Warum Frau Merkel immer noch keine Anführerin ist

Heute Abend kommt der Gipfel der Eurostaaten zusammen, um vordergründig über das weitere Vorgehen im Fall Griechenland zu entscheiden. Wir haben ja schon viele Gipfel erlebt und immer war "nach dem Gipfel" letztlich nur "vor dem Gipfel".

Dieses Mal wird es aber anders sein, denn die normative Kraft faktisch insolventer griechischer Banken, erlaubt keine weiteren Verschiebungen und Illusionen mehr.

Was auf dem Gipfel wirklich verhandelt wird, ist hinter dem vordergründigen Thema Griechenland, eine viel grundsätzlichere Thematik. Die Frage nämlich, ob die Währungsunion endgültig zur Transferunion mutiert oder im letzten Moment diese Bewegung gestoppt wird.

Hinter der Fassade der Konsensfloskeln, sind dabei die Kampflinien klar. Im Wesentlichen steht das südeuropäische Bild von Wirtschaft, gegen das auf Leistungsfähigkeit ausgerichtete nordeuropäische Bild von Wirtschaft. Und die südeuropäischen Denkstrukturen, haben eine strategische Mehrheit in der Eurozone.

Dahinter im Hintergrund spielen auch geostrategische Einflüsse herein und die US machen aus Eigeninteresse Druck, dass es zum "südeuropäischen Europa" kommt - dazu habe ich heute im Premium Bereich ausführlicher geschrieben.

Es ist dieser Moment des Abwartens auf eine wichtige Entscheidung, an dem ich gerne mal in alten Archiven krame, was ich zum Thema schon so alles geschrieben habe. Und dabei fiel mir der folgende Artikel in die Hände, den ich -> am 30.11.2012 unter obigem Titel <- verfasst habe.

Damals 2012 liefen im Bundestag gerade die diversen Abstimmungen zu den "Rettungsprogrammen" in Sachen Griechenland und wir erinnern uns an Interviews mit völlig desorientierten Bundestagsabgeordneten, die wie Schlafwandler keinen blassen Schimmer davon hatten, was sie da taten.

Dabei war schon damals für klar sehende Augen mit ein wenig ökonomischer Bildung klar, was für ein Schwachfug diese "Rettung" war und wie man für nichts und wieder nichts die Regeln der Währungsunion mit Füssen getreten hat.

Sicher verstehe ich auch, dass Motivation der damaligen Rettung vor allem Sorge um das eigene Bankensystem war. Nur das Problem hätte man mit dem gleichen Geld auch anders lösen können, ohne den Maastricht Vertrag zu zerstören.

Lesen Sie einfach noch einmal, was mir damals zu Frau Merkel eingefallen ist und wie aktuell das noch ist. Und wundern Sie sich - oder wundern sich nicht 😉 - wie wenig sich seit dem geändert hat.

Liebe Frau Merkel, Führen ist mehr als moderieren. Moderieren ist ein Teil der Gleichung und oft sinnvoll. Aber es gibt die Momente, in denen es ohne klare Richtungsentscheidung nicht geht.

Heute steht so eine Richtungsentscheidung über eine fehlkonstruierte Währungsunion an. Und Sie haben erneut eine Chance zu beweisen, dass Sie doch eine Anführerin sind!

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November 2012: Ein sehr persönlicher Kommentar zu Frau Merkel und zum Thema Führung:

Manchmal entstehen Gedankengänge adhoc aus dem Nichts. Sie wissen aus vielen grundsätzlichen und durchaus politischen Artikeln zur Eurokrise, wie sehr mich die Konsequenzen dieser Fragen für unsere Zukunft umtreiben.

So erinnere ich an Artikel wie -> Ja aber .. oder wie man sich selber abschafft <- oder -> Das Ende Deutschlands wie wir es kennen <-.

In Anbetracht der Meldungen zur wievielten? Abstimmung des Bundestages über die wievielte? "letzte" Stützung Griechenlands, wurde mir selber bewusst, dass selbst ich mittlerweise komplett auf geistigen Durchzug geschaltet habe, sobald von Politik, Berlin und Bundestag die Rede ist. Und ich habe mich gefragt, woran das liegt, denn an mangelndem politischen Interesse oder fehlendem Verständnis für die sachliche Problematik, kann es bei mir nun wirklich nicht liegen.

Die Antwort war mir schnell klar. Es handelt sich um eine Art unbewussten Selbstschutz meinerseits, weil ich das konzeptlose "Geschwurbel" der Politik in Anberacht der gewaltigen Konsequenzen die daraus erwachsen, einfach nicht ertrage. Es tut meinem Seelenheil gut, die Bilder der weitgehend hilf- und ahnungslosen Bundestagsabgeordneten, die da nach Fraktionsdisziplin abstimmen, zu verdrängen. Denn ansonsten würde ich jeden Tag die Verzweiflung spüren, die aus einem Gefühl der Hilflosigkeit erwächst. Hilflosigkeit, wenn man glaubt weit besser als die Mehrzahl der Politiker zu verstehen was nötig wäre, aber keinen Einfluss auf das Ergebnis hat.

So kam es zu einem Kommentar in den Live-Tips, darauf Kommentaren von Lesern und Antworten von mir, und so entstand ein Gedankengang, den ich für so wichtig halte, dass ich Ihn auch in Form eines Artikels verewigen will.

Denn eines ist doch offensichtlich. Wir haben in Europa, speziell aber gerade in Deutschland, ein gefühltes Führungsvakuum. Es fehlt dem Land an Orientierung und an Visionen, die seinen Weg in die Zukunft beschreiben. Von all den grundsätzliche Fragestellungen, die sich über Jahrzehnte aufgestaut haben, aber ohne konzeptionelle Antwort bleiben, ganz zu schweigen. Dieser gefühlte Mangel trägt wesentlich dazu bei, dass sich in schwierigen Zeiten dieses Gefühl der Hilflosigkeit breit macht, weil man glaubt sowieso nichts ändern zu können und so der Zukunft ausgeliefert zu sein.

Und wir haben mit unserer Bundeskanzlerin eine Meisterin des Machterhalts und der Organisation der komplexen Gegenwart, die aber nach meinem persönlichen Eindruck sofort ein spürbares Unbehagen zu befallen scheint, sobald es darum geht eine Richtung vorzugeben - ausser wenn diese Richtung sowieso Common Sense und damit offensichtlich ist. Denn etwas vorzugeben und sich mit seiner Überzeugung in den Wind zu stellen, ist aktiv und nicht reaktiv. Und es birgt die Gefahr in sich, dabei falsch zu liegen. Leider ist aber genau das Führung, das andere nur das Verhalten eine Verwalters. Immer nur aus der Deckung zu agieren, schützt vor Wunden, das Verhalten eines Anführers ist das nicht. Und Menschen werden so auch nicht motiviert.

Worauf sich die Frage anschliesst, warum das gerade in Deutschland so ausgepägt ist. Dem Land, auf das nun ganz Europa und die ganze Welt schaut, um in Europa Führung zu zeigen. Wer, wenn nicht Deutschland, könnte man fragen - und so sieht es auch die Welt ausserhalb Europas.

Ich befürchte wir sehen hier in Deutschland die Gegenbewegung zu den traumatisierenden Erfahrungen der zwei Weltkriege. Denn alles was mit Vision und Charisma zu tun hat, steht bei uns seit dem unter Generalverdacht.

Gerade bei den Deutschen ist das auffällig. Deutschland hatte seit der Reichsgründung 1870/71 eine beeindruckende Kraftentfaltung. Man konnte sozusagen vor Kraft kaum Laufen. Es gab so etwas wie ein kollektives Gefühl der Bestimmung zur Grösse, das dann natürlich auch primitiver Kraftmeierei eine Steilvorlage gab, statt klug eingesetzt zu werden. Mit dem Ende der Nazi-Herrschaft entstand dann ein gewaltiger Kater und seitdem ist alles diskreditiert, das mit Charisma und Vision zu tun hat.

Ich konnte es doch im Nachhinein an den Erzählungen meines Grossvaters beobachten. Ein Idealist wie er im Buche steht und überzeugtes Mitglied der Partei. Und irgendwann ist das dann umgeschlagen in ein Gefühl betrogen und missbraucht worden zu sein. Die Folge war innerlicher Rückzug in die überschaubare Welt des Schrebergartens.

Nun hindert uns diese kollektive Erfahrung, wieder in grösseren Dimensionen zu denken und die Welt gestalten zu wollen, statt sie nur zu erdulden und uns in ihr einzurichten. Und dieser Gestaltungswille ist nun im Zeitalter der Globalisierung dringend geboten ! Denn entweder wir gestalten, oder wir werden von anderen gestaltet !

Dabei ist Gestaltungswillen, Vision und Führungskraft zunächst einmal moralisch wertfrei und es sind Fähigkeiten, die immer wieder zwingend nötig werden. Moralisch “gut” oder “böse” wird Führung immer erst im Nachhinein, wenn man das Ergebnis der Führung dann bewundern und werten kann.

So können Visionen uns in den Untergang führen, aber auch in eine bessere Welt. Und wenn wir aufhören wollen, das Gute zu wagen, nur weil es auch schief gehen könnte, sollten wir in Deutschland besser gleich im Bett bleiben. Ich habe es schon einmal geschrieben, wir begehen hier in Deutschland in meinen Augen “Selbstmord aus Angst vor dem Tod !”

Und unsere Bundeskanzlerin passt perfekt dazu. Sie scheint mir persönlich so viel Angst davor zu haben, dass ihr die Kontrolle über die komplexe Situation entgleitet, dass sie darüber die wahre Rolle jedes Anführers vergisst: dem Land Orientierung, Richtung und das Gefühl eines gemeinsamen Sinns zu vermitteln. Genau die Fähigkeiten, die übrigens einen guten CEO von einem schlechten unterscheiden.

Dabei sind Führungsfragen und die Anforderungen an Führungspersonal ja nun nichts Neues und begleiten die Menschheit, solange wir Aufzeichnungen über die Geschichte haben. Und über die Jahrtausende haben sich daher auch bewährte Mechanismen heraus geschält, die jede grössere Gruppe von Menschen benötigt, wenn sie kollektiv vor schwierigen Herausforderungen steht.

So gibt es auf jedem gut geführten Schiff nicht ohne Grund neben dem Kapitän den 1. Offizier. Es ist der erste Offizier, der den Laden operativ am Laufen hält und auch die Disziplinargewalt ausübt, bewusst nicht der Kapitän. Der Kapitän dagegen bestimmt die Richtung und befeuert die Herzen der Mannschaft. Der Kapitän muss daher diese Eigenschaft besitzen, die man als Charisma bezeichnet. Diese Rollenverteilung hat sich über Jahrhunderte bewährt. Und auf einem Segelschiff über Monate eingepfercht den Naturgewalten trotzen zu müssen, hat durchaus Parallelen zu den "Naturgewalten" der einfachen Mathematik, mit denen wir uns nun im Angesicht der Staatschuldenkrise auseinander setzen müssen.

Wir in Deutschland haben mit Frau Merkel einen gut funktionierenden 1. Offizier, dem wir operativ nach aller Erfahrung auch vertrauen können. Der Kapitän ist dagegen schmerzlich “Missing in Action”.

Und nein, ich persönlich kann im derzeitigen politischen Personal niemanden erkennen, der diese Rolle des Kapitäns überzeugend ausfüllen kann. Schon gar nicht dünnhäutige Polterer, die eher Schafe im Wolfspelz als umgekehrt sind. Aber auch das ist für mich Zeichen des Elends unseres politischen Systems, das eher den angepassten Parteisoldaten fördert, als den unabhängigen, kantigen Überzeugungstäter.

Wenn wir in der globalen Weltgeschichte in Zukunft gestalten und nicht nur passiv hin- und her geworfen werden wollen, dann brauchen wir in meinen Augen eine Art Demokratie 2.0. Eine Demokratie, die die besten, klügsten und durchsetzungsstärksten Mitglieder unserer Gesellschaft dazu motiviert, sich politisch zu engagieren. Und ihnen das auch ermöglicht, ohne vorher eine stromlinienförmige Wandlung durchlaufen zu müssen. Eine Verfassung, die einer Regierung auch die Mittel gibt, dann mal "durchzuregieren" wenn sie gewählt ist, statt sie in eine permanente Quasi-Grosse-Koalition mit permanentem Vermittlungsausschuss zu zwingen, der nur graue Einheitssosse hervor bringt. Und als Gegenwicht zu dieser stärkeren Exekutive stärkere plebiszitäre Elemente, so dass der wahre Souverän, der Bürger, die Regierung zur Räson bringen kann, falls diese ihre Macht zu missbrauchen beginnt.

Und wir brauchen eine(n) Bundeskanzler(in), die/der zur Führung befähigt ist und von eigenen Überzeugungen über den richtigen Weg geleitet wird, verbunden mit der unverzichtbaren Fähigkeit, diesen Weg dem Land auch überzeugend zu vermitteln. Die operative Gestaltung der Details ist Aufgabe der ersten Offiziere, in Form der Bundesminister.

So weit meine Sicht auf das Elend unserer Politik. Und auf Frau Merkel, die ich persönlich als verlässliche Sachwalterin der Gegenwart durchaus schätze. Als Anführerin unseres Gemeinwesens aber persönlich für einen ziemlichen Ausfall halte.

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Verfrühstückt – Die Marktlage des DAX im griechischen Chaos

In Anbetracht der starken Volatilität im Markt und der bedeutenden Entwicklungen, gibt es die tägliche, morgendliche Marktlage, die um 08:20 Uhr im Premium-Bereich erschienen ist, heute ausnahmsweise nur wenig später auch mal im freien Bereich.

Guten Morgen!

Der Berg kreiste und gebar die erwartete Maus. Aber der Markt hat klar sein Urteil gefällt und hakt das Thema Griechenland ab. Die DAX Futures stehen vor Handelsstart bei knapp unter 11.600!

Sie sehen nun, warum ich letzten Mittwoch klar gesagt habe, dass jeder nun eine Entscheidung treffen muss. Denn zum Einstieg wird nicht geklingelt und wenn man darauf wartet, bis "alles klar" ist, liegt der wesentliche Teil der Bewegung schon hinter einem.

Dass es bei einer positiven Auflösung so massiv nach oben gehen würde, hat uns der Markt auch schon im Vorfeld gezeigt und ist keineswegs überraschend. Erinnern Sie sich an den Hoffnungs-Schub vom 10.06.? Der gab klare Indikation, was in dem Markt steckt und ich habe das mehrfach entsprechend kommentiert.

Ist damit nun das "all clear" Signal für zögerliche Anleger da? Leider Nein.

Denn der Markt funktioniert eben anders und vor allem schneller, als unsere zögernden Hirne. Die grössten Chancen sind dann, wenn die grösste Unsicherheit herrscht. Wenn aber alles klar erscheint, ist das auch in den Kursen und schon verfrühstückt.

Ich habe Ihnen Mittwoch letzte Woche in deutlichen Worten geschrieben, dass nun der beste Zeitpunkt seit April ist, sich im Markt zu exponieren. Das war auf den Punkt. Und was ist nun? Leider ist nun, bei DAX 11.600 *nicht* mehr der optimale Punkt um sich im Markt zu exponieren.

Aber auch nicht der Schlechteste, wir haben nun einfach eine Grauzone, in der der Markt durch Griechenland hindurch schaut und sich neu positionieren wird.

Denn ich denke, dass der DAX mit den 800 Punkten, die er von grob 10.800 auf nun 11.600 hoch gelaufen ist, die Erleichterungs-Rally aus der Griechenlandsaga weitgehend verfrühstückt hat. Das zumal hier nun die Abwärtstrendlinie herunter kommt.

Es ist auch klar, wenn wir uns das grosse Bild deutlich machen. Der DAX hat ja nicht nur wegen Griechenland korrigiert, sondern auch, weil er schlicht überhitzt war. 11.600 ist ein sinnvolles Konsolidierungsniveau auch ohne das griechische Desaster.

Ich erinnere an meinen Artikel von Ende April -> Sell in May und der Supervulkan <-, in dem auch ohne griechische Pirouetten von einer Konsolidierung bis ca. 11.000 über den Sommer ausgegangen wurde.

Und wenn wir uns mal gedanklich vom griechischen Gezappel lösen und uns wieder das grössere Chartbild des DAX anschauen, das wir hier so oft vor Augen hatten, dann ist doch bisher im Rahmen einer Korrektur im bullischen Aufwärtstrend alles in Perfektion gelaufen.

Wir hatten eine 1-2-3 Korrektur bis zum 200er EMA und zum 38er Fibo Retracement, haben genau in der 10.600-11.000 Zone gedreht und genau das gemacht, was ich schon vor Monaten sagte: Unter 11.000 hat der DAX wohl mittelfristige Kaufkurse:

DAX 23.06.15

Im Nachhinein wird man sich fragen, warum man bei dieser klaren Struktur nicht zugegriffen hat. Denn klarer wird es nie sein, als es hier war. Gäbe es in diesen Momenten keine Unsicherheit, wären die Kurse nicht unten, sondern oben.

Wie geht es also von hier weiter?

Ganz ehrlich, das ist für mich auf der kurzfristigen Zeitebene im Moment ganz schwer zu sagen. Und genau so klar, wie ich den Zeitpunkt der Chance letzte Woche benennen konnte, genau so unklar, ist nun von hier ausgehend die kurzfristige Entwicklung für mich.

Auch im S&P500 bin ich übrigens keineswegs überzeugt, dass der jetzt wirklich nach oben weggeht. Das kann zwar sein, aber ganz ehrlich, eher rechne ich mit einem weiteren Rückfall in die Range und einer Fortdauer der indifferenten, leicht steigenden Seitwärtsbewegung.

Das für mich wahrscheinlichste Szenario ist eine Rückkehr des 1. Quartals. Sprich die europäischen Märkte steigen weiter und die US Indizes kommen nicht vom Fleck. Aber das muss sich erst noch zeigen, wir sollten abwarten, was der Markt daraus macht, wenn er nun durch Griechenland hindurch in die Zukunft zu schauen beginnt.

Fazit in kurzen klaren Worten:

1. Die Rebound-Chancen, die sich aus einer Auflösung des griechischen Debakels ergeben, liegen nicht vor uns, sondern bei DAX 11.600 weitgehend hinter uns. Wer diese Bewegung nun nicht mitgenommen hat, braucht nicht mehr auf sie zu warten.

2. Der S&P500 muss erst einmal beweisen, dass er wirklich nach oben weg kann. Zweifel sind erlaubt.

3. Das politische Risiko, dass doch noch ein Grexit kommt, ist aus Sicht des Marktes nun minimal und ich glaube er hat damit Recht. Sollte dieser Fall aber trotzdem eintreten, gäbe es ein Schlachtfest am Markt, denn nun ist der Markt ungeschützt, Hedges wurden aufgelöst.

4. In den europäischen Märkten kommt es nun sehr auch auf den Euro an. Wenn der wieder fällt und Goldman Sachs hat dafür heute punktgenau an der Wegscheide -> eine Studie in den Markt geknallt <-, dann kehrt im 3. Quartal die Welt des ersten Quartals zurück, mit ihren stark steigenden Kursen in Europa und dem fallenden Euro.

Das für DAX und Co. kurzfristig bullischte Szenario - die Rückkehr des 1. Quartals - tritt also absurderweise genau dann ein, wenn die Eurozone zwar den Grexit verhindert, aber ansonsten weiter herum irrt, herum eiert und noch mehr gutes Geld dem schon verlorenen schlechten hinterher wirft.

Also alles, was mir persönlich als politisch und ordnungspolitisch denkender Mensch den Bauch umdreht und übel aufstösst, wird den Euro drücken und eine Rally befeuern. Und nach dieser Variante sieht es ja wirklich aus.

Jegliche Form von klarem Schnitt aber, egal ob ein echter Grexit oder ein Griechenland in der Eurozone, dass nun endlich mit klaren, harten Massnahmen beginnt, wird den Euro eher stärken. Und damit eine massive Rally in DAX und Co. schwierig machen.

So sehe ich heute früh die Welt. Das "leichte Geld" wurde gemacht, nun blickt der Markt nach vorne und was er sieht ist indifferent. Nach einer Phase der Orientierung, sind aber weiter steigende Kurse in Europa das wahrscheinlichste Szenario.

Denn wie schon im Artikel Ende April gesagt, rechne ich weiter eher mit neuen Höchstständen in Europa zum Jahresende, als mit dem Gegenteil und einbrechenden Kursen. Don´t fight the EZB!

Ich wünsche einen erfolgreichen Tag!

Ihr Hari

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Griechenland – Es ist nicht mehr zu ertragen!

