Ob nach dem Brexit das englisch Runde in das französisch Eckige geht?

Der Brexit hat die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt, denn noch am Donnerstag Abend um 23 Uhr hatte in Anbetracht von Umfragen und Buchermacherwerten, niemand mehr ernsthaft mit dem Brexit gerechnet.

Wenn Sie sich aber beispielsweise mal den Wochensaldo des DAX letzte Woche anschauen, der sich nur um 74 Punkte von 9.631 auf 9.577 herab bewegt hat, sehen Sie schnell, dass wir trotz der 10% Minus am Freitag gar keinen Crash hatten, es wurden einfach nur die Gewinne von Montag bis Donnerstag mit einem Schlag wieder abgebaut, weil diese auf einer falschen Annahme (dem "Remain") fussten.

Summa Summarum, war das Marktverhalten am Freitag aber recht kontrolliert, sehr volatil zwar, aber ohne echte Panik. Auch die Finanzsysteme haben Stand gehalten und Banken, die trotz dieses lange planbaren Events ihre EDV trotzdem nicht im Griff hatten, sollte man konsequenterweise mit Abzug von Kapital strafen. Denn Schönwetterbanken braucht niemand.

Womit sich nun die Frage für Anleger stellt, wie es nun weiter geht.

Denn entscheidenden Punkt dafür, hatte ich schon vor einer guten Woche unter Punkt (5) des Artikels -> Brexit für Dummies <- geschrieben:

Fünftens, ob der "Brexit" oder das "Remain", dann Europa schwächen oder stärken wird, ob es Grossbritannien zu einem abgehängten, irrelevanten Wurmfortsatz Europas, oder gerade erst zu einem höchst erfolgreichen Wirtschaftsstandort macht, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger von der Entscheidung selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Der schlichte Narrativ, der nun vom "Remain"-Lager in Europa verbreitet wird, ist ja, dass die Briten nun das grössere Problem als die EU haben und sich "störrische, ungebildete Alte" in England, sozusagen selber in den Fuss geschossen haben.

Für bestimmte Denkschulen, ist die Welt ja immer simpel. Wenn man nicht ihrer Meinung ist, ist man wahlweise rechtsextrem, ungebildet, in der Vergangenheit lebend, fremdenfeindlich oder einfach nur blöd. Es lebt sich einfach gut, wenn die Welt so fein in Gut und Böse geteilt ist und man so immer nur bei den "Guten" ist.

Unsere Geldanlagen, sollten wir aber auf keinen Fall nach so einem dürftigen Narrativ richten, oder haben Sie den Eindruck, dass die Leute die dabei am Lautesten rufen, besonders erfolgreich an der Börse sind? 😉

Wahr ist, was ich oben schon geschrieben habe: Diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und hängt weniger vom Brexit selber, als davon ab, wie die Details danach gestaltet und verhandelt werden.

Und dabei beschleicht mich ein Verdacht. Der Verdacht, dass die EU nun das viel grössere Problem hat.

Denn das grösste Problem der Märkte ist nun Unsicherheit. Wo wird denn nun die Unsicherheit grösser sein?

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Brexit für Dummies

Ach ne, nun auch hier noch ein Artikel zum "Brexit", muss das denn wirklich sein?

Sie haben recht, man kann es kaum mehr sehen. Wir werden überschüttet von Artikeln, die zwischen "Armageddon" und "Kindergeburtstag", so ziemlich jede mögliche Interpretation zehnfach dreidimensional beleuchten. Wirtschaftsmagazine schicken "Korresponten" nach UK, um die berühmt "menschlichen", inhaltlich aber irrelevanten Vor-Ort-Stories zu erzählen und und und und.

Der Grund dafür ist klar. Unsere Presse, auch unsere Wirtschaftspresse, lebt nicht mehr primär von einer festen Leserschaft, für die sie zuverlässig mit qualifizierten Redakteuren jede Woche inhaltsreichen Hintergrund produziert, sondern lebt "von der Hand in den Mund" von der Anzahl der Klicks im Internet. Und um Klicks zu produzieren, muss man Aufreger organisieren und emotionalisieren. Und dann kommt ein Thema wie der mögliche "Brexit" doch gerade recht, um es in jeder erdenkbaren Form zur Klickgenerierung zu nutzen.

Die "Schuld" an dieser fatalen Entwicklung, die wie wir zuletzt gesehen haben, auch -> an einer FAZ nicht halt macht <-, ist dabei schwer zuzuordnen und hat das berühmte Henne und Ei Problem.

Sicher, Leser kündigen Abos, weil sie mit der Qualität der Medien nicht mehr einverstanden sind. Das stimmt und ist zunehmend berechtigt. Aber warum wurden denn überhaupt Redaktionsstuben ausgedünnt und warum ist die Qualität auf Kosten eines eher peinlichen Aufregungs-Journalismus gesunken?

Eben weil viele Leser schon früh die verlockend "kostenlosen" Internetschlagzeilen einer seriösen Presse vorgezogen haben. Und sich nie die Frage gestellt haben, ob die "kostenlosen" Angebote denn wirklich kostenlos sind und woher bei denen denn die Finanzierung kommt.

Auch wir hier bei Mr-Market merken das doch. Wie viele beklagen sich darüber, dass es so wenig seriöse, fundierte Börsenberichterstattung gibt? Nun glauben wir hier bei Mr-Market genau das zu liefern, es kostet aber vergleichsweise geringe 240 bzw 290€ im Jahr. Und schon ist das denen zu viel, die gerade geklagt haben und die bei einem einzigen Verlust-Trade, schnell mal die 10-fache Summe "das Klo herunter" spülen.

Es gibt ja auch vermeintlich so viele "kostenlose" Blogs und Seiten. Das vielleicht genau der "kostenlose" Artikel, gerade ein -> Advertorial <- und damit faktisch Schleichwerbung ist, der Gedanke wird gar nicht erst gedacht. Manche agieren im Internet wie Kinder im Glauben an den Weihnachtsmann so, als ob das "kostenlose" Internet durchweg aus menschenfreundlichen Altruisten bestehen würde, die ohne eigene Agenda sogar noch Kosten auf sich nehmen, damit andere kein Geld für Fundiertes ausgeben müssen. Da kann man wahlweise nur schmunzeln, oder den Kopf schütteln, über so viel Naivität.

Am Ende müssen wir, die Leser, uns also auch selber an die Nase fassen, dass die Presse so "klickgeil" geworden ist, wie sie geworden ist. Und deshalb brauchen wir uns auch nicht über das "Rauschen im Klickwald" zum möglichen Brexit wundern, so als ob es nun für die Märkte keine anderen Nachricht mehr gäbe, die wichtig wäre.

Ich will daher hier mal versuchen, eine Schneise der klaren Gedanken in den potentiellen Brexit zu schneiden. Sozusagen der "Brexit für Dummies" in wenigen, klaren Sätzen aus Sicht der Märkte, so dass man die ganze "Klickeritis" darum herum, zwar als Unterhaltung geniessen, aber nicht wirklich unbedingt wissen muss.

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FED und EZB haben fertig!

Oder wäre im Sinne von Trapattonis berühmter Wutrede, vielleicht "Was erlauben Mario?" der bessere Titel gewesen? 😉

Ernsthaft, wenn man es vom medialen Standpunkt der Wiederholung und Neuigkeit betrachtet, ist das "Notenbank-Bashing" ja eigentlich langweilig, weil es wurde fast alles schon so oft gesagt.

Wir leben ja aber nicht nur in einer medialen, virtuellen Welt, sondern auch in einer ganz realen, in der es um unseren Wohlstand, unser Land, unsere Kultur, unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder geht.

Und dafür lohnt es sich zu kämpfen und deshalb müssen wir in dieser realen Welt, so lange penetrant auf etwas herum reiten, bis es sich unter der Last der tausend Nadelstiche und des öffentlichen Drucks, dann doch ändert.

Und deswegen schreibe ich schon wieder zu den Notenbanken, denn die haben mir in den letzten beiden Tagen bewiesen, dass sie "fertig haben" und am Ende ihrer "Alchemie" angekommen sind.

