Starke Quartale … und was folgte …


Im heutigen, eher kurzen Video, versuche ich erlebbar zu machen, was ein starkes erstes Quartal in den letzten 30 Jahren bedeutet hat.

Ich hoffe damit, Sie weiter gegen die diversen Horrorgeschichten zu immunisieren, denn ein starkes 1. Quartal deutet weit öfter auf ein starkes Gesamtjahr hin, als das Gegenteil.

Ihr Hari

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Kolben und Getriebe(ne)



Wie ein Pferdchen vor einer zunächst zu beeindruckenden Hürde, hat der DAX kurz vor den Allzeithoch "verweigert" und sicherheitshalber den Rückwärtsgang bis 12.300 eingelegt und damit das Gapfill des Eröffnungsgaps vollzogen. Viel hinein geheimnissen muss man da aber nicht, es kann auch noch etwas weiter runter gehen, ein weiterer Versuch dürfte aber folgen:

Der S&P500 eröffnet durchwachsen, für den Ersten des Monats eher schwach. Da hilft auch Tesla nicht, die wie erwartet anziehen und das mit Karacho, ca. 5% stehen nun zu Buche und damit Allzeithochs die bisher vom September 2014 mit 291,42 USD notierten.

Gleichzeitig wurden nun nacheinander zwei Gaps aufgerissen, von deren Schliessen man "normalerweise" in der Nähe von Allzeithochs ausgehen sollte. Allerdings bin ich bei Tesla nun nicht sicher, da ist scheinbar richtig Druck darauf und der Markt weiss, dass die Aktie immer noch zu "billig" ist, falls der Durchbruch mit dem Model 3 gelingt.

Der grosse Ausbruch nach oben aus der mehrjährigen Konsolidierung ist also nicht mehr weit. Und wenn der Markt davon überzeugt ist, dass Tesla das Model 3 wie geplant auf die Strasse bekommt, wird er mit seiner Bewegung auch nicht warten, bis das Faktum ist. Sie wissen ja, "Buy the Rumor - Sell the Fact" ist eher das Motto des Marktes.

Das wäre jetzt ein guter Moment, um das ganze bärische Gebrabbel der letzten Jahre von der überbewerteten Tesla-Aktie mal einem Review zu unterziehen, ich will aber gnädig sein und den Mantel des Schweigens über all diese Aktienversteher decken. Der Punkt ist ja nicht, dass Tesla nicht hätte scheitern können und sie können immer noch scheitern.

Der Punkt ist, dass wenn der ganze Markt so einer immens gut beobachteten Aktien eine bestimmte Wertung zubilligt, es schon eine gehörige Portion Selbstüberschätzung dazu gehört, das vom Küchentisch fundamental alles besser einschätzen zu wollen. Alles was wir als Anleger am Küchentisch wirklich hatten und haben ist das Chart und das war eben lange in einer breiten Range, in der Tesla seinen ursprünglichen Schub abgebaut hat - nicht mehr und nicht weniger.

Und weil es diese Range gab, bin ich dieser Aktie seit 2014 auch fern geblieben. Nun aber, seit einigen Wochen, ist mit dem Näherkommen des Model 3 klar, dass das die grosse Entscheidung werden dürfte und die Range sich auflösen dürfte. Entweder schafft Tesla nun den Model 3 Rampup und dann werden sie deutlich teurer notieren. Oder sie laufen in ein ernst zu nehmendes Problem und dann geht es nach unten weg.

Mit dem letzteren, bärischen Szenario hätte ich auch kein Problem, dann wird eben wieder verkauft, die Stops erlauben jetzt schon eine Sicherheitsmarge, so dass man in jedem Fall im Grünen aussteigt. Ärgerlich wäre es nur, weil die ganzen Tesla-Versteher dann "siehste!" rufen könnten und 100% würden, dabei hat dann ein blindes Huhn auch mal nur ein Korn gefunden, denn wenn das Schicksal würfelt, kommt irgendwann auch mal die Zahl die man geraten hat. 😉

Wenn man sieht, wie sich gerade der VW Konzern in selbst induzierter Paralyse befindet und sich in Selbst-Beschwörungen ergeht, kann einem bei der Dynamik des Geschehens auf jeden Fall Angst und Bange um die bisher weltweit im oberen Segment dominierende deutsche Autoindustrie und damit den stärksten Jobmotor des Landes werden.

Wobei um die Top-Zulieferer braucht man sich wohl keine Gedanken machen, so sie nicht Kolben und Getriebe herstellen. Die sind einfach gut und werden immer an wen auch immer verkaufen, der dann die Welt des Fahrens dominiert. Auch BMW und Mercedes werden als etablierte Oberklassen-Marken sicher ihren Weg machen, die sind ja heute schon eher Reseller und Systemintegratoren als echte Auto-Hersteller. Im Zweifel werden sie übernommen. Aber der Bauchladen Volkswagen mit seiner schwierigen, Innovation eher abträglichen Polit-Kultur? Ich weiss nicht, ohne einen kreativen Diktator ala Piech wird das schwer und vom Bonvivant Wolfgang Porsche erwarte ich da wenig bis nichts an positivem Einfluss. Aber sie werden bestimmt eine Arbeitsgruppe bilden, das hilft dann sicher .... 😉