Nein, es ist wirklich nicht mehr zu ertragen. Und damit meine ich primär gar nicht mal das Verhalten der neuen griechischen Regierung. Die verhält sich in meinen Augen aus rein egoistischer Sicht durchaus taktisch geschickt, um das Maximale heraus zu holen und das eigene Überleben zu sichern.

Nicht mehr zu ertragen, ist das Verhalten der Entscheidungsträger in der Eurozone, die scheinbar nichts aus dem riesigen Fehler gelernt haben, denn man 2011/2012 begangen hat. Denn heute ist klar für jeden sichtbar, dass man den wichtigen Maastricht Vertrag für eine vermeintlich alternativlose Pseudo-Rettung aufgegeben hat und damit alles nur schlimmer und teurer gemacht hat.

Was muss eigentlich noch passieren, dass man mal endlich das Offensichtliche kapiert und einsieht, dass die Eurozone in der aktuellen Konzeption so nicht dauerhaft bestehen kann?

Für mich ist es einfach nur grauenvoll beobachten zu müssen, wie man sich immer weiter hinein reitet und über die EZB die Risiken weiter erhöht, nur weil man nicht den Mumm hat einzugestehen, dass die ganze "Rettungsaktion" mit Aufweichung der Maastricht Verträge in 2011/2012, ein einziger gigantischer Fehler war.

Was man dabei offensichtlich im Bundeskanzleramt, wie auch in anderen Hauptstädten übersieht, sind die fatalen Wirkungen die dadurch langfristig nach innen, wie zur Weltpolitik ausgehen.

Nach innen, in der Eurozone und der EU, zersetzt es jeden Glauben an Solidarität und gegenseitige Verlässlichkeit. Damit ist endgültig dokumentiert, dass man nur besonders frech pokern muss, um zu bekommen was man will. Die Folgewirkungen werden über den Tag hinaus fatal sein. Wie schon 2011/2012 glaubt man auch aktuell wohl einen "Quick Fix" finden zu können und macht damit langfristig alles nur schlimmer.

Nach aussen hin, werden die Autokraten der Welt von Erdogan bis Putin nur darin bestärkt, wie unglaublich schwach diese EU und dieser Teil des Westens ist, die selbst im eigenen Haus nicht den Mumm haben, bei wirklich zentralen Fragestellungen gemeinsam getroffene Vereinbarungen und Verträge durchzusetzen. Die Folgen werden auch hier fatal sein, denn das animiert dazu, noch aggressiver aufzutreten. Appeasement hat bei der menschlichen Typologie von Autokraten noch nie funktioniert, da die Wertvorstellungen ganz andere sind, als sie ein in Demokratien sozialisierter und auf Ausgleich gepolter Politiker hat.

In Anbetracht dieses Elends kann man nur immer wieder daran erinnern, das nichts von all dem was gerade passiert, alternativlos war und viele kluge Köpfe das auf verschiedenste Art und Weise haben so kommen sehen.

Auch wir hier bei Mr-Market waren dabei und ich will deswegen am heutigen Tag und vor dem Wochenende, einfach nur ein paar alte Artikel in Erinnerung rufen.

Artikel, die gerade nach 3 Jahren besonders lesenswert sind, denn man sieht daran, dass nichts von dem was heute passiert, unvorhersehbar oder alternativlos war:

2012: -> Das Beste für Griechenland, ein Kommentar aus tiefstem Herzen <-

2012: -> Was bleibt? Kurze Gedanken zum Eurodrama <-

2012: -> Das Elend unserer Politik oder warum Frau Merkel keine Anführerin ist <-

2013: -> Wählen Sie STUSS <-

2012: -> Ein historischer Tag - Das Ende Deutschlands, wie wir es kennen <-

2012: -> Ja aber, oder wie man sich selber abschafft <-

2013: -> Die absurde Diskussion um Austerität versus Wachstum in der Eurozone <-

2014: -> Warum Kohl Unrecht hat und Angela Merkel auch <-

2015: -> Der Euro und der Grexit, der Kern des Problems <-

Hoffen und beten wir, dass Europa langsam mal aufwacht und sich erinnert, dass das Leben nicht nur aus Lavieren, Antichambrieren und Gekungel besteht, sondern auch aus Führung, Vision und Gestaltungskraft.

So geht es auf jeden Fall nicht weiter und das gilt nicht nur für Griechenland, Griechenland ist nur ein Katalysator. Und das sagt jemand, der wie ich zutiefst vom Gedanken der europäischen Einigung überzeugt ist und keine Rückkehr in nationalstaatliche Egoismen will.

Ihr Hari

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US Transportation Index, Dow Theorie und US Konjunktur

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 22.05.15 14:40 in Hari Live

Einer der Indikatoren, der gerne benutzt wird, um den Zustand der US Konjunktur einzuschätzen, ist der US Transportation Index.

Ich habe darüber zuletzt im Mai letzten Jahres im Artikel -> US Transportation Index als Wirtschaftsindikator <- geschrieben und damals signalisierte der Index eine stabile Konjunktur, was sich ja im Nachhinein auch nicht als falsch heraus gestellt hat.

Die Grundidee hinter diesem Indikator ist ebenso einfach wie logisch, denn wirtschaftliche Aktivität zeigt sich in Form von mehr Lieferungen und Rohgütern, die zur Produktion angeliefert werden. Und insofern besteht ein Zusammenhang zur generellen Konjunkturlage und bis zu einem gewissen Grad, kann der Transportation Index auch ein Vorlaufindikator sein.

Auch im Rahmen der -> Dow Theorie <- ist die "Non-Confirmation" des Transport-Sektors ein zentraler Faktor. Kurz gesagt, darf der Transportsektor nicht hinter dem Dow hinterher hinken und wenn der Dow neue Hochs erreicht, sollte es der Transportation Sektor auch, sonst haben wie ein Warnsignal in Form einer "Non-Confirmation". So weit die Theorie.

Das Dumme ist, wir haben aktuell dieses Warnsignal und das schon seit einigen Monaten, schon im Februar und März wurde es herum gereicht und es ist immer noch aktiv und die Divergenz ist seit dem noch weiter aufgegangen: -> Dow Theory Non-Confirmation <-

Müssen wir uns nun also Sorgen machen?

Meine kurze aber klare Antwort darauf ist: Keine Panik auf der Titanic! 😉

Zumindest nicht alleine aufgrund dieses Indikators. Eine Topbildung in den US Indizes ist derzeit durchaus vorstellbar, aber eben nicht schwarz/weiss nur, weil der Transportation Index eine Divergenz zeigt.

Denn es ist so eine Sache mit so uralten Korrelationen, man sollte schon ein bisschen verstehen, worauf diese beruhen und dann unter die Haube schauen und überprüfen, ob die Grundannahmen noch identisch und noch gültig sind.

Ich hatte es schon im Artikel von letztem Mai erwähnt, dass der Transportation Index eine Sonderkonjunktur durch den Aufstieg des Online-Versands zeigt, der die Aktien von FedEx, UPS und Co. pusht, ohne damit zwangsläufig eine Aussage über die industrielle Produktion zu machen.

Als die Dow Theory kreiert wurde, gab es aber kein Internet und auch keinen relevanten Warenversand an Privatpersonen. Dafür ging man in Läden. Damals bestand also eine glasklare Korrelation zwischen Transportaktivität und Konjunktur, die heute nicht mehr so simpel ist.

Weiterhin gibt es aktuell wieder Sonderthemen bei den US Luftfahrtunternehmen, die auch alle Probleme haben - das kennen wir ja von der Lufthansa. Diese Probleme haben aber auch nichts mit dem Warenaufkommen zu tun, sondern viel mehr mit massivem Wettbewerbsdruck durch Globalisierung und andere (subventionierte) Airlines.

Und drittens gibt es bei der Eisenbahn eine Sonderthematik zur Ablösung von Kohle als Schmiermittel für die Energieerzeugung. Kohle war immer sehr "transportintensiv", während Gas im Land selber durch eine Pipeline gepumpt wird und deshalb in der Regel am Transportation Index vorbei geht, solange es nicht als Flüssiggas verschifft wird. Und Solarenergie und andere dezentrale Energieformen, müssen überhaupt nicht in Autos, Bahnen und Flugzeugen transportiert werden.

Der Punkt ist, die Welt hat sich gewandelt, seit die Dow Theorie kreiert wurde. Ich würde den Zusammenhang trotzdem nicht völlig vom Tisch wischen, er ist ohne Frage immer noch da und auch der Indikator hat immer noch seine Berechtigung. Aber man kann solche Parameter nicht wie ein Roboter über 100 Jahre fortschreiben, stur anwenden und dabei sein Hirn ausschalten.

Schauen wir doch mal selber auf den -> iShare Transportation Index ETF IYT <-, der den Dow Transportation Index abbildet:

IYT 22.05.15

Was wir sehen, ist ohne Frage schwach und hängt seit Jahresanfang 2015 hinter Dow und S&P500 und Co. hinterher. Aber es ist auch keine klare Topbildung und auch nicht so schwach, dass es unbedingt mehr als einfach eine Konsolidierung nach einer davorliegenden Überperformance sein muss.

Und auch im sehr langfristigen Bild mit Monatskerzen, sieht man bisher nicht mehr als eine notwendige Konsolidierung, nach dem der IYT gegen Ende 2014 stark nach oben überdehnt war:

IYT 22.05.15 2

Aus einer anderen Richtung, aber mit ähnlichem Ergebnis, argumentiert -> Chris Ciovacco <- in seinem letzten Blogeintrag. Auch den sollten sie mal lesen.

Das Fazit lautet also für mich: Keine Panik auf der Titanic.

Die Schwäche im Transportation Index *könnte* sehr wohl der Beginn eines echten Konjunkturproblems in den US sein und ist es deshalb wert, beobachtet zu werden. So weit sind wir aber noch nicht und ein Indikator ist immer noch nur ein Indikator und erst in der Summe vieler Indikatoren, entsteht ein belastbares Bild.

Es ist es also wert, immer mal wieder kritisch auf den Transportation Index zu schauen, aber die Abweichung ist nicht so gross, dass sie nicht problemlos durch die genannten Sondereffekte und Änderungen der Wirtschaftswelt erklärt werden könnte.

Wenn man Indikatoren betrachtet, muss man halt sein Hirn einschalten. Einen vor über hundert Jahren, unter ganz anderen Rahmenbedingungen kreierten Indikator, einfach blind und 1zu1 zum heiligen Gral im Jahr 2015 hoch zu jubeln, ist schlicht: Geschwätz.

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Die politische Dysfunktion und der Mangel an Anführern

Darf man sich in Finanzblogs auch zur Politik äussern? Warum eigentlich nicht und am Vatertag darf ich sowieso machen, was ich will. 😉

So will ich einen kleinen Beitrag, den ich am Dienstag 12.05.15 09:00 in Hari Live eingestellt habe, auch im freien Bereich veröffentlichen.

Denn es zeigt, dass wir uns in der Community auch zu (finanz-)politischen Themen austauschen, das aber freundlich, nicht konfrontativ und im Geiste gegenseitiger Wertschätzung - Erkenntnisgewinn suchend und nicht Rechthaberei.

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Ein lesenswerter Artikel zum damaligen Ablauf der Rettungsversuche in Sachen Griechenland, findet sich hier:
-> Heute würden wir Griechenland Pleite gehen lassen <-.

Das Fazit, dass man daraus auf heute übertragen kann ist, dass scheinbar niemand etwas daraus gelernt hat.

Ich könnte mich jetzt selbstzufrieden in den Sessel zurück lehnen und sagen: "Ich habe es doch schon damals gesagt". Und das ist objektiv sogar wahr, ich habe immer die Position vertreten, die Sie aus den letzten Jahren hier von mir kennen.

Das wäre aber eindeutig zu selbstzufrieden, weil gerade ich jemand bin der weiss, wie sich Verantwortung für viele andere Menschen anfühlt. Es ist leichter, von aussen klug daher zu "schnacken", statt mitten im Getümmel die schweren Entscheidungen treffen zu müssen.

Trotzdem zeigt mir persönlich der Ablauf erneut ein massives Defizit, nämlich eine Dysfunktion unseres politischen Systems, das eher den Typus "Antichambrierer" und "Lavierer" in politische Ämter befördert, weil man sich nur so in politischen Parteien hoch arbeiten kann. Wer dagegen mit einer starken Persönlichkeit zu sehr aneckt und zu klare Kante hat, fliegt im politischen System einfach raus, weil er/sie sich zu viele Feinde macht.

Und klar gibt es lobenswerte Ausnahmen, die sich trotz des Anpassungsdrucks in den Partei-Schornsteinen nicht verbiegen lassen. Es sind aber Ausnahmen. Wir müssen uns nur das Abstimmungsverhalten bei wichtigen Themen im Bundestag anschauen, dann wissen wir, wie gross der Anpassungsdruck ist.

Die tragische Folge davon ist, dass der Typus "Hasenfuss" und "Symbolpolitiker" im politischen Prozess eher gefördert und der Typus "Anführer" und "Gestalter" massiv unterrepräsentiert ist. Auch das erklärt übrigens, warum sich Wirtschaft und Politik so wenig zu sagen haben und es fast keinen Austausch gibt. Und wenn, wie bei Koch oder Stollmann, geht er in die Hose.

90% der Zeit, in denen letztlich Politik nur den Status Quo verwaltet und sich den Orchideenthemen widmet, fahren die Menschen im Lande mit dem Typus "Symbolpolitiker" auch sehr gut, immerhin macht der auch nicht viel kaputt.

Aber das Leben und das Schicksal, hält halt auch manchmal die besonders wichtigen Momente bereit, in denen es auf Führungskraft und Gestaltungswillen ankommt. Und dann bräuchte man einen ganz anderen Typus von Politiker, als den, den wir typischerweise haben - lobenswerte Ausnahmen bestätigen die Regel.

Insofern wundert mich das Zaudern und Zagen, das aus obigem Artikel zum Thema Griechenland hervor geht, kein bisschen. Und es ist heute wieder kein bisschen anders und in ein paar Jahren wird man wieder entschuldigend sagen: "hätten wir damals gewusst"....

Was natürlich in meinen Augen eine ebenso billige, wie unzutreffende Entschuldigung ist. Man konnte damals wie heute durchaus "wissen". Viele kluge Leute haben "gewusst" und wissen auch heute was nötig ist. Was wirklich fehlte und fehlt, waren und sind aber "Anführer und Gestalter", die bereit sind, die Last einer schweren Entscheidung mal auf ihr breites Kreuz zu nehmen und für Konsequenzen einzustehen. Aber dieser Typus ist halt in der Regel nicht in der Politik - eben weil er auf dem Weg in höhere Ämter schon abgeworfen wird.

So hängt der Verlauf der Geschichte halt manchmal doch von einzelnen Personen ab und ganze Völker werden für den Zufall bestraft oder belohnt, an ihrer Spitze Idioten oder Anführer und Gestalter im positiven Sinne zu haben.

Wer sich ein wenig in der Geschichte auskennt weiss, dass auch Churchill im Politbetrieb Großbritanniens lange ein Aussenseiter war, weil er eben war, wie er war. Erst als es dem Land richtig dreckig ging, erinnerte man sich an den "Pitbull" Churchill und der Ruf nach einem Retter wurde laut. Und ganz klar, hätte England damals keinen Churchill gefunden, wäre die Geschichte völlig anders abgelaufen.

Man muss Anführer begrenzen und kontrollieren, damit aus ihnen keine Diktatoren werden, die ihre eigenen Anschauungen zum Nabel der Welt erklären. Insofern ist Demokratie definitiv schon "die Beste aller schlechten Regierungsformen", weil nur so der notwendige Wandel erzwungen wird und sich starke Persönlichkeiten nicht das ganze Land zum "Eigentum" machen können.

Aber es wäre trotzdem wünschenswert, wenn der politische Selektionsprozess im Vorfeld des Regierungsamtes, mehr Anführer und Gestalter und weniger Symbolpolitiker selektieren würde. Dem Land würde es sicher gut tun.

Und wir hätten dann garantiert schon lange sinnvolle und strategisch konsequente Entscheidungen zum Thema Griechenland und zur Zukunft Europas und der Eurozone. Denn genau diese fehlen uns schmerzhaft.

Soweit meine persönliche Meinung zum Thema.

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Der Euro und der Grexit: Der Kern des Problems

Die Medien sind voll mit Analysen und Meinungen zum möglichen Grexit und auch in den internationalen Foren werden sich die "Haare gerauft" und gegenseitige Vorwürfe erhoben.

Ich könnte jetzt Seiten um Seiten zum Thema schreiben, wie wir das im Premium Bereich schon in den letzten Wochen getan habe, um das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Oder ich mache es kurz und klar, um in all dem argumentativen Durcheinander mal wieder den Blick auf den Kern des Problems zu lenken.

Denn der Kern des Problems ist nicht griechische "Faulheit" oder deutsche "Sturheit", es ist ein Euro, der so wie aktuell konstruiert, gar nicht funktionieren kann.

Denn ein einheitlicher Währungsraum kann nur funktionieren, wenn dem Währungsraum auch eine einheitliche Wirtschafts- und Fiskalgesetzgebung zugrunde liegt. Und dann auch noch eine zumindest ähnliche Rechts- und Wirtschafts-Kultur im Währungsraum existiert.

Das war bei Gründung des Euros eigentlich klar, nur wurde es politisch versäumt, die guten ersten Jahre zu nutzen, um diese Strukturen nachzuholen und als Euroraum rechtlich und wirtschaftlich zusammen zu wachsen. Das waren die Jahre, in denen gerade die Südländer massiv von den fallenden Risikoaufschlägen profitierten, die wiederum die Folge davon waren, dass eben auch Stabilitätsanker wie Deutschland nun den Währungsraum bildeten.

So wie der Währungsraum des Euros aber heute konstruiert ist, unverändert als Flickenteppich ohne einheitliche Wirtschaftskultur, Wirtschaftspolitik und Fiskalpolitik, kann er nicht dauerhaft bestehen. Entweder er wächst schnell eng zusammen, oder er fällt auseinander. Punkt.

Es gibt historisch keine Währungsunion, die je mit derart fehlenden Grundlagen funktioniert hat. Aber einige Beispiele, die genau deswegen gescheitert sind.

Und Griechenland hat durchaus Recht, mit diesem „Reform“-Programm kann es nicht leben. Das liegt aber nicht am Programm, sondern am Euro. Griechenland kann mit seiner mangelnden Wettbewerbsfähigkeit und seinen ineffizienten öffentlichen Strukturen in keinem Programm gleich welcher Art im Euro leben und auch nicht ganz ohne Reformprogramm. Egal was man nun macht, wenn Griechenland in diesem Euro bleibt, werden wir in ein paar Jahren und viele verbrannte Milliarden später, wieder vor dem gleichen Problem stehen. Denn Griechenland gehört nicht in den Euro und hat nie hinein gehört.

Ein Land wie Griechenland braucht den Wechselkursmechanismus und damit verbunden die Abwertung der Währung, wie die Luft zum Atmen. Ohne die Abwertung, wird Griechenland in ein paar Jahren wieder vor den gleichen Problemen stehen, ganz egal was nun passiert.

Und umgedreht braucht Deutschland die Aufwertung wie die Luft zum Atmen, um dauerhaft zukunftsfähig zu bleiben. Mit einer dauerhaft schwachen Währung wird Deutschland langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Das süsse Gift der schnellen, leichten Gewinne, das sich nun aktuell scheinbar positiv auswirkt und Stärke vorspiegelt, wirkt erst in ein paar Jahren, dafür aber um so stärker.

Der Euro versucht in eine Währung zu pressen, was nicht zusammen gehört. Griechenland und Deutschland können nicht in einer gemeinsamen Währung sein, wenn es nicht eine einheitliche Regierung und gemeinsame Kultur gibt. Das ist die grosse Lebenslüge des Euros. Er ist eine fatale Fehlkonstruktion, die den Spaltpilz an Europa legt, aber kaum einer in der Politik traut sich, es zu sagen und daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen.

Schaut man ganz rational auf das gesamte Bild, ergeben sich nach meiner Überzeugung nur drei Alternativen:

(1) Der Euroraum wächst nun schnell in einen einheitlichen Rechts- und Wirtschaftsraum mit einheitlicher Gesetzgebung und Regierung zusammen und schafft damit endlich die Voraussetzungen dafür, dass der Euro überhaupt funktionieren kann.

Das ist leider völlig unrealistisch. Die deutsche Gesellschaft wäre dazu wohl noch am ehesten bereit. Aber gerade die südeuropäischen Gesellschaften wie in Griechenland, wären nie bereit, ihre Souveränität an einen Bundesstaat abzugeben. Nie im Leben. Das gilt auch für Frankreich.