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Makro-Betrachtung: Auf die Erwartungen kommt es an – die Lucas-Kritik

Alle, die schon länger am Aktienmarkt aktiv sind, wissen es: Auf die Erwartungen kommt es an, auf die Erwartungen, und nochmals auf die Erwartungen. Die Erwartungen sind am Aktienmarkt, was am Immobilienmarkt die Lage ist, nämlich ein ganz zentraler Maßstab für die Preiswürdigkeit des Anlagevehikels. Und nicht nur am Aktienmarkt zählen die Erwartungen, sondern auch in der Wirtschaftspolitik.

Diese Erkenntnis sollte eigentlich selbstverständlich sein. Und sie ist es auch heutzutage, aber bis in die siebziger Jahre hinein war das nicht der Fall. Bis dahin hatte man die Wirtschaftspolitik als einen Instrumentenkasten mit Stellschrauben angesehen, an denen mal hier, mal da etwas herumgedreht wurde, je nach dem, was gerade besser werden sollte. Wie die Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen (in der Fachsprache: Wirtschaftssubjekte) darüber dachten,wurde ausgeblendet.

Das änderte sich schlagartig, als 1976 der amerikanische Ökonom Robert E. Lucas seinen Essay „Econometric Policy Evaluation: A Critique“ veröffentlichte. In ihm vertrat Lucas die Auffassung, Politiker sollten ihre Maßnahmen nicht nach den Ursache-Wirkungs-Beziehungen der Vergangenheit ausrichten, wie sie in ökonometrischen Studien gemessen werden, sondern danach, was die Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen von solchen Politikmaßnahmen erwarten würden. Dieser Essay revolutionierte die Art und Weise, wie über wirtschaftspolitische Maßnahmen gedacht wurde. Die sogenannten "rationalen Erwartungen" spielen seither eine prominente Rolle. Dabei geht es nicht so sehr darum, daß die Teilnehmer am Geschehen immer recht haben, sondern darum, daß sie sich darum bemühen, die zukünftige Entwicklung so plausibel als möglich einzuschätzen.

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Die FAZ und die Frage, was genau „niederträchtig“ ist

Ein gesellschaftspolitischer Kommentar in einem Börsenblog?

Normalerweise Nein, aber es gibt Ausnahmen, wenn mir persönlich "der Kragen platzt". Und genau genommen geht es hier auch nicht (nur) um die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), sondern eher um die gesamte Presselandschaft und den Charakter, den diese nach meinem Eindruck unter dem medialen Druck der verzweifelten Aufmerksamkeitssuche angenommen hat.

Nein, eine "Lügenpresse" ist das nicht, die wir in Deutschland haben, dieses Bild ist völlig falsch und verdreht und zeugt nur von mangelndem Differenzierungsvermögen derer, die es benutzen. Denn hier lügt (in der Regel) niemand aus politischen Vorgaben einer gelenkten Presse oder Demokratie, wie wir das aus der DDR und auch heute wieder aus manch anderen Ländern kennen.

Aber das, was mal journalistische Qualität war und - lange, lange ist es her - eine "FAZ" von einer "Bild" unterschied, wird in meinen Augen zunehmend auf dem Altar der Klickorgien und dem sensationslüsternen Gerangel um Aufmerksamkeit aufgegeben. Nicht propagandistische Lügen sind das Ziel, sondern viel profaner, Aufmerksamkeit um jeden Preis.

Und dafür gab es letztes Wochenende zwei Ereignisse, die für mich wie ein Fanal waren und das Problem wie im Brennglas deutlich gemacht haben. Und eines davon, hat primär mit der "FAZ" bzw "FAS" zu tun, weswegen diese nun im Titel "herhalten" muss. Sie können die "FAZ" aber gerne durch andere bekannte Medien ersetzen, es trifft (leider) vermutlich die Richtigen.

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Korporatismus, Volkswagen und die Subventionen für die Autoindustrie

Nein, ich bin kein Freund des Korporatismus.

Ich bin aber auch kein Freund der Kaufprämie für Elektroautos, die die Koalition nun beschlossen hat und die ich als eine sinnlose Subvention von zu träge gewordenen Konzernen empfinde.

Konzerne die scheinbar unfähig sind, sich in Gestalt von Tesla Motors eines viel kleineren Konkurrenten zu erwehren und ihn technologisch hinter sich zu lassen, über den sie lange in arroganter Herablassung gesprochen haben. Und nun, da er ihnen voller positiver Energie mit dem Model 3 auf die Pelle rückt, wird nach Staatshilfe gerufen. Staatshilfe, die dann von Ihrem und meinem hart erarbeiteten Steuergeld bezahlt wird, während die Konzerne selber Milliarden-Gewinne und Boni an ihr Management verteilen.

Peinlich finde ich das. Ein Schande, könnte ich aus meiner Sicht auch sagen.

Womit wir wieder beim Korporatismus sind, ein wichtiges Wort, hinter dem sich eine Menge der strukturellen Probleme und Verkrustungen unserer aktuellen Polit- und Wirtschafts-Ordnung verbirgt.

Wer sich ein bischen tiefer für Wirtschaft interessiert und mal hinter die Fassade der machtpolitischen Mechanismen von Kungelrunden schauen will, sollte die Prinzipien des Korporatismus verstehen, die gerade in Deutschland sehr stark sind.

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Der Euro, der Dollar und die neuen „Masters of the Universe“



Die wahren "Masters of the Universe", an deren Wort die Märkte hängen, sind seit der Finanzkrise nicht mehr die Bankenchefs wie James Dimon (JP Morgan) oder Lloyd Blankfein (Goldman Sachs). Das ist Geschichte.

Nein, nach meinem Eindruck, hat sich ein kleiner Kreis von Technokraten, in Form der Notenbanker der grossen Währungen, als die neuen "Masters of the Universe" aufgeschwungen - oder man könnte auch etwas überspitzt sagen "selbstermächtigt".

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Wo wir im grossen Bild stehen

Mit der EZB am heutigen Donnerstag und der FED am kommenden Mittwoch, stehen uns zwei für den Markt sehr wichtige Notenbanktermine bevor.

Mit einer etwas längeren Perspektive, verlieren die beiden Termine dann aber ihre Bedeutung, denn grundlegender Wandel ist nicht zu erwarten.

Die FED versucht weiter, die Zinswende doch noch hin zu bekommen, die sie durch zu grosse Vorsicht um mindest ein, wenn nicht zwei Jahre, zu spät begonnen hat.

Die EZB unter Draghi dagegen, verweigert sich weiter der Frage, ob die gewählte Medizin dem Patienten überhaupt hilft und wird auf welche Art auch immer, die Dosis der Medizin noch weiter erhöhen und das historisch einmalige Experiment der Negativzinsen wohl weiter verschärfen.

Beide Notenbanken aber, wie auch die Bank of Japan und die Bank of China, befinden sich nach meinem Eindruck in einem "Race to the Bottom", einem gegenseitigen Prozess der Abwertung der eigenen Währung, aus dem ich nur wenig Entkommen sehe. Und die niedrigen und sogar Negativzinsen haben - wie es sich für eine Droge gehört - auch weitere, ungesunde Abhängigkeiten geschaffen.

Realistisch muss man anerkennen, dass während die meisten Staaten 2009 noch hätten auf einen normalen Zinspfad zurück kehren können, die Schulden heute in 2016 so immens gewachsen sind, dass der geordnete Weg zu normalen Zinsen wohl nun dauerhaft verbaut ist - ohne einen Schuldenschnitt und/oder eine Währungsreform.

Das ist für mich im grossen Bild die traurige Situationsbeschreibung eines geldpolitischen Pfades, den ich für ebenso fatal, wie verfehlt halte.

Für uns als Anleger, beantwortet das aber nicht die Frage, was wir in den kommenden 1-3 Jahren von den Märkten erwarten können.

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Was nicht steigen kann, muss fallen!



Machen wir es heute sehr kurz.

