Ideen zur Jahresendrally – Vivendi, Agco, China – 26.11.12

Statt den Markt zu analysieren, will ich heute einfach mal drei Anlage-Ideen mit Ihnen teilen. Und zwar Vivendi, Agco und China.

Nehmen wir also einfach mal theoretisch an, wir bekommen jetzt eine Jahresendrally und vielleicht sogar einen guten Jahresanfang. Wo liegen dann Gelegenheiten, die eine interessante Investition darstellen könnten, ohne mit zu grossen Risiken behaftet zu sein.

Ich werde dabei bewusst die Themen, die ich hier schon in eigenen Artikeln thematisiert habe, wie zb die Edelmetalle und entsprechenden Minen, oder Spanien, SAP, Linde, ABB, Nokia oder Salzgitter, nicht erneut thematisieren. Das bedeutet aber nicht, dass diese Themen nicht mehr aktiv wären. Die drei Ideen die nun folgen, habe ich bestenfalls mal in einem Kommentar oder Live-Tip erwähnt, den nicht zwingend jeder gesehen hat.

Viel Spass, schauen Sie sich die drei Ideen mal selber an, die ich hier nur sehr kurz anreisse. Und lassen Sie uns an Ihren Gedanken dazu teilhaben.

Vivendi (WKN 591068)

Der französische Medienkonzern war lange durch hohe Überschuldung gelähmt. Insbesondere da das alte Management nicht bereit war, dass Konglomerat aufzulösen und so den Konglomeratsabschlag vom Tisch zu schaffen. Ende Juni wurde dann der ehemalige CEO Levy abgelöst, auch durch das Betreiben der Grossaktionäre im Hintergrund. Nun steht scheinbar die Aufspaltung des Konzerns auf der Agenda.

Damit kann endlich der innere Wert des Konglomerats gehoben werden. Die Börse honoriert es schon jetzt, die Fundamentaldaten sehen attraktiv aus und der Chart hat eine nahezu perfekte Cup & Handle Formation gebildet. Sehen Sie selbst. Kursziel 20€.

Agco (WKN 888282)

Der Traktoren und Landmaschinen Hersteller Agco (unter anderem Markt Fendt) hat eine attraktive Bewertung, ein langjähriges, eingespieltes Management, zuletzt einige Insiderkäufe, bewegt sich in einem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld und sitzt auf einem klaren Aufwärtstrend. Alles Parameter eines sehr sauberen Trades mit klarem Stopniveau und damit definiertem Risiko. Werfen Sie mal einen intensiveren Blick auf diesen Titel, ich habe ihn schon mehrfach kurz erwähnt.

China

China, wie bitte ? Ja ganz einfach China. 🙂 Denn China hat nun nach längerem Interregnum eine neue Führung. Und es ist ganz typisch, dass in einem Führungsvakuum auch die Infrastruktur-Investitionen auf Hold gesetzt werden. Besonders in einem zentralistischen System. Zumal in einem Land, das so von den Interessen der Parteifunktionäre durchzogen ist. Das lähmt den ganzen Apparat über alle Ebenen, nicht sicher zu wissen, wer in Zukunft die Hand ist die straft - oder eben füttert. Und vor allem nach welchen Regeln gefüttert wird. 😉

Diese Unsicherheit ist nun verschwunden. Gleichzeitig geben Wirtschaftsdaten und Inflationsrate Raum für staatliche, expansive Massnahmen. Es gehört also nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass nun eine Phase der staatlichen Ausgabenprogramme vor uns liegt. Und nach Jahren der Seitwärtsbewegung, haben auch die Aktienmärkte Exzesse der Vergangenheit teilweise verarbeitet.

In China muss man natürlich immer mit dem Risiko plötzlicher Verwerfungen leben, denn das politische System ist weit weniger stabil, als es aus der Ferne scheint oder uns die Führung glauben machen will. Zu gross sind die Gegensätze im Land und ohne entsprechendes Wachstum, das letztlich vielen Wohlstand verschafft, dürfte es schnell zu Unruhen kommen. Das weiss aber die Führung und hat deswegen gar keine andere Wahl als zu stimulieren und investieren.