(2) Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die stärksten Länder wie Deutschland austreten.

Obwohl es theoretisch wohl die beste Lösung wäre und tatsächlich zu einer Art Nord- und Süd-Euro führen würde, der dann besser funktionieren kann, ist es leider auch unrealistisch. Denn es gibt ein Land, das nicht aus dem Euro austreten kann, weil er sonst am Ende wäre. Und das ist Deutschland. An dem Tag, an dem Deutschland aus dem Euro austritt, bricht ein Finanz-Tsunami in der Welt los, gegen den alles was wir bisher erlebt haben, ein Kindergeburtstag wäre. Und das, weil der "Rest-Euro" jede Glaubwürdigkeit verliert und ihn keiner mehr haben will.

Man kann es auch mit einer Metapher beschreiben: Einem Körper kann man Finger und sogar eine Hand und einen Fuss abschneiden und er kann immer noch leben. Aber das Herz und die Lunge kann nicht entfernt werden.

(3) Womit nach zwei unrealistischen Möglichkeiten, nur eine Dritte bleibt: Der Euroraum schrumpft sich gesund und gleicht sich an, in dem die schwächsten Länder, angefangen mit Griechenland, austreten.

Die Variante (3) ist die einzige, die realistisch denkbar ist. Dabei hat auch sie erhebliche Risiken auf der politischen Seite. Nein, es ist keine "schöne" Variante, aber die einzige die realistisch ist. Denn damit werden in der öffentlichen Wahrnehmung schwache Volkswirtschaften einfach "zurück gelassen" und das wird zu Radikalisierung führen und am Ende auch dem Zusammenhalt in der EU massiv schaden.

Aber dieser Schaden der gegenseitigen Vorwürfe und des Auflebens alter nationaler Ressentiments, ist ja schon längst eingetreten und eine Lösung ohne Schmerzen gibt es leider nicht mehr. Das hat uns die Politik der 90er Jahre mit der Einführung des fehlkonstruierten Euros eingebrockt, der Europa spaltet und nicht eint.

Zu glauben, man könne den Euro - so wie er aktuell ist - zusammen halten und trotzdem souveräne Länder bleiben, ist aber völlig illusorisch und wer das verfolgt, betreibt nach meiner festen Überzeugung Konkursverschleppung.

Dieser Euro hätte so nie gegründet werden dürfen. Da er nun aber mal in der Welt ist, bleibt nur der Weg des Gesundschrumpfens auf einen Kreis von Ländern, die sich kulturell, rechtlich und wirtschaftlich so nahe sind, dass sie einen gemeinsamen Währungsraum bilden können.

Je länger diese Grundsatzdiskussion aufgeschoben wird, desto schlimmer werden die Schmerzen und die Scherkräfte in der Eurozone werden. Und desto schlimmer werden die Folgen für die Einheit Europas sein. Wer Frieden und Freundschaft in Europa erhalten will, muss diese Diskussion nun führen.

Die Mathematik lässt sich halt nicht betrügen und nicht mit medialer Rabulistik beruhigen. Und auf den ausgleichenden Wechselkursmechanismus, kann man zwischen Volkswirtschaften nur dann verzichten, wenn die Volkswirtschaften sich sehr ähnlich sind oder es eine gemeinsame Regierung gibt, die demokratisch legitimiert einen Lastenausgleich organisiert, so wie das bei der deutschen Wiedervereinigung passiert ist. Punkt.

Ihr Hari

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Schlafwandler und Kriegstreiber – mein Blick auf die Ukraine-Krise

Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid. (Yoda)

Perfekter kann man es nicht sagen. Manchmal findet sich Weisheit eben auch in der Populär-Kultur. 😉

Sie werden sich nun fragen, warum ich in einem Börsenblog einen langen Artikel zur Weltlage schreibe.

Nun, seit dem Ende der Sowjetunion vor fast 25 Jahren hatte ich nie mehr ein Wochenende, an dem ich nur sorgenvoll über Weltpolitik gegrübelt habe. Das letzte war so Eines.

Und ich hatte überhaupt noch nie einen Wochenstart, an dem ich eigentlich keine Lust habe, mich mit dem Markt zu beschäftigen, weil es Wichtigeres gibt.

Ich denke es gibt Punkte in der Geschichte die so bedeutsam sind, dass man als Bürger nicht einfach schweigen kann. Punkte an denen es wichtig ist, dass Menschen ihre Stimme gegen Hass, Einseitigkeit und Propaganda erheben, Menschen die sich um Mitte und Mass bemühen und um einen differenzierten, unideologischen Umgang mit der Wirklichkeit.

Ich betone dabei ausdrücklich, dass ich nicht die Wahrheit gefressen habe, sondern wie wir alle mir nur ein Bild aus den diversen Quellen machen kann. Diese Erkenntnis meiner Begrenzung, unterscheidet mich dann aber von all den selbstgerechten Kriegstreibern, die auf beiden Seiten nun einer Eskalation das Wort reden und dabei so tun, als hätten sie Wahrheit und Weisheit gefressen. Ich habe das nicht.

Alles worum ich mich bemühen kann und es im Folgenden auch werde, ist mein Bild möglichst breit und unabhängig entstehen zu lassen und mich nicht nur von einer Quelle einer freiwilligen, medialen Gehirnwäsche zu unterziehen. In diesem Spiel kennt niemand die ganze Wahrheit, selbst nicht die Staatschefs, die sich da nun vielleicht in Minsk zu viert gegenüber sitzen. Und die Lage ist so verwoben und so voller vielfältiger Aspekte, dass die Frage berechtigt ist, ob es überhaupt eine klare "Wahrheit" gibt.

Hier ist also mein Versuch, eine Schneise der Rationalität in die Eskalation hinein zu schlagen. Höchst subjektiv und ohne Wahrheitsanspruch. Einfach nur, wie ich als Bürger Europas die Lage erlebe.

Wenn Sie nur an Börse interessiert sind, brauchen Sie nun nicht weiterlesen. Wenn Sie aber als Bürger Europas nun Sorgen haben, betrifft es Sie. Und auch die Märkte wird natürlich betreffen, wie sich die Lage weiter entwickelt. Und so schliesst sich der Kreis zum Börsenblog.

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Der überraschende Besuch von Merkel und Hollande in Moskau zeigt, dass es 5 vor 12 ist und die Lage rund um den Ukraine-Konflikt dramatisch und brandgefährlich wird. Denn zwei Staats- und Regierungsschefs, die zu den wichtigsten der Welt gehören, reisen in einer Krise nicht einfach ohne absehbaren und schon diplomatisch vorbereiteten Erfolg zu einer anderen Konfliktpartei. Das passiert ganz selten und nur in dramatischen Ausnahmesituationen, sozusagen um über "Krieg oder Frieden" zu entscheiden.

Eigentlich fällt mir unmittelbar nur Neville Chamberlain ein, der im September 1938 ohne vorbereitetes Ergebnis nach Deutschland kam, um den "Frieden in unserer Zeit" zu sichern. Er schloss dann das Münchner Abkommen und glaubte der Welt Frieden gebracht zu haben .... für ein paar Monate. Aber es gibt sicher andere ähnliche Fälle, die mir nur gerade nicht einfallen, wenige sind es aber auf jeden Fall.

Und natürlich wissen Merkel und Hollande, dass das böswillig als "Bittgang" ausgelegt werden kann und auch wird von denen, die kein Interesse an Frieden haben, sondern in ihren Schützengräben eingegraben sind.

Und während die meisten Bürger immer noch denken, dass das ein Geschehen „in der fernen Ukraine“ sei, besteht die reale Gefahr, dass sich 2015 in der Nachbetrachtung in die Jahre 1914 und 1938 einreiht.

Wobei ich eher Ähnlichkeiten mit 1914 sehe, denn auch da hat den grossen Krieg so richtig eigentlich keiner gewollt, aber Misstrauen, Hass und Kommunikationsunfähigkeit, führten die Welt dann doch auf die Rutschbahn zum grossen Konflikt.

Und genau das - Misstrauen, Hass und Kommunikationsunfähigkeit - habe ich am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesehen, die ein erschreckendes Bild des Pessimismus und der Ratlosigkeit abgab. Und das in einer Zeit, wo auch die atomare Gefahr wieder ihr Haupt erhebt und Russlands Dmitrij Kiseljow im Staatssender "Rossija" sagte: -> Russland ist das einzige Land der Welt, das in der Lage ist, die USA in radioaktiven Staub zu verwandeln <-.

Da bleibt einem nur der Mund offen stehen. Nun bin ich sicher, dass es in den US ebenso extreme Fanatiker gibt, die wieder über die Machbarkeit eines Atomkrieges fabulieren. Nein, aggressiv militärisches Dominanzdenken gibt es leider überall auf der Welt und die auf Kooperation und Verständnis orientierten Menschen geraten dann leicht in die Defensive. Aber dass solche Sätze wieder öffentlich gesagt werden, ohne dass es den Sprecher sofort den Kopf kostet, ist bezeichnend dafür, wie uns die Denkstrukturen des kalten Krieges wieder im Griff haben.

Bei mir steigt auf jeden Fall zunehmend die Wut auf Stümper und Kriegstreiber auf allen Seiten, die wie Schlafwandler – ja wie „Schlafwandler“ – einen Konflikt eskalieren, der nicht sein müsste. Wir haben in München amerikanische Senatoren und einen russischen Aussenminister gesehen, die alle wohl im kalten Krieg sozialisiert wurden und nur in diesen Denkstrukturen denken können. Misstrauen und Scheuklappendenken prägen das Bild und jeder ist in seinem fest gefügten Welterklärungsmodell gefangen, ohne es auch mal aus der anderen Brille betrachten zu können oder wollen.

Ich habe mich mit meiner Frau daher am Sonntag Abend mal bei einem Glas Wein hingesetzt, und wir haben in 2 Stunden den gesamten geschichtlichen Ablauf rekapituliert. Denn wenn man das Problem verstehen will, muss man die Geschichte verstehen.

Wir haben uns die alten Landkarten des Zarenreiches angeschaut und uns an den -> den Holodomor <- erinnert, in dem Millionen Ukrainer 1932/33 in den Hungertod getrieben wurden und den viele als Genozid Stalins interpretieren. Will man den Hass verstehen, den bestimmte Gruppierungen in der Ukraine gegen Russland haben, muss man bis dahin zurück gehen.

Wir haben über die willkürlichen Grenzziehungen des Ukrainers und „Schuhklopfers“ Chruschtschow gesprochen, durch die 1954 russische Teile wie die Krim, überhaupt in der Sowjetrepublik „Ukraine“ landeten. Eine Sowjetrepublik Ukraine, die innerhalb der UDSSR ausser als Verwaltungseinheit keine Bedeutung hatte und nach dem Zusammenbruch der UDSSR aber plötzlich als selbstständiger Staat da stand.

Wir haben uns angeschaut, wie oft in den letzten hundert Jahren das Gebiet im Westen um Lemberg den Staat wechseln musste. Da hatten wir seit dem 18. Jahrhundert Österreich-Ungarn, dann von 1918-1939 Polen, dann im Zuge des Hitler-Stalin Paktes von 1939-1941 die Sowjetunion. Von 1941-1944 als Teil des Generalgouvernements Deutschland, aber 1944 wieder Sowjetunion und ab 1991 Teil der unabhängigen Ukraine.

Wundert sich da noch jemand, wie sehr die Menschen um Lemberg nach Westen wollen ? Umgedreht wundert sich jemand, dass sprachliche und ethnische Russen im Donbass weiter primär Russen sein wollen?

Auch wenn es politisch unkorrekt ist, die Ukraine ist in diesen Grenzen ein Staat, den es für mich ebenso wenig geben dürfte, wie ehedem Jugoslawien. Was daraus wurde, wissen wir ja. Die Ukraine ist so wie sie ist in diesen Grenzen, für mich eine Laune des Zufalls, zerrüttet von 25 Jahren Oligarchen-Herrschaft, wo man wirklich nicht mehr weiss, ob nun die hasserfüllte Timoschenko oder der korrupte Janukowitsch der schlimmere Regierungschef war.

Dann haben meine Frau und ich den Ablauf der jüngeren Geschichte besprochen. Über die eine Hälfte der Ukraine, die nach Westen will und sich im Maidan gegen Korruption und Misswirtschaft auflehnte, als ihr mit der Ablehnung des EU Assoziierungsabkommens der Weg scheinbar abgeschnitten wurde.

Und nein lieber Kreml, nur weil Ihr als teilweise Ex-KGB Offiziere in so Kategorien denkt, wird es nicht wahrer: Der Maidan war nach meinem Eindruck im Wesentlichen eine Volksbewegung und kein orchestrierter Staatsstreich, obwohl es ohne Frage auch Zündler und Antreiber von Aussen und Innen gab, die ihre eigenen finsteren Interessen auf dem Rücken des Aufstands durchsetzen wollten. Die gibt es aber in so Umbrüchen immer, darin habt Ihr auch Übung liebe Russen, insbesondere der KGB. Bitte keine Doppelmoral lieber Kreml!

Und wir haben über die unrühmliche Rolle geredet, die die EU insbesondere in Person der stümperhaften Aussenbeauftragten Ashton gespielt hat. Eine Ashton, die nicht sehen konnte, dass es da auch eine andere Hälfte der Ukraine gab, die nicht mit dem Maidan war und deren gewählter Präsident – und das war Janukowitsch – einfach revolutionär verdrängt wurde. Und hinter einer unfähigen Ashton standen dann Scharfmacher wie Victoria „fuck the EU“ Nuland. Diese Frau ist übrigens immer noch bei Kerry. Und ein Scharfmacher wie McCain, der in der Ukraine den Aufstand aufgewiegelt und ihm unrealistische Hoffnungen gemacht hat.

Und nein lieber Westen, es ist kein legitimer Regierungswechsel gewesen, eine Wahl wäre Monate danach sowieso gekommen. Es war ein gewaltsamer Umbruch und das wie die Russen als Putsch zu empfinden, ist absolut nachvollziehbar. Wo war denn die Aufregung des Westens, die bei der Vertreibung eines demokratisch gewählten Staatschefs eigentlich nötig wäre? Bitte keine Doppelmoral lieber Westen!

Wir haben über die unsäglichen, rechtsgerichteten Mitglieder der ersten neuen ukrainischen Regierung gesprochen, die sofort Russisch als zweite Amtssprache abschaffen wollten. Und damit latenten Ängsten im Osten und auf der Krim Berechtigung verschafften. Und wir haben über den Kreml gesprochen, der irgendwann in dieser Zeit nach der Flucht Janukowitsch wohl die Entscheidung getroffen haben muss nun einzugreifen und die eigenen Interessen zu sichern. Und da es wegen des Völkerrechtes formal offen nicht möglich war, eben verdeckt mit Russen in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen und unter Ausnutzung lokaler Grössen mit separatistischem Gedankengut.

Denn von der westlichen Seite kam nichts, was diese zweifelhafte und illegitime neue Regierung mal in Frage stellen würde. Und im Westen war auch niemand, der die nicht völlig unberechtigten Sorgen und Ängste des Kremls um das Assoziierungsabkommen und eine folgende Nato-Mitgliedschaft mal ernst nehmen würde. Aus der westlichen, dumm-naiven Welt, war die ganze Ukraine in einem fahnenschwingenden Freiheitskampf, den man unterstützen muss. So sieht das halt aus, wenn das Geschichtsverständnis sich auf Fernsehbilder reduziert. Lesen sie mal die Artikel der Medien von damals und wie sehr ich mich vor einem Jahr hier im Forum darüber aufgeregt habe.

Tja und so haben wir ein Russland, das sich über das Völkerrecht hinweg setzt. Und damit auch einen Bürgerkrieg mit schweren Waffen angezettelt hat, den es so nicht hätte geben müssen. Aber so simpel, dass dahinter nur "böse russische Aggressionsgelüste" stehen, ist es halt leider nicht.

Dass die Separatisten massiv mit russischen Waffen hochgerüstet wurden, ist dabei für mich so offensichtlich, wie etwas nur offensichtlich sein kann. Noch im letzten Sommer standen die Separatisten nach den Worten der eigenen! panischen Hilferufe in Richtung Moskau kurz vor einer finalen Niederlage. Und natürlich waren da alle greifbaren Lager der ukrainischen Armee schon geplündert, was sonst. Wie man dann ganz alleine, aus einem kleinen Gebiet mit völlig zerstörter Infrastruktur heraus, ohne Maschinen und Fabriken, neue, moderne und bisher im Land nicht benutzte Waffen produziert, Munitionsnachschub produziert und dann plötzlich wie aus dem Nichts wieder Stärke generiert, kann für mich nur mit massiver Hilfe von aussen erklärt werden.

Klar, vielleicht waren es ja auch Nordkoreaner oder noch besser Marsianer, die die Separatisten mit Nachschub versorgt, neu ausgerüstet und aufgestellt haben, man weiss ja nie. 😉 Bei aller berechtigen Vorsicht und Skepsis hinsichtlich offizieller Verlautbarungen auf allen Seiten, sollten wir uns aber noch ein Stück gesunden Menschenverstand bewahren und nicht nur weil wir der einen Seite misstrauen, der anderen jede dreiste Lüge glauben.

Nein, die russische Propaganda hat nicht Recht. Die tausenden Tote gibt es ursächlich deshalb, weil Russland nun in den Konflikt involviert ist und die Separatisten gerüstet und unterstützt hat. Militäreinsätze und Übergriffe der ukrainischen Armee, die es auch gegeben hat, ebenso wie sinnlose Bombardierungen, waren eine Reaktion darauf und nicht der Auslöser. Das macht das Unrecht ukrainischer Kriegstreiber, die eigene Bürger bombardieren, nicht besser, aber Ursache und Wirkung sollten nicht verdreht werden.

Und einen breiten Volksaufstand im Donbass hat es nie gegeben, das ist propagandistische Legende, denn Janukowitsch war selbst im Osten schon unten durch. Und bei geschlossenen Grenzen hätten die Separatisten ein paar Panzer aus Depots geklaut, mit Gewehren geschossen und nach 1 oder 2 Monaten wäre ihnen Treibstoff und Munition ausgegangen und sie im Gefängnis gelandet. Und fertig. Dafür hätte man Polizei gebraucht, mehr nicht. Die jetzige Eskalation ist nur durch massive Aufrüstung der Separatisten durch "Marsianer" möglich, das ist offensichtlich.

Dann haben wir einen Westen, der sich wie ein Elefant im Porzellanladen verhalten hat und zu blöd und arrogant war zu sehen, dass aus russischer Sicht spätestens in dem Moment, wo ein gewählter Regierungschef vertrieben wird, die rote Linie überschritten wurde. Ein Regierungschef, der sich qua seines Amtes in einer für Russland sehr wichtigen Frage des Assoziierungsabkommens für die russischen Interessen entschieden hat. Das einen verfassungswidrigen Putsch zu nennen, ist durchaus zutreffend und ich kann die Wut Russlands da gut verstehen. Und auch der Vorwurf der Doppelmoral in Richtung Westen ist hier für mich zutreffend.

Am Ende hat sich dieser Konflikt also in Bewegung gesetzt, weil beide Seiten jede Menge Fehleinschätzungen hatten und sich Misstrauen ausgebreitet hat. Denn Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid. Und die Ukraine hat ja eine Vorgeschichte, in Georgien und darüber hinaus, die von Missverständnissen und enttäuschten Erwartungen geprägt ist - auch auf der sehr persönlichen Ebene zwischen den Spitzenpolitikern.

Es ist tatsächlich so, Russland hat friedlich und kooperativ immer wieder gegen eine Reihe von strategischen Entscheidungen protestiert, wie die Aufnahme des Baltikums in die Nato. Solange bis man im Kreml irgendwann zum Ergebnis gekommen ist, dass man wohl die Tonlage hoch drehen muss um gehört zu werden. Wenn der Westen jetzt erschreckt aufwacht - und die Medien mit ihren Schlagzeilen zeichnen dieses Bild - dann zeigt das nur, wie lange man selbstgefällig geschlafen hat. Die jahrelange mediale Verteufelung Putins als „Gottseibeiuns“ war dabei nicht hilfreich, eben so wenig wie Obamas kalte Arroganz, die bei mir den Eindruck erweckt, eher eine Unfähigkeit zu sein, persönliches Vertrauen um sich herum aufzubauen.

