, wird erst massiv Geld dem Momentum des Marktes hinterher laufen und es wird ein Feuerwerk zum Jahresende geben. Der Kater folgt dann spätestens 2014.

Anders herum, wenn der Markt nun aber den Trendkanal respektiert und zur Gegenbewegung ansetzt, ist das völlig normal und es gibt keinen Grund, warum dieser Bullenmarkt dann nicht noch erheblich länger leben soll. Und mit gesunden Korrekturen kann dieser Bullenmarkt auch DAX 10.000 und S&P500 2000 erreichen, ohne in den Crash-Modus zu wechseln. Wie oben gesagt, entscheidend ist dafür das Vertrauen in den Feuerschutz der Notenbanken. So lange der da ist, werden die Marktteilnehmer massive Risiken an den Asset-Märkten eingehen. Und ein Ende dieses Feuerschutzes ist nicht absehbar, ausser eben in der Phantasie einiger Crash-Propheten.

Wie die Methode der "Crash-Propheten" funktioniert, sollten aufmerksam Leser bemerkt haben. Man "prognostiziert" irgend etwas Extremes und Eindrucksvolles. Glatte Kursmarken sind dafür besonders geeignet. Man hat zwar keine Ahnung von der Zukunft wie wir alle, diese geistige Leere ersetzt man aber durch argumentative Bugwelle und religiös anmutende Überzeugung. Wenn dann in der Regel der Fall nicht eintritt, redet man nicht mehr darüber und die Leser vergessen es. Im folgenden Jahr kommt man mit der gleichen Logik um die Ecke, hat nur den Crash um ein Jahr verschoben. Auf die Vergesslichkeit der Menschen zu setzen ist einfach erfolgsträchtig. Und wenn der reine Zufall mal irgendwann eine der Prognosen eintreten lässt - und irgendwann wird das definitiv geschehen - dann macht man natürlich viel Lärm um die "tolle Prognose" und lässt sich als Guru feiern. Früher nannte man diese Leute auf dem Jahrmarkt: Gaukler.;-)

Aber zurück zum Markt. Entscheidenden Einfluss auf die Frage, ob wir in eine euphorische Übertreibung eintreten oder nun eine Korrektur folgt, dürfte die Welt-Leitwährung Dollar haben. Im US Dollar Index stellt man das Verhältnis des Dollar zu einem Korb anderer Währung dar und den wollen wir uns nun mal im Chart mit Wochenkerzen anschauen:

US Dollar Index 25.10.13

Sie sehen, dass sich der US Dollar Index einer wichtigen Unterstützung nähert und für eine Gegenbewegung reif ist. Wenn diese Gegenbewegung bald kommt, dürfte das Druck auf die Aktienmärkte ausüben und die oben skizzierte, gesunde Korrektur auslösen. Besonders davon gefährdet dürfte unser DAX sein, dazu aber weiter unten mehr.

Wenn diese Unterstützung aber nicht hält, dürfte der Dollar dynamisch an Wert verlieren. Diese dynamische Bewegung wird zunächst die Indizes weiter befeuern und das Szenario des euphorischen Schubs wahrscheinlicher machen. Nach einiger Zeit könnte das aber den Charakter einer Währungskrise annehmen und dann drehen sich die Geldströme um. Die Folge ist dann das oben skizzierte euphorische Top mit dem nachfolgenden bösen Kater. Auch hier ist Europa besonders gefährdet, denn ein immer teurerer Euro schadet massiv der deutschen Exportindustrie, ein Faktor, über den der Markt im Moment hinweg schaut.

Und warum ist das so ? Warum schaut der Markt im Moment darüber hinweg ? Ganz einfach, weil der DAX im wesentlichen von Zuflüssen aus den US getrieben wird. Und nicht von deutschen Anlegern, die diesen Zusammenhang eher sehen. Aus Sicht der US amerikanischen institutionellen Investoren verliert der Dollar aktuell an Wert. Und sie sichern sich dagegen ab, in dem sie ihre Gelder in den Euro leiten, insbesondere in die europäischen Aktienmärkte, die entweder wie der DAX mit guten, profitablen Unternehmen versehen sind oder wie Spaniens IBEX35 auch noch massiven Nachholbedarf haben.

Deswegen steigt der DAX trotz des negativen Währungseffektes. Es sind die Geldströme vom Dollar in den Euro. Und wenn diese sich umdrehen, ist es mir der Herrlichkeit des DAX ganz schnell vorbei. Und deshalb ist es auch für die mittelfristige Marktsicht völlig unzureichend, den DAX rein vom Chart her zu betrachten. Man unterschlägt damit, was die Hausse wirklich treibt - ein Verständnis der Geldströme und des Dollar ist zwingend nötig, wenn man die Märkte im grossen Makrobild betrachten will.

Schauen wir auf das Chart des DAX mit Wochenkerzen, um das oben gesagte einzuordnen:

DAX 25.10.13

Sie sehen seit 2011 den massiven, zulaufenden Trendkanal. Und Sie sehen, dass der Index ganz am oberen Ende dieses Kanals ist. Wenn es von hier direkt weiter nach oben geht, hat das ganz klar den Charakter eines euphorischen Schubes. Und dieser Schub kann nur stattfinden, wenn US Geld weiter massiv in den DAX fliesst, er korreliert also mit einem schwachen Dollar und einem starken Euro.

Bis dann irgendwann die ersten Wirtschaftsdaten aufzeigen, dass der starke Euro hier die sowieso zweifelhafte Konjunktur wieder abwürgt. Dann wird der Markt mit einem Ruck aufwachen und dieser Ruck ist dann das Top und die folgenden, brutale Korrektur mit realer Crash-Gefahr setzt ein.

Wenn dagegen das Wünschenswerte passiert und der Dollar nun bald dreht, wird auch im DAX endlich eine Korrektur einsetzen, die nur zu begrüssen ist. Denn diese Korrektur ist zwingend notwendig, damit der DAX die reale Chance hat, ohne folgenden Kater, ruhig weiter hoch zu laufen.

Fazit:

Die wesentlichen Aussagen sind also:

(1) Wer sich ein stabiles Finanzsystem und einen gesunden, weiter andauernden Bullenmarkt wünscht, sollte auf eine baldige Korrektur hoffen, die wahrscheinlich einen steigenden Dollar als Katalysator braucht.

(2) Kommt diese Korrektur, gibt es aus heutiger Sicht keinerlei Grund, einen Crash an die Wand zu malen. Sicher ist immer alles möglich, aber dieser Bullenmarkt kann noch lange laufen und es gibt aktuell keinerlei ernst zu nehmende Indikatoren, die das Gegenteil anzeigen.

(3) Wenn der Markt nun aber nicht korrigiert, sondern weiter hoch läuft und dabei sogar noch an Steigung zulegt, steigt die Crash-Gefahr zunehmend. Auch diese euphorische Überdehnung kann noch Monate andauern und die Indizes in ungeahnte Höhen bringen, es wird dann aber immer schwieriger, diese Bewegung als rational denkender Mensch mitzugehen.

Ich wünsche mir Szenario (3) deshalb nicht. Auch wenn auf dem Papier hohe Kurse stehen würden, gleicht das die Risiken und damit verbundenen Probleme nicht auf.

Aber der Markt macht nicht, was ich will. Er macht, was er will - so ist er halt unser Mr. Market. Und in der Epoche der Notenbank-Bomber mit Geldsäcken sowieso .... 😉

Ihr Hari

PS: Für die Premium-Mitglieder sind obige Erkenntnisse nichts Neues. Auf diesem Niveau besprechen wir die Märkte jeden Tag. Und viele profitable Einzelaktien und ETFs dazu. "Hari Live" begleitet die Mitglieder intensiv durch den Börsentag.

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Food-for-thought bei der ING-DiBa

Ein "Sponsored Article" von Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa

Die Weltwirtschaft ächzt und krächzt noch immer. Die USA haben gerade mal wieder den Kopf aus der Schlinge gezogen und ihre Schuldenkrise um drei bis vier Monate vertagt, Europa kämpft noch immer mit den Problemen der Krise und auch in Deutschland fragt man sich, wie es in den kommenden Jahren weiter gehen soll. Bleibt Deutschland der Wachstumsmotor im Euroraum oder schlafwandeln wir uns gerade wieder zum kranken Mann des Europas 2020?

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Große Fragen, die am 15. Oktober anlässlich des vom Europäischen Wirtschaft Verlags ausgerichteten „Wirtschaftsdialog 2013“, welcher im LEO-Gebäude der ING-DiBa stattfand, diskutiert wurden.
Der Abend bei der ING-DiBa fand in einem illustren Kreis von gut 200 Unternehmern, Managern und Bankern statt und war gespickt mit etlichen Reden und einer Paneldiskussion. Das eigentliche Thema des Abends war „Finanzplatz Deutschland“, aber schnell sollte deutlich werden, dass diese Perspektive zu eindimensional ist. Den Finanzplatz Deutschland kann es nur in einem funktionierenden europäischen Umfeld und mit einer starken deutschen Konjunktur geben.