Sicher nicht der schlechteste Zeitpunkt, um China wieder auf den Radar der Anlage zu nehmen. Wer sich nicht dem Risiko einzelner Aktien aussetzen will, die aus der Ferne nur schwer zu verfolgen sind, kann zu diversen ETFs greifen. Zum Beipiel zum iShares China Offshore 50 (WKN A0F5UE) der 50 grössten in Hongkong notierten Werte.

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Aktientip – 25.07.12 – Aktien die attraktiv aussehen

17:00 Uhr

Im folgenden möchte ich ein paar Aktien-Ideen mit Ihnen teilen, die ich im Moment - mit einem Horizont bis zum Ende des 3. Quartals - als attraktiv erachte. Attraktiv deshalb weil sie entweder:

(a) von der Eurokrise unabhängig sind, oder
(b) attraktive technische Setups haben, oder
(c) eine besondere Wachstumsstory besitzen.

Die meisten wurden hier schon besprochen oder in den "Tips" zumindest schon erwähnt. Mit der folgenden Übersicht, möchte ich sie aber explizit in Erinnerung rufen.

Zu Beginn sei an die vor zwei Wochen -> hier <- vorgestellten Aktien von Linde (WKN 648300), SAP (WKN 716460) und ABB (WKN 919730) erinnert. Meine Sicht auf diese drei Titel ist unverändert positiv und die Entwicklung der letzten beiden Wochen unterstreicht das.

Broadcom (WKN 913684) ist Weltmarktführer im Bereich der Kommunikationschips, die in Smartphones, Notebooks etc eingesetzt werden. Für einen Bluechip im Techbereich ist Broadcom attraktiv bewertet und legt gerade eine fulminante Wende hin, die durch die guten Quartalszahlen von gestern unterstrichen wird. Im Bereich Tech ist Broadcom ein Basisinvestment. Wer es im Bereich Kommunikationschips etwas aggressiver mag, kann ja alternativ mal einen Blick auf Marvell Technology (MRVL, WKN 930131) werfen.

iRobot (WKN A0F5CC) , der innovative Roboterhersteller im Bereich Home und Militär, litt zuletzt unter verschobenen Aufträge des US Governments, während die Home-Sparte ausgezeichnete Zahlen lieferte. Die Börse hat iRobot übertrieben abgestraft, denn das Problem der Government-Aufträge scheint mir ein temporäres zu sein und ansonsten ist das Unternehmen ausgezeichnet aufgestellt. Damit reichten heute besser als erwartete Zahlen um den Kurs um 18% nach oben zu katapultieren. Aber auch nach dieser Bewegung hat iRobot nach meiner Erwartung noch jede Menge Luft nach oben, basierend auf einer überzeugenden Wachstumsstory und einem profitablen Geschäftsmodell. Schauen Sie sich einfach mal den Chart mit dem riesigen Gap vom Februar an, das durch die verschobenen Government-Aufträge aufgerissen wurde.

Der Energiedienstleister Halliburton (WKN 853986) profitiert wie sein Mitbewerber Baker Hughes (WKN 8729339) vom Boom der Förderung unkonventioneller Energiequellen, insbesondere im Bereich Gas. Die Aussichten der Industrie sind mittelfristig ausgezeichnet, während die Aktien gerade eine Bodenbildung abschliessen bzw wie Halliburton eine klare inverse "Schulter-Kopf-Formation" vollendet haben. Hier empfehle ich, sich mit den Aussichten der Förderindustrie einmal ausführlich zu beschäftigen. Die aktuellen Kurse sehen in meinen Augen nach Einstiegschancen aus.