Umgedreht aber, gilt für die Haltung des Kremls das Sprichwort: "Was ich denk und tu, trau ich anderen zu". Es gab und gibt keine Verschwörung des Westens um Russland zu bedrohen. Man muss sich nur den jammervollen Zustand der Bundeswehr und der US Atomwaffen anschauen um das zu verstehen. Eine Verschwörung erfordert ja, dass man das Ziel wichtig findet. Auch wenn es Russland nicht gefallen wird, das Problem war eher, dass Russland für die US unwichtig geworden war, die Augen sich auf China richteten und niemand sich mehr ernsthaft mit russischen Befindlichkeiten befasst hat. Nein, es gab und gibt einfach nur das heterogene Geschnatter unzähliger Demokratien, in denen auch Spinner und Kriegstreiber existieren, die aber eben die Politik nicht dominieren. Auch nicht in den US.

In den Denkstrukturen von Verschwörungstheoretikern aber - nach denen es immer irgendwie den "finsteren Plan der XYZ gibt" (XYZ bitte gegen Freimaurer, CIA, KGB was auch immer ersetzen) - ist es unmöglich sich die Dynamik komplexer Gesellschaften vorzustellen und zu akzeptieren. Letztlich ist das nichts anderes, als der sehr menschliche Wunsch am Markt immer einen singulären "Grund" für eine Kursbewegung zu finden. So hierarchisch und kausal funktionieren aber komplexe Systeme nicht und der Westen als Ganzes schon gar nicht. So funktioniert der KGB und die CIA, aber keine offene Gesellschaft.

Es sind halt Denkwelten, die da aufeinander prallen. Für einen KGB Mann ist das also alles orchestriert, geplant und gegen ihn persönlich und sein Land gerichtet. Dabei ist es nur Gedankenlosigkeit, Desinteresse und typisch demokratisches Durcheinander. Und westliche Politiker, die es wie Merkel gewohnt sind selbst als "Hitler" dargestellt zu werden, sind dann taub für damit verbundene Verletzungen und Vertrauensverluste bei Menschen mit anderen Denkstrukturen.

Tja und da stehen wir und gucken doof aus der Wäsche und uns gefällt die Welt nicht, in der wir aufwachen. Wir stehen am Ende einer Kette unsäglicher Fehler und eingefahrenen Denkens aus dem kalten Krieg. Fehler die auf westlicher Seite schon direkt nach dem Zerfall der Sowjetunion begonnen haben und die nun von Russland gemacht werden, weil es schlicht an Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit fehlt.

Auf jeden Fall hat eine Person bei mir in den letzten Tagen an Achtung gewonnen. Es ist Angela Merkel mit ihrer Bereitschaft, wohl überlegt das aus ihrer Sicht Richtige zu tun, egal wie schwierig es ist. Sie hat Mut bewiesen mit dieser Aktion. In dem Moment wo es nötig war, war sie da. Selbst wenn die Initiative nun verläuft, hat sie dafür Achtung verdient.

Und sie hat dem Kreml nun ein unglaubliches Angebot auf einer strategischen Ebene gemacht, dass er nun unbedingt begreifen muss.

Denn wenn diese Initiative fehl schlägt, wird der Westen zusammen rücken und die militärische Karte wird kommen. Wenn der Kreml nun aber die Chance erkennen kann, dann stärkt er nun durch Generosität den beiden Europäern den Rücken. Stellen Sie sich nur vor, jetzt gäbe es einen echten, belastbaren Frieden. Ohne Waffenlieferung und ohne Beteiligung der US. Es wäre ein massiver Reputationsgewinn Europas. Und auch einer Putins. Und die US ständen dabei an der Seitenlinie. Wenn Putin in seinem sehr persönlichen Antiamerikanismus Europa von den US wegbewegen will und Obama dumm dastehen lassen, dann hat er hier einen Elfmeter.

Und am Ende wird auch die Krim russisch bleiben, es braucht nur eine weitere Volksabstimmung unter internationaler Aufsicht - deren Ausgang in Anbetracht der ethnischen Zusammensetzung klar ist - und schon wäre auch die Annektion der Krim so ausreichend legitimiert, dass niemand im Westen ernsthaft dagegen argumentieren kann.

Wenn Putin nun strategisch denkt und ernsthaft Frieden will, kann er nun nur gewinnen und hat eine Chance als Sieger und Friedensstifter aus diesem Konflikt hervor zu gehen. Er muss sich dafür aber jetzt an die Spitze des Kompromisses setzen und den Elfmeter verwandeln.

Wir werden viel über seine wahren Absichten erfahren, in dem wir nun beobachten, ob er diesen Elfmeter versenken kann und will und wir am Mittwoch einen Vertrag bekommen, der von Russland auch wirklich durchgesetzt wird. Die Anzeichen die ich sehe machen mich skeptisch. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Europa ist an einer Wegscheide. Frieden und Zusammenarbeit oder kalter Konflikt mit heissem Atomrisiko? In ein paar Tagen werden wir es wissen.

Ich merke auf jeden Fall, wie in mir die Wut steigt. Die Wut auf Stiernacken, Sturköpfe und Kriegstreiber auf allen Seiten. Und dann muss ich wieder an Yoda denken und wie die Wut zu Hass führt und zu unsäglichem Leid und deshalb habe ich nun lieber so einen Artikel geschrieben, statt zu hassen.

Denn Hass ist nun unter uns. Auch und gerade in Foren. Ich habe am Wochenende mal ein bisschen gelesen - überall. Was einem da an vielen Stellen an Aggressivität, Hass auf "die anderen" und Menschenverachtung entgegen schlägt, ist einfach erschreckend.

Und Atomwaffen sind zunehmend überall. Die Welt ist in meinen Augen gefährlicher geworden, als sie je gewesen ist.

Was wir nun brauchen ist klaren Verstand und Differenzierung. Selbstgerechte gibt es schon genug. Es zeichnet gerade Dummheit aus, dass die Weltbilder immer einfach und fest gefügt sind. Denen dürfen wir nicht unser Schicksal überlassen!

Ihr Hari

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Gewinn-Illusion und Euro Währungscrash!

Aufgrund der Dramatik der Entwicklung, will ich auch mit wenigen Sätzen im freien Bereich auf einen wichtigen Umstand hinweisen, der im Moment viel zu kurz kommt. Im Premium-Bereich sprechen wir intensiv über das Thema und die Konsequenzen für unsere Anlagen.

Im Moment sind alle davon geblendet, wie "toll" der DAX nun gerade 10.700 touchiert hat und in Ihren Depots, die Sie in Euro führen, sehen Sie ein Meer an Grün. Und Sie denken, Sie hätten "Gewinne" gemacht.

Haben Sie aber in weiten Teilen nicht! Statt dessen ist etwas ganz anderes passiert. Der Euro hat in den letzten 24 Stunden gegenüber den meisten Weltwährungen crashartig ca. 4% abgewertet. So auch zum Dollar, das Chart zeige ich Ihnen hier nun:

EURUSD 23.01.15

Die Bewegung des DAX im selben Zeitraum um 400 Punkte nach oben - was kaum überraschend ca. 4% entspricht - ist also bezogen auf eine hypothetische "Weltwährung" keinerlei Gewinn, sondern einfach nur die andere Seite der Währungsabwertung!

Sie sind damit auch nicht wirklich "reicher" geworden, können als Aktienbesitzer aber wenigstens feststellen, dass die Kaufkraft Ihres Vermögens durch den Besitz von Sachwerten objektiv erhalten wurde.

Alle Ihre Rentenversicherungs-Ansprüche, Ihre Lebensversicherungen und Ihr Cash auf dem Konto, wurde aber in den letzten 24 Stunden aus Sicht eines weltweiten Währungskorbes um sage und schreibe 4% entwertet! Sobald Sie also die Eurozone verlassen oder Waren aus der Welt beziehen, können Sie sich für Ihr Vermögen 4% weniger kaufen.

Vergessen Sie das nie, wenn Ihnen die vielen grünen Prozentzahlen im Depot nun Gewinne vorgaukeln, wo in dieser Form gar kein sind. Mario Draghi hat uns hier nicht reicher gemacht, sondern ärmer!

Übrigens noch etwas. Wenn Sie nun Charts in Euro anschauen, die sich auf Assets ausserhalb der Eurozone beziehen, können Sie kurzfristig auch das vergessen. Denn diese Charts sind nun völlig verzerrt. Da gucken uns Ausbrüche und Reversals an, die in der Realität nicht existieren.

Denn denken Sie unbedingt daran: Selbst wenn es jetzt in den letzten 24 Stunden gar keinen Handel in den US gegeben hätte, wenn also die objektiven Kurse der US Aktien völlig unverändert wären, würde es bei Betrachtung aus der Sicht des Euros so aussehen, als ob die Aktien 4% gewonnen hätten. Chartstrukturen aber, die nicht auf realem Handel mit Angebot und Nachfrage beruhen, sind einfach nur nette, bunte Linien!

Fazit:

Die Zeiten stabiler Währungen sind wohl vorbei. Und es hat in der Geschichte meines Wissens noch keinen Fall gegeben, in dem eine Weichwährung zum Wohlstand der Bevölkerung geführt hätte.

Richten wir also unseren "Dank" an Mario Draghi und seine Unterstützer, die das möglich machen. Und insbesondere an unsere naiven Politiker, die Stimmengewichte im EZB Rat zugelassen haben, die in jeder Hinsicht eine Frechheit sind und das gestrige Geschehen erst ermöglichen. Ich verweise auf meinen Post von gestern, in dem das Thema addressiert ist.

Wir müssen nun lernen, in den Kategorien einer Weichwährung zu denken. Die Schere im Kopf, dass vermeintliche Gewinne im Depot in Wirklichkeit keine sind, ist dabei nur der erste Schritt in eine Welt hinein, die ich nie betreten wollte.

Taktisch gesehen, hat diese Bewegung alle Ingredienzien einer kurzfristigen Übertreibung und ein böser "Snapper" kann nun jeden Moment um die Ecke kommen und den Euro heben und den DAX damit wieder zurück fallen lassen.

Mittelfristig gesehen, ist der "Race to the Bottom" weltweit im vollen Gange und ich wäre nicht überrascht, wenn jetzt bald auch die FED wieder zuckt, die einen zu starken Dollar auch nicht zulassen kann. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie dieses Spiel endet ....

Ihr Hari

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Die 0% Bundesanleihe oder: An einem Tag wie diesem ….

Ja liebe Leser des freien Bereichs von Mr-Market, was schreibt man einem Tag wie diesem? Einem Tag an dem die EZB kurz davor steht, ein höchst umstrittenes Quantitativ Easing (QE) auch für die Euro-Zone zu beschliessen?

Nun, eines kann man sagen, nämlich dass das Endspiel um den Euro nun langsam beginnt. Der Einsatz wird höher, die Fallhöhe damit aber auch.

Wir haben hier in der Community in den letzten Tagen viel darüber geschrieben und daraus Schlüsse über die weitere Marktentwicklung gezogen, da macht es doch Sinn, sozusagen als "Vorbereitung" auf die heutigen Ereignisse, Ihnen auch im freien Bereich mal einen Blick auf ein paar Beiträge der letzten Tage zu erlauben.

Ich habe dabei bewusst drei Beiträge ausgesucht, in denen es mal *nicht* primär um Aktien, Charts und Markttechnik geht, sondern um das Grundsätzliche. Schauen Sie mal rein:

Dienstag 20.01.15 16:40 - 0% Bundesanleihe

Die Welt ist komplex und entzieht sich einfachen Erklärungen. Und trotzdem kann man manchmal die ganze Verrücktheit in einem Symbol zusammen fassen und damit auch wie in einem Brennglas deutlich machen.

Was den durch den Druck der Notenbanken völlig "verbogenen" Finanzmarkt angeht, haben wir nun so ein Symbol:
-> Neue Bundesanleihe mit 0,00% Coupon <-

Mit anderen Worten: gib mir (Deutschland) lieber das Geld ohne Zins, weil wenn Du es nicht tust, sorge ich Staatsmacht dafür, dass es auf dem Konto entwertet.

Jaja, die Notenbanken sind unabhängig - schon klar. Praktisch arbeiten sie aber für die Interessen der Staaten, die theoretisch mit den Interessen ihrer Bürger deckungsgleich sein sollten, es aber leider nicht immer sind. Denn die Interessen eines Staatsapparates tendieren leider dazu sich zu verselbstständigen und er vergisst gerne, für wen er überhaupt existiert und von wem er finanziert wird.

Direkte Demokratie wie in der Schweiz kann gut dabei helfen, diesen Prozess der Verselbstständigung zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen, wir in Deutschland sind aber eine repräsentative Demokratie.

Ich finde die Situation am Finanzmarkt auf jeden Fall nicht mehr normal, nein sie ist krank. Und es soll mir bitte keiner erzählen, dass das wegen der Finanzkrise 2008 zwingend nötig wurde. Wenn überhaupt ist es nötig, weil praktisch die ganze westliche Welt - Deutschland eingeschlossen - bis zur Halskrause überschuldet ist und Zinsen wie in den 90er Jahren gar nicht mehr tragen könnte.

Damit haben Sie aber auch einen weiteren Grund, warum Gold nun so attraktiv ist. Denn durchaus berechtigt wird Gold ja vorgeworfen, dass es nichts abwirft, nichts erschafft und deshalb eigentlich keine Geldanlage, sondern bestenfalls Vermögensverwahrung ist. Das stimmt auch, mit Gold kann man langfristig nichts verdienen, man schafft nichts, es ist einfach totes Metall.

Aber man erhält langfristig gesehen die Kaufkraft. Und das ist mehr, als eine 0% Bundesanleihe bietet, denn die Inflation existiert ja immer noch, auch wenn sie im Warenkorb nicht auftaucht bzw durch das billige Öl überdeckt wird.

Wenn man mir nun also eine Pistole an die Schläfe legen würde und mich zwingen, entweder mein Vermögen komplett in diese Bundesanleihe zu stecken oder in Goldbarren, was glauben Sie, würde ich wohl machen? 😉

Dienstag 20.01.15 18:40 - Bundesbank vs EZB

Hier ist eine nette anekdotische Darstellung, wie sich das Verhältnis der Bundesbank zur EZB entwickelt hat: -> Chancenlos gegen Draghi <-

Und gleichzeitig ist der Artikel für mich auch wieder Ausdruck der Naivität der deutschen Politik und Öffentlichkeit, inklusive weiter Teile der Medien. Denn der strukturelle Grund, *warum* dieser Einflussverlust überhaupt möglich ist, wird mit keinem Wort erwähnt.

Deutschland hat -> über 25% am voll eingezahlten Kapital <- der EZB und haftet auch in diesem Umfang für die Folgen und mögliche Verluste. Um es also klar zu sagen, Sie und ich haften mit unserem Steuergeld in diesem Umfang.

Gleichzeitig hat Deutschland aber ein Entscheidungsverhältnis akzeptiert - aus meiner Erinnerung war das zu Zeiten Kohl/Waigel - nach dem der Bundesbank-Chef im Rat exakt eine Stimme hat, genau so viel wie die Notenbanken von Griechenland, Zypern, Malta und Luxemburg! Luxemburg mit seinen 540.000 Einwohner hat also das gleiche Stimmgewicht, wie Deutschland mit ca. 80.000.000 Einwohnern - Faktor ca. 145 für die, die es genau wissen wollen.

Das ist völlig absurd und eine Verschleuderung deutscher Interessen und demokratischer Prinzipien. Würde sich ein Vorstand einer AG so verhalten und die langfristigen Interessen der Gesellschaft so verschleudern - würde man ihm wohl den Gummi-Straftatbestand der Untreue vorhalten.

Und ja, ich weiss schon, dass es über das Direktorium (derzeit für Deutschland Sabine Lautenschläger) dann eine zweite Stimme gibt, das bringt das Verhältnis zu Luxemburg dann auf den Faktor 70 herunter - Bravo! 😉 - und ändert am prinzipiellen Problem rein gar nichts, zu mal auch andere Länder ein zweites Mitglied im Direktorium haben.

Denn wenn die Stimme von Weidmann im Rat die 25% Gewicht ausmachen würde, die ihm nach der Bevölkerung Deutschlands und dem eingezahlten Kapital zustehen, würde es auch defacto keine Politik geben können, die den Interessen der Bundesbank diametral entgegen läuft. Punkt.

Und keine der folgenden Regierungen hat das je in Frage gestellt, weder Schröder noch Merkel - man denke da im Vergleich nur an Maggie Thatchers robustes "i want my money back". Und selbst Journalisten, die so Artikel schreiben, erwähnen dieses absolut zentrale Kernthema nicht. Da kann man sich doch nur verzweifelt an den Kopf fassen!

Denn am Ende ist es ganz einfach. Menschen ändern sich und die Kultur von Organisationen auch - sich bei absolut zentralen Themen mit grossen Konsequenzen, dauerhaft nur auf die Nettigkeit Dritter zu verlassen, ist für mich schlicht naiv. Die Macht die Dinge zu beeinflussen, hat in einer auf Mehrheitsfindung ausgerichteten Organisation nur der, der die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen kann. Und jeder der 25% Anteile an einer Aktiengesellschaft hat, würde völlig selbstverständlich und zu Recht darauf bestehen, auch 25% der Stimmrechte zu besitzen.

Nur die Deutschen nicht. Die thematisieren diese Selbstkastrierung noch nicht einmal und wundern sich dann, wenn eine Union von Kleinstaaten von Griechenland bis Malta gegen sie Währungspolitik macht.

Höchst undemokratisch ist das davon abgesehen auch. Denn Ihre und meine Stimme ist bei diesen Fragen um zwei- bis dreistellige Faktoren weniger wert, als die Stimme eines Luxemburgers oder Zyprioten, der im EZB Rat durch seinen Notenbankchef vertreten wird.

Ich sagte es ja schon weiter oben, für mich persönlich steht das im diametralen Gegensatz zu den Interessen der Bürger des Landes, dem die Politiker ihren Eid geschworen haben.

Und wahrscheinlich können nur Deutsche so naiv sein zu glauben, dass sich all die anderen, denen man völlig ungerechtfertigte Stimmrechte eingeräumt hat, über Jahrzehnte nur mit Blümchen an der Hand fassen und diese Geste nie vergessen werden.

Nein, die anderen machen mit ihren Stimmen knallharte, eigene Interessenpolitik. Und keiner in der Politik thematisiert das ernsthaft und fordert die in jeder Hinsicht völlig berechtigten Stimmrechte für die Bundesbank ein. Da fehlen mir doch einfach die Worte.

Mittwoch 21.01.15 17:05 - 50% der Fakten

Ja liebe Mitglieder, es gibt kein direktes Dementi zu den aus dem EZB Direktorium durchgestochenen Informationen und der Markt steigt weiter. Wir können also davon ausgehen, dass die genannten Zahlen zum Volumen der EZB Programme im Wesentlichen richtig sind.

Weiterhin sagen die Meldungen von FT und WSJ, dass die Frage, ob das Risiko auf die individuellen Notenbanken übertragen wird, heftig in der EZB umkämpft ist. Italien und Irland äussern sich dagegen, ist jemand überrascht?

Da diese "Empfängerländer" die Mehrheit im Rat stellen, gibt es Anlass zur Befürchtung, dass auch dieses kleine "Zückerli" für die Deutschen kippt. Wie im Brennglas können wir also wieder sehen, was uns unsere Politiker damit eingebrockt haben, nicht auf den angemessenen Stimmrechten im Rat zu bestehen.

Schauen wir auf den Markt, können wir also heute schon beobachten, wie der Markt wohl morgen reagiert hätte, wenn die Nachricht bis morgen geheim geblieben wäre. Wenn man so will erleben wir gerade eine kleine Zeitmaschine. Denn der Markt bröselte heute wie erwartet abwärts und begann sich auf eine leichte Enttäuschung vorzubereiten, so wie ich das heute in meinem dominanten Szenario skizziert hatte.

Nun aber ist das Volumen höher als erwartet/befürchtet und das rechtfertigt die positive Reaktion. Auch dass Gold bei "Sell the News" erst einmal wieder etwas zurück kommt, ist kein bischen überraschend.

Was ich erstaunlich finde ist, dass mit Bekanntgabe dieser Information der S&P500 wieder zu Stärke fand und der DAX im Vergleich nicht so richtig in die Gänge kommt. Darauf kann ich mir noch keinen perfekten Reim machen, das ist aber hoch interessant und sagt etwas über die Geldströme aus.

Fazit:

Ein QE in Europa im Umfang von über einer Billion € kann man nun als beinahe Faktum hinnehmen. Nur die Details des Programms sind noch umkämpft.

Und den Markt scheint das gemessen an den Erwartungen zufrieden zu stellen und es gibt bisher keine massive Enttäuschungsreaktion. Nur stark einschränkende Details bei der Umsetzung, könnten und würden nun wohl noch enttäuschen.