Überraschenderweise gab es eine große Übereinstimmung über die Notwendigkeit weiterer europäischer Integration. Der Mangel an einer Vision für Europa und der Befragung der Bürger wurde allerdings kritisiert. Wie nicht anders zu erwarten, gab es natürlich die verschiedensten Rezepte für eine tragfähige Zukunft Europas. Vom reinen Verbund nationaler Staaten bis hin zum europäischen Superstaat, alles scheint möglich. Interessant war vielleicht noch der Blick auf die andere Seite des Atlantiks. Die USA sind die einzige funktionierende Währungsunion, die es im Augenblick gibt, und könnten Europa zumindest die Richtung angeben. Elemente der amerikanischen Währungsunion sind nämlich u.a. regionale Schuldenbremsen, ein gemeinsamer Bankenabwicklungsfonds, eine gemeinsame Einlagensicherung, eine gemeinsame Sprache, ein zentraler Haushalt und Banken, die nicht in regionale Anleihen sondern Bundesanleihen investieren. Einige dieser Elemente gibt es mittlerweile im Euroraum, andere werden noch kontrovers diskutiert. Natürlich muss Europa nicht per se den amerikanischen Weg gehen. Ein Blick über den großen Teich ist aber auf jeden Fall die Mühe wert.

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Die Renovierung des europäischen Hauses ist jedoch nicht die einzige Herausforderung für Deutschland und auch die neue Bundesregierung in den kommenden Jahren. Deutschland muss auch seine eigenen Hausarbeiten erledigen. In den letzten Jahren hat sich unbemerkt wieder ein kleiner Reformstau aufgebaut. In aktuellen OECD-Studien zur Durchführung neuer Reformen rangiert Deutschland langsam wieder am Ende. Die vielleicht größte Aufgabe ist wahrscheinlich das Schließen der Investitionslücke. Die neue Regierung hat die einmalige Chance endlich mal in guten Zeiten neue Reformen anzustoßen und nicht erst auf die schlechten Zeiten warten zu müssen. Dabei müssen wir natürlich nicht an neue Anlageinvestitionen denken, sondern vielmehr an Investitionen in Bereichen wie Energie, Verkehrsinfrastruktur und Bildung.

Die große Frage ist jedoch, wie und ob die Investitionslücke geschlossen werden kann ohne Steuererhöhungen und neue Verschuldung. Die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen, dass Deutschland gerade in den letzten Jahren an den Finanzmarkten gewonnen hat mit solider Haushaltspolitik sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

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Die Antwort auf „wer soll das bezahlen“ erfordert also einige Kreativität. Ein Lösungsansatz besteht zum Beispiel darin, nicht alle Verantwortung für neue Investitionen beim Staat zu legen, sondern auch den Privatsektor zu involvieren. Hierbei könnte der Staat unterstützend auftreten. In diesem Zusammenhang wurde eine Idee längere Zeit diskutiert: wie kann man Privatvermögen für Realinvestitionen frei machen. In der aktuellen Niedrigzinsperiode gibt es eine immer grösser werdende Suche nach Rendite. Mehr Rendite bedeutet natürlich auch mehr Risiko, aber es ist vorstellbar, dass vorhandenes Kapital z.B. bei Versicherungen und Privaten eingesetzt wird für neue Investitionsprojekte. Diese Umverteilung von Kapital hat viel Charme. In der Diskussion wurde aber auch deutlich, dass die Geister sich bei der praktischen Ausführung noch scheiden. Wie wahrscheinlich so häufig an solchen Abenden wurden leider wieder mal keine Krisen gelöst. Denkanstöße und food-for-thought gab es jedoch zu Genüge.

Carsten Brzeski ist Chefvolkswirt der -> ING-Diba <-. Davor war er unter anderem als Senior Economist bei ABN Amro und als Economist bei der Europäischen Kommission tätig.

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Gold und Dollar in unerwarteter Richtung

11:00 Uhr. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie es der Markt schafft, genau das zu tun, was die Wenigsten erwarten.

Es ist aber auch logisch, dass es so sein muss, denn in Richtung der erwarteten Bewegung sind ja alle schon positioniert und insofern können sich auf diesem Pfad nur noch schwerlich neue Käufer finden. Das ist die verflixte Reflexivität der Märkte, Märkte die letztlich nur die Spiegelbilder unserer Wünsche, Hoffnungen und Ängste sind. Und deswegen kämpfen wir auch letztlich gegen uns selber, wenn wir gegen den Markt ankämpfen.

Nun haben wir wieder neues Anschauungsmaterial für diese unheimliche Fähigkeit des Marktes. Gestern ist endlich das Debt Limit vom Radar verschwunden und nun kann der Markt uns seine neuen Karten zeigen. Er muss sich nun entscheiden, wie es zum Jahresende weiter geht und ob er nun in bestimmten Sektoren eine fundamentale Wende vollzieht.

Vor der Debt Limit Diskussion war die Überlegung logisch, dass der Dollar durch die Unsicherheit geschwächt wird - wir konnte das ja im EURUSD Kurs schön beobachten - und gleichzeitig Gold eine temporäre Stütze erfährt, weil Gold das ultimative Krisenmetall ist - inbesondere wenn die Weltleitwährung ein strukturelles Problem hat. Nach der strukturellen Lösung dieser Debt Limit Belastung, sollte sich diese Korrelation dann wieder umdrehen. Und da Gold selbst mit dieser Stütze nicht richtig vom Fleck kam, war es logisch anzunehmen, dass sich danach der Absturz fortsetzt.

So habe auch ich lange gedacht und das hier kommuniziert, denn das ist logisch. Allerdings weiss ich auch, dass letztlich der Preis der ultimative Richter ist und ich kenne die Fähigkeit des Marktes gut, das Unerwartete zu tun. Und mir war klar, dass das Sentiment in Gold so schlecht ist wie lange nicht, selbst die Gold-Bugs zweifeln und es scheint, als ob sich der ganze Markt in eine Richtung lehnt. Was aufgrund der Reflexivität impliziert, dass diese Richtung nicht mehr eintreten kann - zumindest nicht sofort, wenn alle damit rechnen.

So habe ich schon gestern die positive Bewegung und die sich aufbauende inverse Schulter-Kopf Formation bei Gold bemerkt und in Hari Live kommunziert. Auch die Schwäche des Dollar habe ich heute früh bemerkt und alle "Long Dollar" Wetten sofort glattgestellt.

Und nun schauen Sie mal im Chart mit Stundenkerzen, was Gold gemacht hat:

Gold 17.10.13

Diese Bewegung ist keineswegs irrational. Denn machen Sie sich bitte klar, dass die "Long Dollar nach Lösung" Logik von einem Szenario ausging, in dem eine saubere Lösung für das Debt Limit gefunden wird. Das ist aber nicht der Fall, die Blechkanne wurde erneut nur wieder etwas die Strasse herunter gekickt. Und die "Short Gold" Logik ging davon aus, dass das Tapering zwar aufgeschoben ist, aber nun bald kommen wird. Auch das scheint nun aber nicht der Fall, zu gross ist der konjukturelle Schaden durch die politische Schlacht in Washington. Und zu guter Letzt hat die Herabstufung der USA durch die chinesische Ratingagentur hier möglicherweise als Katalysator mitgewirkt.

Ich sage ja immer, wir sollen auf den Markt hören und ihm folgen. Und Mr. Market sucht nun gerade die neue Richtung. Die sichtbare Bewegung entspricht einer neuen Interpretation des Marktes und die lautet so:

1. Tapering wird es in 2013 nicht geben. Frühestens 2014 wenn überhaupt.
2. Eher wird durch die FED beim Stimulus nachgelegt, weil die Konjunktur nicht vom Fleck kommt.
3. Der politische Gridlock in Washington bleibt bestehen und der nächste Kampf um den Jahreswechsel wird noch giftiger ausfallen.

In Summe setzt der Markt also auf noch mehr Droge, noch mehr Stimulus, noch mehr von allem, was letztlich die Währung entwertet. Der "Race to the bottom" ist in vollem Gange.

Das scheint das Bild der Marktteilnehmer zu sein, die jetzt Gold hochkaufen und den Dollar verkaufen. Ob die sich damit durchsetzen, müssen wir sehen. Das sind nur die ersten Bewegungen und es dauert wohl ein paar Tage, bis sich die neue Richtung etabliert und am Markt durchgesetzt hat. Und die ersten Bewegungen weisen nicht immer in die richtige Richtung.

Insofern können diese Bewegungen durchaus eine Eintagesfliege sein, die sofort negiert wird, sobald die Marktelefanten heute Nachmittag das Spielfeld betreten. Aber trotzdem sollten wir diese Bewegungen erst nehmen. Es sind die ersten Vorboten der Neuorientierung des Marktes nach dem Debt Limit Chaos.

Und zum Jahresende werden wir nur dann Geld verdienen können, wenn wir diese Neuorientierung schnell verstehen und unsere Aufstellung gedanklich flexibel danach ausrichten. Gegen den Markt kann man kein Geld verdienen, die Strassen im südlichen Manhattan sind gepflastert mit den Leichen von Leuten, die klüger als der Markt sein wollten.

Hier im Premium Bereich will ich Ihr Guide sein, diese neuen Trends frühzeitig zu erkennen und profitabel daran teil zu haben.

Ihr Hari

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Über Algos, unfreie Märkte und die Guillotine der Kurse

Kurz vor Handelsstart an diesem Mittwoch, haben wir noch einen Tag bis zum Erreichen der Schuldengrenze in den USA. Und keine wirklich Einigung in Sicht. Die Parteien sind in ihren Schützengräben eingegraben.

Der Markt hält aber störrisch an seiner Sicht fest, das es keinen Grund gibt sich zum US Debt Limit Fiasko sorgen. Wahrscheinlich ist bei vielen Marktteilnehmern die Sorge grösser, die nächste Rally zu verpassen, als die Sorge vor einem Desaster an den Anleihenmärkten. Der Markt ist durch die Eingriffe der Notenbanken nun wie ein pawlowscher Hund dressiert, jeden Dip kompromisslos zu kaufen.