Eines der Hauptprobleme, mit dem sich Anleger selber gerne ein Bein stellen, ist der permanente Versuch, die Zukunft weissagen zu wollen - das, was wir hier -> Prognosiritis <- nennen und was dann, wenn der Markt gegen einen läuft, gerne mit einer gehörigen Dosis "Hopium" unterfüttert wird. Auch das ist ein Kunstwort aus Hoffnung (Hope) und Opium, denn einfach nur zu Hoffen und die Realität auszublenden, kann schmerzhafte Folgen für das Depot haben. Wer 2008 bewusst erlebt hat, weiss was ich meine.

Was hat das nun mit dem aktuellen Markt zu tun?

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Zeit der Unsicherheit – Zeit des Wandels

Manchmal besteht der beste Rat aus kurzen und klaren Worten. Und das will ich heute tun.

Denn die Märkte sind nach Jahren des notenbank-induzierten Bullenmarktes, in eine Phase der Unsicherheit eingetreten. Selten war ein Jahresanfang so negativ wie dieser, aber wenigstens auf der kurz- und mittelfristigen Ebene, wurde der Abwärtstrend seit Jahresanfang nun gebrochen und die Chance besteht, dass sich nun eine mehrwöchige Gegenbewegung anschliesst:

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Marktlage 2016 – Das Jahr des Bären?



Liebe Leser im freien Bereich,

nach der für die Wallstreet historisch schlechtesten ersten Börsenwoche der Geschichte, stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob dieser Markt nun weg kippt und 2016 endgültig zum Jahr der Bären wird?

Nun, im Artikel -> Welt in Bewegung mit unbestimmter Zukunft <-, habe ich ja letzte Woche dargestellt, dass es darauf keine definitive Antwort geben kann, weil die Zukunft prinzipiell unbestimmt ist und bleibt.

Dass wir am Markt nie 100% Sicherheit haben werden, heisst aber umgedreht auch nicht, dass wir gar nichts wissen und der Markt nur eine Abfolge unzusammenhängender Zufälle wäre.

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Welt in Bewegung mit unbestimmter Zukunft



Ein gutes neues Jahr wünsche ich auch allen freien Lesern!

Im Premium-Bereich sind wir schon seit Anfang der Woche wieder voll aktiv und Sie im freien Bereich, werden sich nun bestimmt auch fragen, wie dieser grottenschlechte Börsen-Start ins neue Jahr zu werten ist, der von einbrechenden chinesischen Börsen und einem immer weiter fallenden Ölpreis geprägt ist.

Sie werden an anderer Stelle darauf bestimmt auch viele Antworten und "Prognosen" lesen, die dann im Brustton des "Wissenden" ihnen erklären, wie das nun in 2016 generell und im Januar im Speziellen alles ablaufen wird. Ich muss Ihnen hier aber leider sagen: für mich alles eher Blödsinn! Denn wir wissen es schlicht nicht und die Zukunft ist und bleibt unbestimmt.

Es war ja zum Jahreswechsel schon offensichtlich, dass Vorsicht ins neue Jahre hinein nötig war, denn die ausgefallene Weihnachtsrally sendete ein deutliches Warnsignal und weckte bei mir Erinnerungen an den Übergang der Jahre 2007/2008, den ich den Premium-Mitglieder mit dem Chart gezeigt habe:

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Wochenvorschau: Draghi fabuliert – S&P500 schiebt – DAX schwankt – Newmont Mining und Gold zuckt



Ausnahmweise und nur, um den freien Lesern einen einmaligen Eindruck zu verschaffen, steht die heutige Morgenlage auch im freien Bereich zeitgleich zur Verfügung.

Guten Morgen!

Die vor uns liegende Börsen-Woche, könnte zu einer Woche des Interregnums werden, in der die Märkte mehr oder weniger volatil seitwärts laufen, bis dann kommende Woche die FED endlich die Phase der Notenbank-Spekulation mit einer nun praktisch sicheren Zinserhöhung abschliessen wird und damit den Boden für die Rally der letzten Tage des Jahres schafft.

Draghi fabuliert

Ganz sicher bin ich mir dabei aber nicht, weil der liebe Mario Draghi im kommunikativen Wirrwarr, das Notenbanker mittlerweile sowieso veranstalten, noch einen drauf gesetzt hat und damit der Lage für diese Woche wieder einen neuen Ton gegeben hat.

Waren am Donnerstag in der offiziellen Pressekonferenz der EZB, die Töne noch abgewogen und liessen den Markt mit Überraschung und Enttäuschung zurück, sass Draghi schon am Folgetag, am Freitag Abend in einer privaten Veranstaltung in New York und "fabulierte" - tut mir leid etwas anderes fällt mir persönlich als Wertung dazu wirklich nicht ein - über die Dinge, die die EZB nicht getan hatte, aber ja noch jederzeit tun "könnte".

Lesen Sie hier im Handelsblatt zu diesem Termin nach: -> Es gibt keine Grenze <-

Schon am Freitag Abend, war das im Markt zu merken - ich habe das im Forum noch zeitnah erwähnt - weil der Euro dann plötzlich *doch* wieder zu fallen begann, der sich vorher noch geweigert hatte und damit die Meinung ausdrückte, dass die Entscheidung der EZB vom Donnerstag Konsequenzen über den Tag hinaus haben würde.

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Der Notenbank-Dezember: „It´s the currencies stupid!“

Der letzte Monat des Jahres 2015 ist angebrochen, alle rechnen fest mit der Jahresendrally, in der wir uns eigentlich schon mitten drin befinden. Und alle fragen sich, wie 2016 wohl werden wird?

Denn viele Bewegungen an den Märkten scheinen überdehnt und sind reif für eine markante Wende. Je nach dem wie man rechnet, dauert dieser Bullenmarkt nun schon seit 2009 bzw 2011, also zwischen 5 und 7 Jahren. Und der Bärenmarkt bei Rohstoffen und den Emerging Markets, geht nun ins fünfte Jahr.

Natürlich sind die Notenbanken mit ihrem historisch einmaligen Experiment der grossen Geldschwemme, wesentliche (wenn auch nicht alleinige) Treiber bei diesem Spiel und wir wissen alle nicht, ob das gut ausgehen wird.

Die Notenbanker wissen es aber selber nicht, auch wenn sie natürlich den Anschein der Allmacht unbedingt aufrecht erhalten müssen, sonst würde mehr zusammen brechen, als ein paar Egos. Denn würden sie die Zusammenhänge und Mechanismen wirklich verstehen, mit denen die Märkte auf ihre "kreativen" Massnahmen in der Realität reagieren, wäre die Politik der Notenbanken ja schon längst erfolgreich gewesen.

Ist ist aber nicht, die Notenbanken konnten bisher weder die Konjunktur ernsthaft anschieben, noch ihre Inflationsziele auch nur ansatzweise erreichen. Und ob die US Wirtschaft nicht auch alleine aus dem Loch gekommen wäre - und das dann mit mehr Dynamik als aktuell - wenn sich die FED die ganzen QE Programme nach dem Auslaufen der unmittelbaren 2008er Krise gespart hätte, werden wir nie heraus finden, weil wir kein Paralleluniversum zur Verfügung haben.

Insofern sind aber auch die Selbstbeweihräucherungen eines Ben Bernankes, dass die Politik der FED die Weltwirtschaft gerettet habe, mit äusserster Vorsicht zu geniessen. Ebenso wie die Selbstvergewisserungen Mario Draghis, dass seine Politik zwangsläufig zum Wohle Europas sei.

Solche Selbstgewissheiten beruhen auf einem interventionistischem Weltmodell der Planbarkeit von Wirtschaftszyklen, das keineswegs der heilige Gral der Ökonomie ist, den es sowieso nicht gibt. Richtig war es, in der 2008 Krise mit der Geldpolitik dagegen zu halten, um diese abzufedern. Darüber gibt es keinen Dissens. Und auch, dass man mitten in der Eurokrise den Staaten erst einmal ein wenig Zeit kaufte, hatte Logik.

Aber ob diese immer gleiche Medizin auch in 2015 und 2016 noch Sinn hat? Das ist stark in Frage zu ziehen. Nach Jahren und Jahren der immer gleichen Arzneigabe ohne durchgreifende Besserung, wäre es für gute Ärzte ja eigentlich mal Zeit, die Wirksamkeit der Therapie zu hinterfragen. Diese Frage wollen sich die Notenbanker der Gegenwart aber wohl nicht stellen, lieber macht man weiter mit dem, was schon bisher kaum funktioniert hat.