Ich habe hier mal den Kurs von Volkswagen und dem DAX im Vergleich. Mehr muss man wohl nicht zeigen um zu beweisen, dass meine Skepsis oben eher Marktkonsens denn konträre Sicht ist. Auch hier argumentiere ich also nicht gegen den Markt sondern mit ihm und das ist gut so. 🙂

Aber zurück noch einmal zum US Markt. Die Schwäche am Ersten des Monats die sich gerade entwickelt, ist nicht besonders schön. Wir sehen daran, dass wir es letzte Woche wie ich mehrfach sagte eben mit dem typischen Window-Dressing zu tun hatten und wir nun vor einem neuen Spiel im 2. Quartal stehen. Auf jeden Fall wurde nun in kurzer Zeit der halbe Anstieg der letzten Woche schon wieder wett gemacht:

Wir sollten auch nicht ignorieren, dass wir damit immer noch im Abwärtstrend seit dem 01.03. sind, das Chart habe ich schon letzten Freitag gezeigt, fügen Sie die heutige Abwärtsbewegung rechts gedanklich an:

In den US Indizes, schwebt also immer noch diese vermaledeite Korrektur über unseren Köpfen, was die Navigation schwierig macht. Auf die europäischen Märkte, schaue ich weiter optimistischer.

Ich kann aber nur erneut appelieren ruhig zu bleiben, auch wenn es sich wie eine gesprungene Schallplatte anhört. Wir müssen nach dieser initialen Schwäche erneut schauen, ob sich wieder Stärke im späten Handel anschliesst, dann sind wir weiter im alten Environment. Wenn nicht, dann wird es interessant.

So weit für heute, machen Sie es gut!

Ihr Hari

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Das erste Quartal



Guten Morgen!

Zu Beginn ein kurzer Hinweis in eigener Sache. Dieses bleibt heute der einzige Beitrag von meiner Seite, ich habe heute Nachmittag mal etwas anderes als Börse vor, den einen oder anderen Post im Forum wird es aber am Abend noch geben.

Heute ist der letzte Tag des ersten Quartals, ein Quartal das im SP500 so aussah:

Alles in allem ein sauberer Aufwärtstrend, der am 01.03. mit Trumps Rede vor dem Kongress seinen Höhepunkt fand und sich seitdem in einer Konsolidierung befindet, deren Ende offen ist.

Wir sehen daran auch, dass wir die "Korrektur" auf die alle warten ja schon haben und zwar den ganzen März schon. Sie ist aber so flach und unauffällig, dass man sie im täglichen Kleinklein gar nicht bemerkt. Wobei wer ein breites Depot kleinerer Werte hat, dürfte schon ein paar Prozent Minus bemerkt haben, denn es sind vor allem die grossen Indizes, die durch die Bluechips in ETFs zusammen gehalten werden.

Ein Blick auf den Russell 2000, den breiten Index der kleinen US Werte, offenbart ein ganz anderes 2. Quartal, das sich in vielen Depots wiederfinden wird:

Wie war das Quartal für mich? Es war ein eher schwieriges Quartal für mich im Sinne "den Markt schlagen", wie es immer ist, wenn ein Markt ohne Pause und ohne Korrekturen hochschiebt. Auch 2013 war für mich ein schwieriges Jahr deswegen, weil mein Risikomanagement etwas Performance kostet. Ein Jahr wie 2015 oder 2016 dagegen mit seinen Swings, das ist für mich und meine Strategie in der Regel ein gutes Jahr.

Sie wissen und erleben ja, dass ich die Ebbe und Flut des Marktes spiele und darin ganz gut bin. Wenn aber keine Ebbe mehr ist und nur noch langsam der Pegel steigt, dann fehlt die Bewegung die ich brauche um eine Überrendite zu erzielen. Gleichzeitig zerrt aber das Risikomanagement die Performance etwas nach unten, weil es im nachhinein dann "sinnlos" war - hinterher ist man halt immer klüger.

Das ist aber nicht tragisch, das ist einfach so. Und mit etwas geringeren Gewinnen in permanent steigenden Jahren wie 2013, kann ich gut leben, wenn ich dafür in volatilen Jahren wie 2015 und 2016 mit meiner Strategie eine deutliche Überrendite generiere und daher praktisch nie ins Negative falle.

Sie haben im ersten Quartal auch erlebt, wie ich mit so einem Markt umgehe und wie richtig das ist. Ich zwinge mich dazu, mit dem Trend dabei zu bleiben und das ist auch meine Botschaft an Sie für die kommenden Wochen. Der Trend ist hoch, solange er hoch ist. Punkt!

Wie wichtig diese geistige Flexibilität ist, haben wir auch wieder diese Woche gesehen. Ich bin am Montag eher vorsichtig hinein gegangen, weil die Enttäuschung über Trumps Scheitern den Bären einen Elfmeter generierte. Und auch wenn die Bären derzeit nur tapsige Teddybären sind, irgendwann werden sie sich wieder zu krallenbewehrten Raubtieren wandeln und insofern verliere ich nie den Respekt vor ihnen.

Schon am Montag Abend aber, habe ich gesehen dass das wohl wieder nichts wird. Genau genommen habe ich es ja schon die Woche vorher geahnt. Sie erinnern sich ja sicher an mein -> da rennen sie die Schwachmaten <-, deutlicher kann man wohl nicht sein.