Zwei weitere Faktoren spielen bei der Gelassenheit des Marktes sicher auch eine Rolle:

Auf der einen Seite die immer mehr dominierenden Algos, die stur nach technischen Parametern agieren und so die Trends verstärken. Und der Trend ist aufwärts. Die Algos interessiert nicht, was wir Menschen über die politische Dysfunktionalität in Washington denken und welche langfristigen Folgen wir dem beimessen. Die Algos starren auf die Kurse und die steigen.

Und auf der anderen Seite gibt es noch den Recency Bias des Marktes, der dieses politische Kasperletheater schon mehrfach erlebt hat. Und der immer wieder erlebt hat, dass sich dann doch in der letzten Sekunden geeinigt wurde. Warum soll es dieses Mal also anders sein ?

Ausserdem ist da ja noch die FED. Die wird sowieso aus allen Rohren schiessen wenn nötig, das Wort "Tapering" dürfte nun auf die Liste der bedrohten Arten kommen. Und es gibt vielleicht auch noch eine kleine Wildcard, um das Problem im schlimmsten Fall "kreativ" lösen zu können.

Denn die FED ist ja durch die Ankäufe der Staatsanleihen ein grosser Gläubiger der US in einer Grössenordnung von Billionen Dollar. Diese "Schulden" der US sind für die FED aber einfach ein Buchungsposten in ihrer Bilanz. Und klar, wenn der einfach ausgebucht wird, kommt die FED Bilanz wohl in Schieflage, aber interessiert das irgend jemanden ? Die FED ist ja kein Wirtschaftsunternehmen, sondern hat unbegrenzten "Kredit" und zwar bei ihren eigenen Gelddruckmaschinen.

Würde die FED auf diese Forderungen gegen den US Staat verzichten, wäre das Debt Limit auf einen Schlag weit weg und den Extremisten bei den Republikanern wäre ihr Druckmittel aus der Hand geschlagen. Jetzt würde so ein Schritt unzählige juristische und fiskalpolitische Fragen aufwerfen. Und die FED würde damit endgültig den Boden seriöser Notenbankpolitik verlassen. Aber hat sie das nicht schon längst ? Die eher vorsichtigen FED Gouverneure werden so einen Schritt aber sicher nur dann andenken, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt und dieser Tag ist (noch) nicht heute.

Ein Notausgang könnte dieses Szenario aber schon darstellen. Viele gute Gründe für den Markt also, trotz des Wahnsinns der politischen Kaste in Washington ruhig zu bleiben.

Nun hat der Markt in der Regel recht. Aber manchmal - sehr selten, aber es kommt vor - liegt der Markt in einer Form kollektiver Illusion auch völlig daneben. Und das sind diese Momente, in denen die grossen Abstürze einsetzen, wenn der Markt seine Fehleinschätzung plötzlich bemerkt. Und dieses Risiko besteht aktuell.

Denn die Parteien in Washington sind so ineinander verbissen, dass es nun schon eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass der Default zumindest technisch für ein paar Tage eintreten wird, bevor man irgend eine "Pseudolösung" zusammen schustert.

Und hier kommen wieder die Algos ins Spiel. Es würde jetzt reichen, dass eine der grossen Adressen der Wallstreet heute oder morgen oder übermorgen beschliesst: "jetzt reicht es". Die dann folgenden Verkäufe würden die Algos sofort erkennen und selber verkaufen. Und so setzt sich eine Kettenreaktion in Gang. Eine Kettenreaktion die im Jahr 2013 mit seiner Dominanz der algorithmischen Handelssysteme noch schneller und härter ablaufen würde als 2008.

Wir müssen uns einfach klar machen, dass auch wenn der Markt mit seiner Ruhe wahrscheinlich wieder Recht hat, diese Möglichkeit nun ganz real besteht. Und wer nun ungesichert und mit Dollars in den Augen voll Long im Markt investiert ist, legt seine Hand sozusagen unter eine Guillotine, deren scharfes Messer von dünnen, angewetzten Fäden gehalten wird.

Und einen weiteren Aspekt sollten Sie nicht übersehen. Das institutionelle Geld, das auf eine Lösung und eine anschliessende Rally setzt, ist wohl weitgehend im Markt. Wenn die Lösung dann kommt, kann es gut sein, dass es gar nicht mehr so viele potentielle Käufer gibt und die Rally dann in einer klassischen "Sell the News" Reaktion ausfällt. Das ist um so wahrscheinlicher, als mit jedem Tag an dem die US tiefer ins Schlamassel geraten, die Chance für eine saubere, langfristig tragbare Lösung geringer wird. Was dann unter Not zusammen geschustert wird, dürfte eher ein "Quick Fix" sein, der das Problem nur verschiebt.

Summa Summarum gibt es gute und rationale Gründe, das derzeitige Kursniveau zur Absicherung und Reduktion der Risiken zu nutzen. Auf die Short-Seite sollte man aber erst wechseln, wenn der Markt wirklich fällt. Und ob das passieren wird, ist in Anbetracht der riesigen Geschützrohre der FED die auf uns gerichtet sind, äusserst fragwürdig.

Mit einem gesunden, freien, in sich aufgrund wirtschaftlicher Parameter schwingenden Markt, hat das auf jeden Fall alles nichts mehr zu tun, was wir hier dank der permanenten Interventionen von Politik und Notenbanken im Jahre 2013 erleben dürfen. Freie Märkte ? Das ich nicht lache !

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US Schuldenstreit: Kinder mit Massenvernichtungswaffen

Eine hektische und volatile Börsen-Woche liegt vor uns. Das zu erkennen, erfordert wirklich keine prophetischen Fähigkeiten.

Auslöser ist dabei der US Schuldenstreit, der auf eine finale Eskalation zuläuft, wenn am Donnerstag formal die Schuldengrenze der US erreicht wird.

Das Verhalten der US Politiker, vor allem im Kongress aber auch im weissen Haus, wirkt dabei auf mich wie das Verhalten von Kindern, denen man Massenvernichtungswaffen in die Hand gedrückt hat.

Und dass das überhaupt möglich ist, liegt daran, dass die Eltern noch nicht aufgetaucht sind und den Kindern klipp und klar erklärt haben, dass das Taschengeld für die nächsten Monate gestrichen ist, wenn sie nicht sofort aufhören, derartig mit dem Schicksal der Welt zu spielen.

Denn die Eltern, das sind letztlich die Finanzmärkte. Sobald die Abgeordneten und Senatoren - von denen man vielen nachsagt Millionäre mit dicken Aktienportfolios zu sein - in ihren Depots erleben würden, wie ihr Vermögen hinweg schmilzt, wäre eine Lösung dieses Kasperletheaters wohl ganz schnell da.

Die Märkte aber halten immer noch still und das hat einen Grund. Es sind nach meiner Einschätzung die verwobenen Interessen der US Grossfinanz, von denen keiner ein Interesse daran hat, Öl ins Feuer zu giessen, da man durch den folgenden Brand selber vernichtet würde. Umgedreht wären nun aber lodernde Flammen dringend nötig, um diesen Kindern endlich Vernunft einzubläuen.

Eine besonders peinliche Rolle spielen damit in meinen Augen die US dominierten sogenannten "Ratingagenturen", deren Gesellschafter wiederum aus dem Kreis dieser Grossfinanz kommen.

Stellen Sie sich mal vor, ein europäischer Staat würde sich erlauben, was sich die Kinder in der US Politik gerade erlauben. Es würde Herabstufungen und Warnungen hageln und als Folge müssten institutionellen Anleger ihre Anleihenbestände reduzieren, die Zinsen würden hoch schiessen und in dem Land, das sich eine derartige Disziplinlosigkeit erlaubt, würde Panik vor einer Staatspleite ausbrechen.

Nicht aber in den US, weil die sogenannnten "Ratingagenturen" gegen jede Logik stillhalten und sich damit des letzten Quentchens Reputation berauben, das bei mir übrig geblieben ist. Nach jeder Logik hätte es in meinen Augen schon vor Wochen - als klar wurde, dass die Zahlungsfähigkeit der USA als Erpressungsmittel benutzt wird - ein erhobenen Zeigefinger geben müssen im Sinne, dass das US Rating unter Beobachtung steht.

Spätestens heute müsste die Herabstufung kommen. Oder will mir jemand aus diesen sogenannten "Ratingagenturen" ernsthaft erklären, dass ein Schuldner, der wenige Tage vor der Zahlungsunfähigkeit immer noch keine Lösung für seine Gläubiger hat, seriös genau so solvent zu bewerten ist, wie ein Schuldner der keinen Zweifel an seiner Zahlungsfähigkeit lässt ?

Der Punkt ist nach meiner Einschätzung: Diese Warnungen wurden unterlassen, weil klar war, dass alleine diese Warnungen schon zu Verwerfungen an den Märkten und insbesondere den Anleihemärkten führen würden. Wie sagte Anshu Jain vor kurzem so schön: -> Es gibt kein Leben nach einem US Zahlungsausfall <-.

Vor Wochen hätte eine derartige Abstufung zwar für Verwerfungen und massive Korrekturen an den Märkten gesorgt, sie wären aber beherrschbar geblieben. Und alleine die nackte Angst, die diese Verwerfung ausgelöst hätte, hätte die Kinder in Washington zur Vernunft gebracht und wir hätten schon längst eine Lösung.