Aber wie auch immer, auch wenn die Notenbanken die Ursache vieler Bewegungen sind und auch am grossen Bullenmarkt seit 2009 bzw 2011 ihren Anteil haben, brauchen sie einen Transmissionsriemen, um ihre Politik in der realen Wirtschaft ankommen zu lassen. Das Kreditgeschäft ist so ein Transmissionsriemen, der wahrscheinlich Bedeutendste für die Märkte, sind aber die Währungen.

Die Währungsbewegungen sind es, die auch in 2015 ganz massgeblich für Erfolg oder Misserfolg der Geldanlage entscheidend waren und es weiter sein werden. Erinnern wir uns nur an das erste Quartal mit der grossen Rally im DAX, die in Euro grandios aussah, aus Sicht eines US Anlegers aber weit weniger beeindruckend war, weil ein grosser Teil schlicht dem Wechsel des Euros zur Weichwährung geschuldet war.

Wenn man so will, waren also viele Gewinne die DAX Anleger in dieser Zeit auch "Scheingewinne", weil das Depot zwar nominal höher stand, der Wert des Depots im Vergleich zu einem weltweiten Währungskorb aber keineswegs so gestiegen ist. Und in einer globalisierten Welt, ist es halt eine Illusion, nur auf die eigene Währung zu schauen, denn wenn man Waren oder Leistungen aus anderen Währungsräumen bezieht, zahlt man den bitteren Preis der Abwertung.

So möchte ich in Abwandlung von Bill Clintons berühmtem "It's the economy, stupid", allen die das nicht sehen wollen nun zurufen: "It´s the currencies stupid!"

Was hier los ist, zeigt uns wunderbar das langfristige Chart des Währungspaares Euro und Dollar:

Dollar 01.12.15

Wir sehen den massiven Absturz des Euros von 2014 bis zum Ende des 1. Quartals 2015, der seit dem von einer Seitwärtskonsolidierung abgelöst wurde. Wenn Sie im Euroraum das Gefühl hatten, dass viele Waren von US Unternehmen teurer wurden, hier ist der Grund zu sehen.

Nun gibt es zwei typische Varianten. In der Einen, wird das ein Doppelboden und der Euro steigt von hier wieder zum Dollar.

In der Anderen, war das nur eine Zwischenkonsolidierung und eine zweite Abwärtsspirale setzt sich in Gang, die typischerweise von Art und Umfang her, der ersten Phase in 2014 ähnelt. Was bedeutet, dass in dem Fall EURUSD bei der Parität nicht halt machen würde, sondern durch fällt.

Welche der beiden Varianten nun zum Tragen kommt, werden die beiden Notenbank-Entscheidungen am 03.12. bei der EZB und am 16.12. bei der FED letztlich präjudizieren. Diese Bewegung von EURUSD aber richtig zu treffen, dürfte *die* entscheidende Frage sein, die über Wohl und Wehe der Depots in 2016 entscheiden wird.

Denn wenn EURUSD weiter durch die Parität durch fällt, werden die US Börsen zunehmend unter Druck geraten und in Europa dagegen zunächst eine fröhliche Rally ablaufen, zumindest nominal in Euro gerechnet. Und das Elend der Rohstoffe und der Edelmetalle, ist dann lange, lange noch nicht am Ende. Auch eine massive Krise in den Emerging Markets dürfte dann aufziehen, da diese unter einem starken Dollar leiden und einen erneuten massiven Anstieg des Dollars wohl nicht verkraften können.

Wenn EURUSD hier aber zum Doppelboden ansetzt, könnte 2016 zum grossen Jahr der Rohstoffe und Edelmetalle werden, die Emerging Markets werden dann ein Comeback erleben und die US Börsen neue Höhen erklimmen. Die ohnehin anämische Konjunktur in Europa wird aber nicht ans Laufen kommen und die Lebenslügen der Eurozone noch stärker an die Oberfläche treten, was den DAX sehr nach oben begrenzen dürfte.

Das Interessante an der aktuellen Ausgangslage ist, dass der Markt derzeit eine glasklare Erwartung hat, die bisher die Tendenz von EURUSD nach unten unterstützt hat.

Der Markt erwartet einen massiven neuen Stimulus der EZB übermorgen am Donnerstag. Die EZB hat sich dafür kommunikativ zu deutlich aus dem Fenster gelehnt, um nun nichts zu machen.

Und der Markt erwartet nun eine Zinserhöhung der FED Mitte Dezember, ist sich nur noch nicht schlüssig, ob das nun der Beginn eines längeren Erhöhungs-Zyklus oder nur eine einmalige Aktion sein wird.

Beide Erwartungen drücken bisher EURUSD weiter nach unten, weswegen der nun die Tiefs von Anfang 2015 erneut testet. Das taktische Problem ist aber, diese Erwartungen sind wohl schon weitgehend eingepreist und können für sich keine weitere Abwärtsbewegung mehr stützen.

Wenn die EZB die aufgeblasenen Erwartungen also leicht enttäuscht und die FED klar zu verstehen geben sollte, dass auf eine einmalige Erhöhung, erst mal keine weiteren folgen werden, fällt die Logik der aktuellen Bewegung bei EURUSD in sich zusammen und der Doppelboden kommt schnell auf die Agenda.

Das ist die grosse Frage der kommenden Wochen vor Weihnachten. Wer diese Frage nicht richtig trifft, wird ein deutliches Problem im Depot haben.

Man muss sich wirklich fragen, was die Notenbanken reitet, so eine entscheidende Wegscheide direkt in die Vorweihnachtszeit zu legen und damit die Märkte gerade zur massiven Gezeitenwende in 2016 hinein einzuladen. Aber wie auch immer, die Frage der Währungen ist die grosse Frage, der wir uns im Notenbank-Dezember stellen müssen.

Im Premium Bereich haben wir dieses Szenario schon lange auf dem Radar, konnten damit die "Buy the Rumor" Rally in die EZB hinein seit Anfang Oktober mitnehmen und sind uns im Klaren, was eine bestimmte Entwicklung für die Rohstoff- und Edelmetallmärkte bedeuten würde. Auch einzelne Gelegenheiten legen wir uns dazu schon zurecht.

Bei den fraglichen Terminen, werden wir dann eng dran sein, um sofort die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wenn Sie das auch wollen und frühzeitig mitbekommen wollen, wie sich diese Sache entwickelt, stossen Sie doch zu uns dazu!

Ihr Hari

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Luftfahrt, Raumfahrt und Rüstungsaktien – Stabiles Erfolgsmodell oder verwerfliche Anlage?



Wenn es einen Sektor im Markt gibt, mit dem wir im letzten Jahr bei sehr geringen Risiken immer wieder schöne Gewinne gemacht haben - und diese Entwicklung auch frühzeitig erkannt haben - dann waren das die Aktien des Sektors Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung.

Erkannt haben wir das schon Mitte 2014 mit der Ukraine Krise. Die Verteidigungshaushalte der europäischen Staaten waren so ausgedünnt und die Materialbestände so veraltet, dass man gar nicht die peinlichen Nachrichten über die mangelnde Einsatzbereitschaft der Bundeswehr hören musste um zu wissen, dass sich hier erheblicher Nachholbedarf angestaut hatte.

Dann kam ja aber auch noch die absehbare Entwicklung zur multipolaren Welt hinzu, mit der sich nun statt einer alleinigen Weltmacht ein zunehmendes Ringen mehrerer Blöcke abzeichnet, wobei der Aufstieg Chinas dabei der am stärksten wirkende Faktor ist.

Auch diese Entwicklung zur multipolaren Welt, bringt absehbar wieder grössere Verteidigungsanstrengungen mit sich und das nicht nur in den europäischen Ländern, sondern auch in den US und in China und Russland sowieso. Das zunehmende militärische Involvement durch die Krise im Nahen Osten, tut dann ein Übrigens, denn das dort verbrauchte Material, muss auch ersetzt werden.