Und von da an habe ich konsequent den Hebel umgelegt. Die Bären hatten ihre Chance, sie haben sie vergeigt und daraus folgen Konsequenzen. Ich habe aber auch wieder gemerkt, dass viele von Ihnen sich damit schwer tun, die Haltung so klar dem Markt anzupassen. Daran müssen Sie unbedingt arbeiten, ich versuche es ihnen als "Opportunist" ja immer vorzumachen und gerade diese Woche war da Anschauungsmaterial, wie ich die sichtbare Schwäche der Bären konsequent verarbeitet habe.

Faszinierend an dieser Woche war, dass der Markt in einem für die schöne neue Algo-Welt typischen, langsamen V-Rebound, jeden lieben Tag mit Stärke geschlossen hat. Und trotzdem ist im grossen Bild der Abwärtstrend seit dem 01.03. noch nicht ausser Kraft gesetzt:

Der Schub diese Woche hatte mit Sicherheit auch mit Einflussfaktoren auf der Währungsseite zu tun. Hullahuppi hat dazu im Forum schon einen Post verlinkt und da ist bestimmt zumindest ein wahrer Kern:-> why stocks rallied tuesday <-.

Sie erinnern sich ja, dass ich Ihnen die ganz wichtige Situation gezeigt hatte, in der sich der Dollar befand mit der Gefahr, eine massive Wende zu triggern. Das war mein Chart von Dienstag:

Ja, ich würde auch sagen, da wurde "interveniert" um den Dollar zu stützen bzw den Euro zu schwächen, im EURUSD sah das dann so aus:

Da kann man nur sagen: "Noch fragen Kienzle?". 😉

Das passt auch sehr gut zu einem langen Kommentar, den ich gerade im Forum zum Thema Aurelius geschrieben habe. Lesen Sie bitte -> hier <- Post 41.

Auf Shortsellern wie Gotham wird gerne herum gehackt und sie "Manipulatoren" geschimpft, weil sie die Party empfindlich stören, in der sich eine Mehrheit eingerichtet hat. Dabei agieren diese im Gegensatz zur Mehrheit der anderen mit offenem Visier was Motivation und Argumentation angeht. Die wahren "Manipulatoren" sitzen woanders und agieren gerne hinter einer Fassade. Raten Sie mal, wer mir sympathischer ist. 😉

Wir müssen einfach akzeptieren, dass der Markt eben das Ergebnis aller Kräfte ist, die auf ihn einwirken. Insofern ist das Wort "manipulieren" ein doofes Wort, weil es einen rein negativen Klang hat, so als ob es im Markt einen "objektiven" Kurs gäbe, den "böse Kräfte" dann manipulieren wollten. Das ist alles Blödsinn, wenn man das Wort benutzen will, ist der ganze Markt "manipuliert" und jeder Kurs für sich alleine auch und das alleine schon wegen der Notenbanken.

Es ist wohl besser zu sagen, dass vielfältige Kräfte auf den Markt einwirken und an ihm zerren und ihn in eine Richtung pressen wollen. Genau das ist der Markt und das war er schon immer und wer das nicht mag, darf nicht in ihm sein.

Es gibt nur eine Sache die "objektiv" ist und das ist der Kurs vor unserer Nase, egal wo der steht.

Wie geht es nun im 2. Quartal weiter?

Sie wissen, ich habe meistens recht klare Modelle und Szenarien für den weiteren Verlauf, die ich mit Ihnen teile. Ich muss Ihnen sagen, hier und heute habe ich für das 2. Quartal keines, selten war die Lage so undurchsichtig wie aktuell.

Das gilt auch gleich für den Montag. Sie sehen ja oben selber, dass trotz der Rally diese Woche der Abwärtstrend seit 01.03. im SP500 noch nicht gebrochen ist und der DAX nähert sich so stark den Allzeithochs, das alleine deshalb hier auch ein Rücksetzer in den Karten ist:

Vieles was diese Woche passiert und passiert ist, wird am Montag keine Relevanz mehr haben, das ist dann wieder ein ganz neues Spiel. Insofern lassen Sie uns mal ganz offen in das neue Quartal gehen, irgendwann wird uns der Markt schon klarer zeigen was er will.

Bis dahin sollten wir an der alten Logik festhalten und die ist:

Erstens ist der übergeordnete Trend aufwärts und den bekämpfen wir nicht, sondern gehen mit.
Zweitens sind die Risiken mangels echter Korrektur immer noch so hoch, dass man nur mit gebremstem Schaum mitgehen kann.
Drittens ist mittelfristig in Europa wohl kurstechnisch mehr zu holen, als in den US.

Damit wünsche ich Ihnen ein herrliches, sonniges Wochenende. Wir haben hier heute 22 Grad, ein Traum! 😉

Die kommende Woche ist für mich dann die Letzte vor einer zweiwöchigen Ferienmodus-Phase rund um Ostern.

Wir lesen uns heute sicher noch im Forum. Machen Sie es gut!

Ihr Hari

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Das vierte Quartal



Guten Morgen!

Mein Gott wie die Zeit verfliegt. Gedanklich bin ich immer noch im Sommer und für mich war es wie gestern, dass ich den Artikel zur -> Sommerstarre <- geschrieben habe.