In Summe finde ich diese Durchstechereien direkt aus dem EZB Direktorium ungeheuerlich. Und die Lecks zeigen, um wie viel es hier geht. Ich würde zu gerne wissen, wer das an Bloomberg durchgestochen hat und dann mal dessen Depots und Konten kontrollieren. Aber diese Macht habe ich nicht.

Schöne neue Welt!

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Die EZB Rally oder: Der beste DAX heisst MDAX

In den letzten beiden Jahren gab es eine feste Grösse, auf die wir uns bei einer strategischen Asset Allokation zuverlässig verlassen konnten. Und das war die Tatsache, dass die US Indizes besser laufen, als die europäischen.

Das war ja auch kein Wunder, denn während die Konjunktur in den USA wieder Tritt fasste, woran billiges Gas seinen Anteil hatte, dümpelte Europa anämisch vor sich hin.

Verstärkt wurde der Effekt durch die Stärke des US Dollar, die die grossen Kapitalströme in die US Märkte zog. Denn wenn ich ein weltweit agierender Asset-Manager bin, dann wähle ich doch bevorzugt Märkte, bei denen schon alleine die Währungsentwicklung für Gewinne sorgen wird, völlig unabhängig von einer Kursentwicklung.

Wobei der Dollar und die Stärke der US Märkte ja ein bisschen wie das "Henne und Ei" Problem ist. Einerseits spielt die Zinserwartung an die Notenbank natürlich auch eine Rolle und die FED signalisiert ja, dass sie in 2015 die Zinsen wieder erhöhen will. Anderseits sorgt aber gerade eine starke Wirtschaft für eine harte Währung, Deutschland hat das ja in den Zeiten der Bundesbank (sie ruhe in Frieden - ich trauere ihr nach) immer wieder vorgemacht.

Insofern ist der starke Dollar nicht nur Auslöser für Kapitalströme, sondern er ist auch Folge der starken US Wirtschaft und letztlich haben wir es hier mit einer sich gegenseitig verstärkenden Wirkung wie in kommunizierenden Röhren zu tun.

Nun aber, mit dem Beginn von 2015, scheint sich eine Änderung dieser Überperformance der US Märkte anzudeuten. Zumindest ist das in den Charts klar zu sehen, die ich Ihnen nun zeigen will.

Schauen wir erst einmal auf den S&P500, der in 2015 wild schwingt und relativ richtungslos ist, mit der Gefahr eine Topbildung zu vollziehen:

S&P500 15.01.15 2

Zum Vergleich schauen wir auf den DAX, der das Dreieck schon nach oben verlassen hat und eine klar bullische Grundstruktur besitzt:

DAX 15.01.15 2

Wir sehen deutlich, wie viel besser der S&P500 in ganz 2014 gelaufen ist. Dort war ein klarer Aufwärtstrend, während der DAX richtungslos vor sich hin eierte.

Deutlich wird aber auch, ab wann sich ein Unterschied zu dieser Entwicklung andeutete: eigentlich erst ab Anfang 2015, nachdem klar wurde, dass die EZB tatsächlich ein Anleihenkaufprogramm starten wird.

Damit wird die EZB Sitzung am kommenden Donnerstag 22.01.15 zum extrem wichtigen Faktor für die Märkte. Denn der Markt hat offensichtlich schon einen "Buy the Rumor" Trade aufgelegt, der derzeit im vollen Gange ist.

Abhängig davon, was die EZB real macht, wird dieser Trade wieder in sich zusammen fallen oder, wir erleben den Start einer grundlegenden Änderung der Kapitalströme, dieses mal aus den US Indizes in die europäischen Märkte.

Die Chancen für Letzteres sind gar nicht schlecht, denn der starke Dollar entfaltet zunehmend seine Wirkung und macht der US Industrie das Leben nicht leichter, zumal nun durch den einbrechenden Ölpreis auch Sorgen um die Fracking-Industrie hinzu kommen.

Und der Fracking-Boom hat natürlich in der Vergangenheit massive Investitionen ausgelöst, von denen viele Industrieunternehmen wie General Electric (851144, GE) profitiert haben. Der absehbare Zusammenbruch dieser Industrie, hinterlässt nun eine Schleifspur bei den Zulieferern und Dienstleistern, auch die schwache Kursentwicklung von GE hat genau mit dieser Erwartung des Marktes zu tun.

Gleichzeitig sollte der schwache Euro die europäische Exportwirtschaft zunehmend stützen. Das ist sicher nur ein kurzfristiger Effekt, Währungsabwertungen haben noch nie zu einer starken Wirtschaft geführt und die US Industrie wird langfristig unter dem Druck des Dollar nur noch stärker und wettbewerbsfähiger werden. Mittelfristig, mit der Sicht auf Monate, ist das aber ein positiver Faktor für die europäischen Unternehmen und die Sicht auf die kommenden Monate ist ja die, die uns beim Handel an den Märkten besonders interessiert. Langfristig sind wir sowieso alle tot. 😉

Auf jeden Fall haben die europäischen Aktienmärkte sowieso eine Menge nachzuholen, die Erwartungen an eine positive Überraschung sind gering und gleichzeitig deuten aber makroökonomische Entwicklungen und die Politik der Notenbanken dahin, dass Europa die Chance hat zu überraschen.

Nun ist Mr. Market ja der beste Frühindikator den man sich vorstellen kann und deshalb ist es besonders interessant zu sehen, wo nun die stärksten Gewinne im "Buy the Rumor" Trade in die EZB hinein sind.

Da fällt mir einerseits der spanische Aktienindex IBEX35 ein, was kein Wunder ist, denn hier treffen die positiven Effekte eines möglichen Anleihenkaufprogramms auf schon vollzogene Strukturreformen, die im Gegensatz zum erstarrten Italien schon für sich alleine leichte Hoffnung für das Land machen.

Auffällig ist aber auch, dass der MDAX nun seit kurzer Zeit noch viel besser als der DAX aussieht und schon den Ausbruch zu neuen Hochs vollzogen hat. Schauen wir auf das Chart und vergleichen wir das mit S&P500 und DAX oben, der Unterschied ist augenfällig!

MDAX 15.01.15

Die Gründe dafür sind offensichtlich. Der MDAX ist industrielastiger als der DAX, Maschinenbau ist hier ein wichtiger Faktor. Damit schlägt hier der schwache Euro besonders stark zu und auch die niedrigen Ölpreise sind ein positiver Katalysator.

Es könnte für die kommenden Monate also Sinn machen, auf Europas Exportindustrie zu setzen. Und wenn man das tut, führt kein Weg am MDAX und seinen Unternehmen vorbei.

Damit das Wirklichkeit wird, muss die EZB aber nächsten Donnerstag erst einmal liefern. Ich glaube übrigens kein bisschen daran, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik die prinzipiellen Erstarrungen in Europa überwinden kann. Das könnte nur eine andere Politik, als wir sie haben und langfristig macht es daher jede Menge Sinn, weiter auf die US Industrie zu setzen, die ungleich bessere Voraussetzungen hat.

Aber für eine ein paar Monate andauernde Hoffnungsrally an den europäischen Märkten, ist die aktuelle Ausgangslage auf jeden Fall gut und wenn die EZB liefert, wird es der Markt wie ein Drogensüchtiger erst einmal goutieren. Was danach kommt, ist eine ganz andere Geschichte.

Achja .... und dann war da ja noch Griechenland. Aber "Who cares"? Die Schulden liegen mittlerweile bei der öffentlichen Hand, also uns, den Steuerzahlern. Und wir werden dafür blechen, das war schon immer klar, allen Beteuerungen unserer politischen "Elite" zum Trotz. Den Markt interessiert das aber nur noch am Rande, wenn es nicht zu völlig unkontrolliertem Chaos, bei einem möglichen "Grexit" kommen sollte.

Aber selbst der "Grexit" wird wohl ein schöner Traum bleiben, die absurde Logik des "Zusammenhaltens um jeden Preis" feiert in der Eurozone immer noch Urstände. Und solange die, die das bezahlen müssen, nicht die sind, die die Entscheidungen treffen, wird das auch so bleiben. Mit dem Geld Dritter lässt sich immer besonders freigebig um sich werfen.

Vielleicht sollte die Eurozone sich aber mal an der Medizin orientieren, in der sogar wichtige Körperteile wie Finger und sogar ein Bein bei einer unkontrollierbaren Infektion amputiert werden, um den Hauptkörper zu retten. Und auch der Körper ist ein komplexes System, dessen Reaktionen nur schwer vorher zu sehen und bestenfalls mit Wahrscheinlichkeiten zu fassen sind. Man macht es aber trotzdem, zum Wohl des grossen Ganzen.

Ihr Hari

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Warum Helmut Kohl unrecht hat – und Angela Merkel auch

Betrachtung zum Zeitgeschehen: Warum Helmut Kohl unrecht hat – und Angela Merkel auch

Ein Gastkommentar von Tokay

November 2014 – und Feiertage allenthalben. Fünfundzwanzig Jahre Mauerfall, Ansprachen, Gesprächsrunden, Bücher, zwei davon von Altkanzler Helmut Kohl – das eine zur deutschen Wiedervereinigung, das andere mit dem Titel „Aus Sorge um Europa“. Helmut Kohl hat maßgeblich zur deutschen Wieder-, oder sollte man besser sagen zur Neuvereinigung, entscheidend beigetragen und ebenso zur europäischen Einigung. Die deutsche Vereinigung, so kann man fünfundzwanzig Jahre später wohl sagen, ist weitgehend vollzogen. Dagegen ist auf europäischer Ebene vieles nicht mehr so selbstverständlich wie es noch vor, sagen wir zehn Jahren, schien. Kohl träumte einst vom europäischen Bundesstaat, davon, dass man dereinst auch in London und Zürich mit dem Euro bezahlen würde. Dieser Traum ist wohl ausgeträumt. Das Projekt Euro ist latent gefährdet. Einst von den Franzosen, von Mitterrand und Delors als Preis für die deutsche Neuvereinigung gefordert, zahlte Helmut Kohl diesen Preis willig, aus tiefer innerer Überzeugung. Heute läuft er unter Umständen Gefahr, dereinst als verhängnisvolle Gestalt in Erinnerung zu bleiben, die, anstatt die europäische Einigung herbeizuführen, den Keim für Spaltung und Zwietracht in Europa säte.

Helmut Kohl ist sich anscheinend dessen bewusst – daher das Buch, daher der Buchtitel. Würden die Dinge heute besser stehen, hätte man so weitergemacht wie der Mann aus der Pfalz? Wenn man liest, was Kohl schreibt, bekommt man so ein wenig den Eindruck. Man hätte die Griechen nicht in den Euro lassen dürfen, man hätte sich an die Maastricht-Kriterien halten sollen, man hätte die Agenda-Politik früher einleiten sollen....

Aber leider haben die Griechen geschummelt, vielleicht hat man ihnen zu willig geglaubt. Doch das Momentum der europäischen Einigung war sehr mächtig damals; das sollte man aus heutiger Sicht nicht unterschätzen. War das nicht ein großartiger Gedanke,möglichst viele europäische Länder mit einer einheitlichen Währung? Nie mehr Krieg, nie mehr Leid, nie mehr Unglück. All das und noch mehr lag der ganzen Kohl'schen europäischen Einigungspolitik zugrunde, und dafür hat er Dank und Anerkennung verdient.

Und leider kündigte sich das Ende des weltweiten Wirtschaftsaufschwungs, ablesbar an den Börsenkursen, bereits gegen 1998 an, ziemlich genau zu der Zeit also, als Kohls Kanzlerschaft zu Ende ging. Die Russlandkrise, eine Vorbotin der Krisen, der Crashs, die erst noch kommen sollten, aber was wusste man davon damals schon. Deswegen wollen wir ihn nicht kritisieren; niemand kennt die Zukunft. Die Defizite, das Stopfen von Finanzlöchern, das mussten Kohls Finanzminister schon, als die Wirtschaft gut da stand.

Die deutsche Einigung, die europäische Einigung, das waren Herkulesaufgaben, das waren alles Unterfangen, die gewaltig waren, die Ressourcen banden, finanzielle Ressourcen. Seien wir froh, dass die wirtschaftliche Großwetterlage damals einigermaßen mitgespielt hat. Aber die Nachfolger dafür kritisieren, dass sie mit ihrem Handeln die heutige Krise herbeigeführt hätten – ich glaube nicht, dass es sich so verhält. Hätte Kohl eine Politik im Stile der Agenda 2010 eingeleitet ? Ich kann es mir nicht vorstellen. Kohl war sechzehn Jahre im Amt, so lange wie keiner vor ihm, der Elan war dahin, die Opposition zu stark. Und zu andersartig – daher die beständigen Gefechte, die kleinen Gehässigkeiten., die ihn bis zum Ende verfolgten, denen er aber auch nicht aus dem Weg ging. Und Kohl war immer auch Sozialpolitiker, er wollte schließlich wiedergewählt werden. Kohl war kein Agendapolitiker. Natürlich hätte Schröder, sein Nachfolger, dann mit seiner Agendapolitik viel eher beginnen müssen, er tat es unter weit ungünstigeren Umständen, dann erst nämlich, als das Land schon ächzte und stöhnte und die eigenen Leute ihm nicht mehr folgen wollten. Aber er tat es – und dafür ist die Nation auch ihm zu Dank verpflichtet – wenngleich er deswegen abgewählt wurde. Übrigens besteht das gleiche Problem auch heute wieder, man ruht sich heute auf den Reformerfolgen von damals aus, aber das schreibt Kohl natürlich nicht.

Und wie hätte Kohl gehandelt, wenn er sich der Finanzkrise 2008 gegenübergesehen hätte? Wäre seine Politik eine grundlegend andere gewesen als die der Regierung Merkel/Steinbrück? Vielleicht liegt die Ironie der Geschichte darin, dass das alles gar nichts genützt hätte, und die spätere Malaise noch viel deutlicher ausgefallen wäre. Ein wirtschaftlich starkes Deutschland einerseits, erlahmende Franzosen und Italiener andererseits, das wäre auch für Kohl schwierig geworden. Doch halt, Kohl war stets spendabel, was Europa und den europäischen Gedanken angeht. Wir bekämen die Überweisungen nach Europa mit Zins und Zinseszins zurück, so sagte er immer. Doch darin liegt auch das Problem, lag es schon vor über hundert Jahren. Ein starkes Deutschland mitten in Europa, so stark, dass alle beständig darüber nachdenken, wie man es unter Kontrolle bekommt.

Das ist auch das heutige Problem von Angela Merkel: Sie steht diesem starken Deutschland vor, stark durch seine Wirtschaft, stark alleine schon dadurch, dass es ist, was es ist. Und so sehen es die anderen auch: Die Franzosen, die Italiener, die schon lange nicht mehr mithalten können; die Engländer, die sich von Deutschland in Gestalt von Brüssel-Europa, so sehen sie es wenigstens, nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie zu leben haben. Die Amerikaner, die uns als Partner sehen, aber nicht mehr als Freunde – die Zeiten von Eisenhower-Adenauer oder Bush Senior-Kohl sind lang her. Partner darf man ausspionieren, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Chinesen, denen ist dieses starke Deutschland willkommen, damit können sie etwas anfangen – noch. Frau Merkel weiß es, sie hegt und pflegt die Chinesen. Doch China ist weit, und auch die Chinesen sind zwar Partner, aber keine Freunde.

Und die Russen natürlich, ohne die diese Vereinigung nicht gekommen wäre. Hätte Gorbatschow seine Armee marschieren lassen, die Wiedervereinigung wäre mausetot gewesen. Was man dem Herrn Putin wohl hätte zutrauen können, wenn er damals schon dort gewesen wäre, wo er heute ist. Man hat allen Grund dafür, Gorbatschow zu danken, und man tut es mit Hingabe. Nicht nur Gorbatschow als Person, sondern auch Gorbatschow als Vertreter des im Grunde vernünftigen russischen Staates, der damals die Einsicht hatte, dass er sich nicht dauerhaft in Mittelosteuropa würde behaupten können, der dieses Mittelosteuropa aber immer als seinen Vorhof betrachtet hat. Mit Mühe hat man Russland im 19. Jahrhundert im Zaum gehalten, erst die Engländer, dann die Österreicher, was funktionierte, solange Bismarck die Oberaufsicht hatte. Danach ging es nicht mehr. Und auch heute benötigte man eine kluge Diplomatie, denn die Russen sind da und sie werden dableiben. Man sollte sich mit ihnen arrangieren, anstatt sie wiederholt vor den Kopf zu stoßen – auch wenn man sich von Russland mehr Besonnenheit wünschen würde.

Scheitert der Euro, scheitert Europa, so Frau Merkel. Nein, umgekehrt: Scheitert Europa, scheitert der Euro. Doch hat es Europa schon gegeben, als es den Euro noch nicht gab, und wird es auch in Zukunft geben. Europa ist mehr als ein paar Staatschefs, die regelmäßig zusammentreffen. Europa ist eine Idee, eine schöne, aber auch eine sehr zerbrechliche. Insofern war es schon das richtige Projekt, das Adenauer und de Gaulle, Schmidt und Giscard, Kohl und Mitterrand verfolgten und das Merkel und Hollande heute verfolgen. Jedoch die Welt ist heute eine andere wie vor fünfundzwanzig Jahren. Vielleicht muss Europa sich neu erfinden. Auf jeden Fall muss es sich umschauen, was in der Welt so passiert. Nur mit der alteuropäischen Beseeltheit von Kohl und nur mit dem Weiter-So-Gewurstel von Merkel wird Europa nicht mehr funktionieren.

Tokay

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Der Euro, der Dollar, der DAX und die Wettbewerbsfähigkeit

Ich weiss, ich weiss, Sie wollen heute lieber etwas von mir zum Marktgeschehen lesen. 😉 Diese Aktualität und Guidance ist aber den Mitgliedern vorbehalten. Ich habe für Sie hier aber einen Artikel zum EURUSD Währungspaar, den ich gestern Vormittag um 10:30 in Hari Live Online gestellt habe. Und der ist ja vielleicht auch nicht uninteressant:

Witzig, ich wollte heute etwas Grundsätzliches zu der Frage schreiben, ob bei einem fallenden Eurokurs nun die Abflüsse ausländischen Geldes überwiegen, oder die kurzfristig gewonnene Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie, da hat Jochen Steffens -> hier <- genau das zum Thema gemacht. Ich gebe ihm von der Grundaussage her recht, möchte den Sachverhalt aber trotzdem vielleicht noch etwas prägnanter erklären - wie von mir sowieso geplant.

Zunächst einmal die Grundlagen:

1. Es ist bekannt und Faktum, dass der DAX in Mehrheit von ausländischen Investoren dominiert wird und darunter wiederum in Mehrheit von US Investoren der Wallstreet.

2. Es ist bekannt und Faktum, dass ein fallender Euro zu Währungsverlusten bei diesen Anlegern führt, was ihre Motivation dämpft, ausserhalb des Dollarraumes anzulegen.

3. Es ist bekannt und Faktum, dass eine schwächer werdende Währung, kurzfristig der Exportindustrie des Landes hilft, weil die Industrie bei den Preisen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger wird - auch wenn nach meiner festen Überzeugung langfristig eine schwache Währung genau das Gegenteil bewirkt, weil sie den Druck zur internen Optimierung und Innovation nimmt.

4. Es ist bekannt und Faktum, dass der DAX und die europäischen Märkte seit einiger Zeit eine klare Unterperformance zum S&P500 zeigen.

Dieses alles voraus geschickt, stellt sich nun also die Frage, was bei der Kursentwicklung des DAX dominiert, die Abflüsse der US Gelder wegen der Währungsverluste, oder die höhere preisliche Wettbewerbsfähigkeit.

Meine persönliche Antwort darauf ist ganz klar und ohne Konjunktiv: Beides! Der Zeitfaktor macht den Unterschied. Ich will Ihnen das an einem theoretischen Szenario des EURUSD Währungspaares verdeutlichen.

EURUSD 31.07.14

Sie sehen die Entwicklung von EURUSD bis heute und Sie sehen einen angedachten weiteren Verlauf, den ich hier als Szenario eingezeichnet habe. Damit ist keinerlei Prognose für EURUSD verbunden, dieses theoretische Szenario dient ausnahmslos nur dazu, den Punkt hier an einem fiktiven Beispiel zu verdeutlichen.

Während EURUSD bei 1,40 toppte und die FED begann, über eine Zinserhöhung zu grübeln, stellte die EZB eher erhöhten Stimulus in den Raum. Das hat in weiten Teilen die Erwartung geprägt, dass der Euro aus fundamentalen Gründen bald zu fallen beginnen sollte und so ist es ja dann auch gekommen.