Aber auch im zivilen Bereich boomt der Absatz, wie wir an Airbus immer wieder sehen können. Eine Umwältzung hin zu Drohnen und -> neuen Transportarten <- steht vor der Tür und auch im Weltraum, geraten die Dinge in Bewegung. Neue Spieler wie Elon Musks Space-X treten auf den Plan und wirtschaftliche Interessen an Mond und Asteroiden beginnen sich zu formieren - auch in China.

Alles in allem also die perfekten Ingredienzien für einen Sektor, dem der Wind der Nachfrage auf Jahre mit Macht in die Segel blasen wird. Dann noch ein Sektor mit hohen Eintrittsbarrieren, denn so "mal eben" wird man nicht zum Flugzeug- oder Raketenproduzenten.

In Summe also ein Sektor, der von stabilen und wachsenden Ertäge gekennzeichnet ist und in geopolitischen Krisenszenarien eher steigt, als zu fallen, wie die meisten anderen Aktien. Sicherheit und Wachstum also im Depot.

Alles in Butter?

Rein vom Blick auf die Aussichten dieser Aktien her eigentlich ja, wenn da nicht diese moralische Frage wäre, ob man denn in so einen Sektor investieren "darf"?

Nun man "darf" schon, wir leben in einem freien Land und auch wenn die politische Korrektheit uns manchmal vorschreiben will, wie wir zu leben haben, sind das alles erst einmal seriöse und legale Unternehmen.

Aber die Frage, ob es denn moralisch geboten ist, in Aktien zu investieren, die eben auch Rüstung herstellen, steht ja berechtigterweise im Raum. Und dieser Frage kann und sollte man sich auch nicht entziehen.

Dabei kann man dummerweise in diesem Sektor zwischen zivilen und militärischen Anwendungen selten trennen, weil viele Unternehmen bedienen beide Segmente mit ihren Produkten, wie auch beispielsweise eine Airbus eine Verteidigungs-Sparte besitzt.

Darf man also die Airbus Aktie eines A320 nicht kaufen, weil es auch einen Militärtransporter A400 gibt?

Im Gegensatz zu sehr dogmatischen Menschen, will ich diese Entscheidung niemandem vorschreiben und darüber auch kein moralisches Urteil fällen. Denn ich bin überzeugt, dass das eine sehr individuelle, moralisch zu beantwortende Frage ist.

Sicher, man kann es sich einfach machen und einfach einen der derzeit beliebten "Ethik-Fonds" kaufen, die dann nach irgend welchen Kriterien beschliessen, dass das eine "gut" und "moralisch" geboten und das andere "unethisch" ist.

Wenn man sich aber nicht durch Delegation an so Fonds billige moralische Absolution verschafft, sondern sich mal ernsthaft damit beschäftigt, merkt man schnell, das dahinter höchst schwierige moralische Dilemmata stehen.

Nehmen wir das simple Gewehr oder die Pistole. Damit kann man ja jemanden ermorden. Stimmt. Ich kann damit aber auch meine Familie beschützen, die vielleicht von einem Mörder bedroht wird.

Wäre die Welt eine Bessere, wenn niemand eine Waffe hätte? Bestimmt! Ist das die Realität, kann mir also kein Mörder mit Waffe gegenüber stehen? Bestimmt nicht!

Oder nehmen wir die Granate. Eine Kriegswaffe. Damit kann man als Terrorist einen Ballsaal in die Luft sprengen. Man braucht Sie aber auch wie aktuell die französischen Spezialeinheiten, die bei der Razzia in Saint-Denis den Drahtzieher des Anschlags in Paris in einer mehrstündigen Aktion ausräuchern mussten, der sich hinter Panzerplatten verschanzt hatte.

Ist also die Granate schlecht? Wirklich ein schwierige Frage. Worauf man sich wohl einigen kann ist, dass das was Menschen damit machen gut oder schlecht, moralisch verwerflich oder sogar geboten sein kann.

Am Ende kommt es also vielleicht weniger auf das Hilfsmittel an, sondern auf den Menschen in seinen Handlungen und die Frage, was er damit tut. Moralisch gut oder schlecht, ist primär die Handlung des Menschen und weniger die Sache, die für die Handlung benutzt wird.

Und damit sind Rüstungsaktien für mich persönlich keineswegs perse moralisch verwerflich und kommen sehr wohl als solide, krisensichere Geldanlage in Frage. Zumal ich dann den ganzen, spannenden Luft- und Raumfahrt-Sektor links liegen lassen müsste, weil er sich auch mit Rüstung beschäftigt. Es gibt aber auch ein paar Dinge wie Streubomben, bei deren Produktion ich beim besten Willen keine defensive, schützende Verwendung mehr erkennen kann und die als Investition für mich damit keinesfalls diskutabel sind.

Aber das sind nur meine ganz persönlichen Massstäbe und ich verneine vehement, dass es bei diesem schwierigen Thema voller moralischer Dilemmata, eine "allumfassende" Wahrheit gibt, der sich jeder zwingend zu unterwerfen hat.

Und deswegen will ich hier auch Niemandem eine moralische Sicht aufzwingen, sondern nur erklären, warum Aktien aus dem Sektor Luft-, Raumfahrt und Verteidigung, derzeit einen Lauf haben und sich diese positive Entwicklung wohl auf Jahre fortsetzen wird.

Wer also stabile, krisensichere Aktien sucht und das mit seiner Vorstellung von Ethik verantworten kann, wird hier wohl fündig.

Wenn Sie an dem Sektor interessiert sind, finden Sie hier 20 Ideen aus dem Bereich Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung, die Sie mal einer genaueren Prüfung unterziehen können. Nicht alle der Aktien sind auch im Rüstungssegment tätig, aber viele eben schon. Viele dieser Aktien haben wir in der Community im letzten Jahr auch intensiver besprochen:

  1. Airbus Group (938914)
  2. BAE Systems (866131)
  3. Boeing (850471, BA)
  4. Dassault Systems (901295)
  5. Finmeccanica (A0ETQX)
  6. General Dynamics (851143, GD)
  7. Lockheed Martin (894648, LMT)
  8. MTU Aero Engines (A0D9PT)
  9. Northrop Grumman (851915, NOC)
  10. OHB (593612)
  11. Orbital ATK (A14NES, OA)
  12. Precision Castparts (865685, PCP)
  13. Raytheon (785159, RTN)
  14. Rheinmetall (703000)
  15. Rockwell Collins (694062, COL)
  16. Saab (914879)
  17. Teledyne Technologies (926932, TDY)
  18. Textron (852659, TXT)
  19. Thales (850842)
  20. United Technologies (852759, UTX)

Bei Precision Castparts ist übrigens vor wenigen Monaten Warren Buffetts Berkshire Hathaway massiv eingestiegen.

Sie werden durch die Bank feststellen, dass diese Aktien in der Regel im letzten Jahr schon sehr gut gelaufen sind und das hat Gründe, auf die ich hier hinweisen wollte und die wohl über den Tag hinaus Gültigkeit behalten.

Bleibt am Ende wieder die individuelle Frage, ob wir diese Aktien im Depot haben wollen. Denn glücklicherweise leben wir in einem freien Land und können uns diese Frage individuell stellen.

Würde man sich eine Welt wünschen, in der wir uns nicht permanent an die Gurgel gehen? Bestimmt!

Ist das die reale Welt die wir haben? Bestimmt nicht!

Machen wir das besser oder schlechter, wenn wir in solche Aktien investieren? Oder ist es egal?

Das ist die Frage, auf die Sie Ihre persönliche Antwort brauchen.

Ihr Hari

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Börsen im Zeichen des Terrors

Guten Morgen!

Die Reaktion des Marktes auf den perfiden Terroranschlag in Paris, scheint sich so zu entwickeln, wie von mir am Wochenende im Forum indiziert.

Der Dollar steigt zum Euro und Gold profitiert, das Minus in den Futures der Indizes, ist aber vor Handelsstart sehr verhalten.

Das liegt daran, dass der Markt systemische Risiken und Entwicklungen einpreist, aber keine Einzelereignisse, denn die sind in dem Moment in dem sie passieren, schon Vergangenheit.