So aber wurde das unterlassen. Die Märkte sind selbst heute noch unwirklich ruhig und es fehlt das Gefühl von Dringlichkeit und Not, das nötig wäre, um die ineinander verbissenen Kinder zu Vernunft zu bringen. In dem die Märkte und die Ratingagenturen versucht haben, nicht unnötig Öl ins Feuer zu giessen, haben sie diesen Gridlock erst ermöglicht.

Und dieser Gridlock ist nun nicht mehr beherrschbar, wenn er nicht schnellstens gelöst wird, da hat Anshu Jain sicher völlig Recht. Wir haben sozusagen die Ruhe vor dem Orkan. Und können nur beten, dass es nicht dazu kommt.

Jetzt wird jeder natürlich sagen, am Ende wird es eine Einigung geben, denn die ist mal wirklich alternativlos. Natürlich ist das so und es wird definitiv eine Einigung geben, das ist völlig klar. Das ist aber auch nicht die Frage. Die Frage ist, welcher Vertrauens-Schaden bis dahin angerichtet wurde, denn Vertrauen ist ein scheues Reh und wenn es einmal weg ist, kommt es so schnell nicht wieder.

Und deshalb wird das eine hektische und dramatische Börsenwoche werden. Und der Ablauf ist mit keinem Mittel vorhersagbar, wir befinden uns in unerforschten Gewässern. Und alles Raten und Prognostizieren ist deshalb völlig sinnlos. Hier hilft jetzt auch keine Charttechnik oder Markttechnik, die Augen richten sich nach Washington und die Spannung steigt. Bei den kurzlaufenden US Staatsanleihen zeigen sich schon die ersten massiven Auswirkungen.

Wer jetzt mit Spielgeld im Markt ist, das er im Zweifel verschmerzen kann, dem bieten sich diese Woche viele Gelegenheiten für einen "Zock". Wer aber ein grösseres Depot verwaltet, der hat nur eine Wahl: Risiko raus nehmen, Positionen verringern, Cash-Quote erhöhen ..... und abwarten.

Und ich höre schon wieder die Stimmen der üblichen Verdächtigen, die dieses Desaster pauschal "entfesselten Märkten" in die Schuhe schieben. Die sind ja immer als böser Bube gut. Dabei könnte nichts weiter von der Wirklichkeit entfernt sein.

Denn von freien Märkten kann man schon lange nicht mehr reden. Die freien Märkte sind nicht entfesselt, sondern gefesselt und verbogen und den Interessen weniger unterworfen. Alles was man dieses Jahr an der Börse brauchte, war zu wissen, wie wenige Einzelpersonen in den Notenbanken, den Staaten und der Grossfinanz die Entscheidungen treffen. Das ist kein freier Markt mehr, in dem sich Preise aus Angebot und Nachfrage bilden, so wie es sein sollte und volkswirtschaftlich sinnvoll wäre. Das ist für mich ein autoritärer Korporatismus, der den freien Markt verbiegt.

Und würde man die Prinzipien des Kartellrechtes auf diese Marktstrukturen anwenden, wäre völlig klar, dass diese Institutionen der Grossfinanz alle miteinander zerschlagen werden müssten. "Too big to fail" ist genau das, was Kartellrecht gerade zu verhindern sucht. Und schon Generationen vor uns haben erkannt, warum es wichtig ist zu verhindern, das kleine Gruppen Macht über ganze Märkte gewinnen.

Im Finanzmarkt scheint diese Erkenntnis vergessen zu sein. Und die, die es ändern könnten, ziehen sich in den USA wie Kinder im Sandkasten an den Haaren und beschäftigen sich in Deutschland mit Orchideenthemen, nicht aber mit dem, was für unser Zusammenleben wirklich von grundlegender Bedeutung ist.

Und so haben wir keine Wahl. Geld auf dem Konto können wir nicht haben, da wird es durch die finanzielle Repression von alleine vernichtet. Nur Immobilien geht auch nicht, zumal die auch dem Zugriff der obigen Kräfte unterliegen und eine Wette auf dauerhafte gesellschaftliche Stabilität sind, was keineswegs so sicher ist, wie es scheint. Also muss das Geld in die Anleihen und Aktienmärkte. Und dort muss es sich mit diesen Kindern im Sandkasten auseinander setzen.

Schnallen wir uns also an und machen uns für eine wilde Woche bereit. Prognosen gibt es nicht, einen Flugplan auch nicht. Wir fliegen auf Sicht durch die Nebelbänke und hoffen sehr, nicht plötzlich in einen Berg zu rasen.

Wenn Sie täglich an diesem Flug durch die Nebelbänke teil haben wollen und wenigsten von den Steuerkünsten der Mr-Market Community profitieren wollen, dann stossen Sie zur Community dazu ! Denn gemeinsam sieht man mehr.

Ihr Hari

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Elementary my dear Mr. Market: the game is afoot ! – Das Spiel hat begonnen !

Dieser Artikel ist nur für treue Leser von Mr-Market. Egal ob Premium oder nicht.

Woher ich das weiss ? Weil ich in den Titel keines der ziehenden Schlagwörter wie "Commerzbank, K+S, Solarworld, E.ON" hinein gepackt habe. 😉 Wären Sie alle drin, würde der Artikel tausende Klicks bekommen. Je mehr Buzzwords desto besser für die Klickrate. So wie jetzt aber - nur mit einer Hommage an Sherlock Holmes - wird niemand auf diesen Artikel klicken, wenn er oder sie nicht sowieso regelmässig bei Mr-Market vorbei schaut.

Das nur als kleine Anekdote am Rande, wie das Spiel um Aufmerksamkeit im Internet funktioniert. Und es funktioniert deshalb so, weil wir Menschen so ticken und mit Mustererkennung im Internet unterwegs sind. Und so neigen wir dazu, uns schon bekannte "Weisheiten" im Sinne der Bestätigung unserer Überzeugungen erneut rein zu ziehen - weil sich das so gut anfühlt. Ein Umstand, der auch bei der Preisfindung an den Märkten als "Confirmation Bias" eine wichtige Rolle spielt.

Nun aber zum Markt und da ist seit gestern Sherlock Holmes Ausruf "The game is afoot !" mehr als berechtigt.

Sie erinnern sich, ich hatte hier vorgestern aufgrund des Bollinger Band Crashs im S&P500, verbunden mit der Ernennung von Janet Yellen, schon fest mit einem Bounce gerechnet. Der kam auch - einen Tag später - und wurde durch die Anzeichen, dass man in Washington miteinander redet gestern massiv unterfeuert. Und durch die Dynamik der Bewegung, wurde der gestrige Bruch der Trendlinie auch erneut zur Bärenfalle, wie schon 5-mal seit November 2012 vorher.

Ist damit das Debt Limit Problem wirklich gelöst ? Kein bisschen natürlich, im Gegenteil - es wurde einfach im Sinne "kicking the can down the road" weiter verschoben. Das hat aber für die Kursentwicklung zunächst keine Relevanz.

Denn an dieser Stelle kommt wieder etwas zum Tragen, was wir unbedingt über die Märkte verstehen müssen: Die Märkte leben nicht in der Gegenwart. Sie leben in der Zukunft und die Preise bilden sich aus den Zukunftserwartungen aller Marktteilnehmer.

Und was waren die Erwartungen der Marktteilnehmer vor 2 Tagen ? Ganz klar, dass eine Lösung gefunden wird und dass dann eine massive "rip your face off" Rally stattfinden würde. Das war ganz klar der Konsens im Markt.

Und weil dieser Konsens war wie er war, will natürlich niemand der Letzte sein, weil dann ja die schönen Gewinne schon alle verfrühstückt sind. Und so entsteht so ein extrem positiver Tag wie gestern, weil alle schon beim ersten Anzeichen einer Einigung aufspringen, um den anderen zuvor zu kommen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung also. Und dann werden Stops gezogen, Shorts gesqueezed usw. usw. und die Rally nährt die Rally und so ein Trendtag entsteht.

Jetzt könnte man ja meinen, man hätte da eine perfekte Methode für den nächsten Trade, aber so einfach ist das leider nicht. Denn diese Erwartungen können auch das Gegenteil auslösen. Weil alle darauf warten, tritt es nicht ein. Und wenn das zu lange dauert das Warten, werden dann die Erwartungen aus Enttäuschung aufgelöst, was genau zur entgegengesetzten Bewegung führt. Die zu hohe Erwartung war dann Ursache des Einbruches. Den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Szenario, macht dabei der Zeitpunkt und Charakter des Katalysators. Und der war gestern in Form des Vorschlags der Republikaner so zeitnah und durchschlagend, dass die Marktteilnehmer eine Lösung für das Debt Limit als gegeben genommen haben. Und damit den Mechanismus der selbsterfüllende Prophezeihung ausgelöst haben.

Merken Sie sich also unbedingt: die Kursbewegung kommt nicht, weil sich die Realität geändert hat. Die US sind immer noch ohne Lösung und der politische "Gridlock" ist nur verschoben, aber nicht aufgehoben. Der Markt bewegt sich aber aufgrund der Anpassungen der Erwartungen an die Zukunft. Und diese Erwartungen haben sich nun deutlich zum Positiven verändert, eine nahende Lösung ist nun als Faktum angenommen.