Nun aber ist der Oktober da, das vierte Quartal auch, demnächst ziehe ich Winterreifen auf und in den Läden liegen schon Stollen und Lebkuchen. Furchtbar. Ehrlich ich habe null Lust darauf, ich möchte noch etwas Sommer und Wärme. Aber wie am Markt, spielt das was ich will, keine Rolle.

Am heutigen 3. Oktober, ist der deutsche Markt geschlossen, fast alle andere Märkte handeln aber ganz normal, die haben ja auch keine "Einheit" zu feiern. Auch China ist aber wegen des Nationalfeiertages geschlossen. Diese relative Ruhe ist guter Grund, mit diesem Beitrag mal einen ruhigen Blick auf das vierte Quartal zu richten.

Selbstverständlich ist die Zukunft ungewiss und ich kenne sie nicht. Aber einen groben Blick auf das 4. Quartal kann man trotzdem werfen, zumindest habe ich aktuell eine Erwartung. Ob die sich dann realisiert, ist eine ganz andere Frage.

Die groben Eckdaten des vierten Quartals kennen wir.

  • Die US Präsidentschaftswahl am 08.11.
  • Die FED am 02.11. kurz davor - an dem niemand etwas erwartet - und dann am 14.12., an dem die Mehrheit nun einen Zinschritt erwartet.
  • Die EZB am 20.10. und 08.12.
  • Das Verfassungsreferendum in Italien am 04.12., das lange als potentieller Strukturriss für die EU hochgespielt wurde. Wahrscheinlicher erscheint mir aber, dass es wie eigentlich immer in Italien läuft: es wird viel diskutiert aber es ändert sich wenig. -> Regierung bleibt - unabhängig vom Ergebnis <-
  • Und natürlich die Quartalssaison, die schon kommende Woche anläuft.

Grundsätzlich, bin ich den Märkten gegenüber immer noch latent positiv eingestellt. Denn auch wenn über den Sommer im 3. Quartal nach oben nicht viel ging, war das nach der Rally davor doch zu erwarten und umgedreht wird eher ein Schuh daraus - die Bären hatten mehrfach alle Chancen den Markt mal so richtig einbrechen zu lassen und alle diese Chancen wurden vergeigt.

Das ist Zeichen von Schwäche der Bären und nicht von deren Stärke, das Momentum liegt eher bei den Bullen und das Sentiment ist in keinem Fall euphorisch und von einem Charakter, der für eine unmittelbar bevor stehende Topbildung sprechen würde. Im Gegenteil, es scheint als klettern wir weiter eine "Wall of Worry" in der zu viele nicht ausreichend investiert sind. Auch das -> AAII Sentiment <- hat sich letzte Woche praktisch nicht in Richtung der Bullen bewegt und bleibt in eher skeptischem Territorium.

Eine einfache Reise wird das aber garantiert nicht, mitten im 4. Quartal dürften wir noch einen scharfen, Angst machenden, Abverkauf bekommen. Tom McClellan zeigt anhand von Daten des VIX warum: -> VIX well below its Future Contract <-.

Das deckt sich auch mit meiner Marktbeobachtung, denn der Markt wirkt nicht nur mittelfristig zu negativ, sondern auch was das Risiko scharfer Einbrüche angeht, zu gelassen. Der Markt ist also zu skeptisch und zu selbstgefällig gleichzeitig, er erwartet wohl, dass es mehr oder weniger seitwärts weiter geht. Eine Bewegung, die erst scharf einbricht, um dann zur harten Rally anzusetzen, würde viele Marktteilnehmer wohl auf dem falschen Fuss erwischen.

Das 2. und 3. Quartal haben halt ihre Spuren hinterlassen, in dem man nie etwas falsch machen konnte, wenn man auch den kleinesten Dip einfach im Sinne BTFD kaufte. Diese Haltung dürfte vom fiesen Mr. Market im 4. Quartal noch gezüchtigt werden, wir wissen nur nicht wann.

Oben darauf können wir noch saisonale Aspekte packen, die oft einen eher starken Start in den Oktober zeigen, bevor dann in der zweiten Oktoberhälfte und im November die Korrekturgefahr steigt, wonach zum Jahresende hin, wieder ruhiges Fahrwasser bevor steht.

Wenn wir das alle durcheinander quirlen, bekommen wir ein Bild, das nun Anfang Oktober noch Stärke zu lässt, weswegen ich mich gerade im Wetterbericht für diese Woche auch zu einer eher bullischen Haltung durchgerungen habe. Dazu passt auch, dass der Markt auf die ersten Wochen der Quartalssaison gerne mit Stärke reagiert, diese dann aber in der zweiten Hälfte abflaut.

Dann in der zweiten Oktoberhälfte und Anfang November, mit der US Wahl im Fokus, dürfte es "ruppig" werden und der scharfe Einbruch, der die nun aufgebaute Selbstgefälligkeit weg wäscht, dürfte Realität werden, bevor sich die "Hohoho" Ruhe des dicken Mannes in Rot und Weiss wieder über die Börsen legt.

So grob, erwarte ich das 4. Quartal.

Nun ist das so "logisch" und naheliegend, dass auch ganz viele andere ein solche Erwartung haben werden. Weswegen es *genau so* kaum eintreffen dürfte. Vor allem dieser ausstehende Ausverkauf, kann eigentlich nun immer kommen - auch diese Woche. Eine Indikation dafür, habe ich aber nicht, weswegen ich in die laufende Woche mit positiver Stimmung gehe.