Rheinmetall (WKN 703000) ist - Überraschung 😉 - auch dabei. Zum Geschäft habe ich schon mehrfach alles gesagt, das Rüstungsgeschäft ist in meinen Augen gegenüber anderen Firmen zB in den US deutlich unterbewertet. Und sollte die Bundesregierung die Richtlinien für Rüstungsexporte den EU Standards angleichen, sollte Rheinmetall massiv profitieren, denn "German Engineering" ist weltweit heiss begehrt. Weitere Kurstreiber könnten der weiterhin offene Börsengang von Kolbenschmidt-Pierburg oder eine mögliche Fusion mit Krauss-Maffei-Wegmann sein. Und der Kurs zeigt relative Stärke, die Aktie zeigt keinen grossen Abgabedruck mehr, was Kurse über 40€ beim nächsten Aufwärtstrend für mich wahrscheinlich macht. Sollte Rheinmetall die 38€ nicht nachhaltig verlieren, ist der Aufwärtstrend völlig intakt. Und fundamental gesehen gilt für mich, dass ich nicht ernsthaft über einen vollständigen Verkauf meiner Positionen nachdenke, solange Rheinmetall nicht über 50€ notiert. Denn dort - erst über 50€ - würde ich persönlich den fairen Wert des Unternehmens ansiedeln.

Attraktiv bewertet, im Aufwärtstrend und mit relativer Stärke ist auch ganz klar K+S (WKN KSAG88) unterwegs. Ein Basisinvestment im Bereich Agrardünger und Salze, alternativ könnte sich der Blick auch auf die norwegische Yara (WKN A0B07F) richten. Der ganze Sektor ist aktuell von attraktiven Aussichten geprägt und zeigt das auch mit grossen Zuflüssen von "Big Money".

Soweit eine kleine Auswahl aus meinen aktuellen Favoriten, ich wünsche Ihnen viel Erfolg und ein gutes Händchen !

Ihr Hari

PS: Ich vergass: Qiagen (WKN 901626) die "SAP unter den Biotechunternehmen". Von mir am 09. November -> hier <- vorgestellt und seit dem über 25% im Plus. Trotzdem für mich immer noch ein klarer, langfristiger Kauf im Sinne "Buy and Hold".

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Linde, SAP, ABB – drei substanzstarke Aktien, die ich nun für Buy&Hold interessant finde

Hier ist eine kleine Liste von drei substanzstarken Aktien aus dem deutschsprachigen Raum, die ich Stand 10.07.12 für eine langfristige Anlagestrategie im Sinne Buy&Hold interessant finde. Alle drei Titel sind aktuell in meinem Investmentdepot als langfristige Anlage.

Diese Liste dient nur dazu Ideen zu generieren, ich verzichte also auf Charts und detaillierte Analysen. Sie sollten sich die Titel daher selber genau anschauen und unbedingt Ihre eigenen Schlüsse ziehen. Denn was für mich Sinn macht, muss noch lange nicht für Sie sinnvoll sein !

Linde (WKN 648300)

Linde ist in meinen Augen eines der bestgeführten Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel, schauen Sie im Zweifel noch einmal in -> diesen <- Artikel hinein. Mit der Übernahme der amerikanischen Lincare ist Wolfgang Reitzle nun ein weiterer Coup gelungen, der zu einer sinnvollen, weiteren Diversifizierung des Geschäfts führt. Damit schafft er den Eintritt in den amerikanischen Gesundheitsmarkt. Die aktuelle Schwäche ist nur auf die Kapitalerhöhung zurück zu führen, die nun aber abgeschlossen ist. Ansonsten mag die Börse den Deal, obwohl der Kaufpreis sportlich ist. Die Übernahme hat übrigens etwas historisches, denn sie beendet 90 Jahre Unrecht. Denn Lincare war letztlich das US Geschäft von Linde, das 1917 im 1. Weltkrieg durch die US Regierung einfach enteignet wurde.

Wer wie ich von den Management-Qualitäten der Linde-Führungscrew überzeugt ist, hat hier vielleicht die Gelegenheit, zu einem guten Kurs in einen Weltmarktführer mit grosser Erfolgsgeschichte einzusteigen und diese Position langfristig zu halten.

SAP (WKN 716460)

Ich war über viele Jahre sehr, sehr skeptisch was SAP angeht, weil ich die Tendenz der Walldorfer Entwickler zum teuren "Overengineering" aus eigener Anschauung kannte und ich auch wusste, wie träge und satt die Organisation im Erfolg geworden war. Noch zu Zeiten von Leo Apotheker an der Spitze, hätte ich SAP nicht mit der Kneifzange angepackt, zumal Apotheker auf die sowieso vorhandene Problematik der SAP nach meiner Wahrnehmung noch seine eigene Hybris oben drauf setzte. Nun scheint es der "grauen Eminenz" Hasso Plattner aber gelungen zu sein, die Wende einzuleiten. Mit Bill Mc Dermott und Jim Hagemann Snabe hat SAP nun eine gute funktionierende Doppelspitze, man merkt richtig wie der SAP nun frisches Leben eingehaucht wird.