Nun kann man fragen, warum es dann bei überraschenden Ereignissen immer erst einen Schreckeinbruch gibt. Die Antwort ist leicht, es liegt daran, dass im Moment des Schrecks, niemand die Folgen über den Moment hinaus einschätzen kann, also bringt man sich erst einmal in Sicherheit und verkauft.

Die entscheidende Frage ist also immer: Was kommt danach?!

Und das ist auch die Frage hier. Insofern sind Spekulationen darüber sinnlos, weil diese Zukunft ist noch nicht geschrieben. Die Reaktion der Politik macht nun ebenso einen Unterschied wie die Frage, ob wir nun eine Phase der Ruhe vor uns haben oder ob in Kürze in anderen Hauptstädten ähnliches passiert und wir uns einer Serie solcher Ereignisse gegenüber sehen, die dann am Ende den freien Waren- und Personenverkehr auch empfindlich treffen werden.

Stellen Sie sich nur mal vor, der Plan wäre aufgegangen und zwei Attentäter wären mit ihren Bombengürteln ins Stadion gekommen und hätten vor den Augen der Welt die Bomben gezündet und eine Massenpanik ausgelöst, die dann wahrscheinlich mehr Tote verursacht hätte, als die Bomben selber.

Das wäre ein völlig anderes Szenario, auch für die Börsen. Nicht weil die Marktteilnehmer die Anzahl der Toten zählen, nein so zynisch sind die Menschen nicht, auch keine Börsianer. Sondern schlicht, weil die "was kommt danach" Frage dann wahrscheinlich ganz anders und viel radikaler beantwortet worden wäre.

Erinnern wir uns an 9/11. Da brachen die Türme nicht nur direkt neben der Wallstreet zusammen und der Staub zog auf die Tastaturen der Händler. Nein, viele Menschen der Wallstreet hatten direkt Freunde und Bekannte verloren und dann kam die Handelsaussetzung und jeder fragte sich: was kommt danach?

Denn unmittelbar danach, noch Wochen lang, stand durchaus ein Atomschlag Amerikas im Raum, wenn sich heraus gestellt hätte, das hier klar ein Staat hinter dem Terrorakt gewesen wäre. Diese Unsicherheit des "was kommt danach", hat die Börsen damals nach der Handelsaussetzung massiv reagieren lassen, bevor sich dann nach Wochen wieder gespannte Normalität einstellte.

So scheint der Markt im Moment "nur" von einem schlimmen, tragischen Terrorakt auszugehen, wie wir ihn leider auch schon in anderen Ländern gesehen haben. Einem Terrorakt, der aber erst einmal keine systemischen Auswirkungen hat. Und insofern gibt es nur eine milde Kurs-Reaktion.

Wenn sich diese Interpretation aber durch irgend welchen neuen Ereignisse oder Handlungen der Politik ändert, wird auch der Markt sein Verhalten ändern. Diese Zukunft ist noch nicht geschrieben.

Der Markt reagiert also nicht auf das Geschehen der Vergangenheit, selbst wenn es so schmerzhaft ist, wie das aktuelle Geschehen. Er reagiert auf die Frage, was danach kommt, was das für die Geschäfte der Unternehmen bedeutet, die am Markt gehandelt werden.

Dieses Muster ist universell, der Markt handelt die Erwartungen an die Zukunft. Die Kernfrage ist, ob dieser Terrorakt, diese Erwartungen verändert.

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MiFID II, Inducement und die Marktkapitalisierung

Der Finanzmarkt ist komplex. Das stimmt. Er ist aber noch weit komplexer und weit stärker miteinander verwoben, als wie wir uns das gemeinhin als "unbedarfte" Anleger vorstellen.

Wenn wir zum Beispiel unser sauer verdientes Kapital am Finanzmarkt anlegen und dafür einen Fonds kaufen, dann gehen wir ja auch unausgesprochen davon aus, dass das Fondsmanagement für die typischerweise 1,5-2% Gebühr pro Jahr, ausschliesslich unsere Anleger-Interessen optimiert.

Tja .....

Die Realität ist wohl weit komplexer. Weil haben Sie sich mal gefragt, woher die Fondsmanager eigentlich die Research-Informationen haben, aufgrund derer diese dann Anlage-Entscheidungen treffen?

Klar, ohne nachzudenken, gehen wir davon aus, dass die ihren eigenen Research machen. Und bei den sehr guten Top-Managern, ist das wohl auch der Fall. Aber gilt das so uneingeschränkt und wenn nein, wer beeinflusst die Anlage-Entscheidungen dann?

Um dieses eminent wichtige Thema geht es in einem Artikel, den ich am Donnerstag 16.07.15 16:40 in Hari Live geschrieben habe und den Sie unten nun etwas überarbeitet und aktualisiert finden. Und ja, das Thema ist sehr komplex, aber in dieser Komplexität ist eine Menge Information versteckt, mit der andere dickes Geld verdienen.

Mir ist völlig klar, dass ich mit diesem Artikel hier im freien Bereich nicht viele Leser finden werde. Zu "sperrig" und "schwierig" ist das Thema. Aber versuchen Sie es doch mal. Und wenn Sie das dann zum ersten Mal überhaupt lesen, fragen Sie sich mal warum?

Wenn Sie dann wirklich bis zum Schluss gelesen und sich auch die Links angeschaut haben, dann gehören Sie auch zu denen, die bei uns in der Mr-Market Community bestimmt sehr gut aufgehoben sind. 😉

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Sie wissen ja, dass ich bei zu kleinen Unternehmen immer sehr skeptisch bin, was die Marktkommunikation und den Einfluss von Insidern angeht. Im Artikel -> Warum ich Pennystocks nicht anfasse <- hatte ich das dargelegt.

Sie wissen auch, wie oft ich mich schon über so "Jubelperser" Analysten-Kommentare gerade bei kleineren Unternehmen mokiert habe. Ein offenes Geheimnis ist dabei nämlich, dass Unternehmen ihre Analysten manchmal selber "incentivieren" und "motivieren", damit es überhaupt mal jemand tut. Und umgedreht werden solche Analysen auch als "Zuwendung" und "Anreiz" (Inducement) an Fondsmanager weiter gegeben, was einen Vorteil im Spiel um Wissen darstellt. In beiden Fällen sitzt der normale Anleger aber unwissend am Katzentisch.

Das ganze Thema ist hoch komplex und die Abhängigkeiten vielfältig und verwoben. Es ist für mich persönlich hoch problematisch, wenn ein Fondsmanager, der eigentlich das Geld seiner Anleger objektiv verwalten soll und dafür von denen per Management-Fee bezahlt wird, dann eben nicht objektiv handelt, weil ihn sich Dritte mit "Inducements" gewogen halten.

Natürlich läuft das schon heute alles "total sauber" und "total objektiv". 😉 Die Lebenserfahrung gebietet aber, dass Analysen genau so objektiv sind, wie zwei Sachverständigengutachten, die in einem Gerichts-Verfahren von miteinander streitenden Parteien aufgeboten werden und sich problemlos völlig widersprechen können, alles ganz "objektiv" natürlich. 😉

Es ist halt einfach so, dass viele Dinge nicht objektiv sind und mit subjektiver Einschätzung zu tun haben. Und selbstverständlich wird niemand in diesen Graubereichen seinem Auftraggeber bewusst gegen das Schienbein treten. Und so entstehen dann so gegensätzliche Gutachten und eben auch Analystenkommentare. Ganz "objektiv subjektiv" sozusagen. 😉

Und natürlich macht es für die grossen Marktspieler auch Sinn, sich die Verwalter grossen Geldes gewogen zu halten und so in ihrem Investitionsverhalten zu beeinflussen, auch wenn das für die Geldverwalter natürlich die Gefahr eines Interessenkonflikt gegenüber den eigentlichen Auftraggebern - den Anlegern - herauf beschwört.

Das Thema ist sehr schwierig, weil nur weil man etwas von Dritten liest, wird der Fondsmanager ja in seiner eigene Entscheidung nicht objektiv zu einem abweichenden Handeln gezwungen. Insofern kann man argumentieren, dass hier gar kein Problem existiert, Papier ist geduldig und die Entscheidung trifft am Ende der Fondsmanager.