Es gab gestern übrigens eine weitere Erwartungskomponente, die die Rally befeuert hat und über die hatte ich auch schon gestern im Premium-Bereich geschrieben. Die derzeitige Blockade wirkt sich natürlich negativ auf Arbeitslosenzahlen und das Wachstum in den USA aus. Und damit dürfte das Thema des "Tapering" für dieses Jahr endgültig vom Tisch sein. Entsprechende Äusserungen des FED Mitglieds Bullard hatte ich auch gestern im Premium-Bereich verlinkt.

Das gefällt Mr. Market natürlich ganz besonders, denn einerseits sind die negativen Wirkungen auf das Wachstum ja nur temporär und nicht strukturell, andererseits ist ungehemmter Stimulus nun weiter gesichert. Besser geht es für die Wallstreet nicht, die mal wieder auf ganzer Linie bekommen hat, was sie sich wünscht.

Und so hat das Spiel begonnen. Das Spiel der Weihnachtsrally im 4. Quartal, bei der keiner der Letzte sein will, der aufspringt.

S&P500 11.10.13

Aufmerksame Leser werden jetzt natürlich sofort bemerken, dass die Medaille zwei Seiten hat. Wenn jetzt in den Erwartungen des Marktes eine Lösung zum Debt Límit schon verfrühstückt wird und sich alle für eine "4th Quarter Rally" positionieren, bleibt kein Erwartungshub mehr übrig, wenn die Lösung dann tatsächlich kommt.

Und genau so ist es. Wenn die Lösung kommt, wird der Markt schon weiter in die Zukunft schauen. Und wenn sie doch nicht kommt, wird Mr. Market um so erstaunter und wütender korrigieren.

Kurzfristig ist mit dem gestrigen Schub nun aber ein bullisches Signal gegeben worden. Wir müssen heute zwar noch abwarten, ob es noch zu einem bösen Reversal wie beim Pop nach der "No Taper" Entscheidung der FED Mitte September kommt. Unmöglich ist das nicht. Mein Eindruck ist aber eher nein.

Dann wird der Markt mit guter Wahrscheinlichkeit die Hochs im S&P500 bei 1730 testen. Aber erst was danach passiert, wird wirklich das Schicksal des 4. Quartals bestimmen. Denn es gibt viele Anzeichen für eine grundlegende Topbildung und nachlassendes Momentum in den US Indizes. Und das es mehrere Versuche zu neuen Hochs gibt, ist in so einem Bullenmarkt mehr als normal. So ein Bulle stirbt nicht so einfach von heute auf morgen, er rafft sich vielmehr immer wieder auf, bis er irgendwann unter der eigenen Last mit einem lauten Krachen zusammen bricht.

Genau das macht es auch so schwierig so einen Markt zu shorten. Man wird x-mal auf dem falschen Fuss erwischt und mit Verlust ausgestoppt, weil sich der Bulle doch wieder aufrafft. Und wer er dann endlich stirbt, dann ist man schon so demoralisiert, dass man nicht mehr dabei ist, wenn es endlich wirklich auf der Short-Seite Geld zu verdienen gibt. Deshalb kann ich immer nur wieder dringend davon abraten, solche Märkte oder auch Momentum-Aktien "auf Verdacht" zu shorten, egal wie schön die vermeintliche Topbildung aussieht. Erst wenn der Markt wirklich fällt und technisch eindeutig nach unten zeigt, dann kann man in der Mitte der Bewegung auf der Short-Seite sinnvolle Gewinne bei mässigem Risiko einfahren.

Insofern könnte man im S&P500 nun kurzfristig Stops unter das gestrige Tief setzen und auf dem Rücken des Momentums das Spiel nach oben mitspielen, nachdem man leichte Schwäche heute abgewartet hat. Bei einem typischen Ablauf gäbe es heute also eine leichte Konsolidierung, bevor es dann nach oben weiter geht. Mittelfristig wäre ich aber nicht zu optimistisch, sondern eher vorsichtig, sobald sich der S&P500 wieder in der Nähe der alten Hochs befindet.

Europa dagegen - und damit auch der DAX - ist klar im Rallymodus und profitiert von Liquiditätszuflüssen aus anderen Märkten und zeigt klare Überperformance zu den US Indizes. Insbesondere unser "Liebling" der spanische Index IBEX35 ist einfach beeindruckend und der Trade ein Volltreffer. DAX 9.000 und IBEX 10.000 in nicht zu ferner Zukunft, ist also keineswegs besonders optimistisch, sondern eher realistisch. Auch beim DAX haben wir nun mit den Tiefs der letzten Tage schöne Niveaus zur Absicherung.

Ich wünsche viel Erfolg !

Und bitte denken Sie daran. Das Internet ist voll mit allerlei Crash-Gurus und Horrorgeschichten und einige dieser Logiken teile ich sogar, weil das Makrobild nach meiner Ansicht dabei schon richtig erkannt wird. Nein, ich bin wirklich nicht überzeugt, dass dieses historische Experiment der Notenbanken und der Politik gut ausgeht. Und ich bin ziemlich sicher, dass wir in einigen Jahren ein ganz anderes Währungssystem haben und davor noch schlimme Verwerfungen erleiden müssen.

Nur - und das ist so wichtig zu verstehen - es nützt nichts, vielleicht in 3 Jahren mal Recht zu bekommen, wenn man die ganze Zeit vorher gegen den Markt ankämpft und sein Depot dabei ruiniert. Es gibt Marktteilnehmer, die kämpfen seit 2009 gegen dieses Markt an. Und was hat es ihnen gebracht ausser Leid und Verlusten ? Wenn sie dann irgendwann Recht bekommen, werden sie sich darüber nicht mehr freuen können, falls sie dann noch überhaupt im Markt sind.

Ignorieren Sie also all diese Weissagungen und Prognosen. Die halten Sie nur vom wirklich Wichtigen ab: Im "Hier und Jetzt" Geld zu verdienen !

Ich habe es schon an anderer Stelle gesagt: wir haben keine Wahl, wir müssen auf dieser Party tanzen und das Spiel mitspielen ! Es schadet aber nichts, die Eventualitäten zu kennen und sich gedanklich darauf vorzubereiten. Nur handeln dürfen wir nicht nach Eventualitäten, sondern nur nach dem, was uns Mr. Market sagt. Und die Botschaft ist klar:

Das Spiel hat begonnen !

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S&P500, das Debt Limit und Janet Yellen – Bollinger Band Crash Trade

Gestern endlich, hat der Markt begonnen, im Angesicht des nahenden Debt Limit Debakels in den USA nervös zu werden.

Zu offensichtlich wurde insbesondere durch Obamas Pressekonferenz um 20 Uhr MEZ, dass beide Seiten immer noch tief in ihren Schützengräben eingegraben sind und eine Lösung wohl erst kommt, wenn der Markt noch mehr Druck auf die Politik macht - sprich deutlicher abgibt.

Gestern hatten wir dann auch einen Bollinger Band Crash - ein Durchschlagen des Bollinger Bandes nach unten - das in der Vergangenheit eine hervorragende Indikation für eine zumindest temporäre Wende nach oben war.

Schauen Sie mit mir auf das Chart des weltweiten Leitindex S&P500 mit Tageskerzen, hier des Futures:

S&P500 BB Crash 09.10.13

Das Chart zeigt die gesamte Aufwärtsbewegung seit November 2012. Und ich habe alle Bollinger Band Crashs markiert, also die Momente, wo das Bollinger Band nach unten touchiert oder durchschlagen wurde.

Sie sehen eine wirklich beeindruckende Prognosekraft dieses Indikators. Jedes mal und ohne jede Ausnahme, hätte eine Long-Wette zu diesem Zeitpunkt ein zumindest kurzfristig positives Ergebnis gebracht !

Und nun haben wir wieder so einen Bollinger Band Crash und heute Nacht kam auch noch die Nachricht, dass es nun wahrscheinlich doch Janet Yellen als neue FED Chefin wird. Eine Entscheidung, die der Wallstreet sehr gefallen sollte, da man Yellen nachsagt noch aggressiver zum Gelddrucken zu neigen, als schon Bernanke. Die Zeit des grossen Stimulus wird mit Yellen also nicht so schnell vorbei gehen.

In Kombination dieser beiden Parameter, haben wir kurzfristig also gute Chancen auf einen leicht positiven Tag an der Wallstreet.

Allerdings hat der S&P500 nun auch die Trendlinie durchschlagen und gleichzeitig die 50-Tage-Linie verloren. Beide sitzen aktuell bei ca. 1677 USD im S&P500 Future. Eine Bewegung bis dahin wäre also typisch. Dann wird es aber spannend.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Markt gestern begriffen hat, dass eine Lösung im Debt Limit Streit wohl erst noch mehr Schmerzen erfordert, kann es also gut sein, dass es dieses mal anders ist und der Markt unter der 50-Tage-Linie wieder abwärts rollt.

Dann würde sich massive Schwäche anschliessen, die letztlich dann dem verwirrten Washington den Arm umdreht und eine Lösung erzwingt.

Behalten Sie dieses Szenario also im Auge, wenn der Markt heute hoch läuft. In Anbetracht der politischen Unwägbarkeiten sollte jeder mit erhöhter Volatilität und einigen wilden Swings rechnen.