Plötzlich agiert SAP auch im M&A Bereich aggressiv, wie die Übernahme von Ariba beweist. Auch was die Modernisierung des Produktportfolios angeht, scheint SAP grosse Fortschritte zu machen. Man hat fast den Eindruck, als hätte jemand die Fenster aufgemacht und den alten "Muff" heraus gelassen. Gleichzeitig sind die gewaltigen Margen aus dem Kerngeschäft aber nicht ernsthaft gefährdet, weswegen Gewinnmargen um die 30% weiterhin die Regel sein sollten. So bleibt SAP eine Cashcow, die weit höhere KGV Multiples als normal rechtfertigt. Mit dem Rücksetzer auf Kurse um 45€, könnte nun wieder ein langfristig interessantes Einstiegsniveau erreicht sein.

ABB (WKN 919730)

Schon mehrfach habe ich die schweizerische ABB besprochen, zum Beispiel im Mai -> hier <-. Und ich wiederhole mich trotzdem ! Denn wir haben hier ein stocksolides Unternehmen, Weltmarktführer im Bereich der Energie-Infrastruktur, das in den kommenden Jahren massiv von der Änderungen in der Stromerzeugung profitieren sollte. Oder glaubt hier jemand, dass die Stromnetze in den nächsten Jahren keine grossen Investitionen brauchen ? Gleichzeitig notiert ABB nun in der Nähe von Tiefstständen, die zuletzt 2008 unterschritten wurden und 4% Dividendenrendite sind dann das "Zückerli". Schnelle Gewinne sind bei ABB nicht zu erwarten, aber für eine langfristige Anlage erscheint mir ABB als attraktiver Titel.

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Hari´s Märkte am Abend – 25.05.12 – Wochenabschluss – DAX Lagebesprechung

19.30 Uhr - heute etwas früher, da ich nicht glaube, dass heute am Markt noch viel passiert.

Zum Abschluss der Woche und in Vorbereitung auf die kommende Woche, möchte ich heute eine Reihe von Punkten ansprechen, die mir im Moment bedeutsam erscheinen.

TAKTISCHES

Lassen wir mal die ganze Politik beiseite und schauen mal nur auf den Chart des DAX. Ich habe dazu den Chart des Futures in der Stundensicht gewählt, weil wir dort wegen der Handelszeit bis 22 Uhr weniger Gaps haben und daher eine kontinuierliche Entwicklung sehen können. Lassen Sie sich von der Komplexität des Bildes nicht verwirren, ich werde weiter unten die Szenarien erklären.

Denn ich will Ihnen zeigen, dass man die aktuelle Entwicklung ebenso bullisch wie bärisch interpretieren kann, je nachdem welchen Blickwinkel man einnimmt.

Betrachten wir zunächst das bullische Szenario, das durch die grünen Linien gekennzeichnet ist. Man kann argumentieren, dass wir einen Abwärtstrend hatten, der durch die Bewegung vom 21.05., vom Montag dieser Woche, gebrochen wurde. Weiter kann man argumentieren, dass die Tiefs von Montag zwar getestet, aber danach nicht mehr gebrochen wurden. Als Folge hat sich eine Trendlinie immer höhere Tiefs gebildet, die ein Zeichen für eine Trendwende sein könnte. Und man kann argumentieren, dass der Non-Event des EU Sondergipfels ja eigentlich schlechte Nachrichten waren, weil Hoffnungen zerstoben. Und trotzdem hat der Markt keine neuen Tiefs gebildet, normalerweise ein Indiz für eine bevorstehende Wende nach oben.