Und diese Woche? Nun es ist die erste Woche des Monats. Und da haben wir wie immer am Freitag um 14:30 Uhr die wichtige US Arbeitsmarktdaten mit fast garantierter Volatilität. Wobei ich darin keine grossen Risiken mehr sehe, denn der Markt erwartet für den Dezember nun die Zinserhöhung und im November kurz vor der Wahl, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts passieren.

Heisst "zu gute" Daten sind kein Problem mehr, sie bestätigen nur die vorhandene Erwartung an Dezember. Und zu schlechte Daten, würde die Zinsphantasie wieder teilweise auspreisen, was in der Regel für den Markt nicht negativ ist.

Ansonsten ist die Woche voll mit Wirtschaftsdaten. Gerade hatten wir einen brauchbaren Tankan-Index aus Japan. Gleich kommen die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland und GB und am Nachmittag aus den US. Am Mittwoch haben wie die ADP Arbeitsmarktdaten und den ISM Dienstleistungsindex der US und dazwischen jede Menge "FED-Sprech" der diversen, an die Mikrofone drängenden, Mitglieder.

So siehts aus diese Woche. Ich erinnere daran, dass ich voraussichtlich - letzte Bestätigung steht aus - von Mittwoch Nachmittag bis Freitag vormittag unterwegs bin. Heisst volle Artikel, gibt es zuletzt am Mittwoch Morgen und dann wieder am Freitag Nachmittag zu den US Arbeitsmarktdaten. Dazwischen melde ich mich aber durchaus mal im Forum oder vielleicht sogar hier mit einem kurzen Statement.

Nun wünsche ich eine erfolgreiche Woche, zu konkreten Aktien und Opportunitäten melde ich mich am Nachmittag, wenn die Wallstreet eröffnet hat.

Ihr Hari

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Neue Woche, neuer Monat, neues Quartal, neues Jahr!



Guten Morgen liebe Mitglieder und Willkommen im Börsenjahr 2016!

Wir haben kurz 8 Uhr und die Vorzeichen aus Asien sind tiefrot.

Eine neue Woche, ein neuer Monat, ein neues Quartal und ein neues Jahr liegen nun vor uns. Mit dem ersten Post im Jahr, sind natürlicherweise noch keine grossen Schlüsse möglich, denn nun muss uns das Jahr erst einmal zeigen, aus welchem Holz es geschnitzt sein wird.

Sie kennen vielleicht die -> 5 Tage Regel <-, nach der in gut 70% der Fälle, die ersten 5 Tage des neues Jahres auch einen Hinweis zur Tendenz des Jahres geben. In 2015 war es erneut so, insofern werden ich nun sehr kritisch schauen, mit welchem Bein der Markt in 2016 aus dem Bett steigt.

Bevor ich mich aber den Ereignissen der Woche zuwende, ein paar Worte zum Blog selber.

Die neue Struktur, die in den letzten Wochen des alten Jahres sozusagen im "Probemodus" war, wird in 2016 zur Normalität werden.

Sie erhalten von mir also an einem Börsentag, der in keiner Ferienphase liegt, 2-4 Artikel pro Tag. Je einer am Morgen und am Nachmittag befasst sich mit den Aktualitäten und betrachtet Opportunitäten. An manchen Tagen, an denen entweder wenig los ist und/oder ich andere Verpflichtungen über Tag habe, bleibt es bei den 2 Artikeln. Meistens aber kommt ein 3. und manchmal auch ein 4. hinzu, die sich tendentiell mit Grundsätzlichem, Fundamentalem, Lehrreichem oder mit Sonderthemen befassen.

An aussergewöhnlichen Tagen wie bei der FED-Sitzung am 16.12., können es durch die Aktualität auch mal mehr als 4 Artikel werden, das sind aber sehr seltene Ausnahmen. Im Mittel über das Jahr, können Sie von ca. 3 Artikeln pro Börsentag (ausserhalb der Ferien) ausgehen.

Weiterhin werde ich meine Artikel etwas klarer thematisch strukturieren und wiederkehrende Überschriften verwenden, an denen man wiederkehrenden Inhalt erkennen kann. Das soll Ihnen helfen, den Inhalt besser aufnehmen zu können.

Zwei Beispiele folgen gleich heute in einer ersten Version und zwar "Hari´s Börsenwetter" und das "2016er Mean Reversion Depot", beide Formate werden uns das ganze Jahr begleiten.

So weit zunächst zur Struktur, nun zu den Ereignissen der ersten Handelswoche in 2016.

Selten habe ich ein Jahr so indifferent begonnen wie dieses. Es erscheint sehr viel möglich und die Zukunft liegt im Nebel. Eine grosse Rally und ein exorbitant gutes Börsenjahr, ist gegen die ganze, fühlbare Skepsis sehr wohl real möglich, wenn die Konjunktur in China und Europa tatsächlich anspringen sollte. Gerade die Industriesektoren, werden dann in 2016 herausragende Ergebnisse abliefern.

Aber auch eine teilweise 2008er Replik ist im schlimmsten Fall denkbar, wenn der Markt den Glauben an die Allmacht der Notenbanken verlieren sollte. Damit meine ich nicht einen echten Lehman-Einbruch, der 2008 im zweiten Halbjahr einsetzte. Es gibt derzeit keinen objektiven Anlass, von solchen Horror-Szenarien auszugehen.