Und klar, eine Lösung wird gefunden werden, das ist offensichtlich und weiss jeder. Die wirklich wichtige Frage ist, wie lange es dauert, welcher Schaden vorher angerichtet wird und ob dieser Vertrauensschaden schnell wieder zu beheben ist. Und dabei wage ich keine Prognosen und wer das doch tut, ist nicht ernst zu nehmen - ausser er kommentiert direkt aus dem "Weissen Haus" heraus und hat ein Mikro im Oval Office versteckt. 😉

Klar ist aber zumindest, dass der Markt bisher fest an eine Lösung glaubt und ebenso an die Rally danach glaubt. Und woran alle glauben, tritt am Markt aufgrund seiner Reflexivität selten ein. Erst gestern hat der Markt begonnen, auch einen weit negativeren Ausgang einzupreisen. Und erst wenn sich diese Schwäche fortsetzt, schafft das den Raum, dass wir wirklich eine Rally bei der Lösung des Debt Limits erleben, die dann länger als für ein paar Stunden hält.

Insofern muss man aus kurzfristiger Perspektive für die nächsten Tage also temporäre Stärke des S&P500 wohl eher verkaufen, als den erneuten Beginn eines grossen Schubs hinein zu interpretieren.

Ihr Hari

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Die Märkte und das US Debt Limit – Was wäre wenn ?

Wir kennen die Zukunft nicht und dem Erfolg an den Märkten hilft es nicht, darüber zu viel zu spekulieren.

Was wir aber besser können, als über die Zukunft zu fabulieren, ist uns konkret zu überlegen, was passieren würde wenn .... wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt. Uns also Korrelationen und Zusammenhänge bewusst zu machen.

Nun sind die Märkte zum Wochenanfang eher schwach gestartet und dabei spielt natürlich nicht nur dieser, für mich persönlich unsägliche, Politiker und Medienmogul aus Italien eine Rolle, dessen Namen ich nicht mehr extra erwähnen muss. Nein dabei spielt auch die Eskalation um das US Debt Limit eine Rolle.

Denn die Märkte haben das Thema lange nicht beachtet, weil unter "Kasperletheater" abgebucht. Ja auch durchaus berechtigt, denn wir haben dieses Spektakel ja nun mehrfach erlebt und am Ende wird es natürlich eine Lösung geben, denn die Partei die diese dauerhaft verweigert, dürfte bei den nächsten Wahlen schwer abgestraft werden und das wissen die Politiker.

Die Frage ist nur, wie lange es bis dahin dauert und welcher Schaden angerichtet wird, bevor die Lösung kommt. Im August 2011 haben wir ja erlebt, wie erheblich diese Diskussion an den Märkten einschlagen kann. Und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Märkte nun, da die Krise doch vor der Tür steht, mit Nervosität reagieren. Wobei man objektiv wieder festhalten muss, wie vergleichsweise stabil und unbeeindruckt die Märkte immer noch sind.

Nun kennen wir die Zukunft wie gesagt nicht und ja, vielleicht drehen die US Politiker nun alle durch und richten grossen Schaden an. Dieses Szenario will ich heute aber nicht betrachten, sondern die Frage "was wäre wenn" stellen, wenn es nun bald am Ende dieser Woche eine Lösung für den Streit geben sollte.

Was würden die Märkte dann wohl machen ? Am Donnerstag habe ich ja schon das Thema Rohstoffe beleuchtet und dabei erklärt, dass der US Dollar für diesen Fall möglicherweise vor einer Phase neuer Stärke stehen würde. Unterstützt von bestimmt auch wieder aufkommenden Diskussionen, ob die FED nun beim nächsten Mal mit dem "Tapering" beginnt.

Schauen wir heute doch mal auf andere Bereiche des Marktes. Was wäre also, wenn nach einer kurzen Phase der Irritation und Sorge die US Politik am Ende dieser Woche eine Einigung im Debt Limit Streit erzielt ?

Zunächst ein Blick auf den S&P500. Er würde möglicherweise nach Test der Trendlinie zum nächsten Schub ansetzen:

S&P500 30.09.13

Der DAX könnte möglicherweise das Gap vom 16.09. schliessen und dann um die 8500 herum, wieder nach oben drehen:

DAX 30.09.13

Der Yen würde möglicherweise gegenüber dem Dollar wieder nach unten drehen und eine zweite Phase des Absturzes einleiten:

JPYUSD 30.09.13 2

Und Gold würde möglicherweise den übergeordneten Abwärtstrend wieder aufnehmen und nicht mehr nachhaltig über 1370 USD steigen. Wobei ich mir bei Gold am unsichersten bin, weil hier offensichtlich grosse Kräfte mit eigener Agenda am Werk sind und ich mittlerweile davon ausgehe, dass die Erwartung eines Tapering nicht schlecht, sondern entgegen dem "Common Sense" gut für Gold wäre. Trotzdem ist dieser Pfad gut vorstellbar:

Gold 30.09.13

So weit mein "was wäre wenn" für das obige Szenario. Berücksichtigen müssen Sie dabei, dass der Zusammenhang um so deutlicher zu Tage treten wird, wie dieses Ereignis alleine den Markt beeinflusst. Wenn parallel andere wichtige neue Entwicklungen in der Welt in Gang kommen, können diese den Effekt natürlich überlagern.

Aber trotz all dieser "wenns" und "möglicherweise", macht es jede Menge Sinn, sich diese Korrelationen und Zusammenhänge gedanklich zurecht zu legen. Es fällt dann leichter, im Falle des Falles die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Ihr Hari

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DAX-Betrachtung: Die Entscheidungen sind gefallen – neue stehen bevor

Ein Gastkommentar von Tokay

Ereignisreiche und mit Momentum geladene Tage liegen hinter uns. Da war zunächst die Entscheidung der FED in Washington, nun doch noch nicht mit dem allmählichen Zurückfahren ihrer Operationen auf dem Kapitalmarkt zu beginnen. Da war der Ausgang der deutschen Bundestagswahl, welche die CDU/CSU von Frau Merkel zwar zur mit Abstand stärksten politischen Kraft machte, aber auch dazu führte, das ihr der bisherige Koalitionspartner abhanden kam. Uns interessiert hier im Mr. Market-Blog natürlich, welche Auswirkungen dies auf den Aktienmarkt haben mag. Denn was in Deutschland entschieden wird, hat für die europäische Entwicklung, für das Eurosystem größte Bedeutung.

Kommen wir also zur Bundestagswahl, und hier können wir es kurz machen. Der Wahlausgang hat die Märkte nicht sonderlich überrascht, die Wahl war schon beinahe ein „Non-Event“. Auch wenn bürgerliche Regierungen eine Politik betreiben, welche von der Tendenz her bei den Entscheidungsträgern in der Wirtschaft auf günstigere Resonanz stoßen mag, so ist der Verlust der schwarz-gelben Regierung nichts, weshalb man die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft grundlegend überdenken müsste. Es sei denn, es käme zur Bildung einer rot-rot-grünen Regierung – was allerdings seitens der SPD und den Grünen zurückgewiesen wird. Zudem waren die FDP-Minister nicht eben Personen, die prägende wirtschaftspolitische Akzente gesetzt hätten. Das Bedauern über die Abwahl der FDP hält sich somit eher in Grenzen. Auch sollte die kommende Bundesregierung unter Frau Merkel weiterhin einen europafreundlichen Kurs verfolgen, was von den DAX-Unternehmenschefs mehrheitlich gerne gesehen werden dürfte. Indes dürften die meisten Akteure eine große Koalition gegenüber einer schwarz-grünen Koalition oder einer Minderheitsregierung der Union bevorzugen.

Und damit zu unserem Langfristchart:

DAX 9000 - September 2013

Wir befinden uns nach wie vor auf dem Pfad CDE, der unaufhaltsam Richtung 9000 Punkte strebt. Diese Marke dürfte bald erreicht werden. Danach aber, voraussichtlich im Frühjahr 2014, fällt die Entscheidung darüber, ob der DAX auf die Obergrenze des langfristigen Wachstumspfades, markiert durch die Linie A1E, einschwenkt, was mehr oder weniger einer Seitwärtspendelbewegung entspräche, oder die seit Herbst 2011 andauernde Hausse weiter anhält. Immerhin hat der DAX seither deutlich über 50 Prozent zugelegt. Sollte das letztere eintreten, dann dürfte die vielbeschworene Marke von 10000 Punkten ebenfalls nicht mehr fern sein, und wir würden, was die Indexziffern angeht, in ein neues Zeitalter eintreten. Es wird aber wohl noch etwas dauern, bis es endgültig so weit ist.

Ich möchte heute die Aufmerksamkeit der Leser des Mr. Market-Blogs auf einen grundlegenden Zusammenhang lenken, der sehr eng mit der Politik der FED zusammenhängt. Seit dem Beginn der monetären Expansion Ende 2008 während der Subprime-Krise hat der DAX begonnen, sich von der Leitzinsentwicklung abzukoppeln. Wie wir in der nachfolgenden Grafik sehen, ist der EZB-Leitzins konstant geblieben. In einer klassischen Hausse wären die Leitzinsen dem Aktienmarkt Richtung Norden nachgefolgt. Der DAX hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt und ein Ende ist nicht absehbar – vorerst jedenfalls nicht.

DAX Leitzins Kapitalmarktzins September 2013

In der Baisse nach der Jahrtausendwende folgte der Leitzins dem DAX nach unten, wie er das auch in der Vergangenheit eigentlich immer getan hatte. Erst ca. 2 ½ Jahre später, der DAX war mittlerweile kräftig nach oben gelaufen, wurde der Leitzins sukzessive angehoben. Seit der ersten Leitzinssenkung gegen Ende der großen Baisse von 2008 hat keine weitere Zinssenkung mehr stattgefunden. Ganz im Gegenteil wurden, bedingt allerdings durch die Eurokrise die Leitzinsen weiter gesenkt; wir erinnern uns an die mittlerweile berühmt gewordene Rede von Mario Draghi in London, und ein Ende ist, wenn man Draghi Glauben schenken darf, nicht absehbar. Dies umso weniger, als die FED den US-Konjunkturaufschwung offenbar noch nicht als hinreichend nachhaltig einstuft.