Im bärischen Szenario würde man zunächst den typischen Ablauf solcher Korrekturen sehen. Nach einem ersten Absturz kamen wir in der starken Unterstützungszone um 6400 zum halten und haben danach eine Seitwärtsbewegung durchgemacht, in der wir versuchten die vorherige Unterstützungszone von 6600 zurück zu erobern, die nun zum Widerstand geworden war. Nachdem das mehrfach nicht gelang und durch die Seitwärtsbewegung die überverkaufte Markttechnik abgebaut war, gab es den ganz typischen nächsten Schwall nach unten, der erst oberhalb 6200 zum Halten kam. Nun begann das gleiche Spiel, 6400 war zum Widerstand geworden und mehrfache Versuche diese Marke zurück zu erobern scheiterten. Mit dem heutigen Tag ist der überverkaufte Marktzustand auch wieder deutlich abgebaut, was Raum für den nächsten Schwall nach unten schafft, der dann eine Zone 6000-6200 etablieren könnte. Und im übrigen haben wir zu keinem Zeitpunkt die Linie des 200er Durchschnitts zurück erobern können, der durch die feine schwarze Linie dargestellt ist. Das ist eher das Zeichen eines bestehenden Abwärtstrends.

Soweit die beiden Sichtweisen. Sie merken vielleicht schon aus meinen Worten, das ich rein von dem her was ich im Chart sehe, eine leichte Präferenz zum bärischen Szenario habe. Für mich sieht das was der Markt aktuell macht eher nach einer Konsolidierung vor der nächsten Abwärtsbewegung, als nach einer Wende aus. Allerdings hat die markttechnische bzw charttechnische Analyse in so einem politischen Umfeld natürlich massive Grenzen, diese liefert nur dann brauchbare Erkenntnisse, wenn der Markt ohne starken Einfluss von aussen alleine schwingen kann.

Das ist aber definitiv nicht der Fall, am Ende entscheidet die Politik und der griechische Wähler über das kurzfristige Schicksal des DAX. Insofern bleibe ich bei meiner schon geäusserten Sicht einer leichten (55:45) Präferenz für weiter fallende Kurse. Substantiell geändert werden kann das Bild bis zum 17.06. wohl nur durch überraschende Entwicklungen, die wir alle im Moment noch nicht sehen.

Insofern, abwarten, Tee trinken und Kapital schützen. So einfach kann Strategie sein und so schwierig ist das umzusetzen. 😉

STRATEGISCHES

Je mehr ich darüber nachdenke, lese und verstehe, desto mehr wird mir klar, dass das Thema des "Shale Gas" in den US zu einem echten "Game-Changer" mit weltweiten Konsequenzen wird. Es sieht so aus, als ob den USA damit auf Jahrzehnte eine billige Energiequelle zur Verfügung steht, als Folge davon könnte die USA zu einem Netto-Exporteur von fossilen Energierohstoffen werden. Schon heute ist eine Anpassungsbewegung im Gange, in deren Folge Kraftwerke und energieintensive Industrie auf Gas umstellen. Und die US Administration fördert das massiv.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind erheblich. Geopolitisch dürfte der Nahe Osten mit seinen Ölvorräten damit seine strategische Bedeutung für die USA langsam verlieren, aber auch Länder wie Russland, die ausser Öl und Gaslieferungen nicht viel zu bieten haben, dürften mittelfristig ein Problem bekommen. Noch wichtiger ist aber der Effekt auf die amerikanische Schwerindustrie, die einen rasanten Wiederaufstieg erleben dürfte. In den alten, abgewrackten Industrieregionen rund um Pittsburgh macht sich jetzt schon Aufbruchsstimmung breit. Denn billige Energie verschafft der US Industrie erhebliche Wettbewerbsvorteile. Und das betrifft nicht nur die Schwerindustrie, sondern alle Industriezweige, die Öl als Kostenfaktor haben, so auch die Chemieindustrie wie zum Beispiel die alt ehrwürdige Dow Chemical (WKN 850917). Die BASF (WKN BASF11) hat das übrigens auch erkannt und baut schon in den USA ein Werk. Falls Sie es übersehen haben, sollten Sie unbedingt -> dieses <- Interview mit dem US Chef von BASF lesen.