Diese Erwartung aber bewegt die Märkte, wie wir hier ja wissen und deswegen haben institutionelle Investoren schon damals begonnen, aus Sorge vor Währungsverlusten den Euro-Raum unterzugewichten. Unter anderem deshalb, dürften wir diese aktuelle Unterperformance des DAX erleben - es fehlt an ausländischen Zuflüssen.

Anders herum brauchen die realen Vorteile bei der Wettbewerbsfähigkeit aber Zeit, diese müssen sich erst durch das System fressen. Denn Märkte sind nicht so schnell preisreagibel, wie die Erwartungen der Menschen, oft spielen ja auch langlaufende Kontrakte eine Rolle bei den Preisen. Und auch die Quartalszahlen, die dann aufgrund von Währungsgewinnen gut aussehen, werden ja erst in ein paar Monaten veröffentlicht.

Wir haben hier also mit hoher Wahrscheinlichkeit eine zeitliche Disparität zwischen ganz real anstehenden Währungsverlusten für US Investoren, auf die diese sehr schnell und sogar vorausschauend reagieren. Und vielleicht später eintretenden erhöhten Gewinnen der Unternehmen durch Währungsgewinne.

Wenn dieses Bild zutrifft - und davon bin ich überzeugt - wird sich die Erwartung des Marktes also bei weiter fallendem Euro, der sich einem Boden nähert, umkehren. Dann haben die US Investoren ihre DAX Bestände ausreichend abgebaut und sie werden sich Gedanken darüber machen, ob dieser schwache Euro nicht die Gewinne der DAX Unternehmen treiben wird.

Und so überwiegt am Anfang der Bewegung für den DAX der negative Effekt des fallenden Euros, am Ende dürfte aber der positive Effekt überwiegen. Was in Summe die europäischen Märkte und den DAX durchaus zu Kandidaten für eine relative Überperformance macht, aber eben nicht heute, sondern in den kommenden Monaten.

Jetzt ist EURUSD natürlich nur ein Faktor an den Märkten, der wiederum durch andere Faktoren überlagert wird. Die Märkte sind weit komplexer als eine simple, eindimensionale wenn->dann Beziehung. Insofern muss der DAX nicht steigen, nur weil sich EURUSD irgendwann langsam dem Ende der Abwärtsbewegung nähert. Und eine relative Überperformance kann auch nur bedeuten, dass der DAX dann weniger fällt, als andere Märkte. Aber es ist ein wichtiger Faktor im Spiel, den man einfach kennen sollte.

Dieser Zusammenhang ist übrigens auch ein schönes Beispiel, den man bei einer Sektorenstrategie per ETF, die ich ja in dem letzten Artikel thematisiert habe, zum eigenen Vorteil ausnutzen kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihren Blick auf das EURUSD Währungspaar und seine Auswirkungen etwas erhellen.

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Vom Irrsinn des IFRS und einem zweifelhaften Buchwert – Reloaded

Es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug erklären. Und da ich diese Woche noch Urlaub mache, schiebe ich heute einen Artikel wieder in den Vordergrund, der hier schon am 24.10.2012 - also vor fast 2 Jahren - veröffentlicht wurde.

Diese Erklärung ist aber nach wie vor topaktuell und erst heute habe ich wieder einen interessanten Artikel gesehen, der die Problematik der Buchwerte nach "Fair Value" erneut in Erinnerung ruft, dieses mal für die grossen Energiekonzerne mit ihren Reserven und deren Bewertung in den Bilanzen: -> Die 28 Billionen Abschreibung <-

Ein erneutes, schönes Beispiel, warum das Prinzip des "Fair Value" in der Praxis Augenwischerei ist und nur dazu führt, dass das Management zu grosse Gestaltungsfreiheiten hat und die Aussagekraft der Bilanzen verschmiert wird. Genau das, was der Artikel unten im Detail erklärt. Denn da es in der Gegenwart keine objektiven Fakten gibt, ob und wie die Reserven der oben im Artikel beschriebenen Energie-Konzerne in Zukunft überhaupt genutzt werden können, obliegen diese Bilanzposten mehr oder weniger der Gestaltung des Managements.

Viele der neuen Leser, die in den letzten zwei Jahren zu Mr-Market dazu gestossen sind, werden den Artikel vom Herbst 2012 nicht kennen. Das sollten Sie aber, daher hier der "Irrsinn des IFRS" reloaded. Viel Spass, Ihr urlaubender Hari.

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Heute möchte ich mit Ihnen mal wieder ein grundsätzliches Thema besprechen. Und zwar in Form eines persönlichen und höchst subjektiven Kommentars zum Thema IFRS.

Ausgelöst durch einen der zahllosen Artikel, in denen dem privaten Anleger mal wieder das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) als einfaches Mittel angedient wurde um "Value-Aktien" nach Graham und Buffet zu finden, habe ich mich dazu despektierlich geäussert und den Versuch so ein Thema auf das KBV zu reduzieren als "Plattheit" gebranntmarkt.

In diesem Artikel möchte ich genauer erläutern was ich damit meine. Und warum Sie sich nach meiner Erfahrung keinen Gefallen damit tun, Ihre Anlageentscheidungen alleine nach solchen trivialen Kennziffern zu treffen. Wenn mir die Welt so stark vereinfacht dargeboten wird, ist für mich eher sofort die Frage, "warum" man mir das so darlegt und welche Interessen die Beteiligten haben könnten.

Noch vor 15 Jahren, war die Welt der Bilanzierung in Ordnung. In Deutschland galt das HGB, das die Tendenz hatte, in den Bilanzen stille Reserven - also eine Sicherheitsmarge - aufzubauen. Kaufte man damals ein anderes Unternehmen oder Rechte oder oder, wurde der Aufwand als "Kosten" verbucht oder aktiviert und das Wirtschaftsgut langsam abgeschrieben. Irgendwann war das Wirtschaftsgut in der Bilanz bei Null angekommen, hatte aber immer noch einen realen Gegenwert. Manchmal war dieser Gegenwert sogar gestiegen.

Diese stillen Reserven schlummerten unerkannt in den Bilanzen und wurden erst dann gehoben, wenn das Wirtschaftsgut zum Beispiel verkauft wurde, wenn es also durch einen Preis einen "Wert" bekam. Das war auch im Wesentlichen die Bilanz-Welt, in der Benjamin Graham (der diesem Blog seinen Namen gab und dessen Schüler Warren Buffet war) seine berühmte "Value-Strategie" entwickelte, wie in seinem Buch "The intelligent Investor" ausgeführt. Sicher waren die Bilanzierungsregeln auch damals in den USA anders als das HGB, aber auch in den US war die Bilanzierung damals viel mehr vom Sicherheitsgedanken geprägt als heute.

Dann begann aber der Siegeszug der IFRS (International Financial Reporting Standards). Eigentlich ein richtiger Gedanke, die Rechnungslegungsvorschriften weltweit zu vereinfachen und damit vergleichbar zu machen. Ich zitiere mal einen Satz aus dem WiWo Artikel zum "grossen Bilanz Bluff", den ich Ihnen unten verlinkt habe: "Die 15-köpfige Gruppe ist privat organisiert. Sponsoren der Gruppe sind nahezu alle wichtigen internationalen Konzerne, Banken und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Europäische Union winkt deren Beschlüsse regelmäßig durch und gibt sie weiter in die Hauptstädte von Berlin bis Rom, wo sie in nationales Recht umgewandelt werden."

Meine Lebenserfahrung gebietet anzunehmen, dass es die Interessen der genannten Spieler sind, die indirekt Einfluss auf die Bilanzierungsregeln nehmen. Und das selbst, wenn man den 15 Personen individuelle Untadeligkeit und das Bemühen um Unabhängigkeit attestiert, was ich hiermit gerne annehme. Denn jeder Mensch ist durch sein Arbeitsumfeld geprägt, auch wenn er sich persönlich um Unabhängigkeit bemüht. Lässt man Bilanzstandards von den genannten Gruppen erarbeiten, wird man andere bekommen, als wenn das Standardisierungsgremium zum Beispiel aus den Finanzchefs von Mittelständlern besteht. Bezeichnend für die deutsche Politik ist übrigens, dass sie dieses so entscheidende Thema aus meiner Sicht mal wieder völlig verschlafen hat.

Und die Interessen der grossen Spieler sind für mich naheliegend. Indem man stille Reserven hebt, in dem man die Bilanzen aufbläht, erzeugt man höhere Kurse an Börsen (= mehr Boni) weil die Kennziffern wie zB KBV besser aussehen, erhöht man das Volumen der Mandate, erzeugt neue Beratungsfelder für Banken und Wirtschaftsprüfer und gibt dem Management Spielraum, sich die Bilanz nach Gusto zu bauen. Es entspricht meiner Lebenserfahrung anzunehmen, dass diese Interessen auch in die Entscheidungsprozesse einfliessen.

Das Schlüsselprinzip das seit IFRS dabei eingesetzt wird und das es vorher nicht gab, ist dabei das "Fair Value Measurement“. Theoretisch ein richtiger Gedanke, statt das stille Reserven wie oben in den Bilanzen schlummern und diese defensiv aufgebaut sind, sollen alle Bilanzpositionen mit ihrem aktuellen "fairen Wert" bewertet werden. Das Problem ist nur, wer legt denn fest wenn es keinen echten Marktwert gibt, was die Regel ist ? Wer hat die Kompetenz zu entscheiden, ob eine Investition zB in eine innovative Technologie diesen oder jenen "fairen" Wert hat ? Womit wir beim massiven Spielraum sind der nun entstanden ist und der die modernen Bilanzen eher zu einem Pudding macht, den man verzweifelt versucht an die Wand zu nageln.

Es übersteigt den Umfang eines solchen Artikels, hier auf alle Aspekte einzugehen. Ich will Ihnen mit diesen Worten auch nur ein Problembewusstsein schaffen. Und dazu braucht es Beispiele.

Nehmen wir also mal beispielhaft Daimler und die Brennstoffzelle. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Daimler in das Thema schon mehr als 1 Milliarde Entwicklungskosten hinein gesteckt haben soll. Ich weiss nicht ob das stimmt und ich will vorausschicken, das ich keinerlei Ahnung habe wie Daimler das Thema bilanziert. Und ich will mit den folgenden Worten auch keine Behauptungen über die Bilanz bei Daimler aufstellen. Ich will Ihnen nur an einem Beispiel das jeder kennt ("Daimler" und "Brennstoffzelle") klar machen, was IFRS potentiell bedeutet.

Daimler hat also massive Investitionen in die Brennstoffzelle gesteckt, um in der Zukunft damit Geschäft zu machen. In der alten Welt des HGB wäre das ganz einfach gewesen. All die Investitionen in die Brennstoffzelle, all die Millionen an Entwicklerstunden, die gekauften Maschinen, Patente und Rechte, wären Kosten bzw aktivierbare Wirtschaftsgüter gewesen. Wirtschaftsgüter wie zb eine Testanlage wären bis auf Null abgeschrieben worden. Bilanziell wären also all diese Aktivitäten irgendwann nichts mehr "wert" gewesen, bis dann der Moment eintritt, an dem man mit der Brennstoffzelle Umsatz macht, Kunden gewinnt etc. So einfach, so defensiv, so konservativ.

Heute, im IFRS, darf man aber Entwicklungsaufwand aktivieren. Und muss den Wert dieser "virtuellen Wirtschaftsgüter" nicht zwingend auf Null abschreiben. Nein, man muss für die Bilanz bestimmen, was der "Fair Value" dieser Aktiva ist. Und bläht die Bilanz entsprechend auf, was bedeutet das KBV sieht optisch attraktiver aus. Nur wer entscheidet was die Investitionen in die Brennstoffzelle Wert sind ? Nach welchen Kriterien ?

Viel schlimmer, kann das überhaupt jemand kompetent entscheiden ? Ich behaupte ganz frech: NEIN ! Denn die entscheidende Frage wird sein, ob sich die Brennstoffzelle am Markt gegen die alternativen Antriebsformen durchsetzen kann. Und das hängt von unzähligen, auch politischen, Parametern ab und kann niemand vorher sehen. Und deshalb kann auch niemand seriös den "Fair Value" bestimmen.

Im Endeffekt masst sich IFRS damit ganz arrogant an, via Bilanz die Zukunft vorher sehen zu können. Klar, theoretisch soll es der aktuelle "Fair Value" der Gegenwart sein, nur ist der nicht zu bestimmen ohne Annahmen zur Zukunft zu machen. Das ist in meinen Augen die traurige Realität. Und Realität ist für mich auch, dass sich damit das Management der Konzerne nach meiner Erfahrung mehr oder weniger selber in die Bilanzen schreiben kann, was es will. Oder glauben Sie ein durchschnittlicher Wirtschaftsprüfer kann eine ernsthafte Diskussion mit dem Entwicklungsvorstand bestehen, welchen aktuellen Wert frische Innovationen in einem innovativen Spezialthema haben ? Sicher haben die Wirtschaftsprüfer "Krücken" zur Bewertung in ihrer Methodik, es sind und bleiben aber Krücken und am Ende entscheidet das Management.

Das ist nur ein Beispiel. Und um es noch einmal zu erwähnen, ich weiss nicht wie Daimler das real bilanziert, das ist nur ein theoretisches Gedankenszenario um einen Punkt klar zu machen. Und es ist auch keine Problematik von Daimler, sondern vor diesen Fragen stehen mit IFRS alle Unternehmen mit signifikanten Entwicklungsaufwendungen, egal aus welcher Branche. Aber von dieser Art "Bewertungen" nach "Fair Value" werden die Bilanzen der Konzerne seit IFRS bestimmt. Und es ist beileibe nicht nur das Thema aktivierter Entwicklungsleistungen um das es hier geht, weitere Stichworte sind der Goodwill bei Firmenkäufen, die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen usw. usw..

Warum wohl weist Microsoft plötzlich, von einer Sekunde auf die andere einen Quartalsverlust aus und schreibt 6 Milliarden auf eine Akquisition ab ? Womit die Bilanz um diese 6 Milliarden verkürzt wird. Hat sich die Welt in dieser Sekunde so verändert ? War die Bilanz vor 3 Monaten also richtig ? Lesen Sie -> hier <-. Und warum wundern sich Redakteure, das der Markt dabei nicht mal zuckt ? Ganz einfach, weil die Redakteure den (Un)Sinn des IFRS nicht verstehen und noch denken, Bilanzen hätten Aussagekraft. Big Money weiss es aber und zuckt deshalb nicht einmal über die Abschreibung. Die Profis im Markt wissen : "sowieso Bullshit" und kümmern sich um die bedeutenden Dinge.

Am schlimmsten sind in diesem Zusammenhang übrigens nicht die Bilanzen von IT Unternehmen, sondern die von Banken. Da hier fast keine "realen" Güter dahinter stehen, bestehen die Bilanzen aus Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen, der Bewertungen. Natürlich alles "Fair Value". 😉 Erfahrene Bilanzspezialisten, die bei einem Industrieunternehmen durchaus noch sinnvolle Schlüsse aus der Bilanz ziehen können, streichen bei Bankbilanzen die Segel. Denn die wissen, das sie *nicht* wissen, eben gerade weil sie kompetent sind. Um so absurder wird es dann, wenn man im Web von Laien "fundamentale Analysen" zu Banken anhand der klassischen Bilanzkennziffern liest. Da kann man in meinen Augen auch gleich wie im Mittelalter das Gekröse eines Frosches untersuchen, das läst ähnlich kompetente Rückschlüsse zu. 😉 Bank-Bilanzen sind einfach eine "Black-Box", die selbst für Insider extrem schwer zu durchdringen sind.

Faktum ist, dass man aufgrund dieser durch IFRS aufgeblähten Unternehmensbilanzen die Kennziffern wie KBV gar nicht mehr mit der Vergangenheit vergleichen kann. Wer Ihnen also erzählt, dass das KBV des DAX im historischen Massstab billig sei, ist nicht ernst zu nehmen. Die Bilanzen sind nicht vergleichbar und keiner kann Ihnen genau sagen, wie aufgebläht sie nun im Vergleich zu den 90er Jahren sind.

Und dann lächeln Sie Personen von Magazinen an und und implizieren, dass Sie ja nur das KBV und die Dividende anschauen müssen, um sich wie Graham und Buffet zu fühlen. Wenn Geldanlage so einfach wäre, wären wir alle Multimillionäre. Komisch nur, dass wir es nicht sind. 😉

Sage ich damit, dass eine Kennziffer wie das KBV gar keine Aussagekraft mehr hat ? Nein, wenn man das Geschäft des Unternehmens versteht, wenn man die Substanz der wesentlichen Bilanzpositionen einschätzen kann und wenn man weiss, wie "aggressiv" das Management bilanziert, dann hat eine Bilanzanalyse immer noch gute Aussagekraft. Das ist das was ein Buffet macht und mehr. Machen Sie das ? Können Sie das ? Wenn nein, lassen Sie sich nicht von den grossen Vereinfachungen blenden.

So weit meine hoffentlich deutliche und zugegeben spitzzüngige Rede zum Thema. Wie gesagt, ich wollte damit nicht in die Details der Bilanzierung einsteigen, sondern Ihnen nur eine sehr grundsätzliche Problematik klar machen.

Im Folgenden habe ich daher für Sie noch zwei Links um das Thema zu vertiefen. Gerade den ersten Link "Der grosse Bilanz Bluff" möchte ich Ihnen dringend zum intensiven Studium empfehlen. Danach sind Sie hoffentlich kuriert und können nur noch bitter lachen, wenn Ihnen einer mal wieder etwas vom KBV als entscheidendem Kriterium erzählt und dafür dann noch der arme Warren Buffet ungefragt als Testimonial benutzt wird.

-> Der grosse Bilanz Bluff <-

-> DAX Pensionen teure Versprechen <-

Ich hoffe ich konnte Ihren Horizont ein wenig erweitern. Und ich bedauere, dass ich Ihnen keine "einfachen" Lösungen anbieten kann. Das muss ich anderen überlassen.

Ihr Hari

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Dark Pools und schädliche Marktfragmentierung

Ich verfolge die zunehmende Fragmentierung des Marktes durch das Aufkommen der Dark Pools ja schon länger mit Unbehagen und habe das zuletzt Ende 2013 in meiner Kolumne in der Wirtschaftswoche unter dem Titel -> Das Kreuz mit den Dark Pools <- thematisiert.

Nun geraten die Dinge aber bei der amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC in Bewegung, woran auch Michael Lewis mit seinem Bestseller "Flash Boys" seinen Anteil haben dürfte, denn dadurch ist auch die US-Politik auf das Thema aufmerksam geworden. Ohne medialen Druck geht in Demokratien halt selten etwas.

Und ich habe gestern bei der schweizer "Finanz und Wirtschaft" ein interessantes Chart gesehen, das sofort Assoziationen zum Thema aufkommen lässt: -> Es ist Hausse und fast keiner geht hin <-

Denn was hier nicht gesagt wird, bestimmt aber auch seinen Teil zum Gesamtbild beiträgt, ist die Tatsache, dass der Markt immer mehr zwischen verschiedenen Handelsplätzen (Dark Pools) fragmentiert. Und hier im Chart sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nur die offiziellen Börsen gelistet. Denn genau diese Volumendaten sind ja von Dark Pools nicht zugänglich.

Gut aufbereitet wird das Thema im aktuellen Artikel -> Dark Pools im Visier der US Regulierung <-. Allerdings nur lesbar für Abonennten der FuW. Denn die SEC scheint mal wieder schneller ernst zu machen, als die Regulierer in Europa.

Hier als Ergänzung noch ein ein paar Tage alter, aber guter Hintergrundartikel des WSJ: -> USA wollen den traditionellen Börsenhandel zurück <-. Die in US eingeschlagene Richtung halte ich für genau richtig, auch wenn man über Details ohne Frage diskutieren kann. Und es wäre wichtig, dass auch hier in Europa mal etwas in diese Richtung passiert.

Um das noch einmal klar zu stellen, der Begriff "Dark Pool" impliziert zwar durch seine Wortwahl "dunkle, böse Absichten", aber das ist keinesfalls so zu sehen, sondern einfach eine ziemlich ungeschickte Begrifflichkeit. Im Nachhinein ist es schon ein Stück aus Absurdistan, dass sich die Finanzindustrie mit so einer Wortwahl selber zum leichten Ziel macht, wo man ansonsten doch so genau auf Euphemismen achtet.