Es könnte einem nun natürlich angst und bange werden vor dem mutmaßlichen Inflationsschub, der möglicherweise demnächst ins Haus stehe, doch sind Zweifel daran erlaubt, ob ein solcher Schub sich tatsächlich ereignen wird. Ein Indikator hierfür ist die Entwicklung bei den länger laufenden Anleihen sowie der Abstand zwischen den Langläufern und dem Geldmarktzins, welcher sich wiederum an den Leitzins anlehnt.

Wir erkennen hier, dass immer dann eine Baisse bevorstand, wenn sich der Abstand zwischen langfristigem und kurzfristigem Zins extrem reduzierte. Immer dann, wenn dieser Abstand größer wurde, kam es auch zu einem Anstieg am Aktienmarkt. Und hier haben wir nun in den vergangenen Monaten eine Vergrößerung des Zinsabstandes beobachten können, was eher auf eine Normalisierung der Situation auf dem Kapitalmarkt hindeutet. Sicherlich misst die Höhe des Kapitalmarktzinses die Inflationserwartungen, letztlich aber ist der Zins einfach das Regulativ zwischen Kapitalangebot und Kapitalnachfrage. Und in einer insgesamt freundlichen konjunkturellen Landschaft ist ein Anziehen des Kapitalmarktzinses von einem tiefem Niveau aus ein eher gutes Zeichen. Der Zinssatz für zehnjährige Bundesanleihen lag zuletzt bei etwa 1,8 Prozent. Die DAX-Unternehmen hingegen bieten eine Dividendenrendite von über 3 Prozent, dazu kamen in den letzten Jahren Kursanstiege der DAX-Werte. Damit ist der Anleihemarkt noch weit von einer Situation entfernt, in der der man die Zinsentwicklung als lukrativ bezeichnen könnte, und diejenigen, die am Aktienmarkt investiert haben, konnten in der jüngsten Vergangenheit eindeutig stärker profitieren. Der Realzins liegt praktisch bei Null, und zwar vor Steuern. Begriffe wie „kalte Enteignung der Sparer“ oder „finanzielle Repression“ kommen einem da schon in den Sinn.

Ausblick also: Bis Frühjahr werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit weiterhin einen freundlichen Aktienmarkt haben, sprich es wird auf DAX 9000 gehen und eventuell darüber hinaus – wohl auch mangels Alternativen. Dann jedoch könnte es spannend werden, und die nächsten Weichenstellungen am deutschen Aktienmarkt stehen sicherlich bevor. Übrigens: Am 25. Mai 2014 ist Europawahl...

Tokay

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DAX 20.000 in diesem Jahrzehnt. Und was das mit dem DAX – Kursindex zu tun hat.

Wer meinen gestrigen Lunchtalk mit der Wirtschaftwoche gesehen hat, hat auch bemerkt, wie viel Spass wir dabei hatten DAX 10.000 und 20.000 auszurufen. Und wer nicht, kann das -> hier <- nachholen.

Diese Prognosiritis - übrigens eine ansteckende, geistige Virus-Krankheit 😉 - ist ja eine beliebte Methode, um sich später als Guru feiern lassen zu können. Man macht das so wie ein Fischer, der sein Netz aufwirft. Man hat zwar ebenso wie alle anderen keinerlei Ahnung was die Zukunft bringt, macht aber immer mal wieder eine ebenso wahllose, wie "mutige" Prognose abseits der Norm. Crash-Weissagungen sind dafür ebenso gut geeignet, wie markante Kursmarken weit über den aktuellen Kursen.

Und dann ist es ganz einfach. Irgendwann fängt dieses Netz mal einen Fisch, in der Form, dass die Realität zufällig mit einer der Prognosen überein stimmt. Und dann ruft man laut: "Ich habe es vorher gesagt, ich habe es vorher gesagt !" Und lässt sich feiern. Und wird zum "Gottweissnichtwas" ernannt oder wie auch immer diese lächerlichen Pseudo-Titel lauten. Man wird herum gereicht, darf Interviews geben, taucht auf Magazinen auf und der gemeine Anleger hält einen für einen ganz Schlauen. Dabei ist man einfach nur ein guter Fischer. Und das Spiel funktioniert, weil man zuverlässig auf die Vergesslichkeit der Menschen setzen kann. Denn all die Weissagen und Prognosen in denen man grottig falsch lag, über die redet man einfach nicht und das Publikum vergisst sie schnell.

So läuft die Methode, die man auch immer wieder in Werbe-Bannern bewundern kann, wo irgendwelche selbsternannten Gurus Sie natürlich unbedingt "reich" machen wollen und Ihnen entweder wahlweise "den grossen Crash" oder "DAX irgendwas" versprechen. Hauptsache ist aber, dass Sie natürlich vorher ein Abo abschliessen. 😉 Ich bekomme da per Mail auch immer wieder so Angebote, wo mir jemand den ich gar nicht kenne, in schlechtem Englisch unbedingt eine Erbschaft anbieten will. Natürlich muss ich vorher einen "geringen" Betrag von ein paar tausend Kröten ins Ausland zahlen, aber das sind ja "Peanuts", in Anbetracht der grossen Zahlung, die ja auch gaaanz sicher bei mir eintreffen wird. 😉

Soviel also zu der Virus Krankheit der Prognosiritis. Und trotzdem steckt in DAX 10.000 und DAX 20.000 ein wahrer Kern, auch wenn niemand weiss, ob das in 6 Monaten oder 16 Jahren erst erreicht werden wird. Und ich wiederhole deshalb hier laut und deutlich für die Nachwelt:

DAX 10.000 kommt ! Und DAX 20.000 auch !

Warum will ich Ihnen nun erklären, denn es hat mit dem DAX Performance-Index und seinem kaum bekannten Gegenpart dem DAX Kurs-Index zu tun.

Was ist der Unterschied ? Im DAX Performance Index werden die ausgeschütteten Dividenden von derzeit 2-3% per Annum inkludiert. Damit unterscheidet sich der DAX, den Sie alle kennen, von nahezu allen anderen Indizes der Welt. Egal ob S&P500 oder Eurostoxx, das sind alles Kursindizes, in denen die ausgeschütteten Dividenden nicht hinein gerechnet werden.

Der DAX ist also die Ausnahme und er ist sozusagen im Vergleich aufgepumpt. Denn auch in den anderen Indizes erhalten die Anleger ja Dividenden und nicht zu knapp. Nur tauchen die im Kurs der Indizes nicht auf. Womit ein direkter Vergleich der Performance von DAX und S&P500 in die Irre führt und den DAX besser aussehen lässt, als er ist.

Übrigens, will ich an dieser Stelle auch gleich mit einem Missverständnis aufräumen, das bei vielen auftritt, die im ersten Schritt den Unterschied zwischen den beiden Index-Formen schon verstanden haben. Die Dividenden werden bei der Berechnung des DAX Performance-Index eben nicht als Sockel mitgeführt, was dazu führen würde, dass der DAX gar nicht mehr unter einen bestimmten Wert fallen könnte. Nein, die Dividenden werden in die Aktien rechnerisch "re-investiert", was bedeutet, dass wenn alle Aktien auf Null fallen, auch die reinvestierten Dividenden bei Null sind. Der DAX kann also rein theoretisch und rechnerisch sehr wohl auf Null fallen.

Das aber nur am Rande. Der Punkt ist: der DAX steigt jedes Jahr sowieso um 2-3%, auch wenn sich die darin enthaltenen Aktien nicht bewegen und deren Börsenbewertung gleich bleibt, weil sich am Geschäft gar nichts ändert. Und deshalb wird der Ihnen bekannte DAX definitiv auf 10.000 steigen. Und auch auf 20.000. Meine Prognose wird also eintreten und ist keineswegs "mutig". Fragt sich nur, wie lange das dauert.

Jetzt kann man lange theoretische Diskussionen darüber führen, was die "richtige" Berechnung eines Index ist. Da gibt es keine objektive Antwort, aber ich bin der Meinung egal welche Methode man wählt, sollten die Berechnungen vergleichbar sein. Und insofern ist der DAX "falsch" und gaukelt eine Stärke vor, die gar nicht vorhanden ist.

Denn die meisten anderen Indizes stellen einfach die Marktkapitalisierung der darin enthaltenen Unternehmen dar. Also exakt den Wert, den die Börse den Unternehmen in genau diesem Moment beimisst. Beim DAX (Performanceindex) ist das nicht der Fall, der schleppt auch die Vergangenheit in Form der alten Ausschüttungen mit. Nur die haben eigentlich nichts mit der aktuellen Bewertung der Unternehmen zu einem Zeitpunkt zu tun.

Welche Auswirkungen das hat und warum DAX 20.000 in diesem Jahrzehnt gar nicht so unwahrscheinlich ist, will ich Ihnen nun zeigen. Schauen wir zunächst auf den klassischen, allgemein bekannten DAX (Performance-Index) mit Monatskerzen seit 1995:

DAX monatlich 25.09.13

Ein Chartist würde nun sagen: WoW ! Ausbruch ! Und so sieht es aus. Grosse Stärke, die nun endlich oben den langjährigen Deckel weggehauen hat. Und DAX 10.000 sind nicht mehr weit. Ein bedeutender Moment also. Dumm nur, das es gar nicht stimmt mit dem bedeutenden Moment. Denn die im DAX enthaltenen Unternehmen sind kein bisschen mehr wert, als sie es schon 1997 oder 2006 waren. Und das zeigt uns der DAX Kursindex, der wirklich mit einem S&P500 zu vergleichen wäre.