Andererseits hat jede Information ihre Wirkung und die verändert dann das Investitionsverhalten. Insofern ist da schon ein Problem.

Legal ist das bisher alles, da habe ich keinen Zweifel. Aber ist es auch legitim und sollten wir Anleger dafür unsere Kapital geben? Das ist die schwierige Frage, um die es hier geht.

Mit MiFID II soll hier nun eine Änderung kommen, mit der nicht mehr alle "Inducements" in Form von Research legal wie bisher sind. Und das bedeutet einen wichtigen Einschnitt.

Wenn Sie das aber bisher alles für ein Gerücht gehalten haben, dann lesen Sie in dieser Branchennachricht mal, was von einer Tagung des -> DVFA <- als Verband der "Investment Professionals" berichtet wird, in dem die bekannten Fondsgesellschaften sitzen: -> MiFID und "Inducement" <-

Zitat:

"MiFID II schränkt die Gewährung von "Inducements" erheblich ein. Sie gestattet unabhängigen Beratern und Portfolio-Managern nicht, für die Erbringung ihrer Dienstleistung monetäre oder nichtmonetäre Vorteile von Dritten anzunehmen."

Aha. 🙂 Das war also bisher scheinbar der Normalzustand. Haben Sie es gewusst, liebe Anleger? Und mit MiFID II soll das anders werden. Ist das nun schlimm oder überfällig?

Nun nimmt der DVFA hier lobenswerterweise keine rein schwarz/weisse Position ein und ja, es wird auch negative Seiteneffekte dieser Reform geben. Wer in so komplexe Zusammenhänge eingreift, erzeugt nicht ausschliesslich positive Effekte. Aber auf den Saldo und die Richtung kommt es am Ende an und mit der Richtung habe ich keinerlei Problem, auch wenn die MiFID in Summe ohne jede Frage ein "bürokratisches Monster" ist.

Hier muss ich die Bürokratie aber auch mal zumindest teilweise in Schutz nehmen, denn sie ist auch deshalb so kompliziert, weil es eben ohne diese Regeln jede denkbare Vorteilsnahme geben würde und dabei grosse Kreativität herrscht.

Im Gegenteil, ich halte diese Änderung für uns Anleger für einen Vorteil. Denn wenn es weniger "Jubelperser-Analysen" gibt, muss man bei Kleinunternehmen wieder das tun, was zwar mühsam ist, aber einen echten Edge generieren kann: sich intensiv damit beschäftigen. Oder eben die Finger ganz weg lassen, wenn man den Zeitaufwand nicht betreiben kann und will, was meine Strategie ist.

Natürlich habe die Stimmen recht die sagen, dass damit kleine Unternehmen noch seltener vom Research erfasst werden. Die Frage ist halt, wie viel ist Research wert, dem vielleicht ein Interessenskonflikt zu Grunde liegt?

Wer es genau wissen will, findet -> hier internationale Anwälte zum Thema <- und -> hier die BAFIN zum Thema <-

Wer übrigens die ganze Problematik in ihrer extremen Komplexität noch nicht begriffen hat - was wirklich keine Schande ist, auch ich will nicht behaupten alles zu durchdringen - für den zitiere ich hier aus dem obigen kenntnisreichen Artikel der Anwälte:

This view holds that if MiFID II requires fund managers to either pay for the research information themselves, charge their clients or build the information systems in house, medium and small fund management houses may be driven to closure or merger, presenting less choice for investors.

Nun alles klar?

Sie lieber Anleger, der Sie Ihrem Fondsmanager bisher 1,5 oder sogar 2% per Annum dafür gegeben haben, dass er mit seinem ganzen Wissen und Können und seinem eigenen Research Ihr Geld verwaltet, können aus diesem Satz indirekt entnehmen, dass es im Moment eben zu oft wohl nicht "Inhouse Informationen" und "eigenes Research" sind, mit denen Ihr Fondsmanager agiert, sondern Informationen, die die grossen Adressen der Branche "kostenlos" verteilen - natürlich nur ganz objektiv und ohne jedes Eigeninteresse. 😎

Wundert sich da noch jemand, dass so wenige Fondsmanager den Markt schlagen können und so viele einen Gleichlauf zeigen? Die Fondsmanager, die immer wieder eine sehr gute Performance zeigen - und in unserem Forum besprechen wir davon ja auch immer wieder eine Auswahl - gehören möglicherweise zur lobenswerten Minderheit, die mit eigenem Hirn und Research agieren und nicht nur nachkauen, was die "Big Boys" so verlauten lassen.

Und das ist der Punkt. Wenn MiFID II das ein wenig verbessert: be my guest!

Was denken Sie?

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Was uns „All Inclusive“ über den Wert des Euros sagt

Hier ein weiterer, persönlicher und sehr treffender Beitrag unseres -> Kolumnisten <- "StockPix" aus den "PixedEmotions".

Ein Beitrag zum Schmunzeln ebenso, wie zum Nachdenken!

Viel Spass beim Lesen:

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Der Wert des Euros lässt sich zur Zeit gut am Publikum einer Ferienanlage auf Mallorca ausmachen.

Seit meiner Zeit als Student habe ich mal wieder eine Pauschalreise gebucht. Der Grund sind meine beschäftigungsintensiven Kinder, die uns in den vergangenen Jahren dermaßen gefordert haben, dass nicht mal ansatzweise an Erholung zu denken war. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, haben wir auch das Kästchen "all inclusive" bei der Buchung angekreuzt. Die Hauptzielgruppe -ich dachte dabei an Familien mit Kindern- dieser Kategorie haben wir billigend in Kauf genommen. Wenn schon, dann richtig!

Ich will vorwegnehmen: Grundsätzlich fühle ich mich in der Umgebung der "einfacheren" Leute ganz wohl. Als Bauingenieur ist man da eh hart im nehmen. Problematisch wird es, wenn ich mich verängstigt zum Buffet schleichen muss, um nicht nur von der Tattoo-Dichte einzelner Gäste erschlagen zu werden. Der ein oder andere Brite erschien mir dahingehend recht resolut 😉

Worauf ich hinaus will: Es war zu beobachten, dass die deutschen Teilnehmer vornehmlich der gebildeten Mittelschicht (Akademiker, Beamte, Freiberufler etc.) zuzuordnen sind. So gar nicht passend zu den, vornehm ausgedrückt, recht einfach gestrickten britischen Gästen, deren schweres Pfund (ich meine die Währung) die Veranstaltung zu einer Abart der norddeutschen Butterfahrt reduziert.

Es passt letztendlich nicht zusammen, was da aufeinander prallt. Der Billigurlaub der einen, ist die hart ersparte Ferienreise der anderen. Dabei kann sich das britische Proletariat in diesem unfairen Wettkampf als Sieger betrachten. Der deutsche Bildungsbürger schaut bedröppelt aus der Wäsche.

Vermutlich fühlte sich zu früheren Zeiten manch Spanier mit seiner Peseta in der Tasche genau so, wenn der deutsche Pauschaltourist mit der Deutschen Mark die ganze Bar aufkaufte.
Da blieb nur die Flucht in eine harte Währung, deren Suche ja nun mittlerweile, da sich die Notenbanken im Weichspülgang befinden, nahezu aussichtslos erscheint. Die starke Volatilität am Devisenmarkt wird wohl auch die aktuellen Währungsverhältnisse nicht auf ewig bestehen lassen. Gönnen wir den Briten also ihren derzeitigen Billigurlaub.

Aber ich will mich insgesamt gar nicht beschweren, denn die Kinder sind gesund geblieben, kamen voll auf ihre Kosten und gaben uns die Ruhe zur Erholung, die wir ganz dringend benötigten. Die Börsen liefen in die von mir favorisierte Richtung -den Hedge hatte ich rechtzeitig geschlossen- und der Sachverhalt des schwachen Euros rückte in den Hintergrund, denn bezahlen brauchten wir ja eh nichts mehr. All inclusive sei dank! 😉

Dennoch: Verstärkt hat sich bei mir der Gedanke, dass die Diversifizierung des Vermögens auf verschiedene Währungsräume unverzichtbar geworden ist. Sei es in Form von Aktien, Fonds oder Geldreserven. Edelmetalle stellen in realer Form auch einen ganz eigenen Währungsraum dar, den man nicht vernachlässigen sollte. Von Immobilien halte ich berufsbedingt eher weniger.