Ich meine aber die schwache Entwicklung des ersten Quartals 2008, die sich an eine wie 2015 fehlende Jahresendrally nach vorheriger Topbildung anschloss. Ich zeige Ihnen den Verlauf damals hier noch einmal:

S&P500 2008 03.01.15

Das Fehlen einer echten Jahresendrally und ein Markthoch im November mit vorheriger Topbildung bei 2.100, sollten zur Vorsicht mahnen und passen zum Verlauf von 2007. Was dann zur echten Analogie noch fehlt, ist der nun im neuen Jahr sofort einsetzende Einbruch. Ob es so kommt? In einer Woche sind wir klüger, was heute früh aus Asien kommt, deutet aber schon in diese Richtung.

Wir sollten uns von der Bandbreite der Möglichkeiten aber nicht verrückt machen lassen, sondern mit einer hohen Cashquote schlicht demütig abwarten, was für Signale uns Mr. Market in dieser ersten Woche senden wird. Ich kann keinen Grund erkennen, hier und jetzt sofort den Helden zu spielen und massiv auf eine Richtung zu wetten, egal auf welche.

Schauen wir auf den Leitindex S&P500 sehen wir auch schnell, dass noch alles drin ist. Die grosse, *böse* Topformation, die ich im Artikel -> Das grosse Risiko <- thematisiert habe, ist ebenso real denkbar, wie ein Aufbruch zu neuen Hochs, der die aktuelle Struktur dann zu einer reinen Konsolidierung machen würde:

S&P500 02.01.15

Halten wir also aus gesicherter Position und Deckung heraus erst einmal die Füsse stil und beobachten wir. Wilde Prognosen und Herumraten überlassen wir anderen, dafür sind wir zu klug und erfahren.

Und diese Woche wird uns genügend Katalysatoren liefern, um den Markt zu testen. Der wichtigste Termin, sind wieder die grossen US Arbeitsmarktdaten am Freitag.

Heute Nacht hatten wir schon den chinesischen Caixin PMI, der mit 48,2 negativ herein kam und damit die Befürchtungen um die chinesische Konjunktur befeuert. Parallel dazu erleben wir gerade die Eskalation des Machtkampfs zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der den Ölpreis steigen lässt.

Beides zusammen ist eine derart toxische Mischung, dass die asiatischen Märkte weggekippt sind und in China sogar der Handel ausgesetzt wurde. Ein negativer Start ins Jahr ist also höchst wahrscheinlich.

Um 09:50, 10:30 und 16:00 MEZ kommen dann heute noch Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland, England und den US. Die Woche geht also gleich mit Karacho los.

Am morgigen Dienstag haben wir dann die EU Verbraucherpreise, die mit Blick auf die EZB besonders beäugt werden und am Mittwoch in den US die ADP Arbeitsmarktdaten und den ISM Dienstleistungsindex.

Besonderes Augenmerk sollten wir in der ersten Woche im Sinne des Artikels -> Erster 2016er Sektoren Ausblick <- weniger auf Einzelaktien, sondern mehr auf die Sektoren richten und dabei auf die wichtige Frage, ob sie hier eine Rotation gegenüber 2015 in Gang setzen sollte.

Denn mit dem neuen Jahr, stellt sich auch das "Big Money" die Frage, was die Favoriten für 2016 werden und deshalb ist der Moneyflow in den Sektoren besonders interessant.

So weit so kurz am Morgen des ersten Handelstages, für Schlüsse fehlen noch die Daten, die kommen ja erst in den kommenden Tagen.

Faktum ist, dass der Markt durch die Vorgaben aus Asien sehr negativ eröffnen wird. Wenn sich das über die Woche fortsetzen sollte, gibt das Anlass zu deutlicher Sorge im Sinne der oben gezeigten Struktur des 1. Halbjahrs 2008.

Es wird also nun sehr wichtig sein zu sehen, ob doch frisches Geld in den Markt kommt, wie am Jahresanfang üblich, das die Schwäche etwas kompensiert. Oder nicht, dann geht eine weitere Warnlampe an!

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Börsenjahr!

Ihr Hari

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Von Reitzle zu Büchele – what´s next Linde ?

Es ist immer wieder faszinierend, welche frappierenden Parallelitäten manchmal bei Kursentwicklungen entstehen und wie diese trotzdem unentdeckt bleiben.

Jetzt haben solche Parallelitäten nur begrenzte, reale Aussagekraft und sind vor allem optisch einprägsam. Und trotzdem haben sie einen Wert. Sie schärfen nämlich die Sinne für Möglichkeiten.

Und am Markt ist es darüber hinaus tatsächlich so, dass ein Muster das schon mehrfach aufgetreten ist, gute Chancen hat erneut aufzutreten. Eben weil das Muster auf dem Handeln der Marktteilnehmer beruhte und diese ändern ihr Handeln nur langsam.

Nun springt mir beim Gas Spezialisten Linde AG (WKN: 648300) so ein Muster ins Auge.

Treue Leser wissen ja, wie sehr ich die Aktie gemocht habe und wie lange ich da glücklich und zufrieden mitgeschwommen bin. Zu einem guten Teil beruhte das auf der Person von Wolfgang Reitzle, den ich für einen der fähigsten Manager halte, den deutsche Unternehmen zu bieten haben.