Ich habe dieses Chart, das bis zur Begründung des DAX im Jahr 1988 zurück reicht, mit Daten der Bundesbank erstellt, die Sie selber -> hier <- nachvollziehen können, wenn Sie wollen.

DAX Kursindex 1988-2013

Dieses Chart spricht eine ganz andere Sprache. Und diese Sprache ist viel aussagekräftiger. Die deutschen Aktien befinden sich in dem, was man ein zulaufendes Dreieck nennt. Seit nun fast 14 Jahren gab es bei der Bewertung deutscher Aktien nicht wirklich viel zu gewinnen, ausser man tradete diese Hochs und Tiefs aktiv. Für Trader war das eine schöne Zeit, für Buy & Hold Anleger eher grausam. Nur die Dividenden von im Mittel 2-3% gab es sicher.

Nur bekam man ja für andere Anlagen wie Staatsanleihen im Mittel auch solche Renditen. Diese 2-3% sind nichts Besonderes, sondern einfach die Basisrendite jeder halbwegs vernünftigen Anlage und insofern nichts, was Aktien langfristig besonders auszeichnet. Zumal man bei Ihnen ja auch grössseren Schwankungen ausgesetzt ist, die eigentlich eine höhere Rendite als andere Anlagen erfordern, um die Anlage attraktiv zu machen.

Einen Mehrwert bei Buy & Hold generieren Aktien nur dann jenseits dieser Basisrendite aus Dividenden, wenn die Firmenbewertungen selber steigen, weil die Firmen wirklich "mehr wert" werden. Das war in den letzten 14 Jahren nicht der Fall und ist auch kein Wunder. Denn "mehr Wert" können Firmen nur werden, wenn echte Innovation auftritt, die die Wertschöpfung massiv erhöht.

Eine solche Phase - einen echten Bullenmarkt - hatten wir in den 90ern durch die Veränderung der Welt durch den Aufstieg der Computer, verbunden mit der Friedensdividende des fallenden eisernen Vorhangs und des damit verbundenen Eintritts von Milliarden Menschen in die Weltwirtschaft. Das hat die Produktivität und Wertschöpfung weltweit massiv erhöht. Und damit waren die Firmen wirklich und zu recht "mehr wert". Und auch wenn es dann in 2000 eine Übertreibung nach oben gab, ist das Ergebnis dieses Produktivitätsschubs immer noch erhalten, das zeigt auch der Kursverlauf des DAX Kursindex.

Seit 2000 aber, gab es keine umwälzenden Änderungen mehr in der Welt, keine neue Phase der Produktivitätssteigerung, die prinzipiell eine höhere Bewertung von Firmen rechtfertigen würde. Aber - auch die langfristige Wirtschaft beliebt in Zyklen zu schwingen - dieses Chart mit seinem zulaufenden Dreieck deutet etwas an. Irgendwann wird dieses Dreieck enden und nach dieser jahrzentelangen Kompression und Seitwärtsbewegung, werden die Bewertungen dann wirklich nach oben ausbrechen. Und zwar massiv. Denn dann wird ein neuer bullischer Zyklus aus der Asche dieser Seitwärtsbewegung geboren.

Und der Katalysator dafür werden nicht irgendwelche Notenbank-Aktionen sein. Nein, die schaden eher und führen nur zu diesen sinnlosen Schwingungen, wie wir sie hier sehen. Boom & Bust. Echte Innovation entsteht eben nicht aus fiskalischen Spielereien und dem Bedrucken von Baumwollpapier, um Geldscheine zu produzieren. Nein, der nächste Zyklus wird durch das "nächste grosse Ding", die nächste Innovation induziert, die die Welt erneut so umkrempelt, wie zuletzt die Computer. Vielleicht wird es der Biotech Bereich sein, im Sinne "Human Engineering" - das ist mein "heisser" Tip für das "nächste grosse Ding". Oder es wird aus dem entstehen, was wir heute 3D Druck nennen, um am Ende die industrielle "Replikation aller Dinge" darzustellen. Oder es wird etwas ganz anderes, das wir noch nicht auf dem Radar haben.

Der Punkt ist: Der bedeutende Ausbruch ist nicht das, was wir heute im verzerrenden DAX Performance Index sehen. Der grosse Ausbruch kommt dann, dann aber richtig, wenn der DAX Kursindex mit Macht diese Konsolidierung seit 2000 verlässt. Denn dann ziehen die Bewertungen der Unternehmen wieder wirklich an. Und dann, wenn der Kursindex das tut, dann wird der DAX Performance-Index auch ganz schnell bei 20.000 stehen. Das ist dann einfach nur noch simple Mathematik.

Insofern sind DAX 20.000 noch in diesem Jahrzehnt keineswegs völlig unwahrscheinlich. Es braucht nur das "nächste grosse Ding", das die Welt in einen neue Phase der Produktivitätsgewinne katapultiert. Und wenn der Fall in diesem Jahrzehnt noch eintritt, bitte ich doch herzlich darum, dass ich dann auch den Titel "Mr. 20000" bekomme und bitte auch durch Fernsehen und Magazine herum gereicht werde. 😉

Ihnen einen schönen Tag !

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IBEX35 oder Viva España !

Wir sind hier bei Mr. Market schon über ein Jahr am spanischen Aktienmarkt in Form des IBEX35 Index dran. Eigentlich seit sich dieser beeindruckende Doppelboden gebildet hat.

Auch Artikel hat es immer wieder gegeben, so zuletzt am 01.08. unter dem Titel -> IBEX35 vor dem Ausbruch <-.

Genau dieser Ausbruch hat sich nun bewahrheitet und für mich stellt der spanische Aktienmarkt eine der interessantesten Gelegenheiten im Universum der Indizes dar, um mit langfristigem Zeithorizont deutlich zu profitieren.

Das ich Spanien aus den Euro-Ländern des Mittelmeeres so heraus greife liegt daran, dass das Land nicht diese politische Lähmung wie Italien besitzt und bei allen Problemen die auch Spanien mit Korruption hat, doch am Ende immer noch vergleichsweise funktionierende staatliche Institutionen besitzt, zumindest wenn man es relativ mit Griechenland vergleicht.

Gleichzeitig ist Spanien durch eine Rosskur gegangen, die zwar im Binnenmarkt noch zu keinen grossen Verbesserungen geführt hat - wiewohl auch dort erste Pflänzchen blühen - die aber zunächst den exportorientierten Unternehmen bessere Wettbewerbsfähigkeit verschafft hat. Und mittlerweile zeigen auch die Daten zur industriellen Produktion langsam nach oben.

Auch kulturell muss man positiv sagen, dass die Spanier ein stolzes und zur harten Arbeit bereites Volk sind. Und der brutale Einbruch fusste ja auch nicht perse auf breiter gesellschaftlicher Korruption und Misswirtschaft wie in Griechenland, er fusste auf einer Immobilienblase, die durch die Verzerrungseffekte des Euros hervor gerufen wurde und nicht dem einzelnen spanischen Bürger anzulasten ist.

So hat Spanien in meinen Augen alle Voraussetzungen, um nach dieser Rosskur wieder Hoffnung zu schöpfen, wenn die Politik nun nicht in der Eurozone das grosse Chaos anrichten sollte. Und genau das kann man auch am IBEX35 bewundern, hier im langfristigen Wochenchart:

IBEX35 24.09.13

Sie sehen, dass man die über ein Jahr andauernde Seitwärtskonsolidierung nach dem Doppelboden 2012, im Nachhinein auch als zwei Bullenflaggen interpretieren kann. Der am 01.08. im Artikel indizierte Ausbruch hat nach Lehrbuch stattgefunden, inklusive Re-Test des Flaggen-Ausbruch von oben am 30.08.

Das sieht sehr gut aus und aus langfristiger Perspektive erscheint mir der IBEX35 als eine der attraktivsten Wetten im Universum der Indizes. Kurzfristig ist ein Re-Test der Ausbruchszone von oben durchaus denkbar.

Um das Bild dabei in eine grössere Perspektive zu stellen, zeigen ich Ihnen nun auch noch den IBEX35 im Chart mit Monats-Kerzen. Eine Darstellung die höchst selten zu sehen ist, die bis 1994 zurück reicht und interessante Einblicke ermöglicht.

IBEX35 24.09.13 Monat

Sie sehen sofort die Parallelität der Strukturen. Wie der IBEX35 2003 aus den Tiefs heraus kam und nun heute wieder, hat grosse Ähnlichkeit.

Ich bin in meinem Investmentdepot auf jeden Fall im IBEX35 auf der Long-Seite dabei. Die Risiken liegen primär im politischen Bereich der Eurozone. Und eine sinnvolle Absicherung dagegen, wäre ein Stop unter dem Retest vom 30.08.. Wenn der Ausbruch Bestand hat, sollte der IBEX35 nicht mehr unter 8200 tauchen.

Von diesem Risiko abgesehen - ohne Risiko gibt es auch keine Chancen - spricht aber viel dafür, dass ich in den kommenden Monaten und Jahren noch öfters aus vollem Halse rufen kann:

Viva España ! 😉

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