Inwiefern real grenzüberschreitende Maßnahmen sinnvoll sind, muss jeder für sich entscheiden, denn wichtig ist auch, dass man schnellen Zugriff hat. Die Steuerehrlichkeit nicht zu vergessen!

Ich mach noch eine Woche frei und begebe mich dann für ein paar Tage beruflich in die Schweiz. Die harten Währungen scheinen mich in diesem Monat zu verfolgen. Ein Zeichen?

Let’s Pix it!

Ihr StockPix

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Amputationsschmerz – Europa in der Sackgasse

Der folgende Artikel erschien schon gestern, Montag 13.07.15 08:30 Uhr in Hari Live, als das Ergebnis des Gipfels noch nicht fest stand

Guten Morgen!

Was schreibt man an so einem historischen Tag, an dem zum Zeitpunkt dieser Worte, immer noch kein weisser Rauch aus Brüssel aufgestiegen ist?

Sie wissen, wie ich zum Thema stehe. Wer nun immer noch nicht sieht, wie der -> fehlkonstruierte Euro <- Europa zerstört, dem kann ich nicht mehr helfen.

Denn was jetzt in Brüssel passiert, ist das Ergebnis eines Patts zwischen zwei unvereinbaren Grundpositionen, für die Frankreich und Deutschland stehen. Grundpositionen, die sich in 20 Jahren nicht geändert haben. Es geht nur vordergründig um Griechenland, in Wirklichkeit geht es darum, was das für eine Eurozone ist. Die auf Regeln und Stabilität ausgelegte Eurozone als Nachfolger der D-Mark. Oder die weiche und unter dem Primat politischer Wünsche stehende Eurozone Frankreichs, als Nachfolger des Franc.

Da sich beide Positionen unlösbar gegenüber stehen und auch keiner nachgeben kann - Frankreich schon alleine nicht aus Angst, als nächstes in den Fokus der Märkte zu geraten - wird nun ein Kompromiss auf Kosten Griechenlands geschmiedet, in dem Griechenland dem Wunsch Frankreichs entsprechend im Euro bleibt und die Bedingungen dafür aber so hart sind, dass es die deutsche Seite zufrieden stellt.

Dieser "Kompromiss" ist in der Zwangsjacke des Euros der kleinste gemeinsame Nenner zwischen beiden Positionen. Und gleichzeitig - und das ist das Fatale - kann er nicht über den Tag hinaus tragen.

Glaubt jemand ernsthaft, dass dieses Griechenland mit dieser sozialistisch/populistischen Regierung und einer Haltung der Bevölkerung, die Schuldige immer woanders sucht, einen Massnahmenkatalog umsetzt und dafür Mehrheiten gewinnt, der weit über alles hinaus geht, was bürgerliche Vorgängerregierungen getan haben? Unfug!

Damit stehen wir bald wieder an der gleichen Stelle und gewonnen ist Nichts. Nur das ganz viel Vertrauen und Zusammenhalt in Europa kaputt gegangen ist. Und das Blame-Game ist ja schon im vollen Gange und alter Hass gegen Deutschland bricht wieder auf.

Dabei ist es objektiv Frankreich und die Kommission, die mit ihrer kompromisslosen Haltung den einzigen sauberen Weg geschlossen haben und zu diesem Patt geführt haben. Griechenland hätte aus dem Euro gemusst und ganz wohlwollend, ausserhalb von der EU massiv gestützt werden müssen. Billiger wäre es dadurch nicht geworden, aber es wäre die sauberere Lösung gewesen - die Lösung die Hoffnung für die Zukunft macht. Auf die frechen Forderungen Tsipras einzugehen. hätte die Eurozone dagegen erst recht zerstört. Das war nie eine Option.

Mehr will ich dazu heute früh gar nicht schreiben, die Dinge sind ja noch im Fluss. Klar geworden sind aber endgültig zwei Dinge:

1. Der Euro ist in seiner Fehlkonstruktion der Totengräber Europas Einigkeit und bringt die Völker gegeneinander auf.
2. Der Ansatz in ein anderes demokratisches Land hinein zu regieren, ist absurd und kann nicht funktionieren.

Es gibt zwei Wege, wie Europa sich retten kann.

Der Erste wäre eine schnelle Integration zum föderalen Bundesstaat. Das ist irreal und scheitert vor allem an Frankreich. Daran sieht man auch, wie viel vom Europa-Gerede aus Paris zu halten ist. Frankreich, das sich immer noch als "Grande Nation" begreift, wird als Letztes bereit sein, seine Staatlichkeit aufzugeben. Der Weg ist unrealistisch.

Der zweite Weg ist, dass der Euro sich gesund schrumpft auf die Staaten, die unter dem gemeinsamen Korsett auch leben können, weil sie sich kulturell am nächsten sind. Der Weg der Gesundschrumpfung durch Austritt der Schwachen wird gerade entschieden. Wenn Griechenland nun nicht geht, wird nie irgend ein Land den Euro freiwillig verlassen, denn gerade die schwachen Länder profitieren am meisten und nicht Deutschland, wie immer unter Verdrehung der Tatsachen behauptet wird.

Wenn aber der Weg der Schrumpfung durch Austritt der Schwächsten nicht geht, bleibt nur der freiwillige Austritt Deutschlands. Das ist aber auch unrealistisch und wird keine Mehrheiten finden bzw erst dann, wenn die Krise wirklich schwer und für alle merkbar wird.

Im Moment geht es aber den Deutschen oberflächlich zu gut und die D-Mark ist so lange her, dass viele jüngere Menschen sich etwas anderes als den Euro gar nicht vorstellen können. Und die Herde hat hohe Beharrungskräfte, sie wird in Unsicherheit immer wählen, was sie kennt.

Bei der Einführung des Euros waren 60% der Deutschen gegen den Euro und für der Erhalt der eigenen Währung. Darüber sind die europatrunkenen Parteien ausnahmslos einfach hinweg gegangen. Hinweg gegangen auch über all die unzähligen warnenden Worte qualifizierter Ökonomen und Geldpolitiker. Heute gäbe es wohl eine 60:40 Mehrheit für den Euro, weil die Mehrheit sich etwas anderes nicht vorstellen kann und das Problem auch gar nicht versteht und nicht erkennt.

Abgesehen davon, wäre an dem Tag, an dem Deutschland aus dem Euro ausscheidet - und mit dem Euro wahrscheinlich einige andere Länder wie die Niederlande - der Euro am Ende, weil ihm der Anker fehlt. Auch das ist realistisch kein gangbarer Weg. Der einzige Weg, in dem der Überdruck hätte geordnet entweichen können, das Überdruckventil sozusagen, wurde aber gerade von Frankreich zugestellt.

Die Situation ist übel und ohne heftigen Amputationsschmerz nicht mehr zu lösen. Alles was jetzt passiert, ist wieder nur teuer Zeit zu erkaufen, ohne Chance auf Besserung oder Lösung. In jeder Krise liegt auch Chance, alleine mir fehlt die Wahrnehmung, dass die Beteiligten - insbesondere die Brüsseler Truppen um Juncker, Schulz und Co. - überhaupt das Problem begriffen und/oder wahrhaben wollen. Und diese Selbsterkenntnis, steht am Anfang jeder Chance auf Besserung.

So schnell geht es, wenn Radikale zu zündeln beginnen und dabei auf Verlogenheit und mühsam kaschierte Gegensätze treffen, die sie frei legen.

An dem Problem, das wir nun haben, hat Griechenland auf jeden Fall keine Schuld. Die griechischen Demagogen, sind in ihrer Verantwortungslosigkeit nur der Katalysator, der den Schleier all der Verlogenheiten frei legt und den Blick auf die im Kern bestehenden Widersprüche des Euros und Europas lenkt.

Am Ende gewinnt halt die Mathematik, die kann man weder betrügen, noch politisch umschiffen. 1+1 ist immer noch 2. Und 19-1 ist 18 und nicht Null.

Ach Europa!

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