Übrigens, wir in Europa könnten den gleichen Boom erleben, so gibt es zum Beispiel in Polen, aber auch bei uns in der Norddeutschen Tiefebene, wahrscheinlich erhebliche Vorkommen unkonventionellen Gases, die gefördert werden könnten. Zumindest bei uns in Deutschland ist das aber unvorstellbar, da wären schon diverse Bürgerinitiativen vor. In Deutschland wehrt man sich zunehmend gegen alles, das die vermeintlich "heile" Welt vor der Haustür verändern könnte. Sie müssen sich einmal vorstellen, am Südrand des Schwarzwaldes bei Bad Säckingen wehren sich Bürgerinitiativen sogar gegen ein Pumpspeicherwerk, also gegen einen "ach so bösen" Speichersee oben im Schwarzwald, der als Energie-Zwischen-Speicher dienen soll und in der Nähe eines schon vorhandenen Speichers gebaut werden soll.

Ich kenne übrigens den Ort an dem gebaut werden soll und kann nur sagen, mir fehlt jedes Verständnis für Widerstand gegen das Projekt. Es gibt wohl kein Bauwerk im Bereich Energie, dass umweltfreundlicher ist und weniger Emissionen, Lärm und Risiko beinhaltet, als ein ruhiger, blau schimmernder Speichersee ! Und damit die Energiewende mit erneuerbarer Energie überhaupt gelingen kann, brauchen wir zwingend Stromspeicher, denn Sonne und Wind sind halt nicht 24 Stunden rund um die Uhr verfügbar. Was wäre also naheliegender, als neben einen schon vorhandenen Speicher noch einen grösseren zu setzen ? Aber selbst das ist nun nicht mehr gewollt, für einige Mitbürger scheint Wohlstand einfach vom Himmel herab zu fallen und der Strom aus der Steckdose zu kommen. Wenn Sie es nicht glauben, lesen Sie -> hier <-

Den USA steht nach meiner Erwartung auf jeden Fall eine positive Entwicklung bevor, das Bankensystem ist stabilisiert, der Häusermarkt zieht an, die Verbraucher fassen Vertrauen, das Land hat eine positive demographische Entwicklung und nun kommt noch billige Energie oben drauf. Und wer glaubt, dass Amerika seine "yes we can" Mentalität verloren hätte, der kennt das Land sowieso nicht. Diese war unter Depression verschüttet, gehört aber zur "genetischen Ausstattung" der amerikanischen Nation und wird sich wieder durchsetzen. Ich erwarte in den nächsten Jahren daher einen beeindruckenden industriellen Wiederaufstieg der USA, während Europa sich auf absehbare Zeit selbst lähmt. Auf meine Anlageschwerpunkte hat das schon heute deutliche Konsequenzen. Und wenn man sich dann noch einige mögliche Konsequenzen der Eurokrise ausmalt, macht es jede Menge Sinn einen Teil seines Depots im Dollarraum zu haben.

SELEKTIVES

Sie erinnern sich vielleicht daran, dass ich mich hier zuletzt mehrfach über das Management der Aixtron (WKN A0WMPJ) mokiert hatte, dass einerseits die Anleger mit Hoffnung beruhigt, andererseits aber da wo es zählt, beim eigenen Geld, keinerlei Anstalten macht die Ernsthaftigkeit der eigenen Worte durch Insiderkäufe zu untermauern. Nun hatten wir am 17. und 21.05. sogar einen massiven Insiderverkauf in Höhe von zusammen 1,7 Millionen € ! Jetzt ist nicht jeder Insiderverkauf gleich ein Grund in Panik zu geraten, auch Insider wollen mal was finanzieren und brauchen ihre Mittel an anderer Stelle. Trotzdem frage ich Sie: Wenn Sie beim eigenen Unternehmen, dessen Auftragsentwicklung Sie sehr gut kennen, davon ausgehen würden, dass die Wende im Gange ist und dass der Kurs im 2. Halbjahr wieder bei 16-18€ steht, würden Sie dann heute 1,7 Millionen zum Kurs von 13€ auf den Markt werfen ? Ich definitiv nicht, da hole ich mir dann lieber eine Zwischenfinanzierung, wenn ich das Geld wirklich brauche.