Nun hat Reitzle aber einen Nachfolger in Form von Wolfang Büchele, der ab Mai das Zepter übernimmt. Und Reitzle kann erst nach einer zweijährigen Abkühlphase an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln. Und in Folge der im Kern sehr sinnvollen Lincare Übernahme, kommen auch Probleme an die Oberfläche.

Dabei ist so ein Interregnum mit dem Wechsel von einem langjährigen Chef zum Nachfolger, sowieso selten eine gute Zeit in einer Aktie zu sein. Zu oft entstehen Verwerfungen und der neue Chef hat auch ein Interesse daran, erst einmal alles potentiell Problematische aus den Bilanzen zu holen und auf den Tisch zu legen. Weil wenn er das konsequent am Anfang macht, wird ihm das inhaltlich nicht zugerechnet. Darüber hinaus bekommt er für sein späteres Wirken einen tiefer gelegten Massstab. "Grossreinemachen" ist für neue Manager also auch in gut gepflegten Stuben, eine sinnvolle erste Amtshandlung.

All das macht mich sowieso erst einmal skeptisch, was Linde angeht. Und ich werde mich der Aktie erst wieder nähern, wenn Wolfgang Büchele fest im Sattel sitzt und mal ein paar Quartalsergebnisse abgeliefert hat.

Aber nun zurück zu den Mustern und schauen Sie mit mir mal auf das langfristige Chart der Linde AG mit Monatskerzen:

Linde 21.02.14

Die Parallelität springt ins Auge. Wir haben zwei Aufwärtstrend von ähnlicher Dauer und Verlauf. Wir haben einen "Buckel" in der Anfangsphase des Trends, eine klare und scharfe Korrektur mittendrin und eine kleinere Korrektur in der zweiten Hälfte. Und wir haben eine klare Abflachung der Aufwärtsbewegung und ein Auslaufen des Aufwärts-Momentums.

Beim letzten Mal hat es dann irgendwann *Boom* gemacht und es ging im Zuge der 2008er Krise scharf nach unten. Jetzt heisst das wirklich nicht, dass das zwangsläufig nun auch so kommen muss - wie oben gesagt, solche Parallelitäten sind nett, sollte man aber nicht überbewerten.

Aber zusammen mit den obigen Überlegungen, muss man sich wirklich die Frage stellen: "What´s next Linde ?" Und ich kann da im Moment nichts sehen, was mich dazu verleitet, mein Kapital da nun zu binden.

Lassen wir mal 2014 ins Land gehen und Herrn Büchele mal ein paar Quartale wirken. Dann kann man immer noch über einen Einstieg nachdenken.

Linde ist und bleibt ein tolles Unternehmen ! Aber auch bei tollen Unternehmen, kann man mal ein wenig Pause machen......

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Vom Aufhören, wenn es am schönsten ist – Korrektur voraus ? – 25.03.13

Vor fast genau einem Jahr, am 27.03.12, veröffentlichte ich hier einen Artikel -> vom Aufhören, wenn es am schönsten ist <-, mit dem ich die Korrektur des folgenden 2. Quartal schon vorweg nahm. Nach einem letzten Sprung am ersten Börsentag des April, setzten dann auch Abgaben und eine Korrektur ein, die den DAX damals vom März-Höhepunkt bei 7194 bis herab auf 5914 am 05.06.12 brachte. In Summe eine schmerzhafte Korrektur von 17,7%, die man sich hätte ersparen können, wäre man Ende März 2012, wie in meinem damaligen Artikel antizipiert, defensiver geworden.

Nun wiederholt sich Geschichte nicht und Börsenhistorie auch nicht, sie reimt sich aber. Und deshalb macht es Sinn, sich heute, am letzten Montag des März 2013, kurz vor den Osterfeiertagen, eine ähnliche Frage zu stellen.

Ist es nun Zeit auszusteigen und für ein paar Monate auf die Seitenlinie zu treten ?

Meine persönliche Antwort dieses Jahr lautet: Im Prinzip ja, aber vielleicht nicht sofort.

Denn etwas ist anders als letztes Jahr, der Optimismus ist weit geringer ausgeprägt. Wenn Sie sich erinnern, hatte ich ja vor einem Jahr parallel zu meinem Ausstiegsstatement eine Umfrage unter den Lesern durchgeführt. Und trotz meiner Fürsprache für erhöhte Defensive, konnten sich damals nur 50% dieser Sicht anschliessen. Die anderen 50% waren optimistisch für das 2. Quartal. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Umfrage heute, hinsichtlich des 2. Quartals ein negativeres Bild produzieren würde. Dieses verhaltene Sentiment findet sich auch im Markt wieder und kann zum Beispiel im AAII Indikator nachvollzogen werden.

Trotzdem steigt auch aktuell langsam der Optimismus. Das Trommeln der bekannten Anlegermagazine für die Aktienananlage ist da nur ein Indikator. Das Witzige dabei ist, ich sehe das auch so und bin überzeugt, dass man mittelfristig Aktien haben muss, eher als so manch andere Anlageklasse. Nur beim Timing haben die Anlegermagazine ja bekanntlich ihre Probleme. Und so wäre es kaum verwunderlich, wenn erst einmal ein giftige Korrektur das Sentiment bereinigt, bevor die Indizes dann ihren bullischen Lauf doch wieder aufnehmen.