Nein, Dark Pools sind einfach ganz profan intransparente (dark) Handelsplätze (Pools) abseits der regulierten Börsen. Viele der Broker, die zum Beispiel mit "Binary Options" und ähnlichen Konstrukten auf Kundenfang gehen, sind auch sozusagen "Dark Pools für den kleinen Mann". Selbst die neue Plattform IEX, die sich in den US als Gegenmodell des Hochfrequenzhandels positioniert, gilt offiziell noch als "Dark Pool", weil die Zulassung als offizielle Börse noch fehlt - aber nachgeholt werden soll.

Das Problem sind also nicht perse "dunkle, böse Geschäfte", die meisten Dark Pools dürften ebenso seriös, wie professionell agieren. Das Problem ist einfach die Intransparenz und Fragmentierung des Marktes, die aus dem Aufkommen all dieser ausserbörslichen Handelsplätze resultiert.

Denn diese Fragmentierung behindert immer mehr das, wofür Börsen da sind: volkswirtschaftlich wichtige Preisfindungsorgane für Unternehmensbeteiligungen und Finanzinstrumente zu sein. Durch die Fragmentierung wird diese Preisfindung schlechter, das Volumen an den regulierten Börsen sinkt und die Spreads werden höher. Gleichzeitig steigen die Risiken, dass Fehlentwicklungen an den Märkten unerkannt bleiben und es wird eine Mehrklassengesellschaft an den Märkten zementiert, die auch dem Grund-Gedanken jeden freien Marktes, des "Level Playing Fields", völlig entgegen läuft.

All das schadet am Ende freien Märkten und ich sehe keinen sinnvollen volkswirtschaftlichen Grund, das zuzulassen. Klar möchten grosse Adressen ihre Transaktionen vor den Augen der Welt verstecken und Auswirkungen ihrer grossen Orders auf die Preisfindung vermeiden, ich verstehe das gut. Nur ist damit nicht die Frage beantwortet, warum man das volkswirtschaftlich zulassen sollte. Bis ins letzte Jahrzehnt hat die Börsen-Welt auch gut ohne diese Fragmentierung gelebt.

Insofern begrüsse ich die Richtung sehr, in die sich die SEC nun bewegt. Jetzt müssen wir nur noch die europäischen Aufsichtsbehörden zum Jagen tragen....

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Der DAX, die Krim, China und Kupfer – da stimmt was nicht !

Aufmerksamen Beobachtern des Marktes fallen derzeit zwei Anomalien auf, die Anlass zur Irritation geben.

Die erste Anomalie, ist die massive relative Schwäche des DAX gegenüber fast allen anderen Indizes, egal ob es sich um den S&P500 oder weiter westlich befindliche europäische Indizes, wie den spanischen IBEX35 handelt.

Ich will Ihnen dazu nun ein eindrucksvolles Chart zeigen, das wohl kaum Zufall ist und das in meinen Augen die Antwort beinhaltet:

DAX vs S&P500 11.03.14

Sie sehen den direkten Vergleich des Leitindexes S&P500 und des DAX. Und Sie sehen, dass der DAX seit Anfang März beeindruckende und sehr ungewöhnliche 5%! relative Performance zum S&P500 verloren hat.

Schauen wir auf die Zeitskala, sehen wir auch, dass diese relative Schwäche in dem Moment einsetzte, in dem Russland auf der Krim seine Muskeln und seine rote Linie zeigte, hinter die es wohl nicht mehr zurückweichen wird. Das Chart zeigt uns, es geht den Investoren nicht um die Ukraine, die ist wirtschaftlich unbedeutend. Es geht um das Verhältnis Russlands zum Westen und im speziellen zur EU. Und unter einem aufkommenden neuen Konflikt, wird primär die deutsche Wirtschaft leiden, dicht gefolgt von Österreich oder Finnland - alles Länder die traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen mit Russland haben.

Bedenken Sie bitte auch, das der DAX nicht von deutschen, sondern primär von den Handlungen angelsächsischer Grossinvestoren (institutionelles Geld) bestimmt wird. Und diese haben scheinbar ein Wahrnehmung entwickelt, die ich teile: Der Konflikt um die Krim und die Ukraine wird nicht schnell verschwinden, wir sehen viel eher den Beginn einer neuen strategischen Grosswetterlage, eine Gezeitenwende im Verhältnis Russlands zur EU.

Diese institutionellen Investoren können aber weltweit anlegen und brauchen wirklich den DAX nicht, um ihr Kapital arbeiten zu lassen. Und wenn diese nun langfristig Kapital aus dem DAX abziehen und in andere Märkte umschichten, dann war es das mit den Hochs beim DAX, dann muss man den Blick deutlich nach unten richten.

Ich habe diese Vermutung schon seit letzter Woche und wir haben das im Premium-Bereich intensiv besprochen. Dieses Chart bestätigt die Vermutung und der DAX scheint nicht mehr der Index zu sein, in dem man unbedingt sein muss.

Schauen wir auf ein detailliertes Chart mit Tageskerzen, sehen wir, dass der DAX nun auch eindeutig ein tieferes Hoch generiert hat, das oft das erste Signal für eine vollzogene Topbildung darstellt. Das Beste was dem DAX nach meiner Erwartung in der aktuellen Situation nun passieren könnte, habe ich im Chart eingezeichnet: ein fortdauernde Seitwärtsbewegung, an deren Ende durch eine überraschende Lösung des Konfliktes zwischen EU und Russland, dann doch noch der Schub zur 10.000er Marke kommt. Das Szenario einer vollzogenen Topbildung und damit einer bevorstehenden scharfen Korrektur, ist aber ebenso wahrscheinlich !

DAX 11.03.14

Schauen wir Richtung China, sehen wir eine zweite Anomalie, die sich derzeit natürlich auch negativ auf den DAX auswirkt.

Am 07.03. hat es den ersten Default (Ausfall) einer Unternehmensanleihe in China gegeben. Bisher wurde das nicht zugelassen und durch das staatsgesteuerte Bankensystem immer aufgefangen. Auf die Märkte wirkt das wie ein Fanal und löst massive Ängste aus, zumal die sonstigen Wirtschaftsdaten aus China auch zweifelhafte Signale geben.

Am stärksten reagiert der Markt dabei über das Industriemetall Kupfer (Dr. Copper), das bisher als zuverlässiger Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft galt. Ein Blick auf die kontinuierliche Darstellung des US Coppper Futures, zeigt den massiven Einbruch und die zeitliche Koinzidenz zum Corporate Bond Default in China:

Copper 11.03.14

Gleichzeitig stehen die Indizes in den US aber immer noch nahe der Höchststände und die US Wirtschaft scheint langsam aber sicher Fahrt aufzunehmen. Ein Spiegelbild des realen industriellen Bedarfs kann dieser Absturz bei Kupfer also nicht sein. Es ist eher der Versuch des Marktes, die Zukunft zu antizipieren und ein spekulatives Element spielt dabei mit Sicherheit eine Rolle.

Ob es in China nun wirklich zu einer Kreditkrise kommt, die schon lange vorher gesagt wird, ist völlig offen. Zu undurchsichtig sind die Daten und zu intransparent die politische Einflussnahme, als das man hier verlässliche Schlussfolgerungen ziehen könnte. Aber das Risiko ist da und wir können nur hoffen, dass Dr. Copper hier nur von Spekulanten nach unten gezerrt wurde. Das Chart impliziert zumindest, dass nun eine technische Gegenbewegung anstehen könnte.

Summa Summarum haben wir aber mit hoher Wahrscheinlichkeit Abflüsse von institutionellem Geld aus dem DAX, basierend auf einer strategischen Lagebeurteilung rund um Russland und die EU. Wir haben weiterhin das Damoklesschwert einer Kreditkrise in China, das den exportlastigen DAX besonders treffen würde. Und wir haben in Deutschland eine grosse Koalition, die in Selbstgefälligkeit Wohltaten verteilt und die Lehren völlig vergessen hat, die andere Länder wie Frankreich gerade schmerzhaft lernen müssen.

In Summe steht es um die Weltwirtschaft und die weltweiten Aktienmärkte gar nicht so schlecht und der Leitindex S&P500 befindet sich nach wie vor in einem etablierten Aufwärtstrend. Insofern muss der DAX nun keineswegs zwingend einbrechen und die aktuelle Schwächephase kann in Summe an den Weltmärkten eine gute Kaufgelegenheit sein. In Anbetracht der unveränderten Politik der Notenbanken, spricht viel für eine Fortsetzung des Bullenmarktes.

Aber ob man sein Kapital in den kommenden Woche und Monaten nun unbedingt gerade im DAX arbeiten lassen muss, darf aufgrund der drei genannten Parameter durchaus bezweifelt werden.

Relativ gesehen, gibt es für mich auf der Welt derzeit bessere Opportunitäten als den DAX. Wenn Sie diese kennenlernen wollen, stossen Sie zur Mr-Market Community dazu ! Denn die Anlagewelt ist gross, nutzen wir ihre Möglichkeiten !

Ihr Hari

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Die Ukraine und die Märkte. Haben politische Börsen kurze Beine ?

Ja, das haben sie - in der Regel. Und wir haben nun wieder eine politische Börse, nachdem das Erschrecken über die russische Intervention auf der Krim, nun auch weitere Kreise und wohl auch wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht.

Und das der DAX heute deutlich korrigiert und Gold fast 1350 USD erreicht, ist selbstverständlich zu einem guten Teil die Folge der Geschehnisse in der Ukraine. Auch andere Faktoren machten eine Korrektur durchaus möglich, die heutigen Reaktionen von Gold und Öl zeigen aber überdeutlich, dass hier kurzfristig vom Markt die Krise gespielt wird und wir es nicht nur mit simplen Gewinnmitnahmen in einem überkauften Markt zu tun haben.

Der Grund warum politische Börsen kurze Beine haben, liegt darin begründet, dass politische Krisen aufflackern und dann wieder vergehen. Die Börse interessiert aber nur, was Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre wirtschaftliche Entwicklung hat.

Und da die Ukraine keine relevanten Bodenschätze besitzt und auch ansonsten im weltweiten Handel irrelevant ist, wird der Markt kurz zucken und dann wieder zur Tagesordnung übergehen, solange sich das jetzige Szenario nicht ausweitet und es nicht zu offenem Krieg kommt.

Einzig der Aktienmarkt Russlands dürfte nun dauerhaft einen Schlag bekommen, der RTX ist aktuell folgerichtig auch 10% im Minus. Denn Russland ist auf dem besten Weg damit dauerhaft zum "Paria" zu werden und gerade die von Oligarchen geführten Unternehmen Russlands, werden das sehr schmerzhaft zu spüren bekommen.

Wirtschaftssanktionen wirken auf den ersten Blick nicht so eindrucksvoll wie einmarschierende Soldaten. Sind am Ende aber auch sehr schmerzhaft. Denn wenn den russischen Oligarchen der Zugang zum Westen beschnitten wird, wird der innenpolitische Druck auf Putin schnell stark wachsen, eine kooperative Linie einzuschlagen.

Im russischen Aktienmarkt muss man nun also wirklich nicht sein und da die Gegenreaktion des Westens gerade erst anläuft, könnten auch die 10% Minus heute erst der Anfang sein. Und auch der russische Rubel dürfte nun in Schwierigkeiten geraten. Und natürlich werden auch im Westen Unternehmen leiden, die auf die eine oder andere Art und Weise mit Russland verflochten sind oder von Rohstofflieferungen aus Russland abhängen. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts um die Ukraine erst einmal gering.

Diese Aussage - und auch die zu den kurzen Beinen politischer Börsen - gilt aber nur für den Fall, dass sich der Konflikt nun nicht ausweitet. Und gilt unter der Annahme, dass die Ukraine - ob mit oder ohne Krim - nun politisch stabilisiert werden kann. Kommt es dagegen nun zu einem offenen Bürgerkrieg, in dem schlimmstenfalls auch noch Russland mit Truppen ohne Hoheitszeichen mitmischt, kann dieses Pulverfass schnell zu einer kompletten Destabilisierung Europas Osten führen und auf andere Randstaaten übergreifen. Und die Nato steht an der polnisch-ukrainischen Grenze und ist dann schnell Teil des Spiels. Übrigens hat Huntington in seinem Buch -> Kampf der Kulturen <- genau solche Szenarien entlang kultureller Bruchlinien - auch in der Ukraine - skizziert.

So ein Szenario würde grosse Risiken für Europa herauf beschwören und würden die Börsen mit hoher Sicherheit mit einer Korrektur beantworten, gegen die das heutige Minus ein kleiner "Fliegenschiss" ist.

Es ist aber völlig unvorhersehbar, ob es dazu kommt oder ob die Krise nun bald wieder abflaut und sich alles mit einer russischen Krim abfindet und die Ukraine sich politisch stabilisieren kann. Denn auch wenn es aufgrund der aktuellen Grenzen natürlich ein Bruch des Völkerrechtes ist, ist eine russische Krim historisch ja nun gar nicht mal so illegitim.

Und weil wir alle nicht wissen, wie sich das nun weiter entwickelt, ist Panik und hektische Aktivität kein guter Ratgeber.

In so einer Lage muss man seine Risiken reduzieren und einen klaren Plan entwickeln, unter welchen Umständen man die Reissleine ziehen wird. Darüber hinaus ist nun aber Ruhe und Abwarten angesagt und keine hektischen Aktivitäten.

Denn in der Mehrzahl der Fälle haben politische Börsen eben kurze Beine und dann ist dieser Dip sogar wieder ein Kaufgelegenheit. Und über die wenigen Fälle in denen das nicht so ist, möchte ich als europäischer Bürger im Moment lieber noch nicht nachdenken. So nahe wollte ich den Krieg eigentlich nicht mehr haben.

Ihr Hari

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Finanztransaktionssteuer nur auf Aktien ist grober Unfug !

Es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug in einem persönlichen Kommentar aussprechen.

Vor fast exakt einem Jahr, habe ich im Artikel -> Finanztransaktionssteuer - Von Ahnungslosigkeit und Lobbyismus <- eine Wutrede auf den damaligen Vorschlag der EU zur Finanztransaktionssteuer losgelassen, in dem Geschäfte auf den volkswirtschaftlich sinnvollen Aktienhandel 10x so stark besteuert werden sollten, wie Geschäfte auf Derivate. Es macht Sinn diesen Artikel noch einmal zu lesen, denn die Argumentation ist unverändert gültig und ich werde heute diese Argumentation nicht wiederholen.

Wer jetzt aber glaubte, es würde sich etwas zum Besseren ändern, wurde getäuscht. Vielleicht kennen Sie ja den Aphorismus:

Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!"
Und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer!

Genau das passiert gerade, denn nun scheinen sich Frankreich und Deutschland in einem typischen, politischen Formelkompromiss darauf verständigen zu wollen, einen -> schrittweisen Start <- der Finanztransaktionssteuer vorzunehmen, bei dem zunächst nur Aktiengeschäfte besteuert werden sollen. Und das was wirklich entschleunigt werden müsste - der Wildwuchs der Derivate - kommt dann irgendwann .... uhmmm ..... ja vielleicht ...... ein bisschen ...... später ...... wenn überhaupt.

Das ist so klar und eindeutig grober Unfug, dass selbst die Mainstream-Presse bei dem Thema sofort richtig reagiert, die Welt hatte gestern den Artikel -> Transaktionssteuer nur auf Aktien ist eine Farce <- online und das Handelsblatt schreibt zu Recht vom -> Ungeheuer von Loch Ness <-.

Statt meine Position also erneut zu begründen und herzuleiten - das habe ich ausführlich vor einem Jahr getan - will ich hier nur in Stichpunkten mal ein paar Fakten zusammen fassen und Konsequenzen aufzeigen.

1. Ich bin persönlich für eine sinnvolle Finanztransaktionssteuer, deren Sinn die Entschleunigung der Finanzmärkte ist und die derivativen Wildwuchs zurück zu schneiden hilft. Bei dieser Steuer darf aber nicht die Einnahmenseite im Vordergrund stehen, sondern es geht darum, die volkswirtschaftlich schädlichen oder unsinnigen - weil Risiken produzierenden - Marktbereiche unwirtschaftlicher und damit unattraktiver zu machen. Nebenbei würde eine richtig gesetzte Finanztransaktionssteuer auch das HFT Unwesen eindämmen und uns allerlei regulatorische und tatsächliche Probleme und Risiken abnehmen.

2. Der Aktienhandel ist volkswirtschaftlich sinnvoll, er dient der Finanzierung der Unternehmen. Ohne Wagniskapital über die Börse, würde es eine Tesla Motors so nicht geben und viele andere erfolgreiche Unternehmen auch nicht. Der klassische Aktienhandel hat Null und Nichts mit den Ursachen der Finanzkrise zu tun. Im Gegenteil, der volkswirtschaftlich sinnvolle Aktienhandel steht unter Attacke. Unter Attacke durch Fehlentwicklungen wie das HFT. Unter Attacke durch die Zerfaserung des Handels auf diverse unregulierte Handelsplätze (Dark Pools). Unter Attacke durch diverse derivate Produkte, mit denen der echte Aktienhandel an echten Börsen umgangen werden kann.

3. Eine Börsenumsatzsteuer nur auf den Aktienhandel, ist ein Boom-Programm für Derivate und fördert die eigenen Transaktionen noch mehr in privaten Handelsplattformen (Dark Pools) zu verstecken. Dieser Formelkompromiss schädigt damit das volkswirtschaftlich Sinnvolle und fördert den Wildwuchs weiter. Das ist für mich grober Unfug ! Ein andere Formulierung fällt mir persönlich dazu einfach nicht ein.

4. Bezahlt wird diese Form von Finanztransaktionssteuer nicht von der Grossfinanz, die ausweichen kann und wird. Bezahlt wird sie vom normalen Bürger, dessen in Zeiten der finanziellen Repression sowieso schon schwieriger Versuch der Geldanlage, weiter verteuert wird. Aber selbst Verträge, bei denen man auf den ersten Blick gar nicht daran denken würde, wie Fondsparpläne bei Lebensversicherungen, werden negativ belastet werden.

5. Wer dagegen mobil ist oder der Grossfinanz angehört, wird je nach Ausgestaltung der Regeln einfach nicht mehr Aktien handeln und dafür Derivate nutzen. Oder auf Handelsplätze ausserhalb der EU ausweichen. Oder deutsche und französische Firmen am Aktienmarkt ganz meiden, die muss man auch nicht zwingend haben, es reicht sich in den USA und Asien zu tummeln. Geschädigt wird dadurch die Fähigkeit von deutschen oder französischen Unternehmen, an der Börse Kapital aufzunehmen.

Dieser aktuelle Vorschlag, mit einer reinen Finanztransaktionssteuer auf Aktien zu beginnen, ist auf jeden Fall ein Musterbeispiel, wie aus der prinzipiell guten Idee der "Tobin-Tax", durch politische Formelkompromisse ein Monster gemacht wird. Ein Monster, das vorhandene Fehlentwicklungen fördert und die verbleibenden Inseln der volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit an den Finanzmärkten mutwillig schädigt.

Ist es wirklich möglich, dass so ein offensichtlicher Blödsinn Gesetz werden wird ? Noch hoffe ich auf die Intelligenz bei den Beteiligten. Hoffentlich nicht zu Unrecht.

Ihr Hari

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Das Bundesverfassungsgericht, die EZB und die Schweiz

Montag 10.02.14 09:50 - EZB & Bundesverfassungsgericht & Schweiz

Ich möchte heute einen persönlichen Kommentar zur Thematik um die EZB, das Bundesverfassungsgericht (BVG) und die Schweiz los werden. In einem Börsenblog darf man auch mal über den Tellerrand in die Finanzpolitik hinein schauen.

Aufhängen möchte ich den Kommentar an einem Artikel der Welt, in dem die Auswirkungen und taktischen Konsequenzen der Vorgehensweise des BVGs auf die EZB aufgezeigt werden: -> Die EZB steht unbewaffnet dar <-

Nach meiner Meinung sieht man an den im Artikel dargestellten Zusammenhängen, auf welch wackeligen Boden sich das Bundesverfassungsgericht begeben hat, in dem es europapolitische Erwägungen in seinen Ratschluss hat einfliessen lassen. Damit ist es zum Mitspieler in einem politischen Poker geworden. Eine Rolle die ihm nach meiner Überzeugung weder zusteht, noch gut tut.

In meinen Augen wäre es sachgerecht gewesen, wenn sich das BVG auf das beschränkt hätte, was seine Aufgabe ist: zur Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ein Urteil zu fällen und sich allen Erwartungen der Politik zu verweigern, den grösseren europäischen Kontext dabei einfliessen zu lassen. Denn Massstab des BVG sollte das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sein und sonst nichts.