Ganz im Gegensatz dazu ist in meinen Augen übrigens der Kabelhersteller Leoni (WKN 540888) zu sehen, ein Unternehmen mit attraktivem Produktportfolio und klarem Wachstumstrend. Hier ist der Kurs im Zuge der Marktschwäche deutlich herunter gekommen und nun haben am 18., 21. und 22.05 drei Vorstände für zusammen ca. 420 Tausend € eigene Aktien gekauft. Das sieht eher nach Vertrauen in das eigene Unternehmen aus !

Wer mich fragt, welches Papier ich aktuell im Sinne von "Buy and Hold" in mein Depot legen würde, dem würde ich die schweizerische ABB (WKN 919730) nennen. ABB ist marktführend im Bereich Energie-Infrastruktur und dürfte massiv von den absehbaren Umbrüchen, auch durch die "Energiewende", profitieren. Kurzfristig leidet auch ABB natürlich etwas unter der Eurokrise, da bei diesen Grossprojekten auch immer politische Einflüsse eine Rolle spielen, wir konnten das ja zuletzt auch bei den Windkraft-Projekten von Siemens (WKN 723610) beobachten. Insofern sind kurzfristige Sprünge beim Kurs der ABB eher unwahrscheinlich. Aber mittelfristig führt an anderen Energienetzen und damit an ABB wohl kein Weg vorbei, selbst bei weiterer Krise in Europa.

Schaut man sich die aktuelle Kursentwicklung und Bewertung an, sieht man, dass die stocksolide ABB derzeit zu höchst attraktiven Kursen zu haben ist, sehen Sie selbst im Stundenchart, das den Kursverlauf des letzten Jahres abbildet:

In meinem Investmentdepot ist ABB nun auch vertreten und ein Titel, mit dem ich tatsächlich "Buy and Hold" umsetzen werde. Denn ich sehe langfristig erhebliche Chancen und kann ganz entspannt bis dahin warten, 4% Dividendenrendite versüssen die Wartezeit. Wer ganz sicher gehen will nicht deutlich ins Minus zu rutschen, legt einen Stop auf ca. 11,50 €.

WISSENSWERTES

Ich hatte ja zuletzt einiges über SpaceX, Tesla (WLN A1CX3T) und Elon Musk geschrieben und Tesla schon im Februar -> hier <- thematisiert. Nun ist im Handelsblatt ein interessanter Artikel erschienen, den ich Ihnen zum Lesen empfehle:
-> Elon Musk auf Apples Spuren <-

Am kommenden Pfingstmontag ist die Börse in Frankfurt zwar geöffnet, das dürfte aber einer der sinnlosesten Handelstage seit langem werden. Denn nicht genug damit, dass wegen des langen Wochenendes viele Marktteilnehmer sowieso lieber bei ihren Familien sind. Nein, dieses Jahr fällt in den US auch noch der Memorial Day auf den Pfingstmontag, weshalb die US Börsen geschlossen sind. Den kommenden Montag kann man also börsentechnisch wohl komplett ignorieren.

Bedenken Sie bitte auch, dass ich nächste Woche Urlaub von der Börse mache. Ich bin im Lande und werde gerne auf Kommentare reagieren, insofern keine Scheu, schreiben Sie. Und ich werde vielleicht sogar mal den einen oder anderen Beitrag im Blog verfassen. Ich werde aber die Börse nur mit einem Auge beobachten und daher wird es nach Handelsschluss auch keine "Märkte am Abend" geben. In der übernächsten Woche sollte dann alles wieder normal laufen.

Ich wünsche Ihnen schöne Pfingstfeiertage und viel Erfolg in der kommenden Woche !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 07.03.12 – regungslose Spannung

22 Uhr - Handelsschluss

Es sind nicht immer die besonders volatilen Tage, die besonders spannend sind. Auch heute war es sehr spannend, weil jeder die Frage vor sich herschiebt: kommt noch Teil 2 des Absturzes oder war es das schon ?

Ich habe deshalb heute auch zweimal ein kurzes Marktupdate geliefert, um Ihnen ein Gefühl dafür zu geben, wie sich meine Sichtweise im Laufe des Tages ändert. Denn die Frage die man sich permanent stellt lautet: "Wie denken die anderen im Markt ?"