Und da dieser fiese Mr-Market so gerne den Weg des maximalen Schmerzes geht, den Weg mit dem er die maximale Zahl an Marktteilnehmern auf dem falschen Fuss erwischt, kann ich mir den folgenden hypothetischen Ablauf gut vorstellen:

In diesem Szenario würden wir in Kürze die historischen Höchststände in DAX und S&P500 sehen. Möglicherweise noch diese Woche zum Quartalsende.

Sobald das passiert ist, werden viele Marktteilnehmer fest damit rechnen, dass nun zum Beginn des zweiten Quartals die lange erwartete Korrektur einsetzt. Das ist offensichtlich und wir sind nach 2000 und 2007 nun darauf konditioniert, oberhalb DAX 8000 mit dem Ende der Aufwärtsbewegung zu rechnen.

Alles was offensichtlich ist, macht aber Mr. Market äussert ungern. Wie denn auch, auf dem offensichtlichen Pfad haben sich die Marktteilnehmer ja schon positioniert, wer sollte da noch kaufen bzw. verkaufen ?

Deshalb spricht viel dafür, dass der Markt nach den historischen Höchstständen in den April hinein doch weiter hochläuft. Im DAX vielleicht 8200, 8300, 8400 erreicht. Im S&P500 über 1600 steigt. Bis zu dem Punkt, wo alle die, die auf die Korrektur gewartet haben, doch noch den Kursen hinterher hechten müssen. Denn die Korrektur kommt ja scheinbar nicht.

Dann aber, vielleicht Ende April bei DAX deutlich über 8000, kommt sie doch die Korrektur. Und zwar kurz und giftig und durch irgend etwas initiert, was wir heute noch nicht auf der Rechnung haben. Und sie treibt den DAX wieder bis mindestens 7500 herab, vielleicht bis 7200.

So ein Verlauf wäre ganz typisch für den fiesen Mr. Market. Und das ist das gedankliche, grosse Bild, mit dem ich im Moment bei meinen eigenen Anlagen operiere. Natürlich vorbehaltlich neuer Nachrichten, ein Krieg kann zum Beispiel schon morgen alles ändern.

Für meine Aufstellung im Investmentdepot, also für meine mittelfristige Sicht, bedeutet das aktuell:

  1. Ich baue mein Long-Exposure auf Aktien nun langsam durch Gewinnmitnahmen ab. Vor allem baue ich extrem gut gelaufene Titel ab.
  2. Ich behalte aber Long-Positionen von Aktien, die ihre Gegenbewegung gerade erst begonnen haben und noch viel Luft nach oben haben, wie zum Beispiel Klöckner oder E.ON.
  3. Ich behalte auch Long-Positionen von Aktien, die kaum Korrelation zu den breiten Märkten haben, wie zb Qiagen oder K+S.
  4. Ich baue langsam selektive Short-Positionen auf. Und zwar von zu weit gelaufene Aktien mit hohem Beta. Ein klassischer Kandidat wäre zum Beispiel die im Forum schon diskutierte Dürr.
  5. Den breiten Markt in Form der Indizes shorte ich aber noch nicht. Erst dann, wenn der breite Markt echte Brüche zeigt und die Abwärtsbewegung in Gang gekommen ist. Erst dann ist es Zeit für massive Shorts und dann ist es noch früh genug.
  6. Ich erhöhe die Cash-Quote Zug um Zug auf bis zu 50%.

Nehmen wir mal an, der Markt erreicht Ende April tatsächlich DAX 8300. Dann will ich zu diesem Zeitpunkt wie folgt aufgestellt sein:
20% Selektive Longs wie oben definiert
10% Selektive Shorts
20% Indizes Short
50% Cash
Das ist meine Zielstruktur für eine Korrektur im 2. Quartal.

Mittelfristig, zum Jahresende 2013, bin ich weiter eher optimistisch und rechne mit neuen Höchstständen. Aktien sind in der aktuellen Welt der wahnsinnigen Gelddruckmaschinen einfach alternativlos. Und das merken auch wieder mehr und mehr Privatanleger, wie man an den Vorstellungen hier im Forum zum Teil auch erkennen kann. Insofern gehe ich weiter von Mittelzuflüssen an die Aktienmärkte aus und wenn die "Great Rotation" mal so richtig in Gang kommt, dann sind auch DAX 10.000 keineswegs utopisch.

Aber bis dahin besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das 2. Quartal für uns noch eine giftige Korrektur parat hat, die das Sentiment bereinigt und alle schwachen und zu spät gekommenen Hände schmerzhaft abschüttelt. Diese Korrektur einigermassen zu erwischen, stellt dann die Grundlage für eine tolles Jahresergebnis dar und garantiert im Jahr 2013 die Märkte mit dem eigenen Depot zu schlagen.

In meinen Augen ist es nun also Zeit, temporär und taktisch vorsichtiger zu werden. Zeit mal Gewinne mitzunehmen bzw Stops nachzuziehen. Für massive Shorts ist es aber nach aktueller Marktlage noch zu früh. Folgen Sie dem Markt und shorten Sie erst dann, wenn der Markt schon deutlich wegkippt, das CRV ist dann weit besser als im Moment.

Ihr Hari

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