Hätte das BVG die Verfassungswidrigkeit im Sinne des GG einfach festgestellt - und dazu gibt es ja scheinbar eine klare Mehrheit im Senat - wäre das ja nicht das Ende von Europa gewesen. Im Gegenteil, es hätte die Politik gezwungen, statt an einem Eliten-Projekt Brüssel weiter zu wurschteln und den "dummen Bürger" dabei aussen vor zu lassen, dem Verfassungs-Souverän (den Bürgern) die entscheidende Frage zu stellen: in welchem (europäischen) Staat er in Zukunft leben will. Und wenn dass das Brüsseler Europa sein sollte, dann ist auch alles legitimiert und die Verfassung wird entsprechend geändert.

Im Endeffekt wird in meinen Augen hier das Grundproblem deutlich. Die deutsche Politik hat schon mehr Verantwortung nach Brüssel abgegeben, als im Sinne einer Verfassungsidentität eigentlich zulässig wäre, ohne den Verfassungsstaat defacto auszuhöhlen. Nennen Sie mir mal Institutionen, die noch nicht weitreichende Kompetenzen an eine übergeordnete europäische Behörde oder Institution abgegeben haben. Damit verlieren die Institutionen der Verfassung aber ihre Relevanz, wenn man so will, wird die Verfassung von innen ausgehölt. Dass das BVG seinen Entscheid zum Grundgesetz nun massgeblich vom Urteil europäischer Richter abhängig macht, ist da nur der letzte Baustein in einer Kette, der auch schon Institutionen wie die Bundesbank defacto zum Opfer gefallen sind.

Und der in den 90er Jahren eingeführte Artikel 23 GG (der Europa Artikel) definiert auch nicht den Übergang in einen europäischen Superstaat, sondern nur die Möglichkeit, dass die Bundesrepublik auf die Wahrnehmung ihrer Rechte temporär verzichtet und diese temporär an Europa übertragen kann. Zwischen einer Selbstauflösung und der temporären Abgabe wichtiger Rechte bei Erhalt der Verfassungsidentität, besteht eben ein gewaltiger Unterschied.

So wird aber nach meinem Eindruck der Weg weiter beschritten, in dem die Politik weiter Fakten schafft, die defacto den Verfassungsstaat aushöhlen und entkernen, weil entscheidende Rechte an eine übergeordnete Einheit abgegeben werden. Die Ermächtigung des §23 GG ist nach meiner Wahrnehmung schon längst überdehnt.

Es bleibt mir weiter ein Rätsel, warum den Verfassungsrichtern scheinbar der Mumm fehlte, diesen notwendigen Strich am konkreten Fall mal scharf zu ziehen. Den Grenzstrich zwischen legitimer Abgabe bestimmter Rechte an eine übergeordnete Institution und einer illegitimen Aushöhlung der Verfassung ohne Mandat des Souveräns. Der EUGH hat dazu nichts beizutragen, das ist alleine eine Frage der deutschen Verfassung.

Denn am Ende würde das BVG damit Europa retten, weil eine belastbare demokratische Grundlage erzwungen würde. Zerstören wird Europa das "weiter so" auf einem Weg der Ausdehnung, der schon jetzt vielleicht nicht mehr wirklich von der Bevölkerung getragen wird.

Insofern passt auch das aktuelle Geschehen in der Schweiz um die "Masseneinwanderungs-Initiative" ins Bild. Ich bin sicher, es wird dem Wohlstand der Schweiz schaden, was jetzt als Folge des Entscheids passieren wird. Insofern hat sich die kleine Schweiz, deren Wohlstand sehr stark von der wirtschaftlichen Verpflechtung mit der sie komplett umgebenden EU abhängt, ein massives Ei ins Nest gelegt.

Und gleichzeitig empfinde ich aber den Unmut der Bevölkerung als verständlich und kann das Ergebnis nachvollziehen. Genau das passiert, wenn "Eliten" zu lange auf einem Weg gehen, ohne den Mann auf der Strasse mitzunmehmen. Und das ist auch das, was in Deutschland und Europa beim Projekt "Brüssel" passiert. Würde man in Deutschland eine ähnliche Volksabstimmung zulassen, bin ich nicht sicher, ob wir nicht auch das gleiche Ergebnis bekommen würden, wie in der Schweiz.

In meinen Augen hat das BVG aus Angst vor der Courage eine grosse Chance vertan, Europa wieder eine belastbare Grundlage zu verschaffen. Der Preis wäre dafür eine kurze Phase der Unsicherheit und Turbulenzen an den Märkten gewesen. Aber die kommen so oder so, man kann nicht ewig zusammen pressen, was gar nicht so zusammen gehören will.

So weit mein persönlicher Kommentar zum Thema.

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Prokon, die Bundesregierung und warum Risiko gut ist !

Heute muss ich in der Frühe mal wieder einen persönlichen Kommentar zu einem finanzpolitischen Thema los werden. Denn was ich heute in den Medien lese und laut Medien wohl vom neuerdings SPD geführten Justizministerium ausgehen soll, lässt meine Zornesader schwellen:
-> Bundesregierung will riskante Finanzprodukte verbieten <-

Jetzt riecht das natürlich auch wieder nach so einer typisch politischen Reaktion, wie sie nach medialer Aufmerksamkeit heischend, auch oft nach publikumswirksamen Gewalttaten kommt. Dann wird gerne von erhöhten Strafen schwadroniert und sobald das Thema von den Schlagzeilen verschwunden ist, kümmert sich keiner mehr so richtig darum.

Hier lese ich persönlich aber aus der politischen Absicht auch eine Geisteshaltung heraus, die ungefähr so lautet: Risiko ist schlecht und muss verboten werden ! Der Bürger muss vor sich selber geschützt werden ! Der liebe Staat weiss schon, was gut für Dich Bürger ist !

Die Gängelung und Bevormundung des Bürgers, tritt für mich damit in eine völlig neue Dimension. Eine Dimension, die wir mündige Bürger nach meiner Ansicht zum Wohle unseres Gemeinwesens nicht mehr so einfach hinnehmen dürfen.

Denn die Wahrheit ist: Risiko ist gut ! Unser Fortschritt, unsere Wirtschaft und damit auch die von Steuereinnahmen finanzierten Gehälter, die diese Damen und Herren in den Ministerien jeden Monat auf ihrem Konto haben, sind das Resultat davon, dass Menschen in der Vergangenheit ins Risiko gegangen sind und geforscht, gegründet und investiert haben !

Alle grossen Erfindungen, jedes neues Medikament, jeder Fortschritt, musste erst einmal finanziert werden. Denn vorher ist es ja noch nicht da. Und um etwas zu finanzieren, braucht es Geldgeber, die ins Risiko gehen. Und die dann - wenn es ein Erfolg wird - zu Recht grosse Gewinne einstreichen können. Und wenn es scheitert, ihre Investition abschreiben müssen. Das nennt man Wirtschaft und Fortschritt !

Wenn Elon Musk vor dem Börsengang von Tesla Motors, im Rahmen einer Beteiligungsgesellschaft mit "Genussrechten" um private Geldgeber geworben hätte, wäre das ohne jede Frage ein hoch riskantes Investment gewesen, das auch hätte schief gehen können. Denn erst hinterher ist man klüger !

Nach der Logik, nach der riskante Finanzprodukte für private Anleger zu verbieten sind, hätte dann aber keine deutsche Privatperson bei Tesla Motors investieren dürfen. Weil das liebe Justizministerium und/oder die Bafin "weiss" ja, dass das riskant ist. Ich lache mich tot ! Mit Verlaub, der ganze Gedankengang ist absurd. Und wenn er wirklich ernst gemeint sein sollte und nicht nur von der Süddeutschen verdreht oder übertrieben dargestellt wurde, müsste man sich ernsthaft die Frage stellen, ob man im Angesicht solcher Verantwortlichen, nicht schnellstens aus diesem Land auswandern sollte.

Richtig ist am Finanzmarkt etwas ganz anderes. Die Verbraucher sind nicht vor Risiko zu schützen, sie sind vor Betrug zu schützen ! Denn Risiko hat seinen Preis und das ist gut so. Wer ein sehr riskantes Investment anbietet, muss für den Erfolgsfall eine viel höhere Rendite anbieten, als jemand mit einer vergleichsweise sicheren Anlageform.

Andernfalls wird er keine Geldgeber finden, ausser die "Dummen", denen man sowieso alles andrehen kann, wenn man es nur lecker genug mit einer Schleife verpackt. Will das Justizministerium jetzt auch Dummheit und mangelnde Bildung verbieten ? Ich meine, ich fände es ja toll, wenn beides vom Erdboden verschwinden würde, aber mit einem Verbot erreicht man das nicht, sondern nur mit dem, worin der Staat aktuell versagt: den jungen Bürgern schon in der Schule wirtschaftliche und finanzielle Grundbildung zu vermitteln !

Die entscheidende Frage ist also nicht, wie riskant eine Anlage ist, sondern ob diese Risiken angemessen und vollständig dargestellt wurden. Und wenn das mit Vorsatz nicht passiert, dann darf man das Wort "Betrug" in den Mund nehmen und davor ist der Bürger tatsächlich zu schützen, nicht aber vor Risiko !

Nur blöderweise gibt es die Gesetze alle schon, die Betrug bei Finanzanlagen unter Strafe stellen und es gibt mehr als genügend Formulare und Regularien, daran mangelt es Deutschland nicht. Darauf zu verweisen, würde aber natürlich keine schöne Schlagzeile in der Süddeutschen generieren. Sicher gibt es in Details Verbesserungsbedarf bei den regulatorischen Anforderungen an solche Beteiligungen, das ist aber immer so und keine Schlagzeile wert.

Woran es aber im Lande in Finanzdingen wirklich strukturell mangelt, ist finanzielle Eigenverantwortung und finanzielle Bildung ! Da steht der Staat in einer Verantwortung in Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen. Denn wer glaubt, man bekäme im aktuellen Finanzumfeld irgendwo ohne jedes Risiko 6, 7 oder sogar 8% Rendite, die sich dann auch noch "gut" und "nachhaltig" anfühlt, ist mit Verlaub ziemlich naiv. Aber das ist ja kein Problem - unser liebes, uns an seine erstickende Mutterbrust drückende Justizministerium - verbietet dann auch Naivität. Wer hier Sarkasmus findet, ist auf dem richtigen Dampfer !

Spannend würde auf jeden Fall zu beobachten sein, welche Finanzprodukte, die in dem Fall nicht zu beneidende Bafin, dann als "zu riskant" für normale Bürger vom Markt nehmen müsste. Fangen wir - mit leichtem Augenzwinkern - doch mal mit drei Kandidaten an:

- Aktien der Commerzbank ? Ich meine "riskant" waren sie, oder ? 😉

- Oder vielleicht eine Beteiligung an Solarworld. Auch die war offensichtlich riskant, oder ? 😉

- Staatsanleihen ? Insbesondere für Mittelmeer-Anrainerstaaten der Eurozone ? Nein, das kann nicht sein, die sind ja total sicher. Oder doch nicht ? Nach welchem Kriterium eigentlich ? 😉

Soll ich weitermachen ? Was glauben Sie, was bei der Prüfung der obigen Anlagen vor Jahren heraus gekommen wäre, wenn die arme Bafin hier hätte prüfen müssen, ob das Finanzprodukt zu riskant ist ?

Ich denke, ich habe meinen Punkt gemacht. Erstaunlich ist nur, dass man so etwas überhaupt schreiben muss und das nicht selbstverständlich ist.

Abschliessen will ich meine Wutrede daher versöhnlich. Denn glücklicherweise gibt es da draussen auch noch Verantwortliche mit Verstand. Und deshalb zitiere ich hier aus dem oben verlinkten Artikel der Süddeutschen, stellvertretend die Präsidentin der Bafin Elke König:

"Jeder Anleger müsse bedenken, dass es einen Zusammenhang zwischen der versprochenen Rendite und dem Ausfallrisiko eines Wertpapiers gebe und dass die Anbieter auf den Finanzmärkten keine Wohltäter seien. Man sollte nur in Produkte investieren, die man versteht, und eine gesunde Skepsis an den Tag legen"

Danke ! Da habe ich überhaupt keinen Widerspruch. So ist es.

Risiko ist gut ! Es muss nur gegenüber dem Anleger angemessen, vollständig und wahrheitsgerecht dargestellt werden, damit dieser eine mündige Entscheidung treffen kann.

Das war aber schon immer so und ist nichts Neues und schon lange gesetzlich verankert.

Und um zum konkreten Fall Prokon zu kommen, hat es an Warnungen und kritischen Kommentaren zum Geschäftsmodell ja nun wirklich nicht gemangelt. Wer sich über diese hinweg gesetzt hat, hat eine eigenverantwortliche Entscheidung getroffen und ist ins Risiko gegangen. Nun muss dieser Anleger die Konsequenzen tragen. Hätte die Anlage zu riesigen Gewinnen geführt, hätte der Anleger diese ja auch alleine vereinnahmen wollen.

Ihr Hari

PS: Sehr passend zum dem Themenkomplex, will ich auch an meinen älteren Artikel -> Die Legende von der bösen Spekulation <- erinnern.

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Wie Sie 2014 zu Ihrem besten Börsenjahr machen

Hier in Südbayern ist heute noch Feiertag, was aber weder die deutschen, noch die weltweiten Börsen interessiert. Und deshalb interessiert es mich auch weniger und hier auf Mr-Market.de, beginnt mit der ersten vollen Börsenwoche im neuen Jahr auch wieder der Normalbetrieb.

Schon letzte Woche haben wir ein paar bemerkenswerte Bewegungen im Markt gesehen, die in ihrem Richtungswechsel, für einen Jahreswechsel nach starken Trends gar nicht mal ungewöhnlich sind.

Die Indizes korrigierten leicht, Gold zog an, der ganze Minen und Rohstoffsektor (Metals & Mining) war vergleichsweise stark und auch der Dollar neigte zur Stärke.

All das sind Gegenbewegungen zu den dominanten Trends des Jahres 2013 und insofern nicht überraschend. Ob diese aber in 2014 dauerhaft tragen, muss sich erst zeigen. Es ist völlig verfehlt, in diese ersten Bewegungen im volumenarmen Handel der ersten Tage zu viel hinein zu interpretieren. Erst diese Woche werden die "A-Teams" wieder an den Handelsplätzen der Wallstreet sitzen und Ende dieser Woche sind wir sicher klüger, mit welcher Grundstimmung das Jahr 2014 aus dem Bett steigt.

Typisch für ein neues Jahr sind ja auch gute Vorsätze und insofern freue ich mich, dass über den Jahreswechsel hinweg eine Reihe neuer Leser zum Premium-Bereich dazu gestossen sind. Und gerade Anleger, die in 2013 mit ihrer Performance nicht zufrieden waren, haben sich für 2014 bestimmt vorgenommen, das nun alles besser wird.

Der Vorsatz ist lobenswert, kann aber nur Realität werden, wenn man auch ehrlich den Fehlern des Jahres 2013 ins Auge schaut. Wir haben das hier im Forum über den Jahreswechsel in den Threads der "grössten Erfolge und Misserfolge 2013" getan.

Allen anderen dagegen möchte ich nahelegen, 2014 zu dem Jahr zu machen, in dem Sie sich endlich von alle den Prognosen und Weissagungen frei machen, mit denen Sie so gerne in den Finanzmedien überschwemmt werden. Glauben Sie mir, diese ganzen "Prognostiker" wissen es auch alle nicht und haben genauso wenig eine Glaskugel wie ich. Dieses permanente Prognostizieren bewirkt aber im negativen Sinne, dass sich die Anleger nicht ausreichend mit dem "Hier und Jetzt" beschäftigen, weil ihnen statt dessen ja die glorreiche Zukunft geweissagt wird. Das macht zwar kurzfristig die Seele glücklich, füllt aber nicht das Depot.

Aber nur im "Hier und Jetzt", in der Gegenwart, werden die Gewinne gemacht, die ihren Depotstand heben. Ein guter Vorsatz für das Jahr 2014 wäre also, sich mehr mit dem zu beschäftigen, was an den Märkten ist und weniger mit dem, was man sich wünscht oder andere weissagen, die der ansteckenden Krankheit der "Prognosiritis" unterliegen.

Und einen weiteren guten Vorsätz gäbe es: bei einem Anlagehorizont von Monaten oder einem Jahr endlich damit aufzuhören, sich über "Bewertungsfragen" Gedanken zu machen. Denn diese sind auf dieser Zeitebene völlig bedeutungslos. Nur mit einem Anlagehorizont von Jahren bekommen Bewertungsfragen eine gewisse Relevanz, nur haben die wenigsten Anleger die Geduld und die dafür zwingend notwendige intime Kenntnis der Unternehmen, um über Jahre geduldig darauf warten zu können, dass der Markt erkennt, was man schon lange vorher selber zu sehen glaubt.

Gerade das Jahr 2013 sollte das überdeutlich gemacht haben. Denn die sensationelle Rally des Jahres 2013 beruhte eben nicht auf wesentlich steigenden Gewinnen der Unternehmen. Es war vielmehr eine Ausweitung der Multiples, die der Markt den Unternehmen zubilligt. Auf gut Deutsch, der Markt hielt in 2013 eine höhere Bewertung von Aktien für gerechtfertigt.

Und das ist auch höchst rational, denn die Bewertungen von Aktien befinden sich eben nicht im luftleeren Raum und es gibt deswegen auch gar keine "absolut" zu hohen oder zu niedrigen Bewertungen. Bewertungen von Unternehmensgewinnen befinden sich immer in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext.

Sicher kann man für Bewertungsmultiples so etwas wie langfristige historische Mittel bilden und einen gewissen Sinn hat der Vergleich damit. Aber erstens generieren diese eben keine Aussagekraft für die nächste Monate, bestenfalls für viele Jahre kann man daraus einen gewissen Honig ziehen. Und zweitens basieren alle diese Bewertungen immer auch auf dem grundlegenden Wirtschaftssystem. Wenn das nicht mehr vergleichbar ist, weil sich zum Beispiel eine neue Abart des Korporatismus und Staatsinterventionismus durchsetzt, werden auch die Bewertungen auf Jahre nicht mehr mit denen vergleichbar sein, die zu anderen Zeiten vom Markt gewährt wurden.

Schauen wir auf die Gegenwart, sollten wir daher mit klarem Verstand erkennen, dass Aktien im langjährigen Massstab zwar nicht mehr billig, aber auch nicht deutlich überteuert sind. Und im Vergleich zu vielen anderen Anlageklassen, wie Festgeld, Anleihen, Immobilien, Kunst oder Oldtimer, sind Aktien sogar vergleichsweise günstig. Dafür sorgt die finanzielle Repression, die von den Notenbanken ausgeht.

Und deshalb wäre es keineswegs überraschend, wenn auch 2014 ein gutes Jahr für Aktien würde. Sicher nicht so gleichbleibend positiv wie 2013, auf eine starke Korrektur mittendrin sollte man sich schon gedanklich einrichten, aber am Ende dominieren derzeit immer noch die gleichen Kräfte, die schon 2013 die Aktienmärkte befeuerten. Auf jeden Fall ist es völlig sinnlos, aus der Tatsache, dass die Indizes auf historischen Höchstständen schweben, zwingend abzuleiten, dass diese deshalb nun fallen müssten. Der reine Indexstand sagt gar nichts aus.

Solange Aktien bei der Geldanlage die Einäugigen unter den Blinden sind, kann diese Rally also durchaus noch weitergehen. Denn wie gesagt, die absoluten Bewertungsmultiples haben für den Zeithorizont von Monaten keinerlei Prognosekraft ! Viel wichtiger ist dagegen, in welchem Umfeld sich die Aktienanlage bewegt. Und das ist nach wie vor positiv und es gibt keinen Indikator - auch nicht von den dominanten Notenbanken - der darauf hinweist, dass sich das kurzfristig ändert.

Werden Sie also für 2014 im positiven Sinne opportunistisch, machen Sie sich frei von all den Prognostikern, Crash-Propheten und Perma-Bullen und folgen Sie einfach dem, was der Markt tatsächlich macht. Und wenn der Markt ernsthaft zu fallen beginnt und die Käufer ausbleiben, dann wird man das als aufmerksamer Beobachter merken. Und auf die Seitenlinie treten. Solange das aber nicht passiert, haben die Bullen nach wie vor unser Vertrauen verdient. "The trend is your friend .... until it ends".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes Händchen im Börsenjahr 2014. Und wenn Sie sich nicht sicher fühlen, wie und mit welchen Techniken Sie dem Markt folgen können und wie Sie eine Trendwende erkennen können, dann stossen Sie zur Mr-Market Community hinzu !

Ihr Hari

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