Denn was man selber erwartet ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, was der Marktkonsens ist, was also die Mehrheit erwartet. Schafft man es diesen Marktkonsens zu erkennen oder zu antizipieren, hat man einen Edge und kann daraus Entscheidungen ableiten. Denn zu oft ist der Marktkonsens genau das, was nicht eintrifft. Das ist ja auch nicht verwunderlich, denn wenn alle schon gekauft haben weil sie von steigenden Kursen ausgehen, kann niemand mehr kaufen und die Kurse müssen fallen. Und umgekehrt.

Der heutige Tag hat bei dieser Frage aber keine Auflösung gebracht, wie ich ja schon gestern hier vermutet hatte. Nach den heutigen Bewegungen ist nach wie vor alles möglich. Der kleine "Buy-the-Dip" war gemässigt und weder so hoch, dass man ihn besonders erwähnen sollte, noch so schwach, dass man daraus eine besondere Marktschwäche ableiten könnte.

Bei aller Spannung ist heute also nicht viel passiert - regungslose Spannung sozusagen.

Morgen haben wir dann Grosskampftag. Um 13 Uhr Zinssatz Bank of England, um 13.45 Uhr Zinssatz EZB , um 14.30 Uhr Beginn Pressekonferenz EZB, um 14.30 Uhr Anträge Arbeitslosenhilfe in den USA und um 21 Uhr das grosse Finale des griechischen Schuldenschnitts mit dem Ende der Annahmefrist.

Morgen wird also wohl ein volatiler Tag, der unsere ganze Aufmerksamkeit benötigt. Wenn zu Griechenland nicht schon vorab ein positives Ergebnis verkündet wird, dürfte das für die deutschen Anleger eine ziemlich ärgerliche Hängepartie über Nacht werden, deren Auflösung man dann im DAX am Freitag Morgen mit einem grossen GAP nach oben oder unten zur Kenntnis nehmen darf.

Also mache ich es heute kurz um Kraft und Schlaf zu tanken, zumal ich die letzten Tage ja viel geschrieben habe.

Ein paar kurze Ideen möchte ich Ihnen heute aber trotzdem noch an die Hand geben, und zwar möchte ich Ihnen das Universum der "Energie-Infrastruktur-Aktien" in Erinnerung rufen. Denn dieses Segement profitiert ebenso von dem wachsenden Energiebedarf der Welt, wie auch von den Investitionen im Rahmen der erneuerbaren Energien.

Und besonders auffällig war in der aktuellen Korrektur, dass sich alle unten genannten Aktien durch relative Stärke ausgezeichnet haben und nur mässig abgegeben haben. Ich werde die Aktien im folgenden nicht ausführlich besprechen, und nicht jede dieser Aktien muss man vom Timing her nun auch unbedingt gerade jetzt kaufen. Aber alle 4 Aktien haben ein attraktives Geschäftsmodell im Bereich "Energie-Infrastruktur" und eine ausgezeichnete Marktposition und sind immer einen Blick wert, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:

1. ABB (WKN 919730) - der schweizer Stromspezialist ist der Blue-Chip im Bereich Energie-Infrastruktur schlechthin und hat nach einer Konsolidierung wieder interessante Kurse.

2. Schneider Electric (WKN 860180) - der hier schon mehrfach besprochene Spezialist für Gebäudemanagement, dreht im Kurs seit einiger Zeit nach oben und hat langfristig eine ausgezeichnete Wettbewerbsposition in einem Wachstumsmarkt.

3. Itron (WKN 888379) - der amerikanische Smart-Grid Spezialist legt gerade einen gewaltigen Turnaround hin. Nachdem er ungefähr die Hälfte des sensationellen 24% Tages-Anstiegs von Februar wieder abgegeben hat, scheint der Kurs nun bereit wieder nach oben zu drehen.

4. Prysmian (WKN A0MP84) - der Marktführer im Bereich Hochspannungs- und Tiefseekabel profitiert von den Investitionen in Offshore-Windparks und die Kursentwicklung spricht bisher eine klare Sprache bei gleichzeitig moderater Bewertung.

Über Ihre Meinung/Einschätzung/Analyse zu obigen Titeln freue ich mich wie immer !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, bis Morgen in alter Frische !
Ihr Hari